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Rezensionen verfasst von
Miezekatze (München)

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Afterwards
Afterwards
von Rosamund Lupton
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,87

4.0 von 5 Sternen Spannende Story mit extravaganter Erzählweise, 29. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Afterwards (Taschenbuch)
"Sister" gefiel mir ausnehmend gut, so dass meine Erwartungen an "Afterwards" entsprechend hoch waren - und sie haben sich erfüllt. Wie im Vorgängerbuch ist auch hier die Handlung mitreißend als Whodunnit aufgebaut; bei einem schrecklichen Feuer in einer Schule werden Mutter und Teenage-Tochter zwar gerettet, aber beide liegen schwerst verletzt im Koma im Krankenhaus. Mutter und Tochter haben eine Out-of-Body-Erfahrung, verlassen ihren Körper. Die Mutter Grace erzählt, wie die beiden versuchen, die Wahrheit über das Feuer und den Brandstifter herauszufinden, indem sie die wesentlichen Protagonisten belauschen, die ins Krankenhaus zu Besuch kommen: den geschockten Ehemann, den traumatisierten kleinen Sohn, die bei der Polizei als Ermittlerin tätige Schwägerin, weitere Verwandte, Lehrer, Mitschüler und Freunde von Mutter und Tochter.

Die Erzählperspektive ist außergewöhnlich: Die im Koma liegende Mutter erzählt in der Gegenwart und adressiert dabei ihren Mann. Dabei ist klar, dass Mutter und Tochter schwerst verletzt sind, und ihre Aussichten werden mit der Zeit immer prekärer. Erfreulicherweise schafft die Autorin es, den Rührseligkeitsfaktor in Grenzen zu halten und trotz außergewöhnlicher Erzählsituation gekonnt Spannung aufzubauen. Wie schon bei "Sister", so verzichtet die Autorin auch hier nicht auf ausgereifte Reflextionen, die Grace über ihre Familie, ihre Freundinnen und ihren Berufsweg anstellt. So erwachen Graces Familie und Umfeld dreidimensional zum Leben; Grace stellt bei ihren Recherchen fest, dass sie Sichergeglaubtes in Frage stellen und auch zu ihrem eigenen Leben neue Interpretationen finden muss.

Graces Liebe zu ihrer Familie kommt deutlich und tiefgründig zum Ausdruck; sie liebt Mann und Kinder über alles, und ihr Mann und ihre Kinder lieben sie. Im Nachgang stieß mir das etwas schal auf. Ich fand unglaubwürdig, wie unglaublich gut und edel alle Verwandten sind oder werden; mochte z.B. Grace bis dahin ihre erfolgreiche Schwägerin nicht besonders, so wird diese vollständig für Grace rehabilitiert und erstrahlt zur Heldin. Die Beziehung zwischen Grace und Michael ist unerschütterlich und immer ohne ernsthafte Probleme gewesen; die Beziehung zu den Kindern ein Traum. Es mag dem Ende geschuldet sein, dass Grace das vollständige GLÜCK erleben durfte, aber mir kam es letztendlich etwas zu dick aufgetragen und damit etwas unglaubwürdig vor.

Daher einen Stern Abzug für einen mitreißenden und tiefsinnigen Roman.


Außer sich (Krimi/Thriller)
Außer sich (Krimi/Thriller)
von Rosamund Lupton
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Extravagante Erzählweise einer spannenden Story, 29. Mai 2012
"Liebste Tess" gefiel mir ausnehmend gut, so dass meine Erwartungen an "Außer sich/Afterwards" entsprechend hoch waren - und sie haben sich im Großen und Ganzen voll erfüllt! Wie im Vorgängerbuch ist auch hier die Handlung mitreißend als Krimi aufgebaut; bei einem schrecklichen Feuer in einer Schule werden Mutter und Teenage-Tochter zwar gerettet, aber beide liegen schwerst verletzt im Koma im Krankenhaus. Mutter und Tochter verlassen in einer Art Nahtoderfahrung ihren Körper. Die Mutter Grace erzählt, wie die beiden versuchen, die Wahrheit über das Feuer und den Brandstifter herauszufinden, indem sie die wesentlichen Protagonisten belauschen, die ins Krankenhaus zu Besuch kommen: den geschockten Ehemann, den traumatisierten kleinen Sohn, die bei der Polizei als Ermittlerin tätige Schwägerin, weitere Verwandte, Lehrer, Mitschüler und Freunde von Mutter und Tochter.

Die Erzählperspektive ist außergewöhnlich: Die im Koma liegende Mutter erzählt in der Gegenwart und adressiert dabei ihren Mann. Dabei ist klar, dass Mutter und Tochter schwerst verletzt sind, und ihre Aussichten werden mit der Zeit immer prekärer. Erfreulicherweise schafft die Autorin es, den Rührseligkeitsfaktor in Grenzen zu halten und trotz außergewöhnlicher Erzählsituation gekonnt Spannung aufzubauen. Wie schon bei "Liebste Tess", so verzichtet die Autorin auch hier nicht auf ausgereifte Reflextionen, die Grace über ihre Familie, ihre Freundinnen und ihren Berufsweg anstellt. So erwachen Graces Familie und Umfeld dreidimensional zum Leben; Grace stellt bei ihren Recherchen fest, dass sie Sichergeglaubtes in Frage stellen und auch zu ihrem eigenen Leben neue Interpretationen finden muss.

Graces Liebe zu ihrer Familie kommt deutlich und tiefgründig zum Ausdruck; sie liebt Mann und Kinder über alles, und ihr Mann und ihre Kinder lieben sie. Im Nachgang stieß mir das etwas schal auf. Ich fand unglaubwürdig, wie unglaublich gut und edel alle Verwandten sind oder werden; mochte z.B. Grace bis dahin ihre erfolgreiche Schwägerin nicht besonders, so wird diese vollständig für Grace rehabilitiert und erstrahlt zur Heldin. Die Beziehung zwischen Grace und Michael ist unerschütterlich und immer ohne ernsthafte Probleme gewesen; die Beziehung zu den Kindern ein Traum. Es mag dem Ende geschuldet sein, dass Grace das vollständige GLÜCK erleben durfte, aber mir kam es letztendlich etwas zu dick aufgetragen und damit etwas unglaubwürdig vor.

Daher einen Stern Abzug für einen mitreißenden und tiefsinnigen Roman.


Titan: Roman
Titan: Roman
von Robert Harris
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brillant!, 29. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Titan: Roman (Taschenbuch)
...anders kann man dieses Buch nicht nennen! War schon Ciceros Aufstieg in "Imperium" mitreißend, so ist sein einmaliger Höhenflug und tiefer Fall in "Titan" noch gewaltiger. Mit Liebe zum akribischen Detail zeichnet Harris ein hochdifferenziertes Bild des politischen Umfelds, in dem Cicero gegen Catilina vorgeht. (Und endlich konnte ich die Auszüge seiner Reden gegen Catilina, mit denen ich im Lateinunterricht gequält wurde, in einen Gesamtzusammenhang einordnen!) Dabei wird das hochkomplexe Ränkespiel der römischen Welt nirgendwo langweilig, sondern "Titan" liest sich als Reißer. Besonders das Ende empfand ich genial, als Cicero erkennen muss, in welch prekäre Situation er sich manövriert hat und hat manövrieren lassen! Ich kann den dritten Band der Cicero-Reihe kaum erwarten. 5 wohlverdiente Sterne. Chapeau.


Lustrum
Lustrum
von Robert Harris
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Brillant!, 29. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lustrum (Taschenbuch)
...anders kann man dieses Buch nicht nennen! War schon Ciceros Aufstieg in "Imperium" mitreißend, so ist sein einmaliger Höhenflug und tiefer Fall in "Lustrum" noch gewaltiger. Mit Liebe zum akribischen Detail zeichnet Harris ein hochdifferenziertes Bild des politischen Umfelds, in dem Cicero gegen Catilina vorgeht. (Und endlich konnte ich die Auszüge seiner Reden gegen Catilina, mit denen ich im Lateinunterricht gequält wurde, in einen Gesamtzusammenhang einordnen!) Dabei wird das hochkomplexe Ränkespiel der römischen Welt nirgendwo langweilig, sondern "Lustrum" liest sich als Reißer. Besonders das Ende empfand ich genial, als Cicero erkennen muss, in welch prekäre Situation er sich manövriert hat und hat manövrieren lassen! Ich kann den dritten Band der Cicero-Reihe kaum erwarten. 5 wohlverdiente Sterne. Chapeau.


The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten
The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten
Preis: EUR 7,97

5.0 von 5 Sternen Zauberhafte Filmmusik - Hawaii zum Träumen!, 29. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Schon in der Mitte des Films stand mein Entschluss fest, die CD zu kaufen! Seither ist "The Descendants" die am meisten gespielte Scheibe im Haushalt. Die hawaiianischen Lieder und Weisen finde ich zum Träumen schön; jedes Stück ist einzigartig und gelungen. Man muss auch nicht den Film gesehen haben, um die Musik zu lieben; die Hawaii-Klänge sind ohne Film sogar noch zauberhafter. Unbedingte Kaufempfehlung!!!


The Honourable Schoolboy
The Honourable Schoolboy
von John le Carré
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,50

4.0 von 5 Sternen Welch eine Sprachgewalt!!, 6. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Honourable Schoolboy (Taschenbuch)
Nachdem ich "Tinker Taylor Soldier Spy" gelesen hatte, war ich erst mal vom Nachfolger "The Honourable Schoolboy" überrascht, dessen Umfang mit fast 700 engbedruckten Seiten in etwa bei den "Buddenbrooks" liegt. Während "Die Buddenbrooks" jedoch drei Generationen umspannen, erzählt le Carré von wenigen Monaten, in denen George Smiley Karlas chinesischen Top-Maulwurf nach Hongkong locken will, um ihn dort einzukassieren. Dabei muss Smiley notgedrungen nach Bill Haydons Entlarvung auf den unbekannten Gelegenheitsspion Jerry Westerby zurückgreifen, der als Journalist den Fernen Osten wie seine Westentasche kennt. In einem Plot, der an Komplexität kaum zu überbieten ist und von George Smiley aus dem Circus heraus orchestriert wird, reist Jerry von Hongkong aus an jeden Hot Spot, den Indochina damals zu bieten hat (Saigon Tage vor dem Abzug der Amerikaner, an den Mekong, zu den Roten Khmer, Phnom Pen, Vientiane, Battabang etc etc). Dabei gelingt es le Carré unaufdringlich, aber zunehmend deutlich zu zeigen, wie tief durchdrungen der Ferne Osten damals noch von einer stichpunktartigen amerikanischen Präsenz ist, die jedoch überall als schmerzhafter Fremdkörper wirkt. Obwohl die Briten in Hongkong die Oberhand haben, ist Smiley gezwungen, auf seiner Suche nach dem Maulwurf mit den amerikanischen Vettern zusammenzuarbeiten - und die Reibereien zwischen dem steifen Briten Smiley und den hemdsärmligen Amerikanern sind ein Highlight des Romans.

Das umfangreiche Konvolut an Roman lebt für mich vor allem durch le Carrés Sprachgewalt. Die ersten 170 Seiten haben mich erst mal wenig überzeugt, und ich hab das Buch zweimal schon aussortiert gehabt, bis ich mir ein drittes Mal einen Ruck gegeben habe. Dann hat mich der Plot nicht mehr losgelassen, aber noch mehr war es für mich der einzigartige Sprachstil, der dem Buch sein Leben einflößt. Ganz herrlich der trockene Humor, oft nur in einem Satz oder einer Phrase. Smileys superbritische public school Sprechweise des Understatements ist superb eingesetzt. Zum Beispiel: Selbst als sich die Ereignisse auf den allerletzten Seiten in kürzester Zeit überschlagen, verliert Smiley nicht die britische Façon: "Peter," Smiley said quietly. "I see there's a telephone behind you. Perhaps you'd be good enough to hand it to me." Da wundert es wenig, wenn Smileys bodenständige amerikanische Pendants in der Krise ihre Façon verlieren!

Ein cleverer Zug le Carrés ist es, die Handlung im Rückblick zu erzählen - die ersten 4 Seiten deuten schon eine Interpretation der Ereignisse in den folgenden 700 an, die unklar ist, aber doch irgendwie unheilvolle Schatten vorauswirft. Solche immer in Rückblicke gewandeten ominösen Andeutungen fließen ab und zu ein, meist nur als ein Satz, so dass man was ahnt, ohne was zu wissen, z.B.: "It has been laid at Smiley's door more than once since the curtain was rung down on the Dolphin case that now was the moment when George should have gone back to Sam Collins and hit him hard and straight just where it hurt."

Dieses unterschwellige Gefühl von Momenten des Scheiterns pointiert die Ereignisse im Roman gekonnt, so dass immer mehr Spannung erzeugt wird und immer mehr Neugier aufkommt, was wohl am Ende passiert. Und hier enttäuscht le Carré nicht, mehr soll nicht verraten werden!

Eigentlich 5 Sterne, aber da es mir das Buch anfangs über viele Seiten schwer gemacht hat, einen Zugang zu finden, 1 Stern Abzug.


Eine Art Held
Eine Art Held
von John le Carré
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Welch eine Sprachgewalt!!, 6. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Eine Art Held (Taschenbuch)
Nachdem ich "Tinker Taylor Soldier Spy" gelesen hatte, war ich erst mal vom Nachfolger "The Honourable Schoolboy" überrascht, dessen Umfang mit fast 700 engbedruckten Seiten in etwa bei den "Buddenbrooks" liegt. Während "Die Buddenbrooks" jedoch drei Generationen umspannen, erzählt le Carré von wenigen Monaten, in denen George Smiley Karlas chinesischen Top-Maulwurf nach Hongkong locken will, um ihn dort einzukassieren. Dabei muss Smiley notgedrungen nach Bill Haydons Entlarvung auf den unbekannten Gelegenheitsspion Jerry Westerby zurückgreifen, der als Journalist den Fernen Osten wie seine Westentasche kennt. In einem Plot, der an Komplexität kaum zu überbieten ist und von George Smiley aus dem Circus heraus orchestriert wird, reist Jerry von Hongkong aus an jeden Hot Spot, den Indochina damals zu bieten hat (Saigon Tage vor dem Abzug der Amerikaner, an den Mekong, zu den Roten Khmer, Phnom Pen, Vientiane, Battabang etc etc). Dabei gelingt es le Carré unaufdringlich, aber zunehmend deutlich zu zeigen, wie tief durchdrungen der Ferne Osten damals noch von einer stichpunktartigen amerikanischen Präsenz ist, die jedoch überall als schmerzhafter Fremdkörper wirkt. Obwohl die Briten in Hongkong die Oberhand haben, ist Smiley gezwungen, auf seiner Suche nach dem Maulwurf mit den amerikanischen Vettern zusammenzuarbeiten - und die Reibereien zwischen dem steifen Briten Smiley und den hemdsärmligen Amerikanern sind ein Highlight des Romans.

Das umfangreiche Konvolut an Roman lebt für mich vor allem durch le Carrés Sprachgewalt. Die ersten 170 Seiten haben mich erst mal wenig überzeugt, und ich hab das Buch zweimal schon aussortiert gehabt, bis ich mir ein drittes Mal einen Ruck gegeben habe. Dann hat mich der Plot nicht mehr losgelassen, aber noch mehr war es für mich der einzigartige Sprachstil, der dem Buch sein Leben einflößt. Ganz herrlich der trockene Humor, oft nur in einem Satz oder einer Phrase. Smileys superbritische public school Sprechweise des Understatements ist superb eingesetzt. Zum Beispiel: Selbst als sich die Ereignisse auf den allerletzten Seiten in kürzester Zeit überschlagen, verliert Smiley nicht die britische Façon: "Peter," Smiley said quietly. "I see there's a telephone behind you. Perhaps you'd be good enough to hand it to me." Da wundert es wenig, wenn Smileys bodenständige amerikanische Pendants in der Krise ihre Façon verlieren!

Ein cleverer Zug le Carrés ist es, die Handlung im Rückblick zu erzählen - die ersten 4 Seiten deuten schon eine Interpretation der Ereignisse in den folgenden 700 an, die unklar ist, aber doch irgendwie unheilvolle Schatten vorauswirft. Solche immer in Rückblicke gewandeten ominösen Andeutungen fließen ab und zu ein, meist nur als ein Satz, so dass man was ahnt, ohne was zu wissen, z.B.: "It has been laid at Smiley's door more than once since the curtain was rung down on the Dolphin case that now was the moment when George should have gone back to Sam Collins and hit him hard and straight just where it hurt."

Dieses unterschwellige Gefühl von Momenten des Scheiterns pointiert die Ereignisse im Roman gekonnt, so dass immer mehr Spannung erzeugt wird und immer mehr Neugier aufkommt, was wohl am Ende passiert. Und hier enttäuscht le Carré nicht, mehr soll nicht verraten werden!

Eigentlich 5 Sterne, aber da es mir das Buch anfangs über viele Seiten schwer gemacht hat, einen Zugang zu finden, 1 Stern Abzug.


Kleine Eheverbrechen: Roman
Kleine Eheverbrechen: Roman
von Eric-Emmanuel Schmitt
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Oberflächlich sehr unterhaltsam, aber in der Tiefe auch ärgerlich, 6. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Kleine Eheverbrechen: Roman (Taschenbuch)
"Kleine Eheverbrechen" habe ich erst mal mit großem Vergnügen gelesen und mich von den plötzlichen Wendungen in der Geschichte überraschen lassen. Die Twists im Plot bringen nicht nur Kurzweil in das Stück, sondern geben den Charakteren und ihrer Vergangenheit Tiefe und arbeiten die Täuschungen und Enttäuschungen bei ihren Ansprüchen ans Leben und Beziehungen gut heraus.

Spoiler:

Dennoch hat mich die Gesamtkonstruktion des Stücks zunehmend gestört - Gilles entpuppt sich als zunehmend unsympathischer Manipulator, der seinen Unfall und seine angebliche Amnesie als Werkzeug gegen seine Frau benutzt. So wie Gilles als Autor Geschichten schreibt und Protagonisten darin agieren lässt, so wird er nun selbst zum Manipulierer, um mit seiner Amnesie seine Frau aus der Deckung zu locken und ihr die Wahrheit über den Unfall abzuringen. Und erst nachdem sie vor dem Zuschauer bloßgestellt ist mit Alkoholproblem und Mordversuch, da schafft es Macho Gilles, selbst aus der Deckung zu kommen, sein unreifes Macho-Getue als Wurzel des Unglücks seiner Frau zu entlarven und eine Absichtserklärung abzugeben, dass er nun authentischer werden will und auf sein Macho-Mäntelchen verzichten möchte.

Die Manipulationen durch Gilles' Amnesie und die darausfolgende Bloßstellung von Lisa empfand ich als zutiefst unsympathisch und auch feige, und ich hatte das Gefühl, dass Gilles' Steuerung der Ereignisse Lisa nun erneut in eine Ecke drängt, nämlich die der Versöhnung. Man kann gerne sagen, der Zweck heiligt hier doch die Mittel, denn das Stück endet erwartungsgemäß konventionell, und dem Leser/Zuschauer wird am Ende ganz im Sinne der Katharsis eine heile Zukunft für ein Paar vorgegaukelt, das von nun an Alkoholprobleme, Mordlust und Seitensprünge beiseite schieben kann.

Dieses hingeschusterte, kathartische Ende mag für den Erfolg am Boulevard erforderlich sein, aber es beraubt sich damit seiner eigenen Vielschichtigkeit und Lisa ihres Mutes. Mich hätte das Stück sehr viel mehr überzeugt, wenn Lisa nach ihrem "Adieu" auf der vorletzten Seite nicht mehr zurückgekommen wäre. Leider nur 3 Sterne. Kein Vergleich zu "Gott des Gemetzels"!


11/22/63: A Novel
11/22/63: A Novel
von Stephen King
  MP3 CD
Preis: EUR 29,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brillante Tour-de-Force, 6. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 11/22/63: A Novel (MP3 CD)
Jake Eppings Zeitreisen ins Jahr 1958 und sein Versuch, das Kennedy-Attentat zu verhindern, haben mich mitgerissen. Dabei ist der Plot alles andere als geradlinig, und das ultimative Ziel, Kennedy zu retten, tritt oft in den Hintergrund - und genau das ist die Stärke dieses Romans. Die Zeit um 1960 wird greifbar wie kaum in einem anderen Buch; dabei erscheint die Zeit fremder und exotischer als man meinen könnte, denn viele haben sie noch selbst erlebt! Und gerade dieses Paradoxon kommt großartig rüber - die Endfünfziger sind für einen Zeitreisenden der heutigen Zeit einerseits tückisch nah und gleichzeitig erstaunlich fern, und Jake ist in seiner Identität als George Amberson in einem ständigen Lern- und Erfahrungsprozess zur damaligen Kultur, den ich mit großem Vergnügen mit ihm geteilt habe.

Jakes Leben in der Vergangenheit vibriert. Seine erste längere Erfahrung mit Zeitreisen, in der er das Leben seines Freundes Harry Dunning veärndern möchte, fand ich einen faszinierenden Einstieg, ja beinah eine Novelle in sich selbst. Und diese Reise wird dann zum unverzichtbaren Prolog für Jakes nächste, Jahre währende Zeitreise, da die Konsequenzen der ersten Reise immer wieder rätseln lassen, wie sich wohl die zweite Reise auf das Heute auswirkt.

So muss Jake 5 Jahre "überwintern", bis das Kennedy-Attentat stattfindet, und hier baut er sich eine erfüllende Existenz als Aushilfslehrer in der texanischen Kleinstadt Jodie auf. King brilliert mit der Darstellung von Jakes neuem Leben als George Amberson, und Jake verändert so das Leben seiner Schüler; zum Beispiel entdeckt ein angehender Football-Star sein ausnehmendes Talent als Schauspieler bei Jakes Schulaufführung von "Mice and Men" - und man spekuliert als Leser immer wieder (manchmal zusammen mit Jake), wie sich wohl das Leben dieser Schüler verändert? Mit der tolpatschigen neuen Bibliothekarin Sadie tritt dann die Liebe in Jake/Georges Leben, und hier erweist sich King erneut als begnadeter Erzähler einer tiefen Liebesbeziehung in all ihren Facetten und Komplexitäten. Doch gerade hier muss sich Jake auch hier immer wieder die Frage stellen: wie geht's nach dem Attentat mit seiner Liebe zu Sadie weiter?

Und mit näherrückendem Datum fällt auch auf diese Liebe der Schatten von Jakes Besessenheit mit Harvey Lee Oswald. Kings Darstellung von Oswald und seiner russischen Frau Marina fand ich mitreißend - und traurig. Das banale und zugleich tragische Schicksal des marxistischen Losers Oswald, der nach seiner erstaunlichen Rückkehr aus der Sowjetunion keinen Fuß in Texas mehr auf den Boden bekommt, aber fest glaubt, zu Höherem berufen zu sein, erwacht im Roman zum Leben. Die Ereignisse um das Attentat selbst sind unheimlich spannend, da sich die Zeit selbst zur Wehr setzt gegen Veränderungen ("The past is obdurate" ist wohl der häufigste Satz des Romans).

Das Genialste an diesem Roman ist das Ende. Ein stimmigeres (und mutigeres) Ende hätte Stephen King nicht einfallen können. Ein grandioser Roman. 5 Sterne.

PS: Das englischsprachige Hörbuch wird exzellent gelesen von Craig Wasson und hat ein kurzes, aber interessantes Nachwort von Stephen King.


Der Anschlag
Der Anschlag
von Stephen King
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,99

5.0 von 5 Sternen Brillante Tour-de-Force, 6. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Anschlag (Gebundene Ausgabe)
Jake Eppings Zeitreisen ins Jahr 1958 und sein Versuch, das Kennedy-Attentat zu verhindern, haben mich mitgerissen. Dabei ist der Plot alles andere als geradlinig, und das ultimative Ziel, Kennedy zu retten, tritt oft in den Hintergrund - und genau das ist die Stärke dieses Romans. Die Zeit um 1960 wird greifbar wie kaum in einem anderen Buch; dabei erscheint die Zeit fremder und exotischer als man meinen könnte, denn viele haben sie noch selbst erlebt! Und gerade dieses Paradoxon kommt großartig rüber - die Endfünfziger sind für einen Zeitreisenden der heutigen Zeit einerseits tückisch nah und gleichzeitig erstaunlich fern, und Jake ist in seiner Identität als George Amberson in einem ständigen Lern- und Erfahrungsprozess zur damaligen Kultur, den ich mit großem Vergnügen mit ihm geteilt habe.

Jakes Leben in der Vergangenheit vibriert. Seine erste längere Erfahrung mit Zeitreisen, in der er das Leben seines Freundes Harry Dunning veärndern möchte, fand ich einen faszinierenden Einstieg, ja beinah eine Novelle in sich selbst. Und diese Reise wird dann zum unverzichtbaren Prolog für Jakes nächste, Jahre währende Zeitreise, da die Konsequenzen der ersten Reise immer wieder rätseln lassen, wie sich wohl die zweite Reise auf das Heute auswirkt.

So muss Jake 5 Jahre "überwintern", bis das Kennedy-Attentat stattfindet, und hier baut er sich eine erfüllende Existenz als Aushilfslehrer in der texanischen Kleinstadt Jodie auf. King brilliert mit der Darstellung von Jakes neuem Leben als George Amberson, und Jake verändert so das Leben seiner Schüler; zum Beispiel entdeckt ein angehender Football-Star sein ausnehmendes Talent als Schauspieler bei Jakes Schulaufführung von "Mice and Men" - und man spekuliert als Leser immer wieder (manchmal zusammen mit Jake), wie sich wohl das Leben dieser Schüler verändert? Mit der tolpatschigen neuen Bibliothekarin Sadie tritt dann die Liebe in Jake/Georges Leben, und hier erweist sich King erneut als begnadeter Erzähler einer tiefen Liebesbeziehung in all ihren Facetten und Komplexitäten. Doch gerade hier muss sich Jake auch hier immer wieder die Frage stellen: wie geht's nach dem Attentat mit seiner Liebe zu Sadie weiter?

Und mit näherrückendem Datum fällt auch auf diese Liebe der Schatten von Jakes Besessenheit mit Harvey Lee Oswald. Kings Darstellung von Oswald und seiner russischen Frau Marina fand ich mitreißend - und traurig. Das banale und zugleich tragische Schicksal des marxistischen Losers Oswald, der nach seiner erstaunlichen Rückkehr aus der Sowjetunion keinen Fuß in Texas mehr auf den Boden bekommt, aber fest glaubt, zu Höherem berufen zu sein, erwacht im Roman zum Leben. Die Ereignisse um das Attentat selbst sind unheimlich spannend, da sich die Zeit selbst zur Wehr setzt gegen Veränderungen ("The past is obdurate" ist wohl der häufigste Satz).

Das Genialste an diesem Roman ist das Ende. Ein stimmigeres (und mutigeres) Ende hätte Stephen King nicht einfallen können. Ein grandioser Roman. 5 Sterne.

PS: Das englischsprachige Hörbuch wird exzellent gelesen von Craig Wasson und hat ein kurzes, aber interessantes Nachwort von Stephen King.


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