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Rezensionen verfasst von
Hartmut Zimmer (Alzenau)

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Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen Generation
Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen Generation
von Sabine Bode
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Traumata von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg: Eingewoben in die Persönlichkeiten der Nachkriegsgeneration, 19. September 2015
Traumatische Erlebnisse haben einen großen Teil der Kriegsgeneration tief geprägt. Eine systematische Trauma-Verarbeitung war in einem seinerzeit chaotischen Umfeld jedoch kaum möglich.

Nicht verwunderlich ist daher, dass die Erziehung vieler Kriegsenkel (der Nachkommen der Kriegskinder) von den traumatischen Erlebnissen der Elterngeneration stark beeinflusst wurde. Sabine Bode zeigt auf, dass in der deutschen Nachkriegsgesellschaft zudem über Jahrzehnte hinweg zwar eine Schulddiskussion stattfand, die Folgen von Nationalsozialismus und Kriegstraumata auf die Kriegsenkel dabei jedoch nicht thematisiert wurden. Erst Anfang des 21. Jahrhunderts (mehr als 50 Jahre nach Kriegsende) begann die Aufarbeitung derjenigen Spätfolgen des Zweiten Weltkrieges, die die Kriegsenkel-Generation trafen.

Viele Kriegsenkel haben sich mit ihrem Trauma-Erbe oft über Jahrzehnte herumgequält, aber vergeblich nach einem Schlüssel zu bestimmten Merkmalen der eigenen Persönlichkeit gesucht. Wer als Kind eines Kriegskindes (insbesondere eines Flüchtlingskindes) das Verständnis für die Entwicklung seiner Persönlichkeit noch nicht gefunden hat, der dürfte bei Sabine Bode wohl häufig rasch fündig werden. Das Buch ist unbedingt zu empfehlen für diejenigen aus der Nachkriegsgeneration, deren Eltern möglicherweise nie verarbeitete Kriegstraumata erlitten haben.


Die Kunst des Krieges
Die Kunst des Krieges
von Sun Tsu
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 4,95

4 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Sun Tsu: Die Lehre von der cleveren Skrupellosigkeit - oder: Je größer das Schaf, desto dunkler das Fell, 15. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst des Krieges (Gebundene Ausgabe)
Zweifellos können viele der Ratschläge Sun Tsus nicht mehr wörtlich genommen, sondern müssen in unsere Zeit "übersetzt" werden, auch wenn seine Leitsätze sicherlich nicht in grundsätzlichem Widerspruch zu heutiger (militärischer) Taktiklehre stehen. Sun Tsu kann -in positiver Sichtweise- als Ratgeber für den bestmöglichen Einsatz der eigenen Kräfte und für das effiziente Haushalten mit den eigenen Mitteln verstanden werden.

Mit Moral aber haben die Gedanken Sun Tsus ausdrücklich nichts zu tun: Es geht ihm darum, mit eben allen zur Verfügung stehenden Mitteln den "Sieg" zu erreichen. Als höchste Kunst erscheint ihm explizit diejenige des Täuschens und Betrügens, um zum Ziel, zum "Sieg" zu gelangen.

Dies aber ist doch eine sehr beschränkte Sicht der Dinge, genauer gesagt, eine Weltsicht, die in der Gefahr steht, sich auf eine letztlich erbärmliche Skrupellosigkeit zu reduzieren: Der Zweck ("der Sieg") heiligt jedes Mittel, jede Hinterhältigkeit, jede Rücksichtslosigkeit, jede Brutalität. Das aber hat der Weltgeschichte schon mehrmals nicht besonders gut getan.

Der (militärische) "Sieg" hat bei Sun Tsu den Anklang einer Ersatzreligion. Aber verdient es Sun Tsu deshalb schon, zum Philosophen geadelt zu werden? Das Frösteln im Angesicht seiner brutalstmöglichen Eiseskälte ist wohl nicht als Reflex auf die "Liebe zur Weisheit" zur verstehen...

Und was sich bei ihm zunächst einmal in rein militärischer Dimension zeigt, findet sich 2500 Jahre später in anderen Ersatzreligionen wieder - etwa in der glaubensartigen Verehrung des (mikroökonomischen) Quartalsergebnisses, welches häufig genug im Zentrum allen Denkens und Strebens steht und ebenso mit allen Finessen verfolgt wird, selten jedoch mit den Mitteln irgendeiner Moral.

Die wahren "Feinde" des Gemeinwesens sind auf Dauer diejenigen morallosen Technokraten, in deren merkwürdig verengtem, tunnelartigem Denken zuletzt jedes Mittel zur Zielerreichung recht ist. Diesen (potenziellen oder tatsächlichen) Verbrechern, die all zu oft im Zeichen ihrer vermeintlich absoluten Weisheiten die von ihnen Abhängigen unterdrücken, gehört ein straffes Zaumzeug eines moralischen Wertekanons angelegt. Dann fehlte ihnen auch nicht in so peinlicher Weise jeglicher Anschein einer ethischen Kinderstube - deren Nichtvorhandensein sie übrigens in keiner Weise derangiert, während sie sich wohlgefällig - "altrömisch-dekadent" - in ihren Machtpositionen suhlen.

Ein unverzichtbares Handbuch für alle Despoten in Wirtschaft und Politik und für diejenigen, die gerne einmal in die tiefsten Abgründe der Gewissenlosigkeit blicken möchten. Als Pflichtlektüre gerade auch für heutige Völkerrechtsverletzer und Kriegsverbrecher dringend zu empfehlen. Dreimal hoch lebe die "clevere", kaltschnäutzige, brutalstmögliche Skrupellosigkeit.
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NACHTRAG:

-- Auf der Suche nach dem weißen Schaf --
(Die nachfolgende Aufzählung enthält nur einige Beispiele nicht ausschließlich, aber überwiegend "schwarzer Schafe": Jeder von Ihnen wird sicherlich etliche weitere kennen oder finden.)

*** Flüchtlingspolitik: Wer noch nach Beispielen für rücksichtslose Interessenpolitik gesucht hat, der wird sicherlich rund um das Thema Syrien-Flüchtlinge fündig.

*** Die "größte" deutsche Bank: Für eine wenig ehrenwerte Unternehmenskultur dürfte sprechen, wenn sich mehrere Vorstände der Deutschen Bank zeitgleich strafrechtlich verantworten müssen. Vielleicht würde Sun Tsu die schlechte Tarnung zweifelhaften Handelns bemängeln.

*** Der "größte" deutsche Automobil-Konzern: Wer nach ausgewählten Anhängern dreister Kostenreduzierung fahndet, der schaut sich vielleicht einmal bei den Umweltbetrügern des VW-Konzerns um. Wenn sich sich nur einige der denkbaren Risiken realisieren, dann werden die "ehrenwerten" Herren nicht nur ihr Unternehmen, sondern auch viele der Existenzen "ihrer" 600.000 Mitarbeiter ruiniert haben.

- Betrug und unverändert bodenlose Kaltschnäutzigkeit? VW-Vorstandschef Martin Winterkorn erhielt für seine "verdienstvolle" Tätigkeit allein für das Jahr 2014 ein fantasievolles Gehalt von 15,9 Millionen Euro. "Topverdiener". Außerdem darf sich Herr Winterkorn über eine 28 Millionen Euro schwere Altersversorgung freuen. Auf die Auszahlung seines Vertrags soll der vom Vorstandsvorsitz abgelöste Herr Winterkorn bestehen. Recht tut er, würde Sun Tsu wohl sagen.

*** Der "größte" europäische Automobilclub: Betrug und Filz sind oft Geschwister: Manipulationen rund um den Automobilpreis "Gelber Engel (2014). "Hauptsache, es fällt nicht auf." Was für eine innere Verachtung Kunden und Mitgliedern gegenüber muss sich wohl hinter solchem Verhalten verbergen? Hohn und Verachtung sind Sun Tsu nicht fremd.

*** Der "größte" deutsche Technologiekonzern: Enttarnt wurde 2006 ein Korruptionssystem des Siemens-Konzerns, einem weiteren Aushängeschild der deutschen Wirtschaft. Ein kleiner Fisch, so könnte man meinen: Die Gesamtkosten des Schmiergeld-Skandals für Siemens aus Steuernachzahlungen, Strafzahlungen und Beraterkosten beliefen sich auf "nur" 2,9 Milliarden Euro. "Peanuts" eben - fleißige Übung macht die Kunst des Krieges, dazu würde Sun Tsu wohl raten.

*** FIFA: Treuwidriger Zahlungen wird FIFA-Chef Blatter verdächtigt. Generalsekretär Valcke musste wegen vermuteter finanzieller Unregelmäßigkeiten den Hut nehmen. Bereits zuvor wurde Blatter von etlichen strafrechtlich Beschuldigten verlassen. Ach richtig, wie steht es um Platini, Beckenbauer, Netzer und Niersbach? Die FIFA - eine kriminelle Vereinigung? Sun Tsu hätte es keinesfalls gestört, dass man seinen miesen Ratschlägen folgt.

***Protagonisten wie Karl-Heinz Rummenigge rufen sinngemäß gerne einmal aus: "Aber es ist doch ein Freund!" Wie entsetzlich... Solche Sprüche könnten zumindest von "weniger Schlauen" sehr leicht als dümmlich oder verantwortungslos verstanden werden: " "Freunde" stehen - wenn Gott es will - selbstverständlich über Recht und Gesetz". Sun Tsu würde ganz bestimmt nicht widersprechen.

*** Multinationale Konzerne: Minimalversteuerung durch Gewinnverlagerung? Wo kämen wir denn hin, wenn nicht, meinen Entscheidungsträger in Unternehmen, die sich dem Gemeinwohl allenfalls zu Werbezwecken verpflichtet fühlen. "Armeen" von "Beratern" verbringen ihr Leben tagein, taugaus ausschließlich mit hochbezahlten, aber letztlich sinn-freien Überlegungen dazu, wie man wohl die Allgemeinheit durch "legale", wohl aber kaum immer legitime Steuervermeidung benachteiligen kann. Sun Tsu sagt ganz offen: Der Krieg darf gerne mit List und bei Bedarf auch mit betrügerischen Mitteln gewonnen werden.

Korrupte und andere Kriminelle handeln zumeist nach dem (alle denkbaren Weisheiten ersetzenden) Leitprinzip: "Hauptsache, es fällt nicht auf."

Auffällig beliebt ist bei Sun Tsu-Anhängern auch der (ganz bewusst) völlig werte-freie Spruch: "Erster sein, egal wie." Liebe Sun-Tsu-Anhänger: Das dachten sich nicht nur die VW-Betrüger und die FIFA-Korrupten.

Wenn sich da mal nicht noch einige andere gewaltig täuschen... Was nutzen den am öffentlichen Pranger stehenden dunklen Gestalten noch die schändlich-trickreichen Empfehlungen des skrupellosen Sun Tsu?
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 16, 2016 2:11 PM CET


So zärtlich war Suleyken: Masurische Geschichten
So zärtlich war Suleyken: Masurische Geschichten
von Siegfried Lenz
  Sondereinband
Preis: EUR 6,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Hinter dem Rücken der Geschichte" - das masurische Lebensgefühl, 24. Februar 2015
Siegfried Lenz beschreibt in zwanzig Episoden die Seele seiner ostpreußischen Heimat. Die 1955 erschienenen Kurzgeschichten handeln rings um das fiktive masurische Dorf Suleyken, das sich nahe der damaligen deutsch-polnischen Grenze befindet - in einem Umfeld, in dem sich die Kulturen vermischen. Lenz zeichnet humorvoll und mit Anklängen an den regionalen Dialekt das besondere masurische Lebensgefühl nach, das von Gelassenheit, bodenständiger Ursprünglichkeit und einer an Bauernschläue erinnernden, hintergründigen Intelligenz gekennzeichnet ist.


Deutschstunde: Roman (dtv Literatur)
Deutschstunde: Roman (dtv Literatur)
von Siegfried Lenz
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Stück deutsche Wertekultur: Über Befehlsgeber, die auf ihre Rücksichtlosigkeit stolz sind, und zwanghafte Befehlsempfänger, 22. Februar 2015
Der Jugendliche Siggi Jepsen ist Protagonist des 1968 erschienenen Romans von Siegfried Lenz. Ende des Zweiten Weltkrieges wird Siggi in einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche zu einer Strafarbeit zum Thema "Die Freuden der Pflicht" verurteilt. Aber anstatt seine Aufgabe in kurzer Zeit abzuschließen, erschafft er in monatelanger Arbeit ein detailliertes Bild seiner Familie sowie der dörflichen Gemeinschaft, in der er aufgewachsen ist und wird sich so seiner eigenen Persönlichkeit bewusst. Der Roman von Siegfried Lenz spiegelt einen vorläufigen Endpunkt einer deutschen Kulturgeschichte, deren Pflichtorientierung von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Im Zentrum des aus der Perspektive des Ich-Erzählers Siggi geschriebenen Romans stehen Pflicht und Zwang. Siggis Vater, "Polizeiposten" im schleswig-holsteinischen Rugbüll, verkörpert das Bild des pflichtbewusst-zuverlässigen Befehlsempfängers. Überzeugt vom Vorrang der Pflicht führt er "aus Berlin" erhaltene Befehle der nationalsozialistischen Machthaber willig aus, ohne jemals einen Zweifel zu verspüren.

Siggi empfindet hingegen eine emotionale Nähe zu dem (international anerkannten) Maler Nansen, der von den nationalsozialistischen Machthabern ein Berufsverbot erhalten hat, dass der Polizeiposten durchsetzen soll und will. Selbst nach Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Untergang der Befehlsgeber, die sich unter den neuen Gegebenheiten flexibel und rasch auf die "richtige" Seite schlagen, stellt der "Polizeiposten" dem Maler zwanghaft nach. Im Handeln des Polizisten zeigt sich, wie sich sein Pflichtbewusstsein zwanghaft verselbständigt hat. Die unerbittliche Ausführung einmal erhaltener Befehle ist zu seinem wesentlichen, vielleicht einzigen Lebensziel geworden.
Vermeintlich bedrohte Bilder durch Diebstahl zu schützen, wird schließlich zur ebenfalls zwanghaften Vorstellung Siggis, was ihn in die Erziehungsanstalt bringt.

Lenz ist der Überzeugung, dass den wertelos-skrupellosen Befehlsgebern alles zuzutrauen ist. Niemand solle sich über ihre Rücksichtslosigkeit täuschen. Die Stärke der Skrupellosen liege gerade darin, dass sie eben keinerlei Rücksicht nehmen. Die Freiheit des Einzelnen sei dadurch gefährdet, dass sich die Machthaber anmaßten, alles und jedes einer Bewertung zu unterziehen. Was keine Wertung besitze, sei aus Sicht der Machthaber nicht der Rede Wert. Die Machthaber nähmen für sich eine Allzuständigkeit in Anspruch, die das Eingestehen noch nicht einmal einer punktuellen Unwissenheit zulässt.

Die von Lenz erstellte Skizze deutscher Kultur betrifft nicht nur die vergleichsweise kurze nationalsozialistische Epoche. Die Reduzierung und Überbetonung des Pflichtbewussten als markantes Element deutscher Herrschaftsordnungen hat sich bis in die Gegenwart enthalten. Während jedoch im staatlichen Bereich das Gewaltpotenzial von Despoten durch (nicht nur formal geltende) demokratische Prinzipien und Gewaltenteilung eingedämmt wurde, fehlen vergleichbare Regeln und Werte bei großen nicht-staatlichen Organisationen möglicherweise ganz überwiegend. Die von Lenz dargestellte deutsche Kulturtradition von selbstzufriedenem Befehl und untertänigstem Gehorsam lebt hier ungestört weiter.

So stellt sich z. B. die Frage, welches Großunternehmen noch glaubt, ohne das Prinzip der Rücksichtslosigkeit gegenüber Mitarbeitern und deren unbedingtes Pflichtbewusstsein funktionieren zu können. Als "erfolgreich" gelten häufig die brutalsten und zugleich von sonstigen "überflüssigen" Werten am wenigsten belasteten Befehlsgeber. Niemand soll sich täuschen lassen, sagt Lenz. Nur die zufälligen historischen Umstände haben die auf Befehl und Pflicht orientierten "eiskalten" Machthaber im Dritten Reich an militärische Fronten und in Konzentrationslager beordert. Heute agieren sie an anderer Stelle - rein zufällig.


Deutschstunde: Sonderausgabe
Deutschstunde: Sonderausgabe
von Siegfried Lenz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Stück deutsche Wertekultur: Über Befehlsgeber, die auf ihre Rücksichtlosigkeit stolz sind, und zwanghafte Befehlsempfänger, 22. Februar 2015
Der Jugendliche Siggi Jepsen ist Protagonist des 1968 erschienenen Romans von Siegfried Lenz. Ende des Zweiten Weltkrieges wird Siggi in einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche zu einer Strafarbeit zum Thema "Die Freuden der Pflicht" verurteilt. Aber anstatt seine Aufgabe in kurzer Zeit abzuschließen, erschafft er in monatelanger Arbeit ein detailliertes Bild seiner Familie sowie der dörflichen Gemeinschaft, in der er aufgewachsen ist und wird sich so seiner eigenen Persönlichkeit bewusst. Der Roman von Siegfried Lenz spiegelt einen vorläufigen Endpunkt einer deutschen Kulturgeschichte, deren Pflichtorientierung von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Im Zentrum des aus der Perspektive des Ich-Erzählers Siggi geschriebenen Romans stehen Pflicht und Zwang. Siggis Vater, "Polizeiposten" im schleswig-holsteinischen Rugbüll, verkörpert das Bild des pflichtbewusst-zuverlässigen Befehlsempfängers. Überzeugt vom Vorrang der Pflicht führt er "aus Berlin" erhaltene Befehle der nationalsozialistischen Machthaber willig aus, ohne jemals einen Zweifel zu verspüren.

Siggi empfindet hingegen eine emotionale Nähe zu dem (international anerkannten) Maler Nansen, der von den nationalsozialistischen Machthabern ein Berufsverbot erhalten hat, dass der Polizeiposten durchsetzen soll und will. Selbst nach Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Untergang der Befehlsgeber, die sich unter den neuen Gegebenheiten flexibel und rasch auf die "richtige" Seite schlagen, stellt der "Polizeiposten" dem Maler zwanghaft nach. Im Handeln des Polizisten zeigt sich, wie sich sein Pflichtbewusstsein zwanghaft verselbständigt hat. Die unerbittliche Ausführung einmal erhaltener Befehle ist zu seinem wesentlichen, vielleicht einzigen Lebensziel geworden.
Vermeintlich bedrohte Bilder durch Diebstahl zu schützen, wird schließlich zur ebenfalls zwanghaften Vorstellung Siggis, was ihn in die Erziehungsanstalt bringt.

Lenz ist der Überzeugung, dass den wertelos-skrupellosen Befehlsgebern alles zuzutrauen ist. Niemand solle sich über ihre Rücksichtslosigkeit täuschen. Die Stärke der Skrupellosen liege gerade darin, dass sie eben keinerlei Rücksicht nehmen. Die Freiheit des Einzelnen sei dadurch gefährdet, dass sich die Machthaber anmaßten, alles und jedes einer Bewertung zu unterziehen. Was keine Wertung besitze, sei aus Sicht der Machthaber nicht der Rede Wert. Die Machthaber nähmen für sich eine Allzuständigkeit in Anspruch, die das Eingestehen noch nicht einmal einer punktuellen Unwissenheit zulässt.

Die von Lenz erstellte Skizze deutscher Kultur betrifft nicht nur die vergleichsweise kurze nationalsozialistische Epoche. Die Reduzierung und Überbetonung des Pflichtbewussten als markantes Element deutscher Herrschaftsordnungen hat sich bis in die Gegenwart enthalten. Während jedoch im staatlichen Bereich das Gewaltpotenzial von Despoten durch (nicht nur formal geltende) demokratische Prinzipien und Gewaltenteilung eingedämmt wurde, fehlen vergleichbare Regeln und Werte bei großen nicht-staatlichen Organisationen möglicherweise ganz überwiegend. Die von Lenz dargestellte deutsche Kulturtradition von selbstzufriedenem Befehl und untertänigstem Gehorsam lebt hier ungestört weiter.

So stellt sich z. B. die Frage, welches Großunternehmen noch glaubt, ohne das Prinzip der Rücksichtslosigkeit gegenüber Mitarbeitern und deren unbedingtes Pflichtbewusstsein funktionieren zu können. Als "erfolgreich" gelten häufig die brutalsten und zugleich von sonstigen "überflüssigen" Werten am wenigsten belasteten Befehlsgeber. Niemand soll sich täuschen lassen, sagt Lenz. Nur die zufälligen historischen Umstände haben die auf Befehl und Pflicht orientierten "eiskalten" Machthaber im Dritten Reich an militärische Fronten und in Konzentrationslager beordert. Heute agieren sie an anderer Stelle - rein zufällig.


Astronomie für Einsteiger: Schritt für Schritt zur erfolgreichen Himmelsbeobachtung
Astronomie für Einsteiger: Schritt für Schritt zur erfolgreichen Himmelsbeobachtung
von Werner E. Celnik
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Empfehlenswerte Einstiegs-Lektüre in die Astronomie, 26. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die gute Struktur des Buches, eine übersichtliche textliche Gestaltung, eine gut verständliche Sprache und viele Abbildungen wecken wohl bei jedem Leser das Interesse an der Astronomie.

Die im Buch enthaltenen zahlreichen Tipps führen systematisch
- von der Beobachtung bei Tag und bei Nacht mit bloßem Auge
- zum Teleskopkauf,
zur Beobachtung von
- Sonne, Mond und Planeten,
- Sternen, Nebeln und Galaxien
und schließlich zur
- Astrofotografie.
Markante "Himmelsereignisse" bis in das Jahr 2020 werden präzise datiert aufgeführt.

Was keinesfalls selbstverständlich ist: Der stabile Einband und kräftiges Papier gewährleisten, dass das knapp 200 Seiten starke Buch für längere Zeit ansehnlich bleiben wird.


Schweigeminute: Novelle (dtv Literatur)
Schweigeminute: Novelle (dtv Literatur)
von Siegfried Lenz
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die unnachahmliche Leichtigkeit des Stils, 25. Dezember 2014
Im Jahr 2008 erschien die "Schweigeminute" als letztes Werk von Siegfried Lenz.

Lenz beherrscht die Kunst einer leichten, anrührenden und doch informationsdichten Sprache wie kaum ein anderer. Sein klarer und kunstvoll-präziser Schreibstil ist von vielen kleinen, leicht dahinschwebenden Nebensätzen gekennzeichnet, die unversehens zu längeren Satzgebilden zusammenfließen - eine wohltuende Alternative zu den bleiern-schweren "Satzungeheuern" mancher Autoren derselben Generation, in die die Nachwelt vermeintlich erlesenste Geheimnisse und eine besondere Autorität ihrer Schöpfer hineininterpretiert.

Lenz hingegen erzählt seine "Geschichten" ganz unprätentiös. Sprachliche Eitelkeiten und Selbstbespiegelungen sind Siegfried Lenz in dankenswerterweise Weise völlig fremd. So ist es nicht verwunderlich, dass Lenz auch die "Schweigeminute" als Novelle mit einer begrenzten Seitenzahl gestalten konnte, ohne dadurch an Ausdruckskraft zu verlieren.

Keinerlei Sprünge oder Brüche finden sich, kaum einmal ein größerer Absatz ist erforderlich - in sanft gleitender Erzählweise fließt die Handlung. Der häufige Wechsel fast unmerklich miteinander verwobener Erzählperspektiven löst gleichsam einen Gefühlssog aus, der den Leser unwiderstehlich immer enger an die Protagnisten heranführt. Wer sich von Siegfried Lenz auf die gedankliche Reise seiner "Schweigeminute" mitnehmen lässt, der wird vielleicht nachempfinden können, warum ihm seine "Geschichten" für das Verständnis des Lebens so wichtig waren.


Im Weltinnenraum des Kapitals: Für eine philosophische Theorie der Globalisierung (suhrkamp taschenbuch)
Im Weltinnenraum des Kapitals: Für eine philosophische Theorie der Globalisierung (suhrkamp taschenbuch)
von Peter Sloterdijk
  Taschenbuch
Preis: EUR 15,00

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zwischen Maßlosigkeit und Weltausplünderung: Warum der Glaube an die Globalisierung nicht als Ersatzreligion taugt, 23. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sloterdijk ruft zu einer Analyse der Globalisierung aus philosophischer Sicht auf - um der "Monopolisierung des Globalisierungsdiskurses durch Politologen und Soziologen" und dem "amateurhaften Gebrauch von Termini" etwas entgegenzusetzen.

Als "Weltinnenraum" versteht Sloterdijk die "Komfortzone" der Globalisierungsgewinner, die lediglich ein Viertel der Weltbevölkerung ausmachen. Den Globalisierungsverlierern aber bleibe der Zugang zu diesem Weltinnenraum durch eine unsichtbare, aber undurchdringlich harte Schale verwehrt. Die der Globalisierung zugrunde liegende Ideenwelt fuße auf einem unverbesserlichen Eurozentrismus, der sich mit kolonialistischer Weltausplünderung verschmolzen habe.

Sehr vorausschauend erscheinen einige der Gedanken Sloterdijks: Am Vorabend der Weltfinanzkrise prophezeite er in seinem 2006 erschienenen Werk, dass mit der derzeitigen Form der Globalisierung die Endphase ("Sättigungsphase") einer Entwicklung eingeläutet werde, die vor einem halben Jahrtausend mit den großen Entdeckungsreisen begonnen habe.

In einigem aber irrte Sloterdijk: So nahm er an, dass die Zeiten vorüber seien, in denen auf einfachen Konzepten basierende Doktrinen attraktiv erscheinen könnten. Das Gegenteil scheint heute der Fall zu sein: Fanatisch unzugängliche Gegenbewegungen haben sich entwickelt, die für den tradierten Diskurs mit Andersdenkenden nicht nur nicht mehr zugänglich sind, sondern in einer Mischung aus Egozentriertheit und Brutalität sogar rücksichtsloseste Gewaltanwendung für ganz natürlich und sogar unerlässlich halten. Und waren es nicht gerade linear-schlicht denkende Geister, die den Nährboden schufen für eine Globalisierung unter dem Vorzeichen einer hemmungslosen Ausbeutung natürlicher und personaler Ressourcen?

Diese auf Machtspiele konzentrierten und in ihnen gefangenen Geister dürfen sich nicht wirklich über die Entstehung irrational erscheinender Gegenbewegungen wundern, die - in einer teilweise unbewussten, jedenfalls aber logisch erscheinenden Reaktion - den Kampf gegen eine wert(e)lose und überhebliche Kultur der Maßlosigkeit aufgenommen haben. Vielleicht hat das Ende der Globalisierung schon begonnen.

Ob der allerorten bewunderte "anspruchsvolle" Sprachstil des Autors angemessen oder überzogen kompliziert ist, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden: Jedenfalls hätte Sloterdijk ohne Schaden für sein Werk zumindest auf solche Fremdwörter verzichten können, die sich noch nicht einmal in einem Fremdwörterbuch befinden. Der Autor hat es bestimmt nicht nötig, seine (unbestrittene) Autorität durch im Wort-Spieltrieb entstandene (und für den gemeinen landläufigen Leser unverständliche) Wortgeschöpfe noch einmal besonders eindrucksvoll hervorzuheben. (Empfehlung für den Leser: Einfach darüber hinweglesen - der Sinn des Textes verändert sich dadurch kaum...) ;) Einfacher wäre zweifelsohne nicht nur möglich, sondern manchmal auch mehr gewesen.


Schlesien: Das Land und seine Geschichte
Schlesien: Das Land und seine Geschichte
von Arno Herzig
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überzeugende Darstellung der Geschichte Schlesiens, 20. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ausgezeichnete Wiedergabe der schlesischen Geschichte:
aufgelockerte Darstellung durch kompakten, aber dennoch ausführlichen und gut lesbaren Text, Kartenmaterial und Abbildungen

- keltische, germanische und slawische Besiedlung (bis 6. Jahrhundert)
- Einbeziehung in das Piasten-Reich (10. Jahrhundert)
- Gründung der Kirchenprovinz Gnesen und des Bistums Breslau (1000 n. Chr.)
- Siedlungsstrukturen im 12. Jahrhundert
- Klostergründungen und Kolonialisierung (13. Jahrhundert)
- Einbeziehung in den Machtbereich des Böhmenkönigs Karl IV. (1348), ab 1355 deutsch-römischer Kaiser
- wirtschaftliche und soziale Krisen im 15. Jahrhundert
- verspätete Konfessionalisierung (16. Jahrhundert)
- Religionskonflikte: Auswirkungen des böhmischen Aufstands auf Schlesien (ab 1609) und Dreißigjähriger Krieg
- Schlesien unter Habsburg und Preußen
- Krisen zwischen 1790 und 1850: veränderte Position innerhalb Preußens, Befreiungskriege, Weberaufstand
- industrielle Entwicklung ab 1850, soziale Strukturen
- Auswirkungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs
- Schlesien bis Ende des 20. Jahrhunderts


Wieviel Wahrheit braucht der Mensch ? Über das Denkbare und das Lebbare.
Wieviel Wahrheit braucht der Mensch ? Über das Denkbare und das Lebbare.
von Rüdiger Safranski
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wieviel Streben nach Wahrheit tut gut? Zwischen innerer Wahrheitssuche und den Anforderungen der Außenwelt, 3. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Autor beschreibt eindrucksvoll verschiedene Wahrheitsmodelle und zeigt die Utopie von der Erreichbarkeit einer Übereinstimmung zwischen Innenwelt und Außenwelt bei der Wahrheitssuche auf. Die Suche nach Wahrheit, so Rüdiger Safranski, setze zunächst die Trennung von Sein und Bewusstsein voraus. Das Bewusstsein aber raube die unmittelbare Leichtigkeit des Seins. Es trenne die Gedanken vom Sein und löse damit Schmerz über den Verlust der "Einheit" aus. Wer alles leben wolle, was er zu Denken imstande sei, meint der Autor, der verwüste sein Leben. Wer nichts zu denken wage, weil er das Gedachte dann vielleicht nicht konsequent umsetzen könnte, dessen Leben verarme.

Safranski beleuchtet die Wahrheits-Bilder insbesondere von Rousseau, Kleist und Nietzsche, die sich "gegen den Rest der Welt" gestellt hätten.
⦁ Rousseau sei davon überzeugt gewesen, dass bestimmte Formen der Vergesellschaftung den Menschen in die Unwahrheit geführt haben. Streben nach Besitz führten zu Konkurrenz, Macht, Hierarchie, Misstrauen, Maskaraden und Täuschungen. Nur der Rückzug aus gesellschaftlichen Konventionen könne zur Entdeckung der Wahrheit in sich selbst führen.

⦁ Kleist habe die empfundene Sinnlosigkeit zunächst mit der Entwicklung und Verfolgung eines Lebensplans überwinden wollen, der den Zufall ("Signatur der Sinnlosigkeit") ausschließen sollte. Sein Lebensplan sei beseelt vom Geist des Machbaren und dem Willen zu schrankenlosen Selbstbewirtschaftung. Aus Sicht von Kleist habe jedoch Kant (der "Alleszermalmer") das Vertrauen in die Vernunft dadurch zerstört, dass er die Nichtexistenz einer absoluten Wahrheit nachgewiesen habe. Nachdem der Glaube Kleists an die Vernunft zerstört gewesen sei, hätten sich ihm Ehrgeiz und Geltungsdrang als "Gift für alle Freuden" dargestellt. Die Welt sei nur als ästhetisches Phänomen zu rechtfertigen.

⦁ Nietzsche habe sich als Aufklärer gegen Illusionen und Einbildungen (die "Unterwelt des Ideals") verstanden. Am Anfang seiner Religionskritik stehe die Erkenntnis, dass der menschliche Geist die Religion erst hervorgebracht habe. Anstatt die Erde in ein Paradies zu verwandeln, richteten sich die Hoffnungen der Religion auf ein eingebildetes Jenseits. Nietzsche habe versucht, das als unerträgliche empfundene Leben durch Philosophie, Weisheit und Kunst in eine unendliche Leidenschaft zu verwandeln. Nietzsche stelle auch die Frage danach, wie viel Wahrheit ein Mensch brauche - nach der Proportionalität des Bekömmlichen. Zuletzt bestehe Nietzsches Wahrheit in der Erkenntnis einer sinnverlassenen Welt. Leben sei "Wille zur Macht" - vor allem über sich selbst.


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