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Rezensionen verfasst von
Werner U. Titz

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Freiheit statt Kapitalismus
Freiheit statt Kapitalismus
von Sahra Wagenknecht
  Gebundene Ausgabe

30 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Alternative liegt im Detail, 14. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
SAHRA WAGENBACH : FREIHEIT ODER KAPITALISMUS

Wer hätte gedacht, dass einmal mit dem Begriff 'FREIHEIT oder KAPITALISMUS' für den Sozialismus geworben wird. Man hat noch den Wahlslogan 'FREIHEIT oder SOZIALISMUS' aus der Ära Kohl im Ohr.

Aber geht es in dem Buch überhaupt um 'SOZIALISMUS'?

Fast alle Vorschläge, die Sahra Wagenknecht in diesem Buch detailliert begründet und erklärt, wären auch für einen durchschnittlich konservativen Wähler akzeptabel. Vor allem wenn man 'konservativ' mit den europäischen christlich-sozialen Parteien der Nachkriegszeit assoziiert, mit den Ideen der sozialen Marktwirtschaft, die von Walter Eucken formuliert und von Ludwig Erhard teilweise, und zeitweise auch von der europäischen Sozialdemokratie, umgesetzt wurden.

Gemäß dem Einstein-Zitat: 'Wenn ich ein Problem analysiere, benutze ich 90% der Zeit mit der Analyse des Ist-Zustands und 10 % mit der Lösung', beschäftigt sich Wagenknecht intensiv und mit großem Detailwissen mit den Bedingungen unter denen hier und jetzt gewirtschaftet, verdient, vergeudet, gezockt, gearbeitet und verloren wird und lässt erst im letzten Abschnitt einen Ausblick auf *Grundrisse einer neuen Eigentumsordnung*.

So wie Marx den Kapitalismus lobte, so lobt Wagenbach heute den kreativen Unternehmer, den es gegen die Übermacht der rein profitorientierten Konzerne zu schützen gilt, gegen jene, die Betriebe nicht betreiben, sondern kaufen und verkaufen. Und wer beim Namen Sahra Wagenbach reflexartig mit 'Sowjetunion & DDR' kommt, wie das bei Talk Shows immer wieder vorkommt, der liest hier: 'Die Marktbeziehungen zwischen den Unternehmen können nicht durch eine detaillierte Planung der gesamten Volkswirtschaft ersetzt werden, wie das beim sowjetischen Modell geschah'. Und: 'Geschichtliche Prozesse geschehen nie in der Wiederkehr von bereits Dagewesenem, sondern in der Entstehung von Neuem'.

Marx kommt übrigens kaum in dem Buch vor, außer in einem Zitat von Oskar Negt:
'Das Kapital funktioniert erstmalig in der modernen Welt so wie es Karl Marx in seinem KAPITAL beschrieben hat'.

Zahlreiche weitere Zitate von 'unverdächtigen' Experten, wie Max Otte, Wirtschaftsprofessor, Fonds-Manager (Der Crash kommt), Susanne Schmidt, Dirk Müller, etc. zeigen, dass Sahra Wagenknecht viele Wissensgenossen hat, die nicht unbedingt ihre Gesinnungsgenossen sind. Max Otte hat das Buch vorab zum Lesen bekommen, wie er in einem KONKRET-Interview sagt, und offenbar auch keinen fachlichen Einwand gefunden.

Insgesamt, trotz des Irrsinns um den es geht, ein sanftes Buch der Sahra Wagenbach, vielleicht zu sanft, angesichts der Auswirkungen des Neoliberalismus, die im Buch auch zitiert werden, wie:

'Die Banken haben mit den Staatsschulden in den vergangenen Jahrzehnten Billionen verdient. Sie verdienen zurzeit im Besonderen an ihrer eigenen Rettung, denn genau die hat ja die Verschuldung in vielen Ländern vervielfacht'.

Oder, Roger de Weck zitierend: 'Die über 1 Billion Euro, die zwischen 2007 und 2010 in die Bankenrettung gesteckt wurden, bedeuten die Übertragung von 1 Billion Euro fauler privater Schulden auf die öffentliche Hand'.

Tatsachen und Analysen, die man nicht mehr mit 'Sowjetunion & DDR' hinwegwischen wird können. Außer unsere Machthaber denken wie die letzten Machthaber des so genannten Realsozialismus, nämlich dass es *keine Alternative* zu ihnen gäbe.

Die Implosion unseres 'westlichen Systems' könnte dann ebenso rasch und überraschend erfolgen wie 1989 die Implosion des Systems, bei dessen Ende der Endsieg des Kapitalismus vorausgesagt worden ist.


Der Markt hat nicht immer recht: Über die wirklichen Ursachen der Finanzmarktkrise und wie wir die nächste vermeiden können
Der Markt hat nicht immer recht: Über die wirklichen Ursachen der Finanzmarktkrise und wie wir die nächste vermeiden können
von Wilfried Stadler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wo stehen wir? Wo sind wir stehen geblieben?, 15. Mai 2011
Noch ein Buch zur Finanzmarkkrise? Ja, und was für eines! Wer glaubt, dass man sich nicht mehr damit beschäftigen müsse, sollte schleunigst dieses Buch lesen. Als relativ spät erschienen, hat es 2011 den Vorteil der absoluten Aktualität. Wer wissen will wo wir im Jahre 3 der Finanzmarktkrise stehen und wo die Reformen zur Verhinderung der nächsten Krise stehen geblieben sind, der muss dieses Buch lesen.

Stadler kann knapp und griffig formulieren: die Krisenbewältigung der Politiker war "eine kostspielige Symptomverlagerung von der Bankwirtschaft in die Staatsbudgets". Das Trennbankensystem vergleicht er mit den Brandschutzvorschriften nach dem Brand des Wiener Ringtheaters 1881, die den
"eisernen Vorhang" eingeführt haben, der ein Übergreifen des Brandes von der Bühne auf den Zuschauerraum verhindern sollte. Er rechnet vor, wie es möglich war, dass, mit Hilfe der Rating Agenturen, mit einer Eigenkapitalquote von nur 1,6 % mit 100 % spekuliert werden konnte. Er zeigt, wie man sich mit schönen Worten wie *Risikokalibrierung* in die eigene Tasche log.

Er besteht darauf, dass das Wirtschaftssystem Mittel zum Zweck sein muss, nicht Selbstzweck; und dass Wertschöpfung vor Geldschöpfung kommt. Er teilt uns auch nebenbei ironisch mit, dass ausgerechnet am 15. Sept. 2008, als Lehman Brothers insolvent wurden, das aus Kunstharz gegossene *Goldene Kalb* von Damian Hirst in einer Auktion am selben Tag einen Rekordpreis von 10,5 Millionen Pfund erzielte. Er geht auf das Scheitern von BASEL II ein, weist darauf hin, was auch schon bei BASEL III schief läuft; er geht kritisch auf die neuen europäischen Kontrollinstanzen ein: ESFS, ESRB, etc.

Wilfried Stadler ist Banker, Wirtschaftspublizist, Honorarprofessor, und honorige Persönlichkeit des österreichischen Bankenestablishments. Was er hier schreibt, ist keine moralische Klageschrift oder die Anklage eines Systemveränderers. Das ist ein fundiertes Plädoyer eines Insiders und Mainstream-Demokraten, für die Reform des Finanzsystems, um das politische System zu erhalten.

Wer will, kann aus der Fülle der Fakten und der ungeheuren Versäumnisse für sich selbst den Schluss ziehen, dass dieses System nicht mehr reformierbar ist und radikal geändert werden müsste. Wilfried Stadler hofft aber noch auf systemkonforme Reformen. Revolutionen sind ihm fremd. Auch auf die Fragen der Verteilung der Vermögen und der sozialen Auswirkungen des Systems geht er kaum ein. Das ist in diesem Fall eine Stärke des Buches, weil es deshalb eher von den Systembewahrern akzeptiert wird und diese zu Reformen animieren könnte.

Letzteres dachte ich jedenfalls, bis ....

.....Anfang Mai 2011 das Buch in den Räumlichkeiten einer großen Wiener Bank prominent vorgestellt wurde. Dem Verleger war es gelungen, dazu den Gouverneur der Nationalbank, den Chef des einflussreichen Wirtschaftsforschungsinstitutes und den Chef der größten österreichischen Bank einzuladen. Wer nun gedacht hatte, aufgrund der Fakten und Beweise, die Stadler vorlegen konnte, würden die "Wirtschaftsweisen" unverzüglich aktiv werden, oder ihm zumindest deutlich zustimmen, sah sich enttäuscht.

Ein wohlwollendes Nicken der Systembewahrer war zumindest zu bemerken, unverbindlich und selbstgefällig.


Zone des Übergangs: Vom Ende des Postkommunismus (edition suhrkamp)
Zone des Übergangs: Vom Ende des Postkommunismus (edition suhrkamp)
von Boris Buden
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hoffnung ohne Gesellschaft, 20. März 2011
BORIS BUDEN
ZONE DES ÜBERGANGS
Vom Ende des Postkommunismus

Es gibt wenig Literatur über die Ideologie nach 1989. Zu gerne wurde der Slogan vom Ende der Geschichte übernommen, die nach 1989 in ruhigen Bahnen und ohne weitere Brüche und Störungen in ein nicht mehr veränderbares Idyll auslaufen würde. Die letzen Demonstrationen, Aufstände und Revolten, die den Sturz der realsozialistischen Länder begleiteten, wurden noch mit blumigen Namen etikettiert: die samtene, die orange, die Rosenrevolutionen, etc; wie Kränze, die man auf Gräber legt.

Boris Buden analysiert scharf und pointiert die Standpunkte am Beginn des so genannten Postkommunismus: Er zitiert Habermas mit dem Satz : 'der Fall des Kommunismus 1989/90 hat nichts Neues in die Welt gebracht, nur den Wunsch der einen (im Osten) das anderswo schon Erreichte nachzuholen', und Buden fügt hinzu, dass 'die anderen (im Westen) vom angeblichen Mut zur Veränderung (derer im Osten) schwärmten, nur weil sie darin nichts als die Bejahung der eigenen Kriecherei vor dem Bestehenden erkannten'.

Jene Oppositionellen, die wirklich aus dem starren System ausbrechen wollten, und demokratische Reformen anstreben, blieben auf der Strecke. Leider wird im Rahmen dieses Buches diese vage als *dritter Weg* bezeichnete Richtung nicht genauer definiert oder durch Nennung von Proponenten verdeutlicht.

Heute wird die politische Entwicklung bis 1989 'mit einem forensischen Interesse untersucht, als Leichnam, der nützliche Aufschlüsse in einem Gerichtsverfahren gibt'. Das ausführliche Kapitel über das *Haus des Terrors* in Budapest, eine Ausstellung die gleichzeitig über Kommunismus und Nationalsozialismus Gericht hält, macht das am deutlichsten. 'Hier stellt man nicht nur den Terror zur Schau, sondern den Terror als das Vergangene schlechthin. Gott, Kirche, Heimat bleiben die reine Unschuld für die Zukunft, egal welche Verbrechen in ihrem Namen begangen wurden'.

Sehr interessant sind auch die Kapitel in denen Buden nachweist, dass die Bedeutung der Religionen zugenommen hat obwohl immer weniger Menschen daran glauben. Weniger nachvollziehbar sind für mich die einzelnen Beispiele aus Theater, Film und Musik, mit denen Buden Positionen unserer Zeit verdeutlicht. Seine eigenen Worte sind deutlich genug, und sind auch aufgrund der gelungenen sprachlichen Wendungen und Sprachbilder vergnüglich zu lesen.

Ein unbedingt empfehlenswertes Buch, ein Buch das durch Aufklärung die *Zone des Übergangs* transparenter und passierbarer macht.


Reise nach Timbuktu: 1824-1828
Reise nach Timbuktu: 1824-1828
von René Caillié
  Gebundene Ausgabe

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen EINMAL TIMBUKTU UND ZURÜCK, 10. März 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
*Am 1. Mai verließen wir um sechs Uhr morgens das hübsche Dorf. Durch den Regen war die Luft nun frisch und klar. Freudig marschierten wir Richtung Süd-Ost-Ost. Während der Rast brachten uns die Neger Orangen, die ich ganz köstlich fand. Später hielten wir in Popoco, wo wir mehrere Tage verbringen sollten (S.70)*.

Das hört sich an wie eine fröhliche Maiwanderung in idyllischer Landschaft, wenn man nicht dabei stutzig wird, dass es 'Neger' sind, die der frohgemuten Truppe köstliche Orangen bringen.

Tatsächlich ist das eine der seltenen Stellen wo sich die Reise von René Caillié
ins Innerste Afrikas wie ein Ausflug mit Freunden anhört. Fast das ganze Buch handelt aber von den unglaublichen Strapazen denen Caillié ausgesetzt war, seinem unerschütterlichen Willen, als erster Weißer nach Timbuktu zu kommen. Cailliés Vorgänger und Bruder im Geiste, MUNGO PARK, dessen Reisebericht Caillié Mut und Kraft gegeben hat, war 20 Jahre vor ihm tiefer ins Innerste Afrikas vorgedrungen, hatte aber Timbuktu nie betreten. Der Schotte ALEXANDER GORDON LAING erreichte Timbuktu zwar 3 Jahre vor Caillié, wurde aber auf der Rückreise ermordet.

Jahrelang hatte sich der Franzose Caillié auf die Reise nach Timbuktu vorbereitet, hatte sich auch in den Koran eingelesen und eine Geschichte erfunden um sich als ein als Kind von Weißen geraubter Moslem auszugeben. Manchen Afrikanern konnte er seine Geschichte glaubwürdig vermitteln und einige sahen in ihm sogar einen MARABUT, der Wünsche erfüllen kann. Für die Abergläubigen schreibt der oft hungernde und auf Hilfe angewiesene Caillié schon mal für eine Schale Milch einen GRIGRI mit Kreide auf eine Tafel. Dieser magische Spruch wird dann mit Wasser abgespült, und demjenigen, der dieses Kreidewasser trinkt, erfüllt sich der Spruch den der Marabut auf die Tafel geschrieben hatte.

Als gläubiger Christ hat Caillié Verständnis für die Auswüchse des moslemischen Glaubens unter dessen Fanatismus er oft zu leiden hat. Wohler fühlt er sich aber schon unter ungläubigen Schwarzen, die es auch gibt: *Sie üben keine religiösen Riten aus, sind zu allen Fremden freundlich, ohne sie nach der Religion zu beurteilen, leben unbekümmert in den Tag hinein, ohne dass das Göttliche ein Gegenstand großer Überlegungen wäre.*

Angetan haben es ihm die Menschen vom *vergnügten Volk der Bambara, die, sobald die Sonne untergeht, sich unter den großen Kapokbäumen am Eingang des Dorfes sammeln und die ganze Nacht zu einer angenehmen Musik tanzen*. Unwillkürlich denkt man heute dabei an den großen ALI FARKA TOURÉ, der zwar nicht Bambara war, sondern Songhai, und an die besondere Musikalität die auch heute noch viele großartige Künstler aus Mali auszeichnet.

Trotz aller Schwierigkeiten der Reise hat Caillié einen wachen Blick für die Menschen und die Verhältnisse in denen sie leben. Das Elend der Sklaven bedrückt ihn, aber dann liest man auch seinen verblüffenden Vergleich mit seinem Heimatland: *Wenn es nicht der Verlust der Freiheit wäre... wäre das Schicksal der Sklaven dem mancher Bauern bei uns im Europa vorzuziehen*.

Ein weiterer Bezug zur Situation in Gailliés Heimat Frankreich während seiner Afrikareise ergibt sich für uns dadurch, dass er 1816 nur durch Zufall nicht auf dem Frachtschiff MEDÚSE war, das zur selben Zeit nach Dakar unterwegs war und dann Schiffbruch erlitt. Man lese aus diesem Anlass, wie PETER WEISS in der ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS die Handelsbeziehungen und Transportverbindungen Frankreichs zur Westküste Afrikas beschreibt (gleich am Beginn des zweiten Bandes), und insbesondere wie Peter Weiss die gesellschaftlichen Zustände in Frankreich anhand der großartigen Beschreibung des Gemäldes DAS FLOSS DER MEDUSA von THÉODORE GÉRICAULT deutlich macht.

Man versteht danach auch besser, in welchem gesellschaftlichen Umfeld sich Caillié befand, als er nach seiner Rückkehr verbittert feststellte, dass ihn die Enttäuschungen in der Heimat mehr mitgenommen haben als die Strapazen und Entbehrungen in Afrika.

Ja, und Caillié kam bis nach TIMBUKTU! Er erforschte die Stadt sehr aufmerksam, immer in Gefahr, als Ungläubiger erkannt zu werden. Hauptsächlich diente ihm der Aufenthalt an diesem erträumten Ort aber zur Erholung von den erlittenen Krankheiten und zur Stärkung für die nicht geringeren Strapazen der Heimreise durch die Sahara bis hinauf nach Tanger.

Für Timbuktu war, als Caillié erwartungsvoll in dieser Stadt ankam, die beste Zeit bereits längst zu einer verklärten Vergangenheit geworden. Aber das Gefühl, endlich das Lebensziel erreicht zu haben, ist stärker als die Enttäuschung über den Zustand dieses Mythos. Die Reise dieses kleinen, tapferen Franzosen, der dafür nie die gebührende Anerkennung in seinem Heimatland erhalten hat, war selbst zu einem Mythos geworden.

Das Buch ist in der Edition Erdmann herausgekommen, in derselben schönen Aufmachung wie die Reiseberichte von MUNGO PARK, die man parallel zu den Berichten von Caillié lesen sollte.


BaByliss E852XE präzisions Bartschneider mit LCD Display, Akku- und Netzbetrieb
BaByliss E852XE präzisions Bartschneider mit LCD Display, Akku- und Netzbetrieb

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Beste bisher, 6. Februar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Da man in den Fachgeschäften kaum mehr eine kompetente Beratung für Produkte wie Bartschneider findet, habe ich meinen neuen Bartschneider einfach hier nach den Rezensionen ausgesucht.

Besser hätte ich es nicht treffen können. Der neue Babyliss schneidet exakt, lässt sich schnell und auf jede gewünschte Stärke einstellen, hat ein übersichtliches Display, ist so klein wie es nur möglich ist und fährt gerade deshalb die Konturen des Gesichtes besser nach als große Geräte. Praktisch natürlich auch für unterwegs.

Ich danke den vorigen Rezensenten für die Empfehlung, die ich hiermit weiterreiche.


Reisen ins innerste Afrika: 1795-1806
Reisen ins innerste Afrika: 1795-1806
von Mungo Park
  Gebundene Ausgabe

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Jenseits von Timbuktu, 25. Januar 2011
MUNGO PARK - REISEN INS INNERSTE AFRIKA

Mungo Parks Reisebericht ist in erster Linie von historischem Interesse und war für die Leser am Beginn des 19. Jahrhunderts natürlich sensationeller als für uns heute. Andererseits sind wir nicht mehr von der Einmaligkeit dieses Berichtes gefangen genommen, wie die damaligen Zeitgenossen, sondern können uns auch auf den Menschen konzentrieren der diese enormen Strapazen auf sich genommen hat und wahrscheinlich im Innersten gewusst hat, dass er scheitern wird. Zumindest bei der zweiten Reise ist es nicht ausgeschlossen, dass er trotz oder wegen seiner Erfahrungen, die er auf der ersten Reise schon machen musste, die zweite Reise mit dem Wissen angetreten hat, nicht mehr zurückzukommen. Dass er also Frau und Kinder, und das Leben eines angesehenen Mitglieds der englischen Gesellschaft, bewusst verlassen haben könnte.

An seiner Persönlichkeit überrascht die Bescheidenheit, die bis zur Unterwürfigkeit reicht wenn er mächtigen Gegnern gegenübersteht. Aber vielleicht rettet er auch dadurch manchmal sein Leben. Schonungslos gegen sich selbst berichtet er über die Demütigungen die er ertragen musste, in keiner Szene schildert sich Mungo Park als Held, nie als der große englische Forscher, der er zweifellos war.
In seinen Aufzeichnungen ist nichts von Überheblichkeit gegenüber der eingeborenen Bevölkerung zu finden. Mitfühlend und interessiert notiert er die Eigenheiten der Menschen und die Schicksale der Sklaven. Wobei seine Vermutung, dass zu jener Zeit, also um 1800, die Zahl der Sklaven in Afrika dreimal so groß war wie die der Freien, allerdings nur ein Eindruck aus dem Gebiet sein dürfte, in dem er sich aufhielt

Als jemand, der aus dem England der beginnenden industriellen Revolution nach Afrika kam, hat er einen scharfen Blick für die gesellschaftlichen Verhältnisse in Afrika, gerade weil sie entgegengesetzt zu denen seiner Heimat sind. "Wenige Menschen arbeiten härter als die Mandingos. Da sie aber nicht Gelegenheit haben, die überzähligen Produkte ihrer Arbeit auf eine vorteilhafte Art umzusetzen, begnügen sie sich, nur so viel Land anzubauen, dass sie selbst davon leben können". Die Lohnarbeit, die England zu jener Zeit schon die Kinder in die Fabriken zwängte, gibt es in Afrika nicht. "Von gemieteten Dienern, also Leuten, die um Lohn arbeiten, weiß man in Afrika nichts. Dies führt mich natürlich auf die Sklaven und die verschiedene Art, wie Menschen in diesen unglücklichen Zustand geraten. Man findet, glaube ich, diese bedauernswürdige Menschenklasse in allen Gegenden des großen Landes. Sie bildet auch einen beträchtlichen Handelszweig der Einwohner, sowohl mit den Staaten am Mittelmeer als auch mit den europäischen Nationen." Tatsächlich waren Sklaven ein Handelsprodukt wie die Kauries-Muscheln.

Genau notiert Mungo Park was auf den Märkten angeboten wird und vermittelt damit ein buntes Bild des Alltags der Menschen. Manchmal muss er sich auch selbst mit seinen mitgebrachten Waren als Händler auf den Markt stellen um das Notwendigste für die weitere Reise einzutauschen.

Der Bericht über die erste Reise ist recht farbig geschrieben, auch Humor und Understatement kommen auf britische Art vor. Er konnte diesen ersten Teil ja in Ruhe in England zu Papier bringen.
Die zweite Reise besteht nur aus eigenen Aufzeichnungen von unterwegs und überlieferten Notizen von Gefährten. Die lakonischen Niederschriften darüber, wie die treuesten Kameraden umkommen und wie er, Mungo Park, als einer der wenigen noch Überlebenden den hoffnungslosen Weg jenseits von Timbuktu, zur Mündung des Nigers, fortsetzt, lassen ahnen, dass für Mungo Park der Weg weiter ins bevorstehende Verderben wahrscheinlicher schien als der aussichtslose Weg zurück.

Die Edition Erdmann hat mit REISEN INS INNERSTE AFRIKA ein liebevoll gestaltetes Buch herausgebracht. Schön sind auch die zeitgenossischen Illustrationen. Nur eines fehlt in diesem Buch: ein kurzer wissenschaftlicher und biografischer Anhang. Für viele wäre es schöner, Näheres gleich anschließend an die Lektüre, innerhalb derselben Buchdeckel, zu finden, anstatt die Aura des Buches zu verlassen und im neutralen Internet weitere Spuren von und zu Mungo Park zu suchen.


Sieben Krisen - ein Crash
Sieben Krisen - ein Crash
von Winfried Wolf
  Broschiert
Preis: EUR 17,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen TINA - oder über die Alternativen, 25. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Sieben Krisen - ein Crash (Broschiert)
Zum Glück gibt es eine beachtliche Reihe von Büchern die sich mit den Ursachen, den Auswirkungen und den zu erwartenden Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise auseinandersetzen. Und zwar Bücher, die einem wieder die Hoffnung geben, dass es doch eine andere Sicht gibt als das was wir täglich von den EU-Politikern hören und wozu es angeblich 'keine Alternative' gibt.
Es ist ja erschreckend genug, dass diese Politiker sich in eine Sackgasse manövriert haben aus der heraus sie keine Alternative sehen, dass sie also verlernt haben, in Alternativen zu denken. Wie das Denken wurden auch die Worte von Margaret Thatcher entlehnt, die jeden Einwand vom Tisch wischen sollen, und zwar von ihrem berühmtem TINA-Satz 'There Is No Alternative'.

Es gibt also Alternativen zum wirtschaftspolitischen Mainstream. Man muss nur zu Büchern greifen wie Heiner Flassbeck's GESCHEITERT und DIE MARKTWIRTSCHAFT IM 21. JAHRHUNDERT, zu Stephan Schulmeister mit seinem NEW DEAL FÜR EUROPA, Sarah Wagenknecht's WAHNSINN MIT METHODE; dem Sammelband KRITIK DES KAPITALISMUS (Hg. Christian Stenner), um nur einige zu nennen.

Das Verdienst von Winfried Wolf ist zunächst das Verarbeiten von einer Fülle von Fakten wie sie vermutlich nur durch das Kollektiv zustande kommen kann, das jahrelang an der Vierteljahreszeitschrift LUNAPARK 21 arbeitete. Diese Fakten erklären vor allem die aktuelle Situation in der sich die Wirtschaft, die Währung, und die Finanzmärkte nicht nur in Europa befinden.
Grafiken geben einen klaren Überblick über die jeweils beschriebene Entwicklung. Der größere Bogen über die 200 Jahre kapitalistischen Krisenzyklus spannt die marxistische Sicht des Autors.

Sehr interessant ist der Vergleich von zwei derzeit noch fast gleich starken Schlüsselindustrien: der Autoindustrie und der IT-Branche. Die eine 100 Jahre alt, die andere 2 Jahrzehnte jung und im Unterschied zur ersten praktisch für alle Sektoren wirtschaftlicher Tätigkeit relevant.

Es gibt kaum ein relevantes Thema das, subsumiert unter '7 Krisen', im Buch nicht behandelt wird: Selbstverständlich die Finanzkrise und die Bankenrettungsprogramme, die Umwelt- und Klimakrise, die Verteilungskrise, das 'Modell Chimerika' als Hegemoniekrise, etc.

Winfried Wolf hat ein gut lesbares, ja spannendes Buch geschrieben. Auch der Sarkasmus, der manchmal durchkommt, tut gut.

Insgesamt fühlt man sich nach der Lektüre des Buches aber alles andere als gut. Wenn man dann wieder den Fernseher aufdreht und jemanden sagen hört, dass es zur Kapitulation vor den Finanzmärkten, oder zur weiteren 'bedauerlichen' Reduktion von Sozialleistungen keine Alternative gibt, dann kommt natürlich Frust auf. Aber dafür kann Winfried Wolf nichts. Daran sind wir alle selbst schuld.


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