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Rezensionen verfasst von
Werner U. Titz

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Die bösen Geister des himmlischen Bereichs: Der linke Kampf um das 21. Jahrhundert
Die bösen Geister des himmlischen Bereichs: Der linke Kampf um das 21. Jahrhundert
von Slavoj Zizek
  Gebundene Ausgabe

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Es ist wieder Zeit, ernsthaft zu werden, 21. Januar 2013
Wer beim Inhaltsverzeichnis das Buch nicht gleich wieder zuklappt – ratlos aufgrund von Kapitelbezeichnungen wie *Warum Heidegger 1933 den richtigen Schritt machte*, und *Wie Stalin die Menschlichkeit des Menschen rettete* -, der begibt sich auf eine Hochschaubahn der intellektuellen Auseinandersetzung mit dem linken Erbe; einem Erbe, das, wie es scheint, längst verspielt ist.

Zizek ist nicht der Meinung dass das Erbe verspielt sei, es muss nur neu erworben werden.

Das ist kein Buch für Nostalgiker *des real existierenden Sozialismus*, sondern die Aufforderung *Wir müssen die terroristische Vergangenheit als die unsere annehmen, auch wenn, oder gerade weil, wir sie kritisch ablehnen*.

Es sei eine innere Notwendigkeit, *die kommunistische Idee aus ihrem Ursprungskontext zu reißen und in eine fremde Umgebung zu werfen, in der sie sich neu erfinden muss – nur so kann Universalität entstehen*.

Die Vorstellung vom Kommunismus, nicht als Ideal gesehen, sondern als Bewegung, die auf aktuelle gesellschaftliche Antagonismen reagiert, behalte nach wie vor ihre Gültigkeit.

Wir sollten uns zum Beispiel Lenin als *Helden* im Heidegger’schen Sinn wählen,
*nicht um ihm zu folgen und das Gleiche noch einmal zu tun, sondern um in der Wiederholung/Wiedergewinnung die nicht realisierten Möglichkeiten des Leninismus ans Licht zu bringen*.

Apropos Heidegger: der habe 1933 einen richtigen Schritt in die falsche Richtung gemacht, und soll auch in den 68er-Jahren Sympathie für die revoltierenden Studenten gezeigt haben. Das skandalös Unangemessene an Heidegger bleibt allerdings, dass er nach dem Krieg den Holocaust in eine Reihe mit der Ausbeutung der Natur durch die Landwirtschaft stellte.

Zizek erklärt die revolutionäre Perspektive auch mit dem Vokabular von Heidegger. Dessen Aussage, dass, wer zur ontologischen Wahrheit gelangen will, im Ontischen irren muss, führt Zizek zur Frage: Wenn der Verlust des ontologische Horizonts droht, aufgrund der fundamentalen Dissonanz im Ontischen, soll dann unser ontisches Auge blind sein damit wir mit dem ontologischen Auge noch sehen können?

Man fragt sich bei der Lektüre: Wo sind sie eigentlich hin, die großen Kommunisten von einst? Alt geworden sind sie natürlich, irgendwo untergekommen bei Sozialdemokraten und Grünen, wo sie sich still verhalten, um nicht angesprochen zu werden auf ihre Vergangenheit und den Untergang ihrer Ideale, die sie heute verleugnen oder selbst eifrig diskreditieren.

Aber Zizek scheint einen anderen Trend feststellen zu können, nämlich, dass Menschen am Ende eines ausschweifenden Lebens in den sicheren Hafen der Kirche zurückkehren, so auch radikale Linke von einst, denen er mit wohlwollender Ironie zuruft: *Habt keine Angst, kommt zurück und macht bei uns mit. Ihr habt euren antikommunistischen Spaß gehabt und er sei euch verziehen – aber jetzt ist es an der Zeit, wieder ernsthaft zu werden.

Den Menschen, die heute in immer mehr europäischen Ländern ohne Perspektive in dieser Gesellschaft aufwachsen, etwa den 26 Millionen Arbeitslosen in der EU, hat dieses Buch derzeit wenig zu sagen.

Zizek sagt auch warum: *Der westliche Marxismus war ständig auf der Suche nach anderen gesellschaftlichen Akteuren, welche die Rolle des revolutionären Agens als Zweitbesetzung für die indisponierte Arbeiterklasse übernehmen sollten: Dritte-Welt-Bauern, Studenten, Intelektuelle, die Ausgeschlossenen*.

Was, wenn eines Tages, angesichts des Auseinanderklaffens der Gesellschaft und der Verselbständigung der Finanzmärkte gegenüber der realen Wirtschaft, wieder ein revolutionäres Agens entsteht und sich eine Erstbesetzung rekrutiert, die sehr wohl disponiert ist, die kommunistischen Ideen neu zu erfinden?


Die Sahara - Tausend Jahre Austausch von Ideen und Waren
Die Sahara - Tausend Jahre Austausch von Ideen und Waren
von Ralph A. Austen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tausend Jahre durch die Wüste, 20. Januar 2013
Menschen die im Wasser schwimmen, von Pferden gezogene Fuhrwerke mit Rädern, Landwirtschaft mit Auerochsen als Zugtiere, idyllische Familiengruppen, Tanzszenen mit der Grazie von minoischen Figuren, die Menschen leicht bekleidet oder nackt, und, ja, auch recht deftige Graffiti mit unmissverständlichen Sexszenen - das alles fand man zum Beispiel an den Felsen der Tassili n'Ajjer, der Gebirgskette im Südosten des heutigen Algerien, mitten in der heutigen Sahara.

Die Wüste kam erst später. Ab 3000 v.u.Z, begann die Trockenzeit und die heutigen Sand- und Steinwüsten und Savannen entwickelten sich über die Jahrhunderte bis zum heutigen Mythos SAHARA.

Sahara, eine Wüste, die man auch, wie Thomas Stangl in seinem Buch DER EINZIGE ORT schreibt, *als ein trockenes Meer ansehen kann, das seine Gezeiten, seine Untiefen, seine Klippen und auch seine Piraten kennt und ein nicht weniger schwankender und unsicherer, den Stürmen ausgelieferter Boden ist als der Ozean* Dazu passt, dass der arabische Ausdruck *SAHEL*, Küste oder Ufer bedeutet.

Schon Herodot hatte im 5. Jhdt. v.u.Z. erstaunliche Kenntnisse über die verschiedenen Volksgruppen, die vom heutigen Ägypten bis zum Atlasgebirge die Küsten und die Wüstengebiete besiedelten. Auch damals musste schon eine Handelsroute von Ägypten durch das heutige Libyen über das Hoggar Gebirge bis zur Niger-Biegung bei Timbuktu existiert haben. (Der Niger wurde allerdings noch als Zulauf zum Nil vermutet).

Der Fernhandel quer durch die Sahara ist für Austen der Aufhänger für die Geschichte der ganzen Region. Regelmäßig wurden die Routen erst mit dem Einsatz des Kamels bereist, das kurz vor dem 1. Jhdt. v.u.Z. an die afrikanische Mittelmeerküste kam. Danach war, laut Austen, die Sahara eine der wichtigsten Handelsrouten der Weltwirtschaft, und zwar bis ins späte 15. Jhdt, als Europäer erstmals an der Westküste Afrikas landeten.

Gehandelt wurde mit Salz, Gold, Elfenbein, Ziegenleder, Kolanüsse, Kaurimuscheln und - Sklaven. Es wird geschätzt, dass ca. 10 Millionen Menschen als Sklaven durch die Sahara getrieben wurden, mit unterschiedlichen Destinationen. Verglichen mit 13 Millionen, die ab 1650 von den Westküsten Afrikas per Schiff in die Neue Welt verfrachtet wurden.

Besser überliefert als die Sklaventransporte sind der Nachwelt die Pilgerreisen der inzwischen zum Islam konvertierten Herrscher, wie Mansa Musa, dem Herrscher von Mali, das vom 13. – 15. Jhdt. seine Blütezeit erreicht hatte.

Austen weist darauf hin, dass die Herrscher zwar Moslem waren, aber *ihre Macht aus den spirituellen Kräften der einheimischen Umgebung bezogen und diese nicht von einem transzendenten universellen Gott verliehen bekamen*.

Er hält es auch für unglaubwürdig, dass, wie oft geschrieben, die Architektur der Sahelzone als Modell vom Norden importiert wurde. Er verwendet den Begriff *islamicate Kultur* für die kulturellen Ausprägungen im gesamten Sudan, wie der Sahel-Gürtel von Nubien bis Mauretanien genannt wurde, und meint damit eine Kultur, die vom Islam definiert wurde, aber bis heute nicht vollständig von ihm beherrscht wird.

Austen hat ein interessantes Buch geschrieben, mit einer Fülle von Informationen, die, etwa was die verschiedenen Königtümer und Herrscher betrifft, etwas übersichtlicher hätten dargestellt werden können, vielleicht auch, zugunsten der islamicaten Kultur, etwas mehr gerafft. Aber da bin ich ungerecht, denn der Titel ist ja, TAUSEND JAHRE AUSTAUSCH VON IDEEN UND WAREN, und die sind überzeugend dargelegt worden.

Ein Lob noch: wieder ein schönes Buch aus dem Wagenbach-Verlag. Farbiges Bild am Buchdeckel, schöne Schwarz/weiß-Fotos im Inneren. Da fehlt mir nur noch ein Lesebändchen, denn in einem durch kann man dieses Buch nicht lesen.


Adam Smiths Reise nach Frankreich oder die Entstehung der Nationalökonomie (Die Andere Bibliothek, Band 335)
Adam Smiths Reise nach Frankreich oder die Entstehung der Nationalökonomie (Die Andere Bibliothek, Band 335)
von Reinhard Blomert
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Adam Smith - Reise durch die französische Aufklärung, 18. Januar 2013
Ein weiteres schönes Buch aus der *Anderen Bibliothek*.
Gediegen vom Umschlag bis zu den zeitgenössischen Illustration, und, nicht zu vergessen: mit einem Lesebändchen.

Die Reise Adams Smiths durch Frankreich ist auch ein Streifzug durch das geistige Leben im wissenschaftlichen und kulturellen Zentrum dieser Epoche der europäischen Aufklärung.
Er besucht mehrmals Voltaire, den er bewundert, diniert in der Atheistenrunde bei Baron d’Holbach, ist Dauerbesucher in den Theatern und Opernhäusern, erlebt den neunjährigen Mozart bei seinen Auftritten in Paris.

Empfehlungsschreiben seines Freundes David Hume, der in Frankreich schon gut vernetzt ist, öffnen ihm die Türen zu den bekanntesten Salons und Zugang zu wichtigen Persönlichkeiten auf allen Stationen seiner Reise.

Der Ökonom Smith registriert aufmerksam die wirtschaftlichen Verhältnisse in den französischen Provinzen.
Warum sind die Arbeiter in Bordeaux fleißiger und zufriedener als, zum Beispiel, in Toulouse?
Weil es in Bordeaux Handel und Weinwirtschaft gibt, einen Hafen als Umschlageplatz für Waren.
Kurz: weil es gut bezahlte Arbeit gibt.
Toulouse dagegen, die Residenzstadt, beschäftigt nur wenige Menschen, und diese meist in unproduktiver Arbeit, etwa Dienstleistungen, mit schlechter Bezahlung.

In Toulouse begann Smith übrigens, *um sich die Zeit zu vertreiben* mit der Niederschrift des Wohlstands der Nationen.

Beeindruckt hat ihn die Languedoc (Montpellier) wo er eine prosperierende Wirtschaft feststellen konnte. Infrastrukturmaßnahmen hatten einen wirtschaftlichen Aufschwung gebracht, Sümpfe wurden trockengelegt, Häfen ausgebaut, in Straßenbau investiert. Die Steuern dazu wurden von den eigenen Provinzbehörden eingezogen, und waren nicht, wie in anderen Regionen, privaten Steuereintreibern überlassen.

Adam Smith, ein früher John Maynard Keynes und nicht ein Urahne der Chicago Boys, als der er heute oft gilt?
Fast könnte man es meinen.

Der unsichtbaren Hand des Marktes, die angeblich alles regelt, muss man auch auf die Finger klopfen.
Adam Smith befürwortet ausdrücklich, dass die ostindische Companie unter staatliche Verwaltung kommt, aus Gründen der Transparenz und damit die Bürger auch Nutznießer dieses profitablen Handels werden.

Für Smith steht der Mensch im Zusammenhang mit den politökonomischen und kulturellen Konstellationen und ist geprägt von seiner Stellung in der arbeitsteiligen Gesellschaft.
Er hält es nicht für sinnvoll, den Menschen als reines Individuum zu abstrahieren.

Die Aussage seiner späteren Bewunderin, Margaret Thatcher, *there is no such thing like society, just individuals* hätte Smith ebenso zurückgewiesen wie er schon in seiner Zeit gegen Bernard Mandeville und dessen Formel *private vices – public benefits (private Laster führen zu öffentlichem Wohl)* aufgetreten ist.
Vielleicht sollten sich die Chicago Boys eher auf Bernard Mandeville berufen als auf Adam Smith?


Versuch über den Stillen Ort
Versuch über den Stillen Ort
von Peter Handke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Allein mit dem Ort und seiner Geometrie, 17. Januar 2013
Der Versuch über den stillen Ort hat natürlich auch mit dem stillen Örtchen zu tun, handelt aber vor allem von den Orten der Stille. Orte, um Abstand zu gewinnen, um sich zu sammeln, allein mit dem Ort zu sein, weg von den anderen.

Das kann das Krankenzimmer im Internat sein, um dort tagsüber zu liegen, *fern von Studiersaal und Lernpult, nicht ernstlich krank, und dort über die Geometrie des Ortes nachzudenken*.

Das kann die Entscheidung sein, nicht an der Maturareise nach Griechenland teilzunehmen, sondern stattdessen allein in Kärnten auf Wanderschaft zu gehen. *Bis heute weiß ich nicht, warum etwas in mir sich dergestalt sträubte, Teil der doch nicht unlieben Gesellschaft auf jener Reise zu sein.*

Da gibt es die (keinesfalls blasphemischen) Assoziationen des stillen Örtchens mit dem Beichtstuhl, oder die Warteschlange vor der öffentlichen Toilette im Park mit dem Anstellen zum Empfang des Leibes Christi in der Kirche.

Oder eine Nachricht schafft plötzlich einen Raum der Stille: als der Autor eines Abends in der Mensa saß und am vorher nicht beachteten Fernseher plötzlich das Gesicht von William Faulkner erschien, mit der sofort vermuteten Todesnachricht.

Und dann, mit den genauen Beobachtungen, die keiner wie Handke auch so beschreiben kann, wird auch eine ganze Landschaft zum stillen Ort, wie auf den letzten Seiten dieses Buches, wenn Handke seine Eindrücke in einer Landschaft beschreibt, *irgendwo gleich weit entfernt vom Meer und der Metropole*, in der er im Dezember 2011, *in der dunkelsten Periode des Jahres*, auch dieses Buch niederschieb:

*Die Lerchen über dem Brachland bildeten, während sie, Ruck um Ruck, himmelwärts flatterten, Stufenleitern im Luftraum, indes die Schwärme der Spatzen, aus den Ackerfurchen aufstiebend, quer durch die Lüfte Trapezakte vollführten… Die Eulen, die am helllichten Tag aus ihrem Schlupfloch in den ehemaligen Kalksteinbrüchen hier flogen, kalkweiß das Federkleid, genau wie der Kalkstein, an welchem sie vorbeischwebten*.

Wer Handke liebt, wird dieses Buch lieben. Wer ihn noch nicht versteht, kann ihn mit diesem Versuch besser verstehen lernen.


Die Target-Falle: Gefahren für unser Geld und unsere Kinder
Die Target-Falle: Gefahren für unser Geld und unsere Kinder
von Hans-Werner Sinn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Radikal und schonungslos nach allen Seiten, 6. Januar 2013
Schon wenn man das Buch aufschlägt, lädt es zum Lesen ein: Überschriften und Erklärungen zu den Abbildungen heben sich farblich ab; zahlreiche Grafiken machen auch komplexe Muster und Zusammenhänge übersichtlich; klaren Gliederungen in eigenständige Kapitel folgen anschließend gleich die detaillierten Anmerkungen; ein umfangreiches Personen- und Sachregister, und ein Autorenregister, machen das Buch zum Nachschlagwerk.
Hier wurde auf jede Weise sorgfältig gearbeitet.

Was man vom Inhalt erst recht sagen muss!
Hans-Werner Sinn gelingt es mit seinem klaren und persönlichen Stil, mit dem Leser praktisch in einen Dialog zu treten, ihn teilhaben zu lassen an den Gedankengängen, die bei ihm zu Warnungen oder Lösungsvorschlägen führen.

Sinn ist ein Neoliberaler, aber einer, der auch weit nach rechts und nach links ausholen kann.

Vieles hört sich an wie Lehrsätze der neoklassischen Theorie:
„Niemals kann eine Zentralinstanz über das Detailwissen verfügen, das die private Investitionsentscheidung der Anleger ersetzt“. Daraus leitet sich auch seine Kritik an der EZB ab, bis hin zu der erstaunlichen Formulierung: „Nun ist der EZB-Rat kein kommunistisches Zentralkomitee .... indes zeigt das kommunistische Beispiel die Natur des Problems“.

Die „Eigenmächtigkeit“ der EZB mit einem ZK zu vergleichen (wenn auch nur indirekt) ist schon ein unerwarteter Hieb, den Sinn hiermit der EZB versetzt, die aufgrund der Untätigkeit der konventionellen Politik zu unkonventionellen Maßnahmen greift um das Gebäude vorübergehend abzustützen.

Wenn Sinn wiederholt und zustimmend darauf hinweist, dass „die Märkte“ jene „abstrafen“ die sich nicht an die fundamentalen Marktregeln halten, dann merkt man, dass er der Finanzwirtschaft auch einen Gerichtstand zugesteht und durchaus dafür ist, dass dieser drakonische Strafen verhängt.

Woran liegt es aber, dass Hans-Werner Sinn, der wirtschaftspolitisch doch auf der Linie der derzeitigen Regierungskoalition liegt, von dieser einfach ignoriert (wenn nicht gar verunglimpft) und auch im allgemeinen so kontrovers behandelt wird?
Helge Peukert („Die große Finanzmarkt- und Staatschuldenkrise“) sagt über Hans-Werner Sinn:
„Seine Vorschläge sind zum Teil radikal und seine Analyse ist schonungslos nach allen Seiten“.

Das wird es wohl sein: radikal und schonungslos nach allen Seiten!
Diese Charakteristika scheinen nicht sehr gefragt in einer Zeit, in der die Bürger desto mehr beruhigt werden müssen je beunruhigender sich vor ihnen Schuldenberge auftürmen und über ihnen Rettungsschirme aufspannen.

Jene, die Sinn vorwerfen, dass seine Schlussfolgerungen zu radikal wären, sollten aber auch die Ruhe und den Rat des kompetenten Wissenschaftlers nicht übersehen:

*Sollte der Euro fallen, wird Europa nicht untergehen, und weil das so ist, sollte man auch nicht jeden beliebigen Preis für seinen Erhalt zahlen. Es ist an der Zeit, dass die Politik aus ihren ideologischen Überhöhungen auf den Boden der praktischen Vernunft zurückkehrt.*


Chamber Music
Chamber Music
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 18,64

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen KAMMERMUSIK, 25. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Chamber Music (Audio CD)
Ich halte diese Platte für einen modernen Höhepunkt der Musik aus Mali und ihrer internationalen Ausstrahlung.

Zwei Musiker, Ballaké Sissoko aus Mali (Kora) und Vincent Segal aus Frankreich (Cello) spielen in nächtlichen Sessions in Bamako, wie es scheint, nur für sich selbst, nur um zu Erkunden, welche neue Einheit zwei seelenverwandte Musiker mit ihren ebenso verwandten Instrumenten aus unterschiedlichen Kulturkreisen erreichen können.

Die großen Kora-Spieler Malis, wie Ballaké Sissoko, und auch Toumani Diabaté, wurzeln in einer langen Tradition und setzen eine Kunst fort, die ihre jeweiligen Familien über Generationen entwickelt haben. Gleichzeitig bringen sie das Kora-Spiel in neue Bereiche ein und bereichern die Musik anderer Länder durch den Kontrast, den sie setzen, die Tiefe, die sie vermitteln, und die Strenge, mit der die Kora den anderen Instrumenten, und auch den Sängern, den Rhythmus vorgibt.

Toumani Diabaté tut das zum Beispiel im Duett Kora/Gitarre mit Ali Farka Touré (IN THE HEART OF THE MOON), oder mit Taj Mahal (KULANJAN), wo man besonders deutlich hört, dass der Blues aus Afrika kam und in Amerika zum Delta Blues wurde.

Ballaké Sissoko, um den es hier geht, hat neben der hervorragenden CHAMBER MUSIC auch mit dem italienischen Pianisten Ludovico Einaudi gespielt (DIARIO MALI), und hat mit Rajery aus Madagaskar (Valiha) und Driss El Maloumi aus Marokko (Oud) drei afrikanische Saiteninstrumente zu einem sanften, gesamtafrikanischen Orchesterklang vereint (3MA).

Immer wieder wirkt die Kora wie ein Echo aus der Vergangenheit, das aber in der Sprache von heute zu uns kommt.

Ich würde für CHAMBER MUSIC nicht das Wort *Chillen* verwenden:
Diese ernste, kontemplative Musik von Sissoko und Segal ist wirklich großartige und bewegende KAMMERMUSIK.


Freitisch: Novelle
Freitisch: Novelle
von Uwe Timm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie man Arno Schmidt aus dem Haus lockt., 12. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Freitisch: Novelle (Gebundene Ausgabe)
'Vor dem Rathaus habe ich auf ihn gewartet.
Entschuldigung, sagte ich, wir kennen uns.
Er sah mich an, sucht in meinem Gesicht und sagte dann: Hm.'

Mit diesem Satz beginnt das Wiedersehen zweier ehemaliger Freunde. Der eine (der mit dem "Hm"), jetzt ein erfolgreicher Fachmann für Abfallwesen, ist eigentlich zu einem Geschäftstermin in die Kleinstadt im Nordosten Deutschlands gekommen, in die der andere, der Ich-Erzähler, vor Jahren als Lehrer zugezogen ist und hier in einer Idylle mit Frau, zwei Kindern, und vielen Büchern lebt. Die Frau hat ihn inzwischen links überholt, wie er sagt, die zwei Kinder rechts, und er selbst hält weiterhin an Arno Schmidt fest, dem Autor, dem damals die ganze Begeisterung der Tischrunde gegolten hat, die sich täglich am FREITISCH zur gesponserten Gratisausspeisung versammelte.

Jetzt sitzen einander also zwei aus dieser Runde im Stadtcafé gegenüber und vergleichen die Erinnerungen die ihnen von damals geblieben sind. Den erfolgreichen Geschäftsmann amüsiert, dass der Lehrer Gratisnachhilfe gibt: "Das ist also aus dem revolutionären Projekt der neuen Gesellschaft geworden 'Nachhilfe in Deutsch für die bildungsferne Jungend des Dorfes', und beide sehen die damaligen Zeitgenossen aus der Distanz ihrer heutigen soliden Existenz: '...sie hatten Träume, in denen sie ihre Haut wechselten. Vielleicht war es auch nur ein bestimmtes Hasch, das sie so träumen ließ. Sahen morgens in den Spiegel und erkannten sich nicht wieder.
Was? Den kenn ich nicht! Dich rasier ich nicht! So kam es zu diesen Dreitagebärten, die sich bis heute bei älteren Medienleuten wie Schimmel im Gesicht gehalten hat'.

Ja, und es geht immer auch um Arno Schmidt (und dafür der 5. Punkt)!
Es macht Spaß, im Text des Autors das Nachschwingen der Sprachkunst von Arno Schmidt aufzuspüren, seine Wortspiele und Wortschöpfungen, die jedem Schmidt-Fan ein Leben lang im Gedächtnis bleiben, und die hier als Chiffren dienen zur Erinnerung an das gemeinsam Erlebte.

Die Novelle ist perfekt komponiert. Immer wieder möchte der Lehrer das Gespräch auf die gemeinsame Fahrt nach Bargfeld lenken, wo sie Arno Schmidt besuchen wollten. Und stets kann sein Gegenüber von diesem Thema ablenken. Auch der Leser wartet ungeduldig darauf, zu hören was es denn mit dieser Begebenheit auf sich hat und warum sie für den Lehrer wo wichtig zu sein scheint.

Wie die Geschichte vom 'Besuch bei Arno Schmidt' am Ende aber doch noch erzählt wird, nachdem die beiden jetzt endgültig ehemaligen Freunde sich schon getrennt haben, und warum diese Geschichte mehr erzählt als wie man den großen Arno Schmidt mit einem Theodoliten vom Schreibtisch weglockt, das gehört zum Höhepunkt dieses Buches.


Die große Finanzmarktkrise: Eine staatswissenschaftlich-finanzsoziologische Untersuchung
Die große Finanzmarktkrise: Eine staatswissenschaftlich-finanzsoziologische Untersuchung
von Helge Peukert
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Standardwerk zur Finanz- und Schuldenkrise, 26. Februar 2012
Dieses Buch mit 600 Seiten ist eine der umfassendsten Analysen der Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise.
Ich habe bisher jedenfalls noch in keinem einschlägigen Fachbuch eine derart breit gefächerte Darstellung der Ursachen gefunden die zur anhaltenden Krise geführt haben, und nirgendwo ebenso vielfältige Lösungsansätze die zur Diskussion gestellt werden.

Hier ist ein Autor, der mit seinem Buch nicht seine eigene Meinung begründen möchte, sondern neben den objektiven Ursachen auch kritisch die verschiedenen Lösungen bespricht, die sich aus heterodoxer Sicht im Gegensatz zum derzeit alles beherrschenden Mainstream, dem institutionalisierten Neoliberalismus, anbieten.
Dabei ist es alles andere als eine trockene Aufzählung. Der Autor spart nicht mit seiner eigenen Meinung wenn er mehrere Alternativen beschreibt. Zur Politik der EZB heißt es zum Beispiel: 'Eine unabhängige Zentralbank ist ein Mythos, der heute zur Kaschierung der Tatsache dient, dass die Geldpolitik im Interesse der Finanzbranche erfolgt', oder: 'Nicht einzusehen ist, warum die EZB nicht direkt frisches Geld durchreicht, sondern das Geld über den verteuernden Weg über *die Märkte* gehen muss'.
Ein anderes prägnantes Bild:'Die Banken sind mit ihren mageren Barreserven eine auf dem Kopf stehende Pyramide von Krediten'.

Peukert ist auch seiner eigenen Zunft gegenüber kritisch, wenn er darauf hinweist, dass die Hälfte der monetären Ökonomen in den USA mit der FED finanzielle Verbindungen über Beraterverträge unterhält. Er erwähnt die profitable Beziehung von Bert Rürup zur AWD, die einschlägigen Nebeneinkünfte von Walter Riester nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag, die enormen Abfertigungen eines Axel Wieandt für 18 Monate bei der HRE, und zitiert zustimmend Robert Skidelsky, der die Mainstream-Ökonomen als *intellektuelle Butler* charakterisiert, 'serving the interests of those in power, not vigilant observers of shifting reality'.

Peukert selbst ist um Distanz bemüht, denn: 'Jeder wissenschaftliche Ansatz beruht auf Vorannahmen, die kaum empirisch bewiesen werden können, da sie im Kern auf präanalytischen Visionen beruhen'. Oder an anderer Stelle: 'Das Grundproblem des Mainstream: der formale Zähmungsversuch der Zukunftsunsicherheit, in dem die Zukunft zum statistischen Schatten der Vergangenheit wird'.

Peukert hat ein Buch geschrieben in dem alle Fachleute vorkommen, und zitiert und gewürdigt werden, die heute in Europa und den USA die Diskussionen bestimmen, auch Leute aus der Praxis wie ThyssenKrupp Chef Ekkehard Schulz, oder der Chef der Citibank Buiter.

Kein Wunder, dass allein das Verzeichnis der verwendeten Literatur sich über 50 Seiten erstreckt.
Ich bin auf das Buch aufmerksam geworden weil Max Otte es als Standardwerk zur Finanzkrise bezeichnet hat.
Und der muss es ja wissen!


Der Spinoza-Effekt: Wie Gefühle unser Leben bestimmen
Der Spinoza-Effekt: Wie Gefühle unser Leben bestimmen
von Antonio R. Damasio
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Repräsentation des Körperzustands im Gehirn, 24. Februar 2012
Ich habe dieses Buch gleich gelesen als es vor ca. 8 Jahren als Hardcover-Version auf den Markt kam, dazwischen immer wieder darin geblättert, und jetzt erneut durchgelesen und möchte kurz erklären warum mir das Buch so wichtig ist.

Ich dachte, ein Neurowissenschaftler kann mir Erklärungen zu den oft sperrigen Aussagen von Spinoza geben - und ich habe mich nicht getäuscht.

Warum Spinoza? fragt Damasio am Beginn seines Buches, und gibt die Antwort:
'Weil Spinoza von grundlegender Bedeutung für jede Betrachtung menschlicher Emotionen und Gefühle ist'.
Damasio füllt, ergänzt und konkretisiert die spinozistischen Lehrsätze mit heutigem Wissen.
Wenn Spinoza sagt: 'LIEBE ist nichts anderes als Freude, begleitet von der Idee einer äußeren Ursache',
dann ergänzt Damasio den Lehrsatz mit dem heutigen Wissen von den Grundreflexen, dem Schmerz- und Lustverhalten, den (An)Trieben und den Emotionen, 'die sich hin zu einem Gefühl entwickeln, das im fruchtbaren Zusammenwirken mit Vorstellungsvermögen und Gedächtnis einen Prozess darstellt, der zur Entwicklung von Voraussicht führt und zur Fähigkeit, neue Reaktionen zu entwickeln'.

Die hehren Aussagen von Spinoza werden bei Damasio zu Wahrheiten aus Fleisch und Blut. Manchmal auch wörtlich. Wenn es bei Spinoza heißt: 'Körper und Geist sind parallele Merkmale ein und derselben SUBSTANZ', dann konkretisiert Damasio diese These wie folgt: 'Unser Gehirn empfängt Signale aus den Tiefen des lebendigen Fleisches und dem innersten funktionalen Zustand dieses lebendigen Fleisches'.

Die intensive Beschäftigung mit Spinoza führt aber auch dazu, dass Damasio selbst für seine eigenen Lehrsätze die Diktion Spinozas übernimmt. Zum Beispiel wenn er GEFÜHL wie folgt definiert: 'Ein GEFÜHL ist die Wahrnehmung eines bestimmten Körperzustandes, in Verbindung mit der Wahrnehmung einer bestimmten Art zu denken und solcher Gedanken, die sich mit bestimmten Themen beschäftigen'.

Nur einmal widerspricht Damasio vorsichtig Spinoza: er empfiehlt am Ende des Buches dem Leser, 'sich doch ein bisschen an die Freude, an die Hoffnung zu halten ' einen Affekt, den Spinoza bei all seiner Tapferkeit nicht so hoch geachtet hat'. Denn, so Spinoza: 'HOFFNUNG ist eine unbeständige Freude, entsprungen aus der Idee eines zukünftigen oder vergangenen Dinges, über dessen Ausgang wir in gewisser Hinsicht zweifelhaft sind'.

Meine fünf Punkte gelten dem einmaligen und gelungenen Versuch eines Wissenschaftlers, den großen Philosophen Spinoza mit heutigen Worten und heutigem Wissen zu erklären. Für andere mag der Zugang zu dem Buch natürlich eher die Hirnforschung sein.

Als wertvolle, persönliche Zugabe sehe ich die beigefügte Kurzbiographie über Spinoza und die persönlich berührenden Anmerkungen und Betrachtungen Damasios bei seinen Besuchen im 'Spinozahuis' in Den Haag und in Rijnsburg, wo er das Haus besuchte, in dem Spinoza seine letzten Lebensjahre verbrachte.


Freiheit statt Kapitalismus
Freiheit statt Kapitalismus
von Sahra Wagenknecht
  Gebundene Ausgabe

29 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Alternative liegt im Detail, 14. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
SAHRA WAGENBACH : FREIHEIT ODER KAPITALISMUS

Wer hätte gedacht, dass einmal mit dem Begriff 'FREIHEIT oder KAPITALISMUS' für den Sozialismus geworben wird. Man hat noch den Wahlslogan 'FREIHEIT oder SOZIALISMUS' aus der Ära Kohl im Ohr.

Aber geht es in dem Buch überhaupt um 'SOZIALISMUS'?

Fast alle Vorschläge, die Sahra Wagenknecht in diesem Buch detailliert begründet und erklärt, wären auch für einen durchschnittlich konservativen Wähler akzeptabel. Vor allem wenn man 'konservativ' mit den europäischen christlich-sozialen Parteien der Nachkriegszeit assoziiert, mit den Ideen der sozialen Marktwirtschaft, die von Walter Eucken formuliert und von Ludwig Erhard teilweise, und zeitweise auch von der europäischen Sozialdemokratie, umgesetzt wurden.

Gemäß dem Einstein-Zitat: 'Wenn ich ein Problem analysiere, benutze ich 90% der Zeit mit der Analyse des Ist-Zustands und 10 % mit der Lösung', beschäftigt sich Wagenknecht intensiv und mit großem Detailwissen mit den Bedingungen unter denen hier und jetzt gewirtschaftet, verdient, vergeudet, gezockt, gearbeitet und verloren wird und lässt erst im letzten Abschnitt einen Ausblick auf *Grundrisse einer neuen Eigentumsordnung*.

So wie Marx den Kapitalismus lobte, so lobt Wagenbach heute den kreativen Unternehmer, den es gegen die Übermacht der rein profitorientierten Konzerne zu schützen gilt, gegen jene, die Betriebe nicht betreiben, sondern kaufen und verkaufen. Und wer beim Namen Sahra Wagenbach reflexartig mit 'Sowjetunion & DDR' kommt, wie das bei Talk Shows immer wieder vorkommt, der liest hier: 'Die Marktbeziehungen zwischen den Unternehmen können nicht durch eine detaillierte Planung der gesamten Volkswirtschaft ersetzt werden, wie das beim sowjetischen Modell geschah'. Und: 'Geschichtliche Prozesse geschehen nie in der Wiederkehr von bereits Dagewesenem, sondern in der Entstehung von Neuem'.

Marx kommt übrigens kaum in dem Buch vor, außer in einem Zitat von Oskar Negt:
'Das Kapital funktioniert erstmalig in der modernen Welt so wie es Karl Marx in seinem KAPITAL beschrieben hat'.

Zahlreiche weitere Zitate von 'unverdächtigen' Experten, wie Max Otte, Wirtschaftsprofessor, Fonds-Manager (Der Crash kommt), Susanne Schmidt, Dirk Müller, etc. zeigen, dass Sahra Wagenknecht viele Wissensgenossen hat, die nicht unbedingt ihre Gesinnungsgenossen sind. Max Otte hat das Buch vorab zum Lesen bekommen, wie er in einem KONKRET-Interview sagt, und offenbar auch keinen fachlichen Einwand gefunden.

Insgesamt, trotz des Irrsinns um den es geht, ein sanftes Buch der Sahra Wagenbach, vielleicht zu sanft, angesichts der Auswirkungen des Neoliberalismus, die im Buch auch zitiert werden, wie:

'Die Banken haben mit den Staatsschulden in den vergangenen Jahrzehnten Billionen verdient. Sie verdienen zurzeit im Besonderen an ihrer eigenen Rettung, denn genau die hat ja die Verschuldung in vielen Ländern vervielfacht'.

Oder, Roger de Weck zitierend: 'Die über 1 Billion Euro, die zwischen 2007 und 2010 in die Bankenrettung gesteckt wurden, bedeuten die Übertragung von 1 Billion Euro fauler privater Schulden auf die öffentliche Hand'.

Tatsachen und Analysen, die man nicht mehr mit 'Sowjetunion & DDR' hinwegwischen wird können. Außer unsere Machthaber denken wie die letzten Machthaber des so genannten Realsozialismus, nämlich dass es *keine Alternative* zu ihnen gäbe.

Die Implosion unseres 'westlichen Systems' könnte dann ebenso rasch und überraschend erfolgen wie 1989 die Implosion des Systems, bei dessen Ende der Endsieg des Kapitalismus vorausgesagt worden ist.


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