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Rezensionen verfasst von
Schnatterfratze "Rockfreak" (Halver)

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Das Geflecht
Das Geflecht
von Andreas Laudan
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2.0 von 5 Sternen Gute Idee - Umsetzung nicht gelungen, 30. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Geflecht (Taschenbuch)
Vorweg: ich habe das Buch aufgrund der guten Idee gekauft, die der Geschichte zugrunde liegt. Hierfür gebührt Andreas Laudan ganz sicher ein Lob, denn Ähnliches konnte ich bislang in der Belletristik nicht finden. Über die Handlung ist im Wesentlichen auch alles gesagt, daher nun meine Kritikpunkte, die einfach keine bessere Bewertung als 2 Sterne zulassen:

Der Schreibstil pendelt zwischen extrem einfach bis belanglos. Eine sich aufbauende Spannung, die von einigen anderen Vorrezensenten gelobt wurde, stellte sich beim Lesen in keinster Weise ein. Es war überhaupt kein Problem, das Buch aus der Hand zu legen, um sich spannenderen Dingen wie z.B. dem Ausräumen der Spülmaschine zuzuwenden.

Eine fesselnde Komponente fehlt völlig. Die Handlung ist spätestens ab einem Drittel des Buches äußerst vorhersehbar, überraschende Wendungen fehlen in Gänze. Das Ganze driftet nach einem zugegeben ansprechenden Start mehr und mehr auf das Niveau eines Drehbuchs für einen x-beliebigen SAT-1 Fernsehfilm am Dienstag abend ab.

Die Figuren erhalten keine wirkliche Identität. Es gelingt Laudan nicht, dass der Leser Sympathie oder Antipathie zu einem der Protagonisten entwickelt. Die Charaktere sind derart geradlinieg schwarz und weiß, dass es schon klischeehaft anmutet.

Der Showdown am Ende ist unnötig in die Länge gezogen, was einen weiteren Stern in Abzug bringt. Schade, denn da wäre sicher mehr drin gewesen.

Fazit: schade, dass ein grundsätzlich spannender Ansatz spätestens ab der Mitte des Buches vernichtet wird. Am Ende bleibt man achselzuckend zurück und stellt sich die Frage, ob man das Buch in die Sammlung stellen, oder in den Second-Hand-Laden tragen soll.


Darkness in a Different Light
Darkness in a Different Light
Preis: EUR 17,98

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Progressive Rock par Excellence, 18. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Darkness in a Different Light (Audio CD)
Fates Warning gelten nicht zuletzt dank der Referenzalben "No Exit" und natürlich "Awaken the Guardian" als Prog-Metal Pioniere. Seit den frühen 90ern, genauer gesagt seit dem Album "Parallels", hat man sich von den Metalwurzeln eher in Richtung eingängigem Prog-Rock/Metal mit nachvollziehbaren Songstrukturen entwickelt, ohne jedoch das musikalische Können außen vor zu lassen. Außerdem konnte es Hauptsongwriter Jim Matheos gottlob trotzdem nicht unterlassen, jedes Album mit zumindest einem "klassisch"-progressiven Epos zu versehen, welches oftmals das absolute Highligt auf einem jeden Longplayer darstellte. Erreichte diese Phase mit "Disconnected" ihren Höhepunkt, so stagnierte man mit dem Folgewerk "FWX" auf hohem Niveau. Was also bietet man rund 9 (!) Jahre später der geneigten Hörerschaft?
Nun, "Darkness in a different Light" ist keine Überraschung für FW-Jünger und bietet auch allerhöchstens marginale stilistische Neuerungen, obwohl das Songwriting dieses Mal nicht mehr oder minder allein auf das Konto von Mastermind Jim Matheos geht, sondern speziell Sänger Ray Alder hier nun mehr beigesteuert hat.
Auffällig ist, dass der hochklassige Opener "One thousand Fires" für einen solchen direkt ganz schön vertrackt und für FW-Verhältnisse heavy ausfällt. Es braucht schon 2-3 Durchläufe, ehe sich das gute Stück in seiner Gesamtheit offenbart, dann aber hat man ein erstes Highligt ausgemacht.
Mit "Firefly" folgt ein fast schon airplay-tauglicher Rocker, der auch gut auf den Alben "Parallels" oder "Inside Out" hätte stehen können, allerdings steht der rohe, ehr unpolierte Sound, der im Übrigen wohltuend das ganze Album durchläuft, dem Track mehr als gut zu Gesicht und verhindert so das Prädikat "altbacken".
"Desire" wirkt dann wie eine Mischung aus Track 1 und 2, bewahrt sich die eine offensichtliche Eingängkeit, ohne auf den ein- oder anderen spannenden Break zu verzichten.
Nach diesem Eröffnungstrio schmeichelt sich "Falling" als nahezu rein gesanglicher Ohrenschmeichler mit viel Melancholie und Gänsehautfaktor in die Gehörgänge. Auch wenn Ray Alder sowohl Rauchen als auch Alter sicherlich ein wenig an den Stimmbändern nagen: mutig und ganz großes Kino, in dieser Form sicherlich nicht zu erwarten. Einziges Manko: mit knapp 1:50 wirkt das Ganze eher wie eine Art Überbrückung zum kommenden Track. Was aus dem Stück noch hätte werden können offenbart der Bonus Track "Falling Further" auf CD 2: Hier hat man es dann sicherlich mit dem radiotauglichsten FW-Stück ever zu tun!
"I am" ist herausragend - Punkt! Ein typischer Grower, der garantiert auf längere Sicht zu einem FW-Live-Classic mutieren dürfte und bei dem sich alle Instrumentalisten, ähnlich wie im Opener, mal so richtig austoben können. Ein wenig erinnert das Stück an "One" vom "Disconnected"-Album, ist hierbei aber progressiver im positvsten Sinne des Wortes und auch hier punktet die roh angelegte Produktion.
Mit "Lighthouse" hat man nach "Falling" dann die 2. Ballade am Start, dieses Mal oppulenter ausgestattet, aber nicht weniger intensiv. Anfangs mag man mit diesem melancholischen Batzen Schwere nicht so recht umgehen können, doch spätestens nach Durchlauf 5 kann auch dieser Song absolut überzeugen und fügt sich schlüssig ins Gesamtkonzept ein.
Wollte man nun Schwachpunkte ausmachen, so wären dies "Kneel and obey" und "O Chloroform", die einfach nicht 100%ig zünden wollen. Meilenweit weg von aktuell oft gebotenen Durchschnittsware an Progrocksongs fehlt dennoch das gewisse Etwas, das etwa "I am" oder "Firefly" wahlweise zu rassigen oder eingängigen Rockern macht, die sich auch außerhalb des Albumkontextes gut auf einem entsprechenden Sampler mit ähnlicher Musik wiederfinden würden.
"And yet it moves" ist der erhoffte O(h)rgasmus am Ende des Albums und steht ganz in der Tradition "jüngerer" Lontrackclassics wie z.B. "Still remains". Brillianter Songaufbau, Gitarren zum Niederknien, Emotion, Abwechslung - man mag es kaum in Worte fassen. Jim Matheos beweist hier einmal mehr, welch großartiger Songwriter in ihm steckt - ich denke, ein komplettes Album mit ausschließlich derartig ausgestalteten Songs könnte man gar nicht toppen. Mit dem Rausschmeißer beweisen FW einmal mehr, wie groß und wichtig sie für die Szene sind. Die Tatsache, dennoch keinen reinen Abklatsch bisheriger, ähnlich gearteter Meisterwerke produziert zu haben setzt dem Ganzen die Krone auf und sorgt für einen neuerlichen Ritterschlag.
Bliebe noch die Bonus-CD: neben dem bereits erwähnten "Falling further" hat man eine "Extended"-Version von "Firefly" am Start, die das Stück eher wieder in die Nähe von "I am" oder des Openers rückt, da hier nicht einfach nur "verlängert" wird, sondern zusätzliche Passagen integriert wurden. "One" und "Life in still Water" ertönen dann noch in Liveversionen, können aber nicht zuletzt aufgrund der angesprochenen aktuellen stimmlichen Einschränkungen von Ray Alder nicht wirklich überzeugen.


Flying Colors (Limited Edition Digipak)
Flying Colors (Limited Edition Digipak)
Preis: EUR 19,33

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Topalbum 2012!, 25. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Oft ist es ein fragwürdiges Unterfangen, wenn eine weitere "Supergroup" auf den Plan tritt: handwerklich einwandfrei bis brillantes Spiel trifft auf Songwriting aus der B- oder C-Kategorie, da die "wirklich großen Momente" nunmehr stets für die Hauptband reserviert sind. Tauchen überdies die Namen der Workaholics Neal Morse und Mike Portnoy auf, so kann man sich eigentlich ausrechnen, dass man auf eine Melange irgendwo zwischen (alten) Spocks Beard, atmosphärischen Dream Theater, den Solowerken von Neal Morse und Transaltantic (bekanntermaßen ebenfalls eine gemeinsame Spielwiese von Neal Morse und Portnoy) stößt. Legt man dann mit dieser Erwartungshaltung das Debut von Flying Colors ein, so erlebt man direkt beim Opener eine faustdicke Überraschung. "Blue Ocean" klingt wie Stadionrock aus den späten 70ern/frühen 80ern, ohne allerdings glattgebügelt zu wirken (vgl. Journey, Boston) - im Gegenteil: das Ding hat Ecken und Kanten und ist so "live" produziert, dass man sich regelrecht im Proberaum danebensitzen sieht. Glaubt man anhand des Eröffnungsstückes die Grundrichtung des Albums zu kennen, so sieht man sich getäuscht. Direkt mit "Shoulda Coulda Woulda" zaubert man eher modern anmutenenden Alternative Rock aus dem Hut, ehe man sich mit "Love is what I'm waiting for" in Richtung Beatles verneigt. Damit sind die Eckpfeiler der musikalischen Ausrichtung gegeben und die Reise durch insgesamt 11 sehr abwechslungsreiche Titel kann fortgesetzt werden. Auffällig ist, dass - bis auf den Rausschmeißer "Infinite Fire" - kaum wirklich "klassisch-progressive" Elemente im eigentlichen Sinne einfließen. Vielmehr verstehen es die 5 Protagonisten, ihre zweifelsfrei vorhandene individuelle Klasse in den Dienst des einzelnen Songs zu stellen. Speziell das superbe Bassspiel von Dave LaRue verdient hierbei Erwähnung, denn hier groovt es - im Verbund mit den den erstaunlich schnörkellosen Drums von Portnoy - an allen Ecken und Enden. Die Soli von Steve Morse sind - ähnlich wie schon bei Deep Purple - dezent eingesetzt, aber stets ein kleines Sahnehäubchen für jedes einzelne Lied auf "Flying Colors". Der Gesang von Casey McPherson paßt sich jedem eingeschlagenen musikalischen Weg mühelos an. Das Album wird über die gesamte Spieldauer dominiert von tollen Melodien und vor allem einer Spielfreude, die ihresgleichen sucht - und es ist nicht ein Song zu finden, der sich als Ausfall werten ließe. Fazit: nicht immer bestätigen "Supergroups" ihr negatives Image. "Flying Colors" ist ein Wahnsinnswerk, dem der Klassikerstatus sicher zuzutrauen ist, Fortsetzung wünschenswert - und wer auf der Tour im vergangen Herbst die Farben auch live hat fliegen sehen, der wird zustimmen: hier waren 5 Musiker am Werk, die SPASS an der Sache hatten, und das war zu jeder Sekunde im Publikum spürbar.


Sanctuary
Sanctuary
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 39,92

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Melodic-Rock mit dem gewissen Etwas, 3. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Sanctuary (Audio CD)
Wie viele Musiker und vor allem Sänger hat diese britische Rock-Institution des Undergrounds schon kommen und gehen sehen? Man kann es kaum mehr zählen! Und doch haben die Gebrüder Troy es stets verstanden, Musik zu kreiren, die ganz klar ein Etikett trägt: den unverwechselbaren Praying-Mantis-Sound. Die nach wie vor äußerst prägnanten doppelten Gitarrenharmonien wirken heutzutage fast schon wie ein Relikt aus den seligen 70ern und erinnern an die Anfangstage der härteren Rockmusik, in denen Bands wie Thin Lizzy oder Iron Maiden diesen Sound salonfähig machten. Die Ecken und Kanten der Anfangstage (das Mantis-Debut "Time tells no Lies" zählt bis heute zu den Referenzalben der NWOBHM)hat man im Laufe der Jahre (teils zu) rund geschliffen und so steht man anno 2009 quasi an einem Neuanfang und präsentiert mit "Sanctuary" wieder mal einen neuen Sänger (Mike Freeland) und das erste Album seit dem eher enttäuschenden (weil: zu seichten) "The Journey goes on" (2003). So startet "Sanctuary" denn auch mit "In Time" gut durch: wieder etwas rauher, sauber produziert, ein schöner Refrain, der im Ohr bleibt - gut! "Restless Heart" ist ein etwas belangloseres Stück Rock, ehe mit dem schwermütigen "Tears in the Rain" ein echtes Highlight aufgefahren wird: traumhaft schöne Gitarren, ein wahnsinnig guter Sänger und ein ungewohnter Tiefgang - klasse! "So high" und "Turn the Tide" bieten gute Durchschnittsware, "Touch the Rainbow" und vor allem "Threshold of a Dream" kratzen knapp an der Kitsch-Grenze, ohne diese jedoch zu überschreiten und mit "Playing God" folgt ein echter Überhammer: PM verlassen ihre allzu geradlinige Schiene, bauen ein paar nette Breaks ein und basteln so ein tolles, zeitloses Stück Rock, das man so nicht unbedingt erwartet hätte, der Band aber gut zu Gesicht steht. Mit "Highway" und dem Titeltrack klingt ein gut hörbares Album aus, das man vielleicht nicht in die Dauerrotation seines CD-Players schickt, aber zu vielen Gelegenheiten auflegen kann - und das auch in vielen Jahren noch. Praying Mantis machen das, was sie stets ausgezeichnet hat und das verdammt gut: Hardrock mit melodischem Einschlag. Jeder, der mit dieser Muikrichtung etwas anfangen kann ist auch mit "Sanctuary" bestens bedient und sollte bedenkenlos zugreifen, zumal sich tatsächlich mal wieder 2-3 echte Perlen finden lassen.


The Devil You Know
The Devil You Know
Preis: EUR 5,00

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verdammt gut, aber nicht der erwartete Überflieger, 3. August 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Devil You Know (Audio CD)
Da ist sie also, die neue Platte des wohl interessantesten Black-Sabbath-Line-Ups mit den Herren Iommi, Dio, Butler und Appice. Natürlich geht man an ein solches Werk mit einer gewissen Erwartungshaltung, wohlwissend jedoch, dass mit "Mob rules" und vor allem "Heaven and Hell" bereits 2 eigentlich unerreichbare Vorläufer mit echtem Klassikerstatus zu toppen wären - was faktisch gar nicht möglich sein dürfte. "The Devil you know" schleppt sich denn auch mit "Atom and Evil" (sabbath-typisch, aber wenig spektakulär) auf die Straße und nimmt eigentlich erst mit "Fear" Fahrt auf: hier paßt plötzlich alles und ein Hauch der Magie aus alten, seligen Anfangsachtzigerjahren weht zwischen den von Dio wie immer perfekt gesungenen Textzeilen hervor. "Bible Black" setzt sogar noch einen drauf und betont die epische Komponente, die Black Sabbath in den Dio-Jahren stets begleitet hat: ein düsteres, mit feinen Melodien aufwartendes Mini-Epos, das man sich wieder und wieder anhören möchte. "Double the Pain", "Rock and Roll Angel" und "The Turn of the Screw" verpassen hier leider den Anschluss und fallen auf das eher biedere Konzept des Openers zurück: auf Nummer Sicher komponierte Songs, die zwar den Nerv des Black-Sabbath-Fans, nicht aber den des gemeinen Rockfans treffen. Mit "Eating the Cannibals" unterbricht dann endlich ein Uptempo-Song (erinnert ein wenig an "TV Crimes") die schleppende, träge Heaven-and-Hell-Welt, und siehe da: ein bißchen Geschwindigkeit steht den alten Herren wunderbar zu Gesicht und man wünscht sich spontan, es hätte 2-3 solcher feinen Rocksongs auf "The Devil you know" gegeben. "Follow the Tears" und "Neverwhere" fallen dann wieder ins altbekannte Muster zurück und können irgendwie zwar als gefällige BS-Songs, nicht aber als Überflieger punkten. Den gibt's dann aber im Finale mit "Breaking into Heaven": ein ganz ausgetüfteltes Stück Musik mit progressiven Einschüben und einem feinen Groove, ein echtes Highlight. Fazit: Vielleicht benötigt "TDyk" einfach viele Jahre um zu reifen, so wie das bereits beim Vorgänger "Dehumanizer" der Fall war, vielleicht ist der Schatten der großen Klassiker auch zu übermächtig - auffällig ist aber: die alten Recken können es noch und wer weiß was ein Album bringen würde, dem etwas mehr Zeit zum Ausreifen bereits in der Songwritingphase gegeben würde? Subjektiv betrachtet ist das derzeit aktuelle Wert der "2. Black Sabbath" das Schwächste von Vieren ("Live Evil" nicht mitgerechnet) - objektiv besehen aber ein Ausrufezeichen hinter der Aussage, dass sich gute Rockmusik nicht am Alter der Musiker festmacht.


Frequency
Frequency
Preis: EUR 23,46

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alte Besen kehren gut!, 3. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Frequency (Audio CD)
Gute 4 Jahre haben die Urgesteine des Neo-Prog aus England gebraucht, um einen Nachfolger für "Dark Matter" aus der Taufe zu heben. Hierbei ist erschwerend zu berücksichtigen, dass mit Martin Orford (Keys) ein Gründungsmitglied von Bord ging - ein Verlust, den es sowohl kompositorisch, als auch soundtechnisch zu kompensieren galt, hatte der Tastenmann doch bisher maßgeblichen Anteil am Sound IQ's. Der neue Mann an den Tasten nennt sich Mark Westworth und vorweg: er ist nicht Orford, aber er macht seine Sache so gut, dass man den guten Martin nicht wirklich vermißt. Zum Wesentlichen, die Musik:
"Frequency" bietet einen tollen Songaufbau, wie man ihn von IQ gewohnt ist: balladesker, ruhiger Anfang, Spannungsaufbau, eine kleine Explosion in tollen Gitarren- und Keyboardharmonien - dazu der unverkennbar ebenso dezent wie virtuos gezupfte Bass von John Jowitt, erzählerisch gestaltete Gesangslinien, in Szene gesetzt von Peter Nicholls' wie so oft überirdischem Gesang - begeisternd!
"Life Support" baut ähnlich auf, mündet aber in einem puren Instrumental, das für meine Begriffe ein wenig zu sehr um schräge Keyboardsounds bemüht ist - dennoch: um ein Stück dieser Machart zu schreiben hacken sich andere Musiker sämtliche Körperteile ab, da läßt sich dieses kleine Manko leicht verschmerzen.
"Stronger than Friction" bietet IQ pur und hätte auch locker auf dem starken (Nicholls-)Comebackalbum "Ever" von 1993 stehen können. Sehr schön scheint hier der IQ-typische, melancholisch-düstere Unterton durch, der sich durch das ganze Stück zieht - großes Kino!
"One fatal Mistake" erhielt als erster "richtiger" Lovesong in der Geschichte von IQ seitens der Fachpresse eine Menge Vorschusslorbeeren - zurecht! Zwar hat man es hier nicht mit einer Überballade zu tun, doch schafft es Nicholls hier allein mit seinem Gesang, eine wunderschöne Gänsehautatmosphäre zu schaffen - stark!
"Ryker Skies" ist ein wenig schräg ausgefallen und steht für den Sound der unmittelbaren Vorgängeralben wie "Dark Matter" bzw. "The 7th House", kreuzt diesen aber gekonnt mit den bewährten, leicht düsteren Soundzutaten der IQ der 80er. Das Stück benötigt vielleicht 2-3 Durchgänge, dann aber ist neben dem Titeltrack das zweite Highlight von "Frequency" ausgemacht. Beeindruckend: der schleppende Bass/Gitarrenpart nach der Einleitung, fast schon doomig.
"The Province" ist nicht von dieser Welt! Punktum und ganz einfach. IQ loten hier ihre Grenzen neu aus, bedienen sich verschiedener Elemente des ausladenden 70's Prog à la Yes und Co. und verschmelzen diesen phasenweise mit fast schon speedigen Metal-Einlagen. Gebannt lauscht man einer rund 13minütigen Reise in verschiedene Welten der Rockmusik und taucht ein in die lyrische Welt des Peter Nicholls. Seit "Guiding Light" zeigten sich die Briten nicht mehr so sehr auf experimentiellen Pfaden.
"Closer" bietet nach dieser Achterbahnfahrt einen wahrlich krönenden Abschluss und ist nach meinem persönlichen Dafürhalten einen Tick stärker als "One fatal Mistake". Eine akustische Gitarre bereitet den Boden für ein tolles, ruhiges und ausdruckstarkes Stück Musik, das man in dieser Form nicht unbedingt von IQ erwartet hätte. Würde Progressive Rock noch eine Lobby im Radio haben: hier wäre das Referenzstück für die Heavy-Rotation.
Fazit: IQ erfinden den Progressive-Rock nicht neu und bleiben in erster Linie sich selbst treu. Die Songs in ihrer Gesamtheit wirken ambitionierter als auf dem im Nachhinein bisweilen sterilen Vorgängeralbum "Dark Matter" Auffällig ist zudem die irgendwie erdiger wirkende Produktion, die den Songs einen wärmeren Anstrich verleiht."Frequency" beweist, dass anno 2009 auch klassicher Progressive Rock (mit leicht modernisierenden Zutaten) eine absolute Daseinsberechtigung hat und nicht die ganze Welt nach Mastodon oder Procupine Tree schreien muss. Gute Musik ist zeitlos und in diesem Sinne müßte sich die Konkurrenz stark anstrengen, um das aktuelle Werk von IQ zu toppen.


Rising
Rising
Wird angeboten von Film_&_Music
Preis: EUR 7,73

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein wenig bieder, 19. Mai 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Rising (Audio CD)
Vorweg: ich bin heuer 20 Jahre ein Riesen-Fan der Haie und besitze JEDES ihrer Alben. Great White haben den Blues, Great White haben den (Hard-)Rock und Great White haben die ultimative Mischung aus beidem auf zahlreichen sehr erfolgreichen ("...twice shy") oder weniger erfolgreichen ("Psycho City") Alben regelrecht zelebriert. Aufgrund des gutklassigen Quasi-Comebackalbums "Back to the Rhythm" durfte man also gespannt sein, ob man mit "Rising" nun auf Kurs bleibt. Die Antwort lautet: leider nur zum Teil. Gefällt der Opener "Situation" noch mit rockiger Attitüde und einem feinen Chorus, so macht sich bereits beim Nachfolger "All or nothin'" eher Ernüchterung breit: zu bieder, zu berechenbar und bei weitem nicht ausgereift wirkt dieser Titel. Im Verlauf des weiteren Hörens bleiben dann auch keine wirklichen weiteren Highlights hängen, zu eintönig plätschern Stücke wie "Danger Zone" oder "Last Chance" aus den Boxen. Tauchen gute Ideen auf wie z.B. bei "Shine" oder "Down on the Level", so werden diese durch eher nichtssagende Soli und zigfaches Wiederholen des Refrains leider bis zum Erbrechen wiedergekäut und vernichten somit den durchaus guten Ansatz. Nach 2-3 Durchläufen können dann leidlich noch "Is ist enough" und "Loveless" überzeugen - für ein Great White Album schlicht und ergreifend eine zu geringe Ausbeute an echten, bluesrockigen Ohrenschmeichlern. Letztlich versagt man dann sogar in der Königsdisziplin, den Balladen: kaum zu glauben, dass total platte Nummern wie "My Sanctuary" und "Only you can do" von einer Band stammen, die Balladen der Güteklasse "Love is a lie" oder "The Angel Song" komponiert haben. Ärgerlich ist dann irgendwie auch noch, dass man diese hintereinander am Ende der CD placiert - schade. Da rettet dann auch das gutklassige Stones-Cover "Let's spend the Night together" leider nichts mehr. Noch ein Wort zur Produktion: im Gegensatz zum frischen Sound auf "Back to the Rhythm" wirkt hier alles seltsam glattgebügelt und farblos, so dass der Drive einfach auf der Strecke bleibt. Was soll man sagen? Leider muss man "Rising" zu den schlechten Alben der GW-Discographie zählen und davon gab es nicht sehr viele. Die wenigen Lichtblicke hätten auch auf eine EP gepaßt - schade.


Experiments in Mass Appeal
Experiments in Mass Appeal
Wird angeboten von Discy - Musik Buch Film
Preis: EUR 25,00

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mutig und ambitioniert, 15. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Experiments in Mass Appeal (Audio CD)
Jem Godfrey frönt zum 2. Mal seiner eigentlichen Leidenschaft, dem Progressive Rock. Verstärkt durch das bewährte Team (u. a. John Jowitt von IQ am Bass und John Mitchell von Arena bzw. It Bites und Kino an der Gitarre), sowie dem neuen Sänger Declan Burke startet man mit "Experiments im Mass Appeal" anno 2008 neu durch, nachdem zwischenzeitlich gar die Auflösung des Projektes im Raume stand. Wer nun eine Fortesetzung des eher klassisch-progressiv gefärbten Vorgänges "Milliontown" erwartet, der bekommt eine faustdicke Überraschung serviert: es knarzen und loopen moderne Samples, die Stimme von Burke wird ein- ums andere Mal durch den elektronischen Fleischwolf gejagt, Keys und Gitarre tönen streckenweise alternativ dunkel bis tiefdüster. Statt also auf Nummer sicher zu gehen und auf die zweifelsfrei komponierbaren Ohrenschmeichler mit Wiedererkennungswert zu setzen geht Godfrey neue Wege. "Experiments..." will erschlossen werden und brüllt den Hörer förmlich an, es zu einem weiteren Durchlauf durch den Player zu jagen. Und so schillern die Perlen erst nach einigen Rotationen so richtig: "Falling down" klingt fast wie ELO für's neue Jahrtausend, "Welcome to Nowhere" fußt auf ein wenig auf modernem Prog à la Riverside und Procupine Tree, gefällt aber mit zusätzlich eingebauter, leicht alternativer Schlagseite und einem tollen Refrain. "Dear Dead Days" kommt unerwartet schräg um die Ecke, um nach 2-3maligem Hören mit einigen tollen Harmonien zu glänzen, die irgendwie geschickt in dem Song versteckt sind. Leidlich der Rausschmeißer "Wonderland" verläßt die allzu experimentiellen Gefilde und pendelt irgendwo zwischen Neo-Prog und klassisch-progressiven Elementen. Im Großen und Ganzen: man benötigt Geduld, bis man alle "Experimente" in ihrer Gesamtheit erfaßt hat, dann kommt man jedoch größtenteils zu dem Schluss: gekonnt gemacht und pfiffig in Szene gesetzt! Schade nur, dass nicht das gesamte Album dauerhaft überzeugt, so nerven einige Sequenzen doch fast schon an der Schmerzgrenze. Unter dem Strich bleibt jedoch ein außergewöhnliches Stück wahrlich experimenteller Musik, die so recht in keine Schublade passen mag - und das ist gut so! Wir sind gespannt auf die kommende Wundertüte, Mr. Godfrey!


White Sugar
White Sugar
Preis: EUR 19,98

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genial und kurzweilig!, 15. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: White Sugar (Audio CD)
Nach dem ersten Durchlauf von "White Sugar" ist man sprachlos: 22 Jahre alt soll diese Dame sein - und spielt den Blues wie der Teufel höchstpersönlich! Die Songs? Der Großteil orientiert sich in die Texas-Ecke und hier und da schielen die frühen ZZ Top als Referenz um die Ecke. Hierbei gelingt es Miss Taylor stets, allein schon durch ihren eigenen, permanent zwischen dezent und effektvoll gehaltenen Gesang, sowie ihr ebenso akzentuiertes Gitarrenspiel jedem Track ihren Stempel zu verpassen - und das ist in einem eher begrenzten Genre wie dem des Blues nicht ganz so einfach und verdient insofern noch einmal eine Extraportion Respekt. Stimmlich pendelt sie zwischen der süß-aggressiven Stimme einer Anouk und dem rauchigen Gesang einer Janis Joplin, ohne jedoch gänzlich in das ein- oder andere Extrem zu verfallen oder gar zur Kopie zu verkommen. Angenehm auffällig ist die fast schon AOR-mäßige Schlagseite einzelner Titel ("Going Home", "Kiss the Ground Goodbye") die in besseren Tagen für Airplay im Radio und einen Plattenvertrag bei einem Major gesorgt hätten - schade, dass diese Zeiten wohl vorbei sein dürften. Des Weiteren verzichtet Madame auf allzu ausufernde Soli und setzt einen guten Song als solchen in den Mittelpunkt ihres Schaffens; diese Vorgehensweise eröffnet speziell für die Live-Umsetzung natürlich viele Freiräume für Improvisationen, sorgt aber beim Konsum des Albums dafür, dass man es in seiner Gesamtheit ohne zu viel Selbstbeweihräucherung der Hauptprotagonistin genießen kann. Fazit: "White Sugar" ist bei weitem mehr als nur ein Album für Blues-Fans! Es ist gleichermaßen eine Liebeserklärung an einen tollen Musikstil als auch ein Statement für dessen Lebendigkeit im Jahre 2009 und unterstreicht gleich doppelt, dass diese Art Musik auch für Freunde der gediegenen Rock- und Popmusik hochinteressant ist. Toll!


The Human Condition
The Human Condition
Preis: EUR 20,13

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ungewohnt, aber interessant!, 31. März 2009
Rezension bezieht sich auf: The Human Condition (Audio CD)
Betrachtet man "Human Condition" mal zunächst losgelöst vom neuen Sänger (Rob Moratti ersetzte Saga-Urgestein Michael Sadler), so wird deutlich, dass man den bereits auf "Trust" und "10000 Days" eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolgt, soll heißen: der Saga-Sound bleibt stets präsent, wird aber durch verschiedene Stilmittel modernisiert - sei es der leicht modern rockende Ansatz in "Avalon" oder die neo-progressiven Zutaten im starken "Step inside". Wie schon auf den gutklassigen, oben namentlich genannten Vorgängeralben gelingt dies perfekt, denn der typische Saga-Soundkosmos bleibt dank der prägnanten Gitarre Crichtons und des virtuosen Keyboardspiels von Jim Gilmour stets präsent und weist "HC" trotz des neuen Sängers als Werk der kanadischen Urgesteine aus. So wirkt der Opener und Album-Namensgeber "The Human Condition" gleichermaßen wie eine moderne Fassung von "Conversations" und eine Weiterentwicklung des "10000 Days"-Instrumentals "Corkentellis". Wie auch schon "10000 Days" benötigt auch der aktuelle Output der Melodic-Progger einige Durchläufe, um wirklich zu zünden, aber das Entdecken macht einmal mehr einen Riesenspaß und haben sich Perlen wie "Crown of Thorns" oder "Now is now" erst einmal in den Gehörgängen eingenistet, so verweilen sie dort; selbst die eingangs eher unspektakuläre und irgendwie AOR-lastig wirkende Ballade "Hands of Time" findet peu à peu Anklang, vermag aber leider keine Gänsehaut hervorzurufen - da hat man mit dem "Trust"-Knaller "I'm ok" allerdings die eigene Messlatte auch verdammt hoch gelegt. Saga beweisen mit ihrem aktuellen Werk einmal mehr, dass alte Haudegen sich nicht der Neuzeit verschließen müssen, gleichermaßen aber auch keine Kopfstände vollführen brauchen, um ihre Herkunft und ihre Trademarks zu verleugnen - und bieten hierfür einmal mehr ein Referenzwerk auf. Hier wird noch mit Spaß an der Musik und ohne Blick auf die Charts oder die "goldenen, alten Zeiten" musiziert - und das spürt man, zumal der progressiv anmutende Teil in den einzelnen Songs nochmals ein wenig nach oben gepusht wurde. Es bleibt allerdings ein Wehrmutstropfen, welcher die Vergabe der Höchstpunktzahl zumindest meiner subjektiven Beurteilung nach verhindert: der Gesang! Leider wirkt Herr Moratti eher, als erledige er einen Job, es fehlt das Herz, mit dem Michael Sadler jedem Saga-Stück immer seinen ureigenen Stempel aufzudrücken vermochte, ein John Payne (Ex-Asia) beispielsweise wäre für den tiefgründigen Sound Sagas sicher geeigneter gewesen. Wer darüber aber hinwegsehen kann, der findet mit "HC" definitiv eine weitere Perle moderner (!) und packender Rockmusik.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 1, 2009 8:47 AM MEST


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