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The Devil Put Dinosaurs Here
The Devil Put Dinosaurs Here
Preis: EUR 6,99

14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannende wie auch insgesamt gelungene Entwicklung, 27. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: The Devil Put Dinosaurs Here (Audio CD)
"Black Gives Way To Blue" ist nun schon wieder fast vier Jahre alt. Das Comeback-Album hatte unerwartet eingeschlagen und alte Fans nicht nur weiter für die Grunge-Herren begeistert, sondern wohl auch ein paar neue hinzugewonnen. Kurz: Mit neuem Sänger lief es, wie es besser nicht laufen konnte und nun war die Frage - was kommt?

Die beiden Singles "Hollow" und "Stone" haben zunächst den Eindruck vermittelt, dass man sich sehr eng an Sound und Heavyness des Vorgängers orientiert. Der Einstieg ins Album ist dann auch genau so, man wird von Alice in Chains "2.0", wie es nun oft so schön heißt, abgeholt und bekommt ordentlich auf die Ohren. Danach allerdings merkt man im weiteren Verlauf, das das neue Werk insgesamt etwas langsamer und zugleich weniger düster und weniger traurig ist. Natürlich ist auch dieses Album für den gemeinen Alternative-Fan ein reichlich apokalyptischer Trip, aber AIC-Fans horchen hier und da auf. So kommt z.B. die Midtempo-Nummer "Voices" mit sehr radiotauglichem Refrain daher.
Insgesamt ist mit Radiotauglichkeit aber natürlich (und zum Glück) wenig. Das liegt auch an der Länge der Songs: gerade mal zwei unterschreiten die 5-Min-Marke, kein einziger ist kürzer als 4 Min. Das mag ein Grund sein, warum sich die Songs und das Album insgesamt nicht so schnell festbeißen, wie das Material des Vorgängers. Das Ergebnis sind schleppende und komplexe Entwürfe wie der Titeltrack oder "Phantom Limb" - ein Track, der ohne Frage zu dem Besten gehört, was je von dieser Band aufgenommen wurde. Manch anderer Nummer hat solche Länge vielleicht weniger gut getan, das schon angesprochene "Voices" oder auch "Lab Monkey" wären dann wohl prägnanter geraten.
Dennoch weiß die Band über die nahezu 70 Min die Spannung hochzuhalten: Grund dafür sind nicht nur die abwechslungsreichen Songtrukturen und tollen Soli von Klampfenmeister Cantrell, sondern auch der vielseitige stimmliche Einsatz. Insgesamt bekommt Will DuVall deutlich mehr Raum, was die Eigenständigkeit seiner Vocals viel klarer zeigt als noch "BGWTB". Zugleich chroont aber auch Cantrell gewohnt kraftvoll durch die Rifflandschaften und beide sind zweifellos in der Lage, die Tradition der brillianten zweistimmigen Passagen fortzusetzen, die Cantrell mit Layne Staley einst zum einem zentralen Charakteristikum der Band machte. Mit "Scalpel" liefert AIC einen Song, der den Geist von "Jar of Flies" atmet und einen Höhepunkt des Albums darstellt.
Die letzten beiden Songs, "Hung on a Hook" und "Choke", unterstreichen dann nochmals, dass AIC es auf der neuen Scheibe hinbekommen, ihre neuere "2.0"-Identität zu festigen, aber sich dennoch weiterentwickeln und daher für die Anhängerschaft interessant bleiben.

Fazit: Eine sehr spannende Weiterentwicklung wird geboten. "The Devil Put Dinosaurs Here" braucht ein wenig mehr Zeit als das letzte Album, wächst dann aber (mit minimalen Abstrichen) auf dessen grandioses Niveau heran. Uneingeschränkte Kaufempfehlung!

P.S.: Wer die These von Wandel-und-Identität prüfen möchte, der höre doch mal den Klassiker "Down in a Hole", "Private Hell" von "BGWTB" und das neue "Choke" und man wird merken, dass AIC den Weg von der Depression zur Melancholie als vorherrschendes Momentum finden, ohne dabei ihre Trademarks zu verlieren.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 10, 2014 6:56 AM CET


If Not Now,When?
If Not Now,When?
Preis: EUR 7,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit einigen Perlen, aber auch zu viel Mittelmaß..., 16. September 2011
Rezension bezieht sich auf: If Not Now,When? (Audio CD)
Die Pause war lang seit dem letzten Longplayer "Light Granades" (2006) und so war die Spannung natürlich groß, wie sich die Band in "erwachsener" Form anhört, wie man so oft sagt, wenn die ehemaligen Jugendhelden Familienväter geworden oder zumindest in die entsprechende Altersgruppe vorgedrungen sind. Und noch öfters hat man gehört: sie klingen wieder mal ganz anders. Und lassen sämtliche Härtegrade außen vor, die in die Kategorien Rock, Crossover oder Metal (letzteres ist aber ja schon länger Geschichte) gehören könnten. Ein Balladenalbum also - nun dann mal an die Details:

1. If not now, when - Der Opener überzeugt als sanfter und atmosphärisch warmer Einstieg. Boyd präsentiert hier aus voller Lunge oder auch nur gedämpft-verlockend singend, dass seine Vocals von beeindruckender Präzision und Einprägsamkeit sind. Ein Tick kürzer wäre auch ok gewesen, nichtsdestotrotz, gelungener Auftakt (4/5).

2. Promises, Promises - Die zweite Single ist ja schon hinreichend bekannt. Incubus zeigen sich als Balladenkomponisten ersten Ranges, ein wunderbarer Song, der sofort ins Ohr geht und trotz auch bei wiederholtem Durchlauf allerhand Feinheiten auf seiner Seite hat, sodass die Spannung dauerhaft erhalten bleibt. Insbesondere die zweistimmigen Chorusvocals gefallen. Unaufgeregt, souverän entfaltet, klasse! (5/5)

3. Friends & Lovers - Der Einstieg gerät durchaus gefällig, man bleibt dem ruhigen Tempo treu - und doch fragt man sich, wann die Sache endlich zündest. Der Vers gibt sich zwar noch halbwegs bemüht, der Chorus hingegen und vor allem die reduzierte Bridge wirken eher einfallslos und wenig überraschend. Der Funke will nicht recht überspringen, dennoch solides Handwerk. (3/5)

4. Thieves - Imitiert in punkto Aufbau und Spannungsbogen nahezu 1:1 den Vorgänger. Kommt im Charakter zwar etwas verspielter und weniger getragen daher, bleibt bei niedrigem Tempo mit angezogener Handbremse aber fast in der Langeweile stecken. Vor allem die emotionale Komponente bleibt eigenwillig kontrolliert und letztlich steril. Schade. (3/5)

5. Isadore - Bringt in punkto Songstruktur auch keine Neuerungen, kann aber durch anfänglichen interessanten Kontrast zwischen Lagerfeuergitarre und schallenden Drums sofort Aufmerksamkeit gewinnen und diese über einen kraftvollen Chorus und ein schönes E-Gitarren-Finish diese bis zum Ende halten. Überzeugend. (4/5)

6. The Original - Hier ist leider ein Experiment verunglückt: die unkonventionelle Songstruktur wird leider drei Minuten lang von seltsamer Instrumentierung, kitschigen Harmonien und raunenden Vocals ("girl, you're the original. girl, you're the original...") verunstaltet, bis der Song im letzten Drittel plötzlich ernst macht und etwas düster die vorangegangenen Melodien variiert. Das ist zwar gut gemeint, funktioniert aber gar nicht. Zudem: sicher sind Incubus-Fans an Brandons mal mehr, mal weniger erträglich schmachtende Liebeslyrik gewohnt, aber das hier ist nun wirklich etwas peinlich... (2/5)

7. Defiance - Was für eine Erholung: Akkustikgitarre und Stimme, nicht etliche Tonspuren von etlichen Instrumenten. Der missglückte Aufwand von 'The Original' wirkt neben dieser kleinen Perle noch unangemessener. Einfach gute Musik! (4/5)

8. In the Company of Wolves - Hier geht es auch erstmal wieder sehr kuschelig los. Was dem Song aber über 7 Minuten hinweg gelingt, ist es, Takt um Takt einen atmosphärischen Umschwung anzukündigen, der sich nach der ersten Hälfte manifestiert. Plötzlich fühlt man sich in eine geradezu unheimliche Soundlandschaft geworfen und spürt den Atem der Wölfe im Nacken. Grandios, ein Highlight! (5/5)

9. Switchblade - Wow! Sprechgesang, eine schwungvolle Snare und eine locker groovende Bassline. Unwillkürlich erhebt sich der bisher eher ruhig zugelehnt lauschende Kopf aus dem Kissen und verlangt mitzunicken. Die eingängie Hook sorgt dafür, dass man zwar nicht mehr als ein oder zwei Gänge hochschaltet, fügt sich aber zugleich gut ein. Die Spielfreude dieses Tracks hätte man an mehr Stellen gebraucht. (5/5)

10. Adolescents - Die erste Single greift am ehesten den Sound des letzten Albums auf, kein Wunder, dass dieses Stück zuerst auf die Öffentlichkeit losgelassen wurde. Gelungen, verglichen mit älteren Songs aber auch keine Heldentat. (4/5)

11. Tomorrow's Food - Eigentlich hatte man sich nach der etwas enttäuschenden ersten Albumhälfte schon entschädigt gefühlt, so schließt das Album nun mit einem Hybrid aus Menschlichkeitspredigt und verschlafenem Instrumental. Sicherlich sind die mehrstimmigen Vocals beeindruckend und zeigen, was hier und da auf einem balladenzentrierten Album noch möglich gewesen wäre. Einen dann aber am Ende mit derart unaufgregtem Geklimper nach Hause zu schicken, mag zwar irgendwie zum Gesamtkonzept passen, wirkt aber nach den leichten Temposteigerungen der letzten beiden Tracks ziemlich unbefriedigend. (3/5)

Am Ende bleibt der ein zwiespältiger Eindruck: einerseits müssen Incubus sich von niemandem Erzählen lassen, wie man hervorragende ruhige Songs schreibt, die eingängig und interessant zugleich sind; andererseits ist unüberhörbar, dass dies auf einer Strecke von insgesamt über 50 min nicht recht gelingen will. Auch die Vielseitigkeit von Effekten für eine Vielzahl von Instrumenten und Brandons Stimme haben an manchen Stellen eher kompensatorische Funktion, anstatt tatsächlich in spannender Weise mit neuen Ideen einherzugehen. Dass die Jungs brilliante Balladen schreiben können, heißt offenkundig nicht, dass diese auf Albumlänge nicht auch etwas kraftvollere und treibere Unterstützung gebrauchen könnten - und da sind Incubus ja nun auch keine Schlechten. Man fragt sich, ob die Instrumentalisten nicht zu sehr um Brandons Vocals herumarrangieren, anstatt selbst beherzter in den Vordergrund zu treten. Insbesondere Einzigers sonst auch durchschlagende Gitarrenarbeit wird vermisst. Bleibt diesbzgl. nur ein Zitat aus dem Opener: "We've been good, even a blast, but don't you feel like something's missing here?" Oh ja, so fühlt man: man hat den Eindruck, die Band wollte es gediegen angehen lassen und hat dabei ein wenig den Hunger verloren. Vieles ist überzeugend, einigem fehlt es aber schlicht an Energie.
Und zur Beantwortung der Titelfrage: "If not now, when?" - hoffentlich beim nächsten Album.


Dead New World
Dead New World
Preis: EUR 15,45

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bester Release seit "Confessions", 23. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Dead New World (Audio CD)
Nach ihrem letzten, aufwendig produzierten, bei Fans und Kritikern aber wenig erfolgreichem Album "Enigma" musste man schon fürchten, dass Ill Nino das Schicksal vieler Bands ereilt, die um das Jahr 2000 ein breites Publikum gewannen und nach dem NuMetal-Hype in der Versenkung verschwinden. Mit "Dead New World" gelingt aber die nicht mehr zu erwartende Großtat: der Sound des neuen Albums vereint die rauhe Härte und kompromisslosen Druck des Erstlings "Revolution, Revolucion" mit den eingängigen und pathos-gesättigten Refrains von "Confessions". Das Ergebnis ist ein überzeugendes Amalgam von 11 Tracks, die zum einen eine konsistente Soundwand bilden (woran der Vorgänger mit Mega-Multi-Layer-Recordings und zu vielen Ausflügen ins Akkustische krankte), ohne es dabei an Abwechslung vermissen zu lassen.
An den Markenzeichen der Band hat sich sicherlich wenig geändert: drückender Metal mit Latinelementen gemischt, deftige Rhythmus- & Percussionarbeit dazu und oben drauf ein Christian Machado, der es in Punkto Vielfalt im Vergleich zu seinen teilweise grobschlächtigen Anfängen mittlerweile mit einem Corey Taylor aufnehmen kann. Wenig geändert hat sich leider an den nahezu-banalen Lyrics, aber wer derart viel Kraft und Emotion in seine Vocals legt, dem kreidet man sowas natürlich höchstens als Schönheitsfehler an.
Geschmackssache ist das Smashing-Pumpkins-Cover "Bullet with Butterfly Wings", technisch ohne Frage überzeugend, sicher ein Plus in Hinsicht auf die Bereitschaft zum Experiment, fällt es zwar etwas aus dem Klangewand des Albums, aber weiß nach ein paar Durchläufen auch zu gefallen. Mit "Mi Revolucion" hat man insofern einen typischen Ill-Nino-Song als erste Single gewählt, als hier durchaus ein gewisser Mainstream-Appeal vorhanden ist, der jedoch dem rauheren Albumsound insgesamt vieleicht nicht ganz gerecht wird. Schade, nichtsdestotrotz eine gute Nummer.
Fazit: Songwriterische Durststreckungen und allzu poppig orientierte Hooks der beiden letzten Releases sind vergessen, Ill Nino gehen wieder ordentlich zur Sache und liefern reichlich 40 Minuten bestes Mosh-Material mit dem gewissen Etwas an Eingängigkeit und den unverwechselbaren Zutaten der bewährten Latin-Metal-Rezeptur.
Highlights: "God Is For The Dead", "Bleed Like You", "Ritual", "Killing You, Killing Me"
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 24, 2010 9:26 AM CET


Backspacer  (Deluxe Edition)
Backspacer (Deluxe Edition)

5.0 von 5 Sternen Kurzweilig, abwechslungsreich, voller Energie...Kaufen!!!, 18. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Backspacer (Deluxe Edition) (Audio CD)
Die Abstände zwischen den Alben werden länger: haben Pearl Jam es lange Zeit so gehalten, einfach aller zwei Jahre einen neuen Output vorzulegen, so musste man nach "Riot Act" 2002 knapp 4 Jahre auf "Pearl Jam" warten und seitdem sind auch wieder 3 Jahre vergangen. Natürlich vertrösten die Jungs ihre Fans mit Live-Alben, DVDs, etc. und auch Eddie Vedder hat mit dem wunderbaren "Into the Wild"-Soundtrack die Wartezeit verkürzt, aber jeder Fan wartet egentlich auf neues Studiomaterial der Band - nun also 2009 "Backspacer":

In einer Kurzformel könnte man sagen, die neue Scheibe nimmt das Beste vom Vorgänger, streut ein wenig von Eddie's Solo-Zutaten hinzu und voilà: 36 min mit vielen dynamischen Rockern, die an das kratzige "World Wide Suicide" oder dem Singalong-Track "Unemployable" vom Vorgänger anknüpfen. So druckvoll wie bei "Gonna see my friend" hat man die Jungs (auch Anfang der 90er) kaum erlebt. Ein dickes Rockbrett, dass zum Kopfschütteln auffordert - praktisch, denn beim folgenden "Got Some" kann man diese Bewegungsart gleich beibehalten. Mit "Just breathe" kommt eine traumhaft schöne "Into the wild"-Verlängerung. Die Einladung zum Träumen wurde gerade ausgestellt, da nimmt einen "Unthought Known" und vor allem das treibende "Supersonic" (die B-Seite der relativ popigen "The Fixer"-Single) wieder voll mit. Mit "Speed Of Sound" wird wieder das Tempo rausgenommen und eine Tüte Melancholie aufgemacht. Es ist fast schade, dass mit "The End" tatsächlich Schluss ist, denn nach dieser reichlichen halben Stunde mit Pearl Jam in bester Spiellaune hätte man gerne mehr gehabt.

Insgesamt können ausnahmslos alle 11 Songs überzeugen. Der Sound ist insgesamt sehr rund und eingängig, auch hat man den etwas widerborstigen Klang des Vorgängers ein bisschen gezähmt, was dem Hörspaß aber eher entgegenkommt, als ihm zu schaden. Sänger Eddie Vedder legt hier und da ein gehörige Portion Weltschmerz und Pathos in die Vocals, bleibt aber damit im grünen Bereich. Auch textlich zeigt der Frontmann wie auf seinen jüngsten Solopfaden seine Klasse.

Zum Trost gibt es aber eine Verlängerung per Download: CD einlegen und zwei volle Konzerte (!) aus 9 verschiedenen auswählen und kostenlos runterladen. Das ist clevere und sinnvolle Verkaufspolitik und sollte für den Kauf des Rohlings erst recht motivieren.

Also: Wer zu Pearl Jam (wieder) richtig rocken will, sollte hier zugreifen. Vielleicht knackt die Band hiermit ja mal wieder die Marke von 1 Mio. Verkäufen...zu wünschen wäre es.


Eine Zeit ohne Tod
Eine Zeit ohne Tod
von José Saramago
  Gebundene Ausgabe

41 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kraftvoll beginnend, feinfühlig gegen Ende und stets ironisch, 10. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Eine Zeit ohne Tod (Gebundene Ausgabe)
"Eine Zeit ohne Tod" ist der neuste Roman des Nobelpreisträgers Saramago. Das unerhörte Ereignis zu Beginn dieses Buches besteht darin, dass tod (kleingeschrieben, personifiziert als Frau!) ihre Arbeit niederlegt. Die Gesellschaft altert weiter, Menschen flüchten zum Sterben ins Ausland, die Regierung des nicht näher benannten Landes ist hilflos.
Saramago spielt auf den ersten hundert Seiten mit den aktuellen Debatten des alternden Europa, überzeichnet sie und feuert die ein oder andere Spitze gegen Politiker und Medien, die kein Vertrauen verdienen. Manchmal hat man das Gefühl, der Autor vergesse für ein paar Absätze das eigentliche Thema und ist eher damit beschäftigt sich persönlich Luft zu machen, doch seine kritischen Passagen wirken im Kontext doch zuletzt immer angemessen.
Dass er in Meister darin ist, den Leser zu verwirren, ist bekannt. Der typisch unzuverlässige Erzähler lässt einem das ein oder ander Mal im unklaren, betrachtet das Geschehen nah in einer Familie oder distanziert für die ganze Nation. Saramago zeigt in der ersten Hälfte des Romans, wie unser gesamtes gesellschaftliches Leben auf den Wechsel zwischen Generationen, auf den Tod hin ausgerichtet ist und wie irrsinnig ein Wunsch nach Unsterblichkeit sein kann.
Als tod doch wieder die Arbeit aufnimmt, ändert sich der Tonfall und die Atmosphäre: der Erzähler schaut ihr über die Schulter, verfolgt ihre Wege und es kommt dazu, dass ein Mann nicht sterben will, obwohl alle Welt den normalen Gang der Dinge wieder angetreten hat. Um hier nicht zu viel zu verraten, sei nur gesagt, dass den Leser ein überraschendes und wohl inszeniertes Ende erwartet.
Wer Saramago kennt und zu schätzen weiß, der darf hier bedenklos die Lektüre beginnen, aber auch für alle anderen sei er empfohlen, ist er Neue doch weniger düster und leichter zugänglich als manch andere seiner Werke (z.B. "Das Todesjahr des Ricardo Reis").
Spannend aufgebaut, elegant und temporeich erzählt: sehr gut!


The Detonator - Brennender Stahl
The Detonator - Brennender Stahl
DVD ~ Wesley Snipes
Preis: EUR 11,99

3.0 von 5 Sternen Naja, naja, 16. August 2007
Rezension bezieht sich auf: The Detonator - Brennender Stahl (DVD)
"The Detonator" liefert grundsolide Action, ordentliche Verfolgungsjagten und den ein oder anderen Knalleffekt. Problem ist aber vor allem, dass es keinen Überraschungsmoment gibt. Die Story ist voraussehbar, die Entwicklung der Charaktere eigentlich kaum gegeben - Spannung will hier unterm Strich nicht aufkommen.
Zudem zeugen die Dialoge nicht nur von mangelnder Kreativität, sondern auch einfach Glaubwürdigkeit. Manche Formulierungen wirken einfach lächerlich.
Wesley Snipes legt als Hauptdarsteller ebenfalls eine solide Leistung ab, seine Partnerin Silvia Colloca glänzt hauptsächlich mit ihrer Figur.
Fazit: Für Actionfans also durchaus keine schlechte Sache, aber alle anderen sollten sich woanders umsehen.


Live at the Gorge 05/06
Live at the Gorge 05/06
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 30,50

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Live absolut mitreißend, 11. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Live at the Gorge 05/06 (Audio CD)
Pearl Jam können mit diesem Release alten wie neueren Fans eine Freude machen: man bekommt für kaum erwähnungswürdige 30€ auf 7 CDs einen breiten Überblick über 15 Jahre Grunge-Geschichte. In bester Qualität finden sich Klassiker der Band, neben neueren Songs und einigen (teilweise bisher nicht veröffentlichten) Coverversionen. PJ beweisen, dass sie völlig zurecht als eine der besten Livebands der Rockszene zählen.
Vielleicht vermisst der eine oder andere Songs wie "Immortality", "Long road" oder "Nothing as it seems", aber das tut dem Gesamtbild letztlich keinen Abbruch. Atmosphärisch fesselnd und soundtechnisch absolut top - Zutaten, die ein sehr gutes Livealbum auszeichnen, finden sich hier von der ersten bis zur letzten Minute.
Wer noch kein PJ-Livealbum hat, der MUSS hier zugreifen. Und auch alle anderen können hier eigentlich nichts verkehrt machen. Ganz großes Kino!


Untitled
Untitled
Wird angeboten von musik-markt
Preis: EUR 10,00

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Licht und Schatten, 27. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Untitled (Audio CD)
Zunächst lässt sich folgendes festhalten: KoRn gehen mit diesen Album den eingeschlagenen Pfad, weg vom Nu Metal, weiter und das gelingt unterm Strich auch gut und vor allem gelingt es besser als bei dem äußerst schwachbrüstigen und ziellosen Vorgänger. Man kann den Aufwärtstrend also deutlich spüren.
Insgesamt ist das Album ruhiger als alle bisherigen, es arbeitet mit düsteren Keyboards und Backgroundsamples. Wenn es einmal mit Druck daherkommt, dann bleibt auch nichts stehen.
Dennoch wirken manche Songs nicht ganz zu Ende gedacht, es fehlt der zündende Moment, sodass einige Tracks nach den ersten zwei Minuten beginnen zu langweilen. Einzelbetrachtung:

Intro - angemessener, atmosphärischer Auftakt, der gut in den Sound des Albums einführt [4/5]

Starting Over - klasse Song, der den Hörer mit anhaltender Spannung einfach mitzieht [5/5]

Bitch we got a problem - wirkt zunächst etwas chaotisch, entfaltet sich aber nach mehrmaligen Durchhören und zeigt die technische Versiertheit der Band [5/5]

Evolution - völlig zurecht die erste Single, dieser Song zeigt mit fesselndem Chorus und fetten Grooves, wie der neue KoRn-Sound sein sollte [5/5]

Hold on - eher klassischer KoRn-Sound aus Issues oder Untouchables-Zeiten, keine Revolution, aber doch sehr gelungen [5/5]

Kiss - KoRn zeigen auf diesem Album noch mehr Wille zur Melodie als auf dem Vorgänger, was besonders hier deutlich wird und über weite Strecken ganz ordentlich ist, aber wenn am Ende nur noch die Stimme von Davis zu hören ist, ohne sphärische Klänge, dann wird klar, warum KoRn auch niemals ein Unplugged hätten machen sollen. [4/5]

Do what they say - mit diesem Track kann mich die Band nicht hinterm Ofen hervorlocken. Er läuft vier Minuten im gleichen Schema durch und so wirkliche Spannung will sich nicht einstellen [3/5]

Ever Be - ähnlich wie die Nummer zuvor, jedoch mit noch weniger Energie, vielleicht der schlechteste Track des Albums [3/5]

Love und Luxury - läuft mit einer Menge Pop-Appeal aus den Boxen, was erstaunlicherweise aber sehr gut in den Gehörgang geht und sich auch dort festsetzt, obwohl die Nummer nicht so recht in den Kontext passt. [4/5]

Innocent bystander - interessantes Stück, dass aber wie "Bitch we..." einige Umdrehungen braucht, um sich völlig zeigen zu können. [4/5]

Killing - dieser Sound killt wirklich. Hier zeigen KoRn, was tonnenschwer groovende Riffs leisten können. Zudem wird die Nummer durch den geschmeidigen Chorus sehr rund. Furioses Finish. [5/5]

Hushabye - ruhigere Nummer, wobei der Vers hier zunächst viel verspricht, aber dann in einen völlig beliebigen Chorus mündet. Schade. [3/5]

I will protect you - ist als Schlussnummer eher unversöhnlich. Zwar soll hier der atmosphärische Sound des Albums aufgenommen werden, doch das wirkt über 5 Minuten eher gezwungen als gelungen. Unterm Strich etwas zu planlos, um mich gänzlich überzeugen zu können. [4/5]

Fazit: Nach starkem Auftakt lässt die BAnd ein wenig die Luft raus, was teilweise jedoch nicht zu gewünschten Ergebnissen führt. Gegen Ende nimmt man wieder ein wenig Fahrt auf, ohne jedoch völlig an die besseren Tracks der ersten Hälfte anschließen zu können.
KoRn befinden sich auf einem guten Weg, lassen das verunglückte "See you on the other side" und das fragwürdige "Unglugged" hinter sich und geben ein gutes Zeichen für die Zukunft.


Ein Neuer Morgen
Ein Neuer Morgen
Wird angeboten von -uniqueplace-
Preis: EUR 21,93

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckend, 21. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Ein Neuer Morgen (Audio CD)
Die Depressivität weicht der Hoffnung, die Aggression wird zurückgefahren und das führt in eine größere Ausgeglichenheit, die qualvolle Suche nach einem Licht am Horizont wird zum Aufbruch in Richtung des selbigen.
So lässt sich vielleicht der atmosphärische Unterschied zwischen dem über weite Strecken düsteren, wiewohl grandiosen Erstling "Zeichensprache" und dem neuen Release "Ein neuer Morgen" darlegen.
Die Nachdenklichkeit ist trotzdem allgegenwärtig und wird in geniale Bilder gepackt. Es liegt hiermit erneut ein ganz großes Album vor, das leider, wie schon der Vorgänger, zu wenig Aufmerksamkeit erhalten wird und wahrscheinlich nicht die Zahl von Hörern erreichen wird, die es verdient.
Wer auf der Suche nach Rap ist, der alle gängigen Klischees hinter sich lässt, der wird hier fündig und mit Beats & Ryhmes belohnt, die es an keiner Stelle an Intensität mangeln lassen.


Saturday Night Wrist
Saturday Night Wrist
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 6,82

4.0 von 5 Sternen Sehr, sehr ordentlich, 6. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Saturday Night Wrist (Audio CD)
Man darf den Deftones nicht ständig das "White Pony"-Album ins Gesicht halten, wenn es darum geht, an welchem Level sie ihre Musik messen sollten. Sie werden wahrscheinlich kein zweites "White Pony" schreiben. Müssen sie auch nicht:

"Saturday Night Wrist" ist ein vielschichtiges, druckvolles wie auch anspruchsvolles Werk, als dass es eine Herabwürdigung nach dem Motto "wiedermal nicht geschafft" verdient hätte.

Die Jungs um Chino haben 12 Stücke geschaffen, die ihre Durchläufe brauchen, um ins Ohr zu gehen und sich in ihrer Pracht zu entfalten,aber wenn sie einmal durch den Gehörgang in die tieferen Regionen des Hörers gelangt sind, und nicht an dessen Oberflächlichkeit hängen bleiben, dann wird man sich der dynamischen, abwechselnd rauhen, dann wieder sanften Klanggewitter nicht erwehren können.

"Hole in the earth" ist ohne Abstriche einer der besten Songs, die sie je komponiert haben. Schmeichelnd sanfte Vocals im Kontrast zu harten Riffbrettern - Deftones in Bestform. Das folgende "rapture" geht härter zur Sache und gefällt mit damit auch sehr. Das Trio "Beware", "Cherry Waves" und "Mein" (feat Serj Tankian von SOAD) sind derart einnehmend und intensiv, dass sich der Albumkauf schon alleine deswegen lohnt. Eine kleine Entspannung wird dem Hörer mit dem Instrumental "u,u,..." verschafft, wo man von rühigeren, atmosphärischen Klängen in die zweite Albumhälfte getragen wird. Sehr schön an dieser Stelle eingebearbeitet.

Jene zweite Hälfte wird mit dem etwas poppigen "Xerces" eröffnet, der sich energetisch ins ohr schraubt und auf Anhieb zu gefallen weiß. Etwas uninspiriert wirkt die Dampfhammer-Nummer "rats! rats! rats!", die im ersten Moment ein wenig an "Hexagram" vom Vorgängeralbum "Deftones" erinnert. Aber dies geht in Ordnung, da der Song nicht wirklich langweilig ist, wenn er gegen Ende nochmal tief in die Metalkiste greift und man letztlich doch noch gegen die Wand gedrückt wird. Woran man sich jedoch stoßen kann, ist das nun folgende "Pink Cellphone". Elektronisch und minimalistisch gestimmt, lebt der Song weitestgehend von weiblichen Spoken-word-Darbietungen, über deren tieferen Sinn besser nicht räsonniert werden sollte. Wer "Lucky you" vom Vorgänger nicht mochte und auch mit Chinos "Team Sleep"-Projekt nichts anfangen konnte, der wird hier einen Totalausfalll verorten wollen. Geschmackssache. Mit "Combat" kehren dann wieder kraftvolle Gitarrensounds zurück, nur will der Song nicht recht hängen bleiben. Er gefällt ganz gut, zieht vorbei und dann ist er irgendwie auch gänzlich uninteressant, denn mit "Kimdracula" wartet sehr ordentliche Deftoneskultur mit Energie und Power. Nach dieser Fahrt über viele Höhen und durch wenige Tiefen wird man mit dem schwebenden und eingängigen "Reviere" entlassen. Einfach ein wunderschöner Song für gedankliche Reisen in die eigenen Phantasiewelten.

Unterm Strich bleibt ein Album, dass zunächst etwas chaotisch daherkommt und nach einem Durchgang zwar intensiv, aber relativ planlos wirkt. Mehr Durchläufe und man bekommt ein Gefühl für diese Achterbahn. Es lohnt sich auf jedenfall. Kein White Pony, aber im Sound des Vorgängers stehend locker eine Stufe höher geklettert.


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