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Rezensionen verfasst von
C. Pöppelmann (Berlin)
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Canossa
Canossa
von Frederik Berger
  Taschenbuch

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Historisch flach wie eine Scheibe:, 26. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Canossa (Taschenbuch)
Man kann dieses Buch auf zwei Ebenen beurteilen. Einmal schlicht als Roman. Das ist Geschmackssache. Mir hat er nicht besonders gut gefallen. Die zweite Ebene: als romanhafte Schilderung eines tatsächlichen, geschichtlichen Ereignisses, die die Fakten, soweit bekannt, berücksichtigt, aber auch mit dem erfundenen Teil im Bereich des Möglichen bleibt und ein besseres Verständnis der Ereignisse rund um den Gang nach Canossa liefert. Als solches ist dieses Buch ein Totalausfall. Zwar hat der Autor sich durchaus in die damalige Geschichte eingelesen - die Quellen sind im Nachwort angegeben - aber man gewinnt den Eindruck, das er der ganzen komplizierten Verhältnisse ziemlich schnell überdrüssig geworden ist. Diesen Überdruss hat er dann seinen Romanfiguren weitergegeben. Für den jungen König Heinrich ist der Unterricht, der ihn auf sein schwieriges Amt vorbereiten soll, schlichtweg Schikane. Er streift lieber im Wald herum und hört den Vögelchen zu oder widmet sich seinen Hunden. Seine Mutter, die Regentin, wird als grenzdebil dargestellt. Sie kann sich nicht einmal die Namen der allerwichtigsten Reichsfürsten merken. Kurz: ein Paar, gegen das jede Rebellion gerechtfertigt gewesen wäre. Dafür hat der Autor jede Menge Liebesverhältnisse erfunden: Der König liebt Mathilde von Tuszien, seine Frau den Chronisten Lambert von Hersfeld, der Vater des Königs und die Mutter von Mathilde hatten auch schon was miteinander, dafür ist die Mutter des Königs Papst Gregor verfallen und der wiederum Mathilde. Diese Verwirrungen treiben dann die Handlung voran. (Aber deswegen keine Angst vor/Hoffnung auf ausführliche Sexszenen. Die beschränken sich auf kurzen "seine stürmische Lanze zwischen ihren Schenkeln"-Schwulst.) Politik spielt nur äußerst am Rande eine Rolle. Dafür gibt es mit Rudolf von Rheinfelden und Otto von Northeim zwei ausgemachte Bösewichte, die so abstoßend geschildert werden, dass völlig rätselhaft bleibt, wieso sie jemals Anhänger finden konnten. Im Gegenzug ist König Heinrich, von dem selbst die ihm gewogenen Biografen zugaben, dass er wild gelebt hat, ein echtes Unschuldslämmchen, der nichts Böses tut - außer sich überhaupt nicht für Politik zu interessieren. Was für einen König allerdings ein echtes Vergehen ist.


Nowhere City
Nowhere City
von Alison Lurie
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Rollentausch in LA, 8. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Nowhere City (Taschenbuch)
Seine Arbeit führt den Historiker Paul Cattleman - und mit ihm seine Frau Katherine - von der amerikanischen Ostküste nach Los Angeles: die Stadt im Nirgendwo, in der alle gewohnte Strukturen des Lebens nicht zu gelten scheinen. Während Paul schnell dem Reiz dieser scheinbar vollkommenen Freiheit verfällt, findet Katherine diese Beliebigkeit einfach nur abstoßend. Doch ganz langsam ändern sich die Vorzeichen. Für Paul beginnen die sexuellen und sonstigen Abenteuer den Reiz zu verlieren, während Katherine sich auf einmal selber völlig neu entdeckt. Das klingt konstruiert, aber Alison Lurie ist eine Autorin, die aus solchen Plots psychologisch spannende und unterhaltsame Geschichten machen kann.


Schikanen
Schikanen
von Dick Francis
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eher was für Fans, 21. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Schikanen (Gebundene Ausgabe)
Im Gegensatz zu "Gambling" und vor allem "Abgebrüht" finde ich von den jüngeren Francis-Krimis "Schikanen" eher mittelprächtig. Das Ganze spielt diesmal im Anwaltsmillieu und da Prozesse sich nun mal lang hinziehen, erstreckt sich die Handlung auch über einen längeren Zeitraum. Der Held muss immer erklären, was zwischen den einzelnen Etappen passiert ist, und damit bekommt die Geschichte einen, für einen Francis-Krimi, eher zähen Beginn. Der Held ist anfangs - wieder gemessen am üblichen Francis-Niveau - eher weich und ängstlich, steigert sich dann aber hin zu radikaler Selbstjustiz. Und die ist wirklich problematisch, gerade weil Geoffrey Mason parallel dazu das Recht eines Täters auf einen fairen Prozess betont. Er zitiert sogar die Gesetzesaussagen zu Notwehr, die einen auch massiven Einsatz von Gegengewalt rechtfertigen, wenn dieser instinktiv vom Angegriffenen als notwendig empfunden wird, konterkariert das aber, indem er selber nicht instinktiv, sondern absolut überlegt handelt. Auch zuvor empfand ich ihn nicht als einen der sympathischsten Francis-Helden. Und die Love-Story wird von Anfang an von den Erwägungen des verwitweteten Helden, ob er schon wieder "so weit" ist, bestimmt, was vielleicht realistisch, aber nicht wirklich romantisch oder originell ist. Für meinen Geschmack hätte man das Ganze entweder leichter und "heldischer" inszenieren müssen oder noch mehr in die Tiefe der seelischen Abgründe gehen müssen. Spannend ist die Geschichte aber schon und wer Francis mag, wird auch diese gelesen haben wollen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 17, 2012 11:28 PM CET


Tod und Teufel
Tod und Teufel
von Frank Schätzing
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannend und mit viel Hintergrundwissen, 16. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Tod und Teufel (Taschenbuch)
"Tod und Teufel" ist von der Art der Darstellung und dem Tonfall etwas anders als die "üblichen" Mittelalterromane (auch weil es keine "Starke-Frau-muss-sich-gegen-böse-Umwelt-behaupten-Geschichte" ist), was mir sehr gut gefallen hat. Frank Schätzing hat sehr ausgiebig rechecheriert und breitet dieses Wissen auf über 500 Seiten aus. Das ist vielleicht nicht jedermans Sache, aber ich persönlich finde es viel interessanter, wenn mittelalterlicher Lokalkolorit in philosophischen Diskussionen, Informationen über den Großen Schied zwischen Kölner Bürgern und Bischof oder dem Mauerrecht der Bettler dargestellt wird, als nur in irgendwelchen ewig ähnlichen Gewänder-, Essens- und Umgebungsbeschreibungen gepaart mit völlig ahistorischen Emanzipations- und Toleranzplädoyers, wie man das leider oft serviert bekommt. Im Gegensatz zu einigen Vorrezensenten bin ich auch nicht der Meinung, dass die Figuren blass und klischeehaft dargestellt sind. Im Gegenteil! Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren historischer Unterhaltungsromane hält es Schätzing nicht für notwendig, den Lesern penetrant aufs Auge zu drücken, wie toll, ungewöhnlich und faszinierend seine Helden (und vor allem Heldinnen) sind, sondern lässt sie einfach agieren. Und das macht sie in meinen Augen lebendig. Seine Richmodis etwa erweist sich einfach durch ihre Taten als mutig, humorvoll und gewitzt, auch wenn die Männer ihrer Umgebung nicht ständig in Ehrfurcht vor ihrer Ungewöhnlichkeit erstarren (die Guten) oder Gift und Galle vor soviel weiblicher Stärke spucken (die Bösen), sondern hauptsächlich ihre schönen Locken und ihre ansehnliche Oberweite wahrnehmen. Sehr gut gefallen hat mir auch ihr Onkel Jasper, der versoffene Philosoph. Die Hauptfigur Jacop ist allein dadurch ungewöhnlich, dass er ein Bettler ist, der sich selber auch als ganz normaler Bettler begreift und keinerlei hochmütige Distanz zur übrigen Bettlerschaft hegt. Und die spannende Story versucht sich in einer durchaus plausiblen Erklärung für zwei tatsächliche historische Ereignisse: den Tod des Kölner Dombaumeisters und die Verschwörung der Patrizierschaft gegen den Bischof.


Gesalzen und Gepfeffert
Gesalzen und Gepfeffert
von Jan Beinßen
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Taugt nicht viel, 8. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Gesalzen und Gepfeffert (Broschiert)
Krimis sind angesagt, Kochbücher auch. Was liegt da näher, als beides zu verbinden? Naheliegend, aber vielleicht doch nicht klug. Was hier geboten wird, taugt jedenfalls nicht viel. Die Krimis sind kurz und haben Sonntagszeitungs-Mitratekrimi-Qualität, auch wenn es nichts zum Mitraten gibt. Tatort, Ermittler tritt auf, bißchen blabla mit einer Person. Ermittler: Sie sind überführt. Überführter: Was habe ich falsch gemacht? Die Rezepte reißen mich genauso wenig vom Hocker. Der Unterschied zwischen fränkischen Pfannkuchen und fränkischer Kartoffelsuppe zu ganz normalen Pfannkuchen und normaler Kartoffelsuppe will mir nicht recht einleuchten. Ansonsten heißt fränkische Küche hier vor allem: Immer Bier rein (auch in Nachtische) und als Fleisch Bratwurstbrät nehmen (z.B. für Lasagne). Der Zusammenhang zwischen Krimi und Rezept: Nach getaner Arbeit geht der Held gut essen. Mein Rat: lieber richtige Krimis und richtige Kochbücher kaufen. Da kann dann beides ausreichend gewürdigt werden. Die fränkische Küche ist nämlich deutlich reichhaltiger als das, was hier geboten wird. Dieses Buch ist eigentlich nur was für Leute, die es toll finden, dass Orte, die sie kennen, in Geschichten vorkommen. Aber auch da ist längst nicht ganz Franken erfasst.


Fehlstart: Roman
Fehlstart: Roman
von Dick Francis
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zäh, 30. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Fehlstart: Roman (Taschenbuch)
Ich lese Dick Francis wirklich gerne, aber "Fehlstart" ist meiner Meinung nach der schlechteste seiner Krimis. Im Gegensatz zu seinen anderen Bänden schleppt sich diese recht zäh dahin, was einmal an der ausführlichen Erklärung total veralteter Computersysteme liegt, zum anderen daran, dass zwei Brüder zweimal die gleiche Geschichte erleben, nämlich Schurke will Kassetten mit Wettsystem von ihnen. Zwar wehren sich beide unterschiedlich, aber im Gegensatz zu anderen Francis-Storys ist diese einfach ein bißchen simpel. Ich will nicht direkt von diesem Buch abraten. Aber andere sind weitaus empfehlenswerter, vor allem, wenn man Francis noch nicht so gut kennt.


Stolz und Vorurteil
Stolz und Vorurteil
DVD ~ Keira Knightley
Preis: EUR 5,55

25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sehr schöner Film, 7. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Stolz und Vorurteil (DVD)
Im Streit zwischen den Befürwortern und Gegnern dieses Films schlage ich mich eindeutig auf die Seite der Fans. Ich fand diesen Film einfach schön. Vielleicht liegt das daran, dass ich kein völlig überzeugter Jane-Austen-Fan bin. Ich habe ihre Bücher gerne gelesen. Vieles ist genial. Anderes aber fand ich schwach. Gesellschaftliche Beobachtung und Satire lag ihr, Romantik nicht. Die finale Liebeserklärung von Darcy findet bei ihr in indirekter Rede statt und ist mit endlosen Erklärungen gespickt. Dafür gibt es einen langen "Gratulationsbrief", der Vetter Collins zum wiederholten Male als aufgeplustertes Nichts darstellt. Dabei haben komische Nebenfiguren dramaturgisch eigentlich am Ende einer Geschichte nichts mehr zu suchen. Oder höchstens kurz und knackig. Aber nicht in dieser Breite. Die Schilderung von Umgebungen war auch nicht Austens Stärke. Vieles findet im Ungefähren statt. Ob Darcys finale Liebeserklärung im Sonnenaufgang auf der Heide oder in irgendeinem Flur stattfindet, war ihr egal. Aber so kann kein Film funktionieren. Deshalb muss jeder Austen-Regisseur meiner Meinung nach zwangsläufig, was aus den Büchern "machen", kann sie nicht einfach möglichst getreu abfilmen. Und, was Joe Wright hier gemacht hat, finde ich äußerst gelungen.

Die Handlung ist natürlich gerafft, was ich aber nicht schlimm finde. Ich habe nichts wirklich vermisst (und kann mir ehrlich gesagt, auch nicht vorstellen, dass die Geschichte fünf Stunden hergibt, wie sie in der von vielen so hoch gelobten BBC-Fassung, die ich nicht kenne, hat.) Kameraführung und Landschaftsaufnahmen sind wunderschön. Dass Haus und Kleidung der Bennets etwas ärmlich sind, empfinde ich nicht als Makel. Im Gegenteil: Der Charme von Jane und Lizzy kommt in den "schlammbraunen Kleidern" und auf dem Dorfball zu Anfang weit besser zur Geltung als auf dem steifen Event auf Netherfields, wo sie entsprechend aufgebrezelt sind. Keira Knightley als Lizzy finde ich ideal. Sie ist genau das, was Jane Austen beschreibt. Eine 20jährige von "verspielter Munterkeit", mit scharfer Zunge, aber Stil, nicht klassisch schön, aber trotz der vielen Fehler, die Kritiker wie Caroline Bingley finden können, bezaubernd und vor allem mit ausdrucksvollen Augen ausgestattet. Positiv fand ich auch, dass Mrs. Bennet und Mary nicht ganz so negativ rüberkamen wie bei Austen. Die stets wunderbare Brenda Blethyn spielt Mrs. Bennet mit allen Fehlern, die sie auch bei Austen hat, aber mit einer trotz allem warmherzigen Ausstrahlung, so dass man sie nicht wirklich dafür verdammen kann, dass sie angesichts der existenziellen Bedrohung, der sie und ihre Töchter im Falle des Todes ihres Ehemanns tatsächlich ausgesetzt wären, in Heiraten ihrer Tochter das Allheilmittel sieht. Die Männer (außer dem tollen Mr. Bennet) bleiben - wie auch im Roman - etwas blass, passen aber zu dem, was sie darstellen sollen. Dass die Gestalt des Mr. Darcy weniger als bei Austen der von Lizzy zunächst verkannte Superman ist, sondern einer, der Unsicherheit mit Arroganz bemäntelt (und sich das ob seines Reichtums in den Augen der Gesellschaft meist leisten kann, ohne Kritik zu ernten) finde ich eigentlich ganz sympathisch. Ein Letztes: Manche Kritiker warfen dem Film vor, die Sozialkritik Austens nur noch anzudeuten. Die prekäre Stellung nicht abgesicherter Frauen, die sich ein Ablehnen von Heiratsanträgen eigentlich gar nicht leisten können, wird aber deutlich zum Ausdruck gebracht (vor allem von Lizzys Freundin Charlotte Lucas). Mehr fände ich unangebracht. Wer sich ausgiebig mit sozialen Problemen beschäftigen will, sollte das mit aktuellen tun, nicht mit solchen, die in unserer Kultur Vergangenheit sind.
Bleibt damit mehr als ein schöner Film? Vielleicht nicht. Aber es ist eben ein richtig schöner Film.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 28, 2011 3:11 PM CET


Tochter der Steppe: Historischer Roman aus der Welt der Skythen
Tochter der Steppe: Historischer Roman aus der Welt der Skythen
von Wolfgang Jaedtke
  Taschenbuch

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Historisch gut, ansonsten klischeehaft und schlampig, 6. April 2010
Ein Roman über Skythen und Sarmaten! Das hat auch mich neugierig gemacht. Ganz sicher weiß der Autor eine Menge über diese Völker (soweit es überhaupt gesicherte Erkenntnisse gibt). Leider hat mir im Gegensatz zu meinen Vorgängerrezensenten der Stil der Erzählung überhaupt nicht gefallen. Mir waren Sprache, Story und die handelnden Figuren einfach zu simpel.

Manja, die "Tochter der Steppe" ist kein Charakter, sondern einfach nur eine Heldin. Sie schafft es, den Sarmaten weis zu machen, sie wäre bei den Skythen aufgewachsen, obwohl sie aus einer völlig anderen Kultur stammt, erst einmal in ihrem Leben einen Skythen gesehen hat und bislang nur wilde Gerüchte von ihnen gehört hat, während die Sarmaten mit der skythischen Kultur vertraut sind. Sie trifft am ersten Tag ihres Waffentrainings einen Pfeil genau in den Schaft des zuvor abgeschossenen und spaltet mit der Kriegsaxt einen Bronzehelm bis in den darunter sitzenden Schädel hinein. Sie kann noch kaum Reiten, aber erschießt wilde Bullen im Galopp. Sie hat eine Wölfin, die Lassie in den Schatten stellt. Natürlich ist sie auch faszinierend schön und eine tolle Liebhaberin des besten Kriegers der Sarmaten. Zwar billigt der Autor ihr auch Gefühle wie Angst und Verwirrung zu, aber die werden wie mit einem Schalter mal kurz an und dann wieder ausgeknipst. Selbstverständlich trägt die Schöne fließende Gewänder und kämpft mit anmutigen, gleitenden Bewegungen, aber in ihrem Gefühlsleben gibt es keine fließenden, nachvollziehbaren Entwicklungen, sondern nur schablonenhaft wechselnde Zustände. Am Ende entscheidet sich Manja dann auch nicht zwischen verschiedenen Lebensformen, sondern zwei Männern, wobei der eine zur "Frauen gehören an den Herd"-sagenden Karrikatur verkommen ist und zur weniger attraktiven Kultur gehört, was die Entscheidung nicht wirklich schwer macht.

Auch ansonsten sind die Guten und die Bösen schön sauber getrennt. Manja erkennt ihre künftige Feindin auf den ersten Blick an deren missgünstigem Gesichtsausdruck. Und Skythen und Sarmaten unterscheiden sich nicht nur dadurch, dass bei den Sarmaten Königinnen und Kriegerinnen üblich sind, sondern auch dadurch, dass sie keine Menschen opfern, ihre Diener gut behandeln usw.

Ein weiteres Ärgernis für mich: Der Autor ist zwar ziemlich gut, solange er typisch Skythisch-Sarmatisches schildert, ansonsten aber schlampig. Da verströmen blanke Knochen den "durchdringenden Geruch des Todes". Die Sarmaten, die Tausende von Tieren besitzen, hätten plötzlich im Herbst fast an Hunger gelitten, wenn da nicht zufällig eine Herde Wildrinder (für eine spannende Jagd) vorbei gekomen wäre, während es dann überhaupt kein Thema ist, wie sie ihre riesigen Herden durch den bitterkalten Winter bringen. Aussaaten werden im heißen Sommer erst gerade beendet. Manja, die bisher nur Gänse gegessen hat, erkennt Hammelfleisch in gebratenem Zustand. Sie war als Außenseiterin in ihren Dorf so isoliert, dass sie kaum wusste, was am nächsten Ende passierte, weiß dann bei den Sarmaten aber plötzlich Dinge, die sich weit außerhalb abspielten. Erst läuft sie nackt durchs Dorf und die Nachbarin, die sie schilt, ist prüde und spießig, bei den Sarmaten tut sie, als hätte noch nie jemand sie unbekleidet gesehen. Und so weiter... Auch das wirkt wieder nach dem Schalterprinzip gestrickt: Hunger an, Hunger aus. Schamgefühl an, Schamgefühl aus. Egal, obs passt.

Über die Skythen und Sarmaten hat der Autor - wie bereits erwähnt - gut recherchiert. Das erfährt der Leser dann so nach und nach. Leider ergibt sich daraus ein Erzählstil, bei dem Manja bei den Sarmaten wochenlang in Ignoranz der allerwichtigsten Dinge lebt und ebenfalls erst - in ziemlich unrealistischer Weise - nach und nach aufgeklärt wird. Privates bricht ähnlich spontan über sie herein. Da soll Manja z.B. erst dann überrascht bemerkt haben, dass ihr Brüste gewachsen sind, als sie kaum noch ihren Bauch sehen kann, wenn sie an sich herunter guckt.

Mir hat's also wirklich nicht gefallen. Anderen dagegen, wie die bisherigen Rezensionen zeigen, sehr gut. Wer an dem Buch interessiert ist, sollte also in der Buchhandlung mal reinlesen, um zu sehen, welcher Seite er sich zuschlägt.


Kalteis. Roman
Kalteis. Roman
von Andrea M Schenkel
  Broschiert

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Muss man wirklich nicht lesen, 31. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Kalteis. Roman (Broschiert)
"Kalteis" ist die Geschichte eines Serien-Sexual-Mörders. Er sagt, er braucht das und die Mädchen hätten es doch gewollt. Wie man sich Serien-Sexual-Mörder so vorstellt. Die Geschichte springt zwischen erzählten Passagen und einer Art Protokoll-Aussage verschiedenster Leute: des Mörders, der Opfer, Angehöriger, Zeugen usw. Alles in einfacher Sprache. (Es handelt sich auch um einfache Leute).

Natürlich ist es beklemmend, zu lesen, welche Zukunft sich ein junges Paar ausgemalt hat, wenn man weiß, dass die Frau schon Opfer geworden ist. Um diese Beklemmung zu empfinden, braucht man sich aber nicht durch ein Buch mit noch einem und noch einem und noch einem Fall kämpfen. Da reicht auch schon die tägliche Zeitungslektüre. Viel näher kommt man den Opfern in dem Buch auch nicht, da zu jedem nur ein paar wenige Fakten aufgezählt werden. Nur eine gewisse Kathi wird näher geschildert. Mädel vom Dorf, das ziellos durch die Stadt treibt und irgendwie hofft, sein Glück zu machen (ohne allzu harte Arbeit). Die Millieuschilderung der 1930-er Jahre in München ist nicht schlecht, aber auch nicht allzu aufregend. Im Grunde ist "der Tanz" damals nicht viel anders als "der Club" heute und das Herumhängen in der Clique im billigen Wirtshaus nicht so unterschiedlich von dem bei McDonalds. Die Nazis sind an der Macht, kommen aber eigentlich nicht vor.

Spannung versucht die Autorin mit zwei Elementen zu kreieren. Einmal mit der Frage: Trifft es die Kathi auch oder kommt sie davon? Zum zweiten dadurch, dass die Details der Morde immer obszöner werden. Dass es solche Brutalität tatsächlich gibt, das weiß man. Da braucht man sich nicht von Frau Schenkel aufklären lassen. Und mit künstlerischen Mitteln einen Mehrwert über die bloße Darstellung hinaus zu schaffen, das ist ihr meiner Meinung nach in "Tannöd" gelungen, aber nicht hier. Auch ein genussvolles Schaudern angesichts all des Horrors ist nicht mein Ding. Damit blieben Langeweile und Angewidertsein.


Seegrund: Kluftingers dritter Fall
Seegrund: Kluftingers dritter Fall
von Volker Klüpfel
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Netter Heimatkrimi, 30. März 2010
"Seegrund" ist ein typischer Heimatkrimi, wie sie gerade en vogue sind. Der Kommissar ist natürlich ein Schrat und der zu lösende Fall reichlich kompliziert und geheimnisvoll in der Vergangenheit wurzelnd. Das Ganze ist natürlich ein bißchen "krachledern" (auch wenn's nicht in Bayern, sondern Schwaben spielt) und hat auch nicht allzu viel mit realistischer Polizeiarbeit zu tun. Dafür liest sich's nett und unterhaltsam. Die Story, die sich die beiden Autoren rings um den tatsächlich ziemlich geheimnisvollen Alatsee ausgedacht haben, ist durchaus spannend, die Schrullen des Kommissar Kluftinger hätten allerdings etwas dezenter ausfallen dürfen. Spätestens der ausführlich behandelte Skiausflug, der überhaupt nichts mit dem Fall zu tun hat, dafür aber viel mit Kluftingers privatem "Zickenkrieg" (auch wenns Männer sind) gegen seinen Intimfeind, ist dann eindeutig des Guten zuviel.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 1, 2012 10:24 AM MEST


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