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Rezensionen verfasst von
H.Schwoch "hschwoch"
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Turn Blue
Turn Blue
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Formidabel, 21. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Turn Blue (Audio CD)
The Black Keys aus dem US-Bundesstaat Ohio feierten 2011 mit ihrem gloriosen Glamrock-Album EL CAMINO den bis dahin größten Erfolg seit ihrer Gründung im Jahre 2001. Selbst in Deutschland ging es erstmals in die Top Thirty.

Was das Duo dann, zweieinhalb Jahre später, im Mai 2014 auf die Musik liebende Menschheit losließ, überraschte nicht nur durch die erheblich größere Bandbreite ihrer Songwriterkunst (kein Song klingt wie der andere), sondern auch durch eine Hinwendung zu einer Art von Disco-Pop oder ... ja: Disco-Rock und andererseits zu einer gewissen Flächigkeit, die, zum Beispiel beim herrlichen Opener "Weight of Love" bis hin zu Einflüssen des psychedelischen Frühwerks von Pink Floyd ging.

Aber auch der Glamrock-Faktor ist nach wie vor vorhanden ("Fever", "It's Up to You Now", "Gotta Get Away"), und wenn Dan Auerbach gelegentlich seine Sologitarre aufs Wunderbarste klagen lässt, sind die Bluesrock-Ursprünge der Band nicht zu überhören.

TURN BLUE (etwa: 'Werde traurig') ist, trotz der scheinbar munteren Oberfläche, ein durchaus nicht unberechtigter Albumname, denn Nummern wie das Titelstück, "Bullett in the Brain", "Waiting on Words" oder "In Our Prime" haben diesen melancholischen Unterton, der unter die Haut geht. Und wer z.B. einmal die Texte von "Turn Blue" oder "In Our Prime" genau liest, dem wird deutlich, dass hier ganz gewiss keine unbedarften Teenager am Werk waren.

Auerbach und sein Bandkumpel, der großartige Drummer Patrick Carney, sind zwar erst 1979 bzw. 1980 geboren, doch ihre musikalischen Einflüsse liegen sehr deutlich in den 70er-Jahren und dort eher nicht in den USA, sondern im Vereinigten Königreich und Europa.

TURN BLUE klingt auf 'ner guten Anlage tief und räumlich (Bass, Schlagzeug!) und auf kleinerem Equipment trotzdem toll. Das will erst einmal gewuppt werden. Fazit: ein ganz großes Album, das mit jedem Hören noch weiter wächst. Bester Song von allen: "In Our Prime" mit Piano, Mellotron, Hammondorgel und fantastischem, leider zu kurzem Gitarrensolo am Ende. Einfach nur formidabel.

Das Album ging u.a. auf Platz 1 in den USA, 2 in England und 6 in Deutschland. Wer hier bei amazon in der Rubrik 'Musik-CDs & Vinyl' nur 'The B' eingibt, findet The Black Keys sofort nach The Beatles. Und das zu Recht, auch wenn mir bei The Black Keys für diese Scheibe eher Namen wie T.Rex, 10cc und ELO einfallen würden.


The Ghosts of Pripyat
The Ghosts of Pripyat
Preis: EUR 6,93

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Episch und melodisch, 2. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Ghosts of Pripyat (MP3-Download)
Steve Rothery, Gitarrist, geboren im November 1959, ist das einzig verbliebene Originalmitglied der vor 35 Jahren gegründeten englischen früheren Progressive-Rock-Band Marillion.

Pripyat heißt jene Stadt in unmittelbarer Nähe des Kernkraftwerkes Tschernobyl in der Ukraine, die früher einmal 50.000 Einwohner hatte und aufgrund des 'Worst Case Scenarios' im April 1986 zu einer Geisterstadt für alle Zeiten wurde.

THE GHOSTS OF PRIPYAT ist das erste Solo-Studioalbum von Steve Rothery. Es enthält sieben Instrumentalnummern zwischen fünfeinhalb und elfeinhalb Minuten Länge. Obwohl er sich bei zwei der Stücke die Unterstützung von Steve Hackett (ex-Genesis), einem seiner großen Vorbilder, gesichert hat, klingt diese Scheibe in großen Teilen weder nach Genesis noch nach ihren früheren Epigonen Marillion.

Rothery outet sich hier als ein Freund epischer, melodischer Klänge im Schnittpunkt von Artrock, Bluesrock und ein wenig Hardrock. Wer Pink Floyd, Camel, Deep Purple und vielleicht die Dire Straits in ihrer 'progressiven' Phase (LOVE OVER GOLD) liebt, dem wird zweifellos auch dieses Album gefallen, das mit jedem Hördurchgang immer noch besser wird. Übrigens gibt sich auch Steven Wilson (Porcupine Tree, Blackfield) in dem wunderbaren Longtrack "Old Man of the Sea" die Ehre.

Kurzum: absoluter Kauftipp!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 19, 2014 1:18 PM CET


King Nine
King Nine
Preis: EUR 19,98

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Angenehme Traurigkeit, 30. November 2014
Rezension bezieht sich auf: King Nine (Audio CD)
Bristol (deutsche Partnerstadt: Hannover) gehört zu den größten Städten Englands, hat aber außer dem legendären Hardrockdrummer Cozy Powell musikalisch wenig Bekanntes hervorgebracht. Die Band Blueneck wurde im Jahre 2000 ebendort gegründet, begann ihre Plattenlaufbahn aber erst 2006 mit dem Debütalbum SCARS OF THE MIDWEST. Danach ging's allerdings fleißig weiter, so dass ihr neuestes Werk KING NINE bereits ihr fünftes ist.

Ich gebe zu, bis vor ein paar Tagen nichts von der Existenz der Gruppe gewusst zu haben. Dann las ich aber in einer Musikzeitschrift eine Rezension über KING NINE, und diese rührte mich so an, dass ich mich dankenswerterweise dafür entschied, das Album herunterzuladen.

Die Musik von Blueneck wird allgemein als 'Postrock' bezeichnet, was eigentlich gar nichts aussagt. Sie selbst sind aber durchaus dankbar für die Titulierung, da durch diese, wie sie zugeben, eine gewisse Aufmerksamkeit auf die Band gelenkt worden sei.

Ihre Einflüsse gehen, zumindest auf dieser Scheibe (der einzigen, die ich bisher von ihnen kenne), zurück bis zu Pink Floyd, The Chameleons, Tears for Fears oder späten Talk Talk. In der besagten Musikzeitschrift werden als 'artverwandt' hingegen Namen wie Sigur Rós, Mogwai und God Is An Astronaut genannt. Immer wieder tauchen als Bezug auch Godspeed! You Black Emperor auf. Nun gut, mag sein, bei diesen Namen kenne ich mich wenig bis gar nicht aus.

Gelegentlich hergestellte Vergleiche mit Gruppen wie Coldplay oder gar U2 (?) finden die Jungs hingegen zu Recht etwas abwegig.

Wie aber ist denn nun die Musik dieser Band? Als Allererstes würde ich einmal sagen: melancholisch. Melodisch. Auch episch.

Ihre Songs beginnen stets sanft (mit viel Piano), um sich dann in eine Art Rausch zu steigern. Dabei entstehen häufig Klangwände aus Keyboards und (angenehm) schrammelnden Gitarren, untermalt von dem sanften, zurückhaltenden Gesang des Gitarristen und Keyboarders Duncan Attwood.

In jedem Fall strahlt diese Scheibe eine Atmosphäre von Verlorenheit, Einsamkeit und angenehmer Traurigkeit aus. Gefühlsaufwallungen verbleiben stets im Kontext einer allgemeinen Langsamkeit oder, um es positiver auszudrücken, einer maßvollen, gelassenen Geschwindigkeit. Niemals wird es hektisch oder gar chaotisch.

Wer bereit ist, sich auf diese Band mit voller Aufmerksamkeit einzulassen, wird in der Lage sein, den Schatz, der in ihr verborgen ist, zu heben. Und dann macht sie einen glücklich. Melancholisch glücklich. Dies ist definitiv keine Platte für Strandfeten im August, sondern für neblige Novembernächte voller Wehmut und tiefsinniger Gedanken.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 3, 2014 12:51 AM CET


Robin's reign
Robin's reign
Wird angeboten von Rock Pop
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Robins Rache, 23. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Robin's reign (Audio CD)
Ende 1968: Das Quintett Bee Gees, bestehend aus den Brüdern Barry, Maurice und Robin Gibb, dem Gitarristen Vince Melouney sowie dem Schlagzeuger Colin Petersen gehört mit drei Studioalben und diversen Hitsingles zu den erfolgreichsten Bands der Welt. Alles könnte ganz wunderbar sein, doch das glatte Gegenteil ist der Fall. Den drei Brüdern, alle noch im Teeniealter, ist der frühe Ruhm zu Kopf gestiegen, sie streiten untereinander wie die Kesselflicker, und jeder glaubt, er wäre der Größte. Der brillante Vince Melouney, der den oftmals orchestralen Songs der Bee Gees den einen oder anderen schrägen Beiklang verpasst hat, stört sich an den zunehmenden menschlichen Problemen innerhalb der Gruppe und steigt aus.

Zu viert machen sich die Verbliebenen an die Arbeit zu ihrem nächsten Album, das laut Barry und Maurice MASTERPIECE genannt werden soll, ehe Robin dazwischen geht und beschließt, dass der Titel ODESSA lauten soll. Die internen Reibungen nehmen noch einmal zu.

Als die Plattenfirma entscheidet, für die A-Seite der ersten Single aus dem Album ODESSA Barrys "First of May" und nicht Robins monumentales "Lamplight" zu wählen, das schließlich auf der B-Seite endet, ist der schon länger drohende Augenblick gekommen: Robin Gibb verlässt die Band und entscheidet sich für eine Solokarriere.

Und so nimmt Robins Rache vorerst den geplanten Verlauf. Die von ihm und Bruder Maurice ursprünglich als Bee Gees-Song konzipierte Bombastballade "Saved by the Bell" wird im Sommer 1969 als erste Single von Robin Gibb veröffentlicht (auch als Mitkomponist wird Maurice unterschlagen) und gerät prompt zu einem internationalen Hit. Unter anderem Platz 2 in England und Platz 5 in Deutschland sind die nackten Zahlen des sich anbahnenden Erfolgs. Die USA verweigern sich hingegen, denn dort landet die Nummer lediglich auf Platz 87.

Während seine Brüder zunächst verdrossen, dann aber unverdrossen als Bee Gees weitermachen, begibt sich Querkopf Robin an die Arbeit zu seinem ersten eigenen Album, auf dessen Cover er sich in der roten Uniform eines britischen Wachsoldaten vor einem knallblauen Hintergrund präsentiert. Dazu riesengroß sein Name und der sehr selbstbewusste Albumtitel ROBIN'S REIGN ('Robins Regierung').

Musikalisch setzt Robin Gibb genau da an, wo er mit seinen versponnen-romantischen Songs für die Bee Gees aufgehört hatte: große Melodien, häufig orchestrale Arrangements und Texte, die vor Liebesleid und jugendlichem Weltschmerz nur so strotzen. Da kämpft einer mit sich und der bösen Welt.

Seine Verletzungen werden in Zeilen wie 'No more room to roam / I have lost my hope / Stars have all gone in / Which way have I been? / I'm too rich to learn / and far too cold to burn' ("Gone Gone Gone") oder 'Most of my life, I've had to run away / Life was a game and I just had to play / The friends that I thought I had were never there / You look for love, but you don't know where' ("Most of My Life") mehr als deutlich.

Das Album ist voll von jenem wunderbaren Kitsch, den Robin so liebt, und der seine Songs für die Bee Gees so einmalig und außergewöhnlich gemacht hat. Das spuken die Walker Brothers ("The Sun Ain't Gonna Shine Anymore") ebenso herum wie die Beatles, wenn jene ihre klassischen Einflüsse ins Spiel brachten ("Eleanor Rigby", "She's Leaving Home", "A Day in the Life"), oder auch der damals gerade aktuelle Bombast-Großmeister Barry Ryan ("Eloise", "Love Is Love").

Songs wie der äußerst eingängige Auftakt "August October" (als Single seltsamerweise nur mäßig erfolgreich), "The Worst Girl in This Town", "Down Came the Sun", "Most of My Life" oder das schleppende "One Million Years" (eine weitere Single) machen auch heute noch deutlich, wer in den frühen Erfolgsjahren der wichtigste Songschreiber und Sänger der Bee Gees gewesen ist.

Dazu gibt es zur Auflockerung Easy-Listening-Pop ("Mother and Jack"), die tragische Mär von "Farmer Ferdinand Hudson" oder das reduzierte, aber spannende "Lord Bless All" mit seinem dräuenden Orgelklang.

Robin Gibb hat hier tatsächlich fast alles selbst gemacht: Kompositionen, Texte, Gesang, Chöre, Instrumente, Produktion. Bis auf das Orchester natürlich. Also ein Soloalbum im wahrsten Sinne des Wortes. Interessant war dabei die Verwendung einer Art frühen Drumcomputers, den Robin angeblich selbst entwickelt hatte, wobei echte Drums dem Album allerdings gut getan hätten.

ROBIN'S REIGN wurde nicht besonders erfolgreich. Im Bee Gees-Lieblingsland Deutschland reichte es zwar immerhin zu Platz 19 (acht Wochen in den Charts), noch wichtigere Märkte wie England und die USA blieben allerdings vollkommen unbeeindruckt. Und so kam es, wie es kommen musste: Robin kehrte schließlich in den Schoß seiner Brotherhood zurück. Der Rest ist Popgeschichte.

Irgendwie liebe ich dieses Album, weil es so einzigartig, so wunderbar verblasen und zugleich so voller Bee Gees-Reminiszenzen ist. Für eine remasterte Version mit dickem Booklet und eventuellen Bonustracks wird es daher wirklich Zeit. Wie wär's also endlich damit, liebe Polydor?


50 St.Catherine's Drive
50 St.Catherine's Drive
Preis: EUR 16,98

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Robins Vermächtnis, 19. November 2014
Rezension bezieht sich auf: 50 St.Catherine's Drive (Audio CD)
Robin Gibb, geboren Ende 1949, wurde mit den legendären Bee Gees bereits als 17-Jähriger zum Weltstar und veröffentlichte mit nicht mal zwanzig Jahren sein erstes Soloalbum, ehe er keine zwei Jahre später wieder in den Schoß der Band zurückkehrte.

Als die Bee Gees ihren zweiten Karrierehöhepunkt als Helden der Disco-Ära hinter sich hatten und auf Eis lagen, tat sich Robin mit seinem Zwillingsbruder Maurice zusammen und veröffentlichte 1983 sein zweites Album HOW OLD ARE YOU?, das mit damals modern produziertem Pop große Hits wie "Juliet" (Nummer 1 in Deutschland) und "Another Lonely Night in New York" hervorbrachte. Die Nachfolger SECRET AGENT (1984) und WALLS HAVE EARS (1985) wirkten jedoch größtenteils wie lustlose Pflichtübungen im synthetischen Mittachtziger-Sound und wurden daher zu verdienten Flops.

In 2003, dem Jahr, in dem Maurice starb, versuchte sich Robin dann noch einmal mit dem Album MAGNET und feierte mit der Single "Please" sogar einen kleinen Erfolg. Danach nahm er fleißig weiter Songs auf, ehe er 2010 schwer erkrankte und schließlich im Mai 2012 verstarb.

Dass wir nun im Jahre 2014 akustische Zeugen seines musikalischen (Pop-) Vermächtnisses werden dürfen, ist wohl zu großen Anteilen seiner Frau Dwina zu verdanken, die außerdem zu jedem einzelnen Song des Albums 50 ST. CATHERINE'S DRIVE einen erhellenden Text in dem sehr geschmackvoll gestalteten CD-Booklet schrieb.

Und dass für jeden echten Bee Gees-Anhänger der Erwerb dieser Scheibe Pflichtprogramm ist, muss wohl nicht besonders betont werden. Doch von dieser Selbstverständlichkeit einmal abgesehen, bieten die 17 (!) Songs auch für sonstige Anhänger hervorragend komponierter und produzierter 'altmodischer' Popmusik so einiges an Ohrenfutter. Kurzum: Dies ist eine Scheibe ohne jeden wirklich überflüssigen Titel.

Freilich sind nicht alle Stücke von gleich hoher Qualität, doch Highlights wie "Days of Wine and Roses", "Instant Love", "I Am the World", "Cherish", "Don't Cry Alone", "Solid" oder "All We Have Is Now" überragen fast alles, was Robin Gibb in seiner wechselhaften Solokarriere veröffentlicht hat.

Das unglaublich anrührende, orchestrale "Don't Cry Alone" stammt eigentlich aus dem klassischen Werk TITANIC REQUIEM , das er mit seinem Sohn Robin-John (RJ) über den Untergang der 'Titanic' im Jahre 1912 komponiert hatte.

"I Am the World" ist die Neufassung eines bereits 1966 als B-Seite des Bee Gees-Hits "Spicks and Specks" verwendeten Titels (das Original kann man zum Vergleich u.a. auf der interessanten CD-Kompilation BEE GEES 1963-1966 hören).

Ganz entscheidend zum Gelingen trug der gebürtige Schotte Peter-John Vetesse bei, der nicht nur elf Songs mitgeschrieben, Keyboards und Backing Vocals beigetragen, sondern das Album auch sehr schön produziert hat. Vetesse war z.B. in den frühen achtziger Jahren Mitglied von Jethro Tull und 1983 auch entscheidend an Ian Andersons erstem Soloalbum WALK INTO LIGHT beteiligt. Außerdem arbeitete er mit den Bee Gees, Frankie Goes To Hollywood, den Pet Shop Boys, Cher, Foreigner und vielen anderen.

Eine weitere wichtige Rolle spielt Robins Sohn Robin-John (28) als Hauptkomponist des Ohrwurms "Instant Love" und Mitautor von "Don't Cry Alone" und "One Way Love". Vereinzelt wirkte er auch als Keyboarder, Pianist und Backgroundsänger mit.

Das abschließende Demo "Sydney" ist die letzte Aufnahme von Robin Gibb, im August 2011 in seinem Schlafzimmer komponiert und eingesungen. Dwina schreibt dazu: 'He cried when he wrote it, and I wept when I heard it'.

Robin singt auf diesem Album durchgehend in mittleren Lagen, die ihm stets weitaus am besten zu Gesicht standen. Es gibt hier weder seine Kopfstimme zu hören, die Barry so viel besser beherrschte, noch jene seltsame Stimmakrobatik, die so manche seiner Aufnahmen aus den frühen Jahren in lächerlich-peinliche Bereiche zerrten (zum Beweis höre man z.B. Schrecklichkeiten wie "When Do I" oder "Dearest" aus dem ansonsten sehr schönen Bee Gees-Album TRAFALGAR).

Hier hingegen ist Robin Gibb ganz bei sich und 50 ST. CATHERINE'S DRIVE sein gelungenstes Soloalbum seit dem wunderbar kitschigen Debüt ROBIN'S REIGN aus dem Jahre 1969, mit dem dies hier musikalisch absolut nicht zu vergleichen ist, das aber bis heute seinen ganz eigenen, unschuldigen Charme bewahrt hat.


The Endless River
The Endless River
Preis: EUR 12,99

16 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein himmlisches Finale, 17. November 2014
Rezension bezieht sich auf: The Endless River (Audio CD)
Faszination Pink Floyd. Die pure Magie, die auch im Jahre 2014 augenscheinlich immer noch von dem Namen dieser vor knapp 50 Jahren in England gegründeten Band ausgeht, wäre wirklich eine kulturhistorische Untersuchung wert.

Man stelle sich, nur mal so zum Spaß, vor, die Gruppe Emerson, Lake & Palmer, in den siebziger Jahren fast genauso erfolgreich, in manchen Jahren sogar erfolgreicher als Pink Floyd, würde mitteilen, dass sie, zwanzig Jahre nach ihrem letzten Album IN THE HOT SEAT von 1994, aus damals für die Platte nicht verwendeten Aufnahmen ein weiteres, zumeist instrumental gehaltenes ELP-Album zusammengebastelt hätte. Wen hätte das interessiert? Sicherlich die verbliebenen Ultrafans des Trios und ein paar generell am Progressive Rock interessierte Leser einschlägiger Musikmagazine. Das angekündigte Album hätte sich dann weltweit ein paar Tausend Mal an den Mann bringen lassen, ganz vielleicht auch fünfstellige Verkaufszahlen erreicht. Ende Gelände.

Als hingegen David Gilmour und Nick Mason ankündigen ließen, dass im Herbst 2014 ein weitgehend instrumentales Pink-Floyd-Album namens THE ENDLESS RIVER erscheinen würde, das aus unveröffentlichtem, leicht überarbeitetem und zu vier größeren Parts zusammengefügten Material aus den Sessions zu ihrem 1994 noch mit dem damaligen Keyboarder Rick Wright erschienenen letzten Album THE DIVISION BELL bestünde, geriet fast die gesamte Musik-affine Welt in hellen Aufruhr.

Die Musiker selbst äußerten nur kurz und knapp, dass diese Platte vor allem eine Würdigung für Rick Wright sein solle, doch ließen sie ausführlich andere sprechen. Ihren langjährigen Toningenieur Andy Jackson zum Beispiel. Oder Phil Manzanera (ex- Roxy Music) und Martin Glover alias 'Youth', die sich das gesamte Material anhörten, verwertbare Soundschnipsel digital bearbeiteten und schließlich gemeinsam mit den Musikern zu einem gut fünfzig Minuten dauernden Opus zusammenfügten.

Ein paar Wochen vor Veröffentlichung des Albums wurde das einzige gesungene Stück "Louder Than Words" bekannt und erhöhte geschickt die Spannung. Außerdem veröffentlichte man bereits das Covermotiv, eine faszinierende Fotocollage des gerade mal 18-jährigen, weitgehend unbekannten ägyptischen Digitalkünstlers Ahmed Emad Eldin.

Als THE ENDLESS RIVER dann am 7. November endlich erhältlich war, explodierte das Internet geradezu: Alle wollten ihre Meinung kundtun und das möglichst sofort. Inzwischen sind z.B. hier bei amazon fast fünfhundert Rezensionen erschienen - eine sensationelle Anzahl in so kurzer Zeit nach Veröffentlichung eines Artikels.

Ich selbst, der in den Siebzigern als ca. 13/14-Jähriger durch eine Schulfreundin mit ATOM HEART MOTHER bekannt gemacht wurde (Danke, Birgit K.!) und alle seither erschienenen Studioplatten gekauft hat, hatte keine allzu großen Erwartungen an diese 'Resteverwertung' und wollte sie eigentlich gar nicht erwerben. Dann siegte aber natürlich doch die Neugier, und darüber bin ich mehr als glücklich, denn was für eine phantastische Reise durch das gesamte Universum von Pink Floyd ist THE ENDLESS RIVER letztendlich geworden!

Es ist wirklich kaum zu begreifen, dass dies hier (fast) alles aus den Aufnahmesessions zu dem etwas bollerigen (Pop-)Rockalbum THE DIVISION BELL stammen soll, dessen Instrumentaltracks "Cluster One" und "Marooned" damals im Gesamtkontext etwas verloren wirkten, heute aber auf THE ENDLESS RIVER durchaus Sinn machen würden. Die Frage, die sich zwingend sofort stellt, lautet: Warum beim Teutates blieb all das seinerzeit unverwendet? Und die nächste Frage schließt sich gleich an: Was bitte lagert denn da noch alles an Schätzen in den Archiven? Insgesamt soll es sich ja um etwa 20 Stunden an Klangmaterial gehandelt haben, die hier durchforstet wurden.

Manche sprachen im Vorfeld davon, dass THE ENDLESS RIVER eine 'Ambient'-Platte werden würde und taten dabei gelegentlich so, als sei Ambient Music eine Art ansteckende Krankheit. Dabei haben Pink Floyd schon Ambient-Passagen gespielt, als der Begriff dafür noch lange nicht erfunden war. Aber die 'Sorge' ist eh vollkommen unnötig, denn dafür, dass dies kein Ambient-Album geworden ist, stehen David Gilmours hinreißende (Blues-)Rockgitarre und Nick Masons typische, mal sanfte, mal majestätische, aber - wie immer - niemals hektische Drums. Also: Dies ist ein zumeist instrumentales und mit unterschiedlichsten Stimmungen aufwartendes Artrock-Album!

"Things Left Unsaid" heißt das Intro der insgesamt achtzehn Stücke langen Scheibe, und genauso war es: Es gab tatsächlich noch Ungesagtes, das Gilmour ganz offenbar so lange umtrieb, bis die Schätze von damals gehoben und in eine adäquate Form gebracht worden waren. Eben dies ist allen Beteiligten in herausragender Weise mit sehr gutem Klang gelungen. Und als genialer Clou beschließt das einzige Gesangsstück "Louder Than Words" mit seinem wunderbaren Text und Gilmours brillantem Solo, das einem sehnsuchtsvollen Schrei nach Harmonie gleicht, nun wohl endgültig den langen Roman namens 'The Story of Pink Floyd'.

Den wahren Wert dieses Albums wird man vielleicht erst in einigen Jahren erkennen. Ich mag mir jedenfalls gar nicht vorstellen, dass all die großartigen Passagen niemals das Licht der Öffentlichkeit gesehen hätten. Seit einer Woche höre ich die CD ständig, zum Beispiel im Auto bei Fahrten durch sonnige Novemberlandschaften oder herbstlich neblige Abende. Passt hervorragend. Wann habe ich eine neue Scheibe zuletzt so dermaßen intensiv kennen und lieben gelernt wie diese? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall ist es ziemlich lange her.

"High Hopes", das epische letzte Stück von THE DIVISION BELL, wäre natürlich auch ein würdiger Abschluss gewesen, doch mit THE ENDLESS RIVER wird alles erst so richtig rund. Dieses spannende und anrührende Werk hat es tatsächlich noch gebraucht, um den erwähnten Roman zu einem himmlischen Finale zu führen. So wie es jetzt ist, ist es gut.

Apropos himmlisch: Auf dem Coverbild paddelt ein offenbar junger Mann stehend in einem kleinen Holzboot über ein Wolkenmeer in Richtung Sonnenaufgang. Welche Bedeutung könnte dieses Motiv haben? Dass es im Himmel entgegen landläufiger Hoffnungen in Wahrheit ziemlich einsam ist? Dass man im Himmel körperlich arbeiten muss, um ans Ziel zu gelangen? Oder gar, dass man trotz dieser Tätigkeit letztlich niemals ans Ziel kommen wird?

Wie auch immer: Keiner, der dieses Bild einmal näher betrachtet hat, wird jemals wieder in einem Flugzeug über den Wolken aus dem Fenster sehen können, ohne unwillkürlich nach dem jungen Mann in seinem Paddelboot Ausschau zu halten. ;-)
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 21, 2014 6:13 PM CET


Ride Out
Ride Out
Preis: EUR 21,98

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fast 70 ist doch kein Alter, 15. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ride Out (Audio CD)
Bob Seger, geboren am 6. Mai 1945 in der Autostadt Detroit, war mit seiner Silver Bullett Band zwischen 1976 und 1994 mit sechs Studio-, einem Live- und einem Greatest Hits-Album hintereinander in den Top Ten ein absoluter Superstar in seinem Heimatland. Hierzulande reichte es ungefähr in jener Zeit immerhin für Positionen zwischen Platz 17 (AGAINST THE WIND) und 53 (LIKE A ROCK).

Inzwischen ist der Mann mit der rauen Stimme und dem weichen Kern, der Mitte der Sixties mal in einer Gruppe mit dem witzigen Namen The Beach Bums gesungen hat, fast 70 Jahre alt, und acht (!) Jahre nach seinem letzten Studioalbum FACE THE PROMISE, das ich nicht kenne, hat er sich tatsächlich noch einmal dazu aufgeschwungen, einer (schon damals) völlig veränderten Welt etwas Neues zu präsentieren, zugleich aber angedeutet, das dies sein letztes Album sein könnte.

RIDE OUT zeigt zum einen die rock'n'rollende Seite dieses immer noch beeindruckenden Shouters, die er u.a. mit Coverversionen ("Detroit Made" von John Hiatt, "The Devil's Right Hand" von Steve Earle), aber auch mit den eigenen "Hey Gypsy" und dem Titeltrack "Ride Out" gleich zu Anfang betont, zum anderen eine Vorliebe für countryfizierte Songs, und natürlich sind da auch die Balladen und Semiballaden, die schon immer ein herausragendes Markenzeichen seiner Veröffentlichungen waren.

Obwohl ich eigentlich kein Country-Fan bin, rühren mich überraschenderweise gerade diese Nummern hier am meisten an, nämlich das zusammen mit Laura Creamer gesungene "Adam and Eve" und "You Take Me In". "California Stars" bekommt man nicht wieder aus dem Kopf, so eingängig ist der Refrain.

Die klassische dramatische Ballade "Gates of Eden" beendet das reguläre Album bereits nach zehn Titeln in nicht einmal 35 Minuten.

Doch zum Glück kommen danach noch drei sogenannte Bonustracks, nämlich das herrliche, akustische "Listen", das locker rockende und swingende "The Fireman's Talkin'" und mit dem etwas schleppenden, gleichwohl hübschen "Let the Rivers Run" eine weitere Ballade.

RIDE OUT, kraftvoll produziert von Bob Seger himself und transparent gemixt von Chris Lord-Alge (James Brown, Prince, Joe Cocker, Tina Turner u.v.a.), gehört zwar nicht zu Segers absoluten Meisterwerken, geht aber von Mal zu Mal besser ins Ohr. Lohn der Arbeit: Platz 3 (!) der US-Albumcharts.

Fazit: Für einen routinierten Profi ist fast 70 halt auch im Rockbusiness kein Alter.


Morgen (2-Track)
Morgen (2-Track)
Preis: EUR 3,99

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ach Mensch, Herbert!, 8. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Morgen (2-Track) (Audio CD)
Worte, aneinander gereiht, altersweise Oberstufenlyrik, wie so oft. Musikalisch eine Art drängender Rock-Pop, nicht sehr eingängig, vielleicht aber auf Dauer dann doch? Auch das wie so oft. Was daraus erwächst, soll dann wohl ein Liebeslied sein. Ist es natürlich auch, aber eben irgendwie unerotisch, verkopft, irgendwie typisch deutsch - und typisch Herbert.

Werde ich jemals verstehen, warum dieser Mann immer noch ganz oben steht, an der Spitze, dreißig Jahre nach Perlen wie "Bochum", "Alkohol", "Flugzeuge im Bauch"? Damals klangen seine Songs weder routiniert noch beliebig. Seine Texte waren noch klar, auf den Punkt. Volksnah, also nahe den Menschen im Pütt und anderswo.

Und heute?

'Liegen meine Sterne im Gewühl / Fangen die Tage an, mit mir zu streiten'.
'Untersuchst du mit mir Horizonte / Widmest du mir Dein Gedicht / Sind die Punkte abgeschritten / Löschst du das Licht'.
'Ich hab vor Dir meine Wahrheiten frisiert / Du lotstest mich durch mein Gemenge.'
'Du bist mein Vorbote, meine Batterie, mein Betrieb, mein Feinmatrose / Ich bin stolz, dass Du mich liebst.'

Und so weiter. Ach Mensch, Herbert, bleibt dauernd jetzt immer noch alles anders? Oder so ähnlich? ;-)
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 12, 2014 1:06 PM CET


The Hands of Man
The Hands of Man
Preis: EUR 7,29

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schön, dass er immer noch da ist, 8. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Hands of Man (MP3-Download)
Es war am 7. September 1977, als ich das erste Mal in meinem Leben Bekanntschaft mit Chris De Burgh machte.

Laut Eintrittskarte sollten im CCH zwar die großartigen Hamburger Lokalmatadoren Lake das Vorprogramm von Supertramp bestreiten, und entsprechend groß war unsere Vorfreude. Doch dann kam alles ganz anders: Ein Ansager verkündete nämlich, dass nun ein junger Ire die Bühne betreten würde, und bat um kräftigen Applaus. Den Namen hatten wir nicht richtig verstanden. Chris ... wer?

In den nächsten etwa 45 Minuten begeisterte dann eben jener gar nicht mehr so junge, äußerst sympathische Ire das Publikum so sehr, dass man ihn kaum wieder gehen lassen wollte. Melodische Hymnen wie "Lonely Sky" oder "A Spaceman Came Travelling" (warum zum Teufel war das kein Hit gewesen??), das zutiefst romantische "Satin Green Shutters", das epische "Spanish Train" oder der Comedy-Kracher "Patricia the Stripper" brachten die 3.000 Zuschauer im Saal zum Toben. A star was born.

Nun ja, bis der Star dann wirklich geboren wurde, sollte es doch noch ein paar Jahre dauern. Vor seinem tollen Konzert in der Hamburger FABRIK am, ja: 7. September 1981 hatte er noch trotzig gesagt: 'Ich glaube, in der Popmusik gibt es viele Künstler, die die Kommerzialität um jeden Preis suchen. Der Verkaufserfolg ist mir egal'. Wer's glaubt, wird selig.

In eben jenem Jahr schaffte Chris De Burgh nämlich mit der Kompilation BEST MOVES nach vorherigen Erfolgen in Irland oder Kanada auf einmal den kommerziellen Durchbruch in Deutschland (Platz 4 und satte 87 (!) Wochen in den Charts).

Als ich ihn dann 1983 erneut im Vorprogramm der Stadiontour von Supertramp zum bisher letzten Mal live erlebte, war er aufgrund seines Albums THE GETAWAY (Platz 1 in Deutschland, 31 (!!) Wochen in den Top Ten) und Radiofutter wie "Don't Pay the Ferryman" und "Ship to Shore" längst vom Barden zum Popstar geworden.

Bis zu seinem 1986 erschienenen weltweiten Erfolgsalbum INTO THE LIGHT, das durchaus schöne Nummern, aber eben auch jenen fatalen Schmuseschlager "The Lady in Red" enthielt, der zu seinem allergrößten Hit werden sollte, verfolgte ich seine weitere Karriere durchaus mit Sympathie. Trotzdem: Das war irgendwie nicht mehr meine Welt. Danach kaufte ich, wie ich heute fast erstaunt feststelle, nie wieder ein Chris De Burgh-Album.

Und nun also, satte 28 Jahre später, komme ich auf einmal auf die Idee, mir sein neuestes, inzwischen 20. Studioalbum THE HANDS OF MAN herunterzuladen. So lange stand immerhin die Berliner Mauer, und so lange dauerte es vom ersten (Nicole) bis zum zweiten deutschen Sieg beim Eurovision Song Contest (Lena Meyer-Landrut). ;-)

Was mich dazu bewogen hat, weiß ich nicht genau. Vielleicht ist es eine gewisse herbstliche Nostalgie in bösen Zeiten? Oder einfach das Werbefilmchen, das Chris De Burgh für das Album gedreht hat? Eines steht jedenfalls fest: Ich habe diese Entscheidung keine Sekunde lang bereut.

Ganz im Gegenteil, denn der mittlerweile 66-Jährige Troubadour erinnert hier in weiten Teilen sehr intensiv an seine besten (frühen) Tage. Songs wie "The Hands of Man", "The Ghost of Old King Richard", das zentral positionierte "The Keeper of the Keys", "The Fields of Agincourt" oder das zauberhafte, leider nur zweiminütige Instrumentalstück "Meridiem" gehören zum Feinsten, was dieser Künstler, dessen Stimme heute zudem viel besser ist als zu Beginn seiner Karriere, jemals geschrieben hat.

Dazu gibt es Ohrwürmer wie "The Candlestick" und das an seine erfolgreichsten 80er-Jahre-Zeiten erinnernde "Letting Go", als ein gewisser Rupert Hine (Saga, Rush, Tina Turner, Howard Jones u.v.a.) für den damals modernen Rock-Appeal sorgte und De Burgh auch gern mal seine 'wilde' Seite bei den Mädels herausließ. Ein Kostverächter war er ja, wie man munkelt, sowieso nie. ;-)

Balladen wie "Where Would I Be", "Through These Eyes" und "Empty Rooms" kann kaum jemand beser als der alte Melancholiker. Und zur Auflockerung gibt's die urtypisch englischen Dancehall-Ditties "There Goes My Heart Again" und "One More Goodbye". Sowas haben auch Bands wie die Beatles ("When I'm Sixty-Four") oder Queen ("Lazing on a Sunday Afternoon", "Seaside Rendezvous") gerne mal aufgenommen.

Mit Ausnahme des allzu flachen Mitsingschlagers "When the Dream Is Over" gibt es auf THE HANDS OF MAN keinen einzigen auch nur annähernd überflüssigen Titel, und selbst die Abfolge der einzelnen Nummern ist grandios gelungen. Man spürt mit jeder Faser, dass er sich für dieses 'Alterswerk' noch einmal ganz besonders viel Mühe gegeben hat, denn hier gibt es alles: Melodie, Dramatik, positive Melancholie, viel Piano und akustische Gitarren, echte Drums, romantische bis bombastische Strings wie in allerbesten Zeiten ("Crusader"), hervorragende Texte und eine kraftvolle, räumliche Produktion.

Natürlich ist das alles zutiefst konservativ, doch von einem Chris De Burgh wird wohl niemand nach fast vierzig Jahren im Geschäft auf einmal ein R'n'B- oder Electropop-Album erwarten.

Ich bin von der Qualität dieser Scheibe jedenfalls äußerst positiv überrascht. Sie kommt über mich wie ein warmer Schauer der Harmonie. Irgendwie ist es schön, dass Chris De Burgh immer noch da ist.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 13, 2014 10:49 PM CET


Der Junge muss an die frische Luft: Meine Kindheit und ich
Der Junge muss an die frische Luft: Meine Kindheit und ich
von Hape Kerkeling
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sahnetorte mit Sahne, 25. Oktober 2014
Ganz am Ende seines neuesten Buches bekennt Hape Kerkeling, dass dies eigentlich 'die unterhaltsame Biografie eines schillernden deutschen Showstars' werden sollte. Damit meint er natürlich sich selbst, denn sonst wäre es ja keine Autobiographie.

Doch irgendwann im Prozess des Schreibens muss ihm klar geworden sein, dass allein seine frühe Kindheit seiner Meinung nach schon so viel interessanten Stoff abgeben könnte, dass er sich schließlich fast gänzlich darauf konzentriert hat, um schließlich ein Werk zu veröffentlichen, das im Untertitel ganz eindeutig 'Meine Kindheit und ich' heißt. Dies muss dem Leser bewusst sein, wenn er sich entscheidet, 40 (!) Mark, pardon: 20 Euro dafür anzulegen.

Und so besteht die komplette erste Hälfte aus mäßig unterhaltenden, zumeist heiteren Schnurren aus einer Kindheit in den 60er- und 70er-Jahren voller Omas und Opas, Tanten und Onkeln, Nichten und Neffen sowie zwei wunderbaren Eltern eines unförmig dicken und leicht zickigen Kindes, das aber trotzdem von fast allen geliebt wird.

Während man sich als Leser dann irgendwann schon leicht gähnend fragt, ob das nun ewig so weitergehen soll, schlagen in diese immer noch frühe Kindheit relativ unvermittelt die Schläge des Schicksals in Form von Krankheit und Tod ein. Insbesondere das als traumatisch erlebte, zunächst seelische und dann auch körperliche Sterben der Mutter kommt über den Leser, wie damals für den jungen Hans-Peter K., wie ein Schock.

Als ich das Buch nach mehr als 300 Seiten schließlich ausgelesen hatte, stellte ich mir unwillkürlich die Frage, warum es überhaupt veröffentlicht worden ist. Der zu erwartende Geldsegen kann für Hape eigentlich kein wirkliches Argument sein, denn davon dürfte er allein schon durch den anhaltenden Megaerfolg seines Erstlings "Ich bin dann mal weg" für sein Leben mehr als genug haben. Zum Zwecke der Läuterung und Selbstvergewisserung hätte es völlig ausgereicht, wenn er diesen Bericht ganz für sich selbst und vielleicht einige enge Freunde erarbeitet hätte.

Und wie kann es sein, dass ein Mensch sich an Orte, Menschen, Situationen, Ereignisse zu erinnern vermag, die ganz wesentlich zwischen seinem ersten und etwa neunten Lebensjahr eine Rolle spielten? Ich halte das, zumindest in dieser ungeheuren Detailliertheit, für quasi unmöglich.

Eingerahmt wird das Ganze durch Geschichten über die Gutmenschenseite des nicht uneitlen Herrn Kerkeling (für ein todkrankes Mädchen spielt er in einem Düsseldorfer Hotelzimmer exklusiv den berühmten Horst Schlämmer, und im Rahmen seiner Tätigkeit für die Deutsche Aids-Stiftung versucht er, einen todkranken Jungen in Mozambique zu trösten) sowie einige wenige Blitzlichter auf seine eigentliche Karriere als öffentlicher Mensch, als der er uns allen am liebsten war und ist.

Schließlich bleibt dann aber doch das Gefühl, dass dieses Buch einem etwas gegeben hat, und sei es nur die Ahnung, dass da zwischen den Zeilen weit mehr war als nur ein nostalgischer Rückblick auf eine ganz persönliche Kindheitsgeschichte am Rande des Ruhrgebiets. Denn letztlich entsteht hier, zunächst unterschwellig, dann immer deutlicher das Bild einer versunkenen Zeit, in der die Menschen in (West-)Deutschland nach der Nazidiktatur und den darauf folgenden Hungerjahren in wenigen Jahrzehnten einen neuen Wohlstand erarbeiteten und dabei geflissentlich niemals zurückschauten. Da gab es dann, im Rausch der lang entbehrten Fülle, auch schon mal Sahnetorte mit Sahne extra, wie Kerkeling es so wunderbar bei seiner Tante Hedwig beobachtet hat.

'Uns Hape', dessen Karriere ich von seiner ersten Fernsehsendung an mit viel Zuneigung verfolgt habe, ist eindeutig ein kuscheliger Nostalgiker, dem Form und Fasson und altmodische Begriffe wie 'zauberhaft' stets erheblich näher waren als Frechheit und Fortschritt. Bezeichnenderweise fehlen, wenn er sich bei seinen Fernsehhelden und Vorbildern aus den prägenden Siebzigern bedankt, Namen wie Insterburg & Co. und vor allem Otto Waalkes, die dem verstaubten Genre einen Tritt in den Allerwertesten verpassten und so zu den neuen Helden für uns Kids und Jugendliche wurden.

Fazit: Ich würde Hape Kerkeling auch weiterhin viel lieber im Fernsehen sehen, in alten und neuen Rollen als genialer Unterhalter, denn von ihm geschriebene Bücher zu lesen. Es sei denn, dass irgendwann doch noch eine 'echte' Biographie über dreißig Jahre im Showbusiness und sein privates Leben in dieser Zeit kommt. Das alles würde mich dann doch mehr interessieren als "Der Junge muss an die frische Luft".


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