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Rezensionen verfasst von
H.Schwoch "hschwoch"
(VINE®-PRODUKTTESTER)   

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Kein Abschied
Kein Abschied
Preis: EUR 14,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Ringen mit dem Nichts, 29. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kein Abschied (Audio CD)
Zwei stilvoll-elegant gekleidete Herren, Tom Krimi und Erik Lautenschläger, sowie die Schauspielerin Nora Tschirner ('Keinohrhasen'), bilden die Band Prag, die Anfang 2013 ihr Debütalbum PREMIERE veröffentlichte, das, wie ich gestehe, komplett an mir vorbeiging.

Exakt zwei Jahre später im Januar 2015 folgte KEIN ABSCHIED, eine Platte, die mit ihrer schwelgerischen, melancholisch-orchestralen Musik und ihren oftmals existenzialistisch-traurigen Texten eine dunkle Wohltat ist. Wem Element of Crime gelegentlich zu norddeutsch-protestantisch-spröde klingen, der könnte hier seine Erfüllung finden.

'Wenn nur die Seele nicht so schwer wär' / Und in jedem Moment ein bisschen mehr' seufzt da einer gleich im Auftaktsong, während uns die Single "All die Narben" Sätze wie 'Das Geheimnis heißt Vergessen / Dem, was übrig bleibt, gewährt man Amnestie' schenkt. Dazu dieses wunderbare ménage a trois-Video, das man unbedingt gesehen haben sollte.

Andere Songs heißen "Film Noir", "Der dunkle Weg", "Aus Versehen", "Kein Abschied", "Sieh da nicht hin" oder "Das letzte Haus". Schwernis pur.

Leider ist die Produktion ein wenig verhangen, und die Texte sind oftmals nur mit Mühe zu verstehen. Das hätte man besser hinbekommen können. Zudem wirkt manche gesungene/gesprochene Zeile doch arg artifiziell und allzu feingeistig. Art déco. Und was die püppihafte Stimme der Tschirner hier verloren hat, bleibt fast gänzlich rätselhaft. Als Schauspielerin ist sie wesentlich besser.

Und trotzdem: Diese Platte sollte mir wohl jetzt begegnen, in einer Zeit der äußerlichen Furchtbarkeiten in der Welt und der innerlichen Sorge um eine langjährige Freundschaft, die ob der Sprachlosigkeit im Angesicht unaufgearbeiteter Konflikte gerade zu vertrocknen droht wie ein Grashalm in der Sonne.

'Ein Schleier, eine Patina, ein Nebel, irgend so was liegt über den einzelnen Liedern. Prag sind wie die 85-jährige Dame mit den sauber ondulierten Haaren, die an der Feinkosttheke des KaDeWe immer 50 Gramm Aufschnitt kauft, oder wie die Wohnung, die zwar ein wunderbares Stäbchenparkett und fünf Zimmer hat, von denen zwei aber ganz und gar unmöglich geschnitten sind: etwas umständlich, aber durchaus interessant' (Jochen Overbeck, Musikexpress).

Die letzten Worte des letzten Songs auf KEIN ABSCHIED lauten: 'Denn alles, was er von sich noch spürte / ist wie der Wind sich bricht und an ihm zieht und mit ihm kämpft / das Ringen, das Ringen mit dem Nichts'.

Und wer weiß schon, wie es enden wird, dieses Ringen, das jeder nur allzu gut kennt?


Uphill All the Way (Exp.+Remastered)
Uphill All the Way (Exp.+Remastered)
Preis: EUR 18,99

4.0 von 5 Sternen Wie Seide ums Herz, 29. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es war im Jahr der Beatles-Explosion, also 1963, als sich in dem Örtchen Send in unmittelbarer Nähe der Stadt Woking in der Grafschaft Surrey/England drei 13-jährige Schulfreunde zusammenschlossen, um eine Band zu gründen. Später wurden sie zum Quartett, nannten sich The Senders, The Pink Bears (!) und dann The Late. Sie spielten Songs von Chuck Berry, The Beatles, The Searchers und The Hollies nach und waren glücklich damit. Später begleiteten sie Billy J. Kramer, der zwischen 1963 und 1965 ein halbes Dutzend große Hits gehabt hatte, auf seinen Clubtourneen.

Als ihnen schließlich ein Plattenvertrag bei Transatlantic angeboten wurde, waren The Late also schon eine sehr erfahrene und routinierte Band. Man drängte sie, auch auf Eigenkompositionen zu setzen und erneut ihren Namen zu ändern. Also nannten sie sich fortan Unicorn und begannen zu schreiben.

Zehn Songs waren es, die 1971 den Weg auf das äußerst optimistisch betitelte Debütalbum UPHILL ALL THE WAY fanden, darunter aber dann doch nur vier eigene, die alle ihr begabtester Komponist Ken Baker geschrieben hatte. Dazu gesellten sich Titel von Neil Young, Gerry Rafferty, John Stewart, Joe Cocker, James Taylor und Jimmy Webb.

Im Nachinein ist es kaum nachvollziehbar, warum UPHILL ALL THE WAY damals ziemlich unterging, denn diese Scheibe lebte von der hervorragenden Musikalität der Band und ihrem wunderschönen Satzgesang, der sich nicht nur an erfolgreichen britischen Bands wie The Hollies, The Tremeloes, The Marmalade oder, in seltenen, etwas 'progressiveren' Momenten auch an den Strawbs orientierte, sondern auch an Crosby, Stills & Nash aus den USA. Andere meinen, sogar Einflüsse der Byrds heraus zu hören, was ich allerdings nicht wirklich nachvollziehen kann. Vielleicht wäre der Erfolg in Großbritannien größer gewesen, wenn die Platte bereits Ende der Sechziger und nicht im ersten Glam-Rock-Jahr 1971 erschienen wäre?

Zwischen 1974 und 1977 veröffentlichen Unicorn drei weitere erfolglose Studioalben (BLUE PINE TREES, TOO MANY CROOKS und ONE MORE TOMORROW), ehe sich die Band entschied, es gut sein zu lassen.

Die erneute CD-Ausgabe von UPHILL ALL THE WAY enthält vier sehr schöne Bonustracks, darunter die hervorragende Single "Cosmic Kid"/ "All We Really Want to Do". Insgesamt bekommt man hier also vierzehn Titel mit knapp einer Stunde Spielzeit geboten. Und gerade in depressiven Zeiten wie diesen legt sich die Musik von Unicorn wie Seide ums Herz. Man sollte die CD übrigens durchaus bei recht guter Lautstärke auf einer guten Anlage hören, denn das erhöht den Genuss an der transparenten Produktion von Hugh Murphy, und die Nachbarn werden dabei auch nicht allzu sehr verschreckt. Wer weiß, vielleicht klingeln sie sogar an der Tür; aber nur, um neugierig zu fragen, was man da gerade hört, und ob man ihnen vielleicht eine Kopie davon fertigen könnte. :-)


Chasing Yesterday(Limited Edition) [Vinyl LP]
Chasing Yesterday(Limited Edition) [Vinyl LP]
Preis: EUR 19,99

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vom Wahren und Schönen, 22. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Noel Gallaghers musikalische Helden stammen bekanntermaßen aus den sechziger und siebziger Jahren, und so macht er sich immer wieder einen diebischen Spaß daraus, diese Vorliebe mit Zitaten zu verdeutlichen. So lautet gleich der erste Satz im ersten Song: 'There's something in the way she moves me to distraction' (Verweis: "Something" von den Beatles).

In "Lock All the Doors" singt er 'The prettiest girl I had ever seen' ganz genauso wie David Essex in dessen ersten Hit "Rock On" von 1973. In "You Know We Can't Go Back" beginnt der Refrain mit den gedehnten Worten 'But it's aaaaalright', was wiederum ein sehr deutliches Zitat aus "Jumping Jack Flash" von den Rolling Stones ist. Das Gitarrenriff in "The Mexican" hat eine gewisse Ähnlichkeit mit jenem legendären aus "In-a-Gadda-da-Vida" von Iron Butterfly. In "The Girl With the X-Ray Eyes" kommt gelegentlich ein wenig "Stairway to Heaven"-Atmosphäre auf. Und so weiter.

Aber trotzdem soll hier nicht der Eindruck entstehen, als sei Gallagher ein simpler Kopist, denn das ist er keineswegs. Ganz im Gegenteil: Er hat von früh auf seinen ganz eigenen Stil als Songschreiber entwickelt. Sehr oft komponiert er so, dass zunächst eine Strophe gesungen wird, dann kommt eine Steigerung in Form einer Art von 'Vorrefrain', bevor sich die Spannung schließlich im wirklichen Refrain auflöst. Danach folgt Strophe zwei, Vorrefrain zwei und Refrain zwei. Eine instrumentale Bridge (meist die Sologitarre) leitet dann nochmals den Vorrefrain und den Refrain ein, der bis zum Schluss ein paar Mal wiederholt wird. That's the Gallagher Style!

Der verhasste jüngere Bruder Liam hat mit seiner Band Beady Eye bereits zwei Alben veröffentlicht, und nun zieht Noel also mit ihm gleich. Die ungemeine, psychedelische Faszination seines Debüts NOEL GALLAGHER'S HIGH FLYING BIRDS von 2011 (England Platz 1, Deutschland Platz 11) weist CHASING YESTERDAY (was für ein passender Titel!) zwar nicht auf, aber trotzdem ist dem Mann erneut ein überzeugendes Werk aus der Feder geflossen.

Abwechslung ist dabei Trumpf. Hymnische Songs, Balladen, fast schon Rotzig-Punkiges ("Lock All the Doors"), purer Power-Pop mit albernen 'Na Na Na Na Na'-Gesängen ("In the Heat of the Moment") bis hin zu geradezu Exprimentellem mit Duogesang und lässig-jazzigen Bläsersätzen ("The Right Stuff"), fast so, als ob Bryan Ferry sich wieder mit seinem früheren Bandkumpel Andy Mackay zusammen getan hätte.

Noel Gallagher war und ist ein Prolet und ein intelligenter Proletarier, aber halt inzwischen auch ein Elder Statesman des Wahren und Schönen in der Rockmusik. Ein echter Schatz.

Vor ein paar Tagen lief ein aktuelles Konzert der High Flying Birds im Fernsehen. Es war interessant zu beobachten, dass die Songs des ersten Albums inzwischen schon Klassiker sind, und dass Noel sich immer noch so leicht provozieren lässt wie früher. Frage aus dem Publikum: "Where's the pretty one?" (gemeint war wohl Liam). Noels ebenso gereizte wie ungemein schlagfertige Antwort: "Well, certainly not in your fu .. ing family!". That's Rock'nRoll! :-)

Einfach wunderbar, dass es noch Leute gibt, die dem Wahren und Schönen verpflichtet sind, die mal eben alle zwei Jahre ein Album mit zehn Songs in 44 Minuten abliefern, von denen kein einziger auch nur mittelmäßig, aber mehr als die Hälfte einfach phantastisch ist.


Hand.Cannot.Erase (Limited Edition)
Hand.Cannot.Erase (Limited Edition)
Preis: EUR 19,98

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fifty Shades of Grey, 15. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Steven Wilson, der Prog-Superstar der Zehnerjahre des 21. Jahrhunderts, versammelte nach dem geradezu unglaublichen Erfolg seines letzten 'Solo'-Albums, dem recht schwer verdaulichen Brocken THE RAVEN THAT REFUSED TO SING, erneut einen Haufen von hochbegabten Nerds um sich, gegen die selbst die Genesis von, sagen wir, 1971 geradezu cool aussahen. ;-)

Ausgehend von der Geschichte einer jungen Frau, die einsam in ihrer Wohnung in London starb, und deren Verschwinden aus der Welt fast drei Jahre lang unbemerkt blieb, entwickelte Wilson sein neuestes Werk, dessen höchst artifiziell und enigmatisch anmutender Titel HAND.CANNOT.ERASE Schlimmstes erwarten ließ. Doch gemach, gemach, denn es sollte ganz anders kommen!

Da war zunächst eine Homepage, die den Titel des Albums trägt, und auf der das von Steven Wilson erdachte Fototagebuch der Protagonistin 'veröffentlicht' wurde, mit Einträgen zwischen dem 8. Oktober 2008 und dem 2. März 2015. Zeugnisse einer gewollt (?) einsamen Seele. Zutiefst bewegend. Fifty Shades of Grey, sozusagen.

Schließlich kam dann das lang erwartete Album selbst.

Bevor Wilson hier nach etwa fünf Minuten erstmals seine Stimme erhebt, ist man schon an Pink Floyd, The Who, Rush, Yes und Genesis erinnert worden. Später kommen weitere Namen aus der goldenen Zeit des Progressive Rock hinzu; King Crimson zum Beispiel und Leute, die in den Gefilden des Jazzrock der siebziger Jahre einhergingen. Ein weites Feld.

Das Wesentlichere an dieser Platte sind aber die tiefen Emotionen, die unfassbar betörenden Melodien und die gelegentlich geradezu außerweltlich schönen Gesangsarrangements, gepaart mit gewissen musikalischen Ausbrüchen, die Wilson wohl für notwendig hielt, um seinen Studiokumpanen die Möglichkeit zu bieten, sich auch mal ungehemmt zu verströmen. Das kann mögen, wer will, und derer dürfte es durchaus diverse geben. Zumindest wird hier, im Gegensatz zum RAVEN-Album, auf nervende Bläsersätze verzichtet. Gleichwohl sind zum Beispiel die letzten etwa fünf Minuten des Monsterstückes "Ancestral" dem Fluss der Platte nicht sonderlich dienlich. Aber sie haben den Musikern wahrscheinlich viel Spaß gemacht, und das ist doch ein Wert an sich. ;-)

Der ewige Melancholiker Steven Wilson hat mit HAND.CANNOT.ERASE ein Werk abgeliefert, das viel fokussierter als sein Vorgänger ist, und das anderen, ebenso zeitlosen 'Konzeptalben' wie QUADROPHENIA von The Who oder THE WALL von Pink Floyd, von denen er in dem 'Making of'-Video auf der DVD der Limited Edition mit fast kindlicher Begeisterung schwärmt, durchaus gerecht wird.

Die menschliche Tragik der von ihm erzählten Geschichte spiegelt sich nicht nur, wie fast immer bei Wilson, in den Songtexten, sondern auch in seinem Gesang wieder. Manchmal scheint seine helle Stimme vor Emotion geradezu zu brechen. Die letzten beiden Stücke "Happy Returns" (wohl ein unvollendeter Brief der Protagonistin an ihren Bruder) und "Ascendant Here On ...", ein Instrumentalstück mit einem unaufdringlich arrangierten Knabenchor, sind in ihrer unkitschigen Schönheit so dermaßen wunderbar, dass man es kaum ertragen kann. Erschütternd. Erschütternd schön, wie so vieles auf diesem Album, das zu einem medialen Gesamtkunstwerk für die Ewigkeit werden dürfte; vorbildlich und in seiner Art unwiederholbar.

'Hey brother, I’d love to tell you I’ve been busy, but that would be a lie, cos the truth is: The years just pass like trains / I wave, but they don’t slow down' (Steven Wilson: "Happy Returns").


Down in the Bunker
Down in the Bunker
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Immer locker vom Hocker, 3. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Down in the Bunker (MP3-Download)
Die erste Band, in der der 1941 in Birmingham geborene Steve Gibbons Mitglied wurde, trug den für die mittleren sechziger Jahre bemerkenswerten Namen Balls. Mit bereits dreißig Jahren veröffentlichte er 1971 sein erstes Soloalbum SHORT STORIES, um einige Zeit später dann die Steve Gibbons Band zu gründen. Diese feierte 1977 mit Chuck Berrys Spätwerk "Tulane" einen überraschenden Hit in England (Platz 12 der Singlecharts), und das Livealbum CAUGHT IN THE ACT landete im selben Jahr auf Platz 22. Für Roger Daltrey von The Who schrieb Gibbons den Song "One of the Boys" für dessen gleichnamiges Soloalbum.

Nun konnte es also endlich richtig losgehen mit der Karriere des mittlerweile stramm auf die Vierzig zusteuernden Sängers und Gitarristen! Die Voraussetzungen dafür waren jedenfalls ziemlich gut, lieferte die Band mit ihrem 1978 erschienenen dritten Studioalbum DOWN IN THE BUNKER, hervorragend produziert von dem selbst damals schon legendären Tony Visconti (T.Rex, David Bowie, Strawbs, Gentle Giant, Carmen, Thin Lizzy usw.), doch elf zum Teil unverschämt eingängige Songs ab.

Der musikalisch eindeutig von Bo Diddley und Buddy Hollys Klassiker "Not Fade Away" inspirierte Opener "No Spitting on the Bus" erzählte nicht nur eine witzige Alltagsgeschichte, sondern bohrte sich dermaßen ins Ohr, dass man ihn buchstäblich tagelang nicht wieder los wurde. Die Frage war nur: Warum veröffentlichte die Plattenfirma diese Nummer nicht als Single??

Statt dessen wurde der an "Tulane" erinnernde Rock'n'Roller "Eddy Vortex" ausgekoppelt, schaffte aber lediglich Platz 56 der englischen Charts. Und als zweite Single entschied man sich erneut für den falschen Song, denn das ein wenig die Dire Straits vorweg nehmende (oder kopierende?) Titelstück "Down in the Bunker" war zwar Klasse, aber eben kein typisches Radiofutter. Und so verschenkte man leichtfertig die große Chance, die Steve Gibbons Band richtig nach vorne zu bringen.

Die Gruppe war der damals auf der Insel grassierenden Pubrock-Bewegung zuzuordnen, aus der etwa zur gleichen Zeit erfolgreiche Acts wie die Dire Straits, Sniff'n'the Tears, Dr. Feelgood oder auch Chris Spedding hervorgingen. Ihre musikalischen Einflüsse stammten aus Rock'n'Roll, Rhythm and Blues, Folkrock, gewürzt mit einer Messerspitze Reggae. Motto: Immer locker vom Hocker.

Ihre Vorbilder waren, neben vielen anderen, vor allem Songwriter Bob Dylan und die lässige Laidback-Legende J.J. Cale. Dylans Handschrift wurde hier vor allem in Songs wie "Big J.C." und dem Ohrwurm "Chelita" deutlich, J.J. Cale lugte den Jungs bei "Any Road Up" und "Mary Ain't Goin' Home" über die Schulter. "Any Road Up" diente Mark Knopfler als Vorlage für so manchen späteren Dire Straits-Song. Und der Abschlusstitel "Grace" brachte mit leichten ostasiatischen Einflüssen ein schönes Album zu einem harmonischen Finale.

Wenn es damals mit rechten Dingen zugegangen wäre, hätte die Steve Gibbons Band mit DOWN IN THE BUNKER mindestens ein Top-Twenty-Album im Köcher gehabt, und "No Spitting on the Bus" wäre, als Single ausgekoppelt, vielleicht rund um die Welt an die Spitze der Charts gegangen. Doch es sollte halt nicht sein. Gleichwohl kann man die Platte auch heute noch wunderbar durchhören.

PS: Die Download-Version enthält gleich acht, teilweise lohnenswerte Bonustracks, darunter den erwähnten Hit "Tulane".


Witchflower
Witchflower
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 77,95

4.0 von 5 Sternen Ein Whirlpool der Erinnerungen, 21. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Witchflower (Audio CD)
Die Jungs mit dem bösen Namen Wicked Minds fanden bereits 1987 in Piacenza / Italien zusammen und spielten zunächst Thrash Metal, um dann irgendwann auf den progressiven Hardrock der frühen siebziger Jahre umzuschwenken. Und genau dies tun sie dermaßen perfekt, dass sie in der Konsequenz an ihre Landsleute von The Watch erinnern, deren Mission es ist, den Sound von Genesis der Gabriel-Ära mit eigenen Kompositionen so authentisch wie irgend möglich in die Jetztzeit zu transponieren.

Die Leidenschaft von Wicked Minds besteht auf dem Album WITCHFLOWER hingegen vor allem darin, Uriah Heep (sehr dominant) und Deep Purple in ihrer großen Zeit zwischen 1970 und etwa 1975 zu 'imitieren', wobei auch dies fast durchgehend mit eigenen, neuen Stücken geschieht. Allerdings erweitern Lucio Calegari (Gitarren), Enrico Garilli (Bass), Andrea Concarotti (Drums), Paolo Apollo Negri (Keyboards) und J.C. Cinel (Vocals, akustische Gitarre) diese Hauptrichtung vereinzelt um weitere musikalische Einflüsse aus der gleichen Ära.

So scheint es, als ob in der herrlichen Ballade "Burning Tree" Ray Thomas von den Moody Blues die Flöte spielte, während in "Black Capricorn Fire" eben dies durch Ian Anderson von Jethro Tull erledigt werden würde. "Here Comes the King" (sic!) spielt neben Heep und Purple auch mit gewissen Rainbow-Einsprengseln.

Piano und Melodieführung am Anfang von "A Child and a Mirror" scheinen von gewissen Kansas-Kenntnissen zu zeugen, und in den letzten dreieinhalb von dreizehneinhalb (!) Minuten des großartigen Monsterstücks "Scorpio Odyssey" erklingt vor einem gewaltigen Chorarrangement auf einmal ein Saxophon, das davon zeugt, dass Wicked Minds durchaus auch mal Platten von angeschrägten Prog-Bands wie Van der Graaf Generator gehört haben dürften.

Das romantische, nur von einer akustischen Gitarre getragene Instrumental "The Court of the Satyr" verweist auf sehr verwandte Stücke von Led Zeppelin, Black Sabbath oder auch Yes (Steve Howe). Und ganz am Ende ertönt mit "Soldier of Fortune" eine geniale Ballade von Deep Purple, die hier aber so klingt, als wäre sie von Uriah Heep gecovert worden. Das Gitarrensolo kommt, aber es kommt nicht an der Stelle, an der man es erwarten würde. ;-)

Die Stimme von Leadsänger J.C. Cinel hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der von Heep-Legende David Byron, ohne jedoch an dessen Heldentenor kratzen zu können. Gitarrist Lucio Calegari macht gerne den Mick Box, spielt aber nicht ganz so melodisch. Keyboarder Paolo Negri (Hammond, ARP/Moog/Wersi/Waldorf Synthesizers, Piano, Harpsichord, Mellotron, Solina String Ensemble, Rhodes & Hohner Electric Pianos, Vibraphon, Apollotron) ist eindeutig der Versierteste und kann einfach alles 'nachempfinden', was damals so kreuchte und fleuchte - vor allem natürlich Ken Hensley und Jon Lord. Schlagzeuger Andrea Concarotti agiert hingegen für meinen Geschmack ein wenig zu nervös und reißt damit seine Kollegen gelegentlich mit in eine Hektik, die der Musik nicht immer gut tut (man höre z.B. Teile von "Sad Woman").

Wer wie ich mit dem progressiven (Hard-) Rock der frühen Siebziger sozialisiert wurde, dem werden die 79 (!) Minuten von WITCHFLOWER auf jeden Fall ein ziemlicher Parteitag sein. Ich mag das durchaus nicht immer hören, denn dafür ist in den letzten vierzig Jahren zu viel an musikalischer (Weiter)- Entwicklung passiert, aber gelegentlich lasse ich mich nur allzu gern in diesen auralen 'Time Tunnel' hinein fallen, um darin zu schweben wie in einem wunderbar warm sprudelnden Whirlpool der Erinnerungen.


Tracks from the Alps
Tracks from the Alps
Preis: EUR 18,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Angst vor dem Ohrwurm, 14. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tracks from the Alps (Audio CD)
Wer jemals die kanadische Band The Musical Box live erlebt hat, dem wurde die perfekte Genesis-Illusion aus der Zeit mit Leadsänger Peter Gabriel geboten. Und wer jemals eine CD der italienischen Band The Watch gehört hat, dem wurde ebenfalls die perfekte Genesis-Illusion aus der Zeit mit Peter Gabriel geboten.

Der entscheidende Unterschied bestand allerdings darin, dass TMB auf geniale Weise die damaligen Shows von Genesis originalgetreu auf die Bühne brachten, während The Watch auf ebenso geniale Weise ureigene neue Stücke im originalgetreuen Stil von Genesis kreierten.

Drei Jahre nach TIMELESS machten The Watch 2014 mit dem etwas gewöhnungsbedürftig betitelten TRACKS FROM THE ALPS das halbe Dutzend Studioproduktionen voll.

Ein Album mit gerade einmal 37:37 Minuten Länge hätten ihre großen Vorbilder Genesis selbst in den Siebzigern, als es noch keine CDs gab, ihren Fans niemals anzubieten gewagt. Aber sei's drum, denn wenn man die Scheibe durchgehört hat, kommt einem das akustische Erlebnis in durchaus positiver Weise viel länger vor, denn hier sind wieder einmal all die typischen Merkmale jener ebenso hoch komplexen wie herrlich englisch versponnenen Klänge vertreten, die wir alle so innig lieben.

TRACKS FROM THE ALPS enthält sechs neue Stücke von The Watch sowie "Going Out to Get You", welches Genesis erstmals im August 1969 aufnahmen. Später schaffte es zu Gunsten von "The Knife" nicht den Weg auf das Album TRESPASS, wurde jedoch in den Anfangsjahren häufig live präsentiert. Ob es stilistisch wirklich zu den anderen Nummern dieses Albums passt, muss jeder selbst beurteilen.

Was gibt es, außer der kurzen Länge, noch an diesem Werk auszusetzen? Nun, es ist etwas, das auch die anderen Alben von The Watch stets gekennzeichnet hat, nämlich das Fehlen von wirklich eingängigen Nummern, an die man sich nach zwei- oder dreimaligem Hören noch erinnern kann.

Genesis hatten schon zu Gabriel-Zeiten echte Ohrwürmer mit richtigen Refrains ("I Know What I Like", "The Lamb Lies Down on Broadway", "Carpet Crawlers") und natürlich massenweise unvergessliche Musik- und Textpassagen zu bieten, die sich tief in die DNA jedes Anhängers einbrannten und bis heute stets sofort wieder abrufbar sind. So etwas geht The Watch leider weiterhin etwas ab.

Doch das soll den Gesamteindruck nicht wirklich entscheidend schmälern. Ich bin dankbar, dass es diese Band nun schon recht lange gibt, und dass sie uns immer weiter mit der perfekten Illusion neuer alter Genesis-Klänge füttert.


Further
Further
Preis: EUR 19,98

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Psychedelisch, 13. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Further (Audio CD)
Der erste Track "Ark-M" klingt wie recht frühe Pink Floyd auf Speed, der zweite und beste ("Spheres") wie eben jene Band in 'korrekter' Geschwindigkeit, vermischt mit ein wenig Black Sabbath.

Mit der dritten ("Collision") und vierten Nummer ("6EQUJ5") schlagen Monomyth aus den Niederlanden einen am progressiven Hardrock der frühen Siebziger (z.B. Deep Purple, Uriah Heep) orientierten Weg ein, allerdings eher in der Art eines Studio-Jams auf dem Weg zu einem Song. In "6EQUJ5" spielen erneut Pink Floyd dazu im Hintergrund, und zum Finale hin würden manche Menschen dies auch durchaus nicht ohne Berechtigung 'Stoner Rock' nennen. Alles in allem klingen Monomyth aber in erster Linie ziemlich psychedelisch.

Da man hier nicht dreieinhalb Sterne vergeben kann, gehe ich mal hoch auf vier, denn das trifft es eher als nur drei.


Spirit
Spirit
Wird angeboten von moviemars-amerika
Preis: EUR 10,74

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine wilde Mischung, 13. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Spirit (Audio CD)
Die Rockgeschichte erzählt von mindestens einem Dutzend Bands, die sich alle 'Legend' nannten. Diese hier aus der Gegend von Liverpool besteht bereits seit einem Vierteljahrhundert und hat ein halbes Dutzend Alben veröffentlicht, ohne dass irgendwer hierzulande von ihr Notiz genommen hätte. Oder sollte ich mich täuschen?

Mit ihrem siebten Album SPIRIT von 2013, dessen Cover ein unglaublich kitschiges Gemälde ziert, machen Leadsängerin Beck Sian, Steve Paine (Keyboards, Bass), Paul Thomson (Gitarren) und John Macklin (Drums, Percussion) so etwas wie Progressive Metal, ohne dabei wirklich 'Metal' zu sein, denn ihre Musik wird mehr durch dominante Keyboards in jeder Ausprägung als durch Gitarren bestimmt.

Vier der fünf Stücke sind ziemlich lang (zwischen zehn und gut achtzehn Minuten) und klingen sehr theatralisch/bombastisch. Einflüsse von Nightwish sind überdeutlich, man könnte aber auch wahllos weitere Namen wie Styx, ELP, Dream Theater, Queen, Renaissance, Deep Purple bis hin zu Hazel O'Connor (!) in den Raum stellen.

Es gibt sicherlich Leute, die diese wilde Mischung mögen, und ich mag sie auch - in gewissen Grenzen und vor allem dann, wenn die oftmals überdrehte Hektik ein bisschen zurück gefahren wird. Leider gibt es hier für meinen Geschmack von solchen Passagen zu wenig, aber das ist halt mein persönliches Problem. ;-)


Am Todespunkt: 18 berühmte Dichter und Maler, die sich das Leben nahmen
Am Todespunkt: 18 berühmte Dichter und Maler, die sich das Leben nahmen
von Birgit Lahann
  Broschiert
Preis: EUR 22,00

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sollte man gelesen haben, 8. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Was bringt ganz allgemein Menschen dazu, ihrem Leben ein Ende zu setzen? Das können verschiedenste Beweggründe sein, im wesentlichen aber wohl körperliches Leiden, seelisches Leiden oder eine Mischung aus beiden Faktoren.

Was bringt kreative, um Bedeutung ringende und oftmals auf vielfältige Weise extrovertierte, ja exaltierte Menschen dazu, ihrem Leben ein Ende zu setzen? Und was ist der entscheidende letzte Anlass, also gleichsam der 'Todespunkt'?

Mit dieser Frage beschäftigt sich die 75-jährige, mehrfach preisgekrönte Journalistin und Autorin Birgit Lahann in ihrem Buch "Am Todespunkt - 18 berühmte Dichter und Maler, die sich das Leben nahmen".

Warum sie sich ausschließlich mit Dichtern und Malern beschäftigte, mag mit ihren persönlichen Vorlieben zu tun haben, vielleicht darüber hinaus auch mit der Notwendigkeit der Beschränkung auf eine bestimmte Anzahl von Porträts.

Ob diese Leute nun alle 'berühmt' waren oder sind, wie der Buchtitel insuiniert, darüber mag man streiten. Wer kennt schon Karoline von Günderode, Richard Gerstl, Sergej Jessenin, Paul Cassirer, Pierre Drieu La Rochelle oder Sylvia Plath? Und über die wirklich Berühmten wie Vincent van Gogh, Kurt Tucholsky, Virginia Woolf, Ernest Hemingway oder die angekränkelte Sippe des legendären Langsatzliteraten Thomas Mann ist schon mehr als genug geschrieben und gemutmaßt worden.

Doch sei's drum, denn dies ist ein hoch interessantes, spannend zu lesendes und auf seltsame Weise, zumindest überwiegend, gar nicht einmal 'tragisch' anmutendes Werk, dessen große Stärke die erzählerische Komponente ist.

Wie bereits erwähnt, handeln all diese Geschichten nicht von Durchschnittsexistenzen, sondern von Menschen, deren exzessive Handlungen und Lebenswendungen oftmals nur schwer nachzuvollziehen sind. On-and-off-Beziehungen, Liebe und Hass, Reichtum und bittere Armut. Die Gründe, die dann letztlich zu dem entscheidenden Schritt in den Suizid führten, erscheinen dagegen oftmals irgendwie marginal, nebensächlich, manchmal geradezu lachhaft. Von außen betrachtet.

Doch so ist der Mensch dann wohl. Eine Verletzung und noch eine und noch eine führen letztlich zu einer Entscheidung, die sich nicht mehr korrigieren lässt.

"Am Todespunkt" sollte man gelesen haben. Und sei es nur wegen der durchaus faszinierenden Schreibe der Autorin und der Vielzahl von wörtlichen Zitaten der hier porträtierten Personen, aus denen im Gesamtblick eine übergreifende Weisheit spricht, die ihresgleichen sucht.

PS: Das Cover des Buches (ein Mensch springt von einem hell erleuchteten Hochhaus) täuscht eine Aktualität vor, die das Buch letztlich nur ansatzweise bietet, denn es geht hier zumeist um Menschen, die vor vielen Jahren, zum Teil sogar vor mehreren Jahrhunderten gelebt haben und gestorben sind.


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