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Rezensionen verfasst von
H.Schwoch "hschwoch"
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   

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Bilderrahmen Valentia 30 x 60 Posterrahmen 60 x 30 cm - Wahl der Verglasung: Hier spiegelfreies Acrylglas Antireflex - Fünfzig Farben: Hier Terracotta
Bilderrahmen Valentia 30 x 60 Posterrahmen 60 x 30 cm - Wahl der Verglasung: Hier spiegelfreies Acrylglas Antireflex - Fünfzig Farben: Hier Terracotta
Wird angeboten von Homedeco-24
Preis: EUR 17,68

5.0 von 5 Sternen Polymethylmethacrylat, 3. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Den Bilderrahmen mit dem ungewöhnlichen Format 60 x 30 cm habe ich für ein Poster benötigt, das einer Vinylschallplatte beilag, und es war gar nicht so einfach, zu einem annehmbaren Preis etwas trotzdem qualitativ Hochwertiges zu finden. Nach längerem Suchen stieß ich auf den Rahmen 'Valencia', bestellte ihn und erhielt ihn, sicher und stabil verpackt, in kürzester Zeit.

Der Rahmen in der Farbe Terracotta sieht nicht nur toll aus, sondern entspricht auch genau der Beschreibung. Hinter der Bezeichnung 'Acrylglas' verbirgt sich allerdings kein hartes Glas, sondern ein biegsames Material mit dem sympathischen Namen Polymethylmethacrylat.

Das Internet informiert uns, dass Acrylglas lichtdurchlässiger sei als Mineralglas, witterungs- und alterungsbeständig, beständig gegen Säuren, Laugen mittlerer Konzentration, Benzin und Öl. Ethanol, Aceton und Benzol griffen PMMA jedoch an. Daher dürften Acrylglasflächen auch nicht mit Alkohol oder Lösungsmitteln gereinigt werden, da sonst Spannungsrisskorrosion entstünde.

Wie auch immer: Es erfüllt seinen Zweck hier in beeindruckender Weise. Ich kann diesen Rahmen zu diesem Preis also absolut empfehlen.


When We Are Death
When We Are Death
Preis: EUR 8,19

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Formidabel, 28. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: When We Are Death (MP3-Download)
Bis vor ein paar Tagen hatte ich keine Ahnung von der Existenz einer Band namens Hexvessel (ein unübersetzbares Wort), doch dann las ich in einer Musikzeitschrift die Rezension über ihr aktuelles Album, konnte meine Neugier nicht beherrschen, lud mir die Scheibe herunter und habe nun prompt eine neue Lieblingsband!

Chef dieser Gruppe, die aber eigentlich mehr eine naturliebende Kommune sein soll, ist der 1978 in England geborene Sänger, Gitarrist, Komponist und Texter Mathew Joseph 'Mat' McNerney, der sich auch Kvohst nennt. Er ist eine Art Weltenbummler, der schon eine Menge Bands hatte und den es im Jahre 2009 ausgerechnet nach Finnland verschlug, wo er zusammen mit ein paar Einheimischen Hexvessel gründete und seit 2011 drei Alben mit dieser Formation veröffentlicht hat.

Der kuriose Titel WHEN WE ARE DEATH und das auf den ersten und auch zweiten Blick einfach schreckliche Cover-Artwork scheinen musikalisch auf Death Metal oder Grindcore (oder wie das alles heißt) hinzuweisen, doch dieser Eindruck täuscht vollkommen, denn Hexvessel berufen sich auf die amerikanische Folkszene der späten Sechziger, den psychedelisch angehauchten Rock und Folkrock eben jener Zeit, den progressiven Rock der Siebziger und - in einigen ihrer Stücke - tatsächlich auf eine mehr oder weniger präsente Metal-Grundierung.

All diese Einflüsse sorgten dafür, dass ihr zweites Album NO HOLIER TEMPLE von 2014, das ich mir inzwischen ebenfalls beschafft habe, zu einem echten Brocken geriet. Da gab es melodische Folksongs ebenso wie schwerfällige Monsterstücke von teilweise mehr als zehn Minuten Länge, Drogen beeinflussten Psychedelic-Rock wie bei den Doors oder Pink Floyd zu UMMAGUMMA-Zeiten bis hin zu dem wunderbaren "Dues to the Dolmen", das zum Ende eine eindeutige Hommage an den '76er-Genesis-Klassiker "Entangled" ist.

Für Leute, die jene zweite Scheibe liebten, muss die dritte, WHEN WE ARE DEATH, zunächst einmal ein ziemlicher Kulturschock sein, denn obwohl die Einflüsse sich nicht wirklich geändert haben, kommt das neue Werk im Ganzen sehr viel kompakter, fokussierter, eingängiger und noch melodischer daher.

Vor allem die erste Hälfte der insgesamt zehn Songs, von denen selbst das sperrigste, "Mushroom Spirit Doors", mit seinen fünfeinhalb Minuten nicht einmal halb so lang ist wie das längste Stück auf dem Vorgängeralbum, besteht durchgehend aus, ja: Ohrwürmern, deren Langzeitwirkung enorm ist.

Wer von melancholischen Herrlichkeiten wie "Earth Over Us", "Cosmic Truth", "Mirror Boy", das den Keksperten der oben erwähnten Zeitschrift ausgerechnet an Jethro Tull (???) zu erinnern meinte, oder "Green Gold" nicht berührt wird, sollte dringend einen Psychiater konsultieren. ;-)

Songs wie der Opener "Transparent Eyeball", "When I'm Dead" und "Teeth of the Mountain" vereinigen die sommerlichen Sixties auf wundersame Weise mit den kühl leuchtenden Eighties.

"Drugged Up on the Universe" ist reinste Spätsechziger-Psychedelic à la Jefferson Airplane, und das abschließende "Hunter's Prayer" mit seinen militärisch straffen Drums, mäandernder Leadgitarre, gewaltig-dunklen Streichern und sehnsüchtigem Gesang rundet genial ein Album ab, das ganz sicher zu den besten in 2016 gehören wird, aber in seiner Bedeutung eigentlich weit über ein mickriges Jahr hinaus weist. Formidabel.

PS: Ein anderes 'Fachblatt' bezeichnet die Scheibe in seiner aktuellen Ausgabe unter der irreführenden Headline 'Und ewig dröhnen die Wälder' als 'Hardrockstatement' und 'erstklassiges Hardrockalbum'. Nur zur Klarstellung: Dies hier ist eines mit Sicherheit nicht, nämlich Hardrock!


Vorstadtweiber - Die Kultserie [3 DVDs]
Vorstadtweiber - Die Kultserie [3 DVDs]
DVD ~ Gerti Drassl
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Wenn man seinen Augen und Ohren kaum traut, 27. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vorstadtweiber - Die Kultserie [3 DVDs] (DVD)
Sommer 2015: Die ARD beginnt mit der Ausstrahlung der zehnteiligen österreichischen Serie "Vorstadtweiber". Na, dann schau'n mer doch mal, was einem da so geboten wird!

Geboten wird ... nun ja, sagen wir's doch einfach: ein rattenscharfer Mix aus falscher Freundschaft, echter Gier, politischer Satire, Gesellschaftsdrama, Sex und göttlichem Wiener Schmäh, kurzum ein in höchstem Maße unterhaltsamer Aufenthalt in einer Welt aus Geld und hohlem Schein. Als deutscher Mensch, umweht von Ernsthaftigkeit und seichter, politisch korrekter Unterhaltung, die viel zu oft jede noch so kleine Provokation scheut, traut man oftmals kaum seinen Augen und Ohren, so fies und hinterhältig, provokant und zugleich komisch ist das, was einem da um 20.15 Uhr (!!) zur besten Mainstream-Sendezeit geboten wird.

Dargeboten wird der muntere Reigen von einem fast durchgehend fabulösen Schauspieler-Ensemble, an der Spitze Gerti Drassl als tumbes, erotisch aus gutem Grund unbefriedigtes Hausfrauchen Maria Schneider, das sich glaubwürdig zu einer coolen, knallharten Macherin entwickelt; Juergen Maurer als ihr wuchtiger Gatte Georg, der eigentlich mehr auf Männer steht; Johannes Nussbaum als ihr 16-jähriger Filmsohn Simon mit einer atemberaubenden Performance zwischen anerzogener Bravheit, Empfindsamkeit und abgeklärter Frühreife und Thomas Mraz als begriffsstutziger Kriminalmajor Jörg Pudschedl, der selbst als etwa 40-Jähriger noch unter der Knute seines cleveren Vaters, des Steuerfahnders Bruno Pudschedl (Branko Samarovski) zu leiden hat.

Auffällig blass agieren dagegen die beiden 'Piefkes' (= Deutsche) Lucas Gregorowicz als Lobbyist Bertram Selig und Adina Vetter als seine durchtriebene Geliebte Sabine Herold. Das hat aber natürlich auch damit zu tun, dass sie als einzige eben nicht diese herrliche österreichische Diktion in der Stimme haben, die selbst größten verbalen Gemeinheiten noch eine fast liebenswerte Hülle verleiht.

Die DVD-Edition bietet neben den zehn bekannten Folgen, die man sich immer mal wieder ansehen möchte, leider keinerlei Bonusmaterial.

Ab dem 14. März 2016 wird, zunächst in Österreich, die zweite Staffel der "Vorstadtweiber" im Fernsehen laufen. Der deutsche Sendetermin ist noch nicht bekannt. Angekündigt sind 'mehr Intrigen, mehr Boshaftigkeiten, aber auch mehr Charme, mehr Sex - einfach mehr alles'. Das klingt nicht wirklich Vertrauen erweckend, denn noch mehr als in Staffel 1, die äußerst charmant zwischen Thrill und Kontemplation changierte, geht eigentlich kaum. Ein gewisses Misstrauen scheint also angebracht zu sein.


Horst Hrubesch. Die Biografie
Horst Hrubesch. Die Biografie
von Andreas Schier
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Leben des Horst, 23. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Hamburger SV: einer der größten Traditionsvereine des Fußballsports überhaupt. Legendäre Namen zu Dutzenden, darunter der Mittelstürmer Horst Hrubesch, dessen Ausbeute in gerade einmal 159 Bundesligaspielen für den HSV 96 Tore betrug. Mehr erzielten nur Hrubeschs Mannschaftskamerad, der Mittelfeldspieler Thomas von Heesen, der in 368 (!) Spielen für seinen HSV immerhin 99 Tore erzielte und der legendäre und unerreichbare Uwe Seeler (239/137), der bereits in zehn Jahren vor Einführung der Bundesliga sehr häufig getroffen hatte.

Seeler und Hrubesch haben vieles gemeinsam: proletarische Herkunft, berufliche Ausbildung neben dem Fußball, Bodenständigkeit, Bescheidenheit, starke familiäre Wurzeln, jahrzehntelange eheliche Bindung, Kopfballstärke, einen gewissen Hang zu Ungeduld und Jähzorn.

Die Unterschiede liegen im Wesentlichen darin, dass Seeler im Gegensatz zu Hrubesch stets einem Verein treu blieb und niemals einen Titel mit der Nationalmannschaft erringen konnte, während Hrubesch im Gegensatz zu Seeler nach seiner aktiven Zeit die Trainerlaufbahn einschlug.

Über Uwe Seeler sind diverse Bücher geschrieben worden (das erste, "Alle meine Tore", bereits Mitte der sechziger Jahre), während Horst Hrubesch diese Ehre sehr lange verwehrt blieb. Doch nun, rechtzeitig vor seinem 65. Geburtstag, hat sich das geändert, denn der Industriekaufmann, Lehrer und Sozialpädagoge Andreas Schier (Jahrgang 1965) nahm sich sich das Leben des Horst zur Brust und bastelte auf immerhin 300 Seiten ein Buch zusammen, das nun also die Lebensbilanz des 'Kopfballungeheuers' darstellen soll.

Interessieren Sie sich für's Angeln? Für's Reiten? Oder für Schäferhunde? Dann ist das hier was für Sie! Interessieren Sie sich für die streng ablaufmäßig geordnete Geschichte eines Fußballers und Fußballtrainers mit vielen Stationen, die alle irgendwie erwähnt werden, ohne aber, mit wenigen Ausnahmen, wirklich in die Tiefe zu gehen und die emotionalen Höhen und Tiefen des porträtierten Menschen auszuloten?

Horst Hrubesch ist ein Macher, ein Malocher, der weder Namen nennt, wenn's um negative Erlebnisse mit anderen geht, noch die richtige Adresse ist für interessante Anekdoten aus seinem Fußballer-, Trainer- und Privatleben, von denen es doch Aberhunderte geben muss. Aber da kommt einfach nichts oder nur sehr wenig, und das ist wirklich schade. Eines aber habe ich zumindest verstanden, nämlich, dass er als er als Trainer vielen Spielern in den Jugendnationalmannschaften des DFB menschlich offenbar stets erheblich näher gewesen sein muss als seinen eigenen Söhnen. Und das ist erst recht schade.

In seinem Nachwort gesteht Andreas Schier mit entwaffnender Ehrlichkeit, dass man 'gemeinsam (...) ein Buch auf den Weg gebracht' habe, mit dem man mehr als zufrieden sei. 'Ohne die versierte Mitarbeit des Journalisten und Buchautors Rainer Schäfer wäre das allerdings schwierig gewesen, er hat den Text auf ein neues Niveau gehoben'. Was soll uns das sagen? Dass Schier ohne dessen Hilfe nicht in der Lage gewesen wäre, dieses ohnehin sehr einfach geschriebene Buch zu realisieren?

Gleichwohl: Das Bild des Menschen Horst Hrubesch hat sich durch die Lektüre für mich in einer Weise verdeutlicht, die ihn mir, trotz aller Lobhudeleien diverser Zeitzeugen, nicht mehr ganz so sympathisch macht, wie ich ihn mir stets vorgestellt hatte.

Bleibt die entscheidende Frage: Wäre dieses Buch wirklich nötig gewesen? Ich weiß nicht recht. Zumindest hätte man aber mit der Veröffentlichung noch so lange warten müssen, bis Horst Hrubesch über die wohl letzte große berufliche Herausforderung seines Trainerlebens hätte erzählen können, nämlich die Olympischen Spiele 2016 in Brasilien mit der deutschen U-23-Nationalmannschaft.


Verschwende Deine Jugend: Ein Doku-Roman über den deutschen Punk und New Wave (suhrkamp taschenbuch)
Verschwende Deine Jugend: Ein Doku-Roman über den deutschen Punk und New Wave (suhrkamp taschenbuch)
von Jürgen Teipel
  Broschiert

5.0 von 5 Sternen Die Härte, 18. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wer wie ich in den 70ern in der BRD aufwuchs und in jenem Jahrzehnt sozialisiert wurde, darf wohl konstatieren, dass damals eigentlich eine nie zuvor gekannte Offenheit und Libertinage herrschte. Die Fesseln der restriktiven Nachkriegszeit der 50er- und 60er-Jahre schienen endlich und unwiderruflich gesprengt zu sein. Fast keiner von uns Jugendlichen konnte sich auch nur vorstellen, dass es jemals wieder eine konservativ geführte Bundesregierung geben könnte.

Also die totale Freiheit? Nein, nur scheinbar. Denn nach wie vor waren 'alte Kameraden' überall in höchsten beruflichen Positionen zu finden, lebten gewisse Lehrer munter ihren alltäglichen Sadismus aus und erzogen viele Eltern ihren Nachwuchs mit körperlicher und/oder verbaler Gewalt.

Und musikalisch? Musikalisch war auf einmal wirklich alles möglich und ließ sich sogar in mehr oder weniger großen Stückzahlen an den Mann und an die Frau bringen: Schlager, Liedermacher, Humoristen, Klassik, Pop, Glam Rock, Hard Rock, Art Rock, Progressive Rock, Softrock, Jazzrock, Politrock, Electronic, Folk, West Coast, Country, Reggae, Funk, Soul, Disco, Jazz usw. usf.

Und dann dämmerte das Jahr 1977 herauf. In England (sprich: London) und den USA (sprich: New York) positionierte sich eine neue Form der Rockmusik, die sich Punk (laut Englischwörterbuch 'Mist' oder auch 'Blödmann') nannte, als zumeist rasend schnelle Mischform aus Glam und Hardrock daherkam und eine Weltanschauung propagierte, die eigentlich alles ablehnte, negierte, hasste, was kurz zuvor noch absoluter Konsens gewesen war, nämlich dass alles ging und irgendwie mehr oder weniger in Ordnung war.

Doch die Punkwelle war in England eigentlich recht schnell wieder vorbei und ging 1978 fließend in etwas über, das 'New Wave' genannt wurde und die populäre Musik der 80er bis in die Gegenwart entscheidend beeinflussen sollte.

In Deutschland reagierte man, wie fast immer, erst mit leichter Verzögerung, doch dann umso heftiger: Eine zumeist neue Generation von Musikjournalisten nahm vor allem in der Zeitschrift 'Sounds' das britische und amerikanische Phänomen begierig auf, erklärte Punk/New Wave quasi zur Religion, propagierte zugleich die Amateurisierung der zeitgenössischen Musik und betrachtete jede Form von Professionalität oder gar Virtuosität fortan als strafbares Vergehen. Es war eine Art mediales Bashing, bei der sich Hybris und Intoleranz zu einem zynischen Gebräu vermischten.

In West-Berlin, Hamburg und Düsseldorf wurde das neue Evangelium besonders begierig aufgenommen. Jugendliche und junge Erwachsene, darunter feinsinnige Denkernaturen ebenso wie Deppen, kleine Diebe und totale Chaoten, taten sich zu Bands zusammen, um eine Art Anti-Mainstream-Kultur zu etablieren, deren Sinnspruch hätte lauten können: 'Wir verachten eigentlich fast alles, inklusive uns selbst. Wir haben nix, wir können nix, wir wollen auch gar nix können - außer irgendwie kreativ zu sein'.

Hakenkreuz-Shirts und RAF-Sympathie, 'rotten look' und 20er-Jahre-Eleganz, Sadomaso und verklemmte Schüchternheit, alles war dabei.

Bis heute unfassbar bleibt die brutale, primitive körperliche Gewalt, mit der, vor allem in Düsseldorf (Ratinger Hof) und Hamburg (Markthalle, Karoviertel) sinnfreie Richtungskämpfe zwischen verfeindeten 'Interessengruppen' ausgetragen wurden. Es mutet wie ein Wunder an, dass dabei offenbar niemand bleibende körperliche Schäden erlitt oder gar zu Tode kam.

Viele der Protagonisten jener Jahre, übrigens zu etwa 85 % Männer, kommen in dieser unvergleichlichen Fleißarbeit des Journalisten und Schriftstellers Jürgen Teipel (Jahrgang 1961) ausführlich und ungehemmt zu Wort. Darunter finden sich diverse eigentlich längst vergessene, jedoch immerhin semilegendäre Figuren, aber auch prominente Köpfe wie Holger Czukay von Can (eines der wenigen deutschen Vorbilder der jungen Wilden), Ben Becker, Nina Hagen, die Humpe-Schwestern Annette und Inga, Campino, die Mitglieder der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft (= DAF), der Einstürzenden Neubauten, Journalisten wie Diedrich und Detlef Diederichsen und natürlich der schillernde Labelchef und 'Erfinder der Neuen Deutschen Welle' Alfred Hilsberg.

Wenn man sich die Mühe macht (und manchmal ist es wirklich Mühe!), dieses Werk tatsächlich von vorne bis hinten durchzulesen, entsteht aus einem oftmals spannenden, wegen diverser Redundanzen manchmal aber auch etwas anstrengenden Puzzle am Ende das Gesamtbild einer 'Bewegung', das in sich sehr widersprüchlich erscheint, am Ende jedoch ein faszinierendes Porträt ergibt - allerdings eines, das von Picasso gemalt sein könnte. Nach fast jedem Leseabschnitt (auf dem Klo, wo sonst!) drängte sich mir angesichts von Blut, Schweiß und Spucke unwillkürlich der Wunsch nach einer heißen, reinigenden Dusche auf.

Kurzum: Dieses Buch, das durch eine sehr empfehlenswerte, inzwischen fast nur noch zu Mondpreisen erhältliche Doppel-CD gleichen Namens flankiert wurde, ist wirklich die absolute Härte! ;-)


West End Coast [Vinyl LP]
West End Coast [Vinyl LP]
Preis: EUR 17,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen West Coast Rock aus dem Londoner West End, 13. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: West End Coast [Vinyl LP] (Vinyl)
Andy Platts (Gesang, Gitarren, Piano, Bass, Percussion) und Shawn Lee (Schlagzeug, Bass, Keyboards, Sitar) sind hierzulande vollkommen unbekannt. Gleichwohl haben beide zusammen genommen, aber getrennt voneinander angeblich bereits mehr als vierzig Platten veröffentlicht, wobei Platts mit seiner Band Mamas Gun 'im Jahr 2009 sogar zum meist gespielten internationalen Künstler in Japan' geworden sein soll.

Wie auch immer, jedenfalls taten sich die beiden musikverrückten Engländer anno 2012 zusammen, um ein Album aufzunehmen, das exakt genauso klingen sollte wie der legendäre Westcoast-Softrock der mittleren und späten siebziger Jahre, mit dem sich vor allem in den USA seinerzeit Abermillionen schwarze Scheiben an die Käufer/innen bringen ließ.

Der Titel ihres unter dem etwas sperrigen Bandnamen Young Gun Silver Fox veröffentlichten Debüts ist schon irgendwie genial: WEST END COAST, also 'West End' für den Londoner Stadtteil, in dem sie leben, und 'West Coast' für die US-amerikanische Westküste, an der zum Beispiel Städte wie Los Angeles und San Francisco liegen.

Wie es ausgerechnet zwei Engländern gelingen konnte, jenes lässige Feeling von Bands wie den Eagles, den Doobie Brothers (mit Leadsänger Michael McDonald), Steely Dan, Sea Level, Hall & Oates, America, Seals & Crofts und anderen perfekt zu reproduzieren und ins Jahr 2015 zu beamen, entzieht sich eigentlich jeder rationalen Erklärung. Aber genau das haben sie geschafft. Nebenbei: Ein bisschen Prince, Earth, Wind & Fire und Stevie Wonder ist bei diesem eigentlich sehr 'weißen' Yacht Rock, Soft Rock und eben West Coast Rock übrigens auch gelegentlich herauszuhören.

Kompositorisch können Platts (alias 'Young Gun') und Lee (alias 'Silver Fox') zwar nur gelegentlich mit den Klassikern der großen Vorbilder mithalten, so zum Beispiel mit dem auch als Single veröffentlichten Opener "You Can Feel It" (wie die Eagles und America im selben Studio) oder dem überragenden Closer, der epischen, leicht angejazzten Ballade "Long Way Back", die mit jedem Hören nur noch besser wird. Gleichwohl ist dies eine faszinierende Zeitreise in eine Ära, in der die USA nach Nixon und vor Reagan von vergleichsweise 'friedlichen' Präsidenten wie Gerald Ford und Jimmy Carter regiert wurden. Und schließlich haben auch die meisten der oben genannten Bands auf ihren Alben bei weitem nicht immer nur Geniales präsentiert.

Ich sag's mal so: Etwa 1975 bis 1980 wäre WEST END COAST zumindest in den USA wohl ein ziemlich erfolgreiches Album geworden. Heute weiß man jenseits des Atlantiks vermutlich nicht einmal von der Existenz dieser Scheibe und dieser Band.

Als Nostalgiker und Besitzer eines Plattenspielers ist es selbstverständlich, das Album als wirklich sehr schöne Vinylausgabe mit Klappcover zu erwerben, zumal man die (allerdings deutlich kraftvoller klingende) CD gleich noch als Zugabe mitgeliefert bekommt.


Just a Name
Just a Name
Wird angeboten von Music-Shop
Preis: EUR 22,66

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen 'Püppi, du bist verrückt!', 13. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Just a Name (Audio CD)
Bekannten Quellen zufolge wurde Eveline Hall am 25. Oktober 1945 in Greifswald geboren und wuchs in Hamburg auf; Vater Schauspieler, Mutter Tänzerin. Sie selbst folgte schon als Kind dem Beruf ihrer Mutter, um später 'Showgirl' in Las Vegas und danach Bühnenschauspielerin zu werden. Anfang 2011 wurde sie als ... nun ja: 'old model' entdeckt und stolziert seither über die Laufstege dieser Welt. Ihre Selbsteinschätzung lautet: diszipliniert, ehrgeizig, professionell, abenteuerlustig.

Und obwohl ihre inzwischen hoch betagte Mutter wohl gesagt hat: 'Püppi, du bist verrückt!', veröffentlichte die beeindruckend hagere Frau 2015 im offiziellen Alter von 69 Jahren ihr Debütalbum JUST A NAME.

Zusammen mit dem Produzenten, Songschreiber und Gitarristen Franz Plasa (in den Achtzigern Mitglied bei ... autsch ... Felix de Luxe) schrieb sie lauter ziemlich eingängige Drei- bis Vier-Minüter. Ihre angeraute Stimme erinnert dabei nicht nur wegen der erotischen 'vibrations' stark an die legendäre Eartha Kitt (1927-2008); allerdings vermeidet es Hall im Gegensatz zu Kitt, noch im hohen Alter eine Männer verschlingende Sexbombe darstellen zu wollen.

Wenn sie in zwei Songs Französisch singt, klingt sie hingegen ein wenig wie die noch legendärere Edith Piaf.

Klangmäßig merkt man der Scheibe leider immer wieder an, dass, wohl aus Sparsamkeitsgründen, vieles am Computer oder ... wie sagt man beschönigend: 'digital' aufgenommen worden ist. Daher höre ich das Album wohl auch am liebsten im Auto und nicht über die 'gute Anlage' im Wohnzimmer.

Echte Tiefe entsteht darum auch nur in Ausnahmefällen, wobei der absolute Höhepunkt aber seltsamerweise die mutige Coverversion von "Riders on the Storm" von den Doors darstellt (zufällig einer der besten Rocksongs aller Zeiten), der hier so klingt, als sei er von den Pet Shop Boys als grandiose Tanznummer arrangiert worden. Und gegen Ende gibt es dann sogar noch augenzwinkernde Keyboard-Reminszenzen an Michael Jacksons "Billie Jean". Grandios.

Weitere Highlights: die schöne Single "Carved Into a Stone", die Ballade "Drive Me Down" und das leicht funkige "Brothers and Sisters".

Über die zweite Coverversion, das über die Jahrzehnte total abgenudelte "House of the Rising Sun", kann man trefflich streiten und sich dabei fragen, warum Mrs. Hall ausgerechnet über einen Puff in New Orleans singen muss. Na gut, sei's drum!

In einem Interview wurde Eveline Hall gefragt, welche Rolle sie wählen würde, wenn Sie nochmal Theater spielen würde. Ihre Antwort lautete: 'Ich würde immer die Hässliche spielen, die Pechmarie. Die ist zickig und kann wenigstens etwas bieten. Jemand, der alles richtig macht, keine Ecken und Kanten hat, das ist nichts für mich'.

Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann wäre es, dass sie auf ihrem nächsten Album nicht lustiges Englisch, sondern authentisches Deutsch singen und dabei all ihre Persönlichkeit und Lebenserfahrung einbringen würde. Sozusagen als die Rock-Pop-Nachfolgerin von Marlene Dietrich. Darauf wäre ich wirklich gespannt.


Blackstar [Vinyl LP]
Blackstar [Vinyl LP]
Preis: EUR 21,99

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Loslassen, 8. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Blackstar [Vinyl LP] (Vinyl)
Freitag, 8. Januar 2016:
David Bowie begeht seinen 69. Geburtstag und veröffentlicht sein neues Studioalbum * [BLACKSTAR]. Obwohl ich mich ihm als Fan seit Kindertagen around 1972 immer noch irgendwie nahe fühle, interessiert mich das Album eher wenig. Die düsteren, scheinbar surrealistischen Videos zu den scheinbar schwer verdaulichen Singles "Blackstar" und "Lazarus" haben mich im Vorfeld eher verschreckt, als zum Kauf des Albums angeregt.

Montag, 11.01.2016:
Es ist ca. 8.15 Uhr an einem ungemütlich kalten Wintermorgen in Hamburg; ich sitze in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit und lese eine Zeitschrift. Schräg gegenüber auf der anderen Seite des Ganges sitzt ein Mann und telefoniert. Obwohl ich überhaupt nicht auf seinen Dialog achte, meine ich auf einmal die Wörter 'Bowie' und 'tot' zu hören. Ich merke auf. Nein, Unsinn, der Typ kann auch genauso gut 'Omi' und 'Brot' gesagt haben.

Es ist ca. 9.00 Uhr. Ich sitze an meinem Schreibtisch im Büro. Ein Kollege tritt in die offene Tür und sagt: 'Hast du schon gehört? David Bowie ist tot'. Ich starre ihn an und sage: 'Was?'. Er nickt nur und geht seiner Wege. Warum musste ich diese Nachricht gerade von dem hören? Und warum hat er es ausgerechnet mir erzählt? Er weiß doch gar nicht, dass ich Bowie-Anhänger bin.

Okay, auf Grund meines U-Bahn-Erlebnisses kann ich nicht behaupten, dass ich auf die Nachricht absolut und gänzlich unvorbereitet war, aber trotzdem trifft es mich jetzt wie ein Hieb. Nach einigen untätigen Minuten zünde ich ein Teelicht an und reminisziere die mehr als vier Jahrzehnte meines Lebens mit all den Songs und Alben von David Bowie, die ich immer noch so liebe. Und dann die Bowie-Ausstellung in Berlin, 2014. Grandios. Unvergesslich.

Freitag, 29.01.2016:
Die Top Ten der UK-Albumcharts gehören zur Hälfte David Bowie: Platz 1 * [BLACKSTAR], Platz 3 BEST OF BOWIE, Platz 5 NOTHING HAS CHANGED, Platz 9 HUNKY DORY, Platz 10 ZIGGY STARDUST. In den Top 100 befinden sich 18 (!) Bowie-Alben; darunter keines, das nach 1983 und vor 2013 veröffentlicht wurde. Die Schockwelle, die Bowies für weite Teile der Öffentlichkeit vollkommen unerwarteter Tod weltweit ausgelöst hat, befindet sich auf dem absoluten Höhepunkt.

Sonnabend, 06.02.2016:
Die bestellte Vinylausgabe von * [BLACKSTAR] wird endlich geliefert. Ich habe das Album zwar inzwischen diverse Male im Internet gehört, aber für einen erklärten Traditionalisten und Besitzer eines Plattenspielers gehört es sich einfach, die Scheibe als taktil abtastbares Medium zu besitzen. Und es lohnt sich ja, trotz des unverschämten Preises. Das Artwork, die hochwertige Verpackung, das großformatige, 16-seitige Booklet, die Pressqualität der 180-Gramm-LP: alles vom Feinsten, bis auf das leider von Knackern übersäte Ende von "Lazarus".

Und die Musik? Nun ja, ich wage zu behaupten, dass * [BLACKSTAR], wäre Bowie heute immer noch unter uns Gewöhnlichen, nicht in mehr als zwanzig Ländern auf Platz 1 der Albumcharts gegangen wäre, darunter sogar erstmals (!!) in den USA. Denn eigentlich ist das, was der, inzwischen längst auch äußerlich, alte Mann hier mit jungen Jazzmusikern aus New York produziert hat, so weit von jeder Hitparadentauglichkeit entfernt wie die Erde von irgendeinem schwarzen Stern in den Tiefen des Universums.

Aber, großes ABER: Wer wirklich zuhört, findet hier fast alles, was dieses unstete Genie in fünfzig Jahren so alles diesem Planeten geschenkt hat. Seine Stimme klingt jammernd alt, und sie klingt viril jung, seine rätselhaften Texte beschäftigen sich wie eh und je mit Sexualität und Tod, und ein letztes Mal erfindet er nach dem zumeist enttäuschenden 'Comeback'-Album THE NEXT DAY, das weitgehend nichts anderes war, als ein Update aus der Zeit um SCARY MONSTERS, eine neue musikalische Stilrichtung, die irgendjemand als 'Jazztronica' bezeichnet hat.

Menschen, die auf schräge Saxofonklänge abfahren (hier bedient von Donny McCaslin), werden auf * [BLACKSTAR] ihr Nirvana erleben. Da mich dieses Instrument (mit einigen Ausnahmen) von jeher eher nervt, habe ich mit manchen Passagen des Albums so meine Friktionen, aber das hängt auch von meinen Nerven und meiner jeweiligen Stimmung ab. Jedenfalls wünschte ich mir gelegentlich, dass ich einige der sieben Stücke von * [BLACKSTAR] einmal ohne Saxofon hören könnte.

Die beste Nummer ist ganz klar "Lazarus", eine melancholische, gleichwohl furiose Mischung aus New Wave, No Wave, Jazz-Rock und Reminiszenzen an das Finale von Supertramps genialem Stück "Crime of the Century". Hier ist auch der Saxofoneinsatz in seiner ganzen Vielfalt total stimmig. Ein letzter absoluter Bowie-Klassiker im Angesicht des Todes. Ungeheuerlich.

Gestern Nacht habe ich mir die Scheibe zwei Mal hintereinander in aller Ruhe zu Gemüte geführt (es ist eindeutig eine Nachtplatte!), und dazu liefen stumm im Fernsehen unfassbar beschämende Zeugnisse der 'hessischen Fassenacht' aus den sechziger bis zu den neunziger Jahren. Dieser totale und absolute Kontrast hätte David Bowie ganz bestimmt allerhöchstes Vergnügen bereitet. :-)

'Seeing more and feeling less / Saying no but meaning yes / This is all I ever meant / That's the message that I sent / I can't give everything / I can't give everything / Away'.

David Bowie, der scheinbar Unsterbliche, musste letztlich doch alles loslassen. Wie wir alle, irgendwann. Er zumindest hat es wunderbar souverän getan und mit * [BLACKSTAR] dem Begriff 'Existenzialismus' eine ganz neue Bedetung gegeben. Jetzt kann ich auch endlich um diesen großen Verlust in meinem Leben weinen.

Vier Sterne für die Musik und einen weiteren für das fantastische Artwork des Vinylalbums.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 17, 2016 11:41 AM CET


Discovery (2015 Remastered, Deluxe Edition, 2 CD + DVD)
Discovery (2015 Remastered, Deluxe Edition, 2 CD + DVD)
Preis: EUR 18,99

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Irgendwie ja und irgendwie nein, 3. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wenn, dazu noch ziemlich unerwartet, ein Album als aufwendige 'Deluxe Edition' wiederveröffentlicht wird, das einem, aus teilweise sehr persönlichen Gründen, so viel bedeutet wie DISCOVERY von Mike Oldfield, dann kann man gar nicht anders, als es auch zu kaufen. Das ist so wie ein Fliegenfänger, dessen Leim die arme Fliege absolut nicht mehr loslässt. Und von 'Deluxe' erwartet man natürlich auch 'Deluxe'.

CD 1 bietet zunächst das in den Schweizer Alpen aufgenommene und in Frank Farians Frankfurter Studio gemischte Originalalbum von 1984 in remasterter Form. Sie fragen, was das Remastering gebracht hat? Nun ja, vielleicht ist der Klang ein wenig differenzierter geworden und der Bass ein bisschen dominanter. Große Unterschiede zu der bereits in den 80ern veröffentlichten CD hört man aber kaum heraus.

Als Bonus Tracks gibt es das seinerzeit als Maxi-Single veröffentlichte "To France" in der allseits bekannten langen Version mit dem wunderbaren "In the Pool" und dem unheimlichen "Bones" als B-Seiten sowie die B-Seiten-Stücke der Maxi von "Tricks of the Light", nämlich das sehr hübsche "Afghan" und eine durchaus originelle Instrumentalversion von "Tricks of the Light". Da ich die Maxis damals nicht gekauft hatte, freue ich mich über die mir bisher unbekannten vier Stücke sehr.

Auf der zweiten CD findet sich die großspurig betitelte und mit Spannung erwartete 'The 1984 Suite'. Diese besteht aus Stücken von DISCOVERY und dem ebenfalls 1984 veröffentlichten Soundtrack zu dem englischen Spielfilm "The Killing Fields - Schreiendes Land" über die Terrorherrschaft der kommunistischen 'Roten Khmer' im Kambodscha der siebziger Jahre.

Was das Ganze soll, weiß der Himmel. Auch wenn der wahre Fan hier mit der längeren und zum Teil anders instrumentierten Version des von mir geliebten Instrumentalstücks "The Lake" (13:43 statt 12:11 Minuten) und einem bisher unbekannten Mix des Songs "Discovery" bekannt gemacht wird, ist diese sogenannte 'Suite' letztlich eine Enttäuschung, und das von Oldfield ... nun ja ... gesprochene "Zombies", eine neu betitelte Version des DISCOVERY-Titels "Poison Arrows", muss einfach nur als schlechter Witz bezeichnet werden.

Die DVD präsentiert die "1984 Suite" in 24-Bit-Stereo (Superklang!) und 5.1 Surround (kann ich mangels entsprechenden Equipments nicht beurteilen) sowie drei Videos zu den 1984 veröffentlichten Singles "To France" (aus irgendeiner grässlichen ausländischen Fernsehshow), "Tricks of the Light" und "Étude" (jeweils als Originalvideo) in mäßiger Bild- und sehr guter Klangqualität. Das kann man sich aber auch jederzeit im Internet ansehen.

Im Rahmen der aufwendigen 'Discovery-Tour' trat Mike Oldfield 1984 allein über 20 Mal in Deutschland auf. Ich ärgere mich bis heute, dass ich damals nicht dabei war und hätte mich sehr gefreut, wenn diese 'Deluxe'-Version zumindest ein paar Eindrücke davon in Bild und/oder Ton präsentieren würde. Doch leider: absolute Fehlanzeige.

Das Booklet enthält ein ausführliches, sehr interessantes, 5-seitiges Essay von Mark Powell über das bewegte Oldfield-Jahr 1984 inklusive vieler Kommentare des Meisters höchstselbst, ist aber ansonsten recht lieblos gemacht. Unveröffentlichte Fotos? Songtexte? Chartplatzierungen? Nichts davon.

Das rätselhafte, unscharfe Coverfoto wurde deutlich aufgehellt und zeigt nun endlich Oldfields Gesicht und den Hals seiner Gitarre etwas deutlicher als im Original.

Kann man also letztlich mit dieser 2-CD-/1-DVD-Version von DISCOVERY zufrieden sein? Irgendwie ja und irgendwie nein.

Und jetzt schmeiß' ich noch mal den Player an und genieße in guter Lautstärke die ersten zweieinhalb Minuten von "In the Pool". :-)
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 20, 2016 2:58 PM CET


Blue Neighbourhood (2 LP) [Vinyl LP]
Blue Neighbourhood (2 LP) [Vinyl LP]

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lost Boy, 1. Februar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Blue Neighbourhood (2 LP) [Vinyl LP] (Vinyl)
Als der 20-jährige Australier Troye Sivan 2015 das Minialbum WILD veröffentlichte, war seine Botschaft eindeutig: 'I think the most important thing to me at this point in my career is being able to be honest in my songwriting - and these songs are about boys'.

Für weltweites Aufsehen hatte die 1995 in Südafrika als Troye Sivan Mellet geborene Zuckerschnute jedoch bereits spätestens im August 2013 gesorgt, als der kommunikative Bengel im Internet wortreich und anrührend sein Coming Out verkündete. Inzwischen wurde dieses Video fast sechseinhalb Millionen Mal angeklickt.

Der junge Schauspieler und Sänger ist, wenn man's recht bedenkt, das erste offen schwule männliche role model in der Popmusik seit Jimmy Somerville, der seine Karriere vor mehr als dreißig Jahren bei Bronski Beat begann und später mit The Communards weitere große Erfolge feierte.

Mit seinem lange angekündigten Debütalbum BLUE NEIGHBOURHOOD leistet sich Sivan die veritable Frechheit, die sechs Songs von WILD gleich am Anfang noch einmal unverändert zu verwursten. Danach folgen neun weitere Titel sowie (in einigen Versionen der Scheibe) ein Bonustrack mit einem Remix des Ohrwurms "Wild".

Troye Sivan macht modernen Pop. Elektropop, um genauer zu werden; mal uptempo und dann wieder melancholisch. Seine Stimme ist sicherlich nicht die größte unter der Sonne, aber sympathisch und respektabel. Gelegentlich unterstützen ihn Gastsänger/innen. Seine Texte zeugen von frühen Verletzungen und geben gelegentlich schon einen Ausblick auf spätere Reife, wenn er zum Beispiel in "Suburbia" zurückblickt auf seine Kindheit und Jugend: 'Yeah, there's so much history in these streets / And mama's good eats / And Wonder on repeat / There's so much history in my head / The people I've left / The ones that I've kept'.

Nicht alles hier ist große Kunst, aber der Junge kann zweifellos Melodien, die man nicht mehr vergisst. Und nicht nur Songs wie "Bite", "Talk Me Down", "Suburbia" oder der klare Single-Kandidat "Lost Boy" weisen auf ein Potential hin, das sich im Laufe der Jahre noch weiter entwickeln dürfte. Vielleicht wird er dann auch vermehrt 'natürliche' Instrumente entdecken und seiner Musik damit noch mehr Dimensionen erschließen.

Das hochwertige Doppel-Vinyl-Album (gepresst in Tschechien) kommt in einem einfachen Cover daher und bietet einen 60x30 cm-Druck des wunderbaren Cover-Gemäldes, auf dessen Rückseite die Songtexte abgedruckt sind. Der Klang ist kraftvoll und gleichzeitig leicht und schwebend. Wer einen Plattenspieler sein eigen nennt, sollte sich daher unbedingt die Vinylausgabe leisten. Es lohnt sich.

BLUE NEIGHBOURHOOD erreichte in den USA, in Australien und Neuseeland die Top Ten, während das Album hierzulande lediglich Platz 73 (!) der Albumcharts belegte. Ich finde das fast unglaublich. Sollten Medien wie 'BRAVO' und Co. da etwa schmählich versagt haben? Oder woran lag es sonst? Ich habe keine wirkliche Erklärung. Denn die folgenden Worte aus seinem Song "Lost Boy" sollten doch wirklich nur reine Koketterie sein, oder? 'I'm just a lost boy / Not ready to be found'.


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