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H.Schwoch "hschwoch"
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IV (Limited Colored Vinyl Edition) [Vinyl LP]
IV (Limited Colored Vinyl Edition) [Vinyl LP]
Preis: EUR 27,99

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Weltraum ruft Bakersfield", 9. April 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Als ich vor Jahren das zweite Album dieser 2004 in Vancouver/Kanada gegründeten Band rezensierte, bezeichnete ich sie als 'Musikverrückte', die auf IN THE FUTURE einen genüsslichen Trip von Pink Floyd über Led Zeppelin, New England bis hin zu Siouxsie & the Banshees und diversen Rockbands der 90er-Jahre durchzogen. Was ihnen damals allerdings noch abging, war die Fähigkeit, Songs zu schreiben, an die man sich erinnern konnte.

Seither sind gut acht Jahre und - außer einem Filmsoundtrack - nur ein weiteres Album ins Land gegangen, das an mir vorbei ging. Und nun also IV. Die Kritiken in den Rockzeitschriften meines Vertrauens klangen absolut Vertrauen erweckend, und so entschied ich mich, die Vinylversion zu erwerben, welche aus zwei schneeweißen, hervorragend gepressten LPs besteht. Den Download-Code gibt es gratis dazu.

Das Cover-Artwork erinnert in herrlichster Weise an die Arbeiten von Hipgnosis aus den 70ern, stammt aber von Bandmitglied und Wunderkeyboarder Jeremy Schmidt.

Jetzt aber endlich zur Musik: Der Opener "Mothers of the Sun" beginnt mit Synthie-Tupfern, die von einem patentierten Black Sabbath-Riff abgelöst werden. Dies wird aber schon nach kürzester Zeit durch sanften Mädelgesang ersetzt (Amber Webber heißt die Begnadete), ehe Stephen McBean (Gitarre, Gesang) das Vokale übernimmt, bis dann kurzfristig die Moody Blues aufzuspielen scheinen. Folgend: ätherischer Hintergrundgesang, Hammondorgel, Bluesrockgitarre, dann wieder das Sabbath-Riff, himmlisch schwebende Keyboards und so weiter und so fort. Fazit: achteinhalb faszinierende Retrominuten.

Der zweite Song heißt "Florian Saucer Attack" und ist eine astreine 1980/81-Wave-Pop-Rock-Nummer mit straighten Gitarren, herrlichen Synthies und einer Stimme, die an Toyah oder Hazel O'Connor erinnert. Hat man das erwartet? Ganz sicher nicht. Aber das macht es ja gerade so gei ... äh ... überraschend!

"Defector" beginnt wie eine Art Blues Rock mit Flower-Power-Einflüssen (Jefferson Airplane?), ehe auf einmal astreine Rick Wright-Keyboards ertönen, die auch auf DARK SIDE OF THE MOON oder WISH YOU WERE HERE nicht wirklich gestört hätten. Eine Supernummer!

"You Can Dream" ist eine Melange aus Psychedelic-New-Wave-Pop mit hüpfenden/bombastischen Synthies und Achtziger-Gitarrensoundwänden. Großartig.

Auf "Constellations" mischt sich ein simples T.Rex-Riff irgendwo zwischen "Get It On" und "20th Century Boy" mit Frühachtziger-Synthies und Webbers klarer Stimme.

"Line Them All Up" beginnt als akustische Ballade, ehe sich majestätisch schwebende Keyboards einmischen. Und Amber Webber singt hier wie eine Zwitterin aus Björk und Annie Haslam.

"Cemetry Breeding" wird von McBean gesungen und ist ein Synthie-Pop-Ohrwurm mit unglaublich düsterem Text.

Der scheinbar unscheinbarste Titel heißt "Crucify Me", entwickelt sich aber nach mehrmaligem Hören zu einer sehr hörenswerten Ballade irgendwo zwischen Led Zeppelin und Pink Floyd.

Und nun zu den beiden absoluten Highlights dieses unglaublichen Albums. Da wäre zunächst "(Over and Over) The Chain": Minutenlang wähnt man sich zunächst bei Tangerine Dream, dann erklingt ein sich ständig wiederholendes, hypnotisches Gitarrenriff, das man nie mehr wieder vergessen wird; dann singen McBean und Webber göttlich zusammen, dann mischen sich magische Keyboards und ein überirdisches Gitarrensolo, ehe das Stück nach fast neun Minuten zu seinem erneut an Tangerine Dream erinnernden, sanften Finale findet. Unbeschreiblich.

Und schließlich "Space to Bakersfield" ('Weltraum ruft Bakersfield'), der noch unbeschreiblichere Albumcloser mit noch magischeren Keyboards und einem noch überirdischeren Gitarrensolo - so, als ob eine ferne Galaxie ganz langsam in sich zusammenfallen würde. Dieses Stück macht einen einfach nur fassungslos, und man möchte es fortan immer wieder hören. 'Are you listening?' fragt Amber Webber ganz am Ende - fast zweifelnd, so scheint es jedenfalls.

Ja, wir hören zu, Amber, und zwar bis in alle Ewigkeit, denn IV ist trotz oder gerade wegen seiner vielfältigen, scheinbar höchst widersprüchlichen musikalischen Einflüsse ein Geniestreich geworden. Die Band bezeichnet ihre Musik zu Recht als 'Spaced Age Rock'n'Roll'. Und noch eines: Black Mountain können jetzt auch Melodien. Und was für welche!

PS: Unter keinen Umständen sollte man die wunderbaren Videos zu "Mothers of the Sun" und "Florian Saucer Attack" verpassen.


Super
Super
Preis: EUR 9,49

1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vier Nostalgiesterne, 5. April 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Super (MP3-Download)
Vor genau dreißig Jahren kam das erste Album von Neil Tennant (heute 61 Jahre alt) und Chris Lowe (56) auf den Markt: PLEASE, ein zeitgenössisches Synthiepop-Meisterwerk mit den unsterblichen Singlehits "West End Girls" und "Love Comes Quickly" sowie grandiosen weiteren Songs wie dem bombastisch-atemlosen Opener "Two Divided by Zero", "Tonight Is Forever" (leider keine Single), "Violence" oder "Later Tonight".

Ihre Mission in den nächsten, überaus erfolgreichen achtziger und frühen neunziger Jahren lautete: große Kompositionen, intelligente Texte, sorgfältig ausgewählte und genial überarbeitete Coverversionen ("Always on My Mind"!), Tanzbarkeit, Überschwang, Melancholie und, nicht zu vergessen, 'Let's make lots of money'.

Dass es sie heute - und das ohne jede Unterbrechung - immer noch gibt, ist ein kleines Wunder. Selbst nach dem schmerzhaften Verlust ihres Jahrzehnte währenden Plattenvertrages bei der EMI im Jahre 2012 machte das ewige Duo mit dem höchst zweideutigen Namen Pet Shop Boys ungebrochen weiter.

Ihr letztes Album ELECTRIC von 2013 war eine gelungene Reminiszenz an ungezählte Nächte in den Discos (respektive Clubs) und erreichte mit Platz 3 in England und Platz 26 in den USA ihre höchsten Chartpositionen seit zwanzig Jahren, obwohl die Verkaufszahlen vielleicht ein Zehntel jener von damals ausmachten. In Deutschland belegten sie Platz 3 und in Norwegen sogar die Spitze der Albumcharts.

Und nun also SUPER. Ein typisch britisch-selbstironischer Titel, oder? Ja, in der Tat.

Ein Fehler, den Tennant/Lowe in ihrer langen Geschichte nur sehr selten gemacht haben, tritt am Anfang ihres dreizehnten Studioalbums gleich gehäuft auf, nämlich Smartness und dezente Weltverachtung einem allzu simplen Konzept von Pop zu opfern.

Der Opener und gleichzeitig die erste (?) Single (aber was bedeutet heute noch der ehemals heilige Begriff 'Single'?) heißt "Happiness" und hinterlässt einen mit ihrer Mischung aus gewollter Naivität und nervigen Effekten absolut ratlos.

Fast gleichzeitig als zweite (oder doch erste?) 'Single' erschienen, ist "The Pop Kids" von ähnlich zweifelhafter Qualität. 'They called us the pop kids / 'cause we loved the pop hits' behauptet Tennant und meint damit laut Songtext aber nicht die Siebziger oder frühen 80er, sondern die 90er, als Pop fast keine Rolle mehr spielte und die beiden Musiker zudem schon lange keine 'Kids' mehr waren.

Noch schlimmer wird's dann mit "Twenty-Something", einem zwar textlich großartigen, aber musikalisch höchst mediokren Popschlager. Es schüttelt einen geradezu beim Hören, ähnlich wie bei dem vollkommen nichtssagenden Hausmeister-House von "Groovy".

Beim fünften Track kommt dann endlich Erleichterung auf: "The Dictator Decides" ('Der Diktator entscheidet') dürfte von Nordkorea handeln und macht Station zwischen Kraftwerk, Jean Michel Jarre und diversen Pet Shop Boys-Klassikern. Klasse.

Mit dem kurzen "Pazzo!" geht's ab in Richtung Yello. Aber mag ich die Nummer? Hm.

Wo waren wir? Ach ja, bei Yello! Auch "Inner Sanctum" bedient sich u.a. bei Boris Blank und Dieter Meier, diesmal aber wirklich überzeugend. Ein schönes Stück, irgendwo zwischen Erhabenheit und Tanzbarkeit.

"Undertow" gehört zur Kategorie 'respektable Ohrwürmer' und wäre ca. 198(x) ein Hit geworden.

Was soll man zu "Sad Robot World" sagen? Ganz nett? Ja, durchaus. Langweilig? Schnell vergessen? Ja, in diese Richtung geht es wohl eher.

"Say It to Me" ist als kleiner Ohrwurm okay, weckt Erinnerungen an die 90er und hätte damals, ebenso wie das folgende "Burn" in den Clubs unter den Sternen von Ibiza bis Gran Canaria für eifrig zappelnde Leiber gesorgt: 'We're gonna burn this disco down before the morning comes'. Genau.

Schließlich dann noch "Into Thin Air", ein eher melancholisches Stück mit leider erneut etwas nervigem Rhythmus. 'We'll leave this all behind us / We'll vanish / No one will know where / Into thin air'.

Ja, irgendwann werden sie uns verlassen, die guten alten Pet Shop Boys (die Bezeichnung 'Boys' war schon damals eher zweifelhaft und ist heute umso lustiger), aber noch halten sie durch. SUPER ist im Gesamtergebnis zwar alles andere als super, für die guten alten Fans von Mitte der Achtziger bis heute aber trotzdem ein weiteres insgesamt befriedigendes Album.

Vier Nostalgiesterne. Ohne "The Dictator Decides", "Inner Sanctum" und "Undertow" hätte es allerdings bestenfalls zu dreien gereicht.


Morning+Bonus Track
Morning+Bonus Track
Wird angeboten von numusi
Preis: EUR 9,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Talent und Charme, 27. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Morning+Bonus Track (Audio CD)
Nach ihrem auf einem Billiglabel erschienenen Debütalbum SEASONS von 1971 und vielen erfolgreichen Konzerten erhielten Wind aus dem beschaulichen Frrranken im Jahr danach einen Vertrag bei der CBS und veröffentlichten im Sommer 1972 den Nachfolger MORNING.

Dem progressiven Hardrock ihres Erstlings (vor allem im Stile von Deep Purple und Uriah Heep) folgte ein doch recht überraschender Stilwechsel, denn MORNING klang erheblich softer, spielerisch leicht, manchmal epischer, manchmal aber auch poppiger. Ein seltsamer Wandel, an den sich die Fans sicherlich erst einmal gewöhnen mussten. Selbst die Stimme von Leadsänger Bernd ('Steve') Leistner präsentierte sich verändert und erinnerte nun an eine Mischung aus Cat Stevens ("Tommy's Song"!), Roger Chapman und Peter Gabriel.

Herausragend sind bis heute die Longtracks "Dragon's Maid" (8:39) und "Carnival" (7:56), denen die Kenntnis von Bands wie Genesis, King Crimson und den Moody Blues deutlich anzuhören ist; letzeres vor allem wegen des flächendeckend eingesetzten Mellotrons.

Der Opener "Morning Song" klingt stark nach den späten Sixties, ebenso wie "Puppet Master", während das ulkige "Schlittenfahrt" mit Bee Gees-Piano und Chören irgendwo zwischen Beach Boys und Les Humphries Singers sich nicht so richtig entscheiden kann, wozu es eigentlich gut sein soll.

Ein ganz ... äh ... besonderes Stück ist "The Princess and the Minstrel" mit von akustischen Gitarren, Flöte und Mellotron begleitetem Sprechgesang in schlechtem Englisch und einem sehr eingängigen Refrain. Das hätte damals ein richtiger Hit werden können! Ich vermute, dass der gute alte Oliver Bendt sich dieses Stück recht oft angehört hat, bevor er seine Goombay Dance Band gründete und 1980 mit "Sun of Jamaica" einen gigantischen Erfolg landen konnte.

MORNING wurde hingegen kein Erfolg, und so beendeten Wind mit einem Konzert am 23.12.1972 in der Erlanger Stadthalle viel zu früh ihre 'Karriere'.

Doch Halt: 1973 erschien noch eine erfolglose Single, eine Petitesse namens "Josephine", die sie sogar im Fernsehen vorstellen durften ('Hits à Gogo'), und die dieser CD als Bonustrack beigefügt wurde. Hier erinnerten sie an die damals sehr erfolgreichen Mungo Jerry.

Wind hatten eine Menge Talent und Charme, waren letztlich aber der übermächtigen Konkurrenz aus England und den USA nicht gewachsen. Zitat: 'Wir mussten teilweise von nur 60,- DM im Monat leben. Ohne unsere Mädels, die uns unterstützen und fütterten, wäre nichts gelaufen. Der Gerichtsvollzieher war oft Gast im Proberaum'.


Wind
Wind
Preis: EUR 21,64

4.0 von 5 Sternen Von hart bis zart, 26. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wind (Audio CD)
Wind wurden, nach einer abenteuerlichen Vorgeschichte, die bis ins Jahr 1964 zurück geht, Anfang 1971 gegründet, als vier Musiker aus dem Nürnberger Raum einen neuen Leadsänger namens 'Steve' (eigentlich Bernd) Leistner verpflichteten und noch im selben Jahr ihr Debütalbum aufnehmen durften, das damals auf einem Billig-Label erschien und somit auch in Supermärkten und Tankstellen verscheuert wurde.

Das Albumcover vermittelte den Eindruck, dass hier eine Band namens Seasons ein Album namens WIND veröffentlichte, doch es war genau anders herum. Musikalisch waren Wind heftig von damals angesagten progressiven Hardrock-Bands wie Deep Purple und vor allem Uriah Heep beeinflusst, denn ihr Keyboarder Lucian Büeler orientierte sich eindeutig mehr an Ken Hensley als an Jon Lord, und in Nummern wie dem Opener "What Do We Do Now" und "Dear Friend" wurde der Einfluss des Heep-Klassikers "Gypsy" mehr als deutlich.

Wind waren indes sehr wohl in der Lage, vielfältige, differenzierte eigene Kompositionen zu präsentierten, die zwischen 1:35 min. (das hübsche, piano-dominierte Instrumentalstück "Romance") und sechzehn Minuten ("Red Morningbird") alles von hart bis zart zu bieten hatten. Letztere Nummer hatte von einer "Spiel mir das Lied vom Tod"-Harmonika über sehr epische Passagen bis hin zu leider etwas nervigen Gitarrensoli unglaublich viel zu bieten.

Dass mir Leistners raues, ungeschliffenes Organ nicht sonderlich gefällt, ist halt mein persönliches Problem und angesichts der Gesamtleistung dieser Band auch ziemlich unwichtig. Wind hätten es damals, 1971, allemal verdient gehabt, so richtig abzuheben, doch leider blieb ihre Popularität aus rätselhaften Gründen stets auf den norddeutschen Raum um Hamburg herum begrenzt.

In jedem Fall sind SEASONS und auch das viel sanftere, zweite (und letzte) Wind-Album MORNING von 1972 eine Wieder- bzw. Erstentdeckung allemal wert.


Brothers and Sisters of the Eternal Son
Brothers and Sisters of the Eternal Son
Preis: EUR 11,29

5.0 von 5 Sternen Singer-Songwriter-Indie-Psychedelic-Folk-Rock, 26. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Damien Jurado? Es gibt immer noch wieder neue Namen, neue Musik zu entdecken! Bis vor ein paar Tagen war mir dieser Sänger und Gitarrist vollkommen unbekannt, obwohl die Ende 1972 in Seattle geborene, irgendwie typisch amerikanische Couch Potao bereits seit seit rund zwanzig Jahren im Musikgeschäft aktiv ist und seither allein ein Dutzend Alben unter seinem eigenem Namen veröffentlicht hat.

Sein Stil wird als 'Singer-Songwriter', 'Indie Folk', 'Psychedelic Folk', 'Folk Rock', gelegentlich auch als 'Americana' bezeichnet, und das ist, bis auf Letzteres, für dieses Album auch alles irgendwie in Ordnung.

Diverse Songs beginnen mit akustischen Gitarren wie Simon and Garfunkel-Nummern, um dann zumeist doch in eine andere Richtung zu gehen. Besonders reizvoll sind neben Pianoklängen die immer wieder verwendeten, schwebenden Tasteninstrumente (Mellotron?), die an die Moody Blues zu Zeiten von TO OUR CHILDREN'S CHILDREN'S CHILDREN von 1969 erinnern. Das akustische "Silver Joy" klingt wie eine Mischung aus "Out and In" (The Moody Blues), den schon erwähnten Simon and Garfunkel bis hin zu aktuellen Bands wie den Fleet Foxes.

Doch da sind auch Namen wie die Beatles ("Suns in Our Minds"), Townes Van Zandt ("Silver Katherine") bis hin zu Deep Purple (!!) im Spiel, wenn Jurado in dem akustischen, vokal verfremdet klingenden "Jericho Road" auf einmal Ian Gillans legendäres 'Uuuh Uuuh Uuuh' aus "Child in Time" zitiert. Und mit dem wunderschönen "Metallic Cloud" erreicht Jurados große Songwriterkunst ihren Höhepunkt.

Die acht Bonustracks wirken wie Demos, man könnte aber auch sagen wie in jedem Sinne 'alternative' Versionen, die manchem Hörer vielleicht sogar lieber sein mögen, während ich eindeutig die liebevoll ausproduzierten Songs des Originalalbums bevorzuge.

Alles in allem: ganz wunderbar!


In the Aeroplane Over the Sea
In the Aeroplane Over the Sea
Preis: EUR 15,99

4.0 von 5 Sternen Der Charme des Unperfekten, 21. März 2016
Rezension bezieht sich auf: In the Aeroplane Over the Sea (Audio CD)
Seit Jahren hat mich IN THE AEROPLANE OVER THE SEA auf einer meiner Lieblings-Musik-Homepages verfolgt, weil dieses Album dort fast 20.000 Ratings und über 900 Rezensionen aufweisen kann. 'Erfolgreicher' sind Radiohead, Nirvana mit NEVERMIND, Led Zeppelin IV; in etwa mithalten können Pink Floyd, während Namen wie David Bowie, U2, Metallica oder AC/DC keine Chance haben.

Klingt absurd und ist es auch, denn welche Sau kennt hierzulande schon eine Band namens Neutral Milk Hotel, die irgendwann in den späten achtziger Jahren in einer Kleinstadt namens Ruston in Louisiana gegründet wurde und insgesamt nur zwei Alben veröffentlicht hat?? Aber wer würde ob solcher Resultate nicht neugierig auf ihre letzte und legendärste Platte werden, die vor mittlerweile 18 Jahren veröffentlicht wurde? Also habe ich mir diese geheimnisvolle Scheibe nun endlich mal angehört, und zwar nicht nur einmal, sondern diverse Male.

IN THE AEROPLANE OVER THE SEA ist im Wesentlichen das Werk des 1970 geborenen Bandgründers, Songschreibers, Leadsängers und Gitarristen Jeff Mangum (nicht Magnum!). Als das Album im Februar 1998 erschien, war er 27 Jahre alt, aber seine ungeübte Stimme, die manchmal ins Bodenlose abzukippen schien, dies aber dann stets doch irgendwie zu vermeiden wusste, klang noch um einiges jünger.

Seine Songs wechselten von hübschem Singer- Songwriter-Pop mit ganz viel schrammelnder akustischer Gitarre hin zu von teilweise schrägen Bläsern durchwirkten, deklamatorisch wirkenden Passagen, die mich zum Beispiel an New Orleans, Tom Waits oder gar an Brecht/Weill'sche Theatralik erinnern. Manchmal fetzt es auch einfach, aber das dann doch eher selten. Man muss sich nur einlassen auf diesen Charme des Unperfekten, und dann tut es auch gar nicht weh. Ganz im Gegenteil.

Auf welche Weise IN THE AEROPLANE OVER THE SEA sich letztlich fast weltweit einen Ruf wie Donnerhall erworben hat, bleibt trotzdem unklar, denn es gibt sicherlich Tausende von 'schlechteren', aber eben auch Tausende von 'besseren' Alben.

Fazit: knappe vier Sterne für vierzig enthusiastisch-unterhaltsame Minuten, die zweifellos Leben in jede Bude bringen.


Morgen hör ich auf - Alle 5 Folgen [2 DVDs]
Morgen hör ich auf - Alle 5 Folgen [2 DVDs]
DVD ~ Bastian Pastewka
Preis: EUR 15,39

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Guter alter Cookie, 20. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Seit Jochen Lehmann das 1928 in Bad Nauheim gegründete und mit den Jahren zu einem Riesenbetrieb ausgebauten Druckereiunternehmen von seinem verstorbenen Schwiegervater übernommen hat, ist es damit stetig bergab gegangen. Lehmann hat nur noch einen einzigen Angestellten behalten, der sich regelmäßig mit einer Knallmischung aus Alkohol und Tabletten ins Nirvana verabschiedet. Der einzige aktuelle Auftrag besteht aus 70 Einladungskarten im Gesamtwert von 53,72 .- €, den der jugendliche Kunde am liebsten auch noch in Raten abstottern möchte.

Die Familie Lehmann, bestehend aus Jochen, seiner verwöhnten und immer noch rassigen Gattin Julia sowie drei mehr oder minder wohlgeratenen Kindern, wird von finanziellen Verbindlichkeiten in Höhe von 125.000 .- € gedrückt. Die Hausbank will schon längst keine Umschuldungen oder neuen Kredite mehr bewilligen.

Als Jochen eines Tages in seiner Druckerei einen Fünfziger in der Hand hält, kommt ihm in seiner Not eine Idee: Er beginnt, Falschgeld herzustellen. Und schon kurze Zeit später fängt das Verhängnis in Form einer sich stetig steigernden Kette von Ereignissen an, die seine ebenso friedliche wie langweilige Durchschnittsexistenz ganz gehörig ins Wanken bringen wird.

Dieser Plot hört sich nicht nur spannend an, sondern er wird auch ebenso spannend umgesetzt. Bastian Pastewka (43), bisher als zu Recht verehrter Comedian, bis zur Halskrause vollgestopft mit einem ganzen Universum an herrlich unnützem Wissen, bekannt und berühmt, traute sich hier über fünf Folgen und fünf Stunden eine Rolle zu, in der er einerseits bemerkenswert konsistent seine tragikomischen Fähigkeiten bewahrt, die ihn andererseits aber weit über sein bisheriges Schaffen hinaus trägt.

Ein immer wiederkehrendes symbolisches Bild in dieser Serie ist der Hamster 'Cookie' in seinem Laufrad. Cookie verkörpert das Abbild von Jochen Lehmann alias Pastewka, dem dicklichen Nerd mit Hamsterbacken und Doppelkinn, der sich anerkennungslos für Familie und Eigenhaus abstrampelt.

Als der Hamster in der letzten Folge verstirbt und die kleine Tochter bei seiner Beerdigung im Garten eine Trauerrede verlangt, spricht Jochen Lehmann eigentlich über sich selbst: 'Cookie war ein toller Hamster. Er ist Tag für Tag in seinem Rad gestrampelt, ohne sich je zu beklagen. Bis es zu viel war für sein goldiges Herz. Guter alter Cookie!'. Und quasi direkt nach dieser anrührenden Szene beginnt das lange, furiose Finale einer Serie, die im deutschen Fernsehen neue qualitative Maßstäbe setzt.

"Morgen hör ich auf" wird getragen von einem fabelhaften Drehbuch, durchdacht bis ins kleinste Detail, einer grandiosen Regie, einer großartigen Kamera, liebevollster Ausstattung und einem durch die Bank phantastischen Ensemble an lustvoll agierenden Schauspieler/innen. Neben Pastewka überragen dabei vor allem Susanne Wolff als Lehmanns partiell untreue Ehefrau, die, als ihr im Polizeirevier ein Kaffee angeboten wird, wie selbstverständlich um einen Latte macchiato bittet; Georg Friedrich als schmieriger Kleingangster Damir Decker mit österreichischem Akzent, der zum Alptraum des Ehepaares Lehmann und ironischerweise zum Kumpel ihrer Kinder wird; Alexander Scheer als aalglatter, korrupter Frankfurter Karrierepolizist im young fashion style und - vor allem in der letzten Folge - Moritz Jahn als heftig pubertierender Sohnemann Vincent Lehmann, der 'Marsboy'-Comics liest und nicht nur Probleme mit seiner sexuellen Identität zu haben scheint.

Diese ZDF-Serie ist ein realistisches Märchen oder, ganz nach Belieben, märchenhafter Realismus; eine geniale Dramödie der Premiumklasse. Der erste Samstag nach dem Ende des Fünfteilers war demzufolge irgendwie sinnlos und leer. ;-)

Wird es eine Fortsetzung geben? Man weiß es nicht, aber die Grundlagen dafür sind allemal angelegt. Es wäre wirklich zu und zu schön.


Dein ist mein ganzes Herz
Dein ist mein ganzes Herz
Preis: EUR 2,79

2.0 von 5 Sternen Missratene Wiederbelebung eines Klassikers, 12. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dein ist mein ganzes Herz (MP3-Download)
Als Heinz Rudolf Kunze am 23.12.1985 mit "Dein ist mein ganzes Herz" erstmals die deutschen Singlecharts enterte, nachdem der Titel bereits wochenlang im Radio zu hören gewesen war, ahnte man schon, dass sich hier ein Riesenhit anbahnte. Denn diese Nummer war ein Statement: straff, melodisch, ökonomisch, genau auf den Punkt in Komposition, Text, Aufbau, Arrangement und Produktion. Der definitive Nachweis, wozu deutschsprachige Rockmusik fähig war, ein so nicht wiederholbarer kommerzieller Höhepunkt in der Karriere des HRK.

Leider geriet dieses, im Refrain locker auf der berühmten gleichnamigen Arie aus der Operette "Das Land des Lächelns" von 1929 basierende Stück danach recht schnell in Vergessenheit. Doch nun ist es auf einmal wieder da, genau dreißig Jahre nach seiner höchsten Notierung mit Platz 8 in den deutschen Singlecharts.

Laut Werbetext im Gesichtsbuch-Profil handelt es sich hier musikalisch um 'Deep House'. Und weiter heißt es dort: 'Wie eine Karawane beladen mit kostbaren Gewürzen, wandert Sandkamel in unser Gehör. Jede Note grazil wie eine Fußspur im Wüstensand. Der Text dabei zeitlos wie die Wüste selbst und das Ganze so frisch produziert als wäre es das Wasser einer Oase nach Wochen der langen Reise. Nach großen Erfolgen in 1985 von Heinz Rudolf Kunze kommt nun das Sandkamel mit dem neuen Sommerhit 2016 zurück aus der Wüstenoase: "Dein ist mein ganzes Herz" ist die gelungene Neuauflage von Kunzes bis dato erfolgreichster Single. Mit Respekt vor dem Original, gelingt es Sandkamel dem klassischen Text auf einem Fundament moderner elektronischer Klänge ganz neue Facetten zu entlocken. Man darf gespannt sein auf die erscheinende EP, die zu allem Überfluss mit Remixen von Hochkarätern wie Achtabahn und Dragonman ausstaffiert sein wird.'

Man lese sich diesen Text ruhig drei, vier Mal durch. Mann, Mann, Mann!

Als das Original damals erschien, war ich unglaublich verliebt, und "Dein ist mein ganzes Herz" war definitiv einer 'unserer Songs'. Vielleicht finde ich diese Coverversion auch deshalb so müde und dünn, weil ich gerade nicht verliebt bin?

Aber Spaß beiseite: Wenn Texter Kunze und Komponist Heiner Lürig schon tot wären, würden sie sich ob dieser missratenen Wiederbelebung ihres Klassikers wohl im Grabe herum drehen.

Besonders nervt mich der Sänger, dessen seichte Wohlfühlattitüde allerdings ganz und gar dem aktuellen Zeitgeist entspricht. Und deshalb wird das hier ja vielleicht sogar ein kleiner Hit.

Wer verbirgt sich hinter dem Projekt mit dem dämlichen Namen 'Sandkamel'? Man weiß es nicht, und man will es auch gar nicht wissen.


The Story
The Story
Preis: EUR 8,29

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen No tears - just beers!, 8. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Story (MP3-Download)
Es war im Sommer 1989, als ich in der Grabbelkiste eines Hamburger Elektroladens namens 'Wiesenhavern' für ein paar Mark Fuffzig eine CD von einer Band namens Runrig erwarb. THE CUTTER & THE CLAN hieß das Album und war ursprünglich bereits 1987 erschienen. Ich legte die CD in den Player und war bereits vier Minuten später Runrig-Fan, denn gleich der erste, enthusiastisch dargebrachte Titel "Alba" begeisterte mich total. Nach 38 Minuten und neun weiteren fantastischen Songs wusste ich, dass dieses schottische Sextett mich fortan nicht mehr loslassen würde.

Als Runrig am 13. November 1989 vor ein paar Hundert Leuten in der Hamburger Markthalle auftraten, war ich natürlich live dabei. Inzwischen war ihr nächstes Album SEARCHLIGHT erschienen, und Sänger Donnie Munro widmete den Song "Tear Down These Walls" der gerade vier Tage zuvor erfolgten friedlichen Erstürmung der Berliner Mauer. Für sympathische 19.- DM war es eines der besten Konzerte meines Lebens.

Zwei Jahre später sah ich sie an gleicher Stelle während ihrer THE BIG WHEEL-Tour noch einmal. Inzwischen kostete die Karte fast das Doppelte, es waren mehr Zuschauer da, die Show war bombastischer, aber leider auch schon routinierter und abgeklärter.

Seither habe ich die Karriere dieser Band zwar stets mit Wohlwollen begleitet, aber den ganz großen Kick erlebte ich nur noch selten, nämlich wenn sie gelegentlich total ergreifende, zu Tränen rührende Songs wie "Ravenscraig" oder "One Thing" veröffentlichten. Ansonsten aber war ihr Output recht schnell zu einer sich stets wiederholenden Formel erstarrt; ein Phänomen, das viele bekannte und erfolgreiche Bands erfasst.

Und nun also laut eigener Verlautbarung ihr definitiv letztes Studioalbum, für das sie sich ganze neun Jahre Zeit gelassen haben: THE STORY. Der Titelsong, eine ultratypische Runrig-Komposition, ebenso hübsch wie unspektakulär, wurde bereits vor einigen Monaten als Single veröffentlicht. Und auch die weiteren zehn Stücke zwischen anderthalb und sechs Minuten Länge weichen in der Regel kaum eine Handbreit von dem allzu bewährten, hymnischen, gelegentlich folkloristisch unterlegen Poprock ab, den die Band so perfekt beherrscht.

Doch es gibt auch durchaus noch Neues: In "Onar" (Gälisch für 'Allein') ertönt ein grässliches 80er-Jahre-Saxophonsolo (warum nur, warum??), in drei anderen Songs lassen sie sich hingegen von einem 32-köpfigen Orchester aus Prag begleiten, und das klingt ganz wunderbar.

Die Kompositionen sind fast durchgehend ordentlich bis richtig gut. Den Höhepunkt bildet der letzte Song "Somewhere", hinter dem eine ebenso tragische wie anrührende Geschichte steckt: Am 1. Februar 2003 verglühte das amerikanische Raumschiff 'Columbia' bei seiner Rückkehr aus dem All in 63 Kilometer Höhe über Texas, und alle sieben Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Die Astronautin Laurel Blair Salton Clark war ein großer Runrig-Fan.

Eines von 83.000 aufgelesenen Fundstücken des explodierten Shuttles war eine vollkommen erhaltene CD. Dabei handelte es sich um Runrigs 2001er Album THE STAMPING GROUND. Im Wiedergabegerät der Raumfähre steckte eine zweite CD der Band. "Somewhere" endet mit den letzten Worten, die Laurel Clark mit der Bodenstation der NASA wechselte. Das ist ergreifend und grenzt fast schon an Pink Floyd'sche Qualitäten.

Auch wenn die Klangqualität des Albums höchst wechselhaft ist (man achte z.B. bei der Download-Version auf die Lautstärkeunterschiede zwischen "Rise and Fall" und dem übergangslos darauf folgenden "Elegy"!), es der gesamten Produktion von Bandmitglied und Keyboarder Brian Hurren an Tiefe fehlt, die Gesangsstimme von Rory MacDonald im Laufe der Jahrzehnte doch sehr gelitten hat, und das Schlagzeugspiel von Iain Bayne, wie so oft, geradezu lachhaft simpel daherkommt, ist THE STORY letztlich ein respektables Abschiedsalbum.

Als man Calum vom genialischen Songschreibergespann Rory und Calum McDonald fragte, ob es nach Abschluss der Aufnahmen denn bei der Band gar keine Tränen gegeben habe, antwortete er: 'Nein. Gar nicht! No tears - just beers!'. Und genauso sollten die 'Riggies', also die weltweit verbreiteten Runrig-Anhänger, es auch halten. Die Geschichte dieser Band ist nach mehr als vierzig Jahren wahrlich auserzählt. Zudem werden sie als legendäre Liveband ja wahrscheinlich noch viele Jahre weitermachen.

'There's a synergy, that comes like a hand inside a glove / There's some, that call it energy, and others call it love.' (Runrig: "Every Beating Heart").
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 10, 2016 1:30 PM MEST


An Invisible World Revealed
An Invisible World Revealed
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Schweizer Supergroup, 4. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: An Invisible World Revealed (MP3-Download)
Es war im Januar 1969, als einige schon recht bekannte Musiker in Zürich die 'Supergroup' Krokodil gründeten. Diese Jungs trugen so lustige Namen wie Hardy Hepp, Düde Dürst oder Mojo Weideli und wollten der braven Schweiz erstmals einen international ausgerichteten Sound im Stile ihres Helden Jimi Hendrix und anderen Bluesrock-Größen verpassen.

Innerhalb kurzer Zeit waren sie tatsächlich ziemlich berühmt und konnten nicht nur in Helvetia, sondern in vielen anderen Ländern, gerade auch in Deutschland, eine Menge Lorbeeeren ernten. Als Vorgruppe von Pink Floyd, Uriah Heep, Free, East of Eden oder im Verbund mit Krautrock-Größen wie Amon Düül, Can und Guru Guru räumten sie ziemlich ab.

1971 erschien ihr drittes und erfolgreichstes Album AN INSVISIBLE WORLD REVEALED ('Eine unsichtbare Welt offenbart'), auf dem sie verschiedene Stilrichtungen von Blues über Hardrock, Progressive Rock und Folkrock zu einem manchmal überzeugenden und manchmal eher verwirrenden Schmelztiegel verbanden. Dass sie beim Spielen zumeist bekifft waren und auch anderen, psychedelischen Drogen wie LSD nicht völlig abgeneigt waren, ist kein Geheimnis.

Der sanfte Opener "Lady of Attraction" ist eine Mischung aus den Moody Blues in ihrer größten Zeit Ende der Sechziger bis Anfang der Siebziger und einem verfremdet aufgenommenen, 'gurgelnden' Gesang, den fünf Jahre später die englische Progressive-Rock-Band Camel für das wunderbare "Spirit of the Water" auf ihrem Album MOONMADNESS adaptierten. Dazu sollte man vielleicht wissen, dass die erste Veröffentlichung von Krokodil 1969 eine mit einem Kamel bebilderte Schallfolie mit ihrem Song "Camel Is Top" darstellte, mit der eine bestimmte Zigarettenmarke beworben wurde, und die z.B. in Diskotheken kostenlos verteilt wurde. Das Cover des zweiten Camel-Albums MIRAGE ähnelte dem Bild auf jener Krokodil-Flexi-Disc in auffälliger Weise. Aber das nur am Rande.

Auch der akustische Feinstaub des nächsten Songs, des kurzen "With Little Miss Trimmings" mit seinem Crosby, Stills & Nash-Harmonygesang täuscht über das hinweg, was den Hörer dann später erwartet.

So schreckten die beiden Longtracks "Odyssey in Om" (15:22 min.) und "Looking at Time" (14:05) mit ihren ständigen, unerwarteten musikalischen Wendungen vor rein gar nichts zurück: Gitarrist Walty Anselmo eröffnete zum Beispiel "Odyssey in Om" mit einem vierminütigen Sitarsolo (!), lediglich untermalt von Dürsts Congas, bevor das Stück in wunderbar schwebende Synthie- und Flötenklänge überging (Tangerine Dream müssen das gehört haben!). Dann bediente Weideli die Mundharmonika (Supertramp müssen das gehört haben!), Anselmo machte dazu später mit der Gitarre auf Hardrock, ehe nach gut neun Minuten ein spaciges Artrock-Intermezzo folgte (Klaatu müssen das gehört haben!). Nach gut zehn Minuten rockten dann wieder Gitarre und Mundharmonika, bevor erneut das Artrock-Intermezzo einsetzte ... und so weiter.

Man kann das mögen, muss man aber nicht. ;-)

Wer aber zum Beispiel dem massiven Einsatz einer bluesigen Mundharmonika zugeneigt ist, dem dürfte dieses Album ganz viel Freude bereiten. Mojo Weideli, 'the man with the harmonica', bekommt hier nämlich wirklich reichlich Auslauf. Und wen die zumeist nicht sonderlich beeindruckenden Gesangsleistungen der drei Solovokalisten nicht stören, hat dann endgültig freie Bahn. Schlagzeuger Düde Dürst äußerte sich in einem Interview von 2014 dazu wie folgt: "Der Hardy war gut, und die beiden anderen waren ... speziell'. Sehr diplomatisch ausgedrückt!

Richtig interessant wird es dann aber bei der Bonussektion dieser fabelhaft remasterten Ausgabe: Nach der etwas plumpen Single-A-Seite "Pollution" kommen nämlich mit "Krokodil-Session Pt. 1 & Pt. 2" zwei Instrumental-Jams von zusammen 23 Minuten Länge, bei denen man kaum glauben mag, dass es sich hier tatsächlich um dieselbe Band Krokodil handelt.

Mit atemberaubender Eleganz tänzeln die versierten Musiker nämlich hier durch eine atmosphärisch dichte Mischung aus West-Coast-Rock mit leichten Jazz- und Prog-Einflüssen, die mich in angenehmster Weise an den von mir so geliebten Allman Brothers Band-Klassiker "In Memory of Elisabeth Reed" erinnert, und zwar vor allem an die Live-Version von deren Album WIPE THE WINDOWS, CHECK THE OIL, DOLLAR GAS.

Einfach grandios - und zwar völlig ohne Mundharmonika! ;-)

Krokodil lösten sich bereits Ende 1974 auf und fanden danach tatsächlich nie wieder zusammen, obwohl sie inzwischen längst zur Legende geworden sind und bei Reunion-Shows sicherlich Tausende von Fans hätten versammeln können. Doch es sollte halt nicht sein.


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