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H. Schwoch "hschwoch"
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Greatest Hits 1971-1980
Greatest Hits 1971-1980
Preis: EUR 6,99

3.0 von 5 Sternen Nostalgische Entspannung, 1. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Greatest Hits 1971-1980 (Audio CD)
Als Sänger der griechischen Band Aphrodite's Child feierte Demis Roussos bereits 1968 einen kleinen internationalen Hit mit dem unvergesslichen "Rain And Tears" (Platz 28 in Deutschland, Platz 29 in England). Noch vor der Trennung der Gruppe im Jahre 1972 veröffentlichten sowohl ihr Keyboarder Vangelis Papathanassiouals als auch Demis Roussos erste Soloplatten. Doch so richtig gingen ihre Karrieren erst danach los.

Während sich Vangelis auf ebenso anspruchsvolle wie oftmals eingängige Instrumentalmusik konzentrierte, schlug Demis Roussos konsequent einen Weg als Sänger von eindrucksvollen Schnulzen zwischen Pop und Schlager ein. Sein erster Hit hieß 1971 "We Shall Dance" (Platz 29 in Deutschland), doch der ganz große Durchbruch gelang ihm 1973 mit "Goodbye My Love Goodbye", das er unter anderem auch in Deutsch aufnahm und ihm hierzulande seinen ersten und einzigen Nummer-1-Hit bescherte.

Damals wurde die 'Russland-Welle' (Alexandra, Ivan Rebroff, Don Kosaken) von der 'Griechenland-Welle' abgelöst, an deren Entstehen Demis Roussos einen sehr großen Anteil hatte. Nach Sehnsucht und Balalaikas regierten nun Sehnsucht und Bouzoukis, belohnt mit Superhits wie "Ich hab' die Liebe geseh'n" von Vicky Leandros oder Udo Jürgens' Evergreen "Griechischer Wein".

Mit seiner einzigartigen, ebenso heiseren wie unendlich sanften Stimme feierte Demis Roussos aber auch international eine ganze Reihe von Single- und Albumerfolgen. Selbst in England verfiel man ihm Mitte der 70er total. Und ein einziges Mal gelang ihm sogar in den USA der Einzug in die Hot 100 ("That Once In A Lifetime", Platz 86 im Jahre 1978).

Viele, aber nicht alle seine englischsprachigen Hits aus jener Zeit finden sich auf dieser CD, ebenso wie zwei Songs auf Französisch, das ihm erheblich besser lag als die deutsche Sprache. Legendär sind die Geschichten, wie er bei seinen Auftritten in Ilja Richters 'Disco' oder der 'ZDF-Hitparade' die deutschen Texte von sogenannten 'Negern' (großen Schildern) in Lautsprache ablesen musste. Lang, lang ist's her.

Diese Kompilation bietet einen netten Überblick über den Output des wuchtigen Griechen aus den Jahren 1971 bis 1980. Kann man, zum Beispiel im Auto, gelegentlich zur nostalgischen Entspannung gut vertragen. Da wird jede rote Ampel glatt zur Nebensache. ;-)


Out of an Ancient World
Out of an Ancient World

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Melodische Melancholie, 29. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Out of an Ancient World (MP3-Download)
Riversea ist ein Duo aus North Yorkshire, bestehend aus Marc Atkinson (Gesang, akustische Gitarren) und Brendan Eyre (Keyboards), auf das ich über einen langen Artikel in der englischen Zeitschrift 'Rock Society' aufmerksam gemacht worden bin. Die Aufnahmen für ihr Debütalbum entstanden mit Hilfe von insgesamt dreizehn Gastmusikern und zogen sich über Jahre hin, ehe es dann im Juni 2012 endlich veröffentlicht werden konnte.

Die zwölf Titel erzielen eine Gesamtlänge von 65 Minuten und sind eine faszinierende Mischung aus melancholischem Progressive Rock und folk-beeinflusstem Melodic Rock. Als Vorbilder kann man in erster Linie Pink Floyd (DARK SIDE OF THE MOON, WISH YOU WERE HERE, THE DIVISION BELL), Marillion (nach Fish), Mostly Autumn, The Alan Parsons Project bis hin zu Runrig ausmachen. Wer all diese Bands mag oder gar liebt, wird sich mit diesem Album sehr schnell anfreunden.

Von meiner jeweiligen Stimmung abhängig, gebe ich OUT OF AN ANCIENT WORLD entweder fünf Sterne oder auch nur drei, denn die nahezu pausenlose melodramatische Atmosphäre kann einem auf die Dauer auch ein wenig auf den Senkel gehen. Hier fehlt eindeutig die Abwechslung.

Dies ist ganz sicher keine Musik für einen Hochsommer am Mittelmeer, sondern eher für den Herbst und für sonnige Wintertage. Lob über Lob für die hervorragende Produktion und den großartigen Gesang von Marc Atkinson. Wenn er anstatt eines gewissen Steve Hogarth 1988 die Rolle des Leadsängers übernommen hätte, wäre ich mit absoluter Sicherheit noch heute ein begeisterter Marillion-Anhänger. ;-)


13 (Limited Deluxe Edition)
13 (Limited Deluxe Edition)
Wird angeboten von SIDE2
Preis: EUR 13,99

5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Vermächtnis des Tony Iommi, 24. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 13 (Limited Deluxe Edition) (Audio CD)
Die Filmchen, die wir alle im Vorfeld des ersten Black Sabbath-Albums mit Ozzy Osbourne seit 35 Jahren zu sehen bekamen, ließen nichts Gutes vermuten: Da wälzte sich Produzent Rick Rubin bäuchlings mit einem Mikrofon auf einem Bett und gab der Band seine Anweisungen (was für ein Zeichen mangelnden Respekts!), da versuchte sich Ozzy Osbourne an einigen dahergestammelten Statements, und da wurde sogar Schlagzeuger Bill Ward aus den 70er-Jahre-Fotos des legendären Quartetts entfernt, weil er bei den Aufnahmen zur neuen Scheibe nicht dabei sein durfte/wollte. Wie lachhaft ist das denn?? Ist das etwa der ganz normale Wahnsinn des Rock'n'Roll?

Aber natürlich muss man das Album trotzdem haben, denn dieses Ereignis ist ja rockhistorisch fast so bedeutend, als hätten Led Zeppelin doch noch ein neues Studioalbum aufgenommen. ;-)

Was den flitzebogenmäßig gespannten Hörer erwartet, ist zunächst einmal ein Gefühl des Erkennens. Des Wiedererkennens natürlich. Da ist er, der legendäre, tiefergelegte Klang der Gitarren von Tony Iommi; da ist er, der teuflisch brummelnde Bass von Geezer Butler, und da ist selbst das klassische Sabbath-Schlagzeug, hier authentisch erzeugt von Brad Wilk (Rage Against The Machine, Audioslave). Und was ist mit Ozzy? Na ja, der ist auch dabei, irgendwie. Seine Stimme klingt heute tiefer, jedoch gleichzeitig viel flacher als damals, aber man erkennt sie natürlich auf Anhieb, weil sie eben einmalig ist.

Nach dem ersten Durchgang ist man dann trotzdem irgendwie enttäuscht. Wo, um Himmels ... 'tschuldigung ... um der Hölle Willen sind denn die großen Melodien? All die unvergesslichen Augenblicke von damals, als man ein Teenager war, mit offenem Mund vor billigen Lautsprechern saß und all das Große, Dunkle einfach nicht fassen konnte? Immerhin brannte es sich so tief sich in unsere Gehirne und Seelen ein, dass wir im Jahre 2013 immer noch wie programmierte Roboter auf den Namen Black Sabbath reagieren.

Doch leider bleibt es dann im Wesentlichen dabei: Der erste Eindruck verfestigt sich, die großen Melodien sind einfach irgendwo auf der Strecke geblieben; von einigen guten Ansätzen einmal abgesehen, reicht kein einziger der neuen Tracks auch nur im Entferntesten an all die Klassiker von Damals heran. Und von neuen Ideen oder gar Experimenten kann schon gar nicht die Rede sein.

13 ist ein großartig klingender Fake, so als hätte man aus den Alben von damals (vor allem aber BLACK SABBATH und VOL. 4) jeweils die mittelmäßigsten Songs genommen und für diese 'neue' Scheibe ... äh ... bearbeitet. Dies gilt sowohl für die acht Titel des Originalalbums als auch für die drei Bonustracks der Deluxe-Ausgabe.

Ganz, ganz wesentlich handelt es sich hier aber um das Vermächtnis des Tony Iommi. Er durchmisst ein letztes Mal alle schmerzlich-faszinierenden Tiefen des Universums, bevor er irgendwann in ihm aufgehen wird. Und diese Tiefen sind es, die Rick Rubin noch einmal aus Iommi hervorgezaubert hat. Was Rubin nicht gelungen ist, ist Iommis songschreiberische Kreativität zu reanimieren. Das ist schade, aber nicht zu ändern.

Also: vier Nostalgiesterne für ein Album, das die Legende zu neuem Leben erweckt hat (sogar erstmals Platz 1 der deutschen Charts !!), und das sicherlich das letzte Black-Sabbath-Studioalbum sein dürfte. Das Bimmeln der Glocken und das Grummeln des Gewitters am Ende von "Dear Father" setzen den Schlusspunkt unter das Kapitel Black Sabbath, so wie die gleichen Soundeffekte den allerersten Titel ihres ersten Albums einläuteten, damals, im Jahre 1970.


Bis ans Ende der Welt (Second Edition inkl. 4 neue Songs)
Bis ans Ende der Welt (Second Edition inkl. 4 neue Songs)
Preis: EUR 8,30

4.0 von 5 Sternen Sehnsucht, Größe und Melancholie, 22. Juni 2013
Ich wette, dass es in keinem Land der Welt so viele Shanty-Chöre gibt wie hier in Deutschland. Meistens bestehen diese aus Mitgliedern von 60 Jahren aufwärts und singen ein unfassbar schlechtes Englisch, was wohl auch daran liegt, dass sie die Sprache überhaupt nicht verstehen. Shanty-Chöre sind Konservatismus pur.

Santiano aus der Gegend um Flensburg sind zwar nur unwesentlich jünger (ich schätze mal, so zwischen 45 und 55), packen das Ganze aber sehr viel geschickter an: Ihr Sound ist zwar absolut massenkompatibel, könnte aber mit den gewaltigen Chören in den Refrains durchaus auch Punkte bei Rammstein-Anhängern machen.

Innerhalb kürzester Zeit wurden diese sympathischen Jungs zur erfolgreichsten deutschen Band überhaupt, ihre CDs verkaufen sich wie warme Semmeln, ihre Konzerte sind bereits Monate vorher ausverkauft. Und ich gönne es ihnen von Herzen.

Wer dieses Album einmal bei einer Autofahrt gehört hat, wird die ausnahmslos unglaublich eingängigen Songs nicht mehr los. Sie machen einfach gute Laune. Und hinter all den 'Schlagermelodien' lauern Sehnsucht, Größe und eine ganze Portion Melancholie.

Man kann das völlig zu Recht als kommerziell berechnetes Verkaufsprodukt bezeichnen. Aber diese Einschätzung ist genauso richtig wie grundfalsch, denn die Jungs von Santiano und ihr Plattenlabel dürften nie und nimmer mit einem derartigem Erfolg gerechnet haben. Hoffentlich werden dieser Erfolg und seine mannigfachen Konsequenzen die lebenserfahrenen, bodenständigen Männer nicht irgendwann zerreißen und unglücklich machen.

Doch erst einmal gilt das Gesetz des Gechäfts: Pull, boys, pull!


Black Sabbath
Black Sabbath

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Beginn einer Legende, 16. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Black Sabbath (MP3-Download)
'Eine von vielen bösen englischen Gruppen, die eine Menge unverdauten harten Blues und schwere, tausendmal gehörte Gitarrenriffs in den Raum schmeißen, um die Teenager zum Schwitzen zu bringen. Das ist Black Sabbath. In der Richtung, die Black Sabbath einschlägt, ist so gut wie alles gesagt worden. Da kann nur wiederholt werden, was andere schon längst wiederholt haben. Ossie Osborne, ein Sänger ohne Kompetenz und Format, möchte gern Robert Plant und Mick Jagger gleichzeitig sein. Er, wie auch die übrigen drei Mitglieder von Black Sabbath, haben an Originalität nichts, an Plagiaten aber alles zu bieten. Solche Platten gehören in die Diskotheken, wo es auf musikalisch-ästhetische Werte ohnehin nicht ankommt.' (Rezension zu BLACK SABBATH in der Zeitschrift 'Sounds', 1970).

Das Quartett aus der Arbeiterstadt Birmingham galt also eigentlich von Beginn an als eine Band von Gestern, als Wiederkäuer längst bekannter Bluesrock- und Hardrockklischees von Gruppen wie den Yardbirds, Cream oder Led Zeppelin; nur, dass die nach einem Horrorfilm mit Boris Karloff benannten Black Sabbath viel statischer und schwerfälliger daherkamen als ihre Vorbilder. Gitarrist Tony Iommi arbeitete sich einerseits an Eric Clapton ab (das Eröffnungsriff in "N.I.B." war z.B. eindeutig von Creams "Sunshine Of Your Love" ... äh ... beeinflusst), gab andererseits aber bereits mit diversen tiefer gelegten Klängen einen Eindruck davon ab, was Black Sabbath später so einzigartig machen sollte.

All die Plagiatsvorwürfe interessierten die jugendlichen Plattenkäufer gleichwohl einen feuchten Kehrricht. BLACK SABBATH, angeblich aufgenommen und gemixt innerhalb von zwei Tagen und veröffentlicht an einem Freitag, dem 13. (!), verkaufte sich vom ersten Tag an wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Platz 8 in England (42 Wochen in den Charts; nie wieder erreichte ein Sabbath-Album eine annähernd ähnliche Dauer), Platz 8 in Deutschland (32 Wochen) und immerhin Platz 23 in den USA (26 Wochen) - das waren wahrlich unwiderlegbare Beweise für 'instant popularity'.

Wenn man die sieben bzw. acht Songs (in Europa begann die zweite LP-Seite mit "Evil Woman", in den USA mit "Wicked World") heute in ihren fabelhaft remasterten Versionen hört, kann man sich einer gewissen Faszination nicht entziehen. Das groovt und vibriert sowohl auf der 'guten' Anlage im heimischen Wohnzimmer als auch auf kleinerem Equipment im Arbeitszimmer oder im Auto.

Die Bonustracks auf der zweiten CD der 'Deluxe Edition' sind interessant, müssten aber nicht sein. Meine Wenigkeit möchte die Faszination eines Albums jedenfalls nicht unbedingt durch 'Work in progress'-Versionen von längst zur Legende gewordenen Songs ins Wanken bringen lassen. Trotzdem üben sie auf den rockhistorisch Interessierten natürlich einen gewissen Reiz aus.

Damals, in den Siebzigern, machte man sich im Allgemeinen über Black Sabbath eher lustig. Im Quartett der 'großen Vier' des britischen Hardrock (neben Led Zeppelin, Deep Purple und Uriah Heep) galten sie als Prolls, als Dinosaurier mit gleichförmigem Lavasound und nekrophiler Horrorattitüde. Als Tony Iommi sagte, man könne auch Jazz spielen, wurde das als verzweifelte Rechtfertigungsäußerung aufgenommen. Dass sie ein fabelhaftes melodisches Gespür hatten und ihr musikalisches Spektrum spätestens mit gloriosen Alben wie SABBATH BLOODY SABBATH (1973) und SABOTAGE (1975) ganz erheblich erweiterten, wollte nur wenigen Rockkritikern auffallen.

Damals war es 'in', Black Sabbath 'out' zu finden, während es heute 'out' ist, sie nicht 'in' zu finden. Dass sie inzwischen, neben Led Zeppelin und vielleicht noch AC/DC, als die größte und einflussreichste Hardrockband aller Zeiten gelten, vermochte 1970 absolut niemand vorauszusehen.


Das Lügenlied vom Glück: Erinnerungen
Das Lügenlied vom Glück: Erinnerungen
von Manfred Maurenbrecher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mach' dich doch mal locker, Vroni!, 9. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Vor vielen Jahren kaufte ich mir die LP SEHNSUCHT NACH WÄRME von Veronika Fischer - ein schönes, professionell konzipiertes Album zwischen besserem Schlager und 80er-Jahre-Pop, versehen mit zumeist sehr gelungenen Texten. Als Sängerin fand ich sie nicht überragend, als Interpretin hingegen sehr gefühlvoll und interessant. Seither habe ich ihre weitere Laufbahn mit einem gewissen Interesse verfolgt.

Das Leben der 'Vroni', wie sie in ihrem Geburtsland DDR liebevoll genannt wurde, erzählt in gewisser Hinsicht die komplizierte Geschichte der deutschen Teilung nach. 1981, mitten im Kalten Krieg, ging sie, aus durch die Schilderung der Umstände in dieser Autobiographie nicht unverständlichen Gründen, in den westlichen Teil Berlins.

In der DDR war die Fischer in den siebziger Jahren eine Art Superstar. Mit wechselnden Bands veröffentlichte sie vier Alben und feierte eine ganze Menge Radiohits. Nach ihrem 'Systemwechsel' blieb (oder wurde) sie durch ihr streckenweise 'bockiges' und unangepasstes Verhalten in gewisser Hinsicht zu einer Außenseiterin im Showgeschäft, die ihre sicherlich vorhandenen Karrierechancen immer wieder selbst in den Mülleimer trat. Das ist einerseits sicherlich bewundernswert, war andererseits aber auch ziemlich naiv.

Das Buch "Das Lügenlied vom Glück", das sie zusammen mit einem guten Bekannten, dem (West-)Liedermacher Manfred Maurenbrecher verfasst hat, beleuchtet das ganze Kaleidoskop eines Lebensweges voller Irrungen und Wirrungen. Veronika Fischer geht die für populäre Menschen notwendige Leichtigkeit etwas ab. Witz und (Selbst-)Ironie sind ihr anscheinend ebenfalls eher fremd. Gelegentlich möchte man ihr zurufen: 'Mach dich doch mal locker, Vroni, du hast nur dieses eine Leben!'.

Die Fischer sieht sich selbst als anspruchsvolle Künstlerin, der ständig durch widrige Umstände und böse Menschen Knüppel zwischen die Beine geworfen worden sind. Dass bestimmte Leute ihr vielleicht in Wahrheit helfen wollten, auch im Westen richtig durchzustarten, käme ihr wohl nicht in den Sinn. Dass man Kompromisse auch schließen kann, um später, auf dem Tableau des erreichten Erfolges, die gewünschten eigenen Wege gehen zu können, dieser kleine, aber feine Trick ist ihr offenbar stets verborgen geblieben.

Viele 'Ossis' aus allen beruflichen Bereichen haben den Schritt in die 'Freiheit' des westlichen Lebens mühelos geschafft, andere sind gescheitert oder sogar daran zugrunde gegangen. Veronika Fischers Geschichte liegt irgendwo in der Mitte - mit einem leichten Ausschlag nach oben. Die großen Hits, den großen Durchbruch hat sie in der BRD nie geschafft. Das lag natürlich nicht ausschließlich, aber eben zu einen nicht unbedeutenden Teil auch an ihr selbst.

Sie kritisiert viele Aspekte des real existierenden Sozialismus in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik genauso vehement wie die Kälte und das ausschließlich auf Gewinnerwartung ausgerichtete Handeln im real existierenden Kapitalismus der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Unbehaustheit in beiden Systemen wirkt auf die Dauer etwas verstörend. Schuld sind irgendwie immer die anderen.

Dieses Buch ist aufschlussreich und über weite Strecken sogar spannend. Ich kann die Lektüre daher nur empfehlen. Alles Liebe, Frau Fischer!


The Village To The Vale
The Village To The Vale
Preis: EUR 6,23

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spätherbstmusik, 7. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: The Village To The Vale (MP3-Download)
Autumn Chorus (was für ein wunderbarer Bandname!) kommen aus dem englischen Seebad Brighton und veröffentlichten 2012 ihr Debütalbum auf dem Unterlabel Fading Records des kleinen italienischen Labels Altrock. Das Cover zeigt eine südlich-sommerliche Landschaft und führt den potentiellen Hörer damit auf einen ziemlichen Irrweg, denn THE VILLAGE TO THE VALE ist eindeutig Musik für den Spätherbst und den Winter. Teilweise bombastisch, teilweise folkloristisch, und immer wieder von friedlich-melancholischer Trauer umflort.

Manche nennen das 'Postrock'. Das sagt nun alles und nichts. Manche vergleichen diese Scheibe mit dem Spätwerk einer Band wie Talk Talk. Das halte ich für absoluten Quatsch, denn jenes Spätwerk war zumeist quälend statisch und häufig dicht vor dem absoluten Verstummen. Damit haben Autumn Chorus nun wirklich überhaupt nichts zu tun. Denken sie atmosphärisch eher an eine Mischung aus Arcana (ca. INNER PALE SUN) und Coldplay (ca. VIVA LA VIDA), und die Richtung stimmt schon eher.

Die Musik von THE VILLAGE TO THE VALE muss entstanden sein, als die Bandmitglieder an irgendeinem trostlosen Herbstnachmittag auf die tosende Nordsee am Strand von Brighton gestarrt und dabei über die Traurigkeit der menschlichen Existenz nachgedacht haben. Vielleicht fiel auch schon der erste Schnee. Danach ging es in einen gemütlichen Pub, in dem gerade Irish Folk gespielt wurde. Und aus diesem Gesamterlebnis entstand dann das Debütalbum von Autumn Chorus.


Dimensionaut
Dimensionaut
Preis: EUR 18,98

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Sohnemann auf den Spuren seines Vaters, 1. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dimensionaut (Audio CD)
Als Simon Collins im September 1976 in London geboren wurde, hatte sein Vater Phil, der geniale Schlagzeuger und (als Nachfolger von Peter Gabriel) neue Leadsänger von Genesis gerade die Tournee zu deren Album A TRICK OF THE TAIL hinter sich gebracht und arbeitete zusammen mit Tony Banks, Steve Hackett und Mike Rutherford schon an der nächsten Studioplatte WIND & WUTHERING.

Der kleine Simon erlebte dann die Trennung seiner Eltern und zog 1981 mit seiner Mutter Andrea Bertorelli nach Kanada. Gleichwohl nahm ihn sein Vater gerne und oft mit auf die zahllosen Genesis- und Solotourneen.

Dass Simon die musikalischen Gene seines Dads geerbt hat, überrascht nicht wirklich. Auch aus ihm ist ein formidabler Drummer geworden, dessen Stil dem seines alten Herren sehr ähnelt. Zwischen 1999 und 2008 nahm er drei Soloalben auf. 2010 gründete er eine Band namens Sound Of Contact. 2012 durfte er für Steve Hacketts Mammutprojekt GENESIS REVISITED II einen kurzen Part zu "Supper's Ready" beitragen und klang dabei wie das stimmliche Ebenbild von Phil Collins anno 1977.

Auf dem Debütalbum von Sound Of Contact singt Simon allerdings etwas anders, nämlich dunkler, härter, selbstbewusster, aber trotzdem ist die Ähnlichkeit oft evident, nämlich in den Betonungen und dem leicht kehligen Timbre. Auch musikalisch kann und will Collins die Abstammung von Collins offenbar nicht verleugnen.

Der zweiminütige Auftakt "Sound Of Contact" könnte indes eher von den Yes der Achtziger stammen. Gleich danach folgt mit "Cosmic Distance Ladder" ein sperriges, prog-metallenes Instrumentalstück, das den Hörer in eine völlig falsche Erwartungshaltung lenkt. Weiter geht's zum Glück mit dem melodischen "Pale Blue Dot", das wie eine faszinierende Mischung aus Saga und 80er-Jahre-Genesis klingt. "I Am Dimensionaut" (eher mäßig), "Not Coming Down" (viel besser) und "Remote Review" (irgendwo dazwischen) sind purer AOR irgendwo zwischen Phil Collins und spätem Genesis-Balladenbombast.

Wenn Phil Collins in den 80ern "Beyond Illumination" zusammen mit Kate Bush oder Maggie Reilly aufgenommen hätte, wäre der Titel sicherlich ein Riesenhit geworden. Das starke "Only Breathing Out" ist dann wieder eine Mischung aus Genesis und Collins. Man konnte ja in den späteren Jahren nicht immer so genau zwischen beiden unterscheiden. ;-)

Mit "Realm Of In-Organic Beings" gelingt eine Hommage an Pink Floyds legendäres "The Great Gig In The Sky" von DARK SIDE OF THE MOON, es könnte aber auch von Enigma beeinflusst sein. Die Ballade "Closer To You" ist Phil Collins pur, ebenso wie das erheblich komplexere "Omega Point", das gut auf Phils erstes, durchaus noch teilweise 'progressives' Soloalbum FACE VALUE gepasst hätte.

Eine ganz eigene Geschichte schreibt das abschließende "Möbius Slip". Hier versucht sich die Band an einem fast 20-minütigen Prog-Rock-Monster, das zwar trotz seiner Länge nie langweilig wird, mich aber auch nicht sonderlich zu bewegen oder zu begeistern in der Lage ist. Wer hier auf englische Genesis-Romantik hofft, der hofft größtenteils vergeblich. Allerdings gewinnt das Stück, je öfter man es konzentriert durchhört. 'Möbius Slip' ist übrigens eine Methode, um Lehrern eine intelligente Aufgabenzuweisung bei größeren Klassenverbänden zu ermöglichen. Oder so ähnlich.

Neben Simon Collins bestimmt der Keyboarder Dave Kerzner ganz wesentlich den Klang von Sound Of Contact. Sein Vorbild ist ausgerechnet Genesis-Tastenmeister Tony Banks, jedoch wohl vor allem dessen kühlerer 80er-Jahre-Sound und nicht so sehr seine stilprägenden 70er-Jahre-Romantizismen.

Das Album DIMENSIONAUT soll übrigens die 'fiktive Geschichte eines Zeit- und Raumreisenden, der die Grenzen menschlicher Erfahrungen zu vergrößern sucht' erzählen. Das ist ja nun wirklich mal ein ganz neues Thema! ;-)

Vier Sterne für ein gelungenes, aber nicht überragendes Album. Zumindest "Pale Blue Dot", "Beyond Illumination", "Only Breathing Out", "Realm Of In-Organic Beings" und "Omega Point" sind allerdings wirklich toll.

Es bleibt sehr bedauerlich, dass Phil Collins sich aus gesundheitlichen Gründen offenbar vollkommen in sein Schweizer Luxusresort zurückgezogen hat. Wie sehr würde man sich wünschen, dass er noch einmal mit einer richtig guten Platte zurückkehrt. Allerdings tritt sein Sohn durchaus respektabel in seine Fußstapfen und schafft es außerdem, jene allzu flachen Popgewässer zu umschiffen, in denen sich sein Vater leider doch gelegentlich bewegt hat.


Queen of Denmark
Queen of Denmark
Preis: EUR 7,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine magische Stimme, 25. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Queen of Denmark (Audio CD)
Im Vergleich und sozusagen als Vorspiel zu seiner grandiosen, sehr viel 'elektronischer' arrangierten aktuellen Scheibe PALE GREEN GHOSTS fungiert QUEEN OF DENMARK als ein überraschend konventionelles Singer/Songwriter-Album mit einigen wunderbar melodischen Songs und sehr perönlichen Texten, deren schmerzliche Wucht z.B. mit denen von Morrissey (ex- The Smiths) zu vergleichen ist. Vom Aufbau und von der Instrumentierung her erinnern mich hier vier, fünf Kompositionen an die großen frühen Jahre von Elton John.

Wer von Nummern wie "Where Dreams Go To Die", "Outer Space" (Warnung: Dieser Ohrwurm verfolgt einen tagelang!), "Marz", "Sigourney Weaver", "Jesus Hates Faggots", dem Titeltrack "Queen Of Denmark" und anderen nicht berührt wird, muss innerlich schon ziemlich abgestorben sein.

Nicht alles spielt hier auf gleich hohem Niveau, aber insgesamt ist dies ein Beispiel für die fabelhafte Qualität des mit einer wahrhaft magischen Stimme gesegneten, vermeintlich abgeklärt-heiteren Schmerzensmannes John Grant.

Man sollte sich übrigens nicht von dem seltsam 'alternativen' Cover-Artwork abhalten lassen, diese CD zu erwerben, denn dahinter verbirgt sich ein professionell und teilweise geradezu opulent produziertes Album.


Diestel - Aus dem Leben eines Taugenichts?
Diestel - Aus dem Leben eines Taugenichts?
von Hannes Hofmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

5.0 von 5 Sternen Heldengeschichten aus der Wendezeit, 20. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Während der Lektüre der staubtrockenen 'Biographie' von Norbert Robers über den ehemaligen DDR-Pastor und heutigen Bundespräsidenten Joachim Gauck stieß ich immer wieder auf den Namen seines offenbar von Gauck zutiefst verachteten 'Gegenspielers' Peter-Michael Diestel, dem letzten Innenminister der Deutschen Demokratischen Republik. Das weckte mein Interesse an dieser Person, die seit vielen Jahren trotz ihrer nicht zu bestreitenden Eitelkeit kaum noch in der Öffentlichkeit auftaucht. Also besorgte ich mir für ein paar Cent die offenbar einzige jemals als Buch erschienene Veröffentlichung über Diestel.

Doch von wem ist dieses Buch? Hat der schöne Peter-Michael es, in der dritten Person, etwa selbst geschrieben? Der Umschlag gibt jedenfalls keinen Aufschluss über den oder die Autoren. Das ist sehr ungewöhnlich. Genauso ungewöhnlich ist der Titel: "Diestel - Aus dem Leben eines Taugenichts?". Hierbei wird ein klarer Bezug zu Joseph von Eichendorffs 1826 veröffentlichter Novelle über den recht ziellos in der Welt umher reisenden Sohn eines Müllers gezogen, die u.a. 1973 von der DEFA mit dem ehemaligen DDR-Star Dean Reed verfilmt wurde, der sich später mit dem Regime anlegte und 1986 Selbstmord beging.

Nun, das Innencover des Buches gibt zumindest Aufschluss darüber, dass die 'Geschichten aus 174 Tagen, in denen Amateure und Profis deutsche Geschichte machten', von einem gewissen Hannes Hofmann aufgeschrieben wurden, einem Journalisten, der u.a. für 'BILD' und die 'Super Illu' tätig war. Das bedeutet aber nicht, dass er nicht vernünftig zu schreiben in der Lage wäre. ;-)

Ganz im Gegenteil: Dieses Buch ist so spannend, dass man sich wünscht, es möge ewig so weiter gehen mit den 'Heldengeschichten' über einen Mann, der mit seinem bildungsbürgerlichen familiären Hintergrund ebensowenig in die spießig-bürokratische Arbeiter- und Bauernrepublik DDR passte wie in die neue und doch alte Bundesrepublik Deutschland mit seinem 'tricky' Vorgehen bei der Befriedung von Polizei-, Stasi- und Geheimdienstkreisen des untergehenden Staates DDR in seiner Ministerzeit 1990 und als Anwalt in den Jahren danach.

Diestel war stets und ist bis heute ein barocker Genießer der schönen Aspekte des Lebens. Sein geschicktes Taktieren mit den ehemaligen, aber immer noch gefährlichen Helfershelfern der Staatsmacht trug entscheidend dazu bei, dass die Wiedervereinigung Deutschlands vollkommen ohne Gewalt vollzogen werden konnte. Offiziellen Dank dafür hat er, genau wie Lothar de Maizière und andere, nie wirklich bekommen.

Gehört Diestel also zu den Verlierern oder zu den Gewinnern der deutschen Revolution? Das Buch lässt diese Frage unbeantwortet. Und trotzdem kann man seine Schlüsse aus den rund 240 Seiten ziehen: Der Mann gehört zu den Gewinnern, denn er genießt heute frei und unabhängig sein bürgerliches Dasein in der Schönheit der Mecklenburgischen Landschaft.

PS: Der inzwischen 61-jährige Peter-Michael Diestel ist natürlich kein Taugenichts. Dem Beweis dieser Tatsache und nichts anderem ist dieses Buch gewidmet. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Für jeden, der einen etwas anderen als den westlichen Blick auf die dramatischen letzten Monate des untergehenden Staates Deutsche Demokratische Repubklik zu werfen gewillt ist, gilt hier meine hohe Empfehlungsstufe. Und das sage ich, als geborener Wessi, sehr deutlich und sehr bewusst.


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