Profil für H. Schwoch > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von H. Schwoch
Top-Rezensenten Rang: 1.622
Hilfreiche Bewertungen: 2618

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
H. Schwoch "hschwoch"
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Ich bin (velvet cover) / Vinyl record [Vinyl-LP]
Ich bin (velvet cover) / Vinyl record [Vinyl-LP]

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Marke Vicky Leandros, 28. September 2013
Mit diversen kleineren Hits hatte sich die Tochter des in Hamburg lebenden griechischen Sängers und Produzenten Leo Leandros bereits seit 1965 in die Herzen vieler deutscher Schlagerfans gesungen. Am bis dahin Erfolgreichsten war ihre 1968 veröffentlichte Single "Bunter Luftballon" gewesen, die Platz 16 erreichte und sich zwölf Wochen in den Charts hielt.

Anfang der siebziger Jahre versuchten ihre Plattenfirma Phillips und nicht zuletzt Vicky selbst, ihr ein anderes, selbstbewussteres und erwachseneres Image zu verschaffen. Das Ergebnis erschien Anfang 1971 in Form der wunderbaren Single "Ich bin" und des gleichnamigen Albums.

Gut ein Jahr zuvor hatten die Bee Gees ihre Doppel-LP ODESSA in einem aufwändigen roten Samtcover veröffentlicht. Diese Idee wurde für ICH BIN nicht nur aufgenommen, sondern noch erweitert: Die Plattenhülle erschien in schwarzem Samt und hatte unten eine ovale, ausgestanzte Fläche. Wenn man das Cover aufklappte, kam zunächst ein Blatt in feinem Seidenpapier, auf dem ein Porträt von Vicky sowie der Albumtitel zu sehen waren. Diesen konnte man durch das Loch im Außencover lesen.

Blätterte man weiter, kam dasselbe Porträt noch einmal auf festem Papier, und auf der Rückseite ein weiteres, sehr melancholisches Foto von Vicky. Dann folgte erneut ein Blatt aus Seidenpapier, auf dem die Songtitel zu lesen waren. Die Innenseite des rückwärtigen Samtcovers enthielt die Schallplatte und zeigte ein weiteres Porträt der Sängerin. Das war Luxus pur!

Musikalisch bot die Platte zum Teil deutsche Interpretationen von internationalen Songs: "Hunderttausend Fragen" sowie "Und der Himmel über mir" hießen im Original "Question" und "Melancholy Man" und stammten aus dem Album A QUESTION OF BALANCE von The Moody Blues. "Er hat mir geschrieben" war die deutsche Version des Hits "The Letter", im Original von The Box Tops.

Die übrigen deutschen Titel stammten von dem üblichen Songschreibergespann um Vicky Leandros und boten gewohnte, aber hübsche Schlagerkost, unter anderem das bis heute sehr beliebte "Die Sterne von Piräus".

Dazu kamen ein griechisches ("To traino") und ein französisches Chanson, nämlich das berühmte "Ne me quitte pas" von Jacques Brel.

Insgesamt war ICH BIN ein echtes Statement und sorgte prompt für die erste Platzierung eines Vicky-Albums überhaupt (Platz 33, zwanzig Wochen in den Charts). Die Single "Ich bin" stieg bis auf Platz 13 und wurde also ihre bis dahin erfolgreichste.

So richtig durch die Decke ging es mit ihrer Karriere aber erst ab 1972 mit ihrem Sieg beim Grand Prix Eurovision de la Chanson ("Après toi"), Top-Ten-Alben und gigantischen Hits wie "Ich hab' die Liebe geseh'n", "Die Bouzouki klang durch die Sommernacht" oder das von ihr gehasste "Theo wir fahr'n nach Lodz", das ihr aber die einzige Nummer 1 in den deutschen Singlecharts einbrachte.

Mit ICH BIN wurde Vicky Leandros zu einem 'Markenartikel'. Der Aufwand hatte sich also gelohnt.

Dass dieses und ihre weiteren Erfolgsalben der Siebziger immer noch nicht als CD und/oder Vinyl-Neuauflage erschienen sind, entzieht sich komplett meines Verständnisses. Wann wird es endlich so weit sein?


Look at Yourself
Look at Yourself

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf dem Sprung zu großen Taten, 23. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Look at Yourself (Audio CD)
Nach dem durchaus bemerkenswerten, aber noch etwas holprigen Debütalbum VERY 'EAVY ... VERY 'UMBLE und dem musikalisch faszinierenden, sehr abwechslungsreichen Abenteuertrip SALISBURY war die Rockwelt gespannt, wie es mit Uriah Heep weitergehen würde. 1971 gingen sie auf ihre erste USA-Tournee und stellten dabei fest, dass es die hardrockigen Songs waren, die beim dortigen Publikum besonders gut ankamen. Zudem hatten ihre Konkurrenten Deep Purple mit dem Album IN ROCK rund um die Welt geradezu sensationelle Verkaufszahlen erreicht. Also konzentrierte man sich, zurück im heimatlichen England, für die nächste LP genau auf diesen Aspekt.

LOOK AT YOURSELF, veröffentlicht im Oktober '71, wartete mit einem Titelsong und Opener auf, dessen Mischung aus Wildheit und melodischem Gehalt die Fans geradezu vom Hocker reißen sollte. Genau das war der Stil, mit dem die Band für die nächsten Jahre immer wieder aufwarten würde. Ken Hensleys fauchende Hammondorgel, die Wah-Wah-Riffs von Mick Box, die eindrucksvolle Leadstimme von David Byron und die hohen, majestätischen, himmelwärts strebenden Chorgesänge verbanden sich zu einer orgiastischen Einheit. Insbesondere die dreiminütige Single (hier als Bonusstück vertreten) war ein Statement, während die Albumversion durch das längliche, von Mitgliedern der Afroband Osibisa unterstützte perkussive Finale für meinen Geschmack einen gewissen Bruch erlitt. Aber es gibt wohl auch viele Fans, die gerade dieses Ende ganz besonders gelungen finden.

Das folgende "I Wanna Be Free" geriet, wie auch diverse andere Songs dieses Albums, bei der Band in den folgenden Jahren ein wenig in Vergessenheit. Dabei handelt es sich auch hier um einen Titel mit allen typischen Heep-Ingredenzien.

Das fast neunminütige "July Morning" entwickelte sich hingegen sehr schnell zu einem der vier, fünf beliebtesten Stücke in der langen Geschichte der Band. Kein Konzert darf ohne diese Nummer zu Ende gehen. Obwohl eindeutig inspiriert von dem Purple-Epos "Child In Time", konnte sich der elegisch dargebrachte 'Julimorgen' doch als eigener Klassiker durchsetzen. Mich stören daran bis heute allerdings zwei Dinge, nämlich die ständigen, fast schlagerhaften 'La La La La'-Gesänge, die mit etwas mehr textlicher Sorgfalt zu vermeiden gewesen wären, sowie das leicht nervende Synthesizer-Gequäke von Gastmusiker und Labelkollege Manfred Mann am Schluss. Auch das hätte man sich durchaus sparen können.

"Tears In My Eyes" rockt im Wesentlichen hart und simpel. Das Stück geht in Ordnung, ich könnte jedoch auch gut ohne die 'Na Na Na Na Na Na'-Einschübe in der Mitte leben.

Angesichts des Titels "Shadows Of Grief" (Schatten des Kummers) könnte man annehmen, dass nun eine melancholische Hensley-Ballade folgen würde. Doch weit gefehlt, denn der Neunminüter gehört ohne Zweifel zu den progressivsten und am schwersten zugänglichen Werken der Band. Nach "July Morning" überwog bei Ken Hensleys Keyboards auch hier der Einfluss aus der klassischen Musik, während Box und Byron entweder die wilden Gesellen gaben oder sich in elegischen, sich immer weiter steigernden Zwischentönen übten. Je öfter man dieses Stück hört, desto besser wird es. "Gypsy" vom ersten Album ließ hier musikalisch immer mal wieder grüßen.

Die erhoffte Hensley-Ballade kommt dann doch noch: "What Should Be Done" ist sehr hübsch und ebenfalls ein 'Grower', d.h. man sollte es öfter hören, um es endgültig zu beurteilen. Gegen Ende zieht es sich allerdings ein wenig dahin.

Das Album endet mit dem lockeren Hardrocker "Love Machine". Dieser ist nicht gerade essenziell, aber okay. David Byron versuchte sich immer wieder in den hohen Tönen, die Ian Gillan von Deep Purple so mühelos zelebrierte, belegte dabei jedoch im übertragenen Sinne eher einen Mittelfeldplatz. ;-)

Der zweite Bonustrack auf dem Remaster von 1996 neben der Singleversion des Titeltracks heißt "What's Written In My Heart", ist ein Outtake aus den Albumsessions und eine liebenswerte Akustik-Ballade. Das gesamte Remastering ist recht gelungen, konnte jedoch angesichts der klangmäßig doch eher holzschnittartigen Vorlagen auch keine Wunder vollbringen.

Mit LOOK AT YOURSELF schaffte die Gruppe in Deutschland den Durchbruch zu einer echten Erfolgsband und belegte Platz 11 in den Albumcharts. Die USA belohnten den vorausgegangenen Tourneeeinsatz immerhin mit Platz 63, und in ihrer Heimat England gelang ihnen erstmals (für eine einzige Woche!) der Einzug auf Platz 39. Uriah Heep waren eine junge Band auf dem Sprung zu großen Taten.

Das personelle Grundgerüst mit Hensley/Box/Byron stand bereits fest wie eine Burg, doch noch immer hatte die Band gewisse Schwächen in der Position des Schlagzeugers und insbesondere der des Bassisten. Das sollte sich sehr bald ändern, denn mit Lee Kerslake und dem brillanten Gary Thain kamen die beiden noch fehlenden Puzzleteile, um Uriah Heep den entscheidenden Schub zu verpassen. 1972 folgte prompt das bedeutendste Jahr ihrer Karriere mit den fantastischen Alben DEMONS AND WIZARDS und THE MAGICIAN'S BIRTHDAY, für die LOOK AT YOURSELF ein wichtiger und sympathischer Vorbote war.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 4, 2013 12:00 PM MEST


Alle Toten fliegen hoch - Amerika
Alle Toten fliegen hoch - Amerika
von Joachim Meyerhoff
  Audio CD
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Kulturelle Unterschiede, 15. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Alle Toten fliegen hoch - Amerika (Audio CD)
Diese vom Autoren selbst eingesprochenen sechs CDs haben mir auf einer längeren Reise mit dem Auto die Zeit auf angenehme Weise verkürzt. An den arg bürgerlichen, sehr detaillierten Stil von Joachim Meyerhoff muss man sich freilich erst gewöhnen, und dabei handelt es sich laut Cover sogar um eine gekürzte Lesung des Romans! Aber dann bleibt man doch gern dabei.

Die enormen kulturellen Unterschiede zwischen dem (West-)Deutschland der mittleren achtziger Jahre und den damaligen USA werden sehr schön heraus gearbeitet. Das wird besonders deutlich in dem Abschnitt über den harten, fast militärisch anmutenden Trainingsalltag des dortigen Highschool-Basketball-Teams und der damit verbundenen Begeisterung und Anteilnahme, sowie der Erfahrung des Rückkehrers mit dem von ihm wunderbar geschilderten, hilflosen und sehr vergeblichen Versuch, an seinem heimischen Gymnasium etwas ansatzweise Vergleichbares aufzuziehen.

Handelt es sich hier um einen autobiografischen Text? Ich denke schon. Andererseits überrascht das erschreckend schlechte Englisch des Autoren, das hier immer mal wieder zum Einsatz kommt. Wenn das alles sein sollte, was von seinem einjährigen, zugegeben lange zurück liegenden, Aufenthalt in den USA übrig geblieben ist, dann wäre das schon sehr verwunderlich.

Der Sinn des Romantitels "Alle Toten fliegen hoch" ist mir übrigens verborgen geblieben. Das ändert aber nichts daran, dass es sich hier um ein durchaus unterhaltsames und zum Teil auch lehrreiches Buch handelt.


Blackfield IV
Blackfield IV
Preis: EUR 9,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im wahrsten Sinne des Wortes schön, 15. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Blackfield IV (Audio CD)
In den Jahren 2004, 2007 und 2011 sorgte das Duoprojekt Blackfield mit seinen bisher drei Studioalben für musikalische Highlights, deren melancholisch-glitzernde Songperlen in der aktuellen Musikwelt ziemlich einzigartig waren. Und nun sind nicht einmal zweieinhalb Jahre vergangen, bis mit BLACKFIELD IV ein erneuter kleiner Geniestreich das Licht der Welt erblickt hat.

Israels Popstar Aviv Geffen, eh schon immer die treibende Kraft, hat nunmehr endgültig die Stabführung übernommen. Während Kumpel Steven Wilson mit der Produktion seines sperrigen, aber viel gelobten (Jazz)-Prog-Monuments THE RAVEN THAT REFUSED TO SING beschäftigt war, begann Geffen, seine musikalischen Vorstellungen vom vierten Blackfield-Album in die Tat umzusetzen. Artig konzidiert er gleichwohl, dass Wilson an den meisten Stücken beteiligt gewesen sei, dass er mitsinge, diverse Gitarren spiele und die Songs auch abgemischt habe. Nun schön. Trotzdem ist dies eindeutig ein Werk von Aviv Geffen, und das ist auch gut so.

Denn was für ein wundervolles Album ist ihm hier gelungen! Jeder der zehn Songs ist eine Perle für sich, wobei einige, wie immer, noch herausragen: Der Opener "Pills" knüpft fast nahtlos an mein absolutes Lieblingsstück "End Of The World" von BLACKFIELD II an. 'There's a pill for every hour / These days you don't have to feel'. Oder das schwebende kleine Liebeslied "X-Ray", gesungen von Vincent Kavanagh (Anathema). Oder "Firefly" mit Leadsänger und Geffen-Idol Brett Anderson (Suede). Oder die zauberhafte Miniatur "The Only Fool Is Me" mit Jonathan Donahue (The Flaming Lips). Oder das schwelgerische "Jupiter", für das Ilana Yahav ein unbedingt sehenswertes Sandkunst-Video beigesteuert hat. Oder die kraftvollen, von Wilsons Gitarren getriebenen, gleichwohl zutiefst melodischen "Kissed By The Devil" und "Lost Souls".

Nicht nur die opulenten und vor allem echten (!) Streicherarrangements erinnern mich wiederholt an das, was Robert Stigwood für die legendären ersten drei, vier Alben der Bee Gees zwischen 1967 und 1969 aufs Band gezaubert hat. Die blutjungen Gebrüder Gibb waren damals wiederum nicht unerheblich von den Beatles beeinflusst, von deren unvergänglichem Gestus zum Beispiel "Kissed By The Devil" ganz stark inspiriert worden sein muss.

Einige Kritiker beklagen sich darüber, dass BLACKFIELD IV ganze einunddreißig einhalb Minuten lang ist. Dazu sagt Aviv Geffen: 'Das ist ein Statement. Man misst Kunst nicht mit einer Stoppuhr. Wir haben viele Tracks von der Scheibe geschmissen, die mal eben gerade so in Ordnung waren. Ich hasse es, wenn Künstler Füllmaterial auf ihren Platten zulassen'.

Selten habe ich eine zutreffendere Aussage gehört. Im Übrigen kommt einem die Scheibe im positiven Sinne viel länger vor als eine halbe Stunde. Dieser Effekt ist sicherlich auch dem Umstand zu verdanken, dass hier jeder Song genau an der richtigen Stelle anzutreffen ist. Der 'Flow' von BLACKFIELD IV ist ziemlich einzigartig. Eine bittersüße Frühherbstplatte, die genau zum richtigen Zeitpunkt veröffentlicht worden ist. Gestern heruntergeladen und bereits mehr als ein halbes Dutzend Mal durchgehört. Ich kann mich nicht erinnern, wann zuletzt mir das mit einer neuen Scheibe passiert ist.

Fazit: Es gab in diesem Jahr und wird in diesem Jahr kein, im wahrsten Sinne des Wortes, schöneres Album mehr geben.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 15, 2013 3:09 PM MEST


Anderer Welten Kind
Anderer Welten Kind
von Wolfgang Ehmer
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

5.0 von 5 Sternen Die Leiden des jungen Lorenz, 12. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Anderer Welten Kind (Taschenbuch)
Westdeutschland 1957: Der 16-jährige Christian Lorenz wächst im Lübeck der restaurativen Adenauer-Zeit auf, in der ehemalige SS-Mitglieder, zu denen auch sein Vater gehört, völlig unbehelligt zu ihren Jahrestreffen zusammen kommen, in der Kinder und Jugendliche ebenso hart und gefühllos erzogen werden wie in der Nazizeit, und in der Männer, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen, fast ebenso unbarmherzig geächtet und verfolgt werden wie in den Zeiten des 'Tausendjährigen Reiches'.

Christian fühlt sich auf unerklärliche Weise zu dem jungen Maler Richard von Dülmen hingezogen. Eigentlich will er über 'Ricky' von Dülmen nur einen anderen Maler kennen lernen, von dem er sich erhofft, dass der vielleicht sein eigenes Talent erkennen und fördern möge, doch dieser Maler namens Malskat bleibt über den gesamten Roman hinweg ein abwesendes Mysterium.

Zeitgleich versucht Christian sich mit der Beziehung zu seiner Klassenkameradin Helga Korten verzweifelt und vergebens selbst zu beweisen, dass er völlig 'normal' ist und auf Frauen steht.

Autor Wolfgang Ehmer gelingt es mit seinem Roman ANDERER WELTEN KIND auf beeindruckende Weise, die Atmosphäre jener Zeit, die auch danach noch viele weitere Jahre Bestand haben sollte, in Worte zu fassen und lebendig werden zu lassen. Er liebt lange Sätze und versucht auf diese Weise, seinem literarischen Vorbild (?), dem weltberühmten Lübecker Homosexuellen Thomas Mann nach zu eifern, was ihm mal besser und mal schlechter gelingt. Wäre es ihm möglich gewesen, diese Geschichte bei einem großen Verlag unterzubringen (was sie zweifellos verdient gehabt hätte!), wäre ihm ganz sicher ein noch besseres Buch gelungen, denn dort hätte man diverse schreiberische Flüchtigkeiten (und erheblich zu wenige Kommas) sicherlich zu berichtigen gewusst.

Gleichwohl gelingt es nur sehr wenigen Autoren, die Gefühle und inneren Beweggründe der handelnden Personen auf derart eindrückliche und bewegende Art zu bündeln wie Wolfgang Ehmer. Als Leser empfindet, fühlt und leidet man mit. Man ist vollkommen dabei. Wie in vielen guten Romanen geschieht hier eigentlich gar nicht so viel, und trotzdem rechtfertigt sich jede einzelne der 419 Seiten durch ihren inhaltlichen Wert.

Ich werde dieses Buch jedenfalls niemals vergessen.


Panikpräsident: Die Autobiografie
Panikpräsident: Die Autobiografie
von Udo Lindenberg
  Audio CD
Preis: EUR 8,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Captain Größenwahn, 11. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Panikpräsident: Die Autobiografie (Audio CD)
Udo Lindenberg ist ein Gesamtkunstwerk. Vom genialischen Teenager-Drummer über den Folk-Rocker bei den City Preachers, den Jazz-Rocker bei Klaus Doldinger, den ersten deutschsprachigen Rocksuperstar bis hin zu einem der wenigen wirklichen Prominenten, die wohl mindestens 95 % aller volljährigen Deutschen kennen, zieht sich seine mittlerweile recht lange, äußerst abwechslungsreiche, ja abenteuerliche Lebensgeschichte.

Eingelesen von dem Schauspieler, Sänger und Seelenverwandten Ben Becker mit seiner wirklich unglaublich beeindruckenden Stimme sowie Udo L. himself, erweist sich PANIKPRÄSIDENT als eine im wahrsten Sinne des Wortes wegweisende (Auto-)Biographie, der man über viel zu kurze drei CDs hinweg geradezu atemlos lauscht. Vieles, sehr vieles wird hier enthüllt, aber ganz vieles auch ausgelassen und/oder verschwiegen. Da ich das gleichnamige Buch nicht gelesen habe und es sich hier laut CD-Cover um eine 'gekürzte Lesung' eben dieses Buches handelt, weiß ich naturgemäß nicht, was hier alles fehlt. Die anfangs angekündigte Erklärung, wie Udo zum Dauerhutträger wurde, ist im Hörbuch jedenfalls schon mal nicht enthalten. Unverständlich bleiben die Kürzungen allemal.

Natürlich finden sich in diesem Werk auch Ansätze von Selbstkritik und die Schilderung von künstlerischen Durchhängern, existenzieller Einsamkeit und Zusammenbrüchen, aber die Grundtendenz, die sich durch das gesamte Material zieht, lautet: Udo Lindenberg ist das Allergrößte, das der Menschheit seit der Erfindung des Rades oder zumindest der Brotschneidemaschine geschenkt worden ist. Erotik pur. Genialität im Quadrat. Inspiration ohne Ende. Captain Größenwahn. Kein Satz über katastrophale Alben wie SISTER KING KONG (1976), KEULE (1982) und diverse andere, kein Wort über planlose spätere Jahre (fast) ohne sein treues Panikorchester, über finanzielle Einbrüche, Egomanie und Selbstüberhöhung.

Sein früherer Roadmanager und 'Geheimrat' Erwin Hilbert, dessen damals halbwüchsige Söhne einst in Udos Liveband spielten, hat Mitte der Neunziger einige bemerkenswerte Dinge über Udo L. geschrieben: 'Zwischen den Konzerten sah ich, wie einsam und allein Udo in Wirklichkeit war. Als er bei den Proben unter einer Grippe litt, war einfach keiner da, der ihm einen Tee mit Honig brachte. So tat ich es. Nach den Konzerten, abends an der Hotelbar, da waren sie alle wieder da und berauschten sich auf seine Kosten. Leider ich auch' oder: 'Udo saugt dich aus. Wenn du dich ihm hingibst, bist du gewesen'.

Das ist es wohl, was alle wirklich großen Stars ausmacht: Sie strahlen nach außen und leiden nach innen; sie beherrschen das Dasein einer Gruppe von beruflich mit ihnen verbundenen Abhängigen, aber sie haben nur sehr, sehr wenige echte Freunde; sie leben bis zum Exzess und sterben oft sehr einsam. Man kann nur hoffen, dass Udo L. dieses Schicksal erspart bleiben wird.


Electric
Electric
Preis: EUR 9,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie eine Nacht in der Disco, 23. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Electric (Audio CD)
Guter Pop ist immer in Töne verwandelte Illusion von Liebe und Hass, Glück und Leid für drei oder vier berauschende Minuten. Manchmal unvergesslich, unvergänglich gar, gestanzt in die Erinnerung eines Menschen an bestimmte Situationen seines und/oder in die einer ganzen Generation an eine bestimmte Phase ihres Lebens.

Die Pet Shop Boys haben mit ihrem Synthie-Pop Dutzende solcher Songs fabriziert, ganz besonders natürlich in ihrer magischen und erfolgreichsten Zeit zwischen 1985 und etwa 1993.

Neben den betörenden Melodien war Neil Tennant und Chris Lowe fast immer die Tanzbarkeit ihrer Stücke ein besonderes Anliegen. Sie liebten und lieben bis heute die Nächte in den Clubs, die magenrüttelnden Bässe, die Klangeffekte, die Laserstrahlen, das Licht überhaupt. Jeder kann für ein paar erschöpfende, aber selige Stunden schön und wichtig sein in diesem Licht, ehe der Hangover die Tänzer brutal mit ihren alltäglichen Zumutungen konfrontiert.

Das Spätwerk ELECTRIC beschwört die Illusion der Nacht noch einmal ganz mächtig herauf. Die Sehnsucht nach dem Schweben, der Schwerelosigkeit und der verlorenen Jugend. Letztere ganz besonders: 'And everything about tonight feels right and so young / And anything I'd want to say out loud will be sung' ("Vocal"). Das ist so wunderschön, dass man heulen möchte.

Das Cover-Artwork dieses Albums, dem ersten nach der (schmerzhaften?) Trennung von ihrer langjährigen Plattenfirma, verzichtet trotzig auf die Nennung des Bandnamens und des Plattentitels. So als wollten PSB der ganzen Welt zeigen, dass sie immer noch groß und bedeutend sind. Früher haben Megabands wie Pink Floyd so etwas gerne gemacht.

Die Musik fließt bassbetont und mächtig aus den Boxen. Schon die dramatische Introduktion des ersten Titels "Axis" verspricht Gewaltiges, und so kommt es dann auch: Zunächst folgen Sequencertöne wie 1982 bei der fetten Drag Queen Divine ("Shoot Your Shot"), bevor es dann ebenso 80er-lastig weitergeht. 'Electric Energy' beschwört Tennant das Tanzvolk immer wieder aus den Tiefen des Weltenraumes. Recht hat er!

"Bolshy" (zu Deutsch 'patzig' oder 'pampig') fängt gut an und lässt dann schnell stark nach. 'Bolshy, Bolshy, Bolshy-o' singt Tennant, und das nervt genauso wie irgendwie das ganze Stück. Schnell weiterdrücken.

Mit dem eingängigen "Love Is A Bourgeois Construct" wollen PSB eindeutig den Hit. Eine bekannte Tonfolge des britischen Komponisten Henry Purcell nutzen sie hier so unterschwellig wie Madonna einst die legendäre Keyboardphrase aus ABBAs "Gimme Gimme Gimme (A Man After Midnight)". 'Liebe ist ein bürgerliches Konstrukt, und darum lasse ich das Bürgertum hinter mir' prahlen die beiden Salonbolschewisten und grinsen sich eins dabei.

"Fluorescent" ist ein eher moderner Lounge-Dancetrack, erinnert aber auch ein bisschen an Visage. Kann man gut hören, ebenso wie das schwebende "Inside A Dream".

Mit "The Last To Die" wagen sich Tennant/Lowe mal wieder an eine unerwartete Coverversion heran: Die hedonistischen britischen Intellektuellen brillieren ausgerechnet mit einem Song des 'Anwaltes des kleinen Mannes' Bruce Springsteen aus New Jersey/USA. Aber warum nicht, denn schließlich machten sie einst ausgerechnet die alte Schnulze "Always On My Mind" von Elvis Presley zu einem ihrer allerbesten und allergrößten (Tanz-)Hits.

"Shouting In The Evening" changiert zwischen melodischem Eurodance und grausligen Scratch-Effekten. Eine reine Tanzschuppennummer.

"Thursday (Featuring Example)" ist sehr typisch Pet Shop Boys, doch leider stört eine Rap-Einlage das Vergnügen.

Das letzte Stück heißt "Vocal" und verklärt im Text die oben erwähnte Liebe zu den Nächten in den Clubs und zu den Sänger/inne/n, die den Tanznummern dort erst ihre wahre Tiefe verleihen: 'I like the singer / He's lonely and strange / Every track has a vocal / And that makes a change'. Rhythmisch kommt der Titel ein wenig sperrig daher, doch vor ca. zwanzig Jahren war dieser Stil sehr verbreitet. Tennant/Lowe bedienen sich ja immer wieder gerne bei allem, was seit den 70ern bis heute in den Tanzhallen angesagt war und ist.

Insgesamt wirkt ELECTRIC wie die Kurzfassung einer abwechslungsreichen Nacht in einer guten Disco, wobei man nach solchen Nächten ja meistens auch nicht mehr so ganz genau weiß, welche Stücke da nun alle gespielt wurden. Soll heißen: Dieses Album entfaltet seine Wirkung eher als Gesamtwerk denn durch einzelne, überragende Songs. Und dieses Gesamtwerk macht verdammt viel Spaß.


Fußmatte Rubinrot 50x75 cm
Fußmatte Rubinrot 50x75 cm
Wird angeboten von Erwin Müller Versandhaus GmbH
Preis: EUR 24,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schaun mer mal, 16. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Fußmatte Rubinrot 50x75 cm (Haushaltswaren)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
In der Produktbeschreibung hier bei amazon wird nicht darauf hingewiesen, dass man diese Fußmatte VOR dem ersten Gebrauch separat waschen, danach auf niedriger Stufe schleudern und schließlich bei 90° C in den Trockner legen oder flach zum Trocknen auslegen soll, denn "dadurch richten sich die Fasern auf, der Mattenflor wird aktiviert und transportbedingte Falten und Knicke werden wieder glatt" (Zitat des Herstellers). Auf diese Weise soll man die Matte dann "regelmäßig" pflegen.

Ich habe keine Waschmaschine, und die Person, die für mich wäscht, hat sich geweigert, den besagten Vorgang durchzuführen. Und nun? Kann ich die Fußmatte trotzdem nutzen, oder erfüllt sie ohne vorheriges Waschen ihren Zweck nur unzureichend bzw. überhaupt nicht? Ich weiß es nicht.

Davon einmal abgesehen, wirkt die 'Wash & Dry' optisch und sensorisch absolut hochwertig. Und wenn man die Matte auslegt, geht jede Tür locker drüber. Das ist wirklich gut. Und die rubinrote Farbe ist absolut Klasse, weder zu blass noch zu grell. Gleichwohl bleibt die unbeantwortete Frage, ob die Fußmatte 'ungewaschen' überhaupt sinnvoll zu nutzen ist.

Wie sagt der Kaiser immer so treffend: Schaun mer mal!


Grohe 23349000  Start Loop Waschtischbatterie
Grohe 23349000 Start Loop Waschtischbatterie
Preis: EUR 59,89

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Elegant und sinnlich, 14. August 2013
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Der Fachmann, der mir die Waschtischbatterie gestern eingebaut hat, erzählte mir, dass dieses preisgünstige, aber hochwertige Set von einer Grohe-Tochterfirma hergestellt werde. Das erkenne man, neben der Verpackung, daran, dass der (nicht sichtbare) Ablaufeinsatz für das Waschbecken aus Kunststoff und nicht aus Metall sei. Ob diese Behauptung der Wahrheit entspricht, vermag ich nicht zu beurteilen. Der (sichtbare) Stöpsel ist allerdings verchromt und passt sich damit dem eleganten Look des Grohe 23349000 an.

Besagter Fachmann riet mir im Übrigen davon ab, den Kunststoffeinsatz zu nutzen, da dieser weniger haltbar sei als der vorhandene Einsatz.

Nun aber zu dem Einhandmischer selbst. Was soll ich sagen, außer, dass ich begeistert bin? Mit seiner schmalen Form sieht er toll aus, und die Bedienung des Gerätes könnte angenehmer nicht sein. Der Hebel ist sehr leicht zu bewegen; das Wasser strömt nicht einfach irgendwie aus dem Hahn heraus, sondern scheint weich und geradezu sinnlich dahin zu fließen. Das mag jetzt unpassend poetisch klingen, aber es beschreibt den optischen und akustischen Eindruck, der sich bei der Nutzung aufdrängt.

Der Grohe-Schriftzug auf dem Hebel veredelt den Gesamteindruck dann noch zusätzlich.

Kurzum: Für den derzeitigen Verkaufspreis ist diese Waschtischbatterie ein echtes Schnäppchen. Sagt übrigens auch der oben zitierte Fachmann.


Gary Puckett/Union Gap, Christie, Love Affair, Sharif Dean, Chicken Shack..
Gary Puckett/Union Gap, Christie, Love Affair, Sharif Dean, Chicken Shack..
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 19,79

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenig 08/15-Hits, 10. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
THE OLDIE COLLECTION gehört zu den wenigen CD-Compilations, die im Regelfalle nicht die üblichen 08/15-Hits in den Vordergrund stellen, sondern eher weniger bekannte Singles bekannter Interpreten oder gar richtig seltene Perlen hervor zaubern.

So enthält VOL. III zum Beispiel in sehr guter Tonqualität das extrem rare "Do You Love Me" von Sharif Dean, das im Spätsommer 1973 ein kleiner Singlehit in Deutschland war (Platz 34, vier Wochen in den Charts). Diesen Song hatte ich vor vielen Jahren mal teilweise aus dem Radio aufgenommen, ohne zu wissen, wer der oder die Interpreten waren. Dank des Internets habe ich es dann endlich herausgefunden. "Do You Love Me" ist ein Liebesduett, das man wirklich nur mit dem altmodischen Wort 'zauberhaft' beschreiben kann.

Und hier die Songlist der CD:

1 "Lady Willpower" Gary Puckett And The Union Gap
2 "San Bernardino" Christie
3 "Rainbow Valley" The Love Affair
4 "Ain't No Sunshine" Bill Withers
5 "Dirty Ol' Man" The Three Degrees
6 "Kiss And Say Goodbye" Manhattans
7 "Do You Love Me" Sharif Dean
8 "Hush" Billy Joe Paul
9 "I'd Rather Go Blind" Chicken Shack
10 "Son Of Hickory Holler's Tram" O.C. Smith
11 "Mellow Yellow" Donovan
12 "Let's Dance" Chris Montez
13 "Are You Ready" Pacific Gas And Electric
14 "I'm On Fire" 5000 Volts
15 "Me And Mrs. Jones" Billy Paul
16 "Sealed With A Kiss" Bobby Vinton

Viel feiner Stoff; empfehlenswert!


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20