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Rezensionen verfasst von
H.Schwoch "hschwoch"
(VINE®-PRODUKTTESTER)   

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On Flight to the Light
On Flight to the Light
Wird angeboten von dodax-online
Preis: EUR 5,59

3.0 von 5 Sternen Eher unauffällig, 31. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: On Flight to the Light (Audio CD)
Zur Veröffentlichung dieses Albums haute die Phonogram in ganzseitigen Anzeigen anno 1980 folgenden Spruch 'raus: 'SWP Music präsentiert Dreamworld und ihr sensationelles erstes Album ON FLIGHT TO THE NIGHT'. Und darunter stand: 'Die 80er Jahre schreien nach Geborgenheit. Dreamworld's Musik gibt eine beglückende Antwort'.

Ja, so war das damals, als sich zwei Brüder namens Klaus und Rolf Fichter aus Freiburg im Breisgau nach ihrer Zeit bei der Krautrock-Formation Yatha Sidra und Einsätzen in weiteren Bands zur Gründung eine Duos entschlossen, um ihren Traum von einer friedlichen, von Keyboards beherrschten Musik im Umfeld von Electronic, Ambient, Krautrock, Spacerock und Jazzrock zu verwirklichen.

Das Ergebnis war ... nun ja: eher unauffällig. Sicherlich gelangen ihnen einige hübsche Sequenzen, doch letztlich sorgten der emotionslose Gesang (ähnlich wie bei der seinerzeit sehr erfolgreichen deutschen Band Jane) und die wenig spektakuläre Produktion für ein letztlich nicht voll befriedigendes Gesamterlebnis.

Dass sich das französische Label Spalax 1997 zu einer Wiederveröffentlichung auf CD entschloss, war eine nette Idee. Dass dafür nicht das Original-Coverartwork verwendet wurde, ist dann schon weniger nett. Letzteres wird allerdings durch ein hübsches Digipack mit Songtexten und ausführlichen Informationen ausgeglichen.


Rattle That Lock
Rattle That Lock
Preis: EUR 1,29

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Netter Blues-Pop-Rock, 28. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Rattle That Lock (MP3-Download)
'So long sin, au revoir chaos / If there's a heaven, it can wait'.

Mit fast 70 Jahren geruht der Meister, uns also doch noch einmal mit neuem Material zu beglücken. Das Titelstück seines erst in zwei Monaten zu erwartenden Albums RATTLE THAT LOCK (frei übersetzt: 'Rüttle am Türschloss') kommt als recht eingängiger Blues-Pop-Rock daher, der mich stark an jene vielen Jahre erinnert, als Eric Clapton sich von einem gewissen Simon Climie in die kommerzialisierte Bedeutungslosigkeit produzieren ließ. Oder an die schwächeren Songs der letzten beiden Pink Floyd-Studioalben von 1987 und 1994 (ausgenommen der grandiose Nachklapp THE ENDLESS RIVER). Zudem scheint Gilmours Stimme altersmäßig (?) inzwischen doch stark angegriffen zu sein.

Will heißen: Dieser Titel ist ganz nett, aber zugleich völlig überflüssig. Braucht eigentlich kein Mensch. Und doch wartet man natürlich gespannt auf das Gesamtergebnis, sprich: das Album. So ist das nun mal mit uns verdammten Nostalgikern. ;-)


Another Life
Another Life
Preis: EUR 4,99

4.0 von 5 Sternen Zaubert ein Lächeln in die Seele und auf die Lippen, 4. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Another Life (MP3-Download)
Nach dem unrühmlichen Finale der Discowelle Ende 1979 war reine Tanzmucke verpönt, doch bereits etwa 1982 kehrte sie, zunächst fast unbemerkt, zurück. Junge Leute wollen halt immer tanzen, und die damals vorherrschende New Wave-/Synthiepop-Mucke gab ihnen zwar genügend tanzbare Songs, aber eben nicht genügend echtes Feeling.

Für Abhilfe sorgte unter anderem das italienische Studioprojekt Kano (angeblich benannt nach einer Stadt in Nigeria), das 1980 gegründet wurde. Drei Jahre später feierte es mit dem fabulösen "Another Life" ihren ersten und einzigen Charthit hier in Deutschland, der bis auf Platz 10 der Singlecharts kletterte.

Das Album zur Single erreichte Platz 19 und enthielt sechs melodische, abwechslungsreiche, im Durchschnitt sechsminütige Titel, die alle von Keyboarder Stefano Pulga geschrieben worden waren.

Kano hatten sicherlich von Bands wie Kool & The Gang gehört ("Dance School"), überraschten aber auch mit einem epischen Disco-Instrumentalstück ("Ikeya-Seki") und ganz am Ende sogar mit reinem Synthiepop à la Yazoo und Depeche Mode ca. 1982 ("China Star"). Und sie beeinflussten sicherlich ganze Horden nachfolgender europäischer Dance-Acts.

Damals interessierte mich das überhaupt nicht (ich hörte Anfang der Achtziger lieber Bands wie Genesis, Saga oder Foreigner), aber kürzlich habe ich mir ANOTHER LIFE herunter geladen, und seither läuft das Album sozusagen in Dauerschleife bei mir im Auto. Und warum? Weil es einfach für gute Laune sorgt. Es zaubert ein nostalgisches Lächeln in die Seele und auf die Lippen.

Der Klang des Downloads ist satt und voll, wobei seltsamerweise ausgerechnet der große Hit ein wenig spitzer und dünner klingt als der Rest. Zudem hätte ich mich als Zugabe über den Single-Edit von "Another Life" gefreut, der damals rund drei Minuten kürzer war als die Albumversion.

Aber was soll's: Bei diesem Preis sollte man sich wirklich nicht beschweren.


Rough Diamond
Rough Diamond
Wird angeboten von HURRICANE RECORDS BERLIN
Preis: EUR 12,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Allianz der Verzweifelten, 3. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Rough Diamond (Audio CD)
Im Sommer 1976 trafen Uriah Heep die schwere Entscheidung, ihren Leadsänger David Byron aus der Band zu werfen. Die Gründe dafür wurden in der deutschen Zeitschrift 'Pop' wie folgt verharmlost: 'Er hatte sich mit Ken Hensley, dem er den Führungsanspruch streitig machte, und seinen anderen Band-Kumpels längst in die Haare gekriegt. Denn Byron spielte den Star, und die anderen fühlten sich übergangen. Insider wissen es: Ken Hensley hatte ursprünglich die Schnauze voll gehabt und war während einer Heep-Tournee durch Amerika ausgestiegen. Zurück in London bereute er seinen Beschluss, berief eine Gruppensitzung ein und feuerte stattdessen den aufmüpfigen Sänger Byron'.

In Wirklichkeit hatte Byron durch jahrelangen Alkoholmissbrauch und die damit verbundenen Ausfälle sowie seine immer 'angestrengter' werdende Stimme das Wohlwollen seiner ehemaligen Freunde an den absoluten Rand des Erträglichen getrieben.

Wie auch immer: Der angekratzte Heldentenor gründete flugs eine neue 'Überband' ('Pop'), die aber in Wahrheit eher eine Allianz der Verzweifelten war: Gitarrist David 'Clem' Clempson (ex- Bakerloo, ex- Colosseum, ex-Humble Pie) war ebenso auf der Suche nach einer Brotarbeit wie der Schlagzeuger Geoff Britton, der in den späten Sechzigern bei East of Eden und Mitte der Siebziger kurzzeitig bei Paul McCartneys Wings gespielt hatte. Hinzu kamen mit Keyboarder Damon Butcher und Bassist Willie Bath zwei vollkommen unbeschriebene Blätter.

Das Quintett nannte sich Rough Diamond ('Rohdiamant'), ging im Dezember 1976 in London ins Studio und nahm sein Debütalbum auf, das, nach kurzem Rechtsstreit mit einer gleichnamigen anderen Band, schließlich im März 1977 erschien. Im Innencover der LP ließ Byron seinen Abschied von Uriah Heep aus seiner Sicht kommentieren: Er habe sich von der Band und nicht sie sich von ihm getrennt. Nun gut, geschenkt.

Musikalisch ließ sich das Ganze zunächst sehr konventionell an: "Rock'n'Roll" war ein sehr simpler Song, der auf einer UH-Scheibe als typische Box/Byron-Komposition irgendwo als Nummer vier oder sieben gelaufen wäre, aber ganz sicher nicht als Auftakt. Und dann quäkte irgendwann auch noch ein Saxophon (!) in die Nummer. Brrrr ...

"Lookin' for You" kam wesentlich lässiger daher und war eine Mischung aus Heep und Deep Purple Mark III. Nicht schlecht.

"Lock and Key" präsentierte sich als Mixtur aus Rock und einer Art Stevie Wonder-Pop-Soul-Funk. Das war '75/'76 sowohl bei Purple als auch bei Led Zeppelin ("Trampled Under Foot") recht angesagt gewesen. Schönes Solo von Clempson.

Mit dem Siebeneinhalbminüter "Sea-Song" endete die erste Seite der LP sanft und ein bisschen West-Coast-orientiert. Man könnte es etwas gewagt als Mischung aus "When a Blind Man Cries" und "Soldier of Fortune" (beide Purple) bezeichnen. Byron zeigte darin erneut, dass seine Stimme sich wieder erholt hatte. Lustig geriet eine Textzeile im Booklet der CD: Statt "'Cross the sea I hear our favourite song' heißt es dort nämlich ''Cross the seal I hear our favourite song'. ;-)

"By the Horn" war dann eine Art Southern Rock'n'Roll, der, genau wie das äußerst entspannt groovende "Scared" an irgendwas anderes erinnerte - wie eigentlich alles auf dieser Platte.

"Hobo" schien nix besonderes zu werden, ehe dann Butcher und Clempson loslegten und es noch etwas später auf einmal in Richtung Jazzrock und Fusion abging. Wirklich interessant!

Richtig strange wurde es mit dem gut zwei Minuten kurzen Keyboard-Instrumental "Link", bei dem man glauben konnte, dass die Klassikanhänger Rick Wakeman (Yes) und Keith Emerson (ELP) mal eben im Studio vorbei geschaut hätten.

Dieses Stück ging nahtlos über in den bluesrockigen Abschlusssong "End of the Line", bei dem Clem Clempson noch einmal zeigte, wozu er fähig war. Cool.

ROUGH DIAMOND wurde kein Erfolg. In England ging gar nichts (es war schließlich Punk-Time!), und in den USA landete das Album lediglich auf Platz 103 der Billboard-Charts. Etwas überraschend war es, dass die Scheibe selbst in der Uriah Heep-Hochburg Deutschland wie Blei in den Regalen lag.

Die damals hierzulande erschienene Langspielplatte litt unter einem dumpf-dünnen Klang, der auch durch die CD-Version von 2006 nicht wesentlich besser wurde. Aber immerhin ein bisschen.

Der globale Misserfolg entzweite die so hoffnungsvoll gestartete 'Supergroup' sehr schnell. David Byron flüchtete überstürzt, während der verbliebene Rest ein Album unter dem neuen Bandnamen Champion aufnahm, das jedoch komplett floppte.

Rough Diamond blieben eine Randnotiz der Rockgeschichte. Wer weiß, was geschehen wäre, wenn die Jungs ein wenig länger alle zusammen durchgehalten hätten, denn schlecht war diese Formation keineswegs.


Ich fühl mich Disco
Ich fühl mich Disco
DVD ~ Frithjof Gawenda
Preis: EUR 15,99

4.0 von 5 Sternen Skurril, trashig, anrührend, 31. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ich fühl mich Disco (DVD)
"Ich fühl' mich Disco" ist der Titel eines der vielen Ohrwürmer des kultigen (hier stimmt das Wort wirklich einmal!) Schlagersängers Christian Steiffen aus Osnabrück, dessen Debütalbum ARBEITER DER LIEBE wohl niemanden kalt lassen dürfte. ;-)

Rund um diesen Song hat der junge Regisseur Axel Ranisch eine skurrile Coming of age-Story gestrickt, in der als Gäste sein Mentor Holger Mischwitzky alias Rosa von Praunheim, der legendäre, mittlerweile 72-jährige, aber ewig junge Kämpfer für die Rechte des gleichgeschlechtlich orientierten Teils der Menschheit, und eben auch Christian Steiffen auftreten.

Der trashige Streifen, der sich durchaus dem filmischen Stil von Praunheims nähert, erzählt im wesentlichen die Geschichte eines sensiblen, dicken Jungen im Teeniealter und seines noch dickeren, allerdings eher unsensiblen Vaters, der beruflich ausgerechnet als (offenbar recht unfähiger) Turmspringtrainer agiert.

Sein Sohnemann Florian ('Flori') verknallt sich in Radu, einen gleichaltrigen Rumänen und Schützling seines Vaters. Radu ist jedoch nicht schwul und weist die ungeschickten Annäherungsversuche des von ihm wohl nur aus Mitleid beachteten und widerwillig sogar mit Küssen bedachten Jungen immer wieder zum Teil brutal zurück.

Hinzu kommt für Flori auch noch der allzu pötzliche Verlust seiner verständnisvollen Mutter, die aus heiterem Himmel einen Schlaganfall erleidet und fortan im Koma liegt.

"Ich fühl' mich Disco" ist trotz vieler Längen ein recht unterhaltsamer, teilweise märchenhafter und durchaus anrührender Film über ganz normale Menschen von Nebenan. Wer das übliche Happy End erwartet, liegt hier falsch, obwohl zumindest die allmähliche Annäherung von Vater und Sohn durchaus als ein solches gewertet werden könnte.

Die Bonussektion der DVD überzeugt u.a. mit dem Musikvideo von "Ich fühl' mich Disco" und einigen - warum auch immer - im Film nicht verwendeten Szenen, die, im Austausch mit anderen, für mehr Schwung gesorgt hätten.


Rhythm Inside
Rhythm Inside
Preis: EUR 1,29

1 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Niedliches Jüngelchen mit dünnem Nümmerlein, 27. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Rhythm Inside (MP3-Download)
Ist ja wirklich ganz niedlich, das Jüngelchen, aber sowohl seine dünne Stimme als auch der Song selbst überzeugen eher weniger.

Wenn man bedenkt, dass dieses Nümmerlein beim Eurovision Song Contest am Ende Platz 4 belegt hat und der in allen Belangen starke deutsche Beitrag mit null (!) Punkten ganz am Ende landete, dann macht man sich schon so seine Gedanken ... ;-)


Black Smoke
Black Smoke
Preis: EUR 1,29

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Absurdistan, 24. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Black Smoke (MP3-Download)
Eine echte Persönlichkeit, eine beeindruckende Stimme, ein großartiger Auftritt beim Eurovision Song Contest und ein fabelhafter Popsong über eine erloschene Liebe/Freundschaft mit einem Refrain, den man nie wieder vergessen wird. Und was kommt bei dieser Kombination heraus? Exakt NULL Punkte und der letzte Platz (zusammen mit dem tapferen Gastgeber Österreich).

Die traurigen Tatsachen dieses Abends in Wien bringen wieder einmal die ganze Sinnlosigkeit eines allzu bejahrten Wettbewerbs zum Vorschein. Und sie machen zudem deutlich, dass unser Land gerade einmal wieder nicht sehr beliebt zu sein scheint. Doch wen wundert's? Neid und Missgunst waren halt schon immer weit verbreitete Ratgeber.

Seltsam ist nur, dass Absurdistan gar nicht am ESC teilgenommen hat. ;-)

Ich wünsche Ann Sophie von Herzen, dass sie diesen Affront gut verdaut und man in Zukunft noch einiges von ihr hören wird.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 24, 2015 7:19 PM MEST


10,000 Light Years Ago
10,000 Light Years Ago
Preis: EUR 16,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eines der erträglichsten Soloalben eines Moody Blues-Mitgliedes, aber ..., 18. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 10,000 Light Years Ago (Audio CD)
Vor fast 50 Jahren wurde Bassist John Lodge Mitglied der legendären Moody Blues, der wohl einzigen bekannten Rockgruppe, bei der alle fünf Mitglieder regelmäßig als Komponisten UND Leadsänger agierten, von denen Lodge mit seiner wackeligen Stimme stets der schwächste war. Gleichwohl trug er mit Songs wie "Ride My See-Saw", "Eyes of a Child", "Isn't Life Strange?", "I'm Just a Singer in a Rock'n'Roll Band" oder "Steppin' in a Slide Zone" zum ewigen Erbe dieser Band bei.

1977 veröffentlichte er mit dem schlaffen NATURAL AVENUE sein bis dahin einziges Soloalbum, um nun überraschend erneut auf diese Weise tätig zu werden. 10.000 LIGHT YEARS AGO ('Vor 10.000 Lichtjahren') nannte er das gerade einmal knapp halbstündige (!) Ergebnis seiner Bemühungen.

Also, lieber John Lodge: Ein Lichtjahr ist eine Entfernungs- und keine Zeitangabe. Insofern hätte das Album also 10.000 YEARS AGO oder vielleicht 10.000 LIGHT YEARS AWAY heißen können; 10.000 LIGHT YEARS AGO macht hingegen überhaupt keinen Sinn. Aber haken wir das einmal als 'künstlerische Freiheit' ab.

Davon abgesehen geht es ja hier eigentlich um den musikalischen Wert des Ganzen. Zunächst muss man dazu festhalten, dass John Lodge, der am 20. Juli 2015 sein 70. Lebensjahr vollenden wird, nun wirklich überhaupt nicht mehr singen kann. Wer einen Song wie "Lose Your Love" (der ein wenig an "Let It Be" von den Beatles erinnert), vor allem aber dessen letzte Minute, jemals über sich ergehen lassen musste, dürfte daran keinerlei Zweifel mehr hegen. Das ist einfach nur peinlich, und man fragt sich als Jahrzehnte langer Fan der Moody Blues, wie ein solcher Profi Derartiges tatsächlich dem gnadenlosen Licht der Öffentlichkeit anheim geben konnte.

In den insgesamt acht Titeln des Albums herrscht insgesamt eine harmonische (natürlich!) und friedvolle (natürlich!) Atmosphäre vor. Das Auftaktstück "In My Mind" ist dabei mit seinen knapp fünf Minuten mit Abstand am besten gelungen und hätte auch auf einem späten Pink Floyd-Album einen guten Eindruck hinterlassen.

Das pop-rockige "Those Days in Birmingham" ist eine von diesen Kindheits- und Jugenderinnerungen, von denen es Tausende gibt. Ganz nett.

"Simply Magic", eine hübsche akustische Ballade, könnte auch von Chris De Burgh stammen und sticht dadurch hervor, dass die ehemaligen Moody Blues-Mitglieder Ray Thomas und Mike Pinder (!) dabei mitgewirkt haben sollen.

"Get Me Out of Here" ist dann wieder Poprock pur; altmodisch und recht eingängig, wobei die Melodie teilweise irgendwo geklaut ist. Wo, fällt mir im Augenblick nicht ein.

"Love Passed Me By" mit Akkordeon, einer beherrschenden Violine und einem Streicherarrangement kommt locker-leicht daher wie sommerliche Terrassenmusik für einen Abend im 30er-Jahre-Restaurant.

Mit "(You Drive Me) Crazy" geht's dann regelrecht rock-and-rollend zur Sache. Nicht übel. Paul McCartney lässt grüßen.

Über "Lose Your Love" habe ich mich bereits ausgelassen, und danach kommt dann auch schon das Finale in Form des Titelsongs "10.000 Light Years Ago", einem bombastisch-orchestralen Stück, das noch am ehesten an die Moody Blues, aber auch an die Beatles (respektive ELO) erinnert. Und es gab da ein Stück namens "22.000 Days" auf dem Moody Blues-Album LONG DISTANCE VOYAGER von 1981, das hier durchaus in Teilen Pate gestanden haben könnte. Ich mag das.

Am Schluss kommt natürlich die unvermeidliche Frage auf, wie man dieses Album letztendlich bewerten soll. Also, für Nostalgiker wie mich ist es eines der erträglichsten Soloalben eines Moody Blues-Mitgliedes, so viel steht fest. Wirklich gelungen oder gar großartig ist es aber auch nicht. Und - traurig aber wahr - die schrecklich derangierte Gesangsstimme von John Lodge lässt letztlich mehr als drei Sterne gar nicht zu.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 6, 2015 7:33 AM MEST


Black Earth
Black Earth
Preis: EUR 17,98

5.0 von 5 Sternen Prädikat 'Besonders Wertvoll', 9. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Black Earth (Audio CD)
'Bohren und der Club of Gore': was für ein Bandname! Viele Jahre hatte ich geglaubt, dass sich dahinter eine disharmonisch lärmende Industrial-Punkband oder so etwas in dieser Richtung verbergen würde. 'Irrtum', sprach der Igel und stieg von der Bürste!

Allerdings spielte das Quartett aus Mülheim an der Ruhr in den ersten Jahren ihres Bestehens seit 1988 laut Wikipedia-Eintrag tatsächlich 'eine Mischung aus Metal und Hardcore' (was immer Letzteres auch sein soll), doch irgendwann änderten sie ihre musikalische Ausrichtung geradezu radikal und sind nun schon seit geraumer Zeit als Meister der melancholischen Langsamkeit bekannt.

Will heißen: Piano, Synthesizer, akustischer Bass, Drums und dazu, in medizinisch gesunder Dosis, leicht heiser trötendes Bariton- und Tenorsaxophon geben sich ein Stelldichein, um eine verweht-melodische Atmosphäre zu kreieren, die ihresgleichen sucht.

Das Cover-Artwork, der Albumtitel und die Namen der im Durchschnitt etwa achtminütigen Stücke von BLACK EARTH scheinen die absolute Düsternis, vielleicht sogar eine Art musikalischer Begleitung zum Suizid zu beschwören. Doch dem ist nicht so! Eher schon wird hier eine zwar herbstlich-neblige, jedoch auch Weltschmerz-lindernde, ja auf wundersame Weise entspannende Wirkung erzielt.

Die spacigen Synthesizer könnten von Tangerine Dream stammen, die Pianoklänge erinnern gelegentlich an John Paul Jones' wunderbares Spiel in Led Zeppelins "No Quarter" von HOUSES OF THE HOLY (man wartet geradezu darauf, dass Robert Plant gleich zu singen anhebt: 'Close the doors, put out the light / You know they won't be home tonight / The snow falls hard, and don't you know / The winds of Thor are blowing cold'), das Schlagzeug verbreitet gelassene Geduld, und das Saxophon bildet den leicht jazzigen Background für nächtliche Fahrten durch neon-beleuchtete Großstadtstraßen.

Man kann die Scheibe eigentlich zu jeder Gelegenheit hören: ganz konzentriert zum guten Rotwein, als Hintergrund für tiefsinnige Gespräche und beim Lesen guter Romane oder auch zum chillenden Genuss beim Autofahren. Der Klang ist übrigens auf jeder Anlage von ungeheurer Tiefe und Klarheit.

Kurzum: Dieses Album verdient in jeder Hinsicht das Prädikat 'Besonders Wertvoll'.


SCHICK SCHOCK [Vinyl LP]
SCHICK SCHOCK [Vinyl LP]
Preis: EUR 19,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf den Bergen liegt kein Schmäh, 1. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: SCHICK SCHOCK [Vinyl LP] (Vinyl)
Österreichische Sänger und Gruppen waren hier in Deutschland schon immer beliebt und erfolgreich, angefangen bei Legenden wie Peter Alexander, Freddy Quinn und Udo Jürgens über Supermax, Georg Danzer, Falco, die Erste Allgemeine Verunsicherung, Andy Borg, Peter Cornelius, Rainhard Fendrich, Hansi Hinterseer, Schürzenjäger, DJ Ötzi, Christina Stürmer bis hin zu dem feschen 'Volksrocker' Andreas Gabalier.

Im idyllischen Kremsmünster gründete sich vor zehn Jahren ein Quartett aus 14- und 15-jährigen Schülern, das sich 'Bilderbuch' nannte und 2009 auf einem Indierock-Label ihr Debütalbum NELKEN & SCHILLINGE veröffentlichte. Sechs Jahre später und nach einigen Umbesetzungen gelten die Mittzwanziger Maurice Ernst (Gesang, Gitarre), Peter Horazdovsky (Bass), Michael Krammer (Gitarre) und Philipp Scheibl (Drums) als das nächste ganz große Ding.

Schuld daran ist neben Singles wie "Plansch", "OM" oder dem göttlichen "Maschin" vor allem ihr aktuelles, drittes Album SCHICK SCHOCK, das der Band nicht nur eine sensationelle Nummer 1 in ihrem Heimatland bescherte, sondern auch hierzulande gleichsam aus dem Nichts bis auf Platz 14 schoss.

Den Sound von Bilderbuch auf SCHICK SCHOCK als eklektisch zu bezeichnen, wäre schon fast untertrieben. Die Jungs bedienen sich dabei vor allem bei dem anämischen Funk-Pop von Prince und dem wilden Stilmischmasch ihres 'großen Bruders' Falco, aber auch Spuren der Neuen Deutschen Welle bis hin zu Rap und Hardrock sind zu finden. Manche Gitarrensoli streifen den Rand des Nervigen ("Plansch (!), "Rosen zum Plafond").

Obwohl sie aus Österreich stammen und inzwischen seit Jahren in der Hauptstadt leben, ist vom typischen Wiener Schmäh bei ihnen allerdings nicht einmal etwas zu erahnen. Und das liegt nicht nur an ihrem blonden Frontmann Maurice Ernst, der in einem vollkommen akzentfreien Hochdeutsch singt, sondern an der gesamten, opulenten Produktion des Albums, die auch genausogut in Hamburg, Frankfurt oder meinetwegen London entstanden sein könnte. Selbst in ihren Texten herrscht fast ausnahmslos ein großes, Neon beschienenes, jedoch keineswegs unsympathisches Nichts vor.

Der erste Eindruck von zwei, drei eingängigen Songs und neun oder zehn belanglosen Anhängseln verflüchtigt sich mit jedem neuen Hördurchgang. Man lernt vor allem erst einmal, die Stücke voneinander zu unterscheiden und begreift dann irgendwann, dass jedes davon seinen ganz eigenen Charakter hat. Was ihnen allerdings durchgängig abgeht, sind Herz und Seele sowie eine gewisse lebenserfahrene Tiefe. Auf diesem Gebiet haben die Boys noch Defizite, aber in fünf Jahren dürfte das wahrscheinlich schon ganz anders sein.

Die beiden LPs der Vinylausgabe (180 g) zeigen einige sichtbare Schlieren, was sich allerdings nur in den Leerrillen ein wenig auswirkt. Ansonsten ist der Klang einwandfrei. Ein Kärtchen mit dem Downloadcode für die mp3-Version liegt bei. Diese klingt satt und ausgewogen; keine Spur von dem berüchtigten 'Loudness-War'. Insbesondere Bassist Horazdovsky glänzt immer wieder mit beeindruckender Coolness, wobei ihm die tiefenbetonte Produktion sehr entgegen kommt. Das Bürscherl hat Talent.

Fazit: Diese Band wird demnächst noch bessere Alben machen und dann richtig groß werden. Und ihr Karrierekickstarter SCHICK SCHOCK ist ein gold glänzendes Pralinenschachterl, dessen Inhalt trotz eines gewissen Zuckerüberhangs und eines Mangels an wirklich nahrhaften Zutaten letztlich durchaus leiwand schmeckt. ;-)
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 20, 2015 2:17 AM MEST


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