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Mad Circus

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Macht: Überlegungen zu Theorien der Macht
Macht: Überlegungen zu Theorien der Macht
von Sebastian Lamm
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Interessanter Sammelband zum Thema Macht, 21. August 2012
Zum Thema "Macht" aus politologischer und soziologischer Perspektive mit folgenden Beiträgen:

1.) Vorwort von Alexander Biegler

2.) Die Demokratiekonzeption von Hannah Arendt von Monika Roth

3.) Niklas Luhmanns Machtverständnis von Kassian Mayr

4.) Luhmann meets Foucault von Sebastian Diezel

5.) Pierre Bourdieu: Macht und Bildungssystem von Christopher W. van den Hövel

6.) Bourdieu und die desillusionierte Demokratisierung von Niklas Moulin

7.) Macht und Subjekt als Kategorien der Gesellschaftskritik im Werk Michel Foucaults von Alexander Biegler

Alle Beiträge sehr gut lesbar !


Revolution denken: Heidegger und das Politische 1919 bis 1969
Revolution denken: Heidegger und das Politische 1919 bis 1969
von Florian Grosser
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Heidegger - ein politisch brauchbarer Philosoph?, 14. Juli 2012
Geht es um Heidegger und das Politische, dann könnte man in diesem Fall auch von einer unendlichen Geschichte sprechen. Die Diskurse des Feuilleton und der Hochschulen überkreuzen, widersprechen und überlagern sich seit Jahrzehnten. Die Frage harrt immer wieder der Aufklärung.

Nun erneut ein Vorstoß in dieser Richtung vermittels dieses Buches, welches sich recht klar gegen tendenziöse Darstellungen sperrt, wie sie Emmanuel Faye und Victor Farias vorgelegt haben.
Ersterer behauptete, dass Heidegger ein antisemitischer Nazi gewesen sei und liest ihn nahezu ausschließlich auf sein NS-Engagement während der dreißiger Jahre hin und fordert letztendlich den Verbot der gesamten philosophischen Schriften Heideggers: "Das gründliche Studium der heideggerschen Schriften zeigt, dass die Wirklichkeit des Nationalsozialismus, mit der wir beim Lesen Heideggers konfrontiert sind, keineswegs nur seine Sprache affiziert, sondern das gesamte Werk bis in die Wurzeln inspiriert und nährt, sodass es nicht mehr möglich ist, das Werk vom politischen Engagement zu trennen. Daher haben wir mit den von uns ans Tageslicht gebrachten Texten und den erfolgten Beweisführungen die Wirklichkeit des Unterfangens zeigen wollen, dem Martin Heidegger sich hingab: den Nationalsozialismus in die Philosophie einzuführen." (Emmanuel Faye, Heidegger, Die Einführung des Nationalsozialismus in die Philosophie, S. 21).

Florian Grosser geht einen anderen Weg, der für weniger polemische und einseitige Resultate sorgt und sich so weit möglich mit dem ganzen Heidegger, also Texten aus unterschiedlichen Schaffensperioden (ca. 50 Jahre), auseinandersetzt. Wesentlich allgemeiner fragt Grosser nach dem Begriff des Politischen von Heidegger und macht dabei die Entdeckung, dass dessen Denken nicht nur strukturell zweideutig ist und sich so manchmal mehr oder weniger leicht politisieren lässt, sondern auch zutiefst von einer Sehnsucht nach radikaler Umwälzung des Seienden und Gegebenen motiviert ist. Diese Grundstimmung eines revolutionären Pathos, die in den frühen, mittleren und späten Schriften als Leitmotiv immer wieder in veränderter Weise durchscheint, verdankt sich der einseitigen Sicht Heideggers auf die Geschichte, den Menschen und die politischen Realitäten, insofern er alles Gegebene als von Metaphysik durchdrungen apostrophiert und damit nivelliert und als radikal zu "überwinden" ansieht.
Daraus resultiert eine Überforderung und Vereinseitigung des Politischen, denn der Moment des Extrems (Ausnahmezustand) als Bruch mit gegebenen Ordnungen erfährt eine dauerhafte Privilegierung, wohingegen der Erhalt und die Stabilisierung einer politischen Ordnung (Norm) kaum Heideggers Interesse findet (vgl. S.128f.). Die Gefährlichkeit des Denkens Heideggers besteht darüber hinaus darin die politische Sphäre nicht als eigenständig, eigengesetzlich und stets prekär zu charakterisieren und immer wieder an einer philosophisch schillernden Ur-Ordnung im Sinne einer "Angesprochenheit von Seyn/Sein" zu messen: "Wollte man ein Merkmal von Heideggers politischem Denken, das sich zu einem Begriff des Politischen verfestigt hat, herausgreifen, an welchem sich dessen Bedenklichkeit besonders eindrücklich festmachen lässt, so böte sich dafür die dieses wesentlich prägende kontinuierliche Bezugnahme auf eine allen menschlichen Verhaltungen vorgängige 'ursprüngliche' Ordnung an. Denn die Annahme des Zugrundeliegens einer solchen und der in letzt-legitimatorischer Absicht vollzogene Rückgriff darauf bilden das hochproblematische Zentrum von Heideggers gedanklicher Bezugnahme auf das Politische." (S.139).

Alles Ontische erscheint Heidegger wie ein Metaphysiker im Stile Platons, der das Politische gerade darum verfehlt, weil er es nicht aus der Perspektive der praktischen Philosophie (so im Sinne von Aristoteles und endlicher Wahrheiten und Erwägungen), sondern der theoretischen Philosophie (so im Sinne von Platon und ewiger Wahrheiten) begreift. Politik sei bei Heidegger immer Seinspolitik (siehe auch Richard Wolin). Das heideggersche Engagement zur NS-Zeit wird aus dieser Warte dann auch zu dem was es ist, ein Ausdruck der Projektion dieser Sehnsucht nach einer Ur-Ordnung, die sich dann aber schnell als platonisches Simulakra erweist. Insofern ist die Gefährlichkeit des philosophisch-politischen Denkens von M. Heidegger allgemeiner und grundsätzlicher Art und korrespondiert mit den folgenden negativen Merkmalen ": das Verkennen der Eigenständigkeit und Eigengesetzlichkeit des Politischen; die damit verbundene vielfältige Unangemessenheit seines Begriffes des Politischen; das Desinteresse an realen, jedoch als ontisch und 'vordergründig' abqualifizierten Sorgen und Nöten der Menschen; sowie die Unfähigkeit zum differenzierenden Urteil in Hinblick auf historisch-politische Ereignisse und Konstellationen." (S.396).
Daraus folgt, dass Heidegger kein Nazi sein muss, damit sein politisches Denken prekär und unangemessen bleibt und das letztlich deshalb, weil sein Politikbegriff nicht vom Menschen ausgeht, sondern von der Wahrheit des Seyns/Seins. Florian Grosser geht nun soweit, dass er Heideggers philosophischem Entwurf im Hinblick auf die verwandten Diskursfelder und -autoritäten (wie Spengler, Jünger, Schmitt usw.) sogar Angepasstheit und Konformismus vorwirft. Schließlich jammerten viele Intellektuelle dieser Zeit über Werte-Nihilismus und "Seinsvergessenheit" und glaubten sich in revolutionären Fantasien verwirklichen zu können. Heidegger gehört ganz klar zu diesem Jammer-Diskurs.

Ob das Buch die Debatten um Heideggers Nazivergangenheit erfrischt, sei dahingestellt. Für Politologen und Interessierte ist es m.E. dennoch ganz ausgewogen, weil Politik nicht als Meta-Politik verstanden wird und Heideggers Defizite als politisch motivierter Philosoph klar herausgestellt werden. Die Anmaßungen eines Philosophen werden ganz klar als solche kenntlich gemacht und die Grenzen der Denkart Heideggers herausgestellt, ohne sich in unnötigen Polemiken zu verlieren. Auch wird gefragt, wo und in welcher Weise Heideggers Begriff des Politischen anschlussfähig sein könnte (Arendt, Marcuse, Ökologie usw.)

Eingeschränkt sei noch angemerkt, dass dem Buch einige Kürzungen gut getan hätten. Es hat teilweise Längen und ihm ist zu stark anzumerken, dass es sich nur um eine leicht modifizierte Hochschuldissertation handelt.


Mandela: Sein Leben und Wirken
Mandela: Sein Leben und Wirken
DVD ~ Nelson Mandela
Preis: EUR 11,99

13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Hagiographie, sondern eine auch kritische Würdigung des großen Mandela, 14. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Mandela: Sein Leben und Wirken (DVD)
Nelson Mandela ist eine weltweit bekannte politische und gesellschaftliche Ikone, Friedensnobelpreisträger und Ex-Präsident Südafrikas. Sein Name steht in einer Reihe mit so unterschiedlichen Freiheitskämpfern wie Gandhi oder Guevara und symbolisiert die Sehnsucht nach einer politischen Welt ohne Diskriminierung, Unterdrückung und Hass. Sein Kampf für die Gleichberechtigung der Rassen in diesem am untersten Zipfel des afrikanischen Kontinents gelegenen Land namens Südafrika brachte ihn für fast 30 Jahre in Gefängnis und steht stellvertretend für jeden menschlichen Versuch sich von Fremdbestimmung und Abhängigkeit befreien zu müssen und macht die Idee der Freiheit zum tragenden Motiv einer jeden Form von Politik.
Die menschliche Größe, sich den ehemaligen Unterdrückern nach der Haft nun gerade nicht ablehnend, ächtend und hasserfüllt zu nähern, sondern ihnen die Hand zu reichen und zur Versöhnung und Vergebung aufzurufen, ist deshalb auch so unvergleichlich beeindruckend und macht die Biographie Mandelas so bedeutsam.

Der Film, und das macht ihn sehr sehenswert, verbleibt nun nicht auf der Ebene des Mythos "Nelson Mandela", sondern zeigt auch das Scheitern seines politischen Wirkens als Präsident Südafrikas am Ende der 90er Jahre auf. Sicherlich, Menschen benötigen Inspiration und Motivation durch Helden und Heilige als Symbolfiguren für das, was normalerweise unerreichbar erscheint. Doch mit jeder Notwendigkeit von Heldentum geht die Illusion einher ein Einzelner könne die Welt verändern und das Handelns des Einzelnen sei zweitrangig. Doch das stimmt nicht.

Mandela scheitert nun nicht nur in der konkreten Armutsbekämpfung, sondern dessen Politik versagt auch vor der Herausforderung, die AIDS in Südafrika bedeutet. In vielen Dingen, so die Darstellung im letzten Drittel des Dokumentarfilms, scheitert der Realpolitiker Nelson Mandela an den pragmatischen Notwendigkeiten in der Alltagspolitik. Es bleibt am Ende die Frage, ob Symbolismen und Helden reichen, wenn wirklich etwas verändert werden soll und so stößt es übel auf, wenn Mandela sich von gutmenschlichen Multimillionären, wie Bono von U2 oder anderen Weltstars hofieren ließ und nur noch mit der Symbolfigur "Nelson Mandela" gleichgesetzt wird.

Kurz, alles in allem ist die Dokumentation abgewogen und betreibt keine Hagiographie.

Sehr sehenswert !!!


Die Nacht des Seins: Vierzig Jahre Denken, um nur noch schwarz zu sehen. Martin Heidegger
Die Nacht des Seins: Vierzig Jahre Denken, um nur noch schwarz zu sehen. Martin Heidegger
von Benno Hübner
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

5.0 von 5 Sternen Vom Irren der großen Philosophen, 4. Juni 2012
Dieses klug und in gewisser Weise unterhaltsam geschriebene Buch dreht sich um nichts anderes als um die Auseinandersetzung des Autors mit Heideggers Seinsdenken. Es ist in einfacher (und nicht akademisch verschwurbelter) Sprache verständlich geschrieben und spricht alle Leser an, die sich mit Heideggers Denken beschäftigen oder beschäftigt haben.
Dabei steht vor allem die Warnung anderer Leser im Vordergrund nicht (allzu viel) unnötige Energie in die Schriften Heideggers zu verschwenden und ist gepaart mit einer gehörigen Portion Selbstkritik des Autors, der sich einst als Promovierender bei Heidegger mit diesem über sein Dissertationsprojekt unterhalten wollte und dabei intuitiv im Gespräch mit ihm feststellte, dass das ganze Seins-Gerede und -Gesuche kaum mehr als ein Fetisch zu sein schien: 'Ich war dem Sein, verstärkt durch Heideggers Gerede darüber, auf den Leim gegangen. So kann die Absicht dieses Essays nur sein, aus der Sicht meines eigenen Scheiterns oder Fehlgangs darüber aufzuklären, wie Heidegger dem Sein verfallen und damit nicht nur sich selbst, sondern auch die vielen Seinshungrigen und -hörigen betrügen konnte, und gleichzeitig zu verhindern, dass weiterhin Menschen, vor allem Studenten, kostbare Zeit ihres Lebens auf dem Irr- und Holzweg zum Sein verschwenden' (S.13).
Das Sein, dem sich Heidegger mit einer 'quasi zwangsneurotischen Suche' (S.19) verpflichtete, 'erwies sich als eine Schimäre, als Projektion, als Wunschprodukt' (S.24), denn nicht nur der Autor des Buches, sonder auch Heidegger scheiterte an jedem Versuch das Ungreifbare greifbar zu machen. Dennoch kreiste sich in Heideggers Philosophie alles um diese ominöse 'Lichtung des Seins' oder 'der Wahrheit des Seins und endete mit den allbekannten Auswüchsen eines völlig haltlos gewordenen Jargons, der ständig um die selbe Sache kreist, wobei sich 'Heidegger jeder denkerischen Kontrolle' (S.27) seines eigenen Entwurfs zu entziehen wusste.

Der Autor deutet diese Seins-Sucht Heideggers als metaphysischen Trieb, dessen Zweck es ist, der Langeweile und dem existentiellen Nihilismus zu entkommen. Und weil der Mensch etwas braucht, woran er sich halten kann, um nicht beliebig oder umsonst zu sein, erfindet er große und beeindruckende Konstruktionen, wie Hegel den Absoluten Geist oder Marx den Kommunismus oder eben Heidegger das Sein und seiner vielbeschworenen ontisch-ontologischen Differenz.
Doch geht es ohne solche kuriosen metaphysischen, post-theologischen oder theologischen Artefakte menschlicher Fantasie, die dem Menschen als ein Absolutes erscheinen? Offensichtlich nicht, denn der Mensch bleibt süchtig nach Sinn und Lebenssinn (Vgl. S.79). Der Mensch ist auf seine Kopfgeburten angewiesen, wenn er nicht im Nichts stehen will, mag man diese dann als 'geistige Pathologien' (S.57) beschreiben oder nicht. Natürlich, '(d)ie Welt ist ' auch ohne das Sein. Auch ohne das Ereignis. Ist sie selbst doch das größte.' (S.57). Trotzdem, es muss einen metaphysischen Selbstbetrug geben, damit man diesen Selbstbetrug überhaupt zu denken wagen kann.


Fiskars Spaltaxt X25 Länge: 72 cm
Fiskars Spaltaxt X25 Länge: 72 cm
Preis: EUR 49,55

5.0 von 5 Sternen Kann allen bisherigen Rezensenten nur zustimmen, 14. Mai 2012
Es ist tatsächlich so, wie von den meisten Benutzern der Fiskars-Äxte beschrieben. Die Axt ist robust, handlich und sehr wertig und im Vergleich zu normalen Baumarktäxten jeden verdammten Euro wert, den man in sie investiert hat. Ich benutze die X25 mittlerweile 2 Jahre sehr erfolgreich und spalte pro Monat ca. 1 Raummeter normales Kaminholz jeder Art - auch verastetes Holz. Kein Abbrechen des Stiels gefährdet mich mehr, so wie es vorher immer der Fall war. Die Axt liegt gut und sicher in den Händen. Das Gewicht ist optimal und lässt ein längeres ermüdungsfreies Arbeiten zu. Ein manuelles Schleifgerät war im Lieferumfang enthalten und ermöglicht ein einfaches Nachschärfen der Klinge.

Ganz pragmatisch und summarisch lässt sich sagen: Wer im normalen Umfang Feuerholz spalten will und muss, sollte sich eine dieser Fiskars-Äxte zulegen !


Kein Titel verfügbar

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schade - Schade - Schade, 14. Mai 2012
Es ist ein Jammer mit diesen Schuhen. Optisch sehen die Adidas Beckenbauer sehr sehr gut aus. Ein klassischer Look und schöne Farben und ein abgewogenes Design ergeben ein rundum stimmiges Bild. Man könnte auch von Zeitlosigkeit reden. Neben dem Preis, der m.E. sehr hoch ist, können die Schuhe jedoch aufgrund ihres unfreiwilligen Sounddesigns nicht überzeugen. Wenn der Schuhträger mit diesen z.B. durch den Supermarkt geht, klingt es als ob er nasse Badelatschen an hätte. Es quietscht und quietscht und quietscht so hundsgemein laut, dass man sich fragt, ob die bei Adidas auch mal die Schuhe angezogen haben, bevor diese in die Läden kommen. Nun wäre das kaum schlimm, wenn es wenigstens eine Preisanpassung gäbe, aber für das Problem dieses Schuhs scheint die Firma absolut blind zu sein und man kann nur hoffen, dass andere Käufer auch so konsequent waren wie ich und die Schuhe einfach zurückgeschickt haben.

Die drei Sterne sind dementsprechend nur für das Design. Der Schuh selbst ist kaum 30 Euro wert und sollte mit anderen Materialien neu aufgelegt werden.


Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat: und andere Essays
Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat: und andere Essays
von Henry David Thoreau
  Broschiert
Preis: EUR 7,90

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Inspirierend und unterhaltsam, 14. Mai 2012
H.D.Thoreau war mir bis vor kurzem gar kein Begriff bis ich dieses Hörbüchlein in der Bibliothek gefunden habe, welches von Helmut Qualtinger gesprochen wurde, um es mir anschließend gleich in den Schrank zu stellen. Nie habe ich eine gleichermaßen bissige politische Rede gehört, die nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich und performativ, wie man so modern sagt, zum nonkonformen und ungehorsamen Verhalten gegen staatlichen Unsinn aufruft. Helmut Qualtinger spricht als hätte er den Autor verschluckt und der spräche nun aus ihm, wie ein wild gewordener Flaschengeist. Wahnsinn !!!

Ohne an dieser Stelle ein großes Pamphlet über das Pamphlet zu entwerfen, kann man nur dazu aufrufen sich die Schrift von Thoreau, in welcher Form auch immer, stets zu vergegenwärtigen. Auch wenn es sich nicht um eine großartige und argumentativ ausgereifte Begründung handelt, warum man sich denn nonkonformistisch verhalten solle, ist doch die Resolutheit mit der Thoreau seine Ideen vorbringt, einzigartig und hat, wie man interessiert feststellt, wenn man die Geschichtsbücher konsultiert, große wehrhafte Nonkonformisten wie Mahatma Gandhi oder auch Albert Camus (Der Mensch in der Revolte) inspiriert.

Wirklich empfehlenswert.


Jane's Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall
Jane's Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall
DVD ~ Jane Goodall
Preis: EUR 9,99

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heldenverehrung ?, 14. Mai 2012
Jane Goodall ist zweifellos eine engagierte Primatenforscherin, die sich aus Liebe zur Natur zur gesellschaftskritischen, ja fast zivilisationskritischen Aktivistin gewandelt hat und mittlerweile eine Art Popstar des Gutmenschentums darstellt. Trotz aller negativen Tendenzen im Umgang des Menschen mit seiner Heimstätte, der Erde, scheint Goodall gerade nicht den Glauben an den Menschen verloren haben. Das stimmt optimistisch und der gesamte Film ist durch diesen Ton angenehm utopisch gefärbt. Neben der Darstellung der interessanten Lebensgeschichte Jane Goodalls ist das der klassische und schöne Teil solcher sentimentalen Doku-Fiktionen und ich sage das nicht nur ironisch, um die Lebensleistung von Jane Goodall abzuwerten.

Dennoch verliert sich die eigentliche Botschaft des vorliegenden Doku-Films in der permanenten Heroisierung dieser wundervollen Frau, die als Inspirationsquelle für Menschen in allen Teilen der Welt fungiert, sie, die Welt aber nicht alleine retten kann und so pausen- und rastlos um die selbige reist, um andere Menschen mit ihren Ideen zu konfrontieren. Das allein als Fakt wäre schon eine Diskussion wert, wird aber überhaupt nicht kritisch hinterfragt. Insofern bleibt der Film, so gut er gemeint ist, auf einer harmoniesüchtigen Haltung hängen, die letztlich nur Attitude bleibt, weil außer der Anrufung des optimistischen Glaubens keine konkreten Ziele angesprochen werden. In dieser Hinsicht ist der Film Unterhaltung - mehr nicht - auch und gerade dann, wenn er in jedem Zuschauer die Sehnsucht nach Aktivismus und Tat weckt. Jeder Mensch sollte m.E. das Recht haben permanent zu reisen und sich als Kritiker menschlichen Verhaltens selbstzuverwirklichen, aber genau das ist unmöglich und eine völlig verfehlte Forderung.

Viele die diesen Film gesehen haben und sich vom schönen Schauer berühren ließen, werden genau eine solche Art der Kritik radikal ablehnen, weil sie lieber huldigen wollen, anstatt nachzudenken. Dennoch bleibt die Frage, warum an ein Vorbild nicht die gleichen Maßstäbe angelegt werden sollten, wie an jedem anderen x-beliebigen Menschen. Darin liegt auch die Paradoxie irgendwie. Während Goodall als Vielfliegerin die Welt, objektiv betrachtet, verpesten darf und dabei ihre Öko- und Sozialfiktion als symbolische Idee etabliert hat, der man kaum etwas entgegensetzen kann, weil es dem moralischen Konformismus widerspricht "dagegen" zu sein, wird ausgeblendet, dass es gerade diese gutmenschelnden Aktivisten sind, die die schlechtesten Ökobilanzen haben, gerade weil sie meinen aller Welt von ihrer Vision erzählen zu müssen.

Gerade deshalb wäre es auch wichtig dem vorliegenden Doku-Film kritischer zu begegnen als es die meisten Rezensionen hier getan haben. Das Problem besteht aus meiner Sicht nämlich gerade darin, dass es dem Film eher um eine Attitude des Wohlfühlens geht als um eine tatsächliche Verhaltensänderung. Mir ist auch nicht klar, warum, wie im Film dargestellt, Hühner getötet werden dürfen und Affen nicht. Sind Tiere denn ungleich? Hat denn nicht jedes Tier letztlich ein Recht auf Leben? Sind Affen denn nur deshalb so schützenswert, weil sie so menschenähnlich sind? Es gilt solche Paradoxien zuzuspitzen und daran die Konsequenz bestimmter Ideen und Weltanschauungen mit Gedankenspielen auszuprobieren, um zu sehen, wie weit man kommen kann.

Trotz allen Widersprüchen und Antinomien ist der Film sehr schön. Keine Frage. Vielleicht inspiriert er einige Menschen dergestalt, dass sie handelnd begreifen, wie wichtig es ist an etwas Gutes im Leben zu glauben und sich für die Vielfalt einzusetzen und nicht in starren Dogmen zu verharren.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 9, 2014 2:02 AM MEST


Mother
Mother
DVD ~ Kim Hye-ja
Preis: EUR 11,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Ambivalenz der Mutterschaft, 8. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Mother (DVD)
Mother ist ein südkoreanischer Film, der durch eine spannende Dramaturgie, schöne Bilder und eine nachdenklich machende Message überzeugen kann. Insgesamt ein Streifen, der zum Weiterdenken anregt und Diskussionen provoziert, insofern man bereit ist, sich weitergehend mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen.

Im Zentrum der Erzählung steht das Verhalten einer Mutter, deren geistig zurückgebliebener jedoch erwachsener Sohn aus ihrer Perspektive zu Unrecht wegen Mordes an einem jungen Schulmädchen angeklagt wird. Aufgrund der Untätigkeit der Polizei in diesem Fall, für die der Tathergang schnell festzustehen scheint, wird die Mutter in eigener Sache aktiv, um ihren Sohn, den sie definitiv unschuldig glaubt, zu entlasten und zu befreien.

Was dann kommt, mutet anthropologisch tiefsinnig und verstörend an.
Wie weit würde eine Mutter gehen, um ihren Nachwuchs zu beschützen? Ohne genaueres zu verraten: sehr weit. Nicht nur das Brechen gesellschaftlicher Konventionen oder gemeinsamer Gesetze, sondern auch Gewaltanwendung und Mord prägen einer Mutterschaft, deren Schutzinstinkt geweckt wurde eine Ambivalenz ein, die kaum mit gesellschaftlichen Normen und Werten vermittelbar scheint. Der Film zeigt die potentielle Macht einer solchen familiären Bindung, die in ihrer inhärenten Gewaltsamkeit gegenüber Dritten kaum zu überbieten ist, wenn der Beschützerinstinkt mobilisiert wird. Dekonstruiert wird das Ideal einer nur rein schützenden und behütenden Mutterschaft, die, je nachdem auf welche Feinde sie trifft, mit durchaus bedrohlichen Seiten aufwarten kann.

Ansehen!


Warum die Deutschen? Warum die Juden?: Gleichheit, Neid und Rassenhass - 1800 bis 1933
Warum die Deutschen? Warum die Juden?: Gleichheit, Neid und Rassenhass - 1800 bis 1933
von Götz Aly
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Provokant und lesenswert, 8. Februar 2012
Götz Aly präsentiert mit seinem neuesten Fachbuch eine Erklärungsweise der Entstehung des Holocaust, die genauso entschieden, wie plakativ anmutet und sicherlich umfassender Diskussionen bedarf, weil sie einige weltanschauliche Vereinfachungen reproduziert.

Grundlage für seine Herangehensweise an die Frage des 'Warum-konnte-das-Geschehen' ist das Aufspüren des alltäglichen, "kleinen" Antisemitismus, der durch ganz *verständliche, nachvollziehbare* Verhaltensweisen und Dispositionen des Durchschnittsdeutschen motiviert war und das 'charakterliche' Fundament für den Holocaust bildete. Charakterlich deshalb, weil der durchschnittliche Deutsche vor allem seine sozialen Aufstiegschancen durch die modernen, tendenziell säkularisierten und mit einem großen Emanzipationsdrang ausgestatteten jüdischen Deutschen bedroht sah und dementsprechend mit dem Reflex der Abwehr dieser sozialen Aufsteiger reagierte, um gleichermaßen in einem Kollektivismus, extremen Egalitarismus und antisemitischen Rassismus Halt zu suchen, der die eigenen Minderwertigkeitskomplexe und Defizite psychisch zu überwinden helfen schien. Kurz: Die Deutschen "suchten in eindimensionalen Weltanschauungen Schutz. Im Einzelfall hießen sie: Sozialismus, Kommunismus, Panslawismus, Pangermanismus, Nationalismus oder Antisemitismus" (S.289).
Scham über die eigene Unterlegenheit, umfassend gepaart mit im Verborgenen kultiviertem Neid, seien schlechthin die sozialen Motoren des mörderischen Antisemitismus in Deutschland, so der Autor, da das Wegsehen und Tolerieren des mörderischen Treibens im Großen, durch eigene Vorteilsnahme im Kleinen begünstigt wurde. Lästige wirtschaftliche Konkurrenz wurde ausgeschaltet, die ersehnte Arbeitsstelle oder die größere Wohnung des jüdisch-deutschen Nachbarn wurde frei. Der durchschnittliche Deutsche bezichtigte die Juden zudem ihrer umfassenden Gelehrsamkeit und Klugheit, die schon im Kaiserreich für einen "quantitativen und qualitativen Bildungsvorsprung" (S.93) der jüdischen Deutschen sorgte, der ihren wirtschaftlich-sozialen Aufstieg begünstigte. Der Deutsche "nahm ihnen den 'unheilvollen' Aufstiegswillen übel" (S.116) und definierte die Judenfrage implizit als sozialpolitisches und weniger als rassisches Problem. Paradox sei dahingehend, so Aly, dass gerade die gegenüber anderen Nationalstaaten weiter vorangeschrittene Selbstemanzipation und Integration der jüdischen Deutschen im 20.Jahrhundert den "speziellen Antisemitismus" begünstigt habe, der dann letztlich den Holocaust ermöglichte. (Vgl. S.7)

Aly will mit seinem Entwurf auch weg von einer Geschichtsschreibung, die in gute und böse Traditionslinien der deutschen Geschichte unterscheidet, um sicheren Abstand zu schaffen und den Holocaust als etwas geschichtlich Fremdes und Fernes erscheinen zu lassen und ihn damit letztlich als singuläres Ereignis zu enthistorisieren. Zitat: "Ich werbe [...] dafür, die Unterscheidung zwischen angeblich guten und angeblich bösen Linien und Traditionen der (deutschen) Nationalgeschichte aufzugeben. Sie verstellt den Blick auf ein zentrales historisches Problem: Auch deutsche Freiheitshelden und Demokraten, die sich unter den republikanischen Farben Schwarz-Rot-Gold sammelten, ebneten Wege, die am Ende nach Auschwitz führten. Sie proklamierten die Nation als Einheit von geschichtlicher Herkunft, Religion und Sprache. Sie stellten die Volkseigenart, den ethnisch definierten Volksgeist über die universellen Menschenrechte. Damit schlossen sie sogenannte Fremdlinge aus - im Namen nationaler Einheit." (S.70).
Viele für die Deutschen und ihre politischen und gesellschaftlichen Traditionen noch heute positiv bewerteten Identifikationsstifter werden als mehr oder weniger ausgeprägte Antisemiten dechiffriert, die diesen entweder für eigene Ziele zu instrumentalisieren wussten oder ihn geschickt auf die Bedürfnisse ihrer Landsleute zurechtbogen. Auf Zusammenhänge dieser Art aufmerksam gemacht zu haben, wird Götz Aly viel Widerspruch einbringen. Rüttelt er doch an den letzten behaglichen, moralischen Behausungen unserer Geschichte, die entlastend wirken könnten und zu beweisen schienen, dass die Deutschen nur irrtümlich einer Verbrecherbande aufgesessen sind und sich die deutsche Geschichte dual in gute und schlechte Traditionslinien aufteilen lässt. Mit anderen Worten; möglich war die Radikalisierung des Antisemitismus zur genozidalen Rassenideologie nur, weil sie durch das Wegschauen und partielle Mitmachen der Mehrheitsgesellschaft getragen und toleriert wurde, die sich im Einzelnen Vorteile erhoffte, um sich desto eifriger im Tolerieren der Herabsetzung ihrer jüdischen Mitbürger zu bemühen: "Die staatlich organisierte Entrechtung der Juden begleitete seit 1933 vielfältiger Zuspruch. Mehrheitlich galt er nicht dem Morden. Aber dass die Juden gedemütigt, enteignet, hart angefasst und zu schwerer Arbeit deportiert wurden, das billigten Millionen von stillem Neid, Missgunst, verhaltener Schadensfreude und Habgier durchdrungene Deutsche. Sie bildeten die soziale Basis für den Holocaust. Wie alle Neider versteckten sich auch Antisemiten hinter Scheinargumenten oder beifälligem Schweigen" (S.292).
Dieser Kleinmut und Sozialneid werde ganz besonders dann gefährlich, wenn die gesellschaftlichen Umbrüche nicht ein Umdenken und Andersdenken im Sinne des Liberalismus und eines 'gesunden' Selbstbewusstsein befördern, sondern in Rückzugs- und Angstreflexe münden, die sich immer gegen Minoritäten Bahn brechen. Diese mental und sozialpsychologisch so wichtige Differenz im gesellschaftlichen Erfolg haben, wurde zum kollektiven Fundament auf dem letztendlich der Rassen- und Vernichtungsantisemtismus aufsaß: "Neid und Versagensangst, Missgunst und Habgier trieben den Antisemitismus der Deutschen an - Gewalten des Bösen, die der Mensch seit Urzeiten fürchtet und zivilisatorisch einzuhegen versucht." (S.300). Kurz: Der Antisemitismus ist damit zutiefst mit dem sozialen Aufstiegswillen der Deutschen und ihrer Selbstbehauptung im Zusammenhang mit jenen geschichtlichen
Entwicklungen verbunden, die wir heute als "deutschen Sonderweg" bezeichnen.

Nun ist es so, dass das Motiv des Sozialneids in fast allen politischen Philosophien ein großes Thema ist. Schon bei Platon und Aristoteles als Pleonexie (Gier, Neid, Mehrhabenwollen) und damit als Ungerechtigkeit (!) bezeichnet, wird dieses Phänomen in fast allen bedeutenden sozialen Theorien zu einer wesentlichen Bedrohung für sowohl heterogene als auch homogene Gemeinschaften, besonders, wenn sie sich umfassenden Umbrüchen zu stellen haben. Platon empfiehlt diesbezüglich eine Auslese der Besten (Philosophenherrschaft) und das Sich-Fügen in den jeweiligen gesellschaftlichen Stand. Die Fixierung der Gesellschaftsschichten bedeutete für Platon politische Stabilität.
Soweit, so gut. Ich wäre geneigt, dem Neidphänomen das Etikett "Anthropologische Konstante" aufzuprägen, welches gleichermaßen negative und positive Effekte zeitigt. Götz Aly vermeint Ähnliches, wenn er am Ende seines Buches tief in die Mythenkiste greift und vor einer ähnlichen Wiederholung des Holocaust warnt: "Kain erschlug seinen Bruder Abel, weil er sich von Gott zurückgesetzt und ungerecht behandelt fühlte. Der erste Mord der Menschheitsgeschichte geschah aus Neid und Gleichheitssucht. Die Todsünde des Neides, kollektivistisches Glücksstreben, moderne Wissenschaft und Herrschaftstechnik ermöglichten den systematischen Massenmord an den europäischen Juden. Das zwingt zum Pessimismus: [...] Ein Ereignis, das dem Holocaust der Struktur nach ähnlich ist, kann sich wiederholen. Wer solche Gefahren mindern will, sollte die komplexen menschlichen Voraussetzungen betrachten und nicht glauben, die Antisemiten von gestern seien gänzlich andere Menschen gewesen als wir Heutigen." (S.301)

Trotz der sehr guten Darstellung, Verweise und der Knüpfung von weiterführenden Zusammenhängen nervt das Buch insgesamt durch die pauschalisierenden Untertöne. Deutsche werden zu sozialen Immobilitätstölpeln und Juden zu clevereren Experten und Vorbildern für sozialen Aufstieg in schwierigen Gesellschaftssituationen stereotypisiert. Der Liberalismus wird zur einzig tragbaren politischen Anschauung emporgehoben, jeder Egalitarismus hingegen wird zur potentiellen Trägerschaft radikalen Gedankenguts verklärt.

Dass alle politischen Prinzipien einer Mäßigung bedürfen, erwähnt der Autor wider besseren Wissens nicht. De facto kann jede politisch tragbare Idee instrumentalisiert werden, auch die des Liberalismus.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 13, 2014 5:12 PM MEST


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