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Rezensionen verfasst von
Sacharias

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Stained Class
Stained Class
Preis: EUR 6,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Für junge Hörer nicht ganz einfach, aber sehr gut, 4. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Stained Class (Audio CD)
Ich muss zugeben: Als ich „Stained Class“ das erste Mal gehört habe, war ich weniger begeistert. Gerade der Opener „Exciter“ ging mir ziemlich auf die Nerven. Inzwischen hat sich meine Meinung geändert und ich halte das Album mittlerweile für das interessanteste, beste und vielleicht auch „metallischste“ der fünf Judas-Priest-Platten aus den Siebzigern.

Für jüngere Ohren wie meine ist der Sound von „Stained Class“ auch in der remasterten Ausgabe erst mal gewöhnungsbedürftig. Vor allem die Gitarren klingen ziemlich dünn. Da wird man wahrscheinlich wesentlich schneller mit dem Klang der Nachfolger „Killing Machine“ und „British Steel“ warm.

Ähnliches gilt auch für das Liedgut. Zwar sind die Stücke von „Stained Class“ insgesamt etwas zugänglicher als die der Vorgänger, doch für Judas-Priest-Verhältnisse gibt es hier unterdurchschnittlich wenige Ohrwürmer. Die sehr gute Coverversion von „Better By You, Better Than Me“ ist da noch der größte. Das Stück klingt seiner Herkunft entsprechend sehr nach Hard Rock. An anderer Stelle präsentiert sich die Platte wesentlich härter und flotter. Der Up-Tempo-Einsteiger „Exciter“ würde mit heutiger Aufnahmetechnik wirken wie ein typisches Speed/Power-Metal-Lied und ist nach etwas Eingewöhnung für mich ein Glanzpunkt. Ähnlich, wenn auch etwas langsamer kommt der Titelsong daher, der mich durch seinen starken Refrain noch etwas mehr überzeugt als der Opener. An der Stelle sollte auch erwähnt werden, dass die Gitarrenarbeit beim ganzen Album wesentlich beeindruckender ausgefallen ist als bei den bekannteren Priest-Alben aus den Achtzigern. Am Schlagzeug gefällt mir Les Binks ohnehin mehr als Dave Holland, der ab „British Steel“ für die Priester getrommelt hat.
Absoluter Höhepunkt von „Stained Class“ ist meiner Meinung nach die knapp siebenminütige Halbballade „Beyond The Realms of Death“, die sich als einziges Lied der Platte bis zuletzt noch im Liveprogramm der Band befand. Derartig ergreifend (man beachte hier auch den Text!) ging es bei Judas Priest sonst kaum zu. Die anderen fünf Songs des Albums sind alle durchweg gut, erreichen aber nicht die Qualität der bereits erwähnten. Etwas unpassend ist „Fire Burns Below“, das Bonuslied der remasterten Ausgabe, welches ursprünglich in der Zeit des 1988 erschienenen Albums „Ram It Down“ entstanden ist. Überzeugen kann das Lied trotzdem, man sollte nur wissen, dass es nichts mit dem Ursprungsalbum zu tun hat.

„Stained Class“ ist ein Album, für das ich einige Zeit brauchte. So leicht wie etwa „British Steel“ oder „Screaming for Vengeance“ erschließt es sich ohnehin nicht, auch mit den Vorgängern „Sad Wings of Destiny“ und „Sin After Sin“ wurde zumindest ich schneller warm. Doch mit der Zeit entwickelte sich diese Scheibe,wie gesagt, zu meinem Priest-Liebling aus den Siebzigern. Die Stücke sind härter und „metallischer“ als auf den Vorgängern, gleichzeitig aber auch komplexer und in sich abwechslungsreicher als bei den Nachfolgern.
Ich hab lange überlegt, ob ich vier oder fünf Punkte geben will. Hätten wir jetzt das Jahr 1978, hätte ich mich bestimmt für letzteres entschieden. Da die Platte es jungen Hörern aber doch wesentlich schwieriger mit der Eingewöhnung macht als etwa „Killing Machine“ und Songs wie „Invader“ oder „Heroes End“ eben nicht mehr als „gut“ sind, entscheide ich mich für vier Sterne mit Tendenz nach oben.


Killing Machine
Killing Machine
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Am Anfang einer Reihe, 3. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Killing Machine (Audio CD)
Judas Priests „Killing Machine“ wirkt auf mich wie der etwas vergessene ältere Bruder des allgemein als Bandklassiker schlechthin anerkannten „British Steel“. Warum das Album nicht einen solchen Ruhm wie sein Nachfolger genießt, mag man aus der Zeit heraus, in der die Platten rauskamen, beurteilen können, im Rückblick bleibt für mich festzuhalten, dass sich die Alben qualitativ kaum unterscheiden.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger „Stained Class“ ist „Killing Machine“ deutlich besser produziert, weist härtere Gitarren auf und hat eingängigere, kürzere Lieder zu bieten. Damit besitzt es all die Eigenschaften, die auch die bandeigenen Erfolgsplatten der frühen Achtziger wie „Screaming for Vengeance“ oder eben „British Steel“ haben. Garvierende Einschnitte im Sound der Band gab es meines Erachtens jedenfalls erstmals wieder bei „Turbo“ von 1986. Allerdings gefällt mir Les Binks’ Schlagzeugspiel besser als das von Dave Holland, der in den Achtzigern für Judas Priest trommelte.

Die Lieder selbst können mich fast durchgängig überzeugen. „Delivering the Goods“, „Burnin’ Up“ oder das stampfende Titelstück bieten genau das eingängige, rockige Material, das Judas Priest so beliebt gemacht hat. Mit den etwas rasanteren „Hell Bent for Leather“ und „Running Wild“ verhält es sich ähnlich, während mit „Before the Dawn“ zum ersten Mal eine sehr zugängliche Ballade im Bandkatalog zu finden ist. „Take on The World“ ist eine Mitsinghymne ähnlich „United“ von „British Steel“, während wiederum „Evening Star“ als Partylied ein wenig das wesentlich bekanntere „Living After Midnight“ vom Nachfolger vorwegnimmt, wenn es auch etwas balladenhafter erscheint. Die Coverversion von „The Green Manalishi“ und das abschließende, vielleicht nicht ganz so eingängige „Evil Fantasies“ fügen sich qualitativ ebenso gut zum Rest des Albums ein, lediglich „Rock Forever“ fällt für mich etwas ab. Als anachronistischen Bonus auf der remasterten Ausgabe gibt es neben einer Liveversion von „Riding on The Wind“ noch „Fight for Your Live“, das zwar gut ist, aber in seiner musikalischen Endversion als „Rock Hard Ride Free“ von „Defenders of the Faith“ noch ein gutes Stück mehr hervorsticht.

Was ich im Rückblick immer noch ein bisschen schade finde, ist, dass die Band sich ab „Killing Machine“ erst mal von solchen langen, ausgefeilten Stücken wie „Victim of Change“ oder „Beyond The Realms of Death“ verabschiedet hat. Auch sind auf den Platten aus den Achtzigern insgesamt sicher ein paar mehr Songs dabei, die sich vom Rest abheben, als es hier der Fall ist. Dennoch ist „Killing Machine“ ein durchweg gutes Album, das auch jüngeren Leuten empfohlen sei, die sich an die 70er-Priests ran tasten wollen, denn es ist vor allem vom Klang her wesentlich leichter zu verdauen als seine Vorgänger.


Plagues of Babylon (Limited Edition)
Plagues of Babylon (Limited Edition)
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 51,37

17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geteilte Freude, 3. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Direkt zu Jahresbeginn erscheint Iced Earths neues Studioalbum „Plagues of Babylon“ und dem geneigten Fan stellt sich zuerst die Frage, ob die Herren um Jon Schaffer denn das Niveau vom Vorgänger „Dystopia“ haben halten oder sogar übertreffen können. Dieser wurde immerhin im Vergleich zu den zwei zwiespältigen „Something Wicked“-Alben vorher im Allgemeinen äußerst positiv aufgenommen und das, obwohl Sänger Matt Barlow – für viele wohl für immer DER Iced-Earth-Frontmann – die Band erneut verlassen hatte. Mich jedenfalls haben die Amis erneut überzeugt.

Im Gegensatz zu „Dystopia“, das ein Sammelsurium aus voneinander weitgehend unabhängigen Stücken bot, gehören beim neuen Album die ersten sechs Lieder zusammen. Angesiedelt sind sie mal wieder in Schaffers faszinierender „Something Wicked“-Story, bei deren Handlung ich zugegebenermaßen mittlerweile etwas durcheinander komme. Da hieß es schon bei „The Coming Curse“ vor bald 16 Jahren: „Mankind falls, something wicked comes“, und trotzdem braucht die Menschheit jetzt offenbar noch Nachschlag…

Wie dem auch sei, musikalisch bietet der erste Teil des Albums typische Schaffer-Riffs und in sich erfreulich abwechslungsreiche Lieder mit hymnischen Refrains. Los geht’s mit dem Titelstück, das eher gemächlich, dafür aber schön düster daherkommt, mir gut gefällt, den einen oder anderen allerdings sicher unangenehm an die letzten beiden Konzeptalben von Iced Earth (die ich auch nicht schlecht fand) erinnern wird. „Democide“, dessen Intro wie das des Openers vielleicht etwas arg lang ausgefallen ist, zieht dann das Tempo ordentlich an. Um an „Stormrider“-Zeiten anzuknüpfen, galoppiert die Gitarre nicht genug, doch trotzdem sollte „Democide“ auch die zufriedenstellen, die sich vor allem zur Frühphase der Bandgeschichte hingezogen fühlen. „The Culling“ ist dann wieder im Midtempo angesiedelt und hat einen herrlich pathetischen Chorus. Beim folgenden „Among The Living Dead“ wird’s erneut schneller und angenehm düster. Überhaupt ist der „Something Wicked“-Teil auf der Platte atmosphärisch sehr gelungen. Das gilt auch für „Resistance“, das an fünfter Stelle folgt und angenehm harte, zarte und theatralische Passagen verbindet. Abgeschlossen werden die Plagen mit „The End?“, dem abwechslungsreichsten Stück des Albums. Auf ein zartes Intro folgen härtere Strophen, ein überzeugend-„epischer“ Refrain und einige Zwischenspiele, bis das ganze so ruhig ausklingt, wie es begonnen hat. Damit hat es sich ausgewicked und bis hierhin bin ich voll von dem Album überzeugt, doch leider kann die zweite Hälfte der Scheibe nicht mit der ersten mithalten.

Tatsächlich klingt die nämlich ein bisschen so, als hätte man alle Ideen, die man noch so übrig hatte, irgendwie verwurstet, was aber nicht heißt, hier sei nur noch Käse zu hören. Mit „Cthulhu“ gibt es sogar noch eines der stärksten Stücke der Platte, das vom Stil her dem Konzeptteil noch am meisten ähnelt. Auch die Ballade „If I Could See You“ gefällt mir sehr, wobei man zugeben muss, dass sie dem Bandklassiker „I Died For You“ enorm ähnlich ist. Wäre das Lied von einer anderen Band geschrieben worden, hätte Schaffer berechtigte Plagiatsvorwürfe erheben oder einfach gleich mal mit dem „Peacemaker“ vorbeikommen können. Jenes Instrument wird im gleichnamigen neunten Lied besungen, das typisches Schaffer-Songwriting mit Westernatmosphäre verbindet. Die Mischung klappt gut, ein Höhepunkt der Scheibe ist das Lied aber nicht. „Parasite“ rifft sich dann munter dreieinhalb Minuten lang durch, wirkt dabei jedoch etwas ziellos, vor allem weil der Refrain nicht mitreißt. Ein Ausfall ist auch der Parasit nicht, an die ersten sechs Lieder kann er aber qualitativ nicht anknüpfen. Mit „Spirit of the Times“ gibt es noch eine Ballade, die Schaffer ursprünglich für sein Nebenprojekt Sons of Liberty geschrieben hatte und jetzt in leicht veränderter Version auf „Plagues of Babylon“ gelandet ist. Diese Wiederverwertung ist nicht schlimm, denn Sons of Liberty führt doch eher ein Nischendasein und das Lied selbst passt gut aufs Album. Der Text ist vielleicht etwas eigenartig, aber gut, nach „When the Eagle Cries“ kann mich beim Schaffer nichts mehr abschrecken. Zum Schluss haben Iced Earth den Country-Song „Highwayman“ gecovert und sich dafür die Frontsänger von Symphony X und Volbeat als Unterstützung geholt, die sich beim Leadgesang mit Block und Schaffer abwechseln. Von dieser prominenten Unterstützung abgesehen ist der „Highwayman“ meines Erachtens ziemlich unspektakulär. Das Riff ist einschläfernd und nach drei Minuten ist der Spaß schon vorbei. Dafür ist das kurze „Outro“ des Albums richtig stark. ARRRRRR

Insgesamt gefällt mir „Plagues of Babylon“ ein kleines bisschen besser als „Dystopia“, aber das ist sicher Geschmackssache. Der Konzeptteil des neuen Albums ist richtig gut und auch im zweiten Teil ist nichts wirklich Schlechtes dabei, das Niveau der ersten sechs Lieder kann jedoch nicht gehalten werden, ab Titel Nummer neun ist für mich kein Kracher mehr dabei, sodass ich den fünften Stern mal wieder nicht vergeben kann. Trotzdem sollten alle, die den Vorgänger oder Iced Earth allgemein mögen, mit der neuen Plage einigermaßen glücklich werden. Ach ja, wer Iced Earth noch nie mochte, wird durch „Plagues of Babylon“ auch nicht bekehrt, denn wirklich neu wird das Rad trotz einiger Experimente gegen Ende nicht erfunden und wenn Jon Schaffer Musik schreibt, hört man das meist ohnehin leicht heraus, egal, ob sie unter dem Namen Iced Earth, Sons of Liberty oder Demons & Wizards veröffentlicht wird.


Kunstraub
Kunstraub
Preis: EUR 9,99

15 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Es geht weiter bergab, 27. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kunstraub (Audio CD)
Seit In Extremo mit „Weckt die Toten!“ angefangen haben, Mittelalter-Rock zu machen, hat sich im Prinzip bei jedem neuen Album der Mittelalteranteil zu Gunsten der typischen Rockinstrumente verringert. Ganz abgesehen davon halte ich „Sängerkrieg“ von 2008 für das erste Werk der Band, bei der die Qualität deutlich unter das Standardniveau der Vorgänger sank. Trotzdem gab es genügend Höhepunkte, um auch die Platte nach etwas Eingewöhnung immer wieder gern zu hören. Beim Nachfolger „Sterneneisen“ war das schon weniger der Fall, denn immer mehr bekam ich den Eindruck, hauptsächlich nur mäßig zusammengebastelten Deutschrock mit Alibidudelsäcken und sehr eigenartigen Texten zu hören. „Kunstraub“ geht diesen Weg konsequent weiter: Kein einziges Lied ist nicht mehr in deutscher Sprache gehalten, die mittelalterlichen Instrumente treten noch mehr in den Hintergrund und die Lieder klingen noch weniger überraschend oder innovativ. Insofern wirkt „Kunstraub“ auf mich wie ein „Sterneneisen 2 für Arme“, das mich mit seinem altbekannten seichten Rock spätestens nach dem dritten Lied zu nerven beginnt.
Sicher, wer den Vorgänger wirklich mochte, wird auch mit „Kunstraub“ einigermaßen zufrieden sein, für mich ist die Platte überflüssig. Beim nächsten Album werde ich im Gegensatz zu diesem nicht aus nostalgischen Gründen vorbestellen, sondern mich vorm Kauf genau informieren, was auf mich wartet.


Nemesis (Special Edition)
Nemesis (Special Edition)
Preis: EUR 16,43

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eingängig und abwechslungsreich, was will man mehr?, 22. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nemesis (Special Edition) (Audio CD)
Für mich war das letzte Stratovarius-Album ein Beweis dafür, dass Bands nicht an Qualität verlieren müssen, wenn der langjährige Hauptsongwriter geht, denn während man „Polaris“ meines Erachtens noch anmerkte, dass sich die neue Truppe im Findungsprozess befand, ist „Elysium“ für mich ein Höhepunkt der gesamten Banddiskografie.

Über das neue Album „Nemesis“ konnte man nun im Vorfeld lesen, es sei vom Sound her moderner als seine Vorgänger geworden. Das kann ich nicht so recht bestätigen, vom Grundkonzept hat sich kaum was geändert. Auf „Nemesis“ hören sich Stratovarius im Wesentlichen so an, wie auf den beiden Vorgängern. Die einzelnen Lieder sind dabei aber stärker auf den Punkt gespielt, weisen fast alle eine große Eingängigkeit auf und erinnern so etwas mehr an die Werke aus der zweiten Hälfte der Neunziger als es „Polaris“ und „Elysium“ taten. Gleichzeitig gibt es aber genug Abwechslung sowohl zwischen den Songs als auch innerhalb der einzelnen Stücke, sodass nicht schnell Langeweile aufkommt. Gerade beim vorher als Single veröffentlichten „Unbreakable“ wird der Kompromiss zwischen Eingängigkeit und Abwechslung sehr deutlich. Ansonsten bietet die Platte einige poppig-heitere Nummern wie „Fantasy“ und „Dragons“ aber auch langsamere Songs mit sehr hymnischen Refrains wie „One Must Fall“ oder „Castles In The Air“. Etwas komplexer präsentieren sich das Titelstück und vor allem „Out Of The Fog“, welches bei mir einige Anläufe brauchte, um zu zünden. „Halcyon Days“ kann man von mir aus als „modern“ bezeichnen, denn der Synthesizer-Einsatz erzeugt bei dem Lied in Verbindung mit dem Rhythmus beinahe „Dancefloor-Atmosphäre“, was sicher gewöhnungsbedürftig ist. Eine Ballade ist mit „If The Story Is Over“ auch dabei, die ich für sehr gelungen halte, auch wenn man natürlich wieder mit dem „Kitsch“-Totschlagargument kommen könnte.

Der neue Mann an den Drums, Rolf Pilve, ist mir auch nicht negativ aufgefallen, wobei ich zugeben muss, dass ich vom Schlagzeug spielen keine Ahnung habe. Überhaupt fällt es mir schwer, wirkliche Kritikpunkte bei „Nemesis“ zu finden. Bedauerlich wird für manche sein, dass es keine klassischen Speed-Nummern wie „Father Time“, „Against The Wind“ oder „Learning To Fly“ gibt, zudem wurden die progressiven Anklänge zurückgefahren. „Elysium“ hat für mich der 18-minütige Titeltrack rausgerissen, ein Pendant ist auf der neuen Scheibe nicht zu finden, weshalb ich unterm Strich sagen würde, dass mir der Vorgänger im direkten Vergleich ein klein Wenig besser gefällt.

Als Fazit bleibt dennoch festzuhalten, dass Stratovarius hier ein sehr gutes, technisch wie immer einwandfrei gespieltes Album hingelegt haben, das Fans der Band und eigentlich alle, die europäischen Power Metal mögen, voll überzeugen sollte, weshalb ich für die Angesprochenen eine klare Kaufempfehlung ausspreche. Mit dem Digipack ist man sicher gut beraten, denn die beiden darauf enthaltenen zusätzlichen Lieder reihen sich gut ins Album ein.


The Industrialist (Ltd.Digipak)
The Industrialist (Ltd.Digipak)
Preis: EUR 18,05

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn der mechanisierte Fabrikant defabriziert..., 1. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Industrialist (Ltd.Digipak) (Audio CD)
Fear Factory ist wohl eine der Bands, die das Pech haben, bereits mit dem zweiten Album ihr bestes und einflussreichstes veröffentlicht zu haben. Danach konnten die Amerikaner machen, was sie wollte, egal, ob neue Wege eingeschlagen worden wie bei "Digimortal" oder "Transgression" oder ob im Wesentlichen an das Altbekannte angeknüpft wurde wie vor allem bei "Archetype", die Anmerkung "Nicht so gut wie 'Demanufacture'" seitens der Fans und Presse haftete jeder Veröffentlichung an. Einzig "Obsolete", der direkte Nachfolger des Referenzwerkes, genießt mittlerweile zumindest einen vergleichbaren Status wie die 95er Platte.

Mit "Mechanize" kam dann 2010 ein Album, mit dem die "neuformierte" Band nach langer Pause die Lücke zwischen den beiden alten Glanztaten füllen wollte. Letztlich demonstrierte die Scheibe Härte und Aggressivität, die man in der Form noch nie von Fear Factory gehört hatte, besaß aber nicht diese Einzigartigkeit, die die Veröffentlichungen der Neunziger hatten.
"The Industrialist" knüpft im Wesentlichen an seinen Vorgänger an, macht dabei allerdings ein paar Sachen anders und meines Erachtens besser, sodass er meiner Meinung nach eine deutliche Steigerung zum guten "Mechanize" ist.

Das neue Album startet direkt mit einem richtig starken Vierer, der mit dem Titelstück eingeläutet wird. Nach einem atmosphärischen Intro lässt Dino Cazares in gewohnter Weise seine Stakkato-Riffs los, im Hintergrund sind ein paar elektronische Spielereien zu hören und Burten C. Bell schreit sich die Seele aus dem Leib, zu den Death-Growls von einst reicht es aber leider nicht. Dass das Schlagzeug diesmal aus der Konserve stammt, stört übrigens überhaupt nicht, da die Musik sowieso maschinell und "anorganisch" klingt. Nach sechs Minuten entlässt uns "The Industrialist" - übrigens das einzige Lied, das komplett ohne melodiösen Teil auskommt - und es folgen mit "Recharger" und "New Messiah" zwei eingängige Lieder mit klargesungenen Refrains; besonders "New Messiah" versprüht dabei eine Atmosphäre, wie ich sie zuletzt auf "Obsolete" fand und gehört sicher zu den besten Songs der Platte. Als viertes kommt mit "God Eater" ein Titel, der immer wieder zwischen ruhigen, von sphärischen Synthesizern beherrschten Passagen und den üblichen Riffs wechselt und deutlich macht, dass ein bisschen Innovation auch noch bei dieser Band zu finden ist. Nach diesen vier Songs wird das Album etwas schwächer. "Depraved Mind Murder" und "Virus Of Faith" sind ganz typische Fear-Factory-Stücke, die beide an den etwas belanglosen Refrains kranken. "Difference Engine" bringt mit erhöhtem Keyboardeinsatz und seinem ungewöhnlichen Aufbau nochmal etwas Abwechslung rein und "Disassemble" drischt sich durch seine vier Minuten Spielzeit, drosselt sich nur beim hymnischen Kehrreim und direkt vorm Ende etwas, herausragen kann keines der beiden Stücke. Nachdem es nun gut 35 Minuten hauptsächlich kräftig auf die Mütze gab, tut eine Entspannungspause gut. Das Instrumental "Religion Is Flawed Because Man Is Flawed", bestehend aus synthetischen Klängen, bietet dazu die Gelegenheit und führt uns zum wahren "Höhepunkt" der Scheibe. "Human Augmentation" ist neun Minuten lang und besteht aus allerlei Geräuschen, ab und zu gesellen sich noch Töne eines Tasteninstruments dazu und im Hintergrund spricht jemand finster vor sich hin - äh ganz stark. Was genau dieses Lied soll, weiß ich nicht, "A Therapy For Pain" ist im Vergleich hierzu richtig eingängig.
Nach nicht ganz 50 Minuten ist es dann vorbei und, vom letzten Song abgesehen, haben wir ein richtig gutes Album hinter uns, welches viel vom Vorgänger "Mechanize" hat, aber ein Stück atmosphärischer rüberkommt und noch etwas mehr an "Demanufacture" erinnert. Auch der lyrische Leitfaden des Albums von der Maschine, die zum Menschen wird, ist absolut Fear-Factory-typisch und bietet trotzdem was neues, vor allem weil die Texte diesmal die Sicht der Maschine und nicht die des Menschen verdeutlichen.
Auf dem Digipack folgen nach den regulären Tracks noch ein Remix von "Difference Engine" - sehr erheiternd, aber überflüssig - und "Landfill", das langweilig ist.

Insgesamt gesehen können alle, die auf etwas Abwechslung aus dem Hause Fear Factory gehofft haben, getrost Abstand von "The Industrialist" nehmen. Wer hingegen den Vorgänger mochte und sich nicht daran stört, dass sich die Platte insgesamt ziemlich einförmig anhört, darf blind zugreifen. An "Demanufacture" kommt "der Fabrikant" zwar natürlich nicht ran, sehr gut ist er trotzdem.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 6, 2012 4:03 PM MEST


Bereue Nichts (Limitiertes Digipak inkl. Bonustrack)
Bereue Nichts (Limitiertes Digipak inkl. Bonustrack)
Preis: EUR 14,13

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Starkes, wenn auch anfangs schwieriges Comeback, 26. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Als gegen Ende des letzten Jahres die Nachricht zu mir drang, dass Ewigheim ein neues Album veröffentlichen würden, war meine Vorfreude kaum noch auszuhalten, denn schließlich gehört das bis dahin letzte Album der Band "Heimwege" zu meinen absoluten Lieblingsplatten. Mir war klar, dass es "Bereue nichts" schwer haben würde, seinen Vorgänger zu übertreffen und letztlich hat es das meines Erachtens auch nicht geschafft, dennoch haben Ewigheim ein starkes Album rausgebracht, welches allerdings ein paar Anläufe braucht, um richtig zu wirken.

Musikalisch werden hier Gothic Rock/Metal, Doom Metal, "Neue Deutsche Härte" und elektronische Spielereien wild gemischt, sodass die Platte insgesamt ziemlich heterogen klingt, wenngleich die Songs für sich genommen meist über eine recht hohe Eingängigkeit verfügen. Insbesondere gilt das für die zwei Stücke "Morgenrot" und "Dürrer Mann", die mit ihren von reichlich Keyboardunterstützung begleiteten, einfachen Refrains sofort mitzureißen wissen. Im krassen Gegensatz dazu stehen die drei "doomigen" und balladenhaften Songs "Stahl trifft Kopf", "Der letzte Mensch" und "Was bleibt", wobei sich gerade bei den letzten beiden positiv bemerkbar macht, dass Schwadorf (wie Sänger Konstanz sonst vor allem bei "The Vision Bleak" aktiv) als vollwertiges Bandmitglied aufgenommen wurde und die Leadgitarren eingespielt hat, die noch ein wenig mehr Abwechslung in den sonst meist sehr rifflastigen Sound der Band bringen. Eines haben all die bisher genannten Lieder gemeinsam: Sie sind von hoher Qualität. Die langsamen "Schatten" brauchen sich trotz ihrer nur zwei Minuten Spielzeit auch nicht vorm Rest zu verstecken und "Schmutzengel", das durch seine druckvollen Riffs, die an das Ewigheim-Debüt "Mord nicht ohne Grund" erinnern sowie seinen aufdringlichen Refrain heraussticht, fügt sich ebenfalls qualitativ gut ein. "Heimkehr/Bereue nichts" zeigt einführend gleich die meisten Facetten des Albums und gehört zu meinen Favoriten. Etwas ab fällt meiner Meinung nach lediglich das schnelle "Staubfrei", da es hier weder einen großen Refrain noch sonst etwas herausstechendes gibt. Außerdem frag ich mich, ob es wirklich nötig war, zwischen "Der letzte Mensch" und einem Hidden Track, den man gern als regulären Ausklang nach dem anschließenden, netten Bonussong "Mal ehrlich" hätte verwenden können, sechs Minuten Stille zu lassen.
Textlich bewegt sich die Scheibe in gewohnt makaber-traurig-düster-zynisch-humorvollen Gefilden, ohne dass dabei die Parallelen zur Hauptgruppe "Eisregen" des Band-Führers Yantit zu groß würden.

Abschließend betrachtet, hat "Bereue nichts" bei mir einen hervorragenden Eindruck gemacht und sei allen Anhängern der Band aber auch allen anderen aufgeschlossenen Gothic- und Metal-Fans empfohlen. Bei den ersten Hördurchgängen rieselt ein Großteil der Musik vielleicht noch an einem vorbei, die Platte wächst allerdings schnell.


Des Wahnsinns Fette Beute (Deluxe Edition)
Des Wahnsinns Fette Beute (Deluxe Edition)
Preis: EUR 8,97

13 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Langeweile fettes Kind, 18. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe gerade einen wundervollen Schlaf hinter mir, der lediglich von einigen alptraumhaften Momenten unterbrochen wurde. Mein eigentliches Ziel war der frühabendliche Ruhezustand zugegebenermaßen nicht, eigentlich wollte ich OOMPH!s neues Album "Des Wahnsinns fette Beute" genießen, doch beim Versuch dies zu tun, ist eben ersteres rausgekommen. Zum Glück hab ich es bei vorhergehenden Versuchen geschafft, bei Bewusstsein zu bleiben, weshalb ich mich in der Lage fühle, zu erklären, warum diese Scheibe meines Erachtens ein fantastischer Baldrianersatz geworden ist.

Im Vorfeld hatte die Band angekündigt, dass das neue Album anders ' das heißt vor allem selbstironisch, abwechslungsreich und experimentierfreudig ' werde. Das stimmt letztlich auch teilweise, jedoch stellt sich bei genauerem Hinhören ebenso heraus, dass sich beim Großteil des Liedguts eigentlich alles wie auf dem Vorgänger "Monster" klingt, nur bedauerlicherweise ein ganzes Stück schlechter als beim zweitausendachter Werk, welches ich für annehmbar, wenn auch keineswegs herausragend halte. Insgesamt ist die Musik deutlich "elektronischer" geworden, außerdem gesellen sich in einigen Stücken spezielle Mittel dazu, die den entsprechenden Songs einen eigenen Anstrich geben, so werden beispielsweise bei "Seemannsrose" ein Akkordeon und Hintergrundgejaule eingesetzt, sodass das Stück nach "Seefahrt für über fünfzigjährige Alkoholiker" oder etwas anderem in der Art klingt, "Such mich find mich" könnte mit seinen "Dancefloor-Arrangements" sicher in jeder Dorfdisko gespielt werden. Derartige Experimente gab's auf Monster aber auch schon (z.B. "In deinen Hüften", "Revolution"). Die Texte sind diesmal extrem (und sehr wahrscheinlich beabsichtigt) albern und klischeeüberladen, nerven mich dabei allerdings mehr, als sie mich belustigen oder zum nachdenken anregen.

Aber das eigentliche Problem des Albums ist trotzdem die Musik, denn die ist bis auf zwei, drei Ausnahmen nichts als einschläfernd austauschbar und zeigt mir rückblickend plötzlich, wie gut eigentlich "Wahrheit oder Pflicht" war. Die ersten zwei Lieder "Unzerstörbar" und "Zwei Schritte vor" ziehen völlig belanglos an mir vorbei, irgendwelche Reaktionen zeig ich erstmals beim Refrain von "Such mich find mich", denn hier muss ich mich mit aller Kraft dagegen wehren, den Kopf rhythmisch gegen den Tisch zu schlagen, so furchtbar find ich derartige Musik. Wie erwähnt hat die Scheibe eben auch alptraumhafte Momente. Noch schlimmer wird der Spaß bei 'Deine Eltern' und "Kleinstadtboy"; so schlimm hab ich bei OOMPH! bisher nur bei "Wach auf!" gelitten. Der Rest der Songs versinkt im grauen Meer der Überflüssigkeit, gleich ob die Titel hauptsächlich auf Synthesizern aufbauen wie etwa "Bonobo" oder "Bis der Spiegel zerbricht" oder aber etwas mehr auf Gitarren wie z.B. "Komm zurück". Gut, ein paar Lieder sind schon ganz in Ordnung, als Anspieltipps würde ich "Kosmonaut" und "Aus meiner Haut" bezeichnen, doch letztlich bleibt für mich das überaus traurige Fazit: "Des Wahnsinns fette Beute" ist das mit Abstand schwächste Album der Band und vor allem für alle, die schon die letzten Platten zu poppig oder zu langweilig fanden, keineswegs zu empfehlen.


Lichter der Stadt
Lichter der Stadt
Preis: EUR 9,66

57 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Leider größtenteils nur noch nichtssagende Popmusik, 16. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lichter der Stadt (Audio CD)
Was waren das für furchtbare Momente? Ich saß vorm Fernseher und sah mir das erste Mal das Video von "Geboren um zu leben" an. Dieses Lied fand ich zugegebenermaßen entsetzlich belanglos, das Album "Große Freiheit" gefiel mir letztlich dennoch ganz gut, eben weil es größtenteils besser war als der Vorbote war und sich in der Musik nicht allzu viel gegenüber früheren Werken geändert hatte.
Für mich war Unheilig schon immer, bis auf einige Ausnahmen, seichte Unterhaltungsmusik, wenn man von den meisten Texten absieht, "Große Freiheit" war eben noch ein bisschen seichter als das vorige Material und hatte meiner Meinung nach mit "Geboren um zu leben", "Unter deiner Flagge" und dem Titelstück drei absolute Ausfälle.
"Wozu nun dieser Blick in die Vergangenheit?", mag man sich berechtigterweise fragen. Ich will lediglich klarstellen, dass ich das Album weder als Hassprediger, der alle Unheilig-Veröffentlichungen seit 2010 als Verrat an der "Szene" (als wäre die so homogen, dass man sie ernsthaft so nennen könnte) anklagt, noch als Hurra-Fan, der im Grafen einen Übermusiker sieht und sich durch dessen Musik stets im tiefsten Herzen berührt fühlt, betrachte. Außerdem bewerte ich eben nur das neue Album und werde mich nicht weiter über die Veröffentlichungsflut, all diese Fernsehauftritte oder die "Winterland-Affäre" aufregen.

Beim letzten Album gefielen mir die härteren Stücke wesentlich besser als die sanften, die nach dem hochklassigen "An deiner Seite" von "Puppenspiel" plötzlich nur noch in seltenen Fällen nicht uninteressant waren. Erwartet hatte ich, dass meine Meinung zu "Lichter der Stadt" ähnlich ausfallen würde.
Da tun sich aber drei Problem auf: Erstens gibt es kaum Lieder, die ich für Unheilig-Verhältnisse als hart bezeichnen würde, zum zweiten scheinen dem Grafen die vielfältigen synthetischen Klänge ausgegangen zu sein. Sie wurden durch ein unangenehm ordinäres Popgerüst ersetzt. Als dritten Knackpunkt sehe ich die Texte, die im Wesentlichen in der absoluten Bedeutungslosigkeit angekommen sind.

Im Folgenden werde ich meine Meinung zu den einzelnen Liedern präsentieren, obwohl die Scheibe eine solche Arbeit eigentlich gar nicht verdient hätte.

1. Das Licht (-/10)
Als erstes erwartet uns ein Intro im Stile des Pendants auf dem Vorgängeralbum, bei dem elektronische Töne im Vordergrund stehen und das das Werk stimmig einleitet.

2. Herzwerk (8/10)
Das eigentliche Eröffnungsstück klingt zugegebenermaßen wie aus dem Standardwerk der "Neuen Deutschen Härte". Einfache, druckvolle Gitarren dominieren die Strophen, der Graf hält sich mit Wortspielen nicht zurück und im Refrain wird das Ganze ebenso keyboardlastig wie eingängig. Anfangs wirkt der Song vielleicht auch ein wenig belanglos, er wächst aber nach mehrmaligem Hören und ragt über das meiste, was noch folgen wird, bei weitem heraus.

3. So wie du warst (6/10)
Ja, das Lied hört sich fast wie ein zweites "Geboren um zu leben" an und der Text ist so vorhersehbar für die Tränendrüse gemacht, das jegliche Intensität, die meines Erachtens bei Balladen von entscheidender Wichtigkeit ist, sofort im Keim erstickt wird. Aber die immer wieder auftauchenden Chöre find ich überraschend passend, außerdem freut mich die Abwandlung des Refrains gegen Ende, weil durch diese etwas unerwartete Abwechslung reinkommt. Da hat die Platte wirklich schlimmeres zu bieten.

4. Tage wie Gold (5/10)
Dominiert wird der Titel von einer simplen, aber effektiven Melodie, dazu kommt ein Klangbrei im Hintergrund, der sich genauso wie in "So wie du warst" anhört. Also handelt es sich lediglich um ein Poplied, das unauffällig an mir vorbei rauscht. Der Text schließt sich dem an; er ist so durchschaubar, dass schon seine Erwähnung überflüssig ist.

5. Wie wir waren (4/10)
Das dritte Popstück in Folge wandert mir ins Ohr und nervt noch ein wenig mehr als die vorigen, weil Andreas Bourani mitsingt. Wenn ich den hören will, kauf ich mir seine Platten, bei Unheilig hat er mit seiner Allerweltspopstimme meines Erachtens nichts verloren. Der Text ist übrigens nicht besser als die "Tage wie Gold". Diesen Titel braucht niemand.

6. Unsterblich (3/10)
Die zweite richtige Ballade steht an, das Klavier begleitet den Grafen zu den Worten: "Du bist mein Glück, tust mir gut, wenn du bei mir bist", und ich schalt ab. Langsam verlier ich wirklich die Lust am Album. Gegen Ende wird der Song noch etwas "härter" und klingt dabei wie schon tausendmal gehört. Die Krone der Aufdringlichkeit setzt der Unsterblichkeit dieses "Mhhhhhmhhhh" auf, das beim Refrain ununterbrochen zu hören ist.

7. Feuerland (8/10)
Diesen Track hab ich mir schöngehört. Er erinnert an "Herzwerk", ist aber stärker vom Synthesizer geprägt. Erst mal läuft er, wie auf "Lichter der Stadt" üblich, an mir vorbei. Nach ein paar Durchgängen ist das Lied jedoch zu meinem Favoriten geworden. Von der Stimmung her lässt mich das Feuerland an "Puppenspieler" zurückdenken. Deshalb empfehle ich allen enttäuschten "Altfans", sich diesem Song etwas intensiver zu widmen. Hier erkennt man noch deutlich das, was Unheilig einst ausgezeichnet hat.

8. Lichter der Stadt (5/10)
Das Titellied ist ein langweiliges Pop-Rock-Stück mit Gute-Laune-Kehrreim. Lyrisch ist es nicht ganz so schmalzig und trotzdem irrelevant ausgefallen.

9. Ein guter Weg (6/10)
Zur Abwechslung gibt's mal wieder eine Ballade, die als Klavierstück losgeht und später etwas lauter wird. Der Text ist wahrscheinlich ernstgemeint, aber so oft wie hier "Drück mich fest an dich" gesungen wird, find ich ihn ziemlich witzig.
Eine Katastrophe ist der gute Weg nicht, wenn ich ihn jedoch mit "Sternenschiff", "Sei mein Licht" oder anderen ruhigen Unheilig-Titeln der fernen Vergangenheit vergleiche, frage ich mich ernsthaft, ob der Graf immer noch die Musik schreibt, die ihm wirklich gefällt, so wie er es stets behauptet.

10. Ein großes Leben (5/10)
Die nächste Ballade folgt auf dem Fuße. Zum Glück verabschiedet sie sich nach dreieinhalb Minuten schon wieder, in denen ich aufpassen musste nicht einzuschlafen, denn Text und Musik gaben mir reichlich Grund dazu.

11. Brenne auf (7/10)
...hat mich positiv überrascht, denn der "Popklangbrei", der mich bei den meisten anderen Liedern der Platte extrem stört, lässt hier in Verbindung mit den im Hintergrund gehaltenen Gitarrenriffs was ganz interessantes aus dem recht flotten Lied entstehen. Bei einer etwas anderen Instrumentierung hätte der Spaß allerdings ganz gut zu Jürgen Drews gepasst.

12.Zeitreise (2/10)
Nun sind wir am Tiefpunkt der Platte angekommen. Zur Musik gibt es nicht mehr viel zu berichten. Es ist halt eine Popballade, wie es tausende andere gibt. Den Todesstoß versetzt der Zeitreise aber Berufsmessias Xavier Naidoo, der rumjault, wie man es von ihm gewohnt ist und mir damit extrem die Stimmung vermiest. Sowohl wegen seines Gesangs, als auch wegen seiner Einstellungen, die er in manchen Interviews preisgab, hätte ich mir nie freiwillig die Musik von Mannheims trällerndem Sohn angehört. Jetzt hab ich mir was mit seiner Stimme gekauft, das lässt selbst mich bei der Bewertung unsachlich werden. Lieber Graf, diesen Angriff auf meinen Verdauungsapparat verzeihe ich dir nie!
Einzig positiv an dem Lied finde ich, dass der Text trotz des Gasts nicht von der Apokalypse handelt.

13. Das Leben ist schön (6/10)
...enttäuscht mich von allen Titeln am meisten, denn der Anfang klingt eigentlich ganz vielversprechend, weil man merkt, dass Unheilig mit Synthesizern mehr als den "Popbrei" kochen können. Der Chorus ist dann aber wieder ziemlich zudringlich, weshalb am Ende doch nur Durchschnitt rauskommt. Kommentare zum Text verkneif ich mir.

14. Eisenmann (5/10)
So gitarrenlastig wie hier war die Musik von Unheilig fast noch nie, dazu brummt der Graf wie in besten Zeiten und dennoch überzeugt mich der Eisenmann nicht. Das liegt daran, dass er keine Kraft auszustrahlen weiß und nichtssagend im Midtempo vor sich her dümpelt. Der fehlerhafte Imperativ von "brechen", dessen sich im Refrain bedient wird, macht's auch nicht besser.

15. Vergessen (8/10)
Moment mal, dem Sacharias gefällt eines der zarten Lieder? Ja, "Vergessen" finde ich nicht zum Vergessen (der war schlecht, ich weiß), sondern sehr gut. Der Track ist abwechslungsreich und lässt am Ende sogar den "Popbrei" hinter sich. Textlich hab ich zwar schon tiefsinnigeres von Unheilig gehört aber auch schon wesentlich flacheres, vor allem auf "Lichter der Stadt". Somit bleibt ein versöhnlicher Abschluss, der mich wegen der vorausgegangenen Enttäuschungen etwas deprimiert zurücklässt.

16. Die Stadt (-/10)
Wie gewohnt nimmt das Outro die Melodie des Einführungsstückes wieder auf. Der Graf schweigt, so kann man sich wenigstens nicht am Text stören. Meines Erachtens steht "'Die Stadt"' früheren Instrumentals wie "Moderne Zeiten" oder "Zelluloid" in nichts nach.

Wer Unheilig neu für sich entdecken will, oder wem '"Große Freiheit"' immer noch zu hart war, kann mit "Lichter der Stadt" sicher schnell den Zugang finden. Denen, die schon den Vorgänger zu angepasst fanden, empfehle ich, das neue Album nur zusammen mit einem Leidensgenossen zu hören, denn wie heißt es schon in "Ein guter Weg": "Es hat so oft geholfen, wenn man zusammen weint".
Kommentar Kommentare (13) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 22, 2012 3:27 PM CET


Rostrot (Ltd.Din A5 Digipak)
Rostrot (Ltd.Din A5 Digipak)
Preis: EUR 31,25

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Arbeitsfreudigkeit muss nicht schaden, 9. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Rostrot (Ltd.Din A5 Digipak) (Audio CD)
Wie viele unterschiedliche Tonträger haben die Leutchen von Eisregen - die Nebenprojekte mit eingerechnet - in den letzten fünf Jahren veröffentlicht? Es dürften um die zehn Stück sein, wenn ich mich nicht verzählt habe. Bei all der Schaffensfreude besteht ja eigentlich die Gefahr, das Material könnte unter der kurzen Reifungszeit leiden. Bei Rostrot ist das gottseidank keineswegs der Fall, Eisregen präsentieren sich frisch und im Vergleich zum Vorgängerwerk Schlangensonne wesentlich experimentierfreudiger, ohne dabei ihren Stil zu verlieren. Die Grenzen zwischen Klargesang und Roths typischem Gekeife verschwimmen auf Rostrot teilweise, was ich als angenehme Klangerweiterung empfinde. Passende elektronische Effekte finden über die Gesamtspielzeit verteilt häufiger ihren Weg in den Sound als zuvor und die schnellen Passagen klingen noch eine ganze Ecke heftiger als auf den letzten beiden Alben. Die Gestaltung des mir vorliegenden A5-Digis kann sich sehen lassen, auf Abdrucken der Texte wurde aber nachvollziehbarerweise vollständig verzichtet.

Am verständlichsten kann ich meine Sicht aufs Album wohl beschreiben, indem ich zu jedem Lied einen kleinen Kommentar mit MEINER PERSÖNLICHEN Meinung abgebe.

1. Erlösung (-/10)
Das Intro besteht aus einem bedächtig gesprochenen Text, der mit sanfter Klaviermusik begleitet wird. Gegen Ende wird's etwas aggressiver. Insgesamt ist "Erlösung" stimmungsvoll, aber unentbehrlich finde ich es zugegebenermaßen nicht.

2. Schakal - Ode an die Streubombe (7/10)
Das "Vietnamkriegslied" knüppelt sich ordentlich durch seine vier Minuten Spielzeit, wartet gerade zu Beginn mit ungewöhnlichen Keyboardklängen auf, lässt aber auf Dauer etwas an Abwechslung vermissen, deshalb halte ich es nur für gut und nicht überragend, was schade ist, denn der Anfang kommt jedes Mal richtig stark.

3. Madenreich (8/10)
Der "Gassenhauer" der Platte präsentiert ruhige Strophen und einen poppigen, mitsingbaren Refrain, der so schnell nicht aus dem Kopf geht. Ein bisschen härter hätte es vielleicht schon sein dürfen, aber alles in allem gefällt mir das Lied sehr gut, auch weil es sich so sehr von den anderen Stücken unterscheidet.

4. Ich sah den Teufel (8/10)
In gemäßigtem Tempo und unter vordergründigem Klaviereinsatz wird hier mit größtenteils klarem Gesang die Geschichte einer äußerst bedauernswerten Person erzählt. Leichte Marienbadeinflüsse lassen sich hier wie beim vorigen Titel finden und dennoch klingt der Song ebenfalls ganz klar nach Eisregen. "Ich sah den Teufel" benötigte ein mehrmaliges Durchhören, um bei mir zu zünden. Nachdem es das getan hat, stellt das Stück allerdings einen Höhepunkt für mich dar.

5. Blutvater (9/10)
Bei diesem Song wird wieder kräftig geknüppelt, wobei die ungewöhnliche Melodie und die sehr gut eingesetzten Töne aus der Tastenwelt hieraus ein weiteres Highlight machen.

6. Bewegliche Ziele (6/10)
...ist für mich klar der schlechteste Song des Albums. In mittlerer Geschwindigkeit grunzt uns Roth eine zweifelsfrei "schöne" Geschichte vor, die Musik blubbert aber nur belanglos vor sich hin. Wäre da nicht das sehr gelungene dramatische Ende, müsste ich noch weniger Punkte geben.

7. Kathi das Kuchenschwein (7/10)
Wie es der Titel schon vermuten lässt, wird in diesem Lied vor allem die humorvolle Seite der Band gezeigt. Musikalisch wird der Text durch relativ weiche Töne begleitet, ohne dabei aber langweilig oder "schlagerartig'" zu werden. Am ehesten kann man den Song meines Erachtens mit "Kai aus der Kiste" und "Das Allerschlimmste" vom letzten Album vergleichen, zumindest von der Wirkung her.

8. Wechselbalg (7/10)
...prügelt sich mal wieder durch und zeigt dabei an manchen Stellen klare Verwandtschaft zum "Schakal". Gutes Lied, mehr aber nicht.

9. Fahles Ross (7/10)
Der neunte Track ist zwar ruhiger als der vorige, hat aber ähnliche Probleme. Schnelle und langsame Passagen wechseln sich ab, doch das meiste klingt, als hätte man es schon mal gehört.

10. Rostrot (9/10)
Das Titelstück beginnt ruhig mit Akustikgitarre und steigert sich langsam zur Hymne. Höhepunkt ist der eingängige und dennoch ziemlich harte Refrain. Für mich ist das Lied auf jeden Fall eines der besten auf dem Album und eigentlich der perfekte Schlusspunkt. Leider kommt es aber auch nicht an die ganz großen Songs der Bandhistorie an.

(11. Madenreich-Remix (6/10)
Der Bonus des A5-Digis unterscheidet sich von der normalen Version vor allem durch den Gesang, der beim Remix insgesamt harscher ausfällt. Welche Version man bevorzugt, ist sicherlich Geschmackssache. Mir sagt das reguläre Madenreich mehr zu. Zumindest lohnt sich der Kauf der A5-Version nur wegen dieses Liedes meiner Ansicht nach nicht.)

Letztlich gefällt mir Rostrot etwas besser als Schlangensonne und ist ein wirklich gutes Album geworden, das durch seine große Abwechslung punkten kann. Ein richtiger Übersong fehlt meines Erachtens aber. Fans, die sich mit den letzten Alben anfreunden konnten, werden auch mit diesem Werk zufrieden sein, wer nur den Koloniezeiten hinterhertrauert oder Eisregen noch nie leiden konnte, wird mit Rostrot nichts anfangen können.


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