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Rezensionen verfasst von
Melanie Holtmann "Mekko!" (Utopia)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   

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Nachts im Museum
Nachts im Museum
DVD ~ Ben Stiller
Preis: EUR 7,45

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schreiend komisch - gähnend langweilig, und alles in einem Film., 28. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Nachts im Museum (DVD)
Wer "Nachts im Museum" anschaut mit dem Vorsatz, den Film zu mögen, der sollte lieber nicht darüber nachdenken, was alles möglich gewesen wäre. Viel mehr nämlich. Die Idee, ein ganzes Museum mit all seinem unterschiedlichen Inventar zum Leben zu erwecken, bietet so wahnsinnig viel Potential sowohl für Witziges als auch für Nachdenkliches, dass es wohl für fünf Filme reicht. Was Ben Stiller und Co. hier abliefern, ist denn auch in Teilen sehr witzig, insgesamt aber etwas mau. Zuallererst nervt die unausgegorene Vater-Sohn-Story, die natürlich mit dem obligatorischen "Mein Daddy ist der Größte" - Satz aus dem Mund des Nachwuchses enden darf. Auch die halbgare Romanze mit der angehenden Historikerin ist weder Fisch noch Fleisch, sondern wirkt wie halb unwillig in die Geschichte eingeflochten. Noch schlimmer allerdings: Das nahezu vollständig verschenkte Potential der drei Altstars um Dick van Dyke und Mickey Rooney, die alle ein bisschen altersruppig dreinblicken und reden dürfen, aber als echte Antagonisten irgendwie nicht taugen wollen. So bleibt als Hauptspaß schließlich die Konzentration auf das ganze zum Leben erweckte Personal aus allen Epochen der Geschichte. Da tummeln sich ein T-Rex-Gerippe, Theodore Roosevelt, Columbus, Octavian, ein frecher Cowboy und seine Horde, der wilde (und psychologisch höchst instabile) Attila, ein recht stupides Osterinsel-Relikt - und so weiter. Was nervt: Ein nahezu handzahmer Robin Williams als Teddy Roosevelt, der bloß mit einer unglücklichen Liebe beschäftigt ist und damit, pädagogisch wertvolle Ratschläge an den Mann zu bringen. Viel unlustiger geht's nimmer. Dennoch gelingen ein paar sehr witzige Szenen: Der apportiersüchtige T-Rex, die Zankereien zwischen Cowoboy und Römer und insgesamt das muntere Treiben des zum Leben erweckten Inventars trösten zeitweise über das nahezu völlige Fehlen einer tragfähigen Handlung hinweg. Als Film für die Kleinen ist das Ganze noch am ehesten geeignet, zumal selbst Ben Stiller hier streckenweise als bloßer Wasserträger der animierten Stars wirkt. Auf die angekündigte Fortsetzung darf man trotzdem gespannt sein.


Little Miss Sunshine
Little Miss Sunshine
DVD ~ Greg Kinnear
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 7,10

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Exzentriker on Tour - skurril und witzig., 28. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Little Miss Sunshine (DVD)
Ein Paps, der die Welt in Gewinner und Verlierer einteilt; ein suizidaler, schwuler Proust-Kenner-Onkel; ein drogensüchtig-vulgärer Opa; ein schwer pubertierender Teenie-Bruder mit Berufswunsch Testpilot und temporärem Schweigegelübde, eine überforderte Mutter und mittendrin "Little Miss Sunshine" Olive Hoover, die unbedingt an der gleichnamigen Kiddie-Schönheitskonkurrenz teilnehmen will, weshalb sich die gesamte Familie per VW-Bus auf den Weg macht - das sind die Zutaten für eine amüsante Roadmovie-Tragikomödie, die allerdings letztendlich doch wesentlich fügsamer und familienfreundlicher ist, als manche subversiv-fiese Details glauben machen wollen.

Die Charaktere sind fast ein bisschen zu schön, um wahr zu sein: Der stupide Daddy mit der Schwarz-Weiß-Mentalität bleibt irgendwie ein bloßes Klischee auf zwei Beinen, auch wenn Greg Kinnear ihm streckenweise durchaus ambivalente Züge verleiht. Alan Arkin hat sichtlich Spaß daran, den hemmungslosen Großvater zu mimen, auch wenn das streckenweise etwas arg abdreht. Eine wie immer tolle Toni Collette als Mama Hoover und ein sympathisch geerdeter Paul Dano als stummer Dwayne teilen sich zusammen mit einer famos forschen Abigail Breslin als Olive die starken Szenen; fast noch überraschender für mich war aber der Auftritt von Steve Carell, dessen Szenen viel für das emotionale Element des Films tun.

Die Handlung ist gespickt mit hübschen Episoden, wobei ich persönlich Richards nächtlichen Besuch bei Stan Grossman komplett überflüssig und die "Wo verstecken wir die Leiche?" - Sequenz nicht besonders pointensicher fand. Komplett wettgemacht wird das allerdings durch Olives fantastischen Auftritt am Ende des Schönheitswettbewerbs, der dem ganzen ziemlich abartigen System dieser Konkurrenzen eine volle Breitseite versetzt: Das Konzept, kleine Mädchen in, pardon, Nuttenverschnitte zu verwandeln, wird einfach mal locker zu Ende buchstabiert und Olive legt einen schreiend komischen Striptease hin - natürlich zur Empörung aller (?) Anwesenden. Das Ganze endet dann einen Tick zu harmonisch, aber unterhaltsam ist das allemal und sowieso eine erfrischende Abwechslung.


Ärger im Bellona-Club
Ärger im Bellona-Club
von Dorothy L. Sayers
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Unpleasentness - aber nicht für den Leser., 17. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Ärger im Bellona-Club (Taschenbuch)
Ein interessantes Problem ist oft sichere Gewähr für einen guten Kriminalroman. Dieses Problem hat es in sich: Am Morgen des Waffenstillstandstags findet man den alten General Fentiman tot in seinem Clubsessel. Zunächst ist damit auch alles in Ordnung - nur leider ist am selben Vormittag Fentimans Schwester, die betagte und steinreiche Lady Dormer, ebenfalls verstorben; und es hängt nun allein vom Todeszeitpunkt Fentimans ab, wer alles erbt. Lord Peter Wimsey ermittelt und stößt bald auf allerlei Ungereimtheiten.

Der "Ärger im Bellona-Club" bietet ein hübsches Problem und allerlei Zwielicht, daneben allerdings auch einen lebensvollen Griff in die Befindlichkeiten des zeitgenössischen England. Der noch nicht lange zurückliegende Erste Weltkrieg hat die Psyche vieler Ex-Soldaten arg angekratzt - unter ihnen sind eben auch Peter Wimsey und George Fentiman, ein Enkel des alten Generals und mithin nicht unverdächtig. Sein Schicksal soll wohl die Probleme der Weltkriegsheimkehrer illustrieren, sich wieder im Alltag zurechtzufinden; aber auch die Zeichnung der übrigen Figuren gelingt Dorothy Sayers, wie so oft, in bemerkenswertem Maße. So ist die Kriminalhandlung organisch eingewoben in ein großflächigeres Porträt, was denn auch einige Schwachstellen des Krimiplots in milderem Licht erscheinen lässt.

Der "Ärger im Bellona-Club" ist sicher kein Meister-Detektivroman, aber er lässt sich - wie fast alles von Sayers - gut durchschmökern. Deshalb ganz knapp an vier Sternen vorbei.


Das Geheimnis des roten Hauses.
Das Geheimnis des roten Hauses.
von A. A. Milne
  Broschiert

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht wirklich gut, aber flüssig zu lesen (SPOILER!)., 16. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Geheimnis des roten Hauses. (Broschiert)
Ein klassisches englisches Landhaus, ein verschlossener Raum, ein Mord - das sind eigentlich die Basiszutaten für einen richtig schönen Krimi. Agatha Christie hat das (fast zu) oft in Perfektion durchexerziert. A. A. Milne wählt ein ähnliches Setting als Ausgang - was er dann jedoch fabriziert, ist ein wenig enttäuschend. Zur Präzision der Story: Der reiche Snob Mark Ablett erwartet seinen missratenen Bruder Robert. Es fällt ein Schuss, und der zufällig anwesende Antony Gillingham findet zusammen mit Mathew Cayley, Marks 'Mädchen für alles', den toten Robert im Salon. Von Mark fehlt jede Spur...

... und Antony Gillingham beginnt als klassicher Amateurdetektiv, zusammen mit seinem 'Watson' Bill Beverley, den Fall zu rekonstruieren und klärt ihn schließlich auf. Milne legt sich hier bedauerlich schnell fest: Weder führt er großartig andere verdächtige Figuren ein noch bemüht er sich sonst darum, den Verdacht großartig vom einzigen näher vorgestellten Charakter abzulenken. Den hat Gillingham von Anfang an - fast ein bisschen in Columbo-Manier - auf dem Kieker, und alles, was an Entdeckungen folgt, ergibt sich immer unter dieser Prämisse. So ist zwar die Rekonstruktion des Falles nicht ohne Reiz, sie läuft aber insgesamt zu glatt. Die Hinweise werden etwas beliebig in die Handlung eingestreut; was das Motiv angeht, wird dem Leser bis zum Schluss ein wichtiges Detail vorenthalten. Kurz: Milne entwirft ein hübsches Drehbuch für die 45-Minuten-Folge irgendeiner Detektivserie, aber von der Klasse der ersten Garde britischer Detektivromane trennt ihn doch einiges.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 13, 2010 4:10 PM CET


Das Haus an der Düne
Das Haus an der Düne
von Agatha Christie
  Taschenbuch

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Beste am Ganzen ist die Lösung., 15. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Haus an der Düne (Taschenbuch)
Zu den stärksten Poirot-Krimis zählt "Das Haus an der Düne" für mich nicht; dazu habe ich vor allem im Mittelteil manche Seite mitunter recht ungeduldig umgeblättert, weil so wenig geschah. Die Auflösung halte ich jedoch persönlich für einen der verblüffendsten Christie-Clous; vor allem auch deshalb, weil man dann den ganzen Krimi sozusagen auf Spurensuche selbst noch einmal nach- und unter anderen Vorzeichen durchlesen kann. Grundsätzlich schreibt Agatha Christie sowieso keine schlechten Detektivromane; dieser hier ist vielleicht schwächer, aber - wie fast alles aus der Feder der Queen of Crime - immer noch lesenswert.


Die Katze im Taubenschlag
Die Katze im Taubenschlag
von Agatha Christie
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Hübscher Poirot - ohne Poirot., 15. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Katze im Taubenschlag (Taschenbuch)
Die "Katze im Taubenschlag" ist ein recht unterhaltsamer Poirot, schon weil das handelnde Personal ein für Agatha Christie ungewöhnliches ist: Die Geschichte spielt (zu großen Teilen) an einer Internatsschule für Mädchen. Dort gibt es die Freundinnen Julia und Jennifer, aber auch Prinzessin Shanda, deren Vetter Ali Yusuf kurz zuvor während eines Staatsstreichs in einem arabischen Land ermordet worden ist. Seitdem sind wertvolle Diamanten verschollen...

Hercule Poirot taucht erst nach zwei Dritteln des Romans auf, und allein daran sieht man, dass der Krimi kein typischer "Poirot" ist. Es geht lange Zeit erstmal um die Dynamiken innerhalb der Schule, deren Zentrum die energische Schulleiterin ist. Wir lernen allerhand unterschiedliche Lehrerinnen kennen, von denen fast jede irgendein kleineres oder größeres Geheimnis mit sich herumträgt, es geschieht ein erster Mord und das Unheil schwebt erst einmal recht vage über der Schule. Als später Poirot hinzugerufen wird, klaubt er im Grunde die Fäden nur zusammen und es lösen sich die Dinge auf, aber ohne Poirots berühmte Spielchen und ohne den großen "Wow, wie raffiniert" - Effekt bei der Lösung. Das Ganze ist fast mehr ein Drama als ein Krimi. Aber es unterhält ganz gut einen Nachmittag lang.


Der Hüter des Kelchs. Ein Albert-Campion-Roman.
Der Hüter des Kelchs. Ein Albert-Campion-Roman.
von Margery Allingham
  Taschenbuch

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Weniger Kriminal- denn Abenteuergeschichte (ein paar SPOILER, aber nichts wirklich Schlimmes)., 15. März 2008
Margery Allinghams Roman ist keineswegs ein klassischer (Mit-)Rätsel- und Detektivkrimi à la Agatha Christie; dafür gibt es zu viel, hm, Action und zu wenig Verrätseltes. Die Story wird gleich zu Anfang sehr klar gemacht: Das edle Geschlecht derer von Gyrth hütet seit Jahrhunderten einen uralten und ziemlich wichtigen Kelch: Nur solange er in ihrem Besitz ist, gehört ihnen alles, was ihnen eben gehört; kommt er aus irgend einem Grund abhanden, verfällt ihr Besitz der Krone. Nun ist Albert Campion - Serienheld in Allinghams Krimis - zu Ohren gekommen, dass skrupellose Kunstsammler es auf die Antiquität abgesehen haben; und das gerade, wo anlässlich des 25. Geburtstags des Titelerben auf Gyrth eine Art Initiation ansteht, für die der Kelch prominent fungieren muss. Es gilt also, den Kelch zu schützen - doch kaum nimmt sich Campion der Sache an, geschieht auch schon ein Mord...

Wie gesagt, wirklich rätselhaft ist hier wenig - bis auf eine etwas unpassende Einflechtung des Übernatürlichen. Es geht gar nicht so sehr um das Wer oder das Warum oder das Wie, sondern einfach darum, den Diebstahl mit allen Mitteln zu unterbinden. Dass dabei von Campion die Notwendigkeit herbeikonstruiert wird, man müsse das ausführende Glied der Verbrecher(organisation) beseitigen, um den Kelch ein für allemal zu sichern, wirkt etwas ärgerlich, wie überhaupt die ganzen Prämissen erst einmal vom Leser geschluckt werden müssen - der Kelch als sagenhaft wichtiges Instrument, die Machtlosigkeit der Polizei, die Überlegenheit der Gaunerbande und so weiter; all das macht den Eindruck, etwas zwanghaft für Dramatik sorgen zu sollen. Was dann folgt, ist ein munteres Auf und Ab im Wettlauf um den Kelch, der erst verschwindet, wieder auftaucht und weitere Komplikationen auslöst. Die Abenteuer von Campion und seinen Bundesgenossen (neben der Haustochter Penny, ihrer Freundin Beth und deren Vater vor allem der Erbe Percival, genannt Val - witzigerweise wurde im Klappentext meines Buches daraus "die junge Valentine") sind durchaus spannend mitzulesen; aber richtig fesseln können weder Handlung noch Charaktere. Als gemütliche Lektüre für verregnete Tage eignet sich dieser nette altmodische Krimi dennoch.


David Copperfield [UK Import]
David Copperfield [UK Import]
DVD ~ Hugh Dancy
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 4,80

18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas sperriger als die fast zeitgleich entstandene BBC-Version., 14. März 2008
Rezension bezieht sich auf: David Copperfield [UK Import] (DVD)
Ich möchte in dieser Rezension, weil es mir so interessant erscheint, hauptsächlich die beiden Versionen miteinander vergleichen und damit auch gleich begründen, warum mein persönlicher Favorit die BBC-Variante bleibt. Beide Filme haben als eigenständige Werke natürlich auch ihren Reiz ohne den mitunter lästigen Verweis auf das jeweilige Pendant; aber bei zwei fast zeitgleich entstandenen Verfilmungen bietet sich doch ein Blick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede an. Mancher wird sich für seine Nummer 1 schon (voreilig?) bei einem Blick auf die Besetzungsliste entscheiden: Die BBC-Version quillt geradezu über vor kampferprobtem britischem Schauspielpersonal: Maggie Smith, Bob Hoskins, Emilia Fox, Daniel Radcliffe, Imelda Staunton, Ian McKellen, Zoe Wanamaker et cetera. Gerade im Vergleich fällt auf, dass alle ihre Figuren sehr, hm, herzig und in einer geradezu bbc-typischen Weise warmherzig komisch anlegen. Und selbst die böse(re)n Charaktere wirken in einer gewissen Art gefälliger dadurch, dass sie entweder zu etwas grotesken Überzeichnungen gerinnen, relativ unkompliziert aus der Handlung geschoben werden oder sich ansatzweise rehabilitieren dürfen. Der hier vorliegende Film handhabt das etwas anders: Zunächst werden entscheidende Figuren durchaus ambivalenter bzw. kantiger gezeichnet; so erlaubt sich der ältere David Copperfield viel mehr Emotionen und erinnert sich mitunter geradezu schmerzhaft körperlich an die Misshandlungen durch seinen Stiefvater Murdstone. Dazu trägt auch der Kunstgriff bei, in diesem Fall die Geschichte nicht linear zu erzählen, sondern als Ausgangsposition den älteren David zu wählen, der nach einer heftigen Auseinandersetzung (deren Umstände dann erst einmal unklar bleiben) in seine Stube rauscht, um seine Lebensgeschichte niederzuschreiben. Zwischendurch wird er dann immer wieder eingeblendet. Dagegen erscheint der BBC-David im jungen Erwachsenenalter (eingedenk seiner doch zeitweise recht unschönen Jugend) wesentlich sorglos-gleichmütiger und ihm wird auch eine nochmalige Konfrontation mit Mr Murdstone erspart.

Hier liegt dann auch eine Besetzung verborgen, an der sich die Geister scheiden: In der BBC-Version gibt Ciaran McMenamin den erwachsenen David mitunter geradezu maskenhaft freundlich, wohltemperiert, wenig intensiv. Hugh Dancy holt hier sicher mehr aus der Figur heraus, zeigt innere Konflikte auf, erlaubt sich emotionale Ausbrüche und bindet insgesamt seine Figur mehr an ihre ganze Vorgeschichte zurück. Allerdings - mein persönlicher Kritikpunkt - gibt er den David für meinen Geschmack etwas zu sehr als jungen Stürmer und Dränger und wirkt dabei in der Darstellung fast schon ein wenig selbstgefällig. Letztlich wird das aber - gerade im Vergleich zum braven McMenamin - Geschmackssache sein. Auch bei anderen Figuren tun sich deratige Diskrepanzen auf: Die BBC-Betsey Trotwood wird von Maggie Smith zum Niederknien interpretiert: ruppig, knorrig, eigenwillig und mit einem Herz aus Gold. Der Nicht-Engländerin Sally Field dabei zuzusehen, wie sie eine urenglische schrullig-vitale (und deutlich jüngere) Lady spielt (und sie muss ja doppelt "spielen"), ist manchmal doch aus etwas anderen Gründen amüsant: weil es mitunter recht theatralisch wirkt. Ich mag Sally Field sonst recht gern und auch in dieser Rolle hat sie ihre Momente; sie wirkt nur insgesamt ein wenig deplatziert.

Der interessanteste Unterschied in der Rolleninterpretation ergibt sich aber bei der Figur des Wilkins Micawber, den in der BBC-Version Bob Hoskins und hier Michael Richards darstellen. Auch hier könnte man sagen, Richards streicht die unangenehmeren und damit sperrigeren und vielleicht sogar der literarischen Vorlage gerechteren Züge der Figur deutlich mehr heraus. Hoskins' Micawber ist bei aller pekuniären Unzuverlässigkeit in der Hauptsache ein liebenswert schelmischer Freund, Richards legt mehr Wert auf die groteske und egoistische Seite des Charakters. Die Grundtendenz dieser Verfilmung, Figuren eine dramatische Tiefe zu verleihen, zieht sich durch; wo die BBC vornehm und kinderfreundlich bleibt, geht es hier insgesamt etwas schmutziger und rauer zu. Dabei, das soll nicht unterschlagen werden, tummelt sich auch hier auf der Darstellerbank ein illustres Völkchen: Neben der bereits erwähnten Sally Field und Hugh Dancy wären da Eileen Atkins ("Gosford Park") als ziemlich böse Jane Murdstone (Zoe Wanamakers BBC-Miss M. ist im Grunde wenig mehr als Staffage), Paul Bettany ("Sakrileg") als Steerforth und Lesley Manville ("North & South") als Mrs Micawber (auch hier der Unterschied: sie transportiert die Sorgen und Nöte, welche die Schwierigkeiten ihres Mannes mit sich bringen, in durchaus realistischer Weise, während Imelda Staunton (BBC) die Figur als eine Art wandelnden Running Gag gibt). Es soll aber insgesamt nicht der Eindruck enstehen, als nähme die BBC-Version ihre Figuren weitaus weniger ernst. Sie betont sie nur anders und, zugegeben und bereits erwähnt, gefälliger. Das klingt wie ein Punkt auf der Contra-Seite, und so komme ich zum Schluss: Mir gefällt die BBC-Version trotzdem besser. Warum?

Nun, zunächst sind die Charaktere deutlich liebenswerter und zwar teilweise komödiantisch, aber nichtsdestotrotz hervorragend gespielt. Die vorliegende Version entfremdet für meinen Geschmack ihre Figuren dem Zuschauer etwas, indem sie sie mit recht eigenwilligen Attributen ausstattet. Kurz: Das Herz, dass bei der BBC teilweise so übervoll pumpert, fehlt hier etwas. Geschmackssache wird das Ganze letztendlich bleiben; sehenswert sind auf jeden Fall beide Filme.


Agatha Christie's Marple - The Complete Collection [8 DVDs] [UK Import]
Agatha Christie's Marple - The Complete Collection [8 DVDs] [UK Import]
DVD ~ Geraldine McEwan

37 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Jane Marple gibt sich die Ehre - kein ungetrübtes Vergnügen., 14. März 2008
Die Miss Marples in meinem Leben habe ich in dieser Reihenfolge kennengelernt: Erst Margaret Rutherford in den Komödienkrimis der 60er, dann die literarische Miss Marple in Agatha Christies Romanen und Kurzgeschichten, noch später dann die Verfilmungen mit Joan Hickson (Mitte der 80er bis Mitte der 90er) und schließlich die neuen Bearbeitungen mit Geraldine McEwan in der Rolle der brillanten alten Dame aus St Mary Mead. Zu Anfang fand ich - mit den Büchern und Hickson-Adaptionen im Rücken - die Filme im Allgemeinen und McEwan im Speziellen grauenhaft. Der Eindruck hat sich etwas gemildert, denn mit etwas Abstand vom Christie-Purismus lassen sich die Krimis doch ganz gut als nette englische Unterhaltung anschauen.

Dass die Filme allerdings, wie in einer Rezension bemerkt, "nah am Buch" inszeniert sind, treibt die Großzügigkeit doch etwas zu weit. Erst einmal kommt die gute Miss Marple in "By the Pricking of my Thumbs" und "The Sittaford Mystery" in der literarischen Version überhaupt nicht vor. Zweitens nehmen sich die Filmemacher in der Umsetzung doch teilweise arge Freiheiten, was Rahmenhandlung und Charakterzeichnung angeht. Und drittens wird in zumindest einem Fall die Identität des Mörders ganz ausgewechselt - wobei, zugegebenermaßen, dieser Austausch nicht sehr ins Gewicht fällt. Dennoch sind diese grundsätzlichen Abweichungen erwähnenswert. Am wenigsten anfreunden können habe ich mich allerdings mit der Figur der Jane Marple selbst. In den Büchern ist sie eine zurückhaltende, wohlerzogene und ziemlich alte Dame, deren feine Intelligenz Christie liebevoll präsentiert. McEwan gibt die Marple dagegen als eine vitale, unternehmungslustige und mitunter recht nervige Seniorin, deren Gefühlsregungen sich ihr literarisches Pendant nie erlaubt hätte. Dazu wird ihrer Miss Marple eine romantische Vorgeschichte angedichtet, die gleichfalls wohl modern sein soll, mitunter aber albern konstruiert wirkt. Das alles stört mich als Verehrerin der Romane besonders. Sei's drum.

Denn die Filme selbst sind zwar größtenteils keineswegs überragende, aber solide Fernsehkost; die literarische Vorlage wird entstaubt, mit ein bisschen Sensationswert aufgepäppelt, aber mitunter auch um recht hübsche Einfälle ergänzt. So wird in "Sleeping Murder" eine im Buch überhaupt nicht vorkommende Revuetruppe eingeführt, deren Handlungsfäden die eigentliche und recht dröge Kriminalgeschichte doch angenehm ergänzen. Was den angesprochenen "Sensationswert" angeht, so kann man übrigens in manchem Fall auch der ambitionierteren Meinung sein, man habe hier lediglich den Subtext aus Christies Vorlagen in den Vordergrund manövriert, was dann schon wieder eine interessante Unternehmung darstellt. So hat Christie im Roman "A Murder is Announced" zwei ältere Frauen beschrieben, die zusammenleben und offenbar ein sehr enges Verhältnis pflegen; im Joan-Hickson-Film wurden diese beiden Figuren interessanterweise so besetzt, dass die Andeutung eines Liebesverhältnisses recht nahe lag; und die McEwan-Verfilmung artikuliert das nun deutlich. Diese Form der Aneignung hat durchaus ihren Reiz.

Nicht zu vergessen übrigens sind bei den hier enthaltenen Filmen die zahlreichen Gastauftritte recht prominenter britischer Darsteller; unter anderem geben sich Derek Jacobi, Paul McGann, Timothy Dalton und Greta Scacchi die Ehre. Mit letzterer hängt übrigens ein aus meiner Sicht größeres Ärgernis zusammen, was den Unterschied von Buch und Film angeht: Ihre Tuppence Beresford wird von der selbstbewussten, unabhängigen Frau der Romanvorlage zur angedeuteten Trinkerin ohne Selbstwertgefühl; und wo ihr Gatte im Buch noch gleichberechtigter und liebevoller (Ehe-)Partner war, mutiert er im Film zum reichlich ignoranten Pascha. Aber gut.

Insgesamt kann man sich die hier vertretenen Filme durchaus gut anschauen; richtig fällt eigentlich nur "The Sittaford Mystery" ab. Hier kenne ich die literarische Vorlage allerdings nicht; aber was da an unausgegoren übersinnlichen Elementen und verwirrenden Figuren aufmarschiert, zerfällt in lähmende Langeweile mit einer vollkommen überflüssigen Miss Marple in der Mitte (logisch, denn mangels Auftritt im Buch musste sie in den Film ja zwangseingeschrieben werden; in "Pricking of my Thumbs" klappt das bei gleicher Voraussetzung etwas besser). Richtig positiv überrascht hat mich "The Moving Finger" (nicht nur, aber auch, wegen Emilia Fox); der Rest bewegt sich auf in etwa gleichem Niveau, was Spannung (vorhanden, aber etwas behäbig entwickelt) und Schauspielleistung (desinteressiert bis ziemlich gut) angeht. Das ergibt dann unterm Strich nette Unterhaltung - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 16, 2011 1:42 AM CET


Vier Frauen und ein Mord
Vier Frauen und ein Mord
von Agatha Christie
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Recht ordentlicher Poirot (durchweg ein paar kleine SPOILER)., 11. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Vier Frauen und ein Mord (Taschenbuch)
Der deutsche Titel deutet schon auf eine Konstellation hin, die sich Hercule Poirot und somit auch dem Leser erst nach einiger Zeit ergibt: Die alte Mrs McGinty ist erschlagen worden; ganz offensichtlich war der Täter ihr Logiergast James Bentley. Inspektor Spence zweifelt jedoch an dessen Schuld und schaltet seinen alten Freund Poirot ein. Der findet erst nichts und verzweifelt überdies an der fürchterlich unordentlichen Mrs Summerhayes, bei der er sich zum Zwecke der Nachforschungen einquartiert hat. Dann aber bringt ein Brief, den Mrs McGinty kurz vor ihrem Tod geschrieben hat, alles ins Rollen: In der örtlichen Zeitung waren die Geschichten von vier Frauen wiedererzählt worden, die jeweils mehr oder weniger direkt in länger zurückliegende Verbrechen verwickelt waren. Mrs McGinty war eines der Zeitungsfotos sehr bekannt vorgekommen...

"Vier Frauen und ein Mord" - die Ausgangslage ist spannend. Eine oder mehrere der vier Frauen lebt also offensichtlich in Broadhinney, dem Schauplatz des Mordes. Poirot bieten sich auch gleich mehrere Alternativen an und Christie weckt durchaus die übliche Spannung; aber sie schlampt für meinen Geschmack an zwei Stellen ein wenig: Zumindest der erste Mord (an Mrs McGinty) hat so gar nichts Raffiniertes, die Lösung des zweiten ergibt sich erst, als der Täter schon feststeht. Zweitens: Bei dem Bemühen, möglichst alle beteiligten Damen in Verdachtsmomente zu verwickeln, übertreibt es Christie etwas bzw. man ist hinterher etwas enttäuscht, wie manches ins Leere läuft.

Dennoch: Auch das Auftreten der wie immer für Stimmung sorgenden Ariadne Oliver, ebenso der auch wie immer formidable Poirot und nicht zuletzt die doch reizvolle Prämisse der "vier Frauen" sorgen dafür, dass "Mrs McGinty's Dead" - für mich - einer der unterhaltsameren Romane von AC bleibt. Wen's interessiert - noch für März 2008 ist die Ausstrahlung der Verfilmung mit David Suchet als Poirot angekündigt.


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