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Rezensionen verfasst von
Melanie Holtmann "Mekko!" (Utopia)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   

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All I Desire [UK Import]
All I Desire [UK Import]
DVD ~ Barbara Stanwyck
Wird angeboten von RAREWAVES-DE
Preis: EUR 4,11

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen All meine Sehnsucht - Sirk und Stanwyck (SPOILER)., 3. April 2008
Rezension bezieht sich auf: All I Desire [UK Import] (DVD)
"All I Desire" ist ein Melodram, das letztenendes so melodramatisch gar nicht ist. Es ist kein großer Film, aber es ist einer, der durch zwei Beteiligte interessant wird: durch den Regisseur (Sirk) und die Hauptdarstellerin (Barbara Stanwyck). Worum geht es? Der Film spielt Anfang des 20. Jahrhunderts: Naomi Murdoch (Stanwyck) hat vor Jahren ihre nette kleine Familie (Lehrer-Ehemann und zwei Töchterlein) sitzenlassen, um ihren Traum vom Theater zu verfolgen. Mittlerweile ist sie aber in einer Klitsche angekommen, kommentiert das jedoch mit zynischem Realismus. Als sie der Brief einer ihrer Töchter erreicht, die die Mutter für eine berühmte Schauspielerin hält und sie zu einer Schultheater-Aufführung mit ihr in der Hauptrolle einlädt, entschließt sich Naomi zu einem Besuch in der Heimatstadt. Sie trifft auf den perplexen und ihr immer noch in Liebe zugetanen Ehemann, auf eine höchst ablehnende ältere und eine sie anbetende jüngere Tochter sowie auf einen verflossenen Liebhaber und das klatschsüchtige Stadtpersonal. Naomi will schnell wieder abreisen - überlegt es sich aber dann anders...

Besonders eingedenk der Entstehungszeit (1953) klingt das Ganze wie die Geschichte einer letztendlich reumütigen Rückkehr in den Schoss der vergebungsvollen Familie. Ganz so einfach ist es nicht, auch wenn die kaum erklärte Wandlung Stanwycks vom - neudeutsch ausgedrückt - im Lebenskampf bewährten Single zur sorgenden Ehefrau und Mutter schon ein wenig ärgerlich ist. Da fehlt es an dialogischer Reflexion der zwei Lebensmodelle; alles wird etwas simpel zusammengeschnurrt (vordergründig zumindest!) auf die einfache Wahl "Lieben wir uns oder lieben wir uns nicht?". Sirk schafft es aber, daraus keine bedingungslose Kapitulation zu machen; Stanwycks Figur ist keine, die heulend in die Arme des Ehemanns flüchtet. Auch sie hat etwas beizubringen, dem Gatten wie den Töchtern: Leben ist mehr und dazu braucht man auch mal Mut (dazu das wohl beste Zitat aus dem Film (Naomi im Dialog mit der älteren Tochter): "We're a big disappointment to each other, aren't we? You've got a mother with no principles; I've got a daughter with no guts.")! Im Grunde ist das so etwas wie ein Konflikt zwischen selbstbestimmtem und damit eben auch mal egoistischem Leben auf der einen und gemeinschaftlicher und logischerweise irgendwo auch angepasster Existenz auf der anderen Seite. Sirk entwickelt daraus eine optimistischere Synthese, belässt es aber bei Andeutungen, denn im Vordergrund steht - wie gesagt - nicht Reflexion, sondern Emotion.

Und da folgt denn auch (m)ein zweites Ärgernis, ein kleines zumindest. Naomis abgelegter Lover betritt recht früh die Szenerie und erweckt einen recht ordentlichen Eindruck; dann mutiert er aber kurzerhand zum liebeskranken Stalker und wird so bequem als ernstzunehmender Faktor aus der Geschichte eliminiert - man braucht ihn nur noch um der Spannung willen. Gleiches geschieht mit einer Lehrerkollegin des braven Ehemanns, wobei an ihrer bereitwilligen Resignation in puncto Liebeshoffnung von Anfang an weniger Zweifel besteht. Beide Charaktere fungieren so im Grunde nur als Katalysatoren von Handlung und Gefühlen, ohne eigenständig Interesse hervorzurufen.

Was die Besetzung angeht, da gibt es eben Barbara Stanwyck und die habe ich zu einer meiner Leinwandheroinnen gekürt. Sie wertet jeden Film auf und versteht es auch hier, ihre Naomi mit der richtigen Mischung aus Härte und Verletzlichkeit zu versehen. Im Grunde ist sie aber ein wenig unterfordert, was nicht zuletzt an den durchschnittlichen Nebendarstellern liegt. Sie spielt ihre Rolle mit Intelligenz und Würde. Ihr fehlen aber anständige Sparringspartner; Richard Carlson spielt zwar einen soliden Part als leidender und lauterer Ehemann, seine Figur ist aber wenig interessant konstruiert. Der Film ist glücklicherweise nicht geschwätzig, auch wenn manches wie eine bloße Behauptung wirkt.

Sirks Regie verleiht dem Film eine gewisse Qualität, unter weniger fähigen Händen hätte ein verkitschtes und moralinsaures Rührstück drohen können. Er zaubert auch einige sehr interessante Einstellungen aufs Bild, so in der Anfangsszene, als sich die Stanwyck den eben erhaltenen Brief von einer Kollegin vorlesen lässt. Überhaupt ist es Stanwyck und Sirk zu verdanken, dass sich der Film den vierten Stern verdient hat; ich hätte sonst auch deswegen nur drei vergeben, weil der Film einmal wirklich geschwätzig wird und - SPOILER ! - der angeschossene Ex-Liebhaber am Ende dem herbeigeeilten Gatten die moralische Reinheit seiner Liebsten in einer eher unplausiblen Rede quasi frei Haus aufs Butterbrot schmiert. Das fand ich fad. Dennoch: vier Sterne.


Blumen für den Richter
Blumen für den Richter
von Margery Allingham
  Broschiert

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Margery and Me - wird das etwa noch was?, 3. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Blumen für den Richter (Broschiert)
Mittlerweile finde ich mich allmählich damit ab, dass es falsch ist, mit der Agatha-Christie-Erwartungshaltung an Margery-Allingham-Krimis heranzugehen. Denn dann wird man zwangsläufig enttäuscht oder zumindest irritiert dadurch, dass Allingham ihre Akzente anders platziert als die - für mich immer noch unumstrittene - Queen of Crime. Auch in "Blumen für den Richter" geht es zwar darum: Wer war's? Aber das erledigt sich nicht durch den Christie'schen Knalleffekt im Schlusskapitel, sondern wird während der Handlung vollzogen.

Worum geht's? Vor zwanzig Jahren verschwand plötzlich und auf offener Straße der Verleger Tom Barnabas. Jetzt ist sein Cousin Paul unauffindbar - aber nicht lange, denn dann findet man ihn tot in einer Stahlkammer des Verlagshauses: Mord durch Kohlenmonoxydvergiftung. Sein Vetter Mike, der heimlich in Pauls unglückliche Ehefrau Gina verliebt ist, wird des Mordes angeklagt... - Und Allinghams Serienheld Albert Campion versucht fortan, Mikes Unschuld zu beweisen. Bis jetzt habe ich vier oder fünf Allingham-Krimis gelesen und der hier wird der erste sein, der von mir vier Sterne erhält. Warum? Weil Allingham sich hier wesentlich mehr auf den Fall an sich fokussiert; sie legt ihrem Exzentriker Campion weniger skurrile Einlassungen in den Mund; der Kreis der Handelnden - und Verdächtigen - ist klein (die Familie Barnabas); es gibt wenig spannungshemmendes Geplauder und einige Anhaltspunkte, die den Leser selbst zum Kombinieren anregen. Allingham ist für meinen Geschmack eine durchaus modernere Autorin als Christie; sie gesteht ihrem Detektiv ein subjektives Er- und Gefühlsleben zu und streicht durchaus - wenn auch sehr zaghaft - den einen oder anderen nicht ganz so stromlinienförmigen Zug heraus; sie blendet nicht dort aus, wo es um Gewalt oder andere Widerwärtigkeiten geht und so weiter. Aber: Das alles nimmt sie in diesem Roman weitgehend zurück, und gerade deshalb fühlte ich mich gut aufgehoben.

Ohne Schwächen ist der Krimi nicht; die Raffinesse ihrer bereits erwähnten Kollegin, was Mordmotiv und Durchführung betrifft, geht Allingham ab. Sie weiß das auch und macht deshalb gar kein großes Aufheben um diese Dinge. Den Leser beschleicht trotzdem ab und an das Gefühl, dass sie es sich vielleicht etwas zu einfach macht. Gelungen fand ich allerdings den Schluss des Krimis, wo eine geschickte Rückbindung an die Story um den verschwundenen Tom Barnabas erfolgte. Allingham mag nicht so doppelbödig agieren wie Christie, aber dafür ist sie im Grunde fairer und belohnt den Leser mit stets solider Arbeit. Vier Sterne.


Billy Elliot - I Will Dance
Billy Elliot - I Will Dance
DVD ~ Jamie Bell
Preis: EUR 3,97

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fünf Sterne für einen Klassefilm!, 2. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Billy Elliot - I Will Dance (DVD)
... und die vielen Fünf-Sterne-Wertungen für diesen Film bzw. diese DVD haben ganz sicher ihren Grund. Auch mich hat lange nicht mehr ein Film so vorbehaltlos und so vollständig begeistern können; er ist einfach so - ich kann's nicht besser beschreiben - ehrlich. Und in dieser schlichten Ehrlichkeit oder ehrlichen Schlichtheit ist er grandios und bescheiden zugleich. Die Geschichte vom mutterlosen Arbeitersohn mit derben Familienproblemen und dem unmöglichen Traum, Tänzer zu sein, hätte leicht platt, pathetisch oder gar unfreiwillig komisch geraten können. Aber sie ist nur eines - magisch. Und diese Magie entsteht gerade aus der Tristesse, die der Film dem Zuschauer anbietet: die geistige und räumliche Enge, der Billy im Grunde schon längst entwachsen ist, wird gleichzeitig niemals von der Erzählung selbst diskreditiert. Das Ergebnis ist weder der einfache Aufsteigertraum (was das Hollywoodkino vielleicht anbieten würde) noch vorbehaltlos solidarische Sozialromantik. Bevor es zu kompliziert wird: Der Film stellt seine Figuren nicht wie Schaupuppen ins Fenster, um an ihnen irgend etwas vorzuführen, sondern er schafft ein enges Band der Sympathie zwischen dem Zuschauer und den Protagonisten. Man wird Teil dieser Welt und sieht doch zugleich über sie hinaus.

Auf den Schultern des Hauptdarstellers Jamie Bell ruht besonders viel, und besonders ist es auch, wie spielerisch leicht er mit dieser Last umgeht. Er entwickelt ein außerordentliches Verständnis für seine Figur, und diesem Einfühlungs- und Ausdrucksvermögen ist es auch zu verdanken, dass Szenen wie die zwischen Billy und seinem besten Freund Michael, der sich im Laufe des Films als schwul "outet" und ein bisschen in Billy verliebt ist, nicht peinlich, sondern entwaffnend selbstverständlich geraten. Auch alle anderen Rollen sind außerordentlich gut besetzt. Fünf Sterne verdient sich "Billy Elliot" aber auch deswegen, weil es dem Film gelingt, dieses für den Außenstehenden so schwer nachzuempfindende Phänomen "Tanz" als Medium erlebbar zu machen.

Ein Klassefilm. Fünf Sterne.


Hokuspokus
Hokuspokus
DVD ~ Curt Goetz
Preis: EUR 16,99

23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alles nur Theater - aber was für welches!, 1. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Hokuspokus (DVD)
Zu "Hokuspokus" selbst muss man wohl nicht viel sagen. Wen es auf diese Seite verschlagen hat, der wird allerdings, wenn nicht direkt nach Curt Goetz, vielleicht nach der Neuverfilmung des Stoffes mit Heinz Rühmann gesucht haben. Jedoch: Wo dort eine Art schräger Avantgarde-Klamauk veranstaltet wird, bietet das Goetz'sche Original Wortwitz, Geistesreichtum und auf den Punkt gebrachte Leistungen aller beteiligten Darsteller. Curt Goetz glänzt in der Rolle des Zirkuskünstlers und Anwalts Peer Bille, Valerie von Martens gibt die des Mordes angeklagte Agda Kjerulf als scheue, aber gewitzte Dame. Ernst Waldow macht sich - im besten Sinne - als Staatsanwalt lächerlich; für die ernsteren Töne sorgen Hans Nielsen als Gerichtspräsident und Erich Ponto als Mister Graham. Einzig die Regie fällt in all ihrer Biederkeit gegenüber dem Stoff selbst ab; in diesem Dialogstück ist das aber weniger schmerzlich.

Höchst verdienstvoll ist die erstmalige Edition von "Hokuspokus" schon allein deswegen, weil hier wirklich Sorgfalt auf eine DVD-Ausgabe verwandt und nicht billiger Ramsch auf den Markt geworfen wurde. Das beiligende Booklet enthält Tagebuchnotizen von Curt Goetz, und die Filmwissenschaftlerin Susanne Marschall formuliert ihre Gedanken zum Film. Gelungen sind auch die dem Film beigestellten Extras; neben den Trailern zu weiteren Goetz-Filmen findet sich zunächst ein 10minütiges Interview mit Valerie von Martens von 1980, in denen Goetzens Herzensdame ein wenig aus dem Nähkästchen plaudert. Das 20minütige Hörspiel "Die Rache" von 1959 ist wieder mal ein Lehrstück für die Menschlichkeit, mit der Goetz seine Themen behandelt, auch wenn und gerade weil hier ernstere Töne dominieren (und Valerie von Martens hübsch vor sich hinberlinert). Den Schlussstein bildet die fast einstündige Radiosendung "Bitte legen Sie ab!" von 1958, die im wesentlichen aus einem Interview mit Curt Goetz besteht.

Der geneigte Goetz-Fan kann höchstens ein wenig bedauern, dass die kritische Auseinandersetzung mit dem Stoff - und dessen Autor - ein wenig zu kurz kommt. Dass man allerdings überhaupt daran denkt, solche Ansprüche zu formulieren, liegt an der ohnehin vorhandenen Qualität dieser Edition. Wer Curt Goetz mag - oder wer noch lernen will, ihn zu mögen - dem sei diese DVD empfohlen!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 30, 2012 10:32 AM MEST


Gefährliches Landleben
Gefährliches Landleben
von Margery Allingham
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ach, Margery. Erlaube mir, dich zu lieben., 31. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Gefährliches Landleben (Taschenbuch)
Bis zur Hälfte hätte "Gefährliches Landleben" von mir glatte fünf Sterne bekommen. Danach - und ich gebe absolut zu, dass das ein subjektives Kriterium ist - war mir zu viel Spektakel und zu wenig Spektakuläres, vor allem in der Auflösung. Ich bin wohl zu sehr Agatha-Christie-geeicht und erwarte ihre raffinierten Tat/Täter/Motiv-Konstrukte auch bei anderen Autoren. Dabei geht Margery Allingham die Sache ganz anders an. Auch bei ihr gibt es die mysteriöse Ausgangslage - der Richter, dem ein omnipotenter Mega-Gauner seine Bande auf den Hals hetzt, um das Geheimnis seiner Identität zu wahren, muss von Allinghams Serien-Detektiv Albert Campion beschützt werden - und die zum Mitraten einladenden Ereignisse und Requisiten. Ganz hübsch gelingt ihr ein Rätsel, bei dem vom verstorbenen Pfarrer ein Haufen verwirrender Dinge bzw. Botschaften hinterlassen werden. Aber Allingham mag es offensichtlich nicht, ihre Leser wie weiland Dame Agatha aufs Kreuz zu legen. Alle Ingredienzen, die zum Handwerkszeug des detection novel - Verfassers gehören, beherrscht sie auch, aber die Antworten auf alle Fragen, die sie dem Leser stellt, sind verblüffend - übersetze hier: enttäuschend - einfach.

Dennoch fügt Allingham dem Genre auch etwas Eigenes hinzu. Da ist einmal die höchst exzentrische Hauptfigur Albert Campion. Der Name ist nur ein Pseudonym; es wird eine Herkunft aus höchsten Adelskreisen angedeutet, Bekannte finden sich unter höchst zwielichtigen Gestalten und Mr Campion selbst besitzt ein verhältnismäßig komplexes Innenleben, das Allingham in der exzentrischen Form der Campion'schen Kommunikation andeutet und sonst durch die Beschreibung von Gesten oder Blicken recht geschickt artikuliert. Damit unterscheidet er sich deutlich von Schnüffelkameraden wie Christies Hercule Poirot oder Dorothy Sayers' Lord Peter Wimsey, der immerhin auch ein Psychoprofil verpasst bekommt. Mit Campion muss man erst einmal warm werden, und trotz meiner Befremdung rechne ich es Allingham hoch an, ihrem Protagonisten derart eigenwillige Züge verliehen zu haben.

Ein weiteres Plus ihrer Campion-Romane besteht darin, dass Allingham in ihren Geschichten einen für die teils recht gemütlichen "Häkelkrimis" der alten englischen Schule ungetrübten Blick auf die Realität wirft. Der Zustand der Leiche eines Selbstmörders zum Beispiel wird ungeschminkt in seiner ganzen Unschönheit beschrieben, und auch sonst ist der Ton eindeutig rauher als bei ihren Krimi-Kolleginnen.

Viel auf der Habenseite - warum also nur drei Sterne? Wie gesagt, zum einen und vielleicht vor allem anderen dringt da bei mir die Christie-Sozialisation durch. Allinghams Krimis beginnen immer vielversprechend und kippen irgendwann in nahezu reinen Aktionismus; irgend jemand muss befreit werden und auch sonst bewegt sich der Kilometerzähler. Allingham gibt alles peu à peu preis, nicht wie zum Beispiel Christie in ihren obligatorischen "the truth revealed" - Sequenzen am Ende der Stories. Die eine wuchert mit ihren Pfunden, die andere erzählt sich einfach durch. Mir gefällt ersteres eindeutig besser. Eins muss man Allingham aber zugestehen: Sie ist gegenüber Christie die versiertere Erzählerin; so wechselt etwa des öfteren die Erzählperspektive (aber auch das bedeutet natürlich die Preisgabe mancher Asse, die sich Christie in der Hinterhalt behalten hätte) und überhaupt bemüht sich Allingham, dem dürren Krimiplot dramaturgisches Fleisch auf die Rippen zu schneidern. Wieder die Betrachtung von der anderen Seite: Christie hätte das gar nicht nötig gehabt, weil die raffinierten Mordgeschichten als Substanz die ganze Handlung allein tragen können.

Das war jetzt eine etwas längere Auseinandersetzung, und der Vergleich zwischen einzelnen Autoren erscheint auch mir nicht ganz fair. Hauptsächlich um der Drei-Sterne-Begründung willen sei es mir aber für dieses Mal verziehen. Ich gebe die Hoffnung mit Allingham noch nicht auf, zumal ihre Geschichten keineswegs schlechter Lesestoff sind. Vielleicht wird es ja eine Liebe auf den dritten oder vierten Blick.


Sherlock Holmes - Die komplette zweite Staffel (3 DVDs)
Sherlock Holmes - Die komplette zweite Staffel (3 DVDs)
DVD ~ Jeremy Brett

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Jeremy Brett ist SHERLOCK HOLMES" - yes., 30. März 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die zweite Staffel kommt optisch sehr ansprechend daher: Die drei DVDs verbergen sich in einer Buchimitat-Hülle aus stabiler Pappe, und zwischen den Deckeln gibt's als besonderes Bonbon ein 80seitiges Booklet aus der Feder des Produzenten Michael Cox - dessen "Hintergrundbericht zur TV-Serie" über interessante Details jeder Folge informiert. So werden Produktions- und Adaptionsschwierigkeiten angesprochen, Eigenheiten der einzelnen Regisseure, Einfälle der Requisite und der Schauspieler - kurz, ein informatives Vergnügen. Umso bedauerlicher finde ich es, dass man Analoges nicht in Form einiger Audiokommentare leisten konnte. Für zwei Langfolgen der Serie ist dies ja sogar auf Deutsch gelungen ("Der Hund von Baskerville" und "Der letzte Vampir" - siehe die entsprechende Box).

Dennoch: Die hervorragenden Darsteller, die mit Liebe zum Detail vorgenommene Ausstattung und die in den meisten Fällen sehr ordentliche Inszenierung machen fast alle Folgen zu richtig guter Unterhaltung. Jeder, der diese Holmes-Adaptionen lobt, lobt zwangsläufig vorneweg Jeremy Brett, der sich in die Rolle des genialen Detektivs mit allem Elan hineinwirft. Ich habe aber auch ein Lob für Edward Hardwicke übrig, der seinem Watson viel Sympathie mit auf den Weg gibt und es versteht, die Eigenständigkeit der Figur gegenüber dem großen Meister mit ruhiger Souveränität herauszustreichen.

Meine persönlichen Top 3 der Folgen sind "Das Ritual der Familie Musgrave", "Der Teufelsfuss" und "Der Mann mit dem schiefen Mund". Amüsant ist es aber auch, auf manche Fehler oder Nachlässigkeiten zu achten, von denen Cox in seinem Buch sogar einige erwähnt (er spricht u. a. von modernen Stromkabeln, die man natürlich besser nicht sehen sollte). In einem anderen Fall ("Abbey Grange") wippt der hübsche Blutfleck des erschlagenen Hausherrn auf dem Teppich und man erkennt, dass das so eine Art Plastikapplikation sein muss. Hübsch auch - in derselben Folge - die Perspektive, die im Hintergrund die diskutierenden Holmes, Watson etc. zeigt und dramatisch im Vordergrund die steife und verzerrte Hand des Erschlagenen. Dumm nur, dass die ganz gewaltig zittert.

Insgesamt war ich durchaus angetan - vier Sterne!


Agatha Christie Sammler-Edition [4 DVDs]
Agatha Christie Sammler-Edition [4 DVDs]
DVD ~ Martin Balsam

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Viele Stars und vier Sterne für Agatha Christie in Bild und Ton., 30. März 2008
Vier Christie-Verfilmungen mit großem Staraufgebot - da kann doch eigentlich nichts schiefgehen? Doch, kann es. Und damit gleich zum schwächsten Film der Box: "Mord im Spiegel". Eigentlich ist es unfassbar, dass ein Film, der derart mit Hollywoodgrößen vollgestopft ist, so langweilig sein kann. Andererseits auch wieder nicht, denn die literarische Vorlage eignet sich offenbar schlecht für einen guten Krimifilm (selbst die BBC-Version mit Joan Hickson leidet an ziemlich denselben Problemen). Zwischen dem ersten Mord und der finalen Auflösung klafft ein großes Loch voll Langeweile, und die sonst von mir sehr verehrte Angela Lansbury macht leider alles noch schlimmer als komplett unglaubwürdige Miss Marple. Stars wie Rock Hudson, Tony Curtis, Kim Novak, Geraldine Chaplin, Elizabeth Taylor spielen sich nicht gegenseitig an die Wand, sondern ins Koma vor lauter selbstgefälligem Desinteresse an der Handlung, und der Zuschauer wird auch viel zu sehr außen vor gelassen während des Geschehens. Kurz: Jammerschade, aber definitiv der Flop der Box.

Die restlichen drei Filme sind Poirot-Stories, und trotzdem sind sie alle drei sehr verschieden angelegt. Das fängt schon beim Hauptdarsteller an; im "Orientexpress" gibt Albert Finney den schlauen Belgier mit den kleinen grauen Zellen, während Peter Ustinov sein Glück in "Tod auf dem Nil" und im "Bösen unter der Sonne" versucht. Im zweiten Film agiert er deutlich komischer. Aber der Reihe nach: "Mord im Orientexpress" ist wieder so ein Fall von Megastaraufgebot. Es geben sich u. a. die Klinke in die Hand: Ingrid Bergman, Sean Connery, Vanessa Redgrave, John Gielgud, Lauren Bacall, Richard Widmark, Anthony Perkins... Hier funktioniert das Ganze aber wesentlich besser als bei "Mord im Spiegel", weil alle Rollen viel präziser angelegt sind und jeder Schauspieler seine Leinwandminuten bekommt (logisch, schließlich wird auch jeder als Zeuge eines Mordes einzeln befragt und allein für die paar Minuten hat man Ingrid Bergman einen Oscar verliehen). Das Szenario ist bei näherem Hinsehen wenig wasserdicht, aber die versammelte Prominenz vor der Kamera macht das Zusehen allein zur Unterhaltung, auch weil die Stars sichtlich Spaß haben. Albert Finney kommt in seiner Darstellung dem Poirot der Romane auf eine ganz andere Weise nahe als Peter Ustinov: Er strahlt eine unangenehm beharrliche Bedrohlichkeit aus. Das Ganze ist sicher etwas old-fashioned, aber dennoch gut gelungen.

Es bleiben die zwei Ustinov-Poirots. Der frühere, "Tod auf dem Nil", kann mit der geschickteren Inszenierung und dem besseren Plot punkten. Auch hier gilt wieder: Stars, stars, stars. Als Ustinovs, naja, Sidekick fungiert ein wie immer sehr unterhaltsamer David Niven, daneben sehen wir Jon Finch, Jane Birkin, Maggie Smith, Mia Farrow und in einer ihrer besseren Altersrollen die große Bette Davis (allein dafür hätte ich mir den Film angeschaut). Ein besonderes Schmankerl: Die weiter oben noch geschmähte Angela Lansbury verkörpert die dauerbetrunkene und auch sonst recht extravagante Schriftstellerin Salomé Otterbourne und das mit einem phänomenalen komischen Talent. Dazu kommen hübsche Panoramabilder und Aufnahmen der Sehenswürdigkeiten; die Statik der Story (Mördersuche auf dem Nildampfer - viel Gerede und vergleichsweise weniger Handlung) wird geschickt aufgelockert, indem jedes mögliche Mordszenario mit dem jeweils Verdächtigten auch visualisiert wird. Die Spannung ist stets hoch und die Dialoge sind knackig; wenngleich nicht der ganz große Wurf, so ist "Tod auf dem Nil" doch ein sehr sehenswerter Whodunit in Spielfilmlänge.

Am letzten Film - "Das Böse unter der Sonne" - scheiden sich oft die Geister. Was die (Krimi-)Handlung angeht, kommt er wirklich etwas blutleer daher. Zwar ist auch hier - typisch Christie - die Auflösung höchst sensationell, aber die Logik bleibt ein wenig auf der Strecke (zu viele Zufälle etc.). Was diesen Film aber trotzdem sehenswert macht, ist das kapriziöse Gekabbel unter den versammelten Stars, die sich mit Wonne übereinander hermachen. Man nehme nur die famosen verbalen Duelle zwischen Daphne Castle (Maggie Smith) und Arlena Stuart (Diana Rigg) oder die boshaften Einlassungen von Myra und Odell Gardener (Sylvia Miles und James Mason). Das funktioniert deshalb so gut, weil hier Stars Stars spielen und das den Spaß erst richtig in Gang bringt. Dazwischen wirkt Peter Ustinovs Poirot streckenweise etwas überflüssig und albern, dafür aber darf er dann seine obligatorische "ich-sag-euch-wer-der-mörder-ist" - Versammlung genießen.

Insgesamt überwiegen die guten Eindrücke; bis auf "Mord im Spiegel" bieten alle Filme gute Unterhaltung, und das nicht nur für Krimi- oder Christie-Fans.


Miss Marple Collection [12 DVDs] [Collector's Edition]
Miss Marple Collection [12 DVDs] [Collector's Edition]
DVD ~ Timothy West

92 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Oh dear..." - Miss Marple, wie sie Agatha Christie sah., 29. März 2008
Wunderschön, dass die 12 Marple-Filme mit Joan Hickson in der Hauptrolle jetzt auch auf Deutsch erscheinen und somit (hoffentlich) einem noch größeren Publikum zugänglich gemacht werden (allerdings sollte für meinen Geschmack Hicksons feine Diktion eh im Original goutiert werden). Die zwölf von 1984 bis 1992 entstandenen Verfilmungen der Agatha-Christie-Romane sind auch heute noch teils köstliche TV-Unterhaltung - obwohl man im einen oder anderen Fall die für heutige Verhältnisse etwas biedere Inszenierung bemäkeln dürfte.

Trotzdem wird mich nichts von den fünf Sternen abbringen können: Joan Hickson ist eine, nein, die Miss Jane Marple und nicht umsonst wollte Dame Agatha selbst sie in dieser Rolle sehen. Zwar entspricht auch Hickson strenggenommen nicht genau der Figur der Bücher - die Miss Marple in den Romanen ist noch älter, noch damenhafter, noch zarter - aber sie kommt den wichtigsten Eigenschaften am nächsten. Sie ist eine neugierige alte Dame und gleichzeitig eine brillante Spürnase - obwohl Miss Marple selbst vor diesem Begriff sicher pikiert zurückschrecken würde. Aber gerade diese auch von Agatha Christie oft hervorgehobene Kombination aus altjüngferlich-schamhafter Neugier und scharfsinnig-gnadenloser Hirnakrobatik nimmt man Joan Hickson Wort für Wort ab.

Zu den zwölf Filmen selbst: Bis auf wenige Ausnahmen schaue ich mir alle immer wieder gerne an, weil sie einen herrlich altmodischen Charme versprühen. Das kippt auch gelegentlich und dann merkt man an den Schnitten und insgesamt an der, hm, gemächlichen Inszenierung eben auch, dass das a) Fernsehprodukte sind, die dazu b) schon teilweise über zwanzig Jahre auf dem Buckel haben. Wen das aber nicht stört, der ist hier gut aufgehoben. Die Verfilmungen sind größtenteils ziemlich buchgetreu gehalten und verzichten noch - im Gegensatz zu den aktuellen Filmen mit Geraldine McEwan in der Titelrolle - auf, positiv gewendet, eigene Interpretationen des Stoffes. Ein paar kurze Worte zum Inhalt:

"Die Tote in der Bibliothek":
Eine blonde Leiche liegt in Colonel Bantrys Bibliothek - wer ist sie und wie kam sie dort hin? Miss Marple ist wie immer zur Stelle und deckt einen besonders perfiden Mord auf. - Zählt für mich nicht zu den besten Filmen, da zwischendurch etwas langatmig und, was Tat und Motiv angeht, nicht unbedingt schlagend.

"Die Schattenhand":
Jerry Burton und seine Schwester Joanna ziehen in den kleinen Ort Lymstock. Dort kursieren gerade fiese Rufmord-Briefe. Schließlich stirbt die Ehefrau des Anwalts Symmington kurz nach Erhalt eines solchen Briefs - scheinbar durch eigene Hand. Wie gut, dass Miss Marple schon Witterung aufgenommen hat... - Im Roman ist Jerry Burton der Ich-Erzähler und diese Perspektive fand ich erfrischend, hier ist er immer noch eine Hauptfigur und das tut auch dem Film gut.

"Ein Mord wird angekündigt":
Per Anzeige werden die Dorfbewohner zu einem Mord bei Letitia Blacklock eingeladen - ein nettes Spiel, denken alle. Aber dann fallen Schüsse und ein Gauner liegt tot am Boden, während Miss Blacklock verletzt ist. Wer wollte sie töten - und will es wohlmöglich noch immer? - Vielleicht der beste Film der Reihe mit guten Figuren (Hinch und Murgatroyd etc.), viel Spannung und einer sensationellen Auflösung.

"Das Geheimnis der Goldmine":
Ich gestehe - nur einmal geschaut und deshalb fast alles vergessen. Vielleicht tue ich dem Film unrecht, aber für mich war er der schwächste der zwölf.

"Mord im Pfarrhaus":
Im Arbeitszimmer des Pfarrers wird der ungeliebte Colonel Protheroe erschossen. Seine Ehefrau und ihr Geliebter beschuldigen sich beide der Tat, werden aber ebenso beide entlastet. Wer war es dann? Motive sind reichlich vorhanden. - Schöner Film mit etwas komplizierter Auflösung, dafür aber auch mit einer besonders viel Freude bereitenden Miss Marple.

"Ruhe unsanft":
Die frisch verheiratete Gwenda kauft ein Haus und merkt bald, dass es ihr sehr bekannt vorkommt - als Kind hat sie dort einen Mord gesehen! Nur: Wer waren Täter und Opfer? Sie beginnt nachzuforschen und weckt damit schlafende Hunde. - Netter Film, der etwas abrupt aufs Finale zugeht, dann aber mit einem richtig abgedrehten Täter entschädigt. Dazu gute Darsteller.

"Das Schicksal in Person":
Jason Rafiel (verwirrt vielleicht etwas, weil diese Figur chronologisch erstmals in dem - erst später gedrehten - Film "Karibische Affäre" auftaucht) ist tot. Sein letzter Auftrag an Miss Marple: Sie soll als seine "Nemesis" ein Verbrechen aufklären - es geht um seinen Sohn, der vor Jahren ein junges Mädchen ermordet haben soll. - Einer meiner liebsten Marple-Filme, wegen der herrlichen Szenerie(n) (Miss Marple geht auf Bustour) und der famosen Co-Darsteller, allen voran Margaret Tyzack; die Handlung um den zurückliegenden Mord ist zum Schluss ziemlich psychobeladen und es fehlt ein bisschen die Christie'sche Raffinesse. Trotzdem - ich mag ihn.

"Bertrams Hotel":
Miss Marple kehrt in dem Hotel ein, das sie schon als kleines Mädchen beherbergte. Alles scheint - merkwürdigerweise - noch genauso wie damals. Dann verschwindet erst Hochwürden Pennefather, die berühmt-berüchtigte Lady Bess Sedgwick taucht auf, ebenso ihre ungeliebte Tochter Elvira, auf die ein Mordanschlag verübt wird... und das alles passiert nicht zufällig im "Bertram's". - Viel passiert und sowieso ist der Roman einer der "düsteren" Christies, wo viel von menschlichen Schwächen die Rede ist und eine insgesamt traurige Stimmung herrscht. Der Film fängt das ganz gut ein, zieht sich zwischendurch etwas, punktet aber durch die kniffligen Rätsel und eine charismatische Darstellerin der Bess Sedgwick.

"16 Uhr 50 ab Paddington":
Mrs McGillicuddy beobachtet vom Zug aus einen Mord - in einem Abteil eines anderen Zugs. Niemand glaubt ihr - außer Miss Marple. Die mobilisiert die patente Lucy Eylesbarrow, um bei den Crackenthorpes als Hausdame getarnt herumzuschnüffeln. Und Lucy findet eine Leiche... - Sicher einer der bekanntesten Marple-Krimis, schon durch die Rutherford-Verfilmung, die mal locker Mrs McGillicuddy, Lucy Eylesbarrow und Miss Marple zu einer Art Super-Miss-Marple zusammenbastelte. Nicht ganz ohne Grund, denn dieser Film wirkt etwas zäh, zumal die Darstellerin der Lucy etwas dröge rüberkommt. Dennoch ein guter Film.

"Karibische Affäre":
Schon ein paarmal gesehen und immer wieder vergesse ich Namen und die Details der Handlung: Miss Marple urlaubt in der Karibik, trifft dort einen alten Schwätzer, der von einem Mord erzählt. Kurz darauf ist der Alte tot - irgend jemand fühlte sich wohl auf den Schlips getreten. Miss Marple ermittelt. - Eine interessante Abwechslung, auch weil ein bisschen Lokalkolorit gezeigt wird. Die Nebendarsteller bleiben leider ein wenig blass und die Auflösung kommt nicht vollkommen überraschend (erst recht nicht für - kleiner Augenzwinker - Liebhaber von "Pride & Prejudice"), dafür entschädigt aber der famose Gastauftritt des gut aufgelegten Donald Pleasence, dessen Kabbeleien mit Miss Marple höchst unterhaltsam sind.

"Mord im Spiegel":
Die Schauspielerin Marina Gregg mietet sich im Örtchen St Mary Mead ein. Auf ihrer Einweihungsparty stirbt ein Gast aus dem Dorf durch einen vergifteten Cocktail - offenbar hat der Anschlag Marina Gregg gegolten... - Puh. Der Film macht es auch nicht viel besser als die Hollywood-Version mit Liz Taylor u. a.; irgendwie gerät alles zu lethargisch und nicht einmal der Auftritt des von mir sehr geschätzten John Castle als Inspektor Craddock kann das retten.

"Fata Morgana":
Miss Marple besucht ihre Jugendfreundin Carrie Louise, deren Ehemann Lewis eine Art Besserungsanstalt für jugendliche Kriminelle leitet. Da sagt sich ihr Stiefson Christian Gulbrandsen an, der offenbar etwas Wichtiges auf dem Herzen hat - doch kaum angekommen, ist er schon tot. Warum - und wer war es? - Ich mag den Film weniger wegen der Krimihandlung, sondern aus anderen Gründen: Der erste heißt Jean Simmons. Der zweite besteht in der schönen, wehmütigen Schlussszene. Der Rest ergibt sich aus den unterhaltsamen Nebenhandlungen und insgesamt dem guten Personal.

Das war dann ein doch etwas längerer Überblick. Falls der Eindruck entstanden sein sollte, die fünf Sterne wären etwas zu großzügig, weil an einigen Filmen doch Kritik geübt wurde: Ich bin für jede Minute mit Joan Hickson dankbar. So - das war's dann auch!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 2, 2008 11:07 PM MEST


Der verschenkte Mord
Der verschenkte Mord
von Anthony Berkeley
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Mörder, der gehängt werden will ( mittlerer SPOILER im letzten Absatz)., 28. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Der verschenkte Mord (Broschiert)
Mr Lawrence Todhunter hat nur noch wenig Monate zu leben. Womit soll er die Zeit sinnvoll verbringen? Mr Todhunter entscheidet sich für einen Mord und bald ist das passende Opfer gefunden: Jean Norwood, ihres Zeichens Schauspielerin und das hassenswerteste Weib unter der Sonne. Dummerweise wird nach der Tat ein anderer verhaftet - und Mr Todhunter muss die Polizei davon überzeugen, dass er der wahre Mörder ist.

Amüsant ist dieses kleine Büchlein schon allein deswegen, weil die klassische Mördersuche mal umgekehrt verläuft und die zunehmend verzweifelten, aber höchst ausgefuchsten Versuche Todhunters, die Behörden nicht von seiner Unschuld, sondern eben von seiner Schuld zu überzeugen, sehr hübsch und recht lakonisch von Berkeley erzählt werden. Nebenbei spielt auch Ambrose Chitterwick eine Rolle, der bereits in Berkeleys "Fall mit den Pralinen" zum Personal gehörte.

(SPOILER folgt!)

"Der verschenkte Mord" ist nicht so einfach gestrickt, wie es zunächst scheint. Eigentlich habe ich auch nicht alles verstanden, weil es zwischendurch mit vertauschten Revolvern, gefundenen Bleikugeln, stehengebliebenen Uhren und verzwickten Gerichtsplädoyers etwas drunter und drüber geht. Die ungefähre Richtung, die das Ganze am Schluss nehmen soll, ahnt der halbwegs erfahrene Krimileser aber recht früh und so habe zumindest ich einige Seiten doch recht ungeduldig überflogen. Wie immer bei Berkeley kann man sich auf den recht trockenen Humor und die pointierten Dialoge verlassen; die Story selbst ist jedoch letztenendes recht durchschnittlich, aber wenigstens (in meiner Ausgabe) mit ca. 120 Seiten recht knackig runtergeschrieben.


Die fabelhafte Welt der Amélie
Die fabelhafte Welt der Amélie
DVD ~ Audrey Tautou
Wird angeboten von Eliware
Preis: EUR 9,99

14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Amélie - eine Pute geht ihren Weg., 28. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Die fabelhafte Welt der Amélie (DVD)
Bei der "Fabelhaften Welt der Amélie" geht es mir ein bisschen so wie mit Süßigkeiten: Nimmt man zu viel davon zu sich, wird einem irgendwann ganz schön schlecht. "Amélie" ist so herzig, so zuckersüß, so übervoll von Farbe, Musik und Gutmenschigkeit, dass man das Ganze nur in wohldosierten Portionen ertragen kann. Beim ersten Mal ist alles wunderbar, zauberhaft, ein kleines großes Bonbon. Beim vierten Mal bekommt das Ganze schon etwas unangenehme Züge. Amèlie Poulain ist eine Verrückte, eine Soziopathin, Stalkerin, Träumerin, Terroristin, Egoistin und nicht halb so naiv, wie der Film es uns glauben machen möchte. Sie ist lediglich ein etwas ausgefalleneres Symptom einer Epoche, die die Eigenwilligkeit bis zur Extase feiert und sich zugleich irritiert von ihr abwendet. Und genau dieses Problem boxt sich durch die zuckerdicken Schichten des Films an die Oberfläche und lässt mich mit einem etwas unguten Gefühl zurück: "Amélie" ist Propagandakino mit Zuckerkruste und dabei so zerrissen wie wir selbst, wenn es um das Individuum und das Ganze geht. Amélie ist so, wie wir sein, aber nie werden wollen. Ziemlich komisch, das Ganze.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 26, 2012 10:07 PM MEST


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