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Rezensionen verfasst von
Melanie Holtmann "Mekko!" (Utopia)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   

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Der Pakt - The Covenant
Der Pakt - The Covenant
DVD ~ Steven Strait
Wird angeboten von music_fun
Preis: EUR 25,00

5 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Fürchterlich, fürchterlich, fürchterlich. (SPOILER), 21. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Pakt - The Covenant (DVD)
Man nehme: Ein paar hübsch ausschauende Teenager, ein bisschen Hexerei-Mystik, ein paar Gruselszenen, ein bisschen Gefahr für die Liebste des Helden, ein paar nette Actionszenen und fertig ist der Brei. Das nennt sich dann Actionhorrorgruselwasimmerfilm und ist, in diesem Falle, einfach grauenhaft schlechte Kalkülware, die zu nichts taugt außer dazu, gemütlich vorm Fernseher einzuschlummern.

Die Story - man will ja nicht so sein - klingt nicht ganz uninteressant: Da gibt es den titelgebenden "Pakt" zwischen vier Familien - Nachkommen übersinnlich begabter Gründer einer Ostküstenkolonie - deren jeweils ältester Nachkomme mit unglaublichen Kräften ausgestattet wird; ein Vorgeschmäckle gibt's mit 13, und Schlag 18 folgt die volle Ladung, was Suchtgefahr bedeutet und sowieso sorgt jede Nutzung dafür, dass man vorzeitig altert. Der Pakt besteht nun darin, a) die Kräfte nicht zu ge- bzw. zu missbrauchen und b) das Ganze geheimzuhalten. Nun stehen grad wieder die vier jüngsten Sprösslinge vorm 18. Geburtstag, als ein Mitschüler ermordet wird und sich herausstellt, dass noch ein unehelicher Nachkomme einer fünften Familie existiert. Der ist böse und will die Kräfte der anderen für sich. Punkt.

Die ganze Geschichte beginnt mit dem Sprung in einen Abgrund, und hätten die Filmemacher einen Sinn für Humor, dürfte man das wohl als Selbstkommentierung verstehen. Jegliches Potenzial wird nämlich schnellstmöglich in Abgründe versenkt; der Streifen ist vollkommen ironiefrei und fällt damit hinter noch halbwegs ansehbares Strandgut wie etwa die "Scream"-Reihe Lichtjahre zurück, die einfallslose Anschleimerei ans jugendliche Publikum (Tanzszene etc.) ist peinlich, die Darsteller agieren bisweilen gruselig schlecht (vor allem die zentrale männliche Figur leistet sich eine Performance, für die sich mancher GZSZ-Mime schämen würde) und die Gesichter sind mehr als austauschbar. Es vergeht eine halbe Filmstunde allein, bis man die schnöseligen Bälger auseinanderhalten kann. Die folgende Story (die dann eigentlich überhaupt erst, wenn man das so nennen kann, in Gang kommt) ist so vorhersehbar wie sonstwas und abgesehen davon eh albern.

Manch schlechten Film kann man sich immerhin noch antun, weil er unfreiwillig komisch ist; der "Pakt" rafft sich nicht einmal dazu auf. Fazit: Billig, blöd und bitte nicht anschauen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 22, 2008 11:24 AM MEST


Anchorman - Die Legende von Ron Burgundy
Anchorman - Die Legende von Ron Burgundy
DVD ~ Will Ferrell
Preis: EUR 5,55

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hübsch wohlkalkulierter Anarcho-Humor., 18. Juli 2008
Völlig wider Erwarten hat mir "Ron Burgundy" richtig gut gefallen, was denn in drei Sternen resultieren würde. Vier werden es, weil der Film eine sehr interessante Mischung aus anachronistischem Grenzpeinlichhumor mit absurd-idiotischen Elementen und netten Szene-Einfällen darstellt, so etwa die geradezu klassische Schlacht zwischen den Moderatorenteams oder die Szene, in der Hund Baxter mit den bösen Bären konferiert und die mich zu einem grenzhysterischen Lachanfall provozierte. Beides sind hübsche - und kreative - Zitate hinlänglich bekannter Filmversatzstücke, die ihre Vorbilder sehr witzig auf die Schippe nehmen. Der plappernde Wauwau beispielsweise - so albern, dass es schon wieder richtig gut ist. Die Story selbst wabert leider etwas herum; die Rivalität zwischen Miss Corningstone und Burgundy ist von Anfang an klar, wird aber im Zeitlupentempo und mit zwischenzeitlicher Liebesnacht verfolgt, um dann allerdings recht rasant an Fahrt aufzunehmen. Im Grunde ist die Geschichte auch nur der Aufhänger für allerhand lustige Szenen - so Jack Blacks Fußtritt, der Baxter gänzlich uncharmant ins Wasser befördert, Burgundys fataler verbaler Fehltritt und so weiter. Auch die Witze, die Burgundys Truppe über Veronica reißen darf, sind so alt, schlecht und peinlich, dass sie einfach mal wieder ans Tageslicht gezerrt werden mussten. Dass sich "Ron Burgundy" das alles traut, macht den Film recht charmant; auch wenn manches nicht wirklich zündet und die hohe Dichte an Comedy-Prominenz ein wenig selbstgefällig wirkt. Ein bisschen zu blass bleibt für meinen Geschmack Christina Applegate, die allerdings immerhin ihre Miss Corningstone nicht bloß auf eine karrierebesessene Emanze reduziert. Fazit: "Ron Burgundy" ist ein recht leckerer Happen für zwischendurch; der Humor ist um einige Nuancen über ben-stiller-bräsig anzusiedeln und sich trotzdem für wenig zu schade. Anschauen lohnt sich.


The Night Listener
The Night Listener
DVD ~ Robin Williams
Preis: EUR 6,43

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Trotz Toni Collette und Robin Williams: Öde. (SPOILER), 13. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: The Night Listener (DVD)
Ein Jammer, dass selbst Robin Williams und eine famose Toni Collette diesen Film nicht aus dem Sumpf der dramaturgischen Ödnis retten können: Die Geschichte um den Radiomoderator in der Lebenskrise, die blinde Frau, die vielleicht psychisch schwer angeschlagen ist und den missbrauchten Jungen, der vielleicht gar nicht existiert, wabert einfach vor sich hin. Williams spielt ruhig und souverän, schafft es aber nicht, dem Zuschauer wirkliches Interesse für seine Figur abzunötigen; Collette legt ihre Donna hübsch an mit der glatten Oberfläche, die die darunter verborgenen Defekte umso erschreckender und unheimlicher wirken lässt. An beider Leistung ist wenig auszusetzen. Die Story selbst schlingert aber gewaltig, was hauptsächlich daran liegt, dass die früh aufgestellten Vermutungen nahezu eins zu eins eingelöst werden: Pete gibt es nicht, Donna leidet unter einer psychischen Störung, Gabriel deckt das auf und beide gehen wieder ihrer Wege. Ist das nun ein Psychodrama oder ein Thriller oder was auch immer? In nahezu allen denkbaren Disziplinen versagt "The Night Listener" jedenfalls. Fürs Drama fehlt die Tiefenschärfe, was die Figuren angeht; für den Thriller eben, nun ja, der Thrill. Die Entscheidung, Pete in Aktion zu zeigen, empfinde ich als äußerst unglücklich; dann hätte man den Weg, ausschließlich auf Gabriels (Intro-)Perspektive zu setzen, konsequent weitergehen müssen. So aber irritiert das Ganze, weil eben jegliche Virtuosität im Umgang mit der Ambivalenz von Realität und Fiktion - oder Projektion, wenn man von Gabriel ausgeht - fehlt. Vollends verwirrt dann, dass am Schluss ein Video mit Pete auftaucht, da werden dann die verschiedenen Ebenen absolut unstimmig - es sei denn, man freundet sich mit der Deutung an, dass es Pete eben doch gibt. Für einen solchen - äußerst interessanten - Subtext sprächen immerhin einige Indizien (deren Gewolltsein ich aber für fragwürdig halte) bzw. einige widerständige Randelemente der Story: Nummer 1 - beim Rundgang durch Donnas halb ausgeräumtes Haus streift Gabriel kurz ein Zimmer, in dem an einer Heizung eine Kette festgemacht ist; Nummer 2 - Donna wird aus dem Motel von einem mysteriösen schwarzen Auto bzw. einem Mann abgeholt, der jedenfalls nicht wie ein Taxifahrer wirkt; Nummer 3 - die offensichtliche Existenz zumindest irgend eines Jungen, dessen Identität im Dunkel bleibt; Nummer 4 - die Tatsache, dass eine Fiktion "Pete" im Grunde nie von einer auktorialen Erzählstimme bestätigt wird und dass die Szenen, in denen Pete auftaucht, sich qualitativ vom Rest des Films nicht zu unterscheiden scheinen (keine visuellen Verfremdungen etc.); schließlich - Nummer 5 - könnte sogar Donnas Erklärung am Schluss - die Amputation auf Grund eines Infektes o. ä. - als kohärent zu Petes vorheriger Krankheit gedeutet werden, wenn man annimmt, dass alles ein groß ausgedachter Plan ist, um Pete vor seinen leiblichen Eltern zu schützen. Zugegeben - alles ein bisschen zu viel Spekulation und vielleicht zu wenig valide Referenz, aber doch ein recht amüsanter Zeitvertreib, wenn sonst schon nicht viel mit dem Film anzufangen ist. Denn sonst funktioniert er - wie erläutert - nicht wirklich bzw. scheitert daran, thematisch über bloße Behauptungen und dramaturgisch über diffuse Antrittsversuche hinauszukommen. Ach ja, einziges wirkliches Extra ist ein - nur einige Minuten dauerndes - Making Of, das den Namen nicht verdient. Fazit: Einmal schauen reicht zur Bildung.


Jane Austens "Persuasion" (2007)
Jane Austens "Persuasion" (2007)
DVD ~ Sally Hawkins
Preis: EUR 10,83

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Null. Acht. Fünfzehn. Nicht mehr und eher weniger., 11. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Jane Austens "Persuasion" (2007) (DVD)
Kommt eine Rezension zum 2007er Film ohne einen Vergleich mit der 1995er Version aus? Wohlmöglich, aber nicht bei mir. Gerade durch den abwägenden Blick, so meine Meinung, lassen sich die - subjektiven - Schwächen dieses Films schön darstellen. Mein grundsätzliches Urteil: Die aktuelle Version entpuppt sich als solider, ein wenig zu selbstverliebter und aufdringlicher Durchschnittsfilm. Warum? Er plappert alles aus, was viel schöner - siehe 1995 - zu zeigen oder anzudeuten wäre. Anne, von Amanda Root als stille, würdevolle und ein wenig tragische Figur gespielt, die im Laufe des Films neu erblüht, wird zur Tagebuch-schreibenden, andauernd direkt in die Kamera starrenden, heulenden und rennenden Nullachtfuffzehn-Möchtegernbraut, deren Innenleben so komplett uninteressant wird, weil gerade das bei Root so Reizvolle - die Distanz, die Reduktion und damit umso stärkere Wirkung von Gesten und Blicken - ganz aufgegeben wird. Rupert Penry-Jones ist für meinen Geschmack zu bubihaft und zu sehr beleidigter Geliebter; er hat zwar ein sympathisches Gesicht, kann damit mimisch aber recht wenig anfangen. Auch hier schneidet für mich Ciaran Hinds als wesentlich erwachsenere Variante deutlich besser ab. Zugute halte ich dem Film allerdings, dass er einige Zusammenhänge etwas deutlicher darstellt und damit die in der 1995er Version doch recht sanft geschliffenen Konflikte etwas stärker herausarbeitet. Letztlich macht das aber wenig Unterschied, auch weil am Ende auf die ganze Problematik um Mr Elliot etc. überhaupt nicht mehr eingegangen wird. Richtig ärgerlich fand ich allerdings, wie hier die berühmte Brief-Szene am Schluss gelöst wurde. Das war mein Highlight der 95er Version. Hier ist das Ganze für mich erstens unlogisch - Wentworth kommt doch gerade von Anne, wie kann er da Augenblicke später schon den Brief senden? Und wieso an dieser Stelle ein Brief, dessen Abfassung in der 95er Version (mit dem überhörten Gespräch zwischen Anne und Captain Harville) dramaturgisch viel motivierter und plausibler begründet wurde? Im derart losen Kontext verliert das einfach ungemein an Intensität. Annes Marathon danach macht das Ganze auch nicht besser.

Mein Fazit: Keine komplett misslungene Adaption, aber eben auch nichts Besonderes. Keine "Momente", und die Charaktere wachsen nicht so ans Herz, wie es sich gehört, auch wenn Sally Hawkins' Anne dabei noch am besten wegkommt. Und der Humor der 95er Version fehlt auch fast völlig, wenngleich man es da, insbesondere was Mary Musgrove und Annes Vater anging, schon ein bisschen nah ans Lächerliche geführt und das Potenzial der Figuren etwas erledigt hat. Dennoch gefielen mir diese Interpretationen im Vergleich besser, denn Anthony Head und Amanda Hale in den entsprechenden Rollen hier kommen im einen Fall bloß unsympathisch und im anderen uninteressant und überflüssig daher, und das ist mir dann doch zu wenig. Schlussendlich: Anschauen kann man's, aber ins Herz schließen - naja.


Hier ist John Doe
Hier ist John Doe
DVD ~ Gary Cooper
Wird angeboten von exoda
Preis: EUR 9,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Lehrstück vom Meister: Capra und die Verführung der Massen (SPOILER!)., 5. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Hier ist John Doe (DVD)
„John Doe“ – das ist jeder und doch ist es keiner. John Doe ist eine Fiktion, ein Platzhalter und gleichzeitig doch der Anspruch, Allgemeines abzubilden: Jeder könnte John oder Jane Doe sein. Die Frage ist, ob wir es sein wollen, sein können, oder ob es nicht anmaßend ist, eine gesichtslose (und uniformierte?) Masse der John Does dieser Welt zu proklamieren. Frank Capra ergreift in seinem Film Partei für John Doe, für den kleinen Mann, eigentlich genauer für den ganzen Menschen in uns, der all seine guten Eigenschaften in einer bestimmten Situation offenlegen muss oder offengelegt bekommt. Dieses märchenhaft utopische Prinzip, der unbedingte Glaube in die Güte des Menschen durchzieht Capras Werk und sein fabulösestes Beispiel ist natürlich „It’s a Wonderful Life“, der wahrlichste Klassiker und menschenliebendste Film seit es Weihnachten gibt.

Zurück zu „Meet John Doe“. Capra entwirft wieder einmal eine Story, die man symbolisch und überhaupt als universale Metapher lesen muss: Die gefeuerte Kolumnistin Ann Mitchell (Barbara Stanwyck) hinterlässt ihrem Chef den gefälschten Abschiedsbrief eines gewissen John Doe, der darin ankündigt, sich aus Protest gegen den miserablen moralischen Zustand der Welt umbringen zu wollen. Das Ganze entwickelt eine unerwartete Dynamik, die Menschen sind von John Doe begeistert und es muss nun ein echter falscher Doe her: Der Tramp und Ex-Baseballspieler Long John Willoughby (Gary Cooper) wird für den Job angeheuert. Die (von Mitchell verfassten) Reden, die er via Radio unters Volk bringt, begeistern die Massen und inspirieren zur Gründung von John-Doe-Clubs, die sich der Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen widmen. Aber in Capras Universum ist auch der böse Kapitalist oder eben Politiker nicht weit, und letzterer versucht in Person des ehrgeizigen D. B. Norton, John Doe vor seinen Karren zu spannen: Er soll vor den mittlerweile Millionen von Menschen, die an ihn und seine Worte glauben, die Gründung einer John-Doe-Partei verkünden – deren Vorsitzender und Präsidentschaftskandidat natürlich Norton sein will…

(Ab hier ein paar SPOILER:) Spät im Film bemerkt Ann Mitchell, vor langer Zeit sei schon einmal der erste John Doe für ein höheres Gut gestorben, und damit wären wir dann am Ende des christlich durchwirkten Capra’schen Normen- und Motivhorizonts angelangt: Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, Solidarität, Opferbereitschaft und so weiter bilden die Koordinaten, zwischen denen er seine Geschichten aufspannt. Und wie eigentlich immer gelingt es Capra, das alles in rührender Schlichtheit auszusagen: John Does Rede im Radio, die Erzählung seines Fans darüber, wie weit Does Worte in das alltägliche Miteinander hineingewirkt haben, die blinde Wut der Massen angesichts der Täuschung, die Momente kurz vor Schluss – wenige verstanden oder verstehen es wie Capra, komplexe Sachverhalte und Mechanismen auf die existenzielle Wucht eines Gespürs für Wahrhaftigkeit zu verdichten (oder auch: zu verkürzen). John Doe spricht uns im Grunde aus dem Herzen, aber er ist ebenso deutlich ein Demagoge, wider Willen zwar, aber mit der höchst ambivalenten Gabe, Menschen anzupacken, aufzurütteln, für die Idee zu begeistern. Ja, es ist eine gute Idee – in diesem Fall. Aber die emotionale Masse, die Kampagne, die Personalisierung einer Sache, all das sind Symptome, die wir auch aus anderen Zusammenhängen kennen. Capra nähert sich seinen Themen immer mit einer eigentümlichen Mischung aus naiver Unschuld und dem scharfen Blick für Zynismen und Fatalitäten, die auch das Beste korrumpieren können. Allein, seine Helden lassen sich in letzter Instanz nicht korrumpieren, weder George Bailey noch Long John Willoughby, auch wenn der Preis dafür mitunter höher ist, als es uns Capra vorrechnen mag.

Letzten Endes setzt uns Capra Propaganda vor, aber eine, mit der wir uns meistens gerne einverstanden erklären. In diesem Falle ist das, wie oben angedeutet, mit einigen Widerhaken verbunden. Auf der dramaturgischen Ebene kommt noch die etwas unglückliche Figur hinzu, die Stanwycks Charakter abgeben muss; über die bloße Funktion innerhalb der Handlung läuft da wenig. Sie ist die Opportunistin, die im Laufe der Sache immer mehr an jene glaubt und sich in die Fiktion John Doe verliebt, aber ganz kauft man ihr den hysterischen Schlussakt trotzdem nicht ab, und wenn doch, dann verharrt sie allerdings in Egoismen und sorgt lediglich für das entsprechende bisschen Drama am Ende. Die Stanwyck wirft sich wie immer voll in die Rolle und macht auch was daraus, aber so ein bisschen hatte ich das Gefühl, ihr ist selber nicht ganz klar, was sie mit der Figur anfangen soll. Gary Cooper macht seine Sache ziemlich gut, allerdings stellt er sich für meinen Geschmack etwas zu lethargisch an.

Nichtsdestotrotz und so oder so: Trotz gewisser Längen (woran der Film schuld ist) und unterdurchschnittlicher Bild- und Tonqualität (wofür er wiederum nichts kann) lohnt sich der Blick hinein in die Capra-Welt. Auch wenn man in diesem Fall vielleicht sogar ein ganz kleines bisschen froh ist, nicht darin zu wohnen. Knappe vier Sterne.


Prestige - Die Meister der Magie
Prestige - Die Meister der Magie
DVD ~ Michael Caine
Preis: EUR 4,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Sehen Sie genau hin!" - Unterhaltsame Taschenspielertricks., 29. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Prestige - Die Meister der Magie (DVD)
Christopher Nolan ist mit 'Prestige' vor allem eins gelungen: Einen sehr unterhaltsamen Film abzuliefern, der den Zuschauer mit kleinen und großen Twists verwöhnt. Und der besonders im Nachgeschmack so nachwirkt, dass man ihn eigentlich noch einmal sehen muss. Die Ebenen von Erzählung und Erzähltem spiegeln sich ineinander in ihrer Doppeldeutigkeit und Doppelbödigkeit ' Zaubertricks sind hier wie dort das angesagte Mittel. Die Handlung geht so: Die beiden ambitionierten Jungzauberer Borden (Christian Bale) und Angier (Hugh Jackman) versuchen sich in erbitterter Feindschaft gegenseitig zu übertreffen, nachdem Angiers Frau das Opfer eines missglückten Zaubertricks, an dem Borden beteiligt war, geworden ist. Borden heiratet, bekommt eine Tochter und irrlichtert doch immer durch sein Leben, während Angier dem Konkurrenten das vermeintliche Glück und den Erfolg neidet und alles tut, um den Feind auszustechen. Der Clou in Bordens Programm ist der "Transportierte Mann", eine Teleportationsnummer, deren Geheimnis Angier mit allen Mitteln ergründen will'

'Prestige' ist meiner Meinung nach ein wunderbarer Initiationsfilm für den, der die Magie des Kinos und des Films erst noch kennenlernen will. Borden fordert an einer Stelle auf, man solle bei seinen Tricks genau hinsehen: Genau das wird auch dem Zuschauer abverlangt, der dafür mit dem befriedigenden Genuss belohnt wird, der Story bei einigen 180-Grad-Wendungen zuschauen zu dürfen. Routinierten Filmguckern wird das Menü allerdings etwas schwerer im Magen liegen, weil die Zutaten doch schon zu gut bekannt sind. Die Inversion - das scheinbare Ende der Geschichte an den Anfang zu stellen - ist der erste Trick, und man weiß, da muss noch ein Clou kommen. Und wer den im Laufe der Handlung immer deutlicher ins Bild rückenden Fallon beobachtet, der ahnt auch schon, was da ungefähr folgen wird. Es ist aber Nolans Kunst, alle Versatzstücke auf eine eigene Weise anzupacken und so zu kombinieren, dass keine Langeweile aufkommen mag. Und wie es bei Filmen dieser Art nun einmal so ist, bereitet der schlussendliche Aha-Effekt das meiste Vergnügen. Hier ist er noch dazu mit einem wohligen Schaudern verbunden, und man kann vom Ende her ein großes Thema aufmachen: die Frage nach der Identität. Nicht nur nach jener der Protagonisten, sondern auch nach der von Bild und Bedeutung bzw. gerade deren Differenz, die Nolan weidlich ausnutzt und in der kurzen und mitreißenden Retrospektive kurz vor Schluss noch einmal vorexerziert und -zelebriert. Ironischerweise ist es in "Prestige" gerade die Technik (des Filmemachers Nolan), die uns Magie beschert, was wiederum auf der Handlungsebene konsequent reflektiert wird ' mit einer Einschränkung. Denn Nolan kommt nicht ohne ein Mysterium aus, das in seiner Art ein bisschen an billige Gruselheftchen erinnert. Dass er andererseits aber den entsprechenden Diskurs dem Film zuschaltet, fügt den Doppel- zum Dreifachboden und gewährt einer widerständigen Stimme Gehör: Taschenspielertricks gehören zum Handwerk, aber die wahre Magie nistet jenseits des Sag- und Darstellbaren. Und irgendwo gilt das ja schließlich auch für's Kino selbst. Oder?


Die verfolgte Unschuld
Die verfolgte Unschuld
von Josephine Tey
  Taschenbuch

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überdurchschnittliches Krimivergnügen., 16. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Die verfolgte Unschuld (Taschenbuch)
Ich vertrete die These, dass ein Krimi umso besser ist, je überzeugender seine Exposition gelingt bzw. dass er auf jeden Fall von dieser Exposition zehren kann, weil ihre Strahlkraft den Leser bei der Stange hält. Josephine Tey präsentiert dem Leser ein reizvolles Problem: Die 16jährige Betty Kane war einige Wochen verschwunden. Jetzt behauptet sie, während dieser Zeit von Mrs. Sharpe und ihrer Tochter Marion gefangengehalten und als Dienstmädchen 'missbraucht' worden zu sein. Die bestreiten den Vorwurf, aber Betty liefert eine überzeugende Darstellung des "Franchise" - des Hauses, in dem sie angeblich eingesperrt war und regelmäßig misshandelt wurde. Robert Blair übernimmt die Verteidigung der beiden Damen, denen zunächst niemand Glauben schenken will...

Josephine Tey geht ihre Geschichte ganz anders an, als es die von mir verehrte und deshalb immer (und oft ungerechterweise) als Referenz herangezogene Agatha Christie täte. Ihr geht es nicht um spektakuläre, rasante Wendungen und verblüffend ausgetüftelte Verbrechen; es geschieht nicht einmal ein Mord. Und Tey führt ihre Leser auch nicht - wie es Christie so gerne tat - an der Nase herum, sondern führt den Leser an der Seite ihres nüchternen Helden Robert Blair durch einen Plot, der überraschend konsequent von einem Punkt losgeht, um ohne Firlefanz am anderen Ende anzugelangen. Sie eliminiert sehr schnell Antwortmöglichkeiten auf die Frage: Was geschah wirklich? Denn entweder lügen die Sharpes, oder es lügt Betty Kane, oder es lügen beide (und haben etwas zu verbergen) oder aber es lügt keine Partei und beide sind auf höchst mysteriöse Weise Marionetten in einem undurchsichtigen Spiel. Nun, da sich mit Robert Blair das Auge des Lesers rasch und überzeugend auf die Seite der Sharpes schlägt, scheint hier alles klar und es bleibt, Betty Kanes Geschichte zu widerlegen. Und dieser Anstrengung widmet sich denn auch ein großer Teil des Buchs.

Dass hier der Krimi fast durchweg spannend und unterhaltsam bleibt, ist das größte Verdienst Josephine Teys. Sie zeichnet alle beteiligten Charaktere höchst lebendig und legt ihnen mitunter recht gewitzte Dialoge in den Mund; sogar Betty Kane, die in Person nur zweimal und auch dann nur durch die Augen der anderen betrachtet auftritt, gewinnt im Laufe der Ermittlungen ein eindeutiges Profil. Tey entwickelt ihre Story bedächtig, aber sie leistet sich keine Durchhänger und versorgt den Leser kontinuierlich mit Informationen oder Episoden, die sich dem Ganzen harmonisch einfügen. Da verzeiht man sogar den Kunst- oder Missgriff eines deux-ex-machina-Effekts zum Ende hin, den ich sonst gerade innerhalb einer mystery novel nicht ausstehen kann.

Teys Stärke ist der Blick für die Details, für die Komposition der Charaktere und die Auslegung der Handlung als organischer, deren Thema zwar die vermeintliche Entführung ist, die um dieses Zentrum aber eine Fülle von Ereignissen und Beobachtungen schart - mal (zwischen-)menschlicher, mal gesellschaftlicher oder auch juristischer Natur. So wird das Lesen zum Vergnügen, wenn auch nicht zum gänzlich ungetrübten. Der Tey'schen Erzählsicherheit hätte ein Schüsschen Christie'scher Raffinesse sicher gut getan - aber sei's drum. Auch so gibt's vier Sterne.


Mord - made in England
Mord - made in England
von Cyril Hare
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterhaltung - made in England., 6. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Mord - made in England (Broschiert)
Cyril Hare (der, wenn er nicht gerade unter seinem Pseudonym Kriminalromane schrieb, von Beruf Richter war) legt mit "Mord - made in England" (Original: "An English Murder") einen sehr unterhaltsamen Rätselkrimi vor, dessen Auflösung nicht in allen Punkten so sorgfältig und befriedigend ist, wie es der Meisterin ihres Fachs - Agatha Christie - in ihren Glanzstücken gelang. Hare bietet eine ebenso amüsante wie stets spannende Geschichte, deren Pointe denn auch den Titel - ein ENGLISCHER Mord eben - erklärt.

Auf dem Landsitz des sterbenden Lord Warbeck versammeln sich zum wohl letzten Weihnachtsfest noch einmal alle, die ihm nahestehen: sein Sohn Robert, der Führer einer faschistischen Organisation; sein Vetter Sir Julius, Schatzkanzler; Lady Camilla Prendergast, die verdrängte Verlobte Roberts; Mrs Carstairs, Gattin eines aufstrebenden Finanzpolitikers; Mr Bottwink, ein kontinentaleuropäischer Gelehrter, Jude und Antifaschist. Dazu kommen Seargent Roberts - Sir Julius' Leibwächter - und der Butler Briggs mit seiner Tochter. Die Stimmung ist angespannt, was vor allem dem unleidlichen Robert zu verdanken ist. Und am Weihnachtsabend will ausgerechnet er eine große Neuigkeit verkünden - doch bevor die Worte gesprochen sind, bricht der Sohn des Hauses tot zusammen: Zynankalivergiftung. Wer war es? Und warum?

Das Szenario ist verführerisch: Ein einsames altes Landhaus, das dazu noch für einige Tage dank des Winterwetters von der Außenwelt abgeschnitten ist, ein Toter und viele Verdächtige mit mehr oder weniger überzeugenden Motiven. Das ist geradezu klassisch und die beste Vorlage für eine gelungene Geschichte. Hare sorgt auch dafür, dass des Lesers kleine graue Zellen sich mächtig ins Zeug legen müssen, denn die Dynamik der Geschichte wird geschickt und permanent forciert. Dafür sorgen die höchst unterhaltsamen Dialoge zwischen allen Beteiligten; allen voran geht Mr Bottwink, der viel weiß und am Ende auch folgerichtig und dank eines Spezialwissens Täter und Motiv kombiniert. Dass es ausgerechnet ein Ausländer ist, der den Engländern mit Verweis auf deren ureigenste Verfassung den Mord erklärt, ist schon ein Schmunzeln wert. Überhaupt zeichnet Hare seine Figuren sehr liebevoll und zwar teilweise archetypisch (wie den urbritischen Butler, die geschwätzige Aufsteigerin, die wohlgesittete Dame von Adel), dafür aber mit feinem Blick für Eigenheiten. Eine kleine Enttäuschung bietet hier allerdings die Figur des Seargenten Roberts, der erst als souveräner Ermittler eingeführt wird und dann zunehmend passiv wird. Allerdings mag das a) mit meiner falsch gepolten Erwartungshaltung zusammenhängen. Und b) geht es Hare sowieso nicht um die stringente Aufklärung durch ein Superhirn à la Hercule Poirot, sondern vielmehr um die Interaktion der Charaktere.

Der finale Clou ist für den durchschnittlichen Leser garantiert nicht zu erraten, denn er hängt mit einer Besonderheit der englischen Verfassung zusammen. Dennoch wird der halbwegs geübte Krimileser mit dem zugrundeliegenden Motiv nicht völlig in die Irre gehen; und es war für meinen Geschmack auch die einzig logische Person, die sich letztendlich als Täter entpuppte. Sonst hätte Hare auf den letzten Seiten wohl noch allzu phantastische Szenarien herbeisinnen müssen, denn im Ausschlussverfahren streicht der Leser doch recht schnell - zu schnell - einige Verdächtige von der Liste, weil Hare das Spiel mit dem Misstrauen gegenüber Figuren nicht ganz so virtuos beherrscht. Er streut zwar behutsame Verdachtsmomente, die in alle Richtungen weisen können, lässt dann aber doch auch schnell wieder von ihnen ab.

Insgesamt hat bei mir das Lesevergnügen deutlich überwogen gegenüber den kleinen Schwächen des Schlusses; der Krimi ist wirklich klassisch und für Freunde eben jener Krimiliteratur jederzeit zu empfehlen.


Fragile - A Ghost Story
Fragile - A Ghost Story
DVD ~ Calista Flockhart
Wird angeboten von svalv
Preis: EUR 9,99

8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein bisschen Hui und ein bisschen viel Pfui (SPOILER mit Vorankündigung)., 5. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Fragile - A Ghost Story (DVD)
Ein einsames Krankenhaus auf der Isle of Wright, das bald geschlossen werden soll. Überall stehen fertig gepackte Kartons, die letzten Kinder warten darauf, in den nächsten Tagen verlegt zu werden. Da brechen einem Jungen die Knochen - während er im Bett liegt. Das ist erst der Anfang der mysteriösen Ereignisse. Zwei Tage später tritt die Krankenschwester Amy (Calista Flockhart) ihren Dienst im Krankenhaus an, und schnell merkt auch sie, dass etwas sehr Unheimliches im Gange ist...

So weit, so gut. "Fragile" entfaltet seine Story auf durchaus unterhaltsame Weise. Der Knochenbrecher-Beginn treibt das Spannungsbarometer erst einmal in angenehme Höhen; auch wenn von Anfang an die sehr, hm, körperliche Art des Geistereingriffs etwas ernüchtert. Weiterhin positiv gibt es die Darstellerleistungen zu vermerken; Calista Flockhart und Richard Roxburgh sowie Yasmin Murphy als kleine Maggie, aber auch die Nebendarsteller um Gemma Jones ("Bridget Jones" u. a.) spielen ihre Parts solide. Und die Dinge, die sie von sich geben dürfen, arten auch nicht in Geschwätzigkeit aus. Sogar die Passage, in der Flockharts Charakter zwei anscheinend ortsansässige Wahrsagerinnen aufsucht - eine heikle Stelle in vielen Horror- oder Mysteryfilmen, weil da schnell mal die Grenze zur Albernheit überquert wird - wirkt ansprechend geerdet. Der Film begnügt sich hier und überhaupt des öfteren mit Andeutungen; so wird auch Amys offenkundig traumatisches Erlebnis in der Vergangenheit nicht ausformuliert. Diese Konzentration ist eine durchaus kluge Entscheidung. Eine sehr hübsch gelungene Szene ist auch die Quasi-Parallelmontage eines Zeichentrickfilms ("Dornröschen") und der übrigen Handlung; da spiegeln und potenzieren sich sehr schön (und durchaus als eine Form des "foreshadowing", wenn man am Ende rekapituliert) Horrormotive (die böse Fee, der zum Leben erweckende Kuss) und Stimmung. Der gegenseitige Verweis von Film und Film im Film wirkt für beide Seiten produktiv - und ist im Übrigen ein schönes Exempel, wie gerade auch in den "B-Genres" wie Horror künstlerische und ästhetische Selbstbehauptung erfolgen kann.
+++!!+++
So, und im Folgenden wird jetzt ein bisschen herumgemäkelt, was nicht ganz ohne Spoiler abgeht, darum Vorsicht und bitte abschalten, falls man noch nicht mehr wissen möchte!
+++!!+++
Im letzten Drittel ging mir der Film nämlich zunehmend auf die Nerven. Kratertiefe Logiklöcher, ein leicht lächerlich geratenes "Gespenst" und ein unsägliches Happy End vermiesen den Genuss erheblich. Das beste Beispiel: Angeblich kann man das Gespenst erst sehen, wenn man kurz vorm Tod steht. Dummerweise überlebt Amy aber trotz Geisterschau, und als sich im Krankenhaus wieder die zwei Wahrsageromis einstellen, fragt sie die, wie das möglich sei. Antwort: "Amy, manchmal ist es besser, keine Fragen zu stellen." Wahrlich. Da sammelt sich so einiges. Wieso zum Beispiel sprechen die Kinder, wenn sie von Charlotte reden, vom "mechanischen MÄDCHEN", wo sich die Gute doch als Frau mittleren Alters herausstellt? Und wenn Charlotte bei denen bleiben will, die sie liebt, wieso zieht sie nicht einfach mit um? Und wieso ist der ominöse zweite Stock in seinem Zustand offenbar am Tage des Todes des kleinen Mädchens belassen worden, so dass Amy dort praktischerweise Photos, obligatorische Accessoires wie eine Spieldose und sogar einen Film (!!) finden kann? Hat in dem Krankenhaus noch nie jemand was von Aufräumen gehört? Und wieso geht Maggie, die sich doch so vor Charlotte fürchtet, zumindest aber nicht so doof erscheint, dem Feind ins Messer zu laufen, freiwillig in den zweiten Stock zurück, nur um ihre Kuscheldecke zu holen? - Freilich, wer sich diese Fragen nicht augenblicklich stellt, wird noch ganz gut unterhalten von dem Schluss, der aber bedauerlicherweise nicht auf die übliche Hysterie verzichten mag. Hätte ich mein Gehirn ausgeschaltet, hätte mir der Film wohl recht gut gefallen. So aber setzt der bereits zitierte Satz dem Ganzen die Krone auf. Besonders schade, denn strecken- oder meinetwegen auch nur szenenweise merkt man dem Film die ästhetischen Ambitionen durchaus an; und das zusammen mit der Besetzung ist eigentlich zu gut für den letztenendes zwar irgendwo nachvollziehbaren, aber im Detail hanebüchenen Plot. Komplett überflüssig fand ich übrigens die gesamte Story um die verängstigte erste Krankenschwester, zumal deren rare Szenen so bedeutungsschwanger zwischengeschnitten wurden, dass die ohnehin schon offenliegende Erklärung - ihre Angst, der Besuch bei den Wahrsagerinnen, der folgende Selbstmord (?) - dann umso enttäuschender war.

Kurzum: Für einen Fernsehabend geht das schon noch in Ordnung. Das Ganze ist ja nicht völlig misslungen, und irgendwie schafft es der Film doch, nicht zu nerven. Drei Sterne dafür.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 21, 2012 4:23 AM CET


Grand Theft Auto: San Andreas [Platinum]
Grand Theft Auto: San Andreas [Platinum]

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gutes Spiel mit kleine(re)n Schwächen., 3. April 2008
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Sonst nicht unbedingt ein Konsolenfan, spiele ich "San Andreas" doch hin und wieder ganz gerne. Das "Gangsta/HipHop" - Szenario ist zwar etwas befremdlich (der Vorgänger Tommy Vercetti sagte mir mehr zu), dafür hat sich der Spielspaß parallel zur Spielfläche nochmal vergrößert. Man kann (und - kleines Ärgernis an manchen Stellen - muss) lange Wege zurücklegen, dabei gemütlich über die Highways rasen und Radio hören. Auch die Missionen sind recht abwechslungreich gestaltet und die einführenden Videosequenzen für die Backgroundstory werden beim zweiten Mal zwar schnell weggedrückt, erfüllen dennoch einen guten Zweck. Mir fehlt immer noch ein wenig die Möglichkeit der Interaktion - da ist zu viel Kulisse, die man zwar ab und zu kaputtmachen kann, die aber sonst zu wenig anbietet. Die kleinen Abwechslungen machen wie immer Spaß - Flug-, Schiffahrts- und Fahrzeugschulen, Polizei- und Feuerwehrmissionen, Rennen und so weiter. Dennoch sollte es nicht möglich sein, nach Belieben Leute auf der Straße abzustechen oder abzuschießen; abgesehen davon, dass das furchtbar unrealistisch ist, ist es auch - obwohl ich da sonst nicht so zartbesaitet bin - pädagogisch eher fatal und letztendlich albern. Noch ein bisschen mehr Forderung an Geschicklichkeit oder Taktik wären stattdessen nett gewesen. Dennoch: vier Sterne.
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