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Rezensionen verfasst von
Melanie Holtmann "Mekko!" (Utopia)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   

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About a Boy, oder: Der Tag der toten Ente
About a Boy, oder: Der Tag der toten Ente
DVD ~ Hugh Grant
Preis: EUR 4,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen About a crazy little thing called life., 21. Oktober 2008
Hugh Grant in seiner vielleicht besten Rolle, Toni Collette (deren Name Prädikat genug ist) und der famose Nicholas Hoult sind nur drei der vielen Gründe, warum "About a Boy" ein derart warmherziger und gleichzeitig wunderbar komischer Film geworden ist. Grant brilliert als reicher Nichtstuer auf dem Weg ins emotionale Elend, wo Collettes Figur schon längst angekommen ist. Irgendwo dazwischen steckt hilflos Marcus, dem die Mutter langsam abhanden kommt und der auch sonst dringend Hilfe benötigen könnte. "About a Boy" wirft einen sehr (und vielleicht etwas zu) behutsamen Blick auf die unterschiedlichen Versehrtheiten seiner Figuren. "Niemand ist eine Insel" - manche halten sich aber dafür und haben dem Festland Adieu gesagt, und manche sind ungewollt vom festen Grund abgetrieben. Die Kunst des Zusammenhaltens kann so einfach sein und sie wird am Ende von "About a Boy" beschworen. Dass die Dinge in der Realität etwas komplizierter liegen und dass der Film am Ende lieber skurril sein mag als realistisch, ist ein kleines bisschen ärgerlich. Nicht jede Insel schafft den Anschluss. Dass es aber Filme gibt, die der Hoffnung darauf Ausdruck verleihen, ohne allzu sentimental zu werden, ist immerhin schön.


Schloss des Schreckens
Schloss des Schreckens
DVD ~ Deborah Kerr

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Schraube, die irgendwann durchdrehen musste., 21. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Schloss des Schreckens (DVD)
Denkt man darüber nach, ist "Schloss des Schreckens" eigentlich eine schauerlich platte Übertragung des originalen Titels "The Innocents", der gerade durch die Unbestimmtheit der Formulierung schon auf das verweist, was den Film und vor allem die Romanvorlage ausmacht: die ausgesprochen kunstvoll exerzierte Ambiguität der Erzählung. Henry James' "Turn of the Screw" ist derart geschrieben, dass man nahezu auf jeder Seite Doppeldeutiges findet: Die (im Buch namenlose) Erzieherin (und Ich-Erzählerin) gibt ihre Wahrnehmungen und Beobachtungen, ihre Unterhaltungen mit Mrs Grose und den Kindern so wieder, dass stets für den Leser reichlich Raum zur Interpretation bleibt: Gibt es tatsächlich Geister auf Bly? Oder lesen wir den Bericht einer jungen Frau, die zunehmend den Verstand verliert? James pendelt die Hinweise und Andeutungen durch Auslassungen (Was trieben Quint und Jessel, inwiefern waren die Kinder darin involviert, wie ist es um den familiären Hintergrund der Erzieherin bestellt, warum verbietet sich ihr Arbeitgeber so ostentativ jede Belästigung?), vieldeutige Dialoge etc. so kunstvoll aus, dass bis zum Schluss der Erzählung eigentlich beides vorstellbar bleibt.

Dem Film gelingt es, diese Uneindeutigkeit auf seine eigene Weise zu reproduzieren; auch wenn er deutlicher für die realistische Lösung zu votieren scheint. Wir sehen, was Miss Giddens sieht (oder zu sehen glaubt) und welche Schlüsse sie zieht; und da der Film sich entscheiden muss, die "Geister" Quint und Jessel zu zeigen und nicht bloß von Miss Giddens behaupten zu lassen, instrumentalisiert er dies gleich für einige besonders unheimliche Szenen. Weitere Zufügungen, wie die (soweit mir erinnerlich) nicht im Roman vorkommende Melodie oder Miles' beklemmender Gedichtvortrag sind (besonders im ersten Fall als explizit filmisches Mittel) gelungene Ergänzungen. Positiv hervorzuheben sind auch die Darsteller der beiden Kinder, die es wirklich verstehen, unheimlich, aber nicht unglaubwürdig zu agieren. Deborah Kerr meistert ihre schwierige Rolle ebenfalls souverän.

Neben dem üblichen Kleinkram befindet sich das Hörspiel "Die Unschuldsengel" auf der DVD; nach halbstündigem Hören bin ich allerdings eher enttäuscht. Die Stimmen der Kinder vor allem wirken zu alt, und was sie sagen, klingt sehr auswendig gelernt. Dennoch: Der Film selbst ist den Kauf auf jeden Fall wert.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 21, 2008 4:01 PM MEST


Das Hat die Welt Noch Nicht Gesehen - Premium Single
Das Hat die Welt Noch Nicht Gesehen - Premium Single
Wird angeboten von sophies schatzkasterl
Preis: EUR 4,95

4.0 von 5 Sternen Das hat die Welt jetzt mal gehört., 19. Oktober 2008
Ich bin eindeutig positiv überrascht. Mal wieder ein schöner Song von den Söhnen Mannheims, in den man sich einkuscheln kann an kühlen Tagen. Keine störend zurechtgezwungenen Verse, sondern einfache, dafür aber eindringliche Worte. Ein gutes Lied, das ein bisschen aufrichten kann, wenn man es gerade braucht. Vier Sterne.


Poirot Collection 7 [4 DVDs] [UK Import]
Poirot Collection 7 [4 DVDs] [UK Import]
DVD ~ David Suchet
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 16,86

24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut, Poirot wieder in Aktion zu sehen., 19. Oktober 2008
Poirot is back. Und zwar gleich vierfach: In MRS. MCGINTY'S DEAD, CAT AMONG THE PIGEONS, THIRD GIRL und (offensichtlich auch in der Box enthalten, von mir aber noch nicht gesehen) APPOINTMENT WITH DEATH sorgen die speziellen grauen Zellen für Erleuchtung. Dabei behält die Serie einerseits den düsteren Touch der neueren Filme, erlaubt sich aber auch ein paar mehr Freiheiten.

Die vier verfilmten Romane gehören nicht zu den besten Christies, aber auch nicht zu den schlechtesten, und ungefähr so spiegelt sich das auch in den Filmen wider: Solide Fernseharbeit, ein stets vorzüglicher David Suchet und verlässliche Darsteller ergeben insgesamt ein angenehmes Bild. Worum geht's in den einzelnen Filmen? In "Mrs McGinty's Dead" versucht Poirot, den Mord an der Titelfigur aufzuklären. War es ein einfacher Raubmord oder steckt doch mehr dahinter? Es scheint bald, als habe Mrs. McGinty eine gefährliche Entdeckung gemacht... - "Cat Among The Pigeons": Eine Revolution im Orient und Morde im vornehmen Mädcheninternat Meadowbanks sind miteinander verbunden - Poirot sucht nach Motiv und Täter... - "Third Girl": Norma Restarick glaubt, sie könnte einen Mord begangen haben. Poirot will helfen, doch in Normas Umfeld sind gefährliche Umtriebe auf dem Weg... - "Appointment with Death" (jedenfalls im Roman): Auf einer Reise in den Nahen Osten wird die alte Dame Boynton ermordet. Sie war eine hassenswerte Kreatur und Tochter, Stiefkinder und sonstiges Umfeld gehören allesamt zum Kreis der Verdächtigen...

Die mir bekannten drei Film sind sehenswerte, aber keine brillante TV-Unterhaltung. David Suchet darf den einen oder anderen emotionalen Moment spielen (was mir sehr gefällt, kommt doch oft Poirots sehr wohl vorhandene private Seite hier ein wenig ins Licht), es gibt starke Gastdarsteller (u. a. Harriet Walter als Miss Bulstrode in "Cat", Siân Phillips in "McGinty") und in zweien der drei Filme eine unterhaltsame Interaktion bzw. Zusammenarbeit zwischen Poirot und Ariadne Oliver (Zoe Wanamaker). Poirots Butler George (David Yelland) darf auch ein paar Zeilen mehr sagen. Die Filme erlauben sich einige Freiheiten; so muss Poirot in "Cat" viel eher als im Buch (da erst im letzten Drittel) in die Handlung eingeführt werden, eine Figur wird (akzeptablerweise) gleich ganz gestrichen und eine sehr hübsche Szene aus dem Romane leider nicht übernommen (für Kenner des Buchs: ich meine die Anatolien-Szene mit Mrs Upjohn und der Kinder-Konkurrenz ;-)), und leider wird auch nicht darauf eingegangen - wie im Buch - dass besagte Mrs Upjohn eine dicke Kumpeline von Mrs Summerhayes aus "McGinty" ist, der Poirot dankenswerterweise die perfekte Zubereitung von Omelettes beibrachte. Ich mag solche kleinen Referenzen und Verweise; schade, dass sie hier fehlen. "McGinty" wird auch ein bisschen zurechtgestrickt; da gibt es im Buch vier Frauen, im Film werden daraus zwei. "Third Girl" wird auch etwas durcheinandergewirbelt; die Figur des Dr Stillingfleet wurde gestrichen, es gibt wohl aus technischen Gründen keine doppelte Identität mehr (die wäre auf dem Bildschirm wohl zu leicht erkennbar gewesen) und auch einige andere Handlungsfäden schauen ein bisschen anders aus als im Buch. Das alles hält sich aber im akzeptablen Rahmen.

Poirot macht immer noch Spaß, das ist die beste Nachricht. Ich vermisse Inspektor Japp, Captain Hastings und Miss Lemon zwar stets ein wenig, auch wenn Poirot jetzt verstärkt Ariadne Oliver oder George als Sidekick an die Hand bekommen hat. David Suchet zuzuschauen ist eh immer ein Genuss für sich, auch wenn er in jüngster Zeit ab und zu ein bisschen aus dem Gleis läuft, was die Intensität seines Spiels angeht. Sei's drum. Anschauen lohnt.


Chocolat
Chocolat
DVD ~ Johnny Depp
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 9,10

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Quatsch mit Schoko-Soße?, 17. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Chocolat (DVD)
Ich liebe Schokolade. Ich brauche Schokolade. Und "Chocolat" macht Lust auf Schokolade. Blöderweise ist das fast alles, was der Film mit mir veranstaltet hat. Die Themen - Intoleranz, Bigotterie und all die anderen kleinen und größeren Leiden unserer Zeit - werden derart plakativ und unter so kurzsichtig-einseitiger Parteinahme ins Schokosüppchen getunkt, dass mir dabei schon fast schlecht wurde. Vorher ist alles hässlich - Frauen werden geschlagen und sexuell unbefriedigt schrubben geschickt, der verknöcherte Graf diktiert als verbitterter Despot sogar dem jungen Duckmäuserpfarrer die Predigten, herumreisende Zigeuner werden geächtet, Töchter reden nicht mehr mit ihren Müttern und umgekehrt und überhaupt. Alles wird denunziert, und plopp, ein bisschen Schoko drüber und schon löst sich der Knoten: Gott ist tot, es lebe die Schokolade. Dazwischen heilt Mutter Schokolata, pardon, Vianne, mit sanfter bis beharrlicher Zuwendung die Leiden der emotional schwer angekrüppelten Bevölkerung. Wäre die Gute nicht mit Schokolade angekommen, sondern mit der Frohen Botschaft, hätte sich das halbe Kinopublikum wahrscheinlich übergeben im Angesicht solch frohgemut selbstgerechter Simplizität. Der Effekt bleibt trotzdem derselbe, irgendwie. Das Ganze ist magisch, und die Magie hat natürlich im Kino einen besonders privilegierten Platz. Aber hier wird daraus ein fast schon gewaltsamer Akt der Bekehrung. Das schmeckt mir nicht so besonders.

Mir fällt da zum Schluss der berühmte Marie-Antoinette-Spruch mit dem Kuchen ein; irgendwie gebärdet sich der Film wie ein Kommentar dazu. Oder ich rede gerade Unsinn. Jedenfalls: Ich bin mir ziemlich sicher, dass man "Chocolat" nicht ganz so heiß herunterschlucken sollte, wie die Schokolade angerührt wird. Drei Sterne gibts trotzdem, wegen der Schokolade, wegen Judi Dench, wegen Juliette Binoche und trotz Johnny Depp. Basta.
Kommentar Kommentare (17) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 2, 2008 3:15 PM CET


Wir sind das Volk - Liebe kennt keine Grenzen
Wir sind das Volk - Liebe kennt keine Grenzen
DVD ~ Anja Kling
Preis: EUR 11,99

26 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die letzten Tage der DDR, von unten betrachtet., 8. Oktober 2008
"Wir sind das Volk" macht nicht allzu viel falsch - dafür traut sich der Film aber auch nicht viel. Auf der Habenseite steht doch einiges: Man entwirft ein differenzierteres Bild der DDR, Gut und Böse lassen sich nicht so einfach auseinanderhalten, Opportunisten und ehrlich Überzeugte, Mitläufer, Eingeschüchterte etc. werden gleichermaßen und ohne allzu steil erhobenen moralischen Zeigefinger porträtiert. Weiterhin verkneift sich der Film dramatische Liebesgeschichten, die sonst in entsprechenden Produktionen gerne das eigentliche Thema überlagern. Vor allem aber gelingt es, Horror und Alltag, Anpassung und Auflehnung so selbstverständlich nebeneinander zu stellen, dass beides gleichermaßen ahnbar wird - die Wurzeln der DDR-Nostalgie und deren entschiedene Ablehnung. Besonders bemerkenswert fand ich den starken Einstieg in den Film: Die Todesschüsse an der Mauer und das furchtbare Sterben des vergeblich Flüchtenden bestimmen ausdrücklich alles Folgende schon allein von der moralischen und emotionalen Perspektive her.

Trotz allen Lobes: Einige Kritikpunkte drängen sich mir auf, und dass die zum Abzug gleich zweier Sterne führen, ist wohl zugegebenermaßen auch dem privaten Geschmack geschuldet. Zunächst einmal ganz grundsätzlich: Der Film geht - wie schon angedeutet - letztenendes kein Risiko ein, was die Wahl der Bilder, Szenen und Kommentare angeht. Die letzte Viertelstunde ist angefüllt mit den hinlänglich bekannten Bildern - Menschen warten, Menschen stürmen hinaus, freuen sich, jubeln. Die DDR gibt (sich) auf. Mama wollte schon immer Kaffe im Kempinski trinken. Papa, staatstreuer Bürger bis dato, erkennt: "Der Sozialismus ist tot." Das wirkt alles etwas sehr schlicht und einseitig. Ich habe mich bei diesen Bildern immer gefragt: Und wie geht es weiter? Nachdem der Staat, in dem man von Geburt an lebte, den Geist aufgegeben hat? Antworten folgen auch hier nicht, denn: "Wir reden hier über die Einheit Deutschlands." Groß genug, gut genug. Aber eben auch Stoff für einen Film, den man schon vor zehn Jahren hätte drehen können. Heute wünschte ich mir etwas mehr Reflexion. Die Abbildung der DDR erschöpft sich jawohl nicht in detailgetreuer Nachbildung von Frisur und Tapete. Auch war mir etwas zu sehr Parole und etwas zu wenig Blick aufs Detail darin, wie Protest nachgespielt wurde. Kann man von einem SAT.1 - Fernsehfilm auch nicht verlangen? Na gut. Trotzdem knapp am vierten Stern vorbei.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 18, 2008 10:31 PM MEST


Wahnsinnig verliebt
Wahnsinnig verliebt
DVD ~ Audrey Tautou
Wird angeboten von zieffle
Preis: EUR 20,48

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen An Affair To Remember - in besonderem Sinne. SPOILER!, 5. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Wahnsinnig verliebt (DVD)
Den meisten Genuss aus diesem Film wird wohl ziehen, wer vorher nichts von ihm weiß. "Wahnsinnig verliebt" ist die Kunststudentin Angélique in den verheirateten Arzt Loic, dessen Frau gerade ein Baby erwartet. Die übliche Dreieckssituation? Mitnichten. Wer nun schon den einen oder anderen Psychothriller gesehen hat und informiert ist, dass es sich hier um einen solchen handelt - der wird sich von der ersten Hälfte des Films kaum foppen lassen. Laetitia Colombani inszeniert diese Hälfte recht clever, aber eben auch recht bemüht und eben nicht aus der Sicht Angéliques, sondern aus der eines (sehr) unbeteiligten Beobachters, der aus Szenen und Aussagen eine Liebesgeschichte konstruieren soll. Das funktioniert nur bedingt; denn Colombani montiert zwar mit handwerklicher Sorgfalt, verlässt sich dabei aber zu sehr auf die Oberflächenwirkung ihrer Bilder. Ihre Figuren - besonders Loic - gehen im angestrengten Doppelspiel der Bilder fast unter, und so vermag die zweite Filmhälfte denn auch nicht sonderlich zu berühren. Wie sich das Puzzle peu à peu auflöst, ist zwar nett anzuschauen, aber Colombani zeigt eben nur das bereits Vorausgeahnte und schließt so sorgfältig-pedantisch alle Lücken, dass alle emotionale Spannung sich der Kleinteiligkeit des Plots geschlagen geben muss. Hinzu kommt, dass Colombani das Innenleben ihrer Figuren sehr unterschiedlich auskleidet: Im Falle von Angélique geht das auf; sie tritt als lächelnde Unschuld entgegen und verlässt den Film auf fast dieselbe Weise - dazwischen liegt die umso bedrohlichere Eruption ihrer Manie. Mit Loic schaut das etwas anders aus. Paradoxerweise entpuppt er sich nämlich als die eigentliche 'Unschuld', und das so porentief rein, dass seine Figur kaum wirkliches Mitgefühl wecken kann: Über das Opfer-Etikett hinaus bleibt kaum ein Charakterzug an ihm kleben. Aber vielleicht ist ja auch das ein verstecktes Statement der Regisseurin: Die langweilig eingenordete obere Mittelschicht kann sich ihres in relativer Sicherheit aufgehobenen Lebens keineswegs so sicher sein, wie der äußere Anschein suggeriert. Das Irrationale bricht ein, zersetzt fragile Oberflächen und legt den Finger in die Wunde. Leider bricht hier die Versuchsanordnung auch schon ab; Colombani zeigt weder den Verlust gesellschaftlichen Ansehens (er liegt schlicht außerhalb ihrer Perspektive) noch die Auflösung der privaten Existenz im Säurebad von Gerüchten und Anschuldigungen. Alles bleibt privat und genau im richtigen Moment kehrt Loics Ehefrau an die Seite des soeben Verhafteten zurück. Das gibt Angélique den Rest, und dem Film leider auch ein bisschen. Die Unschuld ist gerettet, das Böse ausgesperrt. Leider wird Colombani dann zu keck; es braucht erst den lebensrettenden Loic und dann als deus ex machina den liebestollen Medizinstudenten, um die Zusammenhänge zu klären. Und weil derart wahnsinnige Liebe eben nicht ohne Gewalt auskommt, haut Audrey Tautou dem Doktor was auf den Kopf und der segelt die Treppe hinunter. Diese körperliche Versehrung ist ein schwacher, aber doch logischer Schlusspunkt für Loics Geschichte: Sie muss an der Oberfläche bleiben. Eine ganz andere Oberfläche ist das Mosaik, das Angélique in der Psychiatrie herstellt: Dieses Ende (?) löst Colombani durchaus geschickt. Die Schlusspointe bestimmt, wie der Film uns entlässt, und das Gefühl ist angenehm unangenehm. Dafür und für die wie immer überzeugende Audrey Tautou gibt's dann insgesamt drei Sterne. Neben den üblichen Petitessen ist übrigens ein recht interessantes Extra auf der DVD vorhanden: eine zehnminütige Dokumentation entfallener Szenen bzw. alternativer Enden inklusive Audiokommentar der Regisseurin. Da ist nichts Weltbewegendes dabei, aber ich finde den Einblick in den entsprechenden Arbeitsprozess (welches Ende in welcher Szenenfolge etc.) gelungen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 4, 2011 6:15 PM MEST


I Kissed a Girl
I Kissed a Girl
Wird angeboten von cdfever
Preis: EUR 4,55

13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unangenehm., 25. September 2008
Rezension bezieht sich auf: I Kissed a Girl (Audio CD)
Jepp, der Song ist eingängig. Aber der Text - unsäglich. Diese pseudo-verklemmte Masche, die albern-offensiv herbeirepetierte Unschuld und überhaupt der ganze Gestus des Songs suggerieren ja gerade eine ätzende Degradierung lesbischer Liebeserfahrung. Allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz. Offenbar eben doch ein "big deal", wenn so ausgiebig drüber gesungen werden muss, und unangenehmes Signal, gerade weil das Gewand so unschuldig schaut. Hört sich trotzdem gut an. Ist aber irgendwie - ungut.


Cold Case (TV-Serie)
Cold Case (TV-Serie)
DVD ~ Kathryn Morris

53 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine meiner absoluten Lieblingsserien!, 18. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Cold Case (TV-Serie) (DVD)
Auch wenn die DVD-Veröffentlichung von "Cold Case" noch auf sich warten lassen mag - Werbung machen kann man ja schon mal. Denn die Serie hat es sich absolut verdient. Auf den ersten Blick ist sie "nur" eine weitere Krimiserie aus den USA; aber hinter der recht simplen Prämisse - Mordfälle aus der nahen und fernen Vergangenheit werden wieder aufgerollt - verbirgt sich ein erstaunlich tragfähiges Konzept: Die Möglichkeiten sind schier unendlich. Die Grundstruktur ist dabei immer dieselbe: Wir sehen einen - mit dem Datum bezeichneten - Ausschnitt aus der Zeit des Mordes, eine auf den ersten Blick nicht unbedingt bedeutungsvolle Szene, die meist das spätere Mordopfer und andere Protagonisten vorstellt; dann erfolgt der Schnitt auf die Leiche, ein weiterer Schnitt bringt uns in die Gegenwart, wo auf Grund irgendeines Hinweises neue Bewegung in den Fall kommt; es folgt der Vorspann. Diese ganz wenigen Minuten genügen bereits vollauf, den Zuschauer einzustimmen; am Ende der Folge schließlich, nach dem Geständnis des Mörders, folgt die finale Sequenz, in welcher noch einmal alle Beteiligten gezeigt werden, und zwar ohne Worte und zu den Klängen eines Songs aus dem betreffenden Mordjahr. Das einmal ist das zuverlässige Gerüst, auf dem in nahezu jeder Episode sehr spannende Fälle gezimmert werden, die teilweise bis in die 1910er oder 20er Jahre zurückreichen, manchmal aber auch nur einige wenige Jahre alt sind. Jede einzelne Folge ist denn auch ein Gesamtkunstwerk; die immer sehr wichtige musikalische Untermalung, die Ausstattung, Kleidung, Frisuren, soziale und private Beziehungen, gesellschaftliche Um- und Missstände, historische Zäsuren etc. fügen sich jedes Mal in ein neues Ganzes, und oft hängt auch der jeweilige Mordfall direkt mit Problemen der Zeit zusammen: Homosexualität und AIDS-Angst, Rassenhass, die Kommunistenjagd, Vietnam- und Irakkrieg, aber auch Themen wie Kindesmissbrauch, Zwangsprostitution, Probleme von Highschool-Kids damals und heute (eine Folge thematisiert den Amoklauf zweier Jugendlicher; in einer anderen wird sehr schön die "no-future"-Mentalität Anfang der 90er Jahre eingefangen) und auch andere (leider) zeitlose Dramen wie Eifersucht, Geldgier etc. werden be- und verarbeitet. Ganz abgesehen von den Fällen selbst, die trotz eines manchmal erstaunlich einfachen Strickmusters (es werden einfach immer mehr Informationen gesammelt) und trotz der Tatsache, dass meist keine akute Gefahr droht, hervorragend funktionieren, freue ich mich jedes Mal auch einfach auf den Blick in eine andere Zeit, auf die jungen und alten Gesichter der Protagonisten, die je nach Alter der Fälle in beiden Zeitebenen vom selben Darsteller verkörpert werden oder eben nicht, auf die Musik, auf die Art, in der die Vergangenheit eingefangen wird (die jeweiligen Passagen sind meist in anderem Stil und mit anderen Mitteln gefilmt als diejenigen, die in der Gegenwart spielen). Und vielleicht gerade, weil die meisten Folgen so eine nostalgisch-melancholische Aura umfängt, weil man gleich zu Anfang weiß, wer stirbt, und man im Laufe der Folge doch Sympathie für den jeweiligen Charakter entwickelt, weil das Bewusstsein der Vergänglichkeit - der Zeit und der Menschen - sich durch die Perspektive der Serie noch mehr in den Fokus schiebt, und weil nicht zuletzt die Musik ihren Teil dazu beiträgt, hinterlassen gerade die finalen Passagen immer einen so besonderen Eindruck: Der Täter wird abgeführt, die Überlebenden schließen ab mit der Vergangenheit, das Opfer erscheint ein letztes Mal - entweder Angehörigen oder den Ermittlern - als wolle es sich versichern, dass der Gerechtigkeit genüge getan ist und dass die, die weiterlebten, jetzt auch in Frieden leben können. Das ist traurig-schön, und tragisch geht es oft genug auch zu, denn - für mein Gefühl überdurchschnittlich - viele Morde stellen sich später als solche heraus, die im Affekt begangen wurden. Und dementsprechend sind die Menschen, die dann oft Jahrzehnte später doch noch für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden, Figuren, für die man oft genug Mitleid empfinden mag. Alles in allem spürt man ziemlich oft den bitteren Atem des Schicksals wehen - und es fühlt sich auf dieser Seite des Fernsehers richtig gut an. Also, Verantwortliche jenseits des großen Meeres, seid nett und packt "Cold Case" irgendwann mal auf DVD - ich würd's sogar kaufen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 30, 2012 3:08 PM CET


Das Sterben in Wychwood
Das Sterben in Wychwood
von Agatha Christie
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vielversprechender Plot, dem auf den letzten Metern die Luft ausgeht (SPOILER am Schluss)., 15. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Sterben in Wychwood (Taschenbuch)
Als die nette alte Dame, die Luke Fitzwilliam zufällig im Zug trifft, ganz ernsthaft von einer Mordserie spricht, die sie gerade zur Anzeige bringen will, glaubt er ihr natürlich kein Wort. Aber dann ist sie tot - ebenso wie das von ihr prophezeite nächste Opfer des Mörders. Kurzentschlossen macht sich Fitzwilliam auf, die mysteriöse Angelegenheit an Ort und Stelle zu klären.

Christie strickt wie so oft einen vielversprechenden Plot: ein Mörder geht um, von dem niemand ahnt; das Motiv ist völlig unklar und ebenso ist es die Verbindung zwischen den Mordopfern. Verdächtige gibt es dennoch reichlich, eine Liebesgeschichte findet nebenbei auch noch statt. Leider geht Christie in diesem Fall die sonstige Sorgfalt im Umgang mit den Details ab. Ihr Protagonist Fitzwilliam hat wenig mehr zu tun, als langatmige Zusammenfassungen über Motiv und Gelegenheit einzelner Verdächtiger anzustellen und ansonsten zarte Bande zu einer bereits Verlobten zu knüpfen. Darüber hinaus verliert Christie fast alle möglichen Täter so schnell aus den Augen (oder führt alibimäßig halbgare Verdachtsmomente an), dass dem (halbwegs geübten) Leser fast nichts anderes übrigbleibt, als sich recht früh wenigstens in die richtige Richtung zu orientieren, was zumindest den Täter(kreis) angeht. Entschädigt wird man auch nicht mit einer originellen Herleitung oder einem brillanten Motiv - SPOILER -

denn warum nun wer ermordet wurde, stellt sich als relativ willkürliche Angelegenheit heraus, und auch die Durchführung der Morde lässt die übliche Raffinesse vermissen. Kurzum, eigentlich ist fast alles so, wie es scheint, und das ist für Christies Verhältnisse nun eher schwach; zumal einige Handlungsfäden am Ende höchst halbherzig in die Ecke verwiesen werden und überhaupt bei näherem Hinsehen dem Täter derart viel Glück zur Seite stand, dass jede genauere Erläuterung am Schluss das Ganze ohnehin noch unglaubwürdiger hätte erscheinen lassen. Kurzum - immerhin flüssig und kontinuierlich recht spannend zu lesen ist das Ganze (denn darauf - Gott sei Dank - versteht sich Christie meist selbst noch in ihren schwächeren Romanen), es gibt einige hübsche Dialoge (z. B. das Gespräch zwischen Bridget und Fitzwilliam über ihre Heiratsmotive) und eine seltsam schillernde Figur (Mr Ellsworth) auf der Habenseite. Insgesamt drei Sterne.


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