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Rezensionen verfasst von
Melanie Holtmann "Mekko!" (Utopia)
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La gata negra [Spanien Import]
La gata negra [Spanien Import]
DVD ~ Anne Baxter
Wird angeboten von Arco Celeste Dvd
Preis: EUR 15,50

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "The odds against goin' to heaven - six-to-one", 16. März 2012
Rezension bezieht sich auf: La gata negra [Spanien Import] (DVD)
Im Süden der USA Anfang der 1930er Jahre: Dove Linkhorn (Laurence Harvey) ist nach dem Tod seines Vaters endlich frei, die Frau zu suchen, die er vor drei Jahren ziehen lassen musste: Hallie Gerard (Capucine). Doch die lebt mittlerweile als Protegée der, sagen wir es deutlich, Puffmutter Jo Courtney (Barbara Stanwyck) in New Orleans. Letztere ist allerdings nicht gewillt, auf ihren Liebling (und dies mehr oder minder ausdrücklich auch im erotischen Sinne) zu verzichten.

Ich meinerseits war sehr gewillt, den Film zu mögen, und dies meistenteils wegen Barbara Stanwyck. Und an ihr gibt es auch nichts zu kritteln. In einer Kritik las ich die treffende Bemerkung, Stanwyck schlage ihre Krallen in die Rolle der eiskalt-erregt-verbitterten Bordellbesitzerin, wie eben nur sie es könne. Und das trifft es. Was in der Rolle drinsteckt, holt sie raus: Da sind kühle Rücksichtslosigkeit, dominierend-aggressive Fürsorge, weh-wütende Bitternis und einiges mehr - und das reicht denn auch locker, um sie zur interessantesten Figur des Dramas geraten zu lassen. Ihre Szenen sind - dank ihr! - die, die im Gedächtnis bleiben: die Ohrfeige gegen Hallie, der Ausbruch gegenüber dem Ehemann, der Schluss. Da ist eine Intensität da, die der Rest des Films leider kaum aufbringen kann.

Die, um die es eigentlich geht, sagen dagegen mit verklärtem oder tränentrusigem Gesicht sehr suppige Sätze à la "Es ist alles vorbei", "Lass uns die Vergangenheit vergessen" etc. Harvey gibt den Südstaaten-Naivling mit kleisterzähem Pathos und tut entweder verträumt gucken, heulen, anschmachten oder heldenhaft trotzen oder alles gleichzeitig, während Capucine das Potenzial und die Komplexität ihrer Figur - aufstrebende Künstlerin turned Animier-und-mehr-Dame aus Dankbarkeit und Luxuswunsch - allenfalls anreisst. Überhaupt wirken Skript und Charakterzeichnung eher unausgegoren, was sicher auch an den wechselnden Drehbuchautoren und Reinquakern überhaupt liegen mag. Übrigens gibt Anne Baxter in einer dubiosen Nebenrolle eine gutherzige Mexikanerin (!), die sich auch noch in Dove verguckt. Die Dritte im Bunde ist da übrigens Rotzgöre Kitty Twist (Jane Fonda in einer frühen und amüsant überspielten Rolle), die in ihrer drauflosstürmenden Art Dove zu Anfang des Films verführen will und später noch eine wichtige Rolle spielt. Was finden die Frauen nur alle an diesem Softie?

Insgesamt ist das Ganze nun also eher breiig, mehr verschmiert als noch subtil weichgezeichnet, und selbst der Brutalo und Schläger-vom-Dienst von Madame Jo, Oliver, interessiert irgendwie mehr als die beiden Liebenden. Man möchte den Maßgebenden zugerufen haben: Traut euch mehr Tristesse!

So leuchtet letztlich nur Barbara Stanwyck heraus. Eine interessante Beobachtung zu ihr: Zweimal sind, während Jo spricht, im Hintergrund ihres Büros eingerahmte Fotos von Frauen zu sehen (auf einem Regal und auf dem Schreibtisch) - ein schöner Verweis auf die krypto-lesbischen (Er-)Regungen. Überhaupt wird diese Thematik viel souveräner transportiert als der größere Rest des Plots. Schade eigentlich. Zwei Sterne für den Film und einen für Stanwyck!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 29, 2012 10:33 AM MEST


Der Mann, der kein Mörder war: Ein Fall für Sebastian Bergman
Der Mann, der kein Mörder war: Ein Fall für Sebastian Bergman
von Hans Rosenfeldt
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nichts Wildes, aber macht schon Lust auf mehr., 20. Oktober 2011
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Ginge es hier nur um den Krimi allein, gäbe ich drei Sterne. Den vierten gibt's für die interessanten Charaktere, über die man doch mehr wissen möchte - und wird, so denn alsbald weitere Fälle des Sebastian Bergman geschrieben bzw. übersetzt werden. In Schweden selbst sind nach meiner Recherche bereits zwei Romane insgesamt erschienen und auch bereits verfilmt, mit Rolf Lassgard in der Rolle des Sebastian Bergman. Doch genug der Vorrede, zum Titel selbst:

Ein Schriftsteller-Duo, beide vom Fernsehen her kommend - da könnte man schon ordentlich Kalkül hinter dieser geplanten Serie wittern. Und tatsächlich wirkt das Ganze ein bisschen wie am Reißbrett entworfen: Da gibt es die Ouvertüre mit dem geheimnisvollen "Mann, der kein Mörder war" (und später, ein bisschen enervierend, ständig mit diesem Zusatz wieder zu Wort kommen wird) und gerade eine Leiche entsorgt. Da gibt es ein schlau zusammengesetztes Ermittlerteam: den etwas bärbeißigen, aber souveränen und sympathischen Boss, der gleich auch noch ein bisschen was mit der energischen Kollegin ebenfalls mittleren Alters hat, den Jungspund und Computernerd sowie die toughe junge Ermittlerin. Dazu kommt der (Serien-)Titelheld Sebastian Bergman, Top-Polizeipsychologe, A...loch, Frauenverbraucher, aber mit fiesem Schicksal und dunklen Träumen. Lustiger Sidekick ist Regionalpolizist Haraldsson, im Kindererzeugungsstress und am Ende immer der Doofe. Da entwickeln sich interessante Dynamiken innerhalb der Gruppe, und die einzelnen Teammitglieder werden mit einem Innenleben bzw. Hintergrund ausgestattet, der hell genug ist, um sie plastisch erscheinen zu lassen, aber nicht so grell, dass es ablenkte oder aufgesetzt wirkte. Klar, da steckt ein nicht so unbekanntes Schema dahinter und wer anders als ich schon reichlich ähnliche Ware konsumiert hat, den wird das Ganze tendenziell eher langweilen.

Der Fall selbst ist im guten Sinne solide gestrickt: Ein 16jähriger Junge wird ermordet in einem Waldtümpel gefunden, mit Messerstichen übersät und herausgeschnittenem Herzen. Um zu rekonstruieren, wer ein Motiv für den Mord gehabt haben könnte und was für ein Leben der junge Roger überhaupt führte, müssen sich die Ermittler ihren Weg durch ein Dickicht aus Lügen, Verschwiegenem und Verdrängtem bahnen... - Es würde wenig bringen, hier noch mehr zu erzählen, weil sich viel von der Spannung aus dem kontinuierlichen Nachschub der kleinen Details, Erkenntnisse, Enttarnungen ergibt. In dieser Hinsicht würde die wörtliche Übersetzung des Originaltitels - in etwa "Das Verborgene" - es viel mehr auf den Punkt bringen. Der deutsche Titel führt sogar ein wenig in die Irre. Das zentrale Thema des Buches, der Subtext, wenn man so will, ist eben die Differenz zwischen der Oberfläche und dem, was darunter liegt. Das gilt für Existenzen, Beziehungen, Identitäten, das betrifft die Reise des Sebastian Bergman in seine Vergangenheit und erst Recht die unmittelbaren Umstände des Mordes. Das und die Serie dysfunktionaler zwischenmenschlicher Beziehungen und zweifelhafter Identitäten sind zentrale Elemente einer Geschichte, die man gut lesen kann und die ohne große Hänger auskommt.

Fazit: Besser als der Durchschnitt massenhaft auf den Markt geworfener Krimis, und ganz zum Schluss, wenn man mal vom etwas arg auf Effekt hin getrimmten Titel absieht, ein Sonderlob für das sehr schicke Cover.


Ferrero Küsschen Mix, 3er Pack (3 x 186 g)
Ferrero Küsschen Mix, 3er Pack (3 x 186 g)

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schoko-dreifacher Nuss-Genuss für die Geschmacksnerven., 16. Oktober 2011
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Ein Vorredner mag nicht Unrecht haben: Bisschen viel Verpackung im Verhältnis zum Inhalt ist schon da. Ich definiere aber lieber anders: Optisch macht das Ganze auch was her. Die separat im Plastik eingelassenen Küsschen machen sich sehr gut vor einem zweigeteilt schokoweißen und -schwarzen Untergrund. Und zum Eigentlichen: In der klassischen Version schmecken die kleinen Sünden lecker wie immer. Und auch die beiden neuen Sorten setzen Akzente: Der zartbittre Mantel bringt das Nussige der Komposition besonders schön zur Geltung und sorgt insgesamt für einen intensiveren Geschmack. Weiß und Nuss passte für mich noch nie so ganz; aber hier ist die Verbindung doch ganz schön gelungen und die Nuss gibt der weißen Schokolade geschmacklich den letzten Kick. Fazit: Alle drei Sorten überzeugen und die Geschmackssensationen kommen am besten zur Geltung, wenn der direkte Vergleich da ist - der Mix macht's ;-). Leckerschmecker, die unbedingt gewürdigt werden sollten!


Der feine Unterschied
Der feine Unterschied
von Philipp Lahm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

12 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Den Blick fürs Wesentliche verstellt..., 31. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Der feine Unterschied (Gebundene Ausgabe)
...haben die medial befeuerten Entrüstungen zweifellos verdienter Sportsmänner, ganz einfach. Philipp Lahms Buch bietet das, was man halt so schreiben kann als 27jähriger Star-Fußballer, der nicht ganz blöd in der Birne ist und ein bisschen über den Tellerrand schaut. Es ist viel Nacherzählen von Stationen, Situationen, Entwicklungen - die Zeit in Stuttgart, die Turniere mit der Nationalelf und natürlich der FC Bayern. Das meiste bewegt sich auf der Stufe eines Erlebnisberichts, der mit einigen nachträglichen Gedanken gepolstert wird. Dazu kommt bröckchenweise Lahm'sche Fußballphilosophie. Kurz gesagt: Wer sich einigermaßen für Fußball interessiert, dem wird wenig neu sein. Insgesamt hätte ich Lahm mehr Reflexionsvermögen zugetraut, und das nicht bezogen auf die Folgen der Veröffentlichung, sondern auf die Einschätzung des Fußballbetriebs im Ganzen und den Sinn für die Einlösung des Anspruchs, der im Titel formuliert wird: "Wie man heute Spitzenfußballer wird". Dass Lahm diesem Anspruch nicht gerecht werden kann, sollte eigentlich klar sein - Patentrezepte gibt's nun mal nicht und die Grundtugenden - Disziplin, Fleiß, Talent, soziale Kompetenzen, vernünftiges Umfeld, weitsichtige Berater - sind hinlänglich bekannt. Aber Lahms Plauderei macht eigentlich zu keiner Zeit den Eindruck, Wesentliches aussagen zu können oder zu wollen. In diesem Sinne hat Lahm selbst Recht, wenn er sagt, sein Buch sei ein "leises". Und darüber hinaus: Es hat viel mehr Aufmerksamkeit bekommen, als es verdient hätte. Denn den Reaktionen zum Trotz: Wirklich kontroverse Aussagen, Themen, Festlegungen scheut Lahm bzw. umschifft sie mit Anekdoten oder Allgemeinplätzen. Zum Thema "Schwule Fußballer" fällt ihm als allererstes die Feststellung ein, er selbst sei keiner, verbunden mit ein bisschen wischi-waschi-liberalem Blabla. Robert Enke wird gar nicht erwähnt, die Auseinandersetzung mit Leistungsdruck, Depressionen etc. folglich gar nicht geführt bzw. nur angetickt (etwa wenn Lahm noch einmal bestätigt, der 11-Freunde-Mythos sei nun mal eben dies: ein Mythos). Um nicht falsch verstanden zu werden: Das alles kann man im Buch eines 27jährigen Mannes mit dem Hauptberuf Luxus-Fußballer auch gar nicht erwarten. Aber es wären die Themen gewesen, über die zu reden es sich gelohnt hätte. So führt die Fußballgemeinde lieber eine Pseudo-Debatte um Umgangsformeln, in der das ganze System bequem im eigenen Saft kocht. Dies wie auch Lahms Buch zeugen vor allem von einem: Betriebsblindheit. Ist auch nicht schlimm, kann aber dann auch weg bzw. zu den Akten gelegt werden.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 13, 2011 5:42 AM MEST


Holle Honig Folge 1 im Zirkus
Holle Honig Folge 1 im Zirkus

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Holle Honig, der Bär...", 8. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Holle Honig Folge 1 im Zirkus (Hörkassette)
Kürzlich bin ich durch Zufall über die alte Holle-Honig-Titelmelodie gestolpert - und war ganz schockiert, wie lange es schon her ist, dass ich mit 6, 7, 8 Jahren abends um acht im Bett lag, der Kassettenrekorder lief und Alois Amazonas, Jonny Jumper, Babsi Boing Boing (ich LIEBE diesen Namen) und natürlich Holle himself meine Fantasie beflügelt haben. Noch vor Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg, Flitze Feuerzahn, TKKG, He-Man, Alf, den Transformers und wie sie alle hießen und heißen war "Holle Honig" meine Lieblingsreihe. Und die "Zirkus"-Folge war meine liebste Episode. Die Sprecher finde ich auch heute noch recht unterhaltsam, und irgendwie ist es schon so: Augen zu, Ohren auf, und für einen kleinen Moment ist man wirklich wieder Kind. Schön. Und vier Sterne wert.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 12, 2010 5:32 PM MEST


Auf Ehre und Gewissen: Roman
Auf Ehre und Gewissen: Roman
von Elizabeth George
  Taschenbuch

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen George liefert ab - ehrlich und gewissenhaft., 31. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Auf Ehre und Gewissen: Roman (Taschenbuch)
Mit "Auf Ehre und Gewissen" legt Elizabeth George einen routiniert geschriebenen Kriminalroman vor: Handlungsaufbau, Figurenzeichnung und Auflösung geraten konventionell, fügen sich aber durch Georges Fähigkeit, Spannung kontinuierlich zu erzeugen, dennoch recht harmonisch. Den Hauptplot um den Mord an dem Schüler eines Eliteinternats reichert George mit Nebenhandlungen an, welche die Trauerarbeit der Eltern, das Familienleben Seargent Havers' und die Eheprobleme der St. Simons thematisieren. Die Subplots funktionieren recht gut als digressive bzw. retardierende Momente innerhalb der Geschichte; als eigenständiges Erzählelement überzeugen aber lediglich mit Abstrichen die beklemmende Darstellung der dementen bzw. schwerkranken Havers-Eltern und die dramatischen Verarbeitungsversuche der Eltern des kleinen Jungen. George erweitert damit ihren Roman um eine sozialkritische bzw. individualpsychologische Komponente, was zwar zur Krimihandlung selbst nichts beiträgt, aber den Fokus des klassischen, rein auf die Ermittlungsarbeit fokussierten Detektivromans angemessen ausdehnt.

Ohnehin ist Georges Krimihandlung ein recht offenes System z. B. im Vergleich zu den Romanen Agatha Christies, deren Krimis schon in dem Sinne geschlossene Systeme waren, dass alle relevante Information durch den Filter und die Vermittlungsinstanz des Detektivs - und meist erst im finalen Erklärungsakt - nach außen drang. "Auf Ehre und Gewissen" lädt dementsprechend weniger zum Rätseln als zur Einfühlung ein. Dies gilt hier besonders, da zahlreiche Protagonisten von mehr oder weniger offensichtlichen Gefühlen motiviert sind - Eifersucht, Angst, Rache, Liebe fungieren ebenso prominent als Handlungselemente und -katalysatoren wie sexuelle Abnormität bzw. sexuelle Aggression.

Insgesamt bietet George mit diesem Roman verlässliche Kriminalkost der alten Schule, die sich zwar mehr dem soliden Handwerk als dem fesselnden Raffinement verdankt, aber nichtsdestotrotz gut verdaulich bleibt.


Krupp - Eine deutsche Familie [2 DVDs]
Krupp - Eine deutsche Familie [2 DVDs]
DVD ~ Iris Berben
Preis: EUR 15,99

15 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterhaltsamer Ausflug in die Geschichte., 27. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Krupp - Eine deutsche Familie [2 DVDs] (DVD)
Insgesamt finde ich die Tendenz sehr erfreulich, dass das deutsche Fernsehen sich auch endlich verstärkt der Geschichte annimmt, die jenseits der wohlausgeleuchteten zwölf Hitler-Jahre liegt. "Krupp" gehört in diese Reihe, auch wenn natürlich ein Gutteil der Erzählung in der Nazi-Epoche spielt. Interessanterweise verliert sich dann auch sofort der in einschlägigen Produktionen angestrengt vorfindliche Impetus, einen Film mit moralischem Engagement zu machen. Diese Zurückhaltung finde ich angenehm, andere werden mit gleichem Recht auf die Gefahren einer solchen Erzählhaltung verweisen bzw. den mangelnden Enthusiasmus eines sehr deskriptiv angelegten Werkes bedauern.

Wie auch immer: Mich hat "Krupp" über fast die gesamte Spieldauer gut unterhalten. Der Film markiert eine ganze Reihe von Problemkomplexen der deutschen (Wirtschafts-)Geschichte, auch wenn de facto privates Leid im Vordergrund des Erkenntnisinteresses zu stehen scheint. Aber die schwierige Nähe von Wirtschaft und Machtpolitik, deren wechselnde Konstellationen von der Kaiserzeit bis zum Nachkriegsdeutschland immerhin nachvollziehbar adressiert werden, wird doch deutlich, ebenso die unheilvolle Identifikation von Besitzer und Besitz - wer besitzt hier eigentlich wen? Fast mantraartig fallen Sätze wie "Du bist Krupp", "Ich bin Krupp". Man fühlt sich erinnert an die "Du bist Deutschland" - Initiative, wo der Inhalt der Beschwörungsformel ebenso schattenhaft blieb. Am Ende hat diese Äußerung also etwas Performatives, das ebenso irrational wie - innerhalb der eigenen Logik - konsequent erscheint, und diese Spannung wird im Film zwar mehr behauptet als ausgearbeitet, aber sie ist immerhin spürbar.

"Krupp" ist letztlich doch zu sehr den Gesetzen des Personendramas verpflichtet, um über sich selbst hinausweisen zu können. Dennoch: Starke, wenn auch teilweise etwas arg deklamierte Dialoge, gute Darsteller, eine fantastische Ausstattung (die hier so gescholtenen Effekte sind mir nicht negativ aufgefallen), eine intelligente Rahmenhandlung, die die weit ausgreifende Geschichte solide verklammert, sind mir dann insgesamt vier Sterne wert: Drei für die Geschichte und einen Bonusstern für die wirklich sehr gelungene Kameraführung und Regie, der mehr als ein Bild gelingt, das symbolmächtig wirkt, ohne sich zu sehr aufzudrängen.


Frauenarzt Dr. Prätorius
Frauenarzt Dr. Prätorius
DVD ~ Curt Goetz
Preis: EUR 16,99

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterklasse aus dem Hause Goetz., 24. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Frauenarzt Dr. Prätorius (DVD)
Von allen Goetz-Filmen ist mir der "Prätorius" eigentlich der liebste, weil Goetz hier ganz bei sich und bei seiner Figur ist. Der Menschenfreund Prätorius ist kein Hypokrit wie Professor Nägler, den man bekehren müsste, und er ist auch kein Zirkuskünstler wie die Doppelgestalt Peer Bille / Hilmar Kjerulf, deren Identität stets ein bisschen hinter der Maske des irrlichternden Tausendsassa verschwindet. Nein, dieser Prätorius muss nicht gefunden und gerettet werden, er findet und rettet andere, und er tut das so gründlich, mit so viel funkensprühender Grandezza, dass er es fast ein bisschen zu gut macht. Die Bonmots, die witzigen Sentenzen und die weisen Pointen wollen schier kein Ende nehmen, und ein bisschen selbstverliebt sind diese verbalen Parforceritte schon. Aber dann sind da auch - und immer eigentlich im Doppelspiel und Doppelschlag mit dem vorher Beschriebenen - diese anderen Qualitäten, das humorvolle Sentiment, die standfeste Unerschütterlichkeit, der unbedingte Glaube an das Gute, das Richtige, die feine Menschenkenntnis... Über all dem fabelhaften Wortzauber, mit dem Goetz den Zuschauer ganz verliebt in seine Sprache macht, vergisst man fast, dass es in diesem Film auch um sehr Ernstes geht: Abtreibung, menschliche Fehlbarkeit, der schmale Grat zwischen Moral und Recht, die Haftbarkeit des Einzelnen für die Makel der Welt, in der er lebt - all diese Themen adressiert Goetz mal mit kraftvollen Worten, mal mit nobler Geste. Ganz am Ende wirkt das alles einfach zutiefst menschlich und mit viel Sympathie für den Menschen ausgedacht, den man gerade deshalb, weil man ihn hochschätzt, etwas härter anfassen muss.

Von Bild wie Ton war ich eher enttäuscht, nehme das aber gerne in Kauf. Die Extras sind wenige, aber sympathische; da gibt es neben dem Trailer die achtminütigen "Erinnerungen an Curt Goetz", wo Valerie von Martens Auskunft gibt über den "Prätorius". Ein typisches Goetz-Stück schließt den Bogen: Das Hörspiel "Das Märchen" (39 Minuten) ist sprachlich höchst charmant, inhaltlich ein wenig ungelenk, aber in seiner Essenz reinster Goetz. Es geht da um die Erlösung eines einsamen Adligen, der seinem Leben ein Ende setzen will. Abgerundet wird das Ganze von einem Booklet mit humorvollen Aufzeichnungen von Goetz selbst sowie einem kurzen Essay des Filmkritikers Fritz Göttler, der Überlegungen und Informationen zum Schaffen anbietet. Insgesamt gibt es trotz der technischen Mängel von mir fünf Sterne.


Entführt
Entführt
DVD ~ Heino Ferch

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Rettet sich gerade so über die Ziellinie., 24. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Entführt (DVD)
"Entführt" beginnt vielversprechend, plustert sich noch mehr auf und fällt irgendwann recht entgeistert in seltsam separate Einzelteile zusammen. Die Story um eine brutale Entführung, verworrene Motive, Schuld und Sühne, Väter und Töchter, allerlei Vergangenheit etc. wurde mancherorts schon als 'Thriller zur Wirtschaftskrise' annonciert, weil man Parallelen auszumachen glaubte zu dynastisch-kapitalistischer Devianz. Nun, knapp daneben ist auch ganz gewaltig vorbei. Was man mit auf den Weg bekommt: Reichtum korrumpiert, Macht vernichtet Moral und vor der Dekadenz der Elterngeneration rette sich, wer kann, bevor im Strudel der Psychoprobleme die eigene Existenz mit den Bach hinuntergeht. Das ist aber keine neue Botschaft, und hier ist sie ohnehin eher Abfallprodukt eines sehr abenteuerlichen Plots. Da wird die Enkelin des Mega-Industriellen entführt, es geht um Geld, eigentlich aber um Rache, denn der gute Mann ist mehr oder weniger über Leichen marschiert, um den Grundstein für heutigen Reichtum zu legen. Friedrich von Thun spielt diesen ohnmächtigen Mächtigen mit jovialer Geste und unheimlicher Selbstgefälligkeit; Nina Kunzendorf liefert eine eigentümliche Interpretation in multipler Rolle - als ängstliches Muttertier, hintergangene Ehefrau, brüskierte Tochter. Ihre Darstellung gewinnt eine herbe, undurchschaubare Qualität, was aber für die Handlung kaum nutzbar gemacht wird. Heino Ferch spielt so wie immer, und das ist an dieser Stelle adäquat. Unterhaltsam ist übrigens auch die fast schon grotesk gezeichnete Entführerbande; da gibt Matthias Brandt mit sichtlicher Freude den völlig abgedrehten Killersadisten, dann gibt es eine Pragmatikerin und einen überforderten Hosenscheißer, und die Konstellation gerät irgendwie sehr faszinierend. Hilft letztenendes aber auch alles nix, denn gegen Ende wird das Ganze so spektakelig, zerfahren, kraftmeierisch im Versuch, wummerndes Schicksal aufzutischen, dass der Film aus den Fugen eines soliden Thrillers gerät und - die schlimmste Wendung - richtiggehend langweilt. Dann macht er aber doch einigermaßen zeitig Schluss, und auch wenn zwischendurch das Taktgefühl ziemlich abhanden gekommen ist: Der Film ist, nun ja, zwar belanglos, aber nicht missraten.


Cranford [UK Import] [2 DVDs]
Cranford [UK Import] [2 DVDs]
DVD ~ Francesca Annis
Wird angeboten von QualityMediaSuppliesLtd
Preis: EUR 11,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der BBC nur das Beste., 31. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Cranford [UK Import] [2 DVDs] (DVD)
"Cranford" ist zugleich umwerfend komisch, herzerweichend tragisch, liebevoll nostalgisch. Die Nahtstellen der drei (bzw. vier) Gaskell-Vorlagen wurden geschickt kaschiert, trotzdem bin ich mit der Geschichte um Doktor Harrison nie so recht warm geworden, weil sie so arg konventionell daherkommt. Überhaupt sind die männlichen Charaktere hier im Geschlechterkampf hoffnungslos unterlegen. Philip Glenisters wundervoller Mr Carter beeindruckt zwar nachhaltig, kommt aber in der Geschichte etwas zu kurz; Michael Gambons Auftritt als zart liebender Thomas Holbrook berührt ebenso, aber insgesamt macht das weibliche Element eindeutig das Schwergewicht des Films aus. Man möchte fragen, was auch schiefgehen kann, wenn sich vor der Kamera Aktricen wie Judi Dench, Eileen Atkins, Francesca Annis (grandios als Lady Ludlow), Imelda Staunton, Julia McKenzie (die neue Miss Marple, übrigens), Barbara Findlay etc. versammeln. Ein besonderes Lob gilt Lisa Dillon, die sich gegen soviel Star- und Legendentum mit erfrischender Natürlichkeit behauptet. Mit viel Gespür für die feinen Schwingungen ist "Cranford" ganz vorzüglich inszeniert: Diskussionen um den rechten Verzehr einer Orange oder der stille Abschied von der einen, unerfüllten Liebe - die eine Szene ist so schnodderwitzig wie die andere feinfühlig. Und auch die lyrischen Intermezzi öffnen weite Räume: Zeilen aus "Locksley Hall" von Tennyson oder "Elegy written in a country churchyard" von Thomas Gray - und erst recht das für eine gewisse Beziehung leitmotivische "Loch Lomond" - integrieren sich harmonisch ins Ganze und erinnern in ihrer Bedeutung für die Figuren daran, wie machtvoll das Dichterwort sein konnte - und immer noch kann. Insgesamt überzeugt "Cranford" auf ganzer Linie - abgesehen von in Relation klitzekleinen Mängeln: der Frank-Sophy-Plot, der etwas abrupte Schluss, die ein wenig unterschlagenen Potentiale einiger Figuren, in Bezug auf persönliche und soziale Situation (Miss Galindo, Mr Carter, die seltsame Geschichte des jungen Peter...). Der Rest ist Schweigen - und vielleicht ein sechster oder siebter Durchlauf der Serie in meinem DVD-Player.


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