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Rezensionen verfasst von
Michael Schäfer "Kaká" (Dortmund, NRW)

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Die Wahlverwandtschaften
Die Wahlverwandtschaften
von Johann W von Goethe
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,60

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Goethes großer Roman als radikale Diskurs- und Erkenntniskritik, 1. Dezember 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Wahlverwandtschaften (Taschenbuch)
Als dieses Hauptwerk des älteren Goethe 1809 erstmalig erschien, fand der Autor keine besondere Anerkennung für diese für damalige Verhältnisse doch etwas frivole Beziehungskiste. Heute, fast 200 Jahre später, gelten die "Wahlverwandtschaften" als einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste, Roman der deutschen Literaturgeschichte. Und dies liegt sicherlich nicht nur an dem allzeit beliebten Sujet der Liebe mit all ihren Hindernissen, sondern vor allem an der höchst fortschrittlichen, weit über die eigene Zeit hinaus gehenden Diskurskritik, welche dieser Text vor allem in Bezug auf Wissenschafts-, aber auch auf soziologische Diskursmodelle, Typologien und Ordnungsmuster richtet. Ebenso wichtig erscheint dazu die für Goethe typische, massiv verdichtete Verweisstruktur innerhalb des Romans; kein Geschehnis, keine Charaktereigenschaft, keine Handlung geschieht hier zufällig, alles verweist aufeinander und bildet ein in sich geschlossenes Ganzes, ein vollendetes Kunstwerk, ganz so wie es dem Goetheschen Weltbild entspricht.
Auf der Ebene des Handlungsstrangs bieten die "Wahlverwandtschaften" dabei zunächst einen vergleichsweise zugänglichen, wenn auch etwas exzentrisch anmutenden Stoff: Eduard und Charlotte, ein junges Ehepaar aus dem noch gut situierten, wenn auch langsam verarmenden Landadel, führen nach dem Tode ihrer jeweils älteren und betuchten, aus reinem Kalkül geheirateten Ehegatten, in Zeiten von Säkularisierung und Aufkeimen bürgerlicher Gesellschaftsstrukturen eine (scheinbar?) glückliche, ruhig und gesetzt anmutende Ehe auf einem idyllischen Landsitz, welchen sie ebenso leidenschaftlich wie dilettantisch von Zeit zu Zeit umgestalten, um so künstlerisch auf die Natur einzuwirken und sich als Menschen ihrer zu bemächtigen - ein zentrales Motiv des Romans. Aus dem Einerlei des Lebens als politisch bedeutungslose, aber durchaus gebildete und für heutige Verhältnisse sehr entspannt und aufgeklärt denkende Adelige heraus lancieren die Partner die Aufnahme des Hauptmanns, einem Freund Eduards, sowie Ottilies, der verarmten Nichte Charlottes, auf das Landgut. Die erste Konversation zwischen den Neuankömmlingen und den Ehegatten bildet nun das Epizentrum des Romans. Der Hauptmann - ein gebildeter, rational denkender Vertreter einer bürgerlichen Lebensauffassung - entfaltet die zur Goethezeit tatsächlich populären chemischen Theorie der "Wahlverwandtschaften", nach der sich 2 "Paarungen" aus je 2 Elementen, wenn sie denn zusammengeführt werden, ihrer Natur gemäß neu anordnen und in unterschiedlicher Heftigkeit so miteinander reagieren, dass 2 neue "Paare" von Elementen entstehen; eine Theorie, welche die Charaktere selbstverständlich direkt auf die eigene Situation auf dem Landsitz übertragen. Doch während diese zunächst von zwei asexuellen, freundschaftlich verbundenen gleichgeschlechtlichen Paarungen ausgehen, kristallisert sich rasch genau das heraus, was kommen musste: Der leidenschaftlich-umtriebige Eduard verliebt sich massiv in die jungfräulich-dienstbare, zur Marienfigur stilisierte Ottilie, welche seine Gefühle durchaus erwidert, während die beiden eher rational orientierten Charlotte und Hauptmann ebensolche Neigungen füreinander entwickeln, wenn auch nicht in gleicher Heftigkeit. So wird ein Konflikt ins Rollen gebracht, welcher sich auch dann nicht auflöst, als Eduard und Charlotte nach einer zum doppelten Ehebruch stilisierten Liebesnacht ein Kind erwarten und dieses bekommen. Geradezu symbolisch wie grotesk mutet schließlich die Bescrheibung dieses Jungen an: Es gleicht nicht seinen Eltern, sondern den beiden anderen Personen, an die Eduard und Charlotte während des Zeugungsaktes in liebevoller Weise gedacht hatten. Ist es also Naturnotwendigkeit, dass die 4 Personen in der neuen Beziehungskonstellation zusammenfinden. Zunächst scheint es so, auch wenn in der sittsamen Ottilie ein anhaltender Widerstreit zwischen ihren sinnlichen und sittlichen Antriebskräften vorgeht. Als sie sich schließlich doch ihrem Verehrer hingibt, welcher de facto bereits die Ehescheidung mit Charlotte lanciert hat, geschieht jedoch ein Unglück, welches die beiden Liebenden gemeinsam in ein tragisches Schicksal führen wird, das mit seiner religiös überhöhten Dramatik als tiefe Ironie und Seitenhieb auf die allzu metaphysischen literarischen Trends der zur Goethezeit sehr einflussreichen Romantiker gelsen werden kann.
Doch ist die chemische Gleichnisrede tatsächlich der Schlüssel zu diesem Roman? Ist es wirklich alles so eindeutig, so von strukturellen Analogien geprägt? Will uns der Autor ein solch einfaches Weltbild, eine solche Konzeption von Naturnotwendigkeit verkaufen? Wohl kaum. Neuere Forschungen zu den "Wahlverwandtschaften" bestätigen den Zweifel, den man selbst intuitiv gegen diese irgendwie viel zu naheliegende und reduktionistisch anmutende Lesart vorbringt. Die Bedeutung der chemischen Gleichnisrede, welche die Theorie der Wahlverwandtschaften als Schlüssel zur Beziehungskonstellation im Roman nahelegt, sie zeugt vielmehr von einer radikalen Wissenschafts- und Erkenntniskritik, mit welcher Goethe einiges vorwegnimmt, was bis zur heutigen Zeit allzu oft vergessen worden ist, wenn man sich den fast widerstandslosen Siegeszug der positivistischen Naturwissenschaften in der westlich geprägten Welt anschaut. Die Gleichnisrede, und somit die naturwissenschaftlichen Diskurse überhaupt, sind viel zu starr strukturiert, als dass sie die Dynamik menschlicher Beziehungen, ja als das sie das vielschichtige, veränderliche und von mannigfaltiger gegenseitiger Überlagerung geprägte Wesen dieser Welt tatsächlich im Stile einer Analogie abbilden könnte. Die "Wahlverwandtschaften" sind somit ein Roman, der aufzeigt, wie wenig fassbar das Geschehen in der Welt, die Wahrnehmung des Menschen, tatsächlich ist. Typologien, Ordnungsmuster, Diskurse - sie alle können nur Notbehelf sein, wenn es darum geht, aus den Vorgängen in dieser Welt einen Sinn abzuleiten. Goethes Wissenschaftsverstädnis ist geprägt von der Einbeziehung des beobachtenden Subjekts in die beobachtete Welt. Seine Ablehnung einer strikten, dichotomen Trennung von Subjekt und Objekt findet in den "Wahlverwandtschaften" auf eine beeindruckende Weise Niederschlag. Die Welt ist alles, und das Subjekt ist ein Teil dieses Ganzen. Vereinfachende Typologien, vorgefertigte Muster, Diskurse, welche vorschreiben, wie "es ist", wie "man es richtig macht", müssen scheitern und führen den Einzelnen in die Irre. Somit stellen die "Wahlverwandtschaften" ein Paradebeispiel für die Einheit des Gesamtwerks Goethes dar. Sein Wissenschaftsverständnis sowie seine dichterische Meisterschaft vereinigen sich hier zu einem Roman, den man als Gelegenheitsleser auf der Ebene des Plots runterlesen kann wie eine spannende Liebesgeschichte, und der zudem für literaturwissenschaftlich interessierte einer der Schlüsseltexte der deutschsprachigen Literatur darstellt.

Übrigens: Die Reclam-Ausgabe glänzt durch ein erhellendes Nachwort des Bochumer Literaturwissenschaftlers Benedikt Jeßing, welcher nicht nur die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte sowie historische Hintergrundinformationen zum Roman liefert, sondern verschiedene, sehr plausible und dem aktuellen Forschungsstand entsprechende Interpretationsansätze vorstellt, ohne dem Leser dabei präskriptiv eine bestimmte Lesart dieses vielschichtigen und dynamischen Werks nahezulegen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 3, 2012 11:51 AM CET


Wheels
Wheels

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Brückenschlag für neue Fans?, 1. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Wheels (Audio CD)
Nach dem netten Album "Echoes, Silence, Patience & Grace", das allerdings bereits weder an die emotionale Tiefe von "In Your Honor", geschweige denn an die Power von "The Color and the Shape" oder die poppige Gefälligkeit von "There Is Nothing Left to Lose" heranreichte, warten die großartigen Foo Fighters nun, Ende 2009, mit einer neuen Single auf - "Wheels". Und wenn diese der Vorbote eines neuen Studioalbums wäre, so müsste man doch recht enttäuscht sein, vor allem als eingefleischter Fan dieser klassischen Rockband um Dave Grohl. Zu abgedroschen klingt die Gesangsmelodie, zu altbacken die eingängigen, aber wenig innovativen Akzentuierungen, zu langweilig der einspurige 4/4-Beat im Midtempo.
Doch "Wheels" ist als Singleauskopplung nur Beiwerk zur ersten "Best of"-Kompilation der offensichtlich zur Zeit sehr geschäftstüchtigen Jungs aus den Staaten. Somit ist ein qualitativ nicht besonders herausstechender, aber doch irgendwie radiofreundlicher und eingängiger Song mit Ohrwurmcharakter verzeihlich, wenn nicht sogar genau der richtige Schritt zur richtigen Zeit. Dieser Song wird mit Sicherheit keinen FF-Kenner vom Hocker reißen; er hat jedoch das Potential, über Medien wie Rundfunk und TV neue Hörer für die Band zu gewinnen, die sich für gewöhnlich in eher poppigen Gefilden aufhalten, und für die das zuckersüße "Wheels" durchaus eine Brücken schlagen könnte - herüber zu den innovativeren, mitreißenderen, songschreiberisch anspruchsvolleren und einfach besseren Songs aus der Vergangenheit, mit welchen das zugehörige Best of-Album gespickt ist. Von daher kann es hier zwar keine Bestnoten geben - aber zu harsche Kritik an dieser etwas arg poppig geratenen Singleauskopplung ist in Anbetracht der Umstände dieser Veröffentlichung ebenso unangebracht.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 21, 2009 12:03 AM CET


Reckoning - The I.R.S. Years Vintage 1984
Reckoning - The I.R.S. Years Vintage 1984
Preis: EUR 7,11

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen R.E.M.s Frühwerk: Hier gibt's noch was zu entdecken!, 24. November 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
R.E.M. waren zu Beginn ihrer Karriere, sprich in den frühen bis mittleren 80ern, zwar längst nicht so allseits beliebt und bekannt wie sie es spätestens seit Beginn der 90er durch Hitalben wie "Out of Time" und "Automatic for the People" geworden sind, jedoch standen und stehen die Berrys, Bucks, Mills' und Stipes der Frühphase nach wie vor für einen unverwechselbaren und wunderbar melancholischen Rocksound, der kraftvolle Gitarrenriffs und treibende Beats mit mystisch-betörenden, immer leicht herbstlich anmutenden Melodielinien zu verbinden weiß.
Mit "Reckoning" legte die Band im Jahr 1984 den Nachfolger ihres Erstlingswerk "Murmur" aus dem Vorjahr vor, und dokumentierte damit ihre Entschlossenheit, sich musikalisch weiterzuentwickeln und sich mehr und mehr ins Bewusstsein einer immer breiteren, aber stets qualitätsbewussten Hörerschaft vorzuarbeiten - und zwar mit Erfolg! Mittlerweile ist es zwar schon ein Vierteljahrhundert her, dass diese Platte auf dem Markt erschien, aber dennoch verdient sie es nach wie vor, von möglichst vielen Hörern immer wieder neu entdeckt zu werden.
Wer wie ich (und wahrscheinlich die allermeisten Hörer) R.E.M. in den 90ern oder noch später kennen gelernt hat und mit perfekt produzierten Rock-Perlen wie "Losing my Religion", "Man on the Moon" oder "The Great Beyond" seine Liebe für diese faszinierende (und so gar nicht typische) Südstaatenband entdeckt hat, wird beim ersten Höreindruck geneigt sein, ein Frühwerk wie "Reckoning" als interessantes, nettes musikhistorisches Dokument anzusehen, dass man sich allerdings nicht allzu oft anhören muss: Zu wenig eingängig-melodisch scheint der Gesang, zu unspektakulär die Struktur der Songs, zu seicht und ohne den charakteristischen "Wumms", der einem bei späteren Stücken wie "The One I Love" so unter die Haut geht, mutet der Sound an. Doch sobald man sich von diesen Quervergleichen löst und beginnt, die frühen R.E.M. quasi als für sich stehendes musikalisches Projekt zu betrachten, um so mehr entdeckt man die Vorzüge eines so wunderbar ungeschliffenen und atmosphärischen Meisterwerks wie "Reckoning". Kraftvolle Up-Tempo-Nummern wie der Opener "Harborcoat", das extrem eingängige Byrds-Tribute "Pretty Persuasion" oder "Second Guessing" reißen einen richtig mit, vor allem, wenn man die Songs laut hört und sich so richtig in Peter Bucks großartigen Gitarrenriffs verliert, die in unvergleichbarer Form gleichzeitig so richtig rockig auf dem Punkt gespielt sind, aber zugleich etwas unheimlich sphärisches, klangteppichartiges an sich haben. Diesem Mann macht, bei aller gepflegten Einfachheit seines Spiels, in Sachen Eingängigkeit, Power und Effizienz kein anderer Gitarrist etwas vor. Der bewusste Verzicht auf die allseits beliebten, aber oft austauschbaren Gitarrensoli lässt sich an Frühwerken wie "Reckoning" ebenfalls sehr schön nachvollziehen. Man hat nicht das gefühl, dass sie fehlen, wenn auch Bucks Soli auf den späteren, "mainstreamigeren" R.E.M.-Alben natürlich nicht fehlen dürfen. Aber hier auf "Reckoning" stehen die Songs für sich, klar und einfach strukturiert, atmosphärisch, und mit einem wahren Mystiker am Mikrophon. Michael Stipes mal murmelnder, mal herzzerreißend klagender Gesang prägt dabei vor allem die ruhigen Stücke. So ist das Highlight des Albums, "South Central Rain", mit Stipes packendem "I'm Sorry"-Mantra im Refrain, bis heute einer der beliebtesten R.E.M.-Songs überhaupt unter dne Fans, und das mit Recht; eine solch atmosphärische, herbstlich-melancholische Midtempo-Nummer ist einfach nur einzigartig zu nennen. Aber auch andere Tracks überzeugen mit sanfteren Tönen; so etwa "Time after Time" oder "Camera". Das ironische, durch Mike Mills' Spilunkenpiano geradezu klischeehaft "südstaatlerisch" anmutende "Don't Go Back to Rockville" mit seinem zum Mitsingen einladenden Stadion-Rock-Refrain sorgt für das genau richtige Maß an Abwechslung und rundet dieses ansonsten eher schwelgend und sphärisch gehaltene Album gekonnt ab.
Abzüge gibt es von meiner Seite jedoch für die noch etwas fehlende Konstanz in Sachen songschreiberischer Qualität. So stechen doch einige Songs wie etwa "South Central Rain" und "Pretty Persuasion" sehr hervor, während Nummern wie "Letter Never Sent" oder "Little America" eher zu den Stücken gehören, die, bei aller Liebe zu diesem atmosphärischen Frühwerk, nicht mal im Gedächtnis des größten R.E.M.-Fans einen festen Platz beanspruchen können. Doch dies ist in einem so frühen Stadium der Entwicklung einer Band völlig normal.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass "Reckoning" als ein kleines, wenn auch aus heutiger Sicht vielleicht eher unauffälliges, Meisterwerk einer jungen Band bezeichnet werden kann, die sich später zu einer der besten Rock-Bands aller Zeiten entwickeln sollte, aber zu Beginn ihrer Karriere einen von dem späteren Werk klar abzugrenzenden Stil pflegte, den zu kennen es sich lohnt und den lieben zu lernen leicht ist, wenn man sich auf Alben wie "Reckoning" einlässt und sich Zeit für das Kennenlernen dieser verträumten, herbstlichen Klänge nimmt.


Wish You Were Here
Wish You Were Here
Wird angeboten von DVD Overstocks
Preis: EUR 18,08

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gänsehaut garantiert!, 3. November 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wish You Were Here (Audio CD)
1975, nach dem legendären "Dark Side of the Moon" und auf dem Höhepunkt ihrer kreativen Energie, brachten Pink Floyd mit "Wish You Were Here" ein durchkonzipiertes Album heraus, das mit seinen langen psychedelischen Tracks auf der einen und der vielen unvergesslich-schönen Melodien, seitens des jeweiligen Sängers oder von David Gilmours singender E-Gitarre vorgetragen, gerade als das paradigmatische Floyd-Album schlechthin zu betrachten ist. Die nur fünf Tracks der Scheibe sind ausladend durchkomponiert und glänzend arrangiert; die Mischung aus Sphärenklängen aus dem Synthesizer, einem Grundstock klassischer akustischer Rock-Instrumente und der mit Recht sehr dominanten E-Gitarre Gilmours klingt heute wie damals ebenso edel-harmonisch wie rockig-energiegeladen, was dem Facettenreichtum der verschiedenen Kompositionen sehr entgegenkommt.
Zum Auftakt der Scheibe entführen uns die Floyds zunächst mit den sich langsam zu Gehör bringenden Synthie-Klängen von "Wish You Were Here" in den Weltraum; Bilder dunkler und weit entfernter Welten tun sich auf, vor allem in den Momenten, in denen David Gilmour zur Gitarre greift und melodisch-verträumt zu agieren beginnt. Minutenlang setzt sich dieser Klang-Traum fort, ehe sich Gilmours Duktus wechselt und er zu einem minimalistischen Motiv mit deutlich härterem Seitenanschlag greift, das den Übergang zur eigentlichen Song-Komposition markiert. Die Band kommt dazu und unterstützt beschwingt-stampfend im 6/8-Takt die mehr als überzeugenden und mitreißenden Melodielinien Gilmours, die schließlich kurz an leisere, sanftere Synthie-Klänge übergeben, bevor Roger Waters mit seinem gesanglichen Syd Barret-Tribut beginnt. Die simple Struktur aus Kurzstrophen und Refrain wirkt in Anbetracht der Länge und Komplexität der Gesamtkomposition so genialisch-einfach, das es eine Freude ist, einfach mal mitzusingen, um sich eine gute halbe Stunde später, zum Ende des Albums, dem zweiten, noch komplexeren, melodisch vertrackteren und instrumentalbetonteren Abschnitt des Stückes hinzugeben. Dazwischen liegen mit dem sphärisch-unheimlichen "Welcome to the Machine" und dem musikalisch packenden und textlich zynischen "Have a Cigar" zwei starke, aber trotzdem etwas im Schatten stehende Angriffe auf den Kommerzwahn der Musikindustrie. Mit dem harmonisch-akustischen Gepräge von "Wish You Were Here", dem geradezu legendären Titelsong mit seinem exzentrischen Eingangs-Gitarrensolo und seinen schmerzlichen Melodielinien, herrlich von David Gilmour gesungen, liegt das Epizentrum des Albums an vorletzter Stelle. Das herausfordernste Element des Ganzen ist schließlich der bereits erwähnte zweite Teil der "Shine On..."-Reihe; mit ihr endet eines der stärksten, weil gleichzeitig herausfordernsten wie wohlklingenden Rock-Alben aller Zeiten mehr als würdig - Gänsehaut garantiert!


Dark Side of the Moon
Dark Side of the Moon
Wird angeboten von DVD Overstocks
Preis: EUR 14,27

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Mond - Pink Floyd!, 2. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Dark Side of the Moon (Audio CD)
Nach dem viel zu frühen Ableben des ursprünglichen Frontmanns und Ideengebers Syd Barret durchliefen Pink Floyd am Übergang der 60er in die 70er Jahre eine Phase intensiver Selbstfindungsprozesse, die letztendlich im Jahre 1973 in diese überirdisch starke Veröffentlichung namens "The Dark Side of the Moon" mündete, welche bis heute, gemeinsam mit dem wahrscheinlich noch etwas stärkeren Nachfolger "Wish You Were Here" als das Floyd-Album schlechthin betrachtet wird. Die Stärke der gereiften Floyds der 70er-Jahre gegenüber den ebenso herausfordernden wie mitunter verstörenden Anfängen liegt dabei vor allem in der gelungenen Synthese zwischen den Floyd-typischen psychedelischen, experimentellen und anspruchsvollen Momenten auf der einen und einer enorm gesteigerten Melodiösität und Klasse der Instrumentalisten auf der anderen Seite. So verbindet etwa "Time" ein ohrenbetäubendes Klangexperiment mit verschiedensten Uhren und Weckern sowie ein ausladendes, düster-atmosphärisches Intro mit einer sehr klaren Songstruktur und eingängiger Melodieführung im Gesang. Überhaupt stellt "Time" mit dieser Verbindung verschiedener für die Floyds charakteristischer und stilbildender Elemente nicht nur einen exzellenten Repräsentanten für die Arbeitsweise der Band auf dem vorliegenden Album dar, sondern ist auch einer der stärksten Rock-Songs überhaupt. Der "Memento Mori"-Text ist typische hochintelligente Nachdenklichkeit, das Wechselspiel zwischen den aggressiven, von Dave Gilmour vorgetragenen Strophen und dem sanft gesäuselten Chorus Richard Wrights überzeugt zur Gänze, und Gilmours Gitarrensolo in der Mitte des Stücks ist einfach nur übermenschlich - eines der bedeutendsten Gitarrensoli aller Zeiten gekürt. Diese Meisterleistung erscheint bei genauerer Betrachtung der Arbeitsweise, welche die Band für "The Dark Side of the Moon" an den Tag legte, jedoch nur als logische Konsequenz exzellenter Rahmenbedingungen für die beteiligten Instrumentalisten. Jeder erhält auf diesem Album Raum zur freien Entfaltung: Gilmours bereits erwähntes Gitarrensolo ist nur ein Beispiel hierfür. Tastenvirtuose Rick Wright darf auf der wunderschönen, epischen und dabei nie klischeehaften Anti-Kriegs-Hymne "Us and Them" ran und steuert mit "Great Gig in the Sky" sogar ein eigenes Halb-Instrumental von höchster Qualität bei. Dass Roger Waters' Qualitäten ohnehin bei Floyd nie zu kurz kamen, ist hinlänglich bekannt, doch auch er zeigt mit seinem legendären Bass-Intro zu seinem kapitalismuskritischen 7/8-Meisterwerk "Money" in besonders expliziter Weise, was er als Instrumentalist drauf hat (wenn auch Gilmour und Wright sowie dem Gastmusiker Dick Parry am Saxophon in dieser Hinsicht die meisten Lorbeeren gebühren).
Bei all diesen höchst emotional aufgeladenen Soli und mitreißenden Hook-Lines inmitten der teils komplexen, aber nie unübersichtlich oder schwer zugänglich gestalteten Songstrukturen strahlt "The Dark Side of the Moon" dennoch eine unglaubliche Ruhe und Harmonie aus. So wie die später zerstrittene Band sich hier noch als Einheit zeigt (was die Songschreiber-Credits mit etwa gleich vielen Beteiligungen der 3 Songlieferanten Waters, Gilmour und Wright beweisen), so wirkt auch das Album als Gesamtwerk ebenso facettenreich wie aus einem Guss. Man nimmt sich Zeit, nicht nur für ausgefeilte Soli, sondern auch für die Schaffung einer dichten und (mal wieder) geradezu extraterrestrischen Atmosphäre. Vor allem der Auftakt des Albums tut sich in dieser Hinsicht hervor. Fast geräuschlos leitet die erste Minute der Scheibe zu dem unglaublich relaxten "Breathe" mit seinen Slide-Guitar-Licks und Dave Gilmours entspannten Gesangslinien hin, bevor mit "On the Run" ein, wie der Titel es schon verspricht, echt hektisches Klangexperiment den Hörer für wenige Minuten gefangen nimmt. Es folgen mit den bereits erwähnten "Time", "Great Gig in the Sky", "Money" und "Us an Them" die vier Top-Tracks der Platte. Hier, in der Mitte, liegt definitiv das musikalische Epi-Zentrum, vielleicht sogar nicht nur der Platte, sondern des gesamten Floydschen Gesamtwerkes.
Was ich aus meiner persönlichen Sicht auf dieses Album schweren Herzens noch anzufügen habe, ist eine leise Enttäuschung bezüglich der letzen Tracks der Scheibe. Nicht, dass das unmittelbar an "Us and Them" anschließende, verspielte Instrumental "Any Colour You Like", das eingängige "Brain Damage" und das sehr hymnisch daherkommende "Eclipse" schwache Songs wären, doch sie fallen alle 3 klar gegenüber den zuvor beschriebenen, nicht nur bekannteren, sondern wirklich auch klar besseren und atmosphärischeren Songs aus der Mitte der Platte ab. Hätte man sie über den Gesamtverlauf verteilt, würde ihre geringere songschreiberische und atmosphärische Qualität wohl weniger auffallen. So bleibt der Schluss der Scheibe qualitativ doch klar hinter Auftakt und Mitteilteil zurück - eine Schwäche, welche die Floyds auf dem Nachfolger "Wish You Were Here" ablegen sollten. Dies ändert jedoch nichts am Gesamteindruck: "The Dark Side of the Moon" ist ein Album der Weltklasse, das Pink Floyd endgültig Legendenstatus bescherte und "psychedelische" und "progressive" Elemente in der Rock-Musik für ein breiteres Publikum salonfähig machte und daher einen deutlich ansteigenden Facettenreichtum im Genre der Popularmusik zur Folge hatte. Allein dafür sollte man Pink Floyd dankbar sein; in erster Linie aber für die schiere klangliche Ästhetik dieses tatsächlich extraterrestrischen Albums!


The Wall
The Wall
Wird angeboten von champus-11
Preis: EUR 15,96

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In the Flesh? - In the Flesh!!!, 13. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: The Wall (Audio CD)
Wenn man weiß, dass das Album "The Wall" 1979 in einer Schaffensphase von Pink Floyd entstand, in der sich Frontmann und Bassist Roger Waters in all seiner Egozentrik bereits die Kontrolle über die gesamten musikalischen Belange der Band gesichert hatte; wenn man weiß, wie anders, und wie viel herausfordernder und experimenteller Pink Floyd einmal klangen; wenn man weiß, dass diese Platte den Anfang vom Ende der Kollaboration zwischen den genialen Waters und David Gilmour markiert - dann kann man unter Umständen durch Negativassoziationen zu einem nicht allzu wohlmeinenden Urteil über "The Wall" gelangen. Doch sobald man sich von all diesem Hintergrundwissen, von diesen Ränkespielen und dem lächerlichen Prestige-Denken solcher, für die Pink Floyd nur aus den abgedrehteren experimentelleren Frühwerken besteht, freimachen kann, wird man "The Wall" als faszinierende Rock-Platte mit wohldurchdachter Storyline und mitunter perfekten Einzelsongs, die sich zu einem richtig tollen Opus zusammenschließen, einfach nur genießen können.
Textlich entfaltet Roger Waters, der Macher dieses Werkes, die tragische Geschichte von Pink, einem englischen Kriegskind, das seinen Vater durch den zweiten Weltkrieg verloren hat und mit dieser Bürde irgendwie versucht, in der prüden, kalten und lebensfeindlichen Gesellschaft im England der 50er Jahre zu überleben. Überbehütet von der gluckenhaften Mutter (und später von einer Ehefrau, die es ihm auch nicht recht machen kann), traumatisiert durch die Repressionen der gesellschaftlichen Institutionen wie etwa der Schule, und immer wieder heimgesucht von den Bildern des zurückliegenden Krieges begibt er sich mehr und mehr in die Isolation. Auch das aufschweifende Leben als Rockstar verschlimmert seinen Zustand nur, sodass er schließlich die vielzitierte symbolische Mauer um sich aufbaut und in völliger Isolation dahinvegetiert. Nachdem er aus seinem totalen Delirium von Ärzten und Bekannten befreit werden soll, halluziniert er sich eine Schreckenswelt zusammen, in der er zunächst als Neonazi-Diktator auftritt und ihm schließlich von all den Menschen, die zu seiner Entfremdung beigetragen haben, ein symbolischer Prozess gemacht wird, der mit der Zerstörung der Mauer endet.
Inhaltlich ist diese Geschichte von enormer Strahlkraft, da sie nicht nur gestern wie heute von Relevanz für uns alle ist und eine Menge zutreffender Gesellschaftskritik enthält, sondern weil sie sich mit ihrer musikalischen und gesanglichen Umsetzung blendend vereint und somit eine bedrohliche und mitreißende Wirkung erfährt, welche der isolierte Text niemals hätte entfalten können.
Auf musikalischer Ebene ist "The Wall" unumstritten ein Meisterstück, wenn man nicht gerade zu denen gehört, die mainstramorientierte Rock-Elemente kategorisch ablehnen. Mit "In the Flesh?" liefert die Band ein absolutes Klangfeuerwerk, mit Gilmour's unheimlich packender Leitmelodie im Instrumentalteil und Waters' geiferndem Gesang, der einem kalte Schauer über den Rücken laufen lässt. Das ruhige "The Thin Ice" endet schließlich ebenfalls mit einem sehr atmosphärischen Gitarrenriff, bevor mit "Another Brick in the Wall (part 1)" (neben "In the Flesh" das Leitthema des Albums) hypnotischer Floyd-Sound der alten Schule erklingt. In der t Folge bilden "The Happiest days of our lives" und der weltbekannte zweite Teil von "Another Brick..." eine Einheit, die mit einem ausladenden Gitarrensolo Gilmours endet. Auch auf dem etwas langatmig geratenen "Mother" lässt dieser sein Können aufblitzen - und rettet mit einem wunderbar klagenden Solo den Song. Mit "Goodbye Blue Sky" wird es daraufhin bittersüß und todtraurig zugleich - schöne dunkle Akustik-Nummer. Das bedrohliche "Empty Spaces" leitet daraufhin zum schmutzigen Rocker "Young lust" über. Gemeinsam mit den nun folgenden "One of my Turns", "Don't Leave Me Now" und "Another Brick in the Wall 3" bilden diese Stücke sicherlich den schwächsten Part der Scheibe, bevor mit "Goodbye Cruel World" endgültig die Mauer vollendet wird und man die CD wechseln muss.
Ganz leise und wohlklingend werden wir nun in faszinierender Manier in Pink's Welt hinter der Mauer eingeführt. "Hey You!" besticht mit einer Mischung aus absoluter Düsternis und Melodiösität, "Is There Anybody Out There?" schließt sich diesem an, um vor allem den Aspekt der Düsternis zu betonen, bevor schließlich die majestätische Piano-Ballade "Nobody Home" als dritter Song in Folge völlig zu überzeugen weiß. Es folgen mit dem dunklen "Vera" und dem pompösen Marsch "Bring the Boys Back Home" zwei irgendwie zusammenhanglos wirkende Tracks, während derer man zugegebenermaßen auf den Highlight der Scheibe wartet: Das großangelegte "Comfortably Numb" ist eine Mid-Tempo-Nummer, die einfach alles hat: eine überzeugende Strophe-Refrain-Struktur, welche die immer irgendwie linkisch-bedrohliche Stimme von Waters und der sanfte Tenor Gilmours exzellent als Duett in Szene setzen, und vor allem - mal wieder - einen einfach nur genialen David Gilmour als Leadgitarristen von Extraklasse. Er bekommt hier in seiner Eigenkomposition natürlich auch direkt zwei Soli zugesprochen - das eine leicht pathetisch und sehr schön, das zweite düster, hart, wuchtig, überwältigend...hier bekommt er auch ein Fade-Out, das einzige des gesamten Albums. Nach solch einem Paukenschlag ist eine Zäsur aber auch nötig.
Das choral corgetragene "The Show Must Go on" leitet nun zum zweiten Durchlauf von "In the Flesh" über: Jetzt wird's ruppig. "In the Flesh" ist einfach der Top-Track des gesamten Albums, so wüst, so hart, so dreckig, und dabei dennoch melodisch und rhythmisch so stimmig, dass man es nie mehr vergisst, wenn man es sich einmal zu Gemüte geführt hat. Mit dem hektischen "Run Like Hell" und dem marschierenden "Waiting for the Worms" befinden wir uns nun mitten in Pinks Nazi-Halluzinationen. Es wird also hässlich, doch es geht noch schlimmer: Irgendwann schreit er "Stop!", und dann wird ihm der Prozess gemacht. Dieser wird so ziemlich im Stile einer Broadway-Show musikalisch umgesetzt - einer der wenigen Punkte, an dem ich wirklich sagen muss: Geschmackssache, absolut. Schließlich fällt die Mauer, und die Scheibe ist rum. Schade, denkt man sich und will von vorne anfangen. Oder zumindest die Hälfte der Songs nochmal hören. Denn bei aller Begeisterung für das Konzept, für die atmosphärische Stimmigkeit, die textliche Dichte und die klare Aussage von "The Wall" - nicht jede Nummer hier ist 5 Sterne wert. Ein Großteil jedoch schon, und einige sogar noch einiges mehr, wie etwa "In the Flesh" oder "Comfortably Numb". Insgesamt ist "The Wall" also, nicht zuletzt dank des kompositorisch zwar in den Hintergrund gedrängten, aber spieltechnisch in Höchstform auftrumpfenden David Gilmour, ein absolutes Meisterwerk, das in jeden Rock-Plattenschrank gehört. Vielleicht haben Pink Floyd in früheren Phasen ihres Schaffens stimmigere und herausforderndere Platten gemacht; doch dies ändert nichts an der Gefälligkeit und der Überzeugungskraft, die dieses Album bis heute unvermindert ausstrahlt.


I Brake Together
I Brake Together
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen New Helge, 5. Oktober 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: I Brake Together (Audio CD)
Die jüngste CD-Veröffentlichung Helge Schneiders ist ein Album im gewohnten Stil des Mülheimer Universalgenies, der mit seinem kauzigen Gesang und seinen genialen Trash-Texten seit Anfang der 90er für Furore und für die weitesgehend einzigen Lichtblicke in der deutschen Comedy-Landschaft sorgt. Mit einer wie immer stark besetzten Jazz-Kombo live zu hause eingespielte Songs entführen im bewährten Stil in Helges wunderbar skurrile Welt. Zwei Hauptunterschiede zu früheren Veröffentlichungen ähnlicher Natur wie "Es gibt Reis, Baby" oder "Es rappelt im Karton" lassen sich jedoch ausmachen: Zunächst erklingt der Sound der Scheibe um ein vielfaches professioneller, kraftvoller und aufgeräumter als einstmals. Drums und Bass sind nun richtig präsent und wabern nicht mehr im Hintergrund herum, die Platte erscheint richtig abgemischt und macht auch für Hörer, die Rock-Scheiben mit moderner Aufnahmetechnik gewohnt sind, richtig etwas her. Auch die größere Bandbestzung trägt sein übriges zu diesem insgesamt gewollter und durchdachter wirkendem Gesamteindruck bei, ohne dass jedoch der Aufnahmesession die Spontaneität samt irrwitzigen Zwischenrufen des Meisters abgehen würde. Die zweite, zunächst etwas befremdlich anmutende Neuerung auf dieser Scheibe besteht in der Tatsache, dass Helge zunächst nur 6 gänzlich neue Tracks liefert, um daraufhin nicht nur einige Rock'n'Roll-, Jazz- und Swingstandards zu covern, sondern auch eigene Stücke neu aufzulegen. Da fragt man sich zunächst, ob das sein muss...aber es muss sein! Denn die Neuauflagen von "Texas", "Telefonmann", "Mädchen wollen küssen" oder "Bitte geh nicht vorbei" profitieren allesamt nicht nur von der gesteigerten Soundqualität und den großartigen Fähigkeiten der Musiker in Helges aktueller Band, sondern sie glänzen durch unglaublich skurrile neue textliche und gesangstechnische Einfälle des Meisters. Vor allem der Klassiker "Telefonmann" hat irre neue Strophen abbekommen, und "Bitte geh nicht vorbei" zeigt Helge in einer nochmal ins unwahrscheinliche gesteigerten Exzentrik à la Nihil Baxter (bekannt aus dem 00-Schneider-Film). Doch auch und vor allem die neuen Songs wissen zu überzeugen. So ist die "Supermaus" nicht nur ein schwungvolles Stück zum Mitwippen, sondern auch Zeugnis des ureigenen Helgeschen Humors, wenn er mitten drin das Singen einstellt, um lautstark einen Schmetterling zu beobachten, der sich ins Aufnahmestudio verirrt hat. Weiterhin hervorzuheben sind der Titelsong "I brake together" mit seiner durchaus ernstzunehmenden und überaus berechtigten Kritik am heutigen Fernsehprogramm, die bewusst in die Unermesslichkeit des Klischees abdriftende Schlagerparodie "Die Trompeten von Mexiko" und das Helge Schneider/Udo Lindenberg-Duett "Pinguine können nicht fliegen" mit seiner verschrobenen Gedankenlyrik". Insgesamt liefert Helge also wieder mal massiv Stoff zum Lachen und Mitsingen, diesmal sogar mit einem richtig guten Sounderlebnis und einer kleinen Portion Nachdenklichkeit. Mein Tipp zum Abschluss: Zieht euch den "Jailhouse Rock" rein - ihr werdet vor Lachen nicht mehr können. Ich sage nur soviel, wie auch auf der Titelliste vermerkt ist: Helge singt zusammen mit der Micky-Maus, die verspätet zum Benefiz eintrifft. :-D


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Wird angeboten von westworld-
Preis: EUR 15,92

3 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Absolut überflüssige Veröffentlichung, 23. September 2009
Rezension bezieht sich auf: 1 (Audio CD)
Es ist sicherlich ein redliches Anliegen, auch die Musik der einflussreichsten und besten Rockband aller Zeiten zu einer Best-of-Kompilation für den Gelegenheitshörer zusammenzustellen. Dennoch ist dieses Unterfangen im Falle von "1" gründlich misslungen. Niemand braucht dieses Album, die 2 Doppel-CDs "Rotes" und "Blaues" Album enthalten bereits die wichtigsten Songs der Band, nur mit der im Falle der Beatles gebotenen Ausführlichkeit, und das in einer durchaus liebevoll zusammengestellten Art und Weise. Dass da jetzt eine Ansammlung der Nr. 1-Hits hinterhergeschickt werden soll, erscheint nicht nur dem Beatles-Fan, der ohnehin bereits alle Songs kennt und im Plattenschrank hat, überflüssig, sondern es verstellt auch Neueinsteigern den Blick auf den Facettenreichtum der Band, indem wichtige Tracks, die nun einmal nicht per definitionem "Nr. 1-Hits" waren, ausgespart werden zugunsten einer merkwürdigen "Höher-Weiter-Schneller-Besser"-Mentalität, die mit Musik überhaupt nichts mehr zu tun hat. Also: "1" ist reiner Kommerz, völlig überflüssig und zudem bedenklich in seiner sporttrophäenhaften Aufmachung. Niemand, der sich mit den Beatles beschäftigen will, braucht es. Wenn es irgendwie finanziell zu bewerkstelligen ist, sollte man sich "Rot" und "Blau" zu legen; da hat man für's erste alles wichtige beeinander, bei zunehmender Begeisterung kann dann die Auseinandersetzung mit den Studio-Alben folgen. Doch wer's unbedingt günstig und kompakt braucht und ohnehin "nur mal reinhören" möchte, soll sich, kann sich dann wenn es gar nicht anders geht auch "1" zulegen. Die Musik da drauf ist natürlich trotzdem überragend, aber darüber muss an dieser Stelle sicherlich nicht mehr debattiert werden.


One Of The Boys
One Of The Boys
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Katy Perry - Durchaus über die Albumdistanz überzeugend, 22. September 2009
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Rezension bezieht sich auf: One Of The Boys (Audio CD)
Für den anspruchsvollen Rock/Pop-Liebhaber wird es, so scheint es, von Jahr zu jahr schwieriger, sich aus dem Wust des unsäglichen Vermarktungsgeätzes der aktuellen Musikszene irgendwo zwischen den neuesten Klingeltönen und den kitschigsten MTV-Videos ansprechendes neues Musik-Material herauszufiltern, mit dem man auch dann etwas anfangen kann, wenn man auf gutes Songwriting sowie Professionalität und Authentizität Wert legt. Dass gerade diese schöne Brünette solche Musik liefern soll, erscheint dabei dem gängigen Klischee entsprechend eher unwahrscheinlich. Doch hinter der vermarktungsfreudigen pinken Teenie-Aufmachung der Veröffentlichungen Katy Perrys verbirgt sich durchaus ansprechende und zu großen Teilen sogar selbst komponierte Pop-Musik, die zwar nicht das musikalische Rad neu erfindet, aber immerhin für qualitativ gut und auch für den Freund gepflegter Pop- und Rockmusik jenseits des Jamba-Sparabos genießbar gelten kann. Bereits die Single-Hits Perrys beweisen dies eindrücklich: So sind der schwungvolle Opener und Titeltrack "One of the Boys" und das ähnlich gestrickte "Waking up in Vegas" melodisch eingängige Songs mit Ohrwurmqualität, die jedoch von dem packenden Shuffle "I Kissed a Girl", dem fetzigen Party-Kracher "Hot'n'Cold" und der wunderschönen Ballade "Thinking of You" (Bestes Stück der Scheibe) noch deutlich übertroffen werden. Höhepunkte abseits der Radio-Hits sind das rockige "Self-Inflicted" und das sehnsuchtsvolle "I'm Still Breathing" - Perry weiß also durchaus auch über längere Distanzen starkes Songmaterial zu liefern. Ganz ohne Füllmaterial kommt jedoch auch sie nicht aus: "Ur So Gay" oder "Fingerprints" seien hier als nicht ganz so gelungene Tracks genannt. Doch all das bereits erwähnte postitive ist schon mehr, als man heutzutage gemeinhin von Pop-Künstlern zu erwarten hat. Wie gesagt, hier wird weder innoviert und experimentiert noch die ganz große Oper des Jahres geboten, aber guter, solider Pop mit rockigen Anklängen und tollen Melodien sorgt für ein Hörvergnügen, das sich auch nach öfterem Hören nicht abnutzt. Katy Perry - eine sehr erfreuliche Neuerscheinung des vergangenen Jahres. Es ist doch toll, wenn sich hier mal das wahnsinnig gute Aussehen und sexy Auftreten einer US-Sängerin endlich mal mit musikalischer Qualität verbindet.


Die Leiden des jungen Werther
Die Leiden des jungen Werther
von Johann Wolfgang von Goethe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 3,95

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der ultimative Liebes- und Lebensroman, 22. September 2009
Wer kennt ihn nicht - den Werther? Schon direkt nach seiner Entstehung im Jahre 1774 ein riesiger Verkaufsschlager, ist dieser Geniestreich des jungen Johann Wolfgang Goethe eines der liebsten literarischen Kinder der Deutschen geblieben.
Der Briefroman schildert - über weite Teile aus Sicht des Ich-Erzählers und Protagonisten, am Ende schließlich aus der Perspektive eines fiktiven "Herausgebers" dieser Briefe - das Schicksal des jungen bürgerlichen Werther, der sich, von Natur aus unstet, naturliebend, intellektuell geschult und hochsensibel, durch eine Zufallsbekanntschaft in die wohlhabende 17-jährige Lotte verliebt, welche für ihre 6 Geschwister die Rolle der vestorbenen Mutter übernommen hat und dabei bereits an den arbeitsamen Vernunftmenschen Albert verlobt ist. Zwar nähern sich die beiden zunächst freundschaftlich, aber unabstreitbar auch emotional sehr an, jedoch besteht das Band zwischen Lotte und Albert fort, was den jungen Werther mehr und mehr in tiefe seelische Zerwürfnisse und schließlich in den Freitod treibt. Ergänzt wird die Erzählung der Geschehnisse durch intensive, pointierte und durchaus kurz gehaltene Naturbeschreibungen und allgemeine Reflexionen der Hauptfigur bezüglich des menschlichen Zusammenlebens und anderer für ihn relevanter Aspekte des Lebens. Der Briefroman lebt also sowohl von seiner Handlung als auch von seinen über diese hinausgehenden vor allem alltagsphilosophisch anmutenden Exkursen, welche das Leben im Deutschland des mittleren bis ausgehenden 18. Jahrhunderts aus Sicht des frei denkenden Individuums reflektieren.
Doch woher kommt die fortwährende Faszination für einen Briefroman, dessen tragischer Held sich Hals über Kopf in eine zum Scheitern verurteilte Liebe verrennt und sich schließlich selbst das Leben nimmt? Müssten nicht gerade wir Menschen des 21. Jahrhunderts, die sich, um Enttäuschungen zu vemeiden, vor dem ersten Date lieber zunächst im Internet auf Herz und Nieren, Aussehen und gemeinsame Interessen und Neigungen prüfen, uns stürmend von diesem irrationalen Querkopf, ja vor diesem "Irren" distanzieren, der uns in diesem Paraderoman des Sturm und Drang entgegentritt? Nun, natürlich ist das Gegenteil der Fall, und einen Anhaltspunkt für diese Suche nach dem "Warum?" bietet hier vielleicht ein Blick in das kurze Vorwort, welches Goethe einen sozusagen zwischengeschalteten fiktiven Herausgeber den Briefen Werthers vorausschicken lässt:
"[...]Und du gute Seele, die du eben den Drang fühlst wie er, schöpfe Trost aus seinem Leiden, und lass das Büchlein deinen Freund sein, wenn du aus Geschick oder eigener Schuld keinen nähern finden kannst."
Ja ja, dieses Büchlein ist nach wie vor ein Freund jedes fühlenden Menschen. Und auch wenn wir uns nicht in aussichtslosem Liebeswerben verrennen, ja selbst wenn wir in keinster Weise so arm dran sind wie der gute alte Werther, so erfüllt dieses Buch für den verständigen Leser dennoch eben diese Funktion. Es ist ein Manifest des Gefühls, ein Manifest des Idealismus, ein Manifest der Lebensliebe und die Geschichte eines Menschen, der an einem Zuviel all dessen scheitert, was diese Welt, diese Gesellschaft, in der wir leben, uns eben zu wenig zugestehen will. Werthers ausgeprägte Naturliebe, die Bestandteil vieler berühmtgewordener Briefe des Romans ist, sein tiefes Mitgefühl gegenüber seinen Mitmenschen, nicht zuletzt seine unerschütterliche Liebe zu Lotten, aber durchaus auch seine ohnmächtige Wut gegenüber dem Ständedünkel des 18. Jahrhunderts oder sein leidenschaftliches Anrennen gegen den kühlen Rationalismus Alberts, welches sich auch in seinem unsteten und nicht gerade gutbürgerlichen Lebenswandel wiederspiegelt, all das ist es doch, was das Leben lebenswert macht, und was uns dennoch verwehrt wird, sodass wir alle erstmal unseren tristen Arbeitsalltag mühevoll hinter uns bringen müssen, bevor wir ein wenig davon kosten können. In dieser Hinsicht ist Werther ein Held, da er all den Träumen, die wir "zivilsierten" Menschen haben und die auch die Menschen im 18. Jahrhundert offensichtlich schon hatten, mit einer Konsequenz und Nachdrücklichkeit nachhängt, dass es einfach eine Wonne ist.
Das ist die Funktion dieses Romanhelden, oder besser: er ist diese Funktion. Denn dies ist ein häufiges Missverständnis, welches gerade junge und unerfahrene Leser oft abschreckt und davon abhält, Gefallen am Werther zu finden. Denn wenn ein solcher Leser kritisiert, dieser Werther sei doch ein gefühlsduseliger, nicht lebensfähiger und zudem noch fauler und wehleidiger Querkopf, dem einfach nicht zu helfen sei, dann hält dieser den Werther offenbar für eine Person, die einem Menschen in der realen Welt entspricht. Doch dies ist natürlich ein Irrglaube, Werther ist eine fiktive Figur, eine Instanz, die eine Funktion erfüllt, mit der dieser Roman, dieser Text seine Politik macht: eine Politik des Gefühls, gegen den kalten Rationalismus der Aufklärung (verkörpert durch Lottes Mann Albert), welcher zu seiner Entstehungszeit noch in Europa vorherrschte; eine Politik des Individualismus, gegen die vielen gesellschaftlichen Zwänge, die uns damals wie heute einengen; eine Politik der Natur, gegen die Eingriffe des sich zum Gott erhebenden Menschen (siehe Werthers unbändiger Zorn über das Abhacken der Bäume auf dem Kirchplatz); eine Politik des Lebens und der Menschlichkeit.
Goethes Werther hat nicht nur Epoche gemacht und Literaturgeschichte geschrieben sowie zu großen Teilen den überfälligen Weg aus der rationalistischen Sackgasse der Aufklärung bereitet, sondern er ist auch für uns heutige Menschen, die wir mitten im Leben des 21. Jahrhunderts stehen und oberflächlich betrachtet so weit weg vom Leben dieses Romanhelden zu sein scheinen, ein Werk von enormer gesellschaftlicher Relevanz (siehe Individuum vs. Gesellschaft, Verlangen vs. Notwendigkeit, Natur vs. "Fortschritt") sowie immensem Potential zum Bereiten von Lesevergnügen, denn die Schönheit der Sprache Goethes bedarf an dieser Stelle sicherlich keiner großen Worte; hierzu ist bereits genug gesagt worden.
Dementsprechend kann man nur jedem Menschen, der des Deutschen mächtig ist, wärmsten empfehlen, dieses Buch zu erstehen, sich an ihm zu erfreuen und es, wie der "Herausgeber" es schon 1774 empfiehlt, zu seinem Freund werden zu lassen. Auch mehrmaliges Lesen ist hier lohnenswert, fallen doch immer wieder neue geniale Formulierungen, scharfe Beobachtungen oder anregende Gedankengänge ins Auge. Der ultimative Liebesroman - since 1774!


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