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Rezensionen verfasst von
Michael Schäfer "Kaká" (Dortmund, NRW)

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Collapse Into Now
Collapse Into Now
Preis: EUR 17,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kleiner Fortschritt nach dem großen Rückschritt, 27. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Collapse Into Now (Audio CD)
Ich bin seit vielen Jahren großer R.E.M.-Fan, und als ein solcher kann ich nur allen Mitstreitern und potentiellen Interessenten sagen, dass den 3 Jungs aus Athens, Georgia, mit "Collapse into now" eine durchaus positive Überraschung gelungen ist. Bis einschließlich "Reveal" haben R.E.M. seit Beginn ihrer Karriere eigentlich nur Meisterwerke abgeliefert, die sich allesamt stilistisch einzigartig und songschreiberisch auf allerhöchstem Niveau bewegten. "Around the sun" in 2005 war dann eine erste leise Enttäuschung, das erste Mal, dass die Musik der Jungs begann nach Selbstzitaten zu klingen. Mit "Accelerate" war dann der pseudo-punkige Tiefpunkt erreicht, sodass man nun, in 2011, bei "Collapse into now" froh sein kann, dass das "Around the sun"-Niveau durch größere stilistische Bandbreite und Anlehnungen an frühere Erfolgsrezepte (Mix aus Mid- und Uptempo-Nummern sowie Balladen und Rückkehr zu einem folkigeren Sound) wieder erreicht worden ist. Großtaten scheint man nach dem genialen Beach Boys-Tribute "Reveal" zu Beginn der 2000er nicht mehr erwarten zu können; dennoch lohnt sich der Kauf dieses neuen Albums, da man hier doch sehr hörenswerten Rock einer sehr verdienten Band geboten bekommt.
Dabei ist aus meiner Sicht eine klare Zweiteilung des Albums in gelungene und weniger gelungene Tracks erkennbar. Die rockigeren Songs, die Up-Tempo-Nummern, wirken fast alle gekünstelt, wenig melodiös und einfach zu "Accelerate"-mäßig. "Discoverer" ist ein mäßiger Opener, und "It happened today", "Mine smell like honey", "Alligator" und "That someone is you" sind nichtssagende Stücke, die wohl peppig und rockig wirken sollen, aber keinerlei Spuren in der Bandgeschichte R.E.M.s hinterlassen werden. Einzig "All the best" entwickelt eine interessante Eigendynamik und wirkliche Power, besonders im Refrain, den Stipe sehr schön kraftvoll vorträgt.
Auf der Gegenseite überzeugen die softeren, langsameren, folkigen Nummern fast ausnahmslos! "ÜBerlin" ist ein klassischer Song im "Out of Time"-Style, mit dieser wundervollen R.E.M.-typischen Mischung aus folkiger Beschwingtheit und Melancholie; "Oh my heart" brilliert als leicht düsterer 6/8-Song mit eingängigem Refrain; "Walk it back" trabt nachdenklich durch einen wunderschönen Spätsommerabend; und "Blue" mit Gastsängerin Patti Smith ist eine interessante Hardcore-Ausgabe des für R.E.M.-Fans unübertroffenen 90er-Klassikers "Country Feedback".
Die Qualität künstlerischer Machwerke im Allgemeinen wie Alben des Rock/Pop-Genres im Speziellen mag von unterschiedlichen Rezipienten sehr unterschiedlich bewertet werden; doch ich denke, dass R.E.M.s "Collapse into now" auf längere Sicht auf ein vergleichsweise einheitliches Echo stoßen wird: gut, aber nicht überragend; nett anzuhören, aber keines der Meisterwerke der Band.


Schiffsverkehr
Schiffsverkehr
Wird angeboten von MasterDVD
Preis: EUR 9,99

5 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DAS HIGHLIGHT 2011!, 25. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Schiffsverkehr (Audio CD)
In diesem Frühjahr haben diverse internationale Top-Künstler des anspruchsvolleren Rock-/Pop-Bereichs Neuveröffentlichungen auf den Markt, unter anderem R.E.M., Bright Eyes oder die Foo Fighters. Doch es ist meiner Meinung nach unser Mann aus dem Ruhrpott, der Wahl-Londoner Herbert, der das bislang stärkste Ausrufezeichen gesetzt hat: "Schiffsverkehr" ist ein Riesenalbum geworden, in Sachen Qualität vergleichbar mit Großtaten wie "Bleibt alles anders" oder "Mensch", in jedem Falle ein Riesenschritt nach vorne nach dem (vor allem im Vergleich zum mittlerweile legendären Vorgänger "Mensch") doch etwas biederen "12". Und dieser Eindruck entsteht, obwohl die großen Single-Hits, zumindest auf den ersten Blick, hier nicht dabei sind. Vielmehr überzeugt Herbie mit einem atmosphärisch dichten, mitunter düsterem Machwerk, das wie aus einem Guss klingt und trotzdem stilistische Varianten en masse aufweist.
Der Opener und Titelsong im düsteren Shuffle und mit seinen typisch kruden Herbie-Lyrics hat ja bereits massig Airplay auf allen Radio-Stationen - und das zurecht; selten gelingt eine solche Kombination aus düsterer Atmosphäre und voller Rock-Power. Ähnliches lässt sich über "Kreuz meinen Weg" sagen, eine Super-Nummer, die Herbert in den Strophen ja geradezu als düsteren Prediger zeigt und im Refrain so richtig zum Kracher kulminiert - Gänsehaut! Das poppige "Fernweh" als zweite Single-Auskopplung zeugt mal wieder von Herbies Hang, bewusst auf skurrile Reimgebilde zu setzen ("Ich habe fernweh - wenn ich einen Stern seh' bzw. bevor ich hier am Rad dreh'") - guter Humor, musikalisch nicht ganz auf dem Niveau der zuvor genannten Auftakttracks.
Groenemeyers große Stärke, die gefühlvollen Piano-Balladen, kommen nach diesem schwungvollen, ja überhitzten Auftakt richtig gut - und es gibt sie an dieser Stelle gleich im Doppelpack: "Unfassbarer Grund" überzeugt vor allem textlich, "Deine Zeit" ist auch in Sachen Melodie und Gefühl ein Song auf "Halt mich"- oder "Der Weg"-Niveau: ganz großes Gefühlskino, ganz ohne Kitsch - wie nur Herbie es in Deutschlands Pop-Branche kann.
"Erzähl mir von morgen" ist eine Midtempo-Nummer mit viel Schwung, "Auf dem Feld" besetzt wieder die düstere Schiene der Auftaktsongs, ebenso wie "Zu Dir", das ganz besonders majestätisch daherschreitet und gegen Ende eine Wahnsinns-Power entfaltet.
"Wäre ich einfach nur feige" zeigt Grönemeyer mal wieder als Songschreiber, der auch die leiseren Töne beherrscht und auch in scheinbaren "Nebentracks" all sein Können aufbietet. Ein Highlight setzt der gebürtige Göttinger mit der smoothen Jazz-Rock-Nummer "Lass es uns nicht regnen" - eine tolle Metapher für die Aufforderung zu einer Trennung ohne Drama, und ein wunderbar entspannter Song, stilistisch irgendwo zwischen Simply Red und "Pet Sounds" (ohne den glockenhellen Beach Boy-Gesang natürlich) - Herbie mal ganz anders, und sehr überzeugend.
Der (scheinbar) letzte Track "So wie ich" ist eine waschechte Bluesnummer, sehr eingängig und mit sehr witzigem Text, in dem das lyrische Ich seine hemmungslose Eigenliebe bekundet - kleiner Scherz am Rande oder knallharte, ja zynische Gesellschaftskritik? Das Album ist damit aber nicht zu Ende; es lauert ein hidden track: verwegen düsterer 6/8-Rock, Herbie stimmlich wieder ganz unten im Bauch des Schiffes; eine dunkle Hymne an den "November" - Gänsehaut an versteckter Stelle.
Insgesamt kann man nur den Hut vor diesem Mann ziehen, der seit Jahren die deutschen Farben im Rock/Pop-Bereich hochhält und mit "Schiffsverkehr" ein wahres Meisterwerk hervorgebracht hat, irgendwo zwischen düster-atmosphärischem Power-Rock, gefühlvollen Piano-Balladen und geschmeidig-augenzwinkerndem Pop auf höchstem Niveau!
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 24, 2011 10:19 PM MEST


Never Seen the Light of Day
Never Seen the Light of Day
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 22,35

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Organische Sounds zu fröhlichen Melodien, 15. Januar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Never Seen the Light of Day (Audio CD)
Das 2007er-Album gilt unter Mando Diao-Kennern als das "softeste" und "akustischste" Machwerk der Schweden-Rocker. Für mich der Grund, es genießen zu können; "härtere" Hits wie "Dance with Somebody" sind mir persönlich doch zu unmelodisch und ruppig. Auf dieser Scheibe heir hingegen gibt es viele wunderbare Melodien zu hören, akustische wie elektrische Gitarren und vor allem viele schöne Streicher-Arrangements - großartiger Akustik-Pop, richtig gute Studio-Musik halt, und für mich daher das beste Mando Diao-Album, mit Abstand. Aber das ist Geschmackssache, da gestehe ich auch gerne ein, kein großer Fan und Kenner dieser Band zu sein. Doch "Never Seen the Light of Day" überzeugt auf ganzer Linie. Überragend: Der Opener "If I Don't Live Today, Then I Might Be Here Tomorrow", für mich einer der besten Popsongs aller Zeiten, so kraftvoll, melodiös und voller Überschwang...einfach nur Gänsehaut. Ebenfalls großartig sind das "Moll"ige Akustik-Epos "Never Seen the Light of Day", die schnelle, von Streichern geprägte Pop-Nummer "Gold" und das tolle, weil klassisch-poppig anmutende "Misty Mountains". Auf diesem Album zeigen sich Mando Diao für mich als Freunde harmonischen Pop-Rocks, mit vielen Studio-Kniffen, aber dennoch einem betont organischen Sound, nicht zu rockig, nicht zu derb, aber dennoch immer kraftvoll. Und der Opener schlägt einfach alles! "If I Don't Live Today, Then I Might Be Here Tomorrow!!!"


Unter Linken: Von einem, der aus Versehen konservativ wurde
Unter Linken: Von einem, der aus Versehen konservativ wurde
von Jan Fleischhauer
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

8 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr lesenswert, wenn auch nicht an allen Stellen überzeugend, 10. November 2010
Als mir, als tendenziell eher linkem, vor allem grünen, aber in erster Linie mal allgemein politisch interessiertem Buchhandlungsbesucher dieser Titel in die Hände fiel, war ich sofort wie gebannt vor Interesse: Eine schizophrene Mischung aus sich schon seit längerem angebahnt habender Skepsis bezüglich einiger linker Positionen, die ich früher mit Nachdruck vertreten hätte, und der leicht angewiderten Neugier darüber, wie der Feind so argumentiert, fesselte mich vom Lesen der ersten Seite an an dieses Werk - allein das erscheint mir schon eine große schreiberische Leistung des Spiegel-Redakteurs Jan Fleischhauer, der, aus großbürgerlich-urlinkem Elternhause stammend, eine teils boshafte, teils aber auch verständnis- und liebevolle Abrechnung mit der linken Denk- und Lebenswelt verfasst hat, und so zurzeit der kulturellen Elite dieser Republik gewaltig auf den Schlipps tritt. Dabei weiß er durchaus zwischen den verschiedenen Erscheinungsformen der Linken in Deutschland zu unterscheiden - der schwäbische Biobauer tickt anders als der von der Wende enttäuschte brandenburgische Postkommunist, ebenso wie der alte Gewerkschaftler sich kaum mit der pseudo-linken Akademikerfamilie aus Prenzlauer Berg in einen Topf werfen lassen mag. Und trotzdem schafft Fleischhauer es, meiner Meinung nach sogar in durchaus überzeugender Manier, all diesen Gruppen ein gemeinsames Denkmotiv zuzuschreiben: nämlich eine gewisse Selbstherrlichkeit, die sich darin gerechtfertigt sieht, dass man durch sein politisches Denken und Handeln für eine bessere (sei es ökologischere, geschlechtergerechtere, finanziell und besitzmäßig gerechter aufgeteilte etc.) Welt eintritt und die "Opfer" der kapitalistischen Gesellschaft meint verteidigen zu müssen. Das hat Schmiss, und das stimmt auch, und genau damit können Linke auch so richtig nerven - und unsere Gesellschaft ausbremsen und nachhaltig schädigen, wie etwa der allzu idealisierende Umgang der Linken mit der Einwandererschaft in Deutschland oder die vielen überflüssigen und leistungshemmenden finanziellen Gefälligkeiten, die unser Staat den selbsternannten "Opfern" unseres Gesellschaftssystems (man denke an die nervtötende Debatte um die unumgänglichen Hartz-Reformen der Regierung Schröder) gewährt. In so fern ist es - in meinem Falle - Fleischhauer durchaus gelungen, viele Facetten des linken Denkens in Deutschland und der Welt als nicht zielführend, weil zu sehr idealisiert, und vor allem mal als gescheitert zu entlarven. Der Tod des Kommunistischen Weltreiches ist da nur das größte und extremste Beispiel.
Doch an anderen Stellen überzeugt er wiederum gar nicht, etwa, wenn er auf penetranteste Weise sich immer wieder gegen weitere Bemühungen um mehr Geschlechtergerechtigkeit ausspricht oder die Dreistigkeit besitzt, die Folgen von Umweltzerstörung und Klimawandel permanent zu verharmlosen und auch in solch entscheidenden Fragen, in denen progressives, also tendenziell eher von links motiviertes Handeln für die Menschheit unumgänglich ist, sich einem gemütlichen und auf gefährliche Weise fatalistischen Konservatismus anschließt, den man in solchen Fragen gar nicht gebrauchen kann. Und weshalb er meint, sich über Leute lustig machen zu müssen, die sich gesund ernähren, für Tierrechte eintreten und sich für östliche Lebensphilosophie zu interessieren, verstehe ich überhaupt nicht. Wenn er wüsste, dass meine Yoga-Lehrerin unlängst das Ende des Sozialstaates ausgerufen und ihre Klienten zu wirtschaftlicher Eingeninitiative aufgerufen hat, würde er das vielleicht lassen. Was diese kleine Privatanekdote zeigt, ist, dass seine Unterscheidung in "links=weltfremd+abgehoben+fortschrittsfeindlich" und "konservativ=tüchtig+bodenständig+gesund" einfach nicht, oder zumindest heute nicht mehr, aufgeht. Viele Dinge, die er der Linken, sei es den Kommunisten, den Alt-68ern oder wem auch immer vorwirft, haben Hand und Fuß - sind aber heute auch unter jungen, fortschrittlichen Links-Liberalen und Grünen Konsens. Unter jungen Akademikern, die sich so positionieren, ist heute die Abneigung gegen langhaarige Steinzeitlinke in den Allgemeinen Studierendenausschüssen deutlich größer als gegen die geleckten Wirtschaftsstudenten aus konservativem Elternhaus - ganz sicher.


Past Masters (Remastered)
Past Masters (Remastered)
Preis: EUR 20,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Singles und B-Seiten - Unverzichtbare Ergänzung zu den Studioalben, 19. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Past Masters (Remastered) (Audio CD)
Die "Past Masters"-Scheiben sind die (einzige) unverzichtbare Ergänzung zu den Studioalben der Fab4, enthalten sie doch all jene Songs, die im Original nur als Singles oder B-Seiten veröffentlicht wurden. In den 60er-Jahren hatten die kleinen Vinyl-Scheiben ja noch einen ganz anderen Stellenwert als später; gerade in der Anfangszeit der Beatles war es sogar üblich, Alben als Sammlungen der Songs anzusehen, die nicht das Potential zur Hitsingle hatten. So kommt es dann aus heutiger Sicht zustande, dass man, da es ja keine Beatles-Singles mehr regulär zu kaufen gibt, sich brav den Alben-Katalog zulegt, um dann festzustellen, dass gerade die wunderbaren frühen Hits wie "She Loves You" oder "I wanna hold your hand", aber durchaus auch späte Meisterwerke wie "Hey Jude" oder "Don't Let Me Down" dort gar nirgends auftauchen. Genau hier hilft dem nachträglich zu den Beatles gelangten CD-Käufer die Past Masters-Sammlung, diese zweiteilige, chronologisch aufgebaute Sammlung all jener Tracks, die - wenn man sich die Logik der frühen 60er denn so unreflektiert zu eigen machen will - zu gut für die Studioalben waren. Natürlich entwickeln diese CDs nicht die Atmosphäre und Eigendynamik eines Studioalbums; dennoch sind sie unverzichtbar, denn neben den Hit-Singles, die man zur Not ja auch noch auf den diversen Best-of-Sammlungen finden könnte, sind es gerade die B-Seiten - und hier vor allem die vielen tollen B-Seiten der frühen Beatles - die mit ihrer Dynamik und ihrer songschreiberischen Qualität den großen Hits oft in nichts nachstehen. Dabei überzeugen melodiöse Beat-Nummern à la "I'll Get You" oder "Thank You Girl" ebenso wie Balladen ("This Boy", "Yes It Is") und gecoverte Rock'n'Roll-Standards ("Long Tall Sally" - danke dafür, Paul!!!, "Bad Boy"). Im Rahmen der Stereo-Remaster-Neuveröffentlichungen von 2009 ist zudem anzumerken, dass man hier nun beide CDs zusammen zu einem (verhältnismäßig) humanen Preis erhält, und sich dementsprechend nicht mehr beide Einzelausgaben zulegen muss. Besonderes Schmankerl für alle deutschsprachigen Beatles-Fans: "Sie liebt dich" und "Komm, gib mir deine Hand": "In deinen Armen bin ick glucklick und froooooh!"


Der Tod in Venedig und andere Erzählungen
Der Tod in Venedig und andere Erzählungen
von Thomas Mann
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbare venezianische Novelle in Formvollendung, 12. Oktober 2010
Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig" aus dem Jahre 1912 ist aus meiner Sicht ein lustvoll geschriebenes Kleinod, das sich glänzend zum Einstieg in eine Lektüre der Werke des großen deutschen Romanciers der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eignet. Sowohl vom Umfang her als auch thematisch weniger sperrig und groß angelegt als die großen Romane wie "Der Zauberberg" oder "Doktor Faustus", aber doch bereits mit einigen intellektuellen Anleihen an große und wichtige Denkströmungen seiner Entstehungszeit, die Thomas Manns Werke so spannend und aufschlussreich zugleich machen, liest sich "Der Tod in Venedig", sofern man sich einmal auf den natürlich relativ komplexen, dafür aber auch sprachlich einfach wunderschönen Satzbau Manns eingelassen hat, doch recht flüssig und schnell runter, zumal es ein deutlich "handlungsgetriebeneres" (wenn es ein solches Wort gibt) Werk ist als etwa "Der Zauberberg".
Die stark autobiographisch angehauchte Geschichte des alternden und mental wie physisch ausgelaugten, fiktiven Schriftstellers Gustav von Aschenbach, einem preußisch-disziplinierten Künstler von Weltformat, der sich im Zuge seiner großen Lebens- und Schreibkrise von einem "unerklärlichen" ;-) Fernweh heimgesucht fühlt und dadurch schließlich gen Süden fährt, um über Umwege im vor Schönheit sterbenden Venedig zu landen (wie sollte es anders sein?), um dort einen verhängnisvollen Urlaub zu verbringen. Von Unlust und Enttäuschung ob der verfallenden Schönheit geplagt und immer wieder von beängstigend-fratzenhaft anmutenden Gestalten belästigt bis geängstigt, steht Aschenbach schnell kurz vor der Wieder-Abreise, ehe ihm in seinem Hotel ein polnischer Jüngling namens Tadzio auffällt, der ihn fasziniert und offenbar lange unterdrückte Gefühlsregungen in ihm weckt, die ihn schließlich am Ort halten und in ein inneres Dilemma aus versuchter Selbstzucht und homoerotischer Neugier stürzen.
Es ist dieser letztgenannte Aspekt, die Geschichte um Aschenbachs heimliche Liebe zu dem Knaben, bei dem Manns großartige literarische Meisterschaft besonders zu Tage tritt; denn es gelingt ihm wie sonst niemandem, einen solchen inneren Kampf auf zwei völlig unterschiedlichen Ebenen zu beschreiben, die sich bei ihm, und einzig bei ihm, zu einem harmonischen, ebenso kusntvollen wie authentischen Ganzen vereinigen. Einerseits wirkt das Ganze lebensnah, voller Em- und Sympathie für den um seine Würde ringenden Helden, während andererseits die beiden wohl entscheidenden denkerischen Quellen des Werkes sich in diesem Kampf Aschenbachs manifestieren und ihnen ausführliche intellektuelle Behandlung widerfährt: dies sind einmal Sigmund Freuds Psychoanalyse und seine These von der "Wiederkehr des Verdrängten" (hier: der homoerotischen Neigungen Aschenbachs), welche Thomas Mann durch Freuds Lektüre der Novelle "Gradiva" von Wilhelm Jensen kennengelernt und teilweise fast daraus abgeschrieben hat; und darüber hinaus Friedrich Nietzsches Unterscheidung zwischen dem Apollinischen und dem Dionysischen, zwischen dem Würdevoll-Ordnenden und dem Rauschhaft-Lustgeleiteten, welche einen immer währenden Hauptkonflikt aller menschlicher Existenz darstellen. Diese damals wie heute bewegenden und auf ewig einflussreichen und wichtigen Denkstrukturen in eine so nahe gehende und empathisch geschilderte Geschichte eines an sich selbst zu zerbrechen drohenden Individuums einzuarbeiten, und das Ganze in die konzise und wunderbar spannend zu lesende Form dieser venezianischen Novelle einzuweben, das ist die wunderbare Leistung, die Thomas Mann mit dem "Tod in Venedig" gelungen ist. Der große Autor der großen Zeitromane zeigt sich hier auch als Meister der Mittelstrecke, und fängt hier mal nicht über einen längeren Zeitraum, sondern ganz punktuell die großen Denkmodelle seiner Zeit ein und macht große Kunst aus ihnen. Unbedingt lesen!


The Beatles - Anthology DVD Box-Set (5 DVDs)
The Beatles - Anthology DVD Box-Set (5 DVDs)
DVD ~ The Beatles
Preis: EUR 65,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles was man über die Beatles wissen muss und will - von den Beatles selbst erzählt!, 11. Oktober 2010
Diese DVD-Box enthält die in den 90er-Jahren von der BBC produzierte, große Beatles-Dokumentation "Beatles Anthology", welche dem langjährigen Beatles-Fan wie dem neugierigen Neueinsteiger alle Fragen beantwortet, die man sich zu der Geschichte der ersten, besten und einzigen Rock-Band aller Zeiten stellt. Das Ganze ist ein Kunstwerk für sich - nicht nur wegen der vielen, vielen Beatles-Musik und der ganzen Original-Bilder aus den 60ern, sondern auch dank der perfekten Machart des Ganzen: Die Dokumentation ist nämlich dankenswerterweise so gestaltet, dass außerhalb der Bilder aus der Beatles-Zeit ausschließlich die beteiligten Personen - sprich den Fab4 selbst sowie George Martin und Neil Aspinall - in der Retrospektive zu Wort kommen. So wirkt das Ganze nicht nur extrem authentisch, sondern es ist auch angenehm zu verfolgen, so ganz ohne einen Sprecher, der einen mit einer irgendwo her gezauberten Autorität meint von den Beatles und ihrer Geschichte erzählen zu können. Nein, hier kommen ausschließlich die Protagonisten selbst zu Wort, und kommentieren so wunderbar ehrlich, humorvoll und durchaus detailliert all die unvergesslichen Geschehnisse dieser Wahnsinnskarriere, sowie in allererste Linie natürlich die Musik, und wie sie damals entstand, wie aus der jugendlichen Imitation der amerikanischen Rock'n'Roll- und Blues-Idole der 50er und frühen 60er zunächst der geradlinige und unwiderstehliche Merseybeat der Frühphase und schließlich die innovativste und qualitativ brillianteste Studio-Rock-Musik der Geschichte dieses Musikstils wurde. Überhaupt steht die Musik erfreulich oft im Vordergrund. Richtig viele Stücke werden zur Gänze ausgespielt und mit stimmungsvollen Bildern der ihnen zuzuordnenden Phase der Band-Geschichte unterlegt, und nur an wichtigen und interessanten Stellen kommentieren die Künstler selbst ihr Schaffen, immer treffend, immer authentisch, und immer mit einer sympathischen Portion eigener Verwunderung darüber, wie ihnen diese Masse an genialen Kompositionen damals, mit Anfang bis Mitte/Ende 20, einfach so zufliegen konnte. Es gibt so vieles, was die Beatles einzigartig und groß gemacht hat und immer noch macht: ihr wunderbarer britischer Humor, ihre Bühnenpräsenz, die Dynamik und erstaunliche spielerisch-gesangliche Qualität ihrer frühen Live-Auftritte, ihre Vielseitigkeit in Punkto Entertainer-Qualitäten, ihre immer vorhanden gebliebene Bodenständigkeit oder ihr fester, nie von Missgunst oder Rivalität unterbrochener Zusammenhalt innerhalb dieses Vierer-Gespanns, das inmitten der Manie um ihre Personen scheinbar immerfort am vernünftigsten blieb, während um sie herum ein ums andere Mal die Welt zu spinnen begann - all das fängt diese Dokumentation so klar und ebenso dokumentarisch einwandfrei wie unterhaltsam ein, dass man sich diese 8 etwa 75-minütigen Folgen Doku sowie das Bonusmaterial immer und immer wieder anhören und -schauen kann, ohne dass es einen Moment uninteressant zu werden droht. "The Beatles Anthology" ist meiner Meinung nach - direkt nach den Original-Studioalben, wie sich versteht - die lohnenswerteste Anschaffung rund um die Fab4 überhaupt.


Sämtliche Werke (Quarto)
Sämtliche Werke (Quarto)
von Franz Kafka
  Taschenbuch
Preis: EUR 25,00

36 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht ganz vollständige Gesamtausgabe mit dem Charakter eines Nachschlagewerks, 27. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Werke (Quarto) (Taschenbuch)
Was der Suhrkamp-Verlag mit dieser Kafka-Ausgabe liefert, ist ein sehr gut erschwinglicher Band mit, wie der Titel der Veröffentlichung es aussagt, "Sämtlichen Werken" des Prager Prosaisten, der erst posthum durch die mannigfachen Veröffentlichungen seiner literarischen Hinterlassenschaften zu Weltruhm gelangt ist. Zu seinen Lebzeiten hatte er lediglich die Kurzgeschichtenbände "Betrachtung", "Ein Landarzt" und "Ein Hungerkünstler" sowie die einzelnen Geschichten "In der Strafkolonie", "Die Verwandlung" und "Das Urteil" publiziert; eine Menge großartiger Literatur, doch als Meister der großen Form hätte Kafka eigentlich gar nicht in die Geschichtsbücher eingehen dürfen - hatte er seinem Freund und Nachlassverwalter Max Brod doch den Auftrag gegeben, seine Romanmanuskripte zu verbrennen. Dies ist - glücklicherweise - nicht geschehen, im Gegenteil, "Amerika", "Der Prozess" und "Das Schloß" sind, noch mehr als die Kurzgeschichten, bis heute die Werke, auf denen Kafkas großer Name beruht.
In dieser Suhrkamp-Ausgabe haben wir also "Sämtliche Werke" Kafkas beisammen, verspricht zumindest der Name der vorliegenden Veröffentlichung. Über die Qualität der literarischen Arbeiten Franz Kafkas braucht zudem nicht diskutiert zu werden, auch eine Beschreibung des Kafkaschen Schreibstils oder einzelner, exemplarischer Werke ist an dieser Stelle nicht angezeigt. Vielmehr erscheint es notwenidg, einige Probleme dieser Taschenbuchausgabe "Sämtlicher Werke" Kafkas aufzuzeigen:
Zunächst ist da die Titelwahl ("Sämtliche Werke"), welche als irreführend zu betrachten ist. Was zählt zu den "Werken" eines Autors? Wenn man den Begriff streng und etwas naiv fasst, zählen nur die "fiktionalen", literarisch-erzählerischen Texte dazu. So gesehen dürften dann aber die "essayistischen und biographischen" Schriften und die Aphorismen nicht in einen solchen Band aufgenommen werden, was aber der Fall ist. Ein weiter gefasster Begriff - aus meiner Sicht nicht nur interessanter, sondern unbedingt notwendig und lobenswert - schließt tatsächlich sämtliche Schriften, also auch die (scheinbar) nicht-literarischen, ein. Dann müssen aber, wenn man von "Sämtlichen Werken" redet, alle hinterlassenen Schriften des Autors mit herein, also auch etwa die Tagebücher und die Briefwechsel, die übrigens stark mit den genuin "literarischen" Werken interagieren und deshalb unbedingt in die Ausgabe hereingehört hätten. So viel zum Titel und seiner irreführenden Natur bzw. der Unvollständigkeit der Ausgabe.
Zudem wird in der Darstellung der Texte zwar zwischen von Kafka autorisierten und veröffentlichen Texten auf der einen und von posthum aus dem nackten Manuskriptbefund heraus publizierten Texten unterschieden; jedoch wird die tatsächliche Natur der letztgenannten Schriften nicht wirklich deutlich gemacht. So laufen die drei unvollendet gebliebenen Romane einfach unter der Überschrift "Romane", ohne dass ihr fragmentarischer Charakter etwa durch einen kurzen Kommentar deutlich gemacht würde. Selbstverständlich kann und muss ein solches Taschenbuch nicht all das leisten, was von einer wissenschaftlichen oder gar einer historisch-kritischen Ausgabe zu erwarten wäre; trotzdem wäre etwas mehr Rücksicht auf den besonderen Charakter der nie von Kafka autorisierten oder veröffentlichten Romanversuche unbedingt geboten gewesen, da die vorliegende Darstellung die schlichtweg falsche und durch die Editionspraxis früherer Tage schon viel zu weit verbreitete Vorstellung, dass es sich bei Kafkas "Romanen" um in sich geschlossene Textgebilde klassischer Facon handle, weiter nährt.
Diese Kritikpunkte sollen nicht die gesamte Veröffentlichung in ein schlechtes Licht rücken; letztendlich ist es schon praktisch, so eine Vielzahl an Kafka-Texten zu einem sehr humanen Preis erwerben und dann zu hause griffbereit haben zu können. Auch soll die Legitimation der Veröffentlichung reiner Leseausgaben ohne tiefgreifenden wissenschaftlichen Anspruch nicht in Frage gestellt werden - im Gegenteil, es ist mehr als begrüßenswert, dass auf diese Weise hoffentlich mehr und mehr Menschen Zugang zu den Texten Franz Kafkas finden.
Wenn es jedoch um eine Entscheidung für oder gegen eine Kaufempfehlung geht, muss man doch eine klare Zielgruppenunterscheidung vornehmen:
Wer einen ersten Einblick in Kafkas Texte erhalten will, und das nicht nur an einem oder zwei, sondern an zahlreichen Beispielen, dem seien die "Sämtlichen Werke" des Suhrkamp-Verlages ebenso ans Herz gelegt, wie leselustigen Kafka-Kennern, die ein bisschen auf Entdeckungsreise gehen und mal schauen wollen, was der Mann denn neben den Dingen, die man schon kennt, noch so hervorgebracht hat.
Wer jedoch die intensive Auseinandersetzung mit einem der Texte größeren Formats sucht, sei es aus wissenschaftlichem oder rein privatem Interesse, der ist schon aus rein haptischen Gründen bei den Einzelausgaben besser aufgehoben, denn der etwas klobige Band mit seinen deutlich über 1000 Seiten lädt doch trotz des Taschenbuchformats nicht gerade zum konzentrierten Leseerlebnis ein, sondern hat mehr den Charakter eines Nachschlagewerks. So liegt das Ding nicht nur schwer in der Hand, sondern die recht eng beschriebenen Seiten sind auch kein Musterbeispiel für Leserfreundlichkeit.
Wer sich tatsächlich im Rahmen eines Studiums aus literaturwissenschaftlicher Perspektive mit Kafka beschäftigen will, der sei auf die kritische (zum Lesen) und die historisch-kritische Ausgabe (zum Arbeiten mit der authentischsten Abbildung der Kafka-Texte) verwiesen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 28, 2011 3:18 PM MEST


Come Away With Me
Come Away With Me
Wird angeboten von audiovideostar_2
Preis: EUR 6,15

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Süße Verführung über schwebendem Sound, 27. September 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Come Away With Me (Audio CD)
Norah Jones' vielleicht berühmtestes Album "Come Away with Me" ist für meine Ohren ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass Offenheit für Genres, die nicht unbedingt dem eigenen Musik-Profil entsprechen, zu Entdeckungen und positiven Überraschungen führen kann, die man sonst am Wegesrand hätte liegen lassen. Als Fan gitarrenlastiger Rockmusik schien mir der jazzig instrumentierte Soft-Pop der Norah Jones im Radio zwar immer hörenswert, doch eigentlich zu seicht für ein bewusst gewähltes Hören, geschweige denn einen Kauf einer ihrer CDs. Doch, wie sollte es anders sein, über meine Liebste gelangte dieses Album der Ravi Shankar-Tochter doch in meinen CD-Player, und siehe da: nach mehrmaligem Hören bleiben sowohl die von ihr gekonnt gecoverten Jazz-Klassiker wie auch ihre Eigenkompositionen trotz ihrer raschen Eingängigkeit immer noch angenehm und gekonnt genug eingespielt und produziert, um einen bleibenden Eindruck auch über Albumdistanz zu hinterlassen. Der Schmelz ihrer Stimme, ihr minimalistisches Klavierspiel und die unaufdringliche Begleitband im jazzig-soften Stil - das alles hat schon was. Norah Jones transportiert mit ihrer Musik eine unheimliche Wärme, eine Entspanntheit, ja ein Schweben über den Dingen, das sich auf den aufmerksamen Hörer durchaus überträgt. Natürlich innoviert sie nicht sonderlich, und hier in irgendeiner Form von Jazz zu reden wäre völlig unzutreffend; doch dieses gewisse Feeling, das die gebrochenen Klavierakkorde, der Kontrobass und diese ganze musikalische Schweberei hier erzeugen, das klingt schon nach einem verträumten Abend in einem rauchigen Jazzclub bei einem Glas Rotwein - einfach schön, auch für zu hause. Ich würde sagen, Norah Jones macht Jazz für Leute, die keinen Jazz mögen. Hier braucht man keine ebenso atem- und endlosen wie wenig eingängigen Instrumentalsoli zu fürchten und erhält trotzdem diesen stilvollen Sound, den man aus diesem hochanspruchsvollen Genre auch als Pop/Rock-Fan kennt und schätzt.
Was mir persönlich an der Scheibe fehlt, ist die eigenständige Qualität der Songs: Für mich läuft das Ganze - mit Ausnahme des herausragenden Titelsongs, bei dem Jones das "Come Away with Me" einfach so verführerisch ins Mikro haucht, dass man ihr einfach nur folgen will - ziemlich auf einer Linie von vorne nach hinten runter, immer angenehm, immer hörenswert, aber selten herausragend was die Qualität von Einzelsongs betrifft. Da tut sich für mich ein Problem auf, dass im popularmusikalischen Bereich so relativ selten zu beobachten ist: Hier sind nicht ein, zwei tolle Single-Hits von Füllmaterial umgeben, sondern einem sehr geschlossenen wirkenden Album fehlen die Highlights, für die man die CD dann auch mal herausholen würde, wenn man nur zwei, drei Top-Songs nochmal nachhören will.
Insgesamt hat mich "Come Away with Me" jedoch positiv überrascht. Der Titelsong lädt zum Träumen ein, und der Rest des Albums nimmt den Schwung mit und entführt den Hörer in eine warme, sanfte, wohlige Klangwelt, die einen nicht total vom Hocker reißt, aber einige angenehme Stunden, mit oder ohne Kerzenschein, vor der heimischen Musikanlage bereiten kann - von mir gibt es 3 Sterne für das Album als Gesamtheit, und ein vierter für den Titeltrack und die atemberaubende Interpretin!


Wonderful Life
Wonderful Life
Wird angeboten von Schöne_Klang_Juwelen
Preis: EUR 9,98

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolle Newcomer aus Manchester, 26. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Wonderful Life (Audio CD)
Das Cover dieser Debütsingle des Duos Hurts aus Manchester ist Programm: Der Song erzählt in einfühlsamer Manier die Geschichte eines angehenden Selbstmörders, der sich in letzter Sekunde doch noch von der Liebe - hier personifiziert durch die bereits im ersten Vers eingeführte Figur "Suzie" - erretten lässt. Allein diese Geschichte, die hier erzählt wird, macht den Song "Wonderful Life" schon liebenswert, denn wie viele Radio-Hits gibt es schon, die eine solch ernsthafte Thematik auf eine so angemessene und mitreißende Weise erzählen wie dieser - und das auch noch mit einer äußerst kraftvollen Komposition zu verbinden wissen? Musikalisch gesehen weist der Song eine klassische Strophe-Refrain-Endlosschleifenstruktur auf, die das Ganze unheimlich eingängig und hörenswert macht. Dabei fällt besonders der elektronisch geprägte Sound auf, der das Stück als eine Reminiszenz an die 80er mit ihren Synthie-Sounds erscheinen lässt. Was das Ganze über den bereits erwähnten, großartigen Text hinaus auch auf rein musikalischer Ebene vor jeglicher Pop-Banalität bewahrt, ist die außergewöhnliche Mixtur aus den zuvor beschriebenen Elektro-Pop-Stilmitteln und einer (natürlich grandios dem Text angepassten) bittersüßen Melancholie der Melodieführung. Parallel dazu lässt sich auch die stimmliche Leistung des Sängers Theo Hutchcraft beschreiben: sehr dynamisch in der Phrasierung, aber trotzdem höchst verletztlich kommen seine Zeilen daher. Hurts sind mit "Wonderful Life" ein Lichtblick für die singleorientierte Pop-Musik, die mit textlicher Qualität und einem einfach super gelungenen Elektro-Pop-Refrain so richtig einheizen, und das Ganze auch noch mit emotionalem Tiefgang verbinden: Chapeau!


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