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Rezensionen verfasst von
Michael Schäfer "Kaká" (Dortmund, NRW)

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5.0 von 5 Sternen Formvollendet, 26. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: () (Audio CD)
Das titellose und im wunderschönen, schneeweißen Design gehaltene dritte von insgesamt fünf regulären Sigur Ros-Studioalben ist ein traumhaftes, melancholisch-verträumtes Klanggemälde, das in zwei Hälften die zwei Grundstimmungen, die die Musik dieser tollen Band prägen, in formvollendeter Manier darstellt. Die ersten vier Tracks sind dabei von heller, zuerst ruhiger, dann überschwenglicher Natur, mit tollen, hellen Klavierpassagen, groß angelegten Streicher-Arrangements und Jonsi Birgissons Falsett-Stimme, die teilweise fast an Walgesänge erinnert, insgesamt getragen von einer sehr positiv aufzufassenden, nordischen Melancholie und großer Liebe für einfache und eingängige Melodien in traumhaften Klanggewändern. Die letzten vier Tracks hingegen - die übrigens von einer 30-sekündigen Zäsur in sehr sprechender Weise von den ersten vier Tracks abgegrenzt werden - sind eher düster gehalten; Birgissons mit dem Cello-Bogen gespielte Gitarre beschwört den nokturnen Charakter des Vorgängeralbums "Agaetis byrjun" herauf (während die hellen Arrangements der ersten Album-Hälfte die Stimmugn des großartig-überschwänglichen Nachfolgeralbums "Takk" vorwegnehmen), die Songs werden länger, sehr spannungsreich, aber kulminieren nicht so zielgerichtet in überschwänglichen Streichereruptionen, sondern verbleiben eher auf einem konstanten Spannungsniveau, was sie etwas weniger zugänglich macht und an ein, zwei Stellen sogar etwas langatmig wirken mag - was aber die Gesamtqualität dieses wunderschönen Albums nicht schmälern kann. Zwischen den bereits erwähnten zwei Highlights der Band-Geschichte hat es dieses Album trotzdem manchmal schwer, aus dem Back-Katalog heraus nochmal die Aufmerksamkeit geneigter Hörer zu gewinnen - durchaus zu unrecht, wenn man nochmal und nochmal reinhört, wird man immer wieder neue klangliche Details entdecken, die das Bild von "( )" als dem vielleicht komplettesten Sigur Ros-Album mit zunehmendem Nachdruck zu bestätigen vermögen.


Stromberg - Staffel 2 [2 DVDs]
Stromberg - Staffel 2 [2 DVDs]
DVD ~ Christoph Maria Herbst
Wird angeboten von nagiry
Preis: EUR 8,10

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Strombergs Aussetzer in dieser Staffel sind eine Spur zu heftig!, 26. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Stromberg - Staffel 2 [2 DVDs] (DVD)
Ich bin per Zufall über die Staffeln 3 und 1 (in dieser Reihenfolge) zum Stromberg-Fan geworden und habe deshalb erst recht spät diese zweite Staffel angesehen - und kann mein rundum positives Urteil zu den "umschließenden" Staffeln nicht ganz auf diese 10 Folgen übertragen. Klar, die meisten allseits bekannten und beliebten Elemente, die Stromberg zu einer ebenso bösartigen wie tief-melancholischen Serie machen, die dennoch vor Lachern strotzt, sind auch in Staffel 2 vorhanden - Christoph Maria Herbsts unglaubliche, einzigartige Art, mit der Kamera zu spielen, seine Pseudo-Interviews mit politisch inkorrekten und sprachlich so wunderbar kruden Sprüchen zu füllen, und Bjarne Mädels Performance als überengagierter und nie erwachsen gewordener Soziopath Ernie sind wie immer als die beiden überragenden Bestandteile der Einzigartigkeit dieser Serie zu nennen. Mehr ins Detail braucht man gar nicht zu gehen, da über diese Serie in den letzten Jahren schon so viel Lob ausgeschüttet wurde, dass es für den Rest des 21. Jahrhunderts ausreichen sollte. Also wende ich mich lieber dem kleinen Kritikpunkt zu, den ich mit Hinblick auf Staffel 2 sehe und der das Ganze für mich zu einem etwas zweifelhafteren Vergnügen macht als Staffeln 1 und 3: Anders als in letzteren sind Strombergs Intrigen und Bösartigkeiten in Staffel 2 von so frappierender und zum Himmel schreiender Natur, so von für alle Beteiligten ungefiltert sichtbarer Erbärmlichkeit gekennzeichnet, dass es einfach nicht mehr plausibel erscheint, dass dieser Mann überhaupt noch in irgendeiner Form immer wieder doch für diese Firma arbeiten darf. Klar, genau diese Dinge, die er sich immer wieder erlaubt, machen den Reiz der Sendung aus, und in Staffel 1 und 3 sind seine Intrigen mitunter sogar folgenreicher für einzelne Menschen als in der 2. (ich sage nur Röchel-Hilpers oder Erika), aber all diese Dinge sind viel stärker in die Arbeitsprozesse der Capitol-Versicherung eingebunden und haben somit einen viel subtileren und weniger durchsichtigen Charakter. In Staffel 2 sind Strombergs Aussetzer nicht nur immer öffentlich, sondern auch immer mit seiner Persönlichkeit als Privatmensch verknüpft, sodass es jeder sofort sehen und durchschauen kann, was für ein erbärmlicher Mensch er ist: Er behandelt seine Frau vor den Augen aller Mitarbeiter wie ein Stück Sch... und lässt am Ende des Abends völlig besoffen die Hosen runter, er begeht mehrere Fälle von sexueller Belästigung und wohnt mitunter tagelang im Büro. Der - bei Stromberg immer mitschwingende und zumeist durchaus reizvolle - Faktor "Fremdschämen" steigert sich in Staffel 2 teilweise dermaßen ins Unermessliche, dass man echt nicht mehr lachen kann, ja dass man kaum hinkucken mag. Meiner Meinung nach wurde in dieser Hinsicht etwas übertrieben. Abgesehen davon ist die Serie super, sicherlich das beste deutsche Comedy-Format überhaupt, mit tollen Schauspielern, einem überaus intelligenten und bösartigen Humor und vielen Momenten, die durchaus zum ernsthaften Nachdenken anregen und zusammen mit den humoristischen Elementen ein überaus überzeugendes Gesamtbild abliefern.


Helge Schneider Edition (4 DVDs)
Helge Schneider Edition (4 DVDs)
DVD ~ Helge Schneider

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Helges Filme, 26. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Helge Schneider Edition (4 DVDs) (DVD)
Helge Schneiders filmisches Gesamtwerk beläuft sich - wenn man leidiglich diejenigen Filme betrachtet, bei denen er selbst Regie geführt und sich alles selbst ausgedacht hat - auf 4 Werke aus den 90ern und 2000ern, die in ihrer Art einzigartig sind und den spezifischen, besonders aus den Bühnenauftritten Schneiders bekannten Humor des Mülheimer Multitalents genial auf die Leinwand gebracht haben. Die Filme funktionieren - vergröbert formuliert - auf zwei Ebenen: Erstens auf Ebene der Darstellung der tiefsinnigen Albernheiten und Absurditäten Schneiders und seiner größtenteils ebenbürtigen Mitstreiter, zweitens auf Ebene der Parodie des Mediums Film im Allgemeinen und der persiflierten Filmgattungen in ihren Eigenheiten und Genrekonventionen im Speziellen. Ob Pseudo-Western "Texas", Krimi "00 Schneider", oder die "Sozialstudien" "Praxis Dr. Hasenbein" und "Jazzclub" - jede Gattung wird aus den Angeln gehoben, indem typische Elemente solcher Filme radikal unterlaufen oder auch übererfüllt werden. So machen die Filme Helges schonungslos auf die Künstlichkeit des Mediums Film und der verschiedenen beliebten Genres aufmerksam und sorgen so - je nach Verständnis des Schneiderschen Humors - für ungezügelte Lachanfälle oder Kopfschütteln. Ich denke, auch als oberster Schneider-Fan sollte man Interessierten vor einem eventuellen Kauf dieser tollen und dazu kostengünstigen DVD-Box mit auf den Weg geben, dass man von sehr großer Offenheit für den radikalen parodistischen Charakter der Werke Helge Schneiders sein muss, um diese Filme, wenn nicht zu "verstehen", so doch lieben lernen zu können. Wer beim Film "tatsächliche" Spannung, Tiefe der Charaktere oder möglichst realitätsnahe Darstellungen von Personen etc. sucht, ist hier falsch; man muss Lust haben auf Experimentierfreude, auf Peinlichkeiten und Absurditäten, die hintersinnig Konventionen und die Sicht der Mehrheit auf die Welt des Films infrage stellen.
Auch wenn es hier nicht anezeigt erscheint, jeden einzelnen der 4 Filme der DVD-Box en detail zu besprechen, so sollte man sich doch zumindest kurz den wichtigsten Vorzügen und Nachteilen der 4 Machwerke Schneiders widmen: "Texas" ist der erste Film Schneiders; man sieht Helge als Outlaw durchs Sauerland reiten und sämtliche Westernklischees werden bedient, mitsamt Steckbriefen des gesuchten Postkutschenräubers, einem überforderten Sheriff, einer aufgeregten Dorfgemeinschaft, die sich gerne im örtlichen Pub besäuft, und einer Hinrichtung am Galgen! Dass zwichendurch auf einmal der Kommissar Schneider auftaucht, um sich mit den dort geschehenen Verbrechen zu befassen, sagt alles über den Grad der Experimentierfreude in diesem Film aus.
"00 Schneider" nimmt sich dagegen etwas, wenn man so will, "geradliniger" aus und erzählt die Geschichte der Jagd des Kommissars und seines so wunderbar tattrigen, mindestens 85jährigen Assistenen Helmut Körschgen nach dem Mörder Nihil Baxter (Helge in der Doppelrolle), die vor Lächerlichkeit zum Himmel schreit, aber doch relativ "verfolgbar" ist. Unglaublich gut sind die Dialoge zwischen den Hauptpersonen, zum Wegschmeißen.
"Praxis Dr. Hasenbein" fällt insgesamt etwas ab. Dieser Film schildert das Leben des Arztes Dr. Angelika Hasenbein (Helge) mit seinem (mindestens 60jährigen) Sohn. Spitze sind letztgenannter, völlig absurder Umstand, der unhinterfragt von allen Filmcharakteren hingenommen wird, sowie die grenzdebilen Dialoge zwischen Helge und dem Tabakwarenverkäufer. Im späteren Verlauf plätschert der Film allerdings etwas dahin, was auch Helge in seinem Audiokommentar bemängelt und deswegen nach 20 Minuten mit diesem aufhört (bei den anderen Filmen zieht er's durch, sehr interessant, ihn mal ernsthaft von den Dreharbeiten und so sprechen zu hören - Helge als ernsthafter Erzähler hat so etwas ungemein angenehmes und wohlwollendes in seiner Stimme und Sprechweise, echt ein Klasse-Typ).
"Jazzclub", der (leider) bislang letzte Helge-Film, ist der musikalischste; es geht um Teddy Schu, einen Hobby-Jazzer, der zusammen mit seinen Freunden jeden Abend in einem immer leeren Jazzclub spielt und ansosnten rund um die Uhr arbeitet: nachts Zeitungen austragen (nasser Klumpatsch!), tagsüber FIsche verkaufen (und fangen!), nachmittags als Gigolo für ältliche Damen unter dem Künstlernamen "Rodriguez Faszanatas". Das ist ungemein lustig, dieser übertrieben gutmütige Typ, der alles mit sich machen lässt, nur um abends Jazz machen zu dürfen, aber auch deutlich melancholischer und mit einer ernsthafteren Note als die anderen drei Filme.
Insgesamt kann man sagen, dass diese DVD-Box eine ungemein lohnenswerte Anschaffung darstellt: Alle 4 Helge-Filme zum unheimlich günstigen Preis - geballter Humor, hintersinnige Kunstkritik und immer wieder geistreiche Momente und großartige alternative Schauspielerei en masse!


Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalust
Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalust
Preis: EUR 10,98

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endorphine pur!, 24. August 2011
Wenn man aufgrund mehrerer großartiger Veröffentlichungen zum Fan einer Band geworden ist, sind Neuveröffentlichungen immer gleichzeitig Grund zu großer Freude wie auch zur Skepsis, on das Niveau der Vorgänger, die einen so sehr überzeugt hatten, gehalten werden kann. Obwohl man weiß, dass eine Weiterentwicklung immer mehr wert ist als eine bloße Variation über das bereits Vorhandene, wünscht man sich doch unbewusst allzu oft letzteres herbei, vor allem bei Bands, deren Vorwerke man sehr in sein Herz geschlossen hatte. So darf es nicht verwundern, wenn einige - ich selbst zunächst auch - "Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalust" zunächst als befremdend, weil um so vieles fröhlicher, scheinbar seichter und weniger spannungsreich erlebt haben als die großartigen Vorgänger "Agaetis Byrjun", "( )" und "Takk". Erst jetzt, nunmehr vier Jahre nach Erscheinen, kann ich dieses wunderbare Album richtig einordnen und würdigen. Wie wunderbar sanft der Sound der zumeist akustisch gehaltenen Gitarren mit dem Klavier harmoniert und zahlreiche traumhaft-melancholische, aber auch temporeiche und fröhliche Songs trägt - das ist einfach allerhöchstes Niveau. Bereits der beschwingte Wikinger-Tanz "Gobbeldigook" weist die Richtung zum Auftakt, ehe "Inni mer syngur vitteysingur" ("In mir singt ein Narr") als mitreißende, enthusiastische Nummer bereits ein absolutes Highlight des Albums darstellt. In diese Kategorie - packend, euphorisch, großartig - gehören auch "Vid spilum endalust" ("Wir spielen unendlich") und der instrumentale B-Teil des zunächst extrem getragenen "Festival". Gleiches Niveau in der Sparte sommerlich-melancholisch erreichen "Gotan daqiunn" ("Guten Morgen"), "Med sud i eyrum" ("Mit einem Summen im Ohr") und überhaupt alle Songs der zweiten Albumhälfte; zumeist sind es hierbei die einprägsamen Piano-Läufe und/oder Gitarren-Arpeggios, die Jonsi Birgissons auf diesem Album selten in die luftigen Höhen seines gewohnten Falsetts vordringenden, wunderbar besänftigenden, aber an den richtigen Stellen auch richtig nach vorne preschenden Gesang umschmeicheln. Mit dem Schlusstrack "All alright", bei dem es dann nochmal sehr getragen zugeht, trauen sich die Isländer dann auch mal die englische Sprache zu.
Fazit: Nach anfänglicher Skepsis ob des Sounds, der sich etwas von den geliebten Sigur Ros-Alleinstellungsmerkmalen der früheren Alben wegbewegt (perlende Akustikgitarren statt dröhnendem E-Bow/Cellobogen auf verzerrter E-Gitarre, klassisches Pianoforte statt sphärischen Orgel- und Keyboardteppichen, ruhiger, folkiger Gesang statt extraterrestrischer Falsett-Attacken), entpuppt sich "Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalust" als besonderes Meisterwerk, weil es zeigt, wie gut Sigur Ros es mittlerweile verstehen, jenseits der Überraschungseffekte ihres ureigenen Sounds Songstrukturen zu erschaffen, die auch in vergleichsweise konventionellem und gemäßigtem Sound-Gewand genau so zu überzeugen wissen wie ihre Vorgänger. Besonders die erste Albumhälfte macht mit ihrer Euphorie süchtig und setzt Endorphine en masse frei, während man die ruhige zweite Hälfte am liebsten einen ganzen sanften Sommernachmittag lang erklingen lassen würde. "Vid spilum endalust" halt!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 13, 2013 2:19 AM MEST


Takk-Standard ed.
Takk-Standard ed.
Preis: EUR 12,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wahnsinn!, 23. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Takk-Standard ed. (Audio CD)
Es war nicht unbedingt zu erwarten, dass die Geheimfavoriten geschmackssicherer Rock-Fans aus Island ihr herausragendes zweites Album "Agaetis byrjun" jemals übertreffen würden.
Zu faszinierend waren die melancholischen Melodien und die düster-verträumten Klanggebilde, die in so mitreißender Manier in ausschweifende rockige Klangattacken mündeten.
Doch nun ist "Takk" auf dem Markt und man stellt fest, dass dieses Album durchaus an die Qualität von "Agaetis byrjun" heranreicht. Dabei ist das oben beschriebene Rezept der Band ähnlich geblieben. Faszinierende Melodien, die uns in unserem Kopfe in weite Landschaften und wundervolle Tagträume entführen, werden äußerst kraftvoll in Szene gesetzt, enorm laut und kraftvoll, und trotzdem sanft, mit mitreißenden Dynamikwechseln und kontrastreichen Sounds, von sanften Geigen und Klavierklängen hin zu einem brachialen Schlagzeug-Sound, einem wahren Monster-Bass. Über allem schwebt der extraterrestrisch anmutende Falsett-Gesang von Jonsi Birgisson, der mal wieder so wunderschöne Melodielinien erzeugt, dass man nur vor Bewunderung den Hut ziehen kann.
Im Vergleich zu "Agaetis byrjun" wirkt "Takk" etwas leichter und fröhlicher. Immer noch melancholisch und auch immer noch düster, entführt das neue Album jedoch eher in Szenerien, die sich bei Sonnenaufgang abspielen. Dieses Plus an Leichtigkeit und Minus an Dunkelheit wird vor allem dadurch erreicht, dass das Klavier und die Streicher die dominanten Rollen von Orgel und Cellobogen-Gitarre übernehmen.
Die einzelnen Songs der Isländer sind dabei hervorragend wie immer. Mit "Glosoli" liefert die Band sofort ein absolutes Highlight: Eine eingängige Bass-Linie bietet die Grundlage für einen Song, der von der Rhythmus-Abteilung nach und nach mit einem Zuwachs an Dramatik versehen wird, bis er sich in einer wunderschönen, brachialen Klangcollage verliert, die mehr als Gänsehaut erregend ist.
Mit "Hoppipolla" und "Meo Blodnasir" folgen zwei melodiöse Songs mit viel Streichereinsatz, bevor mit "Se Lest" eine zugegebenermaßen recht schwer zugängliche Klangcollage geliefert wird. Umso genialer und vom ersten Moment an überzeugender wirkt dafür "Saeglopur": Jonsis herausragende gesangliche Melodieführung sowie ein super-kraftvolles Arrangement über ein gefälliges und hochdramatisch anmutendes Piano-Riff sorgen für einen herausragenden Sigur-Ros-Titel.
Ähnliches gilt für das zunächst ruhig beginnende, aber mit einem umso packenderen Refrain versehene "Milano".
Mit "Gong" folgt ein weiterer herausragender Titel, der von einem sehr schönen Gitarrenpicking, einer exzellenten Schlagzeuger-Leistung und einem wieder mal glänzend aufgelegten Sänger zu dem wahrscheinlich besten Titel des Albums gemacht wird. Die etwas unauffälligeren letzten drei Tracks "Andvari", "Svo Hljott" und "Heysatan" runden das Album in ruhiger Manier ab.
Mit "Takk" ist Sigur Ros das wahrscheinlich beste Rock-Album des Jahres 2005 gelungen. Auch bei uns führt die isländische Band noch eher das Dasein eines Inisdertipps für musikalisch und künstlerisch sehr interessierte Hörer, jedoch hat die Qualität der Songs dieser Gruppe, wie der Erfolg von Sigur Ros in den USA beweist, viel mehr Potenital.
Mit "Takk" haben sich Sigur Ros eindeutig im Kreis der überragenden Rockbands dieser Welt etabliert, da sie die auf ihrem erfolgreichsten Album präsentierten Stärken klar bestätigen konnten.


The Adventures of Rain Dance Maggie (Limitierte Edition inkl. Aufkleber)
The Adventures of Rain Dance Maggie (Limitierte Edition inkl. Aufkleber)
Wird angeboten von Founders Factory JPN4DE
Preis: EUR 10,31

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Aufhören!, 23. August 2011
Nein, so nicht. Als ich hörte, dass John Frusciante die Chili Peppers verlässt, war mir klar, dass man die Band nun vergessen kann. Als ich dann hörte, dass sein Kumpel Josh Klinghoffer ihn ersetzen würde, der mit Johnny zusammen seine großartigen Soloplatten eingespielt hat, hatte ich doch wieder Hoffnung - doch vergebens. Diese neue Single plätschert saftlos und kraftlos dahin, Anthonys Gesangsmelodie ist noch viel ideenloser, als es sich auf dem schönen, aber viel zu langen Vorgänger-Doppelalbum "Stadium Arcadium" auf einigen Tracks schon andeutete, und kein Gitarrensolo von Johnny in Sicht, um die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Schade, als großer Fan der Band, aber vor allem von Frusciantes Solo-Werk, kann ich nur noch feststellen, dass die Peppers wohl ihren Reiz für den etwas anspruchsvolleren Rock-Fan verloren haben. Ich werde mir das neue Album sicherlich nicht kaufen, wenn dieser Song repräsentativ dafür sein soll. Da warten wir lieber ab, ob Johnny sich nochmal zu einem tollen weiteren Solo-Projekt entschließt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 26, 2011 2:37 PM MEST


Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas. Bekenntnisse eines Heiratsschwindlers
Die Memoiren des Rodriguez Faszanatas. Bekenntnisse eines Heiratsschwindlers
von Helge Schneider
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der nächste Geniestreich, 31. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Helge Schneider hat sich ja schon an die Parodie vieler literarischer Genres gewagt: Nach zahlreichen Krimis, Biographien und zuletzt seinem genialen "Expeditionsroman", nimmt sich Helge mit den "Memoiren des Rodriguez Faszanatas" nun einen im biographischen Duktus einer "Lebensbeichte" verfassten "Picaro"-Roman vor, also einen Text über einen (mal wieder) gesellschaftlichen Außenseiter, der diesmal aber ein Trickser, ein Betrüger ist, der sich windig und lustig zugleich zu einem exklusiven Lebensstil verhilft. Es handelt sich um Rodriguez Faszanatas, einen der größten Heiratsschwindler, dem es mit Charme und Selbstvertrauen immer wieder gelingt, die Herzen reicher, zumeist ältlicher Damen zu erobern, und diese dann nach allen Regeln der Kunst "auszuziehen"; aber nur finanziell, denn der Running-Gag von der sexuellen Abstinenz, der bereits den Expeditionsroman "Globus Dei" durchzogen hat, er findet sich hier wieder. Der Herr Faszanatas kriegt sie alle, und zwar ganz ohne Sex. Nur einmal wird er mit vorgehaltener Pistole zum Beischlaf gezwungen"; überdeutlich ist an dieser Stelle dem geneigten Helge-Leser, wie der Humor dieses Schriftstellers auch hier in gewohnter Weise funktioniert, ohne sich dabei je abzunutzen.
Das schöne an dem Heiratsschwindlermotiv ist die Tatsache, dass es den Stärken des Schneiderschen Schreibens, nämlich dem episodenhaften Aneinanderreihen nur lose zusammenhängender, filmsequenzartiger Episoden voller Absurditäten und regelrechten sprachlichen Slapstickeinlagen enorm entgegenkommt. So erzählen die "Bekenntnisse eines Heiratsschwindlers", trotz des Einstiegs im Kindesalter es Ich-Erzählers, keine stringente Lebensgeschichte, sondern sie funktionieren als einzelne, zumeist voneinander isolierte "Bekenntnisse" all der Frauengeschichten, die dieser Rodriguez Faszanatas so auf dem Kasten hat. Der ganz spezielle Humor dieser Episoden speist sich aus verschiedenen Quellen: Erstens entwickeln sich bestimmte Motive zu regelrechten Running-Gags, auf die man beim Lesen/Hören geradezu wartet, um angesichts der Erwartbarkeit dieser Dinge dann doch umso überraschter zu sein, wenn der Text sie dann liefert; hierzu zählen das (angebliche) Einhalten sexueller Abstinenz bei den Verführungsaktionen, die (angebliche) Siegesgewissheit des Erzählenden bei all seinen Vorhaben und ähnliche charakteristische erzählerische Momente. Zweitens glänzen die Schilderungen all der schwer reichen, verwöhnten, teils naiven, teils kühl berechnenden Frauen, die Rodriguez Faszanatas zu seinem eigenen Vorteil aufs Kreuz legt, mit dieser großartigen Mischung aus totaler Überzeichnung und Karikierung auf der einen, sowie großer empfundener Realitätsnähe auf der anderen Seite. Auch wenn man selbst kein Heiratsschwindler ist, diese Frauen-"Typen" hat man alle so oder so ähnlich schon mal irgendwo gesehen oder getroffen. Drittens, und hier unterschätzen Helge Schneider viele aus einem Vorurteil heraus, ist das Ganze nicht immer nur albern, sondern an vielen Stellen auch nachdenklich, melancholisch und gedankenreich, wenn auch nie ohne das nötige Augenzwinkern. Die vielen Schicksalsschläge, die Rodriguez im Laufe seiner "Karriere" erleidet, sein immer wieder aufblitzendes schlechtes Gewissen gegenüber den Frauen, denen er übel mitspielt, sein Stolz, wenn er auf eine große Erfolgsaussicht aus persönlichem Ekel vor einer korrumpierten Frau verzichtet - all das enthält eben ein Maß an Ernsthaftigkeit, das man nicht vernachlässigen sollte, wenn man auch den humoristischen Faktor hier am höchsten zu werten hat.
Alles in allem ist Helge Schneider mit den "Bekenntnissen eines Heiratsschwindler" ein weiterer seiner zahlreichen literarischen Geniestreiche gelungen; ein Picaro-Roman, eine Reihung witziger Episoden, ein Kaleidoskop absurd anmutender Erlebnisse und melancholisch-gedankenreicher Reflexionen über das Leben am Rande und mitten in der Gesellschaft. Und das alles ohne Sex! ;-)


Satan loco: Roman (KiWi)
Satan loco: Roman (KiWi)
von Helge Schneider
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kommissar Schneiders 6. Fall - der erste ohne Tat, 31. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Satan loco: Roman (KiWi) (Taschenbuch)
Da die Polizei nach wie vor nicht auf ihn verzichten kann, weil er so gut ist, schickt Helge Schneider seinen gleichnamigen Kommissar ein sechstes Mal ins Rennen. Nach so langer Zeit könnte man eine erzwungene Rückkehr zu einer altgedienten Figur befürchten, doch weit gefehlt: Helge gelingt - mal wieder - ein echtes Husarenstück. Schneiders Roman sind ja allesamt Genreparodien, die Gattungskonventionen mit brachialer Gewalt aufbrechen und infrage stellen. Man hätte denken können, dass die 5 Vorgängerkrimis dies in Bezug auf dieses doch oft in starren Grenzen verharrende Genre bereits bis zum Letzten geleistet hätten. Doch auch dies ist ein Irrtum, Helge führt den Krimi nun in ultimativer Weise ad absurdum, indem er seinen Kommissar ermitteln lässt, obwohl es keinen Täter, kein Opfer, ja einfach gar keinen Fall gibt. Der Kommissar reist einfach mal nach Mallorca, wo seine Tochter auf einen angeblichen Modefotographen, den fiesen Jeremy, hereingefallen ist, und weil er auf den so wütend ist, beginnt er mal drauf los zu ermitteln. Parallel dazu erzählt der Roman die Geschichte eines gewalttätigen, aber gutmütigen Motorradaussteigers (Satan Loco eben, eine dieser Schneider-typischen, ambivalenten Außenseiterfiguren in der Tradition des Diogenes von Sinope), und seines besten Freundes, eines Pumas (natürlich ist dieses Tier die einzige Figur, die charakterlich noch integerer ist als der einsame Wolf Satan Loco). Und so ermittelt der Kommissar einfach mal drauf los, die Geschichte erzählt auch, wie man das bei Helges Romanen kennt, einfach mal zusammenhanglos und episodenhaft drauf los, gespickt mit irrwitzigen Zwischenfällen, bei denen man aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt ' und am Ende treffen dann die Geschichten der drei Hauptfiguren (des Kommissars Schneider, Satan Loco und des fiesen Jeremy) in so konstruiert-zufälliger Weise zusammen, dass man darin nur eine spöttische Parodie der oft so krude zurechtgebogenen Handlungen typischer Kriminal- und Detektivgeschichten sehen kann. Natürlich ist es letztendlich nur dem Einschreiten des Kommissars überhaupt zu verdanken, dass erst das Verbrechen Einzug in diese Geschichte erhält, wenn er auch selbst längst nicht mehr so gewalttätig auftritt wie in den ersten Kommissar-Schneider-Krimis. Vielmehr werden die Tendenzen aus 'Aprikose, Banane, Erdbeer' aufgegriffen und weitergeführt: Es sind der Zufall, die oft unglücklichen äußeren Umstände, die die Aussteigerfiguren der jüngeren Schneider-Romane zu Verbrechern, ja zu Mördern machen. So erhält auch 'Satan Loco', ganz wie sein Krimi-Vorgänger, eine überaus nachdenkliche Note, wenn auch der krude Humor Schneiders selbstverständlich immerfort überwiegt. Bemerkenswert ist dabei, wie nah Schneiders Roman an hochaktuellen Diskursen dran ist, die die gesellschaftlichen und medialen Diskussionen prägen. Auf diese Weise ist 'Satan Loco' mal wieder ein äußerst rundes, gelungenes Werk Schneiders geworden, das zugleich überrascht und auch auf bewährte Muster Schneiderschen Humors zurückgreift. Sein Projekt, die Gattungskonventionen des Krimi auf möglichst schonungslose Weise bloßzulegen, dürfte mit diesem ganz neuen Niveau der Genreparodie, des Krimis völlig ohne Fall, Täter und Opfer, nun aber abgeschlossen sein, sodass aus meiner Sicht leider vorerst kein neuer Kommissar Schneider-Roman zu erwarten sein dürfte. Mal sehen, was sich der Meister der Genreparodie als nächstes einfallen lässt.


Every Teardrop Is a Waterfall
Every Teardrop Is a Waterfall
Wird angeboten von Side Two
Preis: EUR 8,44

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vorgezogene Single-Auskopplung, 14. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Every Teardrop Is a Waterfall (Audio CD)
Ich denke, dass Coldplay gut daran tun, sich mehr und mehr für temporeiche und durchaus fröhlich anmutende Melodielinien und Songs zu öffnen, und sich nicht immer wieder auf ihr Image als melancholischte Rockband der Welt zu berufen. Sicher, genau das hat sie groß gemacht, und vermutlich wird "A Rush of Blood to the Head" gerade dadurch immer ihr Top-Album bleiben, aber schon auf "Viva La Vida" aus dem Jahr 2008 ging es doch auch erfolgreich in andere Richtungen. Mit "Every Teardrop is a Waterfall" unterstreichen sie diese Entwicklung nochmal. Die Nummer ist schwungvoll, ja richtiggehend tanzbar, und verliert für mich dabei dennoch nicht diese gewisse Ernsthaftigkeit und Erhabenheit, die vor allem Chris Martins Stimme, aber auch den Gesamtsound der Band so unverwechselbar machen. Von daher kann man in gespannter Erwartung auf ein großartiges neues Album der Engländer hoffen.
Was mir an dieser Veröffentlichung jedoch, ganz unabhängig von der musikalischen Qualität dieses Songs, nicht gefällt, ist ihr Zeitpunkt. Lange vor dem noch nicht feststehenden Erscheinungsdatum des Albums eine Single vorauszuschicken hat für mich den Anschein von Geldmacherei - denn ganz ehrlich, Coldplay-Fans sind albumorientiert und brauchen die Single-Auskopplungen normalerweise nicht zwingend zu kaufen (die sind ja strategisch eher fürs Airplay bei den Radio-Stationen wichtig). Dass man dann jedoch durch die lange Wartezeit dazu "verführt" werden soll, vorab schonmal die Single zu kaufen, was man bei einem normal zusammenfallenden Veröffentlichungstermin von Album und erster Single gar nicht tun würde, muss aus meiner Sicht nicht sein. Man sollte also als (zurecht) ungeduldiger Fan Mittel und Wege finden, sich den Song anderweitig zu Gemüte zu führen, um dann beim Album umso schneller und begeisterter zuzuschlagen. Wer jedoch gern Singles sammelt, kann hier natürlich ebenso bedenkenlos direkt zuschlagen - der Song hat's auf jeden Fall verdient!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 11, 2011 1:59 PM MEST


Wasting Light
Wasting Light
Preis: EUR 6,66

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bislang das Album des Jahres, 14. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wasting Light (Audio CD)
"Wasting Light" ist genau das, was wir in diesem Jahr der Foo Fighters-Welttournee gebraucht haben: nicht einfach nur ein gutes neues Album, sondern ein richtiger Kracher mit echtem Garagenrock (tatsächlich direkt aus Dave's Garage, wie das Booklet verspricht). Und genau in dieser Charakteristik liegt die Stärke dieses Albums. Die offenbar bewusst anvisierte Garagenrockattitüde bringt eine Geradlinigkeit und Klarheit des Sounds wie auch der Songstrukturen mit sich, die dieses Album zum (bisherigen) Highlight dieses Jahres voller Neuveröffentlichung großer Namen des Rock/Pop-Buisness (R.E.M., Incubus, Bright Eyes, Decemberists, aus deutscher Sicht Groenemeyer) macht. Dass es sich um ein würdiges Album des Jahres handelt, wird schon nach wenigen Höreindrücken mehr als deutlich. Nach den stilistisch breiter gefächerten Vorgängeralben "In Your Honor" und "Echoes, Silence, Patience and Grace", die die Mannen um Dave Grohl und Taylor Hawkins von einer bis dato unbekannten, angenehm weichen und teilweise akustischen Seite zeigten, dafür aber auch einige Längen besaßen, finden die Foo Fighters hier aus "Wasting Light" zum richtigen Zeitpunkt ihrer Karriere zu ihren rockigen Wurzeln zurück und liefern vor allem temporeiche, E-Gitarren-dominierte Stücke mit perfekten Hooklines zum Mitsingen (oder -gröhlen). Gerade in Hinblick auf die bevorstehenden Live-Auftritte in Deutschland kann das die Fans hierzulande nur begeistern. Diese Jungs rocken immer noch so authentisch die Bühne wie auch das Studio, dass auf absehbare Zeit kein musikalisch-kreativer Substanzverlust zu befürchten ist.
"Wasting Light" wird dabei sicherlich das stärkste Album dieses Jahres bleiben; das liegt vor allem an der immensen Dichte von Klasse-Songs in der ersten Hälfte der Platte. Der Opener "Bridge Burning" bietet ebenso simplen wie eingängigen und zum Headbanging einladenden Riff-Rock und eröffnet damit einen der seit langem schönsten Reigen von Rock-Songs.
Mit "Rope" folgt dann schon der vielleicht stärkste Song überhaupt, das wunderbar sparsame und mitreißend akzentuierte Zusammenspiel aus Gitarre, Bass und Schlagzeug prägt das immer wiederkehrende Intro-Riff und die Strophen, das groovt so unglaublich gut! Und der Refrain spricht mit seiner Wand aus Power-Chords und einer leidenschaftlichen Dave-Grohl-Hookline für sich.
Track 3, "Dear Rosemary", ist dann gleich das nächste absolute Highlight, ein etwas ruhiger und melodiöser daherkommender Rocksong, bei dem das Bass-Riff der Strophen ebenso prägenden Charakter hat wie die eingängigen Akkordfolgen und Melodielinien des langen Refrain-Parts.
Mit "White Limo" folgt für meine Begriffe ein Geniestreich: Eine Art Screamo-Nummer, musikalisch irgendwo mit Led Zeppelins "Rock'n'Roll" verwandt, aber rauher, düsterer, verzerrter - und mit einem Dave Grohl, der sich hinter der Fassade einer völlig verzerrten Stimmaufnahme die Seele aus dem Leib schreit: für Anhänger, die aus dem eher poppigen Milieu stammen vielleicht zunächst etwas sperrig, aber in jedem Falle ein faszinierender Song.
Etwas leichter zugänglich wird es dann wieder mit "Arlandria", eine typische refrainzentrierte Rock-Nummer mit einer wahnsinning kraftvollen Hookline und eher schlichtem Drumherum.
Ähnliches gilt dann auch für die meisten der folgenden Stücke - weshalb das Album dann doch wohl nicht ganz das Zeug zum All-Time-Favorite der Foo-Fans hat. Anders als bei dem stilistisch verwandten Klassiker "Color and the Shape" fallen hier nämlichen ein paar Stücke in Hälfte 2 der Platte deutlich ab. Sicher, "One of these Days", "Back and Forth", "Matter of Time" und auch der Titelsong sind sicherlich auch mehr als hörenswerte Nummern, doch formen diese Tracks 6 bis 9 gerade in dieser Bündelung doch eine qualitativ schwächere Albumpassage in der Mitte. Bei diesen Songs springt der Funke einfach nicht so über; irgendwie rettet sich jeder einzelne durch einen durchaus gelungenen und mitsingbaren Refrain noch so gerade vor der Durchschnittlichkeit, aber dennoch neigt man dazu, sich als Hörer auf die Songs davor und danach zu fixieren.
Wo wir beim Abschluss der Scheibe wären, der, wie gerade angedeutet, wieder das Top-Niveau der 5 Auftaktkracher erreicht. Mit "I Should Have Known" liefern die Foos die einzige wirklich "langsame" Nummer der Platte, eine ganz ruhig, fast hypnotisch beginnende Hymne, die zum Schluss immer mehr in einem verwobenen Klangspektakel mündet und damit dem Album kurz vor Schluss nochmal eine besondere Note verleiht.
Der letzte Track schlägt dann jedoch wieder die stilistische Ausrichtung ein, die das Gesamtalbum eher charakterisiert: kraftvoller, temporeicher, und vor allem melodiöser Garagenrock. "Walk" versprüht eine Urgewalt, eine Faszination, die einen mehr als würdigen Abschluss liefert; Daves "I Never Wanna Die"-Passage wirkt dabei so voller Begeisterung vorgetragen, so authentisch im Lebensgefühl des Rock'n'Roll verankert, dass man den Mann allein dafür schon zu einem mehr als würdigen Repräsentanten dieser faszinierenden Musikkultur erklären muss.
Mit "Wasting Light" ist den Foo Fighters somit ein rundum gelungenes Album gelungen, dass, wenn es auch ein paar Füller in der Mitte dabei hat, insgesamt mit seiner Geradlinigkeit und seiner ungemein harmonischen Verbindung von akzentuiert-krachendem Garagenrock und höchst melodiösem Songwriting das bisherige Rock-Highlight des Jahres darstellt. "I NEVER WANNA DIE"!!!


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