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Beiträge von Michael Schäfer
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Rezensionen verfasst von
Michael Schäfer "Kaká" (Dortmund, NRW)

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The Book of Daniel (Penguin Classics)
The Book of Daniel (Penguin Classics)
von E. L. Doctorow
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,95

5.0 von 5 Sternen A most intriguing piece of "postmodern" fiction, 6. September 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
E.L. Doctorows 1971 novel "The Book of Daniel" is both a fictionalization of the then controversial execution of Julius and Ethel Rosenberg as "atom bomb spies" for the Soviet Union in the Cold War and Anti-Communist hysteria in the USA of the early 1950s and the McCarthy era, as well as an intriguing piece of fiction in its own right, a novel about a young man and his struggle to come to terms with his past and his present life. Daniel Lewin, protagonist and narrator of the novel, is a young graduate student and the elder of two children of the deceased Communist couple Rochelle and Paul Isaacson (easily identifiable as "the Rosenbergs"). In the course of the novel, the reader is granted more and more insight into his present life with his wife and his baby son, his conflicts with his foster parents and his sister, his struggle to position himself as a criticial thinker in the political framework of Vietnam War-traumatized America, and his longing to finally get to know the truth about why his parents were actually executed by a state that claims to be democratic and based on principles of justice. Thereby, the text is shaped by what one could label "postmodern" techniques: Neither is Daniel's life story told in a linear fashion, nor is he a reliable narrator, but rather a very doubtful and sometimes horribly unlikeable character, who on the other hand proves to possess a very intelligent and self-critical mind and does not take anything for granted, not even the left-wing myth of his own parents as heroes. Thus, "The Book of Daniel" delivers an intriguing mixture of captivating episodes of treason and betrayal, sex, rock music and drug abuse, but also reflections about post World War II US governmental policy, political systems in general and, last but not least, Communist ideology, with a critical focus on all these aspects. In this way, the novel manages to draw a multi-layered, critical, clear-sighted and unideological portrait of two periods of American history which are heavily intertwined - and certainly worth looking at from our 21st century perspective. But the most intriguing thing about Doctorow's novel is the fact that albeit this strong political focus, it is still a most personal and touching story of an angry, yet not inhuman young man who has suffered immensely, and who desperately strives to make sense of his existence. "The Book of Daniel" is one of the most complex and intriguing works of American fiction I have ever read - I can only recommend it to everyone who is willing to have a good read not exclusively for the prupose of quick entertainment, but also for serious reflection about such concepts as life, love, death and politics.


The Broadsword And The Beast (Remastered + Bonus Tracks]
The Broadsword And The Beast (Remastered + Bonus Tracks]
Preis: EUR 7,97

5.0 von 5 Sternen Highlight der frühen 80er, 6. September 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Mit den 80er-Jahren assoziieren viele Fans erdiger Rock- und/oder Folk-Musik eher Negatives, was hauptsächlich an der im kompletten Popmusikbereich zu verzeichnenden Hinwendung zu höchst artifiziellen Synthesizer-Arrangements liegt. Selbst Jethro Tull - für viele Inbegriff "naturbelassener", uriger Gitarrenmusik mit folkloristischen Anklängen - haben sich in dieser Dekade auf Elektroexperimente eingelassen, und das teilweise auch mit verheerenden Resultaten ("A", "Under Wraps"). Doch ausgerechnet zeitlich genau zwischen diesen beiden Schockern schimmert bei genauer Betrachtung mit "Broadsword and the Beast" eine Perle hindurch, auf der es Ian Anderson und seinen Mannen tatsächlich gelungen ist, die neuentdeckten Vorzüge des Keyboards gekonnt mit den bewährten Spielarten ihres exzentrischen und virtuosen Folk-Rock zu verbinden. Besonders angenehm muss den damaligen Beobachtern die Rückkehr zur Idee des in Sachen Artwork wie auch Sound und Atmosphäre einheitlichen, konsequent durchgezogenen Konzepts aufgefallen sein, die bereits bei den Wald&Wiesen-Alben "Songs from the Wood" und "Heavy Horses" wie auch bei dem düster-winterlichen "Stormwatch" bereits so gut funktioniert hatte. Nun also nochmal die stürmische, düstere See, und dazu sogar noch Piratenschiffe - zwar nicht als wirkliches Konzeptalbum auch im textlich-thematischen Sinne, aber als Vorgabe für die atmosphärische Gestaltung des Albums als zusammenhängendem Ganzen, die große Stärke der Band. Musikalisch zeichnen sich die Songs dieser Scheibe vor allem durch eben diese gewisse Düsternis aus, die sowohl von dezent eingesetzten Synthesizer-Sphärenklängen, als auch durch eine geradlinig und relativ "hart" spielende Rhythmusabteilung und den mal wieder genialen Martin Barre an der kompromisslos-virtuosen Leadgitarre erzeugt werden. Andersons pathetischer, aber nie überkandidelter Gesang tun ihr übriges, und schon steht eines der vielen von vorne bis hinten stimmigen Jethro Tull-Alben, nicht trotz, sondern gerade mit Hilfe der damals neuartigen Möglichkeiten elektronischer Klangerzeugung. Man muss sie halt nur dosieren und so einsetzen, dass es zum Stil der Band passt. Hier gelingt das, ebenso wie ein halbes Jahrzehnt später auf "Crest of a Knave", ganz hervorragend, und das Album zählt auch deshalb zurecht zu den heimlichen Lieblingen vieler Tull-Anhänger. Aus meiner Sicht ist das Niveau der Songs konstant hoch, wenn auch kein als Einzelsong total herausstechender Kracher dabei ist, der zwangsläufig Hitcharakter hätte. Dennoch finde ich persönlich das bittersüße "Slow Marching Band" überragend; zudem gefallen mir die schwungvollen "Clasp" und "Flying Colours" ebenso gut wie der stampfende Opener "Beastie" und das wunderbar-pathetische "Broadsword". Erwähnenswert ist zudem das reichhaltige Bonusmaterial von 8 Tracks, das die Remaster-Ausgabe dieses Albums mitliefert. Die folkigen "Jack Frost" und "Jack-a-Lynn" machen dabei besonders Laune; die Band scheint damals eine sehr produktive Phase durchgemacht zu haben, die das Original-Album ganz offenkundig nicht vollständig hatte abbilden können. Wer als gern hören möchte, wie Jethro Tull es mit sphärischen Synthie-Klängen gelingt, Songs voller atmosphärischer Dichte und Tull-typischem Flair zu zaubern, die dennoch anders klingen als alles, was man sonst von dieser Truppe kennt, kann hier - zu diesem mittlerweile sehr erschwinglichen Preis - ganz ohne Bedenken zuschlagen.


Grundkurs Sprachwissenschaft: Eine Einführung in die Sprachwissenschaft für Lehramtsstudiengänge (Uni-Taschenbücher S)
Grundkurs Sprachwissenschaft: Eine Einführung in die Sprachwissenschaft für Lehramtsstudiengänge (Uni-Taschenbücher S)
von Johannes Volmert
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Besonders für Lehramtsstudierende geeignet, 6. September 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Dieser von Johannes Volmert herausgegebene Einführungsband zur Sprachwissenschaft ist ein besonders für Lehramtsstudierende geeigneter Überblick über die verschiedenen Teildisziplinen der Linguistik. Mit seinen knappen und bündigen Artikeln eignet sich die Zusammenstellung Volmerts zur Klausurvorbereitung; zitierfähig für Hausarbeiten sind die doch merklich auf Anfängerniveau heruntergebrochenen Artikel hingegen nicht. Von daher würde ich auch "reinen" Linguistikstudierenden - auch Anfängern - von der Anschaffung eher abraten und auf etwas ausführlichere und spezialisiertere Einführungen verweisen. Für Zwecke der Klausur-/Prüfungsvorbereitung im Lehramt eignet sich "der Volmert" allerdings sehr gut; man muss kaum noch eigene Zusammenfassungen erstellen, denn eine Lektüre mit Unterstützung, etwa durch eine universitäre Einführungsveranstaltung in die Sprachwissenschaft, genügt völlig, um die Einblicke in diese Disziplin zu gewinnen, die man zum erfolgreichen Bestehen von Prüfungen im Anfängerbereich handelsüblicher Germanistikstudiengänge benötigt. Ich selbst habe mit diesem Buch als Erstsemester angefangen und sehr erfolgreich damit für meine ersten Klausuren gelernt; später habe ich auch als Tutor in sprachwissenschaftlichen Einführungen angehende Germanisten unterrichtet, die mit dieser Einführung zu arbeiten empfohlen bekommen hatten, und auch in diesem Rahmen hat sich "der Volmert" immer als kompakter und grundsolider Begleiter für die ersten zwei, drei Semester des Linguistikstudiums erwiesen.


Automatic Writing
Automatic Writing
Preis: EUR 13,74

4.0 von 5 Sternen Interessantes Improvisationsprojekt von John Frusciante und seinen Freunden, 6. September 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Automatic Writing (Audio CD)
"Two roads diverged in a wood, and I - I took the one less traveled by, And that has made all the difference." (Robert Frost)

John Frusciantes Solopfade sind mittlerweile von interessanteren Wegmarken gekennzeichnet als die seiner Zeit(en) bei den Red Hot Chili Peppers, obwohl, oder gerade weil letztere von einer deutlich größeren Zuhörerschaft "bewandert" werden. So lassen sich Robert Frosts Zeilen auf das musikalische Schaffen Frusciantes übertragen - wer sich mit seinen auf den ersten Blick oft so bescheiden und unscheinbar anmutenden Soloprojekten intensiv auseinandersetzt, wird den Mehrwert früher oder später erkennen. Das gilt nicht nur für die spektakulären Meisterwerke wie "Shadows Collide with People" oder das jüngste Machwerk Frusciantes, "The Empyrean", sondern eben auch für dieses improvisierte und in kleiner Live-Besetzung spontan eingespielte Album des Trios Ataxia, bestehend aus John (Gitarre und Gesang), Josh Klinghoffer an den Drums und Joe Lally am Bass. Die 5 langen und von ausgiebigen John-mäßigen Soli geprägten Stücke :-) basieren dabei meist auf einem Bass-Riff, das relativ konstant durchgespielt wird und Johnny so den Rücken für seine Gitarrenimprovisationen freihält. So reiht sich "Automatic Writing" doch recht anstandslos in Johns 2004er-Albumserie ein, wobei die Songs aufgrund ihrer improvisierten Natur und ihrer Länge doch nicht immer so prägnant und berührend daherkommen wie etwa die Stücke auf "The Will to Death" oder "Sphere". "Automatic Writing" ist eher etwas für die ruhigen Stunden der Nacht, wenn man Zeit und Muße hat, die sich langsam aufbauenden Songs in ihrer sphärisch-hypnotischen, weil minimalistischen Natur wirken zu lassen. Gönnt man sich diese Ruhe, dann kann man einige schöne Elemente entdecken. Dass das Album dennoch kein richtiger "Kracher" vom Hörerlebnis her ist, sollte angesichts des Improvisationsprojekts ohne ausgefeiltes Songwriting und große Studioarbeit nicht zu sehr überraschen; andererseits handelt es sich um eine interessante Variation über das Genre des klassischen Rock-Albums, die man sich von Zeit zu Zeit gut und gern zu Gemüte führen mag - und von Johnnys unvergleichlich emotionalen Gitarrenriffs und seinem kauzig-spirituell anmutenden Gesang kann man einfach nicht genug kriegen, auch wenn nicht jedes seiner zahlreichen Alben ein "Going Inside" enthalten kann.


Der Zauberberg. Roman.
Der Zauberberg. Roman.
von Thomas Mann
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der große "Zeitroman" des 20. Jahrhunderts, 6. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Zauberberg. Roman. (Taschenbuch)
Thomas Manns "Zauberberg" ist eines dieser groß angelegten, zum Meisterwerk er-/verklärten Werke der deutschen Literatur, denen man als Leser - gerade wenn man noch jung und unerfahren im Umgang mit solch anspruchsvoller Prosa ist - manchmal mit einer solchen Ehrfurcht gegenübersteht, dass man sich fragt, ob man sie überhaupt bewältigen kann. Was kann denn auf einem solchen Zauberberg alles passieren und so aufregend sein, dass es einen über die fast 1000 Seiten trägt? Die Antwort hierauf ist auch nach einer "erfolgreichen" und von Begeisterung geprägten Lektüre nicht leicht zu liefern, denn dieser Roman ist sicherlich nicht "plot-orientiert" verfasst. Vielmehr handelt es sich - auch wenn diese Gattungsbezeichnung dem Buch sicherlich häufig unreflektiert übergestülpt worden ist - um einen "Zeitroman". Denn auch wenn das zweite oft mit dem "Zauberberg" in Verbindung gebrachte Genre, der "Bildungsroman", auch seinen Einschlag auf dieses Werk Manns aus dem Jahre 1924 hat, so steht doch die literarische Verhandlung des Phänomens der Zeit deutlich im Vordergrund der Geschichte um den jungen angehenden Ingenieur Hans Castorp. Schließlich treibt der Roman sein (mindestens) doppeltes Spiel mit dem uns nur vermeintlich so geläufigen Begriff der Zeit, indem er einerseits seinen jungen und intellektuell völlig unbedarften, aber sehr aufnahmefähigen und -willigen Protagonisten mit den wichtigsten politisch-ideologischen Strömungen seiner Zeit konfrontiert, und andererseits auch explizit das Thema Zeit problematisiert, etwa ganz direkt im Kapitel "Exkurs über den Zeitsinn" oder eher indirekt, indem das Verhältnis von Erzählzeit und erzählter Zeit sich mal ins eine, mal ins andere Extrem verirrt, und so den siebenjährigen Aufenthalt des Hans Castorp im Sanatorium Berghof - er wollte eigentlich nur für drei Wochen seinen Bruder Joachim dort besuchen - am Ende fast wie eine logische Entwicklung, und nicht wie eine unerklärliche Aneinanderreihung von (muss man sagen glücklichen?) Zufällen erscheinen lässt.
Doch wie kann diese Auseinandersetzung mit dem Thema "Zeit" eigentlich zustande kommen? Wie funktioniert der Roman "inhaltlich"? Ich denke, dass diese Fragen bei der Entscheidung für oder gegen die Lektüre eines solch herausfordernden literarischen Werkes in jedem Falle berechtigt sind, und werde deshalb versuchen, sie meiner obigen vergröberten Analyse der grundsätzlichen thematischen Ausrichtung des Romans nachfolgend nun zu beantworten: Der Roman erzählt aus der Perspektive eines auf den Protagonisten beschränkten, aber dennoch im Duktus des Allwissenden auftretenden Erzählers die Geschichte des Aufenthalts des jungen Ingenieurs Hans Castorp, der - ganz Preuße und Protestant - vor dem Eintritt ins "tätige Berufsleben" eine dreiwöchige Stippvisite bei seinem in den Schweizer Bergen, genauer im Sanatorium Berghof einquartierten Bruder Joachim plant und durchführt. Bereits die ersten Tage dieses Aufenthalts werden ihn jedoch derart beeinflussen, dass er so schnell nicht wiederkehren wird: Verstohlen fasziniert von dem Zusammenspiel der Bergwelt, den exzentrischen Charakteren der Angestellten- und Patientenschaft und der "horizontalen", sprich sehr viel langsamer und geruhsamer als im arbeitsamen Preußen verlaufenden Lebensweise, entwickelt er schnell eine "Berghof"-Mentaltität, die ihn lange am Ort halten wird - immer unter Mithilfe der sehr undeutlichen, dafür aber immer langfristige Behandlung verlangenden Diagnosen des verschrobenen Anstaltsleiters Hofrat Behrens (zum Schießen, die altbackenen Tiraden dieses kauzigen Arztes :-D). Auf diese Weise etabliert sich der junge Mann rasch in der illustren Gesellschaft des Berghofs und sammelt dabei allerlei Erfahrungen, die ihm die großen Strömungen des Zeitgeistes des beginnenden 20. Jahrhunderts nahebringen: Er macht Erfahrungen in Liebesdingen, die in ihm Erinnerungen wachrufen, die allesamt psychoanalytisch durchdrungen sind (wobei der Freudsche Diskurs der Psychoanalyse, insbesondere durch die Auftritte des zweifelhaften Analytikers Dr. Krokowski vielfach spitzzüngig ironisiert und kritisiert wird), er übt sich nach und nach in verschiedensten Disziplinen wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens, er wird zum passionierten Wanderer, Skifahrer etc., und er wird zum Gegenstand des Widerstreits zweier Intellektueller, die die politisch-ideologischen Grundströmungen der Zeit verkörpern und um die Seele des unbescholtenen Jünglings kämpfen - bis zum bitteren Ende: Der italienische Schriftsteller, Revolutionär und Humanist Settembrini vertritt dabei die, vereinfacht gesprochen, "westliche" Kultur mit ihrem Zukunftsoptimismus und Individualismus, ihren Anleihen bei der Antike und ihrer feierlichen Priorisierung der Würde des Menschen, während der zum Katholizismus konvertierte sefardische Jude Naphta als Hardliner einer auf das Kollektive gerichteten, von mittelalterlich anmutender Geistlichkeit geprägten Moral sich dem im Osten zur erzählten Zeit des Romans heranreifenden Kommunismus zuwendet und zum düsteren Propheten der totalitären Systeme des mittleren 20. Jahrhunderts avanciert.
All diese Dinge prägen die Seele des jungen Hans Castorp, und auf dem Zauberberg lernt er so nach und nach, sich von den Fesseln der bloßen Lebensnot zu befreien und ein freies Geistesleben zu führen, dass erst nach sieben Jahren Aufenthalt im Sanatorium jäh unterbrochen wird, von einem Ereignis, das als historische Zäsur mehr als passend gewählt ist...
Für mich persönlich stellt "Der Zauberberg" ein faszinierendes Loblied auf ein freies Geistesleben abseits der hektischen Betriebsamkeit der Arbeits- und Wirtschaftswelt dar, das von so viel erzählerischer Finesse und einem solch lebhaften Geschichtsbewusstsein durchdrungen ist, dass man das Werk einfach zu den bedeutendsten seiner Art überhaupt zählen muss. Dass es dabei gelingt, mit spitzer Feder immer wieder für humoristische Momente zu sorgen, individuelle Charaktere immer lebhaft und lustig zu zeichnen und sich auf diese Weise nicht in bedeutungsvoller Schwere zu verlieren, ist bei einem solch ehrgeizig und geschichtsträchtig angelegten Roman umso bemerkenswerter. Somit ist "Der Zauberberg" ein ebenso anspruchsvolles wie ästhetisch hochwertiges Leseerlebnis, für das man sich Zeit und geistigen Freiraum nehmen muss, dass unter diesen Umständen aber zu einem Werk werden kann, dass den Blick auf unsere Zeit, auf unser Leben nach wie vor prägen und ändern kann.


Die alten Zechen an der Ruhr: Vergangenheit und Zukunft einer Schlüsseltechnologie. Mit einem Katalog der "Lebensgeschichten" von 477 Zechen
Die alten Zechen an der Ruhr: Vergangenheit und Zukunft einer Schlüsseltechnologie. Mit einem Katalog der "Lebensgeschichten" von 477 Zechen
von Hermann, Wilhelm ; Hermann, Gertrude
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 25,80

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Standardwerk zum Ruhrbergbau, 30. August 2011
Mit "Die alten Zechen an der Ruhr" liegt ein Nachschlagewerk über die Geschichte des Steinkohlenbergbau im rheinisch-westfälischen Industriegebiet vor, das von den ersten Stollen im Raum Witten bishin zum (fast will man sagen leider) auslaufenden High-Tech-Bergbau des ganz jungen 21. Jahrhunderts Entwicklungen abbildet, Geschehnisse aufzeigt und so ein interessantes Panorama der geschichtlichen Entwicklung des Ruhrgebiets zeichnet. Es ist aus meiner Sicht Geschmackssache, wie detailliert man als Leser hier inhaltlich einsteigen will; schließlich liefert das Buch neben dem allgemeinen Text auch kurze "Lebensgeschichten" aller Ruhrzechen! Ein Mammut-Vorhaben, von den Eheleuten Hermann liebevoll durchgeführt und in den jüngsten Ausgaben mit Unterstützung von Co-Autoren vervollständigt - dass sich da der ein oder andere Fehler einschleicht oder gewisse Dinge schnell mal ünerholt sind, ist kaum vermeidbar. Viel entscheidender sind für mich die vielen hundert Fotos von Schachtanlagen, Wohnvierteln, ganzen Ort- und Landschaften im Revier, von ganz früher bis heute. Es ist einfach, gerade auch für junge Menschen, die den Bergbau nur noch aus Erzählungen der Großeltern kennen, faszinierend zu sehen, wie sehr dieser Industriezweig unsere Region geprägt und zu dem gemacht hat, was sie heute ist: eine riesige, pulsierende Metropolregion! Ganz entscheidend bei der Bewahrung des Kulturguts Bergbau ist der Denkmalschutz, dem das Buch völlig zurecht großen Stellenwert zuweist - in diesem Zusammenhang sind auch die Verweise auf noch vorhandene Baudenkmale des Bergbaus sehr wertvoll. "Die alten Zechen an der Ruhr" ist so auf jeden Fall ein Standardwerk für alle, die sich für die Geschichte des Ruhrgebiets und/oder der Montanindustrie in Deutschland interessieren, wobei die Impressionen, die die vielen vielen Fotos liefern, eindeutig den entscheidende und schönste Aspekt dieser Veröffentlichung darstellen.


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Preis: EUR 13,07

5.0 von 5 Sternen Formvollendet, 26. August 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: () (Audio CD)
Das titellose und im wunderschönen, schneeweißen Design gehaltene dritte von insgesamt fünf regulären Sigur Ros-Studioalben ist ein traumhaftes, melancholisch-verträumtes Klanggemälde, das in zwei Hälften die zwei Grundstimmungen, die die Musik dieser tollen Band prägen, in formvollendeter Manier darstellt. Die ersten vier Tracks sind dabei von heller, zuerst ruhiger, dann überschwenglicher Natur, mit tollen, hellen Klavierpassagen, groß angelegten Streicher-Arrangements und Jonsi Birgissons Falsett-Stimme, die teilweise fast an Walgesänge erinnert, insgesamt getragen von einer sehr positiv aufzufassenden, nordischen Melancholie und großer Liebe für einfache und eingängige Melodien in traumhaften Klanggewändern. Die letzten vier Tracks hingegen - die übrigens von einer 30-sekündigen Zäsur in sehr sprechender Weise von den ersten vier Tracks abgegrenzt werden - sind eher düster gehalten; Birgissons mit dem Cello-Bogen gespielte Gitarre beschwört den nokturnen Charakter des Vorgängeralbums "Agaetis byrjun" herauf (während die hellen Arrangements der ersten Album-Hälfte die Stimmugn des großartig-überschwänglichen Nachfolgeralbums "Takk" vorwegnehmen), die Songs werden länger, sehr spannungsreich, aber kulminieren nicht so zielgerichtet in überschwänglichen Streichereruptionen, sondern verbleiben eher auf einem konstanten Spannungsniveau, was sie etwas weniger zugänglich macht und an ein, zwei Stellen sogar etwas langatmig wirken mag - was aber die Gesamtqualität dieses wunderschönen Albums nicht schmälern kann. Zwischen den bereits erwähnten zwei Highlights der Band-Geschichte hat es dieses Album trotzdem manchmal schwer, aus dem Back-Katalog heraus nochmal die Aufmerksamkeit geneigter Hörer zu gewinnen - durchaus zu unrecht, wenn man nochmal und nochmal reinhört, wird man immer wieder neue klangliche Details entdecken, die das Bild von "( )" als dem vielleicht komplettesten Sigur Ros-Album mit zunehmendem Nachdruck zu bestätigen vermögen.


Stromberg - Staffel 2 [2 DVDs]
Stromberg - Staffel 2 [2 DVDs]
DVD ~ Christoph Maria Herbst
Preis: EUR 19,16

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Strombergs Aussetzer in dieser Staffel sind eine Spur zu heftig!, 26. August 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Stromberg - Staffel 2 [2 DVDs] (DVD)
Ich bin per Zufall über die Staffeln 3 und 1 (in dieser Reihenfolge) zum Stromberg-Fan geworden und habe deshalb erst recht spät diese zweite Staffel angesehen - und kann mein rundum positives Urteil zu den "umschließenden" Staffeln nicht ganz auf diese 10 Folgen übertragen. Klar, die meisten allseits bekannten und beliebten Elemente, die Stromberg zu einer ebenso bösartigen wie tief-melancholischen Serie machen, die dennoch vor Lachern strotzt, sind auch in Staffel 2 vorhanden - Christoph Maria Herbsts unglaubliche, einzigartige Art, mit der Kamera zu spielen, seine Pseudo-Interviews mit politisch inkorrekten und sprachlich so wunderbar kruden Sprüchen zu füllen, und Bjarne Mädels Performance als überengagierter und nie erwachsen gewordener Soziopath Ernie sind wie immer als die beiden überragenden Bestandteile der Einzigartigkeit dieser Serie zu nennen. Mehr ins Detail braucht man gar nicht zu gehen, da über diese Serie in den letzten Jahren schon so viel Lob ausgeschüttet wurde, dass es für den Rest des 21. Jahrhunderts ausreichen sollte. Also wende ich mich lieber dem kleinen Kritikpunkt zu, den ich mit Hinblick auf Staffel 2 sehe und der das Ganze für mich zu einem etwas zweifelhafteren Vergnügen macht als Staffeln 1 und 3: Anders als in letzteren sind Strombergs Intrigen und Bösartigkeiten in Staffel 2 von so frappierender und zum Himmel schreiender Natur, so von für alle Beteiligten ungefiltert sichtbarer Erbärmlichkeit gekennzeichnet, dass es einfach nicht mehr plausibel erscheint, dass dieser Mann überhaupt noch in irgendeiner Form immer wieder doch für diese Firma arbeiten darf. Klar, genau diese Dinge, die er sich immer wieder erlaubt, machen den Reiz der Sendung aus, und in Staffel 1 und 3 sind seine Intrigen mitunter sogar folgenreicher für einzelne Menschen als in der 2. (ich sage nur Röchel-Hilpers oder Erika), aber all diese Dinge sind viel stärker in die Arbeitsprozesse der Capitol-Versicherung eingebunden und haben somit einen viel subtileren und weniger durchsichtigen Charakter. In Staffel 2 sind Strombergs Aussetzer nicht nur immer öffentlich, sondern auch immer mit seiner Persönlichkeit als Privatmensch verknüpft, sodass es jeder sofort sehen und durchschauen kann, was für ein erbärmlicher Mensch er ist: Er behandelt seine Frau vor den Augen aller Mitarbeiter wie ein Stück Sch... und lässt am Ende des Abends völlig besoffen die Hosen runter, er begeht mehrere Fälle von sexueller Belästigung und wohnt mitunter tagelang im Büro. Der - bei Stromberg immer mitschwingende und zumeist durchaus reizvolle - Faktor "Fremdschämen" steigert sich in Staffel 2 teilweise dermaßen ins Unermessliche, dass man echt nicht mehr lachen kann, ja dass man kaum hinkucken mag. Meiner Meinung nach wurde in dieser Hinsicht etwas übertrieben. Abgesehen davon ist die Serie super, sicherlich das beste deutsche Comedy-Format überhaupt, mit tollen Schauspielern, einem überaus intelligenten und bösartigen Humor und vielen Momenten, die durchaus zum ernsthaften Nachdenken anregen und zusammen mit den humoristischen Elementen ein überaus überzeugendes Gesamtbild abliefern.


Helge Schneider Edition (4 DVDs)
Helge Schneider Edition (4 DVDs)
DVD ~ Helge Schneider
Wird angeboten von audiovideostar_2
Preis: EUR 38,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Helges Filme, 26. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Helge Schneider Edition (4 DVDs) (DVD)
Helge Schneiders filmisches Gesamtwerk beläuft sich - wenn man leidiglich diejenigen Filme betrachtet, bei denen er selbst Regie geführt und sich alles selbst ausgedacht hat - auf 4 Werke aus den 90ern und 2000ern, die in ihrer Art einzigartig sind und den spezifischen, besonders aus den Bühnenauftritten Schneiders bekannten Humor des Mülheimer Multitalents genial auf die Leinwand gebracht haben. Die Filme funktionieren - vergröbert formuliert - auf zwei Ebenen: Erstens auf Ebene der Darstellung der tiefsinnigen Albernheiten und Absurditäten Schneiders und seiner größtenteils ebenbürtigen Mitstreiter, zweitens auf Ebene der Parodie des Mediums Film im Allgemeinen und der persiflierten Filmgattungen in ihren Eigenheiten und Genrekonventionen im Speziellen. Ob Pseudo-Western "Texas", Krimi "00 Schneider", oder die "Sozialstudien" "Praxis Dr. Hasenbein" und "Jazzclub" - jede Gattung wird aus den Angeln gehoben, indem typische Elemente solcher Filme radikal unterlaufen oder auch übererfüllt werden. So machen die Filme Helges schonungslos auf die Künstlichkeit des Mediums Film und der verschiedenen beliebten Genres aufmerksam und sorgen so - je nach Verständnis des Schneiderschen Humors - für ungezügelte Lachanfälle oder Kopfschütteln. Ich denke, auch als oberster Schneider-Fan sollte man Interessierten vor einem eventuellen Kauf dieser tollen und dazu kostengünstigen DVD-Box mit auf den Weg geben, dass man von sehr großer Offenheit für den radikalen parodistischen Charakter der Werke Helge Schneiders sein muss, um diese Filme, wenn nicht zu "verstehen", so doch lieben lernen zu können. Wer beim Film "tatsächliche" Spannung, Tiefe der Charaktere oder möglichst realitätsnahe Darstellungen von Personen etc. sucht, ist hier falsch; man muss Lust haben auf Experimentierfreude, auf Peinlichkeiten und Absurditäten, die hintersinnig Konventionen und die Sicht der Mehrheit auf die Welt des Films infrage stellen.
Auch wenn es hier nicht anezeigt erscheint, jeden einzelnen der 4 Filme der DVD-Box en detail zu besprechen, so sollte man sich doch zumindest kurz den wichtigsten Vorzügen und Nachteilen der 4 Machwerke Schneiders widmen: "Texas" ist der erste Film Schneiders; man sieht Helge als Outlaw durchs Sauerland reiten und sämtliche Westernklischees werden bedient, mitsamt Steckbriefen des gesuchten Postkutschenräubers, einem überforderten Sheriff, einer aufgeregten Dorfgemeinschaft, die sich gerne im örtlichen Pub besäuft, und einer Hinrichtung am Galgen! Dass zwichendurch auf einmal der Kommissar Schneider auftaucht, um sich mit den dort geschehenen Verbrechen zu befassen, sagt alles über den Grad der Experimentierfreude in diesem Film aus.
"00 Schneider" nimmt sich dagegen etwas, wenn man so will, "geradliniger" aus und erzählt die Geschichte der Jagd des Kommissars und seines so wunderbar tattrigen, mindestens 85jährigen Assistenen Helmut Körschgen nach dem Mörder Nihil Baxter (Helge in der Doppelrolle), die vor Lächerlichkeit zum Himmel schreit, aber doch relativ "verfolgbar" ist. Unglaublich gut sind die Dialoge zwischen den Hauptpersonen, zum Wegschmeißen.
"Praxis Dr. Hasenbein" fällt insgesamt etwas ab. Dieser Film schildert das Leben des Arztes Dr. Angelika Hasenbein (Helge) mit seinem (mindestens 60jährigen) Sohn. Spitze sind letztgenannter, völlig absurder Umstand, der unhinterfragt von allen Filmcharakteren hingenommen wird, sowie die grenzdebilen Dialoge zwischen Helge und dem Tabakwarenverkäufer. Im späteren Verlauf plätschert der Film allerdings etwas dahin, was auch Helge in seinem Audiokommentar bemängelt und deswegen nach 20 Minuten mit diesem aufhört (bei den anderen Filmen zieht er's durch, sehr interessant, ihn mal ernsthaft von den Dreharbeiten und so sprechen zu hören - Helge als ernsthafter Erzähler hat so etwas ungemein angenehmes und wohlwollendes in seiner Stimme und Sprechweise, echt ein Klasse-Typ).
"Jazzclub", der (leider) bislang letzte Helge-Film, ist der musikalischste; es geht um Teddy Schu, einen Hobby-Jazzer, der zusammen mit seinen Freunden jeden Abend in einem immer leeren Jazzclub spielt und ansosnten rund um die Uhr arbeitet: nachts Zeitungen austragen (nasser Klumpatsch!), tagsüber FIsche verkaufen (und fangen!), nachmittags als Gigolo für ältliche Damen unter dem Künstlernamen "Rodriguez Faszanatas". Das ist ungemein lustig, dieser übertrieben gutmütige Typ, der alles mit sich machen lässt, nur um abends Jazz machen zu dürfen, aber auch deutlich melancholischer und mit einer ernsthafteren Note als die anderen drei Filme.
Insgesamt kann man sagen, dass diese DVD-Box eine ungemein lohnenswerte Anschaffung darstellt: Alle 4 Helge-Filme zum unheimlich günstigen Preis - geballter Humor, hintersinnige Kunstkritik und immer wieder geistreiche Momente und großartige alternative Schauspielerei en masse!


Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalust
Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalust
Wird angeboten von hardliner-music
Preis: EUR 10,19

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endorphine pur!, 24. August 2011
Wenn man aufgrund mehrerer großartiger Veröffentlichungen zum Fan einer Band geworden ist, sind Neuveröffentlichungen immer gleichzeitig Grund zu großer Freude wie auch zur Skepsis, on das Niveau der Vorgänger, die einen so sehr überzeugt hatten, gehalten werden kann. Obwohl man weiß, dass eine Weiterentwicklung immer mehr wert ist als eine bloße Variation über das bereits Vorhandene, wünscht man sich doch unbewusst allzu oft letzteres herbei, vor allem bei Bands, deren Vorwerke man sehr in sein Herz geschlossen hatte. So darf es nicht verwundern, wenn einige - ich selbst zunächst auch - "Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalust" zunächst als befremdend, weil um so vieles fröhlicher, scheinbar seichter und weniger spannungsreich erlebt haben als die großartigen Vorgänger "Agaetis Byrjun", "( )" und "Takk". Erst jetzt, nunmehr vier Jahre nach Erscheinen, kann ich dieses wunderbare Album richtig einordnen und würdigen. Wie wunderbar sanft der Sound der zumeist akustisch gehaltenen Gitarren mit dem Klavier harmoniert und zahlreiche traumhaft-melancholische, aber auch temporeiche und fröhliche Songs trägt - das ist einfach allerhöchstes Niveau. Bereits der beschwingte Wikinger-Tanz "Gobbeldigook" weist die Richtung zum Auftakt, ehe "Inni mer syngur vitteysingur" ("In mir singt ein Narr") als mitreißende, enthusiastische Nummer bereits ein absolutes Highlight des Albums darstellt. In diese Kategorie - packend, euphorisch, großartig - gehören auch "Vid spilum endalust" ("Wir spielen unendlich") und der instrumentale B-Teil des zunächst extrem getragenen "Festival". Gleiches Niveau in der Sparte sommerlich-melancholisch erreichen "Gotan daqiunn" ("Guten Morgen"), "Med sud i eyrum" ("Mit einem Summen im Ohr") und überhaupt alle Songs der zweiten Albumhälfte; zumeist sind es hierbei die einprägsamen Piano-Läufe und/oder Gitarren-Arpeggios, die Jonsi Birgissons auf diesem Album selten in die luftigen Höhen seines gewohnten Falsetts vordringenden, wunderbar besänftigenden, aber an den richtigen Stellen auch richtig nach vorne preschenden Gesang umschmeicheln. Mit dem Schlusstrack "All alright", bei dem es dann nochmal sehr getragen zugeht, trauen sich die Isländer dann auch mal die englische Sprache zu.
Fazit: Nach anfänglicher Skepsis ob des Sounds, der sich etwas von den geliebten Sigur Ros-Alleinstellungsmerkmalen der früheren Alben wegbewegt (perlende Akustikgitarren statt dröhnendem E-Bow/Cellobogen auf verzerrter E-Gitarre, klassisches Pianoforte statt sphärischen Orgel- und Keyboardteppichen, ruhiger, folkiger Gesang statt extraterrestrischer Falsett-Attacken), entpuppt sich "Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalust" als besonderes Meisterwerk, weil es zeigt, wie gut Sigur Ros es mittlerweile verstehen, jenseits der Überraschungseffekte ihres ureigenen Sounds Songstrukturen zu erschaffen, die auch in vergleichsweise konventionellem und gemäßigtem Sound-Gewand genau so zu überzeugen wissen wie ihre Vorgänger. Besonders die erste Albumhälfte macht mit ihrer Euphorie süchtig und setzt Endorphine en masse frei, während man die ruhige zweite Hälfte am liebsten einen ganzen sanften Sommernachmittag lang erklingen lassen würde. "Vid spilum endalust" halt!
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