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Beiträge von Michael Schäfer
Top-Rezensenten Rang: 2.628
Hilfreiche Bewertungen: 2644

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Rezensionen verfasst von
Michael Schäfer "Kaká" (Dortmund, NRW)

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Little Broken Hearts
Little Broken Hearts
Preis: EUR 6,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großer Schritt für Norah, ein kleiner (aber feiner!!!) für die Pop-Musik, 29. Oktober 2012
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Rezension bezieht sich auf: Little Broken Hearts (Audio CD)
Bislang machte Norah Jones Jazz für Leute, die keinen Jazz mögen - mit "Little Broken Hearts" besinnt sie sich auf ihr wahres Talent und macht anspruchsvollen Pop für Leute, die anspruchsvollen Pop lieben.

Nicht, dass mir die sanft dahingesäuselten Liebeserklärungen, minimalistischen Klavierarpeggios und der organische Wohlfühl-Sound ihres wunderschönen Durchbruch-Albums "Come Away with Me" nicht gefallen hätten - ganz im Gegenteil, ich liebe diesen Sound und diese Stimmung nach wie vor -; aber die Illusion, es handle sich dabei um sowas wie Jazz oder Blues, die wird nun auch den naivsten Jones-HörerInnen der ersten Stunde mit diesem perfekt durchkonzipierten, von moderat-elektrifiziertem Sound geprägten Konzept-Album zum Thema Trennungsschmerz endgülig genommen.

Was von "Come Away with Me" und Co. bleibt, sind die treffsicheren Melodielinien, die einprägsamen Refrains sowie die klaren Songstrukturen. Doch an die Stelle der somnambul in einer Sommernacht durch die Parkanlagen eines romantischen Landguts wandelnden, langhaarigen Elfe tritt auf "Little Broken Hearts" - sowohl textlich als auch gesanglich-musikalisch - eine selbstbewusste, lebenserfahrene und authentische Protagonistin, die, bald melancholisch bis resignativ ("Good Morning", "She's 22"), bald trotzig und tough bis zur Eiseskälte ("Say Goodbye", "Little Broken Hearts", und vor allem "Miriam"!!!) Geschichten über Trennung und Herzschmerz erzählt, die trotz ihrer leichten Verständlichkeit und Lebensnähe alles andere als klischéebeladen oder weinerlich daherkommen, sondern auch den/die HörerIn, die sich auch gern mal in vermeintlich anspruchsvolleren musikalischen und/oder textlichen Gefilden aufhält, gefangen nehmen und nicht mehr loslassen.

Stark an oben skizziertem Konzept ist nicht nur die Grundidee der Neuerfindung der Künstlerin Norah Jones, sondern vor allem die kohärente Verschränkung von Texten, Songideen und Sound-Umsetzung: Parallel zu den zuvor dargestellten verschiedenen Stimmungen der lyrics wechseln sich minimalistisch-intime, nächtlich anmutende Arrangements, die mit wenig Aufwand treffsicher Norahs Stimme begleiten, mit von Drum-Machine und Keyboard-Sounds geprägten Stücken ab, die (für Jones-HörerInnen vielleicht ungewohnt) durchaus Punch haben und klar die Handschrift des Hip-Hop-geschulten Produzenten DJ Danger Mouse tragen.

Besonders letzteres sollte aber auch und gerade LiebhaberInnen ihres früheren Sounds nicht abhalten, sich auf dieses Album einzulassen. Sicherlich muss man es mehrfach hören, um es in sein Herz zu schließen - aber gerade das ist doch ein Qualitätsmerkmal; genau diese Platten sind es nämlich, die den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen.

Insgesamt ist "Little Broken Hearts" also ein Pop-Album mit Niveau, das das von Norah Jones hinlänglich bekannte Mainstream-Bewusstsein und Gefühl für Melodien und Stimmungen mit einer bis dato nicht gekannten Authentizität und klaren künstlerischen Handschrift sowie einem modernen Sound verbindet und damit für die Künstlerin sicherlich einen Meilenstein, und für die Pop-Musik insgesamt immerhin eine schöne Bereicherung darstellt, die man in dieser Form nicht unbedingt erwarten konnte.


Immigrant Song
Immigrant Song

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniales Cover mit Volldampf!, 5. Februar 2012
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Rezension bezieht sich auf: Immigrant Song (MP3-Download)
Natürlich bin auch ich durch das packende Intro zu David Finchers Stieg Larsson-Verfilmung "Verblendung" auf diese knallharte Elektro-Coverversion des Led Zeppelin-Klassikers "Immigrant Song" gestoßen. Mal ganz davon abgesehen, dass dieser Song wie der von Lisbeth Salander geschwungene Golfschläger auf das Auge des Bösewichts zu diesem düsteren und temporeichen Film passt, ist es erstaunlich, welche Wirkung diese Coverversion des Rock-Klassikers auch rein musikalisch entfacht. Karen O singt und kreischt den Song gänsehauterregend und unglaublich Robert Plant-like, und die eingesetzten musikalischen Mittel (über)betonen die im Originalsong angelegten Dynamikwechsel so kraftvoll, dass man völlig eingenommen ist von den knallharten Klängen dieser Soundtüftler. Endlich mal eine Coverversion, die weder überflüssig noch zu verfremdend ist! Klasse!


The Virgin Suicides
The Virgin Suicides
DVD ~ Kirsten Dunst

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolle Literaturverfilmung mit perfekter Balance aus Anspruch und Geradlinigkeit, 5. Februar 2012
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Rezension bezieht sich auf: The Virgin Suicides (DVD)
Sofia Coppolas Film-Adaption von Jeffrey Eugenides' erschütternder und doch mit einer reichlichen Portion Humor und melancholisch-verklärender 70er-Jahre-Nostalgie gespickter Geschichte von den fünf katholischen Teeanger-Schwestern, die sich vor dem Hintergrund des prüden und mit der Zeit immer rigideren Regimes ihrer dominanten Mutter innerhalb eines Jahres das Leben nehmen, ist eine rundum gelungene Literaturverfilmung - und zwar weil (oder obwohl, je nach persönlicher Präferenz) sie sich vor allem darin übt, das oben beschriebene atmosphärische Mischverhältnis der Romanvorlage eins zu eins zu übernehmen. Auch Coppolas Film ist zugleich Tragödie und Komödie, beißende Gesellschaftskritik und verklärende 70er-Romantik, und die ungewöhnliche Perspektive der Original-Geschichte, die aus der Sicht eines Kollektivs aus männlichen Schulkameraden der Lisbon-Schwestern erzählt wird, findet sich ebenso in der Anlage des Filmes wieder. Der Erzähler, einer der Jungs, dessen Stimme sich harmonisch in den Gang des Films einfügt, rezitiert Eugenides' zentrale nachdenkliche Passagen teilweise wörtlich - und dabei zum Glück immer gut getimed und um kein Wort zu viel.
Passagenweise wagt der Streifen es sogar, das besagte Mischverhältnis höchst unterschiedlicher Stimmungslagen zugunsten eines sehr direkten szenischen Humors abzuändern, in dem er die in der Romanvorlage dezent angelegte Lächerlichkeit bestimmter Charaktere gnadenlos überzeichnet. Danny Devito als kauziger Psychologe, dessen Rat an die Eltern nach dem ersten Selbstmordversuch der jüngsten Tochter Cecilia zwar etwas plump anmutet, sich vor dem Hintergrund der elterlichen Ignoranz und der darauffolgenden Ereignisse allerdings als in seiner Schlichtheit unheimlich treffend erweist, sorgt ebenso für Lacher wie die Darstellung des Mafiosi-Sohns zu Beginn des Films und die Einführung des Mädchenschwarms Trip Fontaine (von Josh Hartnett als geradezu androgyner Dauercannabiskonsument genial verballhornt).
Was sich der Film hingegen - klugerweise - nicht zumutet, ist die Übernahme der zeitlichen Brüche aus Eugenides' Roman. Hier wird strikt chronologisch erzählt, was dem Streifen eine angenehme Geradlinigkeit verleiht. Hier stehen die Charaktere und ihre persönlichen Schicksale im Vordergrund: Die Jungs, in ihrer total verliebten Verklärung der Mädchen zu ätherischen Göttinnen und ihrer daraus hervorgehenden rührenden Hilfsbereitschaft gegenüber den eingesperrten Sirenen, die sie zwar schon um Hilfe rufen, aber ihre Antworten nicht hören (können oder wollen?) - sie repräsentieren eine Generation hinterfragender, romantischer, aber doch hilfloser Glücksuchender, die der Ignoranz der Elterngeneration letztlich nichts entgegenzusetzen haben. Die Lisbon-Mädchen hingegen umgibt aufgrund der Perspektivierung der Geschichte immer ein Schleier des Geheimnisvoll-Schönen. Ob die Jungs sich in Traumsequenzen die zauberhafte Lux (die zauberhafe Kirsten Dunst) als strahlende gute Fee zurechtbiegen, oder ob sie sich als Akt heimlicher Rebellion auf dem Hausdach von x-beliebigen Männern vögeln lässt - sie ist und bleibt das Epi-Zentrum, die zentrale Präsenz des Films. Dass ihre Schwestern dagegen etwas austauschbar angelegt sind, ist wohl in 90 Minuten Film nicht zu vermeiden.
Letztlich bleibt festzuhalten, dass es Sofia Coppola und ihren Zuarbeitern gelungen ist, Eugenides' tollen Roman in einen Film umzuwandeln, dem ein seltenes Kunststück gelingt: einerseits durch die Verschmelzung so verschiedener Stimmungs- und Inhaltsaspekte wie melancholischer Vergangenheitsverklärung, beißender impliziter Gesellschaftskritik, skurrilem Humor und der Darstellung tiefer Erschütterung zum Nachdenk und Mitfühlen anzuregen, ohne dabei je kitschig oder überdreht zu wirken; andererseits jedoch eine gewisse Grundfarbe der Leichtigkeit und Schlichtheit zu bewahren, die den Film kurzweilig und sehr zugänglich erscheinen lässt. Ein Streifen, der für verschiedene cineastische Geschmäcker viel bietet, zumindest, soweit man sich für Menschen und ihre Geschichten begeistern kann.


Essential
Essential
Preis: EUR 6,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Achtung: bildet nur die Jahre 1968-1974 ab!, 1. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Essential (Audio CD)
Bei Best-of-Veröffentlichungen erübrigt sich zumeist eine Diskussion der Qualität des vorliegenden musikalischen Materials. Schließlich ist alles, was es hierauf gibt, längst veröffentlicht sowie auch hier im Rahmen der Einzelalben hinreichend beschrieben und mitunter kontrovers diskutiert worden. Wichtig ist jedoch, sich als erfahrener Jethro Tull-Hörer zu einer Veröffentlichung wie dieser "Essential"-Scheibe aus dem Jahr 2011 zu äußern, und zwar mit Blick auf die Songauswahl. Die entscheidenden Fragen lauten: Handelt es sich um eine geeignete Anschaffung für Tull-Neueinsteiger, oder bietet die CD eher ein verzerrtes Bild ihres musikalischen Schaffens? Nun, letzteres kann man im vorliegenden Fall insofern behaupten, als der Titel der Platte gar nicht verrät, dass das Schaffen der Virtuosen um Frontmann Ian Anderson lediglich bis zum Jahre 1974 abgebildet wird. Das wäre ja im Grunde gar kein Problem, sondern sogar lobenswert, da so ein allzu oberflächlicher Parforceritt durch die langjährige Bandgeschichte verhindert und auch Platz für ein paar weniger bekannte Schmankerl freigehalten wird - aber eine solche Einschränkung muss natürlich, gerade bei einer für Tull-Einsteiger bestimmten Best-of, direkt im Titel der Veröffentlichung transparent gemacht werden. Es ist ein Ärgernis, dass dies hier ausbleibt, denn erstens erhält man bei der Aufmachung der Platte doch den Eindruck einer Gesamtschau (was aber nicht geliefert wird), und zweitens bekommt man keine Idee davon, ob dementsprechend Nachfolgeplatten der späteren Tull-Jahre geplant sind oder nicht. Aus meiner Sicht würden sich Volumes 2 (Mitte bis Ende der 70er) und 3 (80er bis heute) als Folgeveröffentlichungen anbieten, um so ein ausreichend ausführliches und facettenreiches, dabei aber immer noch ausreichend kompaktes Best-of-Format vorzulegen. So bleibt nur eine (natürlich mehr als hörens- und empfehlenswerte) CD mit Tull-Songs der späten 60er und frühen 70er, sowie die unbeatnwortete Frage, welches Konzept mit dieser zusammenhangslosen und karg kommentierten und betitelten Veröffentlichung verfolgt wird.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 29, 2013 2:28 PM MEST


Time to Wander
Time to Wander
Preis: EUR 27,58

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Super-Song, 1. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Time to Wander (Audio CD)
Dieser Song ist zugleich tanzbar und sphärisch-schwebend, kraftvoll und zerbrechlich, fröhlich und melancholisch: viele Gegensatzpaare, und doch wirkt "Time to Wander" alles andere als ein beliebiger Song ohne klare Konturen. Basierend auf einem einfachen und eindrücklichen Gitarrenpicking entfaltet das australische Duo Gypsy & the Cat heir rasch seinen satten Electronica-Sound, der sich dadurch auszeichnet, dass er auch Hörern gefällt, die nicht unbedingt aus der Disko- und/oder Elektroecke kommen. Dass sie dazu auch gesanglich überzeugen, haben sie mit "Jona Vark" schon bewiesen. "Time to Wander" stellt jedoch nochmal eine Steigerung dar. Packend, wie die Strophen sich langsam aufbauen, um zum mitreißenden Refrain überzuleiten, und sich dann wieder im ruhig-tröstlich anmutenden Ausgangsriff zu verlieren und von vorn zu beginnen. Dieser Song hat eine harmonische, zirkuläre Struktur, die sich schnell im Ohr einnistet, und nicht so schnell wieder hervorkommt. Dass er zudem äußerst tanzbar und partykompatibel ist, rundet den tollen Gesamteindruck ab. Weiter so!


Born To Die
Born To Die
Preis: EUR 5,00

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gutes Debüt - auch wenn "Video Games" noch mehr versprach, 31. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Born To Die (Audio CD)
Vergangenen Freitag saß ich im Home-Office - was sich nicht ganz zufällig mit dem Erscheinen dieses Albums traf, wie auch mit der Lektüre des passenden Verrisses der Scheibe im Feuilleton einer renommierten, bundesweit erscheinenden Tageszeitung. Lange hatte ich nicht mehr so gespannt auf das Erscheinen eines Albums gewartet, das nicht von einem bereits etablierten und sich so für Qualität verbürgenden Interpreten stammte, sondern von einer Newcomerin, die sich in diesem Falle mit einem faszinierenden Single-Hit wie aus dem Nichts in unser aller Herzen gesungen hat.
"Video Games" - dieser verstörend langsame, majestätisch-traurige Lovesong, hat die Messlatte für das Album hochgelegt, und die elf weiteren Tracks des Albums sind diesem Husarenstück - und ich stelle nun bewusst die Schwächen des Albums den Stärken voran - nicht wirklich gewachsen. Als Enttäuschung, wie der Kollege von der erwähnten Tageszeitung, muss man es deshalb jedoch nicht gleich bezeichnet. "Born to Die" liefert gefällige Popmusik, die vor allem auf Seiten des Gesangs von großem Potential und erstaunlicher Wandlungsfähigkeit zeugt. Das geheimnisvolle, frühreife Säuseln, in das vor allem wir Deutschen uns geradezu kollektiv verliebt zu haben scheinen (bei uns wurde der Song im Dezember ja tatschlich trotz seiner Länge und Langsamkeit die #1 der Single-Charts), wird von Lana in verschiedenen Songs wieder aufgegriffen, und es wird ergänzt durch andere Gesangsstile, die sie alle draufhat. Hierin liegt also nicht das Problem dieser Scheibe. Eher ist es die mangelnde Originalität in Sachen Songwriting; es fehlt in der Breite einfach an Höhepunkten, an herausstechenden Melodielinien. Die faszinierenden Charakteristika des Überhits "Video Games" kommen auf den anderen Songs selten zur Geltung. Man versucht zwar, sie in die weiteren Stücke zu überführen, doch da man sich natürlich nicht selbst kopieren will, mischen sich diese Elemente (mal die majestätische Schwere, mal die stilvolle Streicherlastigkeit, mal Lanas hinlänglich beschriebener Gesangsstil) allzu oft mit konventionellen, wenig originell anmutenden Songgerüsten, die einem nichts Neues zu sagen haben. Dies gilt besonders für die zweite Albumhälfte. Vieles wirkt hier austauschbar; einzig der mit dem klanglichen Gewand und den typischen Harmonien eines Bond-Songs auffallende "Million Dollar Man" sowie das eingängige "Dark Paradise" überzeugen - hauptsächlich dank Lanas stimmlicher Präsenz.
Durchaus stark - und da kommen die vier Sterne her, um gegen Ende wieder das Positive zu betonen - nimmt sich insgesamt hingegen die erste Albumhälfte aus. Der düstere Opener und Titeltrack kommt qualitativ am ehesten an "Video Games" heran, und ist dabei allerdings als düsterer Midtempo-Stampfer alles andere als eine Kopie des Überhits. Das hektische "Off to the Races" weiß ebenfalls durchaus zu fesseln, das langsamere "Blue Jeans" bildet einen bereits aus einem Internet-Video bekannten Übergang zu "Video Games", über das keine Worte mehr zu verlieren sind. Das beschwingte "Diet Mountain Dew" nimmt dem Ganzen dann gekonnt die Schwere und zeigt, dass Lana mit ihrer Stimme auch locker-flockig und bluesig überzeugen kann. Mit dem Rap sollte sie in Zukunft jedoch etwas vorsichtiger sein, ebenso wie mit platten, pseudo-gesellschaftskritischen Texten über die "Macht des Geldes" - zum Glück fallen diese beiden Schwachpunkte in einem Song, "National Anthem", zusammen. Schnell weiterskippen.
Insgesamt bietet "Born to Die" also Licht und Schatten, wobei auf der Schattenseite eher der über die gesamte Albumdistanz etwas unoriginelle Gesamteindruck ins Gewicht fällt; wirklich schwache Songs gibt es nur einen, wirklich gute dafür durchaus vier bis fünf Stück. Man darf also von einem gelungenen, wenn auch nicht weltbewegend-überragenden Debüt sprechen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 5, 2012 10:41 AM CET


Die Selbstmord-Schwestern
Die Selbstmord-Schwestern
von Jeffrey Eugenides
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbar melancholisch-verstörender Roman über eine verlorene Jugend, 31. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Selbstmord-Schwestern (Taschenbuch)
Mit "The Virgin Suicides", in der deutschen etwas ungelenk "Die Selbstmordschwestern" betitelt, ist Pulitzer-Preisträger Jeffrey Eugenides ein seltenes Kunststück gelungen: einen Roman zu verfassen, der schon auf der ersten Seite verrät, worauf es handlungstechnisch hinausläuft, und den Leser trotzdem bis zur letzten Seite und auch darüber hinaus in seinen Bann zieht. Die Ausgangssituation wie die Hauptaspekte des Handlungsstrangs sind dabei schnell zusammengefasst: ein ruhiger, bürgerlicher Vorort im dicht besiedelten Norden der USA, eine Horde braver, leicht pubertierender Jungs, die sich die Begeisterung für die Musik der Flower-Power-Bewegung in die verträumten 70er hinübergerettet haben, und eine katholische Familie, deren fünf wunderschöne Teenager-Töchter sich im Laufe eines Jahres allesamt das Leben nehmen. All das erfährt man - wie bereits erwähnt - direkt zu Beginn, und doch erfährt man gar nichts. Die Frage lautet natürlich "Warum!?" Dies in der Retrospektive zu beantworten schickt sich das Kollektiv der Dorfjungs von damals an, die in der ungewöhnlichen "Wir"-Form die Erzählerrolle im Roman übernehmen - eine Abweichung vom bekannten Stanzelschen Typenkreis mit seinen drei Erzählparadigmen ("auktorialer", "personaler" und "Ich-Erzähler"), die als Kunstgriff kein Selbstzweck ist, sondern zum von Beginn an verstörenden und verunsichernden Charakter der Erzählung beiträgt. Was ist wirklich passiert mit diesen Mädchen? Ist es tatsächlich die aus psychoanalytischer Perspektive naheliegende Melange aus dem schwächlichen Vater und der dominanten, erzkatholischen Mutter, die die fünf Schönen in die tiefste Verzweiflung treibt? Man vermutet es, doch man weiß es nicht; die Dorfjugend holt Erinnerungen hervor, die von kollektiver Verliebtheit und Faszination venebelt die Schönheit und Einzigartigkeit der Mädchen ebenso beschwören wie die Redlichkeit ihres eigenen Bemühens zu helfen und zu verstehen. Zudem tragen sie "Indizien" und "Beweisstücke" über ihren "Fall" zusammen und führen Interviews mit "Zeitzeugen" - Indikatoren einer auch nach vielen Jahren nicht nachlassenden Verstörtheit und tiefen Traurigkeit bezüglich des Schicksals ihrer Altersgenossinnen.
Nach der anfänglichen Schilderung der Situation nach dem letzten der fünf Selbstmorde, die mit einem - zumindest in der deutschen Übersetzung - genial teilnahmslos-kafkaesk anmutendem Auftaktsatz beginnt, der auf den zweiten Blick den ganzen Schrecken des beschriebenen Szenarios sehr plastisch zum Ausdruck bringt, rollt das Erzählerkollektiv das Feld von hinten auf und schildert, sofern sie dazu in der Lage sind, das Zustandekommen der Selbstmorde der Mädchen binnen eines Jahres. Ausgangspunkt sind dabei die zunächst gescheiterten, beim dritten Mal dann "endlich" erfolgreichen Suizidversuche der erst 13-jährigen jüngsten Schwester Cecilia, eines ätherischen Racheengels, der scheinbar nur gegen sich selbst vorgehen kann und zugleich die abgrundtiefe Verzweiflung antizipiert, die auch ihre älteren Schwestern heimsuchen wird. Es folgt eine Phase der scheinbaren Konsolidierung für die anderen vier, die nach einem aus Sicht der Mutter moralisch indiskutablem Ausrutscher bei einem erstaunlicherweise für die Mädchen erlaubten Schulball jäh in die totale Abschottung der Mädchen mündet und so direkt in die Katastrophe führt. Dass in diesem Zusammenhang ein typischer Mädchenschwarm als beredter Verführer herhalten muss und eine der Schwestern zur verruchten Hure stilisiert wird, sind zwei Griffe in die Klischeekiste, die Eugenides sich hätte sparen sollen; hier offenbart er eine leichte Tendenz zur "Typisierung" oder "Ettikettierung" seiner Charaktere, derer es angesichts der erzählerischen Klasse und atmosphärischen Dichte des Romans nicht bedurft hätte.
Doch dies sind Details; insgesamt gelingt es seinem "Wir"-Erzählerkollektiv, ein Kaleidoskop ihres Ortes zur Zeit der ungeheuerlichen Vorgänge zu entwerfen, in dem die etablierte Erwachsenenwelt wie so oft an den Problemen in der Nachbarschaft keinen Anteil nehmen will, während die (übrigens nicht sonderlich rebellische) Jugend mit viel Empathie und liebevollem Einfallsreichtum immer wieder versucht, das Phänomen der Lisbon-Schwestern irgendwie zu erfassen. Rührend sind dabei Szenen, die dieses adoleszente Bemühen schildern, wie etwa das Telefonat der daheim eingepferchten Schwestern und der Dorfjungs, während dem sich die beiden Gruppen gegenseitig ihre Lieblingsplatten vorspielen (von Gilbert O'Sullivans "Alone Again Naturally" über James Taylors [bzw. eigentlich ja Carole Kings ;-)] "You've got a Friend" bis hin zu Janice Ians "At Seventeen"). Der Gedanke, dass die Jungs ihnen über diese wunderbar geschmackvoll und mit dabei mit der richtigen Prise Mainstreambewusstsein ausgewählten Musik nahe sein und ihnen für einen Abend so etwas wie Trost und eine Verbindung zur Außenwelt verschaffen konnten, hat in seiner Schlichtheit angesichts des geschilderten Grauens etwas unwahrscheinlich tröstliches. Dies bleibt jedoch eine Momentaufnahme; der Trost, den die Jungs scheinbar darin suchen, ihrer Erinnerungen aufzufrischen und zu erzählen sowie die Vorgänge zur Zeit der Selbstmorde akribisch zu rekonstruieren, bleibt ihnen wie dem Leser letztendlich verwehrt. "Am Ende", so beginnt der Schlusssatz des Romans, bleibt einfach, "dass wir sie geliebt hatten und sie uns nicht hatten rufen hören [...]".
Wer sich von solch einfühlsamem Duktus und von einer leicht vernebelten sowie tief-melancholischen Atmosphäre gern anziehen lässt, und zudem ein Rätsel ohne Lösung ertragen kann, wird sich in der von Eugenides' Erzählerkollektiv gezeichnet Kleinstadtwelt der 70er wohlfühlen und wiederfinden. Sein sprachlich leicht zugänglicher und doch erzählerisch kunstvoll und innovativ gestalteter Roman darf sich durchaus als ein "Meisterwerk" der Gegenwartsliteratur feiern lassen.


Lifted (Or the Story Is in the Soil,Keep Your Ear)
Lifted (Or the Story Is in the Soil,Keep Your Ear)
Preis: EUR 7,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen You should never be embarrassed by your trouble with living...!, 23. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es gibt Alben, die können Leben retten. Lifted, dieses vierte Studioalbum der losen Musikervereinigung Bright Eyes um den Sänger, Songschreiber und Gitarristen Conor Oberst aus Omaha, Nebraska, ist ein solches. Wo sonst findet man einen Sänger, der so authentisch und inbrünstig von Lebenskrisen und Seelenleiden des von postmoderner Beliebigkeit gezeichneten sinnsuchenden jungen Amerikaners des beginnenden 21. Jahrhunderts singt, aber auch von der großen Liebe säuseln und musikalisch Trost spenden kann wie kein Zweiter, und das beides in einer Intensität und Authentizität, das einem beim Hören wahlweise ein kalter Schauer über den Rücken läuft oder man fast zu Tränen gerührt ist? Es mag einige andere großartige, beseelte Musiker/Songschreiber auf diesem Planeten geben, aber das zuvor Beschriebene trifft nur auf den zum Indie-Dylan gehypten Jüngling aus der Kornkammer der USA zu.
Ich selbst habe seine Musik seit der Doppelveröffentlichung I'm Wide Awake It's Morning/Digital Ash in a Digital Urn mit zunehmender Begeisterung verfolgt, aber erst jetzt begonnen, mich seinen früheren Werken zuzuwenden, und dabei festgestellt, dass Lifted die ohnehin großartigen zuvor genannten Alben sowie das noch etwas vielseitigere Cassadaga in Sachen Wirkung auf den Hörer noch übertrifft; wenn seine Alben sich musikalisch auch auf konstant hohem Niveau bewegen, so sticht Lifted mit seiner noch höheren emtionalen Intensität hervor, erzeugt einerseits durch die teilweise großangelegten, fast orchestralen Arrangements, andererseits aber vor allem durch die große Tiefe der oftmals traurig bis verzweifelt anmutenden Texte und damit einhergehenden, unglaublich packenden Gesangsperformances Obersts.
Schon das alleine zur Gitarre vorgetragene Big Picture fängt diese ganze Stimmung in musikalisch sparsamer, gesanglich dafür umso intensiverer Weise ein, ehe mit Method Acting das erste Mal richtig von der Crew Druck gemacht wird - eine hektische Rock-Nummer mit packendem Refrain. Es folgt False Advertising, eine Selbstreflexion des jungen Künstlers, der sein Künstlertum selbstironisch hinterfragt, um sich letztlich den essentiellen Dingen seines Lebens, seinen Mitmenschen und eben seiner Kunst, in rührender Weise wieder zuzuwenden - eine richtig intensive Angelegenheit im Walzertakt und mit großartiger Orchestrierung, die besonders am Ende des Songs für Gänsehaut sorgt.
Mit You Will folgt dann sozusagen eine Erfrischung, einer dieser typisch-schwungvollen Lovesongs mit Country-Instrumentierung. Textlich ist diese Nummer ebenso charakteristisch, dank dieser ganz speziellen Mischung aus beißender Ironie und dann doch wieder der Hoffnung auf die große Liebe, die Obersts Reflexionen über Liebesbeziehungen oftmals prägt. Textlich eher zynisch und musikalisch düster, mit charakteristischen E-Piano-Akkorden und einem wunderbar erdigen Mid-Tempo-Beat sowie einem packenden Refrain nimmt sich Lover I Don't Have to Love aus, ehe mit Bowl of Oranges eine traumhaft schöne, melancholische Nummer mit flottem Country-Feel erklingt - eines der Highlights der Platte. Danach wartet Oberst als düsterer Prophet auf I Don't Know When but a Day's Gonna Come erinnert musikalisch an die düstersten der ganz frühen Dylan-Protestsongs wie Masters of War; textlich hingegen zeigt sich Oberst subtiler und persönlicher, und außerdem hat er eine instrumentale Coda mit Orchesterbegleitung parat, die in diesem Song überrascht und ihn so auf ein noch höheres Level hebt. Dem Charakter des Albums als emotionaler Berg- und Talfahrt entsprechend folgt mit Nothing Gets Crossed Out eine süßlich-melodische Nummer mit eher versöhnlichen persönlichen Betrachtungen, was vom Folgesong wiederum völlig konterkariert wird: Make War ist einer der bitterbösesten Abgesänge auf eine verflossene Liebe, die man sich vorstellen kann: Our love is dead, but without limits/like the surface of the moon/or the land between here and the mountains - der Auftakt ist Programm; musikalisch geht es hier klar in Richtung American Folk, Country-Fiedel und Slide-Guitar dominieren die Instrumental-Passagen dieser schwungvollen Shuffle-Nummer mit Mitgröhl-Refrain. Mit manisch-depressivem Folk schockiert daraufhin Waste of Paint, typisch früher Oberst, hier geht es gerade textlich ans Eingemachte, musikalisch wird reduktionistisch zur Lagerfeuer-Gitarre vorgetragen. Ganz anders dann From a Balance Beam, eine schwungvolle Folk-Rock-Nummer mit total mitreißender Melodie und vergleichsweise lebhafter Rhythmik - ein guter Kontrapunkt, eher mit Laura Laurent mein persönlicher Lieblingssong erklingt: ein County-Walzer im Midtempo, ein traumhaft schöner, die Grenze zum Kitsch so gerade noch nicht überschreitender Lovesong, mit einer wunderschönen Verbindung aus orchestralen und amerikanisch-folkloristischen Klangelementen. Am Ende singt die ganze Kneipe mit - zum Heulen schön, wirklich. Dass dann als Abschlusssong noch das politisch aufgeladene, wütende Up-Tempo-Countrystück Let's not Shit Ourselves folgt, ist aus meiner Sicht ein einziger kleiner Makel dieses Über-Albums: Überengagiert, vielleicht in Angst, für einen Künstler mit Singer/Songwriter-Anspruch insgesamt zu unpolitisch zu wirken (meine Interpretation), setzt Oberst hier an einer Stelle noch einen nicht schlechten, aber auch nicht unbedingt nötigen 10 Minuten-Song hinten drauf; da wäre aus meiner Sicht nach Laura Laurent besser einfach Schluss gewesen - vielleicht bin ich aber auch zu sehr Romantiker, um diesen unbequemen Albumabschluss zu würdigen, der letztendlich gewählt wurde.
Ansonsten kann man aber nur festhalten, dass Lifted DAS frühe Meisterstück der Bright Eyes bzw. von Conor Oberst ist; sein Niveau hat er später durchaus noch ein- bis zweimal erreicht, aber nie übertroffen. Platten von solcher textlicher Tiefe, Authentizität und gleichzeitig solcher musikalisch-kompositorischer und soundtechnischer Geschlossenheit gibt es nicht allzu häufig. Solche Alben können Leben retten.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 14, 2013 8:09 PM MEST


Video Games (2-Track)
Video Games (2-Track)

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Total verrückt!, 20. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Video Games (2-Track) (Audio CD)
Vor kurzem erst meldete die Süddeutsche Zeitung, britische Musikwissenschaftler hätten nach eigenen Angaben die Formel für Hitsingles entdeckt: Tanzbar, rhythmisch klar gegliedert, und nicht länger als 3 Minuten sollten sie sein, die Songs, mit denen Spitzenplätze in den Charts erreicht werden sollen. Lana del Rey wischt diesen Quatsch mit ihrem (noch) mehr oder minder halbprofessionell organisierten "Angriff" auf den Plattenmarkt mit einem Song vom Tisch: "Video Games" - Was ist das eigentlich für ein komischer Song? Seit wann kann man eigentlich die Nr. 1 in Deutschland werden mit einem Song, der fast fünf Minuten lang ist und sich so herrlich Zeit lässt, dahinzuplätschern und zu schwelgen? Es gibt einfach immer wieder mal, in diesem oft so vorhersehbaren und langweiligen Genre der Pop-Musik Phänomene, die man nicht erklären kann, aber bei denen man, wenn man Musikfreund mit Leib und Seele ist, einfach intuitiv versteht, dass da gerade irgendwie etwas Besonderes passiert. So bei Lana del Rey und "Video Games". Mit dieser tiefen Stimme und diesem dezenten orchestralen Sound im Hintergrund, ohne Gitarren, ohne Schlagzeug, irgendwie ohne alles, aber mit einer tiefen Stimme, die ich vom ersten Eindruck her eher einer reifen und beleibten Frau zugetraut hätte, singt sich dieses Mädchen zunächst per Radiowecker in unser Unterbewusstsein, bis wir nach und nach einfach nicht mehr anders können als immer wieder vor uns hin zu summen: "It's you, it's you, it's all for you, everything I do..." Dann kommt da noch dieses verstörende selbstgemachte Video dazu, das den ganzen Zauber nur verstärkt, nicht nur, weil diese Sängerin einfach so wunderschön ist, sondern auch weil das Ganze so komisch unverstehbar und dilettantisch daherkommt, dass man einfach immer wieder draufkucken muss. Ganz komisch, ganz wahnsinnig toll - endlich mal wieder ein interessantes Pop-Phänomen!


Mylo Xyloto
Mylo Xyloto
Preis: EUR 5,99

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Provokation gelungen!, 6. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mylo Xyloto (Audio CD)
Angesichts der vielen Extremurteile zum jüngsten Machwerk der Coldplayer muss aus meiner Sicht zunächst einiges klargestellt werden: "Mylo Xyloto" ist sowohl kein Meilenstein der Rockgeschichte, als auch nicht der Untergang des rockmusikalischen Abendlandes. Es ist vielmehr erstens ein sehr hörenswertes Pop-Album, zweitens dennoch das bisher schwächste Coldplay-Album, und drittens - und das ist meine persönliche Interpretation - eine sehr gelungene Provokation und Kampfansage an all jene, die immer noch meinen, die Rock-Musik könne oder müsse sich dem Zugriff des "Pop", des "Mainstreams" entziehen, indem sie nur Saiten-, nicht aber Tasteninstrumente oder gar Computer an eine Stromquelle anschließe. Mit betont elektronischem, von Brian Eno auf hypermodern gepushtem, absolut zeitgemäßem, wenn auch zuweilen etwas klinischem Sound treten Coldplay selbstbewusst als das auf, was sie sind: Eine Rock-Band des 21. Jahrhunderts, die keine Selbstabgrenzung vom Mainstream-Pop nötig hat, weil sie aus sich selbst heraus auch ohne Dogmen genug zu bieten hat; nämlich kraftvolle und eingängige Songs, die sich für große Open-Air-Shows im Stadion ebenso eignen wie für die heimische Soundanlage.
Dass sie dabei diesmal nicht ganz so treffsicher im Songwriting sind, war irgendwie auch mal überfällig. Zu stark die Vorgänger, zu selten die Lückenfüller, das konnte nicht immer so weitergehen. Trotzdem sind einige schöne Sachen dabei auf "Mylo Xyloto": Das dynamische "Hurts like Heaven" ist dabei direkt zu Beginn eine der ganz starken Nummern, ebenso wie der epische Single-Hit und Sound-Orgasmus "Paradise" - ein Song, der stark ist, aber sicherlich in großem Maße von seinen Eno-typischen Klangteppichen lebt. Mit "Charlie Brown" folgt ein ebenso pompöses Machwerk mit eingängigem Instrumental-Chorus, ehe das stille "Us against the World" mit seiner Melodiösität richtig überzeugt. Die tanzbare, bereits lange vorab veröffentlichte Single "Every Teardrop Is a Waterfall" funktioniert im Albumkontext ebenfalls richtig gut, wenn auch der etwas sehr gejaulte und nicht unbedingt packende Refrain nicht ganz das hält, was die kraftvollen Strophen zunächst versprechen. Das düster-dynamische "Major Minus" hat dagegen schon Geheimtippcharakter, während das ruhige "U.F.O." für meine Begriffe eher etwas untergeht.
Für die Idee eines Duetts mit Rihanna muss man die Coldplayer loben: Es gehört schon einiges an Mumm dazu, als ausgewiesene "richtige Rockband" (eigene Songs, selbst alle Instrumente spielen, ihr wisst was ich meine) mit einer unter selbsternannten "spezialisierten" Fans weitgehend verhassten Mainstream-Pop-Queen zusammenzuarbeiten und damit demonstrativ die Brücke zu den "Kids" zu schlagen. Nur dann hätte man natürlich einen VIEL BESSEREN SONG AUSWÄHLEN MÜSSEN als das unsägliche "Princess of China"; es ist einfach eine songschreiberisch völlig misslungene, nichtssagende und öde Nummer, sowohl für Rihanna- als auch für Coldplay-Verhältnisse.
"Up in Flames" provoziert von Beginn an mit einem bewusst billig klingendem Drum-Computer, der alle Authentizitäts-Illusionen mit Wonne völlig über Bord wirft - und die nicht allzu sturen Hörer dann doch mit kraftvollen Klavier-Akkorden und einem durchaus packenden Refrain versöhnt: Kein großer Song, aber ein guter. Ähnliches gilt auch für "Don't Let It Break Your Heart" und "Up with the Birds", ja das ganze Album kann so beschrieben werden.
Insgesamt klingt "Mylo Xyloto" trotz leichter songschreiberischer Schwächen im Vergleich zu den Vorgängerwerken der Coldplayer durchaus ansprechen. Es ist sehr zeitgemäß, ja vielleicht etwas zu zeitgemäß und deshalb nicht gerade zeitlos, wie der gemäßigte Rock-Purist in mir gerne zugesteht. Das macht das Ganze allerdings nicht weniger hörenswert. Ich freue mich - auch dank dieses Albums - auf die Stadion-Tour 2012. Doch wenn ich ganz ehrlich bin, freue ich mich am Ende dann doch mehr auf "Politik", "Clocks", "Fix You" oder "Violet Hill" als auf die neuen Sachen. Und in 5 oder 10 Jahren, wenn ich dann mal vor meinem Plattenschrank stehe und mal wieder Coldplay hören will, werde ich sicherlich nicht unbedingt "Mylo Xyloto" aussuchen, sondern ein früheres Album. Doch das ist, wenn man überhaupt so negativ sein will, Meckern auf hohem Niveau. Gute Arbeit, ihr Coldplayer.
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