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Rezensionen verfasst von
Michael Schäfer "Kaká" (Dortmund, NRW)

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Echoes, Silence, Patience & Grace
Echoes, Silence, Patience & Grace
Preis: EUR 12,98

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Insgesamt solide, 15. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Echoes, Silence, Patience & Grace (Audio CD)
Mit dem meiner Meinung nach überragenden "In Your Honor" haben sich die Foos mit ihrer Gegenüberstellung einer rockigen und einer akustisch geprägten Hälfte ihres Doppelalbums absolut in der Elite des Rock etabliert, gerade durch ihre überraschend großartige, ja faszinierende Performance im eher ruhigen Bereich, mit Top-Akustik-Balladen wie am Fließband ("On the Mend", "Virginia Moon", "Cold Day in the Sun" etc.). Nun ist der Versuch, diese auf "In Your Honor" noch kontrastiv dargestellten Aspekte ihres Könnens auf "Echoes, Silence, Patience & Grace" ebenso gekonnt zu verbinden, leider an einem einfach erkennbaren, aber so schwer zu behebenden Manko "gescheitert": Es fehlen auf der Albumdistanz die Melodien, die guten Einfälle im Songwriting. Die Jungs hätten sich bei der Produktion von "In Your Honor" vielleicht etwas für später aufheben sollen; denn waren auf letzterem noch ca. 15 von 20 Songs richtig klasse gelungen, so hat man auf "Echoes, Silence, Patience & Grace" doch nach etwa der Hälfte der Platte auch nach mehrmaligem Hören das Gefühl, dass da doch ein Gefälle zwischen den ersten 4, 5 und dem Rest der Tracks besteht. Um Missverständnisse zu vermeiden: Das heißt nicht, dass das Album schlecht wäre, es ist ein gutes Rockalbum, das man jedem Freund dieses Genres dringend ans Herz legen sollte, aber es bezieht seine Stärke, anders als die Vorgängeralben, aus einigen wenigen Einzelsongs, und zwar ausgerechnet aus den ersten Vieren, und diese überstrahlen den Rest deutlich. So kommt leider nicht dieses Flair eines Albums als Gesamtkunstwerk zustande, wie man es etwa bei "The Color and the Shape" in Reinform erleben kann.
Nun zu den Lobeshymnen:
Mit "The Pretender" brettern die Foos gleich so richtig los. Denkt man nach zwei Sekunden noch stark an "Stairway to Heaven", geht es danach gleich richtig ab. Ein typischer Foo-Opener mit richtig viel Power und einem exzessiven Sänger Dave Grohl; ganz stark.
Es kommt aber noch deutlich besser: Mit "Let it Die" folgt eine Verbindung verdächtig ruhiger Akustik-Passagen, die immer wieder vom enorm mitreißenden Refrain abgelöst werden und so in eine wahrhaft orgiastische Grohl-Performance erster Güte münden.
Highlight des Albums ist für mich jedoch "Erase/Replace", mit seinem unbestechlich geradlinigem Groove, seinen prägnanten Gitarren-Riffs, der rastlos-besessenen Art Grohls, uns immer wieder von Strophe zu Refrain zu hetzen und in letzterem wunderbar melodiös, und dabei zum Glück doch auch in sein charakteristisches Kreischen verfallend zu singen wie selbst er es selten zuvor geschafft hat. Wow!
Dass die sehr radiofreundlich gestaltete Hitsingle "Long Road to Ruin" mit seiner typischen Popsong-Struktur und seinen einfachen Akkordfolgen mit einem solch geilen Stück mithalten kann, zeugt von der enormen Power und der besonderen Qualität des Refrains. Eine Melodie, bei der man einfach nur mitsingen oder besser -gröhlen kann, es geht gar nicht anders, "LONG ROAD TO RUIN THERE IN YOUR EYES...". Spitze, Foos.
Was danach kommt, so muss ich zugeben, kann ich mir kaum merken. Ach ja, Track 5 ist "Come Alive", kein schlechter Song, fällt aber doch ab. Und auch alles weitere steht im Schatten der Top 4 (erinnert irgendwie an die Englische Premier League). Es ist zwar schön, dass auch ruhigere Töne angeschlagen werden, doch es gelingt einfach songschreiberisch nicht so gut wie auf Disc 2 von "In Your Honor". Es fehlt irgendwie der Kick.
Aber genug der Beschwerden: "Echoes, Silence, Patience & Grace" ist ein insgesamt grundsolides Rock-Album einer Top-Band, welches man besitzen sollte, doch welches sicherlich nicht das Prunkstück der Foo Fighters darstellt, da es auf die lange Distanz nicht das einhält, was etwa die Single-Auskopplungen versprechen. Nicht mehr, aber vor allem auch nicht weniger.


Elect the Dead
Elect the Dead
Preis: EUR 12,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Er kann es auch solo!!!, 15. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Elect the Dead (Audio CD)
Mit "Elect the Dead" hat Serj Tankian ein Soloalbum auf den Markt gebracht, auf dem er, wie ein sehr amüsanter youtube-Clip bezeugt, absolut alles selbst gemacht hat - vom Songwriting über das Einspielen sämtlicher Instrumente bis hin zur Produktion; ganz abgesehen vom Gesang natürlich. Und dennoch wirkt die Scheibe zumindest was das Songwriting angeht so, als wäre sie einfach die nächste System Of A Down-Platte, nur dass Daron Malakian sich geweigert hätte, wie sonst mitzusingen...und dass diesmal Klavierpassagen dabei sind. Und das ist, wenn man weiß, dass fast alle System-Songs zumindest hauptsächlich aus der Feder des genial-verrückten Gitarristen Malakian stammen, schon ein ganz schönes Kompliment für den guten Serj. Er hat sich all diese Songs ausgedacht, sich dabei sicherlich an seinem Kumpel aus der Band orientiert, aber dazu noch eine ganz neue Klangfarbe in den derben Gitarrensound eingeflochten, den man sonst von der armenisch-amerikanischen Metal-Hitmaschine kennt: und zwar das Klavier. Dieses Instrument dominiert weitgehend die Intros der Songs und verleiht ihnen somit ein gewisses majestätisches Flair, indem es eine kontrastreiche und hochinteressante Verbindung mit den nach wie vor harten E-Gitarren-Parts eingeht. So wirkt das klangliche Gesamtbild deutlich weniger ruppig als zu System-Zeiten; dafür sind aber die zentralen Stilmittel, die bislang gute System-Platten ausgemacht haben, weiterhin in Hülle und Fülle vorhanden. Überraschendes Umschwenken von ganz leise zu ganz laut, slawisch-orientalische Harmonien und Gesangsmelodien über klassichen anglo-amerikanischen Power-Rock-Grooves, ein höchst pathetischer Gesang, mit politischen, zeitkritischen Texten - auf all das muss der geneigte System-Hörer auch auf Serjs Solowerk nicht verzichten.
Da bei all dem die Melodien stimmen und ins Ohr gehen, der Sound nach wie vor voll mitreißender Kraft ist und die hymnischen Refrains einfach für Gänsehaut sorgen, kann man Serj Tankian nur zu seinem Solodebüt gratulieren. Es gibt fast kein Füllmaterial (naja "Praise the Lord..." soll wohl "experimentell" sein), etwa jeder zweite Song absolut hitverdächtig und kann in Sachen Songwriting und Melodieführung absolut überzeugen. Besonders hervorzuheben sind für mich dabei das packende "Lie lie lie", das dramatische "Honking Antelope", die durchaus radiotauglich und straight nach vorne rockende Single "Sky Is Over" sowie die brilliante Berg- und Talfahrt "Tearing Us".
Fazit: Ein absolutes Muss auch und vor allem für System Of A Down-Freunde. Ja, der Mann kann es auch solo, sein Songwriting ist nicht mal erkennbar schlechter als D. Malakians, und das will schon was heißen. Der Sound ist interessant, vor allem für Musikfreunde, die sich nicht knallhart und ausschließlich dem reinen Gitarren-Metal verschrieben haben, sondern sich über Pianointros und an den richtigen Stellen eingesetzte Streichinstrumente freuen.


Thinking of You
Thinking of You

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was für ein Song!, 10. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Thinking of You (Audio CD)
Lange Zeit wusste ich nicht, was ich von dieser Katy Perry halten sollte. Dieses hübsche Gesicht, diese schönen dunklen Haare, diese heißen Beine - wow! Aber musikalisch? Mit "I kissed a girl" wurde sie bei uns so richtig bekannt, und was das Video an Optik hergab, stellte den etwas schräpigen und effekthaschenden Möchtegern-Skandal-Song (denn was ist schon dabei?) schon ziemlich in den Schatten (was ich, nachdem ich den mir deutlich besser zusagenden Rock-Remix gehört habe, deutlich zugunsten des Songs relativieren möchte). Mit "Hot'n'cold" ging es dann schon steil aufwärts, dank gesteigerter Melodiösität und schwungvoller Rhythmik. Doch was dieses songschreibende Mädchen tatsächlich kann, zeigt sie uns erst auf dieser Single, "Thinking of you". Was für ein Song! Eine so schmerzerfüllte Ballade. Gänsehautfeeling ohne Ende, Gesang von einem anderen Stern, und zum Glück ein packendes und durchaus lautes Arrangement, das der balladesken Grundausrichtung des Songs den nötigen Drive nach vorne verleiht. Schon in den ersten Sekunden berührt Katy uns tief mit ihrer Stimme, die hochemotional und unheimlich authentisch rauf und runter geht und eine sehr abwechslungsreiche Lead-Melodie schon in der Strophe vorgibt. Ebenfalls supergeil: der kraftvolle Übergang von Strophe zu Refrain, mit jeweils kurzer Pause und hämmerndem Drum-Fill. Highlight des Songs ist dabei natürlich der abschließende Refrain, bei dem Katys Stimme sich am Höhepunkt so richtig schön orgiastisch und orgasmisch überschlägt, um in mitreißend-verheulte Gesangsvariationen über die abschließende Wiederholung des Refrains zu münden, die einem emotional endgültig den Rest geben. Wenn man den Song so richtig laut durchgehört hat, brauch man erstmal ne Pause, so sehr reißt die Nummer einen mit. Das ist höchste Qualität, und zwar in allen drei Kategorien, die gute Pop-Musik ausmachen: Songwriting, Arrangement und Gesang. Bleibt zu hoffen, dass Katy dies auch über die gesamte Albumdistanz nachweisen kann. Mach bitte so weiter Katy!


Kafka: Für eine kleine Literatur (edition suhrkamp)
Kafka: Für eine kleine Literatur (edition suhrkamp)
von Gilles Deleuze
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,00

27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit radikaler Offenheit zum totalen Kafka-Genuss, 28. Mai 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Was ist über diesen wunderbaren Autoren nicht für ein Mist geschrieben worden? Generationen von Studierenden und Schülern haben das Schreibgenie aus Prag als Autor des Eskapismus, des Schuldgefühls, des Vaterkomplexes, der negativen Theologie etc. präsentiert bekommen. Generationen von Literaturwissenschaftlern haben sich gegenseitig eingeredet, sie müssten in dieser Form über das verstörend-faszinierende Werk des Prager Rätsels Kafka urteilen, nur so sei es zu verstehen.
Das poststrukturalistisch orientierte Philosophenduo Gilles Deleuze/Felix Guattari hat diesem urdeutschen hermeneutischen Spekulierwahn den Kampf angesagt und betrachtet das Werk Kafkas in der vorliegenden Veröffentlichung aus einem völlig neuen, ungeahnten Blickwinkel, der nicht nur zu einer deutlich positiveren, weniger verklärten und von Normvorstellungen und psychoanalytischen Theorien verstellten Sicht auf den Autor und sein Werk führt, sondern sich auch als kohärente und überall in den Originaltexten nachvollziehbaren Kafka-Lektüre erweist.
Ausgangspunkt ist dabei das Deleuze/Guattarische Bild vom Rhizom: Hierarchisch gegliederte, eindeutig von a nach b weisende Strukturen im Baumformat werden demnach der Komplexität der Verhältnisse in der Welt nicht gerecht, vielmehr soll das Bild vom Rhizom, dem durch mannigfache Verbindungen zwischen allen Bestandteilen gekennzeichneten "unterirdischen Bau", als Orientierungshilfe im Umgang mit den Dingen der Welt fungieren.
In diesem Sinne liefern die Autoren mehrere Zugänge zum Werk Kafkas. Einer führt über den (titelstiftenden) Begriff der "kleinen Literatur". Als im bereits von einer deutschen Verwaltung dominierten Prag des ausgehenden Habsburger Reiches bedient sich Kafka der "großen Kultursprache" des Deutschen, um in ihr mit der Zunge des entwurzelten (wie Deleuze und Guattari es formulieren würden "deterritorialisierten") tschechischen Juden eine Form der Literatur zu entwerfen, in der alles Ausgesagte hochgradig politisch und für die gesamte Ethnie der Prager Juden von Bedeutung ist, da sich durch die räumliche Enge der jüdischen Enklave jede Stimme aus dem Volk zu einer kollektiven Aussage des Volkes verkettet.
Unter dieser Prämisse analysieren Deleuze und Guattari zunächst Kafkas Briefe, daraufhin seine Erzählungen und schließlich seine drei unvollendeten weil unendlichen Romane. Dabei betrachten sie, und das ist vielleicht der entscheidende Punkt, seine Texte nicht als Entsprechung von Ausdruck und Inhalt (wie es dem Selbstverständnis einer "großen Literatur" entsprechen würde), sondern bezeichnen das Werk als eine Schreib-Maschine, die beim Sich-Ausdrücken beginnt und so einen sprachlichen Intensivstoff erzeugt, der schließlich Inhalte hinterherschleift, die mit der Ordnung der Dinge in Konflikt stehen. So "demontieren" Kafkas Texte alle Instanzen, alle Regime, alle Formen der Repression, einfach alles, was das Verlangen zurückdrängen, "reterritorialisieren", ihm die Verbindungen abschnüren will. Im "Proceß"-Roman gelingt dies am perfektesten, denn hier demonstriert Josef K., wie er sich von der leeren Hülle des "Gesetzes", das ihn "verhaftet", nicht einfangen lässt, sondern wie er sich, einfach immer dem Verlangen folgend, von einer Situation in die andere überführen lässt, in einer unendlichen Verkettung von Zuständen und Intensitätsstufen der Maschine, die Kafkas Werk darstellt. Diese unendlichen Verkettungen in Kafkas Romanen sind für Deleuze und Guattari die dritte Stufe der Entwicklung der Kafkaschen Ausdrucksmaschine dar. Die ersten beiden Stufen waren die Briefe mit ihrem Versuch, sich aus den Zwängen gesellschaftlicher Erwartungen durch möglichst einfallsreiches Schreiben an die ungeliebten Lieben zu befreien ("Der Teufelspakt") sowie die Erzählungen mit dem Versuch, dem Teufelskreis von Fliehen und Eingefangen-Werden durch das Einführen der Metamorphose, der Verwandlung zum Tier, zu entkommen ("Was Kafka in seiner Stube betreibt, ist seine Verwandlung zum Tier"). Doch beide Versuche scheitern, auch wenn sie großartige literarische Werke wie etwa den "Brief an den Vater" oder die unzähligen faszinierenden Erzählungen ("Verwandlung", "Urteil", "Strafkolonie", "Die Sorge des Hausvaters", ...) hervorbringen. Denn sie bringen die Gefahr der Reterritorialisierung, des Eingefangen-Werdens mit sich. Nur die Verkettungen der endlosen Romane können Kafka die totale und absolute Deterritorialisierung, also sozusagen die "dauerhafte Freiheit" bringen.
Diese Kafka-Lektüre ist, wie man schnell feststellt, herausfordernd, voraussetzungsreich und sehr radikal. Gerade ihre philosophische, nicht literaturwissenschaftliche Herangehensweise ist es aber, was sie so wertvoll macht. Meiner Meinung nach wird nur eine Lektüre von einer solch radikalen Offenheit bei konsequenter Ablehnung jedweder Festlegung von Kafkas Werken auf irgendeinen "höheren", transzendenten Sinn der Genialität, Vielgestaltigkeit und betörend-verstörenden Schönheit der Originaltexte gerecht. Mit dieser Lektüre einher geht nur ein Appell: nämlich der zur Rückbesinnung auf das unvoreingenommene Lesen der Primärtexte, ohne Anspruch auf Finden eines "Sinns", ohne Deutungsabsicht im Hinterkopf. Einfach genießen, was dieser Prager Büroangestellte des Nachts in seiner Stube vollbracht hat: die wohl kreativsten, geheimnisvollsten, humorvollsten und schönsten Texte in deutscher Sprache überhaupt zu schreiben.


Abbey Road
Abbey Road
Preis: EUR 11,77

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das ultimative Abschiedsgeschenk an diese Welt, 16. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Abbey Road (Audio CD)
Nach dem katastrophalen Versuch, in den Londoner Twickenham Studios neue Songs einzuspielen und sich dabei durchgängig filmen zu lassen, um das neue Album letztendlich auch noch zur Gänze live aufzuführen und als Live-LP zu veröffentlichen, schien das Ende der größten Band aller Zeiten besiegelt. Interne Streitereien nahmen überhand, Uneinigkeiten über die künstlerische Ausrichtung wurden unüberwindbar und große Motivationsprobleme in Sachen öffentlicher Aufmerksamkeit und dem Leben in der Band, vor allem seitens der spirituell interessierten John Lennon und George Harrison, ließen keine andere Schlussfolgerung mehr zu. Doch es geschehen noch Taten und Wunder: Nachdem das Twickenham-Projekt erstmal auf Eis gelegt wurde (um später unter dem Titel "Let It Be" noch als ganz manierliches, wenn auch ziemlich unausgegorenes Abschlussalbum zu erscheinen), rauften sich die Fab4 noch einmal zusammen und präsentierten schließlich das bestmögliche Abschiedsgeschenk, was sie ihren Fans hätten machen können: Abbey Road, ein Album wie aus einem Guss, voller hitverdächtiger Melodien, aber auch und vor allem voller neuartiger, herausfordernder Song-Strukturen und interessanter Arrangements - eine Platte voller Inspiration und Harmonie; einfach der würdige Abschluss des größten popularmusikalischen Phänomens überhaupt.
Schon die berühmten Anfangssequenzen des leicht jazzig angehauchten Klassikers "Come together" weisen zum Auftakt die Richtung, bevor mit George Harrisons "Something" der vielleicht schönste Lovesong der Rockgeschichte erklingt, gespickt mit Harrisons gefühlvollen Gitarrenriffs, seiner butterweichen Stimme und satten Streichern - legendär. Weniger emotionsgeladen, dafür aber ebenso melodiös und eher amüsant geht es in der Folge bei McCartney Popnummer "Maxwell's Silver Hammer" sowie seinem genialen 6/8-Kracher "Oh Darling!" daher. Daraufhin darf auch Ringo Starr mal als Songwriter ran: Sein "Octopus' Garden" kommt eher als banales Popliedlein daher, das sich allerdings schnell und effizient im Gehör des Rezipienten festsetzt und da auch nicht mehr heraus möchte. Einen starken Kontrast dazu bildet der Geheimtipp dieser Platte: Mit "I want you! (She's so heavy!)" bietet John Lennon unter Zusammenarbeit mit dem Keyboarder Billy Preston alles auf, was er hat: Leidenschaft, Melodiegespür, einfach Genialität in Sachen herausforderndes Songwriting. Diese 7 Minuten-Nummer hat einfach alles - ein Hochgenuss für anspruchsvolle Musikgenießer. Wiederum eine totale Wendung um 180 Grad stellt Harrisons darauf folgendes "Here comes the sun" mit seinem berühmten zuckersüßen Gitarrenintro sowie seinen eher seichten Melodielinien und Textzeilen dar. Ein Welthit, zu dem man weiter nichts hinzufügen muss. Was nun folgt, ist eine Serie zusammenhängender Tracks, die Lennon und McCartney so ziemlich im Wechsel beisteueren und zu einem hochinteressanten Ganzen zusammenbringen: Zunächst erklingt das fast als Choral in Erscheinung tretende "Because"; mit "You never give me your money" geht es dann ebenso schwungvoll wie McCartney-mäßig melodiös weiter, bevor das meditativ daherkommende "Sun King" für Entspannung sorgt und zu zwei weiteren, eher spaßig anmutenden Lennon-Nummern, nämlich "Mean Mr. Mustard" und "Polythene Pam" überleitet. Was nun noch folgt, ist eine Reihe von 5 McCartney-Tracks, bestehend aus dem schwungvollen "She came in through the Bathroom Window", den Schlafliedern "Golden Slumbers" und "Carry that Weight", sowie dem plakativ an diese Stelle gesetzten Rocker "The End", der in einem klugerweise nicht zu opulent angelegten orchestralen Finale kulminiert und das Album eigentlich schon abschließt, wenn sich da nicht noch das kurze Scherz-Lied "Her Majesty" einschleichen würde (vermutlich als poststrukturalistische Absicherung gegen jegliche Kitsch-Vorwürfe).
Insgesamt präsentiert sich "Abbey Road" als großartiges und herausforderndes Rock-Album, welches als geschlossenes Ganzes daherkommt und sich trotz der späteren Veröffentlichung des eher tristen "Let It Be" mit Recht als das ultimative Abschiedsgeschenk der Beatles an diese Welt, die sie und ihre Musik seit jeher mit so offenen Armen empfangen hat, gelten kann.


There Is Nothing Left to Lose
There Is Nothing Left to Lose
Preis: EUR 5,99

4.0 von 5 Sternen Nichts zu verlieren, 8. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: There Is Nothing Left to Lose (Audio CD)
Als Nachfolger des grandios-mitreißenden "The Color and the Shape" hat das etwas ruhiger und poppiger gehaltene "There is nothing left to lose" vor allem bei eingefleischten Foo-Fighters-Anhängern naturgemäß einen schweren Stand. Dass dies jedoch nicht unbedingt für einen Qualitätsnachteil sprechen muss, wird nach mehrmaligem unvoreingenommenem Hören dieser CD klar ersichtlich. Erstaunlicher Melodienreichtum sowie eine sehr runde und harmonische Mischung aus vergleichsweise ruhigem, aber nie langweiligem Gitarren-Pop und einigen packenden Rock-Riffs der härteren Sorte sind die Stärken der Scheibe, die mal wieder beweist, dass ein wahrer Top-Songwriter wie Dave Grohl locker in verschiedene und neue Stilrichtungen vorpreschen kann, ohne sich hinter den "alten Hits" verstecken zu müssen. Dabei gibt bereits der Opener dieses Albums die Richtung für das gesamte Album vor: "Stacked actors" startet mit einem überzeugend-rauhen Gitarrenriff der Marke Nirvana, um sich in den Strophen als melancholisch-betörendes Pop-Juwel zu präsentieren und sich zum Refrain hin wieder auf sein ruppiges Auftaktriff zu berufen. So kommt das Nebeneinander von Rock- und Popelementen, welches das gesamte Werk kennzeichnet, besonders eindrücklich zum Ausdruck. Daraufhin folgen zwei der mitreißendsten Foo-Nummern überhaupt: Auf "Breakout" geht es so richtig zur Sache, im hohen Tempo rauschen die Fighters durch einen begeisternden Refrain, der bei aller Power immer noch zuckersüß und so richtig zum Mitsingen einladend daherkommt. Über den Charterfolg "Learn to Fly" braucht man nicht mehr viele Worte verlieren; einfach der perfekte Gitarrenpop-Song. Mit "Gimme stitches" und "Generator" folgen dann zwei rockige Nummern der Kategorie "gut, aber kein Highlight", bevor mit "Aurora" ein wunderschönes, ja episch anmutendes Mid-Tempo-Stück erklingt, das Grohl von seiner melancholischen Seite zeigt, mit allerlei harmonischen Gesangspassagen; ein Song, der sich Zeit nimmt und das auch darf. Danach leitet "Live-In Skin" zu einem der bekanntesten Tracks der Fighters über: Das poppige "Next Year" überzeugt mit seiner Eingängigkeit und Geradlinigkeit; die nötigen Ecken bzw. der wirklich mitreißende Höhepunkt fehlt diesem Stück aber. Ganz anders sieht es bei "Headwires" aus. Dieser Song beginnt unscheinbar: Ein dezentes Gitarrenriff breitet sich in Ruhe über einem treibenden Mid-Tempo-Groove aus und leitet in eine trügerisch-relaxed wirkende Strophe über, die schließlich in einem Super-Screamo-Refrain kulminiert. Das ist Dave Grohl wie er leibt und lebt; ein absoluter Foo-Fighter-Geheimtipp. Den Abschluss machen dann zwei Songs der poppigen Sorte: "Ain't It the Life" überzeugt mit einer denkbar einfachen und zuckersüßen Popstruktur, die dennoch nicht abgedroschen wirkt, und "M.I.A." enthält noch einmal einen typischen Foo-Refrain zum Mitsingen oder auch -schreien, wenn man will.
Insgesamt bleibt zu konstatieren, dass es sich bei "There is Nothing Left to Lose" mit Sicherheit nicht um einen großen, innovativen Wurf handelt, dennoch besticht das Album mit seiner klaren Konzeption, seiner Kurzweiligkeit und vor allem seinen eingängigen Melodien, die im Gitarrengewand der Foo-Fighters und dank des charismatischen Gesangs eines Dave Grohl in Top-Form voll zur Geltung kommen.


New Proficiency Gold. Coursebook
New Proficiency Gold. Coursebook
von Jacky Newbrook
  Taschenbuch
Preis: EUR 28,95

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Super Übung für angehende Englisch-Profis, 2. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Proficiency Gold" ist ein absolut empfehlenswertes Übungsbuch für niveauvolle Fremdsprachenlernende des Englischen, die ihre Sprachkenntnisse verfeinern, ihren Wortschatz um die etwas spezielleren Ausdrücke erweitern und ihr Grammatikverständnis perfektionieren wollen. Die schulbuchartige Struktur des Buches macht es zu einem geeigneten Begleiter für Universitätskurse. Texte mit ansprechenden und interessanten Inhalten, die die Allgemeinbildung betreffen, leiten die verschiedenen Kapitel ein, bevor dann Aufgaben zum Ausbau des Vokabulars, zu Grammatikthemen und vor allem zu Redensarten und sprachtypischen Kollokationen zur Verbesserung des Sprachstandes beitragen. Teilweise sind auch Aufgaben mit Möglichkeiten zur Selbstkontrolle vorhanden, sodass man auch weitgehend selbstständig mit dem Buch arbeiten kann. Besonders nützlich sind zudem die zusammenfassenden Grammatikkapitel am Ende des Buches, welche alle wichtigen Aspekte der englischen Grammatik sehr verständlich und mit einschlägigen Beispielen, aber in angemessener Knappheit, darstellen und erläutern.
Ein sehr empfehlenswertes Werk für Studierende oder auch sehr ambitionierte Schüler, die ihr Englisch aufbessern, nützliche sprachtypische Ausdrucksweisen kennenlernen und sich eine solide Basis für den professionellen Umgang mit der englischen Sprache erarbeiten wollen.


The Empyrean
The Empyrean
Wird angeboten von Bessere_Musik
Preis: EUR 22,97

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das ist das Leben!, 2. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Empyrean (Audio CD)
Wie inspiriert kann ein Mensch sein? Was für einen Spirit, was für eine Ausdruckskraft kann man in Musik hineinlegen, wenn man einst so entrückt von der Welt war und dann seinen Weg zurückgefunden hat in die Welt der Schönheit und Kunst? John Frusciante hat diesen Weg auf begnadete Weise genommen. Seine Sensibilität, seine Liebe zur Kunst, sicherlich aber auch seine jahrelangen exzessiven Drogenerfahrung in den 90ern haben ihn mit einer Wahrnehmung für das Metaphysische, für die Wahrheit hinter den mit den Sinnesorganen wahrnehmbaren Oberflächen dieser Welt ausgestattet, aus der er nun zehrt und uns, seinen höchst dankbaren Hörern berichtet. Mystischer und kryptischer denn je, dabei immer melodisch, immer leidenschaftlich, und textlich ebenso anspruchsvoll wie wunderschön, entführt uns Frusciante mit "The Empyrean" auf eine Reise durch all das, zu dem der menschliche Geist im Stande ist, wenn er Spiritualität leben und empfinden kann. "Unsere Imagination ist die realste Welt, die wir kennen; denn nur sie kennen wir aus erster Hand." Dieser Satz aus Frusciantes Beschreibung seines eigenen neuen Meisterwerks macht deutlich, welch tiefes Verständnis des menschlichen Geistes dieser Mann verinnerlicht hat - und in höchst inspirierte Kunstwerke umzusetzen weiß.
Mit "Before the beginning", einem denkbar einfachen und ebenso überragenden Instrumentaltitel, bei dem JFs Gitarre für 10 Minuten die Hauptrolle übernimmt, wird das Werk standesgemäß eingeleitet. Danach säuselt sich der Künstler auf "Song to the siren" auf bezaubernde Weise Herzschmerz von der Seele, bevor mit "Unreachable" der wahrscheinlich beste Track der Platte erklingt. Hier spielt sich zunächst ein mitsingbarer Midtempo-Rock-Song ab, der durch Vielschichtigkeit der Komposition ebenso besticht wie durch Eingängigkeit; doch das ist längst nicht alles, nach der Hälfte geht der Song in ein dezent-mystisches Gitarrensolo über, aus dem sich ein wahrer JF-Rock-Guitar-Solo-Orgasmus entwickelt, der zu den Highlights in Frusciantes reichhaltigem Solowerk gehört. Daraufhin ertönt mit "God" eine sehr ungewöhnliche Komposition: Der Erzähler der lyrics scheint Gott persönlich zu sein (ein hochinteressantes Textexperiment), und die Akkordfolgen und Melodielinien des Song klingen ebenso verstörend und betörend, wie es ein solch gewagter Text verlangt. Nach diesem weiteren Höhepunkt folgt der einzige Knackpunkt der Scheibe. Wie es der Songtitel schon vermuten lässt, ist "Dark/Light" ein zweischneidiges Schwert: Der erste Part "Dark" besticht als schmerzvolle Pianoballade mit mystisch-verfremdetem Sound; der zweite Teil "Light" hingegen mutet nicht nur erzwungen-fröhlich an, sondern besteht auch noch zu weiten Teilen aus einer wenig ansprechenden und langweiligen Akkordfolge, die ein ziemlich nervtötender Männerchor minutenweise wiederholt. Sorry John, but this song sucks! Das ist aber auch das einzige, was es aus meiner Sicht an negativem anzumerken gibt. Mit "Heaven" kommt die Melancholie zurück ins Album, und das eingängige "Enough of me" leitet gelungen zum zweiten Top-Song der Scheibe über: "Central" besticht nicht nur als typischer Frusciante-Rocker mit unglaublich mitreißendem Refrain, sondern auch durch eine nach 3 Minuten einsetzende und weitere 5 Minuten dauernde Coda, die durch packende Variationen von Gesang und Instrumentierung fast wie ein yogischer Kirtan wirkt und den Hörer nicht mehr loslässt. So genial, John!
Im Anschluss an diesen epischen Songdiamanten haben es das teilweise im "Opernsängerstil" vorgetragene "One more of me" und das wunderschöne, relativ dezent gehaltene "After the ending" zwar schwer, noch richtig zur Geltung zu kommen, doch nach mehrfachem Hören entwickeln auch diese Songs ihren ganz eigenen Reiz. Dies gilt übrigens auch für alle anderen Tracks: Je öfter man sie hört, desto mehr enfalten sie ihre betörende Wirkung und desto mehr beachtenswerte musikalische und textliche Details offenbaren sich dem aufmerksamen Zuhörer und Beobachter dieses Meisterwerks. JF 2009 - noch metaphysischer, noch geheimnisvoller, noch schöner! Dieser Mann wirkt von Jahr zu Jahr inspirierter. Seine Solokunst entwickelt sich mehr und mehr zu einem kaum zu übertreffenden Lebenswerk, das sich vor allem für solche Menschen erschließt, die ihren Geist für all das zu öffnen gedenken, was sich unserer durch die hektische, oberflächliche und verrohte westliche Zivilisation eingeschränkten Wahrnehmung nicht auf den ersten Blick erschließt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 21, 2009 12:11 AM MEST


Curtains
Curtains
Preis: EUR 15,83

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Persönliches Kleinod, 2. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Curtains (Audio CD)
Als sechster Teil der ebenso waghalsigen wie faszinierenden "6 Alben in 6 Monaten"-Serie, mit der sich John Frusciante endgültig als genialer Solokünstler, Sänger und Songschreiber etablierte, wirkt "Curtains" wie ein kleines Abschlussgeschenk Frusciantes an die (neugewonnenen) Fans. Hauptsächlich akustisch instrumentiert und im Singer/Songwriter-Stil vorgetragen, wirkt "Curtains" textlich wie musikalisch vergleichsweise simpel und sehr persönlich gehalten, deutlich weniger metaphysisch, kryptisch und herausfordernd als Rock-Meisterwerke wie "Will to death" oder "Shadows" bzw. elektronisch dominierte Alben wie "To record only water" oder vor allem "A sphere...".
Dies verurteilt das Album zwar zu einem Schattendasein im Vergleich zu den vielen genialen Vorgängern und Nachfolgern des kalifornischen Musikgenies, dennoch besticht die Platte mit ihrem angenehmen, dezenten und melancholischen Höreindruck von Anfang an.
Mit "The past recedes" startet "Curtains" als wunderschöne Reminiszenz an Cat Stevens. Sowohl gesanglich als auch was Instrumentierung und Songwriting angeht ist der Einfluss des Altmeisters beim Auftaktsong ebenso wie bei vielen anderen Tracks der Scheibe (z.B. "Anne", "The real" oder "Time tonight") nicht zu überhören. Die eben genannten Stücke bilden dann auch die Highlights von "Curtains", zusammen mit dem mystisch anmutenden "Control" und dem melancholisch-schönen "A name".
Insgesamt gehört das Album nicht nur in jede Frusciante-Sammlung, sondern auch in die Plattenschränke all derer, die die ruhigen, melodisch-melancholischen Töne zu schätzen wissen.


Rubber Soul
Rubber Soul
Wird angeboten von MIETES ONLINE SHOP
Preis: EUR 25,00

15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufbruchsstimmung, 12. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Rubber Soul (Audio CD)
"Rubber Soul" stellt zweifelsohne den endgültigen Vollzug des Übergangs vom Beatles-Sound der frühen, zwar bereits melodiös und gesanglich genialen, aber strukturell und textlich noch recht einfach gehaltenen Rock'n'Roll-Frühwerke hin zum anspruchsvollen Songwriting und den aufwändigen, vom genialen George Martin vorangetriebenen Studioproduktionen der Mid-60er dar. Nach den ersten vier Beat-Alben hatte "Help!" bereits durch komplexer werdende harmonische Strukturen ("Another girl", "You're gonna loose that girl") sowie "klassisch" angehauchte Arrangements ("Yesterday") angedeutet, in welche Richtung die Beatles sich weiterentwickeln würden.
Auf "Rubber Soul" ist nun deutlich eine Erweiterung des musikalischen Horizonts der Beatles zu spüren, wobei der Esprit des geradlinigen Roch'n'Roll wie eh und je auf Stücken wie dem mitreißenden Opener "Drive my car" und den nicht minder genialen Mid-Tempo-Nummern "You won't see me" (mein Geheimfavorit auf der Platte) und "Nowhere man" weiterhin vorhanden ist.
Doch es sind die stilistischen Innovationen, die das Album so besonders einschneidend für die musikalische Laufbahn der Beatles machen. Auf "Norwegian Wood" setzt George Harrison erstmals sein berühmt gewordenes indisches Lieblingsinstrument ein, die Sitar. Bei "Michelle" zeigt Paul McCartney nicht nur seine Fähigkeit, romantische Lovesongs von bleibender Schönheit zu schaffen, sondern verbindet dies mit einer für die Rock/Popmusik der damaligen Zeit völlig neuen Dimension von Komplexität der Harmonie- und Melodieführung. Sein Partner John Lennon steht ihm dabei mit "Girl" nur ein wenig nach, kompensiert das Weniger an Melodiösität seines Stückes jedoch mit einem deutlich interessanteren Text. Über den Evergreen "In my life", seine grazile Schönheit der Melodie und George Martins an J.S. Bach angelehntes Klavierzwischenspiel braucht man unter geneigten Musikfreunden kaum noch Worte zu verlieren. Wohl aber ist es ebenso lohnenswert, auch die weniger bekannt gewordenen Tracks dieses Albums unter die Lupe zu nehmen und zu würdigen, so wie etwa das fröhlich-schwungvolle "I'm looking through you", das schrille "The Word" und die beiden betörenden und erstmals wirklich gelungenen Harrison-Songbeiträge der Beatles-Geschichte, "Think for yourself" und besonders "If I needed someone", mit seinen glockenhellen Gitarrenklängen und dem tollen mehrstimmigen Gesang im Refrain.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Beatles dank des sehr runden und angenehmen Höreindrucks, der kraftvollen und melodiereichen Einzelsongs und des neu entdeckten Variantenreichtums in dieser Schaffensphase mit "Rubber Soul" ihr vielleicht bestes, aber definitiv den Auftakt zur Reihe ihrer drei besten Alben überhaupt ("Rubber Soul" - "Revolver" - "Sgt. Pepper") abgeliefert haben. Über die musikhistorische Bedeutung muss also ebenso wenig debattiert werden wie über die Qualität dieser 14 Tracks. Sie sollten in keinem Plattenschrank fehlen.


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