Profil für Nuigurumi > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Nuigurumi
Top-Rezensenten Rang: 4.763
Hilfreiche Bewertungen: 134

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Nuigurumi

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8
pixel
Die Frau von Shearwater Island: Roman
Die Frau von Shearwater Island: Roman
Preis: EUR 14,99

3.0 von 5 Sternen Ein Roman mit viel ungenutztem Potenzial, 9. September 2014
Eine Insel, auf der nur eine Handvoll Leute leben und die in den Wintermonaten von der Außenwelt abgeschnitten ist; ein Mord auf der Insel vor vielen Jahren; ein Schriftsteller, der auf die Insel zieht, um in Ruhe schreiben zu können … perfekter Stoff für einen Roman. Dazu das Hardcover, nach dessen geriffeltem Schutzumschlag mit dem schönen Bild man einfach automatisch greifen muss … es hätte das perfekte Buch sein können.

Nur wenige Menschen leben auf Shearwater Island. Im Sommer bringen Touristen Geld auf die Insel, das für das ganze Jahr reichen muss. Und in den langen Wintermonaten sind die Bewohner einerseits aufeinander angewiesen, andererseits gehen sie sich nach einer Weile sehr auf die Nerven. Zu dieser verschworenen Gemeinschaft stößt der Autor Patrick Fox, der auf der Insel an seinem zweiten Roman arbeiten will. Gegen den Willen einiger Inselbewohner zieht er zu Alice. Sie ist Mitte Dreißig und lebt seit dem Tod ihres Vaters allein in ihrem Haus. Es kommt, wie es kommen muss: sie verliebt sich in ihn und erzählt ihm an den langen Abenden zu zweit alles, was er über die Inselbewohner wissen will, selbst ihre größten Geheimnisse. Patrick wiederum kommt mit der Arbeit an seinem Buch nicht voran und merkt plötzlich, dass es ein viel interessanteres Thema gibt, nämlich die Geschichten, die Alice ihm erzählt…

Beim Lesen musste ich mir oft vor Augen führen, dass das Buch in der Gegenwart spielt, in der es zum Beispiel Email und Internet gibt. Zum Teil ist das Leben auf der Insel wirklich wie vor 50 Jahren, denn bei allem technischen Fortschritt müssen immer noch Haus und Hof gegen Sturm und Regen gesichert, Vorräte angelegt und mit dem elektrischen Strom sparsam umgegangen werden. Alice benimmt sich auch wie ein Backfisch von vor 50 Jahren, das war der Grund, warum ich in Gedanken immer in der Vergangenheit war und mich daran erinnern musste, dass die Handlung heute spielt.

Die Atmosphäre auf der Insel und die Natur dort sind wunderschön beschrieben. Ich hatte wirklich das Gefühl dort zu sein. Von der Atmosphäre her ist es ein sehr schönes Buch. Leider zerstört die Protagonistin, Alice, diese Atmosphäre total. Sie ist so naiv, gutgläubig und oft auch einfach dumm, dass ich es oft kaum ausgehalten habe. In der Handlung selbst geschieht sehr wenig und davon steht auch noch fast alles schon im Klappentext.

Es ist mir selten so schwer gefallen, eine Rezension zu einem Buch zu schreiben, aber hier treffen zwei Extreme aufeinander. Auf der einen Seite der schöne Stil der Autorin und die tolle Atmosphäre, die sie schafft, auf der anderen Seite die kaum vorhandene, vorhersehbare Handlung und die nervige Protagonistin. Auf einigen Seiten mit Beschreibungen der Insel war ich ganz in das Buch vertieft, bis irgendwann Alice wieder auftauchte, die Stimmung zerstörte und mich langweilte.

Aus diesem Buch hätte die Autorin mit einer besseren Story und ausgereifteren Charakteren so viel mehr machen können…!


Der Tag, an dem ich fliegen lernte: Roman
Der Tag, an dem ich fliegen lernte: Roman
von Stefanie Kremser
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erfrischend anders, 27. August 2014
Dies ist Luisas Geschichte: sie erzählt uns ihr Leben vom Tag ihrer Geburt an, als ihre Mutter Aza sie aus dem Fenster des 5. Stockes ihres Krankenhauszimmers warf und ohne Spur verschwand. Luisa hatte Glück, denn der Engländer Fergus, ein guter Rugbyspieler, ging zufällig unter dem Fenster entlang und fing sie auf. Kurze Zeit später zog Fergus zu Luisa, ihrem Vater Paul und seinen Mitbewohnern Max und Irene in die Münchener WG und gehörte von da an mit zur Familie. Luisa hat nie das Gefühl, dass in ihrem Leben etwas fehlt, bis sie in die Schule kommt und merkt, dass alle anderen Kinder eine Mutter haben. Etwa zu dieser Zeit bricht auch die WG auseinander und Paul und Luisa fahren nach Brasilien, um Aza zu suchen und um sie endlich zu verstehen…

Die Geschichte wird zwar aus Luisas Sicht erzählt, aber natürlich mit Gedanken, die kein Kind hat, sondern die sie gehabt hätte, wenn sie als Kind schon so hätte denken können. Doch das stört überhaupt nicht, man nimmt es der Autorin ab, dass das Kind Luisa erzählt. Der Stil ist am Anfang gewöhnungsbedürftig, da die Sätze oft lang und voll mit verschiedenen Gedanken sind – eben so, wie man denkt. Andererseits schreibt die Autorin einen so wundervollen Stil, dass es immer wieder Sätze gab, die ich mehrmals lesen musste, weil sie so schön und poetisch waren oder weil sie Gedanken so toll auf den Punkt gebracht haben. Stefanie Kremser IST eine begnadete Autorin.

Sehr gut gefallen hat mir auch die Atmosphäre des Buches. Man spürt in jeder Zeile die Liebe und Geborgenheit, von der Luisa als Kind umgeben ist. Vor allem wie Paul sich um sie kümmert und alles tut, damit sie ohne Mutter gut aufwächst, obwohl er noch Student ist und auf diese Situation gar nicht vorbereitet war, ist einfach rührend.

Der Mittelteil, in dem die Geschichte der Auswanderung von Deutschland nach Brasilien von Azas Familie erzählt wird, ist etwas langatmig und hat für mich nicht so richtig zum Buch und zur Atmosphäre gepasst, aber das tut meiner Begeisterung für diesen großartigen Roman keinen Abbruch. Es ist definitiv ein Buch für Leser, für die nicht nur Inhalt und Spannung zählen, sondern die sich auch an schönen Sätzen und Formulierungen erfreuen können und es zu schätzen wissen, wenn die Atmosphäre der Handlung eines Buches sich so gut auf den Leser überträgt.


Eisiges Geheimnis: Thriller
Eisiges Geheimnis: Thriller
von Karin Salvalaggio
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Interessanter Auftakt einer neuen Serie, 8. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Eisiges Geheimnis: Thriller (Broschiert)
In den meisten amerikanischen Krimis geschehen die Verbrechen inmitten einer Kleinstadtidylle und es ist schwierig, hinter den ganzen freundlichen Fassaden die "Bösen" ausfindig zu machen. "Eisiges Geheimnis" ist da ganz anders: die Handlung spielt in Collier, einer tristen Kleinstadt in Montana, in der gerade im Winter von Idylle nichts zu spüren ist, und in der fast jeder "böse" und in dunkle Machenschaften verstrickt zu sein scheint…

Vor elf Jahren wurden vier osteuropäische Mädchen in der Nähe von Collier tot aufgefunden. Leanne Adams, die Schwägerin eines unter Verdacht stehenden Spediteurs, verschwand daraufhin spurlos und ließ ihre kleine Tochter Grace zurück. Der Fall wurde von Macey Greeley und Ray Davies von der Montana State Police bearbeitet, aber nie gelöst.

Kurz vor Grace' 18. Geburtstag tritt Leanne wieder für einen kurzen Augenblick in ihr Leben: Grace muss vom Fenster aus mitansehen, wie Leanne ermordet wird. Grace läuft in der eisigen Winterkälte zu ihr und Leanne kann ihr gerade noch ein paar Worte zuflüstern, bevor sie stirbt. Ray überträgt den Fall wieder Macey, obwohl sie hochschwanger ist. Er selbst weigert sich, auch nur einen Fuß in die Stadt Collier zu setzen. Aber dass der Mord an Leanne etwas mit dem Mord vor elf Jahren zu tun hat, davon ist er überzeugt.

Macey ist dickköpfig und reagiert durch die Schwangerschaft manchmal hormongesteuert impulsiv, aber sie ist sympathisch. Viele Bewohner von Collier erinnern sich noch an sie, vor allem der Sanitäter Jared. Jareds Leben ist sehr kompliziert, da er von einer Frau geliebt wird, selbst aber in eine verheiratete Frau verliebt ist, die wiederum einen sehr eifersüchtigen Ehemann hat ... aber er ist sehr hilfsbereit und unterstützt Macey in ihren Ermittlungen, was man nicht von allen Bewohnern Colliers behaupten kann.

"Eisiges Geheimnis" ist kein besonders spannender Krimi, vor allem im Mittelteil fehlt die Spannung fast völlig und es ist mehr eine Erzählung, doch es hat mir trotzdem Spaß gemacht, Macey bei ihren Ermittlungen zu begleiten und langsam die Fassaden bröckeln zu sehen, denn nach und nach stellt sich heraus, wie viele Leute aus Collier in dem Fall der toten Mädchen vor elf Jahren und auch in neuere Vermisstenfälle verwickelt sind.

Der Stil des Buches hat mir gut gefallen und die düstere Atmosphäre der tristen Winterlandschaft gut wiedergegeben. Wenn neue Personen eingeführt wurden, hat es manchmal ein bisschen gedauert, bis ich verstanden habe, wie sie ins Bild passen, aber das war das Einzige, was mich etwas gestört hat.

Dieses Buch ist der Auftakt einer Serie um Detective Macey Greeley. Besonders viel erfährt noch nicht über sie, außer dass sie schwanger ist und den Namen des Vaters nicht preisgibt. Ich finde den ersten Band vielversprechend und werde sicher auch den nächsten lesen. Vielleicht spielt er ja im Sommer und ich bin gespannt, welche Atmosphäre dann in Montana herrscht.


Die Achse meiner Welt: Roman
Die Achse meiner Welt: Roman
von Dani Atkins
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Simpel, vorhersehbar und nichts als Klischees, 6. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Achse meiner Welt: Roman (Taschenbuch)
Das Thema "Junge Frau wacht im Krankenhaus auf und kann sich an die letzten Jahre nicht erinnern" scheint bei englischen Autorinnen in letzter Zeit sehr beliebt zu sein, so dass ich das Gefühl hatte, das Buch schon zu kennen, als ich anfing zu lesen. Und ich muss sagen, dass Dani Atkins sich meiner Meinung nach sehr stark bei Sophie Kinsella ("Kennen wir uns nicht") und Melissa Hill ("Denk an mich") bedient hat. Besonders viele eigene Ideen von ihr selbst sind in diesen Roman nicht eingeflossen.

Dabei fängt es interessant an: Rachel und ihre Freunde feiern ihren Schulabschluss. Dann passiert ein Unglück, bei dem Jimmy, mit dem sie seit ihrer Kindheit befreundet ist, stirbt. Rachel selbst behält eine große Narbe im Gesicht und Nachwirkungen ihrer Kopfverletzung zurück. Sie geht nie zur Uni wie geplant und ihr Vater erkrankt an Krebs. Fünf Jahre später hat sie wieder einen Unfall und als sie im Krankenhaus aufwacht, sind die Probleme der letzten Jahre wie weggewischt und sie lebt in einer perfekten Welt, in der sie mit dem gutaussehenden, reichen Matt verlobt ist, ihr Vater kerngesund ist … und in der Jimmy am Leben ist!

Obwohl die Geschichte nicht neu ist, hat die Autorin mich am Anfang neugierig gemacht und auch immer wieder Andeutungen eingestreut, von denen ich dachte, dass sie zur Auflösung des Rätsels führen - aber das war alles nur heiße Luft… Sehr schnell wird die Handlung simpel und es passiert kaum noch etwas. Das Wenige, was passiert, ist so vorhersehbar, dass es einfach nur langweilig ist.

Am schlimmsten sind die Charaktere: jeder von ihnen ist ein wandelndes Klischee. Rachel ist eine ständig jammernde Göre, die aus mir unverständlichen Gründen von zwei Männern so geliebt wird, dass es für beide keine andere Frau in ihrem Leben gibt. Matt ist der typische reiche Sunnyboy, der blöde Bemerkungen über den ärmeren Jimmy macht - der Rachel natürlich nicht bekommt, solange es jemanden wie Matt gibt - und Jimmy … Jimmy ist so perfekt, dass mir beim Lesen schlecht wurde! Dann gibt es natürlich noch die Nebenbuhlerin für Rachel, die hübsche Cathy, bei der Matt ab und zu schwach wird…

Ach ja, und mit dem Ende hat die Autorin sich auch sehr einfach aus der Affäre gezogen!

Die ersten beiden Kapitel waren vielversprechend, aber dann war ich froh, dass das Buch so dünn ist, denn für mich war die Lektüre einfach nur vergeudete Zeit.


Die Burg der Könige: Historischer Roman
Die Burg der Könige: Historischer Roman
von Oliver Pötzsch
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Viel Kulisse, wenig Spannung und Inhalt, 31. Juli 2014
Auf dem Trifels, der legendären Burg der Staufer, kennen sich Agnes, die Tochter des Burgvogts, und Mathis, der Sohn des Burgschmieds, seit ihrer Kindheit und sehen keinen Grund, als Erwachsene getrennte Wege zu gehen, auch wenn die gesellschaftlichen Konventionen im 16. Jahrhundert das vorschreiben. Agnes kommt zufällig in den Besitz eines Rings, woraufhin sie Träume und Visionen bekommt, deren Ursache sie auf den Grund gehen möchte. Mathis schließt sich den Aufständischen an, da er von Gerechtigkeit träumt, und wird plötzlich als Aufrührer gesucht. Gemeinsam fliehen sie vom Trifels und machen sich auf die Suche nach der Geschichte des Rings, die gleichzeitig auch Agnes' eigene Geschichte ist…

Ich mag historische Romane und dieser hier sah so vielversprechend aus mit der schönen Gestaltung und geschrieben von einem namhaften Autor historischer Bücher. Leider hat mich das Buch ziemlich enttäuscht. Es ist zwar gut recherchiert, die Beschreibungen sind alle sehr schön, und man merkt, dass es mit viel Leidenschaft geschrieben wurde, aber das war es auch schon. Die Geschichte zieht sich ohne jede Spannung über fast 1000 Seiten. Die Handlung an sich ist zwar sehr weit hergeholt und mit Agnes' "Visionen" wahrscheinlich nicht jedermanns Sache, aber das ist nicht das Hauptproblem. Irgendwie ist alles sehr vorhersehbar und die meisten kommenden Ereignisse werden durch Gedanken der Figuren oder durch Dialoge ganz offen angekündigt, so dass überhaupt keine Spannung aufkommt. Normalerweise lese ich solche Schmöker in einem Rutsch in zwei Tagen und Nächten durch, aber dieses Buch habe ich immer wieder nach 20-30 Seiten zur Seite gelegt, weil es mich nicht genug gefesselt hat. Ich habe es zu Ende gelesen, weil es im Großen und Ganzen ganz nett war, aber überzeugt hat es mich nicht.

Das war das erste Buch des Autors, das ich gelesen habe, und es wird ganz sicher auch das letzte sein, da ich den Stil schlecht und unangemessen für einen historischen Roman fand. Von der viel zu modernen Wortwahl in den Dialogen abgesehen, hat mir vor allem der inflationäre Gebrauch des grauenhaften neudeutschen Ausdrucks "einmal mehr" die Freude am Lesen verdorben. Ob mittelalterliche Grafen im 16. Jahrhundert wohl tatsächlich zu ihren Frauen gesagt haben: "Halt den Mund! Sonst lasse ich dich einmal mehr in deine Kammer einsperren!"? Ich hoffe doch, dass es nicht einmal moderne Grafen gibt, deren Sprachniveau so tief gesunken ist…


Himmelfahrt
Himmelfahrt
von Richard Dübell
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Beziehungsprobleme und andere Naturkatastrophen, 21. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Himmelfahrt (Taschenbuch)
Ach, dabei waren sich Hauptkommissar Peter Bernward und Hauptkommissarin Flora Sander am Ende des ersten Bandes doch endlich nähergekommen! In der Zwischenzeit waren sie sogar für einige Zeit zusammengezogen, bevor Peters übertriebene Fürsorglichkeit dafür gesorgt hat, dass Flora und ihre Tochter Julia wieder in ihre alte Wohnung zurückgegangen sind. Und jetzt hat Flora auch noch einen neuen Freund, Viktor, ein reicher Landshuter Unternehmer, neben dem Peter sich immer wie der letzte Depp vorkommt...

Aber es gibt größere Probleme, denn in der Nähe von Landshut hat ein Damm nachgegeben und die halbe Stadt unter Wasser gesetzt. Gut, dass die Verbrechensrate dort so niedrig ist, denn die meisten Polizisten sind damit beschäftigt, ihre eigenen Keller oder die von Freunden und Verwandten zu retten. Doch dann geschieht in einem Haus, in dem mehrere Prostituierte Zimmer haben, ein Mord. Peter und Flora sind die einzigen, die Zeit haben, sich darum zu kümmern, aber ein Team - so wie früher - sind sie im Moment nicht. Das führt so weit, dass ihr Vorgesetzter die beiden trennt und Flora den Fall alleine überträgt. Gekränkt und mit Hilfe der attraktiven Staatsanwältin Sabrina Hauskeck, die gerne Floras Platz einnehmen würde, ermittelt Peter nicht nur auf eigene Faust weiter, sondern versucht auch herauszufinden, ob er nicht irgendeinen Fleck auf der weißen Weste von Floras neuem Freund entdecken kann.

Als noch weitere Morde geschehen, fällt der Verdacht auf einen gerade aus der Haft entlassenen Betrüger, der das Geld vieler Landshuter Bürger veruntreut hat und dessen Spur sich nach der Haftentlassung verloren hat. Während der Pegel in Landshut steigt, versuchen Flora und Peter herauszufinden, was die Mordopfer verbindet und geraten dabei selbst in Gefahr...

"Allerheiligen", der erste Band mit diesem Ermittlerpaar, hat mir sehr gut gefallen, und alles, was mir dort gefallen hat, habe ich auch hier im zweiten Fall wiedergefunden. Richard Dübell ist ein guter Autor, der toll schreibt, Spannung aufbaut und Neugierde weckt und der die für mich richtige Mischung aus Polizeiarbeit und Privatleben der beiden Kommissare findet.

Dass ich diesem Band nur vier Sterne gebe, liegt daran, dass ich mit dem Fall selbst nicht ganz warm wurde. Ich wurde einige Male aus dem Lesefluss gerissen, weil ich plötzlich nicht wusste, wer jemand ist und erst zurückblättern musste, oder weil ich nicht sofort verstanden habe, warum die Ermittler an einen bestimmten Ort oder zu einer bestimmten Person fahren. Das Lesen war ein bisschen holprig und das hat mich gestört.

Trotzdem ist "Himmelfahrt" der zweite Band einer interessanten Serie mit vielen sympathischen Charakteren, die ich gerne an einem weiteren Feiertag wieder einmal treffen möchte.


Zertrennlich
Zertrennlich
von Saskia Sarginson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Liebe und Schuld, 21. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Zertrennlich (Gebundene Ausgabe)
Um Liebe und Schuldgefühle und wie sie untrennbar miteinander verbunden sind – so wie eineiige Zwillinge – geht es in diesem Buch. Es gibt wenig "richtige" Handlung. Der Leser muss sich aus den Erinnerungen der Zwillinge Isolte und Viola selbst eine Vorstellung davon machen, was in der Kindheit der Zwillinge passiert ist und warum es ihr Leben mit Mitte Zwanzig immer noch so sehr beeinflusst und sie sich nicht davon lösen können.

London 1987: Isolte arbeitet bei einer Modezeitschrift, hat sich vor kurzem eine schöne Wohnung gekauft und ist mit dem gutaussehenden Fotografen Ben zusammen. Ein perfektes Leben, denken alle, die sie kennen. Doch in Wirklichkeit ist sie von Schuldgefühlen zerfressen, was auch dazu führt, dass sie sich Ben nicht ganz öffnen kann. Sie kann diese Schuldgefühle aber besser verstecken als ihre Zwillingsschwester Viola, die zum wiederholten Mal wegen ihrer Magersucht im Krankenhaus liegt, weil sie die Vergangenheit einfach nicht bewältigen kann.

Ausgehend von ihren jeweiligen Situationen 1987 erinnern sich Isolte und Viola an ihre Kindheit in Suffolk, die 1972 damit endete, dass ihre Mutter Selbstmord beging und die beiden zu ihrer Tante nach London kamen. In Suffolk sind die Mädchen immer mit einem befreundeten männlichen Zwillingspaar durch die Wälder gestreift, wo sie nicht nur Schönes erlebt haben und wo am Ende das Unaussprechliche geschah, was aus Isolte und Viola das gemacht hat, was sie im Jahr 1987 sind.

Das Buch ist nicht einfach zu lesen – am Anfang habe ich überlegt, ob ich überhaupt weiterlesen möchte – aber dann hat mich die Atmosphäre in ihren Bann gezogen. Die Perspektive wechselt ständig von Isolte zu Viola, von der Gegenwart in die Vergangenheit, ohne dass das zum Beispiel in einer Überschrift angegeben wird. In den ersten Sätzen jedes neuen Absatzes muss der Leser sich reinfinden. Viele Begebenheiten werden mehrmals aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was die Handlung oft schwerfällig macht, dem Leser die Charaktere aber näherbringt. Am Ende bleiben auch viele Fragen offen, die man als Leser gerne beantwortet hätte.

"Zertrennlich" lebt weniger von der Handlung, die oft kaum erkennbar ist, als von den Charakteren und ihren komplizierten Gefühlsleben. Von Anfang an geht es um lieben und geliebt werden und um Konkurrenzkampf in der Liebe, sei es Mutterliebe, Geschwisterliebe oder partnerschaftliche Liebe, und um die Auswirkungen, die diese Gefühle auf die Menschen haben und wie sie Menschen verändern können. Hierbei ist natürlich besonders interessant, wie unterschiedlich Isolte und Viola sich entwickeln, obwohl sie eineiige Zwillinge sind. Die Autorin hat selbst Zwillingstöchter und sagt im Nachwort, dass ihre Töchter ihr "den ultimativen Einblick in das komplizierte Leben eineiiger Zwillinge gewährt" haben.

"Zertrennlich" ist ein Buch mit viel düsterer Atmosphäre, die den Leser nicht loslässt, und mit viel Tiefe bei den Charakteren, die mich auch nach Beendigung des Buches weiter beschäftigen.


Sommer der Wahrheit: Nele Neuhaus schreibt als Nele Löwenberg
Sommer der Wahrheit: Nele Neuhaus schreibt als Nele Löwenberg
von Nele Löwenberg
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine andere Seite von Nele Neuhaus, 30. Juni 2014
Nebraska im Jahr 1994 und Sheridan Grants Leben verändert sich. Bisher führte sie ein relativ unbeschwertes Leben mit vier älteren Brüdern auf der riesigen Farm ihrer Adoptiveltern. Zugegeben war das Verhältnis zu ihrer Adoptivmutter schon immer schwierig gewesen, da sie Sheridans Kreativität, Musikalität und Wissbegier unterdrücken wollte, aber wenigstens hat der Adoptivvater bisher immer zu ihr. Das ändert sich in diesem Jahr. Zuhause wird es immer langweiliger für Sheridan und sie fängt an, sich "in schlechter Gesellschaft" in einer baufälligen Mühle aufzuhalten. Eines Tages wird die Mühle von der Polizei geräumt und ihre Adoptiveltern machen ihr danach das Leben noch schwerer als zuvor. Sheridans Weltbild gerät ins Wanken. Bisher hatte sie die Polizei als "Freund und Helfer" betrachtet und auf ihren Adoptivvater nichts kommen lassen. Doch jetzt verhält er sich ihr gegenüber genauso kalt wie ihre Adoptivmutter es schon immer getan hat.

Doch dann zieht ihre Tante ins Nachbarhaus, der einzige Mensch, mit dem Sheridan wirklich reden kann, und in der Bibliothek der Tante darf sie nach Herzenslust herumstöbern und entdeckt in den Büchern zum ersten Mal Liebe und Sex. Was sie in diesen Büchern erfährt, kann sie erst kaum glauben, beschließt dann aber es auszuprobieren. An Männern, die ihr verfallen – oft viel älter als sie – mangelt es nicht. Aber da sie darüber nicht einmal mit ihrer Tante sprechen kann, bekommt sie seltsame Vorstellungen von "Liebe" und nach einem schrecklichen Vorfall in der Halloween-Nacht ist nichts mehr wie es war…

Die Idee zu diesem Buch kam der Autorin auf einer USA-Reise, die sie mit Anfang Zwanzig unternahm. Jetzt ist sie mit ihren Taunus-Krimis berühmt und hat sich ihren Traum erfüllt, das Buch endlich zu schreiben. Man merkt, dass sie jünger war, als sie die Idee hatte. Beim Lesen war es mir oft nicht klar, ob ich gerade ein Jugendbuch oder ein Buch für Erwachsene in den Händen halte.

Sheridan ist eine Protagonistin, die den Leser sofort in ihre Geschichte hineinzieht und ihn bis zum Ende nicht loslässt. Das Buch steht und fällt mit ihr. Das ist einerseits gut, denn ich habe mich keine Sekunde gelangweilt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Andererseits kommen neben ihr alle anderen Charaktere zu kurz und wer die Bücher von Nele Neuhaus kennt, weiß, dass die Beschreibung der verschiedenen Charaktere sonst eine Stärke von ihr ist. Das war ein bisschen enttäuschend.

Aber alles in allem hat mich das Buch sehr gut unterhalten und ich freue mich für die Autorin, dass sie sich mit dem Schreiben dieses Buches einen Wunsch erfüllen konnte!


Der Apfelsammler: Roman
Der Apfelsammler: Roman
von Anja Jonuleit
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Atmosphärischer Familienroman, 22. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Apfelsammler: Roman (Broschiert)
Die Geschichte ist nicht neu: Hannahs Tante Eli, bei der Hannah aufgewachsen ist und die die letzten Jahre in Italien gelebt hat, stirbt. Da Hannah sich gerade von ihrem Freund getrennt hat, fährt sie nach Italien. Jetzt bereut sie, dass sie ihre Tante nie besucht hat. Sie möchte sich das Haus der Tante ansehen, bevor sie entscheidet, ob sie es verkauft oder nicht, und sie hofft, mehr darüber herauszufinden, wie ihre Tante gelebt hat und warum es sie gerade nach Umbrien verschlagen hatte.

Vom Anfang des Buches an werden Hannahs Geschichte, nachdem sie vom Tod der Tante erfahren hat, und Elis Leben parallel erzählt. Nachdem Eli sich schon als Teenager in ihrem Heimatdorf in einen italienischen Gastarbeiter verliebt hatte, verlief ihr Leben turbulenter, als sie zu träumen gewagt hätte, und auch ihr letzter Wohnort hatte mit dieser einen großen Liebe in ihrem Leben zu tun…

Elis Geschichte fand ich sehr interessant. So weit weg sind die 60er Jahre, in denen Eli ein Teenager war, ja gar nicht, und trotzdem liest es sich wie ein Leben aus einer anderen Welt. Hannahs Geschichte und ihre Erlebnisse in Italien fand ich zum Teil etwas langweilig. Das Schöne an diesem Teil des Buches sind die Beschreibungen der umbrischen Landschaft und Orte. Das hat mir am ganzen Buch am besten gefallen: die Beschreibungen sind so ausdrucksstark und bildhaft, dass ich alles vor mir gesehen habe, obwohl ich noch nie in Italien war, und am liebsten wäre ich sofort losgefahren, um alles mit eigenen Augen zu sehen.

Das Buch lebt für mich von Elis Geschichte und von den Beschreibungen Umbriens, ansonsten ist es ein bisschen flach und langatmig, da die Handlung ja auch viel enthält, das schon in vielen anderen Büchern vorkommt. Es gibt keinen richtigen Spannungsbogen und keinen Höhepunkt, und selbst am Ende, als das "Geheimnis" gelüftet wird, wird das nicht sehr hervorgehoben, sondern geht beinahe unter.

"Der Apfelsammler" ist für mich ein Buch, das sich sehr schön liest und Lust auf Italien macht, dessen Inhalt ich aber bis auf ein paar Szenen in Elis Leben in wenigen Tagen vergessen haben werde.


Allerheiligen: Kriminalroman
Allerheiligen: Kriminalroman
von Richard Dübell
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein richtiger KriminalROMAN, 18. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Allerheiligen: Kriminalroman (Taschenbuch)
Richard Dübell schreibt normalerweise historische Romane, in denen es um Intrigen, Mord und Ähnliches geht, also gar nicht so weit weg vom modernen Krimi. Eine Figur, die in seinen historischen Romanen oft auftaucht, ist Peter Bernward. Das ist auch der Name des Kommissars in seiner neuen Krimiserie, die in der Gegenwart spielt. Peter Bernward lebt in Landshut und interessiert sich durchaus für Geschichte, vor allem für die seiner Heimatstadt, aber sein Vater treibt ihn mit seiner Ahnenforschung fast in den Wahnsinn. Will er seinem Sohn doch weismachen, dass es in Landshut im Mittelalter schon einmal einen "Kommissar", zumindest eine Art Polizisten, mit Namen Peter Bernward gegeben hat…

Ansonsten ist Peter zufrieden mit seiner Arbeit als Kommissar im eher beschaulichen Landshut und kann sich auf sein zweites Problem neben seinem Vater konzentrieren: seine Kollegin Kommissarin Flora Sander. Er mag sie, sie mag ihn auch. Sie waren auch schon einmal zusammen im Bett, können aber nicht darüber reden und tun so, als ob nichts war. Sie benehmen sich wie zwei Teenager und als Leser ist es schwer, das mitanzusehen!

Ihren Ex-Mann Harald erwähnt Flora nie, doch dann taucht er plötzlich bei der Landshuter Polizei auf. Er leitet eine Sonderkommission, die einen Geiselnehmer sucht, und die Spur führt nach Landshut. Die hiesigen Kollegen lässt er aber nur deswegen zusammenrufen, um ihnen zu sagen, dass sie sich gefälligst aus dem Fall raushalten und ihn der Münchener Polizei überlassen sollen. Das lassen Peter und Flora nicht auf sich sitzen, zumal sie bald merken, dass die Spur nach Landshut viel heißer ist, als Harald denkt, und weil sie Angst haben, der Geiselnehmer könnte bei einem Event auf der Burg Trausnitz erneut zuschlagen…

"Allerheiligen" ist ein Kriminalroman, bei dem das Wort Roman wichtig ist. Obwohl es einen Kriminalfall und Ermittlungen gibt und auch zwei Morde beschrieben werden, hatte ich das Gefühl, einen Roman zu lesen. Der Leser erfährt viel über die Geschichte Landshuts, da eine Episode eine wichtige Rolle in dem Fall spielt, und weil Peter und Flora einer Gruppe angehören, die mittelalterliche Führungen in Landshut anbietet. Außerdem legt der Autor großen Wert auf zwischenmenschliche Beziehungen nicht nur zwischen Peter und Flora und Peter und seinem Vater, sondern auch in der Familie des Täters. Wer der Täter ist, wird auch schnell klar; im Laufe des Buches geht es hauptsächlich darum, ihn zu fassen und sein Motiv zu verstehen.

Mir hat "Allerheiligen" sehr gut gefallen, gerade weil es kein einseitiger Krimi ist, sondern noch anderen Facetten hat. Die Sprache, der Aufbau, der Inhalt – so muss ein gutes Buch sein. Die Charaktere sind gut beschrieben und niemand ist perfekt. Peter mit seiner Eifersucht gegenüber Floras Ex-Mann und Harald in seinem Größenwahn als Leiter der SOKO machen Fehler, die die Ermittlungen in Gefahr bringen, aber ihre Handlungen sind immer nachvollziehbar. Da gibt es keinen Superkommissar, der allen überlegen ist, wie in so vielen anderen Serien, sondern nur Menschen.

Ich freue mich jedenfalls auf den nächsten Band und hoffe, dass das Ende des ersten Bandes Peter und Flora einander nähergebracht hat!


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8