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Rezensionen verfasst von
Kassander

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Jungen!: Wie sie glücklich heranwachsen
Jungen!: Wie sie glücklich heranwachsen
von Steve Biddulph
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Jungen sind anders, aber immer so?, 18. Oktober 2012
"Jungen! Wie sie glücklich heran wachsen" ist ein leicht und zügig zu lesendes Büchlein, spezifisch pädagogisches oder entwicklungspsychologisches Vorwissen ist zum Verständnis nicht notwendig. "Jungen sind anders als Mädchen" und ihr "jungenhaftes" Verhalten ist mehr als das Produkt von Sozialisation und erlernten Rollen. Der Autor bewegt sich hier ganz auf biologischem Terrain und führt das männliche Sexualhormon Testosteron als Hauptverantwortlichen für sämtliche Schwierigkeiten der Entwicklung vom Jungen zum Manne an.
Einzelne kleine Kapitel (Väter und Jungen, Mütter und Jungen, Jungen und Sport, ...) werden durch kurze Zusammenfassungen abgerundet, die nochmals auf besonders handlungsrelevante Feststellungen verweisen, der Text selbst ist durch recht viele Exkurse und Abbildungen unterbrochen.

Nach der Lektüre habe ich gemischte Gefühle. Einerseits empfinde ich es als wohltuend, dass der Autor dem jahrzehntelangen und deswegen immer noch in unseren Köpfen herumspukenden Irrtum, das unterschiedliche Erleben und Verhalten von Jungen und Mädchen beruhe lediglich auf unterschiedlicher Erziehung, eindeutig entgegen tritt und das biologisch-trennende betont, andererseits kommt das "Testosteron" beinahe schon als kausales Etwas daher, das im Sinne von "je auffälliger das Verhalten, desto mehr Testosteron im Blut" alles hinweg erklärt.
Biddulph wagt einen Ausflug in die Sozialstruktur nativer Stammesgemeinschaften und erklärt so die Notwendigkeit von Initiationsriten und Mentorensystemen für die Entwicklung der jungen Männer. Gut gemeint und sicherlich auch beachtenswert, aber es gibt auch andere Möglichkeiten, Jungen aufzuklären als ihnen zum zehnten Geburtstag feíerlich bei einem Festessen zu eröffnen, dass sie nun in die Welt der Erwachsenen und der Sexualität eintreten. Hoffentlich bleibt dem Knaben da nicht das Essen im Halse stecken, möchte man einwenden, vor allem, da der Autor auch zugibt, sein eigener Sohn habe sich während des Unterfangens nicht gerade wohl gefühlt, was aber auf den besonderen Charakter von Initiationen zurückzuführen sei. Aha, so kann man das natürlich auch deuten...

Den weiteren Inhalt habe ich als recht beliebige Sammlung von wissenschaftlich halbwegs belegten Alltagsweisheiten empfunden. Der Papa solle viel mit dem Jungen reden, auch zärtliche Gefühle zulassen, in der wichtigen Phase ab sechs Jahren besonders viel Zeit mit dem Kind verbringen..., na ja, jeder am Kind interessierte Mensch denkt sich derartige Dinge wohl eh, und die, die es nicht tun, kaufen alles, aber keine Erziehungsratgeber. Andere Ratschläge empfinde ich dagegen als geradezu anmaßend und gefährlich. "Mutet eurem Jungen bloß nicht in den ersten drei Lebensjahren Fremdbetreuung zu", heißt es da sinngemäß. Jungen würden unter dem Trennungsschmerz von der Mutter ganz besonders leiden, meint der Autor. Verhaltensauffälligkeiten seien zu erwarten, wenn die Jungen so früh in Betreuung gegeben werden. Hallo? Nicht nur, dass Biddulph hier die soziale Realität aus den Augen verliert, die These selbst ist äußerst fraglich. Erfahrene ErzieherInnen, und ich kenne einige, äußern dagegen, dass Krippenkinder, egal welchen Geschlechts, beim Übertritt in den Kindergarten durch ein hohes Maß an Fähigkeiten, aber auch gut ausgebildeter Sozialkompetenz auffallen, was konkret bedeutet: Sie sind höflich, können sich in Gruppen einfügen, verfügen über eine hohe Frustrationstoleranz. Meine Gegenthese: Bei einer gelungenen und sicheren Bindung zwischen Eltern und dem kleinen Knaben spricht überhaupt nichts dagegen, ihn täglich ein paar Stunden in die Krippe zu geben.

Was noch sehr störend wirkt, ist der Versuch des Autors, besonders "lustig" zu wirken. Dass die Männer es "im Bett büßen" würden, wenn sie sich zu sehr aus Haushalt und Erziehung heraushalten, empfinde ich als unnötig und dem Leser anbiedernd. So etwas gehört nicht in einen Ratgeber mit seriösem Anspruch.
Da das Buch aber ansonsten recht frisch daher kommt und auch einige interessante Aspekte beleuchtet, kann ich drei Sterne noch vertreten.

Der Verrat am Selbst: Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau
Der Verrat am Selbst: Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau
von Arno Gruen
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

79 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Autonomie des Menschen und ihre Zerstörung, 19. April 2007
Arno Gruen beschreibt in diesem Buch die Autonomie des Menschen und die grundlegende Tendenz mancher Gesellschaften, die Entwicklung derselben zu verhindern.

Was versteht der Autor unter Autonomie: Kurz gesagt, die Fähigkeit, im Einklang mit den eigenen Bedürfnissen zu leben.

Die Unterdrückung der Autonomie eines Individuums kann nach der Theorie Gruens zwei wesentliche Konsequenzen haben:

1. Der Wunsch nach wahren Gefühlen wird vom Selbst abgespalten und in einem gnadenlosen Haß nach allem ausgedrückt, was das Individuum an die eigene Schwäche und Verletzbarkeit erinnert.

2. Die Autonomie versteckt sich hinter scheinbar abhängigen Verhaltensweisen wie Gehorsam und Unterwürfigkeit. "Ich bin so, wie du mich sehen willst", ein fataler Versuch, die eigene (Schein-)Autonomie aufrechtzuerhalten.

Gruen identifiziert Gesellschaften, die in erster Linie auf MACHT aufgebaut sind und sich Tugenden wie Leistungsstreben und Selbstbehauptung verschrieben haben, als eigentliche "Träger" dieser Fehlentwicklung, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Diese Kurzbeschreibung kann dem eigentlichen, hochkomplexen Inhalt kaum gerecht werden und soll hier nur eine Orientierungshilfe darstellen. Gruen bringt uns seine Konzepte in einer sehr guten Sprache verständlich näher und zitiert auch des öfteren Quellen aus ganz verschiedenen Wissensgebieten, um seine Thesen zu untermauern. Ich muss dem Autor ganz besonders hoch anrechnen, nicht in billiger Gesellschaftskritik steckengeblieben zu sein. Es geht hier zwar auch um eine Psychopathologisierung der Gesellschaft, aber stets vor dem Hintergrund der konkreten Person.

Im übrigen kann ich meinem Vorrezensenten so gar nicht zustimmen. Gruen ist Psychoanalytiker und als solcher natürlich auch den entsprechenden Denk- und Schreibkategorien verhaftet. Vielleicht sollte er zunächst ein Werk über die Grundzüge der Psychoanalyse lesen. Dieses Buch ist auch als wissenschaftliche Arbeit sehr wertvoll, da alle Quellen sauber zitiert und angegeben sind. Ein ganz hervorragendes Buch eines scharfsinnigen Psychologen und Therapeuten!

Die Archaeopteryx-Saga: Das Rätsel des Urvogels
Die Archaeopteryx-Saga: Das Rätsel des Urvogels
von Paul Chambers
  Taschenbuch

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wahrer Urzeit-Krimi, 14. April 2007
Ein ganz hervorragendes Buch!
SO und nicht anders sieht es aus, wenn ein Spezialist seines Fachgebietes es schafft, komplizierteste wissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien interessierten Laien nahezubringen.
Der Autor besticht durch einen ganz hervorragenden Schreibstil. Langeweile kommt niemals auf und man liesst das Buch eher wie einen guten Krimi:
Tatort Urzeit. Vergehen Evolution und der arme Archaeopteryx muss als Beweismaterial sowohl für die Anklage als auch die Verteidigung herhalten.

Die mit einem Augenzwinkern geschilderten Fehden und Kämpfe der Gelehrten, die natürlich alle die "Wahrheit" für sich in Anspruch nehmen, haben sich bis heute nicht geändert und ringen mit Sicherheit jedem, der mit der akademischen Glaubensgemeinde vertraut ist, ein Schmunzeln ab.
Bitte nicht falsch verstehen: Man muss nicht studiert haben, um dieses Buch zu genießen, es ist nur so, dass man so einiges wiedererkennt.

Zufälligerweise habe ich eine Zeitlang in Eichstätt/Bayern, einem der wenigen Fundorte eines fast vollständigen Archaeopteryx, gewohnt. Im dortigen naturgeschichtlichen Museum (das sehr zu empfehlen ist) kann man das Exemplar auch im Original bestaunen. Wenn man mit der Gegend vertraut ist, gestaltet sich das Lesen zu einer amüsanten Reise in die Vergangenheit der eigenen Heimat.
Ein klasse Buch!

Sozialpsychologie: Eine Einführung (Springer-Lehrbuch)
Sozialpsychologie: Eine Einführung (Springer-Lehrbuch)
von Wolfgang Stroebe
  Taschenbuch

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wirklich nur, wenn es nicht anders geht, 13. April 2007
Der "Stroebe" ist wirklich nur dann eine gute Prüfungsvorbereitung, wenn die Vorlesung des Dozenten tatsächlich vor allem auf ihm beruhte. Ist er nur ein Werk von vielen auf der Literaturliste, sollte man ihn nicht einmal zur Hand nehmen.

Es ist richtig, dass man ein aufeinander aufbauendes didaktisches Konzept des Buches vermisst. So wirkt das Werk eher wie eine Aufsatzsammlung, es hingegen als reines Lehrbuch zu bezeichnen, erscheint aus diesem Grunde doch etwas gewagt.
Zum Inhalt: Einige wenige Theoriestränge (z.B. Gruppenbildung und Gruppenleistung) werden sehr ausführlich und für die doch recht niedrige Seitenanzahl beinahe schon über Gebühr behandelt. Warum ein meist nicht prüfungsrelevantes Kaptitel wie "evolutionäre Sozialpsychologie" hingegen thematisiert wurde, scheint vor allem an persönlichen Vorlieben des Herausgebers zu liegen. Andere entscheidende Themenkomplexe wie z.B. "interkulturelle Beziehungen" werden allenfalls am Rande angesprochen.

Also: ein Kauf lohnt sich hier wirklich nur, wenn es gar nicht anders geht. Zur reinen Orientierung über das Fachgebiet der Sozialpsychologie würde ich es keinesfalls empfehlen, sogar der Zimbardo bietet hier mehr.
Da die einzelnen Kapitel an sich recht verständlich geschrieben und gut aufbereitet sind, kann ich 3 Sterne gerade noch rechtfertigen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 3, 2010 1:06 PM MEST


Halbblut
Halbblut
DVD ~ Val Kilmer
Wird angeboten von Joe2000
Preis: EUR 29,00

22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Stämme überleben, 8. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Halbblut (DVD)
Einer meiner absoluten Lieblingsstreifen!

Der junge, aufstrebende Agent Ray, Halbblutindianer, will von seiner Vergangenheit nichts wissen. Verzweifelt versucht er, seine indianische Abstammung und damit sich selbst zu vergessen.

Der Film zeichnet ein realistisches Bild von der gegenwärtigen Situation der nordamerikanischen Ureinwohner, die in zumeist unfruchtbaren Reservaten ihr Dasein fristen. Kein Winnetou-Quatsch und auch den von weißer Seite propagierten "edlen Wilden" sucht man vegebens. Und doch, irgendwo zwischen Schrottkarren und Barracken hat sich die gesamte Kultur dieser Menschen erhalten, leben die alten Riten noch und jeder von uns Zuschauern muss sich als voyeuristischer und ungebildeter Europäer fühlen, wenn er die halbnackten alten Männer sieht, die da aus der Schwitzhütte vertrieben werden.

Agent Ray kann sein Image des karrierebewußten Saubermanns schließlich nicht mehr aufrechterhalten, zu sehr erinnert sich sein Blut des Landes, auf dem er gerade steht. Er selbst kann da gar nichts dagegen tun, nicht er findet seine Abstammung wieder, sondern seine Abstammung findet ihn.

Für alle, die sich für das Thema interessieren und einen klasse Film, keinen aufgesetzten Blockbuster, suchen: hier ist er.

Haben oder Sein: Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft
Haben oder Sein: Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft
von Erich Fromm
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein sehr gutes Werk, trotz kleiner Unstimmigkeiten, 7. April 2007
Zugegeben, ich habe so meine Probleme mit den Schriften von Erich Fromm.

Zu oft heißt es hier "entweder oder", so auch in diesem Buch. Entweder Haben (was ganz schlecht ist) oder Sein (was zumindest erstrebenswert ist). Die Lebensweise des Habens entspricht der Destruktivität oder dem Nekrophilen, die des Seins hingegen der Lebendigkeit oder Biophilie.

Es ist manchmal schon erstaunlich, auf wie wenige Konzepte Fromms Analysen zurückgeführt werden können. Aber wahrscheinlich ist auch das ein Grund dafür, dass seine Schriften anziehend sind und einleuchten.

Im Gegensatz zu manch anderem seiner Werke, insbesondere der "Kunst des Liebens", gefällt mir "Haben oder Sein" aber doch recht gut. Fromm liefert interessante Denkansätze, die man im alltäglichen Leben auch überprüfen kann. Als Beispiel sei hier die Tendenz unserer Sprache aufgeführt, Verben (die nach Fromm lebendige Sprache und somit der Kategorie "Sein" zuzuordnen sind) in Substantive oder Adjektive umzuwandeln. Das hat mich wirklich beeindruckt, da dies schon so selbstverständlich ist, dass man von selbst kaum darüber nachdenkt. "Ich habe geliebt", oder "ich habe Liebe gehabt", der Unterschied ist frappierend und dadurch, dass unsere Worte bzw. Definitionen Realitäten erzeugen, auch bedeutsam.

Kritik muss ich aber dann doch loswerden. Zum einen lassen sich die Kategorien Haben und Sein nicht so sauber trennen. Zum einen HABE ich einen Körper, zum anderen BIN ich aber auch ein Körper. Spitzfindigkeiten? Vielleicht, aber sind wir nicht alle, die wir am Sein orientiert sein wollen, nicht auch dem Haben verfallen? Gehört nicht beides zu den Bedingungen unseres Lebens, nicht als einander ausschließende Kategorien, sondern als beständige Herausforderung, die wir in jeder Minute meistern müssen? - Keiner von uns Normalsterblichen ist eben erleuchtet, keiner ist Buddha, keiner Jesus - und keiner von uns wird es jemals sein.

Dennoch ein sehr gutes und klärendes Werk, neben der "Anatomie der menschlichen Destruktivität" ein Highlight im Werk Fromms.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 24, 2013 1:24 AM MEST


Traditionslinien des 'Unbewußten'
Traditionslinien des 'Unbewußten'
von Günter Gödde
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine sehr gute Zusammenstellung der relevanten Konzepte, 7. April 2007
Wer denkt, Sigmund Freud sei der erste gewesen, der sich mit dem Unbewussten beschäftigt hat, der irrt. Bereits weit vor ihm war das Thema aktuell. Nur, Freud war Mediziner und glaubte, seine Konzepte auf eine naturwissenschaftliche Basis gestellt zu haben. Im Laufe seines Lebenswerks wurden seine Worte allerdings dunkler und metaphysischer und er gab schließlich auch zu, in den "Schopenhauerschen Hafen eingelaufen zu sein".

"Traditionslinien des Unbewussten" liefert vielleicht nichts neues hinsichtlich Quellenlage und Freuddeutung, aber es trägt die wichtigsten philosophischen Überlegungen zum Unbewussten zusammen. Natürlich benutzt der Autor die Sprachkategorien der Philosophie und der Psychoanalyse, dennoch ist das Werk auch für den ambitionierten Laien verständlich und gut geeignet, etwas Licht ins Dunkel des Unbewussten zu bringen.

Gödde bespricht im wesentlichen drei dieser Traditionslinien:

1. Das perzeptiv-kognitive Unbewusste

ist vor allem eine wahrnehmungspsychologische Konzeption und betrifft beispielsweise die Filterung von Eingangsreizen, die Aufmerksamkeitsschwelle und dergleichen. Dieses Verständnis des Unbewussten ist ein genuin psychologisch-naturwissenschaftliches, hat mit dem Unbewussten der Philosophie und Freuds wenig zu tun und wird hier nur kurz abgehandelt.

2. Das Vitale Unbewusste

im 18. Jahrhundert wurde das Irrationale stark aufgewertet und mit einem positiven Vorzeichen versehen. Da ist die Rede von der "Weltseele" oder der "Lebenskraft". Das Unbewusste wurde als schöpferische, dynamische Quelle der Welt angesehen. Herder, Goethe und der junge Schelling gelten als Protagonisten eines vitalen Unbewussten.

3. Der triebhaft-irrationale Willen eines Schopenhauers, Nietzsches und Freuds. Das Unbewusste wird hier nicht mehr als positiv gesehen. Das "Zurück zur Natur" wandelt sich in eine entblößte, gefährliche Natur, "Nur-Natur", wenn man so will. Gödde bespricht ausführlich die Gemeinsamkeiten der Willensmetaphysik Schopenhauers und der Psychoanalyse Freuds.

Ein sehr gutes, viele Informationen zusammentragendes Werk. Mir persönlich hat es im Studium (Hauptfach Psychologie, Nebenfach Philosophie) sehr weitergeholfen. Leider habe ich die Einbindung des anderen großen modernen Denkers des Unbewussten, C.G. Jung, hier vermisst, aber wer weiß, vielleicht werde ich doch noch meine Doktorarbeit in Angriff nehmen.....

Dieses Buch ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen, es ist übrigens auch sehr schön aufgemacht und übersichtlich gestaltet.

Siddhartha. Eine indische Dichtung
Siddhartha. Eine indische Dichtung
von Hermann Hesse
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,99

6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen von der Suche nach Erlösung, 6. April 2007
Ich werde im folgenden nicht auf den Inhalt dieser Erzählung eingehen, was hier an anderer Stelle bereits ausführlich erfolgte, sondern lediglich einige Gedanken äußern, die mich bei und nach der Lektüre dieses Buchs beschäftigten.

Kaum ein Autor hat jemals sein innerstes Wesen so gründlich erforscht und zu Papier gebracht wie Hermann Hesse. In diesem Sinne sind alle seine Werke Zeugen einer Selbstanalyse, die schonunglos, manchmal auch selbstdestruktiv ist. Hesse war Zeit seines Lebens ein Suchender. Gefunden hat er allerdings nicht. Er ging zurück zur Natur, versuchte im Einklang mit ihr zu leben - und er schaffte es nicht.

Ohne Zweifel, Hesse hat eine beinahe magische Art zu schreiben. Gedanken in Worte kleiden, ohne dass zuviel der ursprünglichen Gedankenkraft verloren geht, ich denke, das ist es vor allem, was wir alle an Hesse bewundern. Auch Siddartha zeugt von großer Erzählkunst.

Dennoch bin ich mir nicht ganz sicher, ob es mir wirklich gefällt. Oder anders ausgedrückt, ich weiß nicht, ob eine solche Tiefe gut für uns ist.
Siddartha selbst wird erst erleuchtet, als er ablässt, als er nicht mehr forscht, als er es endlich gut sein lässt mit seiner Suche nach Weisheit und Erlösung. Genau das meine ich damit, wenn ich sage, es wäre vielleicht zu tief. Siddartha regt ebenso wie andere Werke Hesses zu einer extremen Innenschau an, zum Wiederaufreißen alter Wunden. Und dann? Wer hilft uns, sie wieder zu schließen? Das ist das Los aller, die über Gebühr nach innen schauen. Vielleicht haben sie währenddessen die Welt um sich herum vergessen.
Es gibt Bücher, es gibt Filme, die mich mit einem Lächeln entlassen. Oder mit einem Schmunzeln. Siddartha hat eher eine leichte Melancholie verursacht. Ich persönlich möchte es nicht mehr lesen. Dennoch mache sich jeder sein eigenes Bild. Ich gebe trotz dieser Bedenken vier Sterne für ein Sprachgefühl, das seinesgleichen sucht.

World Wide Live
World Wide Live
Wird angeboten von groovetemplemusic
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hammerscheibe!, 5. April 2007
Rezension bezieht sich auf: World Wide Live (Audio CD)
"World wide live" war meine allererste, von den Ersparnissen des damals 12-jährigen zusammengeschnorrte, Platte. Und sie lief rauf und runter..., bis ich sie schließlich ausgeliehen habe und niemals mehr bekam.

vor kurzem, zwei Jahrzehnte weiter, hab ich wieder den Versuch gemacht und mir die Scheibe wieder angehört, mit einem recht skeptischen Gefühl, denn zuviel von damals klingt heute, na ja, etwas wunderlich....

Doch hier nichts dergleichen. Scorpions rockten live alles weg, was sich ihnen in den Weg stellte. Schon Coming Home rief wieder diese altbekannte Gänsehaut hervor und so gings dann munter weiter. Diese Scheibe zeugt von einer Wahnsinns Spiellaune und besitzt einen Drive, von dem sich einige Vertreter der härteren Fraktion eine Scheibe abschneiden könnten. Nahezu alle Klassiker sind hier vertreten, schnell, rockig und dennoch verspielt.

Mit dem Scorpions-Altherren-Gedudel von heute wahrlich nicht zu vergleichen!

Im Juli
Im Juli
DVD ~ Moritz Bleibtreu
Wird angeboten von audiovideostar_2
Preis: EUR 14,50

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen lustig, abgedreht, gefühlvoll, was will man mehr?, 31. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Im Juli (DVD)
Einer meiner absoluten Lieblingsfilme und der Beweis dafür, dass klasse Kino nicht unbedingt bierernst und dramatisch sein muss.

Fatih Akin nimmt uns auf eine turbulente und chaotische Reise in unsere Nachbarländer bis hin zur Türkei mit. Der Film strotzt vor allerlei kleinen und teilweise auch surrealistisch abgedrehten Einfällen und bringt uns so ganz nebenbei einiges über unsere östlichen Nachbarn bei. Akin zeichnet die Charaktere wunderbar überspitzt und spielt mit unseren Urteilen und Vorurteilen über die fremden Kulturen (abgedrehte Idee: die Überführung des toten Onkels im Kofferraum des obligatorischen Riesen-Mercedes in die Türkei, einfach köstlich!).

Im Juli vermittelt eine einzigartige, beinahe schon liebevolle Atmosphäre, die einen nach 90 Minuten mit Sicherheit mit einem Lächeln auf den Lippen wieder entlässt. Entgegen so mancher Meinung besticht er durch auch durch eine ganz spezielle Tiefe, man denke nur an Melek und ihr Lied am nächtlichen Elbstrand am Lagerfeuer. Mir jedenfalls lief es wirklich eiskalt den Rücken runter,

Die auf pointierte Weise überzeichneten Charaktere werden von einer klasse Schauspielertruppe überzeugend widergegeben, einen so trotteligen Lehrer wie Moritz Bleibtreu sehen wir wahrscheinlich nie wieder und auch der Regisseur taucht als schwitzender und unrasierter rumänischer Grenzbeamter kurz auf und schnorrt sein Hochzeitsgeschenk.

Ein klasse Film, den ich jetzt schon fünf- oder sechsmal gesehen habe und der mich nachwievor zum Schmunzeln bringt.

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