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Kunz Vogelgesang

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The Originals - Weber (Der Freischütz)
The Originals - Weber (Der Freischütz)
Preis: EUR 21,99

12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Grenzgenial - aber nicht vollkommen, 12. Januar 2007
Um es vorwegzunehmen: an der musikalischen Qualität dieser "Freischütz"-Aufnahme gibt es nicht zu rütteln. Jede Diskussion kann nur auf extrem hohem Level stattfinden. Als ich zum ersten Mal die Einleitung zum ersten "Viktoria"-Chor gehört habe, hat es mir buchstäblich die Sprache verschlagen: wo hat man je zuvor solch atemberaubend schnelle Streicherfiguren gehört? Kleiber peitscht die Dresdner Staatskapelle zu unerhört viruosem und gleissendem Spiel an, die - glänzend disponiert - mit hochpoliertem Klang durch die Partitur fegt wie ein Ferrari (der ungewöhnliche Vergleich sei erlaubt).

Trotzdem hinterlässt die Aufnahme bei genauerem Hören zwiespältige Eindrücke bei mir. Manchmal frage ich mich, ob es denn alles so extrem aufgeheizt und rabiat sein muss. Natürlich werden in der Ouvertüre und der Wolfsschluchtsszene Urgewalten erweckt, und Kleibers Gespür für Agogik und Klangfarben ist phantastisch. Aber die spezifisch "deutsche Romantik" geht mir hier ein wenig ab. Ich finde, diesbezüglich kann niemand die Aufnahme unter Joseph Keilberth toppen.

Bei den Sängern bin ich auch nicht ganz zufrieden.

Gundula Janowitz wartet mit konkurrenzlos ätherischem Schöngesang auf; ihre Interpretation ist von tiefem Gefühl und jauchzender Leidenschaft erfüllt. Ihre Stimme ist jedoch Geschmackssache: und mir persönlich gefällt sie leider nicht, da sie zuwenig Vibrato hat und mir das Timbre ein wenig weiß, farbarm und etwas steril erscheint. Aber das kann natürlich jeder anders sehen.

Edith Mathis als Ännchen hat da schon mehr Fleisch auf den Rippen. Sie klingt fraulich und mädchenhaft zugleich und bietet ihre Arien klanglich vortrefflich dar. Allerdings erscheint sie mir an dem, was sie singt, nicht sonderlich beteiligt.

Peter Schreier als Max ist eine Fehlbesetzung, das ist einfach viel zu leicht. Schreier gelingt zwar eine schöne Darstellung der Partie, aber stimmlich erwarte ich mir da einfach etwas Heldischeres.

Theo Adam ist überzeugend als Bösewicht Kaspar, kann vom Stimmlichen aber nicht mit Konkurrenten wie dem vor Saft und Kraft strotzenden Kurt Böhme mithalten. Und an Dämonie ist ihm Karl Christian Kohn weitaus überlegen.

Bleibt noch einmal kurz auf das Spiel der Dresdner Staatskapelle hinzuweisen, das einfach unvergleichlich ist, und dem die goldene Palme für die ganze Einspielung gebührt.

Was mich außerdem stört, sind die Dialoge, die leider nicht von den Sängern selber gesprochen werden, sondern von Schauspielern, die teilweise überhaupt nicht zur jeweiligen Gesangsstimme passen und ein etwas unnätürliches Hörspiel zum Besten geben. Warum man nicht die rein deutschsprachige Sängergarde dazu gebeten hat, ist mir ein Rätsel.

Auch wenn ich jetzt viele Kritikpunkte genannt habe, soll das nicht heißen, daß diese Aufnahme schlecht wäre - im Gegenteil. Man sollte sie unbedingt haben - als Ergänzung zur Referenzaufnahme unter Joseph Keilberth.


Der Freischütz (Ga)
Der Freischütz (Ga)
Preis: EUR 11,98

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ausgezeichnet - mit Einschränkungen, 9. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Freischütz (Ga) (Audio CD)
Diese klassische Einspielung unter Eugen Jochum leidet unter einer einzigen Einschränkung: der Agathe von Irmgard Seefried. Diese an sich wunderbare Sängerin war zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits über ihren Zenit hinaus und nicht mehr in der Lage, die hohen Noten zu bewältigen. Bis auf einige innige Piano-Momente wird Seefried der Partie einfach nicht gerecht. Sämtliche hohen Töne werden mehr gejauchzt denn gesungen. Ich bin wirklich nicht jemand, der nur auf balsamischen Schöngesang besteht, und wenn das Ausdruckstemperament eines Sängers mal mit ihm durchgeht, kann man durchaus den einen oder anderen verpatzten Ton hinnehmen, aber das ist hier weit überschritten. Auch eine nur sauber und rein gesungene Phrase ist schließlich ausdrucksvoll, und die Agathe verlangt derer viele. Schade, vor allem, weil die Aufnahme ansonsten sehr gelungen ist.

Besonders der böse Kaspar von Kurt Böhme, der mit schwarzem, geradezu dröhnendem Bass das Fürchten lehrt und ein Portrait der Sonderklasse abliefert. Was für eine Stimme!

Ein weiterer Glanzpunkt ist das Ännchen von Rita Streich. Blitzsauber und mit kristallklarem Ton tanzt der grazile Sopran durch die Partie, mit unvergleichlicher Eleganz und erlesener Phrasierung. Gäbe es nicht die hervorragende Lisa Otto bei Josef Keilberth, die noch eine Spur burschikoser ist, Streich (die ein wenig damenhafter ist) wäre absolut konkurrenzlos.

Bei den restlichen Herren sticht besonders Eberhard Waechter hervor, der den Fürsten Ottokar mit seinem Luxusbariton so schön singt wie kein anderer.

Der Max, die Titelfigur, wird von Richard Holm gesungen. Und ich finde ihn viel besser, als er in vielen Kritiken besprochen wurde. Die Stimme ist nicht riesig und auch nicht von besonders edlem Timbre, aber Holm gestaltet die Partie unaufdringlich, ehrlich und gesanglich höchst solide, ohne Knödeln, Stemmen und allerlei andere Unarten, wie man sie von anderen Tenören in dieser Rolle oft hört.

Zuletzt sei noch ein ganz großer Pluspunkt dieser Aufnahme erwähnt: das Symphonieorchester (und der Chor) des Bayerischen Rundfunks unter Eugen Jochum. Mit welcher Brillanz und klanglicher Opulenz hier musiziert wird, das ist schon ganz hervorragend. Jochums Dirigat ist sehr schwungvoll und flott, die lyrischen Teile werden fein und sensibel zurückgenommen, und Jochum entgeht auch der Gefahr, larmoyant oder schleppend zu werden. Die Ouvertüre und Wolfsschluchtsszene erklingen wunderbar ausladend, es rauscht und tobt, dass es eine wahre Freude ist. Auch klangtechnisch ist die Einspielung für die damalige Zeit hervorragend! Das Klangbild ist kristallklar und transparent.

Wenn die Agathe entsprechend besetzt wäre, hätte ich fünf Punkte vergeben. So leider nur vier. Nach der Referenzaufnahme unter Keilberth und neben Kleiber gehört diese aber zu meinen Favoriten.


Don Giovanni
Don Giovanni
Wird angeboten von thebookcommunity
Preis: EUR 521,80

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine der Referenzaufnahmen, hervorragend!, 15. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Don Giovanni (Audio CD)
Wenn man mir die Frage stellen würde, welche die ultimative Aufnahme des "Don Giovanni" wäre, könnte ich diese beim besten Willen nicht beantworten. Die Auswahl ist zu groß, an historischen wie modernen Aufnahmen, und es befinden sich so viele kostbare darunter, daß man unmöglich sagen kann, eine einzelne wäre die Beste.

Aber es gibt einige wenige, die wirklich zu den Superlativen gezählt werden müssen. und dazu gehört diese Einspielung unter Carlo Maria Giulini auf jeden Fall.

1959 hatte sich unter seiner Stabführung eine Besetzung zusammengefunden, die nahezu ideal war und ein Ensemble von einer Geschlossenheit und Klasse bildete, wie man es kaum ein zweites Mal wieder fand.

Eberhard Wächters Don Giovanni strotzte vor Männlichkeit, sinnlicher Energie und herrischem Temperament. Ein egoistischer Machtmensch, der sich nimmt, was er will und letztendlich zerbricht. Stimmlich in ausgezeichneter Form, als Bariton eher hell im Klang (im Gegensatz zu seinen Baßkollegen Pinza, Siepi etc.), gelang Wächter hier ein großartiges Portrait.

Giuseppe Taddei als Diener Leporello assistiert auf mindestens ebenso hohem Niveau, mit prächtiger Stimme und verschlagenem Witz.

Luigi Alvas don Ottavio ist stilistisch makellos und mit Eleganz gestaltet. Hervorragend gelingen ihm die Koloraturen der zweiten Arie.

Gottlob Frick und Piero Capuccilli in einer seiner ersten Aufnahmen als Masetto komplettieren die ausgezeichnete männliche Riege.

Bei den Damen brilliert Joan Sutherland in ihrer wahrscheinlich ersten Gesamtaufnahme als ideale Donna Anna. Empfindsame Lyrik und dramatische Ausbrüche werden aufs Schönste zum Ausdruck gebracht, die Stimme ist frisch und jugendlich, die Koloraturen und technischen Schwierigkeiten, von denen die Partie gespickt ist, meistert sie absolut mühelos. Auf jeden Fall die am besten gesungene Donna Anna auf Platte.

Elisabeth Schwarzkopf ist hier in ihrer legendären Interpretation als Donna Elvira verewigt. Und es dürfte bis heute kaum eine Sopranistin geben, die ihr in dieser Rolle das Wasser reichen kann. Schwarzkopf stattete die Partie mit einer Hysterie, Leidenschaft und - bei aller Manieriertheit, die sie oft an den Tag legt - einer solchen Menschlichkeit aus, daß man mit dieser Figur einfach mitfühlen muss. Eine zu recht legendäre Darstellung.

Als Zerlina ist Graziella Sciutti zu hören, und sie singt die Rolle niedlich und lieb (für meinen Geschmack allerdings auch mit ein wenig zu enger und scharfer Stimme).

Carlo Maria Giulini dirigiert das blendend aufspielende Philharmonia mit Tempo und Dramatik, mit genialem Gespür für musikalischen Puls und geschmackvolle Phrasierung. Auch klangtechnisch ist die Aufnahme hervorragend.

Eine der großen Mozart-Aufnahmen der Schallplattengeschichte, eine Sternstunde.


Engelbert Humperdinck: Hänsel und Gretel (Gesamtaufnahme Dresden 1992)
Engelbert Humperdinck: Hänsel und Gretel (Gesamtaufnahme Dresden 1992)
Wird angeboten von thebookcommunity
Preis: EUR 49,98

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wundervoll!, 14. Dezember 2006
Der einzige Grund, warum ich dieser Aufnahme nicht volle fünf Punkte gebe, ist, dass sie meiner Ansicht nach von einer einzigen übertroffen wird (Georg Solti, DECCA).

Ansonsten ist sie schlichtweg einmalig!

Edita Gruberova ist eine herrlich liebreizende und aufgeweckte Gretel, und ihre Stimme vereint mädchenhaften Klang und technische Brillanz. Eine ihrer besten Schallplattenleistungen und eine fantastische Interpretation!

Ann Murray gestaltet den Hänsel darstellerisch ebenso überzeugend, ist aber stimmlich nicht ganz so frisch und brillant im Klang wie ihre Partnerin. Trotzdem eine hervorragende Leistung.

Franz Grundheber und Gwyneth Jones geben das Elternpaar. Grundhebers Besenbinder, in seiner klanglichen Ausladung sehr beeindruckend, ist ein wunderbares Portrait, allerdings nicht ganz so ausdrucksvoll wie Walter Berry. Gwyneth Jones überzeugt als vom Elend gezeichnete Mutter ebenso, auch wenn die hohen Töne etwas schrill geraten.

Und die Hexe von Christa Ludwig! Zum zweiten Mal gestaltet sie hier auf einer Aufnahme diese Rolle. Und obwohl sie stimmlich nicht mehr an ihre Glanzleistung damals (unter Kurt Eichhorn) anknüpfen kann und ihr die herrlichen Kreischer und Lacher nicht mehr mit solcher Klangfülle zu Gebote stehen, schafft sie es mit unvergleichlicher Darstellungskraft doch wieder, eine absolut unübertroffene Interpretation vorzulegen. Fulminant!

Colin Davis leitet die Staatskapelle Dresden sensibel und hochmusikalisch. Das hervorragende Orchester schwelgt geradezu in seinen eigenen Klängen, vor allem die Holzbläser sind eine Wonne. Auch von der Klangtechnik her ist alles wunderbar transparent und ausgewogen. Allerdings wird die Aufnahme auch hier von Solti und den Wiener Philharmonikern übertroffen, die einfach an Sinnlichkeit, rauschendem Streicherklang und Delikatesse der Klangfarben nicht zu schlagen sind.

Eines möchte ich aber noch ganz deutlich hervorheben: wenn ich eine Aufnahme für Kinder suchen würde, dann würde ich diese auf jeden Fall vorziehen, weil sie singspielhafter und nicht so opernhaft wirkt wie die Soltis!! (Für Kinder wäre sonst noch die Aufnahme von Heinz Wallberg bei EMI zu empfehlen. Dort werden Hänsel und Gretel von echten Kindern gesungen!)


Richard Strauss: Der Rosenkavalier (Gesamtaufnahme)
Richard Strauss: Der Rosenkavalier (Gesamtaufnahme)
Wird angeboten von thebookcommunity
Preis: EUR 79,68

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kultklassiker - unerreichte Referenz!, 26. Oktober 2006
Erich Kleibers Einspielung des "Rosenkavaliers" von 1954 teilt sich seit jeher den Nimbus der Referenzaufnahme mit der des jungen Herbert von Karajan und Elisabeth Schwarzkopf von 1956.
Meiner Meinung nach stellt diese jedoch die unübertroffene erste Wahl dar, und das aus mehreren Gründen.
Vor allem liegt es daran, dass keine andere so sehr den Geist einer Konversationskomödie aus dem historischen Wien zum Leben erweckt, was zum einen am hervorragenden Ensemble liegt, das zur Gänze aus den Mitgliedern der Wiener Staatsoper jener Epoche besteht, als auch am grandiosen Dirigat Erich Kleibers, der mit den herrlich aufspielenden Wiener Philharmonikern jeden Kitsch vermeidet und eine wundervoll unsentimentale und brillante Strauss-Sternstunde zelebriert.
Was für eine Sängerbesetzung! Sena Jurinac galt als DER Octavian der Fünfzigerjahre. Ihre Interpretation ist herrlich stürmisch und leidenschaftlich, ihr Sopran von einer besonders auserlesenen Farbe, herb und sinnlich, der für Hosenrollen ausgesprochen gut passt.
Die Sophie der Hilde Güden würde ich als die definitive Interpretation des Fräulein Faninals bezeichnen. Eine solche Inkarnation ist mir selten in einer Opernrolle begegnet. Das silbrig-süße Timbre scheint wie für die Partie gemacht zu sein, die Piani in der Höhe schweben und leuchten wie Sterne. Und welch ein Ausdruck! Keine andere Sophie ist zu Beginn so verschämt-schüchtern, keine andere zeigt in der Konversationsszene mit Octavian so charmant, was für ein reizendes wienerisches Plappermäulchen hinter der guterzogenen Fassade versteckt, und keine andere blüht in den Duetten und dem Terzett zu so lieblicher Fraulichkeit auf. Unvergleichlich, schon allein wegen Güden ist die Aufnahme unentbehrlich.
Maria Reining war zwar zum Zeitpunkt der Aufnahme schon über ihre stimmliche Glanzzeit hinaus und klingt bei den hohen Tönen etwas angestrengt und kurzatmig. Aber ihre Marschallin ist trotzdem ein wunderschönes Portrait der warmherzigen, großzügigen Edeldame, natürlicher als das Elisabeth Schwarzkopfs (welche allerdings trotzdem die beste Marschallin ist).
Ludwig Webers prachtvoll-blasierter Ochs (der beste neben Otto Edelmann und Kurt Böhme), Alfred Poells Faninal und nicht zuletzt Anton Dermotas italienischer Sänger sind weitere Pluspunkte dieses Opernjuwels, das auch nach fünfzig Jahren noch immer die idiomatischste Aufnahme des "Rosenkavaliers" ist.


Der Rosenkavalier (Ga)
Der Rosenkavalier (Ga)
Wird angeboten von marcos-cd-shop
Preis: EUR 129,88

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erstklassig!!!, 26. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Rosenkavalier (Ga) (Audio CD)
Diese "Rosenkavalier"-Aufnahme führt im Vergleich zu den Aufnahmen unter Karajan und Kleiber aus den Fünfzigerjahren eher ein Schattendasein. Völlig zu Unrecht!

Karl Böhm leitet die Staatskapelle Dresden mit hervorragender Leichtigkeit und untrüglichem Gespür für Tempo und Ausdruck. Das Orchester steuert seinerseits mit brillantem Klang und virtuosem Spiel seinen Teil dazu bei. Jede Szene wird unter Böhms Führung wunderbar lebendig, sodass man fast das Gefühl hat, einer Live-Aufführung zuzuhören.

Dazu tragen auch massgeblich die Sänger bei, die allesamt mit viel Engagement und Esprit dabei sind und überdies den Hoffmannsthalschen Text mit ausgezeichneter Aussprache widergeben.

Irmgard Seefrieds Octavian ist wundervoll knabenhaft und sensibel, idealistisch und stürmisch. Auch stimmlich war sie damals in sehr guter Verfassung (dass die Stimme in der Höhe etwas kurz war, fällt in dieser Interpretation kaum ins Gewicht). Diese Aufnahme ist sicher eine der besten in Seefrieds ganzer Karriere und einer der schönsten Octaviane auf CD überhaupt.

Marianne Schech als Marschallin ist nobel und warm im Ausdruck und von der Stimme her schon ein wenig überreif für die Partie. Ihr Timbre ist sicherlich Geschmackssache, aber wem die Interpretation von Elisabeth Schwarzkopf zu manieriert ist, der wird an dieser schlichten, natürlichen Darbietung sicher Gefallen finden.

Kurt Böhme als Ochs ist sicher in die allererste Reihe aller Darsteller des eitlen Barons zu stellen. Stimmlich in vollem Saft und voller Kraft, zeichnet er ein vitales und prall-buffoneskes Portrait der komischen Rolle, derb, aber nie ordinär oder outrierend.

Rita Streichs Sopran bringt die ätherische Musik der Sophie zauberhaft zur Geltung, leicht, silbrig kühl (was zur silbernen Rose hervorragend passt). Streich legt die Rolle damenhaft und sehr elegant an. Eine der allerbesten Interpretationen!

Dietrich Fischer-Dieskau als Faninal stellt eine Luxusbesetzung dar. Auch das gesamte restliche Ensemble in den kleinen Partien ist vorzüglich.

Klanglich ist die Aufnahme ebenfalls vorzüglich gelungen (es handelt sich um eine der ersten Stereo-Aufnahmen), sodass man sie nur allerwärmstens jedem Strauss-Freund (und solchen, die es werden wollen), ans Herz legen kann!


Rigoletto
Rigoletto
Wird angeboten von derwawi
Preis: EUR 24,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vergessenes Kleinod des Verdi-Gesangs, 21. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Rigoletto (Audio CD)
Die Opernaufnahmen der FONIT CETRA aus den frühen Fünfzigerjahren sind heute nicht mehr sehr bekannt, da sie jahrelang nicht erhältlich waren und von der Aufnahmetechnik oft zweitklassig sind.

Dafür haben sie als Dokumente einer vergangenen Epoche großen Wert, da sie zeigen, wie Oper in Italien abseits von den Aufnahmestudios der DECCA und EMI produziert wurde. Hier hört man meistens Rundfunkaufnahmen der RAI, die mit soliden Kräften der italienischen Opernhäusern aufwarten. Viele von ihnen wurden später weltberühmt. Tebaldi, Corelli Taddei, sie alle haben ihre ersten Aufnahmen für CETRA gemacht.

Auch dieser "Rigoletto" aus dem Jahr 1954 lohnt sich in vielerlei Hinsicht. Was die Besetzung der drei Hauptpartien betrifft, braucht sie den Vergleich mit den großen Aufnahmen unter Solti, Perlea oder Giulini nicht zu scheuen.

Giuseppe Taddei singt den nach Tito Gobbi besten Rigoletto seiner Zeit, rein stimmlich übetrifft er diesen sogar. Taddeis Bariton ist kernig und strotzt vor Kraft, und seine Interpretation ist ein psychologisch hochinteressantes Portrait des zynischen Hofnarren. Er gestaltet die Partie auf den ersten Blick eher unsentimental schlicht, bringt aber auch sehr subtile Gefühlsnuancen in die Rolle ein. Ein Rigoletto, der wenig poltert und schluchzt, aber schwermütig ist und seine Würde zu wahren versucht.

Seine Tochter Gilda singt die legendäre Lina Pagliughi, ein echter "soprano leggiero", ein ganz leichter Koloratursopran, wie sie heute in dieser Rolle schon beinahe verpönt sind. Hier hört man eine wirklich mädchenhafte Gilda, rein und unschuldig wie ein Engel, mit glockig hellem Klang und sehr verträumter Aura. Zu diesem Zeitpunkt war Lina Paglighi bereits 44 Jahre alt, und das mag man, wenn man ihrer Darbietung zuhört, kaum für möglich halten. Es ist völlig egal, dass nicht alle Koloraturen ganz sauber sind und sie das hohe E auslässt: diese Gilda ist autenthisch und sehr liebenswert.

Feruccio Tagliavini gilt als einer der größten italienischen Tenöre der Nachkriegszeit, der mit wunderbarer Leichtigkeit und Reinheit gesungen hat. Diese Aufnhame kam für ihn vielleicht um ein paar Jahre zu spät, so dass er hier nicht in seiner allerbesten Verfassung anzutreffen ist - aber in sehr guter! Abgesehen von ein paar leicht gequetschten Tönen besticht er durch Eleganz und wunderbare Lyrik; stilistisch ist das vorbildlich gesungen. Dieser Duca di Mantova ist nicht nur Weiberheld, sondern trägt auch sehr melancholische Züge, was die Figur interessanter und vielschichtiger macht.

Das Orchester der RAI Torino unter Angelo Questa spielt temperamentvoll und solide, aber nicht auf Weltklasseniveau. Dafür gelingt Questa hier eine Aufführung mit viel Italianità und Dramatik. Und das ist bei Verdi doch das wichtigste.

Als Ergänzung zu anderen Aufnahmen sehr empfehlenswert, vor allem für Nostalgiker!


Gaetano Donizetti: Lucrezia Borgia (Opern-Gesamtaufnahme) (2 CD)
Gaetano Donizetti: Lucrezia Borgia (Opern-Gesamtaufnahme) (2 CD)
Preis: EUR 15,21

19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Viel zu wenig beachtetetes Juwel des Belcanto: Sutherland at her best, 21. Oktober 2006
Diese Oper steht, wie ich finde, viel zu sehr im Schatten anderer großer Belcantowerke wie "Lucia di Lammermoor" oder "Norma".

Von der Handlung her ein richtiger "Reißer", in dem die Leidenschaften kochen, in dem es von Schuldgefühlen, Eifersucht und unerfüllter Liebe nur so lodert - auch, wenn alles ein bisschen unrealistisch scheinen mag, aber das spielt in der Oper ja seit jeher eine Nebenrolle - und eine Musik, die von blühenden Melodien, schwelgerischen Kantilenen und virtuosen Arien regelrecht überbordet. Herz des Opernliebhabers, was begehrst du mehr?

Da es von "Lucrezia Borgia" nur ganz wenige Gesamtaufnahmen gibt, kommt man um diese kaum herum. Sie ist allerdings so gut, dass sie auch bei größerer Konkurrenz keinen Vergleich zu scheuen hätte.

Joan Sutherland in der Titelrolle ist hier in einer ihrer brillantesten Leistungen ihres reiferen Karrierestadiums zu hören. Dass sie nicht mehr ganz jung ist, merkt man an einem leichten Vibrato, das in ihren früheren Aufnahmen noch nicht vorhanden war, das allerdings auch kaum stört und sogar zur Rolle passt (Lucrezia ist schliesslich kein junges Mädchen mehr); vor allem, wenn man die Pluspunkte wertet: ein wundervoll pastoser Klangstrom in dunkler Farbe bringt die Musik der Lucrezia zum Leuchten, die Koloraturen und Triller funkeln und sprudeln mit unnachahmlicher Leichtigkeit und die Spitzentöne leuchten wie Raketen. Vor allem die Schlussarie mit ihrem horrenden Stimmumfang bewältigt sie triumphal. Auch von der Charakterisierung gelingt ihr ein glaubwürdiges Portrait; sowohl die liebende Mutter als auch die rachsüchtige Furie nimmt man ihr ohne weiteres ab.

Giacomo Aragall besaß einen Tenor von wunderbarer Schönheit, ein Timbre mit Süße und auch Metall, der herrlich leidenschaftlich schmachten konnte. Lauter Fähigkeiten, die seine Darbietung des Gennaro (Lucrezias heimlicher Sohn, wovon er aber nichts weiß), vorzüglich zur Geltung bringen. Ein richtiger Märchenprinz.

Ganz im Gegensatz zu Ingvar Wixell, der hier den Bösewicht gibt: Alfonso, Lucrezias Ehemann; eine Figur, die ein wenig dem Scarpia in "Tosca" oder dem Renato in Verdis "Maskenball" ähnelt. Und damit ist diese Rolle bei Wixell in den besten Händen, der sie gesanglich souverän meistert und mit stimmlicher Potenz, bronzenem Timbre und überzeugender darstellerischer Bosheit punktet.

Das Quartett voll macht dann noch Marilyn Horne in der Hosenrolle des Orsini, die mit ihrem virtuosen, ausladendem Mezzosopran vor allem im Trinklied des letzten Aktes auftrumpft und damit die glanzvolle Besetzung komplettiert.

Richard Bonynge dirigiert das National Philharmonic Orchestra temperamentvoll und schmissig, das Orchester wartet mit sauberem Klang und leuchtenden Farben auf. Eine sinnliche und kurzweilige Aufnahme eines unterschätzten und viel zu selten aufgeführten Leckerbissens! Freunde der italienischen Oper sollten sich das unbedingt mal anhören!


Living Stereo: la Traviata
Living Stereo: la Traviata
Wird angeboten von japazon
Preis: EUR 131,88

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anna Moffo - eine Jahrhundertvioletta, 21. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Living Stereo: la Traviata (Audio CD)
Unter den zahllosen "La-Traviata"-Aufnahmen ragen einige ganz besonders hervor: Cotrubas/Kleiber, Caballè/Prètre, diverse Callas-Live-Mitschnitte und noch einige mehr. Bei dieser Qual der Wahl muss man beinahe mehrere besitzen.

Sollte ich allerdings nur eine einzige mit auf die einsame Insel mitnehmen dürfen, würde meine Wahl sofort auf diese fallen.

Das liegt in erster Linie an der hervorragenden Darbietung Anna Moffos, die von Typ und Stimmcharakter wie keine andere Sopranistin der Inkarnation der schwindsüchtigen Kurtisane nahe kam; natürlich spielte auch Moffos Aussehen eine Rolle für ihren Erfolg gerade in dieser Partie, doch spricht allein ihre gesangliche Leistung auf CD ebenso für sich.

Endlich einmal eine Violetta, der man am Anfang auch die vergnügungssüchtige Kokotte abnimmt! Eine rastlos Getriebene, die gierig das Leben in sich aufnimmt, weil sie weiß, dass ihre Tage gezählt sind. (Bei vielen anderen Sängerinnen hat man das Gefühl, als wüssten sie gar nicht, dass sie eine Kurtisane darstellen, so matronenhaft singen sie.) Um wieviel ergreifender dann Violettas Wandlung, wenn sie im zweiten Akt zur Liebenden geworden ist, und wie erschütternd, wenn sie begreift, dass dem Glück mit Alfredo keine Zukunft gegönnt ist. Ihre Brieflesung im dritten Akt, fast flüsternd vorgetragen, ist völlig unpathetisch und schlicht, dafür umso berührender. Für mich die überzeugendste Interpretation aller Studioaufnahmen, zumal Anna Moffo sich zum damaligen Zeitpunkt in ihrer stimmlichen Höchstform befand und die ganze Partie technisch brillant, mit temperamentvollen Koloraturen und sauberem hohem Es in der ersten Arie singt; Legatokultur und gekonnte Phrasierung vervollständigen diese singuläre Leistung.

Richard Tucker ist zwar vom Typ her eine nicht ganz so optimale Besetzung wie seine Partnerin (Domingo oder Bergonzi sind näher am Ideal). Aber seine Gesangskunst macht diesen kleinen Makel mehr als wett. Tucker war einer der größten Verdi-Tenöre seiner Zeit, und seine hervorragende Phrasierungskunst verleiht seinem Alfredo Eleganz und Klasse.

Robert Merrill singt hier zum zweiten Mal den Vater Germont (man kann ihn auch in den Aufnahmen unter Toscanini und Pritchard hören), und ich persönlich halte ihn für einen der besten und überzeugendsten, die es jemals gab. Seine männliche, kernig und herb timbrierte Stimme, kraftvoll und virtuos geführt, passt hervorragend zum Bild des strengen Vaters, der die Ehre seines Sohnes bedroht sieht. Dieser Germont ist autoritär und kühl, die menschliche Seite dieses Charakters kommt in Merrills Interpretation weniger zum Vorschein als bei manch anderem Sänger.

Bleibt noch Fernando Previtalis vitales und sehr ausgewogenes Dirigat zu nennen, mit dem er das wundervoll musizierende Orchester der römischen Oper anleitet. Seine Tempi sind stimmig, ohne jemals ins Extrem zu fallen; nie wird es zu träge-langsam oder zu rasend und hastig (eine Unart, die viele Dirigenten bei Verdi als Stilmittel glauben einsetzen zu müssen). Die ganze Aufnahme wirkt sehr lebendig, gefühlvoll und intim, und man kann bei geschlossenen Augen wunderbar die ganze Geschichte vor seinem Inneren ablaufen lassen). Auch vom klanglichen Gesichtspunkt her bleiben keine Wünsche offen (wie immer bei LIVING-STEREO-Aufnahmen).

Meine Nummer eins.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 22, 2014 12:22 PM MEST


Offenbach: Les Contes d`Hoffmann
Offenbach: Les Contes d`Hoffmann

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kuriositätenkabinett mit Weltstars, 14. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Offenbach: Les Contes d`Hoffmann (Audio CD)
Wenn man die Besetzungsliste liest, erwartet man sich von dieser "Hoffmann"-Einspielung eigentlich die ultimative Referenzaufnahme. So ging es auch mir, und ich ward härtest enttäuscht!

Es heißt, dass man damals versuchte, dem hervorragenden Nicolai Gedda (und er allein rettet die ganze Produktion!) die drei größten Primadonnen der damaligen Zeit zur Seite zu stellen: ursprünglich soll die Callas als Olympia geplant gewesen sein, die Rolle wurde aber von Gianna d'Angelo übernommen (die langweiligste und unspektakulärste Interpretation der Puppe, die ich je gehört habe).

Als Giulietta ist Elisabeth Schwarzkopf zu hören, deren Portrait der sinnlich falschen Kurtisane schon fast unfreiwillig komisch anmutet: sie girrt und gurrt so gekünstelt, dass man ihr die Rolle einfach nicht abnimmt - obwohl sie nicht schlecht singt. Trotzdem eine ziemlich skurille Besetzung.

Victoria de los Angeles als Antonia ist allerdings überzeugend und berührt wie immer durch zärtliche Innigkeit und schlichte Lyrik. Leider ist sie technisch total überfordert, und bei den hohen Tönen findet der Ohrenschmaus ein jähes Ende.

Bei den Herren sieht es etwas besser aus, obwohl auch Nicola Ghiuselev, George London und Ernest Blanc nicht gerade durch elegantes Singen und darstellerische Phantasie hervorstechen. Noch dazu ist die Rolle des Nicklausse mit einer Tenorstimme statt Mezzosopran besetzt, was nicht sehr sinnlich wirkt.

André Cluytens' Dirigat ist ebensowenig von Raffinement und Delikatesse gezeichnet. Es geht durchwegs träge und langweilig zu, das Orchester spielt allenfalls solide. Dass Cluytens diese Oper wundervoll dirigieren konnte, zeigt seine erste Aufnahme mit dem Ensemble der Operà Comique Paris aus den späten Vierzigerjahren.

Bleibt allein der wunderbare Hoffmann des großartigen Nicolai Gedda. Seine Darbietung ist in jedem Moment authentisch, seine Stimme hat Schmelz und Leuchtkraft, und sein Gesang changiert von inniger Lyrik zu blühenden dramatischen Aufschwüngen. Nur wegen ihm hat die Aufnahme einen gewissen Wert. Für Schwarzkopf-, London- oder De los Angeles-Fans ist sie natürlich ebenfalls unentbehrlich - aber besonders gut ist sie trotzdem nicht. Zu den Greatest Recordings of the Century, unter denen sie jetzt herausgebracht wurde, ist sie keinesfalls zu zählen!


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