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Kunz Vogelgesang

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Wie durch ein dunkles Glas: Commissario Brunettis fünfzehnter Fall
Wie durch ein dunkles Glas: Commissario Brunettis fünfzehnter Fall
von Donna Leon
  Gebundene Ausgabe

15 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Langweilig, 15. Juni 2007
Würden die Brunetti-Krimis nicht in Venedig spielen, kein Hahn würde danach krähen. Wahrscheinlich hätte Donna Leon auch schon längst mit dem Schreiben der Reihe aufgehört.
Wenn ihr keine gescheiteren Geschichten als diese hier mehr einfallen, wäre sie auch gut beraten damit.
Diesmal geht es um Mord und Intrigen in den Glasbläsereien auf Murano, und dieses Ambiente finde ich eigentlich sehr spannend.
Warum Brunetti aber bis zur Hälfte des Buches herumermittelt, obwohl eigentlich noch gar nichts passiert ist, ist schon eigenartig. Und als dann endlich eine Leiche auftaucht und man meint, jetzt bekommt die Sache Drive, geht es im selben faden Tempo weiter. Am Ende, wenn der Fall gelöst ist, interessiert es einen eigentlich schon nicht mehr.
Worin Donna Leon eine Meisterin ist, ist im Seitenschinden. Selten schafft es jemand, den Großteil seiner Bücher mit Unwichtigkeiten zu dehnen. Irgendwann hängt es einem zum Halse raus, mitzuerleben, wie jemand seinen Espresso trinkt oder was es zum Nachtisch gibt. Wie man damit Bestsellerautor wird und über so lange Zeit bleibt, ist mir ein Rätsel.
Und Brunettis Familie? Wann ziehen die Kinder eigentlich mal aus? Und warum kann es nicht einmal zu einer handfesten Ehekrise mit der superperfekten Paola kommen? Eine Affäre mit Signorina Elettra, das wär doch mal was. Vielleicht würden die Charaktere sich dann mal weiterentwickeln. Donna Leon muß ja nicht gleich so tief in ihre Figuren eintauchen wie etwa Elizabeth George, aber diese Masche mit superblödem Vorgesetzten Patta und der immer patenten Sekretärin ist sowas von Schwarz-Weiß-Malerei.
Trotzdem, wahrscheinlich werde ich auch den nächsten Brunetti wieder lesen. Dass er besser wird, bezweifle ich. Es kann immer noch schlechter kommen.


La Traviata (Gesamtaufnahme)
La Traviata (Gesamtaufnahme)
Preis: EUR 26,82

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Virtuos und brillant - trotzdem leicht problematisch, 13. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: La Traviata (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Bei der vorliegenden Einspielung von Verdis "Traviata" handelt es sich um die allererste Digitalaufnahme einer Oper, die die Plattenfirma DECCA im Jahre 1979 produziert hat.
Es scheint fast logisch, daß man für dieses Ereignis das damalige firmeneigene Topduo Sutherland/Pavarotti heranzog und mit ihnen einen absoluten Schlager aufnahm.
Für Joan Sutherland war es die zweite Studioeinspielung des Verdi-Klassikers, Pavarotti sollte in den Neunzigerjahren mit Cheryl Studer noch einmal den Alfredo Germont übernehmen.

Herausgekommen ist ein wirkliches Hochglanzprodukt - mit allen Stärken und Schwächen, die diese Bezeichnung verdient. Die Tontechnik hat sich spürbar bei Aufnahme und Abmischung ausgetobt: die Sänger sind mit viel Hallraum verstärkt und im Orchester scheinen Mikrofone noch über den unbedeutendsten Instrumenten zu hängen. Herausgekommen ist dabei ein etwas kühler, steriler, aber trotz allem doch flirrend brillanter Klang, der herrlich transparent und viril wirkt.
Dazu trägt auch das energische und herrlich emotionale Dirigat von Richard Bonynge bei. Ich finde, daß diesem Dirigent viel öfter Lob gezollt gehört. Sehr oft wird er nur als stabschwingender Ehemann von Joan Sutherland herabgewürdigt und das ist keinesfalls gerecht. Ich kenne keine einzige Plattenaufnahme von Richard Bonynge, die nicht geschmackvoll oder die etwa langweilig wäre. Seine Interpretationen sind wahrlich nie intellektuell, aber wer will bei Belcanto-Opern bitte Interpretationsansätze a la Harnoncourt? Ich nicht. Kurzum: Bonynge dirigiert diese Traviata herrlich schmissig und an den lyrischen Stellen auch ausgesprochen gefühlvoll. Das National Philharmonic Orchestra ist ihm dabei ein kongenialer Partner; technisch ist dieses Orchester ohnehin über jeden Zweifel erhaben, das klingt wie ein Rolls-Royce.

Nun zu den Sängern:
Luciano Pavarottis Alfredo gefällt mir im Großen und Ganzen sehr gut. In vielen Kritiken zu dieser Aufnahme lese ich oft von technischen Problemen und stimmlichen Verschleißerscheinungen, aber außer ein paar gepreßten Tönen finde ich seine gesangliche Leistung einwandfrei. Man kann Alfredo vielleicht etwas leiser und lyrischer singen, aber Pavarotti singt ihn halt sehr temperamentvoll und verharrt schon mal ganz gern im prunkvollen Forte. Bei soviel Stimmschönheit sei ihm das gerne verziehen.

Matteo Manuguerras Vater Germont ist ebenfalls ein Highlight. Eine sehr runde, warmgefärbte Baritonstimme mit sehr individuellem Timbre. Von der Rollengestaltung her der sensibelste und gutmütigste Germont, den ich kenne. Man hat das Gefühl, daß ihm Violetta wirklich leid tut, obwohl er ein so schweres Opfer von ihr verlangt. Ein wirklicher Gegensatz zu Interpretationen von etwa Robert Merrill, der sehr den patriarchalischen Moralisten gibt.

Und Joan Sutherlands Violetta? Hier bin ich wirklich zwiegespalten, obwohl die Sutherland zu meinen absoluten Lieblingssopranen gehört.
Sutherland war zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits 53 Jahre alt und man könnte meinen, daß sie mit der Partie vielleicht schon überfordert gewesen wäre. Das trifft jedoch keinesfalls zu: so brillant hat das technisch keine andere gesungen! Allein die Koloraturarie "Sempre libera" am Ende des ersten Aktes wird atemberaubend dargeboten. Sutherland interpoliert 13 kurze hohe Staccato-Cs (eine Tradtition aus dem 19. Jahrhundert) und singt am Ende ein hohes Es, das wie eine Leuchtrakete strahlt. Auch singt sie die Rolle spürbar mit viel Gefühl und seelischer Anteilnahme.
Was mich jedoch ein bisschen befremdet, ist ihre etwas zerkaute und mulmige Aussprache. Weiters habe ich das Gefühl, daß Sutherlands Stimme einfach viel zu üppig, rund und gesund im Klang ist, um die zerbrechliche und sterbenskranke Kameliendame akustisch sichtbar zu machen. Es klingt fast komisch, aber ich glaube, Sutherland hatte einfach zu VIEL Stimme für die Partie. Und ganz jung klingt die Stimme bei allem technischen Glanz halt auch nicht mehr. Cotrubas, Callas und Moffo sind meines Erachtens mädchenhafter, fragiler und deshalb überzeugender.

Nichtsdestotrotz: eine wunderschöne Platte, die ich nicht missen möchte. Für Sutherland-Freaks ein absolutes Muss!!


Endstation Venedig. Commissario Brunettis zweiter Fall
Endstation Venedig. Commissario Brunettis zweiter Fall
von Donna Leon
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,90

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schwach, 3. Juni 2007
Nachdem ich Commissario Brunettis ersten Fall ziemlich genossen hatte, stürzte ich mich kurz nach Erscheinen dieses Bandes mit freudiger Erwartung aufs Neue in Venedigs kriminelle Seitengassen.

O Gott, war das eine Enttäuschung.

So eine an den Haaren herbeigezogene und schleppend verlaufende Krimihandlung habe ich, glaube ich, noch nie erlebt.

Dabei wäre die Thematik um illegale Giftmüllentsorgung eine durchaus interessante Grundlage für eine spannende Story. Aber Donna Leon scheint nicht gerade eine Meisterin des Plottings zu sein, wie ich auch in ihren späteren Romanen immer wieder festgestellt habe (gelesen habe ich bis heute nämlich alle).

Von diesem Band kann ich nur abraten. Zeit- und Geldverschwendung. Band drei ist wieder besser.


Venezianisches Finale: Commissario Brunettis erster Fall
Venezianisches Finale: Commissario Brunettis erster Fall
von Donna Leon
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,90

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Als Brunetti noch vielversprechend war, 3. Juni 2007
Als ich vor nunmehr vierzehn Jahren zum ersten Mal diesen Brunetti-Erstling gelesen habe, war ich ziemlich angetan. Venedig und Opernatmosphäre, noch dazu in einem Krimi, das war ganz nach meinem Geschmack.

Zwar hätte ich mir schon damals ruhig ein bisschen mehr Nervenkitzel gewünscht, aber die Geschichte um einen ermordeten Dirigenten in Venedigs Prachttheater La Fenice war auch so ganz ok, ein ganz gepflegter Unterhaltungskrimi halt ohne viel Gewalt und ziemlich geradlinig.

Stilistisch pflegt Donna Leon eine eher metaphernreiche Sprache, die gelegentlich etwas übertrieben blumige Vergleichsfloskeln zutage bringt. Aber es liest sich zumindest sehr flüssig.

Am meisten Spaß macht es bei Leons Krimis, sich in der eigenen Phantasie durch Venedig zu bewegen. Die Stimmung und Schauplätze sind recht anschaulich geschildert.

Deswegen kann ich dieses Buch auch guten Gewissens empfehlen.

Was für die Folgebücher nur noch sehr bedingt gilt. Die Erwartungen, die ich an die nächsten Brunetti-Geschichten stellte, wurden teilweise herb enttäuscht.


Il Trovatore (Ga)
Il Trovatore (Ga)
Preis: EUR 16,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brillante Verdi-Aufnahme, 13. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Il Trovatore (Ga) (Audio CD)
Man hat die Anekdote schon oft gehört: Den "Trovatore" kann man ganz leicht besetzen, man braucht nur die vier besten Sänger der Welt dazu.
Nur, wer sind bzw. waren diese?
In der vorliegenden Einspielung unter Tullio Serafin (dem wahrscheinlich größten italienischen Operndirigenten des zwanzigsten Jahrhunderts) finden sich zumindest vier der hervorragendsten ihrer Epoche, noch dazu solche, die Verdi auch stilistisch exzellent beherrschten.
Es handelt sich hierbei um eine der wenigen Aufnahmen, die wirklich eine in sich geschlossene Besetzung ohne Ausfälle aufweist und darum volle fünf Punkte verdient hat.
Antonietta Stellas Sopran leuchtet und strahlt, hier kann man einen wirklichen Lirico-Spinto hören, der sowohl die flutenden Phrasen in "Tacea la notte" als auch die dramatischen Momente im vierten Akt souverän meistert. Eine oft unterschätzte Sängerin, die zu Unrecht im Schatten etwa von Renata Tebaldi stand, obwohl es immer wieder Leute gibt, die behaupten, die Stella wäre eine zweitklassige Sängerin mit mangelhafter Technik. Heutzutage wäre man froh, so eine Sopranistin öfter im Verdi-Repertoire hören zu können.
Fiorenza Cossotto singt die Zigeunerin Azucena. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war sie noch sehr jung, eigentlich zu jung, um die Mutter des Troubadours zu sein. Aber das Feuer und die stimmliche Brillanz ihres Mezzosoprans, mit der sie die anspruchsvolle Partie meistert, sind fabelhaft.
Carlo Bergonzi, der Verdi-Stilist seiner Zeit, hat mit dem Manrico keine Mühe. Blühende Kantilene, Eleganz und technische Souveränität zeichnen seine Darbietung aus, und das hohe C, mit dem er seine Stretta krönt, überstrahlt mühelos das Orchester bis zum Schlußtakt.
Bleibt noch Ettore Bastianini als Conte di Luna zu nennen, der für mich persönlich eigentlich unübertroffen in dieser Partie ist. Das kernig dunkle Timbre ist von einer Schönheit, Männlichkeit und Klangfülle, die bis zum heutigen Tag ihresgleichen sucht. Verdi-Gesang auf höchster Stufe.
Das Orchester der Mailänder Scala breitet einen blitzsauber spielenden Klangteppich unter den Sängern aus und klingt hervorragend.
Dass der Dirigent Tullio Serafin zum Zeitpunkt der Aufnahme schon über achtzig Jahre alt war, mag man kaum glauben. Soviel Temperament und Stilgefühl wäre vielen jungen Dirigenten heutzutage zu wünschen.
Es gibt natürlich noch andere großartige Aufnahmen dieser Oper, und ich perönlich finde die Cellini-Aufnahme mit Björling noch etwas besser, aber diese hier ist ebenfalls von erster Qualität und für mich unentbehrlich.
Der Preis dieser Aufnahme und das hässliche Cover sollen nicht über deren hohen Rang hinwegtäuschen. Sehr empfehlenswert!


The Art of the Prima Donna
The Art of the Prima Donna
Preis: EUR 13,97

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eines der schönsten Recitals aller Zeiten, 13. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: The Art of the Prima Donna (Audio CD)
Dieses Doppelalbum mit sechzehn ausgewählten Arien für Koloratursopran gilt zu Recht als legendär: Joan Sutherland war gerade zu "La Stupenda" avanciert, und wenn man diese Aufnahmen hört, versteht man, warum sie diesen Titel trug. Die technische Perfektion ist schlichtweg atemberaubend! Das kostbare Timbre mit seiner samtigen Wärme und die phantastische Höhe, die makellosen Koloraturen und Triller (wer kann das schon so wie sie?), die wundervolle Legatokultur - das ist einfach ganz große gesangskunst. Immer wieder wird man von den lang gehaltenen hohen D's und Es' überwältigt, und auch die Diktion ist in diesen frühen Aufnahmen noch viel besser als in manch späteren (zugegeben ist die Stimme hier auch noch leichter). Besonders die Bellini-Arien aus "I puritani" und "La Sonnambula" halte ich für sehr gelungen. Die Arie "Bel raggio lusinghier" aus "Semiramide" hat Sutherland in ihren späteren Aufnahmen selber nicht wieder toppen können, die Verzierungen in der Cabaletta zeigen unvergleichlich ihre phänomenale Virtuosität. Aber auch alle anderen Nummern werden schlichtweg fulminant dargeboten.
Dieses Album sollte einfach jeder Opernfreund haben. Eine Sternstunde des Belcanto. Joan Sutherland war eines der größten Geschenke für die Opernwelt. Thank you, Dame Joan!


The Originals - Aida (Gesamtaufnahme)
The Originals - Aida (Gesamtaufnahme)
Preis: EUR 15,99

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zu recht ein Klassiker - Renata Tebaldi einfach traumhaft, 13. Mai 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Verdis "Aida" ist im Plattenkatalog mit überdurchschnittlich vielen hervorragenden Aufnahmen vertreten. Zu den Highlights zählen u. a. Milanov/Björling/Perlea, Caballè/Domingo/Muti oder Price/Vickers/Solti, um nur einige zu nennen. Ich kann beim besten Willen nicht sagen, welche die beste wäre, angesichts dieser Fülle. Es wird wohl doch eine Geschmackssache bleiben.
Mein Tip: eine Aufnahme allein ist viel zu wenig!
Unbedingt dabei sollte aber diese sein.
Wie schon ein Vorredner sagte, ist sie klanglich einfach betörend. Den Decca-Ingenieuren ist im Jahre 1959 eine technische Meisterleistung gelungen, den Klang der Wiener Philharmoniker einzufangen. Welch eine Transparenz und Delikatesse, zumal das Orchester unter Karajans Leitung eine Sternstunde von außergewöhnlicher Sensibilität und Pikanz hinlegt.
Von den ersten gehauchten Geigenpianissimi des Vorspiels bis zum herrlich ausladenden Triumph-Akt - ein Ohrenschmaus.
Auch der Chor der Wiener Staatsoper bietet eine formidable Leistung.
Und die Solisten gehören zur damaligen Crème de la crème:
Carlo Bergonzi bewältigt die anspruchsvolle Partie des Radames technisch so souverän und mit so sensiblem Ausdruck, daß man ihm gar nicht anmerkt, wie dramatisch-exponiert die Rolle eigentlich komponiert ist.
Cornell MacNeil verfügte über eine ausgesprochen satte und üppig timbrierte Baritonstimme, die er auch entsprechend als böser Amonasro einsetzt, wenn auch mit ziemlich rauhem Ausdruck. Gobbi, Protti und Capuccilli gefallen mir besser, aber erstklassig ist MacNeill trotzdem.
Giulietta Simionatos Amneris strahlt Autorität und Aristokratie aus und findet vor allem im vierten Akt zu wunderbar verzweifeltem Pathos. Und ihre sehr individuelle Mezzosopranstimme ist einfach immer ein Genuss.
Zuletzt aber einfach das Beste: Renata Tebaldi in der Titelrolle. Man höre sich die Phrase "Numi,pièta" in der ersten Arie an, und man versteht, warum Tebaldi als Engelsstimme bezeichnet wurde. Sie hat einfach alles, was man für die Rolle braucht: ein wunderbar warmes Timbre, sie wirkt verletzlich und sehr würdevoll zugleich; ihr Spinto-Sopran meistert auch gekonnt alle dramatischen Tücken im zweiten und dritten Akt, kurzum: eigentlich vollkommen. Meiner Meinung nach sticht Renata Tebaldi in dieser Rolle ihre Konkurrentin Maria Callas eindeutig aus.
Diese Aida sollte man einfach haben, vor allem bei so einer brillant bearbeiteten Neuauflage (auch das leichte Grundrauschen, das noch in der Erstausgabe vorhanden war, ist so gut wie verschwunden) zu so günstigem Preis.


Bellini: I Puritani
Bellini: I Puritani
Preis: EUR 34,18

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Stimmliches Feuerwerk der Superklasse!, 13. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Bellini: I Puritani (Audio CD)
Um es auf den Punkt zu bringen: ich halte diese Aufnahme für eine der musikalisch brillantesten der ganzen Plattengeschichte.
Man kann einfach nur staunen, was Joan Sutherland, Luciano Pavarotti, Piero Capuccilli und Nicolai Ghiaurov hier abliefern! Alle im Zenit ihres Könnens, von der Natur mit luxuriösesten Timbres gesegnet und technisch einfach umwerfend! Auch Richard Bonynge und das London Symphony Orchester befinden sich in einem regelrechten Taumel und entfachen von der ersten Fanfare bis zur Schlußcabaletta ein regelrechtes Belcantofest, klangsinnlich und temperamentvoll, daß es einfach eine Freude ist.
Sutherland als Elvira schießt wie gewohnt ein Koloraturfeuerwerk der Sonderklasse ab, aber diesmal übertrifft sie sich sogar selber. Ihr Timbre ist dunkel gereift und die Stimme groß und rund - und dazu solche Agilität, schlichtweg phänomenal. Pavarottis Arturo strahlt mit heldischem Ton und schmelzigem Timbre. Er wagt sich sogar an das gefürchtete hohe Rubini-F. Und dass er das mit Kopfstimme singt (was viele Kritiker bemäkelt haben, aber wer um Himmels willen soll denn so einen Ton mit voller Stimme singen?), ist meines Erachtens nicht so wichtig; Hauptsache, er hat es dokumentiert, sodaß man sich einmal ein Bild von dieser eigenartigen Interpolation machen kann.
Die berühmte Callas-Aufnahme ist verglichen zu dieser hier wesentlich lyrischer und introspektiver.
Aber diese Oper ist nicht zuletzt ein Fest der Virtuosität, und in diesem Punkt gibt es einfach nichts besseres.
Auch wenn das Album nicht billig ist: Kaufen und genießen!!!!


Puccini: La Boheme (Gesamtaufnahme) (ital.)
Puccini: La Boheme (Gesamtaufnahme) (ital.)

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alt - aber wunderschön!, 13. Mai 2007
Als Alternative zu den berühmten Studio-Einspielungen unter Karajan, Schippers, Serafin und Beecham möchte ich hier ausdrücklich eine Bresche für diese historische Cetra-Einspielung schlagen!
Aufgenommen am 12. Juli 1952, quasi live, in den Rundfunkstudios der RAI Turin versammelt sie eine wunderbar adäquate Besetzung mit italienischen Legenden.
Feruccio Tagliavini als Poet Rodolfo gestaltet mit seiner herrlich elegischen Tongebung ein wunderbar gefühlvolles Portrait des romantischen Liebhabers. Seine Timbre ist von herrlicher Samtigkeit und Wärme. (Ein wenig erinnert es an Carlo Bergonzi, den Tagliavini allerdings in puncto Poesie übertrifft. Dafür ist seine Stimme schon ein wenig über seine Glanzzeit hinaus, was aber nicht weiter stört).
Rosanna Carteris Mimi ist ebenfalls herrlich ausdrucksvoll und berührend. Ihre Stimme ist robuster als etwa Mirella Frenis. Rosanna Carteris Lirico-Spinto-Sopran steht mehr in der Tradition einer Renata Tebaldi, aber ihre flutenden Legatobögen und ihr eher kräftiger Tonansatz sind einfach ein Genuß. Ihre Mimi wirkt dadurch auch weniger sentimental als so manch andere.
Als Marcello und Colline kommen die italienischen Legenden Giuseppe Taddei und Cesare Siepi zum Einsatz. Was gibt es dazu noch zu sagen? Besser gehts eigentlich nicht.
Elvira Ramella habe ich bis zu dieser Aufnahme nicht gekannt. Sie gestaltet die Musetta, und ich finde, sie ist eine der besten auf Platten. Diese Rolle wird mir auf vielen Aufnahmen zu sehr gekreischt. Ramellas Sopran ist ebenfalls sehr hell und viril, aber er geht um Haaresbreite an der Grenze zur Schärfe vorbei. Und sie schafft es, das kokette Frauenzimmer sowohl temperamentvoll als auch sehr charmant darzustellen. Schön!
Gabriele Santini und das RAI-Orchester liefern solide und gefühlvolle Musizierkunst dar, es fließt und schmachtet üppig, wie es sich bei Puccini gehört, aber niemals geschmacklos seicht. Solche Puccini-Dirigenten würde man sich heute öfters wünschen. Die RAI-Aufnahmen aus der damaligen Zeit sind vom Klang meistens etwas dumpf und hauchig, so auch diese hier. Aber diese nostalgische Patina stört hier überhaupt nicht.
Empfehlenswert!!!


Weber: Der Freischütz (Gesamtaufnahme)
Weber: Der Freischütz (Gesamtaufnahme)

30 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz einfach die Schönste!, 13. Januar 2007
Diese Aufnahme unter Joseph Keilberth ist für mich bis zum heutigen Tag die erste Wahl.

Keine andere vereint in solchem Maß eine in allen Rollen so gut wie ideale Besetzung, ein so stilsicher geleitetes Orchester und einen so vortrefflichen Chor.

Keilberth kostet alle Facetten der reichen Partitur aus: seine Freischütz-Interpretation steht in der Tradition der deutschen romantischen Oper, ist dementsprechend ausladend und getragen, aber auch mit dem Gespür für die richtige Gruseligkeit, die hier ja unabdingbar ist. Trotzdem trifft man hier keine falsche Sentimentalität oder biedere Deutschtümelei. Vielmehr findet hier ganz simpel ein romantisches Opernmärchen statt, mit Gefühl und Leidenschaft. Keilberth dirigiert einfach das Stück, ohne große interpretatorische Mätzchen und trifft alles genau auf den Punkt.

Und was für wundervolle Sänger ihm hier zur Verfügung stehen:

Die Agathe der Elisabeth Grümmer ist einfach eine Offenbarung. Diese Rolle erliegt ja oft dem Klischee der etwas biederen, matronenhaften Heulsuse. Grümmer zeigt, dass diese Rolle von wunderbarer Beseeltheit und Reinheit erfüllt ist; man glaubt ihr diese Unschuld und Tugendhaftigkeit in jedem Moment - und sie singt einfach wunderschön.

Ihr Gegenpart, das fröhliche und bodenständige Ännchen, wird von Lisa Otto gesungen, und man hätte keine bessere dafür nehmen können. Otto singt nicht ganz so strahlend und brillant wie Rita Streich (bei Eugen Jochum), aber ihr Rollenportrait ist vom Ausdruck hinreißend. Mir ist noch kein besseres begegnet.

Rudolf Schocks Gesang hat schon immer die Gemüter gespaltet. Das häufige Anstemmen der Töne ist nicht jedermanns Sache, aber zum damaligen Zeitpunkt war er stimmlich in seiner besten Phase, und ich finde seinen Max eine seiner besten Leistungen auf Platte überhaupt. Das Timbre ist dunkel und markant, die Stimme robust und heldisch, und von der Darstellung her ist Schocks Max authentisch und überzeugend.

Der böse Kaspar wird von Karl Christian Kohn dargeboten, einem Bassisten, von dem es nicht viele Aufnahmen gibt. Leider, kann man nur sagen, wenn man diese hier hört. Kohn ist der dämonischste und heimtückischste Kaspar, den ich auf Platte gehört habe. Die Dialoge spricht er ganz leise und verschlagen. Seine Teufelsbeschwörung ist herrlich gruselig und schaurig, man hört direkt, dass seine Lebensgeister schon im Schwinden sind, weil er noch keine neue Seele geraubt hat. Auch gesanglich meistert er die vertrackte Rolle, die einen riesigen Stimmumfang verlangt und für viele Bässe in der Höhe ein Problem darstellt, geschickt. Und nicht zuletzt passt sein charakteristisches Timbre ideal zur Rolle.

Zuletzt sei noch der ganz junge Hermann Prey genannt, der den Fürsten Ottokar zum Besten gibt und mit ausgesprochen schönem, kultivierten Kavaliersbariton für sich einnimmt.

Der Chor der Deutschen Oper Berlin und die Berliner Philharmoniker spielen und singen erstklassig. Die Aufnahmen unter Jochum und Kleiber sind vom Instrumentalen her vielleicht noch ein wenig polierter und brillanter.

Aber keine atmet den Geist dieses Stückes in solchem Maße wie diese hier. Auch die Dialoge sind am natürlichsten. Darum: zugreifen!


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