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Rezensionen verfasst von
Kunz Vogelgesang

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La Traviata Gesamtaufnahme (Italienisch )
La Traviata Gesamtaufnahme (Italienisch )
Preis: EUR 11,67

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Opulent, aber etwas fade, 29. Juli 2008
Obwohl ich ein glühender Verehrer der großen JOAN SUTHERLAND bin, ist diese "Traviata" eine ihrer Aufnahmen, die mich nicht ganz so überzeugen.
Technisch sauberer und mit vollerem Ton hat diese Partie wohl niemand gesungen, aber das reicht mir bei dieser Oper leider nicht. Ich vermisse ein wenig Passion und Temperament, und Joan Sutherlands größtes oder eigentlich einziges Manko, ihre Textundeutlichkeit, kommt hier ganz besonders zum Vorschein. "Sempre libera" erklingt natürlich fulminant, und schon allein wegen des leuchtenden hohen Es' muß man Sutherland gehört haben. Das singt sie auf ihrer späteren Aufnahme mit Pavarotti aber fast noch besser, und seltsamerweise finde ich sie dort überzeugender, obwohl sie 1978 schon weit über eine jugendliche Kurtisanenstimme hinaus war. Vielleicht klingt Joan Sutherland auch einfach ein wenig zu gesund für die schwindsüchtige Violetta.
CARLO BERGONZI und ROBERT MERRILL sind hervorragend in ihren Rollen als Alfredo und Giorgio Germont. Aber von beiden gibt es auch noch zwei andere Aufnahmen dieser Oper, sodaß man nicht unbedingt zu dieser greifen muß.
JOHN PRITCHARDs Dirigat ist gediegen, aber auch nicht besonders inspiriert, wenn man es mit Carlos Kleiber, aber auch Zubin Mehta oder Fernando Previtali vergleicht. Vor allem glänzt es nicht durch besondere Italianità.
Eine gepflegte, sehr wohlklingende Aufname, aber es gibt bessere.


The Originals - Die Zauberflöte
The Originals - Die Zauberflöte
Preis: EUR 22,98

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Soltis Luxus-"Zauberflöte" zum Superpreis! Zugreifen!!!, 23. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: The Originals - Die Zauberflöte (Audio CD)
Unglaublich, daß diese Aufnahme, die bislang nur in der teuersten Preiskategorie zu haben war, nun in diese wunderbare Midprice-Reihe aufgenommen wurde!

Für mich persönlich zählt sie zu den allerbesten Einspielungen dieses Werkes (welche die definitive Version ist, vermag ich angesichts des großen Angebots nicht zu sagen), auf jeden Fall zu den Top 5.
Es handelt sich dabei um die erste von zwei Aufnahmen, die SIR GEORG SOLTI mit den Wiener Philharmonikern aufgenommen hat, im Jahre 1969.
Er wählt eher gediegene Tempi, ruhig, aber niemals schleppend, in den Allegro-Passagen aber durchaus flott und voller Schwung - kurz, sehr geschmackvoll. Überflüssig zu betonen, daß ihm mit diesem Orchester klanglich eine traumhafte Wiedergabe gelingt, satt und mit brillanten Farben, dabei aber schlank und seidig. Besonders brillant die Streicher.
Die Sängergarde ist reinster Luxus!
Vor allem zeichnet sich das Ensemble dadurch aus, daß die Stimmen durchwegs füllig, klangreich und nicht zu leicht sind, bis in die kleinsten Partien: welche andere Aufnahme hat sich bitte in den Rollen der beiden Geharnischten Kaliber wie RENÉ KOLLO und HANS SOTIN geleistet?
STUART BURROWS ist ein Tamino der Sonderklasse. Geschmeidig in der Phrasierung, nobel und elegant im Ausdruck, und auch die heroischen Teile der Partie singt er unangestrengt mit beinahe heldischem Tenor. Edel.
PILAR LORENGARs Pamina ist ganz Dame. Ein wunderbar hoher lyrischer Sopran mit leichtem Vibrato, der auch allen technischen Aspekten der Rolle gerecht wird und im Duett mit Papageno wunderbare Wärme entfaltet.
Den Vogelfänger singt HERMANN PREY, und das Schöne ist, daß er die Partie wirklich SINGT und nicht zu sehr in die Rolle des dümmliche Tollpatschs verfällt. Ein sehr gefühlvoller Papageno mit viel Herz, das er am Ende der Papagena von RENATE HOLM schenkt, die mit sauberem Klang und viel Charme ihr "Pa-pa-pa"-Duett gibt.
Als Sarastro und Königin der Nacht bietet diese Aufnahme die meines Erachtens nach besten Sänger auf, die ich in diesen Rollen gehört habe:
MARTTI TALVELAs Sarastro ist der klangfülligste, voluminöseste und dunkelste Bass, den ich kenne. Seine Darbietung ist nobel, autoritär und gebieterisch, dabei gütig und sehr menschlich. Für mich perfekt.
Das absolut Außergewöhnliche findet man allerdings in der Besetzung der Königin der Nacht: CHRISTINA DEUTEKOM, eine holländische Koloratursopranistin, die heute nicht mehr sehr bekannt ist. In den Sechziger- und Siebzigerjahren hat sie in dramatischen Belcanto-Rollen an vielen großen Opernhäusern für Aufsehen gesorgt. Wer wirklich sternflammende Koloraturen und eine furiose Rachearie hören will, kommt hier auf seine Kosten: keine andere Königin wartet mit einer größeren, hochdramatischeren Stimme auf, die dreigestrichenen F's werden geradezu gnadenlos herausgespien, die Triolenketten sind technisch schon überperfekt (sodaß sie fast gejodelt klingen, wofür die Sängerin bekannt ist). Noch dazu kommt, daß die Stimme sehr kalt klingt, was in dieser Partie ausnahmsweise einmal kein Nachteil ist. Eine legendäre Interpretation; das haben nicht einmal Edita Gruberova, Edda Moser oder Joan Sutherland geschafft.
Auch die drei Damen (HANNEKE VAN BORK, YVONNE MINTON, HETTY PLÜMACHER) sowie die drei Knaben (Wiener Sängerknaben) bieten Hörgenuß vom Feinsten.

Kurzum: ein Produkt für Feinschmecker und Freunde des eher üppigen, schwelgerischen Musizierens. Für Liebhaber des Historischen-Originalinstrumente-Stils ist das ganz sicher nichts!!
Allen anderen sei die Aufnahme auf Herzlichste empfohlen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 13, 2010 6:10 PM CET


Kuckuckskind
Kuckuckskind
von Ingrid Noll
  Gebundene Ausgabe

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ingrid Noll wieder in Topform - auch ohne Mörderin!!, 19. Juli 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kuckuckskind (Gebundene Ausgabe)
Ingrid Noll hatte schon seit ihren ersten Romanen zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen gehört. Vor allem "Die Häupter meiner Lieben" und "Kalt ist der Abendhauch" liebe ich bis heute ganz besonders. Selten fand ich, daß bei einer Autorin psychologische Raffinesse, Humor und literarischer Stil so toll vereint waren.
Bei ihren Romanen der letzten Jahre hatte mich allerdings das Gefühl beschlichen, daß sich das Modell der verkorkst-schrulligen Kleinstadt-Killer(inne)n ziemlich abgenutzt und Frau Noll sich nicht mehr weiterentwickelt hatte (besonders "Rabenbrüder" fand ich gänzlich mißlungen).

Was für eine Freude, daß Ingrid Noll mittlerweile ihr Tief überwunden zu haben scheint und diesmal von der Muse ganz besonders geküsst wurde! Mit "Kuckuckskind" präsentiert sie eine Geschichte, die einfach eine Mordsgaudi ist! Dabei dreht es sich diesmal gar nicht um eine neurotische Mörderin, sondern um eine lediglich vom Leben gebeutelte Deutschlehrerin in den Spätdreißigern, deren Liebesleben wechselhafte und turbulente Kurven schlägt. Eine richtige Durchschnittsperson also, wie man ihnen täglich begegnet, und das macht sie besonders lebensnah und autenthisch (nur den Spleen mit der Sudokusucht als Liebesersatz finde ich etwas aufgesetzt).
"Kuckuckskind" ist eine richtige süffige Gesellschaftskomödie, die durch kriminelle Elemente und einige tragische Wendungen aber auch sehr vielschichtig wird und Tiefe enthält. Sprachlich verfügt Ingrid Noll ohnehin über einen besonderen Schliff, die Beschreibung der vielen alltäglichen Kleinigkeiten zeichnet sich wie immer durch besondere Detailverliebtheit und präzise Wortwahl aus; Frau Noll läßt ihre Figuren immer herrlich "aus dem Nähkästchen" plaudern.

Ich habe das Buch im Urlaub am Strand gelesen. Es hat mir solchen Spaß gemacht, daß ich leider schon nach zwei Tagen zu Ende war. Hoffentlich bastelt Ingrid Noll schon an Nachschub. Ich kann die Lektüre nur wärmstens empfehlen!!!


Lasset die Kinder zu mir kommen: Commissario Brunettis sechzehnter Fall
Lasset die Kinder zu mir kommen: Commissario Brunettis sechzehnter Fall
von Donna Leon
  Gebundene Ausgabe

37 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas besser als der letzte - aber auch nicht richtig gut, 30. Mai 2008
Eigentlich hatte ich nach dem letzten Fall Brunettis vorgehabt, kein Donna-Leon-Buch mehr zu lesen, da ich ihre Krimis immer phantasieloser, konstruierter und langweiliger fand. Die Neugier hat mich doch wieder zur Lektüre getrieben - und diesmal war ich überraschenderweise streckenweise recht angetan.
Das kann vielleicht auch daran liegen, daß ich mir nach dem unsäglichen fünfzehnten Fall wirklich nicht mehr viel erwartet hatte.
Leon hat es diesmal tatsächlich geschafft, Mitgefühl bei mir für die Beteiligten an dem Fall zu erzeugen. Das liegt daran, daß die Täter-Opferrolle hier gar nicht so eindeutig festgelegt ist, und dadurch gewinnt die Geschichte eine recht interessante Ambivalenz. Es geht um illegalen Kinderhandel und zwielichtige Arzt- und Apothekengeschäfte. Mehr will ich zur Handlung nicht verraten, außer, daß es sich nicht um einen richtigen "Who-done-it"-Krimi handelt. Leiche und Aufklärung sind eher Nebensache, was aber nicht unbedingt schlecht sein muß.
Die Venedig-Schauplätze sind wie immer recht nett geschildert, und auch die abgenudelten Figuren wie Patta werden nicht so überstrapaziert.
Was mich aber letztendlich dann doch wieder sehr gestört hat, ist, daß die Geschichte im Lauf der Zeit immer langatmiger und verworrener wird und einfach kein richtiges Tempo entsteht. Da hat sich Frau Leon ziemlich verzettelt und rennt teilweise geradezu im Kreis. Es wird leider sehr viel überflüssig an der ganzen Kinderhandel- und Adoptivproblematik rumgekaut.
Der Schluß ist nicht schlecht, kommt aber reichlich spät. Als ich schließlich zu Ende war, habe ich tief durchgeschnauft. Bei richtig guten Büchern sollte das eigentlich nicht passieren. Trotzdem: es gab schon schlechtere Brunettis (auch einige bessere). An das Raffinement von Autoren wie Elizabeth George, Barbara Vine oder die leider kürzlich verstorbene Magdalen Nabb reicht Donna Leon aber eindeutig nicht heran.


Don Pasquale
Don Pasquale
Preis: EUR 13,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Köstlicher Live-Mitschnitt einer Met-Sternstunde, 8. Mai 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Don Pasquale (Audio CD)
Wenn es an dieser Aufnahme etwas zu bedauern gibt, dann höchstens, daß es sich nicht um eine klanglich hochwertige Studioaufnahme handelt.
Von der Besetzung her ist das nämlich absolut ungetoppt. Allen voran ROBERTA PETERS, die mit ihrer temperamentvollen Darbietung der Norina die gesamte Konkurrenz von Graziella Sciutti bis Eva Mei in den Schatten stellt. Endlich eine Norina ohne scharfe Spitzentöne mit perlender Koloratur und viel komischem Charme. Hervorragend!
FERNANDO CORENAs Name ist bis zum heutigen Tage mit der Figur des Don Pasquale regelrecht verschweißt, und das zu Recht. Sein satter Bassbariton und seine herrliche Parlandokomik sind hinreißend. FRANK GUARREREAS ausgesprochen kraftvoller und heldischer Bariton stellt einen Luxus für den Doktor Malatesta dar, und CESARE VALLETTI als Ernesto komplettiert mit wunderbar lyrischem Tenor das Solistenquartett.
Der viel zu wenig bekannte und leider früh verstorbene THOMAS SCHIPPERS sorgt am Pult des Metropolitan Orchestras für eine überschäumende und von berstendener Lebensfreude durchdrungene Sternstunde voller Esprit und fast schon ein wenig derber Komik - was hier aber durchaus so sein kann, finde ich. Das Ensemble scheint auf der Bühne einen Heidenspaß zu haben, denn auch das noble New Yorker Publikum reagiert immer wieder amüsiert mit lauten Lachsalven. Zur Klangqualität: das Orchester klingt etwas scheppernd, die Sänger dafür aber erstaunlich klar und präsent. Alle Mängel werden aber durch die Live-Atmosphäre mehr als aufgewogen, wie man sie auf den Studioaufnahmen in solcher Stärke nie findet. Hätte man damals nur dabei sein können...!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 15, 2014 3:30 AM MEST


Karajan: Eine Biographie
Karajan: Eine Biographie
von Peter Uehling
  Taschenbuch

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ermüdend, 28. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Karajan: Eine Biographie (Taschenbuch)
Ich habe zu diesem Buch gegriffen, weil ich - vom diesjährigen Karajan-Rausch mitgerissen - endlich einmal mehr über Leben und Wirken des großen Maestros erfahren wollte, da ich über seine jüngeren Jahre und seine private Persönlichkeit relativ wenig wußte.
Dies kommt zwar in dem Buch auch zur Sprache, in erster Linie versucht der Autor aber, den Interpreten Karajan in musikhistorischer und dirigiertechnischer Hinsicht zu analysieren.
Auch dies ist sehr interessant - aber im Laufe der Lektüre habe ich leider immer mehr den Eindruck gewonnen, daß der Autor sich am liebsten selber reden hört. Seine Ausdrucksweise ist dermaßen geschraubt und verschachtelt, daß ich mehrere Male entnervt fast aufgegeben hätte.
(Ein Zitat: "Solche Eigenmächtigkeit erklärt sich aus der Typologie des Virtuosen, der, mit irrationalen Mächten im Bunde, sein Publikum kraft seiner improvisatorischen Inspiration mitzureißen versteht." Oder: "So kommt die Reprise nach dem ausgebremsten oder ausbremsenden Motto ohnehin bald wieder zum Stillstand für die "adagio" überschriebene kleine Oboenkadenz, den schüchternen Einspruch gegen die totale motivische Immanenz.")
Geht es nicht noch etwas schwülstiger?
Und auch wenn der Vergleich der Interpretationen Karajans mit Toscanini und Furtwängler großteils interessant und auch kompetent erfasst ist, geht es mir streckenweise doch zu sehr vom Hundertsten ins Tausendste. Man müßte wirklich nebenher noch alle anderen Vergleichsaufnahmen griffbereit haben, um den Faden zu behalten, und das ist mir beim Lesen einer Biographie etwas zu mühsam.
Wahrscheinlich bin ich aber nur intellektuell etwas minderbemittelt.
Trotzdem: Ich hätte lieber doch gleich zum Buch von Richard Osborne greifen sollen, dort verfliegt die Lektüre vergleichsweise im Fluge. Und auch wenn es dort etwas handfester zugeht: der Mensch und der Musiker Karajan sind mir wesentlich näher gebracht worden.


La Clemenza di Tito (Ga)
La Clemenza di Tito (Ga)
Wird angeboten von RevivalMedia
Preis: EUR 61,68

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fest der prächtigen Stimmen, 22. März 2008
Rezension bezieht sich auf: La Clemenza di Tito (Ga) (Audio CD)
Zuallererst eines: Diese "Tito"-Aufnahme stammt aus dem Jahre 1967 und somit aus einer Zeit, in der von Originalinstrumenten und historischer Aufführungspraxis noch lange keine Rede war. Wenn jemand diese Richtung bevorzugt, sollte er von diesem Produkt lieber die Finger lassen!!!

Wem jedoch eher der Stil eines Karl Böhm oder Herbert von Karajan zusagen, wird mit dieser Einspielung bestens bedient. ISTVÁN KERTÉSZ folgt bei dieser Produktion nämlich in erster Linie dem traditionellen Mozart-Stil, wie man ihn aus den Fünfzigerjahren kennt, das heißt, es wird eher getragen und ausladend musiziert. Das soll allerdings nicht heißen, daß es ihm an den entscheidenden Stellen - wie etwa dem Terzett "Vengo - aspettate" am nötigen Drive fehlt; im Gegenteil, hier wird es herrlich furios.
Noch dazu stehen ihm das WIENER STAATSOPERNORCHESTER (hinter dem sich schließlich niemand anderes als die Wiener Philharmoniker verbergen) in blendender Verfassung und die tolle Aufnahmetechnik der DECCA zur Verfügung, die eine klanglich üppige und farbige Darbietung zum Besten geben, die sich wahrhaft hören lassen kann! Mozart mit viel Kalorien, wenn ich es mal so ausdrücken darf.

Und die Sänger!
Für meinen Geschmack hat außer der Colin-Davis-Aufnahme keine andere ein Aufgebot an so satten Stimmen aufzuweisen.
TERESA BERGANZA gebührt als Sesto die Krone. 1967 noch in junger stimmlicher Blüte, bringt sie die herrlichsten Mezzosoprantöne hervor, die man sich nur denken kann. Die Stimme fließt zum Niederknien sanft und ausgeglichen dahin, die Koloraturen perlen makellos und ebenmäßig, einfach perfekt. Und vom Ausdruck ist Berganza einfach wunderbar berührend. Das muss man gehört haben!
BRIGITTE FASSBAENDER ist hier in ihrer ersten Operngesamtaufnahme zu hören. Und schon hier schafft sie eine Darstellung von wunderbarer Reife. Ihr stürmisches Temperament und ihr einmalig kerniges Timbre heben sich von der Berganza hervorragend ab und so bilden die beiden Damen ein Hosenrollen-Duo, das seinesgleichen sucht.
LUCIA POPP singt die Servilia, und mit ihrem frischen, glitzerndem Sopran und ihrer stilistischen Eleganz steht sie für mich in der ersten Reihe aller Interpretinnen.
WERNER KRENNs Titos ist ebenfalls tadellos. Sein Tenor ist vielleicht nicht von der Klasse eines Fritz Wunderlich, aber er sticht andere Konkurrenten auf Platte wie etwa Peter Schreier deutlich aus. Technisch meistert er die nicht einfache Rolle vorzüglich, und die letzte Koloraturarie "Se all' impero" erklingt mit Schwung und Souveränität. Auch ist sein Titos wohltuend männlich und ohne die Larmoyanz, wie man sie in dieser Rolle oft hört.
An MARIA CASULAs Vittelia werden sich vielleicht die Geister scheiden. Ihr eher metallisches Timbre ist wahrscheinlich nicht jedermanns Sache, aber wann hat man je eine Vitellia mit so üppig ausladender Stimme gehört? Casulas schwerer, dunkler und voluminöser Sopran (in der Mittellage erinnert sie mich seltsamerweise oft an die Simionato) passt meiner Meinung nach hervorragend zu der exaltierten Figur, und was die technische Ausführung betrifft, ist das einfach hervorragend. Man möchte es kaum glauben, daß eine so große, dramatische Stimme so saubere Koloraturen hinlegt. Auch mit dem erforderten Stimmumfang hat Casula keine Probleme. Neben der fulminanten Julia Varady (in den Aufnahmen unter Böhm und Gardiner) für mich die beste Vittelia.

Fazit: wenn man Mozart gern etwas üppiger hat, wird man an dieser "Titus"-Aufnahme viel Freude haben. Für Gardiner- und Jacobs-Liebhaber dürfte es eher verschwendetes Geld sein.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 12, 2008 8:25 PM MEST


Verdi: Rigoletto (Gesamtaufnahme) (Aufnahme Mailand 1955)
Verdi: Rigoletto (Gesamtaufnahme) (Aufnahme Mailand 1955)
Wird angeboten von musikdrehscheibe
Preis: EUR 34,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einer der allerbesten "Rigolettos"!, 14. März 2008
Bei "Rigoletto"-Aufnahmen habe ich persönlich das Problem, daß ich keine einzige als vollkommen perfekte Referenz hervorheben kann. Mir gefallen viele, aber keine hebt sich absolut von allen anderen ab.
Diese hier ist aber in stilistischer und gesanglicher Hinsicht ganz hervorragend.

An erster Stelle steht für mich die absolut herausragende Darstellung der Titelfigur von Tito Gobbi, der die ausgefeilteste und berührendste Interpretation des tragischen Hofnarren abliefert, die ich je gehört habe. Beißender Spott, Angst, zärtliche Vaterliebe und brütender Schmerz, alle Facetten finden in Gobbis Darstellung unvergleichlich Ausdruck.
Auch Gobbis Stimme paßt hervorragend zur Figur. Technisch souveräner und klanglich brillanter haben die Rolle zwar einige andere Baritone gesungen, aber niemand reicht an diese tragische Größe heran. Ein Rigoletto, den man gehört haben muß!

Giuseppe di Stefano als Duca di Mantova ist ebenfalls hinreißend. 1955 war Di Stefanos Glanzzeit, und so strahlt sein herrlich schmelziger Tenor wie die Sonne über Sizilien. Ein paarmal forciert er, aber das fällt angesichts soviel Charme und Eleganz überhaupt nicht ins Gewicht. Bei diesem Herzog muß einfach jede Gilda schwach werden. Phänomenal auch das Diminuendo, mit dem er die letzte Wiederholung von "La donna é mobile" hinter der Szene ausblendet. Gänsehaut!
Auch Adriana Lazzarini und Nicola Zaccharia sind mit ihren dunklen, charakteristisch timbrierten Stimmen ideale Besetzungen für das mörderische Geschwisterpaar Maddalena und Sparafucile.
Tullio Serafins Dirigat ist in stilistischer Hinsicht ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Tempi, dynamische und klangliche Austarierung - einfach perfekt. Das Scala Orchester erreicht zwar nicht ganz die Brillanz der Wiener Philharmoniker, erbringt aber auch eine hochklassige Leistung. (Klanglich finde ich die Aufnahme nicht gerade eine Offenbarung. Vor allem der Orchesterpart klingt ein wenig trocken, nicht sehr transparent und zu sehr in den Hintergrund plaziert, aber das sind halt die technischen Gegebenheit jener Zeit. Aber akzeptabel ist es allemal.)

Zum Schluß die Gilda der Callas. Und obwohl mir wahrscheinlich gleich alle ihre Jünger den Kopf abreißen: ich finde sie in dieser Rolle nicht ganz unproblematisch. Die Stimme ist mir für diese engelsgleiche Rolle nicht süß genug und ein wenig zu scharf und sauer im Klang. Da finde ich einfach eine junge Sutherland, Güden oder Pagliughi passender. Was allerdings den Ausdruck betrifft: sie kann's halt einfach! Callas' Interpretation ist erfüllt von tiefster Innigkeit. Die zärtliche Unschuld, die Ängste und widersprüchlichen Gefühle, das Heranreifen zur übermenschlichen Größe bis in den Tod, all das kommt hier einmalig zum Ausdruck. Wenn jetzt auch noch die Stimme ätherisch schön wäre, wär's vielleicht zu schön, um wahr zu sein...

Sehr empfehlenswert!!!!


Turandot (Ga)
Turandot (Ga)
Preis: EUR 11,98

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Puccini-Wonnen aus den goldenen Fünfzigerjahren in Luxusbesetzung, 11. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Turandot (Ga) (Audio CD)
Das Angebot an tollen und erstklassigen "Turandot"-Aufnahmen ist wahrlich nicht gering. Das ist um so beeindruckender, da Puccinis letzte Oper höchste Anforderungen an dramatische Stimmen stellt und gar nicht so leicht zu besetzen ist. Vor allem die Titelpartie gilt als regelrechter Stimmkiller und wird von Diven wohlwissend nur mit größtem Respekt angefaßt. Nur wenige hochdramatische Soprane bewältigen die mörderische Tessitura und verfügen über das nötige Volumen. Selbst die legendäre Birgit Nilsson hat die Rolle als eine der unangenehmsten für ihre Stimme bezeichnet.

Eine Sängerin, die als eisumgürtete Prinzessin jahrelang erfolgreich reüssierte, war die deutsche Hochdramatische INGE BORKH, die auf dieser Aufnahme eine der besten Turandot-Darstellungen zum Besten gibt, die die Plattengeschichte aufzuweisen hat. Borkhs Stimme verfügt im Gegensatz zu manch anderen Turandots über einen wundervoll warmen, glutvollen Kern. Ihr Sopran segelt mühelos und voluminös über die Orchesterwogen, und ihre Interpretation ist auch in jeder Phrase von Ausdruck und Beseeltheit erfüllt. Borkhs Turandot läßt neben der Grausamkeit auch hervorragend die hysterische innere Angst vor dem Mann sichtbar werden.
Ihr zur Seite brilliert die italienische Tenorlegende MARIO DEL MONACO als Tatarenprinz Calaf. Der Calaf ist eine wahre Tour de force an die Kraft eines Tenors und Del Monacos metallisches Organ und stürmisches Temperament sind hier vortrefflich besetzt. Ich finde Del Monacos Calaf eigentlich noch besser als seinen Otello.
In der Rolle der sich opfernden Sklavin Liú ist RENATA TEBALDI zu hören, und etwas Besseres gab es in dieser Zeit (die Aufnahme stammt von 1955) sicher nicht. Ich ziehe sie auch der Darstellung Elisabeth Schwarzkopfs von 1957 vor. Tebaldis so einzigartig timbrierte "Engelsstimme" liebkost die Musik Puccinis geradezu. Wundervollstes Legato und empfindsame Phrasierung lassen die Gestalt dieser wundervollen Figur ideal vor dem akustischen Auge lebendig werden. (Renata Tebaldi hat vier Jahre später noch eine zweite Aufnahme dieser Partie vorgelegt, mit Jussi Björling und Birgit Nilsson - diese hier ist aber weitaus besser.)
Auch alle anderen Rollen sind mit besten Kräften der italienischen Opernhäuser aus jener Zeit besetzt. Hervorgehoben sei noch der formidable FERNANDO CORENA, der mit seiner Baßstimme die Baritonrolle des Ministers Ping sowohl stimmlich als auch darstellerisch vortrefflich darbietet.
ALBERTO EREDE steuert das glutvolle aufspielende Orchester der Accademia di Santa Cecilia sicher und temperamentvoll, wenn auch ein wenig langsam durch die delikate und heikle Partitur und auch der hervorragende Chor der Accademia trägt einen wesentlichen Teil zu den herrlichen Klangmassen bei, die mich immer wieder beim Hören überwältigen und mir Gänsehaut verursachen.
Erwähnt sei auch, daß die technische Qualität für 1955 geradezu unglaublich klar, transparent und brillant klingt. Die DECCA konnte es halt schon damals. Nur schade ist, daß man diese herrliche Aufnahme mit so geschmacklosem Kitschcover und einem unsäglichen Beiheft anbietet. Wenn man Glück hat, erwischt man vielleicht noch eine Ausgabe aus der Reihe "Grand Opera" mit der schönen Zeichnung des Original-Klavierauszuges und beiliegendem Libretto (auf Amazon unter der ASIN-Nummer B0000041ZV). Eigentlich gehört dieses Juwel unbedingt mit dem ursprünglichen Titelbild in die exquisite "Originals"-Serie.

Also: trotz großer Konkurrenz (meine persönliche Favoriten-"Turandot" bleibt nach wie vor Zubin Mehtas Aufnahme mit Pavarotti und Sutherland):
Fünf Punkte ohne Abstriche - ABSOLUTE KAUFEMPFEHLUNG!


Bellini, Vincenzo - I Puritani [2 DVDs]
Bellini, Vincenzo - I Puritani [2 DVDs]
DVD ~ Anna Netrebko
Preis: EUR 19,66

33 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die schöne Anna in romantischer Ausstattung - und mit teilweise schwächelnden Partnern, 29. Dezember 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bellini, Vincenzo - I Puritani [2 DVDs] (DVD)
Bei der vorliegenden DVD handelt es sich um eine der ersten Live-Übertragungen der Metropolitan Opera, die seit letztem Jahr weltweit in Kinos und Radio übertragen werden. Eine aufregende Sache, und die Nervosität merkt man den Protagonisten anfangs auch ganz schön deutlich an, was aber meiner Meinung nach nicht schlimm ist und sehr verständlich ist. Sänger heutzutage brauchen wirklich Nerven aus Stahl.
Die Inszenierung von Bellinis "Puritani" stammt aus den Siebzigerjahren (die Premiere damals hatten noch Pavarotti und die Sutherland gesungen!) und ist dementsprechend klassisch, verschwenderisch ausgestattet und ein wahrer Augenschmaus. Verstaubte Rampensteherei würden die Anhänger des modernen Regietheaters sich wohl eher mokieren. Aber ich persönlich bin heilfroh, die wunderbare Netrebko auch einmal in einer "normalen" Inszenierung bewundern zu können, und sie ist darstellerisch absolut überzeugend und sieht in ihren Roben einfach hinreißend aus. Rein gesanglich bin ich hin- und hergerissen in meinem Urteil: ich halte die Netrebko von ihrer Anlage mehr für einen lyrischen Sopran. Die Brillanz der Koloraturen läßt ein wenig zu wünschen übrig und die Spitzentöne werden im ersten Akt nur mit Mühe erreicht und auch nur kurz gehalten - sicher auch aus nervlicher Anspannung. Im zweiten Akt scheint sich das gelegt zu haben und die große Wahnssinnsszene gelingt ihr packend und überzeugend. Auch die große Kantilene des "Qui la voce" scheint ihr besser zu liegen als "Son vergin vezzosa". Alles in allem eine sehr schöne Leistung, nicht ganz so virtuos wie Gruberova und Sutherland, aber darstellerisch und von der Schönheit des Timbres wundervoll.
Die männliche Riege vermag nicht ganz so zu überzeugen. Franco Vassallo und John Relyea singen vorwiegend schön und strahlend, sind aber darstellerisch etwas blasse Persönlichkeiten.
Eric Cutler in der horrend schweren Tenorpartie als Arturo ist eher zu bemitleiden. Er sieht attraktiv aus und passt optisch hervorragend zur Netrebko, kämpft aber deutlich mit seinen Nerven und der hohen Tessitura der Partie. Er bewältigt sie zwar gerade noch, aber Pavarotti darf man da nicht im Ohr haben. Schade, dass für die Produktion nicht Juan Diego Floréz zur Verfügung stand.
Die kleinen Rollen sind mit der fabelhaften Enrichetta von Maria Zifchak und dem schön timbrierten Bruno von Eduardo Valdes hochwertig besetzt.
Als Bonusmaterial ist ein köstliches Radiointerview mit der wenige Monate später verstorbenen Beverly Sills und eine Backstage-Führung, moderiert von Renèe Fleming (!) enthalten, die auch in den Pausen die Netrebko interviewt. (Bewundernswert, was diese Frau für Nerven hat, dass sie sich auch noch in den Pausen mit der Kamera verfolgen lässt).
Fazit: keine Jahrhundertvorstellung, aber eine sehr schöne Puritani-Aufnahme in traditionellem Gewande. Und für Anna-Fans ohnehin unentbehrlich.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 23, 2011 10:09 AM MEST


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