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Rezensionen verfasst von
Kunz Vogelgesang

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Himmlische Juwelen
Himmlische Juwelen
von Donna Leon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Interessantes Thema - langweilig verarbeitet, 26. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Himmlische Juwelen (Gebundene Ausgabe)
Da ich schon seit langer Zeit finde, dass aus den Commissario-Brunetti-Krimis die Luft raus ist, fand ich es eigentlich toll, dass Donna Leon sich mal mit einer anderen Thematik befasst. Da ja allgemein bekannt ist, dass ihr Herz ganz besonders für die Barockoper schlägt, hoffte ich, in ihrem ureigenen Metier würde sie vielleicht zu frischer Inspiration finden.
Nun, die Hoffnung hat sich nicht erfüllt.
Die Musikwissenschaftlerin Caterina Pellegrini soll in Venedig zwei Kisten mit der Hinterlassenschaft des vergessenen Komponisten Agostino Steffani erforschen, um die wahren Erben zu bestimmen. Steffani führte ein bewegtes Leben, war Kirchenmann, Komponist und Günstling der preussischen Königin Sophie Charlotte. Stoff für einen aufregenden Roman wäre hier durchaus zu finden.
Aber was macht Frau Leon? Auf fast dreihundert Seiten wird die Lebensgeschichte Steffanis trocken abgehandelt, wobei weder die Geheimnisse um ihn wirklich gelöst werden geschweige denn ein wirkliches Portrait von ihm entsteht. Übergossen wird das ganze mit der Sauce einer völlig belanglosen Rahmenhandlung, farblosen Charakteren und vor allem viel unwichtigem Geschwätz, das weder der Geschichte hilft noch besondere Atmosphäre schafft. Dafür wird wieder reichlich Espresso und Wein getrunken, und die Sonne geht wie immer traumhaft hinter den Kuppeln des Markusdoms unter. Noch dazu ist der Schreibstil einfach lähmend. Gähn.

Das Ganze entpuppt sich einfach als billiger Aufmacher zur Bartoli-CD "Mission", wobei sich beide Produkte gegenseitig Käufer zuschanzen sollen. Ich habe die CD noch nicht gehört, bin aber hundertprozentig davon überzeugt, dass Frau Bartoli wesentlich hochwertigere Arbeit geleistet hat.
Fazit: man verpasst nichts, wenn man dieses Buch nicht gelesen hat. Höchstens ganz hartgesottene Barockopernfans können der Lektüre vielleicht die eine oder andere interessante Information abgewinnen. Für reine Brunetti- und Krimifans kann man nur sagen: Finger weg.


Beethoven:Symphonies Nos.1-4 C
Beethoven:Symphonies Nos.1-4 C
Preis: EUR 18,21

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Entdeckung!, 10. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beethoven:Symphonies Nos.1-4 C (Audio CD)
Auf der Suche zu einer Alternative zu den gepushten Aufnahmen um Thielemann, Chailly etc. bin ich auf diese Gesamtausgabe gestoßen, von deren Existenz ich bislang gar nichts gewusst habe. Ansermet und das Orchestre de la Suisse Romande sind mir seit jeher mit raffinierten Referenzaufnahmen von u. a. Strawinsky, Debussy und Ravel ein positiver Begriff. Nun war ich wirklich gespannt, wie der berühmte Schweizer Dirigent wohl mit dem Beethovenschen Geist umgehen würde und zu dieser relativ neu erschienen Erstauflage aus den Jahren 1958 bis 1963 gegriffen.

Und ich muss sagen, meine Erwartungen (zugegeben, ich war eher skeptisch, denn die Genfer sind nun mal doch nicht ganz die Wiener Philharmoniker oder Chicago) wurden extrem übertroffen! Ich hätte so was Tolles echt nicht erwartet. Wo viele andere Dirigenten in romantischer Tunke rühren, andere wieder glauben, der Aufklärungsepoche durch rabiate Tempi und Ruppigkeit Genüge zu tun müssen, trifft Ansermet völlig ohne Extreme genau des Pudels Kern! Da wird jedem Allegro und jedem Adagio aufs Geschmackvollste Rechnung getragen, alles wunderbar austariert. Die Eroica habe ich selten so heroisch und gewaltig empfunden, der erste Satz ist geradezu überwältigend. Ansermet achtet immer auf den großen Bogen und gibt jeder Phrase ihr Recht. Er bietet einen mal tiefsinnigen, revolutionären, dann wunderbar leichtfüssigen und auch humorvollen Beethoven, kein einziges Mal wird es rührselig, aber auch nie trocken analytisch oder kalt. Die erste und zweite Symphonie schmecken noch wunderbar wohltuend nach Haydn, das Scherzo der zweiten wird endlich mal nicht verhetzt oder bäuerlich runtergedroschen, trotzdem wunderbar scharf akzentuiert. Die Vierte gefällt mir in keiner anderen Vergleichsaufnahme so gut wie hier.
Auch klangtechnisch hört man keinen Moment, dass die Aufnahmen aus den frühen Sechzigern sind, das Klangbild klingt herrlich räumlich und transparent (in der Vierten gibt es anfangs ein ganz, ganz leichtes Bandrauschen, das aber ganz schnell in den Hintergrund tritt). Und die Musiker des Orchestre de la Suisse Romande spielen, als ginge es um ihr Leben, so herrlich fleischig und lebendig, technisch hervorragend und lupenrein (was zugegebenerweise nicht auf allen Platten dieses Orchesters so ist), dass es eine Wonne ist.
Obwohl ich viele Zyklen der Beethoven-Symphonien mein eigen nennen darf und mir Karajan, Toscanini, Szell und alle anderen viel bedeuten, so bin ich doch wirklich froh, dass ich auch auf diese Alternative gestoßen bin. An Ansermets Beethoven werde ich mich sicher nicht so schnell satt hören!


Fidelio (Ga)
Fidelio (Ga)
Preis: EUR 16,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wertvolles Zeugnis der Sechzigerjahre, 25. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Fidelio (Ga) (Audio CD)
LORIN MAAZELs "Fidelio"-Aufnahme ist nicht so berühmt wie die Versionen von Klemperer, Karajan, Furtwängler etc.
Ich habe sie erst vor Kurzem kennengelernt, und obwohl ich kleine Einwände habe, finde ich sie insgesamt überzeugend und großteils sogar hervorragend. Maazels energisches Dirigat, mit der er dieses Hohelied auf Freiheit und Gattentreue darbietet, sprüht vor Vitalität und überschäumendem Temperament. Die dramatische Geschichte der Leonore, die unter Einsatz ihres Lebens den zum Tode verurteilten Ehemann rettet, wird hier so mitreissend wie selten erzählt. Die WIENER PHILHARMONIKER glänzen wie stets mit berauschendem Klang, seien es die so wunderbar aufblühenden Streicher als auch das so einmalig warme und üppige Blech des Weltklasseklangkörpers. Ein Ohrenschmaus von den ersten Takten der Ouvertüre bis zum triumphalen Schlusschor, in dem auch der CHOR DER WIENER STAATSOPER so richtig klangvoll loslegt und sich mit den fast ausnahmslos grandiosen Solisten mischt:
BIRGIT NILSSON hatte mit dem Fidelio eine ihrer Glanzpartien gepachtet, mit dem sie von der Met bis nach Wien reüssierte. Beim ersten Hören musste ich mich mit dem sehr metallischen Klang ihres Soprans erst anfreunden (die Erschöpfung hört man aus der Stimme nicht gerade heraus), allerdings bietet sie, was die technische Bewältigung der Rolle betrifft, eindeutig die souveränste Fidelio-Leistung auf Platte ab, die ich kenne. Mit den hochdramatischen Anforderungen wird sie spielend fertig ("Töt erst sein Weib" pfeffert keine andere so fulminant heraus!), und sie singt auch mit großer gefühlsmässiger Anteilnahme.
JAMES MCCRACKEN gehört nicht gerade zu meinen Lieblingstenören. Doch trotz etwas problematischer Diktion und ziemlich grober Gesangskultur finde ich ihn in dieser Rolle recht überzeugend, auch er hat einfach die Stimme für die Rolle.
Ganz hervorragend ist TOM KRAUSE als mörderischer Bösewicht Don Pizarro. Was für ein edles Timbre und welche Kunst, wie er die Stimme färbt, um seinen an und für sich nobel-eleganten Kavaliersbariton so richtig dämonisch klingen zu lassen. Für mich viel besser als Walter Berry bei Klemperer und Theo Adam bei Böhm, auch Kelemen bei Karajan gefällt mir nicht so gut. Ein absolutes Argument für die Aufnahme, wie auch der Rocco von KURT BÖHME: sein saftig-profunder Bass und seine volkstümliche Charakterisierung der Rolle sind einfach perfekt für die Partie, man sieht den gutmütigen Kerkermeister direkt vor sich. Auch HERMANN PREYs kurzer, aber wichtiger Auftritt als Gouverneur Don Fernando ist deutscher Belcanto vom Feinsten, da gibt es auch wenig Konkurrenz, die ihm das Wasser reichen kann.
Die einzige, die mir nicht gefällt, ist GRAZIELLA SCIUTTI als Marzelline. Mich stört die sehr gerade-vibratoarme und dadurch etwas pentetrante Tongebung in der Höhe (die ziemlich kurz zu sein scheint, obwohl Sciutti viele hohe Koloraturrollen gesungen hat). Mir fehlt hier einfach die lyrische Fülle, mit der etwa Olivera Miljakovic oder Helen Donath die Rolle gesungen haben. Diese Marzelline ist mir zu piepsig und kleinstimmig - vom Ausdruck gestaltet Sciutti allerdings ein glaubhaftes Portrait. DONALD GROBEs Jaquino ist ziemlich unauffällig, kann etwa mit Gerhard Unger oder Friedrich Lenz nicht mithalten. Die Dialoge sind recht gut gesprochen (und gottlob von allen Sängern selbst, nicht wie in so vielen Aufnahmen, wo in den Sprechszenen Schauspieler eingesetzt werden, deren Stimmen völlig anders als die der Sänger klingen).
Fazit: ich betrachte als Referenzaufnahme zwar immer noch Klemperers EMI-Version mit der unvergleichlichen Christa Ludwig, trotzdem kommt diese Einspielung ziemich nahe daran heran - teilweise obsiegt sie sogar. Ich empfehle sie durchaus!!


Delibes:Coppelia/Ravel:Daphnis
Delibes:Coppelia/Ravel:Daphnis
Preis: EUR 19,88

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ansermets charmante Ballettinterpretation - eine Delikatesse, 24. März 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Delibes:Coppelia/Ravel:Daphnis (Audio CD)
Leo Delibes Ballett "Coppelia" gehört zu den wichtigsten und schönsten Werken der romantischen Ballettliteratur. 1870 wurde es an der Pariser Opèra aufgeführt und behauptet seit damals seinen Platz als das vielleicht gelungenste komödiantische Ballett der Romantik auf allen großen Bühnen dieser Welt. Alle Ballerinen von Rang zählen die Hauptpartie zu ihren Traumrollen. Die Handlung beruht auf der ziemlich düsteren Geschichte "Der Sandmann" von E. T. A. Hoffmann, wird im Ballett aber stark abgewandelt und zu einer bekömmlichen Liebesgeschichte mit leichten Gruselelementen abgewandelt.
Kurz zur Handlung: das junge Mädchen Swanhilda ist mit ihrem Geliebten Franz verlobt, dieser wandelt allerdings seit kurzem auf Abwegen. Die Tochter des schrulligen Nachbarn, dem Puppenmacher Coppelius, hat es ihm angetan, was Swanhildas Eifersucht erregt. Sie beschließt die Rivalin - Coppelia genannt - in deren Haus zur Rede zu stellen und schleicht sich in Coppelius Haus ein. Dort entdeckt sie, dass es sich bei Coppelia nur um eine täuschend echte Puppe handelt. Kurzerhand nimmt sie ihren Platz ein und so nehmen die Verwicklungen ihren weiteren Verlauf. Am Ende steht natürlich ein Happy-End.
Leo Delibes hat zu dieser Komödie eine Musik komponiert, die in ihrer blühenden Melodik und ihrem Charme nur als Geniestreich zu bezeichnen ist. Ein Ohrwurm reiht sich an den anderen, von leichten Walzern bis zu pikanten Nationaltänzen wie Mazurka und Czardas (das Stück spielt in Galizien, daher auch zahlreiche folkloristisch gefärbte Nummern). Die Instrumentierung sucht von ihrer Duftigkeit und Farbigkeit ihresgleichen.
Delibes' Komposition wurde im übrigen auch von Tschaikowsky sehr verehrt und diente ihm als Vorbild und Inspiration für seine legendären Ballettklassiker.

Die vorliegende Einspielung unter Ernest Ansermet stammt aus dem Jahr 1957 und ist die erste Studioaufnahme dieses Werks, die je aufgenommen wurde. Und das Stück liegt bei ihm in besten Händen: Ansermet versteht es meisterhaft, dem unschuldigen Charme und der federnden Rhythmik der Partitur gerecht zu werden. Und das alles ohne Kitsch! Da wird nicht sentimental-schwülstig in den Klängen gebadet, sondern alles mit Leichtigkeit und schlanken Klangfarben serviert. Das Spiel des Orchestre de la Suisse Romande zeichnet sich durch wunderbare Transparenz und ausgesprochen delikate Holzbläser aus. Aber auch die Hörner, denen gleich zu Beginn in der Einleitung eine wichtige Rolle zukommt, sind von wunderbarer Qualität. Akustisch ist die Aufnahme relativ trocken gehalten, ohne viel Hallraum - wie übrigens fast alle Ansermet-Aufnahmen. Das mag vielleicht nicht jeder, mir gefällt es allerdings sehr gut, weil die einzelnen Instrumente dadurch sehr gut zur Geltung kommen und das Ganze einen sehr virilen Klang erhält.

Ergänzt wird die Aufnahme durch die Suite aus aus einem weiteren Ballett aus Delibes' Feder: "Sylvia". Besonders berühmt daraus ist das "Pizzicato", aber auch der Tanz der Jägerinnen ist überaus populär und hörenswert. Außerdem sind noch drei Szenen aus Ravels "Daphnis und Chloé" zu hören - und in diesem Repertoire ist Ansermet ohnehin kaum zu toppen.

Allen Ballettliebhabern, Ansermet-Fans und Freunden romantischer Programmusik sei diese Aufnahme herzlichst empfohlen!


Messiah/Arien aus Jephta,Judas Maccabaeus,Samson
Messiah/Arien aus Jephta,Judas Maccabaeus,Samson
Preis: EUR 21,80

5.0 von 5 Sternen Cinemascope-Messias in Luxusbesetzung, 7. Dezember 2010
Diese ursprünglich dem DECCA-Katalog entstammende Aufnahme aus dem Jahr 1961 dürfte wohl jedem Verfechter der historischen Aufführungspraxis die Haare zu Berge stehen lassen.
Nichts mit Darmsaiten, absolut verschlanktem und klein besetztem Orchesterklang und rein instrumental, aber wenig individuell klingenden Gesangsstimmen - hier wird aus dem Vollen geschöpft.
Das London Symphony Orchester spielt in voller Besetzung auf modernen Instrumenten, und Sir Adrian Boult zelebriert eine sehr getragene und opulente Wiedergabe des berühmten Oratoriums.
Die Tempi sind großteils langsam und sehr feierlich. Dadurch bekommt die ganze Aufführung etwas sehr besinnliches und andächtiges - und wenn der London Symphony Chorus in voller Besetzung (es klingt, als ob 100 Sänger beteiligt wären!) zum Hallelujah oder den Freudengesängen über Jesu Geburt anstimmt, hat man tatsächlich das Gefühl, die Heerscharen des Himmels würden über die Erde herfallen. Manchem mag das zu üppig sein, aber ich kann mich kaum daran satthören. Dementsprechend sind auch die vier Gesangssolisten von großem Stimmvolumen und auch -format: Joan Sutherland, noch jung, jubiliert mit ihren unvergleichlichen Koloraturen im "Rejoice greatly" und verströmt innigsten und cremigsten Sopranluxus, Grace Bumbry steht ihr mit ihrem warmen Mezzo in nichts nach, und auch die Herren Kenneth MacKellar (absolut berührend in "Comfort ye") und vor allem David Ward bieten prachtvolle vokale Leistungen. Wards Darbietung von "But who may abide" (eigentlich dem Alt anvertraut) und "The trumpet shall sound" sind hinreissend in ihrer klanglichen Autorität.
An den Messias hinzugefügt sind außerdem Arien aus "Judas Maccabaeus", "Jephta" und "Samson", darunter die berühmte Arie "Let the bright Seraphim" für Sopran und Trompete, allesamt großartig von obigen Solisten gesungen.

Von mir eine absolute Empfehlung. Es müssen nicht immer Gardiner, Christie und Minkowski sein (so toll diese auch sind, keine Frage).


Tchaikovsky: Complete Ballets
Tchaikovsky: Complete Ballets
Preis: EUR 19,99

21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich!!!! Ernest Ansermets Referenzinterpretationen zum Superpreis!, 5. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Tchaikovsky: Complete Ballets (Audio CD)
Viele Jahre habe ich vergebens auf eine Veröffentlichung dieser Ballettmusiken gewartet, die als abgenutzte LP-Ausgaben schon seit meinen frühesten Tagen als Klassikliebhaber in meinem Plattenschrank stehen. Bislang konnte man diese Aufnahmen nur völlig überteuert aus Japan importieren. Nun sind diese ursprünglich auf DECCA erschienenen Klassiker in einer Gesamtbox bei Brillant Classics erschienen, und ich kann jedem Liebhaber von Ballett und klassischer Musik nur zur Anschaffung raten (überdies befinden sich auch noch Tschaikowskys Rokoko-Variationen für Cello und Orchester, die sechste Symphonie sowie zwei Orchestersuiten auf den sechs CDs, man bekommt also ordentlich was für sein Geld geboten).

Ernest Ansermet hat mit seinem berühmten Orchestre de la Suisse Romande den ersten Gesamtzyklus der Tschaikowsky-Ballette überhaupt in den späten Fünfzigerjahre aufgenommen. Da er in seinen jungen Schaffensjahren lange Zeit Kapellmeister bei Diaghilews legendärer "Ballets Russes"-Kompagnie war, war er mit den tänzerischen Rhytmen bestens vertraut (obwohl "Schwanensee" und "Nussknacker" nicht zum Repertoire der Diaghilew-Truppe gehörten).
Mit seinem in Genf beheimateten Orchester gelangen ihm Interpretationen, die vor allem durch ihre unaufdringliche Eleganz und ihre wunderbar ausgewogenen Tempi bestechen. Im Vergleich zu heutigen Aufnahmen mögen die Suisse-Romande-Interpretationen vielleicht im Klang ein wenig trocken klingen, aber andererseits kommt bei Ansermet wunderbar die Poesie und Farbigkeit der Instrumentation zur Geltung. Ganz besonders schön ist dies beim "Nussknacker" gelungen, wo Ansermet wirklich in jedem Takt eine Geschichte erzählt - Programmusik vom Feinsten.
Aber auch das "Dornröschen" mit seinen vielen herrlichen Melodien ist hinreissend in seiner poetischen Leichtigkeit dargeboten. Beim "Schwanensee" sollte man hinzufügen, dass hier die bühnengängige Drigo-Version verwendet wurde und nicht Tschaikowskys komplette Gesamtpartitur, es sind also eine Kürzungen vorhanden. Nichtsdestotrotz: unbedingt hörenswert.

Wenn jemand den rauschhaften Klang der Berliner oder Wiener Philharmoniker besonders liebt und als Maßstab setzt, wird er mit Ansermets schlichten Interpretationen vielleicht nicht auf Anhieb soviel anfangen können. Aber bei genauerem Hinhören wird man die unspektakuläre Brillanz Ansermets lieben und schätzen. Ich tue dies mit größtem Vergnügen und kann diese Einspielungen wirklich nur wärmstens empfehlen.


Mit gespaltener Zunge: Kriminalroman
Mit gespaltener Zunge: Kriminalroman
von Andrew Wilson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Mit gespaltener Zunge" hinterlässt gespaltenen Eindruck..., 21. September 2010
Ein Thriller, der in Venedig spielt und im Stile Patricia Highsmiths geschrieben ist?
Genau das Richtige, dachte sich der kulturliebende, italophile Krimifan in mir und stürzte sich erwartungsvoll in die Lektüre.
Tatsächlich liest sich dieser Roman äußerst flüssig und ist auch noch ziemlich spannend obendrein.
Die Geschichte dreht sich um einen jungen Nachwuchsschriftsteller, der in Italien seinen Debütroman verfassen will und unversehens in die Dienste eines alten, kauzigen Starautoren gerät, dessen Vergangenheit ein großes Geheimnis ist und der sich in einem venezianischen Palazzo ins Einsiedlertum zurückgezogen hat. Kurzerhand verwirft er sein Romanprojekt und plant heimlich, hinter dem Rücken des Alten dessen Biographie zu schreiben. Bei seinen Recherchen stößt er auf immer düsterere Geheimnisse aus dessen Vergangenheit. Aber auch in seinem Leben tun sich immer größere Abgründe auf, und es entwickelt sich ein packendes Katz- und Mausspiel.

Man merkt, daß der Autor ein großer Fan und Kenner der Romane von Patricia Highsmith ist. Leider bleibt aber kritisch anzumerken, daß er nicht wirklich über die stilistische Ausdruckskraft und die psychologische Raffinesse der großen Lady of Suspense verfügt. Das Buch ist zwar unterhaltend, aber doch etwas platt formuliert, finde ich. So interessant und gut die Story großteils auch ist, da wäre viel mehr drin gewesen. Und was mich überdies gestört hat, war die Veränderung der Hauptfigur. Er ändert ziemich abrupt seinen Charakter, und leider wird er im Verlauf des Buches immer unsympathischer, was bei einem Protagonisten, der in der Ich-Form erzählt, immer problematisch ist.

Trotzdem ist die Lektüre für ein unterhaltsames Lesewochenende durchaus empfehlenswert.

UND JETZT NUR WEITERLESEN, WENN MANS SCHON GELESEN HAT ODER MAN DAS ENDE WISSEN MÖCHTE:
Was mich nämlich am meisten stört, ist, dass aus dem sympathischen jungen Schriftsteller quasi aus dem Nichts heraus ein kaltblütiger Mörder wird - nur wegen einer Biographie? Dieser Wandel und diese Begründung erschienen mir abrupt, willkürlich und überhaupt nicht plausibel, tut mir leid. Wilson wollte damit vielleicht einen zweiten Tom Ripley erfinden, aber das ist ihm meiner Meinung nach überhaupt nicht gelungen. Einen Mörder so charmant und charismatisch zu schaffen ist eine Kunst, in der ihm halt Frau Highsmith oder auch Ingrid Noll haushoch überlegen sind. Ich habe mich im Verlauf des Buches dabei immer mehr ertappt, daß ich auf der Seite des alten Mannes war. Dessen Schuld erschien mir bei weitem nicht so hoch - und so gesehen verläuft das Ende ja dann auch gerecht.


Sandisk Sansa Clip  MP3-Player 8 GB mit integriertem FM-Tuner schwarz
Sandisk Sansa Clip MP3-Player 8 GB mit integriertem FM-Tuner schwarz

1.0 von 5 Sternen Tolles Gerät mit zu kurzer Lebensdauer, 8. Januar 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Vor wenigen Wochen noch hätte ich dem SANSA Clip fünf Sterne gegeben: das Gerät ist superhandlich, superpraktisch, superklein, tolle Ordnerfunktion, guter Klang (mit entsprechenden Hörern), alles wunderbar.
Nur leider ist jetzt nach acht Monaten Schluß. Die Software ist abgestürzt und weder übers Internet noch über einen Fachhändler war es möglich, das gute Ding wieder zu beleben.
Dafür sind mir die fünfzig Euro dann doch zu viel.
Mein guter alter Discman ist schon fünfzehn Jahre alt, hat damals umgerechnet 70 Euro gekostet und hat bis heute keine einzige Macke gezeigt. Gut, daß ich ihn aufgehoben hab. Mir kommt auf jeden Fall kein MP3-Player über 30 Euro mehr ins Haus, auch wenn weniger Speicher drauf ist. Das Risiko, daß das Ding vorzeitig den Geist aufgibt, ist mir zu groß. Und wie man lesen kann, bin ich bei dem Modell kein Einzelfall. Also: Vorsicht beim Kauf!


Hänsel und Gretel (GA) (Eloquence)
Hänsel und Gretel (GA) (Eloquence)
Preis: EUR 13,99

33 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbare Gesamtaufnahme zum Sensationspreis, 22. Dezember 2009
Unglaublich, daß diese Aufnahme von Humperdincks Meisterwerk "Hänsel und Gretel" nun in dieser Niedrigpreisserie von DECCA herausgegeben wurde. Das grenzt schon an Verramscherei. Bislang war sie nur bei Philips in der teuersten Preiskategorie zu haben - und dies zu Recht!
Denn unter den nicht gerade wenigen hervorragenden Einspielungen dieser Oper nimmt diese einen der vordersten Plätze ein, sowohl was die Besetzung, aber auch Orchester, Dirigat und Klangtechnik betrifft.
In Dresden 1992 aufgenommen, vereint sich unter dem sensiblen und ausgewogenen Dirigat von Sir Colin Davis eine nahezu perfekt besetzte Solistenschar: Edita Gruberova, die große Belcanto-Diva überrascht als wunderbar liebreizende, mädchenhafte und wunderbar natürliche Gretel, der man die Sommersprossen förmlich "anhört"; stimmlich ist sie absolut betörend, eine Idealbesetzung. Auch Ann Murrays Mezzo passt sehr gut zum lausbübischen Hänsel, obwohl sie stimmlich nicht mehr ganz auf dem Höhepunkt ihrer Fähigkeiten ist. Trotzdem ausgezeichnet.
Franz Grundhebers wunderbar textdeutlich und stimmlich kerniger Besenbinder und Gwyneth Jones als (stimmlich etwas schrill-tremolierende) Mutter bieten wunderbare Rollenportraits. Barbara Bonney und Christiane Oelze als Sand- und Taumännchen verströmen wunderbar lyrische Klänge und Christa Ludwigs Portrait der Knusperhexe ist einfach umwerfend. Keine andere Hexe keift, krächzt und kichert herrlicher, gibt dem Text auch eine solch fantastische Doppelbödigkeit (Christa Ludwig hat die Hexe bereits 1971 in der Aufnahme von Kurt Eichhorn gesungen, dort noch besser und vor allem stimmlich wesentlich frischer und kraftvoller. Unbedingt anhören!)
Die Dresdner Staatskapelle läßt keinen Wunsch offen und zelebriert Humperdincks grandiose Komposition herrlich transparent und mit wunderbar farbigem Klang. Besonders die wundervollen Holzbläser seien hervorgehoben.

Wenn man das Werk kennen lernen möchte oder auch eine Ergänzungsaufnahme sucht - das Leistungsverhältnis schlägt den Preis um das Vielfache - uneingeschränkte Empfehlung!!!!


Great Recordings Of The Century - Bizet (Carmen)
Great Recordings Of The Century - Bizet (Carmen)
Wird angeboten von FastMedia "Versenden von USA"
Preis: EUR 43,48

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Referenzklassiker - aber nicht meine erste Wahl, 3. August 2009
Am historischen Rang dieser "Carmen"-Aufnahme soll und kann nicht gerüttelt werden, zweifellos verdient Beechams Einspielung ihren Platz in der Reihe "Great Recordings of the History".
Aber schließlich geht es hier darum, Anregungen und Meinungen für andere Käufer darzulegen, und so komme ich zu dem Ergebnis, daß mir persönlich diese berühmte Aufnahme nur bedingt gefällt.
Großartig ist auf jeden Fall Sir Thomas Beechams Dirigat, das klangliche Opulenz, duftige Lyrismen, dynamische Abstufungen und ausgewogenste Tempi auf das Herrlichste vereinigt - das ist ganz große Kunst. Chöre und das Orchestre National de la Radiodiffusion Francaise trumpfen mit glanzvoller Musizierkunst auf, die Tontechnik ist für die damalige Zeit (1958/59) auch gut, aber sie könnte etwas besser sein. Das Orchester wirkt etwas weit nach hinten plaziert, die Streicher klingen manchmal etwas grell. Ein leichtes Bandrauschen läßt alles ein wenig hauchig wirken. So manche DECCA und RCA-Aufnahme aus der gleichen Zeit klingt wesentlich brillanter.
Aber die Sänger, so großartige Künstler auch alle gewesen sein mögen, sind einfach nicht ganz mein Geschmack. Am besten gefällt mir NICOLAI GEDDA, dessen strahlender Tenor und geschmackvolle Phrasierungen wunderbar klingen, der auch mit den dramatischen Anforderungen keine technischen Probleme hat. Vom Typ her ist er vielleicht ein wenig zu gepflegt und intellektuell. Damit passt er allerdings gut zur Carmen dieser Aufnahme.
VICTORIA DE LOS ANGELES als Carmen liefert ebenfalls ein sehr ausgefeiltes Rollenportrait ab (ihre französische Diktion ist überdies vorbildlich), zudem gibt sie sich durchaus temperamentvoll - aber mir fehlt bei dieser Interpretation einfach ein Schuss Sinnlichkeit und Pfeffer. Damit meine ich nicht, dass eine Carmen vulgär und mit ordinären Brusttönen daherkommen muss, aber sie ist halt doch eine Zigeunerin aus einfachsten Verhältnissen, die ohne Skrupel mit dem Messer auf ihre Arbeitskolleginnen losgeht. De los Angeles ist mir einfach zu nobel, sie klingt für mich immer wie eine Contessa Almaviva - pikant, aber kein Weibsteufel. Auch bin ich kein besonderer Freund ihrer hohen Töne, die immer leicht angesäuert klingen und nie ihre besondere Stärke waren. Bei aller Delikatesse und Eleganz von de los Angeles, mir gefallen die Interpretationen einer Tatyana Troyanos und Leontyne Price einfach besser.
Auch mit JANINE MICHEAUS Micaela kann ich mich einfach nicht anfreunden. Das Timbre dieser Stimme ist für mich ziemlich farblos und dünn, und die herrlichen Kantilenen dieser Partie kommen reichlich mager daher (vor allem im Vergleich mit Te Kanawa oder Sutherland). Stilistisch allerdings weist sie die eine oder andere berühmtere Kollegin durchaus in ihre Schranken. Dasselbe gilt für die zahlreichen Nebenrollen.
Und darin liegt für mich wahrscheinlich das Hauptproblem: stilistisch ist diese Aufnahme wirklich hervorragend, hier wird hochelegant und auch völlig ohne Kitsch und falsche Sentimentalität musiziert. Aber ich persönlich bin einfach kein Freund von diesen typischen leichten, etwas weißen und schnell scharf werdenden französischen Stimmen jener Epoche. Mir liegen die satten Farben einer Bumbry, eines Domingos oder einer Freni wesentlich mehr, auch wenn diese die französischen Feinheiten nicht so perfekt drauf hatten.
Deshalb liegt diese Aufnahme in meiner Werteskala ungefähr auf Platz drei oder vier, hinter Solti, Cluytens, Schippers.


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