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Rezensionen verfasst von
dizzyoliver "dizzyoliver" (Rhein-Main-Gebiet,Hessen)

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Trompetenkonzerte
Trompetenkonzerte
Wird angeboten von darska25
Preis: EUR 14,45

3.0 von 5 Sternen Maurice André spielt vier bekannte Werke für Trompete ein 1979, 2. April 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Trompetenkonzerte (Audio CD)
Maurice André beherrschte über viele Jahre als Solist die Klassikwelt mit seinen Interpretationen klassicher und barocker Trompetenmusik (und was viele nicht wissen, auch der Moderne). Seine Trompete mit dem speziellen weichen und warmen Klang kann man genau so auf Anhieb heraus hören, wie sein ebenso berühmter Gegenspieler im Jazz, Louis Armstrong.

Die CD wurde 1979 in London mit dem Dirigenten Jesús Lopez-Cobos gemacht. Als "Begleit-Orchester" konnte man das London Philharmonic Orchestra gewinnen. Damit ist eine Interpretation entstanden, wie man sie damals für aktuell und zeitgemäß hielt, obwohl doch bereits die Historische Aufführungspraxis gerade in Großbritannien schon hörbar aktiv war.

Natürlich spielt Maurice André hervorragend, daran gibt es absolut nichts zu bemängeln, wie könnte ich nur. Doch heute würde man damit keinen Blumentopf mehr erben können, zu sehr haben nachfolgende Generationen das Spielen und den Klang dieser Musik beeinflusst und verändert.

Es klingt mir alles ZU brav, ZU schön, aber dadurch eben auch ZU glatt und damit harmlos. Daran ändert auch Dirigent Lopez-Cobos nichts, da er das Orchester treu seinen Part spielen lässt, ohne selbst Akzente zu setzen.

Wenn ich mir da den Barock-Virtuosen Niklas Ecklund als Gegenstück zum Vergleichen heran ziehe (oder die junge Tine Thing Helseth, die auch auf modernen Instrumenten spielt), dazu die passenden Kammerorchester und Dirigenten wie Roy Goodman, muss ich sagen, dass da gerade bei Eklund, der die Werke mit der Naturtrompete spielt (also ventillos), doch Welten liegen.

Wo André mit wunderbarem Weichklang auf das Schöne der Musik aus ist, spielt Eklund die Akzente deutlicher - und wo nötig - auch härter und akzentuierter aus.

Das Haydn-Konzert wurde für den damals vielleicht besten Trompeter Anton Weidinger, seiner Zeit Hoftrompeter von Wien 1796. Dieser hatte ganz neu die Klappentrompete erfunden, die es möglich machte, auch chromatische Läufe zu spielen. Er führte das Werk 1800 erstmals auf. Reinhold Friedrich war meines Wissens der erste Trompeter, der nach rund 200 Jahren das Werk wieder mit einer solchen Trompete aufführte und auch auf CD einspielte.

Das Telemann-Konzert ist überhaupt kein Werk für Trompete, sondern im Original für Oboe geschrieben. Genau so auch die beiden Konzerte von Albioni und Marcello. Auch deshalb ist die Bezeichnung des CD-Covers mit "Trompetenkonzerten" im Grunde eine falsche Aussage.

Klangtechnisch befinden wir uns ganz kurz vor dem volldigitalen Klang, also noch im ADD-Zeitalter. Dafür kann man sich nicht beschweren, sind die Einspielungen doch nun auch wieder runde 35 Jahre her.

Fazit : Zu seiner Zeit sicher ein voller Erfolg, muss man heute (2014) doch das ganze relativieren. Es gibt nichts daran zu meckern, aber das reicht nicht mehr in einem Zeitalter, wo man das Alles schon "frischer" und vor allem vom Orchester her, authentischer gehört hat.


The Symphonies
The Symphonies
Preis: EUR 15,62

4.0 von 5 Sternen Ein gelungener Live-Zyklus unter Roberto Paternostro, 2. April 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Symphonies (Audio CD)
Schon seit vielen Jahren höre ich mir immer wieder gerne die großartigen Sinfonien von Anton Bruckner an. Am Anfang stand der legendäre Eugen Jochum, dann Karajan und die Bruckner-Legende schlechthin, Günter Wand. Hinzu die Einspielungen von Schuricht, Klemperer. Inbal, Skrowaczewski, Tintner und Davies aus dem Digital-Zeitalter.

Warum dann noch eine Gesamteinspielung, wo doch noch weitere, wie von Barenboim vorhanden sind? Ganz einfach : Weil hier eine wirklich erstaunlich souveräne, musikalisch oftmals ausgezeichnete Box entstanden ist, die noch dazu sehr gut klingt und live eingespielt wurde.

Man mag mir verzeihen, wenn ich die Württembergische Philharmonie nicht zu den allerersten Orchestern in Deutschland zähle, aber was man hier mit dem Dirigenten Roberto Paternostro geschaffen hat, ist höchst erfreulich und lobenswert.

Dazu kommt der sagenhaft günstige Preis, der hoffentlich auch dazu beiträgt, dass er von Leuten gekauft wird, die sich bisher kaum oder nie mit Bruckner beschäftigt haben.

Zu den einzelnen Sinfonien werde ich hier wenig schreiben, da dies bereits ausführlich und sehr sachkundig geschehen ist. Doch ich möchte gerade die frühen Sinfonien loben, denn sie werden gerne von den "großen" Dirigenten vernachlässigt oder erst garnicht eingespielt bzw. aufgeführt.

Für mich sind es vier Sterne, die ich als Bewertung abgeben möchte. Der Klang ist durch die Kirchen recht hallig, aber Paternostro kann sehr gut damit umgehen, indem er diesen in sein Spiel mit einbezieht und er dadurch nicht störend wirkt. Er lässt die Musik "atmen", und sie nicht im Hall untergehen.


Ungarische Tänze (First Choice)
Ungarische Tänze (First Choice)
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Abbados exzellenten Ungarischen Tänze gehören auch über 30 Jahre später noch zu den besten Einspielungen dazu, 6. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Ungarische Tänze (First Choice) (Audio CD)
Ich kann nur das Beste über diese Einspielungen berichten. Abbado hat damit eine der besten "Ungarischen Tänze" eingespielt. Daran hat sich auch 2014 nicht wirklich viel geändert.

Orchester und Dirigent werden den kleinen Meisterwerken von Johannes Brahms mehr als nur gerecht. Im volldigitalen Bereich gibt es aber durchaus einige feine Aufnahmen der populären Werke.

Hier stimme ich dem "Kollegen" absolut zu, der ebenfalls fünf Sterne für die Einspielungen gegeben hat. Da er das so hervorragend getan hat, möchte ich mich auch kurz fassen.

Zu dem "Herrn", der sich hier genötigt sah, nur einen Stern (!!!!) zu vergeben, aus Gründen, die mit der künstlerischen Qualität dieser CD absolut nichts zu tun hat, möchte ich nahe legen, seine "Kritik" zu löschen, da sie HIER an dieser Stelle am falsch platziert ist. Danke!!

Wer Alternativen sucht, würde ich unbedingt zu Adam Fischer und dem Budapest Festival Orchester raten. Hier geht es noch "ungarischer" zu, aber mit teilweise anderen Arrangements.


A Yank in Europe/the Fabul.Dorseys
A Yank in Europe/the Fabul.Dorseys
Preis: EUR 13,12

4.0 von 5 Sternen Ted Heath ; A Yank in Europe & The Fabulous Dorseys 1956-1957, 30. Dezember 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: A Yank in Europe/the Fabul.Dorseys (Audio CD)
Ted Heath gehört immer noch zu den meist unterschätzten Bandleadern meiner Meinung nach. Dabei hatte er nicht nur ein sehr beständiges Orchester, sondern auch ein Orchester was es geschafft hat, die ganzen führenden Bigband-Stile und ihre Eigenarten in sein Orchester zu übertragen, ohne dass man es als plakativ oder gar Abklatsch jener Bands ansehen könnte.

Hier lassen sich die Klangwelt Duke Ellingtons mit dem Drive der Basie-Band, das strahlende Blech eines Stan Kenton mit dem Feuer der Woody Herman First Herd oder die Leichtigkeit der Les Brown-Band mit dem Swing der legendären Goodman-Band von 1938 heraushören. Dabei fehlen auch nicht die Einflüsse der Perfektion der Glenn Miller oder Jimmie Lunceford-Bands nicht, oder etwa der Sound von Tommy und Jimmy Dorsey.

Hier nun zwei LP's, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die ersten 12 Titel stammen von der LP "A Yank in Europe",die zweite LP widmet sich den Bands von Tommy und Jimmie Dorsey.

"A Yank in Europe" wurde am 19.Dezember 1956 in London aufgenommen. Hier wurden Kompositionen des Bigband-Leaders Raymond Scott aufgenommen, der vor allem Anfang der 40-er Jahre in Amerika eine sehr gut besetzte Studio-Bigband leitete. Arrangiert wurden diese Titel alle von Hauptarrangeur Johnny Keating.

Selbst eingefleischte Bigband-Fans werden hier keinen Titel kennen. Eröffnet wird mit "Lady on the Riviera". Lässig-elegant kommt die Lady daher, die Melodie vom Saxophonsatz inclusive Klarinette vorgstellt, geht dann zu den Posaunen über,ehe Trompeter mit dem Harmon Mute-Dämpfer dezent sein Solo spielt. Sehr schön in das Geschehen integriert.

"Garden of Versailles" lässt mit einem Cembalo und Anklängen an die Rokoko-Zeit aufhorchen. Das ist nicht toll arrangiert, sondern swingt auch völlig entspannt. "Nightfall in Venice" wurde so farbenreich orchestriert, mit der Führung im Sopransaxophon, dass man sofort an Duke Ellington denken muss. Das ist eine wunderschöne Ballade, die dem Duke auch gefallen hätte.

"Visbility Limited-English Channel ist dann so locker swingend, mich an die Billy May-Band Anfang der 50-er Jahre denkend, aber ohne die "singenden Saxophone"...."Palma Majorca" ist ein Bolero, der in seiner Art unwillkürlich an Maurice Ravels Komposition erinnert, mit der Steigerung der Lautstärke und dem gleichmäßigen Rhythmus auf der Snare Drum.

So abwechslungsreich sind alle Titel von 1-12 komponiert und arrangiert. Weniger Musik zum Finger schnippen, eben als Suite angelegt. Die Solisten haben hier weniger Bedeutung als sonst, werden nur sehr dosiert eingesetzt.

Die zweite LP gehört dann den beiden Dorsey-Brüdern Tommy und Jimmie. Besonders Tommy Dorsey leitete ab 1935 alleine eine Bigband, die unter den Top Ten zu platzieren ist.

Es beginnt mit dem legendären "Opus One" von Sy Oliver, einem Stück,das auch bei Ted Heath zum Repertoire gehört.Henry MacKenzie ist der Solist auf der Klarinette, Red Price am Tenorsaxophon.

Ein weiterer Höhepunkt ist "Well,git It". Bei Tommy Dorsey ein solistisches Duett seiner Star-Trompeter Ziggy Elman und Chuck Peterson, später Charlie Shavers, hier gleich mit dem ganzen Trompetensatz. "Song of India" hat dann "exotisch" arrangierte Hölzer und Saxophone, später mit knalligen Trompeten dazwischen stechend. Am Ende schon sehr an Stan Kenton erinnernd.

"Chlo-e", hier im Arrangement von Johnny Keating, mit Sopranstimme im Saxophon-Lead und soften Posaunen, "Amapola" wurde von Don Innes arrangiert, der es verstand, dem Stück die richtige Mischung aus Exotic und Swing zu geben. Henry Mackenzie spielt das Klarinettensolo, Les Gilbert vermutlich das Altsolo.

"Melody in F" von Anton Rubinstein lässt Soli von MacKenzie (Klarinette), Bert Ezard (Trompete) und Les Gilbert (Altsax) und am Schluss Don Lusher (Posaune) aufhorchen.
"Quiet Please" ist ein "Flag Waver",also ein extrem schnelles Stück mit fetzigen Soli von Red Price (Tenorsax), Ronnie Verrell (Schlagzeug) und Bobby Pratts High-Note-Trompete.

"Marie" ist dann wieder viel ruhiger und relaxter, aber nicht weniger swingend als "Quiet Please". Ronnie Chamberlain spielt das Altsolo, Frank Horrox ist am Piano zu hören.

Die zweite LP wurde am 12.Juli 1957 in London aufgenommen. Die CD klingt auch über 55 Jahre später noch erstaunlich frisch. Man mag es kaum glauben, was man hier hört. Ein Kompliment nicht nur an die Leute von heute, sondern auch an die Techniker von damals.

Fazit: Zwei völlig unterschiedliche LPs, die hier zu einer CD zusammen gefasst wurden. Personell unterscheiden sich beide kaum. Auf LP eins spielt Keith Christie die Posaune für Ric Kennedy und Ike Isaaks den Bass für John Hawksworth. Isaaks spielt dafür Gitarre bei den Dorsey-Stücken.

Die Bewertung würde ich hier mit vier Sternen angeben, da die erste LP doch eine Geschmackssache ist. Wer es lieber knalliger und mit vielen kurzen Soli hat, wird sich bei den ersten Stücken etwas schwerer tun, wer aber mal Titel abseits des Standard-Repertoires hören möchte, die noch dazu exzellent arrangiert wurden, wird sich an der Abwechslung der CD erfreuen.


Basie Plays Hefti
Basie Plays Hefti
Preis: EUR 16,09

5.0 von 5 Sternen Count Basie spielt Neal Hefti Teil 1 1952-1958, 23. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Basie Plays Hefti (Audio CD)
Neal Hefti war zunächst Trompeter und Arrangeur bei Charlie Barnet, Woody Herman und Harry James, bevor er 1952 begann, auch für Count Basies Band zu schreiben.

Basie beschäftigte eine Reihe erstklassiger Arrangeure, die oftmals auch in der Band zeitweise tätig waren, darunter Eddie Durham, Buck Clayton, Ernie Wilkins, Frank Wess und Frank Foster. Außerhalb dieser Musiker, die alle auch in der Band tätig waren, gehörten Quincy Jones, Bill Holman, Benny Carter und eben auch Neal Hefti.

Das bekannteste Album war mit Sicherheit "Atomic Basie" vom Oktober 1957, aber bereits ab 1952 begann die Zusammenarbeit mit Neal Hefti.Doch um dieses Album geht es hier nicht, sondern um das Album "Basie Plays Hefti" vom 03.-14.April 1958, das runde sechs Monate später eingespielt wurde.

Wie der Kollege bereits schrieb, war auf dieser Scheibe "Cute" das bekannteste Stück. Wir haben hier vermutlich die beste Basie-Band zur Verfügung, die er in den 50-er/60-er Jahren hatte. Snooky Young war der brillante Lead-Trompeter, Joe Newman und Thad Jones die Haupt-Trompetensolisten, Henry Coker war der Satzführer der Posaunen, der großartige Al Grey und Benny Powell lassen uns einen exzellenten Satz bei "Bag-A'Bones" hören, Marshall Royal war 20 Jahe lang der Lead-Altist und Musikdirektor der Band, Frank Foster und Billy Mitchell die Tenoristen, Frank Wess spielte nicht nur in "Cute" Flöte, sondern war auch ein hervorragender Solist am Alt und Tenorsax, Charlie Fowlkes gab den Saxophonisten das nötige Fundament. Die Rhythmus-Gruppe wurde vom Schlagzeuger Sonny Payne angefeuert, Eddie Jones war ein zeitgenössiger Walter Page am Bass und Freddie Green hielt das Ganze mit seiner Gitarre perfekt zusammen.

Als Bonus-Aufnahmen sind hier die frühen Einspielungen von 1952-1954 und 1956 dazu gegeben worden. Hier findet man dann so wunderbare Stücke wie "Softly with Feeling" mit Joe Wilders legendärem Trompetensolo, den "Plymouth Rock","Fancy Meetin' You" was auch unter "Corner Pocket" ein Standard-Werk in der Bigband-Musik wurde, "Two for the Blues" mit den beiden Franks am Tenorsaxophon, "Cherry Point" oder "Why Not?".

Die Aufnahmen klingen für ihr Alter erstaunlich gut, hier gibt es nichts zu meckern. Was man vielleicht besser hätte machen können, ist die genauere Angabe der Solisten. Sicher, die Basie-Fan wird seine Musiker erkennen, aber nicht alle haben den Sheridan zuhause so wie ich, um eventuelles Nachschauen möglich zu machen, wenn man sich unsicher ist.

Auch wenn ich der Meinung bin,dass das "Atomic Basie"-Album stärker ist, möchte ich hier trotzdem die volle Punktzahl geben, da mich Band und Musiker voll überzeugt haben. Ein erstklassiges Album, was dem Basie-Fan ein Muss sein wird, aber auch dem Bigband-Freund insgesamt viel Freude bereiten wird.


All Star Road Band
All Star Road Band
Wird angeboten von Bessere_Musik
Preis: EUR 28,77

4.0 von 5 Sternen Duke Ellington&His Orchestra Live am 31.Mai 1964, 26. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: All Star Road Band (Audio CD)
Hier nun der zweite Teil der Mini-Serie "Duke Ellington All Star Road Band". Wer auch immer auf diese Bezeichnung gekommen ist, vermag ich nicht zu sagen, aber das könnte man fast über die ganzen Jahrzehnte so schreiben.

Hier nun ein Konzert vom 31.Mai 1964 aus dem Holiday Ballroom in Chicago. Dank des bekannten Produzenten Bob Thiele stand hier ein ausgezeichnetes Equipment zur Verfügung, so dass die Band hervorragend eingefangen wurde. Dabei hört man auch, dass sie an diesem Tag besonders gut drauf und gelaunt war.

Die Titel sind typisch für ein Konzert mit der Band. Warum also noch eine Aufnahme, noch eine Veröffentlichung? Was macht den Reiz gerade DIESER CD aus? Ganz kurz gesagt, nicht unbedingt die zwei Besetzungswechsel, auch wenn das für Ellington meist Anlass gab, die neuen Mitglieder besonders heraus zu stellen.

Es beginnt mit dem langsamen "Mood Indigo", natürlich mit Russell Procopes Klarinette, Lawerence Browns exzellenter Plunger-Posaune und der Trompete von Cootie Williams, dessen Rückkehr doch deutlich machte, dass er der bessere Solist als Ray Nance war, der folglich hier nicht mehr in der Band war.

"Satin Doll" war schon immer ein Duett mit dem Bassisten der Ellington-Band, hier der Verteter Peck Morrison für den anderen Ersatzmann Major Holley. Man muss dazu sagen, dass Ellington seinen schwerkranken Bassisten Ernie Shepard bereits während der Europa-Tournee ersetzen musste. Cootie Williams war der zweite Solist bei "Satin Doll".

"Happy Go Lucky Local" stammt von der Deep South Suite von 1946 und wurde immer wieder gerne von der Band gespielt. Hier mit einem wunderbaren Piano-Solo des Duke und munterem Gesang der Band, die ganz offensichtlich ihren Spaß hatte an diesem Abend. Natürlich mit den üblichen Solisten Russell Procope Altsax, Jimmy Hamilton an der Klarinette, Cat Anderson an der Trompete und Paul Gonsalves am Tenorsax.

Das Medley hier ist dann "Things,ain't what they Used to Be" und "Do nothing till You hear from Me". Im ersten Stück mit Johnny Hodges, im zweiten Stück mit Lawrence Brown als Solisten.

"Guitar Amor" bringt nich nur karibisches Flair mit rein, sondern auch Harry Carneys volles Baritonsax. "Summertime" führt uns dann hoch hinaus mit Cat Andersons High Note-Trompete. Hier muss ich sagen, dass man dem Stück damit keinen gefallen getan hat mit so viel Power. Immerhin handelt es sich dabei um ein Wiegenlied. Wie das Kind bei Andersons Akrobatik schlafen sollte, ist mir ein Rätsel.

"C-Jam Blues" ist ausnahmsweise mal kein buntes Solisten-Feature, sondern alleine für Posaunist Buster Cooper reserviert. Er spielt eine sehr scharfe, heiße Posaune mit exzellenter Technik.

"Silk Lace" lässt Jimmy Hamilton mit seiner brillanten Klarinette an das Mikrophon treten. Das Stück selbst stammt aus dem Album "Afro Bossa" von 1963.

"I've got it Bad and that ain't Good","Isfahan" und "Timon of Athens" gehören dann dem großartigen Johnny Hodges, der mit seinem unverkennbarem Ton die drei Stücke grandios interpretiert.

"Tutti for Cootie" wurde vom Duke und Jimmy Hamilton geschrieben, als Cootie Williams Ende 1962 wieder zurück zur Band kam. Natürlich ies auch er hier der Solist mit dem Plunger-Dämpfer. Man beachte den Shuffle-Rhythmus des großartigen Sam Woddyard hier hinter dem Solisten.

"Stompin' at the Savoy" legte der Duke immer wieder mal auf. Hier mit einzelnen Soli von Jimmy Hamilton (Klarinette), Nat Woodard (Trompete), dem zweiten Newcomer in der Band (er sollte nur Bis Anfang 1965 bleiben und blieb blass in der Band), Paul Gonsalves und Russell Procope (hier am Altsax). Man beachte das aberwitzige Tempo in dem Dick Vance-Arrangement, der noch in der original Chick Webb-Band saß, aus dessem Bandbook das Stück ja ursprünglich stammte.

"Jeep's Blues" ist dann wieder eines der Paradestücke von und für Johnny Hodges."Diminuendo and Crescendo in Blue" ist nun spätestens seit dem berühmten Newport-Konzert von 1956 bei Ellington sehr oft zu hören gewesen. Auch hier wieder mit dem ausgezeichneten Paul Gonsalves am Tenorsax.

Mit "Satin Doll" klingt dann das Konzert aus. Solisten gibt es keine, dafür hört man die Absage des Duke klar und deutlich durch das Mikrophon.

Insgesamt eine erstklassige CD, die auch dem Niveau der Band angepasst klingt. Vier Sterne mit der Tendenz nach Oben ist meine Bewertung hier.


Duke Ellington - Live In Mexico
Duke Ellington - Live In Mexico
Wird angeboten von Giant Entertainment
Preis: EUR 18,99

3.0 von 5 Sternen Duke Ellington in Mexiko live, 26. Oktober 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Duke Ellington - Live In Mexico (Audio CD)
Da es hier von der CD weder ein Bild noch allzu viel Angaben gibt, versuche ich mal, ein wenig Licht hinter das Dunkel zu bringen.

Die CD hier ist im Grunde die Begleit-CD zum Soundtrack zu Gary Keys Film "The Mexican Suite". Wann genau DIESE Aufnahmen stattfanden,bzw. das Konzert hier aufgezeichnet wurde, lässt sich nicht wirklich genau sagen. Es werden immer wieder "different Locations" angegeben in den entsprechenden Büchern. Es muss aber um den 23.-29.September 1968 gewesen sein.

Die Besetzungsliste gebe ich auch mal komplett mit an. Es fällt dem Ellington-Fan sofort auf, dass Jimmy Hamilton hier nicht mehr mit dabei ist. Er hatte die Band kurz zuvor verlassen. An dessen Stelle trat dann der hervorragende Harold Ashby.

Hier die Besetzung der Tournee:

Tps: Cat Anderson,Cootie Williams,Willie Cook (er kam gerade wieder zurück),Herbie Jones,Mercer Ellington
Tbs: Lawerence Brown,Buster Cooper,Chuck Connors
As : Johnny Hodges,Russell Procope (Cl)
Ts : Paul Gonsalves,Harold Ashby (Cl) Bs : Harry Carney (Cl,B-Cl)
P. : Duke Ellington Bass: Jeff Castleman
Dm.: Rufus Jones
Als Vocalistin hatte er Trish Turner dabei

So,nun zu den Titeln: "Satin Doll" lässt Cootie Williams,Paul Gonsalves und dann Jeff Castleman zu Wort kommen.Das Medley ist hier durch die drei bekannten Stücke "Creole Love Call","Black and Tan Fantasy" und "The Mooche" verteten. Die Solisten sind Russell Procope (As), Cootie Williams mit den Plunger, Russell Procope (Cl), Lawerence Brown mit Plunger-Dämpfer und erneut Cootie Williams.

"Happy Go Lucky Local" stellt Russell Procope (As), de Duke selbst und Bassist JEff Castleman heraus, der hier mit Rufus Jones an den Drums ein sehr gutes und druckvolles Team bildet. Dann legt Paul Gonsalves los.

"The Mexican Suite" ist auch unter "The Latin American Suite" oder "Mexicanticipation" bekannt geworden. So die Info aus Ole Nielsens Buch "Jazz Records". Im ersten Teil ist neben dem Duke Harold Ashby am Tenorsax zu hören. Schade, dass hier kaum solistisch Musiker vorgestellt werden. Das macht die Suite meiner Meinung nach doch ziemlich eintönig.

"It don't mean a Thing" stellt die Sängerin Trish Turner vor. Sie ist mal wieder so ein Griff des Duke, den man lieber nicht hören möchte. Hier war Ray Nance doch der viel bessere Mann gewesen für solche Stücke.

"I got it Band and that ain't Good" und "Things ain't what they used to be" stellt den unvergesslichen und einzigartigen Johnny Hodges am Altsax vor.

Nun gibt es gleich zwei Mal "Mood Indigo" hier auf der CD zu hören. Natürlich ist das Werk aus dem ganz alten Bandbook ein Vehikel für die alten Recken der Band. Hier Russell Procope an der Klarinette und dem Rückkehrer Willie Cook an der gestopften Trompete, bevor der Maestro höchstpersönlich sich zu Wort meldet. Die zweite Aufnahme ist eindeutig an einem anderen Tag und anderem Ort gemacht worden, weil hier die Aufnahmetechnik viel besser ist. Auch fällt das Solo von Willie Cook weg.

Auch "Take the A-Train" ist auf der CD zwei Mal vertreten. Nach dem Einleitungssolo vom Duke, unterstützt von Jeff Castleman, der sich viel deutlicher zu Wort meldet als sein Vorgänger und auch seine Nachfolger, geht es mit den üblichen Akkorden los, bevor dann Cootie Williams sein Solo spielt.

"Sophisticated Lady" gehört dann dem einzigartigen Harry Carney am Baritonsax. "Do Nothing till You hear from Me" gehört dann der wunderbaren Posaune von Altmeister Lawrence Brown.

Die zweite Aufnahme von "Take the A-Train" stellt natürloch erneut Cootie Williams hervor. Dieses Mal aber mit einer kürzeren Einleitung als bei Track One. Die Absage vom Duke und der gleiche töpferne Klang könnte in der Tat davon zeugen, dass es sich hier um das gleiche Konzert handeln könnte wie bei den Stücken 1-8 & 10-13.

Die ganze CD gefällt mir nur in Ansätzen. Zum Einen ist die Aufnahmetechnik doch sehr topfig und nicht zeitgemäß, was aber vor allem auf das vermutlich eher weniger hochwertige Equipment aus Mexiko zuzuschreiben ist und weniger der Live-Aufnahme an sich. Die Suite kann meine Erwartungen nicht so recht erfüllen,auch Sängerin Trish Turner gehört mal wieder in die Sängerliste des Duke, mit dem Hinweis "absolut verzichtbar".

Meine Bewertung hier sind 3 Sterne. Die Abzüge mache ich an drei Dingen fest: Aufnahmetechnik,schwache Suite und schlechte Sängerin. Der Rest des Konzertes ist dagegen sehr gut gelungen. Hier ist noch eine Band zu hören, die als ausgezeichnet zu bewerten ist.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 24, 2013 4:30 AM CET


Jazz Party
Jazz Party
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 28,95

4.0 von 5 Sternen Das ist vielleicht Duke Ellintons ungewöhnlichste Einspielung, 26. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Jazz Party (Audio CD)
Duke Ellington war schon immer für Überraschungen gut, aber was er hier veranstaltete, war wohl auch nur mit der hervorragenden Columbia Plattenfirma durchzuführen, mit welcher er seit vielen Jahren erstklassige Aufnahmen verwirklichte.

Gerade frisch zurück von einer langen Tournee durch Florida ging er mit seinen Mannen ins Studio. Eigentlich sollte es eine ganz gewöhnliche Aufnahme-Session werden, aber dann standen auf einmal einige Freunde da, um ihn und seine Musiker zu begrüßen. Darunter Dizzy Gillespie (natürlich mit Trompete dabei), Jimmy Rushing, der hervorragende Blues-Shouter und Pianist Jimmy Jones, der "zufällig" gerade um die Ecke kam....

Wie es dann dazu kam, dass auf einem Schlag neun (!!) zusätzliche Percussionisten vom Maestro angerufen wurden, ist mir immer noch nicht so ganz klar. Darunter waren dann Studio-Legenden wie Chauncey Morehouse und Bobby Rosengarden, aber auch Mitglieder der Philharmonie wie Milton Schlesinger und Walter Rosenberger.

Das erste Stück "Malletoba Spank" wurde dann mit einer Vielzahl von Xylophonen,Kesselpauken,Glockenspielen,Marimbaphon,
Vibraphon und diversen anderen Trommeln aufgenommen. Die hervorragende Aufnahmetechnik von Columbia, natürlich in astreinem Stereo, lässt einen erahnen, wie gigantisch es zugegangen sein muss damals.

Die "Toot Suite", die man vor der Tournee nicht mehr einspielen konnte, stand dann auf dem Programmpunkt. Das Werk gliedert sich in vier Teile, in denen immer verschiedene Solisten zu Gehör kommen. Satz eins "Red Garter" stellt Posaunist Britt Woodman in den Mittelpunkt,§Red Shoes" stellt dann Jimmy Hamilton an der Klarinette und Harold Baker an der Trompete in den Mittelpunkt. "Red Carpet" ist in drei Teile aufgeteilt. Russell Procope beginnt hier mit seiner Klarinette, gefolgt von Quentin Jackson und seiner Plunger-Posaune,das Finale gehört dann Ray Nance an der Trompete."Ready Go!" ist dann ein typisches Feature für Tenorist Paul Gonsalves. Wie einfach doch hervorragender Jazz sein kann!!

"U.M.M.G",was für "Upper Manhattan Medical Group" steht,ist Dukes Arzt Dr.Logan gewidmet, der ebenfalls unter den Gästen war. Hier steht Gast-Trompeter Dizzy Gillespie mit Dämpfer und offenem Horn zu hören.

"All of Me" ist immer die Solo-Nummer für Johnny Hodges gewesen, so auch hier. Es ist die erste Aufnahme dieser Nummer in einem Studio mit der Band.

"Tymperturnbably Blue" ist dann das zweite und letzte Stück mit den ganzen Percussionisten,als Solist brilliert aber Jimmy Hamilton an der Klarinette.

"Fillie Trillie" gehört dann Ray Nance mit dem Plunger und Johnny Hodges auf dem Altsax.

"Hello,little Girl" ist ein Blues, der dann zwei Gäste in den Mittelpunkt stellt. Zum Einen Jimmy Jones am Klavier, der später immer wieder mal mit dem Duke zusammenarbeiten sollte und natürlich Jimmy Rushing, der hier ganz in seinem Element ist. Die Trompeten spielen ganz nach alter Tradition ein heißes Riff im Satz, die Saxophone untermalen das Ganze völlig relaxt. Dann setzt Dizzy Gillespie erneut mit dem Harmon Mute zu einem grandiosen Solo ein. Alles wird vom Duke in Front der Band "dirigiert", der wohl wie ein Fels in der Brandung alles koordinierte.

Aufgenommen wurde die Session an zwei Tagen, dem 19.&25.Februar 1959 in New York City. Eine sehr schöne CD,die zeigte, wie spontan der Maestro und die Band waren, aber auch, wie swingend sie spielte,Dank des genialen Teams Jimmy Woode/Sam Woodyard, die wiederum einen fantastischen Job machten. Für mich sind das auf jedem Fall 4 Sterne. Leider kann ich keine halben Sterne vergeben, sonst würde ich 4,5 Sterne geben.


Eastbourne Performance
Eastbourne Performance

3.0 von 5 Sternen Sehr späte Live-Aufnahme aus England vom Dezember 1973, 25. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Eastbourne Performance (Audio CD)
Duke Ellingtons späte Band ab ca. 1968 hatte mehr Besetzungswechsel als die letzten 15 Jahre zuvor. Langjährige Solisten gingen ,starben oder waren teilweise nur noch zeitweise in der Lage ihren Job zu verrichten. So grenzt es an ein Wunder, dass der ebenfalls schon schwer angeschlagene Duke nochmals Ende 1973 zu einer großen Tournee nach Europa aufbrach.

Seine Band war aber auf vielen Positionen nicht mehr von der Qualität, die man noch einige Jahre zuvor besaß. Natürlich sitzen da keine Anfänger auf der Bühne, aber eben auch nur noch wenige Solisten von erstklassigem Format. Gerade im Trompetensatz waren doch mindestens zwei großartige Solisten dabei und auch der Posaunensatz war mit mindestens einem großen Namen besetzt.

Immerhin ist der Saxophonsatz noch mit drei Musikern besetzt, die man sofort mit dem Duke in Verbindung bringen kann: Russell Procope,Harold Ashby und Harry Carney. Harold "Geezil" Minerve übernahm den Lead-Chair von Norris Turney. Ihm gelingt immerhin, eine gewisse Nähe zu Johnny Hodges in Ton und Phrasierung zu erzeugen.

"The Piano Player" stellt den Duke selbst in den Mittelpunkt."Creole Love Call", erzeugt auch hier wieder typisches Ellington-Flair, kein Wunder, ist doch Russell Procope seit 1946 in der Band mit dabei. Money Johnson gelingt hier glücklicherweise überzeugend, in die Fußstapfen seiner berühmten Vorgänger zu treten, was ihm leider nur sehr selten gelingt.

"Don't You Know I care" schrieb der Duke 1944, aber das Stück ging im Kreise der anderen großen Stücke einfach unter. Schön, dass er es wieder auskramte, und Harold Minerve spielt ein schönes Solo in der Tradition von Johnny Hodges.

"I can't get Started" war 1937 dem Trompeter Bunny Berigans größer Erfolg seiner Bigband-Karriere. Tenorist Harold Ashby ist der Solist hier. Es wurde bei Ellington "sein" Solo-Stück,kurz nachdem er 1968 in die Band kam.

"New York,New York" schrieb der Duke 1972 für das Sommer Festival der Stadt. Anita Moore ist die Vocalistin hier.

"Pitter Panther Patter" war eines der Stücke des großen Jimmy Blanton. Joe Benjamin, Jahrgang 1919, der u.a. mit Sarah Vaughn,Mercer Ellington und Dave Brubeck spielte, ist letztendlich kein großer Solist und kann nicht mehr an die tollen Bassisten anknöpfen, die bis 1967 in der Band verweilten.

"How High the Moon", ein bekanntes Stück seit der Bebop-Bewegung Mitte der 40-er Jahre, wird hier vom modernen Trompeter Johnny Coles gespielt. Coles, der immerhin erstklassige Referenzen vorweisen konnte, bevor er zum Duke kam, war leider in dieser Band meiner Meinung nach immer nur ein Fremdkörper. Er schaffte es nicht, so wie etwa Clark Terry, die Moderne mit dem Bop zu verschmelzen, damit sein Spiel auch in die Band reinpasste.

"Basin' Street Blues" und "Tiger Rag" sind dann doch zwei Stücke, die mir zu kommerziell und wirklich nicht für eine Ellington-Band von 1973 tauglich sind. Money Johnson schlüpft hier in die Rolle von Ray Nance, indem er singt und solistisch spielt, aber auch Louis Armstong seine Referenz erweist.

"Woods" lässt uns dann Harold Ashby und den jungen Percy Marion an den Tenorsaxophonen an die Mikrophone treten. Marion kam für den kranken Paul Gonsalves in die Band, so dass der Saxophonsatz wieder komplett war.

"Meditation" stammt vom Second Sacret Concert und ist der Ausklang eines keinesfalls schlechtem, aber auch nicht mehr hochklassigen Konzertes aus der Endphase der originalen Ellington-Band.

Die Band war einfach nicht mehr auf dem gleichen Niveau wie noch wenige Jahre zuvor. Schade ist es, dass mit Barry Lee Hall an der Trompete und Art Baron an der Posaune zwei erstklassige Plunger-Solisten nicht zu hören sind. Beide Musiker zeigen in der ersten Platte nach dem Tode des Duke, "Continuum" ihr Können. Hätte der Duke länger gelebt, wären sie bestimmt bekannter geworden als so. Schade!!!

Aufnahmetechnisch kann man nicht meckern, musikalisch sehe ich doch noch viel Luft nach Oben. Mehr als 3 Sterne vermag ich nicht zu geben, da sonst bessere CDs als diese hier abgewertet wären,und das kann nicht sein.


April in Paris
April in Paris

4.0 von 5 Sternen Später Ellington von vermutlich der Europa-Tournee 1969 live, 25. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: April in Paris (Audio CD)
Diese CD ist editorisch eine absolute Zumutung. Ein Konzert mit dieser Zusammenstellung der Titel konnte mir selbst der so gewissenhafte Timner nicht benennen, aber natürlich gab es Konzerte mit sehr ähnlicher Titelfolge und auch Titelauswahl.

Die Besetzungsangabe ist in etwa so sinnvoll wie überhaupt keine Angabe, denn sie stimmt schlicht und ergreifend nicht. Das Aufnahmejahr könnte immerhin stimmen. Den Titel "Jam with Paul" gab es laut Timner niemals als Band-Nummer, aber "Tenor Saxophone Calisthenics", so sagt es auch der Duke persönlich an. Dieser Titel wurde,ebenso "Four-Thirty Blues" Ende Oktober 1969 das erste Mal vom Duke gespielt.

Bei "Satin Doll" und "April in Paris" ist dann der Organist Wild Bill Davis zu hören. Schade, dass er nur kurze Zeit und für wenige Stücke beim Duke spielte. Er war eine völlig neue Klangsprache in der Band, der so langsam die großen Solisten ausgingen. Er spielte 1969/1970 hin und wieder beim Duke mit.

"El Gato" war schon immer eine typische Nummer für den High Note-Virtuosen Cat Anderson, so auch hier. Allerdings scheiden sich die Geschmäcker über solches Spielen doch gewaltig. Man hört aber auch heraus, dass der Trompetensatz nur dreistimmig besetzt ist.

"Don't get around much anymore" ist dann wieder ganz auf Johnny Hodges ausgerichtet. Das obligatorische Medley beginnt dieses Mal mit "Caravan" und geht in "Mood Indigo" über. Solisten sind Russell Procope (Klarinette) und Lawrence Brown (Plunger-Posaune).

"Passion Flower" gehört dann hier nicht Johnny Hodges, sondern Norris Turney am Altsaxophon. Es ist daher die Frage, ob diese Aufnahme überhaupt 1969 hat stattgefunden, was DIESEN Titel betrifft. Das Gleiche lässt sich über "Jive Stomp" sagen. Hier hört man aber Wild Bill Davis an der Orgel und auch einen dreistimmigen Posaunensatz im Hintergrund.

"Diminuendo and Crescendo in Blue" ist natürlich wieder ein Paradestück für den Tenoristen Paul Gonsalves. Aber später ist auch Harold Ashby am Tenorsaxophon zu hören- der wiederum überhaupt nicht auf der Besetzungsliste auf dem Cover vertreten ist. Es IST aber definitiv Harold Ashby, den ich selbst noch live erleben durfte.

Als Gesamtergebnis vermute ich, dass es sich um weite Teile des Konzertes vom 12.November 1969 aus Pescara/Italien, oder 13.November 1969 aus Bologna handeln könnte. Das trifft auf die meisten Titel hier zu.

Die Gesamtbesetzung zu benennen, ist entsprechend schwierig. Immerhin sind bei Timner bei den beiden Daten vier Trompeten vermerkt, zu hören im Satz sind aber immer nur drei davon. Fraglich, ob man hier rotiert hat,oder nur drei tatsächlich mitspielten.

Auch bei den Posaunen gibt es mehrere Varianten. Unstrittig ist Lawrence Brown, Chuck Connors dürfte auch mit dabei gewesen sein, aber Ake Persson wurde bei Timner erst wieder am 15.November in Lausanne/Schweiz erwähnt....Er war eh nur Gast bei Ellington gewesen, aber an einigen Terminen mit dabei.

An den Saxophonen gibt es weniger zu rütteln. Hier die Besetzung dafür: Johnny Hodges (As), Russell Procope (As,Cl), Norris Turney (As,Ts,Fl,Cl), Paul Gonsalves (Ts), Harold Ashby (Ts) und Harry Carney (Bs,Cl,B-Cl). Ja, sechs Musiker,das ist richtig.

Die Rhythmusgruppe der damligen Tournee waren Victor Gaskin (Bass) - und nicht Leonard Gaskin, wie auf dem Cover zu lesen ist, sowie Rufus Jones (Drums).

Die CD an sich ist musikalisch für den späten Ellington sehr gut. Es gibt nichts zu kritisieren, vielleicht die etwas harte Gangart von Drummer Jones, aber sonst möchte ich da nicht groß Punkte abziehen. Die Aufnahmen klingen aber nicht so wirklich gut, was vermutlich auf das Eqipment und die Live-Mitschnitte aus Italien zurückzuführen sein dürfte. Insgesamt 4 Sterne von mir als Gesamtergebnis.


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