Profil für Albrecht Bär > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Albrecht Bär
Top-Rezensenten Rang: 1.538
Hilfreiche Bewertungen: 1737

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Albrecht Bär "albrecht_baer"
(VINE®-PRODUKTTESTER)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10
pixel
Kein Titel verfügbar

29 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hätten Sie's gewußt?, 15. Januar 2010
Was verbindet man gemeinhin heute mit dem Erbe Hitlers? Die Antwort wird meist lauten: Hitler hat die Autobahnen gebaut. Das hat er natürlich nicht; er hatte noch nicht einmal die Idee dazu (den Plan dazu fanden die neuen Machthaber - wie so vieles - vor, als sie die Regierung übernahmen). Trotzdem begannen die Nazis 1933 mit einem gewaltigen Konjunkturprogramm, u.a. Baumaßnahmen in Infrastrukturbereich. Aber was war da noch? Käme man auf die Idee, die nachfolgenden Errungenschaften mit Hitler in Verbindung zu bringen? Aktienrecht, Berufsschulpflicht, Bildtelefon, Devisenrecht, Eherecht, Farbfotographie, Fernschreiber, Fernsehen, Gewerbesteuer, Grundsteuer, Heilpraktikergesetz, Hubschruber, KfZ-Haftpflichtversicherung, Kleinbildkamera, Lebensmittelgesetz, Massentourismus, Meisterbrief, Mieterschutz, Naturschutz, Postleitzahlen, Raketen, Raumordnung, Rentnerkrankenversicherung, Rhein-Main-Donau-Kanal, Richtfunk, Schleudersitz, Sexualaufklärung, Sommerzeit, Tierschutz, Umsatzsteuer, Umweltschutz, Windkraftnutzung, Winterschlußverkauf. Selbst die Abwrackprämie für Autos ist nur dem "Gesetz über Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen" (sog. Verschrottungshilfe) vom Dezember 1933 abgeguckt.
Diese und weitere 1000 Stichworte zeigen, wie sehr das "Erbe Hitlers" Nachkriegsdeutschland bis in die Gegenwart hinein prägt. Wenn man sich diese Tatsachen vergegenwärtigt, wird man alle wohlfeilen Distanzierungen von den "brauen 12 Jahren" in einem anderen Licht sehen.
Kommentar Kommentare (13) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 24, 2011 4:38 PM CET


Kampfauftrag: "Bewährung"
Kampfauftrag: "Bewährung"
von Rüdiger W. A. Franz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 25,95

32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Kampf bewährt, 13. Januar 2010
Das Buch hat mit dem SS-Fallschirmjägerbataillon 500/600 einen Sonderverband der Waffen-SS zum Inhalt. Entstanden im Sommer 1943, ist er ein weiteres Beispiel für den Versuch Heinrich Himmlers, der Wehrmacht - hier Hermann Görings Luftwaffe - als "Waffenträger der Nation" durch eigene bewaffnete SS-Verbände Konkurrenz zu machen. Eine Besonderheit war, daß das Personal aus "B-Schützen" bestand. Das "B" steht für "Bewährung", handelte es sich doch bei den Mannschaften um disziplinar mit Degradierung bestrafte Männer der Waffen-SS, denen im Rahmen dieses Verbandes Gelegenheit gegeben werden sollte, Rang und Auszeichnungen wiederzuerlangen. Dabei waren deren Verfehlungen sehr gering - z. B Ausgangsüberschreitung, Gehorsamsverweigerung, Disziplinlosigkeit - , und keineswegs handelte es sich bei ihnen um Schwerstkriminelle.
Das Führer- und Unterführerkorps bestand aus Freiwilligen anderer SS- aber auch Wehrmachts-Einheiten. Nach harter Ausbildung in Chlum/Böhmen und Kraljevo/Kroatien erfolgten erste Einsätze gegen Parisanen in Montenegro sowie bei der Besetzung von Budapest im Frühjahr 1944. Ihre richtige Feuertaufe erhielten die SS-Fallschirmjäger aber beim Einsatz gegen Titos Hauptquartier in Dvrar/Bosnien im Mai/Juni 1944, bei dem der Partisanen-Marschall den SS-Männern nur knapp entwischte.
Das Buch lebt von den lebendigen Schilderungen ehemaliger Kampfteilnehmer, die per Fallschirm oder Lastensegler mitten im Feindesgebiet landeten. Spannend ist die Darstellung des Versuches, Tito zu schnappen und damit der Partisanenbewegung den Todesstoß zu versetzen. Abgerundet werden die Erlebnisse durch eine Fülle von in der Masse bisher völlig unbekannten Fotos, die die Dramatik der Kämpfe unterstreichen. Ein sorgfältig gestalteter Literatur- und Anmerkungsapparat erleichtert den Überblick. Ohne Übertreibung muß man sagen, daß Autor und Verlag hiermit das Standardwerk zum Thema vorgelegt haben.

Der Genius des Krieges: Das deutsche Heer und der Generalstab 1807-1945
Der Genius des Krieges: Das deutsche Heer und der Generalstab 1807-1945
von Trevor N. Dupuy
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,90

98 von 110 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kampfwertüberlegenheit deutscher Armeen bis 1945, 24. August 2009
Das anzuzeigende Buch des renommierten US-Militärhistorikers Trevor N. Dupuys (1916 - 1995) genießt einen legendären Ruf. Es liefert die Erklärung dafür, warum preußisch-deutsche Heere über einen Zeitraum von fast 140 Jahren militärisch überlegen gewesen sind. Daher ist es dem Verlag hoch anzurechnen, dieses bereits vor über 40 Jahren erschienene Werk ins Deutsche übertragen zu haben. Die damit verbundenen Schwierigkeiten schildert der Übersetzer, General Franz Uhle-Wettler, in seinem Vorwort.
Der Autor räumt mit der weit verbreiteten Ansicht auf, die Deutschen seien von ihrer Mentalität her besonders militaristisch oder kriegerisch gewesen. Das Gegenteil ist richtig. Vielmehr gelang es mit den preußischen Reformen Scharnhorsts, militärische Leistungsfähigkeit im Generalstab zu institutionalisieren und unter Berücksichtigung der neuesten Erkenntnisse und technischen Entwicklungen den jeweiligen Zeitumständen anzupassen. So erkannte der preußische Generalstab frühzeitig die Bedeutung des Telegraphen und der Eisenbahn für das Heer. Ab 1848 wurde das Zündnadelgewehr eingeführt, während andere Armeen noch lange auf Vorderlader setzten. Nach 1918 wurde durch Motorisierung die Beweglichkeit der Truppen und die Waffenwirkung verbessert, da die zu Fuß stürmende Infanterie sich als zu schwach gegen starke Verteidigungsstellungen erwiesen hatte.
Der wichtigste Grund für die langandauernde militärische Überlegenheit ist nach Dupuy die Auftragstaktik. Blinder Gehorsam und Untertanengeist sei entgegen der landläufigen Meinung kein Charakteristikum der deutsche Heere gewesen. Auch Ausbildungsschriften der deutschen Wehrmacht werden nicht müde darauf hinzuweisen, daß die Erziehung des Soldaten zur Unselbständigkeit, zum Warten auf einen Befehl, die eigentliche Gefahr sei.
Vielmehr müsse verlangt werden daß - wenn eine veränderte Lage es erfordere - nicht stur am Wortlaut eines einmal gegebenen Befehls festgehalten werden dürfe, sondern gemäß Lage im Sinne des Auftrags entschieden werden solle.
Kritisch anzumerken ist, daß Dupuys Kenntnisse der deutschen Politikgeschichte offenbar nicht so gefestigt sind. Daher ist das Vorgehen des Verlages, mittels Anmerkungen der Redaktion oder des Übersetzers ergänzende oder korrigierende Hinweise zu geben, eine gute Lösung.
Zeitweise verliert Dupuy den "Generalstab" als Untersuchungsgegenstand aus den Augen und referiert weit verbreitete Mythen, wenn er z. B. Reichspräsident v. Hindenburg einen "halbsenilen Feldmarschall" (S. 303) nennt oder argumentiert widersprüchlich, so im Fall der SA, die einmal eine bewaffnete Bande von Rabauken" (S. 300), zwei Seiten später aber eine mächtige, disziplinierte Kraft" (S. 302) gewesen sein soll.
Zum Ende fängt er sich wieder und liefert sogar eine herausragende Analyse (S. 394 ff.)der Gründe, weshalb der Generalstab so gut war:
1) Auswahl der Offiziere nach einer Prüfung (die Bundeswehr hat z.B. die Prüfung abgeschafft);
2) weitergehende Ausbildung bei der Truppe;
3) Studium von Ereignissen der Militärgeschichte als Fallbeispiele, das impliziert außerdem Historiographie durch Soldaten selbst (ebenfalls in der Bundeswehr abgeschafft);
4) Ermutigung zur Eigeninitiative und Verantwortungsfreude (laut Aussage hochrangiger Bundeswehr-Kommandeure seit den 1980er Jahren in der Bundeswehr auf dem Rückzug);
5) Verpflichtung zur Objektivität in der Lagebeurteilung;
6) Streben nach taktischer Vollkommenheit;
7) Regeneration durch Innovation (auch durch Adaption von Neuerungen aus dem Ausland);
8) Weiterwirkung der Lehren des Generalstabes in der ganzen Armee durch Lehrgänge/Schulungen für alle Soldaten, umfangreiche Militärpublizistik, Traditionspflege orientiert an hervorragenden militärischen Leistungen (ebenfalls in der Bundeswehr abgeschafft).
Dupuy ist der Meinung, halte man sich an diese acht Punkte, könne jede Armee so eine militärisch effiziente Institution wir den Deutschen Generalstab schaffen.
Die Offiziere des Generalstabs bildeten die Elite der Armee, die aufgrund der hohen gesellschaftlichen Anerkennung die Besten der Besten aus der Bevölkerung anzog. Strenge Auswahl, harte Ausbildung und ständige Einwirkung bis in die letzte Kompanie sorgten für ein gleichbleibend hohes Leistungsniveau der Streitkräfte über Jahrzehnte. Der deutsche Generalstab wurde zum Vorbild für ähnliche Einrichtungen fremder Heere.
Dupuy Urteil findet Bestätigung in der Untersuchung ("Kampfkraft") des israelischen Militärwissenschaftlers Martin van Creveld, der der deutschen Wehrmacht eine frappierende Kampfwertüberlegenheit gegenüber allen ihren Gegnern attestiert.
Dem entgegen steht offenbar die Bewertung im Führungsstab der Bundeswehr, Referat Innere Führung", wo die Meinung vertreten wird, das deutsche Offizierkorps sei schlecht gewesen und habe im Ersten Weltkrieg vollständig versagt", wie Zeitungsmeldungen zu entnehmen ist.
Auch in Reichswehr und Wehrmacht hätten praktisches Können, Charakter und nationale Gesinnung über Eignung" gestanden. Erst mit dem zivilen Hochschulstudium habe man Anfang der 1970er Jahre den vollwertigen Offizier" heranziehen können. Die Distanz zur Inneren Führung" haltenden kriegsgedienten Wehrmachtsoffiziere seien dagegen reine Praktiker" gewesen.
Diese Einschätzung jedoch widerspricht der Aussage des Vaters der Inneren Führung", Wolf Graf Baudissin, der in seinem Buch Armee gegen Krieg" urteilte, daß die Innere Führung in gut geführten Einheiten im Zweiten Weltkrieg bereits praktiziert wurde. Die Kriegsgedienten und die durch sie geformten nachwachsenden Vorgesetzten waren es, die den jungen Bundeswehrsoldaten ohne viel Auflebens die Innere Führung" vorlebten.
Beispiele, die die Kampfwertüberlegenheit deutscher Soldaten in Sieg (Eben Emael 1940) und Niederlage (Ardennen 1944) zeigen, runden die Darstellung Dupuys ab. Sie machen deutlich, das zeitgemäße Menschenführung keine ureigenste Erfindung der Bundeswehr gewesen ist, sondern auf Erfahrungen beruhte, die im Krieg und Frieden von allen deutschen Armeen gemacht und durch den Generalstab institutionalisiert wurden.
Kommentar Kommentare (14) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 9, 2011 11:20 AM CET


Die Varusschlacht: Der germanische Freiheitskrieg
Die Varusschlacht: Der germanische Freiheitskrieg
von Christian Pantle
  Broschiert

29 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Journalistischer Schnellschuß, 28. Juni 2009
Was den Leser stören muß, ist die inadäquate, flapsige Sprache, die die Lektüre zum Ärgernis macht. Pantle mißdeutet die historischen Ereignisse, indem er unzulässige Gleichsetzungen vornimmt. Zum Beispiel:
"Märsche" der Germanen ins römische Herrschaftsgebiet nahmen "multikulturelle Gestalt" an, aus landnehmenden Völkerschaften werden so "Armuts- oder Wirtschaftsflüchtlinge", die lediglich um Aufnahme in die so reiche römische Republik baten.
Floskelhaftes Empörungsvokabular ("Genocid", "Völkermord", "vieltausendfacher Massenmord" der Römer unter Caesar), in Gallien einfallende Germanen werden zu "Immigranten", gegen die Caesar einen als "Präventivkrieg" kaschierten "Vernichtungsfeldzug nach Osten" führt.
Die Römer werden so zu den Nazis der Antike, aus Caesar wird so ein römischer Hitler gemacht, aus Legionen Einsatzgruppen, die mittels römischen Terror "verbrannte Erde" hinterlassen, die Germanen mutieren quasi zu barbarischen Untermenschen.
Pantle überträgt die schon für die Gegenwart problematische Kategorisierung 1 zu 1 auf das Verhältnis Römer - Barbaren (Germanen) im Altertum.
Der Autor zieht hanebüchene Vergleiche bzgl. "Ausländerdiskriminierungen" und "Rassismus" im Römischen Reich. Er konstruiert eine Entwicklung zur Gewalttätigkeit des "eingebürgerten Römers" Arminius als Reaktion auf "Diskriminierungen" gegen den "wilden und primitiven Barbaren" aus der Mitte der "Römischen Gesellschaft". Germanen als Menschen zweiter Klasse, die sich von der römischen Zivilisation abwandten, als sie die Ablehnung spürten.
So hat jede Zeit die Interpretationen, die sie verdient. Diese sagt mehr über den Autor und die Gegenwart aus, als über Arminius und die Römer aus dem Jahre 9 n. Chr. Man wird so dem Untersuchungszeitraum sowie den historischen Persönlichkeiten nicht gerecht und betreibt keine Forschung, sondern Geschichtspolitik.
Inwiefern hier Prozesse stattfanden, die die Zeitgenossen überhaupt als kränkend empfunden haben, wird gar nicht thematisiert. In den antiken Gesellschaften war es üblich, Menschen unterschiedlich zu behandeln. Zu verweisen ist auf die Sklaverei, die es bei Römern und Germanen gab. Menschenrechte (und -würde) existierten nicht, den antiken Menschen ein Denken in Menschenrechten (und ihrer Zubilligung bzw. ihrer Verletzung) zu unterstellen, zeugt von mangelnden Kenntnissen, schlechten Einfühlungsvermögen und zeitgemäßer Naivität.
Ein Überraschungsangriff in dunkler Nacht auf einen nichtsahnenden Gegner unter Tötung aller wird bei Pantle zu einem "auch nach damaligen Maßstäben ungeheuerlichen Kriegsverbrechen". Welche Maßstäbe Pantle meint, führt er nicht aus. Ohne Kriegsrecht ("Maßstäbe") kein Kriegsverbrechen, und somit ergeht er sich nur in pseudomoralistischem Empörungsvokabular.
Pantle hat eine seltsame Auffassung von antiker Kriegführung, wenn er sie "Willkürakt bestialischer Unmenschen" nennt. Kriegführung der Antike war nach unseren heutigen Maßstäben meistens "Willkür" und "bestialisch", die Krieger wurden zu "Unmenschen". Das war durchaus "normal"!
All diese Fehldeutungen sind aber nicht verwunderlich, denn der Autor ist kein Historiker, sondern Humanbiologe und FOCUS-Journalist.
Ein kleines Positivum bleibt: der Bildteil und die gelungenen farbigen Karten.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 19, 2011 4:06 PM CET


1866: Bismarcks deutscher Bruderkrieg: Königgrätz und die Schlachten auf deutschem Boden
1866: Bismarcks deutscher Bruderkrieg: Königgrätz und die Schlachten auf deutschem Boden
von Klaus Müller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Deutscher Bruderkrieg, 1. April 2009
Klaus Müllers interessante Studie aus süddeutsch-österreichischer Perspektive vom Deutschen Krieg behandelt den Schlußpunkt einer mehr als 100 Jahre andauernden Auseinandersetzung zwischen Preußen und Österreich um die Vorherrschaft in Deutschland. Gingen beide Mächte 1864 noch zusammen gegen dänische Annexionsgelüste in Schleswig-Holstein vor, war dieses Bündnis auf Zeit zwei Jahre später bereits zerbrochen. Der deutsche Dualismus stand vor seiner Entscheidung, und die fiel zugunsten Preußens aus, das waffentechnisch und militärtaktisch den Österreichern überlegen war.
Bismarck ist bewußt gewesen, daß sich die Frage der Führungsmacht in Deutschland über kurz oder lang stellen mußte. Er war so kaltblütig, es darauf ankommen zu lassen und klug genug, den Krieg diplomatisch zu beenden, als die Machtfrage entschieden war. Denn durch einen klugen Friedensschluß konnte Bismarck sich Österreich als Bündnispartner für die Zukunft erhalten.
Klaus Müller zeigt auf, daß dieser Krieg kein rein deutscher, sondern eigentlich ein europäischer gewesen ist. Österreich kämpfte gleichzeitig an einer zweiten Front um Venezien gegen Italiener, und das durchaus erfolgreich. Aber wie später noch häufiger, konnte Italien als "Mitsieger" einen Erfolg einfahren, den es alleine nie errungen hätte. Auch Napoleon III. verfolgte den Krieg und fühlte sich nach Königgrätz um die Früchte seiner "ausgleichenden" Diplomatie betrogen, die dafür Sorge trug, Frankreich stets die Vorherrschaft in Europa zu erhalten. Die "Rache für Sadowa" sollte schließlich in den Krieg 1870/71 münden, den Preußen dann im Verbund mit nord- und süddeutschen Staaten siegreich ausfocht.
Müllers Buch ist sehr detailreich und mit zahlreichen Bildern ausgestattet. Er schildert nicht nur die Ereignisse, sondern führt viele heute noch existierende Denkmäler auf, die an den Krieg von 1866 erinnern.
Ein Manko ist in meinen Augen die Ungleichgewichtung der entscheidenden Ereignisse. Dem Fall "Königreich Hannover" und dem Schicksal seines Monarchen wird zuviel, der Entscheidungsschlacht in Böhmen zu wenig Aufmerksamkeit zuteil. Trotzdem ist das Buch sein Geld wert und jedem - neben dem Büchlein von Craig - als Ergänzung zu empfehlen.

Höhe- und Wendepunkte deutscher Militärgeschichte: Von Leuthen bis Stalingrad
Höhe- und Wendepunkte deutscher Militärgeschichte: Von Leuthen bis Stalingrad
von Franz Uhle-Wettler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

34 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unübertroffen, 30. Oktober 2008
Der Historiker und Generalleutnant a. D. Franz Uhle-Wettler legt nun bereits in dritter neu überarbeiteter Auflage das Standardwerk zur jüngeren deutschen Militärgeschichte vor. Erweitert um ein Kapitel zur Seeschlacht vor dem Skagerrak 1916, schildert er anhand von neun Schlachten, beginnend mit Leuthen 1757 und endend mit Stalingrad 1942/43, die Höhen und Tiefen des deutschen Soldatentums. Der Autor beschreibt außerordentlich spannend nicht nur das Schlachtengeschehen auf taktischer und operativer Ebene, sondern bettet das Ereignis in seinen historisch-politischen Zusammenhang. Außerdem befaßt er sich mit der wichtigen und leider bei etablierten Historikern selten behandelten Frage nach der Motivation des Soldaten. Dieses Problem beschäftigt den Autor als ehemaligen militärischen Vorgesetzten natürlich besonders und hier befindet sich Uhle-Wettler in seinem Element. Wieso gelang es deutschen Truppen so oft, gegen eine Übermacht von Feinden nicht nur durchzuhalten, sondern sogar zu siegen? Des Autors Antwort ist verblüffend einfach: zur Voraussetzung jeder erfolgreichen Truppenführung gehört zu allen Zeiten eine zeitgemäße innere Führung (41). Ohne eine vorzügliche Ausbildung der Führer, Unterführer sowie Mannschaften und die Bereitschaft der jeweils führenden Schichten, die Soldaten nicht nur in den Krieg zu schicken, sondern die Truppen selbst anzuführen, wäre die ungewöhnliche Motivation der einfachen Soldaten nicht denkbar gewesen. Hinzu kommt die aus der Auftragstaktik resultierende, zuweilen fast unglaubliche Selbständigkeit der Führer und Unterführer (180), was selbst bei Ausfall aller Vorgesetzten den Gefreiten befähigte, den Auftrag in Eigeninitiative auszuführen. Die Auftragstaktik ist es, die nach einhelligem Fachurteil die Überlegenheit deutscher Heere über beinahe 150 Jahre begründet. Hinzu tritt ein fast unglaublicher Ausbildungsstand, die Achtung der Würde des Soldaten und die zeitgemäße Humanität des preußisch-deutschen Disziplinarwesens (337).
Dank gebührt dem Verlag, der es möglich machte, diese unverzichtbare Untersuchung in ergänzender Überarbeitung neu herausgebracht zu haben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 21, 2009 8:07 AM MEST


Der Gulag
Der Gulag
von Anne Applebaum
  Taschenbuch

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Materialreiche Schilderung, 30. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Gulag (Taschenbuch)
Zu Beginn ihrer materialreiche Beschreibung des sowjetischen GULag-Systems konfrontiert Anne Applebaum sich selbst und die Leser mit dem Faktum, daß trotz millionenfacher Verbrechen der Sozialismus und seine Insignien sich immer noch einer gewisser Popularität erfreuen. Verwundert schreibt die Autorin, ein Hakenkreuz würde niemand auf dem T-Shirt tragen, Hammer und Sichel aber schon, obwohl unter diesen Symbolen erheblich mehr Menschen ermordet worden seien.
In der Einleitung vollführt Applebaum einen Eiertanz um die Geschichte der Lager und um die Vergleichbarkeit von GULag und deutschem KZ-Lagerkomplex. Am Dogma der qualitativen Einzigartigkeit von Auschwitz hält sie fest. Sie meint, in den Lagern der SU seien Häftlinge weniger durch Sadismus/ Brutalität gequält worden, als durch Teilnahmslosigkeit des Wachpersonals. Ob das den zu Tode Gemarterten ein Trost war, ist zweifelhaft. Trotzdem kann sie nicht umhin, Ernst Nolte zu bestätigen, ohne ihn freilich zu erwähnen: vor Auschwitz war der GULag.
Verdienstvoll ist zweierlei: einmal die Entlarvung der Legende, erst Stalin habe ein Terrorsystem errichtet. Sie zeigt auf, daß bereits Lenin die Einrichtung von Konzentrationslagern befahl und daß das Lagersystem nach Stalins Tod - im Umfang reduziert - weiterexistierte.
Zweitens macht sie deutlich, wie viele unterschiedliche Lagertypen es gab: Arbeitslager, Straflager, Besserungslager, Frauenlager, Kinderlager, Transitlager, Kriegsgefangenenlager, Sonderlager, in denen Wissenschaftler unter komfortableren Bedingungen für den Sieg des Sozialismus schufteten.
Vieles, was man hier liest, ist längst aus der Memoirenliteratur bekannt. Positiv ist, dieses Wissen in diesem spannend und flüssig geschriebenen Werk zusammengefaßt zu finden. Negativ anzumerken ist, daß Applebaum allzu sehr auf die Aussagekraft russischer Akten vertraut, wohlwissend, wie unzuverlässig die sowjetisch-russische Verwaltungsbürokratie ist.

Mussolini, Hitler und die Mafia im Krieg
Mussolini, Hitler und die Mafia im Krieg
von Tim Newark
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Langlebige Mythen widerlegt, 30. Oktober 2008
Der Autor umreißt in seinem Buch die Geschichte der Entstehung der sizilianischen Mafia, ihre Bekämpfung und Verfolgung durch das faschistische Regime Mussolinis und die daraus folgende Emigration vieler ihrer Mitglieder in die USA. Den faschistischen Behörden war es bis Ende der 20er Jahre gelungen, die Verbrecherorganisation weitgehend zu zerschlagen, indem sie durch rigorose polizeiliche Maßnahmen viele Verbrecher dingfest machte, Vertrauen in der Bevölkerung aufbaute und so das Schweigegelübde, die "omertà", aufbrach.
Der Mafia begann dann, sich in den USA - gestärkt durch die Blutzufuhr aus Italien - zu reorganisieren. Nach dem Kriegseintritt der USA kam es zu einer Zusammenarbeit mit den US-Behörden bei der Abwehr befürchteter Sabotageaktionen deutscher Agenten, die jedoch mangels deutscher Aktivitäten nicht zum Tragen kam. Vielmehr unterstreicht diese Kooperation, daß die US-Gewerkschaften durch Mafia-Angehörige kontrolliert wurden.
Ein angeblicher Plan des einsitzenden Mafia-Bosses Luciano, Hitler ermorden zu lassen, hat nie existiert. Letztendlich gab es unter den italienischen Mafiosi sowohl Anhänger als auch Gegner der Faschisten.
Amerikanische Gedankenspiele vor der alliierten Invasion auf Sizilien im Sommer 1943, sich eventuell der Hilfe der Mafia zu bedienen, kamen über die Theorie nicht hinaus. Die Alliierten besetzten die Insel nicht, weil die Mafia ihnen half, sondern durch beeindruckende logistische Leistungen und siegreiche Gefechte.
Tim Newark hat eine gut recherchierte Geschichte der Mafia bis 1945 geschrieben und zahlreiche Nachkriegsmythen widerlegt. Ein alliiertes Kriegskomplott, der Mafia in Sizilien wieder zur Macht zu verhelfen, hat es nicht gegeben. Vielmehr waren die Strukturen noch vorhanden, die nach dem Ende der faschistischen Repressionen mühelos wieder aktiviert werden konnten. Aber der Mythos scheint auch hier stärker zu sein als die harten Fakten der Realität.

Alternativen zu Hitler
Alternativen zu Hitler
von Klaus Hornung
  Gebundene Ausgabe

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine realistische Alternative, 27. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Alternativen zu Hitler (Gebundene Ausgabe)
Mit Klaus Hornungs Studie zum Wirken Wilhelm Groeners ab 1918 setzt sich ein Trend zur Untersuchung des Lebens vermeintlich demokratischer Generale in der Weimarer Republik fort, der seit einigen Jahren zu beobachten ist. Nach Büchern über General v. Schleicher und General von Hammerstein ist nun General Groener an der Reihe. Die im Titel schon auftauchende Leitfrage der Arbeit nach einer politischen Alternative zum Wirken Hitlers ab 1933 in Deutschland führt zwangsläufig auf das problematische Feld der kontrafaktischen (Was wäre wenn...) Überlegungen. Die Erörterung historischer Ereignisse unter diesem Aspekt ist aber nur dann fruchtbar, wenn diese Alternativen in ihrem historischen Kontext eine realistische Chance zur Umsetzung gehabt hätten. Dies trifft, man muß es wider den Intentionen Hornungs leider sagen, auf Groeners Konzeptionen nicht zu. Er gehört, wie Schleicher und Hammerstein, zu denjenigen, die das Beste gewollt haben, jedoch gescheitert sind. Gelang es Groener noch im Bunde mit Ebert in der Revolutionsphase, die Republik gegen die radikale Linke zu verteidigen, versagte die Politik der Einbindung gemäßigter Nationalsozialisten und Zähmung der Radikalen 1932/33. Groener kämpfte an zu vielen Fronten gleichzeitig, gegen das traditionelle Mißtrauen in der SPD gegen einen politisierenden General, gegen Vorbehalte in konservativen Militärkreisen gegen seine Idee eines Milizheeres nach Schweizer Modell, dessen Tauglichkeit als wirksame Defensivarmee reine Spekulation bleiben mußte. Zu Groeners alternativer Militärpolitik, d.h. zur Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands - was immer eine Aufrüstung bedeutet hätte - wäre es in der damaligen Staatenwelt durch Frankreichs Veto sicher nicht gekommen, und Polens jährliche Anfragen" (Stefan Scheil), doch gemeinsam Deutschland anzugreifen, wären dann in Paris sicher nicht auf taube Ohren gestoßen.
Trotzdem bietet diese Studie interessante Einblicke in die Politik der Weimarer Republik und zeigt auf, daß diese erste deutsche Demokratie weniger an der mangelhafter Zahl von Demokraten im Land gescheitert ist, als an den Beschwernissen der Versailler "Friedensordnung".

Paul Carell: Ribbentrops Pressechef Paul Karl Schmidt vor und nach 1945
Paul Carell: Ribbentrops Pressechef Paul Karl Schmidt vor und nach 1945
von Wigbert Benz
  Taschenbuch

19 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schmalbrüstig, 11. Januar 2008
Woher um alles in der Welt kommt nur der Irrglaube, die Bücher des Vielschreibers Paul Carell zählten zur bevorzugten Lektüre von Berufsoffizieren der Bundeswehr?
Muss man Offizier der Bundeswehr sein, um die Bücher Carells gern und mit Gewinn zu lesen? Genügt es nicht, sie zu studieren, weil sie Antwort geben auf die sehr wichtige Frage, warum so viele Soldaten der Wehrmacht mitgemacht haben ohne zu meutern?
Dieser wichtige Ansatz findet in dem Büchlein von Wigbert Benz keine Erwähnung. Überhaupt geht er mit keinem Satz der Frage nach, welche Wirkung die Bücher Carells auf seine Leserschaft hatten. Der Autor beschränkt sich in erster Linie auf zwei Aspekte: auf die Rolle Schmidt/Carells im Auswärtigen Amt und auf seine publizistische Tätigkeit bei SPIEGEL und bei Presseerzeugnissen aus dem Hause Springer. Diese Verengung des "Lebens" von Paul Carell auf zwei (sicher nicht unwichtige) Aspekte ist ein großes Manko des Buches.
Benz referiert kurz die wichtigsten Lebensdaten seines Probanden, erwähnt auch dessen "frühes" Eintreten in die NSDAP und seine Rolle als Gauredner. Nur, wer hier Konkretes erwartet hatte, wurde enttäuscht. Außer der Tatsache an sich, dass Carell Mitglied im "Kampfausschuss wider den undeutschen Geist" war, wird nichts berichtet. Mit was beschäftigte sich Carell in dieser Organisation? Was war seine Aufgabe? - Darüber bleibt der Autor jede Antwort schuldig !
Spekulationen darüber, er habe hier propagandistische Versatzstücke aufgeschnappt, die ihm später im Auswärtigen Amt nützlich waren, passen zwar in das Bild, das sich Benz von Carell macht, aber verifizieren kann er seine Vermutungen nicht.
Dasselbe gilt für die angebliche Rolle Carells bezüglich der Artikelfolge zum Reichstagsbrand. Außer Verdächtigungen kann Benz nichts bringen, Belege wieder einmal Fehlanzeige.
Zusammenfassend muss gesagt werden, das Buch hält nicht, was es verspricht. Wer eine fundierte Biographie erwartete, musste wohl enttäuscht werden. Dazu ist dieses Büchlein zu schmalbrüstig.

Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10