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Unruhr "Unruhr"

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Onkel Dagobert - Sein Leben, seine Milliarden: Die Biografie von Don Rosa
Onkel Dagobert - Sein Leben, seine Milliarden: Die Biografie von Don Rosa
von Don Rosa
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zur Rolle der Ente im Kapitalismus, 29. März 2010
Fünf Fantastilliarden und neun Trillionen Taler plus sechzehn Kreuzer - das ist das dokumentierte Vermögen Dagobert Ducks zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Biografie im Jahre 2006. Richtig: Die Erstausgabe ist schon ein paar Jahre alt. Und doch verdient die Biografie des reichsten - ääh - Mannes der Welt neuerliche Aufmerksamkeit, wenn allerorten die einst makellose Ideenwelt des Kapitalismus bröckelt und stürzt - zersetzt durch eine Schar unempathischer Parvenüs, denen es gelungen ist, einen ganzen Globus in Geiselhaft zu nehmen. Nur eben nicht Dagobert Duck, der sich auf seine Art der Kapitalismusdämmerung entzieht.

In insgesamt 18 Kapiteln plus zwei Bonusgeschichten (in der Ausgabe von 2008) erzählt uns Don Rosa die Lebensgeschichte der psychologisch vielschichtigsten Ente des Disney-Imperiums. Rosa, der - nicht ganz unumstritten, aber doch weitgehend anerkannt - als legitimer Nachfolger der großen Disney-Legende Carl Barks gilt, hat früh erkannt, dass Dagobert Duck zweifellos die widersprüchlichste und daher spannendste Figur Entenhausens darstellt. Vereint sie doch in sich zwei stets einander abstoßende Pole - den des Geizes und der Gier auf der einen und des Strebens nach Höherem und Besserem auf der anderen Seite. Nach seiner ersten Goldmillion am Klondike zieht Dagobert Duck - auf den verschlammten Straßen Dawson Citys stehend - gar das Leben eines Gönners und Gebers in Betracht: Vielleicht werde ich Menschenfreund. Ich könnte zum Beispiel die Straße hier pflastern lassen."

Schon seit Carl Barks diese Figur schuf, wissen wir, dass es anders gekommen ist. Dass seine Geschwister und Freunde ihn mit seinem aufzehrenden Geiz allein ließen und er erst durch Tick, Trick und Track und seinen Neffen Donald wieder von seinem lähmenden Phlegma befreit wurde. Und doch erfahren wir, warum aus dem kleinen, in Glasgow einst Schuhe putzenden Dagobert (oder Scrooge wie er im Original ja heißt) der knickerige Fantastilliardär wurde, der seinen Neffen stets mit 30 Kreuzern pro Stunde abspeist. Genau: Es waren diese Begegnungen mit den Parvenüs, Zockern, Kriminellen und nicht zuletzt Panzerknackern, die aus dem weltoffenen, idealistischen Schotten aus dem Clan der MacDucks, einen überaus misstrauischen, phobischen Erpel machten. Es sind die einschneidenden Erfahrungen, dass Freunde zu Neidern, Gunst zu Missgunst mutieren können und die Aussicht auf Reichtum Menschen bzw. Enten nicht zum Guten verändert.

Nun müssen wir nicht Don Rosas gebetsmühlenhaft wiederholten Beteuerungen glauben, dass Dagobert Duck stets nur auf ehrliche Arbeit und Offenheit setzte. Um so glaubhafter erscheint jedoch sein immer dann aufblitzender Gewissenkonflikt, wenn neben dem Geld als wichtigster Triebfeder plötzlich andere - eben höhere - Motive auftauchen. Dann erwacht stets die Gutente in Dagobert und ist gegebenenfalls sogar bereit, auf noch mehr Reichtum zu verzichten.

Was den reichsten Mann der Welt jedoch noch gravierender von den Bankstern" des 21. Jahrhunderts unterscheidet, ist sein Verhältnis zur Be- und Entlohung, seine Bereitschaft, hart zu arbeiten und auf spekulative Investments zu verzichten. Jeder Kreuzer des Duckschen Vermögens stammt aus der Realwirtschaft oder einem stets lebensgefährlichen Abenteuer. Wagemut, Können, Ehrgeiz und Leistung haben die einst demütige Ente zu dem gemacht, was sie heute ist: Dagobert Duck - der König des Klondike. Er war härter als die Härtesten und schlauer als die Schlauesten. Und er verdiente sein Vermögen auf ehrliche Art." So steht es an seinem Denkmal in Dawson City, wo er nach rund zwei Jahrzehnten erfolgloser Suche und weltweiter Jagd nach Glück seine erste Million verdient bzw. persönlich erschürft hatte.

Stets blieb er sich treu: Ich soll mein sauer verdientes Geld auf deiner schwimmenden Spielhölle ausgeben, Shandy Shofel? Niemals." Wie mag er da die nicht mehr schwimmenden, sondern zu Banktürmen aufgeprotzten Spielhöllen von heute kommentieren?

Nur der Kapitalismuslüge erlegene Hohlköpfe kann es daher überraschen, dass der reichste Erpel der Welt den neoliberalen Giftsprüchen das konsequente Horten entgegen setzt und sein Vermögen einfach in einem Geldspeicher anhäuft. Niemals hat sich ein Kapitalist der vermeintlich goldenen Regel des Kapitalismus - der permanenten Re-Investition - so konsequent verweigert. Das tägliche Bad im Geld wird somit zum Akt höchster Subversivität - und macht aus dem innerlich zerrissenen Dagobert Duck einen Helden unserer Zeit.

Don Rosa hat das kongenial in viele witzige, spannende, dramatische, aber auch tiefsinnige Geschichten übersetzt - stets bemüht um den exakten Bezug zum Barks'schen-Urimperium und sogar historische Genauigkeit. Ein Meisterwerk der Comic-Kunst und erhellender Beitrag zur Rolle der Ente im Kapitalismus.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 28, 2011 8:02 PM MEST


Fahrenheit 451: Graphic Novel
Fahrenheit 451: Graphic Novel
von Ray Bradbury
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Brennt in den Fingern, 29. März 2010
TV-Programme, die auf die komplette Wohnzimmerwand projiziert werden, Pillen zur Sedierung des Geistes, die aufgeklärte Gesellschaft am Ende. Klingt nach 2010. Ray Bradbury hat seinen Science-Fiction-Klassiker allerdings schon 1953 publiziert und das düstere Szenario einer vollkommen entmündigten Gesellschaft gezeichnet.

Diese Düsternis hat Tim Hamilton nach der Originalvorlage jetzt in finstere, gedeckte, flächig kolorierte und irritierende Bilder umgesetzt. Stets liegt ein Schatten auf den Gesichtern, ebenso wie auf den Straßen, der Stadt und dem ganzen, nicht näher bezeichneten Land. Grelles Licht werfen nur die brennenden Bücher, die - von mechanischen Hunden mit installierter Gilftspritze aufgespürt - von der Feuerwehr systematisch vernichtet werden. Zu groß scheint den unsichtbaren Mächtigen die Gefahr, die von ihnen ausgeht. Die ursprüngliche Funktion der Feuerwehr ist in Vergessenheit geraten.

Die Begegnung mit der freigeistigen, jugendlichen Clarisse und die Selbstverbrennung einer Buchbesitzerin werfen den zunächst systemkonformen Feuerwehrmann Guy Montag aus der Bahn. Doch der Wille zur Auflehnung keimte offenbar schon früher in ihm, denn auf seinen Einsätzen hatte er schon vorher einzelne Bücher mit zu sich nach Hause genommen. Sein Chef Beatty - selbst belesen, aber innerlich zerrissen und verbittert - schöpft Verdacht, von dem sich Montag nur befreien kann, indem er Beatty mit einem Feuerstrahl tötet. Die Verfolgungsmaschinerie läuft an.

Tim Hamilton hat die zersetzende Kraft einer geistig entleerten Gesellschaft quälend und zermürbend in Szene gesetzt. Bradburys negative Utopie taugt nach wie vor als Allegorie auf den Kampf zwischen einer nie klar erkennbaren, aber stets präsenten Obrigkeit und einer degenerierten, auf das bloße Konsumieren reduzierten Masse. Höhepunkt: Der kühl inszenierte Dialog zwischen dem zynischen, vor literarischen Zitaten strotzenden Beatty und dem um Normalität bemühten Montag. Bild und Wort zerren buchstäblich an den Nerven. In diesen Augenblicken brennt dieses Buch in den Fingern und gehört daher - ganz im Sinne Bradburys - gelesen.


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