Profil für Mario Lener > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Mario Lener
Top-Rezensenten Rang: 118.194
Hilfreiche Bewertungen: 122

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Mario Lener (Innsbruck)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2
pixel
Die Schöne und das Biest - Phantastische Artworks mit Matthias Schwaighofer
Die Schöne und das Biest - Phantastische Artworks mit Matthias Schwaighofer
Preis: EUR 45,86

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Biest mit kleinen Schönheitsfehlern, 9. Januar 2015
Nachdem es schon etliche sehr positive Rezensionen zu diesem Titel gibt, erspare ich mir, mich in die Reihe mit einer weiteren Lobhudelei zu stellen. Kurz und gut: Das Videotraining ist sowohl inhaltlich wie softwaretechnisch hervorragend gemacht. Hier gibt es (fast) nichts zu verbessern. Für mich eine klare Kaufempfehlung.
Aber ich möchte es mir nicht nehmen lassen, zwei kleine Kritikpunkte anzubringen:

1.) Die Bilder an sich – und an denen wird man als Fotograf/Bildmonteur (oder wie nennt sich das?) schließlich gemessen, auch wenn der Zweck dieses Workshops primär der didaktischer Inhalt ist.
Die Bilder sind alle sehr aufwändig hergestellt. Es mach großen Spaß, an den Fotosessions teilzuhaben und auch die anschließende Bearbeitung in Photoshop ist ungemein lehrreich. Andererseits überzeugen mich die Bilder, bis auf das letzte mit dem Shrek, nicht restlos.
Beim Bild Dracula mit Opfer beschreibt Schweighofer zB. vor der Bildmontage ein Kleid, das nach unten hin wallender wird und dann am Rand in Fledermäuse oder Blätter übergeht. Beim Zusehen dachte ich mir Buoaaa – darauf freue ich mich. Letztlich hat er aber das Kleid unten mit einer imho unnötigen Brücken/Burg-Konstruktion überdeckt. Dieser wallende Übergang (gabs den überhaupt?) geht vollkommen unter – was eigentlich schade ist. Außerdem zieht diese Burgszene die Blicke auf sich, was wiederum vom hübschen Model und dem Dracula selbst ablenkt.
Das Bild mit der Krake – nebenbei die meiner Ansicht nach tollste Bildidee – ist auf den ersten Blick ein echter Hingucker. Bei längerer Betrachtung jedoch schleicht sich immer mehr das „hmmm – irgendwas ist faul“-Gefühl ein. Ist es die schlussgefolgerte, sehr seltsame Anatomie des Kraken, die entsteht, wenn man sich das Vieh anhand der aus dem Wasser auftauchenden Arme bildlich vorstellt? (Vielleicht ist der ja an der Küste vor Fokushima vorbeigeschwommen) Schweighofer überlegt sich die Lichtsituation sehr genau – aber wenig Gedanken verschwendet er daran, wie ein von unten angreifender Krake wohl aussehen müsste. (Strahlenförmig nach außen – alle Pümpelseiten nach oben und vor allem – alle Arme gleich groß – nicht einer viel kleiner, nur damit er gut über die Frau drüberpasst. Oder man hätte diesen einen kleineren Arm als das Ende eines Fangarms darstellen müssen, dessen Anfangsteil sich ebenfalls irgendwo im Wasser rumwindet.) Oder stört mich die nicht zusammenpassenwollenden Versatzstücke Mast mit drüberliegendem Fangarm? Oder das Feuer? Ein Holzschiff wird von einem Riesenkraken in Stücke gerissen, (binnen Minuten – denke ich) - dennoch fängt das Schiff Feuer? Was es nicht gibt. Nicht etwa leicht brennbare Sachen wie Segel udgl. sondern der gem. allgem. Logik entsprechend sehr viel schwerer brennbare Rahmast(!). Wie ist denn das Feuer überhaupt da rauf gekommen? Ein unversehrtes Segel hängt an besagtem Mast nämlich noch dran. Ich bin mir nicht sicher, was mich (sanft) stört – aber irgendwas ists halt.
Das Glöcknerbild – das das Pärchen durch die (zerstörte?) Kirchenscheibe zeigt, ist nicht als Glöckner von Notre Dame und Esmeralda zu erkennen, würde man nicht durch den Bildtitel mit dem Holzhammer draufgestoßen werden. Eine blonde Esmeralda? Schließlich geht’s um Photoshop – warum ihr also keine neue Haarfarbe verpassen? Ein Glöckner mit einer Silikontitte im Gesicht? Warum stellt man den Buckel nicht in den Vordergrund (eindeutiges Identifikationsmerkmal) warum kein Originalfoto der Notre Dame bzw. einer dort bef. Brüstung? Warum diese Comic-Wasserspeier? Soll das eine Hommage an Peter Braunschmid sein, nach dem Motto: Oh, der hat das aber toll gemacht, mit den bunten Wasserspeiern, dem sein Video muss ich mir auch gleich holen? Warum verwendet Schweighofer ein chem. Formelsymbol, um die Fenster zu zeichnen? Warum sind in so unregelmäßigen (also zerstörten?) Fenstern noch intakte Glasscheiben? Warum sind die Glasscheiben so pastellfarben gefärbt, dass man sie auf den ersten Blick nicht als Glasscheiben erkennen kann?
Beim Phantom der Oper stört mich, dass sich die Beiden zwar mit einem Leuchter den Weg suchen müssen, aber von hinten knallt die Sonne (Sonnenuntergang) durch ein riesiges Fenster rein. Eigentlich schade um das tolle Vordergundbild und um die tolle Kirchenaufnahme. Die gehen beide nämlich in dem milchigen, kontrastarmen Lichtfleck unter. Eigentlich würde man durch die Abendsonne harte Kontraste (Schatten) erwarten – es sei denn, die Kirche ist mit Nebel gefüllt. Ist sie das denn? Überhaupt ist manchmal weniger (Licht) mehr. Wie toll hätte dieses Bild als low-key-Aufnahme gewirkt – nur durch den Kerzenleuchter im Gesicht bzw. der Vorderseite der Models beleuchtet? Aber gut – Geschmäcker sind halt verschieden.

2.) Mein zweiter Kritikpunkt: Die sprachliche Umsetzung.
Schweighofer hat eine angenehm lockere Art, sich durch die Thematik zu hanteln. Dennoch stört mich die holprige Art, sich ständig für seinen Dialekt zu entschuldigen („…sagt man bei uns…“) und ständig andere Dialekte (Rheinländer „sch“ und berlinerisch, glaube ich erkannt zu haben) nachzuäffen bzw. sich an denen zu versuchen. Authentischer kommt man imho rüber, wenn man zu seiner süddeutschen Akustik steht, und die konsequent durchzieht. Sooo unverständlich spricht Schweighofer ja bei Gott nicht. Es muss ja nicht so Elefant – in – Porzellanladenmäßig sein, wie in den Videos von P. Braunschmid, der sein Wienerisch stellenweise gegelrecht zelebriert, so dass man fast den Eindruck hat, es ginge ihm gar nicht darum, einen Workshop abzuhalten, sondern den Zusehern sein Wienerisch zu präsentieren. Man könnte es ein wenig mit Paracelsus halten, der schon gemeint hat, die Menge mache das Gift.
Neben diesem Punkt könnte man auch auf sprachliche Details, wie das „Fakt ist“ achten, das stellenweise mit der Frequenz einer kaputten Schallplatte daherhüpft.

Nachbemerkung zur Kritik:
Alles in allem sind die Punkte von oben natürlich Jammern auf sehr hohem Niveau und zur Ehrenrettung sei gesagt, dass Schweighofer einige Sachen vermutlich nur aus didaktischen Gründen, nicht notwendigerweise für ein perfektes Endprodukt gezeigt hat. Schließlich ist das ein Photoshop-Workshop – keine Vernissage für perfekte Bildmontagen, und dieser ist – wie anfangs schon erwähnt, perfekt gelungen. Schweighofer bzw. Galileo-D. spielen mit diesem Produkt sicher in der Oberliga dieser Thematik und es fällt schwer, wie oben erwähnt, nicht in Lobhudelei zu verfallen. Das beste Lob für ein Produkt ist – so könnte man es vielleicht sagen: Je spitzfindiger die Kritik ist, desto besser das Produkt. Und vor allem: Wichtiger als alle Sternebewertungen ist vielleicht die Info, dass ich mir nach diesem Teil, auch die anderen Videotut. von Schweighofer holen werde. In diesem Sinne – vier Sterne – schließlich will ich der erste sein, der (bis dato) eine andere als eine 5-Sterne Bewertung abgibt. ;-)


Die Frau in Schwarz: Roman
Die Frau in Schwarz: Roman
von Susan Hill
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Verrückte aus dem Watt, 7. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Frau in Schwarz: Roman (Taschenbuch)
Seit dem ich vor Jahren, seit dem ich die geniale Verfilmung aus dem Jahr 1989
([...]), gesehen habe, bin ich hinter diesem Buch her. Als ich dann vor etwa einem halben Jahr den Termin für die Neuauflage entdeckt habe, wurde der Termin sofort rot im Kalender angestrichen.

Die Frau in Schwarz von Susan Hill ist ein klassischer Horrorroman, in dem alle Versatzstücke für schlaflose Nächte enthalten sind. Das Spukhaus in einer gottverlassenen Einöde, eine wirklich teuflische Protagonistin, Nacht, Sturm, einfach alles, was man für eine gepflegte Gänsehaut benötigt. Da dieser Roman aber vor allem durch die o.a. Verfilmung bekannt wurde, werde ich um einige Querverweise nicht herumkommen. Allerdings kenne ich die Neuverfilmung mit Daniel Redcliffe nicht, weshalb sich diese Verweise immer auf die alte beziehen.

Handlung:
Zu der Handlung ist nicht viel zu sagen; würde sie alleine beurteilt werden, wäre man gezwungen, 5 Sterne zu vergeben. Die Geschichte könnte man sozusagen als Mutterschiff der Spukhausromane bezeichnen. Neben ihr sehen die Versuche von King, Laymon und Co. blass aus.

Umsetzung:
Eine Schwäche des Romans sehe ich in der Umsetzung der Grundidee. Anfangs war ich begeistert von der eloquenten Art, schon von Anfang an eine düstere Atmosphäre zu schaffen. Leider wird diese nicht vollständig durch die Handlung getragen. Irgendwann kippt die Erzählform. Man hat dann fast den Eindruck, als wolle die Autorin das Buch so schnell wie möglich hinter sich bringen, was eigentlich schade ist, hätte die Handlung doch noch deutlich mehr Potenzial gehabt. Die letzten Szenen werden eilig heruntererzählt. Interessanterweise nutzen die Filmemacher (Hinweis: Alte Verfilmung!) gerade diese Schlussphase sehr geschickt. Genau hier findet sich die legendäre "Bettszene", die wohl jedem Seher eine Gänsehaut über den Körper gejagt hat. Im Buch werden diese ganzen Folgeereignisse sehr unspektakulär fertigerzählt, als habe man noch einen Termin und wolle die lästige Handlung nun endlich abschließen. Anders ist auch nicht zu erklären, dass das Buch auf lächerlichen 202 Seiten Platz findet - also mehr Broschüre als Buch.

Sprache:
Eine große Stärke der Autorin ist die Sprache. Wie schon eingangs erwähnt, versteht es die Autorin, sie einzusetzen. Leider nur bis zur Schlussphase, in der die Handlung aus der Perspektive des Protagonisten im Rückblick erzählt wird.

Fazit:
Trotz schwächen ist und bleibt die Frau in Schwarz mein absoluter Favorit bei den Schauerromanen. Ein Sprint der Spannung von 0 auf 100 in Rekordzeit; leider geht dem Sprinter auf den letzten Metern die Puste aus. Es bleibt ein Highlight der Horrorliteratur, das die Autorin mit ein klein wenig guten Willen, zur Perfektion hätte treiben können.
Sie hat es nicht getan.

Noch ein abschließendes Wort zur (alten) Verfilmung:
Die Handlung bleibt nahe am Buch, weicht aber in einigen Details von ihm ab, was der Spannung ab und zu sehr zuträglich ist, was aber auch einige Fragen offenlässt.
Gerade die Atmosphäre des Buchs wird in dieser Verfilmung genial eingefangen. Die Frau in Schwarz ist eine der wenigen Verfilmungen, bei denen ich eigentlich keine Neufassung "gebraucht" hätte. Die neue Version mit Harry Potter alias Daniel Redcliffe hat mich bisher noch nicht besonders gereizt, obwohl ich mir sehr sicher bin, dass ich mir die DVD zu später Stunde noch ansehen werde.

Vier von fünf Sternen für meinen persönlichen Spukhaus-Favoriten.

Nachtrag zur neuen Verfilmung:
Anfangs war ich enttäuscht, dass die Buchvorlage so verstümmelt wurde; das Verhältnis zum Chef, die Dorfbewohner, der Wirt, so gut wie kein Detail, das in der Anfangsphase nicht verändert wurde. Allerdings musste ich mir selbst eingestehen, dass diese Veränderungen die Geschichte stimmiger machten. Warum sonst würde wohl der gute Kipps in Erwägung ziehen, in DIESEM Haus zu übernachten, wenn ihm in unmittelbarer Nähe beim Wirt ein angenehmes Zimmer, freundliche Menschen und gutes Essen zur Verfügung stehen? So weit so gut.
An sich wechselt die Neuverfilmung vom Mystery- zum klassischen Horrorgenre. Die Stimmung ist von Anfang an unangenehm, dennoch will die düstere Atmosphäre, die das Buch so genial vermittelt, nicht so recht aufkommen. Wenig hilfreich ist da auch das typische Spukhaus-Klischee. Spukhäuser in amerikanischen Filmen (oder war dieser etwa aus GB?) sind grundsätzlich mit dunkel getäfelten Wänden, Spinnweben, die so dicht sind, dass man sich einen Pullover draus stricken könnte und altem Gerümpel vollgestellt. Jeder Antiquitätenladen würde vor Neid erblassen.
Angenehm überrascht war ich, dass die Spannung dann doch sehr schnell Fahrt aufnimmt und eine Gänsehaut die nächste jagt. Anders als im Buch steigert sie sich von Minute zu Minute, bis das Ganze in einem furiosen Finale endet, das zwar nichts mit dem Buch zu tun hat, aber das dennoch sehr originell ist. Sogar die IIIIIIIIHHHHHHHH-Szene hat es in die Neuverfilmung geschafft - was mich sehr gefreut hat :-)

Fazit: Anders als das Buch, aber 4 von 5 Sternen auch für die Neuverfilmung.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 30, 2012 11:10 PM MEST


Geisterfjord: Island-Thriller
Geisterfjord: Island-Thriller
von Yrsa Sigurdardottir
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wutbürger in den Fjorden, 28. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Geisterfjord: Island-Thriller (Taschenbuch)
Ein Ehepaar will zusammen mit einer Freundin in einem gottverlassenen Fjord ein Haus renovieren. Gleichzeitig wird ein Psychiater durch einen Einbruch in einen Kindergarten mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Sigurdardottir lässt diese beiden Handlungsstränge nebeneinander verlaufen um sie zum Schluss schließlich auf schreckliche Art miteinander zu verknüpfen.
Das ist der Stoff, aus dem Schauerromane gemacht sind. Die pittoreske Landschaft Islands scheint für dieses Genre wie gemacht zu sein. Yrsa Sigurdardottir wählt die Schauplätze ihres Romans sehr gut; die Ortschaft Hesteyri, die es nebenbei bemerkt, wirklich gibt, wirkt wie eine natürlich gewachsene Kulisse für einen Horrorthriller.
Eines vorweg: Das Buch sollte nicht von Leuten mit schwachen Nerven gelesen werden. Gerade die Szenen in Hesteyri sind starker Tobak. Die Geschichte wird an keiner Stelle langweilig und man fiebert der Auflösung zum Schluss entgegen, die einige Überraschungen bereithält. Die Geschichte selbst findet im Handlungsstrang des Psychiaters Freyr statt; Hesteyri ist dagegen vor allem Schauplatz von Gruselszenen.

Sprache:
Sigurdardottir setzt sie nicht sehr geschickt ein. Überhaupt hätte dem Buch ein gründliches Lektorat gut getan. Es gibt viele holprige Wortwiederholungen (Bsp.: "...und klemmte ihre Finger zwischen seine großen, kräftigen Finger"), seltsame Ausdrucksweisen oder ungeschickte Formulierungen (Bsp: "[die Wahrsagerin] mitten im Satz sitzen zu lassen und in die Küche zu hechten") Aber das ist nicht das größte Problem. Am meisten stört das sehr rudimentäre Heruntererzählen der Handlung. Es gibt nur sehr selten Landschaftsbeschreibungen oder Beschreibungen von Häusern, Booten o.ä., die in der Handlung gerade eine Rolle spielen. Anfangs gehen die drei Hesteyri-Protagoniten einfach nur in ein Haus. Es ist ein Haus, nicht mehr und nicht weniger. Wie viele Stockwerke es zum Beispiel hat, kann man letztlich nur aus der verlaufenden Handlung herauslesen. So gibt es irgendwann ein Dachzimmer, es gibt eine Treppe in den oberen Stock, also wird es wohl ein Erd- und ein Obergeschoss mit ausgebautem Dachboden sein. Beim Lesen musste ich ständig mein Bild von den Dingen ändern, weil die Handlung nicht mit meiner Vorstellung übereingestimmt hat. Es ist von einer Terrasse die Rede, also baut man sich in Gedanken eine Terrasse an das Haus, bis man merkt, dass hier wohl eine Übersetzungsschlamperei vorliegt und die Terrasse wohl eher eine Veranda ist.

Handlung
Sigurdardottir knüpft ein weitläufiges Handlungsnetz über viele Personen und sogar Zeiten. Letzten Endes soll hier ein schlüssiges Gesamtbild entstehen, das alles miteinander verknüpft. Leider gelingt das nicht vollständig. Es bleiben im Großen und Ganzen zwei Fragmente, die irgendwie lose nebenher existieren. Da wäre zum einen das Verschwinden eines Schülers, das schon mehrere Jahrzehnte zurückliegt und zum anderen das Verschwinden von Benni, Freyrs Sohn. Die Verknüpfung der beiden wirkt zum Schluss doch stark an den Haaren herbeigezogen. Der Handlungsstrang in Hesteyri dient wie gesagt zunächst nur, um einen schaurig, abgelegenen Schauplatz zu errichten. Hier entstehen viele gruselige Szenen trotz der schwachen sprachlichen Umsetzung. Für meinen Geschmack verschießt die Autorin ihr Pulver allerdings zu vorschnell. Irgendwann wiederholen sich die Szenen und sie braucht Lückenbüßer, wie die Übernachtung in dem Ärztehaus, in dem über Beziehungsprobleme sinniert wird, was angesichts der Probleme der Gruppe etwas seltsam wirkt.

Fazit:
Man sollte bei Gruselgeschichten tolerant mit Handlungslücken und Unschlüssigkeiten umgehen. Es geht nicht wie in einem Krimi um die restlose Aufklärung aller Details, sondern um die schaurige Atmosphäre. Leider leidet diese unter der schwachen sprachlichen Umsetzung. Die Handlungsschauplätze sind gut gewählt und wären prädestiniert für einen solchen Roman. Letztlich ist eine spannende, schaurige Geschichte herausgekommen, die nie langweilig wird, die aber ihr Potential bei weitem nicht nutzen kann - daher nur drei von fünf Sternen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 12, 2012 7:50 PM CET


Der verborgene Garten
Der verborgene Garten
von Kate Morton
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen 5 Generationen, und ein Hexenschuss, 20. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Der verborgene Garten (Taschenbuch)
Cassandra, eine junge Australierin, begibt sich nach dem Tod ihrer Großmutter nach England, um nach ihrem Erbe und ihren Wurzeln zu suchen.

Zugegeben, diese Geschichte hätte Potential. Leider ist die Umsetzung etwas in die Brüche gegangen. Die Geschichte wird in unzähligen Rückblenden über hauptsächlich drei, tatsächlich aber noch mehr Zeitebenen erzählt.
Meistens enthalten die Rückblenden unnötigen Handlungsballast, der wenig mit der eigentlichen Handlung zu tun hat, wie zum Beispiel die Geschichte des verschrobenen Onkels mit seiner Kamera und den (missglückten) Bildern, die ihm, achherrje, vom Wind entrissen und aufs Meer getragen werden, na sowas aber auch, oder die Geschichte von Elizas Bruder, oder der Episode, wie Cassandra zu ihrer Großmutter kommt, und und und.

Die Handlung plätschert vor sich hin, man bemüht sich, in den vielen, vielen Rückblenden nicht verloren zu gehen und zeigt Sitzfleisch, akzeptiert einen Hexenschuss, weil man über dem Buch eingeschlafen ist, und eine Handlung, die sich wie zäher Kaugummi in die Länge zieht. (Vermutlich wurde die Autorin pro Dekagramm Buch bezahlt)

Irgendwo im Nirgendwo dieser bis dahin sehr schwachen Geschichte, die auch nicht besonders wortgewaltig erzählt wird, merkt man plötzlich, dass endlich ein Funken Hoffnung auftaucht. Man ahnt, was denn der Sinn dieser ganzen vielen, vielen Zeitreisen sein könnte und wird bestätigt, spätestens dann, wenn man noch einmal im Klappentext nachliest, den man bis zu dieser Stelle wieder vergessen hat. Wenn man allerdings dort nachgelesen hat, erfährt man nicht nur die eigentliche Handlung, sondern auch deren Auflösung und wundert sich: Sollte es das etwa schon gewesen sein? Das Auftauchen des Rätsels und dessen Auflösung fallen zusammen, da die Auflösung nicht nur schon mehr oder weniger im Klappentext zwischen den Zeilen steht, sondern auch die einzig plausible Möglichkeit einer Auflösung ist. Die Autorin bemüht sich, ab dieser Stelle immer wieder ein paar Brotkrumen zu legen, die den Leser woanders hin führen sollen; der Leser soll wohl ein wenig abgelenkt werden um mehr Spannung zu empfinden. Aber die angebotenen Alternativen sind allesamt zu abenteuerlich oder zu weit hergeholt, als dass sie ernsthaft in Betracht kämen. Und so weiß man allerspätestens etwa ab Seite 100 was passiert ist. Ab diesem Zeitpunkt könnte man das Buch getrost ins Regal stellen, aber täte man das, würde man die hinteren Kapitel versäumen, die durchaus etwas mehr an Spannung zu bieten haben. Anmerkung: Das Wort "Spannung" wurde an dieser Stelle sehr wohlwollend gebraucht.
Es gibt auch ein paar kleinere Ungereimtheiten, die sich aufklären; das ist schön, man nimmt schließlich, was man kriegen kann. Was gibt's noch? Ach ja, einen Tonkrug, der in eine geheime Rocktasche gegeben wird und der sich, nachdem er zusammen mit dem Rock - na ja, und noch was anderem, vergraben wurde, von alleine weiter ausgräbt, damit man ihn findet, bevor man den Rest entdeckt. Eine Liebesgeschichte gibt's auch noch, denn die durfte ja auf keinen Fall fehlen. Und der einzige Hinweis auf das ach so düstere Familiengeheimnis ist der Name des Hauses: Blackhurst Manor!!! Also wenn ein Haus so heißt, MUSS darin ja was ganz geheimnisvolles, gruseliges passiert sein. Was war das noch mal gleich???

Kritikpunkte:
Abgesehen von der eher seichten Handlung, die am Reißbrett künstlich verkompliziert wurde, fallen die Protagonisten auf, die allesamt nicht besonders glaubwürdig rüberkommen. Dies ist mein erster Hauptkritikpunkt. Interessanter hätte man die Entwicklung der Beziehung zwischen Rose und Eliza gestalten können. Diese sollen ja in ihren Jugendjahren die dicksten Freundinnen gewesen sein, was man aber erst hinterher durch einen Brief mitgeteilt bekommt. Das erste Treffen verläuft genauso frostig, wie der Rest der Beziehung zwischen den beiden. Dass die beiden einmal befreundet gewesen sein sollen, spürt man zu keiner Zeit.
Man hätte diesen Roman auch um diese Entwicklung herumschreiben können; ergänzt mit der wer ist wessen Kind Geschichte sogar mit mehr Potential als diese Rückblendenorgie, deren Sinn dem Leser bis zum Schluss verborgen bleibt.

Zweiter Kritikpunkt sind eben genau diese Rückblenden. Irgendwo bei den Autorenratgebern, habe ich unter der bei den do's und den don't's die Rückblenden ganz oben in der zweiten Liste gefunden. Warum? Weil wenn man sich als Leser in die Handlung eingelebt hat, will man auf keinen Fall herausgerissen und in eine andere Zeit katapultiert werden, nur um zu erfahren, wie sich der Protagonist als Kind beim Nasepopeln fühlte. Rückblenden akzeptiert man als Leser, wenn es um etwas Wichtiges und/oder Handlungsrelevantes geht; darum schert sich die Autorin einen Dreck. Man kann auch nicht sagen, sie wäre in die Rückblendenfalle getappt, denn in ihrem Fall ist es keine Grube, sondern ein regelrechter Marianengraben. Warum musste man zum Beispiel miterleben, wie Nell die Häuser kauft?? Muss man sich an dieser Stelle ein Stück gruselige Vorahnung herausquetschen? Was hat es denn mit dem Onkel und seinem muffeligen Geruch auf sich? Ist die Beziehung zu seiner Schwester denn sooo wichtig, dass wir das unbedingt miterleben müssen? Gut - man erfährt den Grund für Elizas Aufenthalt auf Blackhurst Manor, aber das hätte man auch pfiffiger in die Handlung einbauen können, ohne sich in Schmachtfetzenabschnitten über seine verlorene Schwester zu wälzen.

Eigentlich wollte ich einen Stern vergeben, aufgefettet vielleicht durch einen Extrastern für den spannenden Schlussteil mit dem Tonkrug, der sich selbst ausgräbt und so, aber mein Hexenschuss erlaubte mir nur eine Bewegung bis herunter zu den drei Sternen. Also sei's drum.


Was in zwei Koffer paßt: Klosterjahre
Was in zwei Koffer paßt: Klosterjahre
von Veronika Peters
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das kommunistische Sozialexperiment, 27. November 2011
Veronika Peters, die Autorin und Protagonistin dieses autobiographischen Romans, entschließt sich ins Kloster zu gehen. So weit, so gut und an sich weder neu noch besonders interessant. Eigenartig an dieser Geschichte ist nicht so sehr der Eintritt in das Benediktinerinnen-Kloster, sondern mehr die Motivation, die sie dazu treibt, aber dazu später.
Ausschlaggebend für den Eintritt ins Kloster war ein Erlebnis mit einer Nonne: Sie trifft auf diese und sieht in ihr eine Abgeklärtheit ohne übertriebener Abgehobenheit, die spirituellen Menschen oft innewohnt. Sie glaubt einen sehr weltlichen Bezug zu sehen, der sie fasziniert und veranlasst, zunächst ein paar Wochen auf Probe in das idyllisch gelegene Koster zu gehen. Letztlich entschließt sie sich, alles hinter sich zu lassen und es mit dem Klosterleben zu versuchen, ein Versuch, der schließlich scheitert, wie schon aus dem Klappentext zu entnehmen ist.
Die Motivation für diesen Schritt ist eigenartigerweise nicht die Suche nach Spiritualität, nach religiöser Erfüllung oder nach Gott, sondern einfach nach einem Leben in einer Gemeinschaft, die ihrer Ansicht nach, nach ihren eigenen Regeln lebt - gewissermaßen als kommunistisches Sozialexperiment.

Dieses Buch ist die Geschichte einer Frau, die sich selbst für viel intellektueller und damit besser hält, als den gemeinen Pöbel, der ihr immer wieder auf der Straße über den Weg läuft und der sie mit etwas belästigt, das sie als Volksfrömmelei abtut. Sich selbst sieht sie abgehoben, intellektuell entrückt, schließlich liest sie ja Rilke. Zu ihren Mitschwestern findet sie nie richtig Anschluss, sie versteht bis zum Schluss nicht warum. Sie möchte zu einer Gemeinschaft gehören, die aber andere Motive für das Zusammensein hat, als sie. Bemerkungen über die Suche nach Gott, findet sie befremdend. Das Kruzifix in ihrem Zimmer hängt sie schon am ersten Abend im Koster ab - sie meint, sie finde, Bilder von Leichen machen ihr Angst. Eigenartigerweise ist sie, die sich selbst für so intellektuell hält, vollkommen lernresistent. Nicht einmal als ihre beste Freundin, Schwester Paula, auf eine Art und Weise stirbt, die ihr zu denken geben sollte, beginnt sie ihre Haltung in Frage zu stellen. Sie quittiert es mit: "...tot, ist tot...ist tot".
Bis zum Schluss sucht sie die kommunistische Essenz in ihrem Dasein und in dem der Mitschwestern, aber als ihr die Äbtissin die Leitung des Klosterladens überträgt, eine Tätigkeit, die sie mit dem verhassten Kapitalismus verbindet, beginnt sie zu verstehen, dass ein Kloster wohl doch keine Kommune im Sinne ihrer Ideologie ist. Sie verliebt sich schließlich und verlässt das Kloster.
Das eigentlich tragische an der Geschichte ist, dass die Protagonistin vor allem deshalb nichts lernt, weil sie sich für so intellektuell und damit den anderen überlegen fühlt. Sie hält es nicht für möglich, dass sie diejenige sein könnte, die etwas ganz grundlegend nicht verstanden hat. Und so schließt sie mit den Worten, sie würde sich mit Abschieden nie lange aufhalten, sie würde einfach weitergehen. Ironischerweise weist sie darauf hin, dass es in anderen Kulturen üblich sei, einige Zeit im Kloster zu verbringen, um etwas zu LERNEN - ironisch deshalb, weil gerade sie in zwölf Jahren eben nichts gelernt hat, abgesehen von der Tatsache, dass ein Kloster eben keine Kommune im Sinne eines Karl Marx oder einer Rosa Luxemburg ist, eine Erkenntnis, zu der ein weniger intellektueller Mensch in weniger als einer Minute gefunden hätte. Sie hatte alle Chancen, gute Lehrerinnen und Menschen, die ihre Weisheit mit ihr teilen wollten, aber sie lehnt alles ab, weil sie sich ihnen überlegen fühlt. Und so endet dieses belanglose Buch über eine belanglose Frau mit einem belanglosen Finale. Ein Buch, in der bei der Protagonistin nicht die geringste Entwicklung zu erkennen ist, ein Buch, das man schnell wieder vergisst. Ein Stern als schlechteste Bewertung, und ein Extrastern für den (mäßigen) Unterhaltungswert, den dieses Buch zweifellos hat.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 13, 2012 11:03 AM MEST


Bevor ich sterbe: Roman
Bevor ich sterbe: Roman
von Jenny Downham
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die junge Frau und der Tod, 17. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Bevor ich sterbe: Roman (Taschenbuch)
Wenn Materie auf ein schwarzes Loch zutreibt, wird es von ihm verschlungen; zuerst langsam, dann unaufhaltsam immer schneller. Es gibt eine Grenze, ab der es kein Zurück mehr gibt; den Ereignishorizont.
Das Buch beginnt, als Tessa, die Protagonistin des Buchs, den Ereignishorizont des Todes bereits überschritten hat. Es gibt unzählige Bücher über den Teenager-Tod-Konflikt. (Nicht notwendigerweise mit Teenagern) Oft enthalten sie die Botschaft: Vor dem Sterben noch einmal richtig Leben. Die Löffelliste, die im Klappentext angedeutet wird, ist ein Hinweis auf diesen Plot, die Liebesgeschichte ebenfalls. Aber wer glaubt, in "bevor ich sterbe" geht es um eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer schweren Krankheit, der irrt. Es geht auch nicht um eine Löffelliste oder um die problematische Beziehung zur Familie und/oder Freundin.
Die Geschichte von Tessa ist die einer verzweifelten jungen Frau, die sich um ihr Leben betrogen fühlt. Sie wird die Dinge, die für andere normal sind, niemals erleben. Sie wird keine eigene Familie haben, keinen Beruf erlernen, kein eigenes Haus kaufen. Tessa ringt mit sich selbst; befindet sich irgendwo zwischen Verzweiflung und Wut auf diejenigen, die ihr Leben fortsetzen können. Vor diesem Hintergrund sind die ganzen Handlungen zu sehen. Tessa hat eine Löffelliste, aber nicht um noch ein letztes Mal zu leben, sondern um trotzig dieses Leben einzufordern, um das sie sich betrogen fühlt. Ebenso fordert sie Liebe ein, als sie den gar nicht mal so attraktiven Adam kennenlernt. Den Luxus, beleidigt zu sein, wenn der Auserwählte sie vor den Kopf stößt, kann sie sich nicht leisten. Sie bleibt hartnäckig und fordert weiterhin ein paar Versatzstücke ihres Lebens ein.

"bevor ich sterbe" ist keine Liebesgeschichte, keine Löffellistengeschichte oder etwas in der Art. Es ist das Psychogramm einer verzweifelten, sterbenden jungen Frau.

Das Buch ist starker Tobak und sicher nichts für schwache Gemüter. Der Kampf mit sich selbst ist das eigentliche Thema dieses Buchs (der Kampf mit der Krankheit ist schon verloren) und die Darstellung ist hervorragend gelungen.
Ein kleiner Kritikpunkt wäre anzumerken: Für meinen Geschmack war die Darstellung der Nebendarsteller etwas zu weichgespült. Anfangs hielt ich es für einen großartigen Ansatz, einen Konflikt von Tess mit ihrer besten Freundin zu konstruieren, bis sich herausstellte, dass es diesen nicht gab, dass die Freundin nur mit ihren eigenen Dämonen rang. Die Umgebung von Tess ist zu perfekt, ein wenig mehr Reibungspunkte hätten hier nicht geschadet. Es wäre interessant gewesen, zu sehen, wie sehr die Situation die Familie belastet.
Bei den vorigen Rezensionen habe ich zu leichtfertig 5 Sterne vergeben. Ich möchte mir diese Bewertung in Zukunft für das perfekte Buch, von dem ich sicher bin, dass es es gibt, aufbewahren. Daher meine Höchstnote: 4 Sterne.


Forbidden
Forbidden
von Tabitha Suzuma
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gute Nacht, John Boy..., 1. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Forbidden (Gebundene Ausgabe)
Ich bin auf dieses Buch durch eine Empfehlung im Romane-Forum bei Amazon aufmerksam geworden und war neugierig, wie die Autorin diesen Spagat zwischen den Geschwistern auf der einen Seite und der Beziehung auf der anderen hinkriegt.
Aber der Reihe nach:

Das Buch ist einfühlsam geschrieben, die Autorin versteht es in den verschiedenen Situationen die passenden Bilder zu zeichnen. Negativ sind mir die gebetsmühlenartigen Wiederholungen einzelner Versatzstücke aufgefallen. Da wäre zunächst die Unterlippe, an der Lochan ständig herumkaut, was jedes Mal eine Erwähnung wert ist, Willas Haare, die immer und immer wieder in der Sonne goldblond leuchten und die Körper, die sich ständig verkrampfen. Ich war schon versucht, eine Strichliste zu führen, wie oft diese Dinge noch daherkommen.

Davon abgesehen versteht es die Autorin, den Leser in den Bann zu ziehen. War ich anfangs nur neugierig, konnte ich mich nach der Leseprobe nicht mehr von dem Buch trennen.

Handlung:
Die Handlung ist eindeutig die große Schwäche dieses Buchs. Zunächst fällt auf, dass die beiden Hauptdarsteller viel zu perfekt sind. Zwar hat die Autorin Lochan mit dem Makel "Panikattacken" ausgestattet, darüber hinaus ist er aber perfekt. Gut in der Schule, Studienplatz an einer Eliteuni, macht anderen Mitschülern die Hausaufgabe um seiner Angebeteten ein Geschenk zu machen, kümmert sich aufopfernd um seine Familie - kurz gesagt, er ist Mr. Perfect. Maya dagegen ist einfach nur perfekt, nichts weiter, einfach nur perfekt - wunderschön, kümmert sich ebenfalls aufopfernd um die Familie, vor lauter Perfektion versinkt der normalsterbliche Leser augenblicklich im Erdboden. Leider leidet unter all dieser Perfektion die Glaubwürdigkeit beider Protagonisten. Am glaubwürdigsten kommen die beiden Kleinsten rüber; die Zankereien, Fragen und das Herumalbern der beiden Kinder überzeugen während der gesamten Handlung (Die Autorin hat vermutlich selbst Kinder). Kit, der Drittälteste wirkt ebenfalls glaubwürdig, die Mutter wirkt dagegen wieder in ihrer Klischeerolle erstarrt.

Mehr hatte ich mir von dem eigentlichen Hauptkonflikt in dieser Handlung, die Inzestbeziehung zwischen den beiden Protagonisten, erwartet. Leider wurde dieser Konflikt nicht ausgetragen, nur ab und zu mitgeteilt. Ständig wurde man von der Autorin aufgefordert, sich vor Augen zu führen, dass die beiden ja Geschwister sind. An ihrem Verhalten, auch vor der eigentlichen Beziehung, erkennt man das nicht. Der eigentliche Konflikt wird nur dadurch mitgeteilt, dass sich die beiden Protagonisten ab und zu die gesetzliche Situation vor Augen führen und, pflichtbewusst wie Familie Walton eben ist, belastet sie das ganz energisch. Die Autorin beschreibt hier zwei normale Teenies, die sich ineinander verlieben und gleichzeitig eine Tafel umgehängt haben, auf der steht: Oh wie schrecklich, das sind ja Geschwister. Die beiden kommen zu keinem Zeitpunkt glaubwürdig als Geschwister rüber. Die Autorin erkennt das selbst auch und meint ab und zu entschuldigend in einer der beiden Stimmen: Wir waren nie wie Geschwister.
Gut - das sei so eben hingenommen, aber leider entschädigt der weitere Handlungsverlauf in keiner Weise für diesen Mangel. Die Handlung ist von Anfang an durchschaubar; zwar überrascht letztlich die Intensität, aber die unvermeidliche Zäsur an sich, bleibt vorhersehbar. Wie der Schnitt zustande kommt, wirkt mehr als konstruiert, aber das sei der Autorin noch nachgesehen.

[Spoiler]
Der Konflikt Mutter-Kinder ist nicht vorhanden, und leider drückt sich die Autorin auch um den eigentlich größten Konflikt in der Schlussphase, der zwischen Kit und Maya; der bleibt vollkommen unerwähnt. Leider betrügt die Autorin die Leser gerade in der Schlussphase noch ein weiteres Mal. Eine der letzten Szenen beginnt, als Maya sich selbst im Spiegel betrachtet und man erfährt von ihren weiteren Plänen. Zu diesem Zeitpunkt besteht leider nicht mehr der geringste Zweifel daran, dass dieser Plan nicht durchgeführt wird. Gerade bei der eigentlichen Schlusspointe hätte man mehr Kreativität erwartet. Vor lauter Vorhersehbarkeit ist man versucht sich zu wünschen, Maya würde doch um Himmels Willen ihren Plan in die Tat umsetzen. Gleichzeitig weiß man schon am Beginn der Szene, dass das wohl ein frommer Wunsch bleiben wird. Familie Walton bleibt Familie Walton - gute Nacht John Boy, gute Nacht Maya.
[Spoiler Ende]

Fazit: Alles in Allem aber ein sehr unterhaltsamer, bewegender und sprachlich ausgereifter Roman; großes Gefühlskino, das mir seit langen wieder einmal eine Rezension wert ist. Dafür vergebe ich drei von fünf vorhersehbar, schmachtenden Bewertungssternen.


Die Insel: Roman
Die Insel: Roman
von Richard Laymon
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenns Pimmelchen steht.., 4. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Insel: Roman (Taschenbuch)
Was macht man, wenn man in Griechenland am Strand liegt, unter sengender Hitze leidet und keinen Gedanken zusammen kriegt? Richtig: Hirn aus, Laymon an.
Drei Werke des großen amerikanischen Horrorautors habe ich mir mitgenommen und genossen.

Ich habe schon nach dem ersten Buch, das ich von Laymon gelesen habe, aufgehört, ihn ernst zu nehmen. Die Insel ist ein gutes Beispiel, für den typischen, satirischen Humor des Autors.

Die Protagonisten stranden auf einer einsamen Insel, beherrschen nichts desto trotz sofort alle Überlebensstrategien wie Fischen mit selbstgebastelten Speeren und räuchern des Fangs, um sich für diverse Ausflüge einen Snack zu basteln, u.a. Es gibt auf dieser Insel keine giftigen Schlangen, keine gefährlichen Skorpione oder Spinnen - alles ist eitel Wonne, alles wie aus dem Werbeprospekt eines Urlaubsanbieters, wenn da nicht, ja wenn nicht ein Fiesling die Neo-Inselbewohner nacheinander Schlachten würde.

Bei diesem Buch hat man fast den Eindruck, Laymon würde die Splatterszenen nur einbauen, um dem Genre des Horrorromans gerecht werden. Sie kommen mit einem breiten Augenzwinkern rüber.
Die eigentliche Geschichte ist die des halbwüchsigen Ruperts, bzw. dessen zeitweise perversen, sexuellen Fantasien.
Heiter und beschwingt gleitet man durch dieses Buch, lacht über die vielen karikierten Horrorszenen und endet schließlich bei dem Ende, das, soviel kann ich verraten, ein echter Schenkelklopfer ist.
Also wer von diesem Buch nicht unterhalten wird, dem ist nicht mehr zu helfen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 11, 2011 2:52 PM MEST


Finster
Finster
von Richard Laymon
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen eben Laymon..., 20. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Finster (Taschenbuch)
Die bei Rezensionen obligate Inhaltsangabe spare ich mir an dieser Stelle, hierzu gibt es schon zu viele, die das für mich gemacht haben.

Zusammengefasst kann man sagen: Laymon as it`s best. Es stimmt nicht, dass in dem Buch keine Spannung aufkommt. Im Gegensatz zu manch anderem Buch von Laymon, baut sich in "Finster" von Anfang an Spannung auf und sie zieht sich durch das ganze Buch. Die übliche Portion Sex ist hier sehr großzügig ausgefallen. Das Buch liest sich sehr leicht, man wird auf der ersten Seite in die Handlung gesaugt und sie lässt den Leser bis zur letzten Seite nicht los. Mich wundert es nicht, dass viele der Vorrezensenten sagen, sie hätten das Buch in einem bis zwei Tagen durch. Ich hatte es am Samstagnachmittag begonnen und am drauffolgenden Sonntagmittag beendet; durch einen Laymon-Roman gleitet man, wie ein heißes Messer durch Butter. Laymon baut in "Finster" keine Parallelhandlungen auf, alles verläuft streng linear; man bleibt dem Protagonisten treu und erlebt seine Handlungen von Anfang bis zum Schluss teilweise sehr plastisch, auch bei der Beschreibung von Sexszenen.
Die lockere und unkomplizierte Art ein Buch zu schreiben ist Laymons Stärke - aber leider gleichzeitig auch seine Schwäche.

(Spoiler)
In Finster kann man anfangs die Spannung knistern hören. Der Protagonist streift durch die nächtliche Stadt zu einem 10km entfernten Doughnut-Laden. Er versteckt sich einige Zeit vor einem Angreifer auf einer Veranda, die im Dunklen liegt, bis er merkt, dass er nicht alleine ist. Im Dunklen erkennt er eine Gestalt, die die ganze Zeit neben ihm gesessen hat.
Leider strapaziert er dieses "Schockelement", das in dieser und anderen Szenen gut ankommt, zu oft und immer auf die gleiche Art. Man versteht vielfach nicht, warum der Protagonist, ein junger Student namens Ed Logan, manche Dinge tut. Warum versteckt er sich, wenn er ein Auto kommen hört? Und wenn er schon so ängstlich ist, warum bricht er dann in fremde Häuser ein? Man merkt bei dem Roman sehr deutlich, dass oft die Handlung hinter der Dramaturgie zurückstehen muss. Viele Elemente wurden nur um des Gruselns willen mit eingebaut (Clowns), sie tauchen an keiner anderen Stelle mehr auf. Leider wird dieses Konzept schon sehr schnell offensichtlich, was die Handlung sehr durchschaubar macht und letztlich die Spannung herunterschraubt. Manche Sachen oder manche Personen wurden auch sehr stark überzeichnet. Die mitternächtliche Flamme von Ed, bei der man die ganze Zeit auf einen übernatürliche Erklärung für ihr Verhalten wartet, entpuppt sich schließlich doch als irdisch - oder doch nicht? Man weiß es nicht. Der zudringliche schwule Freund, der unverschämte Angreifer, bei allen wurde einen Tick zu dick aufgetragen. Laymon tut sich bei diesen Dingen oftmals schwer, sie zu erklären. Eine hinterhergeschobene Erklärung wirkt oft an den Haaren herbeigezogen oder aufgesetzt - wie gesagt, alles tritt hinter der Dramaturgie zurück.
Aber wer einen Laymon liest, weiß das normalerweise und sieht großzügig darüber hinweg. Es geht um Unterhaltung, nicht um eine Plausibilitätsprüfung oder um einen Test in Sachen Logik.
Alles in allem ein sehr unterhaltsames und spannendes Buch, dass bis zur letzten Seite fesselt, auch wenn mehr drinnen gewesen wäre. Sex, Crime und Rock n`Roll - eben Laymon as it`s best.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 10, 2011 3:40 AM MEST


com to date - Community Software
com to date - Community Software

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Teurer Schuss in den Ofen, 1. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: com to date - Community Software (CD-ROM)
Das Fazit gleich vorweg: Bei dieser Software handelt es sich um ein halbherzig herbeigehudeltes Stückwerk, das von den "Machern" stümperhaft weiterentwickelt wird, wobei dem Wort "Entwicklung" eine völlig neue Bedeutung verliehen wird.

Der Reihe nach:
Ursprünglich startete dieses Softwareprojekt unter dem Namen "community to date". Ich habe es damals gekauft, weil es nichts vergleichbares gab und mir das Konzept gefiel. Allerdings strotzte dieses Programm derart vor Fehlern, dass es nicht zu verwenden war. So konnte man zum Beispiel unter dem Benutzernamen eines anderen Benutzers Beiträge verfassen o.ä.
Irgendwann später wurde es dann in "com to date" umbenannt und versprach ein deutliches Mehr an Reife. Und tatsächlich - die aller gröbsten Mängel wurden seither behoben; aber wirklich nur die aller aller gröbsten Mängel - nicht mehr und nicht weniger. Seit dem würde ich zwar nicht mehr so weit gehen zu sagen, die Software könne nicht verwendet werden, aber wirklich brauchbar machte sie das noch nicht. Vergleicht man das mit einem Auto, würde sich das in etwa so anhören:

Der ersten Version fehlte die Hinterachse, der Motor und das Lenkrad. Die neuere Version hat eine Hinterachse bekommen, dafür klemmt die Seitentür und der Motor schafft gerade mal 20PS. Aber es wurde daran gearbeitet einen Spoiler zu integrieren und hat einen Wunderbaum mit dabei gegeben. Gut - fahren kann man, aber Spaß ist anders.

Das nächste Problem betrifft die Weiterentwicklung.
Die Fa. Fusonic, die (glaub ich) die Entwicklung verbrochen hatte, versucht seit den ersten Versionen die gröbsten Mängel zu beseitigen. Leider verfügt man nicht über das Personal, das kompetent genug wäre, um die Probleme in den Griff zu bekommen. In den zahlreichen Foren wird immer wieder betont, dass diese Software aber auch schwer sei - aber auch - hmmmm. Schließlich hat man beleidigt auch das hauseigene Unterstützungsforum geschlossen. Die Benutzer hatten zu vehement die Unverschämtheiten, die Fusonic vulgo DataBecker da abliefert, auf den Punkt gebracht.

In der Zwischenzeit haben die Hersteller (eigentlich verdienen diese die Bezeichnung Hersteller nicht, aber dazu später) nicht weniger als 17 (in Worten: siebzehn!!!!) Patchs herausgebracht. Praktischerweise kann man diese herunterladen und über das Uploadtool, mit dem man ja schon die Installation bewerkstelligt hat, auf den Server hochladen.
Aber das ist wie Atomkraft - klingt gut in der Theorie, aber in der Praxis ist es zum Auswandern. Mir fallen spontan keine "Patchs" ein, die keine massiven Probleme verursacht hätten. Mal kann man sich anschließend nicht mehr als Administrator einloggen, mal ist das ganze Layout zerschossen oder wie bei mir kann man nur noch über Umwege auf die Blogs zugreifen. Blöderweise wird vor diesen Patchs auch nicht gewarnt - man erhält lediglich eine Meldung, diese sollten unbedingt schnellstens installiert werden.

Auf alle (und damit meine ich tatsächlich ALLE!) Patchs folgte schließlich ein sogen. "Hotfix", das dann wiederum die Probleme des Patchs beseitigt hat - also sozusagen ein Patch für den Patch.
Selbstverständlich kann man diese Hotfixes nicht mehr ganz so komfortabel raufladen - hier muss man noch händisch zur Sache.
Aber nicht für alle Probleme gibt es Hotfixes - manchmal bekommt man versteckt auf irgendwelchen verstecken, von den Pseudoentwicklern eingerichteten Foren Tipps - also workarounds, mit denen man mitunter auch mehr Schaden anrichten kann, als Nutzen damit verbunden ist.

Auf Anfrage bekommt man in der Regel nur den Hinweis, dass man doch h ö f l i c h fragen solle, dann würde man sich schneller um die Probleme kümmern. Ungehaltene Töne möge man nicht. Na gut - bei wem ist das nicht so - aber was solls.

Nun ein paar Worte zu der Software an sich. Blickt man auf die Liste der Lizenzen, erhält man ein who is who der GPL-Softwarefragmente. Man kann also gewissermaßen fast die gesamte Software unter der GPL weitergeben. Das heißt für mich, da wurden open-source-Fragmente zu einem stümperhaften Ganzen vereinigt und teuer verkauft. Kein Wunder, dass die "Entwickler" ständig betonen, wie schwer diese Software doch zu durchblicken wäre. Aber auch hier ist Rücksicht angebracht, vielleicht handelt es sich bei der Fa. Fusonic auch um ein Sozialprojekt für untalentierte Langzeit-Hartz-IV Empfänger. Also üben wir uns in Geduld - es wird schon.

Pikanterweise musste man als Besitzer - ich vermeide absichtlich das Wort "Benutzer" - von Community-to-date selbstverständlich den VOLLEN (!) Preis für die Nachfolgeversion "com to date" bezahlen, die nichts anderes als ein besseres Bugfix war. (Es gab zwar eine kurze "upgrade" Zeit mit etwas Rabatt, aber wenn man sich zu dieser Zeit noch nicht entschließen konnte, wurde der volle Kaufpreis ein zweites Mal fällig.) Na gut - auch hier bin ich selbst Schuld - wer fällt auch zweimal auf dieselbe Chaoten Truppe rein.

Das Fazit habe ich zu Anfang schon vorweg genommen.
Wer nicht über fundierte Kenntnisse über php (mit Datenbankanbindung), JavaScript u.a. verfügt, sollte von dieser Software die Hände lassen. Sie ist definitiv nicht anfängertauglich und für Fortgeschrittene eignen sich Projekte wie Joomla sehr viel besser. Joomla ist kostenlos, leistungsfähiger und leichter zu handhaben. Die Erweiterungen werden ständig weiterentwickelt und diese verdienen den Begriff "Weiterentwicklung" auch.

Diese Software ist nichts weiter als ein teurer Schuss in den Ofen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 27, 2011 9:39 AM MEST


Seite: 1 | 2