Profil für Dr. Klaus Veiter > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Dr. Klaus Veiter
Top-Rezensenten Rang: 1.946.651
Hilfreiche Bewertungen: 479

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Dr. Klaus Veiter "klausveiter"
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4
pixel
Requiem for a Dream (Premium Edition) [2 DVDs]
Requiem for a Dream (Premium Edition) [2 DVDs]
DVD ~ Ellen Burstyn

5 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Stilistischer Exzess, tolle Darsteller, 2. Juni 2006
Darren Aronofsky hat bereits mit seinem effektreichen, aber inhaltlich leeren "Pi" einen recht großen Erfolg gehabt. Spricht überhaupt etwas für diesen Regisseur, dann ist es seine durchaus vorhandene Fähigkeit Darsteller zu führen und seine oft wirkungsvollen Schnitttechniken. Aber letzteres erreicht in "Requiem for a dream" keine sinnige, vor allem aber keine subtile Form. Splitscreens bringen gleich zu Beginn Risse in die Bilder, die umgeschnallte Kamera liefert bemerkenswert subjektive Bildeindrücke, sich wiederholende Schnittfolgen bei der Einnahme von Drogen an deren Ende meist eine sich weitende Pupille steht; all dies mag zwar den normalen Sehgewohnheiten zuwider laufen, letztendlich entlarvt sich der Film aber selbst, als eines der Produkte die anprangert werden. Und zwar weil er eben die Effekte klar vor die Figuren stellt. Dass die Einhaltung der Diät mühsam ist, wird uns minutenlang vor Augen geführt. Trotzdem müssen noch überdimensionale Parlinen von der Schlafzimmerdecke fliegen. Trotzdem muss sich der Kühlschrank lautstark von selbst in Bewegung setzten.

Subtilität? 3 Akte: "Summer", "Fall(aha)","Winter" - wo wird es unseren Figuren wohl am schlechtesten gehen?

Das Thema hat diese Umsetzung nicht verdient, Shelbys Roman nicht, und schon gar nicht die Schauspieler (allen voran Ellen Burstyn).


Ghost in the Shell (Ultimate Edition)
Ghost in the Shell (Ultimate Edition)
DVD ~ Takashi Watabe
Preis: EUR 19,79

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Titel ist Programm, 19. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Ghost in the Shell (Ultimate Edition) (DVD)
Was hier in den knappen 80 Minuten über den Bildschirm flimmert kann als wahre Science - Fiction bezeichnet werden. Seine Welt lässt der Film durch eine selten gesehene zeichnerische Perfektion, mit dezenter Computertechnik vermengt fühlbar werden. Diese Welt mag zwar nie an die Aura eines "Blade Runner" heranreichen, der Fehler ist aber nicht im Film selbst, sondern in der Gattung verhaftet. Auch wenn sich nicht selten ein emotionales Vakuum einstellen mag, die erlesenen Bildkonstruktionen, die sphärischen Klänge, die geradlinige Dramaturgie führen auf ein furioses Finale hin, dessen esoterische auslaufende Philosophie ausgerechnet im Zitat aus dem "Hohelied der Liebe" endet.

Die DVD zu einen 80 Minuten Film scheint mir arg überbewertet, gerade ein halbstündiges, fades Making Of hat es auf das Medium geschafft.

Übrigens: Matrix ist 1999 gedreht worden, Ghost in the Shell war 1995 bereits fertiggestellt. Damit bei den Inspirationsquellen keine Missverständnisse aufkommen sollten.


Fitzcarraldo - SZ-Cinemathek 7
Fitzcarraldo - SZ-Cinemathek 7
DVD ~ Klaus Kinski
Wird angeboten von blomkvist1
Preis: EUR 2,72

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Groß, 19. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Fitzcarraldo - SZ-Cinemathek 7 (DVD)
Groß an Werner Herzogs international renomiertester Kinski - Hochzeit ist der bahnbrechende Hauptdarsteller, der den oft wirren, aber immer interessanten Bildfolgen seinen persönlichen Größenwahn zuteilwerden lässt. Groß sind die schier überlebensgroßen Metaphern. Ein Schiff über einen Berg ziehen, dies sind die nachhaltigsten Bilder dieses Fiebertraumes.

Herzog mag es formal nie mit der handwerklichen Brillanz anderer Regisseure aufnehmen können, aber er ist zweifellos ein begnadeter Visionär - jeder der diesen Film gesehen hat, kann dies nur bestätigen.


Event Horizon - Am Rande des Universums
Event Horizon - Am Rande des Universums
DVD ~ Laurence Fishburne
Preis: EUR 6,49

9 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Filmrestverwertung mit Design Plus, 23. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Event Horizon - Am Rande des Universums (DVD)
Der Plot ist zwar recht interessant, aber er verlangt nach einer starken Regie. Und sieht man sich den Aufbau des Films an, so kann man mit fortlaufender Laufzeit zwar immer mehr deutliche Plagiate (sagen wir freundlicher: Anspielungen) vernehmen, aber die Aneinanderreihung von Filmzitaten verfügt nicht einmal im geringsten über irgendeinen geordneten Ablauf. Die durchaus fähige Besetzung läuft auf Autopilot, die Schockeffekte machen sich nicht einmal die Mühe ordentlich eingeführt zu werden, aus unerfindlichen Gründen beginnt ein Gore - Blutbad,... dies alles ist ein filmisches Totalversagen und dass der unfähigen Regie ein derartig brillantes Produktionsdesign zur Verfügung gestellt wurde macht die Sache nur noch bitterer.
Furchtbar, aber für Designfreunde durchaus einen Blick wert.


Aliens 2 - Die Rückkehr (Special Edition) [Director's Cut]
Aliens 2 - Die Rückkehr (Special Edition) [Director's Cut]
DVD ~ Sigourney Weaver
Wird angeboten von Music-Shop
Preis: EUR 14,87

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Filmgewordener Comic, 5. Februar 2006
Bevor sich James Cameron mit dem hölzernen, aber vor allem effekt- und vermarktungstechnischen Meisterwerk „Titanic“ ein gigantisches Denkmal errichtet hat war er ein formaler Meister. Dass er aus der Lowbudget Produktion „Terminator“ ein verhältnismäßig starkes Stück Spannungskino zaubern konnte, dass er technisch geradezu ein Initiator für filmische Revolutionen war/ist („Abyss“, „Terminator 2“) wird häufig besprochen, doch als sein wahres Meisterstück dürfte wohl die Fortsetzung von Ridley Scotts (mit H.R. Giger) düsteren Monsterfilm – Meilenstein „Alien“ sein.
Natürlich ist es zeitweise erstaunlich für wie dumm man als Zuschauer verkauft wird, was Logik und vor allem physikalische Gesetze angeht. Und „Aliens“ schlittert zeitweise arg an der Grenze vorbei, was sich in tiefgelegten Gefechtsfahrzeugen, haarsträubend blöden Marines mit unglaublich dämlicher Ausstattung (kurze Ärmel, tragbare Standmaschinengewehre im Häuserkampf) manifestiert und in einem ungeheuerlichen Showdown gipfelt, der so ziemlich jedes Gesetz der Physik elegant umgeht. Trotzdem, wir haben es hier mit einem filmgewordenen Comic zu tun – und als solcher funktioniert er hervorragend:
Der Spannungsaufbau darf als großartig bezeichnet werden. Jede brenzlige Situation führt in eine noch weit brenzligere, gewisse Einzelszenen (Face – Hugger im abgeschlossenen Labor, Lüftungsschacht) haben dank geschickten Schnitt und schlauer Konstruktion eine geradezu schweißtreibende Wirkung. Die Fortsetzung der Geschichte ist verhältnismäßig gut, ein Anschluss dank freundlicher Zitate aus dem Original nett. Die emotionale Aufladung mit Weaver in der Mutterrolle verschafft dem Film eine tolle Dramatik.
Auch überzeugen die meisten Darsteller wahrlich: Michael Biehn zeigt nach „Terminator“ ein weiteres Mal, dass er einen festen Platz unter der Action Kavallerie verdient hätte, Bill Paxton macht seine Sache als nervlich kaputter Private gut und Lance Henriksens Gesicht ist brilliant ausgewählt worden.
Camerons starke Regie, gepaart mit toller Schnittarbeit bügelt die gestalterischen Schwächen (insgesamt sieht der Film deutlich schlechter aus als Scotts Erstling) durch eine hohe kinetische Energie aus, die heutigen Reißern meist komplett fehlt.
Ein Meilenstein im Actiongenre, aber trotz allem kann er dem ätherischen Original nicht das Wasser reichen.
DVD: Der Director’s Cut ist unnötig und verursacht mehrere Ungereimtheiten. Technisch gibt es nichts zu beanstanden und die Fotogalerien sind besonders umfangreich.


Lohn der Angst
Lohn der Angst
DVD ~ Yves Montand
Preis: EUR 8,99

41 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Da geht ein Toter", 1. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Lohn der Angst (DVD)
„Lohn der Angst“ bebildert die letzte Fahrt der Toten, genauso genommen sind es vier. Und die unglaubliche Konsequenz, durchzogen von einem allgegenwärtigen Nihilismus, mit der er dies tut ist beachtenswert und wurde in den nachfolgenden Kinojahrzehnten äußerst selten erreicht. Von all den perfekt konstruierten „Suspense“ – Szenen ganz zu schweigen.
Schon die Ausgangslage der Charaktere wird äußerst zeitintensiv in allen Kleinigkeiten offen gelegt. Bessere Bilder wie mit Schnüren gefesselte Käfer oder Baugerüste die sich um halbfertige Bauruinen schlängeln kann man dafür gar nicht finden. „Lohn der Angst“ stellt zunächst eine Momentaufnahme einer Vielzahl an knapp und klar skizzierten Charakteren dar, alle am selben „A“ der Welt (irgendwo in Venezuela) gestrandet, alle aus Geldmangel unfähig diesen wieder zu verlassen. Mit beißendem Sarkasmus nimmt die Kamera „Verkehrsstaus“ mit Eseln auf, lässt die gleichen und gleichen Abende in der einzigen Bar der Stadt fühlbar werden, den Dreck auf den Straßen.
Dieser recht langwierigen aber keineswegs sinnlosen Startstellung schiebt der Plot einen katastrophalen Ölunfall unter, der nebenbei ohne weit auszuholen noch die rücksichtslose Zielstrebigkeit der „Southern Oil Company“ verdeutlicht. Anstatt professionellen Angestellten die Aufgabe zu übertragen werden kurzerhand vier mittellose Existenzen gegen eine recht geringe Menge Geld angeheuert, um das lebensnotwendige Nitroglyzerin an die Ölquelle zu schaffen. Nitroglyzerin, Lastwagen, vier Männer (Yves Montand, Peter Van Eyck, Charles Vanel und Folco Lulli) und eine Straße, deren Zustand den Namen Straße nicht mehr verdient. Die Todesangst, die Erwartung jetzt gleich in tausend Stücke zerfetzt zu werden, die Angst vor der nächsten Unebenheit – all dies fängt der Film sehr sehenswert ein. Die Ausgangssituation wird von einem tollen Drehbuch zusätzlich mit recht überraschenden Wenden im Verhalten der Charaktere aufgeladen.
„Lohn der Angst“ verdeutlicht die Tatsache, dass ein Menschenleben nicht mit Geld zu bezahlen ist mit beeindruckend schnörkellosen Handwerk und vernachlässigbaren Schwächen (Frauenrolle). 140 Minuten Hochspannung mit unglaublich brenzligen Sequenzen, die es mit jedem so genannten „Thriller“ von heute aufnehmen können.
Die DVD ist technisch im grünen Bereich und bietet eine Handvoll Extras. Die französische (und unbedingt empfohlene) Fassung hat die zweifelhafte Eigenschaft, dass deutsche Untertitel nicht ausblendbar sind.


Soylent Green - Jahr 2022 ... die überleben wollen
Soylent Green - Jahr 2022 ... die überleben wollen
DVD ~ Charlton Heston
Preis: EUR 4,99

106 von 123 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schöne Neue Welt, 16. Juli 2005
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Heute ist Charlton Heston nur mehr ein Michael Moore geschädigter NRA - Propagandist. Damals war er noch ein ernstzunehmender Science - Fiction Star: Planet der Affen, Der Omega Mann (eher schwach) und eben Soylent Green.
Unter der Regie von Richard Fleischer - der in den 50ern noch mit Stars wie Kirk Douglas zusammenarbeitete, oder tricktechnische Meisterleistungen wie „Die fantastische Reise" realisierte, in seiner Spätphase aber nur mehr belanglosen Trash wie „Conan, der Zerstörer" oder „Red Sonja" ablieferte - entstand eine der deprimierendesten, ewig aktuellen Zukunftsvisionen des Kinos.
New York 2022: Die Stadt hat 40 Millionen Einwohner, der Großteil davon arbeitslos. Die Menschen vegetieren in hoffnungslos überfüllten Kirchen und Wohnhäusern dahin, einzig die ewige Suche nach Nahrung treibt sie an.
Die Bevölkerung ist abhängig von drei Nahrungsmitteln, alle produziert vom selben Konzern. Das neueste Trockenfutter nennt sich Soylent Green und entwickelt sich immer mehr zur Hauptnahrungsquelle.
Eines Tages wird einer der Köpfe des Soylent Konzerns ermordet und der Cop Thron (Heston) soll den Fall lösen. Unterstützt wird er von seinem Mitbewohner (gespielt von einer fantastischen Edward G. Robinson in seiner letzten Rolle), einem der Wenigen die noch lesen können. Doch alle Personen, die dem Geheimnis hinter Soylent auf die Schliche kommen müssen sterben ...

„Soylent Green" ist ein waschechter Ökothriller, einer der ersten und besten seiner Art. Seine Welt vermag er famos fühlbar zu machen, eben durch kleine Details wie z.B.: Hestons Mimik, als er zum ersten Mal Rindfleisch essen, oder Seife verwenden darf, er sich wie ein Kind über warmes Wasser freut, oder auch auf drastische Weise: wenn Menschenmassen in Treppenhäusern übernachten, wenn eine rebellierende Menschenmasse von riesigen Gabelstaplern beseitigt wird, wenn Frauen als reines Apartmentinventar herhalten müssen. Wobei ein differenzierter Blick auf die mit einigen unerfreulichen Facetten behaftete Hauptfigur fällt, die ein Teil dieser Welt ist. Kein unerschütterlicher Fels in der Brandung, der noch an "alten" Werten festhält.

Eine der erschütternsten Szenen im Film ist der Tod im Sterbehilfecenter der Stadt. Ein letztes Mal darf man blutrote Sonnenuntergänge, sprudelnde Quallen, Wasserfälle und grüne Wiesen auf einer Leinwand sehen, dann wird deine Leiche in den Mülleimer gekippt.

Handwerklich ist das ganze sehr durchschnittlich, zeitweise arg lieblos geraten. Da sich der Roman nur auf den Verfall der Werte reicher Menschen in einer solchen Gesellschaft bezieht, muss sich Drehbuchautor Grennberg eine inovationslose und leicht unglaubwürdige Kriminalgeschichte aus dem Ärmel ziehen, die der Film gar nicht nötig gehabt hätte, zumahl selbige nur auf die zweifellos schockierende Auflösung hinausläuft. Doch die unglaubliche Aktualität und die tollen Darsteller können dies mühelos kompensieren. Soylent Green ist ein zeitloser Klassiker, kein Meisterwerk, aber ein wichtiger Film.
Die DVD bietet eine gute Qualität und einen interessanten Audiokommentar unter der Handvoll Beigaben.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 26, 2014 5:08 PM MEST


Aviator (2 DVDs)
Aviator (2 DVDs)
DVD ~ Leonardo DiCaprio
Wird angeboten von Eliware
Preis: EUR 7,90

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Flug ins Nichts, 23. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Aviator (2 DVDs) (DVD)
Wir durften 2005 eine Oscarverleihung beobachten in der Altmeister Martin Scorsese wiedereinmal (zum 6. Mal) leer ausging. Angesichts eines starken Eastwoods mit einer trivialen, aber unendlich kraftvoll erzählten Geschichte auch erwartungsgemäß.
Nun setzte Scorsese zu einer Biografie in der Tradition von großen Werken der Filmgeschichte an, anders als in der grandiosen Boxerbiografie „Raging Bull" scheint es aber fast, als ob er weicher und deutlich in Richtung Oscar schielend geworden wäre. Das kann auch angesichts des aufwendigen Produktionsdesigns, einer großen amerikanischen Figur als Thema und der großen Anzahl an etablierten Stars inkl. einem stark aufspielenden, auf diverse Preise spekulierenden Leonardo DiCaprio auch nicht revidiert werden. Daneben haben wir eine großartige Cate Blanchett als Katherine Hepburn, Kate Beckinsale als Ava Gardner, einen kurzen Auftritt von Jude Law als Errol Flynn .
Howard Hughes war Milliardär, Produzent, Regisseur, Flieger, Erfinder, Casanova, Spinner. Vielleicht erinnert sich der Filmfreund an Klassiker wie „Scarface" (mit Al Pacino in den 80ern neu verfilmt), der Flugzeuginteressierte an die Innovationen und legendären Flugzeugtypen, die seiner bzw. seinem riesigen Stab an Entwicklern entsprangen. Er gründete seine eigene Fluglinie TWA, erfand gewissermaßen die kommerzielle Luftfahrt. Bereits vor Jahren widmete sich eine Simpsons Folge (in Form von Mr. Burns) der krankhaften Bakterienangst und der Zwangsneurose, die ihn einsam, nackt, mit klauenhaften Fingernägeln und Vollbart in einem verdunkelten Hotelzimmer sterben haben lassen. Wir haben es mit einer tragischen Ausgeburt des amerikanischen Traums zu tun. Soweit, so uninteressant für uns Europäer...
Die größte und augenscheinlichste Überraschung ist DiCaprio, denn dieser schmächtige Mädchenschwarm, der bereits einen großen Teil von Scorseses letzten Film „Gangs of New York" nicht tragen konnte und seit „Titanic" nicht mehr ernst genommene Mann - er trägt den „Aviator", ist Hughes, zumindest der Hughes der im Drehbuch steht, auch wenn man ihm den älteren Mann nicht mehr abnimmt und er äußerlich nicht unbedingt das absolute Ebenbild ist.
Wenn der Film mit den Dreharbeiten zu „Hell's Angels" beginnt, dann sehen wir noch einen energischen, größenwahnsinnigen aber nichtsdestotrotz bewundernswerten Charakter. Die Fotografie zu Beginn ist noch mit einem deutlichen Grün - Türkisstrich versehen, Später wird er farbenfroher, aber auch düsterer werden. Der „Coconut Club" ist der Ort an dem sich die Unterschiede zwischen den Jahrzehnten manifestieren. Hier dürfen wir die perfekte Arbeit der Produktions- und Kostümdesigner bewundern, hier stoßen wir aber auch auf das größte Problem, oder den Geniestreich des Films.
Im Club, in dem über all die Jahre hinweg kleine Auseinandersetzungen zur Haupthandlung des jeweiligen Abschnitts stattfinden, hier treffen wir auch die meisten Typen des Films. Die Eskapaden des Sängers vor der Bigband, der sich im jeweiligen Zeitgeist lächerlich macht. Ob er nun wie ein Hampelmann umherspringt, oder mit graziösen (schwul anmutenden) Lippen- und Körperbewegungen die jeweiligen Schnulzen anstimmt. Wir treffen einen Typen von Mayer, dem berühmten Filmboss, der Hughes angesichts der Unsummen an Geld die in „Hell's Angels" fließen zuerst nur belächelt und ihm keine Filmkamera leihen möchte. Dazu einen aggressiven Flynn, der sich sofort wegen einer Banalität zu prügeln beginnt... - alles nostalgische Abziehbilder.
Genauso wie Cate Blanchett, oder Kate Beckinsale gar nicht versuchen Hepburn, oder Gardner darzustellen. Sie stellen einfach den Typen dar, den wir uns selbst zurechtgestutzt haben, an den wir denken, wenn wir „Hepburn" hören. Angesichts Hughes' Dämonen ist dies alles schlüssig, von wegen „Dialoge einer drittklassigen Schmonzette".
Geschmackssache, wie die polarisierenden Rezensionen hier auch zeigen.
Dass er Hughes nicht versteht, dass er ihn „nur mit der Kernseife hantieren" lässt in Momenten der Einsamkeit wird Scorsese vorgeworfen. Dabei sind eben diese Szenen, in denen die Seife zum Einsatz kommt die besten des ganzen Films.
Er kann sich noch so lange die Hände schrubben, wenn die Haut auf seiner Handfläche dann reißt, dann dringt Blut daraus hervor. Sie illustrieren das Paradoxon seiner Geisteskrankheit perfekt, denn: ist seine Hand nun sauber, so muss er noch den rauen, bakterienverseuchten Türknauf anfassen um aus der Toilette zu kommen, hat er sich zu lange geschrubbt, dann blutet er...
Ebenso genial sind die Sequenzen in denen er mit der Hand den Rumpf seiner Flugzeuge entlangfährt. Die Nieten müssen komplett versenkt werden, der Aerodynamik willen. Auf die gleiche Weise berührt er den Rücken von Cate Blanchett, muss sich aber der Tatsache beugen, dass die „Nieten" bei ihr nicht durch einen Techniker versenkt werden können.
Vor Fleisch und Blut muss er kapitulieren, auch wenn er später versucht ein junges Mädchen genau nach seinen Vorstellungen zu formen und zum Star zu machen. Seine Dämonen kann er am Ende nicht besiegen, er ist ihnen ausgeliefert.
Desweiteren: Der Flugzeugabsturz über Beverly Hills ist technisch, inszenatorisch unglaublich gut gelungen, trifft einen wie einer der Faustschläge in „Raging Bull" genau in den Magen.
Die Anhörung vor dem Senat, in der DiCaprio zur Höchstform anläuft und beinahe das Al Pacino - Niveau erreicht, Alec Baldwins brillante Interpretation des konkurrierenden PanAm Präsidenten Juan Trippe, der Hughes mit allen erdenklichen Mitteln in den Ruin treiben will, die erdrückenden Sequenzen im Vorführraum, die brennende Flugzeuge auf seiner Haut zeigen, wenn er den Verstand verliert, das - in der Tradition von „Citizen Cane" - offene Ende, in der Hughes die leere Floskel „Der Weg in die Zukunft" krankheitsbedingt immer wieder wiederholt.
„Aviator" mag für Scorsese in der ersten Hälfte zu unbeschwert und heiter sein, seinen Zinit hat er aber noch lange nicht hinter sich gelassen, der Film - von meiner Warte aus gesehen - ist im Wesentlichen grandios. Vorbildliche DVD!


Überleben!
Überleben!
DVD ~ Ethan Hawke|Vincent Spano
Wird angeboten von Bossversand Multimedia Movie Game and Bookstore
Preis: EUR 28,90

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Situationen, 12. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Überleben! (DVD)
Die modernere Albtraumsituation ist ein Flugzeugabsturz. Im Gegensatz zum jüngst erschienenen "Cast Away", wo Tom Hanks noch das Glück (im Unglück) haben durfte auf einer Südseeinsel zu stranden, sieht es aber in dieser Verfilmung einer wahren Begebenheit ziemlich düster aus.
Im Jahre 1972 bricht eine Rugbymannschaft aus Uruguay zusammen mit Freunden und Verwandten zu einem Freundschaftsspiel nach Chile auf. Die Ausgelassenheit der Beteiligten stellt sich aber rapide ein, als die Maschine in Turbolenzen gerät und tief im Niemandsland der Anden abstürzt. Viele sterben sofort (darunter die Piloten), bereits die erste Nacht wird von vielen Verletzten nicht überlebt.
Sieht man einmal von den schlechten Grundbedingungen wie Witterungsverhältnisse, oder Lawinen ab, so haben die Überlebenden mit Hunger, Unstimmigkeiten und vor allem damit zu kämpfen, dass die per Radio vernehmen, dass die Suche nach ihnen eingestellt wurde.
Wie soll es weitergehen? Wohin soll man gehen? Und vor allem: Was soll man essen?
Regisseur Frank Marschall (bekannt für inspirationslose Fließbandware wie "Congo", oder Spaßiges wie "Arachnophobia") verzichtet hier löblicherweise auf das reißerische Schema F samt Spezialeffekten, sondern inszeniert erfreulich zurückhaltend, aber unmittelbar packend und angesichts der Sitiation hochdramatisch eine Universalgeschichte, die fast jeden von uns anspricht. Aufbrausungen im Drehbuch sind zudem selten und werden von einem fantastischen Ensemble (darunter als einzige große Namen Ethan Hawke und sehr kurz auch John Malkovich) perfekt abgefangen. Empfehlung!
Die DVD bietet eine gute Bild - und Tonqualität und mit der Dokumentation "Wunder der Anden" (ca. 45 min.)einen tiefen Eiblick in die wahren Ereignisse, die sich 1972 zutrugen.


The Door in the Floor - Die Tür der Versuchung
The Door in the Floor - Die Tür der Versuchung
DVD ~ Jeff Bridges
Preis: EUR 10,99

40 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Komprimierung, 1. Juni 2005
Nach dem die Verfilmung von John Irvings "Gottes Werk und Teufels Beitrag", nicht zuletzt aufgrund seiner Oscarhonorierten Arbeit als Drehbuchschreiber und Michael Caines ebenfalls ausgezeichneter Nebenrolle vor kurzem recht viel Staub aufwirbelte kommt nun eine neue Irving - Adaption daher. Der Film basiert auf „Witwe für ein Jahr" und ist nicht nur exzellent besetzt, sondern auch sehr interessant gelöst.
Damit der 500 - Seiten Roman keinen Sand im Getriebe verursacht hat Regisseur und Drehbuchautor Tod Williams einfach nur den ersten Teil, der in drei Zeitabschnitte gegliederten Geschichte verfilmt.
Die Ehe von Ted, einem erfolgreicher Kindbuchautor, und seiner schönen Frau Marion steckt in einer Krise. Bei einem Verkehrsunfall haben sie ihre beiden Söhne verloren. Marion ist stumm geworden, unfähig ihre kleine Tochter zu lieben leidet sie leise vor sich hin, während Ted sich zahlreiche, flüchtige Affären aufbaut. Er pflegt fremde Frauen mit gewieften Schachzügen für sich zu gewinnen, um sie dann nackt zu mahlen.
Doch dann taucht der junge Eddie auf. Er soll einen Sommer lang Ted assistieren. Zwischen ihm und Marion entwickelt sich eine Beziehung, die sich für Ted wahrlich keine glückliche Fügung bedeutet...
In diesem Jahr konnte man bei den Oscarverleihungen wieder einmal erkennen, wie wenig Filmverständnis die Academy besitzt. Während ein Routine - Eastwood als Gipfel zusätzlich noch für den Besten Hauptdarsteller nominiert war wurden Martin Scorsese und Jeff Bridges wieder einmal konsequent übergangen, letzterer nicht einmal nominiert.
Neben dem unvergleichlichen „Dude" in „The Big Lebowski" liefert Bridges hier seine beste Leistung überhaupt ab. Die Sympathie die er für seinen einfachen Charakter erzwingt ist bemerkenswert, mit einem anderen Darsteller wäre die Rolle zu einem einfachen „Hassling" mutiert. Wenn Bridges mit seinen Geschichten „die sich besser im Dunkeln erzählen lassen" auffährt, dann erreicht er eine enorme Sensibilität.
Nicht leicht hat es an seiner Seite die etwas introvertierte Darstellung von Kim Basinger, die ihre Wirkung hauptsächlich aus der bröselnden Schönheit der Darstellerin zieht. Basingers nuanciertes Spiel wird von einer selten gesehenen Chemie mit Nachwuchsdarsteller Jon Forster ergänzt. Zusammenhalt zwischen Handlung und Charakteren erzeugt aber immer noch die kleine Tochter, die von der 4 - jährigen Elle Fanning (verwandt mit Dakota Fanning) mit erstaunlicher Perfektion gespielt wird.
Selten darf man eine so adäquat auf die Leinwand gebrachte Verfilmung sehen, auf die selbst John Irving erfreut reagierte. Williams Drehbuch ergänzt und kürzt den ersten (und besten) Teil der „Witwe für ein Jahr" angenehm nachdenklich, das Zusammenspiel zwischen Crew und Regie ist hervorragend. Kameraarbeit, Schnitt und Musik tragen vieles zum Gesamtgefüge bei.
Die Komprimierung der Geschichte auf den ersten Teil zieht eine in sich schlüssige Literaturverfilmungen nach sich, der Teil an dem Adaptionen von anderen Romanen meist scheitern, weil sie in akribisch versuchen jeden Teil einer Geschichte in den Film einzubauen, die Situationen können dann meist nur flüchtig gezeichnet werden, Nebenplots werden ständig angerissen, der Hauptteil leidet.
Wenn Ted in der - enormen - Schlusssequenz seine persönliche „Door in the Floor" öffnet, über die er in seinem bekanntesten Kinderbuch so oft erzählt hat, dann erreichen die Motive eine Kraft, die sie auf (wenn nicht sogar über) das Niveau des Textes bringen - so sieht eine gelungene Literaturverfilmung aus.
Bedenkt man die geringe Bekanntheit des Filmes, so darf man sich trotzdem über eine nobel ausgestattete und technisch einwandfreie DVD freuen, deren Interviews die „Selbstbeweihräucherung" meist außen vorlassen und speziell Irving ausführlich zu Wort kommen lassen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 17, 2010 11:59 AM MEST


Seite: 1 | 2 | 3 | 4