Profil für Silvana Martinez > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Silvana Martinez
Top-Rezensenten Rang: 4.221
Hilfreiche Bewertungen: 258

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Silvana Martinez "Bücherliebhaberin" (Magdeburg)

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-12
pixel
Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen
Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen
von Jacqueline Kelly
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Heldin zum Verlieben, 8. März 2013
Es kommt leider nicht allzu häufig vor, dass man die erste Seite eines Buches liest und sich sofort in die Protagonistin verliebt. Calpurnia brauchte dafür allerdings nur ein paar Sätze und schon wusste ich, dass wir beide eine enge Freundschaft eingehen würden. Solch ein erfrischend freches, cleveres Mädchen hatte ich schon lange nicht mehr begleiten dürfen und so freute ich mich auf jedes neue Kapitel mit ihr.
Was mich an ihr so begeisterte? Sie war ein Wildfang, hatte ihren eigenen Kopf, war ihrer Zeit um einige Schritte voraus und behielt ihre Ziele stets vor Augen, egal wie weit entfernt sie schienen.
Gerade zu ihrer Zeit - 1899 in Texas - in der Frauen noch am Herd standen und kein eigenes Geld verdienten, sorgte sie mit ihrem freien Geist für Aufruhr und frischen Wind, was nicht nur ihr, sondern auch dem Leser einiges an Freude einbrachte.

Ein wichtiger Bestandteil der Geschichte war jedoch auch Calpurnias Beziehung zu ihrem Großvater, den sie eigentlich erst jetzt - mit ihren elf-drei-viertel-schon-beinahe-zwölf Jahren - so richtig kennen lernte. Der vorerst grummlige alte Mann stellte sich nämlich bald als einer der geeignetsten Wegbegleiter des jungen Mädchens heraus und wurde schnell zu einem weiteren liebenswerten Charakter, den man einfach ins Herz schließen musste.
Dieses gelungene Paar sorgte für interessante Entdeckungen, neue Erkenntnisse und eine wiedergewonnene Liebe für die Biologie. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg die Beobachtungen Darwins in ihrer eigenen Umgebung nachzuprüfen und entdeckten fremde, sowie ganz neue Arten in Flora und Fauna. Man möchte sich am liebsten mit ihnen ins Gras legen, das Mikroskop zücken und alles, was da so fleucht und kreucht, etwas genauer unter die Lupe nehmen. Ich hätte es mit den beiden jedenfalls noch viele Seiten mehr ausgehalten.

Doch dieses Buch ist nicht nur ein sommerlicher Roman für kleine Entdecker und Naturliebhaber, es ist auch ein erster Schritt in die Unabhängigkeit - besonders für die junge Calpurnia. Sie muss sich gegen ihre Mutter wehren, die immer wieder mit Klavierunterricht, Handarbeiten und so manchem kratzigem Kleid daherkommt. Sie muss anderen die Augen öffnen, die bisher immer weggeschaut haben. Sie muss beweisen, dass sie mehr kann, als alle glaubten. Und sie muss es schaffen, ihren Traum zu verwirklichen. Sie will studieren, lernen, Geld verdienen, und all das in einer Zeit, in der dies für eine Frau alles andere als schicklich war. Es ist ganz wunderbar ihr dabei zu folgen, sich gemeinsam mit ihr zu ärgern und bei Erfolgen glücklich in die Hände zu klatschen. So schließt man das Buch und wünscht Calpurnia das Beste auf der Welt.

________________
Mein Urteil:
Endlich mal wieder ein Buch, das nicht nur mit einer entzückenden Geschichte überzeugen konnte, sondern auch mit einem lehrreichen Inhalt und einer Protagonistin, wie man sie so gern öfter vorfinden würde. Calpurnia ist eine so kluge und fortschrittliche Heldin, dass sich sowohl Abenteurer als auch Träumer in sie verlieben können. Einfach ausprobieren und staunen in was für eine besondere Welt man entführt wird. Plötzlich kommt einem die Erde so viel schöner und fremder vor. Toll!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 6, 2013 5:20 PM MEST


Mister Creecher
Mister Creecher
von Chris Priestley
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

3.0 von 5 Sternen Frankenstein trifft Oliver Twist, 24. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Mister Creecher (Gebundene Ausgabe)
Wenn ich ein Buch nur nach seinem Ende bewerten dürfte und alles davor keine Rolle spielen würde, dann hätte Mister Creecher auf jeden Fall fünf Sterne verdient. Was zuerst noch wie eine Adaption von Shelleys Frankenstein aussah, stellte sich nämlich als viel mehr heraus. Eine Verknüpfung zweier klassischer Romane, deren Figuren sich begegnen, Freundschaft schließen und später wieder auseinander gehen. Der Autor machte sich also nicht nur Frankensteins Monster zunutze, sondern arbeitete auch mit einer bestimmen Person aus Oliver Twist, was allerdings erst zum Schluss herauskommt und auch nur für jene sichtbar ist, die Dickens' Roman bereits gelesen haben. Deswegen an dieser Stelle nicht mehr dazu...

Doch leider ist ein Ende zwar ausschlaggebend für die endgültige Bewertung, kann aber eine eher öde Vorgeschichte nicht unbedingt retten. Atmosphäre und Schauplatz waren großartig gewählt - das neblige London 1818 - allerdings ließ mich die Handlung etwas kalt. Zwei ausgestoßene Freunde, die sich auf die Suche nach einem Wissenschaftler machen, welcher sein Versprechen halten soll. In der Tat geraten die beiden in so manche missliche Lage, jedoch konnte ich für meinen Teil an keiner Stelle von wahrer Spannung sprechen. Die Situationen unterschieden sich nicht großartig von anderen Büchern (wer weiß, vielleicht wollte er auch hier an die Klassiker der englischen Literatur erinnern) und konnten mich deshalb auch nicht mitreißen. Der Handlungsstrang war vorhersehbar (außer natürlich dieses brillante Ende) und bot somit keinen Nervenkitzel. Auch kann man nicht unbedingt von einer grusligen Geschichte sprechen, außer man ist wirklich sehr zart besaitet.

Was die Protagonisten betraf, so hätte ich mir vielleicht einen tieferen Blick in Mister Creechers Kopf gewünscht. Er war ein sehr interessanter Charakter und strahlte, trotz Größe und Stärke, immer eine gewisse Sanftheit aus (welcher riesige Hüne liest schon Jane Austen und lebt dazu auch noch vegetarisch?).
Dagegen gefiel mir Billy nur sehr selten. Als mittelloser Dieb schlich er durch die Gassen Londons und kämpfte ums Überleben. Er war frech, vorlaut und pessimistisch. Vielleicht hätte ich ihm wegen seines harten Lebens verzeihen sollen, doch es gelang mir an keiner Stelle. Erst als auch er seine tiefen Gefühle zuließ, konnte er mich ein wenig für sich gewinnen. Auch das unerwartete Ende und die Auflösung seiner Person brachten mich und meine bisherige Meinung zum Buch nochmals gewaltig ins Schwanken. Plötzlich machte alles einen Sinn und wenn ich jemals wieder Oliver Twist lesen sollte, so werde ich mir stets Mister Creecher ins Gedächtnis rufen müssen.

__________________
Mein Urteil:
Eigentlich eine tolle Idee, die mit diesem Geniestreich von Ende auch mein Herz höher schlagen ließ. Leider fehlten mir innerhalb der Geschichte Spannung und Grauen, weswegen der Roman meine Erwartungen nicht erfüllen konnte.

Worte sind nicht meine Sprache
Worte sind nicht meine Sprache
von Aidan Chambers
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Worte sind nicht Karls Sprache, 21. Februar 2013
Irgendwie ist es gewöhnungsbedürftig, wenn ein Jugendbuch aus der Perspektive eines 70jährigen, inkontinenten Autoren erzählt wird (ich bin mir immer noch ziemlich sicher, dass sich Herr Chambers hier ein wenig selbst widerspiegelt). Somit muss ich sagen, dass es sich hierbei vielmehr um einen sogenannten All-Age-Titel handelt, denn auch wenn er viel von Liebeskummer, Pubertät und den täglichen Sorgen eines Heranwachsenden erzählt, so ist er doch für Erwachsene genauso lehrreich.
Viele werden also bereits hier erkennen, dass es sich auf keinen Fall um ein gewöhnliches Jugendbuch handelt. Die Figuren sind speziell, die Thematik seriös und die Entwicklung der Geschichte so ganz anders, als wir es gewohnt sind.

Karl scheint besessen von einem Mädchen zu sein, was sich dermaßen typisch pseudo-philosophisch verhält, dass ich sie von Anfang an nicht leiden konnte. Diese Antipathie sollte sich im Verlauf des Romans noch weiter vertiefen und für sehr viel Unverständnis sorgen. Wieso gerade sie? Gibt es nicht noch andere schöne Mädchen?
Es war beruhigend zu sehen, dass das Mädchen seines Herzens nur einen geringen Teil der Geschichte in Anspruch nahm. Dabei war es interessant mitzuverfolgen, dass der Autor einen neuen Weg für Karl erbaute und ihn auf eine Reise schickte, die man vorher nicht erahnen konnte. Es geht um Trauerbewältigung, Depressionen, dem Suchen und Finden neuer Hoffnung und die Erkenntnis, dass es manchmal vonnöten ist, dass man Altes ruhen und Neues auf sich zukommen lässt.

Ein wenig enttäuscht war ich davon, dass der legasthenische Protagonist vielmehr seinen Liebeskummer und Weltschmerz in den Mittelpunkt drängte, als seine sprachliche Störung. Ich hatte mich auf eine Freundschaft zwischen Wortnarr (Autor) und Worthasser (Karl) gefreut, die in unserem "Helden" das Gefühl für die richtigen und schönen Wörter wecken sollte. Dabei entwickelte sich alles in eine Richtung, die vielmehr mit philosophischen Ansichten und der Auseinandersetzung von Liebe zu tun hatte. Die Legasthenie wich so in den Hintergrund und wurde irgendwann sogar vergessen. Das einzige, was man später noch von ihr mitbekam, war das schweigsame Verhalten Karls, welches allerdings auch auf einen introvertierten Charakter oder den Verlust seines Vaters zurück schließen ließ.
_______

Mein Urteil:
Ein ruhiges Buch, was mich zuerst mit der Thematik Legasthenie locken konnte, dann aber (leider?) einen anderen Pfad einschlug. Nachdenklich und mit viel Gefühl bringt uns der Autor der Liebe und dem Leben näher und weiß dabei sehr geschickt die Sicht eines alten und eines jungen Mannes zu verbinden. Ein Roman von 14 bis 99 Jahren (oder älter) ;)

Selection
Selection
von Kiera Cass
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterhaltsame Dystopie, 13. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Selection (Gebundene Ausgabe)
Wer kann da schon widerstehen? Ein gut aussehender Prinz - charmant, dazu auch noch humorvoll und intelligent - sucht eine Prinzessin, für deren Stelle sich jedes Mädchen des Landes bewerben darf. Doch nur 35 der Bewerberinnen haben die Chance auch mit in des Prinzen Schloss zu kommen, um ihn dort besser kennen zu lernen und das Leben einer Adligen zu genießen.
Was zuerst an eine Abwandlung von Cinderella erinnert, entwickelt sich allerdings schnell zu einer dystopischen Art des Bachelors (nur für den Fall dass jemand das Glück hat mit diesem Begriff nichts anfangen zu können: es handelt sich um eine grausige Fernsehshow), nur eben stilvoller und mit viel mehr Tüll. Klingt vielleicht beim ersten Hören etwas schräg, stellte sich beim Lesen aber schnell als sehr unterhaltsame Zukunftsvision heraus, bei der man gar nicht wirklich merkt, dass es eine ist.

Angeführt wird der Roman von einer Protagonistin, die es mir schon anfangs richtig angetan hatte. America mag vielleicht einen Namen haben, bei dem man meinen könnte, es handle sich um ein artiges Mädchen mit blonden Locken und einem schwachen Geist, aber es brauchte nicht viele Seiten um den Leser vom Gegenteil zu überzeugen. America ist, genau wie ihre wunderschönen roten Haare, wild und frech. Ja manchmal sogar so frech, dass man Angst haben musste, sie würde hochkant aus dem Schloss fliegen.
Sie wusste was sie wollte, war sich für nichts zu schade und nahm sich immer das, was sie gerade brauchte. Wie soll ich es anders sagen? Sie gefiel mir und war eine gelungene Abwechslung zu den schnöden "Heldinnen", die wir aus manch anderem Jugendbuch kennen.

Und doch kann man nicht leugnen, dass das Buch neben den starken Seiten auch seine kitschigen Stellen hat, die mit weichen Frauenherzen zu spielen wussten. Eine Dreiecksbeziehung scheint irgendwie stets die Antwort für alles zu sein, was mich sonst immer aufregt, diesmal aber ohne Probleme ignoriert werden konnte. Trotzdem, selbst wenn die beiden Herren sympathisch waren und es immer wieder ein Hin und Her der Gefühle gab, so passte Americas Stärke manchmal nicht mit ihren plötzlichen Schwächen überein. Diese Löcher in der harten Schale verpassten meiner Euphorie einen Dämpfer, brachten mich aber nie dazu, dass ich genervt war, oder das Buch zuschlagen wollte. Dafür war es schlussendlich einfach zu rund und weckte meine Neugier auf den zweiten Teil.
______________________________

Urteil:

Es ist schon wahr, wir haben es hier nicht mit einer sonderlich gesellschaftskritischen Dystopie zu tun, die tiefgründig ist und den Leser nachdenklich stimmen soll. Bei Selection handelt es sich schlicht und ergreifend um gute Unterhaltung für alle, in denen noch eine kleine Prinzessin steckt. Ich mag es und freue mich schon gierig auf mehr.

Bevor du gehst: Roman
Bevor du gehst: Roman
von James Preller
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenn alles in die Brüche geht, 10. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Bevor du gehst: Roman (Taschenbuch)
Bücher über den Tod und die Zeit der Trauer sind sicherlich nicht einfach zu schreiben, keine Frage, dennoch bin ich immer wieder überrascht, wie unterschiedlich man doch an dieses Thema herangehen kann, und wie oft ich mit meinen ersten Hoffnungen (oder Erwartungen, wie auch immer man es nennen mag) daneben liege.
"Bevor du gehst§ handelt nicht unbedingt von Trauer und Finden von Trost, sondern spielt sich hauptsächlich vor dem Unfall und der dazugehörigen Katastrophe ab. Es soll nicht zeigen, wie ein Freund des Toten mit all der Wut und den Erinnerungen umgeht, sondern eher, wie solch ein Ereignis plötzlich alles verändert und vorher so schöne, unkomplizierte Dinge zerstören kann. Zum Beispiel eine frische Liebe, die ganz und gar an Bedeutung verliert.

Dieses Buch macht traurig, das ist wahr, aber auf eine ganz andere Art und Weise, als ich vorerst vermutet hatte. Der Tod ist von Anfang an gegenwärtig und wird im Verlauf der Geschichte eigentlich schon erwartet. Man weiß, dass es passiert, man weiß nur nicht wann. Und so sitzt man und liest, und erlebt den Alltag eines pubertierenden Jungen, der sich das erste Mal richtig verliebt und nach langer Zeit glücklich zu sein scheint.
Wenn dann das Unvermeidliche geschieht, ist es nicht der Tod, der einen schockt und bekümmert, es ist die darauf folgende Apathie des Protagonisten, die man ihm nicht einmal vorwerfen kann. Man sieht all seine Hoffnung zerbrechen, die er sich vor wenigen Tagen noch so mühselig aufgebaut hat und gerät, gemeinsam mit Jude, ins Zweifeln. Kann es noch schlimmer kommen?

Und trotz all dieser positiven und aufwühlenden Punkte muss ich zugeben, dass mich das Buch nicht so erreichen konnte, wie ich es mir gewünscht hatte. Wahrscheinlich lag es an Jude, der mir zwar nicht unsympathisch war, aber durch sein hormongesteuertes Verhalten die erste Hälfte des Werks dominierte und erst später seine nachdenkliche Seite zum Vorschein brachte. Zu spät, so scheint mir, denn auch danach hatte ich keinen guten Draht zu ihm. Irgendetwas fehlte mir.

Fazit:
Ein Buch, welches zeigt, wie allgegenwärtig der Tod ist, wie teilnahmslos er zuschlägt und wie viele Leben er mit in den Abgrund reißt. Wir erfahren nicht viel über die Stufen der Trauer und man mag sich sogar wundern, wie schnell der Kummer doch verflogen zu sein scheint, aber wenn man gründlich darüber nachdenkt, ist auch dieses Buch nicht das, was man zuerst vermuten mag. Es ist einen zweiten Blick wert, zweifellos, aber ob es den Leser auch mitreißen kann, steht auf einem anderen Blatt.

Spiegelriss
Spiegelriss
von Alina Bronsky
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein außergewöhnlicher zweiter Teil, 27. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Spiegelriss (Gebundene Ausgabe)
Schon in Spiegelkind hatte mich Frau Bronsky bereits für ihre irre Mischung aus Dystopie und Fantasy für sich gewonnen, was sie in ihrem zweiten Teil sogar noch steigern sollte. Was hier vielleicht so besonders und anders gegenüber anderen Dystopien ist, ist nicht nur die Pheenthematik, sondern auch die Gesellschaft, welche Parallelen zu unserer heutigen Zeit ziehen lässt. Sie ist nicht dermaßen überspitzt und fremd, wie wir es aus Panem und Die Auswahl kennen und wirkt deshalb viel realistischer und wahrscheinlicher für unsere eigene Zukunft. Alles Außergewöhnliche erweckt Angst und wird so gut wie es eben geht eliminiert bis nur noch ein Haufen normaler Menschen übrig bleibt, der normale und anständige Dinge tut. Schon bei diesem Gedanken läuft es mir kalt den Rücken runter.

Es ist aber auch die Protagonistin Juli, die so glaubwürdig handelt, dass man auf keiner Seite ihre Entscheidungen anzweifelt oder mit skeptischen Blicken mustern muss. Sie ist nie übermäßig mutig, oder unglaublich stark, sondern ein einfaches, von der Vergangenheit noch recht verwöhntes Mädchen, was sich durch diese grausame Welt zu schlagen versucht.
Auch wenn durch ihr Schicksal kaum Platz für viele Nebenfiguren bleibt und wir nur selten ein paar der bekannten Gesichter wiedersehen, so bleibt sie doch stets eine Heldin mit der man leben und zurechtkommen kann.

Wenn neben dieser außergewöhnlichen Story und der angenehmen Protagonistin dann auch noch der wunderbare Schreibstil der Autorin dazukommt, verbinden sich diese drei Zutaten zu einem weichen, köstlichen Teig, der sich vor den Augen des Lesers immer wieder neu formt und so für Überraschungen sorgt. Ja wirklich, dieser Roman beinhaltet nur sehr wenige Stellen, die vorhersehbar sind, denn meist kann die Geschichte dermaßen überraschen, dass sie von einem Moment zum anderen in eine ganz andere Richtung verläuft. Besonders das Tempo ist dabei ein hilfreicher Faktor und sorgt dafür, dass es niemals auch nur ansatzweise langweilig wird.
Spannung, plötzliche Wendungen, grausame Szenarien und all das - man wird es kaum glauben - ohne eine allumgreifende Liebesgeschichte. Dieses Buch kommt ohne sehnsüchtiges Verlangen und wilde Knutschereien aus, höchstwahrscheinlich, weil Frau Bronsky das einfach nicht nötig hat.

Mein Urteil:
Falls meine bisherige Meinung noch nicht ganz deutlich war: ich bin begeistert. Die Autorin hat sich mit diesem zweiten Teil noch übertreffen können und entführt uns in eine Welt voller dystopischer Ideen, aber auch einem Hang zur Fantasy. Ich liebe diese Mischung und freue mich nun schon wahnsinnig auf den dritten Band, der hoffentlich einige Geheimnisse noch aufklären wird.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 6, 2013 5:37 PM MEST


Der Mann, der den Regen träumt
Der Mann, der den Regen träumt
von Ali Shaw
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

4.0 von 5 Sternen Der Mann, der regnete, 17. Januar 2013
Wie kommt man auf solche Geschichten? Wie kann man nur etwas so Märchenhaftes erschaffen - solch Fantasie, wie man sie sonst kaum zu lesen bekommt?
Es sind auch diesmal die gleichen Fragen, die mich nach Ali Shaws letzten Sätzen beschäftigen. Seine Romane sind Perlen in der riesigen Schatzkiste des Jugendbuchs, und kaum vergleichbar mit anderen Werken. Sie verzaubern, sind nachdenklich und hinterlassen immer wieder einen leichten Schleier der Melancholie. So konnte mich der Autor auch diesmal für sich und seine ausgefallenen Ideen gewinnen.

Wer sehr viel Wert auf metaphorische Sprache legt und sich für philosophische Ansätze über das Leben und die Liebe begeistern kann, der kann auch mit diesem Buch eigentlich nichts falsch machen. Allerdings sind auch ein weiteres Mal die außergewöhnlichen und sehr speziellen Figuren dieses Romans ein Punkt, die ihn zu etwas Besonderen machen und den Leser in eine Welt entführen, die zwar hart und realistisch, aber auch verträumt und fantastisch ist. Diese Mischung ist wahrscheinlich auch der Grund, wieso man dieses Buch (und auch Shaws erstes Werk) so schwer in ein bestimmtes Genre einteilen kann. Man muss sich einfach hineinstürzen und darauf warten, was die Geschichte und all die fantasievollen Einfälle mit einem anrichten.

Trotzdem muss ich zugeben, dass es manchmal nicht ganz einfach ist den Mann der den Regen träumt an jeder Stelle zu lieben. Das Werk ist wie das Wetter, welches es thematisiert: wechselhaft. Mal euphorisch wie ein sonniger Sommertag, mal trüb und wild, wie ein bösartiger Sturm. So konnte ich auch Elsa, die eigentliche Hauptperson des Buches, nicht in jeder Situation verstehen, empfand sie als zu temperamentvoll und vorschnell. Dann dachte ich jedoch wieder daran, dass vielleicht alles, also jede Gefühlsregung, ob sie nun nachvollziehbar ist oder nicht, doch ihren Sinn hat. Man kann es nur vermuten, denn das Buch steckt so voller interpretierbarem Stoff, dass wohl jeder es anders empfinden und deuten wird. Aber das ist wohl auch das Beste daran.

Mein Urteil:
Ich will bloß nicht zu viel verraten und sage nur, dass Der Mann, der den Regen träumt wieder einmal ein Buch ist, was hervorsticht und mit seiner melancholischen und tiefen Handlung vielleicht nicht für jedermann geschaffen ist. Trotzdem, fantastische Lektüre für alle, die etwas Besonderes lesen wollen und schon Das Mädchen mit den gläsernen Füßen mochten.

Die Bestimmung - Tödliche Wahrheit: Band 2
Die Bestimmung - Tödliche Wahrheit: Band 2
von Veronica Roth
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine kleine Enttäuschung, 18. Dezember 2012
Schon nach wenigen Seiten ihrer dystopischen Fortsetzung zeigte mir Frau Roth, dass sie es auch in diesem zweiten Teil auf viel Spannung und Action abgesehen hatte. Hier ein Kampf, dort eine Auseinandersetzung, wenig später schon der nächste überraschende Angriff - sie ließ dem Leser kaum eine Atempause. So kann man, was diesen Aspekt betrifft, sagen, dass der zweite Band seinem Vorgänger in nichts nachsteht und uns sogar noch weiter in die Welt der jungen Unbestimmten führt. Allerdings ist die Spannung nicht alles, was ein gutes Buch ausmacht.

Wie sehr ich Tris anfangs auch mochte, diesmal zerrte sie ganz schön an meinen Nerven. Besonders das ständige Hin und Her zwischen ihr und Tobias war an vielen Stellen weder nachvollziehbar, noch unterstützend für meinen Lesefluss. Das Unkomplizierte, was ich an beiden im ersten Teil noch so klasse fand, ging schon zu Beginn des zweiten Romans verloren und sollt erst nach der Hälfte des Buches wieder auftauchen. Vorher aber kämpfte ich mich durch sinnlose Dialoge voller Vorwürfe und nervige Kindereien, die mir oft die Freude am Lesen raubten.

Nicht einmal an den Nebenfiguren konnte ich mich erfreuen, denn auch wenn die Autorin eine interessante Handlung mit tollen Ideen verknüpft, so versteht sie sich in meinen Augen nicht im Erfinden von glaubhaften und liebenswerten Randcharakteren. Es kam mir meist sogar so vor, als würde sie uns hin und wieder neue Personen vorstellen, um diese ein paar Seiten weiter gnadenlos abzuschlachten.
Hinzu kommt, dass sie alle Gefühle scheinbar für ihre beiden Protagonisten aufbraucht, denn alle anderen waren mir so fremd und kalt, dass ich zu keinem von ihnen eine engere Beziehung aufbauen konnte. Als Freund von Nebenfiguren hat mich besonders diese Tatsache sehr enttäuscht.

Mein Urteil:
Wer Action, Blut und Geheimniskrämerei mag, der wird auch in diesem zweiten Teil der Bestimmung wieder seine Freude haben. Wer jedoch auf sympathische Figuren und besondere Überraschungen hofft, der wird wahrscheinlich, so wie ich, etwas enttäuscht sein. Da kann man nur hoffen, dass Frau Roth es beim Finale ihrer Trilogie noch einmal so gut macht, wie beim Beginn.

Vier Beutel Asche: Roman
Vier Beutel Asche: Roman
von Boris Koch
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Pseudophilosophisch, 13. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Vier Beutel Asche: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es gibt Jugendbücher, die sind nachdenklich, philosophisch und bleiben dem Leser noch lange erhalten. Dann gibt es allerdings auch solche, die verzweifelt versuchen genau so zu sein und kläglich daran scheitern. Leider gehört auch Vier Beutel Asche eher zu dieser zweiten Sorte und war für mich somit eine große Enttäuschung.

Alles begann damit, dass schon Jan, der Protagonist des Romans, mir unglaublich unsympathisch war. Er war aggressiv, launisch und so von seinen Hormonen eingenommen, dass man ihm die vermeintlich "philosophischen" Momente seines Denkens einfach nicht abkaufen konnte. Der Wechsel zwischen wildem Teenager, der sich noch ausprobiert, und einem vernünftigen Grübler war an manchen Stellen dermaßen krass, dass man sich nicht vorstellen konnte, dass diese wirre Gedankenwelt in seinem Kopf stattfinden sollte.
Der Autor versuchte wahrscheinlich ein Werk zu schreiben, indem es gleichermaßen um das Erwachsenwerden und die Auseinandersetzung mit dem Tod gehen sollte, jedoch verband er diese beiden Themen so ungeschickt, dass er lediglich einen unglaubwürdigen Plot und anstrengende Figuren erschuf.

Auch was die Handlung betraf, so übernahm sich Herr Koch in meinen Augen gewaltig. Immer wieder war er darauf bedacht für Spannung zu sorgen, und baute Szenen ein, die zwar für mehr Seiten sorgten, der Geschichte aber keinerlei mehr Inhalt schenkten. Sie langweilten mich meist sogar und brachen die eigentliche Handlung mittendrin ab. Ich weiß nicht, was damit bezweckt werden sollte, oder ob der Autor nur etwas von seinen Künsten zeigen wollte, jedenfalls ging diese Idee bei mir nicht auf.

Mein Urteil:
Es ist schade, dass mich dieser vielversprechende Roman so enttäuscht zurücklässt. Vielleicht werden jüngere Leser, die sich selbst noch nie mit den Themen befasst haben, eher darin aufgehen, aber wer schon das ein oder andere Mal über den Tod und das Leben nachgedacht hat, wird hier wohl nichts Neues finden und eher gegen pubertären Humor und Verhalten ankämpfen müssen.

Rot wie das Meer
Rot wie das Meer
von Maggie Stiefvater
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen So rot wie Blut, 7. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Rot wie das Meer (Gebundene Ausgabe)
Wenn Frau Stiefvater etwas kann, dann ist es eine stimmige Atmosphäre zu erschaffen. Sie befördert ihre Leser direkt neben die beiden Protagonisten - Puck und Sean - und lässt sie mit ihnen gemeinsam von den Klippen aufs weite Meer hinaus blicken. Es ist kalt, der Wind schneidend, und die Zeit auf dieser kleinen Insel verspricht blutig zu werden. Rot wie das Meer ist somit eindeutig ein Herbstbuch - kühl, düster, regnerisch und auf keinen Fall ungefährlich.

Jeder, der bei dem Thema "Pferd" erst einmal zusammenzuckt und sich einen friedvollen Reiterhof mit Ponys vorstellt, sei an dieser Stelle gewarnt, denn das neue Buch der Autorin ist alles andere als ein braver Pferderoman und nur für Leute mit starkem Magen geeignet. Blut steht an der Tagesordnung und noch viel erschreckender als das, ist die vermeintliche Gleichgültigkeit mit der die Figuren im Buch dieser Brutalität entgegen treten.
Auch was die Pferde selbst betrifft, so finden wir hier keine zahmen Wesen, sondern wilde Wassergeschöpfe, die sich Capaill Uisce nennen und deren Hauptspeise rohes, blutiges Fleisch ist. Pferdefreunde werden somit zwar auf ihre Kosten kommen - denn die starke und mitreißende Zuneigung zu diesen mächtigen Tieren hat selbst mich auf einigen Seiten verzaubern können - aber wer sich nicht darauf einstellt, dass es sich hier um schöne, jedoch sehr gefährliche Fabelwesen handelt, könnte böse überrascht werden.

Ähnlich steht es auch mit den beiden Helden des Romans. Während Puck so ganz anders als die gewöhnliche Jugendbuchprotagonistin agiert - stürmisch, wild, aufbrausend, temperamentvoll und ja, manchmal auch ganz schön zickig - steht ihr ein stiller, aber innerlich auch sehr kraftvoller junger Mann namens Sean gegenüber. Beide könnten unterschiedlicher nicht sein, wäre da nicht diese unbändige Liebe zu ihren Pferden.
Es war fast niedlich, wie unbeholfen die beiden sich ineinander verliebten. Jeder weiß es, keiner spricht es aus. Auch hier hat die Autorin wieder etwas Großartiges geleistet, denn die Beziehung der beiden scheint immer nur am Rande ihre Musik zu spielen, sodass sie niemals aufdringlich oder störend für den Verlauf der Geschichte wirken könnte.

Für mich gab es allerdings ein Problem, was man wohl kaum der Autorin zuschreiben kann, mir aber trotzdem etwas die Lesestimmung verdarb: wenn man diese Sympathie für Pferde nicht dermaßen teilen kann - und leider kann ich das nicht- so wird einem das Buch wahrscheinlich an einigen Stellen langatmig erscheinen. Es war zwar nicht so, dass ich mich gelangweilt hätte, doch da mich diese Tiere nicht derart faszinieren, konnte ich manche Gedankengänge der Protagonisten weder nachvollziehen, noch nachfühlen, was wirklich schade war.

Mein Urteil:

Auch wenn mich die mystischen Wesen des Buches nicht ganz für sich gewinnen konnten, habe ich dennoch die düstere Atmosphäre des Romans genossen und empfand die beiden Hauptfiguren als angenehme Wegbegleiter.
Für Pferdenarren, die keine Angst vor brutalen Szenen haben, wird diese Geschichte allerdings ein Highlight sein und ist auf alle Fälle ein Must-Read!

Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-12