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Rezensionen verfasst von
Silvana Martinez "Bücherliebhaberin" (Magdeburg)

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Flavia de Luce 6 - Tote Vögel singen nicht: Roman
Flavia de Luce 6 - Tote Vögel singen nicht: Roman
von Alan Bradley
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Flavias ganz anderer, sechster Fall..., 29. Oktober 2014
Es ist schon fast zu einem Ritual geworden, dass ich jedes Jahr im Herbst auf das Erscheinen des neuen Flavia de Luce-Bandes warte. Trotzdem soll es ja immer noch Leute geben, die von dieser chemieverliebten fast 12Jährigen noch nichts gehört/gelesen haben; was wirklich schade ist, denn auch wenn es sich bei unserer Protagonistin um eine recht junge Heldin handelt, so hat sie doch Einiges mehr drauf als so manch erwachsene Hauptfigur. Sie mag vielleicht nicht immer ganz einfach sein; hin und wieder erkennen wir auch, dass hinter ihrem altkugen Wesen weiterhin ein ganz "gewöhnliches" Mädchen steckt; und ja, bei Flavia passt wohl der gute alte Spruch: Man mag sie, oder man mag sie eben nicht., wer aber auf clevere Detektivarbeit steht, Dinge wie Deduktion á la Holmes mit verfolgen mag und sich gern einer geballten Ladung Geheimnissen entgegen stellt, der sollte es mit Miss de Luce vielleicht einmal probieren.

Doch kommen wir zu diesem sechsten, fast schon erleuchtenden, neusten Band, den ich mit einer gewissen Melancholie schließen musste. Zwar habe ich - Gott sei Dank - bereits herausgefunden, dass es mit der Reihe noch weitergehen wird, jedoch fühlt sich Tote Vögel singen nicht wie ein bitteres Ende an. Geheimnisse rund um die Familie de Luce werden gelüftet und wir erfahren endlich, was es mit Flavias verloren geglauber Mutter auf sich hat. Das nimmt einen als Leser nicht nur mit - schließlich werden kleine Rollen plötzlich mit Leben und Gefühlen gefüllt, die sie doch gleich noch sympathischer machen - sondern verschafft dieser Reihe eine viel komplexere Handlung. Flavia de Luce erreicht neue Dimensionen und wird uns mit dem Folgeband aus dem gewohnten Umfeld entreißen...

Auch in diesem Teil ist mir wieder besonders aufgefallen, wie alterslos die Flavia-Bände sind. Unsere Heldin ist zwar noch recht jung, doch ihre Sprechweise und der Stil des ganzen Buches machen es auch für Erwachsene lesbar und unterhaltsam. Soweit ich das richtig verstanden habe, sind die Originale auch nicht für das jüngere Publikum ausgelegt worden, sondern richten sich direkt an Erwachsene, was ich hier nur unterstreichen kann. Ich finde Flavia zwar sehr amüsant und liebe den ironischen Humor, den der Autor verwendet, doch glaube ich nicht, dass zu junge Leser dem folgen können. Von mir also eine Leseempfehlung ab 12 (mit Tendenz nach oben).

Mein Fazit:

Ich habe Flavia im Laufe der Jahre lieben gelernt und kann sie mir aus meinem Bücherregal eigentlich gar nicht mehr wegdenken. Auch ihren sechsten Fall löst sie wieder einmal auf ihre ganze eigene Art und Weise und lernt diesmal sogar ein bisschen mehr sich und ihre Familie kennen.
Für Flavia-Fans ist dieses Buch ein MUSS, allen anderen kann ich die Reihe nur ans Herz legen, besonders denjenigen, die Spannung und Krimi nicht mit Blut und Gewalt assoziieren.


Killing Butterflies
Killing Butterflies
von M. Anjelais
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Killing Sociopaths, 19. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Killing Butterflies (Gebundene Ausgabe)
Ich hatte mir von diesem Buch sehr viel erhofft. Eine Liebesgeschichte zwischen einem gewöhnlichen Mädchen und einem verhaltensgestörten Jungen klang tiefgründig, faszinierend und mal nach etwas Anderem, sodass ich mir eigentlich schon zu Beginn der Geschichte sicher war, dass ich nicht enttäuscht werden könnte - handelte es sich doch bei Soziopathie um ein viel zu interessantes Thema.
Leider musste ich feststellen, dass, wie originell die Idee auch sein mag, mit einer mittelmäßigen Umsetzung alle Erwartungen in die Brüche gehen können.

Vielleicht sollte ich damit beginnen, dass wir es hier nicht mit einer Liebesgeschichte zu tun haben, denn wo keine Gefühle sind, da auch keine Liebe. Das sollte man bei einem Soziopathen auch erwarten, doch war ich wirklich enttäuscht, dass wir zwischendurch nicht einmal einen kleinen Hoffnungsschimmer zu Gesicht bekamen. Alles was schief gehen konnte, ging auch schief, und statt die Katastrophen irgendwie zu vermeiden, setzte die Protagonistin darauf, dass es noch viel schlimmer kam. Sie forderte den Schmerz heraus und ging immer so weit, dass seine maximale Kapazität erreicht wurde. Ich vermute, dass die junge Autorin uns damit schockieren wollte (wenn man einige Rezensionen liest, scheint sie das auch geschafft zu haben), mir raubte sie damit allerdings nur den letzten Nerv, sodass ich mich manchmal fragen musste: wer von beiden ist jetzt eigentlich die gestörte Person? Und wäre es nicht viel interessanter gewesen die Geschichte jedenfalls zum Teil aus Cadence' Augen zu erzählen?

Auch sonst hatte die Handlung leider nicht viel zu bieten. Die Tage tröpfelten so vor sich hin, die Protagonistin wiederholte und wiederholte ihre Sätze und Gedankengänge tausende von Male und die Beziehung zwischen Sphinx und Cadence entwickelte sich trotzdem nicht weiter (Sphinx nimmt zwar oftmals das Wort Liebe in den Mund, doch ist es in diesem Fall gleichbedeutend mit Besessenheit oder krankhafter Faszination). Es entstand ein stetes auf der Stelle laufen mit immer mal wieder auftretenden "schrecklichen" Szenen, die aber weder zum Heranschreiten der Geschichte beitrugen, noch besonders schockierend waren, da jeder Leser, mit einem gewissen Grad an menschlicher Logik, damit hätte rechnen können.

Und die Moral von der Geschichte? Man kann in das Ende des Buches vieles hinein interpretieren und ich möchte nicht sagen, dass der Gedanke hinter den Überlegungen schlecht war, doch irgendwie passte das außergewöhnliche Thema des Romans nicht zur simplen Botschaft. Mir erschien es so, als hätte M. Anjelais all ihre jugendlichen Philosophien verarbeiten wollen, um etwas wirklich Tiefgründiges zu erschaffen. Im Ansatz ist ihr das gelungen, aber in meinen Augen verläuft sie sich viel zu oft und schafft somit kein wirkliches rundes Ergebnis.

Mein Fazit:

Ich hatte mir mehr erhofft und bin nun doch ziemlich enttäuscht. Soziopathie als Thema eines Debütromans zu nehmen, ist wirklich keine einfache Sache, doch wenn man sich nicht wirklich damit beschäftigen möchte, oder kann, dann sollte man es vielleicht bleiben lassen und lieber kleiner anfangen. So konnte mich das Werk der Autorin leider nicht überzeugen: zu wenig Handlung, zu viele Wiederholungen, zu wenig Gefühl und somit nicht das, was ich mir gewünscht hätte.


Atemnot
Atemnot
von Ilsa J. Bick
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leidenschaftlich, düster, authentisch..., 15. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Atemnot (Taschenbuch)
Viel zu selten stolpert man über Bücher, deren Titel so gut zum Inhalt passen, wie es bei Atemnot (engl: Drowning Instinct) der Fall war. Jenna kommt in ihrem Leben kaum zum Atmen, geschweige denn zum Sprechen. Ihre Eltern sind mit sich selbst beschäftigt, ihr Bruder im Krieg und sie selbst gefangen in einer Welt, die sie zu ersticken droht.
Jenna ist ein unglaublich interessanter und nachdenklicher Charakter, dessen Gedankengänge realistisch, düster, mir aber auch sehr sympathisch waren. In ihrem Kopf analysiert sie Situationen und Menschen bis nichts Gutes mehr an ihnen übrig bleibt. Sie ist vorsichtig, skeptisch und ziemlich intelligent. Und sie hat einen Hang zur Selbstverletzung, der erst zur Ruhe kommt, als sie Mr. Anderson kennen lernt.

Und trotzdem ist dies hier keinesfalls eine typische Mädchen verliebt sich in Lehrer-Geschichte, keine Wir müssen vorsichtig sein- oder Alles was wir tun ist verboten-Heuchelei. Hinter Atemnot versteckt sich eine Liebesgeschichte, die vielleicht nicht jeder gutheißen wird, die aber leidenschaftlich und überzeugend ist. Zwei Menschen, die einander brauchen, sich aneinander festhalten und vor dem Ertrinken retten. Somit ist das nicht nur Jennas Geschichte, sondern auch Mitchs. Sie ist nicht theatralisch, aber trotzdem dramatisch und auf ihre eigene Art und Weise schön. Dennoch bin ich mir sicher, dass sie leider nicht jedem gefallen wird.

Auch ich brauchte anfangs einen kleinen Anlauf bis ich mich in Jennas Situation wirklich hineingelesen hatte. Bei Selbstverletzungs-Themen bin ich zu Beginn immer etwas skeptisch, doch als sich dann heraus stellte, dass es hier um viel mehr geht, wollte ich die Seiten nicht mehr verlassen. Die Autorin hat eindeutig sehr viele eigene Erfahrungen aus ihrem Beruf mit eingebaut und konnte deswegen auch so überzeugend schreiben. Großartige Metaphern und zitierwürdige Passagen sind dabei entstanden, bei denen sogar ich mir nicht verkneifen konnte sie zu markieren.

Mein Fazit:

Vielleicht war nicht immer alles so überraschend, wie Frau Bick es geplant hatte; vielleicht der Anfang nicht so süchtig machend, wie es das Ende war und vielleicht war die Übersetzung auch nicht immer so brillant, wie ich sie mir gewünscht hätte, doch im Endeffekt komme ich nicht drumherum zu sagen, dass Atemnot ein bemerkenswertes Buch ist, was im großen Teich der Jugendbücher wirklich heraus stechen kann. Man muss allerdings dafür bereit und offen sein, denn diese Geschichte ist keine der Art ...und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.


Anna und Anna
Anna und Anna
Preis: EUR 7,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anna schreibt Anna, 11. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Anna und Anna (Kindle Edition)
Im Zeitalter von E-Mails und SMS, von Druckpatronen und Bildschirmen, gibt es wohl nichts Liebevolleres als einen handgeschriebenen Brief. Das wissen auch Anna und ihre Oma Anna, deren auf Papier gebrachte Worte diesen Roman, aber auch den Kopf und das Herz des Lesers füllen.
Es handelt sich hierbei keineswegs um einen einfachen Briefwechsel zwischen Enkel und Großmutter, sondern um eine über Monate laufende Unterhaltung, die von Gefühlen wie dem Verliebtsein, dem Erwachsenwerden, jedoch auch von Verlusten erzählt, die beide - trotz der vielen Jahre Unterschied - gleichermaßen empfinden.

Darunter entdeckt man Briefe, die nur ein paar dahingehauchte Zeilen enthalten, gefolgt von seitenlangen Gefühlsausbrüchen, voller Fragen, um Antwort bittend, hilflos und verzweifelt. Himmelhohe Euphorie, die von unumgänglichen Liebeskummer abgelöst wird nur um das tränenschwere Papier danach wieder mit einem Sonnenscheinlächeln zu trocknen.
Die Briefe sind Poesie, sie sind Gefühl und sie sind Liebe jeglicher Art. Und auch wenn man vorerst vielleicht glauben mag, dass sich die Großmutter der Enkelin annimmt, dass sie weiß wie es läuft und alles richtig macht, so wird man doch von Satz zu Satz eines Besseren belehrt. Denn manchmal braucht auch eine alte Dame einen Rat in Sachen Liebe, und manchmal findet sie genau den bei ihrer jungen Enkelin.

Anna und Anna ist eines jener Bücher, die von außen kurz und einfach wirken, innen aber wie ein Wirbelsturm in unseren Gedanken tosen und einen Trümmerhaufen von Gefühlen zurücklassen. Wir müssen lachen, weinen, uns erinnern und hin und wieder eingestehen, dass die wahre Liebe nicht immer rosarot ist.
Hinter diesen Buchdeckeln steckt eine ehrliche Geschichte, die vielleicht auf den ersten Blick wie ein Sommerbuch wirkt, mit vielen schwermütigen Gedanken und Geschehnissen aber auch alles andere als das sein kann.
Es geht nicht nur um junge, aufblühende Gefühle, sondern auch um jene, die zurückkehren und jederzeit eintreffen können, egal ob man 13, 30 oder sogar schon 80 Jahre alt ist.

_____________
Fazit:

Ein wunderschönes, überraschend gutes Buch, welches mit wenigen Seiten viel mit mir anrichten konnte. Ich musste wirklich lachen und weinen, und möchte es vielen Leserinnen ans Herz legen, die meinen, dass jedes Buch ein Happy End braucht, und jede Liebesgeschichte nervtötend romantisch sein muss. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern jemals ein so ehrliches Buch über das Verliebtsein gelesen zu haben.


Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen
Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen
von Jacqueline Kelly
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Heldin zum Verlieben, 8. März 2013
Es kommt leider nicht allzu häufig vor, dass man die erste Seite eines Buches liest und sich sofort in die Protagonistin verliebt. Calpurnia brauchte dafür allerdings nur ein paar Sätze und schon wusste ich, dass wir beide eine enge Freundschaft eingehen würden. Solch ein erfrischend freches, cleveres Mädchen hatte ich schon lange nicht mehr begleiten dürfen und so freute ich mich auf jedes neue Kapitel mit ihr.
Was mich an ihr so begeisterte? Sie war ein Wildfang, hatte ihren eigenen Kopf, war ihrer Zeit um einige Schritte voraus und behielt ihre Ziele stets vor Augen, egal wie weit entfernt sie schienen.
Gerade zu ihrer Zeit - 1899 in Texas - in der Frauen noch am Herd standen und kein eigenes Geld verdienten, sorgte sie mit ihrem freien Geist für Aufruhr und frischen Wind, was nicht nur ihr, sondern auch dem Leser einiges an Freude einbrachte.

Ein wichtiger Bestandteil der Geschichte war jedoch auch Calpurnias Beziehung zu ihrem Großvater, den sie eigentlich erst jetzt - mit ihren elf-drei-viertel-schon-beinahe-zwölf Jahren - so richtig kennen lernte. Der vorerst grummlige alte Mann stellte sich nämlich bald als einer der geeignetsten Wegbegleiter des jungen Mädchens heraus und wurde schnell zu einem weiteren liebenswerten Charakter, den man einfach ins Herz schließen musste.
Dieses gelungene Paar sorgte für interessante Entdeckungen, neue Erkenntnisse und eine wiedergewonnene Liebe für die Biologie. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg die Beobachtungen Darwins in ihrer eigenen Umgebung nachzuprüfen und entdeckten fremde, sowie ganz neue Arten in Flora und Fauna. Man möchte sich am liebsten mit ihnen ins Gras legen, das Mikroskop zücken und alles, was da so fleucht und kreucht, etwas genauer unter die Lupe nehmen. Ich hätte es mit den beiden jedenfalls noch viele Seiten mehr ausgehalten.

Doch dieses Buch ist nicht nur ein sommerlicher Roman für kleine Entdecker und Naturliebhaber, es ist auch ein erster Schritt in die Unabhängigkeit - besonders für die junge Calpurnia. Sie muss sich gegen ihre Mutter wehren, die immer wieder mit Klavierunterricht, Handarbeiten und so manchem kratzigem Kleid daherkommt. Sie muss anderen die Augen öffnen, die bisher immer weggeschaut haben. Sie muss beweisen, dass sie mehr kann, als alle glaubten. Und sie muss es schaffen, ihren Traum zu verwirklichen. Sie will studieren, lernen, Geld verdienen, und all das in einer Zeit, in der dies für eine Frau alles andere als schicklich war. Es ist ganz wunderbar ihr dabei zu folgen, sich gemeinsam mit ihr zu ärgern und bei Erfolgen glücklich in die Hände zu klatschen. So schließt man das Buch und wünscht Calpurnia das Beste auf der Welt.

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Mein Urteil:
Endlich mal wieder ein Buch, das nicht nur mit einer entzückenden Geschichte überzeugen konnte, sondern auch mit einem lehrreichen Inhalt und einer Protagonistin, wie man sie so gern öfter vorfinden würde. Calpurnia ist eine so kluge und fortschrittliche Heldin, dass sich sowohl Abenteurer als auch Träumer in sie verlieben können. Einfach ausprobieren und staunen in was für eine besondere Welt man entführt wird. Plötzlich kommt einem die Erde so viel schöner und fremder vor. Toll!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 6, 2013 5:20 PM MEST


Mister Creecher
Mister Creecher
von Chris Priestley
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

3.0 von 5 Sternen Frankenstein trifft Oliver Twist, 24. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Mister Creecher (Gebundene Ausgabe)
Wenn ich ein Buch nur nach seinem Ende bewerten dürfte und alles davor keine Rolle spielen würde, dann hätte Mister Creecher auf jeden Fall fünf Sterne verdient. Was zuerst noch wie eine Adaption von Shelleys Frankenstein aussah, stellte sich nämlich als viel mehr heraus. Eine Verknüpfung zweier klassischer Romane, deren Figuren sich begegnen, Freundschaft schließen und später wieder auseinander gehen. Der Autor machte sich also nicht nur Frankensteins Monster zunutze, sondern arbeitete auch mit einer bestimmen Person aus Oliver Twist, was allerdings erst zum Schluss herauskommt und auch nur für jene sichtbar ist, die Dickens' Roman bereits gelesen haben. Deswegen an dieser Stelle nicht mehr dazu...

Doch leider ist ein Ende zwar ausschlaggebend für die endgültige Bewertung, kann aber eine eher öde Vorgeschichte nicht unbedingt retten. Atmosphäre und Schauplatz waren großartig gewählt - das neblige London 1818 - allerdings ließ mich die Handlung etwas kalt. Zwei ausgestoßene Freunde, die sich auf die Suche nach einem Wissenschaftler machen, welcher sein Versprechen halten soll. In der Tat geraten die beiden in so manche missliche Lage, jedoch konnte ich für meinen Teil an keiner Stelle von wahrer Spannung sprechen. Die Situationen unterschieden sich nicht großartig von anderen Büchern (wer weiß, vielleicht wollte er auch hier an die Klassiker der englischen Literatur erinnern) und konnten mich deshalb auch nicht mitreißen. Der Handlungsstrang war vorhersehbar (außer natürlich dieses brillante Ende) und bot somit keinen Nervenkitzel. Auch kann man nicht unbedingt von einer grusligen Geschichte sprechen, außer man ist wirklich sehr zart besaitet.

Was die Protagonisten betraf, so hätte ich mir vielleicht einen tieferen Blick in Mister Creechers Kopf gewünscht. Er war ein sehr interessanter Charakter und strahlte, trotz Größe und Stärke, immer eine gewisse Sanftheit aus (welcher riesige Hüne liest schon Jane Austen und lebt dazu auch noch vegetarisch?).
Dagegen gefiel mir Billy nur sehr selten. Als mittelloser Dieb schlich er durch die Gassen Londons und kämpfte ums Überleben. Er war frech, vorlaut und pessimistisch. Vielleicht hätte ich ihm wegen seines harten Lebens verzeihen sollen, doch es gelang mir an keiner Stelle. Erst als auch er seine tiefen Gefühle zuließ, konnte er mich ein wenig für sich gewinnen. Auch das unerwartete Ende und die Auflösung seiner Person brachten mich und meine bisherige Meinung zum Buch nochmals gewaltig ins Schwanken. Plötzlich machte alles einen Sinn und wenn ich jemals wieder Oliver Twist lesen sollte, so werde ich mir stets Mister Creecher ins Gedächtnis rufen müssen.

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Mein Urteil:
Eigentlich eine tolle Idee, die mit diesem Geniestreich von Ende auch mein Herz höher schlagen ließ. Leider fehlten mir innerhalb der Geschichte Spannung und Grauen, weswegen der Roman meine Erwartungen nicht erfüllen konnte.


Worte sind nicht meine Sprache
Worte sind nicht meine Sprache
von Aidan Chambers
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Worte sind nicht Karls Sprache, 21. Februar 2013
Irgendwie ist es gewöhnungsbedürftig, wenn ein Jugendbuch aus der Perspektive eines 70jährigen, inkontinenten Autoren erzählt wird (ich bin mir immer noch ziemlich sicher, dass sich Herr Chambers hier ein wenig selbst widerspiegelt). Somit muss ich sagen, dass es sich hierbei vielmehr um einen sogenannten All-Age-Titel handelt, denn auch wenn er viel von Liebeskummer, Pubertät und den täglichen Sorgen eines Heranwachsenden erzählt, so ist er doch für Erwachsene genauso lehrreich.
Viele werden also bereits hier erkennen, dass es sich auf keinen Fall um ein gewöhnliches Jugendbuch handelt. Die Figuren sind speziell, die Thematik seriös und die Entwicklung der Geschichte so ganz anders, als wir es gewohnt sind.

Karl scheint besessen von einem Mädchen zu sein, was sich dermaßen typisch pseudo-philosophisch verhält, dass ich sie von Anfang an nicht leiden konnte. Diese Antipathie sollte sich im Verlauf des Romans noch weiter vertiefen und für sehr viel Unverständnis sorgen. Wieso gerade sie? Gibt es nicht noch andere schöne Mädchen?
Es war beruhigend zu sehen, dass das Mädchen seines Herzens nur einen geringen Teil der Geschichte in Anspruch nahm. Dabei war es interessant mitzuverfolgen, dass der Autor einen neuen Weg für Karl erbaute und ihn auf eine Reise schickte, die man vorher nicht erahnen konnte. Es geht um Trauerbewältigung, Depressionen, dem Suchen und Finden neuer Hoffnung und die Erkenntnis, dass es manchmal vonnöten ist, dass man Altes ruhen und Neues auf sich zukommen lässt.

Ein wenig enttäuscht war ich davon, dass der legasthenische Protagonist vielmehr seinen Liebeskummer und Weltschmerz in den Mittelpunkt drängte, als seine sprachliche Störung. Ich hatte mich auf eine Freundschaft zwischen Wortnarr (Autor) und Worthasser (Karl) gefreut, die in unserem "Helden" das Gefühl für die richtigen und schönen Wörter wecken sollte. Dabei entwickelte sich alles in eine Richtung, die vielmehr mit philosophischen Ansichten und der Auseinandersetzung von Liebe zu tun hatte. Die Legasthenie wich so in den Hintergrund und wurde irgendwann sogar vergessen. Das einzige, was man später noch von ihr mitbekam, war das schweigsame Verhalten Karls, welches allerdings auch auf einen introvertierten Charakter oder den Verlust seines Vaters zurück schließen ließ.
_______

Mein Urteil:
Ein ruhiges Buch, was mich zuerst mit der Thematik Legasthenie locken konnte, dann aber (leider?) einen anderen Pfad einschlug. Nachdenklich und mit viel Gefühl bringt uns der Autor der Liebe und dem Leben näher und weiß dabei sehr geschickt die Sicht eines alten und eines jungen Mannes zu verbinden. Ein Roman von 14 bis 99 Jahren (oder älter) ;)


Selection
Selection
von Kiera Cass
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterhaltsame Dystopie, 13. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Selection (Gebundene Ausgabe)
Wer kann da schon widerstehen? Ein gut aussehender Prinz - charmant, dazu auch noch humorvoll und intelligent - sucht eine Prinzessin, für deren Stelle sich jedes Mädchen des Landes bewerben darf. Doch nur 35 der Bewerberinnen haben die Chance auch mit in des Prinzen Schloss zu kommen, um ihn dort besser kennen zu lernen und das Leben einer Adligen zu genießen.
Was zuerst an eine Abwandlung von Cinderella erinnert, entwickelt sich allerdings schnell zu einer dystopischen Art des Bachelors (nur für den Fall dass jemand das Glück hat mit diesem Begriff nichts anfangen zu können: es handelt sich um eine grausige Fernsehshow), nur eben stilvoller und mit viel mehr Tüll. Klingt vielleicht beim ersten Hören etwas schräg, stellte sich beim Lesen aber schnell als sehr unterhaltsame Zukunftsvision heraus, bei der man gar nicht wirklich merkt, dass es eine ist.

Angeführt wird der Roman von einer Protagonistin, die es mir schon anfangs richtig angetan hatte. America mag vielleicht einen Namen haben, bei dem man meinen könnte, es handle sich um ein artiges Mädchen mit blonden Locken und einem schwachen Geist, aber es brauchte nicht viele Seiten um den Leser vom Gegenteil zu überzeugen. America ist, genau wie ihre wunderschönen roten Haare, wild und frech. Ja manchmal sogar so frech, dass man Angst haben musste, sie würde hochkant aus dem Schloss fliegen.
Sie wusste was sie wollte, war sich für nichts zu schade und nahm sich immer das, was sie gerade brauchte. Wie soll ich es anders sagen? Sie gefiel mir und war eine gelungene Abwechslung zu den schnöden "Heldinnen", die wir aus manch anderem Jugendbuch kennen.

Und doch kann man nicht leugnen, dass das Buch neben den starken Seiten auch seine kitschigen Stellen hat, die mit weichen Frauenherzen zu spielen wussten. Eine Dreiecksbeziehung scheint irgendwie stets die Antwort für alles zu sein, was mich sonst immer aufregt, diesmal aber ohne Probleme ignoriert werden konnte. Trotzdem, selbst wenn die beiden Herren sympathisch waren und es immer wieder ein Hin und Her der Gefühle gab, so passte Americas Stärke manchmal nicht mit ihren plötzlichen Schwächen überein. Diese Löcher in der harten Schale verpassten meiner Euphorie einen Dämpfer, brachten mich aber nie dazu, dass ich genervt war, oder das Buch zuschlagen wollte. Dafür war es schlussendlich einfach zu rund und weckte meine Neugier auf den zweiten Teil.
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Urteil:

Es ist schon wahr, wir haben es hier nicht mit einer sonderlich gesellschaftskritischen Dystopie zu tun, die tiefgründig ist und den Leser nachdenklich stimmen soll. Bei Selection handelt es sich schlicht und ergreifend um gute Unterhaltung für alle, in denen noch eine kleine Prinzessin steckt. Ich mag es und freue mich schon gierig auf mehr.


Bevor du gehst: Roman (Heyne fliegt)
Bevor du gehst: Roman (Heyne fliegt)
von James Preller
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenn alles in die Brüche geht, 10. Februar 2013
Bücher über den Tod und die Zeit der Trauer sind sicherlich nicht einfach zu schreiben, keine Frage, dennoch bin ich immer wieder überrascht, wie unterschiedlich man doch an dieses Thema herangehen kann, und wie oft ich mit meinen ersten Hoffnungen (oder Erwartungen, wie auch immer man es nennen mag) daneben liege.
"Bevor du gehst§ handelt nicht unbedingt von Trauer und Finden von Trost, sondern spielt sich hauptsächlich vor dem Unfall und der dazugehörigen Katastrophe ab. Es soll nicht zeigen, wie ein Freund des Toten mit all der Wut und den Erinnerungen umgeht, sondern eher, wie solch ein Ereignis plötzlich alles verändert und vorher so schöne, unkomplizierte Dinge zerstören kann. Zum Beispiel eine frische Liebe, die ganz und gar an Bedeutung verliert.

Dieses Buch macht traurig, das ist wahr, aber auf eine ganz andere Art und Weise, als ich vorerst vermutet hatte. Der Tod ist von Anfang an gegenwärtig und wird im Verlauf der Geschichte eigentlich schon erwartet. Man weiß, dass es passiert, man weiß nur nicht wann. Und so sitzt man und liest, und erlebt den Alltag eines pubertierenden Jungen, der sich das erste Mal richtig verliebt und nach langer Zeit glücklich zu sein scheint.
Wenn dann das Unvermeidliche geschieht, ist es nicht der Tod, der einen schockt und bekümmert, es ist die darauf folgende Apathie des Protagonisten, die man ihm nicht einmal vorwerfen kann. Man sieht all seine Hoffnung zerbrechen, die er sich vor wenigen Tagen noch so mühselig aufgebaut hat und gerät, gemeinsam mit Jude, ins Zweifeln. Kann es noch schlimmer kommen?

Und trotz all dieser positiven und aufwühlenden Punkte muss ich zugeben, dass mich das Buch nicht so erreichen konnte, wie ich es mir gewünscht hatte. Wahrscheinlich lag es an Jude, der mir zwar nicht unsympathisch war, aber durch sein hormongesteuertes Verhalten die erste Hälfte des Werks dominierte und erst später seine nachdenkliche Seite zum Vorschein brachte. Zu spät, so scheint mir, denn auch danach hatte ich keinen guten Draht zu ihm. Irgendetwas fehlte mir.

Fazit:
Ein Buch, welches zeigt, wie allgegenwärtig der Tod ist, wie teilnahmslos er zuschlägt und wie viele Leben er mit in den Abgrund reißt. Wir erfahren nicht viel über die Stufen der Trauer und man mag sich sogar wundern, wie schnell der Kummer doch verflogen zu sein scheint, aber wenn man gründlich darüber nachdenkt, ist auch dieses Buch nicht das, was man zuerst vermuten mag. Es ist einen zweiten Blick wert, zweifellos, aber ob es den Leser auch mitreißen kann, steht auf einem anderen Blatt.


Spiegelriss
Spiegelriss
von Alina Bronsky
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein außergewöhnlicher zweiter Teil, 27. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Spiegelriss (Gebundene Ausgabe)
Schon in Spiegelkind hatte mich Frau Bronsky bereits für ihre irre Mischung aus Dystopie und Fantasy für sich gewonnen, was sie in ihrem zweiten Teil sogar noch steigern sollte. Was hier vielleicht so besonders und anders gegenüber anderen Dystopien ist, ist nicht nur die Pheenthematik, sondern auch die Gesellschaft, welche Parallelen zu unserer heutigen Zeit ziehen lässt. Sie ist nicht dermaßen überspitzt und fremd, wie wir es aus Panem und Die Auswahl kennen und wirkt deshalb viel realistischer und wahrscheinlicher für unsere eigene Zukunft. Alles Außergewöhnliche erweckt Angst und wird so gut wie es eben geht eliminiert bis nur noch ein Haufen normaler Menschen übrig bleibt, der normale und anständige Dinge tut. Schon bei diesem Gedanken läuft es mir kalt den Rücken runter.

Es ist aber auch die Protagonistin Juli, die so glaubwürdig handelt, dass man auf keiner Seite ihre Entscheidungen anzweifelt oder mit skeptischen Blicken mustern muss. Sie ist nie übermäßig mutig, oder unglaublich stark, sondern ein einfaches, von der Vergangenheit noch recht verwöhntes Mädchen, was sich durch diese grausame Welt zu schlagen versucht.
Auch wenn durch ihr Schicksal kaum Platz für viele Nebenfiguren bleibt und wir nur selten ein paar der bekannten Gesichter wiedersehen, so bleibt sie doch stets eine Heldin mit der man leben und zurechtkommen kann.

Wenn neben dieser außergewöhnlichen Story und der angenehmen Protagonistin dann auch noch der wunderbare Schreibstil der Autorin dazukommt, verbinden sich diese drei Zutaten zu einem weichen, köstlichen Teig, der sich vor den Augen des Lesers immer wieder neu formt und so für Überraschungen sorgt. Ja wirklich, dieser Roman beinhaltet nur sehr wenige Stellen, die vorhersehbar sind, denn meist kann die Geschichte dermaßen überraschen, dass sie von einem Moment zum anderen in eine ganz andere Richtung verläuft. Besonders das Tempo ist dabei ein hilfreicher Faktor und sorgt dafür, dass es niemals auch nur ansatzweise langweilig wird.
Spannung, plötzliche Wendungen, grausame Szenarien und all das - man wird es kaum glauben - ohne eine allumgreifende Liebesgeschichte. Dieses Buch kommt ohne sehnsüchtiges Verlangen und wilde Knutschereien aus, höchstwahrscheinlich, weil Frau Bronsky das einfach nicht nötig hat.

Mein Urteil:
Falls meine bisherige Meinung noch nicht ganz deutlich war: ich bin begeistert. Die Autorin hat sich mit diesem zweiten Teil noch übertreffen können und entführt uns in eine Welt voller dystopischer Ideen, aber auch einem Hang zur Fantasy. Ich liebe diese Mischung und freue mich nun schon wahnsinnig auf den dritten Band, der hoffentlich einige Geheimnisse noch aufklären wird.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 6, 2013 5:37 PM MEST


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