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Rezensionen verfasst von
opernfan
(TOP 500 REZENSENT)   

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Sinfonie 2/Sinfonie 4
Sinfonie 2/Sinfonie 4
Wird angeboten von thebookcommunity
Preis: EUR 35,24

4.0 von 5 Sternen Schöne Zusammenstellung mit Schwächen, 15. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 2/Sinfonie 4 (Audio CD)
Die Kombination der sattsam bekannten 2. "Auferstehungs"-Symphonie von Mahler mit der 4. Symphonie von Schmidt ist als sehr gelungen zu betrachten, zumal das Werk von Schmidt zu wenig rezipiert wird.
Die 4. Symphonie von F. Schmidt, dem Andenken seiner verstorbenen Tochter gewidmet, fußt sehr in der Spätromantik, mit expressionistischen Ein- und Ausbrüchen. Es gibt wunderschöne, ätherisch anmutende Passagen, mitunter durch schroffe Passagen durchbrochen, zwischen Strauss und Mahler changierend. Auch wenn das Werk für mich nicht die Dichte des "Buch mit 7 Siegeln" erreicht, ist es allemal ein Kennenlernen wert, zumal in der klangschönen Interpretation durch Mehta und die formidabel aufspielenden Wiener Philharmoniker.
Nicht ganz so glücklich werde ich mit der 2. Symphonie von Mahler: diese ist ungewöhnlich straff und schroff dirigiert (das macht Scherchen zwar auch, aber deutlich Ausdrucks-betonter), was dem Werk zunächst einiges an Spannung gibt. Aber auf Dauer zeigt sich hier doch, dass diese Interpretation zu äußerlich ist, zu sehr auf eine gewisse Oberflächenpolitur hin angelegt ist. Das ist irgendwie mitreißend, dürfte aber an der eigentlichen Intention des Komponisten etwas vorbeigehen und "rührt" zu wenig das Herz an. Auch C. Ludwig fügt sich in dieses Gesamtbild ein, singt das "Urlicht" wunderschön, bleibt ihm aber einiges an Ausdruck schuldig (kein Vergleich mit J. Norman od. K. Ferrier - um zwei herausragende Vertreterinnen des Altsolos zu nennen). Auch der Wiener Staatsopern-Chor überzeugt nicht ganz, v.a. die Damen sind mir zu "grell".
In der Summe eine imposante, aber keine vollständig überzeugende Wiedergabe.


PIT STOP (OmU)
PIT STOP (OmU)
DVD ~ Bill Heck
Preis: EUR 14,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Still und leise, 11. März 2014
Rezension bezieht sich auf: PIT STOP (OmU) (DVD)
Irgendwo in Texas, wo man sich normalerweise sicher nicht hin verirren würde. Hier begegnen wir Menschen, die allesamt damit ringen, die Vergangenheit nicht loslassen zu können und dann doch merken, dass sie so keine Zukunft haben werden. Und dass sie vielleicht den Mut aufbringen müßten, sich doch zu trauen, sich neu einzulassen, auf das Leben, auf neue Partner.
In stillen, leisen Bildern, in denen mitunter die Zeit stehen zu bleiben scheint, schildert der Regisseur Yen Tann (nach "Ciao" wohl sein zweiter Film) die behutsame Annäherung der Protagonisten (u.a. Ernie und Gabe), mit viel Liebe zeichnet er sie in ihrer ganzen Verletzlichkeit und Sehnsucht nach. Er lässt sich dabei viel Zeit, man muss sich auf das langsame Tempo dieses Films einlassen. Wenn das gelingt, so hat man ein wunderschönes Filmerleben über Behutsamkeit, Sehnsucht und den kleinen Ausblick auf das Glück der Zweisamkeit. Vielleicht.
Die Schauspieler sind gut gewählte Typen und die Kamera fängt wunderbar die Stimmung ein. Ein stiller, leiser Film über große Gefühle. Sehenswert.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 1, 2014 8:24 PM MEST


Wanderers Nachtlied
Wanderers Nachtlied
Preis: EUR 22,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gewichtig, 11. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Wanderers Nachtlied (Audio CD)
M. Goerne durchschreitet weiter "seinen" Schubert-Kosmos und liefert einmal mehr ein großartiges Lieder-Recital ab: sekundiert von hervorragenden Begleitern (in diesem Fall wieder Helmut Deutsch und Eric Schneider, beide hochmusikalisch, eigenständige Begleiter, die ganz wunderbar mit Goerne's Tiefsinn harmonieren) gelingen ihm einmal mehr überragende, häufig auch überraschende, "unerhörte" Interpretationen: so habe ich z.B. das Lied "Litanei" noch nie so langsam und getragen gehört - und dennoch (oder gerade deswegen?) gelingt es Goerne, Spannung und Stimmung zu halten. Und wie er z.B. die Personen wechselt im "Tod und das Mädchen" ist große Kunst (und wie wohltönend ist dieser "Tod", ohne den Schrecken der Endgültigkeit auszublenden). Tief bewegend dann "Viola", welch klingende Wehmut hier, erschütternd in seiner Dramatik der "Zwerg". Und so könnte man gerade weiter ins Schwärmen geraten.
So ist auch diese Mischung von bekannten und weniger bekannten Liedern von Schubert eine willkommene Bereicherung des Schubert-Kanons. Goerne hat sich dabei eine leichte bewegliche Stimme bewahrt (die schon in seinem allerersten Recital bei der Decca gefiel) und deutlich an Tiefe (in jeder Hinsicht) gewonnen. Er ist dabei immer persönlich Beteiligter und wählt damit einen anderen Zugang als Fi-Di, der ja eher als Chronist auftrat, und ist somit eine mehr als willkommene Ergänzung. Chapeau.


Dallas Buyers Club [Blu-ray]
Dallas Buyers Club [Blu-ray]
DVD ~ Matthew McConaughey
Preis: EUR 13,97

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Oscarreife Schauspielleistungen, 3. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Dallas Buyers Club [Blu-ray] (Blu-ray)
Soeben haben Matthew Mcconaughey und Jared Leto die Oscars für die besten männlichen Haupt- und Nebendarsteller erhalten - völlig zu recht. Diese beiden Schauspieler heben diesen Film deutlich über ein (fiktives) Mittelmaß hinaus - und das ist nicht nur dem Gewaltakt von Matthew Mcconaughey geschuldet, für die Rolle mehr als 20 kg abzunehmen. Er spielt den zunächst homophoben, später kämpferischen frühen AIDS-Aktivisten ungemein überzeugend - auch wenn er hinsichtlich der Entwicklung der Persönlichkeit von der Regie eher allein gelassen wird. Gleiches gilt auch für die von J. Leto verkörperte Rolle, der ebenfalls wenig innere Entwicklung zugestanden wird.
Drehbuch und Regie fokussieren doch sehr (zu?!) stark die äußere Handlungsebene (sprich: wie aus einem zunächst Betroffenen ein Kämpfer für eine Öffnung des Medikamentenmarktes wurde - übrigens durchaus auch sehr eigennützig), während die inneren Prozesse der Protagonisten zu kurz kommen. Dabei ist (für einen amerikanischen Film allemal) durchaus positiv zu vermerken, dass die Hauptcharaktere in ihrer ganzen Gebrochenheit ungeschönt gezeigt werden (so ist das alles bei weitem nicht uneigennützig oder gar heldenhaft, was hier geschildert wird). Und dennoch passiert auf der Beziehungsebene zu wenig, als dass man mit den gezeigten Charakteren wirklich warm werden könnte.
Und so zeigt der Film fast schon dokumentarisch anmutend, wie sehr die ersten AIDS-Kranken um ihre Rechte und ihr Leben kämpfen mussten, wie sie von Regierungsinstitutionen alleine gelassen werden und welch "schmutziges" Spiel die Pharmakonzerne spielten. Insofern auch ein wichtiger Film, dem es dann aber doch an dramatischem Geschick mangelt.
Und so sind es für mich v.a. die äußerst überzeugenden Schauspieler, die sich für mich die 4 Sterne erspielen.


Mozart, Wolfgang Amadeus - Die Zauberflöte
Mozart, Wolfgang Amadeus - Die Zauberflöte
DVD ~ Berliner Philharmoniker
Wird angeboten von Onlineshop der Berliner Philharmoniker
Preis: EUR 29,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Etwas schwer geratene Festspielproduktion, 2. März 2014
Die Berliner Philharmoniker wechselten 2013 zu Ostern von der Salzach an die Oos, um dort "ihre" Osterfestspiele zu begehen. An Bord haben sie - statt dem ursprünglich geplanten Parsifal, den Thielemann sich für Salzburg sicherte - die Zauberflöte, mit der man normalerweise nicht allzu viel falsch machen kann. Das Ergebnis ist nun aber etwas zwiespältig geraten:
Das liegt zum einen am Dirigat von Sir Simon Rattle: es ist verhältnismäßig schwerfällig geraten (überhaupt ein Zug der letzten Jahr, Mozarts Opern sehr schwer zu nehmen), was auf der Strecke bleibt, ist der leichte, spielerische Aspekt der Oper. Selbst die Rolle des Papageno hat hier nicht mehr so viel zu lachen... Das ist orchestral gut ausgeleuchtet, es fehlt aber an Lebendigkeit.

Dabei wird auf hohem Niveau gesungen: P. Breslik ist ein wunderbar lyrischer Tenor mit genug Kraft, auch die heldischeren Aspekte des Tamino zu gestalten. K. Royal ist technischen Schwächen zum Trotz eine berührende Pamina und A. Durlovski eine höhensichere Königin der Nacht (sie sprang kurzfristig für die erkrankte S. Kermes ein). D. Ivashenko ist ein solider, jugendlicher Sarastro und M. Nagy ein sehr präsenter, stimmlich viriler Papageno, dem allerdings von Dirigent und Regisseur eher enge Fesseln angelegt wurden. Und die drei Damen sind Luxus pur (Kozena, Massis, Stutzmann), auch J. v. Dam als Sprecher ist immer noch eine hörenswerte Autorität in der Rolle des Sprechers. Diesbezüglich bleiben kaum Wünsche offen, denn selbst die drei Knaben sind von höchster Qualität.
Was nun die Regie von R. Carsen angeht, so macht er nichts wirklich falsch: erzählt wird die Initiationsgeschichte von Tamino und Pamina, hier sind Sarastro und Königin der Nacht diesbezüglich Verbündete, was zunächst ein interessanter Aspekt ist und fast aufgeht, erst am Ende, wenn die Königin der Nacht mit Monastatos eigentlich Sarastros Reich "stürmen" will, geht das Konzept nicht auf und birgt eben doch einen schwerwiegenden Logikfehler in sich (auch wenn Carsen versucht, Monastatos zum Haupttäter zu stilisieren - so steht es definitiv nicht im Textbuch!). Ansonsten ist es eine gut anzuschauende Zauberflöte, die aber nicht wirklich innovativ ist, aber schöne Schauwerte hat. In der Tendenz aber auch eher das Schwere betont und Verweise zur "Spieloper" eher ignoriert.
Insgesamt 3,5 Sterne, vor allen Dingen dank der sehr guten Sängerbesetzung. Musikalisch ist die Aufführung eher schwerfällig geraten, hier hätte ich mir mehr erhofft.


Philomena
Philomena
DVD ~ Dame Judi Dench
Preis: EUR 14,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Äußerst gelungen, 2. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Philomena (DVD)
S. Frears läuft in diesem Film wieder zur alten Höchstform auf. Wie es ihm gelingt, dieses eigentlich sehr "schwere" Thema wunderbar in Balance zu halten zwischen Tragik und Komik, ist äußerst sehenswert.
Erzählt wird die Geschichte von Philomena (eine wahre Geschichte!), die in den 50ern ungewollt schwanger wird und bei den "unbarmherzigen Schwestern" in Irland landet, die ihr das Kind dann letztlich wegnehmen und zur Adoption freigeben. Ihre Suche nach dem verlorenen Sohn 50 Jahre nach dieser "Untat" - gemeinsam mit einem eher zynischen Reporter - bietet die Grundlage dieses warmherzigen Films, der letztlich auch ein road movie ist, in dem sich zwei sehr unterschiedliche Charaktere - hier die warmherzige, etwas einfach gestrickte Philomena mit einer Schwäche für Kitschromane, dort der zynische Oxbridge Journalist - zusammenraufen müssen, um einmal mehr festzustellen, wie herzlos und verbohrt die Kirche bis zum heutigen Tag sein kann. Und so zeigt uns der Film, wie die Opfer der "Verbrechen" im Namen der Kirche mehr Herz und Größe entwickeln, wie die gesamte Institution Kirche.
Neben der wunderbar ausbalancierten Regie lebt der Film v.a. auch von dem Schauspiel der überragenden J. Dench. Wie sie ihrer Rolle Würde und Tiefe verleiht, ist atemberaubend. Ganz großes Theater.
In der Summe ein bewegender, nie zu schwerer Film, der seiner wunderbaren Hauptdarstellerin viel Raum lässt und damit der (realen!) Figur ihre Würde wiedergibt. Es ist ein Film wider das Vergessen und Verdrängen, der zeigt, dass letztlich nur das Hinschauen zur wahren Vergebung führen kann. Diese findet aber nicht bei der Kirche statt. Insofern auch ein (bitteres!) Lehrstück für selbige: einfache Menschen haben mehr Größe und Herz als es der Anspruch der Kirche offensichtlich je vermöchte….


Szenen und Arien
Szenen und Arien
Preis: EUR 11,80

5.0 von 5 Sternen Überwältigend, 21. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Szenen und Arien (Audio CD)
Kirsten Flagstad hatte eine unglaubliche Stimme und eine unglaubliche Größe im Singen, was man hier vortrefflich hören kann: in diesen eher frühen Aufnahmen ist sie im Vollbesitz ihrer Stimme und somit hören wir schlicht und ergreifend eine Jahrhundertstimme: mühelos singt und gestaltet sie den ganzen Kosmos Wagner'scher Frauen: von der Elsa (hier ist ihre Stimme fast schon zu groß), über die Kundry (ungewöhnlich für sie, aber sehr beeindruckend) zu Isolde und Brünhilde, mit einer fantastischen Aufnahme des Schlußgesang. Es gibt heute wohl keine Sopranistin mehr, die eine solche Vielfalt an Rollen so souverän singen und gestalten kann. Das ist ganz große Kunst.
Diese CD ist z.B. den Decca-Aufnahme vorzuziehen, die letztlich zu spät kamen, da in den 50er Jahren die Stimme der Flagstad schon spröde geworden war.


Sarasate
Sarasate
Preis: EUR 17,99

18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jenseits des reinen Virtuosentums, 21. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Sarasate (Audio CD)
Julia Fischer begibt sich zunächst scheinbar auf die Pfade des reinen Virtuosentums, Sarasate war zu seiner Zeit ein großer Geigenvirtuose und schrieb (scheinbar) Hochvirtuoses für sein Instrument. Bekannt ist er bis heute v.a. für seine Zigeunerweisen (auch auf dieser CD), es gibt kaum einen großen Geiger, der dieses Stück nicht in seinem Programm hat. Und meistens wird es auch als Virtuosenstück gespielt, vollmundig, süffig, gerne mit breitem Ton.
Nichts davon hier: natürlich ist Julia Fischer technisch über jeden Zweifel erhaben, aber sie gestaltet diese Musik ganz außergewöhnlich, vielfach fast impressionistisch angehaucht (immerhin war Sarasate Zeitgenosse von Ravel und Debussy), mit schlankem Ton - und nur wo nötig, "langt" sie auch zu. Das wirft ein ganz neues Bild auf Sarasate, der eben doch mehr war als nur ein Virtuose, sondern durchaus ein Könner als Komponist. Im Verbund mit der hervorragenden Pianistin gelingen sehr stimmig, rhythmisch begeisternde Wiedergaben.
Auch wenn eine ganze CD von Sarasate am Ende vielleicht doch auch etwas gleichförmig wirken kann (es sind v.a. auch viele spanische Tänze darauf), so ist die Interpretation über jeden Zweifel erhaben. Und alleine die filigrane, leichte Wiedergabe der Zigeunerweisen (dabei sehr prägnant im Rhythmus) und v.a. auch das Stück "El conto del ruisenor" (Gesang der Nachtigall - in den höchsten Tönen singt hier die Geige ein traumhaft schönes Lied) sind absolut mitreißend und unbedingt ein Kennenlernen wert.


Schubert: Winterreise
Schubert: Winterreise
Preis: EUR 15,99

26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der individuelle Weg, 16. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schubert: Winterreise (Audio CD)
Nach der schönen Müllerin legt Kaufmann nun die Winterreise vor. Jenes letztlich kaum zu interpretierende Werk, denn wie geht man es an - gerade auch angesichts einer übermächtigen Konkurrenz an Aufnahmen? Es scheint letztlich zwei Wege zu geben, die Winterreise anzugehen: resignativ, dem Tod entgegen, wie es z.B. Hans Hotter mustergültig auf Platte vorlegte, oder aber als bittere Anklage eines Ausgegrenzten, wie es z.B. exemplarisch B. Fassbänder tat.
Interessanterweise gibt es gar nicht so viele Tenöre, die sich der Aufgabe der Winterreise stellten (Schreier natürlich, auch P. Pears, sehr beachtlich), obwohl die Winterreise für einen Tenor geschrieben wurde.
J. Kaufmann stellt sich nun und vollbringt Beachtliches. Er wählt einen ähnlichen Zugang wie in der Müllerin, er beschreitet den Weg als subjektiv Betroffener und Leidender, er singt dramatisch geschärft, dabei sehr differenziert. Er wählt den Weg des subjektiven Ichs, welches unmittelbar betroffen ist, sich auflehnt, anklagt und am Ende fast verwundert, ratlos bleibt angesichts der Kälte der Welt.Und nicht der Gefahr erliegt, zu eindeutig zu werden, wenn es um das Ende des Zyklus geht. Denn wer ist dieser Leiermann?
Das ist nun keine "klassische" Interpretationshaltung im Liedgesang, mitreißend aber allemal.
Diese Winterreise ist stimmlich überragend gestaltet, wunderbar abschattiert, die gesamte Stimm- und Ausdruckspalette nutzend. Und einmal mehr hervorragend begleitet von H. Deutsch.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 24, 2014 7:39 PM CET


Requiem
Requiem
Preis: EUR 15,99

4.0 von 5 Sternen Oberes Mittelfeld, 16. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Requiem (Audio CD)
Es gibt eine Vielzahl von Aufnahmen des Verdi-Requiems und manche "klassische" Aufnahme, die quasi eine Art Kanon des Werkes darstellen. Von den neueren Aufnahmen würde man sicher die Abbado-Berlin Aufnahme dazu zählen, aber auch Harnoncourt hat eine sehr verinnerlichte, "stille" Version vorgelegt, die Bestand hat.
Nun also Pappano (der im übrigen zwei Sänger gemeinsam mit der neuen Barenboim-Aufnahme hat). Wie schlägt er sich angesichts einer "erdrückenden" Konkurrenz?
Zunächst einmal gut. Er findet eine gute Balance zwischen dramatischen Akzenten und Momenten des Innehaltens, des Leisen. Manchmal überzieht er vielleicht etwas eine Heftigkeit in den forte-Stellen, das mag aber auch der Live-Situation geschuldet sein und bleibt letztlich dennoch ausgewogen.
Pappano dirigiert mit viel Italianita, eher dem Dramatischen verpflichtet und schafft dennoch eine Stimmung, in der das zutiefst Menschliche des Werkes nicht zu kurz kommt. Jenseits aller Stilfragen.
Was nun die Sänger angeht, so ist das Ergebnis etwas zwiespältig. Villazon singt mit hörbar angeschlagener Stimme, die häufig matt klingt. Ausdrucksmäßig ist er gut, aber an manchen Stellen "trauert" man der Stimme hinterher, die er vor seiner Krise hatte. S. Ganassi verfügt über keine ausgesprochen schöne Stimme, singt aber mit viel Gefühl. R. Pape bleibt für mich unidiomatisch und forciert mir an manchen Stellen zu stark, er ist für mich keine überzeugende Besetzung. Alle überstrahlt aber A. Harteros, die für mich eine äußerst überzeugende Interpretation abliefert - manchem Tremolo zum Trotz. Welch Dramatik, aber auch welche Piani, welches Legato. Harteros ist (vielleicht neben Stoyanova) die Verdi-Sängerin des Augenblicks (was sie neuerlich in der Barenboim-Aufnahme bewiesen hat, die mir vom Dirigat aber weniger gefällt).
Trotz der Einschränkungen beim Solistenquartett gehört diese Aufnahme des Requiems für mich zum oberen Mittelfeld, weil v.a. Pappano mit seinem leidenschaftlichen, ausgewogenem Dirigat überzeugt. Und dann noch wegen Harteros, die für mich zu den überzeugendsten Interpretinnen dieses Werkes gehört.


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