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Buchrezensent aus-erlesen "Buchrezensent aus-erlesen" (Leipzig)
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Der Esel auf dem Eis: Miniaturen
Der Esel auf dem Eis: Miniaturen
von Bruno Nardini
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wo Lehren sinnvoll walten, 7. April 2016
Prrr, ist das kalt! Denkst sich der Esel. Der Esel! Merkt er doch nicht, dass er nicht auf der Straße, sondern auf dem zugefrorenen See steht. In heutiger Zeit würde man ihn anfrieren lassen und etwas Unerwartetes auf den langohrigen Schädel fallen lassen. Nicht der Maestro persönlich. Er weiß um die physikalischen Gegebenheiten des Lebewesens und lässt mit der Körperwärme den See schmelzen. Fertig, aus, Ende! Kurze Fabel, die Lehren daraus ziehen, das war’s!
Nö, noch lange nicht! Das wohl letzte echte Universalgenie der Menschheit hat noch so manche Lach- und Lehrattacke im Petto. Er fabuliert sich munter durchs Tier- und Pflanzenreich. Eitle Bäume, die die anderen verscheuchen, stehen mutterseelenallein da, wenn der Orkan wütet, sie keinen Schutz mehr bieten. Austern, die von Mäusen hinters Licht geführt werden, um das selbst als Mahlzeit zu enden. Pfiffiges Korn, das Ameisen ums Leben anbettelt, und einen horrenden Gewinn versprechen. Schwäne, die zum Sterben sich ins Dickicht zurückziehen, wo sie die anderen Tiere sterben hören können.
Eine echte Wohltat mal in die Schriften des Malers und Erfinders Leonardo da Vinci blicken zu dürfen. Dieses kleine Büchlein mit Dutzenden Fabeln entschlüsselt vielleicht das Geheimnis um seine Fähigkeiten. Doch es erlaubt einen Einblick in die Weitsichtigkeit eines wahren Gelehrten. Immer wieder setzt man ab, schmunzelt, sagt „Ja, so ist es!“ und blättert anschließend genüsslich weiter. Natürlich sind die Tiere als Gleichnisse zu sehen. Es gibt immer Einen, der aus der Reihe tanzt. Eitle Menschen, die sich nicht gern schmutzig machen und stattdessen lieber ihr Leben aufs Spiel setzen. Oder Choleriker, die keinerlei Veränderungen wünschen, und dann doch einsehen müssen, dass Veränderungen Fortschritt bedeuten und meist lange anhalten.
Das schmale Format bietet sich an es als wohlgemeintes Geschenk weiterzugeben. Ein Lächeln, gar ein Oho (der hat auch geschrieben?) werden der tiefe Dank sein. Und wenn man die Nachrichten sieht, die Gazetten durchblättert, online sich die News zur Gemüte führt, werden so manche Parallelen sichtbar. Hunderte Jahre alte Weisheiten, und es hat sich seitdem kaum etwas geändert… Nur die Genies werden weniger.


Kleiner Mord zwischendurch: Stories
Kleiner Mord zwischendurch: Stories
von Mitra Devi
  Elektronik
Preis: EUR 17,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichten für jedermann, jeden Tag und jede Stimmung, 3. April 2016
Ein schönes Sprichwort: „Wer Andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!“ Konrad Killer macht seinem Namen alle Ehre und verdingt sich als selbiger. Eine Güllegrube war bisher sein exotischster Tatort. Einer, der sich bei ihm eingebrannt hat. Nun bekommt er wieder einen Auftrag. Die Methode wird ihm überlassen. Er weiß zwar nicht, wer der Auftraggeber ist – wie immer – das interessiert auch nicht. Doch er kennt den „Reisegast“, wie das potentielle Opfer firmenintern genannt wird: Konrad Killer. Ja, er soll sich selbst beseitigen.
Das ist die erste Geschichte der Kurzkrimisammlung von Mitra Devi. Schwarz, tiefschwarzer Humor. Besser kann ein solches Buch nicht anfangen. Es wird schwer werden diese noch zu toppen. Und hier irrt man als Leser gewaltig. Denn schon Geschichte Nummer Zwei setzt noch einen drauf. Wieder unter dem Motto „Wer Andern ein Grube gräbt, …“ Elvira kann es einfach nicht lassen. Sie lügt. Sie lügt gern. Und gut. Bisher jedenfalls. Ein neuer Kollege hat es ihr angetan. Ihn will sie beeindrucken. Und erzählt ihm ein dunkles Geheimnis. Sie sei im Zeugenschutzprogramm, hat mal einen Mafioso hinter Gitter gebracht. Blöd nur, wenn der Gegenüber die gleiche Geschichte parat hält, sie aber – weil sie wahr ist – nicht weitererzählen darf…
Eine Reporterin, die die Geschichte ihres Lebens wittert und schlussendlich wortwörtlich mit dem Tod ringt - Eine Schriftstellerin, die unter der Masse ihrer Pseudonyme zusammenbricht - Derbe Späße unter Freunden: Das sind die Zutaten dieses Kleinods der Nicklichkeiten. Kein Charakter ist unsympathisch, alle haben ihr Scherflein zu tragen – Mord ist eben nicht Jedermanns Sache!
Oft sind Kurzkrimis etwas für die trüben Tage, wenn es draußen nasskalt vor sich hinstürmt. Da macht man es sich zu Hause gemütlich, gruselt sich ein wenig und / oder belächelt die Protagonisten. „Kleiner Mord zwischendurch“ ist eine Ganzjahres-Allwetter-Krimisammlung, die man getrost zu jeder Tages- und Jahreszeit genießen kann. Die short stories sind mehr als nur Fingerübungen zwischen den Recherchen für die neuen Fälle von Nora Tabani, der Züricher Privatermittlerin, die Mitra Devi geboren hat. Es sind findige Stücke, die einem ab der ersten Zeile in ihren Bann ziehen. Absetzen unmöglich. Man fiebert mit. Rätselt, was die Geschichte hinter der Geschichte sein könnte. Und wie sie ausgehen mag. Ein erstklassiges Katz-und-Maus-Spiel zwischen Autorin und Leser.


Die Fremde im Spiegel (Unionsverlag Taschenbücher)
Die Fremde im Spiegel (Unionsverlag Taschenbücher)
von Samar Yazbek
  Broschiert
Preis: EUR 10,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reflexionen einer verschlossenen Welt, 3. April 2016
Es ist dunkel in dem großen Haus. In dem Haus, in dem Hanan wohnt, zusammen mit ihrem Mann und der Dienerin Alia. Dunkel wie die Nacht nur sein kann. Ein Lichtstrahl durchschneidet das Nachtschwarz scharf wie ein Schwerthieb. Leises Wispern. Ohne das Licht kaum wahrnehmbar. Hanan folgt dem Licht. Die offene Tür zum Gemach ihres Gatten steht offen. Nur ein ganz klein wenig, doch genug um den Korridor ausreichend zu erhellen. Da liegt, erschöpft, mit einem Gesicht, das sie so noch nie gesehen hat. Aber sie hat eh nie auf sein Gesicht geachtet, wenn sie sich vereinigten. Um ihn geschlungen liegt Alia. Glücklich sieht anders aus. Doch sie ist da. Das reicht.
Das reicht! Hanan schmeißt Alia aus dem Haus. Schickt sie fort. Ihn den namenlosen, treulosen Gatten straft sie mit Nichtachtung – ihm ist es gleich.. Er wird es überleben. Alia aber? Darum sorgt sich Hanan, doch noch wiegt der Verrat schwerer. Im Spiegel trifft sie eine Frau, die ihr gar nicht ähnlich sieht. Eine Frau, die ihr so fremd ist wie die gerade erlebte Situation. Alia, die schöne Dienerin, die mit ihrer Herrin mehr verbindet als nur das bloße Angestelltenverhältnis.
Das große Haus scheint auf einmal noch größer, kälter, unnahbarer, fremd. Und immer wieder die Frau im Spiegel. Und es bietet Raum zur Erinnerung. Hanan erinnert sich zurück an den Tag als Alia ihr angeboten wurde. Das kleine Mädchen, das völlig regungslos an der Hand des „Barbarenvaters“ wie sie ihn nannte für ein Bündel Geld Hanan und ihrem Mann angeboten wurde. Alia war froh endlich dem elterlichen Heim zu entkommen. Hier gab es weder Kindheit noch Freude. Gewalt und Tyrannei bestimmten ihr bisheriges Leben. Ihre Schwester verstarb noch bevor Alia geboren wurde. Der Vater war schuld. Und Alia bekam bei ihrer Geburt den Name der Schwester. Eine schwere Bürde.
Hanan ist in Gedanken versunken und stellt fest, dass Alia und sie selbst etliche Parallelen aufweisen. Auch Hanan war froh dem Martyrium des Elternhauses entfliehen zu können. Ihre Heirat war Mittel zum Zweck. Wie in so vielen syrischen Familien. Und Alia war ihr immer eine treue Gefährtin. Oder doch nicht? War Alia nicht still und heimlich zur Herrscherin über Haus und Hof geworden? Hanan befreit sich nach und nach aus ihrem Kokon, den sie als ihr Leben angesehen hat…
Samar Yazbek reflektiert in „Die Fremde im Spiegel“ das Leben in Syrien vor dem unendlich scheinenden Krieg. Das Schicksal von Hanan und Alia steht exemplarisch für die Traditionen in einem Land, das die meisten seit Jahrzehnten nur als Kriegsschauplatz wahrnehmen. Alia kam als Dienerin in den Haushalt der Familie, die zur Elite des Landes gehört. Hanan stieg durch die Heirat mit dem alten Krokodil, wie sie ihren Mann nur noch abschätzig nennt, in die Oberschicht auf. Die gibt sich in ihrer Langeweile nur mit sich selbst in verrückten Spielchen ab. Das ist kein Leben für Hanan. Und so macht sie sich auf die Suche nach Alia, einem Leben, einer Zukunft.


111 Orte in Bern, die man gesehen haben muss
111 Orte in Bern, die man gesehen haben muss
von Cornelia Lohs
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als nur die Hauptstadt des Schoggilandes, 2. April 2016
Autorin Cornelia Lohs wurde belächelt, fragend angestarrt und bestaunt wegen ihres Vorhabens einhundertelf Orte in Bern zu finden, die es wert sind besucht zu werden. Ihre Recherchen und dieses daraus resultierende Buch beweisen, dass die Zweifler nun verstummt sind und Bern durchaus diese einhundertelf Orte besitzt.
Bern ist eine abwechslungsreiche Stadt, wenn man sich die Auswahl so anschaut. Von der Messerschmiede über das Einsteinhaus, vom Kindlifresser-Brunnen (da steht tatsächlich eine Figur, die Kinder in sich reinstopft – warum, das weiß keiner so genau. Aber es gibt mehrere Theorien.) bis zum geschichtsträchtigen Käfigturm, vom Israelitischen Friedhof bis zu Jack’s Brasserie – für jeden etwas dabei, wie es so schön heißt.
Cornelia Lohs belässt es nicht bei der bloßen Aufzählung der hundertelf Orte, sie macht in kleinen Texten Appetit auf mehr. Neben der Anfahrtsbeschreibung gibt es immer noch einen weiteren Tipp, was es um die Ecke noch zu bestaunen gibt. Spielzeugläden, die ab dem Türöffnen Nostalgie(r) verbreiten, herrlich ruhige Cafés, idyllische Hotels laden zum Verweilen ein. Während der Nougatladen und Gysi Chocolatier Gaumenfreuden und das einhergehende Hüftgold versprechen und es auch oft halten.
Dann empfehlen sich ausgedehnte Spaziergänge zum Beispiel zum Chutzenturm. Von hier oben hat man einen göttlichen Ausblick. Wer nicht allzu sehr gesündigt hat – was schwer fällt, wenn man nur allein das Bild der Kakaotempel betrachtet – der darf sich mit dem Mattelift von der Badgasse nach oben zur Münsterplattform befördern lassen und in den wenigen Sekunden vielleicht ein Schwätzchen mit den einem der Liftboys halten. Die sind allesamt schon in einem Alter, in dem man, wenn überhaupt, nur noch freiwillig arbeitet. Runter nimmt man dann die Treppen.
Dieses Buch macht Lust mal eine Hauptstadt anders zu erleben. Keine Hektik, nur da, wo sie angebracht ist und sich nicht vermeiden lässt. Bern ist sicherlich nicht unter den Top Ten der europäischen Hauptstädte. Doch wer die Stadt an der Aare besucht, wird bestimmt wiederkommen. Schon allein, weil er nicht alle einhundertelf Orte, die man gesehen haben muss, besuchen konnte.


Soro: Ein Voodoo-Krimi
Soro: Ein Voodoo-Krimi
von Gary Victor
  Broschiert
Preis: EUR 11,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Win/Win-Situation, das Elend im Großen und Kleinen, 2. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Soro: Ein Voodoo-Krimi (Broschiert)
Wenn es nicht einen so tragischen, düsteren Hintergrund gäbe, könnte man über den Anfang der Geschichte schmunzeln. Im Soro-Rausch (Zuckerrohrschnaps mit einem Schuss Bittermelone, auch als Medizin zu verwenden) vergnügt sich Dieuswalwe Azémar mit einer Frau in einem Hotelbett. Sie vergessen Raum und Zeit, die Erde bebt. Der Kommissar ist schon fast geneigt zu meinen, dass es an ihm liegt. Doch Mutter Erde hat ihren eigenen Plan…
Der Roman beginnt im düstersten Kapitel der jüngeren Geschichte Haïtis. Das verheerende Erdbeben von 2010. Tausende Menschen, die eh schon nichts hatten, verloren auch noch den kümmerlichen Rest. Eine Tragödie, von der sich das Land bis heute nicht erholt hat und leider auch nicht so schnell erholen wird. Für den Ermittler hat das Erdbeben eine weitere menschliche tragische Komponente. Denn die Frau, mit der er anfangs so süße Stunden verlebte, ist nicht die Seine. Er ist Junggeselle mit Stieftochter. Die Frau stirbt beim Akt als ihr die Decke auf den Kopf knallt. Tragisch, wahrhaft. Aber es geht noch schlimmer. Die war – das muss man nun leider eingestehen – die Frau seines Kumpels, seines Freundes. Es geht nicht schlimmer? Doch! Denn dieser Freund ist Solon, Azémars Chef. Und derjenige, der ihm schon mehr als einmal den Rücken freigehalten hat.
Es ist ein Elend. Auf den Straßen regiert die rohe Gewalt. Menschen wissen nicht mehr wohin mit sich und ihrer Verzweiflung. Und dann auch noch das – so viel zum Thema „Schlimmer geht’s immer“: Azémar bekommt den Auftrag herauszufinden, mit wem sich Solons Frau in der besagten Nacht im Hotel vergnügte.
Gerade hat er eine langanhaltende Beziehung zu seiner Stieftochter Mireya aufgebaut. Er befreite sie aus den Fängen einer perfiden, nein perversen Sekte. Und nun kann er ihr kaum noch in die Augen schauen. Da hilft auch kein Rum oder Schnaps, wie er es so oft schon tat. Und schon gar nicht bei der Faktenlage: Die Frau – tot. Der Chef überzeugt, dass es sich um Ehebruch handelt und gewillt den Missetäter „zur Rechenschaft zu ziehen“. Und ein Zeuge, ein Hotelangestellter, der – Azémar schämt sich fast für den Gedanken – im Koma liegt.
Die Sprachgewalt von Gary Victor, wenn er über die beiden Beben spricht (Hotelzimmer und den vibrierenden Erdplatten) wandeln sich komplett, wenn er über das unsagbare Leid der Haïtianer nach der Katastrophe schreibt. Dem Leser stockt der Atem bei solch detaillierter und exakter Beobachtungsgabe. „Schweinezeiten“ war der Auftakt zu einer besonderen Krimireihe aus einem besonderen Land. „Soro“ als Nachfolger ist mehr als eine würdige Fortsetzung, in „Soro“ bekommt Dieuswalwe Azémar ein tragisches Gesicht, dass sicherlich in den weiteren Romanen reifen wird.


Only Cigars!: Geschichten für Zigarrenliebhaber
Only Cigars!: Geschichten für Zigarrenliebhaber
von Reinhard Kober
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die einzige Tabakwerbung, die auf gar keine Fall verboten werden darf! Ein Genussbuch, 2. April 2016
Seit einigen Jahren gibt es in Europa das Tabakwerbeverbot. Und nun das! Ein Buch, das den Tabakgenuss anpreist. Alles halb so wild! Dieses kleine Büchlein verleitet nicht zum Rauchen! Es ist ein Buch, das Zigarrenraucher und Nichtraucher gleichermaßen in den gemütlichen Sessel lockt und die Schwärmereien der Literaten wie Nebelschwaden an einem vorbeiziehen lässt. Es geht auch nicht um minderbegabte Schauspieler, die mit ihrem Tabakbalken im Mundwinkel mehr oder weniger debil in die Kameras grinsen und dabei „auf dicke Hose machen“. Hier geht es um Genuss, ein Stück Kultur.
Ein Mann wie Mark Twain vertilgte am Tag mehrere Dutzend Zigarren. Ihn störte es nicht, seine Umgebung sicherlich auch nicht. Beim Rauchen kamen ihm die besten Ideen. Ganz im Gegenteil zum Wein. Der machte nur einen schweren Kopf. Doch die Schwere brachte keine Zeilen zu Papier.
Groucho Marx, der Mann mit der wilden Frisur, der neckischen Brille und dem aufgebmalten Schnurrbart, erzählt in seiner ihm eigenen komischen Art von seiner Passion. Er lebte zu einer Zeit, in der er nicht eine bestimmte Marke rauchte. Er rauchte Zigarren nach Preisen. Erst eine Zigarren-Werbung, die ihm eine halbe Stunde Havanna verhieß, änderte er sein Verhalten … und beschwerte sich bitterlich beim Verkäufer und beim Hersteller, dass er nur achtzehn bzw. maximal zweiundzwanzig Minuten Havanna genießen konnte. Die Firma zahlte ihm prompt den Kaufbetrag zurück, dreißig Cent.
Nicht nur Literaten wurden von Reinhard Kober für dieses exquisite Büchlein ausgewählt. Auch der Papst der Zigarren, Zino Davidoff kann eine Geschichte beisteuern. Seine Eltern ließen sich nach ihrer Flucht aus der Ukraine in Genf nieder. Hier wurde das Tabakimperium Davidoff geboren. Zino Davidoff erinnert sich an die Leidenschaft, die er schon früh für Tabak hegte. Reisen unter anderem nach Kuba waren für ihn eine Offenbarung. Besonders gern erinnert er sich an einen Kunden seines Vaters. Ein Kunde, der nie bezahlte und auch nie bezahlen musste. Er kam regelmäßig. Ein eher kleiner Mann. Ein Russe. Einer mit einem Pseudonym. Lenin, der Revolutionsführer in der alten Heimat.
Wenn man so durch die Seiten blättert, die Anekdoten liest, Romanausschnitte in sich aufsaugt wie ein Zigarrenraucher den Tabakrauch man auch als Nichtraucher erahnen, welch ein Genuss die Protagonisten umwehte. Man wird nicht gleich zum Raucher. Das nicht. Aber man sieht so manches intellektuelles Gespräch, beispielsweise mit dem Dramatiker Heiner Müller (gab es den überhaupt ohne Zigarre?), mit anderen Augen. Müller sah im Zigarrenrauchen durchaus auch eine gesellschaftliche progressive Komponente.


Lesereise Baskenland (Picus Lesereisen)
Lesereise Baskenland (Picus Lesereisen)
von Georges Hausemer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der beste Kulturguide, den es gibt, 28. März 2016
Das wohl schwerste Buch für Georges Hausemer. Auf der einen Seite möchte er gern seine innige Zuneigung zum Baskenland nach außen tragen, auf der anderen Seite weiß er aber auch, dass zu viel Werbung auch zu viel Gleichschaltung, Massentourismus und Identitätsverlust mit sich bringen. Am Ende des Buches drückt er die Daumen, dass Donostia, so der baskische Name von San Sebastian, nicht den Zuschlag für den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2016“ erhält. Nun, der Wunsch ging nicht in Erfüllung. Zusammen mit dem polnischen Wrocław ist San Sebastian dieses Jahr die Kulturhochburg Europas.
Nichts desto trotz sollte man dieses Buch lesen, wenn man sich entschließt Bilbao, San Sebastian, die baskische Küche, Pelota, Baskenmützen, Guggenheim und so manch anderes typisch Baskisches zu besuchen. Denn Georges Hausemer kennt das Baskenland, nennt Donostia seine Lieblingsstadt und hat hier mehr als einmal die schönste Zeit des Jahres verbracht (und im eigenen Verlag einen Stadtreiseband veröffentlicht).
Bis vor wenigen Jahren war das Baskenland das Stiefkind der iberischen Halbinsel. Es war zwar da, man kannte es, aber besuchen? Nee, da gab es schönere, entwickeltere Orte. Hier rauchten die Schornsteine, regnete es ununterbrochen, alles irgendwie unfreundlich. Das Wetter konnte selbst der Zahn der Zeit nicht ändern, aber den Rest schon. Bilbao war eine der Städte, die man nicht freiwillig besucht hätte. Überall Industrie, nichts Freundliches – um es übertrieben auszudrücken. Dann kam die Idee eines Museums. Nicht irgendeines Museums. Guggenheim wollte hier eine Dependance eröffnen. Und Frank O. Gehry sollte es bauen. Und er tat es. Eine Augenweide, ein Traum aus Betan, Glas, Titan. Aber auch mit Effekt? Jährlich pilgern eine Million Menschen ins Museum, anfangs ging man von knapp der Hälfte aus. Mission erfüllt. Tausende Arbeitsplätze wurden dadurch geschaffen. Die Umgebung angepasst, die Schornsteine erfolgreich zum Rauchverzicht aufgefordert. Bilbao kann sich nun sehen lassen.
Georges Hausemer blüht richtig auf, wenn er von den Männerkochclubs, den
Txokos erzählt. Oder von der friesischen Übernahme einer Insel. Oder von den Spielarten des pelota, des baskischen Nationalsport. Oder, oder, oder. Künstler, Köche, Bauern – die Menschen im Baskenland sind scheu, wenn man neu und neugierig ist. Politik ist kein gutes Thema, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Aber wenn sie sich einmal öffnen – und Georges Hausemer ist einer der wenigen Privilegierten, den sie sich mitteilen – sprudelt ihr Stolz auf ihre Kultur über. Dem Leser wird das Auge übergehen, wenn er dieses Buch liest. Näher als Andalusien oder Madrid, traditionsbewusst und voller Dinge, die es noch zu erkunden gilt. Aber alles mit Vorsicht! Damit dieses Buch nicht so schnell an Aktualität verliert.


Peter Falk oder Die Kunst, Columbo zu sein
Peter Falk oder Die Kunst, Columbo zu sein
von Uwe Killing
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,00

26 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Kunst eine Legende noch legendärer zu machen, 28. März 2016
Peter Falk war ein Schauspieler, der unersetzlich war. Las und liest man in der Fernsehzeitschrift, dass ein Film mit ihm läuft, kann man ruhigen Gewissens einschalten. Sein Columbo läuft bis heute noch im deutschen Fernsehen. Auch wer alle Folgen schon einmal gesehen hat, schaut sie sich immer wieder gern an. Kein anderer hätte den zähen, enervierenden Ermittler spielen können. Doch Peter Falk war mehr als Columbo.

Bevor er am 20. Februar 1968 das erste Mal Columbo verkörpert, hat er schon zwei Oscar-Nominierungen und einen Emmy-Award erhalten. Gern wird er als Bösewicht – wohl auch wegen seines Glasauges, das er mit drei Jahren bekommen hat – besetzt. Doch das reicht ihm nicht. Er hat sich noch nie und wird sich nur einmal in eine Rolle zwängen lassen. Und ist und bleibt Columbo.

Den Mantel hat er übrigens selbst eingeführt. Die Schuhe auch. Der Erfolg von Columbo überrascht alle. Die Einschaltquoten steigen von Folge zu Folge. Columbo / Peter Falk wird zu einer Institution. Er kassiert eine großartige Gage, die selbst die der Gaststars übersteigt. Größen wie John Cassavetes, Ray Milland oder Leonard Nimoy geben sich die Klinke in die Hand, um sich von Columbo überführen zu lassen.

Zwischen den Drehs – acht Folgen gehören zu einer Staffel – ist Peter Falk nicht tatenlos. Er dreht Filme, die er als Columbo niemals drehen könnte. Die Figuren und auch die Machart der Filme stärken seinen Ruf als eigenwilligen und zielstrebigen Filmmenschen.

Uwe Killing hat sich als Thema einen dankbaren und umfangreichen Schauspieler ausgesucht. Die Sympathiewerte eines Peter Falk werden nur von wenigen Berühmtheiten annähernd erreicht. Die unglaubliche Fülle an Anekdoten, die der Autor in diesem Buch zusammengetragen hat, erfreut das Herz eines jeden Columbo-Fans. Er verzichtet wohlwollend auf das bloße Aufzählen der Filme. Vielmehr schafft er es nur durch Erwähnen der Titel und Schauspieler und Regisseure die Ehrfurcht vor dem großen Peter Falk zu verstärken. Wer Peter Falk bisher nur als Columbo kannte (welch Frevel), ist von nun an eine Fan des gesamten Lebenswerkes sein, das in der Rolle des Applebaum in „Checking out“ fulminant Parallelen zwischen Schauspieler und Charakter aufweist.

Das unbekannte Leben des kunstinnigen Peter Falk spielt in diesem Buch die gleiche Rolle wie das Öffentliche, auf der Leinwand Ausgelebte. Dieses Buch gehört zur Pflichtlektüre für alle diejenigen, die Film als mehr als nur Berieselung ansehen. Anfangs war Peter Falk ein Schauspieler, der mit jemandem spielen durfte. Mit Columbo war er es, mit dem sich die Kollegen brüsteten spielen zu dürfen.


Im Sumpf der Camargue: Ein Fall für Michel de Palma
Im Sumpf der Camargue: Ein Fall für Michel de Palma
von Xavier-Marie Bonnot
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,95

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dieser Sumpf enthält viele Geheimnisse, 28. März 2016
Hochsommer in Marseille. Anfang Juli. Die Oper gibt ihre letzte Vorstellung vor der Sommerpause. Als kulturbeflissener Mensch ist Michel de Palma, der Baron wie ihn alle nennen, auch dabei. Auf den letzten Drücker. Doch die Vorstellung taugt nicht viel. Der Rodolfo aus La Bohème ist nicht nach seinem Gusto. Er nutzt den Applaus, um sich draußen die Füße zu vertreten. Zwei verpasste Anrufe auf dem Telefon. Anwalt Chandeler war dran. Er müsse ihn dringend sprechen.
Mondänes Büro, sehr überladen, teuer. Der Baron lässt sich von der provençalischen Pracht nicht beeindrucken und lässt Chandeler reden. Ingrid Steinert vermisst ihren Gatten. Der ist in der Metallbranche, Milliardär. Es ist nicht seine Art einfach so für einige Tage zu verschwinden. Und da der Baron eh gerade frei hat, rekonvaleszent ist, meinen Anwalt und Frau Steinert ihn engagieren zu können. Gegen Bezahlung, versteht sich. De Palma lehnt ab. Einige Tage später tritt Ingrid Steinert direkt an ihn heran. Geld interessiere ihn nicht, darf ja auch keines annehmen, doch er werde sich die Aktenlage anschauen. Mehr kann er nicht versprechen.
Eine willkommene Gelegenheit Jean-Claude Marceau in Tarascon wiederzusehen. Denkt sich de Palma und mittendrin im Fall des verschwundenen Milliardärs. Marceau ist hoffnungslos überlastet, will den Falle aber nicht zu den Akten legen. Da ist noch was, was ihm Sorgen bereitet. So viel ist klar. Klar ist auch, dass sein Schreibtisch überquillt vor Arbeit, und er deswegen nicht weiterermitteln kann.
Dass die Ermittlungen zum Verschwinden – oder gar zum Tod? – des Superreichen nicht einfach werden, ist Michel de Palma sofort klar. Ingrid Steinert ist nicht gerade das, was man eine Plaudertasche nennt. Wohl dosiert wirft sie ihm immer wieder kleine Brocken aus dem Leben ihres Gatten und seiner Firma hin, trotz ihrer scheinbaren Offenheit.
Doch einer wie der Baron, einer der die Mafia Marseilles besser kennt als sie selbst, braucht keine Lippenbekenntnisse. Er bekommt schon raus, was er braucht.
Nach ein paar Tagen ist es Gewissheit: William Steinert ist tot. Ertrunken. Im Sumpf der Camargue. Dort, wo er einen Vergnügungspark bauen wollte. Dort, wo ihm schon das ganze Land gehörte. Dort, wo seine Eltern schon Mitte des vergangenen Jahrhunderts Land besaßen. Dort, wo sich viel Geld verdienen lässt …
Michel de Palma, der Baron, muss teilweise tief in der Vergangenheit wühlen, um dem Geheimnis des Sumpfes auf die Spur zu kommen. Dass es dabei nicht bei einer Leiche bleibt, ist klar.


Letzter Kirtag. Ein Altaussee-Krimi (HAYMON TASCHENBUCH)
Letzter Kirtag. Ein Altaussee-Krimi (HAYMON TASCHENBUCH)
von Herbert Dutzler
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Letzter Kirtag, aber der Beginn einer mehr als lesenswerten Krimireihe!, 27. März 2016
Gasperlmaier! Als Chef würde man diesen Namen schreien. Vor Wut! Als Leser klopft man sich herzlich auf die Schenkel und schüttelt sich vor Lachen. „Ein selten dämliches Rindviech!“. Das ist Kirtag. Volksfest. Alle sind in prächtiger Stimmung und weit über dem gesunden Promillepegel. Auch der Gasperlmaier. Polizist seines Zeichens. Als er so leidlich nüchtern einem menschlichen Bedürfnis nachgehen muss, entdeckt er eine Leiche. Wenigstens durfte er nochmal seine Lederhose tragen, ist sein erster Gedanke. Der Zweite ist da schon fataler. Eine Leiche am Kirtag? Das geht nicht! Die versaut ja jedem die Stimmung. Also nix wie weg mit dem Herr Doktor Nagelreiter. Der Gasperlmaier kennt die Leiche. So wie man sich halt kennt hier am Altausseer See. Blöd nur, dass auch die Kollegen da sind. Und die kriegen ziemlich schnell spitz, dass der Leichnam bewegt wurde. Gasperlmaier schüttelt unschuldig den Kopf. Und reitet sich immer weiter in … naja Sie wissen schon. In den Schlamassel. Die Frau Doktor Kohlross ist da eine besondere Spezialistin. Die traut dem Gasperlmaier eh nichts viel zu. Wenn sie sich da mal nicht täuscht…
Bis hierhin hat man noch nicht einmal ein Viertel des Stoffes geschafft und schon hat man einen neuen Freund: Gasperlmaier. Hier verwachsen, ein bisschen unbeholfen, aber – oder besser gesagt – UND von Grund auf ehrlich. Das eine Mal Leiche beiseite zerren zählt nicht! Schon gar nicht hier auf dem Land!
Dann passiert ein zweiter Mord, Frau Dr. Nagelreiter. Und ein Dritter, Stefan Nagelreiter, der Sohn. Die Gerüchteküche brodelt. Der Herr Doktor war in Wien Anwalt, brachte Industrielle aus den ehemaligen Sowjetrepubliken mit Wirtschaftsgrößen Österreichs zusammen. Da liegt die Vermutung nah, dass die Russenmafia ihre Hände im Spiel hat. Doch Gasperlmaier gibt nicht viel auf das Geschwätz. Wie verwandelt reiht er Teil für Teil aneinander und muss sich eingestehen, dass alles viel einfacher war als ein anfangs auszusehen scheint.
Der Gasperlmaier ist keiner, den man gern mit dem Tod eines lieben Verwandten betraut sehen möchte. Auf den ersten Blick. Erst bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass unter der verweichlichten Schale ein knallharter, erdiger, im Land verwurzelter Held steht. Als stur könnte man ihn bezeichnen, als unnachgiebig und akribisch erst, wenn man ihn besser kennt. Herbert Dutzler hat einen sympathischen Ermittler geschaffen, der nur oberflächlich ein „bleeder Hund“ ist. Man hat ihn gern um sich, er gibt einem etwas Vertrautes. Er ist nicht zynisch, trinkt gern mal einen über den Durst (aber nur aus Genuss, nicht um zu vergessen oder aus einem anderen „zivilisatorischen Grund“) und lässt sich nicht ablenken. So einen braucht’s!


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