Profil für Buchrezensent aus-erlesen > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Buchrezensent ...
Top-Rezensenten Rang: 535
Hilfreiche Bewertungen: 1603

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Buchrezensent aus-erlesen "Buchrezensent aus-erlesen" (Leipzig)
(TOP 1000 REZENSENT)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Bestiarium: Zeugnisse ausgestorbener Tierarten
Bestiarium: Zeugnisse ausgestorbener Tierarten
von Luc Semal
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,90

5.0 von 5 Sternen Großartiger Inhalt in großartiger Aufmachung, 27. September 2014
Im Zoo ist das Staunen oft groß, ob der Dinge die die Insassen vollführen. Doch diese Tiere gibt es wirklich. Was ist aber mit den Arten, die in den Lexika der Fauna nur noch als Zeichnung existieren? Tiere, die mal waren, und die es nicht mehr gibt? Sollen sie dem Vergessen anheimfallen? Luc Semal hat ihnen ein prächtiges Denkmal gesetzt.
Neunundsechzig Tiere hat er in seinem Bestiarium gesammelt und die Ergebnisse seiner Recherchen niedergeschrieben.
In chronologischer Reihenfolge, nach dem Zeitpunkt ihres Aussterbens, gibt er dem Leser einen beeindruckenden Überblick über die Tiere, die man so nie wieder zu Gesicht bekommen wird. Nicht in Zoologischen Gärten und schon gar nicht in freier Wildbahn.
Dabei kommen zum Teil kuriose Gestalten zu Tage. Der Elefantenvogel wurde bis zu drei Meter groß. Und er wurde – das sind allerdings vage Vermutungen – in der Mitte des 17. Jahrhunderts ausgerottet.
Jedem Tier widmet der Autor eine Seite, gegenüberliegend ein großformatiges Bild des „Opfers“.
„Bestiarium“ ist durch die Gewalt der Bilder ein Mahnmal für Artenschutz. Denn dieses Buch ist mit über 160 Seiten dick genug. Da muss nicht noch ein Kapitel hinzugefügt werden. Der elegante Schwarzdruck – alle Seiten sind im bedeutungsvollen schwarz gehalten – verleiht dem Buch den nötigen Nachdruck. Wer noch keine Weihnachtsgeschenke hat, kann die Suche hier abbrechen. Dieses Buch ziert jeden Gabentisch!


Die Kayankaya-Romane: Happy birthday, Türke!, Mehr Bier, Ein Mann, ein Mord, Kismet, Bruder Kemal
Die Kayankaya-Romane: Happy birthday, Türke!, Mehr Bier, Ein Mann, ein Mord, Kismet, Bruder Kemal
von Jakob Arjouni
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,90

5.0 von 5 Sternen Letztes Aufgebot für einen großen Autor, 27. September 2014
Das Entsetzen war groß als das Jahr 2013 mit dem Tod von Jakob Arjouni begann. Keine fünfzig Jahre war er alt. Doch schon lange eine feste Größe im deutschsprachigen Literaturmarkt. Seine Romane über den Ermittler Kayankaya in Frankfurt erlaubten ihm weitere Romanfiguren wie den „Heiligen Eddy“ reifen zu lassen.
Sein Hausverlag Diogenes gedenkt und dankt dem Ausnahmeautor mit einer ganz besonderen Ausgabe seiner Kayankaya-Romane. Fünfmal Hessenmetropole, fünfmal ungewöhnliche Ermittlungsmethoden, fünfmal Eloquenz vom Feinsten. Fünfmal Kayankaya, fünfmal Jakob Arjouni.
In dem edlen Schmuckschuber passen die Romane „Happy birthday, Türke!“, „Mehr Bier“, „Ein Mann, ein Mord“, „Kismet“ und „Bruder Kemal“.
Die Kayankaya-Romane haben Frankfurt in den Fokus der Leserschaft gerückt. War die Stadt jahrelang als Drogenhort und die Stadt mit der höchsten Kriminalität in Deutschland verschrien, erhebt Jakob Arjouni sie in den Stand einer Metropole mit charakterfesten Menschen. Der Privatermittler ist nicht perfekt. Seine Schlagfertigkeit lassen historische Helden wie einen Sam Spade oder einen Philip Marlowe in Erscheinung treten. Kayankaya ist keiner der beiden. Er orientiert sich an ihnen, doch er geht seinen eigenen Weg. Frauen ist er ebenso wenig abgeneigt wie dem Alkohol.
Frankfurt, auch mit seinen rot erleuchteten Fenstern in Bahnhofsnähe, ist Kemal Kayankayas Betätigungsfeld. Hier sind seine Klienten zuhause. Hier wird gedemütigt, geliebt, gehasst, gemordet. Kayankaya ist dort zuhause, wo andere Auswandererpläne schmieden.
Einundzwanzig war Jakob Arjouni als er Kemal Kayankaya, dem Türken, der in einer deutschen Familie aufwuchs Leben einhauchte. Es wurde ein erfolgreiches Leben. Leider war es nach fünf Romanen schon wieder zu Ende. Am 8. Oktober 2014 wäre Jakob Arjouni 50 Jahre alt geworden.


Die Getränke-Werkstatt - Obstwein, Beerenlikör & Limonade selber herstellen
Die Getränke-Werkstatt - Obstwein, Beerenlikör & Limonade selber herstellen
von Lindy Wildsmith
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Am selbst kreierten Geschmack berauschen, 24. September 2014
Prost Mahlzeit, mag sich so mancher Kunde in Supermärkten denken, wenn er das Getränkeangebot betrachtet. Alles aus einem Guss. Alles aus Konzentraten hergestellt. Klar, sonst hält es sich ja nicht! Was dabei auf der Strecke bleibt, ist der pure Geschmack. Der echte Geschmack.
Eine Erdbeer-Schorle ist was Leckeres, erfrischend. Aber wenn man dann genüsslich in eine selbst angebaute Erdbeere beißt, schmeckt die ganz anders. Die ist gar nicht so süß! So erdbeerig. Enttäuschung? Bloß nicht! Verärgerung? Schon eher. Und zwar darüber, dass man zwischen Original und Kopie nicht mehr unterscheiden kann, weil man nur die Kopie kennt.
Lindy Wildsmith – hier ist der Name Programm – gibt Anregungen und Tipps zur Rückbesinnung auf den echten Geschmack der Natur. Für ihre Limonaden, Liköre und Weine nimmt sie nur das, was sie in freier Wildbahn erhaschen konnte. Künstliche Zusatzstoffe sucht man in dem reich bebilderten und flüssig geschriebenen Ratgeber umsonst. Gut so!
Die zu häufig missbrauchten Floskeln von Regionalität und Saisonabhängigkeit bilden bei ihr die Grundlagen ihrer Ausführungen. Nun kann man sich einige Rezepte auch aus anderen Quellen als diesem Buch besorgen. Aber man braucht verschiedene Quellen. Bei Lindy Wildsmith gibt’s das komplette Rundum-Sorglos-Paket.
Angefangen beim richtigen Equipment über die verschiedenen Arten der Herstellung bis hin zur qualitätserhaltenden Lagerung gibt sie einfach nachzuvollziehende Hinweise. Und erst die Rezepte: Italienischer Limetten-Sciroppo, Florida-Cocktail-Sirup. Schon die ersten beiden Rezepte verheißen Geschmacksexplosionen und fruchtige Durstlöschung.
Wer’s gern ein bisschen prickeliger mag, für den gibt es Rezepte mit Kohlensäure. Schon mal Holunderblüten-Champagner probiert? Dafür braucht man nicht mehr als 3 große Holunderblütendolden, fein abgeriebene Schale einer Bio-Zitrone, 600 g Zucker, 30 ml Weißweinessig und kaltes Wasser. Und noch die entsprechenden Gefäße. Bye, bye Hugo!
Auch Bier und andere alkoholische Frischmacher hat die Autorin im Gepäck. 23 Liter gewürztes Ale – da kommt man erstmal eine Weile hin. Und die Zubereitung ist ganz einfach. Nachzulesen in diesem erstklassigen Buch, das die Kehle benetzt, den Körper erfrischt und den Kopf für den wahren Geschmack freimacht.


Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen: 24 ausgewählte Weihnachtskrimis aus Berlin
Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen: 24 ausgewählte Weihnachtskrimis aus Berlin
Preis: EUR 14,00

5.0 von 5 Sternen Großstadtlichter mal anders, 21. September 2014
Der Duft gebrannter Mandeln benebelt schmeichelnd die Nasen der Besucher der Weihnachtsmärkte Berlins. Man freut sich an kandierten Äpfeln, kauft das eine oder andere Präsent. Die Budenbesitzer machen hier den Umsatz, mit dem sie die nächste Zeit auskommen müssen. Doch ein Schreckgespenst macht die Märkte der Spreemetropole unsicher: Der Weihnachtsmarktmörder! Der knipst den Opfern nicht nur das Lebenslicht aus, sondern auch einen Finger ab. Unappetitlich ist noch das Mildeste, was man darüber sagen kann. Umso schrecklicher die Einsicht, dass man dem Mörder (-pärchen … upps jetzt ist es raus!) so nah gegenüber steht.
Gleich die erste Geschichte des außergewöhnlichen Adventskalenders versetzt den Leser in Spannung. Zwei Budenbesitzer vertreiben sich die Zeit mit Flirten und der Abwehr selbiger. Ihr Geschäft läuft gut. Und ein Gesprächsthema haben die beiden auch, den Weihnachtsmarktmörder.
Doch ein Adventskalender hat mehr als nur ein Türchen – und eine Weihnachtskrimi-Kompilation mehr als nur einen Krimi. Beide haben vierundzwanzig. Vierundzwanzig mal Spannung. Vierundzwanzig mal Verzweiflung, Rätselraten, Missetaten … und Lesespaß. Also zumindest Letzteres!
Auch die Geschichte eines alten Mannes, der von seinem (verhassten) Schwiegersohn wie schon im Jahr zuvor zur Weihnachtszeit in ein Heim abgeschoben werden soll, entwickelt sich rasant zum Krimi. Denn der zerstreut wirkende Alte ist gar nicht so senil wie es sich der Schwiegersohn wünscht. Und das Ende haben sich Schwiegersohn und Leser auch anders vorgestellt…
Es gehört schon zum guten Ton bei Edition Karo, dass die Lesegemeinde mit (zum Teil preisgekrönten) Schauergeschichten auf das (Schlachte-) Fest der Liebe eingestimmt wird. Alle Krimis spielen in Berlin, für jeden Tag Warten bis zur Bescherung eine Geschichte. So wird die Wartezeit nicht nur versüßt, sondern bis ins Unendliche gesteigert. Wie geht es weiter? Mit welcher Phantasie wird der nächste Autor mit der nächsten Geschichte mit dem nächsten Mord den Leser verzücken? Und was verbirgt sich hinter dem nächsten Türchen? Der Begriff Schokolade als Nervennahrung bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.
Also, 2014 gilt folgende Regel: Erst das Adventskalendertürchen öffnen, Schokolade auf der Zunge zergehen lassen und dann ganz gemütlich den Tag mit einer Schauergeschichte ausklingen lassen. Übrigens für 2015 kann man das Ganze wiederholen. Es sei denn, dass es dann eine weitere Kompilation gibt…


Regensburg: 3-sprachige Ausgabe in Deutsch, Englisch, Italienisch
Regensburg: 3-sprachige Ausgabe in Deutsch, Englisch, Italienisch
von Thomas Ferber
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

5.0 von 5 Sternen Hommage an eine Perle, 14. September 2014
Sollte man eine Aufstellung von deutschen Städten machen, die in der Gunst der Touristen ganz oben liegen, wären Städte wie Berlin, München, Nürnberg und Dresden ganz vorn. Wer Zeit hat, nimmt sich dann die Zeit für Ausflüge in die Umgebung, um Leipzig, Bamberg und Regensburg zu besuchen. Apropos Regensburg. Diese Stadt hat es verdient, dass man sie besucht. Denn hier weht der Hauch von zwei Jahrtausenden durch die alten, engen, hübsch herausgeputzten Gassen. Das weiß man entweder weil man schon mal da war oder man dieses Buch gelesen und vor allem mit den Augen verschlungen hat.
Thomas Ferber hat mit seiner Linse die Schönheiten ins rechte Licht gerückt und Peter Morsbach hat den visuellen Preziosen den textlichen Rahmen verpasst. Entstanden ist so eine gedruckte Hommage an eine der eindrucksvollsten Städte Deutschlands, und ganz nebenbei an den Verlagssitz des Herausgebers.
Die Römer erkoren den Platz an der Donau zu einer ihrer Niederlassungen auf dem Weg gen Norden. Hier kreuzten sich schon vor hunderten von Jahren die Handelswege in alle Herren Länder. Die steinerne Brücke über die Donau gehört nicht nur zu den beeindruckendsten Bauwerken in optischer Hinsicht, sie ist ein technisches Meisterwerk. Schließlich führt sie nicht über ein kleines Rinnsal, sondern über einen Fluss, der Jahr für Jahr noch heute die Menschen vor besondere Herausforderungen stellt diesen in Krisensituationen zu bändigen.
Kriege konnten der Reichstagsstätte kaum etwas anhaben. Die Fliegerbomben der Alliierten machten einen großen Bogen um die Donaumetropole, so dass der Besucher heute durch eine Stadt gehen kann, die stetig verändert wurde, jedoch ihren Charakter nur schrittweise veränderte.
Das Buch ist gerade in einer - wie der Verlag sagt – „aufgefrischten“ Neuauflage erschienen. Neben der Ausgabe in deutscher, englischer und italienischer Sprache, gibt es jetzt auch eine Ausgabe in Französisch, Spanisch und Russisch. Das deutet darauf hin, dass die Tourismusmanager der Stadt sich nicht nur auf die veränderten Reisegewohnheiten der Welt einstellen, sondern, dass die Welt sich auf Regensburg eingestellt hat. Und dieses Buch ist es wert, dass es auch in weiteren Sprachen erscheint…


Mona Lisa forever: Ikone, Vorbild, Inspiration
Mona Lisa forever: Ikone, Vorbild, Inspiration
von Thomas R. Hoffmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

5.0 von 5 Sternen Forever im Bücherregal zum Rausnehmen, 13. September 2014
Wenn man sich die Musikcharts – egal welches Jahres – anschaut, fällt auf, dass immer mindestens ein Titel mit einem Frauenname auffällt: Leonard Cohen brachte gleich zwei Damen ins Spiel, Suzanne und Marianne und Paul McCartney grüßte seine Jude. Doch es gibt einen Namen, der alle Kunstgenres vereint: Mona Lisa. Vor mehr als fünfhundert Jahren pinselte Leonardo da Vinci die Lisa del Gioconda auf seine Leinwand. Heute schwadronieren Millionen Besucher an ihr vorbei.
Thomas R. Hoffmann hat sich intensiv mit dieser Frau auseinandergesetzt hat daraus einen Hit gemacht. Denn er verzichtet wohlwollend auf das ganz ausführliche Tamtam „Wer ist das?“, „Ist es gar Leonardo selbst?“ und die sinnlosen Untersuchungen zur Wirkung. Er reißt sie an, die Geschichten, doch sein Augenmerk liegt auf der Faszination der Mona Lisa in der Kunst. Denn das Portrait wurde sehr oft kopiert, dient noch öfter als Vorlage und unendliche Male als Inspirationsquelle.
Marcel Duchamp zeichnete seine Hommage mit Bart – allerdings mit deftigem Spruch. Dali tat es ihm gleich, jedoch ohne Hinweis auf den nicht sichtbaren hinteren Teil ihres Körpers. Andy Warhol vervielfachte sie. Das sind die Beispiele der Moderne, doch schon im 19, sogar schon im 16. und 17. Jahrhundert war die Mona Lisa Vorlage für Portraitmalerei. Leicht eingedreht, fast schon starrer Blick, die toskanischen Hügel im Hintergrund. Manche sind gelungen, manchen hätte ein Alternativmodell besser zu Gesicht gestanden, manche sind grandiose Weiterentwicklungen.
Der Autor gibt einen umfassenden Überblick in Bildern wieder. Jasper Johns, Oskar Kokoschka, sogar Pablo Picasso sind dem Reiz der Mona Lisa verfallen, genauso wie der Leser diesem Buch.


Wolf Erlbruchs Kinderzimmerkalender 2015: "Geschwister"
Wolf Erlbruchs Kinderzimmerkalender 2015: "Geschwister"

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwölffacher Bilderspaß, 7. September 2014
Überzeugungsargument für unwillige Eltern? Oder einfach nur ein traumhaft schöner Kalender fürs Kinderzimmer? Beides! Die Zeichnungen von Wolf Erlbruch sind eindrucksvoll und zeigen bei jeder Betrachtung etwas Neues. Da ist der / die Große, der / die einfach nur in Ruhe lesen will. Der / die Klein will aber lieber toben. Die Gesichtsausdrücke der Beiden sprechen Bände. Und wenn der Große dem Kleinen zeigt wie viel Spaß es machen kann in Pfützen herumzumatschen, schwant Eltern nichts Gutes.
Mal im geschwisterlichen Kampf, mal vereint in der Suche nach Geschenken: Geschwister haben es leichter, denn sie sind zu zweit. Eine geballte Ladung List, gepaart mit Raffinesse und Spielwitz. Und das alles im Großformat 42 mal 59 Zentimeter. Dreihundertfünfundsechzig Tage Spaß im Jahr. Und wer weiß, vielleicht lassen sich Mami und Papi ja doch noch überzeugen …


Inspector Ghote zerbricht ein Ei
Inspector Ghote zerbricht ein Ei
von Henry R Keating
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Charmant, fremd, hintersinnig, 31. August 2014
Krimis, deren Handlung in Indien spielen, versprechen aufgrund des exotischen Handlungsortes eine besondere Spannung. H.R.F. Keating (das HRF steht für Henry Reymond Fitzwater – somit wäre das erste Rätsel des Buches gelöst) setzt dem Ganzen jedoch die Krone auf. Denn der Leser wird nicht nur mit einer köstlichen Geschichte für den Kauf des Buches belohnt, er wird sanft und unaufhaltsam in den indischen Kulturkreis eingeführt.
Inspector Ghote ist einer der besten Männer bei der Polizei in Bombay. Eines Tages soll er alles stehen und liegen lassen, um in der Provinz – undercover – einen 15 Jahre alten Mord an einer Frau noch einmal zu untersuchen. Problem (Nummer Eins): Ihr Gatte ist so was wie der uneingeschränkte Herrscher am Einsatzort. Alles tanzt nach seiner Pfeife.
Und ein weiteres Problem taucht auf (Problem Nummer Zwei! – und dabei haben die Untersuchungen noch nicht einmal begonnen): Seine Tarnung fliegt gleich beim Verlassen des Zuges auf. Ach was! Schon vorher. Aus der Zeitung muss Ghote erfahren, dass er mit neuerlichen Untersuchungen betraut wurde. Jetzt weiß jeder, dass der Schnüffler in der Stadt ist. Die Tarnung als Vertreter für Hühnerfutter kann er vergessen.
Sarojini Savarkar starb vor 15 Jahren. Ihr Mann Vinayak ist jetzt der gekrönte Herrscher über die Kleinstadt, in der der Inspector ermitteln soll. Das Leben fließt gleichmäßig hier. Es gibt wenige Leute, die das Sagen haben und jede Menge Einwohner, die ihren Worten folgen. Auch Taten folgen lassen.
Bei seinen Ermittlungen stößt der gehorsame Inspector auf taube Ohren und verschlossene Münder. Auf der Straße, in der Anonymität sieht es anders aus: Ein wütender Mob skandiert „Ghote go!“. Zum Glück erkennt niemand den Inspector.
Der Inspector ist ein ausgeglichener Mann. Ihn auf die Palme zu bringen, bedarf schon Einiges an Aufwand. Doch auch dem so besonnenen Ermittler kann die sturste Wand aus Schweigen aus dem Konzept bringen. Keiner hier im Ort will etwas gegen die Oberen sagen. Eine höhere Macht scheint dahinter zu stehen. Diese „höhere macht“ ist ein heiliger Mann. Er ist der eigentliche Strippenzieher. Was er sagt, wird gemacht.
Die Tarnung als Hühnerfuttervertreter funktioniert nur draußen auf der Straße. Hinter den Mauern weiß (fast) jeder mit wem er es zu tun hat. Ein verzwickter Fall, der ungewöhnliche Methoden verlangt…
H.R.F. Keating führt seine Leser in eine unbekannte Welt. Altbewährte Traditionen, Riten und Wertevorstellungen treffen hier auf gewitzte Ermittlungsmethoden und klaren Menschenverstand. Wer Krimis liebt, wird Inspector Ghote vergöttern!


Der Fengshui-Detektiv
Der Fengshui-Detektiv
von Nury Vittachi
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

5.0 von 5 Sternen Perfekte Verbindung von asiatischer Gelassenheit und spannender Tätersuche, 31. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Fengshui-Detektiv (Taschenbuch)
Gegensätze ziehen sich an. Sie gleichen sich aus. So ist es auch im Fengshui. Yin und Yang. Das Böse und das Gute. Soweit zu den Vorurteilen, die wir hegen und pflegen.
C.F. Wong ist Fengshui-Berater in Singapur. Seine Kunden bitten ihn um Rat, wenn sie ein Haus kaufen wollen. Denn ein Yin-Haus wird niemals ein Hort der Freude sein. Es wird ein einsames Haus sein. Wie gemacht wie für einen Mord, den keiner so schnell (oder am besten niemals) entdecken soll.
Mister Wong geht auch zu seinen Kunden. Richtet Räume und Möbel aus. Er ermittelt den besten Umzugstermin. Und er gibt Ratschläge in welche Richtung man ziehen soll. Das Rundum-Sorglos-Paket für alle, die an die Macht der Elemente glauben. In Singapur, im gesamten südöstlichen Asienraum ein einträgliches Geschäft. Mister Wong sieht seine Arbeit aber darin Zufriedenheit zu bereiten. Geld ist nur ein Nebeneffekt.
Einer seiner Kunden, beziehungsweise ein Freund seines Chefs, bittet ihn um einen ungewöhnlichen Freundschaftsdienst: Er soll dessen Tochter für eine gewisse Zeit als Assistentin bei sich aufnehmen. Das geordnete Leben des Mittfünfzigers wird durch die 17järhige Göre aus dem fernen Australien ganz schön durcheinander gewirbelt.
Doch hinter dem „ätzend“, „krass“ und „wie oder was“ steckt ein aufgewecktes Mädchen. Joyce McQuinnie oder einfach Jo ist der quirlige Gegenpol zum besonnenen C.F. Wong, der seine Gedanken gern niederschreibt. Sie ist direkt heraus, stößt ihr Gegenüber mit ihrer direkten erfrischenden Art ein ums andere Mal vor den Kopf. Jedoch niemals respektlos.
Bei ihrer Arbeit treffen die beiden immer wieder auf Verbrechen. Ein Verlag kommt trotz einer enthusiastischen Leserschaft auf keinen grünen Zweig. Schlechtes Verhältnis von Erde, Feuer, Metall, Wasser und Holz? Oder doch gezieltes Machenschaften eines Angestellten? Wie im Fengshui gibt es immer zwei Dinge, die sich gegenseitig beeinflussen. So auch in diesem Fall.
Nury Vitacchi lässt in seinen Kurzkrimis zwei Menschen aufeinander treffen, die nicht gegensätzlicher sein könnten. Nur zusammen lösen sie die kniffligen Fälle, die ihnen wie selbstverständlich vor die Füße fallen. Als Ausgangspunkt dient Singapur. Von hier aus reisen die beiden nach Indien, Vietnam und Malaysia. Das Verbrechen ist universell, genauso wie die Lehre von den fünf sich ausgleichenden Elementen.


Der Nebel von gestern
Der Nebel von gestern
von Leonardo Padura
  Broschiert
Preis: EUR 12,95

5.0 von 5 Sternen Lounge-Stimmung vor karibischer Kulisse, 31. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Nebel von gestern (Broschiert)
Auch ein Teniente muss mal raus. Mario Conde ist kein Teniente mehr, kein Mitglied der Exekutive eines Staates. Vor mehr als einem Jahrzehnt hat er seinen Dienst bei der Polizei in Havanna quittiert. Jetzt schlägt er sich – gerecht wie immer – als Buchhändler durchs Leben. Bücher waren schon immer seine heimliche Leidenschaft, jetzt lebt er von seiner Leidenschaft.
Bei einem seiner Streifzüge entdeckt er eine wertvolle Bibliothek. Doch sein Gewissen besiegt die Gier seiner Mitstreiter, und so nimmt er nur wenige Bücher mit. Das Glück des Tüchtigen wird belohnt. Zwischen den antiken Seiten entdeckt El Conde Zeitungsartikel über eine Violeta del Río. Nachtclubsängerin. Ein Wahnsinnsweib, denkt Mario Conde. Das Bild und der Artikel stammen aus den wilden Zeiten der Revolution. El Condes Spürnase wittert eine Geschichte. Und die Nase trügt ihren Besitzer nicht…
Als ihn seine Spürnase zur einzigen veröffentlichten Platte der Künstlerin führt, ist es um El Conde geschehen: Er muss mehr über Violeta del Río erfahren, über ihr mysteriöses Verschwinden und ihr nicht minder spannendes Leben.
Catalina – wie sie im bürgerlichen Leben hieß – stieg in der Nachtclubszene Havannas Ende der 50er Jahre schnell auf. Ihre einzigartige Stimme brachte ihr Erfolg, Verehrer und schnelles Geld. Einer der Verehrer war Journalist. Er schrieb sie in den Himmel, doch nicht aus Bewunderung für sie. Sondern aus purem Eigennutz: Er wollte sie! Mit ihr schlafen, sie für sich ganz allein. Doch Violeta ließ ihn abblitzen. Detektivisch begab er sich auf die Suche nach dem wahren Leben der Violeta del Río. Und er wurde fündig. In Violetas Leben gab es einen anderen Mann. Einen wie, oder vielleicht den, Meyer Lansky. Der Buchhalter der Mafia.
Kuba war vor der Revolution das El Dorado für die ehrenwerten Herren in den seidenen Anzügen. Casinos, Prostitution, Drogenhandel – auf Kuba war alles möglich. Mario Conde ist fasziniert von der Geschichte des Journalisten. Seine Nachforschungen bekommen so neuen Aufwind.
Aus der eingangs entflammten Leidenschaft wird Besessenheit. Obwohl der Polizeidienst längst der Vergangenheit angehört, lodert die Flamme des Ermittlers noch immer. Sein ehemaliger Kollege, der mittlerweile zum Capitan aufgestiegen ist, klingelt eines Morgens El Conde mit einer schrecklichen Nachricht aus den Federn: Der Besitzer der Bücher, zwischen denen Mario Conde die Zeitungsausschnitte über Violeta gefunden hat, wurde ermordet. Ein Mord wegen ein paar, zugegeben sehr wertvollen Büchern? Ganz allmählich lichtet sich der Nebel von gestern und gibt für Mario Conde auch sehr viel Persönliches preis.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20