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Buchrezensent aus-erlesen "Buchrezensent aus-erlesen" (Leipzig)
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Traum im Polarnebel: Jubiläumsausgabe
Traum im Polarnebel: Jubiläumsausgabe
von Juri Rytchëu
  Broschiert
Preis: EUR 8,95

5.0 von 5 Sternen Eine echte Entdeckung, 3. Mai 2015
Wieder ein Buch über einen Landstrich, eine Region, die man nicht einfach mal so besucht, weil einem danach ist. Tschuktschenland, Sibirien, ganz weit oben im Atlas. Im Nordosten Russlands. Hier leben die Tschuktschen, ein Volk von ein paar tausend Leuten. Juri Rytchëu ist hier geboren und aufgewachsen. Er ist der Erste der Tschuktschen, der als Schriftsteller dieses Volk, diese Region erklärt. Und wie!
John MacLennan hat sich verletzt. Der Kanadier an Bord des Schiffes, dessen Kapitän den Jungen so sehr ins Herz geschlossen hat, hat sich die Hände verletzt. Was tun? Das Schiff steckt fest. Bis zum nächsten Arzt sind es dreißig, nein nicht Stunden … Tagesmärsche! Orwo aus Enmyn, dem Dorf, vor dem das Schiff liegt, sieht nur eine Möglichkeit: John muss hierbleiben, die Bewohner werden ihn sicher zum nächsten Arzt bringen. Allen Bedenken zum Trotz scheint dies die einzige Möglichkeit zu sein dem Verletzten zu helfen.
Die Besatzung der „Belinda“ gibt John MacLennan nur ungern frei. Doch er braucht dringend Hilfe, die er an Bord nicht bekommen kann. Als Belohnung gibt es für die Tschuktschen Gewehre. Ein verlockendes Geschäft. John ist mehr oder weniger schutzlos seinen Rettern ausgeliefert. Er spricht deren Sprache nicht, nur einer der Retter kann sich mit John unterhalten und übersetzt. Es wird eine Reise, die mit der Verarztung des verletzten John MacLennan noch lange nicht zu Ende sein wird.
Dem geschwächten John kann der Arzt zwar helfen, doch bei der Rückkehr ist die „Belinda“ weg. Abgefahren. John muss sich mit der Tatsache abfinden, dass seine einstigen Kameraden Vergangenheit sind, und Orwo und die Gemeinschaft der Tschuktschen seine neue Familie sein werden. Die Ödnis der ewig eisigen Tundra, in der außer Eis nichts um ihn herum ist, selbst der Horizont zeigt sich nur im spärlichen Weiß, sollen nun seine Zeit und sein Leben bestimmen. Es wird eine harte Zeit, es wird eine aufregende Zeit. Und eine lehrreiche.
„Traum im Polarnebel“ ist eben doch nicht nur ein Buch über einen Landstrich, eine Region, die man nicht einfach mal so besucht, wenn einem danach ist. Es ist ein Buch voller Poesie in einer Landschaft, die den Menschen herausfordert, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.


Der Chinese.
Der Chinese.
von Friedrich Glauser
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Verworrenes Rätselraten, das nur einer auflösen kann: Wachtmeister Studer, 30. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Chinese. (Taschenbuch)
Selbstmord? Wachtmeister Jakob Studer glaubt nicht, dass der Chinese sich selbst gerichtet hat. Herzschuss. So viel steht fest. Aber wie um alles in der Welt soll der Tot sich dann noch das Hemd wieder feinsäuberlich zugeknöpft haben? Anna Hungerlott hat es auch dahingerafft. Darmgrippe. Naja, passiert. Doch in ihrem Taschentuch finden sich Spuren von Arsen. Anna war die Frau vom Hausvater der Armenanstalt in Pfründisberg, zu der zwei Bauernhöfe und eine Gartenbauschule gehören. Zufall? Mord? Gibt es gar einen Zusammenhang zwischen den beiden … Unglücksfällen?
Studer kennt den Chinesen, Farny heißt … hieß er. Hatte ihn schon mal getroffen. War viel rumgekommen. Kanada, Japan, Amerika. Und jetzt Pfründisberg. Damals, als Studer seine Bekanntschaft machte, der Chinese ihn „Bruder-Studer“ nannte, was Studer gar nicht gefiel, juxte der Chinese, dass man Studer wohl einmal bitten würde seinen Tod zu untersuchen. Nun wird aus dem Lacher bitterer Ernst. Zumal, wenn man bedenkt, dass Jakob Farny, der Chinese, einen Zeitraum von drei Monaten angegeben hat, in dem er wohl das Zeitliche segnen wird. Um einen Monat zu seinen Gunsten verrechnet, denkt sich Studer.
Bei den ersten Ermittlungen lernt Studer den Neffen des Chinesen kennen, Ludwig Farny. Der führte ein Leben, das auch nicht gerade von einer behüteten Kindheit überschattet war. Weggegeben, Verdingbub, Prügel. Der Onkel hatte ihn zu sich geholt, weil er der Meinung war, dass bald etwas Schlimmes passiere. Wie recht er doch hatte!
Alle Beteiligten scheinen was zu verbergen. Was wohl auch daran liegt, dass der Begriff der Vetternwirtschaft hier seinen Ursprung zu haben scheint. Jeder ist über weniger oder mehrere Ecken mit dem Anderen verbandelt. Ein Dickicht aus Abhängigkeiten verübelt Studer so manches Mal die Lösung der beiden Fälle. Der beiden Fälle? Es soll nicht bei den beiden bedauernswerten Opfern bleiben…
Friedrich Glauser gibt seinem Wachtmeister Studer eine echte Kopfnuss. Hin und Her gerissen von stückchenweise hingeworfenen Wissenshappen, der Gedanken an das eigene Scheitern – und einer möglichen persönlichen Befriedigung selbiger – und dem Drang den oder die Täter zu finden, ist Studer letztendlich ganz allein auf sich gestellt. Am Anfang des Buches wird Agatha Christie erwähnt, deren Hauptfigur Hercule Poirot am Ende des Buches von Studer fast schon Besitz ergreift.


Die Spur des Bienenfressers
Die Spur des Bienenfressers
von Nii Parkes
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen CSI trifft Tradition, 30. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Spur des Bienenfressers (Taschenbuch)
Was ist das nur, was da so stinkt? Einem selbst fällt es nicht auf, aber die Polizisten, die gerade angerauscht kamen, versetzt es in Schrecken und Erstaunen. Der Gestank kommt aus Kofi Attas Haus. Yaw Poku soll die Polizisten zu dem Haus begleiten. Gemächlich trabt er der Horde Polizisten hinterher. Sie kommen dem Gestank näher, als sie es sehen, wissen sie aber immer noch nicht, was es ist.
Kayo ist Abteilungsleiter bei einer Chemiefirma. Er ist gut in dem, was er tut. Vor einiger Zeit hatte er sich bei der Polizei als Gerichtsmediziner beworben. Abgelehnt, weil man keine Gerichtsmediziner braucht. Gar keine. Und dann der Anruf von Seargant Mintah. Nun braucht man doch einen Gerichtsmediziner. Wie das Leben so spielt. Leider hat Kayos Chef etwas gegen die Pläne seines Angestellten. Er will ihm einfach nicht freigeben. Das sagt Kayo auch Seargant Mintah. Der hingegen kennt Mittel und Wege seinen Willen durchzusetzen…
Als Kayo – als Gerichtsmediziner – in Sonokrom ankommt, ist der Tatort nicht dem Zustand wie sich ein Gerichtsmediziner wünscht. Alle möglichen Leute sind dort herumgelaufen, haben alles niedergetrampelt, und von Spurenanalyse im herkömmlichen Sinn kann keine Rede sein. Dennoch findet er Scherben und eine blaue Feder. Von einem Vogel.
Und ihm wird angetragen, dass die Geliebte des Verkehrsministers irgendwie in den Fall verstrickt ist. Kayo wird nun einiges klar. Seargant Mintah ist nicht nur ehrgeizig, wenn es um seine Karriere geht, er bekommt ebenso Druck von oben. In einer Gesellschaft, in der Beziehungen teils über Leben und Tod entscheiden können, bleibt die Wahrheit gern mal auf der Strecke. Und noch immer weiß keiner so genau, was da so vor sich hinstinkt. Immerhin hat Kayo bereits analysiert, dass es sich um menschliches Gewebe handelt. Allerdings nicht wie anfangs vermutet eine Nachgeburt.
Nii Parkes wurde in Manchester geboren, wuchs in Ghana. Mit erfrischender Leichtigkeit verbindet er einen Mordfall mit Traditionen und einer gehörigen Brise CSI. Sein Kayo ist der Vorreiter der modernen Tatortermittlungen in Ghana. Die Probleme des Landes, allem voran Korruption und Machtmissbrauch, sind für ihn mehr Ansporn als Hemmnis. Parkes schafft den Spagat zwischen gefühlvoller afrikanischer Literatur und moderner Ermittlungsarbeit.


Niederlande: Reiseführer mit vielen praktischen Tipps.
Niederlande: Reiseführer mit vielen praktischen Tipps.
von Dirk Sievers
  Broschiert
Preis: EUR 26,90

5.0 von 5 Sternen Unerlässlicher Ratgeber, 29. April 2015
Nein, die Niederlande gehören nicht zur k.u.k.-Monarchie! Auch wenn Kiffen und Koekjes für viele immer noch zum gelungenen Holland-Trip dazugehören. Dirk Sievers zeigt wie man die Niederlande richtig bereist und wie man am besten alles erlebt. Dazu benötigt man eine gewisse Zeit Urlaub, eine große Portion Neugier und dieses Buch!
Zwischen Holland und Deutschland gibt es viele Gemeinsamkeiten, aber mindestens genauso viel Unterschiede. Von Vorurteilen wird nicht die Rede sein. Die Niederlande können sich rühmen für Strandurlauber, Naturliebhaber und auch für Städtetouristen das richtige Angebot zu haben. Deswegen ist es auch auf den ersten Blick verwunderlich wie man ein solch großes Angebot in ein Buch packen kann. Dass es bereits die neunte Auflage ist, heißt nichts anderes als dass das funktioniert. Schon allein über die Provinz Zuid-Holland könnte man ein eigenes Buch schreiben. Die Region liegt Südwesten. Ganz der Süden ist es nicht, der wird von Limburg, Noord-Brabant und Zeeland beansprucht. Herrlich verwirrend: Noord-Brabant liegt südlicher als Zuid-Holland. So viel zu den Unterschieden… Die berühmteste Stadt in Zuid-Holland ist sicherlich Den Haag. Neben dem Regierungssitz, erstaunen den Besucher hier die Paläste (unter anderem residiert hier die königliche Familie) und Promenaden. Wer die Kunst der alten Meister sucht, wird in ‘s-Gravenhage, wie die Stadt auch genannt wird, reich belohnt. Für ganz Eifrige gibt es einen Museumspass. Zur Stärkung findet man sich am Haringkam Buitenhof ein, einem Kiosk, der laut Dirk Sievers die besten Makrelenbrötchen und Kibbelinge der Stadt hat. Anscheinend haben die Möwen auch diesen Abschnitt des Buches gelesen und versammeln sich zahlreich und lautstark an diesem Ort.
Wer die Niederlande besucht, sucht auch Windmühlen. Die UNESCO hielt die Windmühlen am Kinderdijk für schützenswert, weshalb zwei davon heute noch in einem exzellenten Zustand zu besichtigen sind. Es empfiehlt sich außerdem eine Bootstour über die Kanäle.
Wer meint, dass man die gesamten Niederlande inklusive der Metropole Amsterdam nicht in einem Buch gebührend darstellen kann, irrt sich gewaltig. Die kurzen Texte sind mehr als ausreichend, um einen oder mehrere Urlaube kenntnis- und erlebnisreich zu gestalten. Die eingangs erwähnten farbigen Kästen sind das Salz in der Suppe. Zahllose Hinweise zu Unterkünften, Restaurants und Orten, die man auf gar keinen Fall verpassen sollte, sind klar gegliedert und erleichtern Einsteigern wie NL-Profis die Handhabung.


Korfu: Reiseführer mit vielen praktischen Tipps.
Korfu: Reiseführer mit vielen praktischen Tipps.
von Hans-Peter Siebenhaar
  Broschiert
Preis: EUR 16,90

5.0 von 5 Sternen Das einzige Buch, das man auf Korfu wirklich braucht, 29. April 2015
Korfu taucht immer nur in den Köpfen von Touristen auf, wenn es die neuen Kataloge im Reisebüro um die Ecke gibt. Ansonsten fristet das Eiland, das zu den Ionischen Inseln gehört, ein Mauerblümchendasein. Zu Unrecht! Wenn man es positiv sehen will, ist es hier stellenweise noch urtypisch, unberührt, unbekannt. Wer weiß schon, dass hier His Royal Highness The Prince Philip, Duke of Edinburgh, Earl of Merioneth and Baron Greenwich, Royal Knight of the Most Noble Order of the Garter, Extra Knight of the Most Ancient and Most Noble Order of the Thistle, Member of the Order of Merit, Grand Master and First and Principal Knight of the Most Excellent Order of the British Empire, Knight of the Order of Australia, Companion of the Queen's Service Order, Lord of Her Majesty's Most Honourable Privy Council, Member of Her Majesty's Privy Council for Canada oder einfach nur Prinz Philip geboren wurde. Besucher befinden sich also auf royalem Grund. Und Hans-Peter Siebenhaar bringt hierfür den 276 Seiten starken Beweis.
Korfu hat viel zu bieten. Wenn man so über das Eiland schlendert, ein Ingwerbier genießt (gibt es mit und ohne Alkohol), was es auf Korfu noch gibt, sieht man es an allen Ecken und Enden. Der Schriftsteller Ferdinand Gregorovius spricht von einem hinreißenden Schauspiel der Natur. Wer es hautnah erleben, die Insel schmecken will, der sollte den Markt in Korfu-Stadt besuchen, weiß Hans-Peter Siebenhaar zu berichten.
Der Norden ist die Region, die touristisch am meisten erschlossen ist. Hier wurden die meisten Hotels gebaut, was bedeutet, dass auch die Strände maximal ausgenutzt wurden. Wer nun meint, dass hier nur Massenabfertigung herrscht, irrt. Das auch von den Einheimischen als eines der besten bezeichnete Restaurant „Etrusco“ in Káto Korakiána verwöhnt vorzüglich die lechzenden Gaumen.
Das ist nur einer der vielen Tipps, die der Reisebuchautor parat hält. Immer, wenn er etwas entdeckt hat, was ihm besonders erwähnenswert scheint, packte er in im Buch die gelb hervorgehobenen Kästen. Echte Wegweiser und Geschichtenerzähler sind diese kurzen Texte.
Die Insel kann man touristisch in drei Teile gliedern: Korfu-Stadt, den Norden und den Süden. Jedem Teil widmet sich der Autor mit der gleichen Hingabe und macht so jeden Tag zu einem besonderen Erlebnis. Der vierte Teil führt Besucher in die Umgebung, Albanien oder auf die Inseln Paxos und Antipaxos. Insgesamt gilt es fünfzehn Wanderungen und Touren zu erleben. Die Karten und Pläne erleichtern das Zurechtfinden, als Einstieg gibt es einen kleinen Exkurs in die Geschichte Korfus. Für Sportenthusiasten ist die Insel wie geschaffen: Wanderungen per pedes oder per Rad bieten wegen der Berge nicht nur anspruchsvolle Betätigung, sondern auch einzigartige Aussichten. Und wer es – damit sind wir wieder beim britischen Königshaus – lieber geruhsamer angehen lassen möchte, das Kricketspiel ist auf Korfu immer noch sehr verbreitet.


Die letzten Stunden meiner Brille
Die letzten Stunden meiner Brille
von Nino Vetri
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

5.0 von 5 Sternen Camilleri vertrauen, 29. April 2015
Nino Vetris erster Roman entführt den Leser ins Palermo der Geschichten. Sein Vater verliert nach und nach sein Gedächtnis. Auf dem Weg zum Doktor fallen ihm immer wieder Geschichten aus der Kindheit ein.
Damals wollte er eine Punkband gründen. Der Unbegabteste sollte Schlagzeug spielen. Wie universell doch Punk sein kann. Der Großvater hat noch ein Maschinengewehr aus dem Zweiten Weltkrieg. Das fasziniert die Jugendlichen ebenso wie die neugewonnene Anerkennung als Band. Die einzelnen Geschichten nachzuerzählen fällt schwer, weil jedes Schicksal mit dem anderen verwoben ist. Zeitsprünge werden nicht angekündigt.
Der Leser wird trotzdem nicht überfordert. Im Gegenteil: Er wird gefühlvoll durch das Labyrinth der Geschichten geführt. Zwischen Bombenhagel und Gitarrengeschrammel findet er sich mitten in Palermo wieder. Einer Stadt, in der die Bewohner stets von Sehnsucht getrieben sind. Die Geschichte bietet ihnen die Basis für ihr eigenes Leben, das sie nun selbst gestalten müssen, dürfen, können.
Als Beiwerk gibt es eine CD mit Musik von „La Banda di Palermo“, der Band von Nino Vetri. Eine Art Ethno-Folk. Lässt man sie während des Lesens nebenbei laufen, tauchen die Bauten der Stadt vor einem auf. Der Straßenlärm versinkt im Klang der Instrumente.
Andrea Camilleri war begeistert von diesem Buch: „Ironisch, elegant und direkt“, nannte er das Erstlingswerk von Nino Vetri. „Die letzten Stunden meiner Brille“ ist ein Kurzroman, den man mehrmals liest. Und bei jedem Mal erschließt sich eine andere Welt. Kriegserinnerungen, Jugendsünden, Schicksale. Immer wieder wird der Leser in eine neue, faszinierende Welt geführt. Siziliens Dichter waren seit jeher von ihrem Land angetan. Nino Vetri führt diese schöne Tradition fort und den Leser durch seine Heimat.


Lume Lume
Lume Lume
von Nino Vetri
  Broschiert
Preis: EUR 12,80

5.0 von 5 Sternen Notenschllüssel zur Welt, 29. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Lume Lume (Broschiert)
Ein Ohrwurm geht dem Erzähler nicht mehr aus dem Kopf. Es beschäftigt ihn so sehr, dass er unbedingt wissen muss, was die Zeilen bedeuten. Und so macht er sich auf die Suche nach der Bedeutung des Liedes. Er streift durch das multikulturelle Palermo. Woher stammt es? Vom Balkan? Aus Rumänien?
Unterwegs trifft er Rumänen – die kennen das Lied aber nicht. Zu jung. Die, die im richtigen Alter sind, und Rumänen zu sein scheinen, sind keine Rumänen. Die Suche nach dem Sinn des Liedes wird zur Suche nach der Identität der Stadt.
Der Erzähler trifft auf Moslems, Christen. Die buddhistische Floskel vom Weg, der das Ziel ist, wird unweigerlich sein Leitfaden. Er begegnet jungen Mädchen, die mit Stolz die Burka tragen. Jetzt sind sie erwachsen. In die Schule stolzieren sie allerdings in Jeans. Ihr Vater will nur, dass sie glücklich sind. Egal in welcher Kleidung.
Lume bedeutet Leute oder Welt. Die Doppelung des Wortes verleitet zum Spielen: Welt-Welt, Leute-Leute, Leute der Welt etc. Doch was es nun genau bedeutet, kann ihm immer noch keiner sagen.
Dem Erzähler gefällt das Lied so sehr, dass er es als Sinnbild Palermos ansieht. Hier trifft sich die Welt. Ob es nun Europa ist oder nicht – eine köstliche Erklärung warum Palermo nicht Europa ist: Lesen! – das Lied wird zum Sehnsuchtsziel einer spannenden Reise in die Herzen der Palermitani.
Nino Vetri ist auch Musiker. Der Erzähler ist er selbst. Eine Melodie, ein Lied, das einem nicht aus dem Sinn geht, das kennen viele. Dass man bei der Suche nach dem Text die eigene Umgebung unter die Lupe nimmt, so was gelingt nur Nino Vetri. Den Text zu finden, ist ein Leichtes, den Sinn zu erfassen wird schon schwieriger. Für Nino Vetri ist die Suche nach dem Text von Lume Lume nur der Anfang. Er findet Freunde, die ihm ihre Sicht auf die Welt näherbringen. Und Palermo ist die Sonne, um die sich alles dreht…


Der große Schlaf
Der große Schlaf
von Raymond Chandler
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

5.0 von 5 Sternen Wer Marlowe nicht liebt, ist selber Schuld, 29. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Der große Schlaf (Taschenbuch)
Jede Stadt hat ihren Helden. London Sherlock Holmes, Venedig Guido Brunetti und Los Angeles’s Gangster hätten ohne Philip Marlowe keinen würdigen Gegner. So schnörkellos sein Name – kein Doppel-L mit einem P, oder ein L mit zwei P etc. – so unausgeschmückt seine Ansagen. In Gedanken ist er facettenreich wie kaum ein Anderer. Das Haus von General Sternwood fällt ihm wohl auf. Inklusive der Verzierungen. Doch seine Bewunderung hält sich nach außen in Grenzen.
Der General ist sein neuer Auftraggeber. Ein alter Mann, der viel geleistet hat, es zu Reichtum brachte und zwei durchtriebene Luder seine Töchter nennt. Eine lernt Marlowe gleich kennen. Carmen. Anfang zwanzig. Schnuckelig ziseliert – schon allein für diese Formulierung lohnt es sich Chandler zu lesen. Vivian, das zweite Früchtchen aus den Lenden des Generals ist nicht minder durchtrieben, und viel gerissener.
Carmen wird erpresst. Ihr Vater will die Sache aus der Welt schaffen, deswegen ist Marlowe zu ihm gekommen. Fünftausend Dollar in Schuldscheinen sind nicht viel für den General. Marlowe rät ihm zu bezahlen, doch der anhängende Rattenschwanz bereit auch ihm Sorgen. Ein gewisser A.G. Geiger soll das Geld bekommen. Doch der ist kurze Zeit später tot. Das Verwirrspiel beginnt als Vivian sich in die Sache einschaltet.
Philip Marlowes Jagd durch Los Angeles nach dem eigentlichen Erpresser gleicht einem Minenfeld. Wo immer er auftaucht tritt eine Leiche oder eine Blondine ins Rampenlicht. Nicht schlecht für einen, der wegen Befehlsverweigerung vom Polizeidienst ausgeschlossen wurde. Sein Ex-Chef hat ihm den Auftrag zugeschustert. Die Verbindungen zur Obrigkeit sind also noch vorhanden. In knappen, präzisen Formulierungen kreiert Raymond Chandler den Archetyp des fokussierten Ermittlers. Nichts bringt ihn aus der Fassung: Keine weiblichen Reize, keine Ballerei, kein Drohung. Und so manches Kätzchen versucht ihn in ihren Bann zu ziehen. So mancher Gangster versucht ihn mit Blei vollzupumpen. So manch einer versucht Marlowe einzuschüchtern. Hard boiled eben. Wer „nur“ die Filme kennt, weiß worauf er sich einlässt. Bogey ohne Chandler wäre nur ein Schauspieler. Als Philip Marlowe wurde Humphrey Bogart zum Symbol eines ganzen Genres. Am besten genießt man Raymond Chandlers Vorzeige-Ermittler in Los Angeles. Laurel Canyon Boulevard, West Hollywood – alle Orte sind real, besuchbar. Der Charme der Vergangenheit mag vor Ort gelitten haben. Doch die Atmosphäre von damals wird durch die Marlowe-Reihe wieder auferstehen.


Provokateure: Der siebte Fall für Bruno, Chef de police
Provokateure: Der siebte Fall für Bruno, Chef de police
von Martin Walker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 23,90

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brillant, 29. April 2015
Ein idyllisches Land im Südwesten Frankreichs, das Périgord. Das weiß der Leser seit ein paar Jahren. Hier ist die Welt in Ordnung. Der Wein gedeiht, Trüffel erfreuen den Gaumen von Einheimischen wie Touristen, es ist das Land der Delikatessen. Ab und zu erschüttert ein Verbrechen die Idylle, doch Bruno, der akribisch und verbissen ermittelnde Polizist von Saint-Denis kommt jedem auf die Spur.
Des Nachts wird er unsanft aus seinen Träumen gerissen. Ein besonderer Klingelton. Ein Mann wurde ermordet. Verbrannt im eigenen Fahrzeug. Ein Messer wurde ihm vom Kinn ins Hirn gerammt. Profiarbeit. Bruno gefällt die Sache nicht. Hier in seinem Revier so ein abscheuliches, abgebrühtes Verbrechen. Da kommt wohl eine Menge Arbeit auf ihn zu. Ein Mail von einem ehemaligen Friedenscorps-Kameraden, der gerade in Afghanistan Dienst tut, macht es auch nicht besser. Denn auf seinem Stützpunkt ist Sami Belloumi aufgetaucht. Ein Junge aus Saint-Denis, der behauptet Bruno zu kennen. Das angehängte Bild beweist es. Sami ist in Afghanistan. Sami ist Autist. Sollte eigentlich in eine Sonderschule in einer Moschee in Toulouse gehen. Warum ist der Junge am Hindukusch?
Bruno beschließt Momu, den Mathematiklehrer aufzusuchen. Der ist Sami Onkel und Adoptivvater. Vor der Schule fällt Bruno ein Lieferwagen auf. Sind wohl Handwerker. Als er die beiden „Handwerker“ in der Schule antrifft, geht einer der beiden zum Angriff über, während der Andere Bruno mit einem Viehtreiber zu Boden streckt. Bruno scheint auf der richtigen Spur zu sein…
Durch den „Zwischenfall“ ist jede Menge Schreibkram auf Brunos Schreibtisch liegengeblieben. Darunter auch ein Brief aus Pairs, von einem Anwalt, in der Gemeinde Saint-Dies ein durchaus respektables Erbe angekündigt wird. In den Kriegsjahren waren hier zwei jüdische Kinder versteckt worden. Der Junge, inzwischen angesehener Arzt, sei vor Kurzem verstorben und möchte einen Teil seines Vermögens aus Dankbarkeit der Stadt vermachen. Verbunden mit der Auflage ein Gedenkzentrum zu errichten. Bruno, der hier aufgewachsen ist, kennt derartige Geschichten nicht. Noch ein Geheimnis, das gelüftet werden muss.
Auch Sami trägt ein Geheimnis mit sich. Bei seiner Rückkehr sind die Narben der vergangenen Zeit nicht nur sprichwörtlich sichtbar: Sein Rücken ist übersät mit Narben. Darüber sprechen wird er wohl nie. Zu alledem kommt auch noch eine politische Komponente ins Spiel: Anhand von Fingerabdrücken sind die Amerikaner der Meinung, dass Sami der „engineer“ ist, ein berüchtigter Bombenbauer. Bruno, der so manchem Kleinganoven Respekt einflößt, Mördern wegen seiner Schnüffelnase das Fürchten lehrt, steht nun seiner größten Herausforderung gegenüber.
Entführung, Holocaust und Heiliger Krieg: Bruno ist wirklich nicht um seine Arbeit zu beneiden. Doch Martin Walker gibt seinem Ermittler die nötige Ruhe, um angemessen zu reagieren. Immer gewürzt mit einer Brise französischer Küche und dem für Bruno unvermeidlichen Hang zum weiblichen Geschlecht.
Martin Walker ist im Mai auf großer Lesetour im deutschsprachigen Raum.
Vom 4. bis 9. Mai in Weißenburg, Schwabmünchen, Lauf, München, Rammingen und Friedrichshafen, vom 11. Bis 13. Mai in Zürich, Freiburg im Breisgau und Luzern, am 15. Mai in Affoltern a.A., vom 17. bis 21. Mai in Tübingen, Leipzig, Pinneberg, Cuxhaven und Varel, am 23. und 24. Mai in Dortmund und Steinheim-Sandebeck, und vom 26. bis 30. Mai in Fröndenberg, Brühl, Nidda, Neu-Anspach und Gau-Algesheim. Am 10. Mai sitzt er ab 18.45 Uhr auf dem roten Sofa im NDR in der Sendung DAS!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 30, 2015 5:29 PM MEST


Briefe
Briefe
von Albert Einstein
  Sondereinband
Preis: EUR 8,90

5.0 von 5 Sternen Schreiben konnte er auch noch, 29. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Briefe (Sondereinband)
Was wurde nicht alles schon über ihn geschrieben? Genialer Wissenschaftler, Friedensaktivist, Charmeur, Geigenspieler: Albert Einstein. Gehört er gar zu denen, über die schon alles geschrieben wurde? Und wenn ja, warum dann dieses Buch? Weil die Behauptung, es wurde schon alles über DAS Genie des 20. Jahrhunderts geschrieben, nicht stimmt. In einer Zeit, in der Mobiltelefone und E-Mails weder bekannt waren noch in absehbarer Zukunft lagen, gab es zumindest das Kommunikationsmittel des Briefes. Das waren noch Zeiten als mit Tinte auf Papier etwas geschrieben wurde. Fein säuberlich in einen Umschlag gesteckt, frankiert und mit der Post verschickt wurde. Das ist so old school. Tja, das war Albert Einstein trotz aller Genialität und Progressivität auch.
Die in diesem Buch zusammengefassten Ausschnitte spiegeln ein Leben für die Wissenschaft und deren Nutzen für die Menschen wider. Einstein war keineswegs der unnahbare Gelehrte, der regelmäßig zu spät zur Vorlesung kam, launisch seine Thesen runterlas und dann bis zum nächsten Mal im Nirwana verschwand. Er war streitbar und nahm regen Anteil an den zugesandten Briefen. Egal, ob sie nun von einem geschätzten Kollegen, einer royalen Größe oder einem einfachen Farmer aus Idaho kamen. Letzterer bat um ein aufmunterndes Wort für seinen Spross, den er zum Physikstudium animierte. Einstein sollte den letzten Anstoß geben sich anzustrengen. Zur Belohnung gab es einen Sack Kartoffeln.
Die Briefe bzw. die Auszüge zeigen Einstein wie sich Kenner ihn vorstellen und Fremde ihn sich gern vorstellen möchten. Liebenswert, und wenn er antwortet dann mit ganzer Geisteskraft. Außerdem war er ein begnadeter Schreiber. So mancher Student der Gegenwart wünscht sich so einen agilen, lebensbejahenden, klugen Kopf in seinen Seminaren.
Wem schenkt man so ein Buch? Sich selbst. Jedem Physiker, Astronomen. Egal, ob noch Studiosus oder Forscher. Jedem Wissenschaftler, der seine Arbeit nicht nur als Broterwerb sieht oder sah, sondern auch anderen Fachrichtungen die Chance gibt erforscht zu werden. Jedem Humanisten. Na, das ist doch wohl schon eine große Leserschaft.
Einsteins Witz blitzt immer wieder genauso durch wie sein wacher Verstand und seine romantische Ader. Bemerkenswert ist vor allem der lyrische Briefwechsel mit Königin Elisabeth von Belgien. Einstein konnte vor den Nazis fliehen – sie musste aufgrund ihrer Herkunft und ihres Standes ausharren. Seine Ratschläge sind Mahnworte, die bis in die heutige Zeit Bestand haben. Er war gläubig und niemals fanatisch. Einer wie er fehlt … immer noch.
Dieses Buch liest sich leicht wie ein Roman, ist spannend wie ein historischer Thriller und verleitet den Leser immer wieder einzelne Passagen nochmals zu lesen.


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