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Rezensionen verfasst von
kwichybo "Jörn M." (Nürnberg)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Mitgift
Mitgift
Preis: EUR 14,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und wenn sie nicht gestorben sind...!!!, 22. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Mitgift (Audio CD)
Mord und Totschlag - dies und nichts anderes thematisieren meine Lieblings-Potsdamer SUBWAY TO SALLY auf ihrem brandneuen Langeisen "Mitgift", und haben dabei ein mörderisches Konzept-Album aus den Angeln gehoben, welches als düsterstes Stück der bisherigen Bandhistorie eine Sonderstellung einnimmt. Wo legendäre Frühwerke wie "Bannkreis" , "Hochzeit" , "Herzblut" oder "Nord Nord Ost" stets für die perfekte Symbiose aus Poesie, Mittelalter-Folklore und ansteckender Lebendigkeit standen, da zieht das Septett aus der Berliner Vorstadt ihre Fans nun voll und ganz auf die dunkle Seite des Lebens. Gute Laune und aus reiner Liebe geborene Herzensschwüre wird der Hörer auf diesem 11-Tracker (die höherpreisige Special-Edition beinhaltet mit "Im Weidengarten" noch eine weiteren Song!) vergeblich suchen - zumindest keine, die nicht über den Tod hinausgehen! So berichten Eric Fish, Bodenski & Co. über historische Massenmörder und Bluttaten, die teilweise mehrere Jahrhunderte zurückliegen. Mit dem malerischen "Dein Kapitän", in dem der medienträchtige "Fall Kampusch" skizziert wird, bewahrt man aber gleichzeitig einen Hang zur Aktualität.
Im Vorfeld wurden viele Worte über die moderne Produktion verloren, mit der SUBWAY TO SALLY erstmals die technischen Möglichkeiten der Jetztzeit für sich entdeckt haben, und dabei auch vor allerlei Elektronik (u.a. Drum-Loops und Dubstep-Einflüssen) nicht zurückschrecken. Vielen Uralt-Fans dürfte dies ein Dorn im Auge sein, zumal sich die Band damit doch merklich vom rohen, traditionellem Charme der Mittelater-Märkte entfernt. Bäh, alles was neu ist gefällt mir nicht! Dabei wird aber oft vergessen, dass bereits vor über 10 Jahren - jawoll ja, der großartige Überhit "Kleid aus Rosen" - in eine ähnliche experimentelle Richtung ging. Mir persönlich gefällt die moderne Ausrichtung von "Mitgift" übermäßig gut, da jedem einzelnen Songs dadurch noch mehr Glanz und Finesse einverleibt wird, und die erzeugte Spannung selbst beim 30. Hördurchlauf noch greifbar nah ist. Glaubt mir, ich habe es ausprobiert!
Merke: Selbst die allerbeste High-End-Produktion ist letztlich für die Katz, wenn die Musik selber nichts taugt. Doch speziell beim Songwriting können sich SUBWAY TO SALLY auch weiterhin auf ihr Gespür für lupenreine Hits verlassen...nur eben mit dem Unterschied, dass so manche Nummer (u.a. "Haus aus Schmerz" oder die erste Single "Schwarze Seide") vergleichsweise brachial umgesetzt wurde, und die Band somit einige Schritte auf die RAMMSTEIN-Zielgruppe zugeht. Fantastische Modern-Folk-Hymnen wie die Fritz Haarmann-Mär "Warte, warte" (nicht nur in Hannover ein Hit!) , "Ad mortem festinamus" , "Dein Kapitän" , "In kaltem Eisen" sowie die drei unbedingten Anspieltipps "Grausame Schwester" (was für ein Chorus!) , "Für immer" (dito!) und "Arme Ellen Schmitt" stehen in Punkto Eingängigkeit keinen Millimeter hinter den Band-Klassikern zurück...sind aber inhaltlich zum Teil schwerer zu verdauen. Woher soll die gute Laune denn auch kommen, wenn alle Paar Minuten ein anderes unschuldiges Mädchen im Blutrausch dahingemeuchelt wird?! Während der charismatische Front-Blondschopf Eric Fish über 43 Minuten eine seiner besten Gesangsleistungen vorlegt, und dabei einmal mehr dem Ruf eines Geschichtenerzählers gerecht wird, sitzen die typischen Mittelalter-Parts (Violine, Dudelsack) erneut exakt an der richtigen Stelle. Und da auch die beiden Sechssaiter das Umschaltspiel zwischen Ohrwurm-Melodie und heftigem Brat-Riffing nahezu bis zur Perfektion ausbalanciert haben, gehört "Mitgift" zur absoluten Pflichtveranstaltung für alle SUBWAY TO SALLY-Anbeter. Eigentlich alles wie immer...diesmal jedoch qualitativ noch einige Spuren besser. Mordkommission Potsdam - bitte übernehmen sie!


Noir
Noir
Preis: EUR 13,99

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Punkrock für Saubermänner !!!, 1. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Noir (Audio CD)
"Wir legen Asche über die Stadt!" lautet die recht großspurige Ankündigung der BROILERS im hervorragenden Refrain von "Zurück in schwarz", und lässt für den Rest des Albums ein derbe Überportion von Härte und Angriffslust erwarten. Nun ja, vermutlich wäre es dem Großteil der Hörer lieber gewesen, wenn die Düsseldorfer Punkrock-Zweitvertretung ihren Worten auch Taten hätte folgen lassen....denn der neuen BROILERS-Scheibe "Noir" fehlt es während der 55minütigen Spielzeit über weite Strecken doch sehr an den allerwichtigsten Punk-Tugenden: Wenig Spielwitz, wenig Spontanität, wenig Drive und noch viel weniger Dreck! Dafür driftet das Quintett aus der Rhein-Metropole (erwartungsgemäß!) immer mehr in poppig-angepasste Gefilde ab, um in den deutschen Charts fortan Megasellern wie ANDREAS GABALIER , HELENE FISCHER oder ANDREA BERG Paroli zu bieten. Hurra, der Mainstream kann sooo schön sein! Wenn man sich einen gemütlichen, mittlerweile arg unglaubwürdigen Medien-Punk wie Campino sooo offensichtlich zum Vorbild nimmt, dann wird dies viele Uralt-Fans zwangsläufig vor den Kopf stoßen. Denn auch wenn die neue BROILERS-Scheibe unterm Strich sogar recht ordentlich geworden ist, gibt es doch einen Haufen Kritikpunkte, die einem den "Genuss" echt vermiesen können.
Allein die Tatsache, dass "Noir" insgesamt 16 Songs (!) beinhaltet, legt die Vermutung nahe, die Band wolle es wirklich jedem recht machen. Getreu dem Motto: Irgendein Lied wird der Hörer schon irgendwie mögen - Masse statt Klasse! Ärgerlich ist es dann aber vor allem, wenn neue Nummern wie "Das da oben" , "Nur nach vorne gehen" , "Irgendwo dazwischen" (musikalisch gut!) oder das unsägliche "Ich hol dich da raus" mit den Alltime-Klassikern (remember "Vanitas"?) praktisch nichts mehr gemeinsam haben. Wie in eine Schablone gepresst spielen die BROILERS hier austauschbaren, farblosen Pop/Rock-Sound für die gepflegte Langeweile...HOSEN-like komponiert für Public-Viewings, Fanmeilen, volle Arenen, CDU-Wahlabende, VIP-Logen und die nächste Aufstiegsfeier der Düsseldorfer Fortuna. Dabei ist egal wie durchschnittlich die Mucke ist - Hauptsache man kann den Chorus nach dem dritten Bier fehlerfrei mitgröhlen.
Während die ruhige Nummer "Wo bist du (Du fehlst)" fast schon perfekt auf die tolle UDO LINDENBERG-Comeback-Scheibe "Stark wie zwei" gepasst hätte, fragt man sich beim platten "Die Letzten an der Bar" dann entgültig, ob hier jetzt eigentlich die neue Scheibe der BROILERS im Player liegt, oder ob die Plattenfirma einem versehentlich eine CD von REVOLVERHELD oder TIM BENDZKO untergeschoben hat. Gääähn!
Glücklicherweise hat "Noir" aber auch einige wirklich starke Momente, bei denen Samy & Co. die teilweise gebotene Magerkost bestens ausgleichen können. Mit dem Anfangs-Triple "Ist da jemand?" , "Zurück in schwarz" und "Wo es hingeht" (mein persönlicher Favorit!) zeigen sich die BROILERS bissig, intelligent und in voller Kampfmontur. Gleiches gilt für schmissige Punk-Songs wie "Die Hoffnung stirbt nie" , "Nanana" , "Grau grau grau" sowie den vorzüglichen Rausschmeißer "Gutes Leben" (erinnert in den Strophen fatal an die ÄRZTE-Hymne "Westerland"!), die allesamt auch auf dem Vorgänger "Santa muerte" gepasst hätten, und die bei zukünftigen Konzerten wohl schnell den Sprung in die Dauer-Setlist finden werden...speziell das ungemein eingängige "Ich brenn" - der effektivste Ohrwurm der Platte. Besonderes Lob widme ich an dieser Stelle den Mid-Tempo-Nummern "Ich will hier nicht sein" und "Der Rest und ich" (beide musikalisch eher zahm!), die durch die großartigen Lyrics die volle Punktzahl einfahren können. So müssen intelligente Texte zum Thema Integration geschrieben werden, Punkt!
Fazit: Sicherlich ist das neue BROILERS-Album eine recht zwiespältige Angelegenheit, bei der sich starke und schwächere Songs in etwa die Waage halten. Nachdem mein Eindruck nach dem ersten Hördurchlauf ziemlich ernüchternd ausfiel, hat mich die Langzeitwirkung von "Noir" allerdings positiv überrascht. Denn wenn ich ein Album gleich mehrere Wochen täglich im Repeat-Modus höre, dann muss dies insgeheim auch ein Zeichen für Qualität sein, oder? Vier bis fünf Lieder weniger hätten dieser Platte aber gewiss nicht geschadet...Sodele, und nun darf der Rubel meinetwegen rollen. Wir werden's ja eh nicht verhindern können.


Nostalgie für die Zukunft
Nostalgie für die Zukunft
Preis: EUR 14,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Doch eigentlich such' ich nur Dich !!!, 15. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Nostalgie für die Zukunft (Audio CD)
Deutschsprachige Rockmusik polarisiert derzeit an allen Ecken und Enden. Und dies mit reichlich Tam-Tam! Während sich der Großteil aller treuen Fans wochenlang über Sinn bzw. Unsinn der bevorstehenden BÖHSE ONKELZ-Live-Reunion die Köpfe heiß redet, ein Heer von Moralaposteln den umstrittenen FREIWILD offen den Krieg erklärt und die BROILERS als allergrößte Punk/Pop-Hoffnung die Charts von hinten aufrollt...sooo leise und unspektakulär mausert sich das kleine aber feine "Nostalgie für die Zukünft" heuer zum Geheimfavoriten der deutschen Rock-Lyrik. Hinter dem Pseudonym ERIK COHEN verbirgt sich kein Unbekannter - jedoch gibt sich der langjährige Frontmann der Kieler Punk/Schweinerocker SMOKE BLOW (Jack Letten!) auf seinem ersten Solo-Album so emotional wie nie zuvor. Anstatt das Publikum im schweißnassen Club beim Massenpogo zu dirigieren, überzeugt ERIK COHEN auf diesem 12-Tracker vor allem mit einem: Unglaublichem Tiefgang! Wenn viele Künstler großspurig behaupten, dass Musik und Texte immer als Einheit (!) gesehen/gehört werden müssen, dann gilt dies insbesondere für dieses Album. Natürlich kann man den Pathos von Nummern wie "Wölfe" , "Kosmonaut" , "Treue Herzen" oder "In Bewegung" kritisieren, hier und da peinlich berührt sein...man kann aber auch einfach nur zuhören. Denn wenn der Hörer in die Tiefe geht, dann wird von mal zu mal - mit jedem Hördurchlauf! - deutlicher verstehen, wie viel Ehrlichkeit in den Zeilen schlummert.
"Ein Teil von mir will hier bleiben, ein Teil von mir möchte fliehen" singt ERIK COHEN in einer Strophe der großartigen Übernummer "Kapitän", und sagt dabei eigentlich alles über die innerliche Zerrissenheit und Selbstzweifel eines Mannes, im eigenen Kampf mit sich selbst und dem Sinn des Lebens. "Nostalgie für die Zukunft" ist purer Seelenstriptease eines Mid-Vierzigers...in Gedanken verloren, mit Sehnsüchten und Visionen, die auf eine goldene Zukunft hoffen lassen - beinahe schon ein klassisches Singer/Songwriter-Album! Immer wieder fühlt man sich an die musikalische Kehrtwende des SOCIAL DISTORTION-Urgesteins Mike Ness erinnert, der auf dem letzten Output "Hard times and nursery rhymes" vorwiegend seine emotionale Seite nach Außen kehrte...gleichzeitig huschen einem die herrlich abstrakten lyrischen Ergüsse des Berliner Stadtaffen (sic!) PETER FOX durch den Sinn - ein deutscher Musiker, den man selbst als eingefleischter Rock/Metal-Fan irgendwie gut finden kann. Harsche Abgehnummern wie "Omega Mann" und "Chrom" hätten hingegen wohl auch auf jeder WEISSGLUT-Scheibe ("Etwas kommt in deine Welt" , "Zeichen") stehen können.
Als waschechter Schleswig-Holsteiner verwendet ERIK COHEN in seinen Songs mit großer Vorliebe norddeutsche Waterkant-Metaphern (z.B. See, Wellen, Hafen, Meer, usw.) und zeigt dabei auf eigenste Weise die Verbundenheit zu einer Region, die ihn als Mensch geprägt hat. Dabei ist es unnötig zu erwähnen, dass man tolle Nummern wie "Licht" , "Dirigent" , das bereits erwähnte "Kapitän" oder "Segeln" (großartig!) natürlich auch allen Deutschrock-Fans in Freiburg, München und Nürnberg gefallen dürften. Selbst wenn dort die nordische Grußformel "Moin Moin!" nie richtig verstanden bzw. stets falsch übersetzt werden wird.
Fazit: Man merkt sofort wie viel warme Energie und Herzblut der SMOKE BLOW-Fronter in sein Solo-Debüt gesteckt hat. Ein authentisches Album zum Nachdenken, dem aber auch immer wieder ein positives Augenzwinkern anzuhören ist. Einen echten Seemann kann schließlich nichts erschüttern. Sehr zu empfehlen!


Climax
Climax
Preis: EUR 14,99

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit Gasmaske und Blumenstrauß !!!, 18. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Climax (Audio CD)
Hossa, da hat das finnische Label "Svart Records" aber einen verdammt dicken Fisch an Land gezogen. "Petri Dank!" kann man da nur sagen. Denn eines ist jetzt schon mehr als sicher: Diese Band wird die in naher Zukunft noch für gewaltig Furore sorgen!
Um die Musik von BEASTMILK treffend zu beschreiben, können die Worte des Rezensenten malerische, fast schon lyrische Ausmaße annehmen. Auf dem Frontsticker des "Climax"-Erstlings trifft es wohl folgendes Zitat am besten: "Music for survivalists, preparing for the end of the world".
Dieses unfassbar talentierte Quartett nennt seinen Sound einfach nur "Apocalyptic Post-Punk", und begibt sich dabei in eine stilistische Schnittmenge, die man sooo nicht sehr oft zu hören bekommt. Denn die 10 Songs des BEASTMILK-Debüts sind nicht nur außergewöhnlich - sondern vor allem außergewöhnlich gut!
Um die Wurzeln des 38-Minüters komplett auszugraben, muss sich der Hörer mindestens 20 bis 30 Jahre in der Musikhistorie zurück bewegen, und wird dann früher oder später auf Düster-Pioniere wie THE CURE , KILLING JOKE , NEW MODEL ARMY oder JOY DIVISION treffen, deren tieftrauriger Sound sich wie ein Abziehbild über die zehn "Climax"-Songs legt. Die rüden Punk-Vibes holt man sich dafür eindeutig von den MISFITS ab. BEASTMILK komponieren derart haarscharf auf der Grenze zwischen Traum und Alptraum, zwischen Euphorie und Trostlosigkeit, zwischen Freudentränen und alles zerschlagender Depression, dass dieses Album wie ein Oskar-reifer Spielfilm vor dem inneren Auge des Hörers vorbei läuft. Jeder Song ist eine musikalische Perle, die man mit bloßen Händen aus dem dreckigen Morast emporziehen muss - und die, trotz aller Kargheit, immer und immer und immer wieder im gleißenden Licht erstrahlt. Fantastische Dark/Rock/Wave/Punk-Blockbuster wie "Ghosts out of focus" , "The wind blows through the skulls" , "Love in a cold world" , "Nuclear winter" (kein SODOM-Cover!) , "Genocidal crush" und "Fear your mind" sind fesselnde Ohrwürmer aus dem Melancholie-Handbuch. Wie gemacht für den letzten Atemzug am Tage des Weltuntergangs. Und dennoch schwingt in jeder Sekunde der viel zu kurzen Spielzeit eine sympathische Lockerheit mit...ein erlösender Hoffnungsschimmer, der dem Hörer letztlich zu verstehen gibt, dass man selbst im wüsten Endzeitszenario doch noch ein Bäumchen pflanzen sollte.
Der Sound von "Climax" ist dabei sooo authentisch und unproduziert ausgefallen, als hätte der Finnen-Vierer die Scheibe innerhalb einer Stunde im verriegelten Atombunker aufgenommen, um ein allerletzter Lebenszeichen für die Nachwelt zu hinterlassen. Mit Songs wie dem aufwühlenden Rausschmeißer "Strange attractors" , "Death reflects us" , "Surf the apocalypse" (jawoll!) und dem fulminanten Smasher "You are now under our control" (hundertprozentige Zustimmung!) poltern und schrammeln sich BEASTMILK ohne Umwege in die Hall-of-Fame der größten Rock-Hoffnungsträger. Ein puristisches Meisterwerk ohne Schwächen, dessen Refrains man aus purer Begeisterung rausgröhlen möchte - bis zum allerletzten Tag, an dem die Welt im Chaos versinkt, sich das Leben dem Ende zuneigt und der Hörer seine Augen für immer schließt. Mit einem Lächeln auf den Lippen!


Vortex of Violence
Vortex of Violence
Preis: EUR 11,44

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geiler Thrash aus zweiter Reihe !!!, 17. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Vortex of Violence (Audio CD)
Thrash-Metal aus deutschen Landen war bereits Mitte der Achtziger Jahre ein regelrechter Exportschlager, bei dem sogar die meisten amerikanischen Bands qualitativ kaum Schritt halten konnten. Während KREATOR , SODOM , TANKARD und DESTRUCTION damals wie heute zu den wichtigsten Acts des Genres gehören und mittlerweile wohl jedes Land dieser Erde schon mehrmals "betourt" haben, könnten die Erfolgsaussichten bei einer Band wie REPENT wohl nicht trüber sein. Denn obwohl dieses Quintett aus Nürnberg ebenfalls schon seit über 20 Jahren am Start ist, hat man den Ruf des regionalen Überfliegers und Underground-Phänomens leider nie ablegen können. Wohl auch deswegen, weil sich das Personalkarussel immer munter weitergedreht hat, und die neue Stammformation bereits kurz darauf wieder auseinandergerissen wurde. Allerdings: Selbst nach zwei Jahrzehnten klingt die Musik der Franken nicht nach lästiger, beruflicher Routine, sondern nach wie vor nach reiner Herzenssache. Gut so!
Das aktuelle REPENT-Album "Vortex of violence" hat nun bereits auch schon einige Monate auf dem Buckel, nach denen - man muss es leider sagen! - der endlich erhoffte Popularitätsschub gleich im Ansatz verpufft ist. Dabei hat der 12-Tracker eigentlich fast alles, was eine rabiate Thrash-Scheibe heutzutage haben muss!
Musikalisch wird diese Band immer gern mit großen US-Vorbildern wie SLAYER , EXODUS oder DARK ANGEL verglichen, was man als Referenz gewiss auch so stehen lassen kann. Ich persönlich sehe REPENT aber eher in einer Schublade mit groovigen Brutalo-Kapellen wie EXHORDER , WARBEAST oder den ganz frühen LAMB OF GOD. Bei Songs wie "Human hell" , "Puppets of corruption" , "Vengeance" und "Suicidal dreams" sind die brachialen Killer-Riffs ganz klar wichtigste Hauptzutat. Konkret ausgedrückt: Die beiden Gitarristen springen dem Hörer mit Schmackes direkt ins Kreuz, ohne Rücksicht auf Schmerzen! Durch einige coole Breaks, Tempowechsel und eine leichte Hardcore-Kante (Gesang!) erzielen die fünf Nürnberger gleich Pluspunkte im Akkord. Dabei trümmert man sich derart hartherzig-rustikal durch die 41minütige Spielzeit, dass einem wahren Thrasher sofort das Herz aufgeht. Spielerisch halten alle 12 Songs locker das hohe Gesamtniveau, auch wenn die eine oder andere Melodie oder Hookline dem Album ganz gut getan hätte. Grundsätzlich halte ich heftiges Dauergeknüppel durchaus für unterstützenswert...nach dem dritten oder vierten Durchlauf am Stück kann man auf "Vortex of violence" dann aber doch einige Verschleißerscheinungen erkennen. So klingen einige Songs dann doch ziemlich ähnlich und leider wohl doch etwas zuuu eintönig. Das kann man kritisieren - muss man aber nicht! Mit brilliant ballernden Geschossen wie "The system has failed" , "The return of dark ages" , dem saustarken Opener "Vortex of violence" und dem Album-Highlight "World supremacy" (Hammer!) machen REPENT nämlich vor allem eines: Sie machen unglaublich viel Spaß! Hier wird und darf es keine anderslautenden Zweitmeinungen geben.
Fazit: Summa summarum ist "Vortex of violence" eine vorzügliche Haudrauf-Platte geworden, die sich jeder Oldschool-Thrasher schon aufgrund des kultigen Artworks auf den Einkaufszettel schreiben sollte...gelobt sei die Zeit, in der man noch Alben blind nach dem Covermotiv kaufen konnte, ohne vorher auch nur einmal reinzuhorchen. Und wenn es tatsächlich stimmen sollte, dass die Schlagzeug-Parts auf diesem 12-Tracker im Wohnzimmer (!) eines Bandmitglieds eingetrommelt wurden, dann würde ich mich dort doch gern mal selber zum Käffchen einladen. Das macht bestimmt Bock!


Devil Man
Devil Man
Preis: EUR 15,94

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zu Risiken und Nebenwirkungen...!!!, 21. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Devil Man (Audio CD)
Hehe, so kann's laufen. Da hatte ich mich insgeheim schon darüber gefreut, dass mit dem Quartett BLUES PILLS endlich (!) mal wieder eine geile Vintage-Rock-Combo aus Amerika am Start ist. Erst beim Durchstöbern der spärlichen Album-Credits stellte ich dann doch fest, was man dann letztlich doch vermuten musste: Die Band stammt eben nicht aus Amiland, sondern - na woher wohl? - aus Schweden! Ich hab nicht die geringste Ahnung, was unsere Freunde aus Skandinavien sich jeden Morgen nach dem Aufstehen in den Tee kippen, oder warum die Musiker aus jenem Land sooo ungemein kreativ sind...aber die ewig lange Liste der schwedischen Retro-Rock-Bands ist schon mehr als beeindruckend. Neben großen Namen wie WITCHCRAFT , GRAVEYARD , HORISONT und CRYSTAL CARAVAN können sich BLUES PILLS zwar noch nicht komplett auf Augenhöhe behaupten...mit der bockstarken, knapp 17minütigen "Devil man"-EP setzt man allerdings eine exzellente Duftmarke. Alter Schwede, das wird was!
Der blutjunge Ausnahmegitarrist Dorian Sorriaux ist - mit Dackelblick und Korkenzieherlocken! - nicht nur eine große Gefahr für die Frauenwelt, sondern zupft die Sechssaitige bereits mit unfassbarer Souveränität. Wow, was für ein Talent?! Das noch größere Aushängeschild der BLUES PILLS ist aber Sängerin Elin Larsson, die mit ihrer Wunderstimme wohl selbst den hartgesottensen aller bierbäuchigen Lederjacken-Biker zu Tränen rühren könnte. In ihrer Stimme schwingt diese tolle Balance aus Rockröhre und leiser Zerbrechlichkeit, wie man sie u.a. von der kauzigen JEX THOTH-Frontfrau kennt und liebt. Dabei steht Frollein Larsson bei den BLUES PILLS stets im Mittelpunkt des Vintage-Treibens, hat aber auch einen kleinen Hang zu gesanglichem "overacting". Fest steht: Ich habe schon lange nicht mehr sooo einfühlsame Rock-Vocals gehört...die gute Dame muss aber aufpassen, dass es dauerhaft nicht zuuu viel wird.
An der Qualität des 4-Trackers gibt es erwartungsgemäß gar nichts auszusetzen. Das titelgebende "Devil man" (mit seinem "You got money in your pocket, you got blackness in your soul"-Singalong) eröffnet diese Mini-CD dermaßen furios, dass mir diese Nummer schon seit Tagen im Kopf herumspukt. Der hart riffende Psychedelic-Rocker "Time in now" wandert auf traditionellen BLACK SABBATH-Pfaden, und versprüht dabei massig Proberaum-Vibes. Und mit den eher ruhigen "The river" und "Dig in" ist dann auch die Frage geklärt, ob die BLUES BILLS ihren Bandnamen wirklich zu Recht tragen. Denn alle Bluesrock-Anhänger, die die sanften, leidenschaftlichen Songs der ersten beiden GRAVEYARD-Scheiben noch immer für die besten halten, werden sich vom Fleck weg in diese junge Band verlieben...die CD im Shuffle-Modus tagelang durchlaufen lassen...sich im nächstbesten Tattoo-Studio das BLUES PILLS-Logo quer über den ganzen Rücken stechen lassen...und sich bei der Apotheke um die Ecke nach "blauen Pillen" erkundigen, weil die ja praktisch gegen jedes Zimperlein helfen.
Der Sound des 17-Minüters ist absolute Spitzenklasse. Und das die Band (leider!) beim Donzdorfer Unsympathen-Label unter Vertrag steht ist zwar irgendwie logische Konsequenz, stößt einem aber doch etwas übel auf. Aber however, zusammen mit der deutschen Langbart-Brigade KADAVAR ("Abra kadavar") und den ungleich filigraneren ZODIAC ("A hiding place") sind die BLUES PILLS letztlich das allerbeste, was es in diesem Genre heuer auf die Ohren gibt. Kein Flachs, besser geht es eigentlich kaum!


If You Have Ghost
If You Have Ghost
Preis: EUR 13,71

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Papa ist der Beste !!!, 30. November 2013
Rezension bezieht sich auf: If You Have Ghost (Audio CD)
Coverversionen sind immer dann besonders wertvoll, wenn Bands einem Song ihren ganz eigenen, unverkennbaren Stempel aufdrücken, so dass der Hörer das musikalische Original erst nach mehreren Durchläufen erkennt - wenn überhaupt. Im Idealfall setzt man dann auch eher auf unbekannte Nummern aus der zweiten Reihe, die nicht täglich im Radio laufen und die einem nicht bei jedem Einkaufsbummel in der Fußgängerzone von tibetanischen Panflötenspielern ins Ohr gedrückt werden. Bei den schwedischen Maskenmännern von GHOST ist die Illusion teilweise sogar sooo perfekt, dass man alle Cover-Songs auf der 5-Track-EP "If you have ghost" glatt als Eigenkompositionen durchwinken könnte, würden die Credits nicht die eigentliche Herkunft der Nummern verraten.
Einen besseren Nachschlag zum phänomenalen "Infestissumam"-Longplayer hätten Papa Emeritus II. und seinen Geisterorden wohl nicht gelingen können, auch wenn man sich erneut ein gutes Stück von den alten Heavy-Metal-Wurzeln entfernt hat. GHOST klingen auf diesem 25-Minüter somit noch rockiger bzw. poppiger - meine Freundin umschreibt den Sound korrekterweise als "brav" - , und werden früher oder später den großen Sprung ins tägliche Radio-Airplay schaffen. Festhalten lässt sich folgendes: Wem die Scheibe "Infestissumam" schon nicht gefallen hat, der soll tunlichst auch seine Griffel von "If you have ghost" lassen. Weil besser is' das! Alle bedingungslosen "ghoul follower" werden dieses Mini-Album aber wohl auf Anhieb ins Herz schließen - denn der Spagat aus schaurigem Gottesdienst und musikalischer Klasse ist äußerst beeindruckend.
Mit dem titelgebenden Opener "If you have ghosts" von ROKY ERICKSON steht die brillianteste Nummer gleich am Anfang. Und wie bereits erwähnt, würde hier wohl jeder Fan ohne Wimpernzucken sofort auf einen typischen GHOST-Song tippen. Gleiches gilt für die herrlich eigenständige Adaption von ABBA's "I'm a marionette", die aber schon seit einiger Zeit durch den Rock-Underground gewildert ist. Das theatralische "Crucified" von den oberpeinlichen ARMY OF LOVERS lässt den tiefen Schmerz der "Neunziger-Eurodance-Folter" beinahe komplett abklingen. Und mit dem sakralen Horror-Doomer "Waiting for the night" kann ich mich sogar erstmals für einen Song von DEPECHE MODE (die wohl heillos überbewerteste Band seitdem Menschen musizieren!) begeistern. Kaum zu glauben, aber GHOST machen's möglich! Abgerundet wird der 5-Tracker von einer Live-Version der Single "Secular haze", die aber ungewohnt lärmig abgemischt wurde, so dass sie irgendwie nicht ins Konzept passen will. Schon gut - aber nicht essentiell!
Fazit: Mit "If you have ghost" hat das schwedische Sextett einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter genommen. Welche Popularität diese Band bereits - vor allem in Amerika! - genießt wird dadurch unterstrichen, dass mit Dave Grohl (FOO FIGHTERS) einer der größten GHOST-Fans dieses Erdballs als Gastmusiker mitmischen darf. So oder so, dieses Mini-Album ist ein erneuter Vorstoß in göttliche Rock-Sphären, in denen ansonsten nur Bands wie BLUE OYSTER CULT , JEX THOTH , DEEP PURPLE oder GENESIS regieren.


Prost
Prost
Preis: EUR 17,50

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Einserseits andererseits !!!, 7. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Prost (Audio CD)
"Tropfen auf Tropfen, und nicht auf heiße Steine. Jedes Fass hat seinen Boden. Wenn du weißt was ich meine?!"...Ähm nööö, ich habe nicht den blassesten Schimmer worum es hier geht. Und dies ist nicht das einzige Fragezeichen, das die süddeutsche Ska/Rock-Combo SENTILO SONO mit ihren Texten hinterlässt. Weiteres Beispiel gefällig? Aber gern doch: "Es ist nicht das Insgesamte und auch nicht das Allgemeine. Brich aus, aus dem Insgesamten und dem Allgemeinen. Es ist nicht das Insgesamte und auch nicht das Allgemeine. Leb' das wovon Allesamt im Insgeheimen träumen!". Hmmm, ja nee, is'klar! Gern nehme ich den lyrischen Faden aus der Textzeile "Die Antwort ist nichts, ist die Frage nicht gestellt" direkt auf: Wer zum Henker hat diese kryptischen, teilweise absolut banalen Lyrics verfasst? Was hat der Autor für eine Intention? Und wie viele Liter Alkohol müssen in dieser pseudo-philosophischen "Reim dich - oder ich fress dich!"-Orgie geflossen sein? Sorry, aber diese Antwort würde mich echt brennend interessieren.
Man kann einfach nicht drumherum reden: Das Oktett aus dem Raum München macht es dem Hörer auf seinem ersten Full-lenght-Album "Prost!" nun wahrlich nicht leicht. Während in musikalischer Hinsicht alles im grünen Bereich läuft - vielleicht sogar besser! - , stellen sich die textlichen Ergüsse als riesengroße Geduldsprobe heraus. SENTILO SONO fachsimpeln gern über Beziehungen im Allgemeinen und über Frauen im Speziellen - doch sie tun dies in derart bescheuerter Art und Weise, dass man am liebsten sofort weghören möchte. Auf Songs wie "Fontanelle" , "Taube" , "Type , "Aus den Augen" oder "Soundpolizei" (wot se fagg?) quasselt sich die Band quasi um Kopf und Kragen. Ellenlang, ohne Punkt und Komma. Nur wird hier leider viel geredet, doch absolut nichts gesagt! Schade eigentlich, denn das musikalische Fundament aus luftigem Ska, Big-Band, Ragga und würzigem Punk ist derart hochklassig, dass die Texte diese Scheibe in der Gesamtrechnung ziemlich weit runter ziehen. Dabei schreit dieser Soundcocktail geradezu nach Bissigkeit, eindeutiger Zähnefletsch-Lyrik oder meinetwegen politischen Statements. Der 12-Tracker verfolgt aber leider die klare Linie, dass eigentlich gar nichts klar ist. Aber wer weiß - vielleicht verstehe ich den Humor nur einfach nicht?!
Wenn sich der Hörer einfach nur der Musik widmet, und alles andere auszublenden versucht, dann kann und wird er "Prost!" ziemlich schnell in sein Herz schließen. Denn die Songs machen Spaß, verbreiten ein wohliges Gefühl von Kopf bis Fuß, und haben praktisch alles was eine geile Sommerplatte haben muss - selbst wenn man sie erst im tristen Herbst für sich entdeckt. SENTILO SONO kann man nicht in eine einzige Schublade stecken...deshalb sei euch an dieser Stelle nur ein klitzekleiner Verweis auf Bands wie NO FX , THE BUSTERS und die amerikanischen Sound-Paradiesvögel 311 gegeben. Jeder einzelne der 12 Songs erhebt locker den Anspruch, die Tanzflächen dieser Republik über viele Wochen zu blockieren...jeder Song ist ein musikalisches Kleinod mit warmherziger "good vibration"-Garantie. Eine tolle Bläserfraktion, feines Funk-Bassing, rotzig brechende Punk-Gitarren, die mehr als einmal ein lauthalses "Oi, Oi, Oi!" einfordern...und dazu Groove, Groove, Groove! Anspieltipps: Der großartige Abschluss mit dem Gute-Laune-Triple "Senso italiano" , "Fruchtblase" (Hit!) und "Verité".
Verdammt, alles könnte sooo schön sein, wenn diese Scheibe nicht auch Texte hätte. Hier bleibt zu hoffen, dass SENTILO SONO sich bei zukünftigen Releases am Refrain ihres Songs "Abgefahren" orientieren: "Ich glaube wirklich fest daran, dass sich da noch etwas ändern kann". Glaubt mir Jungs, mit diesem Wunsch seid ihr nicht allein.


The White Goddess
The White Goddess
Preis: EUR 16,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles hat ein Ende - auch diese Welt !!!, 29. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: The White Goddess (Audio CD)
Wenn sich die relevantesten Musikredaktionen der Republik beinahe vor Begeisterung überschlagen und die Jubelstürme für eine neue Scheibe überirdische, beinahe schon religiöse Ausmaße annehmen, dann muss darin schon ein klitzekleines Fünkchen Wahrheit stecken. In vielen Fällen lassen die Metal-Schreiberlinge hinter ihren Tastaturen die nötige Objektivität vermissen, um die einst so hochheilige Meinung irgendwann relativieren zu müssen. Das aktuellste Beispiel sind gewiss die süddeutschen Epic-Metaller von ATLANTEAN KODEX, die mit ihrem Longplayer "The white goddess" so viel Staub aufgewirbelt haben, dass es für die Wüsten Sahara, Gobi und Kalahari zusammen reichen würde. Oft liegt es am Hörer selber, die haushohen Wellen der Euphorie etwas zu glätten.
Ich möchte voranstellen, dass ich mit dem Album-Vorgänger "The golden bough" seinerzeit nie richtig warm wurde, und ich daher mit großer Skepsis an die neue Scheibe herangegangen bin. Beim ersten Hördurchlauf des 55-Minüters sah ich meine ersten Zweifel zunächst bestätigt! Es ist unschwer zu überhören, dass die musikalischen Paten des bayrischen Quintetts nach wie vor in der großen Epic-Gilde zu finden sind: WHILE HEAVEN WEPT , MANOWAR , BATHORY , MANILLA ROAD und teilweise die dänischen Doom-Heads von CANDLEMASS. Ehrlicherweise klingen ATLANTEAN KODEX in kaum einem Punkt anders oder gar besser als diese genannten Bands, weswegen mein kritischer Gesichtsausdruck auch bei der zweiten "The white goddess"-Runde überwog. Ein gutes Epic-Album halt - nicht mehr und nicht weniger!
Nun, nachdem ich die Scheibe in den letzten Tagen wirklich unzählige male - und tatsächlich nichts anderes! - gehört habe, kann und muss ich meine arg vorbelastete Meinung zu ATLANTEAN KODEX jedoch über den sprichwörtlichen Haufen werfen. Mir ist in diesem Jahr wohl keine andere Platte begegnet, die mich im Nachgang (!) so gefesselt und mitgerissen hat wie dieser grandiose 8-Tracker. Denn auch wenn auf "The white goddess" gewiss keine musikalischen Bäume ausgerissen werden: Das Album macht süchtig! Es vergeht keine einzige Minute, in der mir nicht ein anderer dieser fünf großartigen Mammut-Kompositionen im Großhirn herumspukt und mich automatisch zum mitsingen zwingt. ATLANTEAN KODEX spielen nicht einfach nur so - sie zelebrieren! Ein Album, das niemanden kaltlässt.
Grandiose Longtracks wie "Sol invictus" , "White goddess unveiled" und die alle Herzen zerberstende Halbballade "Twelve stars and an azure gown" (einer der würdigsten Nachfolger von MANOWARs "Heart of steel"!) zerfließen vor Erhabenheit, Poesie, Dramatik und emotionaler Tragödie, sind aber kompositorisch wie spielerisch doch recht simpel aufgestellt. Der immerwährende Vergleich zwischen Musik und Kunst hat mit "The white goddess" ein neues Musterbeispiel gefunden.
Mit jeder Textzeile, mit jedem aufbrausendem Gitarren-Riff, mit jedem einzelnen Gefühlsschlenker wird der Hörer eingeladen, an dieser feierlichen Metal-Zeremonie teilzuhaben. Großes Lob, solch großartige Songs muss eine Band erst mal schreiben! Es geht aber noch besser. Während kurze Nummern wie "Trumpets of doggerland" , "Bilwis" und "Der Untergang der Stadt Passau" nur als verbindendes Intro/Outro-Beiwerk dienen, fahren ATLANTEAN KODEX vor allem bei zwei Songs die größten aller möglichen Geschütze auf: Der unfassbar eingängige Stampfer "The heresiarch" steigert sich (auch härtetechnisch!) von Minute zu Minute und entwickelt sich unbemerkt zu einem der gigantischsten Ohrwurm-Treffer des Jahres. Und spätestens beim göttlichen Doom-Monument "Enthoned in clouds and fire" wird die komplette MANOWAR-Diskografie der letzten beiden Jahrzehnte mit einem Handstreich weggewischt, um den beseelten Hörer in einem Meer aus Melancholie und Schönheit untergehen zu lassen. Soviel Feuer und soviel Eisen hat noch kein Mensch gesehen.
Fazit: Vom Saulus zum Paulus - von null auf hundert. Das neue Album von ATLANTEAN KODEX ist in der Tat sooo kolossal geworden, dass die Band selbst einen zweifelnden Dauernörgler wie mich zum Schweigen gebracht hat. Gern würde ich das Erfolgsrezept von "The white goddess" näher ergründen, muss mir aber erstmal die Freudentränen aus dem Gesicht wischen. Halleluja, hier haben fünf Männer aber echt verdammt viel richtig gemacht. Diese Scheibe muss man kennen!
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 28, 2013 12:57 PM CET


Gamble Shot
Gamble Shot
Preis: EUR 22,08

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Teenagerliebe !!!, 25. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Gamble Shot (Audio CD)
Jeder Superstar hat irgendwann mal klein angefangen. Und dass gut gemachte Rockmusik absolut keine Frage des Alters ist, haben Bands wie BLACK STONE CHERRY zuvor bereits beispielhaft vorgemacht. Vorsicht ist jedoch dann geboten, wenn die jeweilige Plattenfirma uns dieses "musikalische Grünschnabeltum" als riesige Sensation verkaufen möchte - ganz ungeachtet dessen, dass die Mucke im besten Fall lediglich zum Eierabschrecken taugt. Auch im Falle der deutschen Glam-Rock-Newcomer REBELLIOUS SPIRIT laufen alle Marketing-Instrumente bereits hochtourig im höchsten Gang. Denn wenn die Musiker teilweise erst zarte 17 bzw. 18 Jahre alt sind, dann kann sich das Label dies stolz und vollmundig als wichtigstes Verkaufsargument gleich ans Revers heften. Ein Grund mehr also, sich das Sensations-Debüt "Gamble shot" sofort zuzulegen! Leider sieht die Wahrheit aber doch etwas anders aus.
Zunächst mal möchte ich voranstellen, dass der REBELLIOUS SPIRIT-Erstling per se kein schlechtes Album ist. In der Nische des klassischen Glam-Rock kann sich die Band zeitweise echt behaupten und könnte so manchem Fan von KISSING DYNAMITE , H.E.A.T. oder - für mich als alten Sack! - POISON , WINGER , RATT und den rockigeren MÖTLEY CRÜE durchaus gefallen. Das spielerische Können ist im oberen Bereich anzusiedeln...vor allem die Gitarristen gefallen einmal mehr durch gute Soli und die eine oder andere Melodie. Das Quartett musiziert im Rahmen seiner begrenzten Möglichkeiten recht ordentlich. Für eine gute Hardrock-Scheibe allemal ausreichend, zumal da draußen noch ganz andere Stümper unterwegs sind.
Meine Hauptkritikpunkte an "Gamble shot" sind folgende: REBELLIOUS SPIRIT besitzen einfach kein Gespür für lupenreine Hits. Am Songwriting hapert es an allen Ecken und Enden, so dass Nummern wie "Sweet access right" , "Gone wild" , "Forever young" oder "Rock it" (hier klaut die Band am besten gleich bei sich selbst!) im biederen Mittelmaß versumpfen. Nicht schlecht, nicht gut - wohl einfach nur niedlich! Mit "Change the world" und "Don't leave me" muss der Hörer zwei balladeske Tränendrücker überstehen, die - klebrig wie Haargel! - aus den Boxen soddern. Dazu passen auch die Texte, die REBELLIOUS SPIRIT als bloßes Muster an Unglaubwürdigkeit entlarven. Wenn die Musiker grad erst dem Milchbubi-Alter entwachsen sind, dann lassen einen Zeilen wie "Oh yeah, baby I need some fun, make my heartblood run and take me to paradise" , "She's a little love machine. Always keep her motor clean" oder "I need you like an eagle needs to fly. I love you till the day I must die" doch eher peinlich berührt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Und irgendetwas sagt mir, dass die Herren eben nicht "party all night long" machen, sondern spätestens um 22 Uhr von ihren Eltern aus der Teenie-Disco abgeholt werden, damit man zumindest noch pünktlich zum DSDS-Voting daheim ist. Leider hat der Sänger nicht das nötige Charisma (woher auch?), so dass der damals erst 13jährige Gil Ofarim selbst nachts im Vollsuff besser bei Stimme gewesen wäre.
Ich möchte nicht verschweigen, dass dieser klischeebeladene 39-Minüter auch einige starke Momente hat: Der Opener "Let's bring back" hat Charme und präsentiert eine hungrige Band auf Zack...das ebenfalls coole "Cry for love" punktet mit dem einzigen Ohrwurm-Refrain der Platte...und die wirklich schöne Ballade "You're not the only one" zerfließt nicht im Kitsch, sondern kann musikalisch wie inhaltlich stark begeistern.
Alles in allem ist "Gamle shot" ein passabler Anfang einer jungen Band, die im Laufe der Jahre noch enorm an Reife zulegen muss. Auf die Weiterentwicklung von REBELLIOUS SPIRIT bin ich echt gespannt. Momentan "funzt" die Mucke aber noch nicht besonders - auch wenn die Plattenfirma natürlich total anderer Meinung ist. Und übrigens: In meiner Bewertung ist der gutgemeinte "Jugend forscht"-Bonus schon inklusive.


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