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kwichybo "Jörn M." (Nürnberg)
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Vortex of Violence
Vortex of Violence
Preis: EUR 10,21

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geiler Thrash aus zweiter Reihe !!!, 17. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Vortex of Violence (Audio CD)
Thrash-Metal aus deutschen Landen war bereits Mitte der Achtziger Jahre ein regelrechter Exportschlager, bei dem sogar die meisten amerikanischen Bands qualitativ kaum Schritt halten konnten. Während KREATOR , SODOM , TANKARD und DESTRUCTION damals wie heute zu den wichtigsten Acts des Genres gehören und mittlerweile wohl jedes Land dieser Erde schon mehrmals "betourt" haben, könnten die Erfolgsaussichten bei einer Band wie REPENT wohl nicht trüber sein. Denn obwohl dieses Quintett aus Nürnberg ebenfalls schon seit über 20 Jahren am Start ist, hat man den Ruf des regionalen Überfliegers und Underground-Phänomens leider nie ablegen können. Wohl auch deswegen, weil sich das Personalkarussel immer munter weitergedreht hat, und die neue Stammformation bereits kurz darauf wieder auseinandergerissen wurde. Allerdings: Selbst nach zwei Jahrzehnten klingt die Musik der Franken nicht nach lästiger, beruflicher Routine, sondern nach wie vor nach reiner Herzenssache. Gut so!
Das aktuelle REPENT-Album "Vortex of violence" hat nun bereits auch schon einige Monate auf dem Buckel, nach denen - man muss es leider sagen! - der endlich erhoffte Popularitätsschub gleich im Ansatz verpufft ist. Dabei hat der 12-Tracker eigentlich fast alles, was eine rabiate Thrash-Scheibe heutzutage haben muss!
Musikalisch wird diese Band immer gern mit großen US-Vorbildern wie SLAYER , EXODUS oder DARK ANGEL verglichen, was man als Referenz gewiss auch so stehen lassen kann. Ich persönlich sehe REPENT aber eher in einer Schublade mit groovigen Brutalo-Kapellen wie EXHORDER , WARBEAST oder den ganz frühen LAMB OF GOD. Bei Songs wie "Human hell" , "Puppets of corruption" , "Vengeance" und "Suicidal dreams" sind die brachialen Killer-Riffs ganz klar wichtigste Hauptzutat. Konkret ausgedrückt: Die beiden Gitarristen springen dem Hörer mit Schmackes direkt ins Kreuz, ohne Rücksicht auf Schmerzen! Durch einige coole Breaks, Tempowechsel und eine leichte Hardcore-Kante (Gesang!) erzielen die fünf Nürnberger gleich Pluspunkte im Akkord. Dabei trümmert man sich derart hartherzig-rustikal durch die 41minütige Spielzeit, dass einem wahren Thrasher sofort das Herz aufgeht. Spielerisch halten alle 12 Songs locker das hohe Gesamtniveau, auch wenn die eine oder andere Melodie oder Hookline dem Album ganz gut getan hätte. Grundsätzlich halte ich heftiges Dauergeknüppel durchaus für unterstützenswert...nach dem dritten oder vierten Durchlauf am Stück kann man auf "Vortex of violence" dann aber doch einige Verschleißerscheinungen erkennen. So klingen einige Songs dann doch ziemlich ähnlich und leider wohl doch etwas zuuu eintönig. Das kann man kritisieren - muss man aber nicht! Mit brilliant ballernden Geschossen wie "The system has failed" , "The return of dark ages" , dem saustarken Opener "Vortex of violence" und dem Album-Highlight "World supremacy" (Hammer!) machen REPENT nämlich vor allem eines: Sie machen unglaublich viel Spaß! Hier wird und darf es keine anderslautenden Zweitmeinungen geben.
Fazit: Summa summarum ist "Vortex of violence" eine vorzügliche Haudrauf-Platte geworden, die sich jeder Oldschool-Thrasher schon aufgrund des kultigen Artworks auf den Einkaufszettel schreiben sollte...gelobt sei die Zeit, in der man noch Alben blind nach dem Covermotiv kaufen konnte, ohne vorher auch nur einmal reinzuhorchen. Und wenn es tatsächlich stimmen sollte, dass die Schlagzeug-Parts auf diesem 12-Tracker im Wohnzimmer (!) eines Bandmitglieds eingetrommelt wurden, dann würde ich mich dort doch gern mal selber zum Käffchen einladen. Das macht bestimmt Bock!


Devil Man
Devil Man
Preis: EUR 7,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zu Risiken und Nebenwirkungen...!!!, 21. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Devil Man (Audio CD)
Hehe, so kann's laufen. Da hatte ich mich insgeheim schon darüber gefreut, dass mit dem Quartett BLUES PILLS endlich (!) mal wieder eine geile Vintage-Rock-Combo aus Amerika am Start ist. Erst beim Durchstöbern der spärlichen Album-Credits stellte ich dann doch fest, was man dann letztlich doch vermuten musste: Die Band stammt eben nicht aus Amiland, sondern - na woher wohl? - aus Schweden! Ich hab nicht die geringste Ahnung, was unsere Freunde aus Skandinavien sich jeden Morgen nach dem Aufstehen in den Tee kippen, oder warum die Musiker aus jenem Land sooo ungemein kreativ sind...aber die ewig lange Liste der schwedischen Retro-Rock-Bands ist schon mehr als beeindruckend. Neben großen Namen wie WITCHCRAFT , GRAVEYARD , HORISONT und CRYSTAL CARAVAN können sich BLUES PILLS zwar noch nicht komplett auf Augenhöhe behaupten...mit der bockstarken, knapp 17minütigen "Devil man"-EP setzt man allerdings eine exzellente Duftmarke. Alter Schwede, das wird was!
Der blutjunge Ausnahmegitarrist Dorian Sorriaux ist - mit Dackelblick und Korkenzieherlocken! - nicht nur eine große Gefahr für die Frauenwelt, sondern zupft die Sechssaitige bereits mit unfassbarer Souveränität. Wow, was für ein Talent?! Das noch größere Aushängeschild der BLUES PILLS ist aber Sängerin Elin Larsson, die mit ihrer Wunderstimme wohl selbst den hartgesottensen aller bierbäuchigen Lederjacken-Biker zu Tränen rühren könnte. In ihrer Stimme schwingt diese tolle Balance aus Rockröhre und leiser Zerbrechlichkeit, wie man sie u.a. von der kauzigen JEX THOTH-Frontfrau kennt und liebt. Dabei steht Frollein Larsson bei den BLUES PILLS stets im Mittelpunkt des Vintage-Treibens, hat aber auch einen kleinen Hang zu gesanglichem "overacting". Fest steht: Ich habe schon lange nicht mehr sooo einfühlsame Rock-Vocals gehört...die gute Dame muss aber aufpassen, dass es dauerhaft nicht zuuu viel wird.
An der Qualität des 4-Trackers gibt es erwartungsgemäß gar nichts auszusetzen. Das titelgebende "Devil man" (mit seinem "You got money in your pocket, you got blackness in your soul"-Singalong) eröffnet diese Mini-CD dermaßen furios, dass mir diese Nummer schon seit Tagen im Kopf herumspukt. Der hart riffende Psychedelic-Rocker "Time in now" wandert auf traditionellen BLACK SABBATH-Pfaden, und versprüht dabei massig Proberaum-Vibes. Und mit den eher ruhigen "The river" und "Dig in" ist dann auch die Frage geklärt, ob die BLUES BILLS ihren Bandnamen wirklich zu Recht tragen. Denn alle Bluesrock-Anhänger, die die sanften, leidenschaftlichen Songs der ersten beiden GRAVEYARD-Scheiben noch immer für die besten halten, werden sich vom Fleck weg in diese junge Band verlieben...die CD im Shuffle-Modus tagelang durchlaufen lassen...sich im nächstbesten Tattoo-Studio das BLUES PILLS-Logo quer über den ganzen Rücken stechen lassen...und sich bei der Apotheke um die Ecke nach "blauen Pillen" erkundigen, weil die ja praktisch gegen jedes Zimperlein helfen.
Der Sound des 17-Minüters ist absolute Spitzenklasse. Und das die Band (leider!) beim Donzdorfer Unsympathen-Label unter Vertrag steht ist zwar irgendwie logische Konsequenz, stößt einem aber doch etwas übel auf. Aber however, zusammen mit der deutschen Langbart-Brigade KADAVAR ("Abra kadavar") und den ungleich filigraneren ZODIAC ("A hiding place") sind die BLUES PILLS letztlich das allerbeste, was es in diesem Genre heuer auf die Ohren gibt. Kein Flachs, besser geht es eigentlich kaum!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 26, 2014 9:41 PM MEST


If You Have Ghost
If You Have Ghost
Preis: EUR 10,27

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Papa ist der Beste !!!, 30. November 2013
Rezension bezieht sich auf: If You Have Ghost (Audio CD)
Coverversionen sind immer dann besonders wertvoll, wenn Bands einem Song ihren ganz eigenen, unverkennbaren Stempel aufdrücken, so dass der Hörer das musikalische Original erst nach mehreren Durchläufen erkennt - wenn überhaupt. Im Idealfall setzt man dann auch eher auf unbekannte Nummern aus der zweiten Reihe, die nicht täglich im Radio laufen und die einem nicht bei jedem Einkaufsbummel in der Fußgängerzone von tibetanischen Panflötenspielern ins Ohr gedrückt werden. Bei den schwedischen Maskenmännern von GHOST ist die Illusion teilweise sogar sooo perfekt, dass man alle Cover-Songs auf der 5-Track-EP "If you have ghost" glatt als Eigenkompositionen durchwinken könnte, würden die Credits nicht die eigentliche Herkunft der Nummern verraten.
Einen besseren Nachschlag zum phänomenalen "Infestissumam"-Longplayer hätten Papa Emeritus II. und seinen Geisterorden wohl nicht gelingen können, auch wenn man sich erneut ein gutes Stück von den alten Heavy-Metal-Wurzeln entfernt hat. GHOST klingen auf diesem 25-Minüter somit noch rockiger bzw. poppiger - meine Freundin umschreibt den Sound korrekterweise als "brav" - , und werden früher oder später den großen Sprung ins tägliche Radio-Airplay schaffen. Festhalten lässt sich folgendes: Wem die Scheibe "Infestissumam" schon nicht gefallen hat, der soll tunlichst auch seine Griffel von "If you have ghost" lassen. Weil besser is' das! Alle bedingungslosen "ghoul follower" werden dieses Mini-Album aber wohl auf Anhieb ins Herz schließen - denn der Spagat aus schaurigem Gottesdienst und musikalischer Klasse ist äußerst beeindruckend.
Mit dem titelgebenden Opener "If you have ghosts" von ROKY ERICKSON steht die brillianteste Nummer gleich am Anfang. Und wie bereits erwähnt, würde hier wohl jeder Fan ohne Wimpernzucken sofort auf einen typischen GHOST-Song tippen. Gleiches gilt für die herrlich eigenständige Adaption von ABBA's "I'm a marionette", die aber schon seit einiger Zeit durch den Rock-Underground gewildert ist. Das theatralische "Crucified" von den oberpeinlichen ARMY OF LOVERS lässt den tiefen Schmerz der "Neunziger-Eurodance-Folter" beinahe komplett abklingen. Und mit dem sakralen Horror-Doomer "Waiting for the night" kann ich mich sogar erstmals für einen Song von DEPECHE MODE (die wohl heillos überbewerteste Band seitdem Menschen musizieren!) begeistern. Kaum zu glauben, aber GHOST machen's möglich! Abgerundet wird der 5-Tracker von einer Live-Version der Single "Secular haze", die aber ungewohnt lärmig abgemischt wurde, so dass sie irgendwie nicht ins Konzept passen will. Schon gut - aber nicht essentiell!
Fazit: Mit "If you have ghost" hat das schwedische Sextett einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter genommen. Welche Popularität diese Band bereits - vor allem in Amerika! - genießt wird dadurch unterstrichen, dass mit Dave Grohl (FOO FIGHTERS) einer der größten GHOST-Fans dieses Erdballs als Gastmusiker mitmischen darf. So oder so, dieses Mini-Album ist ein erneuter Vorstoß in göttliche Rock-Sphären, in denen ansonsten nur Bands wie BLUE OYSTER CULT , JEX THOTH , DEEP PURPLE oder GENESIS regieren.


Prost
Prost
Preis: EUR 17,26

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Einserseits andererseits !!!, 7. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Prost (Audio CD)
"Tropfen auf Tropfen, und nicht auf heiße Steine. Jedes Fass hat seinen Boden. Wenn du weißt was ich meine?!"...Ähm nööö, ich habe nicht den blassesten Schimmer worum es hier geht. Und dies ist nicht das einzige Fragezeichen, das die süddeutsche Ska/Rock-Combo SENTILO SONO mit ihren Texten hinterlässt. Weiteres Beispiel gefällig? Aber gern doch: "Es ist nicht das Insgesamte und auch nicht das Allgemeine. Brich aus, aus dem Insgesamten und dem Allgemeinen. Es ist nicht das Insgesamte und auch nicht das Allgemeine. Leb' das wovon Allesamt im Insgeheimen träumen!". Hmmm, ja nee, is'klar! Gern nehme ich den lyrischen Faden aus der Textzeile "Die Antwort ist nichts, ist die Frage nicht gestellt" direkt auf: Wer zum Henker hat diese kryptischen, teilweise absolut banalen Lyrics verfasst? Was hat der Autor für eine Intention? Und wie viele Liter Alkohol müssen in dieser pseudo-philosophischen "Reim dich - oder ich fress dich!"-Orgie geflossen sein? Sorry, aber diese Antwort würde mich echt brennend interessieren.
Man kann einfach nicht drumherum reden: Das Oktett aus dem Raum München macht es dem Hörer auf seinem ersten Full-lenght-Album "Prost!" nun wahrlich nicht leicht. Während in musikalischer Hinsicht alles im grünen Bereich läuft - vielleicht sogar besser! - , stellen sich die textlichen Ergüsse als riesengroße Geduldsprobe heraus. SENTILO SONO fachsimpeln gern über Beziehungen im Allgemeinen und über Frauen im Speziellen - doch sie tun dies in derart bescheuerter Art und Weise, dass man am liebsten sofort weghören möchte. Auf Songs wie "Fontanelle" , "Taube" , "Type , "Aus den Augen" oder "Soundpolizei" (wot se fagg?) quasselt sich die Band quasi um Kopf und Kragen. Ellenlang, ohne Punkt und Komma. Nur wird hier leider viel geredet, doch absolut nichts gesagt! Schade eigentlich, denn das musikalische Fundament aus luftigem Ska, Big-Band, Ragga und würzigem Punk ist derart hochklassig, dass die Texte diese Scheibe in der Gesamtrechnung ziemlich weit runter ziehen. Dabei schreit dieser Soundcocktail geradezu nach Bissigkeit, eindeutiger Zähnefletsch-Lyrik oder meinetwegen politischen Statements. Der 12-Tracker verfolgt aber leider die klare Linie, dass eigentlich gar nichts klar ist. Aber wer weiß - vielleicht verstehe ich den Humor nur einfach nicht?!
Wenn sich der Hörer einfach nur der Musik widmet, und alles andere auszublenden versucht, dann kann und wird er "Prost!" ziemlich schnell in sein Herz schließen. Denn die Songs machen Spaß, verbreiten ein wohliges Gefühl von Kopf bis Fuß, und haben praktisch alles was eine geile Sommerplatte haben muss - selbst wenn man sie erst im tristen Herbst für sich entdeckt. SENTILO SONO kann man nicht in eine einzige Schublade stecken...deshalb sei euch an dieser Stelle nur ein klitzekleiner Verweis auf Bands wie NO FX , THE BUSTERS und die amerikanischen Sound-Paradiesvögel 311 gegeben. Jeder einzelne der 12 Songs erhebt locker den Anspruch, die Tanzflächen dieser Republik über viele Wochen zu blockieren...jeder Song ist ein musikalisches Kleinod mit warmherziger "good vibration"-Garantie. Eine tolle Bläserfraktion, feines Funk-Bassing, rotzig brechende Punk-Gitarren, die mehr als einmal ein lauthalses "Oi, Oi, Oi!" einfordern...und dazu Groove, Groove, Groove! Anspieltipps: Der großartige Abschluss mit dem Gute-Laune-Triple "Senso italiano" , "Fruchtblase" (Hit!) und "Verité".
Verdammt, alles könnte sooo schön sein, wenn diese Scheibe nicht auch Texte hätte. Hier bleibt zu hoffen, dass SENTILO SONO sich bei zukünftigen Releases am Refrain ihres Songs "Abgefahren" orientieren: "Ich glaube wirklich fest daran, dass sich da noch etwas ändern kann". Glaubt mir Jungs, mit diesem Wunsch seid ihr nicht allein.


The White Goddess
The White Goddess
Preis: EUR 17,99

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles hat ein Ende - auch diese Welt !!!, 29. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: The White Goddess (Audio CD)
Wenn sich die relevantesten Musikredaktionen der Republik beinahe vor Begeisterung überschlagen und die Jubelstürme für eine neue Scheibe überirdische, beinahe schon religiöse Ausmaße annehmen, dann muss darin schon ein klitzekleines Fünkchen Wahrheit stecken. In vielen Fällen lassen die Metal-Schreiberlinge hinter ihren Tastaturen die nötige Objektivität vermissen, um die einst so hochheilige Meinung irgendwann relativieren zu müssen. Das aktuellste Beispiel sind gewiss die süddeutschen Epic-Metaller von ATLANTEAN KODEX, die mit ihrem Longplayer "The white goddess" so viel Staub aufgewirbelt haben, dass es für die Wüsten Sahara, Gobi und Kalahari zusammen reichen würde. Oft liegt es am Hörer selber, die haushohen Wellen der Euphorie etwas zu glätten.
Ich möchte voranstellen, dass ich mit dem Album-Vorgänger "The golden bough" seinerzeit nie richtig warm wurde, und ich daher mit großer Skepsis an die neue Scheibe herangegangen bin. Beim ersten Hördurchlauf des 55-Minüters sah ich meine ersten Zweifel zunächst bestätigt! Es ist unschwer zu überhören, dass die musikalischen Paten des bayrischen Quintetts nach wie vor in der großen Epic-Gilde zu finden sind: WHILE HEAVEN WEPT , MANOWAR , BATHORY , MANILLA ROAD und teilweise die dänischen Doom-Heads von CANDLEMASS. Ehrlicherweise klingen ATLANTEAN KODEX in kaum einem Punkt anders oder gar besser als diese genannten Bands, weswegen mein kritischer Gesichtsausdruck auch bei der zweiten "The white goddess"-Runde überwog. Ein gutes Epic-Album halt - nicht mehr und nicht weniger!
Nun, nachdem ich die Scheibe in den letzten Tagen wirklich unzählige male - und tatsächlich nichts anderes! - gehört habe, kann und muss ich meine arg vorbelastete Meinung zu ATLANTEAN KODEX jedoch über den sprichwörtlichen Haufen werfen. Mir ist in diesem Jahr wohl keine andere Platte begegnet, die mich im Nachgang (!) so gefesselt und mitgerissen hat wie dieser grandiose 8-Tracker. Denn auch wenn auf "The white goddess" gewiss keine musikalischen Bäume ausgerissen werden: Das Album macht süchtig! Es vergeht keine einzige Minute, in der mir nicht ein anderer dieser fünf großartigen Mammut-Kompositionen im Großhirn herumspukt und mich automatisch zum mitsingen zwingt. ATLANTEAN KODEX spielen nicht einfach nur so - sie zelebrieren! Ein Album, das niemanden kaltlässt.
Grandiose Longtracks wie "Sol invictus" , "White goddess unveiled" und die alle Herzen zerberstende Halbballade "Twelve stars and an azure gown" (einer der würdigsten Nachfolger von MANOWARs "Heart of steel"!) zerfließen vor Erhabenheit, Poesie, Dramatik und emotionaler Tragödie, sind aber kompositorisch wie spielerisch doch recht simpel aufgestellt. Der immerwährende Vergleich zwischen Musik und Kunst hat mit "The white goddess" ein neues Musterbeispiel gefunden.
Mit jeder Textzeile, mit jedem aufbrausendem Gitarren-Riff, mit jedem einzelnen Gefühlsschlenker wird der Hörer eingeladen, an dieser feierlichen Metal-Zeremonie teilzuhaben. Großes Lob, solch großartige Songs muss eine Band erst mal schreiben! Es geht aber noch besser. Während kurze Nummern wie "Trumpets of doggerland" , "Bilwis" und "Der Untergang der Stadt Passau" nur als verbindendes Intro/Outro-Beiwerk dienen, fahren ATLANTEAN KODEX vor allem bei zwei Songs die größten aller möglichen Geschütze auf: Der unfassbar eingängige Stampfer "The heresiarch" steigert sich (auch härtetechnisch!) von Minute zu Minute und entwickelt sich unbemerkt zu einem der gigantischsten Ohrwurm-Treffer des Jahres. Und spätestens beim göttlichen Doom-Monument "Enthoned in clouds and fire" wird die komplette MANOWAR-Diskografie der letzten beiden Jahrzehnte mit einem Handstreich weggewischt, um den beseelten Hörer in einem Meer aus Melancholie und Schönheit untergehen zu lassen. Soviel Feuer und soviel Eisen hat noch kein Mensch gesehen.
Fazit: Vom Saulus zum Paulus - von null auf hundert. Das neue Album von ATLANTEAN KODEX ist in der Tat sooo kolossal geworden, dass die Band selbst einen zweifelnden Dauernörgler wie mich zum Schweigen gebracht hat. Gern würde ich das Erfolgsrezept von "The white goddess" näher ergründen, muss mir aber erstmal die Freudentränen aus dem Gesicht wischen. Halleluja, hier haben fünf Männer aber echt verdammt viel richtig gemacht. Diese Scheibe muss man kennen!
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 28, 2013 12:57 PM CET


Gamble Shot
Gamble Shot
Preis: EUR 21,92

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Teenagerliebe !!!, 25. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Gamble Shot (Audio CD)
Jeder Superstar hat irgendwann mal klein angefangen. Und dass gut gemachte Rockmusik absolut keine Frage des Alters ist, haben Bands wie BLACK STONE CHERRY zuvor bereits beispielhaft vorgemacht. Vorsicht ist jedoch dann geboten, wenn die jeweilige Plattenfirma uns dieses "musikalische Grünschnabeltum" als riesige Sensation verkaufen möchte - ganz ungeachtet dessen, dass die Mucke im besten Fall lediglich zum Eierabschrecken taugt. Auch im Falle der deutschen Glam-Rock-Newcomer REBELLIOUS SPIRIT laufen alle Marketing-Instrumente bereits hochtourig im höchsten Gang. Denn wenn die Musiker teilweise erst zarte 17 bzw. 18 Jahre alt sind, dann kann sich das Label dies stolz und vollmundig als wichtigstes Verkaufsargument gleich ans Revers heften. Ein Grund mehr also, sich das Sensations-Debüt "Gamble shot" sofort zuzulegen! Leider sieht die Wahrheit aber doch etwas anders aus.
Zunächst mal möchte ich voranstellen, dass der REBELLIOUS SPIRIT-Erstling per se kein schlechtes Album ist. In der Nische des klassischen Glam-Rock kann sich die Band zeitweise echt behaupten und könnte so manchem Fan von KISSING DYNAMITE , H.E.A.T. oder - für mich als alten Sack! - POISON , WINGER , RATT und den rockigeren MÖTLEY CRÜE durchaus gefallen. Das spielerische Können ist im oberen Bereich anzusiedeln...vor allem die Gitarristen gefallen einmal mehr durch gute Soli und die eine oder andere Melodie. Das Quartett musiziert im Rahmen seiner begrenzten Möglichkeiten recht ordentlich. Für eine gute Hardrock-Scheibe allemal ausreichend, zumal da draußen noch ganz andere Stümper unterwegs sind.
Meine Hauptkritikpunkte an "Gamble shot" sind folgende: REBELLIOUS SPIRIT besitzen einfach kein Gespür für lupenreine Hits. Am Songwriting hapert es an allen Ecken und Enden, so dass Nummern wie "Sweet access right" , "Gone wild" , "Forever young" oder "Rock it" (hier klaut die Band am besten gleich bei sich selbst!) im biederen Mittelmaß versumpfen. Nicht schlecht, nicht gut - wohl einfach nur niedlich! Mit "Change the world" und "Don't leave me" muss der Hörer zwei balladeske Tränendrücker überstehen, die - klebrig wie Haargel! - aus den Boxen soddern. Dazu passen auch die Texte, die REBELLIOUS SPIRIT als bloßes Muster an Unglaubwürdigkeit entlarven. Wenn die Musiker grad erst dem Milchbubi-Alter entwachsen sind, dann lassen einen Zeilen wie "Oh yeah, baby I need some fun, make my heartblood run and take me to paradise" , "She's a little love machine. Always keep her motor clean" oder "I need you like an eagle needs to fly. I love you till the day I must die" doch eher peinlich berührt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Und irgendetwas sagt mir, dass die Herren eben nicht "party all night long" machen, sondern spätestens um 22 Uhr von ihren Eltern aus der Teenie-Disco abgeholt werden, damit man zumindest noch pünktlich zum DSDS-Voting daheim ist. Leider hat der Sänger nicht das nötige Charisma (woher auch?), so dass der damals erst 13jährige Gil Ofarim selbst nachts im Vollsuff besser bei Stimme gewesen wäre.
Ich möchte nicht verschweigen, dass dieser klischeebeladene 39-Minüter auch einige starke Momente hat: Der Opener "Let's bring back" hat Charme und präsentiert eine hungrige Band auf Zack...das ebenfalls coole "Cry for love" punktet mit dem einzigen Ohrwurm-Refrain der Platte...und die wirklich schöne Ballade "You're not the only one" zerfließt nicht im Kitsch, sondern kann musikalisch wie inhaltlich stark begeistern.
Alles in allem ist "Gamle shot" ein passabler Anfang einer jungen Band, die im Laufe der Jahre noch enorm an Reife zulegen muss. Auf die Weiterentwicklung von REBELLIOUS SPIRIT bin ich echt gespannt. Momentan "funzt" die Mucke aber noch nicht besonders - auch wenn die Plattenfirma natürlich total anderer Meinung ist. Und übrigens: In meiner Bewertung ist der gutgemeinte "Jugend forscht"-Bonus schon inklusive.


Hymn to Pan
Hymn to Pan
Preis: EUR 21,30

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Pantastisch !!!, 23. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Hymn to Pan (Audio CD)
Mein persönliches Sludge-Doom-Highlight kommt in diesem Jahr ohne Zweifel von dem spanischen Psychopathen-Trio LORDS OF BUKKAKE - das komplett wahnwitzige "Desagravio"! Vermutlich liegt es aber an der guten mittelfränkischen Luft, dass mit VERSUS THE STILLBORN-MINDED und OBELYSKKH gleich zwei Bands aus der Metropolregion (Nürnberg/Fürth) kurz dahinter die nächsten Plätze belegen. Zugegeben, das hat schon was!
Während die drei Geisteskranken von der iberischen Halbinsel ungefähr so klingen, als hätte man einem beisswütigen Rhinozeros eine 5kg-Jumbopackung Domestos unters Trockenfutter gemischt und kurz darauf in den ELECTRIC WIZARD-Proberaum eingesperrt, so steht der Sound des neuen OBELYSKKH-Longplayers "Hymn to pan" gleichzeitig für Atmosphäre und ausbalancierten Wohlklang.
Bereits die Gestaltung des 67minütigen Mammutwerks ist ein optischer Hingucker, an dem man sich kaum sattsehen kann. Gern nimmt der Hörer sich die nötige Zeit, um in dieses detailverliebte Schwarz/weiss-Artwork einzutauchen...vorausgesetzt er streift zur Erkundung den Kopfhörer über, und lässt die hypnotische Kraft des 6-Trackers voll und ganz auf sich wirken.
Das mittelfränkische Quartett gönnt sich den Luxus, und steigt mit dem größten Höhepunkt ins Album ein: Nach dem wohl stimmungsvollsten Intro des Jahres (erinnert sympathischerweise etwas an "Wildhoney" von TIAMAT!) geht die wohlige Ruhe direkt in den tosenden Sturm des Titelsongs über. Zwischen bleischwerer Heaviness und immer wieder geschickt gesetzten sphärischen Exkursen entwickelt sich "Hymn to pan" zu einem der feinfühligsten Laut/leise-Nummern seit langer Zeit, die die Kaufempfehlung bereits im Alleingang rechtfertigt. Im Vergleich zum Album-Vorgänger "White lightnin" haben OBELYSKKH in der Tat noch eine gesunde Portion Durchschlagskraft hinzugewonnen - zu gleichen Teilen geht der Sound aber auch noch mehr in die Tiefe!
Auf den tollen Anschluss-Song "The ravens" folgt dann der erste Zerstörungsmoment: Das fiese "The man within" ist mit negativen Gefühlen beladen, und liefert aufreibenden Zeitlupen-Radau exakt an der NEUROSIS-Schnittstelle. Ungelogen, der dichte Sound dieses Longplayers ist schon sagenhaft. Und für den Hörer ist es sehr spannend, diesem mittelfränkische Sludge-Doom-Chamäleon bei der Arbeit "auf die Finger hören" zu können.
Während viele Bands aus diesem Genre gesanglich nicht die allergrößten Sprünge machen, so lässt sich der OBELYSKKH-Shouter bei weitem nicht nur auf sein kehliges Schreien reduzieren. Oh nein, der Sänger changiert stimmlich immer wieder in melodische Passagen, in denen - wie beim coolen "Heaven's architrave" - auch ein leichtes Alternative-Flair mitschwingt. Langweilig wird diese Platte schon allein deshalb nicht. So gibt es für den Hörer u.a. auch einige Klavierarrangements und Sprachsequenzen zu entdecken, die "Hymn to pan" wohltuend abrunden.
Mit "Horse" folgt erneut ein typisch zäher Koloss mit Dröhn-Garantie, der aber erst nach dem fantastischen Mittelbreak ("Can you dig it?") so richtig mitreißen kann. Alle Freunde des bewusstseinserweiternden Sounds kommen dann beim Album-Closer "Revelation: The will to nothingness" voll auf ihre Kosten: Diese drittelstündige Orgie wird zwar mit dem geilsten Gitarren-Riff sowie dem einzigen Uptempo-Part der Scheibe eröffnet, verfängt sich danach aber in minutenlangem Psychedelic-Geschwurbel und Endloswiederholungen, die Herrn Ottonormal bereits zur Hälfte verzweifelt aufgeben lassen. Das Prädikat "Geschmackssache" trifft hier wohl am allerbesten...dieser Nummer hätte wohl etwas Kompaktheit besser getan. Trotzdem: Feiner Song!
Fazit: "Hymn to pan" ist eine sehr gelungene Erkundungsreise durch den gesamten Sludge-Doom-Kosmos. Brachial und verstörend - emotional und betörend. Viel Licht, wenig Schatten. Oder ist es doch umgekehrt?! Jeder der sich im weitesten Sinne für atmosphärische Rockmusik interessiert, muss die Band OBELYSKKH spätestens jetzt auf dem Zettel haben. Allmächd na!


Fire on the Mountain
Fire on the Mountain
Preis: EUR 17,18

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Götterdämmerung !!!, 22. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Fire on the Mountain (Audio CD)
Wenn sich einige Mitglieder von AURA NOIR , EINHERJER , PRIMORDIAL und THYRFING in einer neuen Band zusammenfinden, dann hat dies beinahe schon All-Star-Charakter. Erst recht dann, wenn zusätzlich der ehemalige DIMMU BORGIR-Trommler hinter der Schießbude sitzt. Angesichts dieser Konstellation erwartet der Hörer automatisch ein frostiges, hasserfülltes Stück neuerer Black-Metal-Historie...überraschenderweise bekommt er jedoch das komplette Gegenteil! Das 7-Song-Debüt "Fire on the mountain" hat mit hysterischen Schwarzwurzel-Sound nicht mal ansatzweise zu tun. Stattdessen transportiert das Album ausschließlich Positives: Charme, Esprit und ganz viel Herz!
Das Quintett streicht bereits mit dem Bandnamen TWILIGHT OF THE GODS die ersten Sympathiepunkte ein. Etwas augenzwinkernd lässt sich festhalten, dass aber wohl auch Namen wie HAIL TO ENGLAND , CRYSTAL LOGIC oder HOLY DIVER denkbar gewesen wären.
"Three sons have I, and they ride by my side. The fierce, the black and the wicked are their names!" sang MANOWAR-Frontröhre Eric Adams einst in der legendären "Blood of my enemies"-Hymne. Dem Wunder der Geburt sei es gedankt, dass wir es im aktuellen Fall sogar mit eineiigen Fünflingen zu tun haben! Denn diese aus einer Bierlaune heraus gegründete Fünf-Mann-Delegation huldigt während der 42minütigen Spielzeit dem reinen, waschechten Heavy-Metal aus Vorzeiten (darf man heutzutage eigentlich noch "True-Metal" sagen?) und hat dabei ein gewisses Tribute-Flair inne. Ganz konkret bedeutet das: TWILIGHT OF THE GODS beschwören den magischen Geist alter Götterscheiben wie "Into glory ride" und "Battle hymns" von MANOWAR sowie den wegweisenden BATHORY-Epen "Hammerheart" oder "Twilight of the gods" (natürlich!). Dieser musikalische Kniefall gelingt der Band außerordentlich gut. Der ganz große Wurf ist "Fire on the mountain" zwar nicht geworden...jedoch ein von Grund auf solides, authentisches Stück Heavy Metal, dem man die Begeisterung durchaus anhört. Auffällig ist die gewohnt starke Gesangsleistung von Mikrofon-Gott Alan Averill, der mit seiner reinen True-Metal-Stimme sofort Akzente setzen kann. Wenig verwunderlich, schließlich hat der gute Mann auf den letzten PRIMORDIAL-Longplayern (u.a. "To the nameless dead" und "Redemption at the puritan's hand") immer gern mal den "Helden-Tenor" ausgepackt. Beim Songwriting kann das Quintett diese Klasse leider nicht immer bestätigen.
Der Album-Einstieg gelingt mit dem passablen Doppel "Destiny forged in blood" und "Children of cain" recht ordentlich, wobei TWILIGHT OF THE GODS in Punkto Nachhaltigkeit nicht all zu sehr in die Vollen gehen. Sehr gutes Headbanging-Futter...aber nicht unbedingt überraschungsfreudig. Auch dem überlangen "The end of history" fehlt es anfangs doch etwas an Würze, ehe ein todtrauriger Doom-Mittelteil die Welt schlagartig in allertiefste Melancholie stürzt. Noch mal die Kurve gekriegt! Mit "At dawn they ride" gelingt der Band dann am Ende des 42-Minüters ein würdiger Abschluss, der sich an den großen musikalischen Vorbildern (siehe oben!) aber leider nicht messen kann. Zwar wirklich gut...aber leider ohne den letzten, alles entscheidenden Pfiff.
Weitaus besser ist dafür die Album-Mitte "aufgestellt" - denn hier tummeln sich die Hits! Der Titelsong "Fire on the mountain" ist ein leidenschaftlicher Stampfer mit dezentem "Holy diver"-Gedächtnis-Riffing, bei dem alle Metalheads schon aus Reflex die geballten Fäuste in die Höhe recken. Mit dem daran anschließenden "Preacher man" folgt der große Höhepunkt der Scheibe, da TWILIGHT OF THE GODS sich hier noch eindeutiger an die alte BLACK SABBATH / DIO-Glanzphase anlehnen. Der spannende Songverlauf stachelt den Hörer elektrisierend immer mehr an. Eine kleine Offenbarung...vor allem auch deswegen, weil Nick Barker die wohl glanzvollsten Schlagzeug-Parts seiner Karriere vom Stapel lässt. Richtig grandios ist auch die Mid-Tempo-Nummer "Sword of damocles", die stilistisch gar nicht mal soooo weit von PRIMORDIAL entfernt ist, und deren geiler "We are the sons of the hammer!"-Refrain bei zukünftigen Konzerten gewiss für anhaltende Ganzkörpergänsehaut sorgen wird.
Fazit: "Fire on the mountain" ist letztlich eine starke Scheibe geworden, der einige kompositorische Wackler letztlich aber nicht viel anhaben können. Beileibe keine Enttäuschung - aber auch kein Wunderwerk. Wenn man daheim schon die Originale im Schrank stehen hat, dann muss man hier nicht unbedingt zuschlagen. Allerdings: Schaden tut es auch nicht!


The Eternity Itch
The Eternity Itch
Preis: EUR 17,13

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sludge mit lustitch !!!, 16. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: The Eternity Itch (Audio CD)
Mein Fazit kommt gleich zu Beginn: "The eternity itch" ist ein kleines verstecktes Meisterwerk, das die breite Masse niemals verstehen wird...welches von einer ganz bestimmten Zielgruppe dafür aber umso ekstatischer abgefeiert werden dürfte.
Die Nürnberger Formation VERSUS THE STILLBORN-MINDED ist schon seit vielen Jahren fester Bestandteil der deutschen Sludge-Doom-Community, und zählt - zusammen mit Acts wie SPANCER , CROWSKIN , BLACK SHAPE OF NEXUS und den Ortsnachbarn von OBELYSKKH - zu den coolsten Vertretern dieser kleinen aber feinen Szene. Als Freund von lärmigen Zeitlupen-Sounds lohnt es sich auf alle Fälle, hier mal etwas intensiver nachzuforschen. Die mitgebrachte Geduld wird sich auszahlen!
Auf ihrem neuesten Gewaltschlag "The eternity itch" loten VERSUS THE STILLBORN-MINDED alle fein justierten Dröhn-Seismografen erneut bis zum absoluten Optimum aus. Denn auf diesem 8-Tracker liefern die Mittelfranken exakt das, was alle Fans an diesem Genre sooo schätzen...und gehen teilweise sogar weit darüber hinaus. Ich gebe reumütig zu, dass diese Scheibe bei mir eine unendlich lange Anlaufzeit gebraucht hat, und nach meiner ersten Skepsis beinahe in der berühmten Ablage-R (= im Regal!) versauert wäre. Dann aber ein neuer Versuch: Und siehe da! Erst beim wohl allerletzten verzweifelten Hördurchlauf hat mich "The eternity itch" dann komplett überzeugt....seitdem läuft und läuft und läuft dieses Album bei mir aber seit Tagen quasi im Endlosmodus. Vermutlich habe ich den nötigen Abstand gebraucht, um die Qualität dieses 60-Minüters voll und ganz zu begreifen.
Es gibt einige wichtige Punkte, die VERSUS THE STILLBORN-MINDED vom Gros der "normalen" Sludge-Doom-Bands unterscheidet: Im direkten Vergleich zu den oben genannten Bands gehen die Mittelfranken viel variabler bzw. facettenreicher an ihre Songs ran, und geben sich vor allem Mühe bei klitzekleinen Details. Neben dem gewohnt nervenzehrenden Lärm-Overdose enthält die Scheibe auch eine Vielzahl untypischer Elemente, die den Hörer andauernd stutzen lassen - vielleicht sogar überfordern! Sanfte Pianoklänge, leise Schnarchgeräusche (!), Akustikgitarren, beruhigendes Vogelgezwitscher, sphärische Keyboards oder eine sorgsam versteckte "The final countdown"-Gedächtnismelodie (wer findet sie zuerst?) und viele weitere Experimente fungieren hier und dort als Überleitung zum nächsten Gewaltausbruch, wobei die eigentlichen Songs teilweise viel zu abrupt - von einer Sekunde zur nächsten! - urplötzlich enden. Dadurch gerät der Fluss von "The eternity itch" leider etwas ins Stocken. Hat man sich aber dann richtig intensiv in dieses exakt einstündige Album "reingearbeitet", dann macht auf einmal alles Sinn!
In musikalischer Hinsicht werden VERSUS THE STILLBORN-MINDED gewiss keinen einzigen Sludge-Doom-Afficionado enttäuschen. Denn mit ihrem brutalen Dröhnfiep-Sound schließt die Band praktisch alle Lücken zwischen EYEHATEGOD , YOB , SLEEP , CULT OF LUNA , SAINT VITUS und den muskelbepackten CROWBAR: Disharmonie, Zerstörungswut, Hässlichkeit und allumfassende Monotonie auf der einen Seite...reine Schönheit, meditative Wellness-Momente und entspannende Melodiepfade auf der anderen. Musik als Problemlöser! Unüberwindbare Gitarrenwände, ein bellender Sänger mit Hardcore-Schlagseite, eine findig trickreiche Rythmus-Abteilung mit Knoffhoff. Und das tollste dabei: Alles hat Hand und Fuß!
Schon der mächtige Opener "Cut and (still) to be threshed" baut sich vorm Hörer als turmhohes Monstrum auf, und lässt den Schweiß gleich literweise von den Wänden fließen. Wer diesen Song jedoch zu früh abschreibt, der hat verloren...denn als eigentlich schon alles zu Ende ist, leuten VERSUS THE STILLBORN-MINDED noch eine chillige Extra-Runde ein. "Hidden pudenda" mäandert zwischen fluffigem BLACK SABBATH-Stoff und purem Vernichtungsmittelteil hin und her...auf "Bovine minds in motion" lärmt die Band beinahe schon leise und zurückhaltend...das mit seinen vertrackten Akkordfolgen dahinsiechende Pro-Depressivum "Faint pulse found" schreit fast schon aus Verzweiflung...und spätestens bei der knapp 20minütigen Abschluss-Orgie "Shed!" fragt der Hörer sich selbst, ob eine Ration beruhigendes Diazepam oder ein Espresso-Multi-Shot wohl jetzt die bessere Wahl wäre.
Zu beziehen ist dieses Wahnsinns-Teil über das Nürnberger Underground-Label "Dead master's beat" (absolut zu empfehlen!) oder direkt bei "The church within"-Records. Aber egal wo - Hauptsache kaufen!


Destructive Intent
Destructive Intent
Preis: EUR 14,34

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Berliner Brett !!!, 8. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Destructive Intent (Audio CD)
So langsam fällt mir echt auf, dass ich in letzter Zeit hauptsächlich nur noch Death-Metal-Scheiben rezensiere. Dies ist ein Indiz für das qualitative Angebot - böse Zungen sprechen sogar von Überangebot! - das es in diesem Bereich derzeit zu bestaunen gibt. In der Flut vieler starker Todesblei-Releases können die Berliner Soundschlächter DEHUMAN REIGN zwar locker mitschwimmen, lassen aber nach der "Pflicht" leider eine richtig überzeugende "Kür" vermissen. Dazu später aber mehr.
Mit ihrem Mini-Album "Destructive intent" reiht sich das Quintett aus der Hauptstadt zunächst mal nahtlos in die Gilde der deutschen Newcomer ein, geht aber musikalisch um einiges derber und direkter zur Sache. Während sich der Hörer beim bedrohlich depressiven Opener "Prelude to extinction" anfangs fast schon auf eine Black-Metal-Scheibe (!) eingestellt hat, brechen beim direkt anschließenden "Extinction machine" sofort alle Dämme - denn dieser Song trägt seinen Titel zu Recht! DEHUMAN REIGN gehen sprichwörtlich ab wie Bolle und hacken sich ganz ungerührt durch einen Cocktail aus hundsgemeinem (Hyperblast-) Death-Metal und Grindcore. Brutale Nummern wie "Masks of sorrow" , "Irreversible soul consumption" und "Staring beyond the edge of time" wirbeln beinahe schon orkanartig über den Hörer hinweg, so dass ihm vermutlich erstmal die Kinnlade runterklappt. Alter Falter, diese Heaviness ist schon bemerkenswert! Im Stile von MISERY INDEX , DYING FETUS , early CANNIBAL CORPSE und den Belgiern ABORTED krawallisieren sich DEHUMAN REIGN durch diese 20 Minuten, haben aber auch spielerisch ihre Hausaufgaben gemacht.
Erste Vermutung: Der Schlagwerker ist tagsüber Vorarbeiter in einer Nähmaschinen-Fabrik und lässt sein berufliches Know-how nach Feierabend auch mit in die Musik einfließen.
Zweite Vermutung: Beide Gitarristen halten sich in ihrer Freizeit vor allem durch exzessiver Holzhacken bei Laune, haben aber noch ausreichend freie Reserven. Dieses angestaute Adrenalin fließt postwendend in die sehr guten Riffs.
Dritte Vermutung: Falls ich diesem wahnsinnigen Sänger irgendwann mal im Dunkeln begegnen sollte, dann geht es schlecht für mich aus!
Scherz beiseite, man hört dem 8-Tracker die zerstörerische Absicht ("Destructive intent" halt!) jederzeit an. Im Zerstörungswahn beweisen DEHUMAN REIGN aber auch ausreichend Weitsicht, um die Songs etwas variabler zu gestalten. Coole Breaks und einige (wenige!) Tempoverschleppungen sorgen da für die nötige Abwechslung. Und mit dem tollen "Veil of ignorance" hat die Band sogar einen kleinen Hit in der Tasche - und steckt damit den Hörer in selbige.
Wenn der Berlin-Fünfer jetzt noch etwas mehr Eigenständigkeit an den Tag legen würde, dann wäre die Höchstnote irgendwann in Reichweite. Der Eintönigkeit den Kampf ansagen - hin und wieder vielleicht auch mal Melodien oder gute Refrains sprechen lassen. Man muss den musikalischen Vorbildern ja nicht immer alles nachmachen, oder? Unterm Strich ist "Destructive intent" aber eine sehr gute Veröffentlichung einer Band, von der man zukünftig bestimmt noch etwas hören wird.


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