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Rezensionen verfasst von
kwichybo "Jörn M." (Nürnberg)

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Promulgation of the Fall
Promulgation of the Fall
Preis: EUR 20,23

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Macht aus Athen !!!, 23. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Promulgation of the Fall (Audio CD)
"This album is dedicated to death-metal and its true worshippers!" steht am Ende der Linernotes des neuen DEAD CONGREGATION-Machtwerks "Promulgation of the fall" in fetten Lettern geschrieben. Dieser Satz ist mehr als eine platte Message. Diese Aussage steht über allem - und eigentlich bedarf es keiner weiteren Worte.
Schon seit mehreren Jahren wird dieses pechschwarze Todesblei-Quartett als griechische Antwort auf INCANTATION gehandelt. Und wer sich die beiden bisherigen Releases "Purifying consecrated grounds" und "Grave of the archangels" schon mal mit Schmackes durchs Hirn geballert hat, der erkennt das Understatement sofort. Rein qualitativ haben DEAD CONGREGATION die genannten US-Deather längst überholt. Gleiches gilt übrigens für die zweite große Inspirationsquelle der vier Hellenen: MORBID ANGEL !!! Ohne einen Ansatz von Übertreibung muss man diesem unglaublich intensiven Killer-Kommando nun das Meisterzeugnis ausstellen - denn "Promulgation of the fall" übertrifft wirklich jede einzelne, verdammte Note, die David Vincent, Pete Sandoval & Konsorten seit 15 Jahren aufgenommen haben. Und in diesem Kontext wiederhole ich gerne das Wort "verdammt" !!!
In Punkto Songwriting fühlen sich DEAD CONGRAGATION zweifellos dem amerikanischen Todesblei der Neunziger Jahre verpflichtet, wobei man sich aber nicht zuuu deutlich an den musikalischen Vorbildern anlehnt. Obwohl Songs wie "Quintessence maligned" , "From a wretched womb" , "Immaculate poison" oder "Schisma" anfangs ziemlich technisch bzw. verworren klingen - jaaa, die Kunst des Musizierens ist auch in Griechenland nicht unbekannt! - , hat dies zu keiner Zeit mit progressivem Anspruch zu tun. Dieses anbetungswürdige, knapp 40minütige Donnerwetter beginnt genau so abrupt, wie es endet. Und dazwischen wird ein unheilvolles Uptempo-Gemetzel veranstaltet, welches in diesem Jahr von keiner anderen Band übertroffen werden wird. Das größte Lob muss man dem Verrückten mit den Trommelstöcken aussprechen, der hinter seiner Schießbude schier unmenschliches leistet. Die beiden Gitarristen entfachen durch ihr Riffbombardement ein derart höllisches Donnergrollen, so dass sich dem Hörer unweigerlich die Vermutung aufdrängt, Luzifer und seine dunklen Schergen wären höchstselbst für diese Machtdemonstration verantwortlich. Das messerscharfe Highspeed-Geschredder wird immer wieder durch geile Tempoverschleppungen aufgelockert - exakt das Mittel, das MORBID ANGEL seit "Blessed are the sick" zu einem ihrer wichtigsten Trademarks machten. Kranke Leads und Halbmelodien leisten ihr übriges. Und über all dem schwebt diese vergiftete Atmosphäre. Das pure Verderben. Gottlos und niederträchtig. Erniedrigend und erhaben zugleich. Die schwarze Pest aus Athen!
Mit den gottgleichen Übernummern "Only ashes remain" , "Promulgation of the fall" (doomy!) , "Serpentskin" und dem zwischen flirrenden Riffing und Atmospheric-Blastbeats (!) pendelnden "Nigredo" haben DEAD CONGREGATION die Beletage des Underground-Death-Metals nicht nur fest im Blick, sondern sind vermutlich noch zu weitaus mehr in der Lage. Und da sowohl die ruppige Produktion als auch das stilvolle Artwork nicht die geringsten Wünsche übrig lassen, kann es nur ein Fazit geben: Alle Freunde des archaischen, abgrundtief bösen US-Todesbleis sollten, nein, müssen hier zuschlagen!


You Are Here
You Are Here
Preis: EUR 17,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bockstarke Platte !!!, 16. August 2014
Rezension bezieht sich auf: You Are Here (Audio CD)
Tausend mal berührt, tausend mal ist nichts passiert ??? Haha, denkste!!! Zum Glück gibt es ab und zu immer noch Alben, die einen bereits innerhalb weniger Sekundenbruchteile sprichwörtlich an den Weichteilen packen und über die gesamte Spielzeit schraubstockartig im Griff behalten - selbst wenn die Songs auf den ersten Eindruck recht simpel bzw. unspektakulär "gestrickt" sind. Ein ganz großer Favorit für eine hohe Platzierung in meinen persönlichen Jahres-Top-10 ist das zweite Album der US-Hardrocker HIGH SPIRITS. Bereits auf dem Vorgänger "Another night" standen Chris Black (u.a. PHARAOH und DAWNBRINGER) und seine Sidekicks für einen mitreißenden Cocktail aus klassischem NWOBHM, Gitarren-Hardrock mit einer feinen Prise US-Metal. Offensichtlich ist sich die kritische Rock/Metal-Gemeinde wohl weitestgehend einig, dass der Nachfolger "You are here" (um den geht's hier übrigens!) gegenüber dem Debüt doch etwas abfällt. Wundersamerweise widerspreche ich dieser Expertenmeinung jedoch vehement! Denn obwohl dem 9-Tracker ganz offensichtlich ein Überhit á la "Full power" oder "Another night in the city" fehlt, überzeugt die Scheibe vor allem durch seine Homogenität und kraftprotzige Soundpower!
Durch ihre Spielfreude und die immer wieder aufblitzenden Hammer-Melodien rücken HIGH SPIRITS Kontinente zusammen, vereinen die musikalischen Vorlieben gleich mehrerer Generationen - Siebziger, Achtziger, Neunziger und das Beste von Heute! - unter einem Hut, ohne das der Hörer auch nur einen einzigen Song überspringen möchte. Es ist richtig dass auf "You are here" das Tempo etwas gedrosselt wurde. Doch auch ohne die fulminante Speed-Metal-Keule lässt es sich für jeden Headbanger exquisit leben: Wundervolle Nummern wie "I need your love" , "Can you hear me" , "Reminding you of me" oder "I will run" zelebrieren authentischen, komplett unkauzigen, hard rockenden Mid-Tempo-Metal im Stile von TYGERS OF PAN TANG , SAXON , THIN LIZZY , IRON MAIDEN , alten DEF LEPPARD , noch älteren SCORPIONS und allerlei BON JOVI-Hit-Appeal (diese Refrains!), der selbst nach etlichen Wochen Dauerrotation frisch und unverbraucht klingt. Referenzen zum US-Power-Metal leiht sich die Band unverkennbar von den göttlichen FIFTH ANGEL aus. Superbe!
Chris Black & Co. versprühen ihr musikalisches Adrenalin gleich in Hektolitern, zaubern eine verzaubernde Melodie nach der nächstem aus dem metallischen Köcher, und kommen bei jedem Song gnadenlos auf den Punkt. Mit einer Spielzeit von nur knapp über 30 Minuten mag "You are here" insgesamt etwas mager daherkommen - but who cares? Mir persönlich ist ein kurzes Killer-Album dann doch hundert mal lieber als ein mühsam gestreckten Wischiwaschi-Scheibchen, bei dem der Hörer irgendwann zwangsweise in den Sekundenschlaf abdriftet. Moment mal, habe ich den HIGH SPIRITS-Zweitling etwa grad als Killer-Album bezeichnet?! Absolut, und dazu stehe ich !!! Wenn ich mit meinen Worten eventuell Interesse geweckt haben sollte: Allen Mal-eben-Reinhörern seien an dieser Stelle die großartigen Melodie-Feuerwerke "Gone to pieces" , "When the light go down" (geiler Opener!) , die hart riffenden "One thousand nights" und "The last night" sowie der eingängige Kracher "High Spirits" ans Herz gelegt. An dieser Stelle halte ich mich jetzt einfach kurz...denn es ist praktisch alles gesagt. Ich gehe jede Wette ein, dass der klassische Hardrock/Metal in diesem Jahr hiermit seine Sternstunde erreicht hat. Tja, ACCEPT und JUDAS PRIEST - ihr hattet eure Chance!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 18, 2014 8:28 PM MEST


Kadotetut
Kadotetut
Preis: EUR 17,81

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mittelmäßig geil !!!, 19. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Kadotetut (Audio CD)
Ich war noch nie ein großer Freund von ewig langen, mit künstlichem Ballast beladenen Metal-Scheiben, bei denen sich der Hörer gelangweilt durch die 75minütige Spielzeit quälen muss. Und auch wenn es hier sicherlich genügend positive Beispiele bzw. Ausnahmen gibt - so manche Band sollte sich stattdessen an eine der wichtigsten "Metal-Bauernregeln" halten: Es kommt nicht auf die Länge an, sondern auf die Technik!!!
Der finnische Todesblei-Vierer VAINAJA hat auf seinem Erstling "Kadotetut" eine ideale Spielzeit von sportlich-kurzen 38 Minuten ausgelobt, was den meisten Genrevertretern auch locker ausreicht, um ein fettes Ausrufezeichen zu setzen. Richtig ärgerlich wird es dann jedoch, wenn einer Band wie VAINAJA bereits im letzten Albumdrittel die zündenden Ideen ausgehen und man sich nur mit Mühe und Not über die letzten Minuten schleppen muss, um dem zu hohen Mindestanspruch zu genügen. Ganz klar ausgedrückt: Obwohl die Finnen erwiesenermaßen richtig gute Songwriter sind, machen sich am Ende viel zu wenig aus ihrem Talent. Anstatt sich auf ihr Gespür für tolle Riffs zu verlassen, ist ihr 9-Song-Debüt über weite Strecken mit Intros, Outros, Spoken-Words und sonstigem Instrumental-Gedöhns zugekleistert. Das mag zwar für Freunde von sphärischen Klängen durchaus zum Vorteil genügen - für den Fluss einer geilen Death-Metal-Scheibe ist zuuu viel säuselnde Theatralik aber regelrecht störend. Als allerbestes Beispiel der mangelnden Inspiration ist u.a. der abschließende Titelsong zu nennen, der unterm Strich eine bloße Kopie des Stampfers "Värään ristin valtakunta" ist, hier und da lediglich minimal abgewandelt und (natürlich!) in die Länge gezogen. Das unnötige "Henkikaste" ist mehr Hörspiel als Musik...und das eine Nummer wie "Viimeinen tuomio" nach einem dreiminütigen Warm-up erst gaaanz laaangsaaam auf Touren kommt, spricht auch nicht unbedingt für die ausufernde Kreativität einer jungen Band, die die Death/Doom-Hörerschaft auf ihre Seite ziehen möchte.
Das Ganze ist vor allem deswegen ein großes Ärgernis, weil VAINAJA auf "Kadotetut" eigentlich alle notwendigen Punkte erfüllen, die ein gutes Todesblei-Album ausmachen: Die abartig runtergestimmten Gitarren ziehen jedem Extrem-Metaller automatisch die Mundwinkel nach oben - hier hat Mr. Dan Swanö in seinem "Unisound"-Studio nicht den schlechtesten Job gemacht. Die Songs selber strotzen nicht vor musikalischem Overload, sondern walzen sich vornehmlich im Mid-Tempo durch die Gehörgänge aller BLOODBATH/GRAVE/ASPHYX-und GOREFEST-Fans. Feine Spannungsbögen leiht man sich aus dem urwüchsigen Gothic-Doom der frühen Neunziger Jahre aus...praktisch die Zeit, bevor (!) PARADISE LOST in der Szene zu "everybody's darling" hochgelobt wurden. Das sich VAINAJA bei coolen Nummern wie "Valon lapset" , "Kahleiden kantaja" und dem bereits erwähnten "Värään ristin valtakunta" nur auf wenige Riffs beschränken, kommt den Songs letztlich zu Gute. Den Rest erledigt dann halt der aggressive, vor purer Wut tobende Growl-o-Maniac hinter dem Mikro, der alle Lyrics stilecht nur in finnischer Sprache preis gibt. Verdammt, eine richtig geile Scheibe eigentlich...wenn da bloß nicht diese gefälligen, an Ideenlosigkeit grenzenden "Gähn!"-Passagen wären. Einfach nur schade, denn dieses Album hätte tatsächlich viel, viel besser werden können. Im Moment sind zwar nicht mehr als drei Sterne drin - diese Band darf man zukünftig aber auf dem Zettel haben!


Momentum
Momentum
Preis: EUR 35,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen So viel Spaß muss sein !!!, 18. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Momentum (Audio CD)
Wenn sich eine junge Band in der musikalischen Marschrichtung einfach nicht festlegen will, und daher ein buntes Sammelsurium unterschiedlicher Stile in ihrem Sound vereint, dann ist dies meistens eher Fluch als Segen. In diesem Zusammenhang benutzen die sogenannten Experten immer leere Phrasen wie "Nichts Halbes - nichts Ganzes!" , "Weder Fisch noch Fleisch!"...und überhaupt klingt die Band so, als wolle sie "auf allen Hochzeiten tanzen". Das süddeutsche Trio RADIO HAZE sieht sich ebenso diesen Vorwürfen ausgesetzt, kontert die Kritik aber mit einem Überpensum an Unbekümmertheit, Frische und vor allem routinierter Lockerheit. "Momentum" ist eines dieser Alben, auf dem alle Scheuklappen fallen und musikalische Horizonte erweitert werden.
Der Dreier aus dem bayrischen Provinznest Abensberg (irgendwo zwischen Ingolstadt und Regensburg) möchte sich im Songwriting einfach nicht limitieren, sondern wagt auf dem großen Rockberg den neugierigen 360 Grad-Rundum-Blick. Und das tollste dabei: Sie tun dies mit Sinn und Verstand - und ordentlich Spaß in den Backen! Herausgekommen ist ein spielfreudiges, hervorragend produziertes Werk, das sich schlicht und ergreifend mit dem Prädikat Classic-Prog-Indie-Alterna-Blues-Funk-Retro-Rock umschreiben lässt. Auf diese 41-Minüter quirlen RADIO HAZE alle möglichen Stile wild durcheinander - gern auch mehrere in einem einzigen Song! - , bleiben dabei aber stets im Rock beheimatet. Wenn die Plattenfirma im "Momentum"-Info-Blatt von klaren Referenzen zu JIMI HENDRIX , LED ZEPPELIN , FOO FIGHTERS und WOLFMOTHER schreibt, dann ist dies zwar nachzuvollziehen, lässt aber eine Vielzahl anderer Einflussgeber unter den Tisch fallen...u.a. QUEENS OF THE STONEAGE , PINK FLOYD , RED HOT CHILI PEPPERS , AUDIOSLAVE , BLACK COUNTRY COMMUNION und vor allem die göttlichen Kanadier von RUSH. Hab ich jemanden vergessen? Wahrscheinlich schon. Ihr merkt aber sicher auf Anhieb - hier ist eigentlich alles erlaubt!
Songs wie der knackige Opener "Ignition" , "Communication" , "Wrong shoulder" , die Video-Single "Blame the moonlight" sowie die beiden Refrain-Wunder "Step in line" und "Let me taste your light" zeigen eine sympathische Band auf großer Entdeckungsreise. Überraschenderweise funktioniert jede einzelne Nummer dabei von der ersten bis zur letzten Note, ohne dass die Musiker die Orientierung verlieren - denn kopflos experimentiert wird hier keinesfalls. Coole Hooklines, ein beeindruckendes Energielevel zum Mitzappeln, intelligente Soundschlenker, bei denen man gern doppelt hinhört. Das Ganze auch noch erstklassig gesungen und mit einer feinen Prise Humor abgeschmeckt. Darf es noch etwas mehr sein? Während Songs wie z.B. "Wastelands" (mit tollem chill-out!) oder "The night she shot me down" (klasse Text!) zusätzlich noch etwas angeschrägt wurden, drehen RADIO HAZE bei "Safer ground" und "Sticks, stones and broken bones" den Lautstärkeregler noch weiter nach oben, um den Boxen in bester Schweinerock-Manier den Garaus zu machen. Und wenn der beschwingte, beatleeske Titelsong diesem Album nach 41 Minuten leider ein viel zu kurze Ende macht, möchte man einfach nur die alte Klampfe rausholen, um stundenlang am nächstbesten Lagerfeuer weiter zu johlen. Ende gut - alle gut!
Warum in der Endabrechnung zu "Momentum" trotzdem nicht die verdienten 5 Sterne aufblitzen? Nun ja, einerseits fehlt mir leider der alles entscheidende Überhit. Und zum anderen besitzen diese offenhirnigen (open minded, you know?) Bajuwaren ein dermaßen großes Potential, dass hier einfach noch eine Steigerung drin sein muss. Dennoch, klares Votum: Tolle Scheibe - kaufen!


All Hell's Martyrs
All Hell's Martyrs
Preis: EUR 20,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Blut, Schweiß und Tränen !!!, 17. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: All Hell's Martyrs (Audio CD)
Seit der Veröffentlichung des letzten PRIMORDIAL-Longplayers "Redemption at the puritan's hand" sind auch schon wieder geschlagene drei Jahre ins Land gezogen. Von Langeweile kann beim Frontmann Alan Averill aber nicht die Rede sein. Kaum verwunderlich, denn mit stetiger Regelmäßigkeit kommt der sympathische Sänger - übrigens ein Underground-Kenner alter Schule! - mit einem seiner neuen Projekte bzw. Bands aus der Versenkung, um der weltweiten Metal-Community neues Futter zu liefern. Daraus resultierten u.a. die Scheiben von BLOOD REVOLT und TWILIGHT OF THE GODS, die allesamt zwar ganz passabel funktionierten, jedoch nie an die Qualität seiner Stammband heranreichten. Dies hat allerdings nun ein Ende - denn der erste offizielle Longplayer des Doom-Trios DREAD SOVEREIGN (vorab gab es bisher nur eine 3-Song-EP!) hat eindeutig das Zeug dazu, an der Großartigkeit des PRIMORDIAL-Backkatalogs zu kratzen.
Man kann es vorweg nehmen: Mit "All hell's martyrs" ist dem irischen Mikrofon-Glatzkopf die wohl beste Genre-Platte des Jahres gelungen, die in Punkto Düsternis und faszinierender Abgründigkeit im Gleichschritt mit dem TRIPTYKON-Zweitwerk "Melana chasmata" läuft. Und auch wenn beide Scheiben stilistisch nur eine marginale Schnittenge haben...durch die nihilistische, von bloßem Unheil geschwängerte Atmosphäre ergänzen sich die zwei Alben nahezu perfekt. Ein Doppelkauf lohnt sich!
Während TRIPTYKON eher dem brachialen Extrem-Metal zuzuordnen sind, so bewegen sich DREAD SOVEREIGN in ihrer von Hoffnungslosigkeit umgebenen Doom-Metal-Welt, die man beim ersten Hördurchlauf unmöglich ergründen kann. Es ist die oft zitierte Vielschichtigkeit, die das 61minütige Mammut-Epos "All hell's martyrs" so interessant macht. Und selbst nach mehrwöchiger Dauerbeschallung fühlt sich der geneigte Doom-Head noch immer so, als stünde er komplett am Anfang. Alan Averill und seine beiden Bandmates machen dabei nicht den Fehler, alle bekannten Zeitlupen-Klischees bis zum Get-No breitzutreten...im Sound des Trios schwingen gleichzeitig auch feine Nuancen von Ambient, Postrock, Psychedelic und noisigem Sludge-Doom mit, so dass auf dieser Scheibe - trotz aller Trostlosigkeit - an allen Ecken und Enden etwas spannendes passiert. Abgerundet durch einige stimmungshebende Intros ("Drink the wine" , "The great beast speaks") zelebrieren DREAD SOVEREIGN atmosphärischen Kriechsound im Sountrack-Format. Dabei wird die magische 10-Minuten-Marke mehrfach deutlich überschritten, ohne dass der Hörer vor Langeweile einzuschlafen droht - im Gegenteil! Hier wird jede Sekunde gierig aufgesogen, gefühlt, gelitten und geweint.
Die musikalische Nähe zu PRIMORDIAL ist natürlich schon durch die erneut erstklassige Gesangsleistung von Meister Averill gegeben, der all sein Können in Songs wie "Thirteen clergy to the flames" , dem rockigen "Catharsis to their doom" , "Pray to the devil in man" und "The devil's venom" gelegt hat und sich dabei sogar einige vereinzelte Growls aus den Eingeweiden schraubt. Verdammte Axt, was für ein brillianter Sänger! Während das griffige "Scourging iron" wohl die einprägsamste Nummer des Albums ist, loten DREAD SOVEREIGN mit großer Hingabe die Extreme aus: Das zähe, bleischwere "We wield the spear of longinus" kriecht bei gefühlten 10 bpm nur wenige Milimeter über der Grasnarbe, um dann aber urplötzlich psychedelische Pfade einzuschlagen. Das unfassbar intensive "Cthulu opiate haze" (genial!) zwingt den Hörer unwiederbringlich auf die dunkle Seite des Lebens. Und mit dem experimentellen Doom-Kollaps "Live through martyrs" werden am Ende der Scheibe erwartungsgemäß noch mal alle Nerven streckbankartig angezogen. Das Ganze ist eingebettet in ein authentisches, hörbar unproduziertes Soundgewand, bei dem die atmosphärischen Keyboards (unscheinbar aber allgegenwärtig!) nur unterstützenden Charakter haben. Für alle Fans von MY DYING BRIDE , SÓLSTAFIR , PALLBEARER , uralten CULT OF LUNA und mit giftiger Bleifarbe eingeschwärzten MELVINS ein Pflichtkauf. Ob die neue PRIMORDIAL-Scheibe es mit diesem zukünftigen Genre-Klassiker aufnehmen kann? Leise Zweifel sind angebracht!


Here and Nowhere Else
Here and Nowhere Else
Preis: EUR 14,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genialer Rotz !!!, 25. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Here and Nowhere Else (Audio CD)
Jawoll ja! Dies ist endlich wieder einer dieser unvergleichlichen Momente, die jeder passionierte Musikliebhaber wohl für keinen Lottogewinn der Welt eintauschen würde. Wenn man die CD einer bisher unbekannten Band in den Player wirft, ohne auch nur das Geringste zu erwarten - und sich am Ende der knapp 30minütigen Spielzeit wie ein besserer Mensch fühlt. Bereit die Welt zu umarmen und ab sofort wieder an das wahre Glück zu glauben, welchem jeder Mensch Zeit seines Lebens sisyphosartig hinterherläuft, um es letztlich doch nie zu erreichen.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich von der Combo CLOUD NOTHINGS zuvor noch nie etwas gehört hatte, obwohl "Here and nowhere else" bereits das dritte Album des Cleveland-Trios ist. Die Musiker wirken auf ersten Blick so unscheinbar und harmlos, als hätte man sich kurz vor dem Fotoshooting für den Studiengang Germanistik/BWL auf Lehramt eingeschrieben. Doch sobald die schwere Proberaumtür hinter einem zufällt, werden die Frisuren kurz gerichtet, die Verstärker auf Ultimo gedreht, um sich innerhalb einer halben Stunde einen Platz in der Rock-"Hall of Fame" freizuräumen. Dabei leistet die Band um Chefdenker Dylan Baldi eigentlich gar nichts Weltbewegendes - doch sie tun es mit dermaßen viel Herzblut und aus innerster Überzeugung, dass man den CLOUD NOTHINGS-Drittling spätestens beim fünften Hördurchlauf abgöttisch lieben muss!
Das linke Bein steht im Indie-Rock...das rechte hingegen felsenfest im Post-Hardcore...die dreckige Punkrock-Faust ist geballt, während dem Hörer zeitgleich die schönsten Pop-Melodien durch die Gehörgänge gepustet werden. Fantastische Nummern wie "Quiter today" , "Just see fear" , "Giving into seeing" und der grandiose Wunder-Opener "Now hear in" klingen unfassbar eigenständig - und dennoch kann man wohl alle Lieblingsbands des Trios einzeln mit Namen benennen: Jede Sekunde dieses 8-Trackers atmet das rotzige Flair von FUGAZI , BUZZCOCKS , SONIC YOUTH , uralter NIRVANA und MOTHER LOVE BONE, sowie noch älterer LEMONHEADS. Der minimalistische Garagen-Sound klingt zunächst wie eines der unzumutbarsten Lärmverbrechen, das Musiker aus Fleisch und Blut jemals erdacht haben...doch exakt diese perfekt unperfekte Art macht die Faszination von "Here and nowhere else" aus. CLOUD NOTHINGS rumpeln, schrammeln, lärmen und kloppen unermüdlich drauflos, als wäre dies ein von Gott gegebenes Talent. Eine ansteckende Jam-Session mit Ohrwurm-Garantie, bei der man selbst den arg bemühten Gesang des Herrn Baldi - gewiss kein Goldkehlchen vor dem Herrn! - auf sympathische Weise zu schätzen lernt.
"Einen wunderschönen Song erschaffen, ihn danach kaputtschlagen und im Chaos enden lassen" war einst die simple Antwort von Page Hamilton, als dieser nach dem Patentrezept seiner Band HELMET gefragt wurde. Eine Beschreibung, die ebenso auch auf CLOUD NOTHINGS zutrifft. Diese Platte ist schmutzig, grob, scharfkantig , schräg und unberechenbar. Anarchie für die Seele. Wer von Songs wie "Pattern walks" , "I'm not part of me" , "No thoughts" oder dem zum Heulen genialen "Psychic trauma" nicht sofort heillos angefixt wird, ist definitiv ein gefühlskalter Grobian. Alle anderen kaufen dieses Album - verdammt nochmal!


Mitgift
Mitgift
Preis: EUR 13,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und wenn sie nicht gestorben sind...!!!, 22. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Mitgift (Audio CD)
Mord und Totschlag - dies und nichts anderes thematisieren meine Lieblings-Potsdamer SUBWAY TO SALLY auf ihrem brandneuen Langeisen "Mitgift", und haben dabei ein mörderisches Konzept-Album aus den Angeln gehoben, welches als düsterstes Stück der bisherigen Bandhistorie eine Sonderstellung einnimmt. Wo legendäre Frühwerke wie "Bannkreis" , "Hochzeit" , "Herzblut" oder "Nord Nord Ost" stets für die perfekte Symbiose aus Poesie, Mittelalter-Folklore und ansteckender Lebendigkeit standen, da zieht das Septett aus der Berliner Vorstadt ihre Fans nun voll und ganz auf die dunkle Seite des Lebens. Gute Laune und aus reiner Liebe geborene Herzensschwüre wird der Hörer auf diesem 11-Tracker (die höherpreisige Special-Edition beinhaltet mit "Im Weidengarten" noch eine weiteren Song!) vergeblich suchen - zumindest keine, die nicht über den Tod hinausgehen! So berichten Eric Fish, Bodenski & Co. über historische Massenmörder und Bluttaten, die teilweise mehrere Jahrhunderte zurückliegen. Mit dem malerischen "Dein Kapitän", in dem der medienträchtige "Fall Kampusch" skizziert wird, bewahrt man aber gleichzeitig einen Hang zur Aktualität.
Im Vorfeld wurden viele Worte über die moderne Produktion verloren, mit der SUBWAY TO SALLY erstmals die technischen Möglichkeiten der Jetztzeit für sich entdeckt haben, und dabei auch vor allerlei Elektronik (u.a. Drum-Loops und Dubstep-Einflüssen) nicht zurückschrecken. Vielen Uralt-Fans dürfte dies ein Dorn im Auge sein, zumal sich die Band damit doch merklich vom rohen, traditionellem Charme der Mittelater-Märkte entfernt. Bäh, alles was neu ist gefällt mir nicht! Dabei wird aber oft vergessen, dass bereits vor über 10 Jahren - jawoll ja, der großartige Überhit "Kleid aus Rosen" - in eine ähnliche experimentelle Richtung ging. Mir persönlich gefällt die moderne Ausrichtung von "Mitgift" übermäßig gut, da jedem einzelnen Songs dadurch noch mehr Glanz und Finesse einverleibt wird, und die erzeugte Spannung selbst beim 30. Hördurchlauf noch greifbar nah ist. Glaubt mir, ich habe es ausprobiert!
Merke: Selbst die allerbeste High-End-Produktion ist letztlich für die Katz, wenn die Musik selber nichts taugt. Doch speziell beim Songwriting können sich SUBWAY TO SALLY auch weiterhin auf ihr Gespür für lupenreine Hits verlassen...nur eben mit dem Unterschied, dass so manche Nummer (u.a. "Haus aus Schmerz" oder die erste Single "Schwarze Seide") vergleichsweise brachial umgesetzt wurde, und die Band somit einige Schritte auf die RAMMSTEIN-Zielgruppe zugeht. Fantastische Modern-Folk-Hymnen wie die Fritz Haarmann-Mär "Warte, warte" (nicht nur in Hannover ein Hit!) , "Ad mortem festinamus" , "Dein Kapitän" , "In kaltem Eisen" sowie die drei unbedingten Anspieltipps "Grausame Schwester" (was für ein Chorus!) , "Für immer" (dito!) und "Arme Ellen Schmitt" stehen in Punkto Eingängigkeit keinen Millimeter hinter den Band-Klassikern zurück...sind aber inhaltlich zum Teil schwerer zu verdauen. Woher soll die gute Laune denn auch kommen, wenn alle Paar Minuten ein anderes unschuldiges Mädchen im Blutrausch dahingemeuchelt wird?! Während der charismatische Front-Blondschopf Eric Fish über 43 Minuten eine seiner besten Gesangsleistungen vorlegt, und dabei einmal mehr dem Ruf eines Geschichtenerzählers gerecht wird, sitzen die typischen Mittelalter-Parts (Violine, Dudelsack) erneut exakt an der richtigen Stelle. Und da auch die beiden Sechssaiter das Umschaltspiel zwischen Ohrwurm-Melodie und heftigem Brat-Riffing nahezu bis zur Perfektion ausbalanciert haben, gehört "Mitgift" zur absoluten Pflichtveranstaltung für alle SUBWAY TO SALLY-Anbeter. Eigentlich alles wie immer...diesmal jedoch qualitativ noch einige Spuren besser. Mordkommission Potsdam - bitte übernehmen sie!


Noir
Noir
Preis: EUR 14,99

18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Punkrock für Saubermänner !!!, 1. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Noir (Audio CD)
"Wir legen Asche über die Stadt!" lautet die recht großspurige Ankündigung der BROILERS im hervorragenden Refrain von "Zurück in schwarz", und lässt für den Rest des Albums ein derbe Überportion von Härte und Angriffslust erwarten. Nun ja, vermutlich wäre es dem Großteil der Hörer lieber gewesen, wenn die Düsseldorfer Punkrock-Zweitvertretung ihren Worten auch Taten hätte folgen lassen....denn der neuen BROILERS-Scheibe "Noir" fehlt es während der 55minütigen Spielzeit über weite Strecken doch sehr an den allerwichtigsten Punk-Tugenden: Wenig Spielwitz, wenig Spontanität, wenig Drive und noch viel weniger Dreck! Dafür driftet das Quintett aus der Rhein-Metropole (erwartungsgemäß!) immer mehr in poppig-angepasste Gefilde ab, um in den deutschen Charts fortan Megasellern wie ANDREAS GABALIER , HELENE FISCHER oder ANDREA BERG Paroli zu bieten. Hurra, der Mainstream kann sooo schön sein! Wenn man sich einen gemütlichen, mittlerweile arg unglaubwürdigen Medien-Punk wie Campino sooo offensichtlich zum Vorbild nimmt, dann wird dies viele Uralt-Fans zwangsläufig vor den Kopf stoßen. Denn auch wenn die neue BROILERS-Scheibe unterm Strich sogar recht ordentlich geworden ist, gibt es doch einen Haufen Kritikpunkte, die einem den "Genuss" echt vermiesen können.
Allein die Tatsache, dass "Noir" insgesamt 16 Songs (!) beinhaltet, legt die Vermutung nahe, die Band wolle es wirklich jedem recht machen. Getreu dem Motto: Irgendein Lied wird der Hörer schon irgendwie mögen - Masse statt Klasse! Ärgerlich ist es dann aber vor allem, wenn neue Nummern wie "Das da oben" , "Nur nach vorne gehen" , "Irgendwo dazwischen" (musikalisch gut!) oder das unsägliche "Ich hol dich da raus" mit den Alltime-Klassikern (remember "Vanitas"?) praktisch nichts mehr gemeinsam haben. Wie in eine Schablone gepresst spielen die BROILERS hier austauschbaren, farblosen Pop/Rock-Sound für die gepflegte Langeweile...HOSEN-like komponiert für Public-Viewings, Fanmeilen, volle Arenen, CDU-Wahlabende, VIP-Logen und die nächste Aufstiegsfeier der Düsseldorfer Fortuna. Dabei ist egal wie durchschnittlich die Mucke ist - Hauptsache man kann den Chorus nach dem dritten Bier fehlerfrei mitgröhlen.
Während die ruhige Nummer "Wo bist du (Du fehlst)" fast schon perfekt auf die tolle UDO LINDENBERG-Comeback-Scheibe "Stark wie zwei" gepasst hätte, fragt man sich beim platten "Die Letzten an der Bar" dann entgültig, ob hier jetzt eigentlich die neue Scheibe der BROILERS im Player liegt, oder ob die Plattenfirma einem versehentlich eine CD von REVOLVERHELD oder TIM BENDZKO untergeschoben hat. Gääähn!
Glücklicherweise hat "Noir" aber auch einige wirklich starke Momente, bei denen Samy & Co. die teilweise gebotene Magerkost bestens ausgleichen können. Mit dem Anfangs-Triple "Ist da jemand?" , "Zurück in schwarz" und "Wo es hingeht" (mein persönlicher Favorit!) zeigen sich die BROILERS bissig, intelligent und in voller Kampfmontur. Gleiches gilt für schmissige Punk-Songs wie "Die Hoffnung stirbt nie" , "Nanana" , "Grau grau grau" sowie den vorzüglichen Rausschmeißer "Gutes Leben" (erinnert in den Strophen fatal an die ÄRZTE-Hymne "Westerland"!), die allesamt auch auf dem Vorgänger "Santa muerte" gepasst hätten, und die bei zukünftigen Konzerten wohl schnell den Sprung in die Dauer-Setlist finden werden...speziell das ungemein eingängige "Ich brenn" - der effektivste Ohrwurm der Platte. Besonderes Lob widme ich an dieser Stelle den Mid-Tempo-Nummern "Ich will hier nicht sein" und "Der Rest und ich" (beide musikalisch eher zahm!), die durch die großartigen Lyrics die volle Punktzahl einfahren können. So müssen intelligente Texte zum Thema Integration geschrieben werden, Punkt!
Fazit: Sicherlich ist das neue BROILERS-Album eine recht zwiespältige Angelegenheit, bei der sich starke und schwächere Songs in etwa die Waage halten. Nachdem mein Eindruck nach dem ersten Hördurchlauf ziemlich ernüchternd ausfiel, hat mich die Langzeitwirkung von "Noir" allerdings positiv überrascht. Denn wenn ich ein Album gleich mehrere Wochen täglich im Repeat-Modus höre, dann muss dies insgeheim auch ein Zeichen für Qualität sein, oder? Vier bis fünf Lieder weniger hätten dieser Platte aber gewiss nicht geschadet...Sodele, und nun darf der Rubel meinetwegen rollen. Wir werden's ja eh nicht verhindern können.


Nostalgie für die Zukunft
Nostalgie für die Zukunft
Preis: EUR 12,97

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Doch eigentlich such' ich nur Dich !!!, 15. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Nostalgie für die Zukunft (Audio CD)
Deutschsprachige Rockmusik polarisiert derzeit an allen Ecken und Enden. Und dies mit reichlich Tam-Tam! Während sich der Großteil aller treuen Fans wochenlang über Sinn bzw. Unsinn der bevorstehenden BÖHSE ONKELZ-Live-Reunion die Köpfe heiß redet, ein Heer von Moralaposteln den umstrittenen FREIWILD offen den Krieg erklärt und die BROILERS als allergrößte Punk/Pop-Hoffnung die Charts von hinten aufrollt...sooo leise und unspektakulär mausert sich das kleine aber feine "Nostalgie für die Zukünft" heuer zum Geheimfavoriten der deutschen Rock-Lyrik. Hinter dem Pseudonym ERIK COHEN verbirgt sich kein Unbekannter - jedoch gibt sich der langjährige Frontmann der Kieler Punk/Schweinerocker SMOKE BLOW (Jack Letten!) auf seinem ersten Solo-Album so emotional wie nie zuvor. Anstatt das Publikum im schweißnassen Club beim Massenpogo zu dirigieren, überzeugt ERIK COHEN auf diesem 12-Tracker vor allem mit einem: Unglaublichem Tiefgang! Wenn viele Künstler großspurig behaupten, dass Musik und Texte immer als Einheit (!) gesehen/gehört werden müssen, dann gilt dies insbesondere für dieses Album. Natürlich kann man den Pathos von Nummern wie "Wölfe" , "Kosmonaut" , "Treue Herzen" oder "In Bewegung" kritisieren, hier und da peinlich berührt sein...man kann aber auch einfach nur zuhören. Denn wenn der Hörer in die Tiefe geht, dann wird von mal zu mal - mit jedem Hördurchlauf! - deutlicher verstehen, wie viel Ehrlichkeit in den Zeilen schlummert.
"Ein Teil von mir will hier bleiben, ein Teil von mir möchte fliehen" singt ERIK COHEN in einer Strophe der großartigen Übernummer "Kapitän", und sagt dabei eigentlich alles über die innerliche Zerrissenheit und Selbstzweifel eines Mannes, im eigenen Kampf mit sich selbst und dem Sinn des Lebens. "Nostalgie für die Zukunft" ist purer Seelenstriptease eines Mid-Vierzigers...in Gedanken verloren, mit Sehnsüchten und Visionen, die auf eine goldene Zukunft hoffen lassen - beinahe schon ein klassisches Singer/Songwriter-Album! Immer wieder fühlt man sich an die musikalische Kehrtwende des SOCIAL DISTORTION-Urgesteins Mike Ness erinnert, der auf dem letzten Output "Hard times and nursery rhymes" vorwiegend seine emotionale Seite nach Außen kehrte...gleichzeitig huschen einem die herrlich abstrakten lyrischen Ergüsse des Berliner Stadtaffen (sic!) PETER FOX durch den Sinn - ein deutscher Musiker, den man selbst als eingefleischter Rock/Metal-Fan irgendwie gut finden kann. Harsche Abgehnummern wie "Omega Mann" und "Chrom" hätten hingegen wohl auch auf jeder WEISSGLUT-Scheibe ("Etwas kommt in deine Welt" , "Zeichen") stehen können.
Als waschechter Schleswig-Holsteiner verwendet ERIK COHEN in seinen Songs mit großer Vorliebe norddeutsche Waterkant-Metaphern (z.B. See, Wellen, Hafen, Meer, usw.) und zeigt dabei auf eigenste Weise die Verbundenheit zu einer Region, die ihn als Mensch geprägt hat. Dabei ist es unnötig zu erwähnen, dass man tolle Nummern wie "Licht" , "Dirigent" , das bereits erwähnte "Kapitän" oder "Segeln" (großartig!) natürlich auch allen Deutschrock-Fans in Freiburg, München und Nürnberg gefallen dürften. Selbst wenn dort die nordische Grußformel "Moin Moin!" nie richtig verstanden bzw. stets falsch übersetzt werden wird.
Fazit: Man merkt sofort wie viel warme Energie und Herzblut der SMOKE BLOW-Fronter in sein Solo-Debüt gesteckt hat. Ein authentisches Album zum Nachdenken, dem aber auch immer wieder ein positives Augenzwinkern anzuhören ist. Einen echten Seemann kann schließlich nichts erschüttern. Sehr zu empfehlen!


Climax
Climax
Preis: EUR 19,99

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit Gasmaske und Blumenstrauß !!!, 18. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Climax (Audio CD)
Hossa, da hat das finnische Label "Svart Records" aber einen verdammt dicken Fisch an Land gezogen. "Petri Dank!" kann man da nur sagen. Denn eines ist jetzt schon mehr als sicher: Diese Band wird die in naher Zukunft noch für gewaltig Furore sorgen!
Um die Musik von BEASTMILK treffend zu beschreiben, können die Worte des Rezensenten malerische, fast schon lyrische Ausmaße annehmen. Auf dem Frontsticker des "Climax"-Erstlings trifft es wohl folgendes Zitat am besten: "Music for survivalists, preparing for the end of the world".
Dieses unfassbar talentierte Quartett nennt seinen Sound einfach nur "Apocalyptic Post-Punk", und begibt sich dabei in eine stilistische Schnittmenge, die man sooo nicht sehr oft zu hören bekommt. Denn die 10 Songs des BEASTMILK-Debüts sind nicht nur außergewöhnlich - sondern vor allem außergewöhnlich gut!
Um die Wurzeln des 38-Minüters komplett auszugraben, muss sich der Hörer mindestens 20 bis 30 Jahre in der Musikhistorie zurück bewegen, und wird dann früher oder später auf Düster-Pioniere wie THE CURE , KILLING JOKE , NEW MODEL ARMY oder JOY DIVISION treffen, deren tieftrauriger Sound sich wie ein Abziehbild über die zehn "Climax"-Songs legt. Die rüden Punk-Vibes holt man sich dafür eindeutig von den MISFITS ab. BEASTMILK komponieren derart haarscharf auf der Grenze zwischen Traum und Alptraum, zwischen Euphorie und Trostlosigkeit, zwischen Freudentränen und alles zerschlagender Depression, dass dieses Album wie ein Oskar-reifer Spielfilm vor dem inneren Auge des Hörers vorbei läuft. Jeder Song ist eine musikalische Perle, die man mit bloßen Händen aus dem dreckigen Morast emporziehen muss - und die, trotz aller Kargheit, immer und immer und immer wieder im gleißenden Licht erstrahlt. Fantastische Dark/Rock/Wave/Punk-Blockbuster wie "Ghosts out of focus" , "The wind blows through the skulls" , "Love in a cold world" , "Nuclear winter" (kein SODOM-Cover!) , "Genocidal crush" und "Fear your mind" sind fesselnde Ohrwürmer aus dem Melancholie-Handbuch. Wie gemacht für den letzten Atemzug am Tage des Weltuntergangs. Und dennoch schwingt in jeder Sekunde der viel zu kurzen Spielzeit eine sympathische Lockerheit mit...ein erlösender Hoffnungsschimmer, der dem Hörer letztlich zu verstehen gibt, dass man selbst im wüsten Endzeitszenario doch noch ein Bäumchen pflanzen sollte.
Der Sound von "Climax" ist dabei sooo authentisch und unproduziert ausgefallen, als hätte der Finnen-Vierer die Scheibe innerhalb einer Stunde im verriegelten Atombunker aufgenommen, um ein allerletzter Lebenszeichen für die Nachwelt zu hinterlassen. Mit Songs wie dem aufwühlenden Rausschmeißer "Strange attractors" , "Death reflects us" , "Surf the apocalypse" (jawoll!) und dem fulminanten Smasher "You are now under our control" (hundertprozentige Zustimmung!) poltern und schrammeln sich BEASTMILK ohne Umwege in die Hall-of-Fame der größten Rock-Hoffnungsträger. Ein puristisches Meisterwerk ohne Schwächen, dessen Refrains man aus purer Begeisterung rausgröhlen möchte - bis zum allerletzten Tag, an dem die Welt im Chaos versinkt, sich das Leben dem Ende zuneigt und der Hörer seine Augen für immer schließt. Mit einem Lächeln auf den Lippen!


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