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Rezensionen verfasst von
kwichybo "Jörn M." (Nürnberg)

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Teras
Teras
Preis: EUR 10,96

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwarzes Inferno !!!, 12. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Teras (Audio CD)
Alle Jubeljahre einmal tut sich der Höllenschlund auf, um unter unheilvollem Rumoren ein neues NAGLFAR-Werk auszuspucken. Auf das fiese Krawallkommando aus Nordschweden war bisher schon immer Verlass, wenn es um rabiat-eingängigen Black-Metal-Sound ging. Und wie auch auf den teils herausragenden Vorgängern "Pariah" , "Vittra" oder "Sheol" ist sich die Band in jeder Hinsicht treu geblieben. Interessantes Erkennungsmerkmal: Mit "Téras" ist der Albumtitel erneut kurz und prägnant ausgefallen. Doch auch in musikalischer Hinsicht haben NAGLFAR ihren Stil (zum Glück!) nicht neu erfunden, so dass jeder beinharte Schwarzmetal-Anhänger sich auch diesmal sicher sein kann, hier eine verdammt geile Scheibe zu erwischen. Also nichts Neues im Staate Umeá!
Auch auf dem 9-Tracker "Téras" rangiert das Trio um Frontmann Kristoffer W. Olivius musikalisch in ein und derselben Nische, in der melodische Black/Death-Formationen wie UNANIMATED , DARK FUNERAL , NECROPHOBIC , ENSLAVED und vor allem die legendären DISSECTION ihr Unwesen treiben. Doch bei allen Gemeinsamkeiten haben NAGLFAR noch ihre eigene Note, weswegen man diese Band aus dem Kreis der "üblichen Verdächtigen" immer zweifelsfrei heraushören kann. Passenderweise klaut die Band ihre Ideen am liebsten von sich selbst...
Mit Recht könnte man fragen, ob die Metal-Welt nun wirklich auf "Téras" gewartet hat. Denn, wie schon gesagt, großartige stilistische Unterschiede zur 2007er-Scheibe "Harvest" gibt es hier eigentlich nicht. Allen zweifelnden Kritikern entgegne ich nur mit einem trotzigen "Hey, Schnauze halten!"...denn grad im künstlerisch arg limitierten Black-Metal-Genre ist ein derart formidables Hit-Inferno heutzutage echt eine Seltenheit. Angefangen beim stimmigen Artwork, über die toll-wuchtige Produktion, bis hin zu den durchgehend großartigen Songs: Die neue NAGLFAR-Scheibe überzeugt einmal mehr als vollendetes Gesamtkunstwerk...vielleicht sogar erstmals als ebenbürtiger "Sheol"-Nachfolger.
Mit rasiermesserscharfen Riffs gespickte Songs wie "Invoc(h)ate" , "Death damnation phantasma" , "An extension of his arm and will" und "Pale horse" bieten erneut wütenden Extrem-Metal, der auf höchstem Aggressions-Level wirklich direkt durch die Decke geht. Für Entlastung sorgen dabei immer wieder stampfende Parts, majestätische Melodien und bedrohliche Synthie-Teppiche, bei denen der Hörer seine Ohren auch gern doppelt so weit aufreißt, um auch ja nichts zu verpassen. Sänger Kristoffer W. Olivius spuckt am Mikrofon Gift und Galle, und sorgt mit zumeist simplen Hooklines für den nötigen Wiedererkennungswert. Einen guten Job leistet hierbei der SOILWORK-Leih-Schlagzeuger ab, für den die peitschenden Blastbeats wohl nur ein Kinderspiel darstellen.
Mit dem finter-schleppenden "The Monolith" schrauben NAGLFAR das rasende Affentempo dann doch merklich zurück, und bewegen sich eher auf traditionellem BATHORY-Terrain. Das komplett vorangestellte "Téras" glänzt hingegen mit toll arrangierten Chören, welche sofort im Ohr kleben bleiben. Die Mid-Tempo-Nummer "Bring out your dead" wirkt beim ersten Hördurchlauf etwas unspektakulär, punktet aber gleich zu Beginn mit einer genialen Säge-Gitarre im uralten DARKTHRONE-Stil. Größtes Highlight dieses 9-Trackers ist aber das pechschwarz-tobende "Come, perdition" (welch unfassbare Dramatik!), bei dem wirklich alle Vorzüge des Schweden-Trios aufs allerbeste "ausgeleuchtet" werden. Tja, und wenn das abschließende "The dying flame of existence" dieses Album nach knapp 44 Minuten exakt mit der Eröffnungsmelodie des Titelsongs beendet, ist der Kreis geschlossen. Gott hat's gegeben, Gott hat's genommen. Der Hörer ist überwältigt, verwundet, ausgelaugt, gedankenverloren...wie allein zurückgelassen in der Finsternis. Aber das wichtigste: Er ist letztlich mit sich und der Welt komplett im Reinen.
Fazit: Mit "Téras" haben NAGLFAR eine Hammer-Scheibe rausgehauen, an der sich alle übrigen Genre-Vertreter in nächster Zeit gern die Zähne ausbeißen dürfen. Ein rundum gelungener Black-Metal-Gewaltschlag, dessen Rasanz die selbsternannte Elite - allen voran die überbewerteten WATAIN - noch vor große Probleme stellen dürfte.


Les Voyages De L'ame
Les Voyages De L'ame
Wird angeboten von ProMedia GmbH
Preis: EUR 9,99

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fantastique !!!, 4. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Les Voyages De L'ame (Audio CD)
Wow, diese Scheibe ist definitiv eine kleine Sensation !!! Während die gesamte Düster-Metal-Gemeinde in diesem Jahr wohl vornehmlich den neuen Scheiben von PARADISE LOST und KATATONIA entgegenfiebert, hat sich die französische 2-Mann-Band ALCEST mal ganz klammheimlich ein wahres Meisterwerk "gegönnt". Vollmundig behaupte ich schlicht und ergreifend, dass es jede andere Dark/Gothic-Combo heuer verdammt schwer haben wird, die Brillianz von "Les voyages de l'ame" zu übertrumpfen - auch wenn ich den Schweden KATATONIA dieses "Wunder" noch am ehesten zutraue. Und trotzdem: Diese Art von Musik kann man eigentlich nicht besser spielen !!!
Etwas peinlich betroffen muss ich zugeben, dass mir die Vorgänger-Scheiben "Souvenirs d'une autre monde" und "Ecailles de lune" bisher leider nicht kenne...ich diesen Wissensrückstand aber schnellstens nachholen werde. Auf den 8 Songs von "Les voyages de l'ame" zelebriert das Duo um ALCEST-Initiator Neige jedenfalls eine packende, atmosphärisch warme Melange aus MY DYING BRIDE , ANATHEMA , KATATONIA und chilligen PORCUPINE TREE-Momenten, die den Hörer auf eine wundervolle Traumreise mitnimmt. Zusätzlich umweht das Ganze noch ein finsterer Black-Metal-Hauch (die straighten PRIMORDIAL fallen mir hier zu allererst ein!) , so dass phasenweise richtig schön knackig auf die Tube gedruckt wird. Alles verläuft jedoch in geregelten Bahnen, ohne in stumpfe Raserei auszuarten. Hier regiert das getragene Mid-Tempo.
Verpackt in einem glasklaren Soundgewand setzen einen gigantisch-schwermütige Songs wie "Nous sommes l'emeraude" , "Autre temps" , "Là où naissent les couleurs nouvelles" oder das ruhige, halbakustische Instrumental "Havens" unter Spannung. Wie gefangen zwischen pechschwarzer Mondfinsternis und gleißend-hellem Sonnenaufgang fühlt sich der Hörer stets geborgen. Sanfte Keyboard-Teppiche und Seelenstreichler-Melodien stehen im Einklang mit den knallharten Gitarren, die sich vor dem inneren Auge gebirgsartig auftürmen. Mit seiner eindringlichen, nie übertrieben weinerlichen Stimme singt, schmeichelt, keift, schmettert sich der ALCEST-Mainman direkt in die Gehörgänge, ohne den zumeist überlangen Songs dabei die Show zu stehlen. Gerade im Wechselspiel passen hier alle Stimmungen perfekt - ein Album wie ein langer, ruhiger Fluss!!!
Die Songtitel deuten es schon an: Der gute Herr Neige hat auf "Les voyages de l'ame" sämtliche Texte in seiner Muttersprache verfasst. Und auch wenn vier Jahre "Französisch Grundkurs" bei mir keine größeren Spuren hinterlassen haben...die tiefgründige Poesie der ALCEST-Lyrics bleibt auch mir nicht verborgen. Denn die Sprache der Musik steht hier über allem!
Das flotte "Beings of light" gefällt durch seine träumerische "Raumschiff Enterprise"-Gedächtnis-Melodie (inklusive Frauen-Gesang!). Mit den wunderbar ausgetüftelten Hymnen "Les voyages de l'ame" und "Faiseurs de mondes" (über, über, über!) gelingt ALCEST die perfekteste Düster/Schwarzmetall-Symbiose seit Jahren. Und das abschließende "Summer's glory" hätte in exakt unveränderter Form auch auf dem gottgleichen JESU-Masterpiece "Conqueror" stehen können...wohl der beste Song, den Justin K. Broadrick nie selber geschrieben hat. Da gibt's nur eins: Chapeau !!!
Fazit: Weitere Worte erübrigen sich an dieser Stelle eigentlich. Denn jeder Rock/Metal-Fanatiker sollte dieses Wunderwerk mitreißender Tonkunst mit eigenen Ohren "in sich aufgesogen" haben. Ein Album ohne Schwächen, mit dem sich ALCEST direkt auf Augenhöhe zum letzten KATATONIA-Longplayer "Nigth is the new day" wiederfinden. Im ersten Quartal 2012 geht "Les voyages de l'ame" als unangefochtener Tabellenführer über die Ziellinie. Denn diese Scheibe triumphiert bisher über allem !!!


Koloss
Koloss
Preis: EUR 17,49

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ungewohnt gewöhnlich !!!, 2. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Koloss (Audio CD)
Als Rezensent kann man sich eigentlich unmöglich mit dem neuen MESHUGGAH-Longplayer beschäftigen, ohne sich gleich zu Beginn auf gewisse Namensspielchen einzulassen. Manchmal wird aus einer Mücke recht schnell ein Elefant - und ein Koloss entpuppt sich bei näherer Betrachtung doch eher als Gnom. Der schlichte, protzige Album-Titel "Koloss" schickt den geneigten CD-Käufer doch etwas auf den Irrweg...denn bei dem 10-Tracker handelt es sich wohl um die zugänglichste bzw. gewöhnlichste Scheibe der bisherigen Bandkarriere. Normalerweise beginnt die eingefleischte MESHUGGAH-Fanbasis immer erst dann zu frohlocken, wenn dem Hörer sprichwörtlich die Ohren glühen, die Nervenstränge flattern und man mindestens 15 Durchläufe (Tendenz steigend!) braucht, um das Werk auch nur ansatzweise zu begreifen. Dies ist bei "Koloss" nicht der Fall. Und obwohl alle wichtigen Trademarks wie immer vertreten sind - härtetechnisch werden auch weiterhin 95% aller Genrevertreter locker weggewischt! - , ist dieses Album wohl auch erstmals für neutrale Hörerschichten interessant. Insofern kann ich sogar nachvollziehen, dass langjährige Fans von Fredrik Thorendahl & Konsorten doch ziemlich enttäuscht sind.
Mir persönlich gefällt die neue MESHUGGAH-Langrille jedoch außerordentlich gut, was gewiss der Tatsache geschuldet ist, dass die Band das "Schmerzlevel" nicht nochmals erhöht hat. Jeder weiß schließlich, wozu diese Band imstande ist. Warum muss man es dem Hörer also immer wieder aufs neue beweisen ? Ein zweites Dissonanz-Inferno á la "Nothing" braucht man also nicht erwarten...als Nachfolger des 2007er Monstrums "Obzen" taugt der 55-Minüter jedoch richtig gut - wenn auch in abgespeckter Variante.
Neue Song-Ungetüme wie "Do not look down" , "Marrow" , "Break those bones who sinews gave it motion" oder der Opener "I am colossus" spielen sich weitaus weniger im Kopf ab, sondern zielen direkt auf die Gefühlsebene des Hörers. Alle Mathematik-Professoren unter den Metal-Fans haben hier also ein leichtes Spiel, denn im direkten Vergleich (wie z.B. zu "Nothing") ist "Koloss" auf Anhieb ausrechenbar. Die Schweden setzen auch weiterhin auf ihre zerstörerischen, vertrackten Stakkato-Riffs, bei denen oft nur eine einzige Note ausreicht. Sofort auffällig ist zudem, dass die Songs teilweise recht monoton gehalten sind, weswegen manche Brutalo-Passage gern mal etwas länger ausgespielt werden darf. Die typisch-wirren Thorendal-Soli gibt es auch weiterhin...und auch der breaklastige Jazz-Anstrich ist immer noch fester Bestandteil des MESHUGGAH-Songwritings. Noch eindeutiger als zuletzt brechen hier jedoch die brachialen Thrash-Metal-Wurzeln durch, mit der die Band - wie bei "The devil's name is surveillance" und "The hurt that finds you first" - eher durch bissige Gradlinigkeit ans Limit geht. Manchmal ist ein fester Schlag in die Magengrube doch ergiebiger, als die eine oder andere musikalische Denkaufgabe!
Unnötig zu erwähnen: Die 10 "Koloss"-Nummern gewinnen vor allem auch durch ihr übermächtiges Groove-Potential, dem sich der Hörer unmöglich entziehen kann. Mehr Mensch als Maschine! Keine Frage, neue Stakkato-Hämmer wie "Swarm" , "Demiurge" (so einen Song schreibt man nur einmal im Leben!) und das mit verträumten Melodiefragmenten aufgewertete Album-Highlight "Behind the sun" (pulsiert von der ersten bis zu letzten Sekunde!) hätten auch allen Vorgänger-Scheiben eine wunderbare Figur abgegeben.
Unter soundtechnischen Aspekten klingt das Album teilweise etwas sonderbar. Die Gitarrenarbeit ist knackfett, trotdem organisch...beim pappigen Drum-Sound beschleicht einem jedoch das Gefühl, als hätte Schlagwerker Tomas Haake (spielerisch wie immer einer der Besten!) seine Schießbude einige Tage im Dauerregen stehen lassen - vor allem das ansonsten bärenstarke "The hurt that finds you first" klötert munter vor sich hin. Etwas strange!
Unterm Strich ist "Koloss" aber eine richtig geile Scheibe geworden, die auch jeder ungeduldige Nicht-MESHUGGAH-Fan sich mal auf den Merkzettel schreiben sollte. Anfangs tönt das Ganze vielleicht etwas enttäuschend...unterm Strich kann ich aber voll nachvollziehen, warum die Band auf dieses Album echt "stolz wie Oskar" ist. Klasse !!!


Relapse
Relapse
Preis: EUR 10,98

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Stagniert im Mittelmaß !!!, 27. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Relapse (Audio CD)
Gut das es sie gibt !!! Eigentlich hatte MINISTRY-Mastermind Al Jourgensen seine Band ja 2007 zu Grabe getragen. Dass nun mit "Relapse" - knapp 5 Jahre nach dem entgültigen Abgesang! - trotzdem ein neues Album in die CD-Regale gewuchtet wird, hat mich als alten "Psalm 69"-Anbeter schon ziemlich verwundert. Aber vermutlich war ich in letzter Zeit einfach nur schlecht informiert, so dass mir diese Info einfach durchgerutscht ist. Wie dem auch sei...Al Jourgensen war schon immer eine der interessantesten Personen des gesamten Stromgitarren-Business, dessen Worte grundsätzlich Gewicht hatten. Ein ewig kritischer Held des Anti-Establishments. Und solange sich in den Hinterzimmern der US-Regierung machtgierige Politiker, Nationalisten, Waffenhändler, Lobbyisten , Kriegstreiber und sensationsgeile Medienvertreter selbstgefällig um den runden Tisch herumfleezen, wird die Mr. Jourgensen auch weiterhin den Finger in die Wunde legen (müssen). Textlich bietet "Relapse" somit auch erneut genug Zündstoff...fällt aber im Vergleich zu den bissig-zynischen Rundumschlägen "Houses of the molé" , "Rio grande blood" und "The last sucker" doch etwas gemäßigter aus.
Gleiches gilt übrigens auch für die Musik dieses 10-Trackers, auf dem sich MINISTRY leider nicht in allerbester Form präsentieren. Merklich auf Krawall gebürstet...mit Schaum vor'm Mund...aber in Punkto Songwriting ohne zündende Ideen. So versinkt ein größerer Teil des "Relapse"-Materials im gesichtslosen Industrial/Metal-Sumpf, ohne dabei großartig "aufzumucken".
Bei "Weekend warrior" adaptiert die Band einfach ein angestaubtes RAMMSTEIN-Riff (Vergleich: "Wollt ihr das Bett in Flammen sehen"), stagniert in Folge aber eher auf durchschnittlichem Niveau. Der Titelsong gefällt zwar durch seine mechanische Grundausrichtung, kann aber den brachial-revolutionären Charakter alter Perlen ("N.W.O." , "Burning inside" , "Jesus built my hotrod") zu keiner Zeit reproduzieren. Beim stampfenden "Kleptocracy" (schon gut!) regiert das walzende Mid-Tempo, wobei der zuckrig-süße Refrain doch etwas zuuu eindeutig in die Mainstream-Schublade hineinragt. Tja, und auch mit der S.O.D.-Coverversion "United forces" (coole Idee, aber letztlich viel zu lang!) hätten MINISTRY vor einigen Jahren wohl höchstens eine Single-B-Seite geschmückt.
Von ganz anderem Kaliber sind hingegen die tollen Industrial/Metal-Abfahrten "Get up get out'n vote" , "99 percenters" (hier lauern die politischen Statements!) , "Freefall", der durch ein ungewöhnliches Intro eingeläutete Opener "Ghouldiggers" und "Double tap" (zukünftiger Hit!), die mit ihrer hyperventilierenden Mischung aus Punk/Hardcore , Thrash-Riffing und tanzbarem Elektro-Wahnsinn alles niedermähen. Immer besonders wertvoll: Die Gitarrenwände - unterstützt durch tolle Samples und die bellenden Jourgensen-Vocals! - sägen sich beim Hörer auf Anhieb in die Gehirnrinde, steigern sich dann von Sekunde zu Sekunde, um dann in einem explosionsartigen Finale zu eskalieren. So kennt man diese Band, und so mag man sie!
Fazit: Im Jahre 2012 wird die Welt untergehen - und es gibt kein Entrinnen! Dass sollte jeder unwürdige Erdenbürger mittlerweile gecheck haben. Wo weise Verschwörungstheoretiker für gewöhnlich den Maya-Kalender bemühen, da reichte allen Metal-Fans bisher stets der Griff zur nächstbesten MINISTRY-Scheibe. Denn durch nichts ließe sich der drohende Weltuntergang besser vor Augen führen, als durch die manisch-bedrückenden Überwerke "Psalm 69" , "Filth pig" oder "Dark side of the spoon". Apokalpyse zum Anfassen und Mitleiden! Der brandneue 10-Tracker steht mit den genannten Alben jedoch nicht auf Augenhöhe, und taugt phasenweise nur für ein kleines Erdbeben. Schade eigentlich, denn "Relapse" hat wirklich einige bärenstarke Momente, befördert Al Jourgensen & Co. aber wohl auf direktem Weg in die Einbahnstraße. Aber bei aller Enttäuschung: Diese Scheibe sollte man schon kennen!


Royal Flush on the Titanic
Royal Flush on the Titanic
Preis: EUR 8,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Band mit guten Karten !!!, 15. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Royal Flush on the Titanic (Audio CD)
Wenn man sich als bekennender Rock/Metal-Süchtiger seit vielen Jahren intensiv mit "der Materie" beschäftigt, dann liegt einem die regionale Musiklandschaft irgendwann besonders am Herzen. Ich persönlich (geborener Niedersachse ; inzwischen bekennender Wahl-Nürnberger!) habe immer ein besonderes Augenmerk für die Bands, die sich "vor der eigenen Haustür" so tummeln. Sofort auffällig: Gerade die Szene in Franken - also alles im Umkreis Neumarkt, Nürnberg, Fürth, Erlangen bis Würzburg - ist in dieser Hinsicht sehr gut aufgestellt. Und damit meine ich nicht grässliche Humor-Allergiker wie J.B.O., die über ihre Witze wohl immer am lautesten lachen...sondern vor allem tolle Acts wie OMEGA MASSIF , VERSUS THE STILLBORN-MINDED , SOUL DEMISE , EARTH FLIGHT , LUSCA oder MOUNT SHASTA (Geheimtipp!). Ein ausgewogene, hoch dekorierte Palette für jeden Rock/Metal-Fan. Anchecken lohnt sich also grundsätzlich!
Einer der bekanntesten Namen aus der Region sind zweifelsohne THE BULLETMONKS, deren Debüt-Scheibe "Music of mass destruction" (2009) schon das große Potenzial aufzeigte. Mit ihrem amerikanisch geprägten Mix aus Rockn' Roll , Punk , Rockabilly und bluesgetränkten Southern-Vibes konnte das Quartett nicht nur auf Konserve überzeugen...auch Support-Slots für längst etablierte High-Roller wie W.A.S.P. , die dänischen Cow-Punks D.A.D. oder VOLBEAT waren die Folge. Nicht schlecht, man kann es wahrlich schlechter treffen!
Auf ihrem neuen Machwerk "Royal flush on the titanic" können THE BULLETMONKS ihre gewonnene Routine bestens ausspielen, ohne sich von der alten Marschrichtung auch nur eine Handbreit wegzuorientieren. Geboten wird nach wie vor gutklassiger Rock-Sound im Dunstkreis von DANKO JONES , RAMONES , D.A.D. , ROSE TATTOO und SOCIAL DISTORTION, der der Band schon vor einiger Zeit das Prädikat "Mosh'n Roll" eingebracht hat. Und genau dieser Begriff trifft's auch!
Ehrlicherweise möchte ich monieren, dass das Album mit 14 Songs etwas zu lang ausgefallen ist. Hier hätte man den einen oder anderen musikalischen Grenzgänger locker aussortieren können (u.a. den etwas verschlafenen Titeltrack). Und dennoch sind die Höhepunkte wieder hörbar in der Überzahl: Angefangen beim quicklebendigen Opener "Old mans rollercoaster" , über "Blood, money and the awe" , "Fight night" , "Don't mess with the barkeeper" und "Whisper regret" (alle mit herrlichen Hooklines gesegnet!) gibt es gute Laune pur, die jeder Sommer-Party gut zu Gesicht stehen würde. Mit "Stringyard tree" und dem grandiosen Abschließer "You want me to hang" gehen THE BULLETMONKS etwas verschachtelter zu Werke, können sich dabei aber stets auf funktionierende Grooves verlassen. Allgegenwärtig ist dabei dieses rauchige Southern-Feeling - speziell bei der Gitarrenarbeit! - , welches der Hörer gewiss niemals im bayrischen Mittelfranken verorten würde. Überhaupt hat der 14-Tracker eine ziemliche Ami-Schlagseite. So agiert der Sänger Tyler Voxx mit einer rotzigen Coolness, die ich ihm leider nicht hundertprozentig abnehme. Denn bei allem "Dicke Hose"-Gepose wäre es teilweise echt angenehmer, wenn die Band sich etwas im Understatement üben würde. Sorry, aber mich nervt solch ein überzogenes Brimborium meistens nur.
Ansonsten bietet die brandneue THE BULLETMONKS-Langrille "Royal flush on the titanic" richtig professionellen Rock-Sound mit ordentlich Bumms, der eigentlich in jedem Gemütszustand gut reinhaut. Der recht soliden Produktion hätte zwar manchmal eine Extra-Schippe "Dreck" (á la HELLACOPTERS) ganz gut getan, was ich aber nicht als Kritikpunkt ansehe. Insofern gibt es auch absolut keinen Grund, hier an Ort und Stelle nicht 4 Sterne zu verteilen! Oder wie der euphorisierte Franke sagen würde: "Bastscho!"


Kein Titel verfügbar

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Foltern lohnt sich wieder !!!, 12. März 2012
Zum Thema CANNIBAL CORPSE fällt mein Urteil schon seit etlichen Jahren immer gleich aus: Egal wie gut das neueste Album auch sein mag...schlussendlich geht halt nichts über die alten Band-Klassiker wie "Tomb of the mutilated" , "Butchered at birth" und "The bleeding". Granatenstarke, schockierend ehrliche Todesblei-Referenzen für die Ewigkeit, die nicht nur deswegen in jede gut sortierte Metal-Sammlung gehören. Und auch wenn sich das Quintett um Mikro-Gewalttäter George Fisher musikalisch stets treu geblieben ist, so waren mir die letzten Scheiben "The wretched spawn" , "Kill" und "Evisceration plague" in Punkto Songwriting doch etwas zu durchwachsen. Der zügellose Wahnsinn klang halt irgendwie arg kalkuliert - steril und leider recht unüberraschend!
Mit dem brandneuen Splatter-Silberling "Torture" (wow, höchst originell!) haben sich CANNIBAL CORPSE jedoch zum Glück wieder etwas gefangen, und liefern die vielleicht beste Scheibe seit dem 2002er Machwerk "Gore obsessed" ab. Großartige Änderungen brauch der Hörer natürlich keine befürchten...denn schließlich weiß man als langjähriger Supporter eh längst, wie der Todesblei-Hase läuft. Keine Experimente, keine Verschnaufpausen - und absolut keine Gnade!
Denn auch mit wahnwitzigen Gore-Geschossen wie "Intestinal crank" , "Caged contorted" , "The strangulation chair" , "Sarcophagic frenzy" , "Torn through" oder "Crucifier avenged" (monoton aber gut!) setzen CANNIBAL CORPSE vor allem auf Altbewährtes: Hundsgemeiner, spielerisch anspruchsvoller Death-Metal aus der obersten Profiliga, dem man jederzeit auch die musikalische Nähe zu den Thrash-Veteranen SLAYER anhört. Vor allem die beiden Sechssaiter hauen die ungestümen King/Hannemann-Riffs gleich haufenweise aus dem Ärmel, wobei man härtetechnisch natürlich ungleich rabiater zu Werke geht. Weitestgehend melodiefrei zockt sich das Quintett durch die knapp 44 Minuten, kann aber an den Glanz alter Band-Hymnen wie "Staring though the eyes of the dead" , "Stripped, raped and strangled" oder "Mummified in barbed wire" leider nicht immer anknüpfen. Manch gute Idee verläuft etwas vorschnell im Sande, wie verlorengegangen im Stakkato-Gewitter...und auch die bellenden Refrains sitzen nicht hundertprozentig perfekt. Viel besser machen es CANNIBAL CORPSE dann in den Momenten, wo sie das Gaspedal merklich "anlupfen": So stehen Songs wie die schmucklose Groove-Walze "Scourge of iron" , "Followed home then killed" und der saustarke Übertrack "As deep as the knife will go" stellvertretend für die zurückerlangte Abwechslung, die der Hörer seit der "Vile"-Phase oft etwas vermisst hat. Und gegen die wutschnaubenden High-Speed-Nackenzwirbler "Encaged in concrete" (Killer!), "Rabid" und "Demented aggression" (sorgt mit coolen "Stop-and-go"-Parts gewiss für mächtig Bewegung im Moshpit!) ist eh kein Kraut gewachsen. Eine Klasse für sich !!!
Spielerisch gibt es erwartungsgemäß wieder nichts auszusetzen...denn hier war schon in den letzten Jahren immer alles im Lack. Neben den tighten, beinahe unmenschlichen Mazurkiewicz-Drummings (arg künstlicher Sound, wie immer zuletzt!) holt sich vor allem Tieftöner Alex Webster ein fettes Sonderlob ab. Mal ernsthaft, im Extrem-Metal-Sektor fristen die Bass-Spieler meistens ein tristes Schattendasein - getreu dem Motto "Ein Bassist gehört halt irgendwie dazu. Sonst sind wir keine richtige Band!". Der CANNIBAL CORSPE-Basser zeigt aber erneut mit Nachdruck, dass er sich längst als einer der größten Virtuosen im Genre etabliert hat.
Meine Version von "Torture" kommt übrigens im schnieken Digibook - außenseitig mit zensiertem Artwork! - daher, die zusätzlich noch mit 3 Live-Songs aufgewertet wurde. Das Ganze zwar nur in besserer Bootleg-Qualität, aber als Dreingabe zum Album trotzem ne feine Sache.
Fazit: Früher war alles besser! Dieser Slogan gilt im Metal-Genre wohl für den Großteil der Altforderen...ebenso für CANNIBAL CORPSE. Und trotzdem hat das Quintett endlich wieder die Kurve gekriegt, um auch zukünftig um den Todesblei-Thron mitstreiten zu dürfen. Größter Unterschied diesmal: Die Songs sind auf "Torture" schlicht und einfach besser, als z.B. auf dem eher unauffälligen "Evisceration plague". Alle Krachfetischisten besorgen sich diese Scheibe ja ohnehin, und sollten sich zudem die neue, endgeile ABORTED-Langrille "Global flatline" draufpacken. Denn die ist unterm Strich sogar noch einige Ecken besser!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 14, 2012 3:44 PM CET


Mit K
Mit K
Preis: EUR 9,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Special K !!!, 26. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Mit K (Audio CD)
Fetten Respekt, Deutschland hat eine neue Chart-Sensation. Während vermutlich 99,99% aller Bundesbürger die Band KRAFTKLUB schon seit mehreren Monaten kennen - im September 2011 traten die Sachsen bereits beim "Bundesvision Song-Contest" an! - , war diese Combo für mich bis dato ein unbeschriebenes Blatt. Das KRAFTKLUB-Debüt "Mit K" stieg vor wenigen Wochen direkt auf die Pole-Position der deutschen Album-Charts. Und womit ? Mit Recht !!!
Denn die fünf Chemnitzer sind ungelogen eine der besten deutschsprachigen Acts, die mir seit Ewigkeiten untergekommen ist.
Der rassige 13-Tracker wird die hiesige Musiklandschaft aufmischen - soviel steht jetzt schon fest. Denn mit ihrem schnörkellosen, beinahe schon sympathisch-naivem Cocktail aus Indie, Punk, Hip-Hop und gelegentlichen Pop- und Ska-Schlenkern sind KRAFTKLUB ein wirklich belebendes Element, um allen öden 0815-Chart-Leadern die Stirn zu bieten. "Jetzt sind wir Kommerz, dank Medienpräsenz!" singen die Jungs gleich zu Beginn. Das die Band dabei aber keine Rockstar-Allüren an den Tag legt, bringt ihr nochmal einen Zusatzpunkt ein. Denn Image ist nichts, Musik ist alles. Also lasst Gitarren sprechen!
Und so verbindet das Quintett aus Karl-Marx-Stadt (ganz wichtig!) während der 44 Minuten einfach das rotzige Retro-Flair von FRANZ FERDINAND und THE HIVES mit smarten, ungemein eingängigen Melodien, die desöfteren auch ein Faible für die Elektro/Pop-Rocker APOPTYGMA BERZERK erahnen lassen. Zusammengehalten wird das Ganze durch die wirklich unterhaltsamen Texte (komplett auf deutsch!), die einmal mehr auch die Nähe zum Hip-Hop unterstreichen. Das KRAFTKLUB bereits mit den Kult-Hamburgern FETTES BROT die Bühne geteilt haben, und zudem beim renommierten "Splash"-Festival abräumen durften, kann man also durchaus raushören.
Zu allererst ist "Mit K" aber eine saugeile Rock-Scheibe, die mit Top-Hits nahezu dichtgeplastert ist. So gehen Songs wie die erste Single "Ich will nicht nach Berlin" , "Melancholie" , "Mein Leben" , "Eure Mädchen" und "Ritalin/Medikinet" (mit spritzgem Ska-Einschlag!) sofort ins Ohr - und zwar ohne Ende! Die Gitarrenfraktion zockt dabei mit unglaublichen Drive, so dass jeder (!!!) Track in Windeseile zur halsbrecherischen Tanzflächen-Akrobatik auffordert. Mit unbändiger Energie und beinahe anarchistischer "Leckt uns doch!"-Attitüde landet die Band dabei einen Volltreffer nach dem nächsten.
Ein großer Unterhaltungswert geht dabei - wie schon erwähnt - von den Texten aus, die beim Hörer auch nachhaltig in Erinnerung bleiben. Es lohnt sich genau hinzuhören...denn neben augenzwinkernder Selbstbeweihräucherung (ganz stark: das ruppige "Lieblingsband") , coolem Ossie-Understatement ("Karl-Marx-Stadt") , waschechtem Radio-Geschmuse ("Kein Liebeslied") , einer mit miefenden Metaphern bebilderten Szene-Abrechnung ("Sch****indiedisko"), darf es durchaus auch mal etwas nachdenklicher zugehen ("Wieder Winter").
Und auch wenn Anspieltipps an dieser Stelle eigentlich unangemessen sind: Mit den schmissigen Dauerbrennern "Zu jung" , "Liebe" und "Songs für Liam" (nur noch geil!) haben sich KRAFKLUB wohl schon frühzeitig einen Stammplatz in der Hall-of-Fame der deutschen Rock-Musik gesichert. Das Volk hat es natürlich schon längst gewusst...ich habe es zumindest noch rechtzetig gemerkt: Beinahe hätte ich diese frische, unverbrauchte Band einfach verpasst. Ich bin beeindruckt!!!


Holding on
Holding on
Preis: EUR 18,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absoluter Glücksgriff !!!, 19. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Holding on (Audio CD)
Zugegeben, der Bandname FREEDOM HAWK ist alles andere als vielsagend. Und auch das recht biedere Cover-Artwork (inklusive naggischer Frau im Inlay!) versprüht nicht nicht unbedingt den Duft der großen, weiten Rock'n Roll-Welt. Richtig ist jedoch, dass es sich bei dem US-Quartett FREEDOM HAWK nicht um einen Newcomer handelt, sondern die "Freiheitsfalken" mit mehrjähriger Erfahrung bereits einige Scheiben auf der Habenseite haben. Es wird sich zeigen, ob man sich mit dem taufrischen Longplayer "Holding on" nachhaltig Gehör verschaffen kann. Für mich steht allerdings außer Frage, dass FREEDOM HAWK zweifellos die dafür nötige Substanz mitbringen.
13 Songs in knapp 52 Minuten...da ist für den geneigten CD-Käufer fast schon logisch, dass auch der eine oder andere musikalische Durchhänger vertreten ist. Doch genau mit dieser Vermutung liegt man voll daneben! Denn FREEDOM HAWK überzeugen auf "Holding on" tadellos über die komplette Spielzeit, ohne sich auch nur den Ansatz einer Schwäche zu erlauben.
Mit ihrer herrlich altbackenen Mischung aus Melodic-Doom-Rock und psychedelischen Stoner-Ausflügen trollt sich die Band im selben Sandkasten wie z.B. TROUBLE , SPIRITUAL BEGGARS , CLUTCH , QUEENS OF THE STONEAGE und den Siebziger-BLACK SABBATH (man vermutete es schon!). Auffällig ist hierbei einmal mehr Sänger T.R. Morton, der seinem gesanglichen Vorbild Ozzy Osbourne teilweise zu 100% "auf die Pelle" rückt, und sich dabei aber stimmlich keinesfalls zieren muss. Aber auch die Songs erstrahlen im Glanz der guten alten Iommi/Butler-Schule. Die Gitarren-Riffs klingen mal staubtrocken, mal beschwingt, mal treibend, mal tonnenschwer...aber zu jedem Zeitpunkt songdienlich, und mit jeder vergleichbaren Retro-Rock-Band auf Augenhöhe. Im kratzigen Analog-Sound erschaffene Perlen wie "Edge of destiny" , "North swell" , "Flat tire" , "Indian summer" (hier wird keine Teesorte besungen!) oder "Living for days" atmen das dreckig-verrohte Flair der englischen Industrie-Metropole Birmingham - eben der Geburtsstadt von BLACK SABBATH. Und dabei machen FREEDOM HAWK nicht nur verdammt viel richtig, sondern vor allem "verdammt viel richtig gut".
Gleichzeitig - und das ist das Kunststück! - rieselt aus den Songs haufenweise trockener Wüstenstaub, so dass auch die (musikalischen) Freunde des gerollten Hanfblatts hier nicht leer ausgehen sollten.
Der Opener "Thunderfoot" fungiert als mächtiger Retro-Dosenöffner mit Schmackes...das galoppierende "Her addiction" geht dafür schon als Beinahe-Hit im "Paranoid"-Format durch...mit "Faded" wurschteln sich FREEDOM HAWK zunächst durch ein berauschendes Psychedelic-Intro, um dann letztlich doch im zackigen Mid-Tempo für die notwendige Heaviness zu sorgen...das außergewöhnliche "Bandito" (BOSS HOSS meets COUNT RAVEN?) groovt wie die sprichwörtliche Rock'n Roll-Sau...und der überfamose Dreier "Zelda" / "Nomad" / "Magic lady" (zentnerschwere Überhymne!) hätte locker auch auf BLACK SABBATH-Altklassikern wie "Master of reality" oder "Sabotage" stehen können. Alle Refrains sitzen perfekt, ohne sich zu schnell abzunutzen. Im Gegenteil! Selbst nach dem mittlerweile zwanzigsten Durchlauf schreien Körper und Geist immer noch nach mehr. Was also folglich beweist, dass "Holding on" auch im Langzeittest allerbeste Karten hat.
Fazit: Nachdem die ersehnte BLACK SABBATH-Reunion in Original-Besetung wohl doch auf unbestimmte Zeit vertagt wird, muss die Rock/Metal-Gemeinde nicht den Kopf in den Sand stecken. Denn mit FREEDOM HAWK steht eine Band auf dem Sprungbrett, die jedem verprellten Doom-Fanatic nachhaltig gefallen dürfte. Gleiches gilt auch für alle Freunde von GRAND MAGUS oder GRAVEYARD, die "Holding on" durchaus mehr als nur ein Ohr leihen sollten. Einfach geil abgeliefert !!!


Global Flatline
Global Flatline

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Blutrausch-Szenario !!!, 17. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Global Flatline (Audio CD)
Schon das schmackhafte Splatter-Artwork des neuen ABORTED-Silberlings "Global flatline" schreibt ein prägnantes Wort in vier großen Lettern: KULT !!! Ekelhafte Zombie-Cover bringen mich immer gleich zum Schmunzeln. Doch schon oft wurden hinter einer putzigen Gore-Fassade wahre Meisterwerke geboren (Stichwort: "Tomb of the mutilated").
Doch auch textlich verspeisen die belgischen Krawallköpfe erneut große Überportionen aus Eiter, Blut oder Fäkalien - und bestellen am besudelten "All-you-can-eat"-Buffet noch tellerweise Nachschlag. In den letzten Jahren haben sich ABORTED zweifellos zu einer der beständigsten Death/Grindcore-Acts gemaustert. Eine Band, die musikalisch immer mit Vollgas an die Schmerzgrenze geht, ohne dabei die spielerische Komponente außen vor zu lassen. Die Mischung aus Krach und technischer Rhythmik macht den Unterschied.
Erneut wurde das Line-Up mächtig durcheinandergewürfelt, was man "Global flatline" aber nicht wirklich anhört. Als Überraschungsgäste sind diesmal zudem einige Gastsänger (u.a. von ROTTEN SOUND , MISERY INDEX) mit von der Partie, die sich in den Brutalo-Reigen bestens mit einbringen.
Wie bereits auf dem tollen Vorgänger "Strychnine.213" machen ABORTED nicht den Fehler, fast ausschließlich auf High-Speed-Gedresche zu setzen, und damit der höchst willkommenen Abwechslung nicht schlagartig den Garaus zu machen. Mit Ausnahme des recht durchschnittlichen Doppels "The origin of disease" / "Coronary reconstruction" (diese Band kann mehr!) punktet das Songwriting durch flexible Strukturen und spannende Tempowechsel. Unkaputtbare Granaten wie "The Kallinger theory" , "Vermicular, obscene, obese" , "From a tepid whiff" oder der hundsgemeine Titeltrack "Global flatline" stehen natürlich in direkter Verbindung zu Acts wie NAPALM DEATH , CANNIBAL CORPSE , NASUM , DYING FETUS und GENERAL SURGERY...jedoch mit dem Unterschied, dass ABORTED noch geilere Ideen in ihre Songs legen. Der 13-Tracker bietet härtetechnisch die absolute Death/Grind-Vollbedienung, geht in Punkto Musikalität jedoch ein ganzes Stück weiter.
Mir persönlich gefielen ABORTED schon immer am besten, wenn sie das Tempo gekonnt verschleppt haben, um die Songs mit gezielten Mosh-Parts (im early GOREFEST-Stil!) eskalieren zu lassen. Stimmige Melodien und Gitarrenläufe dürfen dabei auch nicht fehlen...jedoch ohne den Sound-Orkan unnötig zu verweichlichen. Wie gesagt, Abwechslung heißt das Zauberwort!
Das coole "Scabs and boils" (Hit!) basiert auf einem fast rockigen Grund-Riff, und geht als wohl eingängstiger Song in die ABORTED-Analen ein. Dafür brillieren die vier Belgier beim Brutalo-Chorus von "Our father, who art of feces" mit unheilvollen Gitarrenlinien, wie man sie sonst nur von den Elchtötern UNANIMATED oder NECROPHOBIC serviert bekommt. "Grime" tönt danach als unverwüstliches NAPALM DEATH-Soundalike, haut dem Hörer im unerwarteten Moment dann aber raue Melodien vor'n Latz. Tja, und eine reinrassige, bis an die Zähne bewaffnete Tempo-Bombe wie "Fecal forgery" können heutzutage wohl nur noch ABORTED schreiben. Hut ab!
Größter Überraschungsmoment dieses 44-Minüters ist gewiss der atmosphärische Stampfer "Expuration euphoria", der - neben tollen Harmonien und einem waschechten Piano! - die Luft in bedrohlicher Melo/Death-Manier verpestet. Und auch mit dem abschließenden "Endstille" walzt das Belgien-Kollektiv zu guter letzt alles nieder - ein musikalischer Vorgeschmack auf die düstere Apokalypse, die hoffentlich nie kommen möge. Superbe!
Abgerundet wird "Global flatline" durch effektive Sprachsamples im Horror-Format, die ihre Wirkung während der kompletten Spielzeit nicht verfehlen. Das Konzept geht auf!
Fazit: Auch die neue ABORTED-Langrille liefert technischen Death/Grind der Extraklasse, auf der Aggression und Anspruch erneut meisterlich kombiniert werden. "Global flatline" mag anfangs etwas chaotisch und sperrig klingen, entwickelt sich aber nach einer Weile zu einem richtigen "grower"...nämlich exakt dann, wenn der Hörer das Facettenreichtum der einzelnen Songs vollends erkannt hat. Letztlich hat mir der Vorgänger "Strychnine.213" ein kleines bisschen besser gefallen. Und dennoch hänge ich für ABORTED an dieser Stelle vier rostige, blutbesudelte Fleischerhaken auf.


A Flash Flood of Colour
A Flash Flood of Colour
Preis: EUR 8,99

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Angst vor Hits !!!, 10. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: A Flash Flood of Colour (Audio CD)
Sapperlot !!! Die britischen Kreativköpfe von ENTER SHIKARI sind definitiv eine der innovativsten Bands, die mein CD-Player jemals "gefressen" hat. Und trotz meiner Abneigung gegen hochmoderne Mainstream-Sounds, die ich inzwischen nur noch bei Stromausfall ertragen kann, sage ich dies mit vollster Überzeugung. Bereits der Vorgänger "Common dreads" hatte mein Hirn damals im Sturm erobert, und ist seitdem als gut gehüteter Schatz ganz tief in meinem Herzen vergraben. Ein begeisternder Rock/Elektro-Klassiker der Neuzeit, der den vielzitierten "test of time" - wie kaum ein zweites Album! - allerbestens gemeistert hat.
Umso bemerkenswerter ist jedoch, dass der brandneue 11-Tracker "A flash flood of colour" die Qualität von "Common dreads" beinahe mühelos erreicht. Dem musikalischen Einfallsreichtum von ENTER SHIKARI sind erneut keinerlei Grenzen gesetzt, so dass jeder Hörer mindestens zwanzig Bandnamen "droppen" könnte, die ihm während der 42minütigen Odyssee spontan in den Sinn kommen. Mit ihrem wirklich unfassbaren Gespür für energische Emo/Punk/Trance/Metalcore/Techno-Songs gehört dieses Quartett zum unbedingten Pflichtprogramm für alle Fans von LINKIN PARK, LOSTPROPHETS, BILLY TALENT , CHEMICAL BROTHERS , CLAWFINGER , SYSTEM OF A DOWN , DUB WAR oder THE PRODIGY...und diese Liste ließe sich noch problemlos um weitere hochkarätige Acts verlängern. Ich schwör' !!!
Gezielt überdrehte Aggro-Geschosse wie "Gandhi mate, gandhi" und "Arguing with thermometers" sind wirklich fies bis in die Haarspitzen, so dass jeder Stromgitarren-Fanatic im nächsten Circle-Pit die Knochen gleich freiwillig hinhalten würde - lieber jetzt als sofort. Derb schrotende Metalcore-Riffs und freakige Elektro-Beats laufen hier nicht gegeneinander, sondern ergänzen sich zur bestens funktionierenden Sound-Einheit, deren Brillianz keinen Widerspruch duldet. Das großartige Mid-Tempo-Doppel "Pack of thieves"/"Search party" hämmert sich ohne Umwege in jedes Tanzbein, und beschert dem Hörer eine andauernde Ohrwurmgarantie. Mit "Stalemate" und "Constellation" (anfangs unauffällig; mausert sich nach und nach zum Volltreffer!) schalten ENTER SHIKARI dafür mindestens einen Gang zurück, um sich in relaxte Gefilde zu wagen. Ergebnis: Atmophärisch dichte, hochmoderne Halbballaden ohne unnötigen Kitsch, die zu allem Überfluss auch noch erstklassig gesungen sind. Genau das ist es, was diese Band von allen anderen "Jugend forscht"-Acts unterscheidet. Hier wirkt nichts überhastet...alle Ideen werden zu Ende gedacht und letztlich in einem farbenfrohen Rock/Elektro-Mosaik zusammengesetzt. Langeweile gibt's woanders! Denn überraschende Facetten liefert "A flash flood of colour" zu jeder Sekunde. Ignorante Skeptiker werden spätestens dann eines besseren belehrt, wenn sie sich auf die perfekten Tanzflächen-Abräumer "Hello tyrannosaurus, meet tyrannicide" , "System meltdown" (ballernder Hochglanz-Opener!) , "Sssnakepit" und "Warm smiles do not make you welcome here" (klasse Gitarrenarbeit!) eingelassen haben, deren Details sich erst unter dem Kopfhörer komplett entfalten. Weltklasse!
Einziger Schwachpunkt: Die interessanten "Gutmenschen"-Lyrics zeugen zwar von hohem Engagement, wirken aber dann teilweise doch etwas zuuu platt. Wenn ENTER SHIKARI schon die Welt verbessern wollen, dann tun sie dies in erster Linie mit ihrer Musik. Und ob ihr's mir glaubt oder nicht...dieses tolle Album hat mein Leben enorm bereichert. 5 Sterne und ein fettes "Dankeschön!".


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