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Rezensionen verfasst von
kwichybo "Jörn M." (Nürnberg)

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Deathevokation
Deathevokation
Preis: EUR 17,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Revelicious !!!, 11. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Deathevokation (Audio CD)
Wenn die süddeutschen Newcomer REVEL IN FLESH die erste Langrille stilecht mit "Deathevokation" betiteln, dann ist das in etwa so, als würde eine Band namens MASTER OF PUPPETS ihr Debüt-Album "Judas Priest" oder "Iron Maiden" nennen. Na, verstanden? Man kann's auch etwas leichter ausdrücken: Jeder eingefleischte Metalhead erkennt natürlich auf Anbieb - nicht zuletzt am Bandnamen und dem echt gelungenen Artwork! - , dass es sich bei diesem 46-Minüter um eine lupenreine Huldigung des 90er Death-Metal handelt. Hier wird keine einzige Sekunde um den heißen Brei herumgeredet...alle sollen es wissen. Hier regiert der Kult!
Auf den 10 Songs von "Deathevokation" (inklusive einem coolen BENEDICTION-Cover!) kann man die musikalischen Haupteinflüsse sofort mit Namen nennen...nein, sie springen dem Hörer geradezu ins Gesicht: Neben DISMEMBER , ENTOMBED , DISMEMBER , CARNAGE , DISMEMBER und GRAVE scheinen vor allem DISMEMBER zu den großen Faves dieser Band zu zählen - teilweise klingen auch deutliche Parallelen zu DISMEMBER durch. Richtig originell sind REVEL IN FLESH dabei selbstverständlich nicht. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten stellt dieses schwäbische Duo - mit einem Augenzwinkern könnte man den Sound auch "Schwabentod" nennen - aber so ziemlich alles in den Schatten, was heutzutage in diesem Genre mitzureden versucht. In jedem Jahr werden wohl ungefähr tausend Todesblei-Scheiben auf die willenlose Käuferschar losgelassen, die sich mehr oder weniger wie musikalische Abziehbilder gleichen...für mich persönlich ist "Deathevokation" die berühmte Nadel im Heuhaufen. Ein Album, das einen trotz seiner simplen Herangehensweise für lange Zeit gefangen nehmen kann. Verdammt, und Spaß macht es vor allem !!!
Während der ASPHYX-mäßige Mid-Tempo-Schrubber "Iron coffin" es qualitativ mit jedem einzelnen "Deathhammer"-Song aufnehmen kann, punkten Granaten wie "Bloodfeast" , "Crowned in darkness" und "Opus putrescence" durch ihren zielstrebigen Punch. Ziemlich überraschend wird das straighte "Black pale elegy" von einer ungewohnten, fast störend eingängigen Melodie heimgesucht, die aber in Punkto Abwechslung recht gut tut.
Was von "Deathevokation" sonst noch übrig bleibt sind vier waschechte, absolut klassikertaugliche 10-Punkte-Songs, die den Kauf des REVEL IN FLESH-Erstlings schon im Alleingang rechtfertigen: Denn mit "Slavish obedience" , "Shadowbreeder" , "Culpa in inferna" und "Wings of death" (mit seinen endgeilen "Ka-mi-ka-si!"-Shouts) stellen die Herren Haubersson und Maggesson bereits frühzeitig alle Weichen auf "Höchstnote". Ruppige Blastbeats...fies schreddernde Gitarren mit unbarmherzigen Killer-Instinkt...sich im Hirn einnistende Kreuzquer-Melodien für die Galerie...dazu ein ein derb missgelaunter Shouter der Marke "Growlie-Bear", der dem musikalischen Massaker stimmlich in allerfeinster Schwedentod-Manier begegnet. Passenderweise zeichnet sich kein geringerer als Dan Swanö (Ex-EDGE OF SANITY) für's Mastering von "Deathevokation" verantwortlich. Man will ja nichts dem Zufall überlassen...
Fazit: "Seit zwei Jahren träume ich jede Nacht, dass mich ein Volltreffer erwischt..." lauten die ersten Worte des schaurigen "Slavish obedience"-Intros. Viel besser hätte ich es an dieser Stelle nicht ausdrücken können. Denn REVEL IN FLESH haben schon mit ihrem ersten Longplayer eben diesen Volltreffer gelandet. Der 10-Tracker ist ein Ausdruck purer Neunziger-Nostalgie, und für mich bisher ganz klar die beste Death-Metal-Scheibe des Jahres.
Ach, eine Sache noch: Habe ich schon erwähnt, dass die Band manchmal ziemlich nach DISMEMBER klingt ?!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 9, 2013 12:22 PM CET


Sich Fgen Heit Lgen
Sich Fgen Heit Lgen
Preis: EUR 5,99

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Noch darf die Welt uns Sklaven heißen, noch gibt es Ketten zu zerreißen!", 1. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Sich Fgen Heit Lgen (Audio CD)
Alter, das war jetzt aber echt mal bitter nötig! Also ein ausgewählter Punkrock-Fachmann war ich bisher noch nie...aber für die Kult-Anarchos von SLIME habe ich schon seit frühen Jugendtagen - Bands wie DIE ÄRZTE , DIE TOTEN HOSEN , DIE ABSTÜRZENDEN BRIEFTAUBEN oder eben SLIME sind schließlich nicht der schlechteste Einstieg in die große Rockwelt! - , immer besonderen Respekt übrig. Und auch wenn in einschlägigen Kreisen jetzt schon abfällig darüber diskutiert wird, ob denn "das liebe Geld" nun einzig und allein Schuld an dieser Reunion trägt, sehe ich die neue SLIME-Scheibe einfach nur als das, was sie eben ist: Ein deftiger Gewaltschlag gegen das Establishment...und die Rückkehr einer der legendärsten Punk-Institutionen, die dem deutschen System jemals den Garaus machen wollte. Fast zwei Jahrzehnte nach ihrem letzten offiziellen Longplayer "Schweineherbst" melden sich SLIME nun endlich wieder mit neuem Futter zurück. In einer Zeit in der Alt-Punks wie DIE TOTEN HOSEN sich auf peinlichem "ZDF-Fersehgarten"-Niveau ganz schmerzfrei in Richtung Altersheim schunkeln, ist ein musikalischer Handkantenschlag in den Nacken dann auch echt mal angemessen.
Die brandneue SLIME-Langrille "Sich fügen heißt lügen" ist aber auch aus textlicher Sicht hochinteressant. Wer hier stilecht revolutionäre, anklagende Steineschmeißer-Lyrics erwartet, der liegt natürlich wie immer goldrichtig. Kurioserweise stammen sämtliche Texte nicht aus eigener Feder (Ausnahme: das bankenfeindliche "Seenot"), sondern basieren auf Gedichten des ehemaligen Schriftstellers und Publizisten Erich Mühsam, der im braunen Schreckens-Regime der 30er-Jahre als Systemfeind umgebracht wurde. Dieser 14-Tracker ist somit auch eindeutig als Tribut an einen "Bruder im Geiste" zu verstehen...denn auch wenn die interpretierten Gedichte schon über 80 Jahre auf dem Buckel haben, sind die Inhalte doch erschreckend real, und bieten das passende Fundament für eine waschechte SLIME-Platte. Das tolle daran: Man kann diese Platte auch dann klasse finden, wenn man (so wie ich!) mit Politik sonst nix anne Frisur hat.
Musikalisch lassen sich die alten Punk-Helden keinerzeit die Butter vom Brot nehmen, so dass über 46 Minuten munter nach vorne geballert wird. Beginnend mit dem flotten Vierer "Sich fügen heißt lügen" , "Rebellen" , "Freiheit in Ketten" und "Wir geben nicht nach" weiß jeder Altfan sofort, dass es sich hier ganz klar um SLIME handelt - ganz egal wieviele Jahre seitdem verstrichen sind. In räudiger Asi-Manier haut die Band hier eine deftige Anarcho-Kante nach der nächsten raus, um jedoch bei so manchem Boogie-Rhytmus einfach nur das Gespür für tollen MOTÖRHEAD-Rock'n-Roll sprechen zu lassen (u.a. "Zum Kampf" , "Trinklied"). Leider ist nicht jeder Song von "Sich fügen heißt lügen" ein Volltreffer - speziell das quälend-öde "Bett aus Lehm und Jauche" ist einfach viel zu lang. Dagegen zeigen energische Wut-Granaten wie "Bürgers Alptraum" , "Seenot" , "Bauchweh" oder das unfassbar geile "Revoluzzer" (bohrende Systemkritik trifft auf Humor!) dem Hörer einfach nur, wie wertvoll Punkrock im Jahre 2012 sein kann. Der perfekte Soundtrack für die nächste Attac-Demo, Heiligendamm, Gorleben, das Hamburger Schanzenviertel am Maifeiertag, usw...ein Aufruf zur Solidarität, sich nicht von sogenannten Autoritäten unterkriegen zu lassen, allen Nationalisten in die Suppe zu spucken.
Noch Fragen ? Platte kaufen - Kopf einschalten! SLIME - herzlich willkommen zurück!


Clockwork Angels
Clockwork Angels
Wird angeboten von nagiry
Preis: EUR 5,75

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mäßig göttlich !!!, 30. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Clockwork Angels (Audio CD)
Auch wenn in den letzten 15 Jahren nicht jedes Album ein absoluter Volltreffer war...das kanadische Power-Trio RUSH ist und bleibt für mich die wichtigste und beste Rock-Band aller Zeiten. Größtes Markenzeichen der Herren Geddy Lee, Alex Lifeson und Neil Peart (neben ihrer sympathisch-bodenständigen Art) war schon immer die Mischung aus spielerischer Leichtigkeit und anspruchsvoller Finesse, so dass bisher jedes RUSH-Album als zeitloses, musikalisches Kleinod eine Empfehlung wert ist. Natürlich kann man Jahrhundert-Meisterwerke wie "Counterparts" , "Hold your fire" oder "Presto" (meine ewigen Top-3 in exakter Reihenfolge!) heutzutage nicht mehr sooo locker aus dem Ärmel schütteln. Die Vorfreude auf ein neues RUSH-Album ist bei der weltweiten Fangemeinde immer enorm groß - ebenso wie die Erwartungshaltung. Mit "Clockwork angels" haben sich die Kanadier diesmal ganze 5 Jahre Zeit gelassen, um einen ebenbürtigen "Snakes & arrows"-Nachfolger aus den Angeln zu heben.
Was ich nie für möglich gehalten hätte: Den ersten Durchlauf des taufrischen 66-Minüters fand ich alles in allem doch ziemlich ernüchternd...beinahe schon enttäuschend. Und selten musste ich mir ein neues RUSH-Album mit soviel Hingabe und Geduld erarbeiten. Doch nach konsequenter Dauerbeschallung - insgesamt 20 Durchläufe werden es wohl gewesen sein! - , kann ich besten Wissens uns Gewissens sagen, dass "Clockwork angels" erneut eine tolle Scheibe geworden ist, die jedoch an den magischen Geist der Alt-Klassiker (noch!) nicht heranreichen kann. Eindeutig Daumen hoch - mehr aber auch nicht!
Der 12-Tracker ist erwartungsgemäß vollgepackt mit Highlights und musikalischen Kabinettstückchen. Denn neben dem farbenfroh-variablen Gitarrenspiel und der energischen Schlagzeugarbeit, sticht diesmal vor allem das knarzige Bass-Spiel hervor, mit dem Geddy Lee seinen Status als Tiefton-Virtuose erneut bestens untermauert. Und dennoch haben sich mit "The wreckers" , "Wish them well" und dem merkwürdigen "Carnies" (im Chorus ziemlich schräg) einige Liedchen eingeschlichen, die im Gesamtkontext etwas untergehen...das abschließende "The garden" rauscht selbst nach dem x-ten Durchlauf noch kerzengrade an mir vorbei. RUSH machen hier eigentlich garnicht viel falsch, lassen aber letztlich den bissigen Drive oder die alles entscheidende Hookline vermissen. Solide, aber ohne den ganz großen Glanz!
Ungleich erfrischender ist dafür aber der Rest des "Clockwork angel"-Materials, der jeden Hörer dafür umso mehr umzuhauen vermag. "Halo effect" ist eine wunderschöne Wohlfühl-Nummer, die mit ihrer poppigen Akustik-Schlagseite stark an "Half the world" (von "Test for echo") erinnert. Die beiden Einpeitscher "Caravan" und "BU2B" sind jedem RUSH-Fan natürlich längst schon bekannt...hier kombinert das Trio hingebungsvoll Tradition und Moderne, und lässt es dabei überraschend heftig angehen. Überhaupt ist auffällig, dass die Scheibe insgesamt ziemlich "heavy" ausgefallen ist. Wo die meisten Rock-Dinosaurier sich im Herbst ihrer Karriere vor allem in watteweicher Altersmilde üben, haben Geddy Lee & Konsorten den harten, gebündelten Gitarren-Orkan wiederentdeckt. Gefällt außerordentlich!
Das über siebenminütige Titelstück ist ein typisch-verschachtelter Prog-Ohrwurm, der mit seinen Nostalgie-Riffing auch schon vor 25 Jahren zu den Höhepunkten gezählt hätte. Doch hier klingt nichts angestaubt oder altbacken - sondern einfach nur grenzenlos gut. Mit dem treibenden Gitarrenfeger "Headlong fight" (klasse!) steigern sich RUSH dann entgültig in Schwindel erregende Höhen...eben auf das wundersame Niveau, auf dem letztlich nur wahrhafte Musik-Götter agieren können. Und doch möchte ich zugeben, dass ich speziell mit diesem Song anfangs große Anlaufschwierigkeiten hatte. Jaja, der taube Rezensent liegt halt auch mal daneben.
Gänzlich treffsicher und unfehlbar sind hingegen zukünftige Live-Abräumer wie "The anarchist" und "Seven cities of gold", die ihren Reiz schon nach wenigen Sekunden entfalten. Ohne großes technisches Bohei punkten beide Songs durch ihren unverfälschten Rock-Spirit, dem man sich als glühender RUSH-Supporter unmöglich entziehen kann. Keine Frage: Klassikerwürdig!
Fazit: Mit dem neuesten Streich "Clockwork angels" gehen die sympathischen Kanadier ihren Weg unbeirrt weiter, um sich musikalisch irgendwo auf dem Niveau zwischen "Test for echo" und "Vapor trails" einzugruppieren. Kaum zu glauben wievel Frische und Enegie diese Band selbst nach über drei Jahrzehnten noch an den Tag legen kann. RUSH haben in fast jedem Song mehr Melodien zu bieten, als so manch andere hochgelobte Nachwuchs-Combo in ihrer ganzen Karriere auf die Kette kriegt. Dafür gebührt dem Trio der höchste Respekt. Unter dem Strich ist der 66-Minüter aber wohl ein ganz "normales" Prog-Rock-Album. Kein Meisterwerk - aber zum Glück auch keine Enttäuschung!


Phantom Antichrist
Phantom Antichrist
Preis: EUR 18,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Altenessen reloaded !!!, 23. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Phantom Antichrist (Audio CD)
Heutzutage kommt es immer seltener vor, dass man an einer Metal-Scheibe, die man als Hörer schon seit knapp 4 Wochen suchtartig "in sich aufsaugt", nicht mal einen kleinen Sekundenbruchteil der Spielzeit verändern möchte. Das jeder Akkord, jede einzelne Note, jede gottverdammte Textzeile punktgenau an der richtigen Stelle sitzt. Dass man schon beim ersten Durchlauf die glasklare Gewissheit hat, hier und jetzt einem zukünftigen Klassiker zu lauschen. Als Ohrenzeuge einer dieser ganz besonderen Momente, an die sich jeder eingefleischte Headbanger auch noch nach 20 Jahren erinnert...und die ihn am Leben halten.
Dem Ruhrpott-Quartett KREATOR reichen sportlich-schlanke 45 Minuten locker aus, um dem Metal-Jahr 2012 bereits im Juni die Krone aufzusetzen. Denn deren brandneuer Lonplayer "Phantom antichrist" ist nicht nur das bisher musikalischste Album der Band, sondern vor allem der in Stein gemeißelte Gradmesser, an dem sich die übrige Thrash-Metal-Opferschaft (weltweit!) zukünftig orientieren wird.
Normalerweise muss man an dieser Stelle nicht wiederholen, was eh schon jeder weiß: Mit musikalisch-unkaputtbaren Gewaltschlägen wie "Pleasure to kill" , "Extreme aggressions" oder "Coma of souls" haben sich KREATOR bereits vor Urzeiten ihren Platz in den Metal-Geschichtsbüchern gesichert. Mit großem Mut zu Experimenten folgten damals aber auch höchst umstrittene Scheiben wie "Renewal" , "Cause for conflict" oder "Endorama" (gehört bis heute zu meinen absoluten Faves!), mit der sich die Band auf eher gewagtem Terrain bewegte. Damals wollte man die stilstische Umtriebigkeit des Quartetts vielleicht nicht verstehen...und doch war jeder einzelne Schritt wichtig.
Es klingt beinahe schon abgedroschen: Aber mit den 10 Songs von "Phantom antichrist" ist den Herren Petrozza & Co. gelungen, sämtliche Vorzüge ihrer bisherigen Scheiben unter einen Hut zu bringen...sich selbst treu zu bleiben, bei der Fan-Basis für furiose Jubelstürme zu sorgen, und ihrem Sound dennoch eine reinigende Frischzellenkur zu gönnen. Den größten Qualitätssprung ist hier zweifelsohne in der enorm verbesserten Gitarrenarbeit zu finden, für die Prädikate wie "begnadet" oder "filigran" beinahe schon untertreibend beschrieben sind. Mit dem mehr als beeinruckenden Finnland-Import Sami Yli-Sirniö hat sich Mainman Mille Petrozza die Dienste eines echten Vollblutmuskers gesichert, der auf "Phantom antichrist" erstmals komplett "von der Leine gelassen" wird. Dadurch gewinnt jeder Song dieses 45-Minüters gleich mehrere Prozentpunkte hinzu...mit runtergeklapptem Visier, aber auf technischem Weltklasse-Niveau erinnern KREATOR dabei phasenweise an uralte NEVERMORE, dringen dabei aber niemals in überambitionierte Prog-Sphären vor. Wichtigste Grundzutat von Songs wie "Death to the world" , "Civilization collapse" , "Your heaven my hell" oder dem rasanten Titeltrack "Phantom antichrist" ist und bleibt die knallharte Thrash-Hasstirade, die auf den Hörer wie ein massiver Zementblock niederregnet. Jedoch klingen die Songs viel abwechslungsreicher, durchdachter, melodiöser, spannender, einfach besser...mit Laserzielfernrohr sitzt hier jeder Schuss punktgenau - und tötet auf Anhieb! Der Teufel sitzt im Detail und bereitet dem Hörer einen Mordsspaß. Denn zukünftige Gassenhauer wie "Victory will come" (geil!) , "United in hate" (geiler!) und "The few, the proud, the broken" (am geilsten!) können es nicht nur mühelos mit den bandeigenen Brachial-Klassikern aufnehmen, sondern sorgen auch spielerisch für Maulsperren. Ganz ohne Witz: In Punkto Songwriting waren KREATOR noch nie in sooo guter Verfassung. Und das soll mal was heißen...
Auffällig ist zudem, dass der Ruhrpott-Vierer teilweise recht getragen bzw. hymnisch zu Werke geht. So wären Songs wie das abschließende "Until our paths cross again" oder "From flood into fire" (sehr Band-untypisch!) auf einer uralten BLIND GUARDIAN-Scheibe wie "Tales from the twilight world" gewiss nicht undenkbar gewesen. Manch einem Nörgler werden die Refrains zu eingängg sein...mir persönlich gefällt diese neue Komponente jedoch ausgesprochen gut.
Fazit: Schon seit etlichen Jahren brüstet sich eine Band wie MACHINE HEAD stets damit, dass deren neuer Longplayer das "Master of puppets" des neues Jahrtausends sei. Mit prolliger Art beweihräuchert sich ein gewisser Robert Flynn in jedem Interview höchstselbst, raunzt bei jedem Konzert wie ein unmanierlicher Gossenjunge F-Wörter ins Mikrofron und lässt dabei sein arrogantes Rockstar-Image hochleben. Wenn's schon musikalisch nicht voran geht, dann tut man zumindest so. Traurig dabei, die Fans glauben es ihm! Die neue KREATOR-Langrille zeigt hingegen andrucksvoll, wen sich der Oakland-Vierer fortan mal als Beispiel nehmen sollte. Denn trotz allumfassender Brillianz ist das deutsche Thrash-Flagschiff am Boden geblieben, und lässt einfach nur musikalische Taten sprechen. "Phantom antichrist" ist bereits jetzt ein Klassiker des modernen Extrem-Metal, der tatsächlich das haushohe Potential hat, irgendwann mal an der Fassade von "Master of puppets" zu kratzen. Kurzum: Im Thrash-Metal-Genre ist damit in diesem Jahr alles gesagt. Waren KREATOR jemals besser?!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 30, 2012 4:54 PM MEST


Harmonicraft
Harmonicraft
Wird angeboten von Hausmusik
Preis: EUR 11,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rock-Wimmelbuch !!!, 20. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Harmonicraft (Audio CD)
So kunterbunt und quietschvergnügt wie auf dem coolen Cover-Artwork, genauso turbulent ist der Sound-Cocktail, den uns die US-Amerikaner TORCHE auf ihrem Album "Harmonicraft" - nunmehr der dritte Streich! - auftischen. Die Jungs aus dem "sunny state" Florida wollen sich musikalisch nicht festlegen, stecken nur kurz die Köpfe zusammen, um mitten im Songwriting-Overload ihre Instrumente einzustöpseln. Mit 13 Tracks in nur 38 Minuten demonstrieren TORCHE grenzenlose Kreativtät als höchstes Gut.
Wie soll man beschreiben, was mit Worten unmöglich zu beschreiben ist ?! Man werfe ein Sammelsurium toller Ideen in einen Topf, rühre eine knappe halbe Stunde gut durch, und presse das Ergebnis kurzentschlossen auf CD. Alles kann passieren - und Vieles passiert. Garantiert ist nur: Auf "Harmonicraft" ist Kurzweil geboten.
Größter musikalischer Enflussgeber des Quartetts sind zweifelsohne Alternative-Groove-Institutionen wie QUICKSAND und HELMET (vor allem!), die mit ihrem brachial-schrammeligen Garagen-Sound den Weg ebnen. Passenderweise kommt der TORCHE-Fronter Page Hamilton auch gesanglich ziemlich nahe...dies nur als Nebenvermerk. Klassischer Heavy-Metal der alten BLACK SABBATH-Schule trifft auf den sympathischen Anarcho-Charme von WARRIOR SOUL, deren Überalben "Lost decade, dead century" und "Salutations from the ghetto nation" schon damals durch heilsam-hypnotische Melodien zu punkten wussten. Grunge-Vergleiche werden auf "Harmonicraft" nicht plakativ als Schimpfwort verwendet, sondern beziehen sich auf die Scheiben vor (!) dem Sell-out...speziell "Badmotorfinger" (SOUNDGARDEN) und "Bleach" (NIRVANA). Krachendes Noise-Flair leiht man sich von SONIC YOUTH. Knapp neunzigsekundige Hardcore-Brecher gehen glasklar als Reminiszenz zu uralten FUGAZI durch. Poppige Ohrwurm-Refrains á la BIFFY CLYRO? Ja, haben wir! Schluffige Doom-Anleihen? Ebenso! Knorriges Stoner-Feeling? Et voilá! Kurzum: Hier gibt es nichts, was es nicht gibt!
Der vorliegende 38-Minüter startet mit dem Song-Doppel "Letting go" und "Kicking" geradezu furios, gönnt sich in der Album-Mitte eine kurze Schaffenspause (die eher verzichtbaren "Snakes are charmed" und "Sky trials") , ehe die randvoll gefüllten Muskerhirne bei den letzten 5 Nummern mit voller Kraft zurückschlagen.
Für jeden Fan harter Rockmusik das höchste aller Gefühle: Das lässige "Kiss me dudely" mit seinem unwiderstehlichen Gitarren-Roar am Schluss..."Reverse inverted" hakt mit tollen Melodien beim Hörer immer wieder nach...mit "Looking on" und "Solitary traveler" (göttlich!) bieten TORCHE melancholisch-relaxten Doom-Tagträumer-Sound zum Dahinschmelzen...und das eher gradlinige "Skin moth" ist dafür der größte Alternative-Ohrwurm der Platte. Noch Fragen ???
Selbst nach dem zwanzigsten Durchlauf hat sich "Harmonicraft" die Höchstnote mehr als verdient. Denn nach dem Hit ist vor dem Hit! Harmonisch, kraftvoll, außergewöhnlich!
Kommentar Kommentare (13) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 18, 2013 7:55 AM CET


Odalheim
Odalheim
Preis: EUR 14,37

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Schwert mit zwei Klingen !!!, 19. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Odalheim (Audio CD)
"It's the end of the world as we know it!" sang der olle Michael Stipe anno dunnemals in einem der wohl bekanntesten R.E.M-Songs, und hatte mit dieser Zeile vielleicht klammheimlich Situationen wie diese gemeint: Der Metal-Fan legt das neue Album einer Band in den CD-Schacht, deren musikalisches Konzept er schon seit 20 Jahren in- und auswendig zu kennen glaubt. Hier weiß er schließlich was er bekommt...und er freut sich drauf. Doch sobald die ersten Töne aus den Boxen preschen - der Überraschungsmoment! "Huch, das klingt ja auf einmal ganz anders. Ist das jetzt gut oder schlecht?!"
In der Tat muss man den Stockholmer Death-Metal-Urviechern UNLEASHED zuschreiben, dass sie ihren typischen Wikinger-Sound an einigen Ecken und Enden runderneuert haben, und einem die klassischen Vergleiche zu alten Scheiben wie "Shadows in the deep" , "Across the open sea" , "Sworn allegiance" oder "Midvinterblót" nicht mehr sooo oft über die Lippen gehen. Teilweise geht die Band um Frontmann Johnny Hedlund sogar noch einige Schritte weiter, denn mit dem taufrischen Longplayer "Odalheim" schlägt das Quartett eine große Brücke in die vergiftetsten Black-Metal-Dickichte Schwedens. Der 43-Minüter ist damit nicht nur eines der aggressvisten und schnellsten UNLEASHED-Alben überhaupt, sondern sicherlich auch eines der außergewöhnlichsten. Wutschnaubende Songs wie der geile Opener "Fimbulwinter" (das Highlight gleich zu Beginn!) , "Odalheim" und "White christ" wühlen knietief in der NECROPHOBIC / UNANIMATED-Kiste, und stellen die eigene Wikinger-Vergangenheit eher ins musikalische Abseits. Statt saftig-stampfendem Mid-Tempo sucht die Band ihr Heil in rasenden Riffgewittern, die aber jederzeit auch mit kalten Melodien aufwarten können. Gleichzeitig versucht sich Mikrophon-Hüne Johnny Hedlund desöfteren als krächzender Schwarzmetal-Keifer, wobei seine typischen Growls dennoch immer noch klar in der Überzahl sind.
Mit dem wüst galoppierenden "The hour of defeat" gießen UNLEASHED dann Wasser auf die Mühlen der Die-hard-Fans...denn schließlich handelt es sich hier abermals um die kultige Anlehnung an das altbekannte "Before the creation of time"-Thema, das man auf dem Vorgänger "As yggdrasil trembles" schmerzlich vermisst hat. Und wie klingt das Ganze bis hierher ? Leider geil !!!
Der erwähnte Black-Metal-Anstrich fällt keinerzeit negatv ins Gewicht. Im Gegenteil - diese Weiterentwicklung macht durchaus Sinn! Bedauerlich an diesem 11-Tracker ist hingegen, dass das Songwriting selbst zum größten Problem wird. Und hier zeigen UNLEASHED teilweise kaum geahnte Schwächen. "By celtic and british shores" , "Gathering the battalions" , "Vinland" , "Rise of the maya warriors" und "The soil of our fathers" (besonders schwach!) fallen nicht nur im Vergleich zu den genannten Highlights merklich ab, sondern sind auch alles in allem eher biedere Todesblei-B-Klasse. Ein gutes Riff hier, eine schöne Melodie dort , irgendwann mal ein cooler Chorus...insgesamt bietet die Band hier aber durchschnittlichen Songwriting-Wust, der alten Klassikern wie "The immortals" , "The longships are coming" oder "Long live the beast" nur selten Paroli bieten kann. Mit dem tollen "Germania" (stark!) können sich UNLEASHED zumindest am Ende nochmals aufbäumen, ehe das Niveau mit dem abschließenden "The great battle of odalheim" wieder etwas abflacht.
Und woran liegt's ? Als langjähriger Fan dieser Band habe ich das Gefühl, dass auf "Odalheim" leider vor allem das textliche Konzept im Vordergrund stand. Auf futuristische Nordmann-Märchen mag nun stehen wer will...ich selber kann auf solche Inhalte dankend verzichten, wenn dafür die Musik stimmt. Besonders auffällig: Sich ständig wiederholende Schlachten-Vokabeln gab es bei UNLEASHED zwar schon immer, aber während der 43 Minuten wird diesmal wirklich deutlich übertrieben. Mein Gedanke zwischendurch: "Ey man, wie oft will der Typ denn nun noch "Rise odalheim" oder "March warriors" gröhlen? Ich habs langsam echt begriffen!".
Fazit: Die neue UNLEASHED-Langrille ist eine Scheibe mit viel Licht und Schatten. Als Todesblei-Fan muss man "Odalheim" natürlich trotzdem haben. Und sooo sehr ich diese Band seit fast zwei Jahrzehnten liebe...ein Ergebnis von 3 Sternen tut mir echt in der Seele weh.


Carved Into Stone
Carved Into Stone
Preis: EUR 18,27

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Brandheiss serviert !!!, 12. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Carved Into Stone (Audio CD)
Ach herrje, wie schnell die Zeit doch vergeht. Kaum zu glauben dass das letzte PRONG-Album "Power of the damager" auch schon wieder fünf Jahre auf dem Buckel hat. Denn während sich musikalische Randerscheinungen wie Metalcore , Emo, Djent oder Mathcore mehrheitlich immer größerer Beliebtheit erfreuen, muss man sich beinahe schon fragen, ob der Sound dieser Band heutzutage überhaupt noch zeitgemäß ist. Vor fast zwei Jahrzehnten waren Tommy Victor und seine Schergen eine der einflussreichsten Bands der gesamten Szene, der mit ihrer Melange aus beinhartem Thrash, Hardcore und mechanischem Riesen-Groove Tür und Tor offen stand. Der große Erfolg blieb aber aus. Schlimmer noch: Im Laufe der Zeit wurden PRONG unrelevant - sie spielten auch in den Köpfen der Fans einfach keine Rolle mehr. Wird die neue Scheibe "Carved into stone" also im Jahre 2012 überhaupt noch gebraucht?!
Eine böse Vorahnung, die aber bereits nach den ersten Takten des superben Openers "Eternal heat" sofort wieder verfliegt. Denn das brachiale US-Trio setzt stilistisch einfach an der Stelle an, bei der sie auf "Power of the damager" aufgehört haben. Tommy Victor & Co. trümmern unbedacht drauflos, ohne ihren typischen Sound auch nur ansatzweise zu "verfälschen". Moderne Einflüsse sind nicht erwünscht...dafür regiert hier einmal mehr die unbarmherzige Groove-Maschine!
Neue Songs wie "Reinvestigate" , "State of rebellion" , "Ammunition" oder das bereits erwähnte "Eternal heat" sind tolle Beispiele für eine rundum gelungene PRONG-Werksschau. Knackige Riffs...pumpende Bassläufe...ein ackernder Schlagzeuger ohne Chill-Modus...und dazu rotzt Mainman Tommy V. erneut mit seiner prägnanten Stimme über alle Hörerköpfe hinweg. Jawoll, so kennt man diese Band - und so mag man sie. Mit den unnachgiebig zappelnden "Keep on living in pain" und "Revenge...best served cold" (saugeil!) bewegen sich PRONG in Schlagweite zu eigenen Hits wie "Unconditional" , "Beg to differ" , "Controller" oder "Whose fist is this anyway?", und sollten somit auch zukünftig wieder auf allen Metal-Tanzflächen der Republik für kollektives Ausrasten sorgen.
Und auch wenn der gewohnte PRONG-Qualitätsstandard hier schon recht hoch liegt...meine persönlichen Lieblingssongs dieses 11-Trackers sind andere: Der famose Titeltrack "Carved into stone" schlängelt sich im langsamen Mid-Tempo durch die Lautsprecherboxen, schraubt sich aber dann im Refrain (mit waschechten TYPE O' NEGATIVE-Backings!) zu einer geilen Mitsing-Hymne empor. Das straighte "Put myself to sleep" gewinnt hingegen durch seine gutlaunige Punk/Hardcore-Schlagseite. Wertvollster Anspieltipp des 42-Minüters ist allerdings der etwas verstörende Riff-Ohrwurm "Path of least resistance", bei dem Fronter Tommy Victor seinen großen Auftritt hat. Mit seinen heiser gegröhlten, teils flüsternd gehauchten, dann melodiösen Vocals setzt der Mann hier ein riesiges Ausrufezeichen! Auch soundtechnisch sorgt "Carved into stone" für große Verzückung. Die oftmals klinisch-sterile Ausrichtung der Frühwerke (u.a. dem "Cleansing"-Longplayer) ist einer warmen Produktion gewichen, bei der das Zuhören doppelt Spaß macht.
Alles gut also ??? Leider nicht! Denn Abzüge in der B-Note handelt sich das Trio mit dem langweiligen "Subtract" ein, das selbst nach dem x-ten Durchlauf größter Anwärter auf die "Skip"-Taste ist. Und auch die hundsgemeine Thrash-Attacke "List of grievances" (passt schon!) hätte in dieser Form wohl doch besser auf das letzte EXODUS-Album gepasst.
Fazit: Wann auch immer PRONG mit einer neuen Scheibe um die Ecke kommen, wird das Dreizack-Trio sich an ihrem eigenen Band-Katalog messen lassen müssen. "Carved into stone" schneidet im Direktvergleich zu Meisterwerken wie "Cleansing" , "Prove you wrong" oder "Rude awakenings" (auf immer und ewig ein Favorit meiner persönlichen Alltime-Top-5) garnicht sooo schlecht ab, muss sich aber erwartungsgemäß eher mit einem der hinteren Plätze zufrieden geben. Richtungsweisend ist dieses Album gewiss nicht. Wenn aber trotzdem jemand fragen sollte, wer zum Kuckuck diese Band überhaupt braucht, dann werde ich vehement den Arm heben!


Negative Black
Negative Black
Preis: EUR 19,98

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit allen Sinnen genießen !!!, 10. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Negative Black (Audio CD)
Vorhang auf fürs Dröhn-Kommando !!! Direkt aus den tiefen Niederungen des Mannheimer Molochs schenken uns die Sludge/Drone/Doom-Emporkommlinge von BLACK SHAPE OF NEXUS das wohl gemeinste Album des laufenden Jahres. Für alle lärmophilen Soundliebhaber ist "Negative black" natürlich Grund genug, sofort das gute Geschirr aus dem Schrank zu holen und sich eine Serviette umzubinden. Denn manchmal kann 80 Minuten "Dreck fressen" auch ein kulinarischer Gaumenschmaus sein. Und der Dreck wird hier gleich schaufelweise tischfertig serviert!
Guter Tipp gleich zu Beginn: Wenn man als neutraler Rock/Metal-Hörer nicht unbedingt ein Faible für noisige Feedback-Orgien hat, dann sollte man Song Nr. 1 ("Illinois") am besten gleich überspringen. Denn trotz seiner lärmigen Faszination - eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt ist dagegen pure Erholung! - stellt der Opener ganz klar die (einzige!) Schwachstelle eines Albums dar, das alle Fans von YOB , EYEHATEGOD , KHANATE , OMEGA MASSIF bis ELECTRIC WIZARD abgöttisch lieben werden.
In zumeist ellenlangen Songaufbauten schlurfen B.SON durch finstere, nass-kalte Kellergewölbe, und bewegen sich stets am äußersten Rand des musikalisch Machbaren. Die dabei ausgebrüteten Sound-Monster hören auf kryptische Titel wie "400H" , "14d" , "600 WV" oder "10000 µF", sind aber derart hingebungsvoll gespielt, dass die 80minütige Spielzeit von "Negative black" insgesamt sogar verdammt kurzweilig ist. Wichtigstes Patentrezept sind hierbei unüberhörbar die schrammelnden Zeitlupen-Riffs, die jeden Ansatz von kommerziellem Songwriting vollauf zermürben. BLACK SHAPE OF NEXUS sind die Verneinung des Mainstreams...der komplette Gegenpol zu Geldmacherei , seelenloser Plastik-Mucke und allen überambitionierten Chart-Gedanken. Darüber hinaus ist "Negative black" ein Musterbeispiel für authentischen Underground-Spirit, der speziell im zähen Sludge/Doom-Genre noch wirklich zu 100% gelebt wird.
Alle Songs dieses 7-Trackers spielen sich ausnahmslos im behäbigem Laaaangsaaaam-Tempo ab, bringen aber trotz aller Monotonie immer wieder entscheidende Wendungen hervor, ohne dabei aus dem eigenen Korsett auszubrechen. Die Gitarristen sind dabei die Anheizer eines gigantischen Dezibel-Krieges, bei dem es an allen Fronten dröhnt , fiept , scheppert und übermächtig groovt. Für viele ist es einfach nur ohrenfeindlicher Krach , für die anderen kreieren BLACK SHAPE OF NEXUS jedoch einige der beeindruckensten Sludge/Drone-Songs seit Menschengedenken. Der Schlagwerker zockt vornehmlich im simplen Minimal-Drumming, ist aber punktuell - wie beim alles überragenden "10000 µF" - auch rhytmischen Akzenten nicht abgeneigt. Gesanglich gibt es hingegen die volle Breitseite aus Gegröhle , markerschütternden Growls und Pig-squeels. Alles, nur nicht angepasst!
Mit dem chilligen Stroner-Instrumental "RMS" bekommt der Hörer zwischendurch Zeit zur Entspannen - die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Denn spätestens beim abschließenden Titelsong flattern die Nerven wieder in bedrohlicher "Hab acht!"-Manier. Ein 22minütiger Drone-Koloss ohne Raum für positive Gedanken, der erst gegen Ende überraschend in Wallung kommt. Well done, Jungens!
Fazit: BLACK SHAPE OF NEXUS sind gewiss nicht jedermanns Sache. Um im kaputten Sound dieses Mannheim-Sextetts wirklich Fuß zu fassen braucht man Nerven aus Stahl, Ohren aus Granit...außerdem ein großes Herz für rohe, durch und durch glaubhafte Underground-Mucke. Der Rest kommt dann von ganz alleine. Von mir gibt's an dieser Stelle die Höchstnote - bedingungslos und von Sinnen!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 6, 2012 4:16 PM MEST


Tragic Idol
Tragic Idol
Preis: EUR 8,49

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf zu alten Ufern !!!, 3. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Tragic Idol (Audio CD)
Jessas, haben wir hier neuerdings etwa Jungbrunnen-Wochen ??? Es ist schon auffällig, dass in diesem Jahr bisher vor allem die Bands groß auftrumpfen, die ihre jeweiligen Genres bereits in Gründertagen entscheidend mitgeprägt haben. Neben ACCEPT ("Stalingrad") , ASPHYX ("Deathhammer") , OVERKILL ("The electric age") und CANNIBAL CORPSE ("Torture") kann die Metal-Hörerschaft nun auch die britische Gothic/Doom-Institution PARADISE LOST in aller stärkster Form erleben. Endlich wieder! Zwar waren die direkten Vorgänger "Paradise lost" , "In requiem" und "Faith divides us, death unites us" alles andere als schlecht - das von den Fans sehr kritisch beäugte "Symbol of life" enthält sogar einige der schönsten Melodien der gesamten Bandkarriere! - , aber eine derart überzeugende Rückkehr zu alten Glanzzeiten hat insgeheim wohl niemand mehr erwartet.
Der größte Pluspunkt des neuen 10-Trackers "Tragic idol" ist schnell gefunden: PARADISE LOST halten sich mit musikalischen Experimenten merklich zurück, und orientieren sich während der 46 Minuten mehr denn je "back to the roots". Der Zeit der halbgaren Darkwave/Elektronik-Gehversuche wird dabei keines Blickes gewürdigt...stattdessen ist das Quintett von der Insel endlich wieder auf der Suche nach der alles entscheidenden Übermelodie! Kein Zweifel, melancholische Doom-Schmankerl wie "Crucify" , "The glorious end" , "Honesty in death" , "Worth fighting for" , "Solitary one" (trostlos brillianter Opener!) oder "In this we dwell" hätten vor knapp 15 Jahren auch auf den Meisterwerken "Icon" und "Draconian times" stehen können. Und wie ein jeder weiß: Ein größeres Lob kann man PARADISE LOST eigentlich nicht aussprechen.
Die Songs verlieren sich nicht länger im aufgeweichten, konturlosen Dark/Rock/Pop-Irgendwas...jedes überflüssige Drumherum wurde ausgespart...dafür zwingen die harsch-hymnischen SloMo-Riffs den geneigten Hörer unweigerlich auf die Knie, um dann im nächsten Moment eines dieser glänzenden Gitarren-Leads in sich aufzusaugen, für die die beiden Axtschwinger eigentlich heilig gesprochen werden müssten. Vor allem Gregor Mackintosh hört man die aufblühende Spielfreude jederzeit an. Dem guten Mann hat sein Death-Metal-Projekt VALLENFYRE wohl wieder richtig Auftrieb gegeben, und als bissigen Songwriter zurück in die Spur geführt. Die Freude zur musikalischen Galligkeit wird u.a. durch das brettharte "Theories from another world" (mit hypnotischen Schluss-Riff!) dokumentiert, das auf jedem anderem der neueren Longplayer wohl noch undenkbar gewesen wäre. Passenderweise wurden die Gitarren (viel Moll-lastiger als zuletzt!) diesmal auch massiv runtergestimmt, so dass der Sound von "Tragic idol" nicht selten an selige "Shades of god"-Zeiten erinnert. Fein gemacht!
In Punkto Gesang kann Frontmann Nick Holmes überdies wieder sein volles Repertoire abrufen, um den intensiven Album-Highlights "To the darkness" , "Tragic idol" und "Fear of impending hell" (stehen allesamt gleichberechtigt neben Hits wie "True belief" , "As I die" oder "Forever failure") Leben einzuhauchen. Der Wechsel aus Clean-Vocals und rauhem, hartem Metal-Shouting sitzt erneut bis aufs I-Tüpchelchen, wobei die stimmliche Nähe zu James Hetfield (METALLICA) nach wie vor gegeben ist. Stets solide!
Fazit: Für PARADISE LOST-Fans der ersten Stunde ist das neue Album "Tragic idol" der sprichwörtliche Balsam für die Seele. Denn was der Großteil der Hörerschaft nicht für möglich gehalten hat, ist nun doch tatsächlich eingetreten. Die alten Gothic/Doom-Helden haben ihre eigene Vergangenheit mustergültig aufgearbeitet, alle Nebengeräusche ausgeblendet, und platzieren sich punktgenau zwischen den eigenen Alltime-Klassikers "Icon" und "Draconian times". Ein fantastisches Album mit enormem Tiefgang, das im Jahr 2012 noch für berechtigte Furore sorgen wird. Und wer dies exakt so vorhergesehen hat, der lügt!
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 1, 2012 10:20 AM MEST


The Electric Age
The Electric Age
Preis: EUR 17,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geil nachgelegt !!!, 23. April 2012
Rezension bezieht sich auf: The Electric Age (Audio CD)
Vor einigen Tagen habe ich auf einem speziellen Metal-Internet-Portal eine negative Kritik zum aktuellen OVERKILL-Longplayer "The electric age" gelesen, die mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Das Urteil des Rezensenten war absolut vernichtend und endete mit der finalen Schlussbemerkung "Erbärmlich!". Nun sind Geschmäcker ja grundsätzlich verschieden - und das ist auch gut so. Trotzdem frage ich mich bis heute, ob der Verfasser dieser Online-Kritik einfach die falsche Scheibe im CD-Player hatte. Denn bei aller Liebe: Sorry, aber hier muss ein grundsätzliches Missverständnis vorliegen!
Richtig ist, dass die NYC-Metaller um Frontsirene Bobby "Blitz" Elsworth ihren sagenhaften Vorgänger "Ironbound" diesmal wohl nicht toppen konnten. Dies wäre aber auch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, da OVERKILL mit jenem Album eines der geilsten Thrash-Langeisen der letzten 15 Jahre vorgelegt haben, das sich eben nicht "mal so locker im Vorbeigehen" übertrumpfen lässt. Und trotzdem fällt die Gesamtbilanz von "The electric age" alles andere als erbärmlich aus...soviel ist bereits nach den ersten Hördurchläufen sicher.
Rabiate Thrash/Speed-Metal-Geschosse wie "Wish you were dead" , "21st century man" , "Save yourself" , "Electric rattlesnake" oder der formidable Opener "Come and get it" lassen nämlich keinerlei Zweifel aufkommen, das OVERKILL selbst nach 30jähriger Bandkarriere - dass muss man sich wirklich mal vor Augen führen! - immer noch verdammt hungrig sind. Die kantigen Riffs knallen knackig-fett aus den Lautsprechern, und transportieren dabei aber jederzeit ein gewisses Punk-Feeling. Vor allem auch die Balance zwischen heftigen Haudrauf-Parts, feinen Melodiebögen und rotzigen Sechssaiter-Soli lässt den Schluss zu, dass die beiden Gitarristen hier mittlerweile zu einer echten Einheit zusammengewachsen sind. Wünschenswert wäre es, wenn die ewigen Line-up-Wechsel von nun an endgültig der Vergangenheit angehören würden. Die Rhythmus-Fraktion "pumpt" dabei ohne Ende, um selbst das kleinste Sound-Loch vorschnell "dichtzuballern". Und als omnipräsenter Band-Motor liefert Bobby "Blitz" Elsworth erneut eine absolut tadellose Vorstellung ab, mit der er sich gesanglich am Glanz der früheren Tage (u.a. "Feel the fire" , "Taking over") problemlos messen kann. Und was sagt uns das ? Metal hält jung - und die alten Herrschaften mischen die weitaus jüngere Szene-Konkurrenz immer noch mächtig auf!
Mit der stampfenden Hymne "Black daze" nimmt sich das Quintett tempomäßig etwas zurück, um dabei der eigenen Mid-Neunziger "I hear black"-Phase zu huldigen. Durch ein ruhiges Akustik-Intro wird der Hörer bei "Good night" erstmal auf die falsche Fährte geführt, ehe der Song sich dann doch zu einem reinrassigen OVERKILL-Banger emporschwingt. Weniger überzeugend wirkt dagegen "Old wounds, new scars" (einziger Durchhänger!), das mit seinen arg bemühten Gesangslinien doch eher zur Geduldprobe wird. Doch wen interessiert das schon, wenn einem als musikalischer Ausgleich die beiden superben "Drop the hammer" (reine Riff-Magie!) und "All over but the shouting" (fantastischer Chorus!) um die Ohren geknallt werden, mit denen der NYC-Fünfer dem Ruf als eine der beständigsten Thrash-Instutitionen der Jetzt-Zeit mehr als gerecht wird. Hier gibt es alles was das headbangende Herz begehrt: Spielfreude , Frische , Energie , gekonnte Tempowechsel...und und und.
Fazit: Mit dem rasanten 10-Tracker "The electric age" zelebrieren OVERKILL rootstreuen, packenden Thrash-Metal in seiner reinsten Form. Kaum zu glauben, aber vor ein Paar Jahren - bei einer Vielzahl durchschnittlicher Releases! - hätte ich keinen Pfifferling mehr auf diese Band gewettet. Mittlerweile ist die musikalische "Saure-Gurken-Zeit" aber längst wieder passé. Dieser 50-Minüter kickt von der ersten bis zu letzten Sekunde, und steht alles in allem nur wenige Stufen unter dem meisterlichen Vorgänger "Ironbound". So darf's gern weitergehen. "The electric age" ist in diesem Jahr ein unbedingtes must-have" !!!


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