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Rezensionen verfasst von
kwichybo "Jörn M." (Nürnberg)

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iamthemorning
iamthemorning

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn Worte nicht ausreichen !!!, 10. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: iamthemorning (Audio CD)
Meeresrauschen, tosender Wind, Möwengeschrei, brechende Wellen und der Geruch von Salz in der Luft...atmosphärischer kann dieses musikalische Kunstwerk nicht beginnen. Die Debütscheibe des russischen Wunder-Duos IAMTHEMORNING trägt den recht sonderbaren Titel "~" und hat zum jetzigen Zeitpunkt bereits einige Monate auf dem Buckel. In Deutschland wird die Scheibe lizensiert durch das mittelfränkische Underground-Label "Beste!Unterhaltung" - eine ziemlich unbekannte Plattenfirma, die bei mir schon mit mehreren herausragenden Releases (u.a. von den Nürnberger Folk/Americana-Instrumentalisten SUTCLIFFE) punkten konnte. Guter Geschmack, Weltoffenheit und das eine oder andere musikalische Experiment gehören hier ganz offensichtlich zur Label-Philisophie. Dies aber nur am Rande...
"Der erste Hördurchlauf gleicht einer totalen Ohnmacht. Dieses unbeschreibliche Gefühl, Musik zwar mit beiden Ohren zu hören, aber die Großartigkeit (...) nicht mal ansatzweise zu begreifen. Es sind diese 55 Minuten die dein Leben verändern können.". Dies waren die einleitenden Worte zu meiner erst kürzlich geschriebenen "Belighted"-Rezension...dem zweiten Album von IAMTHEMORNING aus St. Petersburg. Eher zufällig war ich auf diese Scheibe gestoßen, und der Bandname sagte mir bis dato rein gar nichts. Was für ein Glücksgriff! Mit ihrer aufwühlenden, innerhalb weniger Sekunden alle Herzen brechenden Melange aus Prog-Rock, Jazz, Klassik und balladeskem Pop haben mich die beiden Protagonisten dermaßen begeistert, dass ich mir den bisher unbekannten Vorgänger sofort bestellen musste - koste es was es wolle. Das tollste daran: In ihrer allumfassenden Brillianz unterscheiden sich beide Alben tatsächlich nur in minimalen Nuancen, so dass IAMTHEMORNING innerhalb weniger Wochen zu den beiden Bands aufgeschlossen haben, die bei mir seit etlichen Jahren unangefochteten Gottstatus genießen - nämlich die Prog-Kanadier RUSH sowie die DAVE MATTHEWS BAND. Willkommen im Club der musikalischen Großmeister!
Wie beim Nachfolger "Belighted" sind alle Augen bzw. Ohren auf die kongeniale Fusion aus Klavier und weiblichem Gesang gerichtet. Das Duo Gleb Kolyadin/Marjiana Semkina hat dabei eine beachtliche Schar Gastmusiker um sich versammelt - insbesondere klassische Instrumente wie Cello, Violine! - , die den technisch versierten Prog-Rock absolut perfekt abrunden, und beim Hörer nachhaltig die Spannung am oberen Limit halten. Von den 18 Liedern in 50 Minuten darf man sich nicht blenden lassen...denn neben den "echten" Songs steht eine Vielzahl musikalischer Zwischenspiele, die praktisch nur Überleitungscharakter haben - sie sogenannten "Intermissions".
Und wie klingen IAMTHEMORNING eigentlich?! Nun, man fühlt sich an formidable TOMI AMOS-Meisterwerke wie "Boys for Pele" , "Songs from the choirgirl hotel" und "The beekeeper" erinnert, die den Hörer sofort und widerspruchslos mit auf die Reise nehmen, um dann auf dem quietschlebendigen PORCUPINE TREE-Rummelplatz eine viel umjubelte Extrarunde zu drehen. Das künstlerische Zusammenwirken aus Härte, Finesse und purem Gefühl...die unmittelbare Verbindung aus Herz und Hirn sowie Körper und Geist. Dabei ist es ganz egal welchen Song man sich herauspickt: Der lässige Piano-Groover "Wheather changing" (diese Violine!) versprüht unverwechselbare DAVE MATTHWES BAND-Vibes...das komplett unbritische "Scotland" kredenzt dem Hörer im Nachgang eine gesunde Portion Bösartigkeit..."Touching pt. 2" wird durch ein plötzliches Cello-Break atmosphärisch nahezu zerrissen...poppig angehauchte Nummern wie "Circles" , "Afis" und "Would this be" öffnen selbst dem gefühllosesten Skeptiker sofort das Herz..."Inside" (mit orientalisch-stampfendem Mittelteil) ist eine Traumreise par excellance...das wundervolle "I.b. too" mündet am Ende im vertrackten Prog-Feuerwerk...und gottgleiche, sich praktisch sekündlich weiterentwickelnde Songs wie "Serenade" , "Monsters" und "Burn" (mit der spielerischen Leichtigkeit eines DMB-Live-Konzerts!) sorgen einfach nur für Sprachlosigkeit und sind somit nichts anderes als die musikalische Blaupause für ein besseres Leben. Gänsehaut, das Funkeln in den Augen, Freudentränen, pure Euphorie. Ein 50minütiger Höhepunkt, der selbst nach dem zwanzigsten Durchlauf noch wächst. Mit zauberhaften Melodien, die mich jede Nacht bis tief in den Schlaf verfolgen. Das sind IAMTHEMORNING aus St. Petersburg!
Meeresrauschen, tosender Wind, Möwengeschrei, brechende Wellen und der Geruch von Salz in der Luft...atmosphärischer kann dieses musikalische Kunstwerk nicht enden.


Das Nation
Das Nation
Preis: EUR 17,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Willst du das sie tobt - willst du das sie tobt ???, 21. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Nation (Audio CD)
Achtung: Dieses Album kann Spuren von Schwachsinn enthalten! Auch auf ihrer neuen Full-lenght-Scheibe "Das Nation" (nunmehr der dritte Streich!) machen die deutschen Noiserock/Hardcore-Hopefulls DYSE vor nichts und niemandem Halt...noch nicht mal vor der falschen Verwendung bestimmter Artikel! Erneut werden mindestens 95% aller Ottonormalhörer dieses Stück dreckiger Lärmkultur zum Teufel wünschen oder am besten sofort links liegen lassen. Mir ist das total egal, da ich mich ganz klar zur verschwindend geringen Minderheit der Fünfprozenter zähle, die den neuen DYSE-Drittling - wie auch die beiden Vorgänger "Dyse" und "Lieder sind Brüder der Revolution" - gnadenlos gut finden!
Erwartungsgemäß macht dieses unverwüstliche Groove-Duo es dem Hörer alles andere als einfach, Zugang zur Musik zu bekommen. Am einfachsten geht dies für gewöhnlich über die Texte - zumindest bei allen anderen Bands des Universums! Die DYSE-Lyrics sind aber erneut derart merkwürdig ausgefallen, dass ich mir jedes mal ernsthaft die Frage stelle, ob hinter diesen an puren Nonsens grenzenden, aus jedem Kontext gerissenen Satzkonstruktionen überhaupt irgendein tieferer Sinn steckt. In ihrer wirren Unberechenbarkeit sind die Texte (oft auch mehrsprachig!) aber auch einfach nur ein unverzerrtes Spiegelbild der Musik, die der neue 10-Tracker "Das Nation" zu bieten hat. Wie ein Autounfall, bei dem man selbstverständlich nicht wegschauen kann!
Während der 45minütigen Spielzeit mischen DYSE zum wiederholten male alles zusammen, was eine wahnwitzige Radau-Scheibe ausmacht. Und wenn es für den Sound des Gitarren/Schlagzeug/Gesang-Duos überhaupt ein entscheidendes Schlagwort gibt, dann trifft es der Oberbegriff "Groove" (!!!) wohl am besten. Hier sind zwei positive Verrückte massig auf Krawall aus und ziehen eine knappe Dreiviertelstunde lang jedem Fan von HELMET , SHELLAC , early PRIMUS den noisigen THERAPY? und BEEHOVER ohne Widerspruch den Scheitel grade. Mit "Dysenation" und "Sie ist Maschin" gehen der Band zum Albumschluss die zwingenden Ideen etwas flöten...und mit dem unzumutbar nervigen "Out ot tune" (das müssen doch die Frankfurter A.O.K. sein?!) befindet sich sogar ein kompletter Totalausfall auf der Platte. Schade, denn angesichts der restlichen Nummern wären die 5 Sterne locker drin gewesen.
Auf Songs wie dem Opener "Waldbart" , dem alle Dämme brechenden "Spinne" , "Reudikamm" oder der hundsgemeinen Brutalo-Nummer "Nackenöffner" zünden DYSE ein heillos lärmiges, bitterböse auf den Punkt gezocktes Groove-Feuerwerk ab...in purer Ekstase endende Sound- Anarchie, bei der der Hörer unmöglich still sitzen kann. Hier und da kommen aber auch immer wieder getragene Passagen zum Vorschein: Das tolle "Die Ai Wei" nimmt im Mittelteil ordentlich an Spannung zu, während die mit maritimen Motiven spielende Vorabsingle "Hans" beinahe schon ein latentes RAMMSTEIN-Flair versprüht. Herausragend!
Als Schlussfazit kann man nur festhalten, dass DYSE dem laufenden Jahr 2014 einen sympathischen Farbtupfer hinzufügen, welcher "Das Nation" heuer zu einer der eigenwilligsten aber auch coolsten Scheiben macht. Bescheuerte Texte hin, geniale Musik her - diese sonderbare Band sollte jeder mal anchecken!


Belighted
Belighted
Preis: EUR 13,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Erleuchtung !!!, 21. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Belighted (Audio CD)
Der erste Hördurchlauf gleicht einer totalen Ohnmacht. Dieses unbeschreibliche Gefühl, Musik zwar mit beiden Ohren zu hören, aber die Großartigkeit des IAMTHEMORNING-Zweitwerks "Belighted" nicht mal ansatzweise zu begreifen. Es sind diese 55 Minuten die dein Leben verändern (können). Die das mit Volldampf auf die Ziellinie zulaufende Jahr 2014 - so schlecht es für so manchen auch gewesen sein mag - doch noch zu einem grandiosen Abschluss bringen. Mein erster Gedanke: Der kluge Kopf, der sich vor etlichen Jahren mal die Genre-Bezeichnungen "Art-Rock" und "Prog-Rock" ausgedacht hat, muss dieses Album im Hinterkopf gehabt haben. Denn selbst wenn die rockigen, von harschen Stromgitarren dominierten Momente klar im Hintergrund stehen...dieses knapp einstündige Wunderwerk ist "fortschrittlich" und "künstlerisch" im ursprünglichsten Sinne! Noch während des ersten "Belighted"-Durchlaufs habe ich mir die Debüt-Scheibe dieser unglaublich talentierten Band über deren Homepage blind bestellt - wohl wissend dass der Versand aufgrund der anhaltenden politischen Spannungen in Russland ewig dauern könnte. Aber was macht man nicht alles?!
Das Duo aus St. Petersburg besetzt mit ihrem zweiten Album eine musikalische Nische, die ich in der Form noch nie zuvor gehört habe. Denn zu jeweils einem Drittel sind IAMTHEMORNING im Jazz, Klassik und Rock beheimatet. "Belighted" enthält dabei eigentlich nur acht (richtige) Songs, die aber immer wieder durch instrumentale, klassisch inspirierte Zwischenspiele - die sogenannten "Intermissions" - aufgelockert werden. Wichtigster Dreh- und Angelpunkt ist hierbei das kongeniale Zusammenspiel aus Klavier und engelsgleichem Gesang, das selbst einen gestandenen Metaller/Altrocker wie mich bis ins tiefste Innere berührt, mich seit Tagen wie paralysiert unter dem Kopfhörer nach Luft schnappen lässt und mir gleichzeitig ein meterbreites Lächeln ins Gesicht zementiert. Wundervolle Seelenschmeichler wie "Romance" , "To human misery" , "Reprise of light no light" oder der mit amtlichem Drive wirbelnde Quasi-Opener "The howler" verquicken das Allerbeste aus mehreren Welten zu einem feinfühligen, female-fronted-Irgendwas, das sich im einfachsten Falle auf eine Melange aus TORI AMOS , SOAP & SKIN , PORCUPINE TREE und dem Schaffen des ehemaligen DREAM THEATER-Tastenmanns KEVIN MOORE reduzieren lässt. Passenderweise wurde das Schlagzeug von niemand Geringeren als Gavin Harrison (u.a. STEVEN WILSON, BLACKFIELD, PORCUPINE TREE) eingetrommelt, so dass "Belighted" nicht nur wegen der facettenreichen, nahezu überirdischen Drums-Parts ein verspielter Jazz-Touch innewohnt. Allein deswegen lohnt sich der Kaufpreis!
Doch auch alles andere ist nicht von dieser Welt: Wie von blindem Selbstverständnis geleitet zaubert sich das Duo Gleb Kolyadin/Maryana Semkina durch ein Sammelsurium der feinfühligsten Momente und in den erdenklichsten musikalischen Klangfarben, wobei vor allem klassische Instrumente wie Violine, Cello oder Piano das Sagen haben. Dabei gehen IAMTHEMORNING niemals zuuu eingängig vor, so dass die Kompositionen auch nach dem zwanzigsten Durchlauf noch mit Überraschungen aufwarten, die der Hörer bisher schlichtweg nicht "auf dem Zettel hatte". Galaktische Übernummern wie "K.O.S." (im Abgang vergleichsweise heavy!) , "Os lunatum" , "5/4" (mit dem tollsten Singalong des Albums!), der mehrteilige Achtminüter "Crowded corridors" sowie die jede Faser deines Körpers vereinnahmenden "The simply story" und "Gerda" (was für ein Spannungsaufbau!) zeigen ein geniales Duo im musikalischen Vollrausch. Leise, bedächtig, routiniert, entzückend, gefühlvoll, hochtalentiert, intelligent und immer auf der Suche nach der nächsten Wahnsinns-Melodie. Den Hörer fordernd und mit den erzeugten Emotionen allein lassend. "Belighted" ist ein unantastbarer Geniestreich, und zwar von der allerersten Album-Sekunde bis zum allerletzten Pinselstrich des sagenhaften Artworks! Musik wie ein von Gott gegebenes Geschenk - oder von jedem anderen höheren Wesen, an das ihr glaubt.
"Es ist alles wahr, was ich über IAMTHEMORNING an Superlativen gelesen habe." steht an anderer Stelle des Internets in einer Online-Rezension geschrieben. Und damit ist alles gesagt! Vielleicht gibt es im Jahre 2014 kein besseres Album!


Clearing the Path to Ascend
Clearing the Path to Ascend
Preis: EUR 17,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwere, Schönheit, Schmerz !!!, 14. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Clearing the Path to Ascend (Audio CD)
Das musikalische Schaffen der US-Depri-Bolzen YOB steht seit nunmehr 12 Jahren für kolossalen Doom-Sound auf höchstem Spitzenniveau. Spätestens seit ihrem 2009er Meilenstein "The great cessation" spielen Mike Scheidt & Co. in ihrer eigenen, exklusiven Liga - und seitdem hat mich auch kaum eine andere Band mehr sooo mitgerissen und zur emotional überrumpelten Salzsäule erstarren lassen. Erst vor wenigen Monaten wurde das doch eher unbekannte Album-Debüt "Catharsis" (von 2002) endlich auf CD wiederveröffentlicht. Ein üppiges Festessen für alle Freunde des hypnotisch-zermürbenden Kriech-Sounds, das mir aber vor allem eines klar gemacht hat: Bereits in Anfangstagen waren YOB absolut eine Klasse für sich, die schon recht frühzeitig ihre eigenen Trademarks kultiviert hatte. Es sollte aber noch sooo viel folgen...
Erst im direkten Vergleich zum brandneuen "Clearing the path to ascend"-Longplayer (wie wahr!) wird dem Hörer so richtig bewusst, welchen enormen Qualitätssprung diese Band im Laufe der Jahre gemacht hat. Die typischen Stil-Merkmale sind natürlich immer noch felsenfest im Sound des Ami-Trios verankert...jedoch wurden die lärmigen, sperrig-chaotischen Einflüsse nun teilweise deutlich "aufgehellt" um die Musik insgesamt in eher ruhige Fahrwasser zu lenken. Dieser knapp 63minütige Sludge/Doom-Bolide lädt jeden Hörer erneut zu destruktiven Ausrastern ein...und lässt ihn durch wunderschöne Postrock-Tagträumereien wieder federleicht auf den Boden der Tatsachen zurückschweben. Denn schließlich können selbst die gemeingefährlichsten Psychopathen insgeheim richtig nette Kerle sein. Kurzum: "Clearing the path to ascend" geht gewiss als gewöhnlichstes bzw. zugänglichstes Album der gesamten YOB-Discographie durch - und doch ist es gleichzeitig ihr bestes!
Mit dem anfangs recht unscheinbaren, sich erst gegen Ende in genialen Herzschmerz-Melodien ergießenden "Unmask the spectre" ist nur ein einziger Song vertreten, der das gewohnte Weltklasse-Level nicht auf Anhieb erreicht, dem aber dafür drei lupenreine 10-Punkte-Nummern an die Seite gestellt wurden.
Der unfassbar intensive Opener "In your blood" ist ein regelrechter Paukenschlag. Zwischen halbakustischem Gitarrenakkorden, tosendem Zeitlupen-Riffing á la SLEEP, CHURCH OF MISERY und CULT OF LUNA, bedrohlichen "spoken words"-Passagen im Mittelteil und den an Dramatik kaum zu überbietenden, nach süßer Erlösung bettelnden Spannungskurven, zelebrieren YOB nichts anderes als traurigen Sludge/Doom in Vollendung. Eine ehrfürchtige Darbietung!
Mit dem darauffolgenden "Nothing to win" kommen dann die bösesten Momente des Albums...ein manischer Rhythmus-Pumper im early KYLESA/MASTODON-Format, bei dem die Band sich gegen Ende sukzessive an das hysterisch-asselige Zerstörungsszenario des MINISTRY-Meisterwerks "Filth pig" annähert. Alter, wie lang halt ich diesen Wahnsinn noch durch?!
Mit dem meisterlich inszenierten Longtrack "Marrow" wagen sich YOB dann auf experimentierfreudiges Terrain...eine mega-melancholisches, alle Gefühle unterwerfendes Doom-Aphrodisiakum, das den bisherigen Karriere-Höhepunkten "The great cessation" und "Adrift in the ocean" in keinster weise nachsteht, und in dem die Band sich von Minute zu Minute auf einer PINK FLOYD-artigen Psychedelic-Wendeltreppe (Hammond-Orgel inklusive!) den Weg nach oben bahnt. Überraschend hierbei: Mit den warmherzigen Melodietupfern orientiert man sich glasklar an dem CHRIS ISAAK-Song "Wicked game", den die Band irgendwie im Hinterkopf gehabt haben muss. Gesanglich wächst Frontman Mike Scheidt erneut über sich hinaus, wobei der gute Mann aber gewiss niemals den ersten Platz beim "Goldkehlchen-Contest" für sich entscheiden wird. Und dennoch, vor allem die Mischung aus wütendem Hardcore-Bellen und beschwörendem Klargesang sorgt hier für die entscheidende Würze. Ganz, ganz groß !!!
Als finales Fazit kann man nur festhalten, dass YOB mit dem neuen 4-Tracker "Clearing the path to ascend" ist ein tadelloser Dreifach-Erfolg gelungen ist: Die beste Platte der bisherigen Band-Historie...die beste Doom-Metal-Veröffentlichung des Jahres...und darüber hinaus das mitreißendste Starkstromgitarren-Album, dass das Jahr 2014 hervorgebracht hat. Ein Meisterwerk !!!


Where Greater Men Have Fallen
Where Greater Men Have Fallen
Preis: EUR 13,99

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn "gut" nicht "gut genug" ist !!!, 29. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Where Greater Men Have Fallen (Audio CD)
Rückwirkend betrachtet habe ich den letzten PRIMORDIAL-Longplayer "Redemption at the puritans hand" seinerzeit mit der vollen Punktzahl von fünf Sternen etwas überbewertet - kann im Zustand überschwänglicher Euphorie durchaus mal passieren. Denn obwohl die Platte wirklich sehr gut war - ich sage nur "Lain with the wolf!" - , konnte das irische Quinttett leider nicht an die beiden gottgleichen Überwerke "The gathering wilderness" und "To the nameless dead" (insbesondere!) anknüpfen. Um einem erneuten Bewertungs-Faux-Pas vorzubeugen, habe ich das neue PRIMORDIAL-Album "Where greater men have fallen" einem exakt siebentägigen Langzeittest unterzogen. Und was soll ich sagen? Die anfängliche Entzückung ist nach und nach einer leichten Skepsis gewichen, die ich in den folgenden Sätzen gern erklären will:
Auch weiterhin bewegen sich PRIMORDIAL in musikalischen Sphären, die gewisse Genre-Mitreiter selbst in hundert Jahren nicht erreichen werden...denn mit ihrem hymnisch-erhabenen, teils wütenden Mid-Tempo-Schwarzmetal thront dieser Irland-Fünfer konkurrenzlos über allem. Und das ist für mich kein leeres Geschwätz! Die Band um den sympathisch-streitbaren Mikrofon-Glatzkopf Alan Averill weiß mittlerweile haargenau, wo ihre absoluten Stärken liegen...und walzen dieses typische Erfolgsrezept auch über die komplette, knapp einstündige Spielzeit aus. Der Hörer bekommt exakt das, was er auch erwartet - jedoch kein mikriges Quäntchen mehr! BATHORY meets IMMORTAL meets early MANOWAR. Punkt!
"Where greater men have fallen" hätte der große Sprung in die Metal-Weltspitze werden können. Doch dieser triumphale Siegeszug ist leider erst mal aufgeschoben, da PRIMORDIAL ihr wohl einziges (!) Defizit nicht "abgestellt" haben: Die Band klaut ihre musikalischen Ideen zu oft und zu offensichtlich bei sich selbst!!!
Als bestes Beispiel sei u.a. der mitreißende Stampfer "Ghosts of the charnel house" genannt, der in seiner simplen Genialität wohl unschlagbar wäre, würde die Band nicht das Schlussthema der eigenen Hymne "No nation on this earth" (von "To the nameless dead") von Grund auf kopieren. Ihr glaubt's nicht? Dann hört nochmal genauer hin! Auch sind Songs wie der Opener "Where greater men have fallen", das mit klassischen THIN LIZZY-Leads arbeitende "Born to night" sowie das abschließende "Wield lightning to split the sun" - mit ihrer rassigen Mischung aus Durchschlagskraft und purer Emotion - , auch gewiss richtig tolle Songs. Und doch hat der Hörer immer das Gefühl, das alles schon mal irgendwie und irgendwann gehört zu haben bzw. den weiteren Songverlauf vorhersehen zu können...ein von mir hochgeschätzter Rezensions-Kollege nannte in diesem Zusammenhang des passenden Ausdruck "musikalisches Déja-Vu". Recht hat er!
Meiner Meinung nach sind die Album-Highlights ganz andere: Während das ungewöhnliche "The alchemist's head" selbst nach dem x-ten Hördurchlauf nicht richtig zündet, schmettern PRIMORDIAL mit "The seed of tyrants" ein garstiges Black-Metal-Hysterikum unters Volk, welches durch seine Melodien im Mittelteil förmlich aufblüht. Der recht traditionelle, melancholische Alleskönner "Babels tower" hätte auf dem Debüt-Album von Alan Averills Viertband TWILIGHT OF THE GODS zweifelsfrei zu den (einsamen!) Highlights gezählt. Und mit dem schwergängigen Ohrwurm "Come the flood" (fantastisch gesungen!) erreichen PRIMORDIAL tatsächlich die schaurige Schönheit von Band-Klassikern wie "The coffin ships" oder "As rome burns". Gibt es sonst noch etwas zu sagen? Nein, leider nicht. "Where greater men have fallen" ist eine sehr gute Scheibe geworden, die jeder pflichtbewusste Metalhead blind kaufen kann, und die auch wirklich niemanden enttäuschen wird. Punkt!
Richtige Meisterwerke - und nichts anderes habe ich erwartet! - haben in diesem Jahr aber andere Bands abgeliefert: Allen Extrem-Metal-Fans sei an dieser Stelle u.a. die Scheiben "Aphotic womb" von SINMARA (fanatischer Black-Metal zum Niederknien!) und "All hell's martyrs" von DREAD SOUVEREIGN (ebenfalls mit Alan Averill ; jedoch weitaus besser) empfohlen, die anno 2014 keine Konkurrenz fürchten müssen.


Purple Hill Witch
Purple Hill Witch
Preis: EUR 16,09

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Doom und doomer !!!, 23. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Purple Hill Witch (Audio CD)
Der doch etwas merkwürdige Bandname PURPLE HILL WITCH liest sich fast schon wie eine gutlaunige Mischung aus "Li-La-Laune-Bär" und "Pipi im Takatuka-Land". Wo beim Hörer anhand des Namens bunte, farbenprächtige und schillernde Assoziationen geweckt werden, da macht sich aber in kürzester Zeit eher Ernüchterung breit...denn in musikalischer Hinsicht bleibt die Debüt-Scheibe dieses Norwegen-Trios doch ziemlich blass!
Die drei lilafarbenen Hügelhexen aus Oslo zocken auf ihrem 7-Song-Erstling klassischen Doom/Rock mit dezentem Seventies-Einschlag...eben exakt die Mucke, mit der selbst die untalentiertesten Bands derzeit schon dann einen Plattenvertrag angeboten bekommen, wenn sie die ersten drei Alben von BLACK SABBATH irgendwann mal bei Saturn im CD-Regal gesehen haben und/oder den Namen PENTAGRAM fehlerfrei ins Deutsche übersetzen können. Kurzum: Das Ganze ist momentan sehr angesagt und riecht teilweise fatal nach Sell-out! Zur Ehrenrettung von PURPLE HILL WITCH muss aber ehrlicherweise gesagt werden, dass die Musiker ihr Handwerk tatsächlich verstehen. Das selbstbetitelte Debüt ist ganz passabel ausgefallen, so dass so mancher Doom-Head in der Endabrechnung gewiss auch vier oder gar fünf Sterne für gerechtfertigt halten mag. Mit dem cool schlurfenden Groove-Doppel "Queen of the hill" und "Astral booze" beginnt die Scheibe sogar richtig stark und erweckt bei jedem Zeitlupen-Headbanger die authentischsten Doom-Momente der letzten 30 Jahre zum Leben. Dreckig, Schweiß treibend, Klampfe eingestöpselt, Regler hochgezogen und einfach mal munter drauflos. Die Gitarren-Riffs- bzw. Akkorde kann man wohlwollend als "repitativ" bis "rudimentär" bezeichnen - denn musikalisch spielt sich hier vieles auf überschaubarem Gesamtniveau ab. Mit dem eingängigen, ebenfalls sehr kauzigen "The landing" hat die Band sogar einen kleinen Hit am Start, dem man in der heimischen Stereoanlage gern auch zwei- oder dreimal in Folge ins Rennen schickt. Aber dann? Es regiert der Leerlauf! Hier gibt es ungelogen keine einzige Songidee, die von den großen Doom-Altvorderen (u.a. TROUBLE , WITCHFINDER GENERAL , ST. VITUS oder halt BLACK SAB und PENTAGRAM) vor über drei Dekaden nicht bereits komplett zu Ende gedacht wurde. Der Hörer kennt jedes Riff schon seit Urzeiten...und wenn PURPLE HILL WITCH das berühmte "Iron man"-Opening in der Tonfolge minimal abändern - wie hunderte Bands zuvor! - , dann geht dies auf diese Album schon als innovativster Moment durch. Halt, Moment! Beim knapp 11minütigen Rausschmeißer und Titelsong darf kurzzeitig auch mal eine Mundharmonika mittröten, was die Langeweile zumindest für ein Paar Millisekunden im Zaum hält. Aber ob dies tatsächlich als songwriterischer Höhepunkt zu werten ist, steht auf einem anderen Blatt. Oder mal anders ausgedrückt: Dieses Doom-Trio macht teilweise genau das falsch, was die Genre-Kollegen von KADAVAR goldrichtig machen. Obwohl beide Bands mit denselben Zutaten kochen, haben die umtriebigen Berliner-Langbärte immer noch den einen oder anderen Sound-Schlenker im Repertoire...sie gestalten ihre Songs kurz, knackig, begeisternd, und verzichten dabei auf unnötige Endloswiederholungen, die meist eh nur aus mangelnder Ambition geboren werden. Was das reine Hörvergnügen betrifft, so stehen zwischen den Alben "Purple hill witch" und "Abra kadavar" tatsächlich Welten! Das soll alle Freunde des altehrwürdigen Retro-Sounds aber nicht davon abhalten, den Doom-Neulingen PURPLE HILL WITCH doch mal eine Chance zu geben. Denn wie gesagt, bei niedriger Erwartungshaltung kann einen dieses Album vielleicht sogar positiv überraschen. Die Scheibe hat auch einige sehr gute Momente...so richtig vom Hocker gehauen hat's mich aber nicht. Und da kann der Sänger meinetwegen noch zwanzig mal "Yeahhh!!!" ins Mikrofon säuseln.


Gehenna (Maxi CD-Digipak)
Gehenna (Maxi CD-Digipak)
Wird angeboten von ProMedia GmbH
Preis: EUR 9,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die dunklen Künste !!!, 16. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Gehenna (Maxi CD-Digipak) (Audio CD)
Schublade auf - CD rein - Schublade zu? Weit gefehlt! Auf ihrer ersten Veröffentlichung "Gehenna" präsentiert uns das deutsche Duo CRONE einen düsteren, melancholischen und durch und durch faszinierenden Stil-Mischmasch, der sich musikalisch nur schwer kategorisieren lässt. Einfaches Schubladendenken führen diese beiden Herren, die sich mit ihren Hauptbands EMBEDDED und SECRETS OF THE MOON eher dem Extrem-Metal verpflichtet fühlen, bereits beim tollen Opener "Houses of Gehenna" komplett ad absurdum. Denn: Was hier aus den Boxen dröhnt ist "unbeschreiblich" im eigentlichen Sinne. In ihrem ganz eigenen Klangkosmos zwischen Postrock, stockfinsterem Alternative, Dark-Pop und aufbrausendem Metal-Donnergrollen kreieren CRONE einen atmosphärischen Soundtrack, den man nicht mal eben nebenbei zur Hintergrundberieselung laufen lassen kann. Aber ganz gewiss kommen all diejenigen auf ihre Kosten, die sich gern "in Musik hineinarbeiten"...jede Note bedächtig in sich aufsaugen...und nicht eher Ruhe geben, bis ihnen das bis aufs letzte I-Tüpfelchen perfekt ausbalancierte Grundgerüst dieses 4-Trackers vollkommen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Und das kann länger dauern als die 22 Minuten, die dieses Mini-Album tatsächlich "auf den Tacho" bringt.
CRONE bauen ihre Songs gern im ruhig-bedrohlichen Langsam-Tempo auf. Zwischen purer Verzweiflung und Trauer rücken dabei immer wieder melodische Momente der Herzwärme in den Mittelpunkt, die den Hörer spätestens beim zweiten Hördurchlauf gefangen nehmen. Namen wie KATATONIA , JESU , TIAMAT und die alten TOOL spuken in deinem Kopf herum, während ab und zu der betörende Altmeister NICK CAVE ums Ecke schaut - nur um sicher zu gehen, dass auch alles in bester Ordnung ist. Die beiden Songwriter trauen sich bereits auf ihrem Debüt-Scheibchen einiges zu. Erlaubt ist alles, wodurch musikalische Grenzen verschoben bzw. neu definiert werden. Und mich persönlich erinnert "Gehenna" des öfteren an die das recht unorthodoxe, weltoffen komponierte "Mens animus corpus" von SELIM LEMOUCHI & AND HIS ENEMIES. Ohne Vollmeise - dafür mit mehr Emotionen!
Die düstere Halbballade "Escher's stairs" kombiniert akustische Folk-Gitarren mit purer Drone/Doom-Schwärze. Überhaupt haben sich CRONE auch eine amtliche Portion Dröhn-Sound aufgeladen...allein der wuchtig-pumpende Bass beim erwähnten Quasi-Titelsong haut jedem Hörer buchstäblich den Dreck aus den Lauschern! Während sich beim ebenfalls wunderschönen "Dead man" niemand geringeres als JARBOE (ex-SWANS) für die weiblichen Backing-Vocals verantwortlich zeigt - gegen ihr schiefes männliches Gesangspendant geht die Gute aber leider etwas unter! - , steht das megaeingängige "Your skull-sized kingdom" (genial!) zweifellos für schwermütigen Ohrwurm-Sound der Spitzenklasse...und nicht nur deshalb, weil die harschen Breitwandgitarren hier etwas offensichtlicher im Vordergrund stehen. Zeitlos und essentiell !!!
Fazit: Zwar ist "Gehenna" nur ein kleiner Appetithappen...dafür aber ein sehr gelungener! Ein bedrohliches Erdbeben, das versöhnlich stimmt. Eine unangreifbare Darbietung auf überraschend hohem Niveau. Diese EP wird gewiss nicht jedem gefallen. Das erste offizielle Full-lenght-Album wird von mir aber mit Spannung erwartet. Sollte man kennen!


Foundations of Burden
Foundations of Burden
Preis: EUR 17,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Moaning on highest level !!!, 9. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Foundations of Burden (Audio CD)
Ich gebe es gern zu: Manchmal liest sich der Einstieg in eine Album-Rezension ziemlich suboptimal und ernüchernd. Nämlich exakt dann, wenn man einer hochgeschätzten Band in gewissen Facetten "Stagnation" vorwerfen muss. Nun ist musikalische Weiterentwicklung im Doom-Metal zwar nicht unbedingt das wichtigste Gut - und doch hatte ich mir von der zweiten Scheibe der Arkansas-Doomer PALLBEARER irgendwie mehr versprochen. Wie laut teilweise auf höchstem Niveau gejammert werden kann, zeigt sich allein daran, dass der 6-Tracker "Foundations of burden" ohne Zweifel zu den besten Veröffentlichungen des Jahres gezählt werden muss. Im Vergleich zum fabelhaften Wunder-Debüt "Sorrow and extinction" kann der Doom-Vierer das vorgegebene Qualiätslevel zwar halten - jedoch mit einer klaren Tendenz zum berühmten "auf Nummer sicher gehen". Oder anders ausgedrückt: In manchen Phasen des Albums - u.a. beim eher unscheinbaren Rausschmeißer "Vanished" - hätte sich der Hörer etwas mehr Mut bzw. das eine oder andere musikalische Experiment gewünscht. Die einzige Überraschung ist der balladeske (Shoegaze-)Verschnaufer "Ashes", der im Fluss der 55minütigen Spielzeit aber leider etwas stockend wirkt.
Auf den restlichen, natürlich überlangen "Foundations of burden"-Songs legen PALLBEARER aber erneut Zeugnis darüber ab, dass sie zu Recht zu den hoffnungsvollsten Bands der letzten Jahre gehören. Das schwermütige US-Quartett interpretiert den Doom-Metal teilweise sehr offen, frei - um nicht zu sagen modern! Wo dem Rezensenten beim ersten Hördurchlauf meistens zwei bis drei Bands als Anhaltspunkt (zur Beschreibung) dienen, da schießen einem bei Songs wie "Foundations" oder "Worlds apart" mindestens ein Dutzend potentieller Doom-Querverweise durch den Kopf: PALLBEARER verbinden die tieftraurige Midneunziger-Epik von PARADISE LOST , MY DYING BRIDE und ganz frühen ANATHEMA ("Serenades") mit der bleischweren Wucht von CROWBAR und CULT OF LUNA. Sie wagen sich schrittweise in Sludge-Doom-Areale, in denen sonst nur Acts wie YOB das Sagen haben. Gleichzeitig haben sie ein Abonnement auf diese unvergleichlichen, haarscharf zwischen Wut und bittersüßer Träumerei pendelnden Momente, die Alben wie "October rust" und "World coming down" (von TYPE O' NEGATIVE) bis heute Klassikerstatus verleihen. Die Gitarren sind auf Knöchelhöhe heruntergestimmt, wobei die leicht verschachtelten Akkorde minutenlang durchdröhnen dürfen...im kriechenden Zeitlupen-Sound trommelt der Schlagzeuger beinahe schon extravagant unrhythmisch...der Sänger erinnert dabei einmal mehr an eine stimmliche Ideallösung aus Buddy Lackey (PSYCHOTIC WALTZ) und Eric Wagner (TROUBLE)...und immer wenn der laufende Song eigentlich schon sein Pulver verschossen hat, sorgen sphärische Akustik-Breaks für das nötige Salz in der Doom-Suppe. Superbe!
Wo vergleichbare Bands sich pro Song bereits schon mit einem coolen Riff (in Endlosschleife) zufrieden geben, da fangen PALLBEARER erst an. Unbedingte Anspieltipps: Das depressive, von einem Höhepunkt zum nächsten fließende (!) Monstrum "Watcher in the dark" sowie "The ghost I used to be" - eine warmherzige Nummer, deren Großartigkeit WHILE HEAVEN WEPT zuletzt auf "Of empires forlorn" erreicht haben, und wohl auch nie mehr erreichen werden.
Keine Frage: Zusammen mit dem WARNING-Ableger 40 WATT SUN ("The inside room" - das Doom-Album des Jahrzehnts!) und den dreckigeren, weil Hardcore-lastigeren MORNE gehören PALLBEARER zur absoluten Speerspitze des "neuen" Lava-Sounds. Und trotz aller Jubeworte war das Debüt halt doch etwas besser. Kein Grund zum Verzagen, alle Interessenten kaufen "Sorrow and extinction" und "Foundations of burden" am besten gleich zusammen. Ein unschlagbares Doppel, das auch noch in einigen Jahren für Gänsehaut sorgen wird.


Rise...Then Rest
Rise...Then Rest
Preis: EUR 11,99

4.0 von 5 Sternen Geheimtipp !!!, 8. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Rise...Then Rest (Audio CD)
Hahaha Jungs, mit mir nicht! Ich mag vielleicht doof aussehen – aber sooo einfach lasse ich mich von niemandem veräppeln! Oder doch? Ich habe das dicke Booklet des neuen CRISIX-Zweitwerks „Rise...then rest“ jetzt bestimmt fünf mal von hinten bis vorne durchgelesen...aber diese spanischen Thrash-Metaller scheinen wohl tatsächlich nur einen (!!!!) Sänger in ihren Reihen zu haben. Wenn man sich die vielseitig-hyperaktive, zeitweise echt anstrengende Energieleistung des Mikrofonmannes genauer in „Ohrenschein“ nimmt, dann würde so manch unbedarfter Hörer gewiss auf mindestens drei Sänger tippen. Kreisch, gröhl, krächz, zeter, brüll und tirili! Alter, der Typ hat echt ne Macke!
Der irrwitzige Gesang passt zum Sound der fünf Barcelonarianer aber dermaßen wie Popo auf Eimer, dass es eine echte Wohltat ist. In Punkto Songwriting können CRISIX zwar längst nicht in der Champions-League mitspielen, gehören in der Thrash/Metal-Bundesliga (oder doch besser Primera Division?) heuer aber als Top-Favorit auf's vordere Tabellendrittel. Der Band gelingt vor allem das, was längst etablierten Genre-Königen wie MEGADETH , TESTAMENT oder zuletzt EXODUS und OVERKILL (mit Abstrichen!) nicht mehr auf die Kette kriegen: Sie klingen frisch, unverbraucht und wirklich sehr spannend. Mangelnde Routine kontern die Herren einfach durch ihre Spielfreude – und die hört man wirklich überdeutlich!
Stilistisch sind CRISIX größtenteils im lupenreinen Bay/Area-Thrash zu Hause, neigen aber gleichzeitig auch zum ungestümen Riff-Bombardement á la LAMB OF GOD oder PANTERA. Wenn man hier – wie u.a. beim coolen „Bring 'em to the pit“ - eindeutige Metalcore-Einflüsse heraushört, dann sieht der Hörer vor seinem inneren Auge tatsächlich die legendärem Asi-Prügler M.O.D. wüten – und deren Scheiben „Rhythm of fear“ und „Devolution“ sind bis heute ja eh kläglich unterschätzt! Und das die Herren Musiker zu allem Überfluss sogar noch richtig geil spielen können, das zeigen allein die unzähligen, waghalsigen Melodieläufe und Pirouetten, die (fast) jeder einzelne Song zu bieten hat.
Zugegeben, gegen Ende der 48inütigen Spielzeit verlieren sich CRISIX leider doch etwas in belanglosen Rock'n Roll-Banalitäten...denn Nummern wie „Waldi Gang“ oder das höchst unnötige „Ace of spades“-Cover (MOTÖRHEAD, natürlich!) hätte man gewiss knicken können. Das Filetstück von „Rise...then rest“ ist zweifelsohne das mittlere Album-Drittel: Granatenstarke High-Energy-Thrasher wie „Those voices shall remain“ , „One by one“ (Milano-time?) , „Army of darkness“ (Hammer-Chorus!) , „Frieza the tyrannt“ (dito!) und dem beschwingt anfangendem, sich allmählich zu einem reinrassigen Headbanger auftürmenden „Volcano face“ zünden möglicherweise nicht sofort auf Anhieb...dafür aber nachhaltig! Keine Frage, dieses Break-lastige, mit allerlei Überraschungen auftrumpfende Stück musikalischen Adrenalins muss man erst mal verdauen. Und sicherlich gibt es Leute, die sich allein schon wegen des gewöhnungsbedürftigen Gesangs schnell abwenden werden. Das ist aber auch absolut in Ordnung – so lange es mir gefällt !!!
Der 12-Tracker wurde soundtechnisch übrigens von Erik Rutan (ex- MORBID ANGEL) in Szene gesetzt, was allerdings zwangsläufig kein (!) Qualitätsmerkmal ist. Auf „Rise...then rest“ hatte der US-Knöpfchendreher ausnahmsweise mal einen guten Tag. Denn der Sound ist echt mörderisch - aber zum Glück kein Stück überproduziert. Alles toll also??? Jaaa, das kann man absolut behaupten. Wer diese coole Scheibe verpasst, der hat es wohl auch nicht besser verdient. Und versprochen: Spätestens bis zum nächsten Album habe ich das eingangs erwähnte, verwirrende Sänger-Rätsel restlos aufgeklärt!


Abhorrence in Opulence
Abhorrence in Opulence
Wird angeboten von nagiry
Preis: EUR 10,38

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hamburg pechschwarz !!!, 2. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Abhorrence in Opulence (Audio CD)
Es hat beinahe schon einen Hauch spöttischer Ironie, dass die allerletzten Sekunden des neuen OPHIS-Longplayers "Abhorrence in opulence" im fiesen, ultrabrutalen Blastbeat-Inferno enden. Denn damit setzen die norddeutschen Doom/Deather einen total uncharakteristischen Schlussstrich unter eine Scheibe, auf der über eine Stunde lang das zähe, kriechende Zeitlupentempo regiert! Wie bereits auf der bisherigen Band-Diskografie - allen voran dem brillianten Vorgänger "Withered shades!" - haben OPHIS erneut eine fette Überportion schmerzender Hoffnungslosigkeit im Gepäck. Ein depressiver Album-Koloss, der ausschließlich nur aus tieftraurigen Momenten geboren werden kann, und welcher den Hörer von der ersten bis zur letzten Milisekunde fordert - bis auf's Blut! Nichts könnte den nackten Horror besser ausdrücken, als das schlichte, aber höchst effektive Album-Artwork (nebst Bandlogo!), welches den Kauf einer Vinyl-Version beinahe schon zur Pflicht macht.
Erwartungsgemäß orientiert sich das Quartett aus der Hansestadt Hamburg auch auf dem neuen 5-Tracker an den allergrößten Doom/Death-Vorbildern, die dieses Genre jemals hervorgebracht hat: WINTER , EVOKEN , DISEMBOWELMENT , ASPHYX und vor allem die irische Doom-Institution MOURNING BELOVETH. Bereits der niederschmetternde Opener "Disquisition of the burning" gibt die Marschroute vor. Luftige Gute-Laune-Melodien zum Genießen und Miträllern? Absolut Fehlanzeige! Tiefschwarze, bedrohliche, sich bis zu einer Viertelstunde im puren Leid windende Mammut-Kompositionen? Ja, die gibt es - und garantiert nichts anderes! OPHIS führen den auf "Withered shades" bis zur Perfektion kultivierten Stil konsequent fort, gehen dabei aber teilweise etwas "musikalischer" an die Sache ran. Neben reinen Akustik-Gitarren, sowie einem wunderschönen Cello-Arrangement bei "Among the falling stones" hat man hier und dort vereinzelte Elemente des klassischen Doom-Metal (mit hymnischem Anstrich!) versteckt, die auch jeden Fan von SOLITUDE AETERNUS in Begeisterung versetzen werden. Doch das kurz aufkeimende Gefühl von Hoffnung wird durch die darauf folgende Trostlosigkeit komplett ausradiert. Mehr noch: Beim ebenfalls überlangen "A waltz perverse" wagen sich OPHIS teilweise bis in die tiefsten Dickichte des lebensverneindenen Suicidal-Sounds, um Genre-Ikonen wie FORGOTTEN TOMB und SHINING (auch gesanglich!) locker die Stirn zu bieten. Abartig!
Das 62minütige "Abhorrence in opulence" ist ein Musterbeispiel dafür, was den Doom-Metal (nicht nur bei Kennern!) sooo faszinierend macht: Atmosphärisch , leidenschaftlich , künstlerisch monoton , voller Hingabe.....eine schonungslose Konfrontation aus Trauer , Wut und seelischen Qualen. Eine Selbstreinigung auf höchster musikalischer Ebene! Alle weiteren Worte sind überflüssig. Geniales Ding!


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