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Beiträge von kwichybo
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Rezensionen verfasst von kwichybo "Jörn M." (Nürnberg)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Wenn die Gondeln Trauer tragen !!!, 20. Mai 2013
Die Niederländer OFFICIUM TRISTE zählen nicht unbedingt zu den bekanntesten Bands des Doom/Death-Genres...dafür aber zweifellos zu den hartnäckigsten und beständigsten. Auf ihrem mittlerweile fünften Longplayer "Mors viri" setzen die sechs Rotterdamer einfach exakt an der Stelle an, an der sie bereits seit Ewigkeiten musizieren. Als wäre man in der eigenen Entwicklung vor knapp 20 Jahren stehengeblieben, liefern die acht Songs erneut die melancholische Vollbedienung, die in den Midneunzigern wegweisende Highlights wie "Shades of god" (PARADISE LOST) , "Brave murder day" (KATATONIA) , "Danse the marble naked" (ENCHANTMENT) oder "One with darkness" (TRISTITIA) hervorgebracht hat. Im direkten Vergleich zu anderen Doom/Death-Acts stinkt "Mors viri" nicht nach moderigem, dreckigen Bunker-Sound, sondern lässt den Hörer während der 41 Minuten durch eine altertümliche Kathedrale wandeln, um dabei jeden Winkel und jedes Detail wunderschön auszuleuchten. Anstatt lärmender Sludge-Verliebtheit bewegen sich OFFICIUM TRISTE immer stets an der Grenze zum Gothic-Metal, was vor allem an den opulent arrangierten - andere würden sagen "schwülstigen" - Keyboards liegt. Und in der Tat gibt es hier (fast!) keine Sekunde, in der die Gitarrenwand nicht Seite an Seite mit den dichten Synthesizern steht. Als Kritiker kann man dies natürlich doof finden...man kann "Mors viri" sogar als langweiligen Weichmacher-Metal bezeichnen. Gleichzeitig wird diese vorschnelle Meinung aber alle hastigen Einmalhörer disqualifizieren, die sich für diese Scheibe nicht genug Zeit nehmen. Denn eines steht fest: Man muss sich schon über einen längeren Zeitraum in das Album "hineinhören", jede Facette aufnehmen und auf sich wirken lassen...buchstäblich jeden Stein umdrehen. Erst dann - und nur dann! - wird man die wahre Schönheit von OFFICIUM TRISTE's Fünftwerk wirklich für sich entdecken. Ehrlicherweise sind die acht Songs nicht alle herausragend: Während mir speziell die Anfangsmelodie von "Your heaven my underworld" (der Rest ist dafür echt knorke!) ganz und gar nicht gefällt, driftet die Band mit dem arg oberkitschigen "One with the sea" doch in Gefilde ab, die ihr nicht gerecht werden. Und allein diese beiden Negativausreißer sind der einzige Grund, warum ich am Ende der Rezension einen Stern abziehen muss. Ärgerlich zwar, aber letztlich nur konsequent. Bedeutend besser gefallen mir hingegen die Songs, bei denen OFFICIUM TRISTE ihrer Gitarrenfraktion in Punkto Heaviness absolut "freies Geleit" erteilen. So stehen die beiden Mollorgien "To the gallows" (mit tollem Klargesang-Refrain!) und "Burning all boats and bridges" für die alles umfassende Schwere, die diese Band wie aus de Effeff beherrscht. Obwohl das Sextett unwidersprochen zum Doom/Death-Genre gezählt wird, spiegelt sich der klassische Todesblei nur in wenigen Spurenelementen (u.a. den mächtigen Growls!) wieder. Lobenswerte Ausnahme: Das tiefschwarz riffende "The wounded and the dying" (was für eine geile Bridge!) ist eine emotional-eingängiger Kriecher aus dem Neunziger-Bilderbuch, der einem eine ungefähre Vorstellung liefert, wie es wohl klingen könnte wenn BOLT THROWER den Song "True belief" von PARADISE LOST covern würden. Sensationell! Eingerahmt wird der 41-Minüter durch den tollen Opener "Your fall from grace", der quasi als typischster Signature-Song von OFFICIUM TRISTE durchgeht, und dem alles unterwerfenden Rausschmeißer "Like atlas". Letztgenannter Song ist eine 10-minütige, sich mit jedem Moment steigernde Zeitlupenhymne, die zwischen bitterer Trostlosigkeit und wahrer Schönheit alle Facetten ineinanderfließen lässt, um dem Hörer mit einem sehnsüchtigen "grande finale" um den Finger zu wickeln. Ein fantastischer Schluss! Kurze Rede, langer Sinn: Das neue Album der sechs Holländer ist ein betörendes Erlebnis, das alle Fans von MY DYING BRIDE , ALCEST , SHAPE OF DESPAIR , alten KATATONIA und ANATHEMA sowie den norddeutschen MANDRAKE dringend anchecken sollten. Großartige Neuerungen liefern OFFICIUM TRISTE zwar nicht..."Mors viri" erfüllt aber locker alle Erwartungen, die man heutzutage an eine Doom/Death-Scheibe haben kann. Monotonie und ganz große Gefühle im Überfluss! Eine Scheibe, die man kennen sollte!
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Volle Packung !!!, 11. Mai 2013
Einen printmedialen Wirbel, wie er aktuell um die amerikanischen BLACK SABBATH-Soundalikes ORCHID gemacht wird, den hätte ich mir auch schon seit einigen Jahren für die deutschen Underground-Doomer SEAMOUNT gewünscht. Zum einen schlägt deren bisherige Band-Diskografie (insbesondere die obergöttlichen "Light and truth" und "Sacrifice"!) jede Veröffentlichung von ORCHID um mehrere Längen...und zum anderen haben eben jene Doom-Würzburger auch keine Unterschrift beim mittlerweile höchst unsympathischen Plattenlabel "Nuclear Blast" nötig. Denn während SEAMOUNT hierzulande immer noch kein Schwein kennt, bringen andere dafür halt hochdekorierte, selbstverständlich streng limitierte Box-Sets auf den Markt. In Donzdorf rollt der Rubel! Gern möchte ich meine kritischen Worte nun etwas abschwächen: Denn der musikalische Erfolg gibt ORCHID insofern Recht, als dass sie in der Tat zu den authentischsten BLACK SABBATH-Clones unter der Sonne gehören, und auch in Punkto Songwriting ziemlich oft den richtigen Riecher haben. Fakt ist: Was vor knapp 40 Jahren gut war, dass muss heutzutage nicht automatisch ebenso gut sein. Aber trotzdem schafft es dieses Hippie-Quartett irgendwie, die großartigen Vibes von "Paranoid" , "Masters of reality" oder "Sabotage" ohne Qualitätsverlust ins neue Jahrtausend zu retten. Und sie tun es schlicht und ergreifend, indem sie gute Songs schreiben! Ob das Ganze aber nun wirklich sooo sensationell ist sei mal dahingestellt. Der neue ORCHID-Longplayer "The mouths of madness" ist erneut ein beeindruckend ehrliches Album geworden, auf dem die Band all ihren großen Vorbildern nacheifert. Wenn man die bisherige Schaffensphase mitverfolgt hat (u.a. das coole "Capricorn"-Debüt), dann hat man natürlich längst begriffen, welche Bands hier insgeheim im Hintergrund "agieren": BLACK SABBATH , TROUBLE , PENTAGRAM oder - als deren Fortführung - auch Acts wie KYUSS , THE OBSESSED und GRAVEYARD. Auf dem aktuellen 9-Track-Album kann der Hörer gleich auf Anhieb mindestens sechs Highlights herauspicken, bei denen jeder Doom-Fan schon im Alleingang zum Portemonnaie greifen würde. Denn mit "Nomad" (lässiger Groove-Schrubber!) , "Loving hand of god" (klasse Jam-Session!) , "See you on the other side" (THIN LIZZY lassen grüßen!) , "Mountains of steel" (der eigentliche Hit!) sowie den schroff-riffenden "Wizard of war" und "Mouths of madness" (feiner Ohrwurm-Opener!) liegt man als Liebhaber von Stromgitarren-Musik absolut goldrichtig. ORCHID haben ein Wunderhändchen für schöne Melodien und wahrhaftiges Retro-Feeling...das steht außer Frage. Ich weigere mich bloß nach wie vor dagegen, diese Band als die riesengroooße Sensation abzufeiern. Der leibhaftige Seventies-Gott (vermutlich ein Dortmunder?) möge es mir verzeihen! Neben einer Vielzahl toller Momente hat dieser 56-Minüter leider auch einige Schattenseiten: Während die Nummer "Marching dogs of war" weder Fisch noch Fleisch ist, bildet das langweilige "Leaving it all behind" den biederen Album-Tiefpunkt. Und irgendwie hatte ich mir schon gewünscht, wenn ORCHID sich bei "Silent one" schon sooo dreist und offensichtlich aus dem SLAYER-Melodie-Fundus bedienen, dass sie dies zumindest auch in den Songwriting-Credits erwähnen. Ganz schön uncool irgendwie...so wie der gesamte Song. Alles in allem ist "The mouths of madness" eine feine Nostalgie-Scheibe geworden, für die ich jederzeit das "Prädikat gut" vergeben würde. Kann man sich durchaus ins Regal stellen! Die limitierte Edition beinhaltet zusätzlich noch die beiden EP's "Heretic" (vier Tracks!) und "Wizard of war" (drei Tracks!), die jeweils im schmucken Mini-Gatefold daherkommen. Hier sind als Anspieltipps vor allem die grandioses "Albatross" und "Saviour of the blind" hervorzuheben, die beide - ganz nüchtern betrachtet! - sogar dem offiziellen Album die Show stehlen, und gewiss zu den ganz großen Sternstunden der bisherigen ORCHID-Historie gezählt werden dürfen. Ich würde zwar nicht unbedingt von "value for money" reden...für das Gesamtpaket ist der Kaufpreis aber doch sehr angemessen. Wie gesagt, darf man ruhig kaufen. Aber auch nur dann, wenn man sich auch gleichzeitig mit der Band SEAMOUNT beschäftigt. Denn hier muss endlich mal entschieden nachgeholfen werden!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Kein Glanzstück !!!, 10. Mai 2013
Man kann von den mittlerweile zum Quintett aufgestockten Schwaben-Deathern REVEL IN FLESH sicherlich viel erwarten: Innovatives, gnadenlos eigenständiges Superduper-Songwriting jedoch nicht! Das hört jeder , das weiß jeder und das würde jeder sofort blind unterschreiben - vermutlich sogar die Musiker selbst. Überraschungen? Sorry, da geht ihr mal besser ne Tür weiter! Der vor knapp 12 Monaten veröffentlichte Erstling "Deathevokation" war vielmehr eine originalgetreue Blaupause aller Schwedentod-Großtaten aus den Neunzigern. Wenn man Scheiben wie "Left hand path" (ENTOMBED) , "You'll never see" (GRAVE) , "Dark recollections" (CARNAGE) oder das DISMEMBER-Doppel "Like an everflowing stream" / "Indecent and obscene" vor knapp 20 Jahren mit gierigem Heißhunger verschlungen hat, dann kann man mit der Band REVEL IN FLESH absolut nichts falsch machen. Es sei denn, musikalische Innovation gilt heutzutage als wichtigstes Gebot und/oder man hat grundsätzlich an allem etwas auszusetzen. Die oben genannten Bands wären vermutlich froh gewesen, wenn sie in ihrer Prä-Klassiker-Zeit ein geiles Album wie "Deathevokation" auf der Pfanne gehabt hätten. Wenig verwunderlich also, dass der Schwabentod-Fünfer auf seinem neuen Langeisen "Manifested darkness" auch weiterhin keinen Millimeter von der eigenen Marschroute abweicht. Geboten wird fett-knüppelnder Todesblei der urältesten Stockholm-Schule. Hier kann man spontan zuschlagen, ohne groß nachzudenken. Zack, fertig ist die Laube! Der Star ist und bleibt unwidersprochen der geniale Sound (gemeistert von Dan Swanö!), der jedem Zahnarztpatienten zuzahlungsfrei den Plaque von den Beißerchen haut. Rrroarrr!!! Wenn man den 10-Tracker dann aber etwas genauer unter die Lupe nimmt - und das Debüt noch deutlich im Ohr hat! - , dann merkt man schnell den Unterschied. Auf "Manifested darkness" wird das Songwriting teilweise doch zum Problem. Überraschenderweise haben sich einige Lückenfüller eingeschlichen, die das hohe Durchschnittsniveau deutlich schmälern. So wurden Songs wie "Torment in fire" , "Warmaster" (Tiefpunkt!) oder "The maggot colony" (gescheiterte CANNIBAL CORPSE-Annäherung!) insgesamt recht unspannend in Szene gesetzt, weswegen sich beim Hörer eine gewisse Beliebigkeit breitmacht. Schwedentod darf gern simpel gestrickt und schnörkellos sein - im Idealfall muss (!) er es sogar. Von Banalitäten sollte dabei aber dringend Abstand genommen werden. Anders ausgedrückt: Die große Starke von REVEL IN FLESH war bisher immer die rabiate, ohrwurmtaugliche Abrissbirne (á la "Shadowbreeder" oder "Slavish obedience"). Meines Erachtens erfüllt auf "Manifested darkness" aber nur der grandiose Titelsong diese haushohen Erwartungen. Die restlichen Uptempo-Nummern gehen zwar irgendwie in Ordnung - mal mehr, mal weniger gut - , erreichen aber selten die Qualität von "Deathevokation". Richtig fesselnd wird es eigentlich immer nur dann, wenn die fünf Süddeutschen die Geschwindigkeit merklich drosseln und die Songstrukturen hymnisch aufgewertet werden: Mit "Deathmarch" , dem beinahe schon epischen "Rotting in the void" (EDGE OF SANITY im Hinterkopf?) und dem majestätischen Kriecher "Operation citadel" (die beste Non-HYPOCRISY-Nummer seit "Abducted"!) bewirbt diese Band sich mit Nachdruck für die 2013er Todesblei-Regentschaft. Schade nur, dass es sich nur um einige wenige Ausreißer handelt. Etwas mehr Kreativität wäre nicht unwillkommen gewesen, wenn schon das Restmaterial sich eher dem Schema-F widmet. Selbst die AUTOPSY-Coverversion von "Twisted mass of burnt decay" (fein gemacht!) kann den zwiespältigen Gesamteindruck nicht wieder geradebiegen. Hmmm, da war doch eigentlich viel mehr drin?! Es bleibt zu hoffen, dass REVEL IN FLESH nicht bereits frühzeitig ihr Pulver verschossen haben. Denn trotz aller bereits vergebenen Lobesworte driftet man mit "Manifested darkness" eher ins Mittelmaß ab. Sorry, aber ich kann da nix dafür!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Doom-Heldentat !!!, 6. Mai 2013
Alle Vermutungen, dass das stückweise Ableben von CANDLEMASS (zumindest auf Konserve!) eine riesige Lücke in die Doom-Metal-Szene reißen würde, schienen unbegründet zu sein. Denn mit dem schwermütigen "To reap heavens apart" spielt sich endgültig eine Band ins Rampenlicht, die von vielen Metalheads schon seit längerer Zeit als die legitimen Nachfolger von Leif Edling & Konsorten gehandelt wird. Bereits der Album-Vorgänger "Destroyers of the faith" war ein volles Pfund. Doch auf dem nun vorliegenden 6-Tracker tritt diese chilenisch/skandinavische Kollaboration den Beweis an, dass dem guten alten Epic-Doom auch weiterhin rosige Zeiten bevorstehen - der Band PROCESSION sei gedankt! Das Quartett um Bandleader Felipe Plaza strebt über kurz oder lang die "world doomination" (!) an, was sich angesichts der zelebrierten 45 Minuten durchaus als erreichbares Ziel herausstellt. Hier muss sicher nicht um den heissen Brei herumgeredet werden: Melancholische Ungetüme wie "Conjurer" , "Far from light", "Damnatio memorae" (exzellenter Opener!) , "To reap heavens apart" oder das bereits bekannte "Death and judgement" bieten puren, authentischen Zeitlupen-Stoff in Reinkultur, der nicht nur Fans von SOLITUDE AETERNUS , COUNT RAVEN und CANDLEMASS zum Kniefall zwingen wird, sondern darüber hinaus (teilweise!) auch das Tor zum Pagan-Metal weit aufstößt. Speziell die Gitarrenarbeit und der kraftvolle, extrem charismatische Gesang lassen den Hörer von Zeit zu Zeit in dem Glauben, dass die irischen Pagan/Black-Hopefuls von PRIMORDIAL irgendwie ihre Finger im Spiel hätten. Ein Eindruck, der sich jedoch nur beim ruhigen "The death ministrel" - zu dem Alan Nemtheanga den Sprechgesang eingeflüstert hat - bewahrheitet. Einfache Rechnung: Wenn man die garstigen Black-Metal-Wurzeln der PRIMORDIAL-Meisterwerke "To the nameless dead" oder "The gathering wilderness" subtrahiert, und durch klassischen Epic-Metal ersetzt, dann hat man den Sound von PROCESSION mehr als vortrefflich beschrieben. Todtraurig, bleischwer und emotional auf der einen Seite - rebellisch und kämpferisch auf der anderen Seite. Klingt doof, ist aber so! Allgemein wird der Zeitlupen-Metal ja von Zweiflern gern etwas kritisch beäugt, weil die schleppenden, oftmals lethargischen Songaufbauten nicht den allergrößten Raum für Überraschungen lassen. Auf "To reap heavens apart" wird dieses Manko gekonnt umgangen, indem PROCESSION beim Tempo auch immer wieder mächtig auf die Tube drücken. Den Vorwurf der Langeweile kontert das Quartett durch eine wandlungsfähige Instrumentierung, bei der u.a. das sehr facettenreiche Bass-Spiel mit Freude aufhorchen lässt. Alles weitere ist nichts als bloße Magie, und überstahlt praktisch jeden ach so tollen Genre-Neuling, der sich heutzutage in der Doom-Schublade beheimatet sieht. Weltklasse! Dank der Werke von 40 WATT SUN ("The inside room") , BELL WITCH ("Longing") , SEAMOUNT ("Sacrifice") , BLACK OATH ("The third aeon") oder PALLBEARER ("Sorrow & extinction") waren die letzten Jahre wirklich zeitlupig gut...allein schon deswegen, weil eben nicht immer nur "die üblichen Verdächtigen" (u.a. MY DYING BRIDE) für die großen Akzente gesorgt haben. Mit PROCESSION reiht sich ein weiterer potentieller Doom-Favorit munter mit ein, dem zukünftig alles zuzutrauen ist. All diejenigen, die sich auch nur halbwegs für Heavy-Metal begeistern können - selbst wenn das Interesse noch so klein ist! - sollten "To reap heavens apart" definitiv gehört haben. Es lohnt sich wirklich!
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3.0 von 5 Sternen
Nice to have !!!, 1. Mai 2013
Das Durchstöbern der Album-Credits fördert eine handfeste Überraschung zu Tage: Mit dem finalen Mastering ihres ersten Longplayers "The sun never sets on the british empire" hat das Quartett BOVINE nämlich niemand geringeren als Gott (!!!) beauftragt. Wow, was für eine Ehre! War wohl grad zufällig in der Nähe, der Gute! Beim ersten CD-Durchlauf wünscht sich der Hörer dann und wann, der Allmächtige hätte den Musikern doch etwas intensiver unter die Arme gegriffen - denn insbesondere beim Songwriting wäre etwas fachmännische Hilfe "von oben" durchaus von Nöten gewesen. Dazu aber gleich mehr... Bei der Band BOVINE handelt es sich um eine vierköpfige Band aus Birmingham - allein dies wird ja teilweise schon als Qualitätsplus gewertet! - , die hierzulande über die Plattenfirma "FDA Rekotz" veröffentlicht wird. Besagtes Label sorgt seit einiger Zeit für mächtig Furore in Death-Metal-Kreisen. Denn mit den Signings von u.a. REVEL IN FLESH , DESERTED FEAR , ARROGANZ oder LIFELESS könnte der Katalog eigentlich kaum brillianter sein. In dieser illustren Runde nehmen BOVINE jedoch eher die Position des Außenseiters ein. Mit heftigem Todesblei hat die Band nämlich nicht das geringste am Hut. Paradiesvogel-ähnlich setzen die Herren auf dem neuen 10-Tracker eher auf eine Mischung aus knackigem Alternative, Noise und Stonerrock...praktisch so, als wären vergleichbare Acts wie KYUSS , DEFTONES , QUEENS OF THE STONEAGE und FAITH NO MORE durch ein metallisches Stahlbad gegangen. Ein britisches Fachmagazin erfand diesbezüglich einfach den Genrestempel "CLUTCH on steroids"...und liegt damit gar nicht mal sooo daneben. Songs wie "Not another name" , "I will have you real" , "The battle of the sinkhole" , "Military wife" (cool!) oder "Ghost chair" mäandern somit irgendwo zwischen psychedelischen Passagen, harten Mid-Tempo-Bratereien, aufbrausender Hektik und feinfühliger Instrumentierung - allein die akustischen Klampfenzwischenspiele sind richtig klasse. Phasenweise fühlt sich gewiss auch mancher Postrocker geborgen, denn die atmosphärischen Laut/Leise-Dynamics verfehlen ihre Wirkung nicht. So far, so good! Darüber hinaus bleibt von "The sun never sets on the british empire" allerdings auch nicht viel Überragendes übrig. Obacht, um nicht missverstanden zu werden: BOVINE machen ihre Sache wirklich gut. Die Musiker stehen handwerklich weit über dem Durchschnitt, die Produktion ist solide (Gott halt!), der Gesang klingt ebenfalls sehr warm und ausdrucksstark. Und dennoch ist ein Großteil der Songs einfach nicht zwingend genug...nichts will sich beim Hörer nachhaltig festsetzen. Lobende Ausnahme: Mit dem grandiosen "Heroes are what" ist dem Quartett ein fetter Ohrwurm (geiler Chorus; noch geilerer Drive!) geglückt, der jedoch meilenweit aus dem Restmaterial hervorragt. Fairerweise möchte ich dem Album zugestehen, dass die musikalische Klasse sich vielleicht nicht auf Anhieb zu erkennen gibt - der zweite und dritte Durchlauf dieses 36-Minüters war nämlich schon weitaus unterhaltsamer. Und beim vierten Anlauf machte die Scheibe sogar richtig Spaß! Am Ende bleibe ich aber felsenfest bei meiner Durchschnittsbewertung...denn irgendwie, irgendwo und irgendwann hat man das alles halt schon mal besser gehört. Somit sind BOVINE ein klarer Fall von "Kann man haben - muss man aber nicht!". Entscheidet selber! Von mir gibt's verdiente drei Sterne mit steigender Tendenz.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Die satanischen Verse !!!, 29. April 2013
Heilig's Blechle! Diese Band ist keine Eintagsfliege...diese Band ist ein Monstrum! Das GHOST-Debüt "Opus eponymous" war vor knapp zwei Jahren eine der sonderbarsten Scheiben aus 2010, die mit ihrer Mischung aus düsterem MERCYFUL FATE-Riffing, Okkultrock-Atmosphäre und sakral-mönchsartigem Mummenschanz viele Leute vom Fleck weg begeisterte - auch ich zähle mich seitdem zum engen Kreise der "ghoul-followers". Und dennoch musste man irgendwie die Vermutung haben, dass das schwedische Sextett keinen adäquaten Nachfolger würde eintüten können. Und dass das vor dunklen Grusel-Klischees triefende Image sich vielleicht zuuu schnell abnutzen könnte. Der nun veröffentlichte Zweitling "Infestissumam" nimmt aber allen GHOST-Nörglern unisono den Wind aus den Segeln. Denn anstatt eine einfache Kopie á la "Opus eponymous 2.0" im Setzkasten zu entwickeln, haben die sechs Maskenmänner sich teilweise komplett neu aufgestellt und wandern auf bisher unbeschrittenen Pfaden. Größtes Risiko hierbei: Die spröden Metal-Einflüsse des Debüts wurden auf "Infestissumam" etwas zurückgefahren, woran sich so manch gestandener Headbanger doch etwas stören könnte. Dafür hat sich die Band - vor allem in der Breite! - musikalisch enorm weiterentwickelt, und sich dabei hörbar dem tiefsinnigen, melodisch begeisterndem Progrock der Siebziger Jahre geöffnet. Weniger Gitarren, dafür gaaanz viel Orgel. Weniger MERCYFUL FATE, dafür eine gesunde Portion früher GENESIS. Weniger Dunkelheit, dafür gaaanz viel Schönheit. Diese neue Ausrichtung beim Songwriting muss man nicht mögen - mich persönlich hat dieser 10-Tracker jedoch ab der allerersten Sekunde überwältigt. Seitdem schwebe ich in einer musikalischen Parallelwelt, in der sich GHOST neben Rock-Dinosauriern wie RAINBOW , BLUE OYSTER CULT , BLACK SABBATH , GENESIS , THE DOORS oder THE DEVIL'S BLOOD (unvermeidbar!) spielend behaupten können. Also, Manege frei! Mit brandneuen Gruselnummern wie "The depth of satan's eyes" (tolle Geister-Singalongs!), "Per aspera ad inferi" (geht tief unter die Haut!) oder dem elektronisch verfeinerten "Year zero" (schlichtweg unglaublich!) bestätigen die Schweden ihre "Opus eponymous"-Topform, wobei es sich die Band sogar leisten kann, mit dem schräg-zirkusartigen "Secular haze" den am wenigsten brillianten Song als erste Video-Auskopplung zu bringen. Der intrumentale Titelsong funktioniert gleich zu Beginn als fantastischer Dosenöffner im Selim Lemouchi-Breitwandformat, und hätte exakt so auch auf "Come reap" (THE DEVIL'S BLOOD) stehen können. Wunderschöne Doom-Rocker wie "Idolatrine" und "Body and blood" schrauben den Ohrwurmfaktor in schwindelerregende Höhen, und überzeugen quasi als poppiges Pendant zu "Stand by him" oder "Ritual" (beide vom Debüt!). Das abschließende "Monstrance clock" beginnt eher unauffällig, steigert sich aber mit jeder Sekunde zum anbetungswürdigen Doom/Prog-Kleinod, in dessen Verlauf sich Orgelzauberei und hymnische Choräle am Ende kongenial ergänzen. Gleiches gilt auch für das unfassbar eingängige "Jigolo har megiddo", bei dem der maskierte GHOST-Tastenmann ganz tief im epischen GENESIS-Reportoire (praktisch die gesamte Gabriel/Rutherford/Banks-Palette!) wildert, und dem Song damit einen raffinierten Artrock-Anstrich verleiht. Kein Zweifel, diese musikalische Vielfalt und Wandlungsfähigkeit wäre auf "Opus eponymous" noch komplett undenkbar gewesen. Beim zweigeteilten "Ghuleh / zombie queen" schießt der schwedische Geisterordern dann aber den finalen Vogel ab: Auch diese Nummer beginnt zunächst als ruhige, akustische Emotions-Wundertüte mit "And then there were three"-Gedächtnis-Keyboards, die beim Hörer für einen gewaltigen Schauer sorgt...nach einem Bruch gewinnen dann die heftigen Gitarren die Oberhand, um sich zu einer waschechten Hardrock-Hymne hochzuschaukeln. Hatte ich in diesem Zusammenhang schon die THE DEVIL'S BLOOD-Parallelen erwähnt? Ja? Gut, dann sag ich's eben nochmal damit es jeder kapiert! Fantastische Spannungsbögen wie handgemalt...ein nahezu blindes Verständnis der Gitarren- und Tastenfraktion...dazu dieser spöttisch eingängige Gesang von Papa Emeritus , für den man glatt den Genrebegriff "BEACH BOYS-go-Metal" erfinden müsste, und der die besungene Satans-Huldigung voller Inbrunst in die weite Welt hinausposaunen darf, ohne das man es ihm übel nimmt. Exakt so klingt Rockmusik am Rande der Perfektion! Haarscharf ausbalanciert zwischen Düsternis und melodiedurchfluteten Rechts- u. Linksschlenkern. Das Maskenimage ist nur Fassade...hier zählt das musikalische Ganze. Und da "Infestissumam" - wie auch bereits beim Vorgänger! - erneut kein Gramm Fett zuviel angesetzt hat, haben wir es hier mit einer der grandiosesten Rock/Metal-Scheiben 2013 zu tun. Ich lege mich fest: Über dieses Album wird man in vielen Jahren noch reden. Aber Vorsicht, is' ghoul man!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Vollgas unterm Zuckerhut !!!, 20. April 2013
Kurzes Album, kurze Rezi: Das die brasilianischen Black-Thrasher von BODE PRETO die einzigen Soli auf ihrer Scheibe "Inverted blood" von Gast-Gitarristen haben einspielen lassen, spricht nicht unbedingt für die Musikalität des Duos. Erst recht nicht, wenn die 9 Songs (inkl. Intro) in rekordverdächtigen 26 Minuten runtergehackt werden. Die erste Vorahnung, dass es sich bei den Herren Josh S. (voc./git.) und Adelson (dr.) um aussichtslos mindertalentierte Grobmotoriker handelt, bewahrheitet sich jedoch nicht. Denn obwohl ca. 95% dieser Brutalität-Darbietung in emotionslosem Uptempo runtergeholzt werden, kann der Hörer die spielerischen Konturen von "Inverted blood" jederzeit erkennen. BODE PRETO meistern dieses Chaos mit Methode! Schwarzmetallische Nackenbrecher wie "Black mirror" , "Mother of ferocity" , "The erection of the cross" und "Children of suicide" haben eine klare Linie, verdächtig eingängige Strukturen und - man glaubt es kaum! - einige brilliante Melodien im Köcher. Hinter der Schießbude stellt ein nimmermüder Duracell-Hase einen neuen Stumpfheits-Weltrekord für die Ewigkeit auf, während sich die Riffs mal schräg, mal lässig, zumeist aber bitterböse beim Hörer wie ein glühendes Brandeisen einbrennen. Checkt einfach mal den Übersong "Elytron (succubus)" an - und schweigt danach für immer! Für mich klingt "Inverted blood" ungefähr so, als würden sich Musiker von HELLHAMMER , SODOM , VENOM und IMPALED NAZARENE eine versoffene, knapp halbstündige Proberaum-Schlägerei liefern, während im Hintergrund "Storm of the lights bane" (DISSECTION) auf 45 Umdrehungen läuft. Eine Machtdemonstration! Ob das Ganze nun typisch brasilianisch ist, dass sollen besser die eingeweihten Szene-Experten beurteilen. Mich jedenfalls haben die beiden Selecao-Sickos auf diesem Album zeitweise gewaltig "abgeholt". Für die brettharte War/Black/Thrash-Metal-Zielgruppe (u.a. ARCHGOAT , SARCOFAGO und NEKROMANTHEON) definitiv ein Must-Kauf! Schade nur, dass man die Texte im Booklet - bei höchstens Schriftgröße 1 - nicht entziffern kann. Ein kleiner Kriktikpunkt für eine ansonsten tadellose Baller-Scheibe. Undergroundig gut!
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4.0 von 5 Sternen
Freddy vs. Jason !!!, 15. April 2013
Es gibt Bands, die in ihren Lyrics komplett durchdachte, fein ausgetüftelte Fantasy-Konzepte vor dem inneren Auge des Hörers ausbreiten. Andere wiederum prangern aktuelle, weltpolitische Missstände an, ohne dabei mit Sozialkritik zu geizen. Und dann gibt es die Sorte von Acts, deren Texte überhaupt keinen tieferen Sinn haben, und die einfach nur zusammenhangslos über Dinge schreiben, die ihnen irgendwie "zugeflogen" kommen. Die US-Thrasher von PROWLER gehören zu keiner dieser genannten Gruppen...gehen aber auf ihrem Silberling "After you" dennoch nach einem gewissen inhaltlichen Konzept vor: Sie singen einfach über Horror-Filme! Das macht Spaß, tut keinem weh - und die Ideen kommen von ganz alleine! So trifft der Hörer während der 43 Minuten gaaanz viele alte Bekannte aus seiner Jungendzeit wieder...denn kultige Gruselschinken wie "Freitag der 13." , "The lost boys" , "Halloween" , "Hellraiser" oder "Night of the living dead" haben aus nostalgischer Sicht schon einen gewissen Reiz, der einfach sehr gut zum Heavy-Metal passt. Und damit ist dieses Konzept dermaßen bescheuert, dass es gleichzeitig schon wieder genial ist! Ganz nebenbei machen PROWLER aber ja auch noch Musik...und die ist insgesamt nicht von schlechten Eltern. So orientiert sich das Trio auf "After you" vornehmlich an urtypischem Thrash/Speed-Sound á la FLOTSAM & JETSAM , ANNIHILATOR und OVERKILL. Wichtigster Einfluss ist und bleibt aber eine unverkennbare Affinität zu Uralt-METALLICA, die omnipräsent und unverkennbar über dem 9-Tracker schwebt. Trotz gelegentlicher Ausbrüche sind die Songs dabei meistens im groovigen Midtempo angesiedelt, und passen perfekt ins "Seek & destroy" / "Ride the lightning"-Schema. Auch gesanglich sind die Parallelen zu James Hetfield leicht rauszuhören. Mit den großartigen "The dead rise again" , "Friday the 13th" und "Say hello to the nite" (mit witzigem Kinderchor!) feiern PROWLER gleich einen bärenstarken Einstand, nehmen sich aber in Folge einige kompositorische Auszeiten - u.a bei den recht beliebigen "Book of the dead" und "What's your pleasure". Macht aber nix, selbst im Horrorland wachsen die Bäume schließlich nicht in den Himmel. Bei einer Band wie PROWLER, die den Hörer vor allem über die Spaßkomponente (!) packt, dürfen die Riffs auch gern mal etwas unspannender aneinandergereiht werden. Musikalische Glanzleistungen vollbringen andere - diese Band macht's ausschließlich "for the fun of it". Und trotz einiger songwriterischer Defizite sind die Musiker alles andere als dilettantische Nichtskönner, wie z.B. die melodisch ansprechenden "The tall man" und "Haddonfield" (cool!) beweisen. Garniert wird das schaurige Splatter-Scheibchen durch zahlreiche Original-Filschnippsel und Zwischenspiele, die "After you" als konzeptionelles Ganzes zusammenhalten. Dadurch erlangt der 43-Minüter teilweise sogar schon Hörspielcharakter. Reizvolle Sache! Fazit: Die irische Plattenfirma "Slaney Records" hat beim Signing von PROWLER erneut ein glückliches Händchen bewiesen. Denn ähnlich wie bei den Labelmates POSSESSOR ("Cities built with skulls" , "Make them eat metal") oder VINDICATOR ("United we fall") gibt man einem jungen, unverbrauchten Newcomer eine Chance. Alles in allem kann das Trio zwar (noch!) nicht mit den beiden Bands mithalten, hat aber die breite Aufmerksamkeit der Thrash-Gemeinde durchaus verdient. Denn eines haben alle "Slaney"-Veröffentlichung immer noch gemeinsam: Hier gibt es Musik von Fans, für Fans! Und somit sind auch PROWLER sicherlich keine neuen METALLICA...sondern vor allem reine Herzensangelegenheit.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Das rote Pferd !!!, 14. April 2013
Offensichtlich sind die vier Kalifornier von EARLY GRAVES weder große Mallorca-Touristen, noch begeisterte Aprés-Ski-Kenner. Weil ansonsten hätte sich die Band nicht den Titel eines der peinlichsten, deutschen Stimmungs-Hits als neuen Albumnamen ("Red horse") ausgesucht. Achtung, jetzt wird's heftig: "Da hat das rote Pferd sich einfach umgekehrt und hat mit seinem Schwanz die Fliege abgewehrt. Die Fliege war nicht dumm, sie machte summ, summ, summ. Und flog mit viel Gebrumm um's rote Pferd herum."...und so weiter. Bröäh, ich könnt kotzen! Gott sei Dank ist das Frisco-Quartett aber etliche Meilen von oben genannter Fremdschäm-Lyrik entfernt, gäbe aber bei einer musikalischen Verwüstung der ballermannschen Discomeile gewiss eine tolle Figur ab. Skandal in der Schinkenstraße - der Ballermann wird weggeballert! Tim fliegt das Toupet vom Kopf...Roberto Blanco versucht sich im Propeller-Headbanging...Jürgen Drews bricht sich beim Crowdsurfing einen Zacken aus der Krone...und kein geringerer als Michael Wendler führt während der alles vernichtenden 32minütigen Spielzeit die "wall of death" an. All-inclusive versteht sich! Sorry, ich schweife ab...aber träumen wird jawohl noch erlaubt sein. Auf ihrem brandneuen Hassbatzen "Red horse" (die beiden Vorgänger "Goner" und "We the guillotine" sind mir bis dato unbekannt!) entfachen EARLY GRAVES einen derart furchteinflößenden, megabrutalen Sound-Tornado, dass einem schlichtweg die Spucke wegbleibt. Und im puren Zerstörungswahn ist der Band dabei jedes Mittel recht. EARLY GRAVES interpretieren den "Wolverine blues" in tobender Dreifachgeschwindigkeit. Aber darüber hinaus stehen sie stellvertretend für alle Fans, die auf klassische "Core"-Musik stehen. Bedeutet: Hier gibt es die knüppeldicke Vollbedienung aus Ami-Hardcore, rumpelndem Grindcore und - als wichtigste Zutat! - eine volle Kelle abartigsten Crustcore. Songs wie "Death obsessed" , "Apocalyptic nights" , "Pure hell" (wie wahr!) sowie die furiosen "Misery" , "Skinwalker" und "Days grow cold" hinterlassen nichts als Schutt und Asche, sind aber in letzter Konsequenz eigentlich nur purer Rockn' Roll. Jedes weitere Wort wäre eigentlich zu viel - aus positiver Sicht! Denn dem ihrem Gespür für brachiale Hooklines gibt es auch immer wieder feinfühlige Kurzzeitmomente, in denen die Melodien das Wort haben. So endet der Rausschmeißer "Quietus" in einem dieser typischen, minutenlangen Crustpunk-Chillouts, die einem sonst nur von einer Band wie MORNE begreifbar gemacht werden. Goil ! Alles andere ist der bloße Wahnsinn. Runtergerotzt in einem kratzigen, herrlich dumpfen Soundgewand, das allen seelenlosen "copy & paste"-Produzenten (Tägtgren, Madsen) den stinkenden Mittelfinger zeigt. Die kollektive Death/Grind/Punk-Raserei, bei der alle Fans von u.a. TERRORIZER , ENTOMBED , AGNOSTIC FRONT , DISCHARGE , REPULSION , AMEBIX oder WOLFPACK lieber jetzt als sofort zum Portemonnaie greifen. "Red horse" ist Pflicht, ganz einfach!
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4.0 von 5 Sternen
Hackebeilchen tut Leckermäulchen gut !!!, 12. April 2013
Laut ehrlicher Selbstauskunft können die Leute aus Baden-Württemberg alles - nur kein Hochdeutsch. Nun ja, Death-Metal können sie offensichtlich! Denn neben den großartigen REVEL IN FLESH steht mit CASKET ein weiterer hochkarätiger Act aus dem Schwabenland - genauer gesagt aus Reutlingen - auf der Matte, der sich dem urwüchsigen Todesblei verschrieben hat. Obwohl die Band bereits auf eine ellenlange Historie zurückblicken kann, dürften die bisherigen Full-lenght-Scheiben "Under the surface" und "Upright decay" weitestgehend unbekannt sein. Über 20 Jahre (!) nach Bandgründung wird mit "Undead soil" nun das dritte Langeisen rausgekloppt. Exzellentes Timing: Denn im Zuge der seit Monaten anhaltenden, deutschen Todesblei-Welle dürfte das schwäbische Trio bei vielen Krachfanatikern offene Türen einrennen. Insbesondere alle Freunde des ungestümen US-Death-Metal können sich hier ein zweites Loch in den Allerwertesten freuen...denn stilistisch orientieren sich CASKET hingebungsvoll an Uralt-Hauern wie IMMOLATION , OBITUARY , den frühen SIX FEET UNDER und CANNIBAL CORPSE. Vor allem der Einfluss der fünf "Kannibalen" hat auf diesem 12-Tracker mehr als eindeutige Spuren hinterlassen, so dass der Hörer sich teilweise tatsächlich an das blutig-eiternde Triple "Tomb of the mutilated" , "The bleeding" und "Vile" erinnert fühlt. Einspruch abgelehnt: Die drei Reutlinger sind echt Experten des hundsgemeinen Psychopathen-Sounds, bei dem spielerisches Können erstmal zweitrangig ist. Anstatt die Moorleiche fein säuberlich mit dem Skalpell zu sezieren, kann man den ranzigen Torso schließlich auch mit dem Beil kurz und klein hacken und die Körperteile danach zusätzlich durch den Fleischwolf drehen. Autsch, Herr Doktor! Trotz dieser ruppigen Haudrauf-Einstellung wissen CASKET aber durchaus etwas mit ihren Instrumenten anzufangen, ohne sich dabei aber all zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Die Balance passt ganz einfach! Übrigens, so wie das britische Todesblei-Kommando BOLT THROWER haben CASKET eine Bassistin (!) an Bord, was aber natürlich zu keiner Zeit auffällt. Erwähnen wollte ich es dennoch. Darüber hinaus lassen Songs wie "Dead men refuse to speak" , "Masturbating in psalms" , "Superior to all" , "Digital price" , "Optional disaster" , "Bloodwolf" oder die famos umtriebige Granate "The dark mark" (Höhepunkt!) keine Wünsche offen. Derbe Hausmannskost aus eigener Schlachterei, bei der man sich mit allergrößtem Appetit den Ranzen vollhauen möchte. Und das sage ich als überzeugter Vegetarier! Größtes Manko: Richtig eigenständig ist "Undead soil" leider nicht...bei den wenig inspirierten Passagen gibt es hier und da sogar einige Längen. Für willkommene Auflockerung im Sound-Sturm sorgen hingegen die kurzen Intrumentals "Immortal ways" , "Continuous" und "Reincarnate", bei denen CASKET vom Reutlinger Schlagzeuger/Percussionisten BRAD CHAINSAW unterstützt werden. Diese akustischen Zwischenspiele tun "Undead soil" hörbar gut, so dass jeder Hörer ohne die Anzeichen von Sekundenschlaf durch die 42 Minuten kommt. Aufgeweckte Metaller kommen dann beim coolen "Hirschtanz" auf ihre Kosten, das einem doch irgendwie bekannt vorkommt. Wo und von wem man diesen Song schon mal gehört hat, soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden. Ich will schließlich niemandem den Rätselspaß verderben! Tja, und abgerundet wird das Album von seiner stimmungsvollen Gestaltung, die im Digipak-Format wirklich einiges hermacht. Schickes Teil! Death-Metal-Puristen müssen unbedingt zuschlagen...alle tonleiterfixierten Technik-Nerds mit zuuu hohem Anspruchsdenken sollten aber die Griffel von diesem Teil lassen. Denn diejenigen wären bei der neuen STEVEN WILSON-Scheibe wohl eindeutig besser aufgehoben. 4 Sterne!
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