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Rezensionen verfasst von
SisterDew (Deutschland)

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Ausgerechnet Alaska - Die komplette Serie in limitierter Holzbox (28 DVDs) (exklusiv bei Amazon.de)
Ausgerechnet Alaska - Die komplette Serie in limitierter Holzbox (28 DVDs) (exklusiv bei Amazon.de)
DVD ~ Rob Morrow
Preis: EUR 152,97

56 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Cicely is a State of Mind, 21. September 2015
"Charme, Sophistication und Leichtigkeit bilden seit jeher die Eckpunkte einer viel zu seltenen, etwas anderen Form der Subversion - wie eben in AUSGERECHNET ALASKA. Also los, erinnern wir uns! An den unter die Hinterwäldler geratenen Dr. Fleischman, der immer nur zurück nach Hause wollte und selbst von dem Mädchen mit dem phänomenalen Lächeln nicht so recht zu überzeugen war..." (Sky Nonhoff)

Viel treffender und schöner kann man wohl gar nicht den wesentlichen Aufhänger der Ausnahmeserie "Ausgerechnet Alaska" auf den Punkt bringen. Aber auch wenn der jüdische Großstadtneurotiker Joel Fleischman gezwungen wird, das Stipendium für sein Medizinstudiums in Cicely (einem provinziellen 840-Seelen Nest mitten in der Wildnis von Alaska) abzuarbeiten und an der fremden Kultur, den frugalen Lebensverhältnisse und an der familiären Dorfgemeinschaft zu verzweifeln droht, wäre es ungerecht, die Serie nur auf den "New-Yorker mit Heimweh" zu reduzieren, - denn "Ausgerechnet Alaska" lebt von all den fabelhaften Protagonisten, die erstaunlicherweise gerade dadurch authentisch und liebenswert wirken, weil sie fast alle mit unausstehlichen Eigenarten aufwarten.
Allerdings geht es um so viel mehr, als nur um eine Hand voll außergewöhnlicher Menschen, die in einem idealistischen Mikrokosmos drollige Abenteuer erleben.
Es geht darum, daß offensichtlich auch ein intelligentes, anspruchsvolles Format jenseits von so abgehalfterten Comedy-Fossilen wie "Al Bundy" massentauglich sein kann, solange es nur in einem unterhaltsamen Rahmen steckt. Das ehrgeizige Projekt der beiden Produzenten Joshua Brand und John Falsey ist geglückt, - und zwar ganz ohne Lachkonserven und abgedroschenen Stereotypen. In Amerika wurde "Northern Exposure" in den Printmedien als "The Coolest Show Ever" gefeiert, während "Ausgerechnet Alaska" hierzulande leider quotentechnisch sowohl RTL als auch VOX enttäuschte, - was allerdings nicht zuletzt an den unattraktiven Sendeterminen lag. Doch an der Qualität der Serie gibt es unter Kritikern keinen Zweifel. Sechs Staffeln, einhundertzehn Folgen, hat "Ausgerechnet Alaska" auf allerhöchsten Niveau neue Standards gesetzt, die so viele Serien beeinflußt haben. Mehr oder weniger offen ahmen vergleichsweise gute Sendereihen wie "Picket Fences" über der (wie ich persönlich finde) allgemein überschätzten "Ally McBeal" bis hin zu den eher dümmlichen "Men in Trees" die Ausnahmeserie "Ausgerechnet Alaska" nach. Überall lassen sich Anleihen entdecken, wenn man sich tatsächlich die Mühe machen und sich durch die oft drittklassigen Plagiate quälen würde.

Doch obwohl "Ausgerechnet Alaska" so viele Alaska-spezifische Probleme wie Alkoholismus, Selbstmord oder Depressionen weitestgehend ausklammert, ist Cicely mit seinen komplexen Charakteren kein Utopia.
Da wäre natürlich Joel Fleischman, der New York dermaßen verinnerlicht hat, daß er mit seinen schizoiden Großstadtallüren die geduldigen Cicelianer bestenfalls konsterniert. Da ist die impulsive Maggie O'Connell, die den weiblichen Part einer diffizilen Beziehung zwischen den beiden "gegenseitig, begehrenden Unvereinbaren" (Maggie & Joel) bildet. Da ist die schrullige Ruth-Anne Miller, die einerseits erstaunlich liberal auftritt und dann doch so ekelhaft kompromißlos und dogmatisch sein kann, daß man vor Wut in den Teppich beißt. Oder die stoische Sprechstundenhilfe Marilyn Whirlwind, der man am liebsten persönlich in den Hintern treten möchte, wenn sie wieder mal nur einsilbig und phlegmatisch auf einen dieser herrlichen, cholerischen Anfälle des Doktor Fleischman reagiert. Da ist der gutmütige Holling Vincoeur, der aus einer rücksichtslosen Akristokratenfamilie abstammt und doch das Herz der naiven "Miss Northwest-Passage" Shelly Tambo erobern konnte, weil er sich von der Bosheit seiner Ahnen distanziert. Da ist das schwule Paar, Ron und Erick, die erfreulichweise keines der üblichen tuntigen Klischees erfüllen, die gerade in amerikanischen Komödien und Serien so gerne bemüht werden. Diszipliniert, geschäftig und durchaus zynisch führen sie ihre kleine Frühstückspension am Rande der Stadt. Großartig sind auch Adam und Eve: der psychopathische Meisterkoch, Gourmet und Obskurant, der hinter jeder Ecke eine Intrige vermutet (und man als Zuschauer jedesmal im Unklaren gelassen wird, ob er nun paranoid ist oder genial) und seine hochgradig hypochondrische Gattin, die Joel in einer Folge bei sich zu Hause niederschlägt und in Ketten legt, weil sie unbedingt einen Arzt in ihrer Nähe haben will. Nicht zu vergessen natürlich der reaktionäre, homophobe Ex-Astronaut Maurice Minnifield, der immer wieder mit seinem beachtlichen Vermögen Cicelys Aufschwung einzuläuten versucht und dabei auf eine gepfefferte Rendite spekuliert. Doch nichts ist ihm so verhaßt wie Mitleid oder Almosen. Als ihm in einer Lebenskrise seine Sozialversicherung eine Auszahlung ankündigt, teufelt er: "Ihr steckt mir Nadeln in die Puppe!" und wehrt sich gegen den gesellschaftlichen Voodoo auf seine ganz persönliche, trotzige Art und Weise. Aber im Gegensatz zu seinem Logen-Bruder Lester Haynes hat Maurice kein Herz aus Stein. Während der verkorkste Patriot Minnifield - trotz seines privilegierten Reichtums - menschlichen Anstand bewahrt hat, ist sein indianischer Rivale Haynes völlig entwurzelt, - der Kapitalist hat keinerlei Bezug mehr zu seiner Kultur und geht über Leichen.
Und gerade diese raffinierten Analogien machen den Unterschied zu anderen Serien, denn "Ausgerechnet Alaska" atmet geradezu Symbolik, Metaphern und Mythen. Unterschwellig und amüsant bringt sie dem Zuschauer Psychologie, Philosophie und Literatur näher, - ohne den moralinsaurem Beigeschmack einer "Bill-Cosby-Show"! Oder wie ein schlauer Kopf in dem Zuschauerforum des Kulturkanals ARTE einmal über "Ausgerechnet Alaska" schrieb: "Welche Serie befaßt sich denn sonst mit Literatur von Dostojewski bis Thoreau, von Heidegger bis Tolstoi? Welche Serie setzt sich ernsthaft, wenn auch oft mit leiser Ironie, mit den Texten Joseph Campbells, mit der Frage, was Kunst ist, mit Katholizismus, Judentum und Agnostik (...)" Und auf dieser Erkenntnis will ich jetzt erst einmal weiterreiten, bis der Klepper zusammenbricht:

Ed Chigliak beispielsweise symbolisiert den Schmelztiegel Cicely. Der indianische Waise verkörpert zu gleichen Teilen weiße als auch indianische Kultur. Einerseits zum Heiler berufen, andererseits dem Kino verfallen, versucht er, sich in seiner Welt zurecht zu finden. Diese innere Zerrissenheit zwischen Schamane und Drehbuchautor, zwischen Stammes-Mythologie und den Hollywood-Geschichten macht ihn gleichzeitig liebenswert und bedauernswürdig, denn er stolpert orientierungslos durch die Serie, besessen und gepeinigt von seinem Dämon: "Geringe Selbstachtung".
Auch der O'Connell-Fluch ist solch ein phantastisches Paradoxon. Die Liebe der emanzipierten Buschpilotin Maggie O'Connell rafft früher oder später alle ihre Liebhaber auf irrsinnigste Weise dahin. Das ist emotionale Algebra... und weder der Superallergiker Mike Monroe noch Joel Fleischman sind in der Lage, Maggies Liebe dauerhaft zu erwidern resp. die Gleichung ausgewogen zu gestalten. Sie flüchten, bevor sie sterben (müssen)!
Oder der Schamane Leonard, der in einer Episode versucht, das "kollektive Unterbewußte der Weißen" anhand deren Mythen und Legenden zu lokalisieren und dabei erkennen muß, daß die Geschichten, die er sich erzählen läßt, keinerlei Sinn ergeben und Chris weiß auch warum: "Die Massenproduktion hat den Kapitalismus eingeleitet, aber daß hat das Individuum geschwächt, das daraufhin Gott getötet hat und wir - als Gesellschaft - haben das Vakuum mit Angst und Paranoia gefüllt".
Wie kritisch und humorvoll die Serie sich selbst analysiert, zeigt ein Beispiel: Über fünf Staffeln haben die Drehbuchschreiber den intellektuellen Radio-DJ und Frauenschwarm Chris Stevens zum absoluten Publikumsliebling aufgebaut, nur um ihn dann in einer einzigen Folge von einer Bauchrednerpuppe, dem "hölzernen Amerikaner", zu demontieren. Die geistreichen Aphorismen (quer durch Literatur & Philosophie) und psychologischen Schlenker (Freud & Jung), mit denen Chris den Zuschauer begeistert hat, entpuppen sich plötzlich als viel zu anstrengend, als dass man diesen selbstverliebten, ambivalenter Schwätzer auch nur einen Tag ertragen wollte.
Ein schönes Beispiel der berühmten "Welten, die aufeinander prallen", ist die Episode, in der Joel ein prähistorisches Mammut unter einer Schneedecke entdeckt. Doch noch bevor er diesen sagenhaften Fund wissenschaftlich erforschen kann, ist schon der einheimische Trapper Walt Kupfer mit Dynamit und Kettensäge zur Stelle und macht aus dem Urviech bedenkenlos Hackfleisch... So setzt jeder seine Prioritäten!
Oder die Geschichte, in der Ruth-Anne mühselig versucht, italienisch zu lernen, damit sie Dantes "Göttliche Komödie" im Original lesen kann und dabei mißgünstig feststellt, dass die naive Shelly ihr unglaubliches Talent für Fremdsprachen gnadenlos vergeudet.
So viele wunderbare Handlungen gäbe es zu erzählen, die in der Regel nie nur zu Unterhaltungszwecken ausgedacht wurden, sondern stets ein philosophisches Motiv besitzen: zum Beispiel vom Maggies katapultierten Klavier oder von Bob, "dem fliegenden Mann", oder von Rabbi Schulmans Besuchen in Cicely oder als Chris der Wintersonnenwende mit Goethes letzten Worten "Mehr Licht!" ein Schnippchen schlägt oder wie es dem leibhaftige Satan (in der jämmerlicher Gestalt eines schmierigen Badewannenvertreters ) beinahe gelingt, Shelly zu verführen oder...

Aber all diese Geschichten gibt's ja nun endlich in dieser phantastischen DVD-Sammlung, deren Veröffentlichung mit der deutschsprachigen Tonspur fast wie eine kleines Wunder erscheint. Viele Jahre verhinderte nämlich ein Musikrechte-Problem die digitale Vermarktung der Serie und sorgte für lange Gesichter bei den Fans, mit denen der Seriengott angesichts der vielen verpatzten TV-Ausstrahlungen ja nicht gerade zimperlich umgesprungen war. Doch nun erbarmte sich Turbine Media und läßt mit der Jubiläumsausgabe keinen Wunsch offen: alle 110 Folgen auf 28 DVDs in optimierter Bildqualität mit wahlweise deutscher und englischer Tonspur, - und zwar jeweils mit der Original-Musik! Zusätzlich haufenweise unveröffentlichte Szenen und andere Outtakes mit deutschen Untertiteln und reichlich Gimmicks in einer exklusiven Holzkiste. Ich bin begeistert!

"Ausgerechnet Alaska" ist nicht nur eine der besten TV-Serien aller Zeiten, "Ausgerechnet Alaska" ist eine Lebensphilosophie! Oder um es noch einmal mit Sky Nonhoffs Worten zu sagen:

"Romantik! Das dazugehörende Zögern! Hormoneller Swing! Pure Bewußtseinserweiterung"

Wow, dem gibt es nichts hinzuzufügen!
Kommentar Kommentare (24) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 9, 2016 2:00 PM CET


New World Order X - Das Ende der Menschheit
New World Order X - Das Ende der Menschheit
DVD ~ Tommy Martin
Preis: EUR 9,99

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Hilfe, gebt mir Torpase!, 9. September 2015
Wenn man von Filmen noch nie was gehört hat, dann hat das in der Regel seinen Grund. Und obwohl ich in jüngster Zeit schon so manches Mal (zum Beispiel mit "Miss Meadows" oder "Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach") heftig auf die Nase gefallen bin, schaue ich bisweilen trotzdem gerne Low-Budget-Produktionen, denn hin und wieder (ganz selten!) erwischt man dann doch einen Streifen, der einen restlos begeistern.

Das krasse Gegenteil von Begeisterung erwartet jedoch den aufgeschlossenen Cineasten bei "New World Order X". Dieses stümperhaft dahingerotzte Machwerk müsste eigentlich ein "New Rating System" für Amazon-Rezensionen einläuten, das auch negative Sterne zuläßt. Wenn ich nämlich jetzt meine bisherigen 1-Stern-Bewertungen ansehe und mit diesem wertlosen Stumpfsinn vergleiche, stellt sich eine gewisse Reue ein, denn neben "New World Order X" erscheinen selbst Til-Schweiger-Komödien wie grandiose Meisterwerke.

Während eine ganze Reihe Avantgarde- oder Experimentalfilme ihre beschränkten (finanziellen) Mittel durch außergewöhnliche Geschichten oder Schauspielerleistungen egalisieren, enttäuscht "New World Order X" auf wirklich jeder Ebene: Drehbuch, Casting, Dialoge, Regie, Kameraeinstellungen, Schnitt, Lichttechnik, Synchronisation, Geräuschkulisse... alles ist eine einzige Katastrophe. Eine Schüler-Film-AG könnte nicht unangenehmer versagen. Es grenzt meines Erachtens an Unverschämtheit, solch einen dilettantischen Mumpitz zu veröffentlichen. Die Story ist unausgegoren und sprunghaft, die erzählerische Dichte ein Witz. Und wenn manche Undergroundproduktionen wenigstens aufgrund ihrer unfreiwilligen Komik zum Geheimtip avancierten, so kann man "New World Order X" nur völlige Humorlosigkeit attestieren. Es ist davon auszugehen, dass diejenigen, die diese primitive Science-Fiction nicht vorzeitig abschalten (konnten), entweder vor dem TV-Gerät verendet sind oder von Sadisten zum Gucken gezwungen wurden. Sagen Sie also später nicht, man hätte Sie nicht gewarnt!


Jonathan Strange & Mr Norrell [Blu-ray]
Jonathan Strange & Mr Norrell [Blu-ray]
DVD ~ Bertie Carvel
Preis: EUR 15,49

13 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Sehen Sie auch genau zu?, 5. September 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Jeder Zaubertrick besteht aus drei Akten.
Im ersten Teil wird das Thema vorgestellt: der Magier zeigt Ihnen etwas ganz Gewöhnliches: ein Kartenspiel, einen Vogel oder eine Person. Er zeigt Ihnen dieses Objekt. Vielleicht bittet er Sie auch darum, es zu inspizieren, damit Sie sehen können, dass es wirklich echt ist, ja, unverfälscht und normal. Doch wahrscheinlich ist es das natürlich nicht.

In der zweiten Phase geschieht der Effekt: der Magier nimmt das gewöhnliche Objekt und lässt damit etwas Außergewöhnliches geschehen. Nun suchen Sie nach den Geheimnissen, aber Sie werden es nicht finden, denn natürlich ist es so, dass Sie nicht wirklich hinsehen; Sie wollen es eigentlich gar nicht wissen. Sie wollen sich täuschen lassen.

Aber noch applaudieren Sie nicht, denn etwas verschwinden zu lassen, ist nicht genug - man muss es auch zurückbringen. Aus diesem Grund hat jeder Zaubertrick einen dritten Akt, den schwierigsten Teil, das Finale.
Man nennt ihn Prestigio."

Das ist sowohl der Prolog als auch das Geheimnis des gleichnamigen Spielfilms ("The Prestige") von Christopher Nolan, in dem zwei Zauberkünstler in einem unerbittlichen Konkurrenzkampf miteinander stehen. Wer diesen herausragenden Film kennt und von "Jonathan Strange & Mr. Norrell" eine ähnliche Dramatik erhofft, wird bitter enttäuscht sein, denn statt eines Prestigios warten auf den Zuschauer nur sieben Stunden märchenhafte Langweile mit müden Special-Effect statt Magie und einer äußerst dünnen Geschichte ohne packenden Zauber.

Die Serie ist gefällig in Szene gesetzt, aber das Setting wirkt auf den zweiten Blick doch ein wenig sperrholzartig und gewollt. Wie bei den meisten BBC-Produktionen sind die beiden Protagonisten relativ interessant entwickelt. Der kauzige, verkopfte Mr. Norrell und der impulsive, weltoffene Jonathan Strange erinnern womöglich ein bisschen an Kehlmanns Gauß und Humboldt, ohne selbstredend auch nur ansatzweise das schöpferische Potenzial von "Die Vermessung der Welt" zu erreichen. Der Plot zieht sich quälend träge durch die Episoden, ohne dass Eigendynamik oder Spannung das Publikum mitreißt. Von einem "furiosen Duell" und einer erbitterten Rivalität der beiden Kontrahenten ist im Klappentext der DVD/Blu-ray die Rede, tatsächlich erleben wir aber nur ein sprunghaftes Fantasy-Abenteuerchen, in dem sich zwei drittklassige "Harry Potter" in die Welt der "Märchenbraut" verirrt haben. Als dramaturgischer Höhepunkt grüßt Goethes "Zauberlehrling", aber die heraufbeschworenen Geister entführen den Zuschauer viel zu oft in ein obskures Schattenreich, deren (unfreiwillige) Bewohner stets einem ermüdenden Ringelpiez mit Anfassen frönen.

Die Handlungsstränge sind wirr verwebt und man vermisst eine stringente Linie, streckenweise behindert die Story sich selbst und tritt auf der Stelle. Statt sich ein wenig schlüssiger der Karriere des Jonathan Strange zu widmen, sehen wir den Schürzenjäger mit zwei Zaubersprüchen hantieren und wenige Szenen später ist das vermeintliche Naturtalent schon zu Mr. Norrells ebenbürtigen Kompagnon avanciert. Das überrascht schon deshalb, weil die Autorin Mr. Norrell als eine Art "Gralshüter der wahren Zauberkunst" aufbaut, die er geradezu akademisch kultiviert. In der Serie ist Magie jedoch lediglich Hexenwerk. Der passende Spruch aus dem richtigen Buch, vielleicht noch ein angestrengtes Körperzucken, und Abrakadabra, die Fresken erwachen zum Leben. Hex, hex, und eine enorme Geisterflotte schippet vor Frankreichs Küste.
Da wir uns ja die verschachtelte, aber dennoch plausible Erzählstruktur von "The Prestige" bereits abgeschminkt haben, müssen wir hier Magie einfach als natürliche Elementarkraft hinnehmen. Was jemanden jedoch befähigt, diese auch zu praktizieren, bleibt ebenso vage, wie die Fehde der beiden ehemaligen Freunde. Der Konflikt ist vielleicht noch nachvollziehbar, doch die Konsequenz nicht annähernd so dramatisch, wie es die Produktbeschreibung verspricht. Letztendlich geht es in "Jonathan Strange & Mr. Norrell" doch nur (wieder) um die gewaltige Kraft der Liebe. Vieles hätten sich und uns die beiden Zauberer ersparen können, hätten sie folgenden Spruch in einen Spiegel gemurmelt: "Katzenauge, Eulenschrei, - was verschwunden, komm herbei!". Denn niemand interessiert sich für die Frau, die verschwindet, - entscheidend ist das Prestigio.


Honig im Kopf
Honig im Kopf
DVD ~ Emma Schweiger
Preis: EUR 6,99

80 von 113 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Quark im TV, 29. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Honig im Kopf (DVD)
Mein Name ist Dr. Lankester Merrin, ich bin Neurologe an der Filmakademie Berlin und habe den traurigen Auftrag, diesen bedauerlichen Unfall von einem Spielfilm zu durchleuchten.

Auf geht's, - schauen wir uns 'Honig im Kopf' doch mal etwas genauer an!
Die gute Nachricht vorweg: nach einer ausgiebigen Analyse des Streifens kann ich Entwarnung geben: Dieter Hallervordens kognitiver Zustand hat sich seit Mitte der 70er nicht signifikant verändert. Der Mann ist bereits seit geraumer Zeit palim-palim. Hier kann also aufgeatmet werden.

Und doch finde ich eine ganze Reihe Anhaltspunkte, die auf eine hochgradige neurodegenerative Erkrankung des Film schließen lassen. So versucht "Honig im Kopf" die wahnwitzige Kapriole das medienwirksame Thema "Alzheimer" durch das Schweiger'sche Komödien-Schema zu zwängen. Dass die abgedroschene Film-Ästethik offensichtlich immer noch einem Millionenpublikum gefällt oder besser gesagt, dass der sich stets wiederholende Aufbau der Filme ein Millionenpublikum offensichtlich nicht langweilt, gibt mir ein psychoanalytisches Rätsel auf, das ich momentan nur mit "gesellschaftlicher Verblödung" oder sogar "Übertragung" beantworten kann.
Die Anamneseerhebung hat jedenfalls ergeben, dass "Honig im Kopf" mindestens vier ältere Geschwister besitzt, die ebenfalls unter gravierenden neurologischen Ausfällen leiden. Trotz der eindeutigen X-chromosomalen Vererbung führte der Vater die Reproduktion mit unbeirrbarer Konsequenz fort und folgt dabei erbarmungslos einem strikten Muster, von dem er seit dem ersten Nachkommen ("Keinohrhasen") nicht abweicht.

Folgende erschreckende Symptomatik, die der Vater zynisch als sein "Erfolgsrezept" bezeichnet, konnte ich bei alle Abkömmlingen diagnostizieren.
Mein Befund wird übrigens auch durch die Leichenschau von "Kokowäah 2" meines geschätzter Kollegen Dr. Albert Rosenfield gestützt.

Zunächst fällt auf den ersten Blick eine prominente endokrine Orbitopathie auf, die sich besonders durch das aparte Setting der jeweiligen Klamotte auszeichnet. Zielgruppenorientiert wird hier eine Art IKEA-Wohnwelt in Sinne der Schöner-Wohnen-Redaktion bevorzugt. Für die Außenaufnahmen forschte man landesweit nach idyllischen Regionen, die dann in schnell geschnittenen Panaoramaeinstellungen und einer beeindruckenden Hochglanzoptik eingefangen und mit hippen Pop-Balladen unterlegt werden.

Des Weiteren beeindruckt eine ausgeprägte Koprolalie, der zwanghafte Neigung, beim Sprechen Ausdrücke und Bilder der Verdauungsvorgänge zu verwenden. Sowohl in "Honig im Kopf" als auch in den älteren Geschwistern finden sich stets psychopathische Sequenzen mit Peinlichkeiten, die sich im Umfeld einer Toilette abspielen. Gerne wird aber auch auf den gemeinen Furz als Humorstilmittel zurückgegriffen. Die sprachliche Kompetenz bewegt sich zwischen unorthodoxen oder schlecht betonten Satzbau ("Was heißt 'Ich liebe dich' ... Opa?.. auf italienisch."), altklugem Kindergefasel und niveaulosen Dialogen mit äußerst schlichtem Aussagewert. Auch sind große Teile aller Filme mit Schlüpfrigkeiten und Schenkelklopfern der dämlichsten Sorte kontaminiert.

Die Elektroenzephalografie zeigt ein hohes Potential an aufdringlichen Tränendrüsenappellen. Die Reflexe sind träge, wobei eine positive Babinski-Reaktion imponiert, was auf einen infantilen Entwicklungszustand hindeutet.

Ganz im Sinne der krankhaften Gefallsucht werden neben plumper Gefühlsduselei auch immer trendige Models, übermäßige Schleichwerbung und Cameoauftritte, in denen Prominente sich selbst spielen, eingesetzt. Doch "Koketterie ist falsche Grazie", wie schon das "Damen Conversations Lexikon" urteilte. "Sie ist für die Seele, was die Schminke für das Gesicht, eine Lüge; beide ziehen nur ein blödes Auge an. Koketterie ist ein Polyp des Herzens; zerschnitten, scheinbar vernichtet tausendmal, wächst er wieder an, bis er es zerstört. Koketterie ist ein kleiner Selbstmord. Das Gift der Heuchelei wirkt rückwärts; seine unausweichliche Folge ist Selbstvernichtung. In kleineren Dosen - wirkt es wie Opium; es regt auf, erhitzt, entflammt, begeistert zum Kampfe gegen alles Feindliche, aber - ihm folgen Erschlaffung, Leere des Gemüts, Ekel.' Diese poetische Einschätzung läßt sich auf das Schweiger'sche Gesamtwerk übertragen. Als dramaturgische Attraktion verläßt sich jeder Film ausnahmslos auf gestörte Beziehungskonstellationen, was die Einfallslosigkeit der Drehbuchautoren unterstreicht. Doch der destruktivste gemeinsame Nenner aller Geschwister ist Emma Schweiger, ein völlig talentfreies Element, dem in "Honig im Kopf" jedoch viel Gelegenheit gegeben wurde, sein beschränktes Mienenspiel aufzuführen.

Psychologisch mag es problematisch sein, an der armseligen Schauspielkunst von Kindern zu kritteln, insofern sollte man sich wohl eher mit den Erziehungsberechtigten auseinandersetzen, die zum wiederholten Male die Unzulänglichkeit ihres Schutzbefohlenen zur Schau stellen. Die dürftige Begabung des Mädchen läßt sich an der Tatsache ablesen, dass keine einzige Einstellung mit dem Kind länger als sechs Sekunden dauert. Das ist offensichtlich der maximale Zeitraum, in der sich Emma Schweiger die Regieanweisungen halbwegs merken kann. In diesen Intervallen wurde der Film zusammengeschnippelt. Aus neuropsychologischer Sicht stellt sich nun die Frage, ob diese beklagenswerte Gedächtnis- und Konzentrationsleistung auf ein Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsyndrom zurückzuführen ist oder Emma Schweiger einfach keinen Bock hatte, mehr als zwei kurze Sprechsätze auf einmal auswendig zu lernen. Aber zum Sprechen war sie primär eh nicht bestellt, vielmehr sollte sie ihr naives Gebärdenspiel darbieten. Und so grient und schmollt, weint, rollt tadelnd mit den Augen, und lacht sie stets kess hergerichtet in ungefähr eintausend kurzen Szenen und suggeriert dem Zuschauer mit der Brechstange, was er gerade empfinden soll. Wie ein visueller Untertitel für Begriffsstutzige wird der kitschige Plot des Films mit den Gefühlsausbrüchen der Pubertierenden permanent begleitet.
Nachsichtige Gemüter mögen diese Darbietung bestenfalls niedlich finden, wer hingegen diese berechnende Zuschauermanipulation durchschaut, wird von der (gelegentlich auch schamlosen) Verwertung kindlicher Reize angewidert sein.

Perfiderweise wurde "Honig im Kopf" erstmals den bekannten Anomalien eine unheilbare Krankheit als tragische Komponente vorsätzlich hinzugefügt.

Was ist gegen eine familienunterhaltende Thematisierung von Morbus Alzheimer einzuwenden? "Honig im Kopf" wird doch mitunter dafür gelobt, dass diese verbreitete Krankheit ins Bewußtsein der Bevölkerung gerückt wird. Und die Idee, (neurologische) Krankheiten in Spielfilmen zu behandeln, ist ja auch keine wirklich neue. Wird der Kinogänger beispielsweise mit dem Begriff "Autismus" konfrontiert, so denkt er vermutlich an einen etwas schrulligen Dustin Hoffman, der seinem Bruder mit Empathie und einer beeindruckenden Fähigkeit aus der Patsche hilft. Nur leider können die allermeisten Autisten nicht auf einen Blick die Anzahl der zu Boden regnenden Streichhölzer beziffern, sondern fallen oft genug nur durch Aggressionen und Automutilation auf. Doch auch wenn "Rainman" ähnlich märchenhaft angelegt ist wie "Honig im Kopf", geht dieses Drama wesentlich aufrichtiger mit der Erkrankung um und nutzt sie nicht kalkuliert für billige Lacher und theatralische Gesten aus.

Mehr Tiefgang versprechen auch Spielfilme wie "Still Alice", "Vergiß mein nicht!" oder "Mein Vater", die mit hervorragenden Schauspielern bereits packend und sensibel vom Alltag mit demenzerkrankten Menschen erzählen. Wer indessen "Honig im Kopf" gesehen hat, wird sich bei der Alzheimer-Krankheit möglicherweise nur an den tapsigen Opi mit dem Stofftier im Arm erinnern und diejenigen verdammen, die ihre betroffenen Angehörigen (doch) in eine entsprechende Betreuungseinrichtung einquartieren (die zudem in den allermeisten Fällen nicht mal annähernd so exquisit ausgestattet sein wird, wie die im Film dargestellte Luxusunterbringung ohne Pflegenotstand), denn das Verhalten von Demenzkranken verschreckt früher oder später nicht nur Kinder. Insofern wage ich die Unterstellung, dass Til Schweiger das Betroffenheitsthema "Alzheimer" nur als Vehikel für oberflächliche Witze unterhalb der Gürtellinie mißbraucht.

Wie nach allen Erfolgen, wird der gewiefte Geschäftsmann sicherlich auch dieses Mal wieder krampfhaft darüber nachgrübeln, wie er seine Tragikomödie nachhaltig finanziell ausschlachten kann und bastelt vermutlich schon unter dem Arbeitstitel "Cola im Darm" an einer Fortsetzung mit Morbus Crohn, die ihm ganz bestimmt reichlich Stoff für verschmutzte Unterwäsche und Toilettenschüsseln, Fäkalien und Flatulenz bietet. Glücklicherweise fällt dieses Krankheitsbild dann nicht in mein Fachgebiet, so dass ich davon ausgehen kann, dass dieser braune Spaß dann nicht auf meiner Behandlungsliege landen wird.
Kommentar Kommentare (12) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 19, 2015 9:25 PM MEST


Kosmos 692322 - Machi Koro
Kosmos 692322 - Machi Koro
Preis: EUR 16,33

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Machi Koma, 19. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Kosmos 692322 - Machi Koro (Spielzeug)
Ich muss gestehen, dass ich von dem Spiel-des-Jahres-2015-Kandidaten "Machi Koro" schon nach wenigen Spieldurchgängen ziemlich enttäuscht bin. Das Würfelspiel bietet nur eine überschaubare Tiefe, die Erfolgsstrategie ist rasch entdeckt und dann entscheidet eigentlich nur noch das Würfelglück, wer ganz nach oben auf das Siegertreppchen klettern darf. Das simple Spielprinzip hat den Vorteil, dass die Regeln neuen Mitspielern geschwind erklärt sind und man schon nach kurzer Zeit loslegen kann. Ebenfalls positiv auf den Spielfluß wirkt sich der Umstand aus, dass ein Zug auf nur wenige Aktionen begrenzt ist und man rasch wieder an der Reihe ist.

Doch wie erwähnt, flaut der Spielspaß und die Spannung schon nach wenigen Runden ab. Verglichen mit dem Basis-Kartenspiel von "Siedler von Catan", dem abwechslungsreichsten Spiel für zwei Personen, das ich persönlich kenne, besitzt "Machi Koro" nur geringe Komplexität. Überhaupt drängt sich der Eindruck auf, dass man mit diesem Kartenspiel nur ein billiges Catan-Plagiat aus Fernost auf dem Tisch liegen hat. Dem Spiel fehlen einfach die originellen Ideen. Die Gestaltung der Spielkarten fällt zudem bemerkenswert lieblos und kalt aus. Hier hätte der Kosmos-Verlag durchaus ein paar Euro in einen gefälligen Illustrator investieren können, denn das Auge spielt schließlich mit.

"Machi Koro" ist ein Aufbauspiel, das für jüngere Schüler sicherlich eine Zeit lang einen gewissen Reiz besitzt, Erwachsene werden sich wohl sehr bald langweilen, der Spielspaß nimmt zumindest anfangs proportional zur Anzahl der Spieler zu. Insgesamt betrachtet lohnt sich - trotz des recht günstigen Preises - in meinen Augen die Anschaffung nur bedingt.


Stadtrandlichter
Stadtrandlichter
Preis: EUR 7,99

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Uh boy!, 4. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Stadtrandlichter (Audio CD)
Wenn man "Stadtrandlichter" gehört hat, wirft der Pressetext zu diese Platte so manche Frage auf. Zum Beispiel ob musikalische Unabhängigkeit zwingend ein Segen ist. Klar: künstlerische Freiheit, das eigene Label und "sein eigener Chef sein", hört sich klasse an. Machen, was Spaß macht und das Hobby zum Beruf. Freidrehen, bis einem schwindelig wird. Sich geben, worauf man Bock hat. Keine Rücksicht, ohne Umweg, geradeaus. Geile Sache, keine Frage.
Im Literaturbetrieb ist es allerdings aus gutem Grund verpönnt, seine eigenen Bücher selbst zu verlegen. Denn wenn man sich nur mit Sympathisanten und Freunden umgibt, fehlt schnell das konstruktive Korrektiv und genau diesen selbstverliebten Makel hört man Cluesos Stadtrandlichtern an. Schon der Vorgänger ließ Dynamik vermissen und auch das aktuelle Album schwächelt in dieser Beziehung.
"Rumpelig" und "druckvoll" sollen die neuen Tracks laut Produktinformation sein. Die meisten Titel sind tatsächlich gefällig arrangiert, aber der Gesamteindruck verliert sich in einer temperamentlosen Langeweile, die weder drückt noch auffallend rumpelt. Textlich dreht sich Clueso eh seit "So sehr dabei" im Kreis, seine gesangliche Bandbreite bleibt beschränkt.
Über Geschmack läßt sich bekanntlich (nicht) streiten, ich für meinen Teil hätte mir jedoch statt künstlicher Beats mehr authentische Energie gewünscht. Viele "Stadtrandlicher" leuchten mit mindestens zehntausend Kelvin, kaltweiße Soundspielereien färben die Songs synthetisch. Ich vermisse die "charmante Unvollkommenheit" der ersten Alben, denn wenn Monotonie Ausdruck von "Reife" und "unheimlicher emotionaler Tiefe" sein soll, dann lob ich mir das ehrliche, aber abwechslungsreiche Chaos.

"Vollkommenheit" ist übrigens gar nicht erwünscht. Charisma, Einzigartigkeit, Innovation, Mut und Leidenschaft sind erstrebenswert und Attribute, die in den Pop-Himmel führen. Diejenigen, die dort schon angekommen sind, zeichnen selten Makellosigkeit aus.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 10, 2014 1:19 AM MEST


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Preis: EUR 119,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wenn etwas gut funktioniert, sammelt es nur Energie für den Worst Case..., 12. September 2014
Ich besitze diesen Blu-ray-Player nunmehr anderthalb Jahre, - hatte also inzwischen reichlich Zeit, das Gerät zu testen, so dass ich mich heute in der Lage fühle, einen kleinen Erfahrungsbericht verfassen zu können.

Ja, das Gerät spielt problemlos Blu-rays und DVDs ab. Zudem erkennt der Player viele gängige Videoformate. Die Bildqualität ist wie erwartet gut.
Damit habe ich allerdings auch schon die positiven Eindrücke abgearbeitet.

Ärgerlich wird's nämlich bereits, wenn man das Gerät einschaltet, denn es vergeht stets eine gefühlte Ewigkeit, bis man endlich weitere Funktionen aktivieren kann. Um ein optimales Bild zu erzielen, habe ich das Gerät über HDMI an den Fernseher angeschlossen. Im Vergleich zu dem abgelösten DVD-Player, den ich mit RGB-Cinch mit dem TV-Gerät verbunden hatte, läßt der Ton nun auffallend an Dynamik und Lautstärke vermissen. Trotz HDTV habe ich auch bei Blu-ray-Wiedergabe die berühmten "schwarzen Balken" auf dem Bildschirm...

USB 3.0 unterstützt das Gerät nicht! USB 2.0 wird zwar erkannt, aber das Abspielen von komprimierten Videoformaten von USB-Sticks oder Festplatten ist äußerst fragil. Spätestens, wenn man die laufende Wiedergabe durch Vor- oder Rücklauf, Pause oder ähnlichem unterbricht, ist das Gerät überfordert und bricht die Wiedergabe in der Regel ab. Mehrmals beim Abspielen von gebräuchlichen Videoformaten hatte ich das Problem, dass während der Vorführung in regelmäßigen Abständen (alle 40-60 Sekunden) das Bild für ungefähr eine Sekunde schwarz wurde. Auch das nervt ungemein.

Ich rate vom Kauf dieses Blu-ray-Players ab.


A Long Way Down
A Long Way Down
DVD ~ Pierce Brosnan
Preis: EUR 6,97

5 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Immer wenn etwas nicht mehr schlimmer werden kann, wird es noch schlimmer..., 30. August 2014
Rezension bezieht sich auf: A Long Way Down (DVD)
Wo steht eigentlich geschrieben, dass jedes Nick-Hornby-Buch auch verfilmt werden muss?
Es gibt Regeln, die allgemein gültig zu sein scheinen. Zum Beispiel, dass Literaturverfilmungen stets enttäuschen oder dass minus mal minus plus ergibt. Und dann gibt es immer wieder die berühmte Regelbestätigung durch die Ausnahme. Die Verfilmung von "A Long Way Down" ist dafür ein schöner Musterfall. Der Roman war ja schon eine konstruierte Einfältigkeit, die jedem Hornby-Fan einfach nur traurig machte. Nicht wegen der Thematik des Buches, sondern weil der einst so clevere Autor den Intellekt seiner Leserschaft mit einer dümmlichen Farce beleidigte.
Insofern sollte man bei einer Verfilmung einer eher dürftigen Vorlage also nach bestimmten Gesetzen und deren widersprechenden Sachverhalte ein durchaus erfreuliches Ergebnis erhoffen dürfen. Doch leider versagte auch hier die Alchemie auf ganzer Linie. Wieder gelang es nicht, aus Wertlosem etwas Kostbares zu schaffen.
Aber ehrlich gesagt, hätte diese Transmutation auch nur gelingen können, wenn jemand den Roman mit Kneifzange und Lötkolben bearbeitet hätte. Die Geschichte ist einfach von Anfang bis Ende unglaublich schlicht ersonnen. Das Aufeinandertreffen, die Beweggründe, das Verhalten und die Kameradschaft der Suizidkandidaten überschreitet die Grenze zum unerträglichen Kitsch mit einer Fettnäpfchengarantie, die ihresgleichen sucht. Status und Charakter der Protagonisten sind so konträr und mitunter widersprüchlich angelegt, dass sich ein gemeinsame Verbundenheit praktisch ausschließt. Gekrönt wird dieses Trauerspiel von derart unnatürlichen Dialogen, die nicht einmal Britanniens elitärste Schauerspielerkunst hätte retten können, - womit ich allerdings nicht unbedingt behaupten möchte, dass diese auch bei der Verfilmung von "A Long Way Down" versammelt war.

Was hat der Film nun bewiesen?
Literaturverfilmungen fallen in der Regel enttäuschend aus.
Minus plus minus ergibt Schlimmes.
Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 3, 2014 6:05 PM CET


Noah
Noah
DVD ~ Russell Crowe
Preis: EUR 7,46

6 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Grundgütiger!, 29. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Noah (DVD)
Dass so hervorragende Schauspieler wie Russell Crowe oder Anthony Hopkins regelmäßig in minderwertigen Hollywood-Klamauk anzutreffen sind, ist gleichermaßen beklagenswert als auch unverständlich..
Dieser Film ist für den Zuschauer wirklich eine alttestamentarische Prüfung mit Überlänge. Die völlig verquaste Geschichte bedient sich schamlos aus allen möglichen Quellen. Neben der Bibel finden wir Elemente aus Märchen ("Hans und die Bohnenranke"), Mythologie ("Asklepios") und Fantasy ("Die unendliche Geschichte"). Wundersame Samenkapseln und Heilungen, steinerne Ungeheuer, Erbsünde, göttliche Visionen und die drohende Opferung von Säuglingen bilden die dramaturgischen Eckpfeilers dieses Streifens, der sich allerdings vollends auf die visuellen Special-Effects der Neuzeit verläßt.

Die vielgelobte Bilderkraft des Films habe ich jedoch als eher störend (und zuweilen erbärmlich) empfunden. Gerade in der ersten Stunde tapsen die Darsteller recht unbeholfen in ihrer Green-Box herum, die man trotz des nachträglichen technischen Aufwands ohne Probleme rekonstruieren kann. Insofern wäre eine fesselnder Plot ungemein hilfreich gewesen, denn nur wer sich langweilt, stößt sich an derartigen Schwächen.

Einzig interessant an dem Film ist der Gedanke, dass sich die Menschheit nicht wehrlos vom Planeten fortspülen lassen wird/will und versucht, Noahs Arche zu entern. Wie dieses Unterfangen allerdings letztendlich scheitert, fügt sich stimmig in das schwache Gesamtkonzept.

Da der Film keinerlei Wert auf Bibeltreue legt (was meines Erachtens auch völlig in Ordnung ist), bot eine Sintflut doch genügend interessanten Stoff für eine zeitgemäße Verfilmung. Beispielsweise hätte man die Story einfach in die Gegenwart verlegen können. In Anbetracht des menschlichen Größenwahns und Versagens (Klimawandel, industrielle Massentierhaltung, Verlust von Biodiversität, Genmanipulation usw.) wäre ein Schöpfer doch heute sicherlich mehr den je geneigt, einen anständigen Rohrputz durchzuführen, den nur eine anständige Arche übersteht, die meinetwegen in der Hightech-Werft eines Nachkommen Noahs geschmiedet würde. In solch einem Szenario hätte sich auch die unvermeidlichen SFX-Spezialisten glaubwürdig austoben können. Feuerwaffen und Steinmonster mit Leuchtaugen (mind.) 2369 v.Chr. wirken hingegen ziemlich albern.


A Tribute to Nils Koppruch & Fink
A Tribute to Nils Koppruch & Fink
Preis: EUR 17,99

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen In einem Haus voller Lerchen, bist du der schwarze Papagei, 23. August 2014
Rezension bezieht sich auf: A Tribute to Nils Koppruch & Fink (Audio CD)
Dieses Gedächtniskompilation löste bei mir zweierlei aus: Wehmut und Begeisterung.
Wehmut, die mich immer dann ergreift, wenn ich daran erinnert werde, dass der Vogelmann ("wir reisen hier nur durch und nehmen nichts mit") viel zu früh weitergezogen ist. Niemals zuvor hat mich der Tod eines Musikers so berührt, wie der von Nils Koppruch.
Begeisterung für Nils' einzigartige Stimme, Leidenschaft, seinem cleveren Songwriting und Arrangements, die nun im Kontrast zu etlichen Interpretationen seiner Lieder noch einmal so richtig aufflammt.

Die 28 Titel dieses Tribute-Doppelalbums unterstreichen, was der "musikexpress" unlängst resümierte, nämlich, dass "kein deutscher Songschreiber so sträflich ignoriert wurde, wie Nils Koppruch".
Sicher hat Franz Dobler recht, wenn er in seinem Vorwort zum Album vermutet, dass es Nils Koppruch "wahrscheinlich am meisten gefallen hätte, dass die Bands und Künstler aus unterschiedlichsten Ecken die Stücke spielten, wie es ihnen gefällt, zu ihnen passt oder es ihnen möglich ist." Und doch: je öfter ich die Tribute-Songs höre, desto mehr wird mir Nils Koppruchs überragende musikalische Kompetenz bewußt. Obwohl ich die hier versammelten Künstler schätze und von vielen auch das eine oder andere Album besitze, bin ich der Meinung, dass kaum eine Coverversion ans Original heranreicht... und was könnte man Schöneres vom Fink'schen Gesamtwerk und Koppruchs Solo-Aktivitäten behaupten?

Gelungen fand ich Torpus & The Art Directors poppige Nummer von "Wenn du mich suchst" und das atmosphärische "Vielleicht" von Bernadette La Hengst. Aber auch Nicolai von Schweder-Schreiner & Dinesh Ketelsen, Oliver Stangl, Niels Frevert oder Wiglaf Droste fangen die Stimmung der Songs elegant ein ohne sie nur zu kopieren. Seelenverwandt ist es Gisbert von Knyphausen wohl unmöglich, einen Koppruch-Song zu verhunzen, sowohl der Opener (mit der Kid-Kopphausen-Band) als auch seine "Durchreise" sind große Klasse. Und so komfortabel wie "Die höchste Eisenbahn" (Moritz Krämer & Francesco Wilking) den "Mann ohne Schmerzen" befördert, würde sie in meiner persönlichen Favoritenliste ganz weit nach vorne rumpeln, wenn sie dort nicht schon seit ihrem phantastischen Debüt "Schau in den Lauf, Hase" längst wäre...

Ein paar Musiker und Bands verlieren allerdings die Lieder, in dem sie ihnen lediglich ihren Stempel aufdrücken. Kettcar beispielsweise machen mit "Caruso", was sie mit jedem Song machen. Vergleicht man das Ergebnis mit der so liebevoll arrangierten Vorlage, bleibt leider nicht mehr viel übrig (als der typische, alles erstickende Kettcar-Sound). Und wenn man Knarf Rellöms pumpenden "Messerkampf" erlebt, begreift man erst, was für ein begnadeter Interpret seiner eigenen Texte Nils Koppruch war. Bei Pascal Fuhlbrügges Version von "Zieh dein Hemd aus, Moses!" vermisse ich den ursprünglichen Groove. Der seltsame, näselnde Gesang und die elektronischen Beats verpassen dem eigentlich so mitreißenden Song einen widersprüchlichen, entseelten Atari-2600-Charme.

Für mich ist "Tribute to Nils Koppruch & Fink" also ein durchwachsenes Album mit vielen mittelmäßigen, einigen wunderschönen und wenigen mißlungenen Erinnerungen an Nils' Ideenreichtum und Virtuosität. Insgesamt überwiegt jedoch der positive Eindruck.

"Ich hab das Loch in der Welt gesehen.
Ich hab reingeschaut.
Jetzt weiß ich, wo sie den Tag andrehen
und wer die Stunden zerkaut.
Ich hab das Loch in der Welt gesehen."

Möglicherweise lernt ja der eine oder andere auf diesem Weg Nils Koppruch erst posthum kennen und lieben.

Hier noch die komplette Trackliste:

CD 1
1. Gisbert zu Knyphausen & Kid Kopphausen Band: Staub & Gold
2. Kajak: Wohin du gehst
3. Locas in Love: Der richtige Ort
4. Nicolai von Schweder-Schreiner & Dinesh Ketelsen: Komm küssen
5. daantje & the golden handwerk: Billiger Trick
6. Olli Schulz & Band: Loch in der Welt
7. Halma feat. Martin Wenk: Meine Ecke
9. Knarf Relloem: Messerkampf
10. Fehlfarben: Heimweh
11. The Dinosaur Truckers: Fisch im Maul
12. Peta Devlin & Ecki Heins (Cow): Heart made of stone (Herz aus Holz)
13. Schöftland: Weil's möglich ist
14. Tim Neuhaus: Einmal

CD 2
1. Click Click Decker: Er sieht sie an während sie ihn ansieht und er sieht zur Tür
2. Kettcar: Caruso
3. Pascal Fuhlbrügge: Zieh dein Hemd aus Moses
4. Wiglaf Droste & Tünseltown Rebellion Band: Stern
5. Das Trojanische Pferd: Hund
6. Niels Frevert: Als einer einmal nicht kam
7. Oliver Stangl & Lars Paetzelt: Irgendwann Regen
8. Sven Bünger: In die Stille
9. Peter Lohmeyer feat. Günter "Rex" Märtens: Wann darf ich gehn
10. Bernadette La Hengst: Vielleicht
11. Johannes Oerding: Hamburger Berg
12. Torpus & The Art Directors: Wenn du mich suchst
13. Moritz Krämer & Francesco Wilking: Mann ohne Schmerzen
14. Gisbert zu Knyphausen: Durchreise
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 24, 2014 4:48 PM MEST


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