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Rezensionen verfasst von
SisterDew (Deutschland)

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F
F
von Daniel Kehlmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn Qualität über Lautstärke triumphiert..., 29. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
Wer versucht, "F" zu rezensieren, begibt sich auf dünnes Eis, denn in Anbetracht von Daniel Kehlmanns Scharfsinn und Sprache, läuft man schnell Gefahr, einzubrechen.

"F" machte mich von der ersten Sekunde süchtig. Einen derart komplexen Roman in solch einer nonchalanten Diktion zu schreiben, ist in meinen Augen eine Meisterleistung, die ich bisher selten erlebt habe. Kehlmann versteht es, die großen Themen "katholische Kirche", "Finanzwelt" und "Kunstbetrieb" und deren grotesken Metaebenen gekonnt und humorvoll zu verknüpfen. So raffiniert wie der Roman abgebaut ist, verliert er nie an Dynamik und Spannung. Selten schweift Kehlmann in übersinnliche und bizarre Momente ab, ohne jedoch das Gefüge der Geschichte zu beschädigen. Kundig bewegt sich der Autor in den verschiedenen Milieus der Protagonisten und formuliert listig und für jedermann verständlich die Absurdität ihres Versagens. Möglicherweise bedienen die drei Brüder oberflächlich viele Stereotypen ihrer jeweiligen Branche, doch das wirklich Entscheidende jedes Charakters, liegt in ihren individuellen Geheimnissen, die sie um jeden Preis verbergen wollen. Und was "F" zu einem literarischen Hochgenuß werden läßt, ist sein geistreicher loriot'eske Humor, der in zahlreichen Dialogen und Situationen aufblitzt.

Ich verzichte ganz bewußt auf Beispiele und Handlungsabläufe, denn dies würde den Lesespaß deren mindern, die sich glücklich schätzen können, das Buch das erste Mal lesen zu dürfen. "F" zeichnet ein cleveres Spiegelbild einer korrupten, bigotten Gesellschaft. Der Roman stellt immer wieder die Frage nach dem Einfluß von Religion, Determinismus und Metaphysik auf unser Leben und illustriert virtuos, dass sich jede kulturelle Errungenschaft früher oder später pervertiert.

Die (auch) hier in sternenarmen Kritiken gelegentlich formulierten Vorwürfe, der Roman sei zu konstruiert und hätte über unsere Gegenwart nicht viel mehr zu erzählen, als einer Folge "Lindenstraße", machen auf mich einen mißgünstigen und unlauteren Eindruck. Ein Blick auf die Bestseller-Listen genügt, um schrecklich dumme Romane mit unangenehm schlichten Satzbau zu identifizieren, - "F" gehört mit Sicherheit nicht dazu. Und Rezensenten, die dieses Buch mit weniger als vier Sternen bewerten, sollten sich im Klaren sein, auf welches traurige Niveau sie diesen außergewöhnlichen Roman herabzerren. Man muss "F" ja nicht mögen, die intellektuelle Leistung des Autoren ist jedoch unbestritten und der eines Dan Brown oder Simon Beckett um Lichtjahre überlegen... und entsprechend zu würdigen.

Zu loben bleibt abschließend noch die hervorragende Hörbuchfassung. Burghart Klaußner trifft den Ton des Romans ganz wunderbar. Obwohl der Wunsch vermutlich ein frommer bleiben wird, hoffe ich einfach, dass niemand auf die irrwitzige Idee kommt und diese Geschichte verfilmen will. (Und wenn's schon sein muss, bitte nicht noch einmal Detlev Buck!)


Das rote Haus
Das rote Haus
von Mark Haddon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Superschlechte Tage (oder die sonderbare Lektüre eines einschläfernden Buches), 8. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Das rote Haus (Gebundene Ausgabe)
Tagelang habe ich mich durch die Seiten dieses Romans gequält, anfangs habe ich mir noch Mut gemacht, dass ich mich irgendwann in den unkonventionellen Stil hineinfinden werde oder der Roman doch noch in einen gewohnten Fluss übergeht, doch das Buch lasen sich auch nach zweihundert Seiten zäh. Zwei Familien machen Ferien in einer ländlich geprägten Grafschaft und es passiert... - nichts. Zumindest nichts, was das Füllen von über 330 Seiten rechtfertigt. Wie der unangenehme Onkel unterm Weihnachtsbaum holt Mark Haddon aus und erzählt unerbittlich von familiären Disharmonien und pubertären Wirrungen, die auch als Kurzgeschichte nur bedingt taugten. Dabei schweift der Autor nicht selten ins Rätselhafte und Surreale ab. Aber es ist nicht der Plot an sich, der die Lektüre des Romans so anstrengend macht, sondern die Art und Weise, wie Mark Haddon sein Drama strukturiert. Absatz für Absatz wechselt der Autor die Perspektive, ständig muss man als Leser spekulieren, wer denn jetzt überhaupt spricht, denkt oder handelt und ob die Person dies auch tatsächlich macht oder sie es sich nur vorstellt. Auch behindern die scheinbar willkürlich kursiv gesetzten Textpassagen den Lesefluß und das Verständnis. Und wenn man glaubt, endlich das Problem eines Protagonisten erfasst zu haben und sich ein wenig mit dessen Situation vertraut gemacht hat, das Interesse also geweckt wurde, zerschneidet der Autor diesen fragilen Faden wieder und wendet sich einer anderen Figur zu. Dieses destruktive Prinzip und Haddons mißglückte Erzählkunst unterdrücken jegliche Bindung oder Sympathie zu all den beschädigten, traurigen Menschen. Die Konflikte sind banal, die Dialoge gestelzt. Zerfahren und sprunghaft vergehen die Tage im roten Haus: die Urlauber kehren von Einkäufen und ereignisarmen Ausflügen heim und der Leser wird manchmal seitenlang mit unmotiviert eingeworfenen Gedanken, Zitaten und Allegorien konfrontiert, die deplaziert wirken und ohne erkennbaren Zusammenhang in die Geschichte eingewebt zu seien scheinen.

Hier ein Beispiel: Direkt nachdem sind Louisa aus kleinkarierten, nicht unbedingt nachvollziehbaren, Gründen über ihren Mann ärgerte, folgt diese ausufernde Konfusion ohne Bezug auf Disput und das verwickelte Ehepaar:
"Marja, Helmand. Der Heckenschütze liegt weit genug vom Fenster entfernt, dass sein Objektiv die Sonne nicht reflektiert. Knall und Rückstoß. Ein Marine bricht unter seinem frischem Knopfloch zusammen. Morgenlicht über den Wildpferden der Khentil-Berge. Huddersfield. Braune Zuckerbläßchen auf einem vergilbten Löffel. Schildkröten ertrinken in Öl. Das Surren von Binärzahlen, eine Trillion Einsen und Nullen. Anleihen und Zukünfte werden weggespült. Reckitt Benckiser, Smith & Nephew. Gräden und Magmakammern. Eyjafjallajökll raucht wie ein Hexenkessel. Müdigkeit mischt die Ereignisse des Tages wie ein Kartenspiel. Kelche und Münzen. Der Magier. Der Verräter. Pfeilspitzen und Reilröcke zerschmettert und verstreut in Geisterstädten. Der Klimawandel. Cadmium, Arsen, Benzol, Baby, please. Eine Ranch steht in der Prärie in Flammen, Brando und Hepburn tigern durch ihre Silberkäfige, wieder und wieder. Ein jeder Geist im Zentrum von Raum und Zeit. Der funkelnde kleine Stern des Jetzt. Spatzen fliegen durch den Bankettsaal, wo man in den Wintermonaten sitzt, um mit seinem Lehnsherren und Beratern zu speisen. Die Hand des Stiefvaters über dem Mund des Kindes. Mein irisch Kind, wo weilst du? Ein Blauwal taucht durch die abgründtiefe Kälte. Viperfisch, Fangzähne, Pilikanaal. Eine Burlington Northern verläßt den Bahnhof von Fort Benton mit Waggons voller Korn. Wolkenblitze über Budapest, Gezeitenwechsel der Themse. Mit Arklow Surf zum White Mountain, mit der Cymbeline nach Ford's Jetty." Und so geht das noch eine halbe Seite weiter...

Das alltägliche Drama wird in den besten Romanen thematisiert und Autoren wie beispielsweise Stewart O'Nan oder Jonathan Franzen machen aus diesen Geschichten lesenswerte Literatur, weil sie eine meisterliche Sprache besitzen, die fesseln kann. Auch Mark Haddon hat bereits bewiesen, dass er schreiben kann, doch das Experiment mit "Das rote Haus" ist in meinen Augen auf ganzer Linie gescheitert.


Ray Donovan - Season 1 [UK Import]
Ray Donovan - Season 1 [UK Import]
Wird angeboten von DVDpolis (Preise inkl. MwSt.)
Preis: EUR 46,95

3 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde..., 27. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Ray Donovan - Season 1 [UK Import] (DVD)
Das Schlimmste, was ein Showrunner einer Serie antun kann, ist, nicht zu wissen, was sie eigentlich sein soll. "Ray Donovan" ist von der ersten Sekunde ein vollkommen desorientierter Mutant, der vom Drama ins Comedy stolpert und letztendlich im belanglosen Trash strandet. Die Episoden sind überladen mit langweiligen und überdrehten Handlungssträngen, die stets um Humor bemüht sind, ihr Ziel aber in der Regel meilenweit verfehlen. Paradebeispiel für diese mißglückte Heiterkeit ist die Rolle des Mickey Donovan, dessen Charakter dermaßen überzeichnet ist, dass einem vor lauter Fremdscham jede Lust auf eine weitere Folge vergeht. Die Serie wirkt wie ein Popvideo mit Überlänge: hektische Schnitte, Hochglanzoptik, nervöse Kameras. Der Titelheld ist blaß - und das Hamstergesicht Liev Schreiber spielt diesen Unsympathen zudem in einer erschreckend einfältigen Weise. Überhaupt wurde offensichtlich viel Wert darauf gelegt, ausschließlich den primitiven Proll mit Identifikationsfiguren und Inhalten zu bedienen, um ihm reichlich Gelegenheit für sein niederträchtiges "Höhöhöhö!" zu bieten.

Schon allein die ersten drei Episoden sind vollgepfropft mit den Konflikten drei Dutzend anderen Serien, aus denen die Drehbuch(ab)schreiber eine wirklich unappetitliche Rezeptur kreierten. Man nehme also zwei gestörte Brüder (der eine als Kind mißbraucht, der andere mit Parkinson gestraft), eine zerrüttete Familie, ein paar übergeschnappte Problem-Rapper und einen retardierten Juden, würzt das ganze mit einer Prise Blow-Jobs und Seitensprünge und köchelt den Murks dann auf niedrigem Niveau mit einer Handvoll FBI-Intrigien und einem infantilen Vater, dem kein Tabu-Bruch zu blöd ist. Abgeschmeckt wird mit einem Haufen Gewalt, Drogen, Homophobie und absurden Dialogen. Fertig ist eine ganz und gar ungenießbare Serie, die weder spannend noch witzig, weder interessant noch in irgendeiner Beziehung sehenswert ist. Abgesehen von einer aufwendigen Produktion ist sie auf jeder Ebene (Schauspielerleistung, Erzählstruktur, Machart, Plot und Subtext) minderwertig. Bon appétit!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 14, 2014 9:42 AM MEST


Homefront
Homefront
DVD ~ Jason Statham
Wird angeboten von media4world
Preis: EUR 12,65

8 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Den "Italian Stallion" reiten, bis er zusammenbricht, 9. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Homefront (DVD)
Wofür Til Schweiger in Deutschland steht, dafür steht Sylvester Stallone in Amerika: nämlich für einfach gestricktes Mainstream-Kino nach stets bewährtem Muster. Während Schweiger seine mäßig unterhaltenden Familienkomödien in einer berechenbaren Reihenfolge aus Kinderniedlichkeit, Modelschauspielerinnen, Fäkalwitz und Partnerwechsel baut, schmurgelt Stallone nach altbackener Rezeptur seine Hochglanz-Action-Imitate. Beide verwenden ausgediente Schablonen, durch die sie ihre beschränkten Geschichten pressen.

Keine Frage, "Homefront" ist aufwendig produziert und mit Jason Statham in der Hauptrolle top besetzt. Doch leider ging mir der Aufbau der Story, die plumpe Zuschauer-Manipulation und die offenkundige Botschaft des Films schon nach kurzer Zeit ganz gehörig auf die Nerven. Stallones verkrampfte Handschrift ist unverkennbar, seine urzeitgemäße Schwarz-Weiß-Malerei macht weder Spaß noch bietet sie dramaturgische Finesse. Statt dessen folgt die Struktur des Films einem strengen Action-Kodex, den man bereits aus ungezählten (Stallone-)Streifen kennt. Gleich am Anfang wird uns unmißverständlich in einer adrenalingeschwängerten Eingangssequenz der tollkühne Heldenmut der Zentralfigur eingebläut , - anschließend reduziert sich die Schlagzahl auf ein romantisches Tempo, um eine emotionale Bindung herzustellen. Wie so oft, muss hierfür ein Kind herhalten, das sich tapfer mit dem Leben eines Halbwaisen arrangiert und vom Vater liebevoll umsorgt wird. Hier patscht der Drehbuchschreiber von einem Fettnäpfchen ins nächste: affektiert die Mimik, schwulstig der Dialog. Wen dieser gefühlsduselige Kitsch wahrhaftig anrührt, muss Amerikaner sein. Während nun die aparte Lehrerin schicklich zarte Bande zur Kleinfamilie knüpft, platzt - o weh - plötzlich das Böse in das gemütliche Leben der Guten und das Böse zieht noch viel Böseres aus der Vergangenheit mit sich, so dass nun die Notwendigkeit des "Stand Your Ground" außer Frage steht. Auf dem blutigen und explosiven Pfad zur Gerechtigkeit bleiben natürlich der unvermeidliche, gutmütige Kumpel und ein liebgewonnenes Kuscheltier auf der Strecke. Was am Ende bleibt, ist die schale Erkenntnis, dass ein Einfaltspinsel wie Sylvester Stallone auch mit der x-ten Wiederverwertung seines reaktionären Weltbilds sein Publikum offensichtlich immer noch bestens unterhalten kann. Nichts überrascht an "Homefront", steif und humorlos erzählt Stallone eine Geschichte aus dem Action-Setzbaukasten.
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 6, 2014 10:45 PM MEST


House of Cards - Die komplette erste Mini-Serie [2 DVDs]
House of Cards - Die komplette erste Mini-Serie [2 DVDs]
DVD ~ Ian Richardson
Preis: EUR 12,41

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ich mag das so sehen, Sie dürfen es kommentieren!, 23. Mai 2014
Ich war sehr gespannt auf die hochgelobte BBC-Vorlage, die nach dem erfolgreichen US-Remake von "House of Cards" unlängst auf DVD/BluRay erschienen ist. Ich schätze viele europäische (v.a. britische und skandinavische) Serien- und Spielfilm-Produktionen und wundere mich oft über die völlig überflüssigen und mitunter minderwertigen Neuauflagen für das xenophobe amerikanische Publikum. Doch nachdem ich nun die ersten beiden Teile ("Ein Kartenhaus" und "Um Kopf und Krone" mit jeweils 4 Episoden) der britischen Trilogie gesehen habe, muss ich eine gewisse Ernüchterung bei mir feststellen. Als vor Jahren nämlich das Remake angekündigt wurde, lobte man das Original als Meisterwerk. Seinerzeit gewann die Serie ja auch etliche renommierte Preise, doch ein halbes Jahrhundert später sieht man der Produktion doch ihr Alter an. Technisch wurde das Material zwar für die BluRay ordentlich aufgearbeitet, aber die Serie wirkt insgesamt trotzdem recht angestaubt. Natürlich ist es durchaus interessant und unterhaltsam, dem Marionettenspieler Francis Urquhart bei seinen hinterhältigen Intrigen zu beobachten, richtig mitreißend war das für mich jedoch nicht. Was möglicherweise 1990 noch progressiv an der BBC-Serie war, macht heute leider nur noch einen ziemlich harmlosen Eindruck. Mal abgesehen vom überholten Styling (Garderobe, Make-up, Frisuren) des Ensembles, den man einer 90er-Jahre-Produktion schwerlich vorwerfen kann, ist auch der ganze Drehstil auffällig antiquiert. Von linearer Erzählstruktur bis zur Kameraführung wurde hier handwerklich simpel gearbeitet. Auch das, was womöglich viele Zuschauer amüsant finden, nämlich Urquharts direkte, süffisante Ansprache ans Publikum, verleiht der Serie in meinen Augen einen schwächenden Comedy-Charakter. Und wenn regelmäßig Ratten durchs Bild huschen, wirkte diese Allegorie auf mich eher plump und unbeholfen. Nun mag es unfair sein, "Ein Kartenhaus" mit den aktuellen Topserien dieses Genre zu vergleichen, denn mit Michael Dobbs schrieb ein echter Polit-Insider am Drehbuch mit und ich kann mir gut vorstellen, dass der Plot nicht ausschließlich auf Fiktion beruht. Aber auch wenn die Serie inhaltlich wegweisend für andere Spielfilme und Serien war, fehlt ihr die dramaturgische Reibung, die ihr auch mehr Spannung verliehen hätte. Zynismus ist ja ganz nett, aber wenn Pläne stets aufgehen und niemand ernsthaft auf Augenhöhe opponiert, wenn Störfaktoren mühelos ausgeschaltet werden und die graue Eminenz entkommt, bevor sie buchstäblich mit dem Rücken an der Wand steht, vermisse ich als Liebhaber guter Drama-Serien das Salz in der Suppe.

Ein zeitgemäßes Remake wäre also durchaus opportun gewesen, doch leider wurden die von mir empfundenen Schwächen des Originals von David Fincher und Kevin Spacey (in der ersten Staffel) übernommen. Sowohl das BBC-Original als auch das US-Remake von "House of Cards" haben als Blick hinter die politischen Kulissen unterhaltsamen Wert, überragend schätze ich sie jedoch nicht ein, weil ich in beiden Fällen das spannende, bedrohlich konkurrierende Element vermisse.


Der Ruf des Kuckucks
Der Ruf des Kuckucks
von Robert Galbraith
  MP3 CD
Preis: EUR 16,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brillanter Roman, wunderbares Hörbuch, 5. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Ruf des Kuckucks (MP3 CD)
Es ist ja kein Geheimnis, dass sich hinter dem Pseudonym "Robert Galbraith" niemand anderes als die Erfolgsautorin J.K. Rowling verbirgt, - und obwohl ich kein einziges Harry-Potter-Abenteuer gelesen haben, erwies sich "Ein plötzlicher Todesfall" für mich tatsächlich als ein äußerst erfreulicher Glücksfall, denn sowohl die raffinierte Geschichte als auch die kluge, humorvolle Erzählstruktur der Autorin haben mich gleichermaßen überrascht als auch begeistert. Und auch "Der Ruf des Kuckucks" ist ein phantastisches Buch. Ich empfinde großen Respekt vor der Autorin, die sich in keine Schublade stecken läßt und mit dieser komplexen Kriminalgeschichte ihre außerordentliche Vielseitigkeit beweist. Nicht nur, dass der Roman auf lässige Art und Weise das Privatdetektiv-Genre parodieren, das Buch bietet zudem einen nonchalanten Blick in die Glamour-Welt der Schönen und Reichen und es drängt sich hin und wieder der Eindruck auf, ob Rowling nicht vielleicht auch unterschwellig mit dem Boulevardjournalismus abrechnen wollte. Wie schon in "Ein plötzlicher Todesfall" beeindruckt mich, wie liebevoll und facettenreich sie ihre Protagonisten ausarbeitet, wie glaubwürdig sie diese reden, fühlen oder handeln läßt. Kaum ein Dialog wirkt gestelzt, nichts erinnert an die konstruierten Wendungen eines Simon Beckett. Diese Leistung ist gar nicht laut genug hervorzuheben, da sich Rowlings beziehungsreiche Romane stets in allen Gesellschaftsschichten bewegen und ihr offensichtlich kein Milieu fremd ist. Immer trifft sie den richtigen Ton und verstreut wohl dosiert britischen Witz und Scharfsinn. Im Gegensatz zu etlichen aktuellen Bestsellern wird der Leser von "Der Ruf des Kuckucks" nicht durch humorlosen, schlichten Satzbau gequält, sondern von J.K. Rowlings reifen Sprache großartig unterhalten. Und das ist auch die Stärke des Buchs: nicht eine atemlose, irrsinnige Dan-Brown-Schnitzeljagd durch London, sondern eine clever zusammengepuzzelte Geschichte, die brillant formuliert ist und deren zahlreiche Handlungsstränge sich am Ende zu einem wirklich gelungenen Finale verknüpfen.

Abschließend noch ein riesengroßes Lob für die Hörbuchfassung, die von einem der besten deutschen Synchronschauspieler gesprochen wurde. Was Dietmar Wunder mit dem Roman macht, ist ganz große Kunst. Er liest die Geschichte so lebendig und abwechslungsreich, dass man schon nach wenigen Kapiteln tief in den Fall eingetaucht ist und sich mit den Helden richtig anfreundet hat. Es ist einfach klasse, wie WUNDERbar der Sprecher den vielen Romanfiguren jeweils eine eigene, markante Stimme verleiht. Wer sich übrigens noch gerne an die TV-Serie "Ausgerechnet Alaska" erinnert, kann sich auf ein Wiederhören mit Doktor Fleischman freuen, dessen unverwechselbarer, manchmal überschnappender Charakter sich (in der Person des John Bristow) auch ins Hörbuch geschlichen hat.


Ender's Game  - Das große Spiel [Blu-ray]
Ender's Game - Das große Spiel [Blu-ray]
DVD ~ Asa Butterfield
Preis: EUR 13,13

32 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gnade!, 26. Januar 2014
Geht's Harrison Ford und Ben Kingsley wirklich so mies, dass sie sich jetzt schon für so einen billigen SciFi-Käse verpflichten?!

Dieser Film hat offensichtlich viele Freunde, die ihre euphorischen Rezensionen und beleidigten Kommentare mit dem Hinweis auf Tiefgang und Charakterzeichnung begründen. Ich stehe persönlich total auf Tiefgang und Charakterzeichnung, aber (die Verfilmung von) "Ender's Game" ist diesbezüglich eine herbe Enttäuschung. Die angeblich komplexe Handlung begnügt sich in der (nicht sonderlich cleveren) pseudopsychologischen Manipulation eines eher durchschnittlichen Jungen. Indirekt will der Film natürlich auch den Zuschauer auf den Holzweg schicken, was ihm jedoch nur holprig gelingt. Die Figuren bleiben blass und über den dramaturgischen Plot sollte man besser keine Sekunde nachdenken. Zudem ist der moralische Showdown vollkommen unglaubwürdig. Möglicherweise bieten die Romanvorlage den Protagonisten mehr Zeit sich zu entwickeln, in der Verfilmung wird die irrsinnige "Ausbildung" eines pubertierenden Kadetten zum Oberbefehlshaber (!) hingegen in einem unbekömmlichen Tempo vorangetrieben. Auch die technische Umsetzung fand ich bei den heutigen Möglichkeiten eher bescheiden. Bei meinem Kinobesuch hatte ich den Eindruck, eine Art "Full Metal Jacket" in einer zeitgemäßen, weichgespülten Kinderversion zu sehen. Erwachsene sollten diesen Film lieber meiden!

Abschließend noch ein Wort an all die Schlauberger, die jede negative Rezension persönlich nehmen und den Urhebern die intellektuelle Fähigkeit absprechen, einen Film wie "Ender's Game" begreifen zu können, denn bei diesem mißglückten Streifen handelt es sich mitnichten um ein vielschichtiges Meisterwerk, dessen Botschaft großartig kodiert ist. "Ender's Game" ist vielmehr leichte Kost mit überschaubarem Anspruch. Ich denke, dass jede Astrid-Lindgren-Figur wesentlich mehr Tiefgang (Seele) und Charakterzeichnung (Profil) besitzt.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 13, 2014 2:48 PM MEST


Schau in Den Lauf Hase
Schau in Den Lauf Hase
Preis: EUR 14,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In vollen Zügen genießen!, 26. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Schau in Den Lauf Hase (Audio CD)
Musik ist natürlich immer Geschmackssache. Ich persönlich bin jedenfalls mit der modernen Popmusik - gelinde gesagt – überfordert. Oder um es anders auszudrücken: wenn meinen Eltern die Musik, die ich vor fünfundzwanzig Jahren hörte, ähnlich auf die Nerven ging, wie mir heute Lady Gaga, Bruno Mars oder Black Eyed Peas, dann habe ich nachträglich großes Mitleid und Respekt für deren Toleranz...

Schon die "Unzufrieden"-EP machte neugierig und große Lust auf den Longplayer. "Die höchste Eisenbahn" hat sich allerdings ein bißchen (kreative) Zeit gelassen und traf verspätet ein, - aber das Warten hat sich wirklich gelohnt. Selten hat mich in den letzten Jahren eine Platte so mitgerissen und begeistert. Dass die Musiker ihr Handwerk verstehen, beweisen sie mit jedem Lied aufs Neue. Songwriting und Lyrik sind vom Allerfeinsten. Die Tracks sind liebevoll arrangiert, die Texte oft wunderbar doppelbödig und clever. Es ist kein ICE, der da durch die Boxen braust, - mal fährt der Zug balladesk vom Kleinstadtbahnsteig ab und nimmt dann elegant Fahrt auf, um uns "Raus aufs Land" zu bringen, mal hört man anfangs die Gleise unter sich klackern, bis der Refrain überschnappt und man den Takt verliert. Jede Reise mit der "höchsten Eisenbahn" ist ein Erlebnis.

Die "Süddeutsche" zieht den Vergleich zu Nils Koppruch, den auch ich sehr vermisse und doch unterscheidet sich "Schau in den Lauf Hase" vom viel zu früh verstorbenen "Vogelmann", dessen verrätselte Poesie sein künstlerisches Markenzeichen war. "Die höchste Eisenbahn" formuliert zwar ähnlich brillant und amüsant, aber in der Regel ohne fehlende Puzzleteile. Die CD ist poppiger, als Koppruch es je war, aber zeitlos schön. Der Trend zur elektronischen (Stimmen-)Verzehrung wird konsequent verweigert. Abwechslungsreichtum, immer wieder überraschende musikalische Kapriolen, ehrliche Handarbeit und das smarte, augenzwinkernde Wissen, was man da tut, machen dieses Album zu meiner persönlichen Lieblings-CD des Jahres. Ich denke, es ist nicht zu früh, das zu behaupten.


Dexter - Die sechste Season [4 DVDs]
Dexter - Die sechste Season [4 DVDs]
DVD ~ Michael C. Hall
Wird angeboten von the-dvd-house
Preis: EUR 21,79

31 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Des Stumpfsinns fader Bruder, 17. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Dexter - Die sechste Season [4 DVDs] (DVD)
"Heilige Frankenstein-Scheiße!" (Debra Morgan)
Bisher hatte ich mich wirklich auf jede neue Dexter-Staffel richtig gefreut, doch bereits während der fünften Staffel hatte ich das Gefühl, dass so langsam das Potential aus der Serie gelutscht ist. War die vierte Staffel mit dem "Trinity-Killer" für mich noch der Serien-Highlight, so empfinde ich die sechste Staffel als die bisher schwächste und als eine ganz und gar verunglückte Fortsetzung. Was man auch immer von "Dexter" hält, die bisherigen Staffeln waren stets qualitativ hochwertig und aufwendig produziert. Mit dieser Staffel gleitet die Serie jedoch endgültig auf bitteres, knallbuntes Soup-Niveau ab. Die Geschichte um den "Doomsday-Killer" enttäuscht sowohl inhaltlich als auch handwerklich. Viele Figuren (die m.E. schon zuvor arg überzeichnet waren) wurden unglaubwürdig weiterentwickelt. Schlampig und plump versucht man in den ersten neun Episoden die Zuschauer aufs Glatteis zu führen.

Um meinen Eindruck einigermaßen plausibel zu erklären, komme ich wohl nicht drumherum, Handlungselemente der Staffel zumindest anzudeuten und spreche also hiermit eine Spoilerwarnung aus!

Zwei wesentliche Dinge haben mir den Spaß an den Folgen gehörig verhagelt: die Art und Weise der Zuschauermanipulation und... Dexter. Nie zuvor ging mir sein Verhalten so sehr auf die Nerven wie in dieser Staffel. Zwar war sein Charakter schon immer recht inkonsequent ausgearbeitet resp. wurde dieser dem Plot der jeweiligen Staffel entsprechend "modifiziert", doch was die Drehbuchautoren in der sechsten Staffel mit der Figur veranstalteten, läßt Fingerspitzengefühl und ein gerüttetes Maß an Realitätsbewußtsein vermissen. Ständig verabschiedet er sich tage- und stundenlang von der Arbeit, um "private Dinge zu erledigen", sein Handeln ist häufig absolut unlogisch und Kohle verdient ein Forensiker in Miami offensichtlich auch in Unmengen, denn Dexter pflegt einen verschwenderischen Lebensstil. Krampfhaft versucht man ihn als sorgenden Vater zu präsentieren, obwohl sich rund um die Uhr das Kindermädchen (die auch immer verfügbar ist) um den Sohn kümmern muss. Vor allem "Die Reise nach Nebraska" (erste Folge der dritten DVD dieser Box) ist eine einzige Zumutung für jeden, der mit dem bisherigen Dexter sympathisierte. Diese ganze Folge wirkt wie ein deplaziertes, überflüssiges Füllsel, um die Staffel auf zwölf Episoden zu strecken.

Zudem ist der rote Faden der Staffel ("Doomsday Killer") wirklich ganz furchtbar gestrickt. Entgegen einiger Rezensenten, bin ich jedoch der Meinung, dass nicht unbedingt die "Kühltruhe" der Knackpunkt ist, sondern die Tatsache, wie der "Inhalt der Kühltruhe" aktiv in die Geschichte eingreift oder vielmehr eingegriffen hat. Grundsätzlich finde ich die Idee des imaginären Mittäters vollkommen okay, - und wie man Zuschauer elegant auf den Holzweg schickt, haben Filme wie "Sixth Sense" oder "Angel Heart" glänzend vorgemacht. Eine ähnlich geschickte Manipulation hätte ich auch von dieser Dexter-Staffel erwartet, doch die Drehbuchschreiber haben sich dem schwachen Niveau der letzten beiden Romane des Dexter-Erfinders Jeff Lindsay angepaßt und eine Geschichte konstruiert, die auf langer Strecke richtig bescheuert wirkt. Um diese einigermaßen glaubwürdig zu erzählen, hätte (der imaginäre) Professor nämlich niemals Dinge (für den Zuschauer sichtbar) bewegen dürfen. Ich fand es auch überflüssig und übertrieben, dass Dexter Travis angekettet in der Kirche auffindet. Dass Prof. Gellar nicht (beratend oder anweisend) wie Dexters Vater in Erscheinung tritt, war jedoch eine durchaus bewußte Entscheidung der Drehbuchautoren, um so den Überraschungseffekt noch zu steigern. Bei mir hat sich diese Strategie allerdings ins Gegenteil verkehrt.

Mich langweilen diese Psychothriller (Buch, Spielfilm, Serien), in denen Morde wie Kunstwerke inszeniert werden, eh inzwischen ganz ungemein. An jedem "Doomsday-Tableau" haben sicherlich stundenlang ein Dutzend Requisiteure mit großem Aufwand und schwerem Gerät gebastelt, uns (Zuschauern) wird der blutige Quatsch dann verkauft, als könne ein einzelnes, labiles Männlein diesen Schauplatz heimlich und in kurzer Zeit so aufwendig präparieren.

Ich muss gestehen, das ich den Kauf dieser DVDs bereue und sehe den letzten beiden Staffeln dieser Serie skeptisch entgegen.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 11, 2014 3:30 PM CET


The Paperboy
The Paperboy
DVD ~ Zac Efron
Preis: EUR 5,55

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Tolles Buch, verunglückte Verfilmung, 10. September 2013
Rezension bezieht sich auf: The Paperboy (DVD)
Wie so oft, enttäuscht auch diese Literaturverfilmung auf weiter Strecke. Wer den hervorragenden Roman von Pete Dexter gelesen hat, wird mir da sicher zustimmen. Weder konnte die wesentlich düstere Atmosphäre der Buchvorlage eingefangen werden noch transportiert die Spielfilm-Adaption die abstoßende Unmenschlichkeit der Van Wetters oder die unsägliche Leidensfähigkeit von Ward Jansen/James. Und offensichtlich war dies von den Drehbuchschreibern auch gar nicht beabsichtigt. Während nämlich Nebensächlichkeiten übernommen wurden, veränderte man die entscheidenden Details (Vater-Sohn-Beziehung, Rassenproblematik, Wards Leidensgeschichte, Achemans Karriere (und Hautfarbe) und so einiges mehr) und ich frage mich warum, denn ein Happyend ist weder im Buch noch im Film zu erwarten. Warum die Geschichte plötzlich aus der Sicht der schwarzen Haushälterin der Familie erzählt wird, die im Buch nur eine (im doppelten Wortsinn) weit untergeordnetere Rolle spielt, bleibt mir ein Rätsel, - der dadurch hin und wieder aufheiternde Aspekt wirkte auf mich jedenfalls unpassend. Der Vater bleibt blaß, seine prägende Leidenschaft zum handwerklich einwandfreien Journalismus, die eigentliche Triebfeder des Romans, wird kaum angedeutet.

Natürlich ist Pete Dexters brillante Sprache kaum visuell und atmosphärisch umzusetzen und es liegt wohl in der Natur der Dinge, dass es Literaturverfilmungen stets schwer haben. Doch willkürlich und ohne Not eine großartige Geschichte zu verschlimmbessern, sollte eigentlich unter Strafe stehen. Ich vermute zudem, dass Leute, die den Film sehen, ohne vorher das Buch gelesen zu haben, Schwierigkeiten bekommen, in die Geschichte einzutauchen, da die Szenen oft arg zusammengeschnitten wirken.
Gefallen hat mir an der Verfilmung neben der soliden Schauspielerleistung der meisten Protagonisten, dass die Van Wetters nicht so aggressiv abweisend gegenüber den helfenden Reportern dargestellt wurden. Im Roman fand ich persönlich die Ablehnung und verweigerte Kooperation gelegentlich zu heftig, so dass ich als Leser kaum verstanden habe, warum die Journalisten nicht einfach die Recherche einstellten.


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